Cora Collection Band 47

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Eben waren sie noch Fremde – und nun können sie nicht genug voneinander bekommen!

BLINDES VERLANGEN von CRYSTAL GREEN
Worauf hat sie sich bloß eingelassen! Zu einer Auktion hat Leigh ein Date beigesteuert – und ein geheimnisvoller Millionär hat es ersteigert. In seiner Villa bleibt er für sie unsichtbar im Schatten. Nur seine dunkle Stimme hört Leigh – die ihr Erregendes befiehlt …

DAS GLÜCK WARTET IN BRISBANE von BARBARA HANNAY
Die hübsche Annie McKinnon muss endlich die Outbacks verlassen und ein Blind Date in Brisbane riskieren, um die Liebe ihres Lebens zu finden. Statt ihrer Verabredung empfängt sie allerdings der charmante Theo Grainger. Und der ist leider nur der Onkel ihres Dates …

WOHIN DIE NACHT UNS FÜHRT von SASHA SUMMERS
Was für ein toller Mann! Wie ihr Blind-Date endet, ist Cady sonnenklar: im Bett natürlich. Aber dann sieht sie Patton überraschend bei Vorbereitungen zu einer Hochzeit wieder, die sie beide verhindern wollen. Wenn sie einander bloß nicht ständig ablenken würden …


  • Erscheinungstag 17.12.2021
  • Bandnummer 47
  • ISBN / Artikelnummer 9783751502245
  • Seitenanzahl 400
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Crystal Green, Barbara Hannay, Sasha Summers

CORA COLLECTION BAND 47

1. KAPITEL

Leigh Vaughn starrte beklommen auf das imposante Haus, das an der Küste stand und in dem heute Abend ihre geheimnisvolle Verabredung stattfinden sollte.

„Gestern Nacht habe ich geträumt, wieder nach Manderlay zu gehen“, sagte Margot.

„Was?“ Leigh wandte sich der dunkelhaarigen Frau mit den blaugrünen Augen neben ihr auf dem Fahrersitz zu, die eine ihrer besten Freundinnen war.

„Das ist die erste Zeile des Romans ‚Rebecca‘ von Daphne de Maurier. Jagt dir dieses Haus nicht auch einen Schauer über den Rücken? Genau wie der Erzählerin im Buch, nachdem sie herausgefunden hat, dass die erste Frau ihres frischgebackenen Ehemannes auf dessen Landsitz Manderlay herumspukt?“

Leigh wünschte, dass Margot sie heute Abend einmal nicht necken würde. Im Moment wäre ein wenig moralische Unterstützung angebracht. „Es ist nur ein Date“, sprach sie den Satz aus, der ihr bereits den ganzen Tag lang im Kopf herumging.

„Ein Date. In einem riesigen, düsteren Haus. Mit einem Mann, der dir nicht sagt, wer er ist.“

Sie bemerkte das Glitzern in den Augen ihrer Freundin. „Warum musst du noch Öl ins Feuer gießen? Ich bin schon nervös genug.“

„Vielleicht solltest du auch nervös sein.“ Margot warf einen Blick auf das graue Haus mit den Spitzbögen, das am Horizont in den dämmrigen Novemberhimmel aufragte. „Ich habe nicht geglaubt, dass du dich wirklich darauf einlässt, als der geheimnisvolle Mann bei der Auktion deinen Korb ersteigert hat. Du überraschst mich. Vielleicht bist du doch noch ein bisschen abenteuerlustiger geworden.“

Ein Abenteuer. Meine Güte. Deswegen war Leigh hergekommen, nicht wahr? Der Mann, der in diesem Haus auf sie wartete, hatte beim Wiedersehenstreffen zwischen ihrer Studentinnenverbindung Tau Epsilon Gamma und dem männlichen Gegenstück Phi Rho My vor einem Monat fünftausend Dollar für ihren Korb ausgegeben.

Sie holte tief Luft. Nicht einmal auf den Partys während der Zeit auf dem College in San Joaquin hatte sie etwas so Verrücktes getan. Margot, Dani und sie waren schon damals beste Freundinnen gewesen. Sie hatten ihre Jugend genossen und viel Spaß gehabt. Aber mit den Albernheiten hätte Schluss sein sollen, nachdem sie erwachsen geworden waren.

Aber nein. Margot und sie hatten anlässlich des Wiedersehens nach zehn Jahren diese Auktion veranstalten müssen. Dafür hatte jede der teilnehmenden Frauen Zutaten für eine Verabredung in einen Korb gepackt, und der jeweils höchste Bieter hatte einen oder mehrere dieser „Date-Körbe“ ersteigern können.

Der Mann, der Margots Korb mit ihren sexy Zutaten für eine Verabredung ersteigert hatte, war ausgerechnet Clint gewesen, ihr Erzfeind auf dem College. Mittlerweile waren die beiden verlobt. Leigh hingegen war ihrem Image als braves Mädchen vom Land treu geblieben. Sie hatte ihren Korb mit dem Etikett „Der Geschmack von Honig“ beklebt und damit ein von ihr zubereitetes Abendessen verbunden.

Doch dann hatte Beth Dahrling, ein Mitglied ihrer Studentinnenverbindung, den Korb ersteigert. Als Kontaktperson für einen Mann, der seine Identität nicht preisgeben wollte. Leigh warf erneut einen Blick auf das Haus, das direkt aus einem Schauerroman entsprungen sein könnte. „Ich kann nicht glauben, was du mir hier eingebrockt hast, Margot.“

„Ich? Wieso ich? Du warst doch diejenige, die den Bedingungen zugestimmt hat, nachdem Beth den Korb ersteigert hat.“

Leigh wischte mit den Händen nervös über ihre Jeans. Der Mann, der jetzt auf sie wartete, hatte darum gebeten, dass sie sich genauso lässig anzog wie in ihrer auf ländliche Küche spezialisierten Kochsendung auf dem TV-Sender Food Network.

Also trug sie Jeans, Cowboystiefel und eine Spitzenbluse mit Blumenmuster, die zu viel Dekolleté zeigte. Die eng sitzende Jeans erinnerte sie daran, wie sie sich vor über einem Jahr gefühlt hatte. Damals war sie noch mollig gewesen.

„Aber du hattest die Idee, eine Auktion mit Dating-Körben zu veranstalten, als Dani ihre großen Hochzeitspläne ad acta legen wollte“, erwiderte Leigh gereizt. „Um ihr zu helfen, Geld für eine Traumhochzeit zusammenzubekommen.“

„Auch wenn es nichts gebracht hat. Dani hat sich geweigert, das Geld anzunehmen, und sich für eine Hochzeit in kleinem Rahmen entschieden.“ Margot warf ihr einen wissenden Blick zu. „Du bist nur sauer, weil ich meinen Korb höllisch sexy gestaltet habe und du nicht völlig ins Hintertreffen geraten wolltest. Habe ich recht?“

Leigh machte ein verärgertes Gesicht. Aber in Wirklichkeit beschwor sie nur einen Streit herauf, um Zeit zu schinden. Warum zögerte sie auszusteigen? Seit Margot und sie ihre Körbe zusammengestellt hatten, war sie von einer inneren Unruhe erfüllt. Nein, sie war schon seit etwa einem Jahr angespannt und rastlos. Seit sie die überflüssigen Pfunde verloren hatte, die sie seit Kindertagen mit sich herumgetragen hatte.

Seither fand sie nachts oft keinen Schlaf. Dann berührte sie sich selbst und versuchte, sich selbst das zu geben, was ihr beim langweiligen Sex mit ihren bislang wenigen festen Partnern gefehlt hatte. Natürlich hatte sie jedes Mal auf Sex im Dunkeln bestanden, um vor den Männern ihre Speckpolster zu verbergen. „Entschuldige“, meinte sie schließlich. „Ich bin nervös und sage Dinge, die ich nicht so meine.“

„Bist du sicher, dass du nicht einfach nur aufgeregt bist?“

Das ist gut möglich. „Ich stelle nur gerade alles infrage. Wenn dein Korb nicht so sexy gewesen wäre, hätte ich mich bei meinem dann mehr zurückgehalten? Warum habe ich nicht einfach nur ein unschuldiges, kleines Picknick angeboten?“

Sie und Margot hatten immer miteinander gewetteifert. Schon als sie sich auf dem College ein Zimmer geteilt hatten. Aber auch danach, als ihre Freundin mit den Reisebüchern für alleinstehende Frauen viel Erfolg gehabt hatte. Leigh hatte sich immer mit ihr messen wollen. Und die Körbe waren keine Ausnahme gewesen.

Margot unterdrückte ein Lachen. „Vermutlich hast du recht. All das ist meine Schuld. Ich bin eine schreckliche Person, die dich dazu bringt, ein bisschen Spaß zu haben.“

Leigh stimmte in das Lachen ein, wurde beim Blick auf das Haus jedoch sofort wieder ernst. In welche Situation brachte sie sich? Ein Prickeln glitt über ihre Haut. In Wahrheit wollte sie zu diesem geheimnisvollen Date gehen und all die Komplexe hinter sich lassen, die ihr als Pummelchen zu schaffen gemacht hatten. Sie konnte es kaum erwarten, nicht länger brav und zurückhaltend zu sein.

Ihre Freundin holte das Smartphone hervor, wählte eine Nummer und warf ihr einen Blick zu. „Jemand muss dir einen zusätzlichen Schubs geben, damit du aus dem Auto steigst.“ Einen Moment später lächelte sie. „Dani? Leigh ist bei mir. Ich schalte den Lautsprecher ein.“

Leigh hörte, wie Dani lachte. Fast konnte sie das Gesicht der Frau mit den roten Locken und den grauen Augen vor sich sehen, auf dem sich manchmal Enttäuschung abzeichnete. Weil sie nicht die opulente Hochzeitsfeier haben konnte, von der sie schon seit der gemeinsamen Zeit auf dem College träumte? Oder bekam sie nach der seit Jahren dauernden Verlobung mit Riley tatsächlich kalte Füße?

„Du bist noch nicht in das Haus gegangen?“, fragte Dani.

Sie verdrehte die Augen. „Bist du nicht mit deinem Catering beschäftigt?“

„Ich mache eine Pause bei der Arbeit. Das habe ich auch getan, als ich dir gut zugeredet habe, bevor du das Hotel verlassen hast. Ich wünschte, bei euch sein zu können.“

„Keine Sorge, ich habe hier alles im Griff“, meinte Margot. „Allerdings wäre es eine Hilfe, wenn du jetzt hier wärst, um Leigh zusammen mit mir einen Tritt in den Hintern zu geben. Du müsstest dieses schaurige Haus einmal sehen, in das sie sich nicht hinein…“

Leigh schnitt ihr das Wort ab: „Margot raubt mir den letzten Nerv und amüsiert sich köstlich dabei, Dani.“

„Hör einfach nicht auf sie. Was kann schon passieren? Beth Dahrling hat doch gesagt, dass sie dich im Haus in Empfang nimmt, richtig?“

„Richtig. Aber ich bezweifle, dass sie den ganzen Abend über den Anstandswauwau spielt. Sie ist nur mit diesem Mann befreundet und hat die Organisation unseres Treffens geleitet.“

„Sie gehört zu unserer Schwesternschaft“, entgegnete Dani. „Außerdem hat sie erzählt, dass dieser Mann bei Phi Rho My war. Ein Bruder unserer Lieblingsstudentenverbindung brächte dich nie in eine schlimme Situation.“

Das stimmte alles. Beth hielt sich auch in diesem Haus auf. Zudem hatte Riley, Mitglied bei Phi Rho My, ihr versichert, dass einer von ihnen ihr niemals auch nur ein Haar krümmen würde. Dennoch hatten selbst Rileys eifrige Onlinerecherchen nicht aufklären können, wer der geheimnisvolle Mann war, der ihren Korb ersteigert hatte.

„Bestimmt hast du viel Spaß“, beruhigte Margot sie. „Ich wette, es handelt sich um einen Cowboy aus San Joaquin, der mit seiner Farm das große Geld gemacht hat. Er wird die TV-Köchin bitten, ihm ein Abendessen zuzubereiten – und während ihr es euch schmecken lasst, lachst du über diese ganze Geheimniskrämerei.“

Leigh sah ihr in die Augen. Aber Margot wandte den Blick ab – nicht zum ersten Mal in letzter Zeit. Seltsam. Ihre Freundin war zu Clint auf dessen Pferderanch gezogen und schrieb ein neues Buch über eine Frau aus der Großstadt, die auf dem Land lebte. Zudem hatte sie einen neuen und vielbeachteten Blog im Internet. Warum erweckte sie also gelegentlich den Eindruck, etwas zu verbergen?

„Nun?“, meldete sich Dani wieder zu Wort. „Bist du bereit für ein Abenteuer?“

Sie warf einen letzten beunruhigten Blick auf das Haus. Dann überlief sie wieder dieses Kribbeln.

Adam Morgan lehnte im obersten Stock des Hauses an der Wand und schaute durch das vergitterte Fenster zum Auto hinunter, das vor der Einfahrt stand. „Sie kommt nicht rein, oder?“

Seine gute Freundin Beth Dahrling stand neben ihm und sah ebenfalls aus dem Fenster. „Nun, zumindest ist Leigh hier. Bestimmt hat sie den weiten Weg nicht gemacht, um jetzt wieder umzukehren.“

Aber sie hatte wohl recht. Er hatte extra ein kleines Flugzeug gechartert, mit dem er Leigh von Lodi in die Nähe des Pismo Beach geflogen hatte. Er hatte entschieden, dass dieses Abendessen weit weg von San Joaquin stattfinden müsse, wo er und Leigh gemeinsam das College besucht hatten. Er allerdings nur für kurze Zeit.

Adam warf Beth einen Blick zu. „Du hältst dieses Date immer noch für eine schlechte Idee“, meinte er leicht amüsiert.

„Für eine höchst sonderbare Idee. Ich finde, du hättest einfach nur Leighs Date-Korb ersteigern und sagen sollen, wer du bist.“

„Sie erinnert sich nicht an mich.“ Er war nicht einmal lange genug auf dem College gewesen, um nach der Zusage der Mitgliedschaft bei der Studentenverbindung auch initiiert worden zu sein.

Aber Adam hatte sich sehr gut an Leigh erinnert, als er sie vor einigen Monaten zum ersten Mal im Fernsehen entdeckt hatte. Als Beth dann die beim Wiedersehenstreffen von Tau Epsilon Gamma und Phi Rho My geplante Korb-Auktion erwähnt hatte, war ihm sofort wieder eingefallen, wie sie vor vierzehn Jahren gewesen war. Sie war immer zu einem Lachen aufgelegt gewesen und hatte ihm, dem schüchternen Erstsemester, ein Lächeln geschenkt.

Beth seufzte. „Kannst du es ihr verdenken, dass sie vorsichtig ist? Sie weiß nichts über dich. In diesem alten Haus könntest du das Phantom der Oper sein.“

„Ich wollte mich nicht in einem meiner Wohnhäuser mit ihr treffen.“

„Du weißt verdammt gut, was ich meine. Wirklich, das ist das Merkwürdigste, was du je getan hast …“

Mehr musste sie nicht sagen. Adam war zu einem Einsiedler geworden, seit seine Frau Carla vor zwei Jahren an Brustkrebs gestorben war. Zu den wenigen Dingen, die ihn außerhalb seiner vier Wände noch interessierten, zählten die vielen Immobilien- und Investmentgeschäfte, die er von Carla geerbt hatte. Inzwischen hatte er es geschafft, diese Investitionen zu vervielfachen, und war ein reicher Mann.

„He. Du brauchst keine Bedenken zu haben. Das Date geht gut aus.“

Sie verdrehte die Augen. „Ja, für dich. Du wirst dich wie bisher vorübergehend gut unterhalten und dich dann der nächsten Abwechslung zuwenden. Aber keine dieser Frauen war jemals Mitglied meiner Schwesternschaft.“

Beth redete von den Frauen, denen Adam online begegnete. Frauen, mit denen er abgeschirmt am Computer reden konnte. Diese Frauen regten seine Fantasie an, und das war alles, was er die letzten zwei Jahre gebraucht hatte.

Bis er Leigh in ihrer TV-Kochsendung gesehen hatte, wo sie in einer nachgestellten Landhausküche bei Kerzenschein ihre sinnlichen Gerichte zubereitete. Darin trug sie immer eine rot-weiß karierte, in der Taille zusammengeknotete Bluse, unter der ihr nackter Bauch hervorblitzte. Zudem erlaubte der Ausschnitt der Bluse einen Blick auf ihr Dekolleté. Die langen blonden Haare waren jedes Mal zu einem Pferdeschwanz frisiert – was ihr herzförmiges Gesicht zur Geltung brachte.

Seit der Zeit auf dem College war sie schlanker geworden. Aber er fand, dass sie damals mit ihren Rundungen genauso schön ausgesehen hatte. Er hatte sie zum ersten Mal auf einer Party gesehen, die Tau Epsilon Gamma und Phi Rho My gemeinsam gefeiert hatten.

Adam hatte Herzklopfen bekommen, als sie mit ihren Freunden gescherzt hatte. Ihr ansteckendes Lachen hatte er nie vergessen. Es hatte ihn in den Bann gezogen. Genau wie ihr umwerfendes Lächeln, das sie ihm im Vorbeigehen geschenkt hatte.

Wenn er nicht so schüchtern gewesen wäre, hätte er dieses Lächeln als Ermunterung aufgefasst, sie anzusprechen. Diese Chance hatte er verpasst. Wohl deshalb hatte er sich immer wieder vorgestellt, was sich vielleicht zwischen ihnen hätte entwickeln können.

Natürlich nur, bis er in sein Elternhaus zurückgerufen worden war, weil sein Vater an einem Herzinfarkt gestorben war. Als ältester Sohn hatte er sich um die Familie und die Ranch kümmern müssen.

Erneut sah Adam aus dem Fenster. Das Auto stand noch immer in der Einfahrt. Sogar jetzt schlug sein Herz schneller, wenn er an Leigh dachte. Aber nicht wegen eines unerfüllten Jugendschwarms, sondern in Erwartung des heutigen Abends.

Er hatte dieses Date aus purer Neugier in die Wege geleitet. Wie mochte Leigh sich in all den Jahren entwickelt haben? Strahlte sie immer noch so viel Wärme aus? Nein, ich brauche keine Wärme. Nur die Neugier trieb ihn an, und heutzutage konnte er es sich leisten, sie zu befriedigen. Er konnte sich fast alles leisten, was ihm für eine kurze Weile die Langeweile vertrieb.

In der Fensterscheibe spiegelte sich undeutlich sein Gesicht wider. Die dunklen Haare und goldfarbenen Augen waren das Erbe der spanischen Abstammung seiner Mutter. Er hatte einen harten Zug um den Mund und erkannte sich kaum wieder. „Es ist nur eine harmlose Verabredung, Beth. Für alle Beteiligten.“

„Ich wette, dass Leigh dieses Szenario Angst macht. Turnt es dich an, dass sie sich fragt, wer du bist?“

Adam dachte einen Moment darüber nach. Ja, es turnte ihn an. Außerdem gefiel es ihm, dass sie nie genug über ihn erfahren würde, um danach noch einmal Kontakt zu ihm aufnehmen zu können. Beziehungen kamen für ihn nicht infrage. Nicht mehr. Sein Herz gehörte Carla.

Beth drehte sich zur Tür um. „Ich gehe hinaus.“

„Um sie hereinzuzerren?“

„Keine Ahnung, was ich tue. Aber das hier ist lächerlich. Fast so lächerlich wie die geschäftsführende Assistentin eines Mannes zu sein, der während seiner gesamten Verabredung im Dunkeln bleiben will.“

Er lachte. Sein Plan für das Abendessen klang tatsächlich verrückt. Das war das absolut sichere Date … und zugegebenermaßen ein Spiel. Und je länger er es sich vorstellte, desto mehr turnte es ihn an.

Als Beth das Zimmer verließ, hielt Adam einen Moment lang den Atem an und schüttelte dann den Kopf, angesichts seines Verhaltens. Carla würde bestimmt annehmen, dass er durchgedreht wäre. Sie hätte ihn mit Sicherheit gefragt, was zum Teufel mit ihm los wäre.

Aber Carla war immer direkt auf den Punkt gekommen. Sogar als er vor vierzehn Jahren nach Hause zurückgekehrt war, um seinen Vater getrauert und seiner Mutter geholfen hatte, die Rinderranch zu leiten und seine drei jüngeren Geschwister großzuziehen.

Nur zwei Tage später hatte die sieben Jahre ältere und klügere Carla ihre Nachbarschaftshilfe angeboten. Ihrer sehr reichen Familie gehörte die große Farm nebenan. Als Achtzehnjähriger war er so überfordert gewesen, dass er nachts kaum einmal vier Stunden Schlaf bekommen hatte. Im Laufe der Jahre war aus Freundschaft Liebe geworden. Ihre Ehe war glücklich gewesen. Dann war Carla gestorben.

Gespannt beobachtete Adam, wie Beth zu dem Auto ging. Würde Leigh aussteigen oder ihn allein zurücklassen, wie es jeder in seinem Leben zu tun schien?

„Oh, du meine Güte, Beth kommt zum Auto.“ Leigh sank tiefer in den Sitz.

„Sollen wir uns verstecken?“, neckte Margot sie.

Nur gut, dass Dani aufgelegt hatte. Sonst hätte sie sich auch deren ironische Kommentare anhören müssen. Sie stieg aus, setzte ein Lächeln auf und umarmte Beth zur Begrüßung.

Margot stieg ebenfalls aus und umarmte Beth. „Entschuldige die Verspätung. Dani hat wegen ihrer Hochzeitspläne angerufen. Wir haben im Auto noch miteinander telefoniert.“

„So? Ich habe gehört, dass Dani und Riley auf Clints Ranch heiraten wollen.“ Beth lachte. „Ich meine, auf deiner Ranch, Margot. Ihr beiden lebt ja jetzt zusammen.“

„Ja, die Hochzeit findet bei uns statt, und du bist herzlich eingeladen.“ Sie ging zurück zur Fahrerseite. „Das ist mein Stichwort, das Weite zu suchen.“ Sie zwinkerte Leigh zu, bevor sie einstieg. „Viel Spaß.“

Beth führte Leigh zum Haus. „Also hat Margot dich hergefahren?“

„Ja, ich habe mich mit ihr im Sea Breeze Suites getroffen. Wir wollen das Wochenende zusammen verbringen. Deshalb habe ich die angebotene Limousine nicht gebraucht.“

„Das beantwortet nicht meine Frage.“

„Du willst wissen, ob sie mich hergefahren hat, weil ich wegen dieses Dates auf der Hut bin?“

„Genau.“ Beth lachte. „Es war wirklich clever, eine Freundin mitzubringen. Aber du kannst mir vertrauen.“

„Das tue ich.“ Aber je näher sie dem Haus kamen, desto mulmiger wurde Leigh zumute. Gleichzeitig stand sie total unter Strom. Auf ein solches Abenteuer hatte sie sich noch nie eingelassen, und es gefiel ihr sehr.

„Alles, worum du für die Verabredung gebeten hast, steht bereit. Von den Zutaten bis hin zum Kochgeschirr.“

Ihr Dating-Korb hatte ein Abendessen mit dem Geschmack von Honig beinhaltet. Genau wie Margot hatte sie penibel darauf geachtet, für den weiteren Verlauf des Abends nicht zu viel zu versprechen. Aber wenn ihr der geheimnisvolle Mann zusagte, und sie nach dem Essen Lust auf mehr hätte … Leigh pulsierte das Blut durch die Adern. „Woher kennst du ihn?“

„Ich bin mit ihm befreundet, aber auch seine Mitarbeiterin. Es war purer Zufall, dass er nach dem College meinen Lebenslauf im Internet entdeckt hat. Jetzt bezahlt er mich gut dafür, dass ich mich um seine geschäftlichen Angelegenheiten kümmere.“

„Und wer genau ist ‚er‘?“

Beth lachte. „Netter Versuch. Aber mehr kannst du mir nicht entlocken.“

Als sie vor der Haustür ankamen, hielt Leigh inne. „Warum bemüht er sich so, ein Geheimnis zu bleiben?“

„Mit deinem Korb hast du das Spiel eröffnet, und jetzt ist er am Zug“, erwiderte sie nach kurzem Zögern. „Der heutige Abend wird nur ein großer Spaß werden. Wenn du das nicht vergisst, gehst du zufrieden wieder weg.“

Welcher Mann spielte auf diese Weise Spielchen? Und welcher Mann konnte sich ein Haus wie dieses direkt am Strand leisten? „Er ist reich. So viel kann ich sagen.“

„Nun, er hat Geld. Hast du diese Adresse gegoogelt?“

Leigh nickte. Die Recherchen hatten lediglich ergeben, dass das Haus eine Mietimmobilie war. „Das Haus gehört ihm wohl nicht.“

„Nein. Er verbringt nur die Ferien hier.“ Beth öffnete die Tür und ging vor.

Leighs Herz hämmerte vor Aufregung, als sie den Eingangsbereich mit der ausladenden Treppe betrat. Noch nie im Leben hatte sie sich so sehr danach gesehnt, ein Abenteuer zu erleben. Sie hatte jetzt eine gute Figur, und ihr wurde immer wieder gesagt, dass sie tatsächlich hübsch war. Es wurde Zeit, das Beste daraus zu machen.

„Wie schön, dich hier zu sehen, Leigh.“

Als sie die tiefe Männerstimme hörte, schoss ihr Adrenalin ins Blut. Sie wollte diesen Mann sehen. Sie wollte wissen, wer fünftausend Dollar für das Vergnügen ihrer Gesellschaft bezahlt hatte.

Doch als sie Beth um die Ecke folgte, fand sie nur einen Tisch vor, auf dem ein verkabeltes Gestell mit einem Smartphone stand. Jemand hatte ihren geöffneten Korb mit den Honigtöpfen daneben platziert. Auf den Etiketten hatte sie jeweils ihre Ideen für die Gänge des Menüs notiert.

Als sie in den Korb sah, beschlich sie das Gefühl, dass die Verführung bereits begonnen hatte. Sie erschauerte kurz, als sie erneut seine Stimme hörte.

„Du hast eine Weile gebraucht, um hereinzukommen, Leigh.“

„Sich ein wenig zu verspäten gehört doch dazu, nicht wahr?“

„Besser du kommst spät als nie“, parierte er.

Sie wusste nicht, ob sie lachen oder dahinschmelzen sollte. War das eine sexuelle Anspielung? Hatte er auch nur eine Vorstellung davon, wie seltsam das alles hier war? Wie … nun, okay, absolut faszinierend es war? Sie warf Beth einen fragenden Blick zu. Will er ernsthaft erst einmal nur via Lautsprecher mit mir in Kontakt treten?

Seine Assistentin lächelte vielversprechend und nahm das Smartphone in die Hand. „Wie wäre es, wenn wir einen kurzen Rundgang machen, bevor ich dich in die Küche bringe?“

Offenbar versuchen sie dafür zu sorgen, dass ich mich wohl fühle. Da Leigh bezweifelte, dass sie sich heute Abend jemals entspannte, war es keine schlechte Idee. „Klingt gut.“

Sie folgte Beth durch den Eingangsbereich in den riesigen Salon mit Blick auf den Ozean. Die Sonne versank allmählich hinter dem Horizont, während die Wellen an die Küste brandeten. Der mit antiken Möbeln eingerichtete Raum erinnerte sie an ein Museum. „Wie alt ist dieses Haus?“, fragte sie nur, damit sie wieder die Stimme des geheimnisvollen Mannes hörte.

„Nicht so alt, wie es den Anschein hat. Es wurde erst vor dreißig Jahren gebaut. Allerdings mit dem Vorsatz, nach altem Geldadel auszusehen.“

„Ich habe gehofft, du sagst, dass es seit dem finsteren Mittelalter im Besitz deiner Familie ist. Aber ich weiß unter anderem, dass es dir nicht gehört.“ Leigh hörte ihn lachen. Vielleicht hatte Beth recht, und sie sollte diese rätselhafte Verabredung einfach genießen.

Sie wanderte im Salon umher, strich über das große Klavier und stellte sich einen Mann vor, zu dem diese Stimme passte. Ein geheimnisumwobener Magnat? Ein milliardenschwerer Cowboy?

„Stört es dich, dass ich mehr über dich weiß als du über mich?“, fragte er.

„Ich würde lügen, wenn ich das Gegenteil behaupte.“ Dieses fast voyeuristische Spiel setzte sie unter Hochspannung. Er konnte sie sehen, aber sie ihn nicht. Trotzdem schien sie Macht über ihn zu haben. Immerhin schien er ausreichend interessiert an ihr zu sein, dass er sie ausgewählt hatte.

Das aufreizende Szenario vermittelte ihr das Gefühl, waghalsig zu sein – was sie bisher in Bezug auf Männer definitiv noch nie gewesen war. Sie blieb vor einer Minibar stehen. „Was genau weißt du über mich?“

„Nun, es ist kein Geheimnis, dass du eine TV-Kochsendung hast. Vorher hast du als Privatköchin für einige sehr bekannte Countrysänger in Nashville gearbeitet. Einer dieser Stars hat seinen Einfluss geltend gemacht, um dir die Kochsendung zu verschaffen.“

„Du hast deine Hausaufgaben gemacht“, meinte Leigh, während Beth sie aus dem Salon zur Treppe führte.

„Ob du es glaubst oder nicht. Dein Leben ist ein offenes Buch“, erwiderte er.

Sie folgte Beth langsam die Treppe hinauf. „Warum sagst du das? Weißt du noch mehr über mich?“ Ihr Puls raste.

„Auf dem College hast du im Hauptfach Hauswirtschaftslehre studiert. Du warst jedes Jahr im Komitee für die Rodeo Days und neben anderen Auszeichnungen als beste Studentin des Semesters auf der Dean’s List aufgeführt.“

„Und?“

Er lachte. „Und ich weiß alles, was in deiner Biografie auf der Website der Kochsendung steht.“

Wie viel weiß dieser Mann über mich? Leigh folgte Beth in den ersten Stock bis zum Ende des langen Flurs. Sie versuchte, nicht an die Dinge aus ihrer Vergangenheit zu denken, die sie noch immer belasteten. Zum Beispiel daran, dass ihre Schwester Hannah bei einem Badeunfall ums Leben gekommen war, noch bevor Leigh die Highschool verlassen hatte. Hannah, die in den Augen ihrer Eltern immer das perfekte Kind gewesen war und es nun auch immer bleiben würde.

„Zu dumm, dass du nicht hier wohnst“, sagte sie zu ihm. „Sonst könnte ich aufgrund der Einrichtung vielleicht Rückschlüsse auf dich ziehen.“ Als er lange nichts erwiderte, klopfte ihr Herz immer lauter. Dachte er daran, ihr seinen Namen zu sagen?

„Du kannst mich Callum nennen. Das sollte für den Moment genügen.“

Seine Stimme klang jetzt wärmer. Kannte er sie? Aufgrund des Namens fiel es ihr leichter, sich sein Gesicht vorzustellen: ein dunkelhaariger Mann mit einem Lockenkopf und leuchtend blauen Augen. Ihr wurde heiß. Dieses Spiel turnte sie an, und es war erst der Anfang. Sich auszumalen, was dieser Abend noch für sie bereithielt, versetzte ihr einen Kick.

Leigh warf einen Blick auf Beth, der offenbar unbehaglich dabei zumute war, diesem privaten Gespräch zu lauschen. Leigh nahm ihr das Smartphone aus der Hand und gab Beth lächelnd zu verstehen, dass sie ihre Begleitung jetzt nicht mehr benötigte.

Ihre Freundin erwiderte das Lächeln höflich und ging die Treppe hinunter. Als Leigh hörte, wie die Haustür ins Schloss fiel, sagte sie: „Callum, kann ich jetzt anfangen zu kochen?“

2. KAPITEL

Adam war ziemlich sicher, dass Leigh nicht wusste, dass er in ihrer Nähe war: In einem verdunkelten Alkoven, der ihm von oben einen Blick auf die Küche bot. Würde sie Angst bekommen, wenn sie merkte, dass er ihr so nah war? Oder reizte sie der nächste Zug in diesem Spiel genauso so sehr wie ihn?

Sie hatte das Smartphone auf ein weiteres verkabeltes Gestell gelegt, das auf einer Marmortheke bereitstand. Daneben waren das erstklassige Kochzubehör, ihr Korb und die anderen Zutaten aufgereiht, die sie für die Zubereitung des Abendessens brauchte. Er hatte für alles gesorgt und offenbar alles richtig gemacht.

Leigh lächelte zufrieden. Sie sah noch schöner aus als im Fernsehen. Ihre blonden Haare glänzten. Zudem trug sie die sexy Kleider, die seine Fantasie so angeheizt hatten, als er sie in der Kochsendung gesehen hatte.

Aber das Date heute Abend war nicht billig und geschmacklos. Es tat einfach gut, sie anzusehen. Irgendwie legte sich dadurch für eine Weile die Gefühllosigkeit, die seit zwei Jahren sein ständiger Begleiter war. Leighs Nähe versetzte Adam zurück in die Zeit, als ihm zuerst durch den Tod seines Vaters und dann erneut durch den Tod seiner Frau der Boden unter den Füßen weggezogen worden war.

„Wie wäre es, wenn du die Flasche mit Honigwein öffnest, die im Kühlschrank steht?“, fragte er, als sie sich die Hände gewaschen hatte. Sie warf einen Blick auf das Smartphone. Einen Moment lang war er eifersüchtig, weil sie „Callum“ nicht ihre ungeteilte Aufmerksamkeit schenkte.

„Diesen Wein gibt es erst nach dem Abendessen.“ Leigh ging zum Kühlschrank und nahm eine Flasche Chardonnay heraus. „Aber ich würde während des Kochens gern einen Schluck Weißwein trinken, wenn es dir recht ist.“

„In deiner Sendung trinkst du nichts.“

„Das ist die Entscheidung der Produzenten.“ Lächelnd schenkte sie sich ein Glas Wein ein, hob es hoch und hielt es nacheinander in die vier Ecken des Zimmers. „Auf dich. Wo immer du auch bist.“

Als sie sich der Ecke zuwandte, in der Adam sich versteckte, hatte er eine Sekunde lang das Gefühl, dass sie ihn entdeckt hätte. Aber das war lächerlich – und wahnsinnig aufregend.

Leigh trank einen Schluck Wein, griff dann nach einem ihrer Honigtöpfe und öffnete ihn. Er wusste, dass sie ein Abendessen zubereitete, das sein Geld wert war. Das Menü würde aus Maisbrot bestehen, einem Salat, in Balsamico und Honig glasierten Lammkoteletts, dazu in scharf gewürztem Honig gebackener Blumenkohl und eine Honigtorte zum Dessert.

Wie sie wohl reagieren würde, wenn er zu ihr kam, um gemeinsam mit ihr zu essen? Sofort war seine Kehle wie zugeschnürt. Ihm gefiel dieses sogenannte Date besser so, wie es war. Er flirtete mit ihr, verführte sie im Verborgenen und am Ende gab es keinerlei Verpflichtungen. Es wäre eine weitere virtuelle Begegnung. Genau wie seine Verabredungen am Computer. Vielleicht war er tatsächlich gestört, wie Beth behauptete.

Leigh fettete eine Pfanne ein. „Also was ist mit dir und Beth?“

Adam bemerkte, dass sie mit ihm flirtete. Offensichtlich hatte sie sich an das Szenario gewöhnt. „Beth ist eine Freundin …“

„Ich weiß, ich weiß“, unterbrach sie ihn. „Ihr seid Freunde, und sie arbeitet für dich. Aber sie ist auch eine schöne Frau. Hast du nie …?“

„Nein, nie“, wehrte er brüsk ab. Als sie erstarrte, fügte er hinzu: „Erstens ist sie wie eine große Schwester für mich. Und zweitens bin ich nicht ihr Typ.“

„Und was ist ihr Typ?“

Ihre Beharrlichkeit brachte Adam zum Lächeln. „Männer gehören nicht dazu.“

„Oh.“ Leigh schüttete das Mehl in eine Schüssel. „Das ist seltsam. Als sie meinen Korb ersteigert hat, dachte jeder, dass sie mir Avancen macht.“

„Unter anderen Umständen vielleicht. Aber Beth ist unglücklich verliebt und schon eine ganze Weile solo. Sie sagt, dass sie einfach zu viel arbeitet.“

„Du scheinst ein knallharter Arbeitgeber zu sein.“

„He, ich zwinge sie nicht, Überstunden zu machen. Sie ist ein Workaholic.“

„Hast du sie auf dem College getroffen?“

„Wir sind uns damals kurz über den Weg gelaufen“, erwiderte Adam ausweichend.

Leigh gab Zucker und Backpulver zum Mehl. „Wie warst du denn in der Schule?“

„Glaubst du wirklich, dass ich dir diese Frage beantworte?“

„Nun, einen Versuch war es wert“, antwortete sie lachend.

Sie bezauberte und erregte ihn. Gebannt verfolgte er jede ihrer Bewegungen.

„Hast du schwarze Haare? Denn so stelle ich mir dich vor. Ein dunkelhaariger Ire wie Riley Donahue, aber ein bisschen verwegener. Erinnerst du dich an Riley?“

„Laut Gerüchteküche soll er jetzt mit Dani verlobt sein.“

„Siehst du?“, meinte Leigh. „Du warst zur selben Zeit auf dem College wie ich.“

Adam bestätigte ihre Vermutung nicht. „Zumindest meine Haarfarbe hast du richtig geraten.“

„Gut. Endlich scheine ich ein Stück weiterzukommen“, meinte sie zufrieden. „Womit verdienst du deinen Lebensunterhalt?“

„Ich lade Frauen in gemietete Häuser ein und beobachte sie beim Kochen. Es ist ein Fetisch.“

Sie brach in lautes Gelächter aus. Adam wurde klar, dass sie Spaß hatte. Leigh hatte keine Angst vor diesem mysteriösen Date oder ihm. Tatsächlich bereitete er einer Frau Freude. Zum ersten Mal seit langer Zeit.

Kurz darauf verstummte sie allerdings, und gab lange keinen Ton mehr von sich. Weil er das Wort „Fetisch“ benutzt hatte? Wahrscheinlich testete er einfach erneut ihre Grenzen aus. Während der Unterhaltung hatte er bereits ein- oder zweimal herauszufinden versucht, wie viel sie sich von ihm bieten ließ. Etwa als er ihr erzählt hatte, was er alles über sie wusste. Versuchte er vielleicht, Leigh dazu zu bringen, das Weite zu suchen, bevor sie von selbst diese Entscheidung traf?

„Weißt du, was komisch an dieser Verabredung ist?“, fragte sie schließlich.

Außer allem? „Was?“

„Es ist nicht die Tatsache, dass du über das Telefon mit mir sprichst und dich nicht zeigst. Das ist ein Katz-und-Maus-Spiel. Glaub nicht, dass ich das nicht weiß.“

„Was dann?“

Sie gab die anderen Zutaten zum Teig. „Hast du auch schon einmal gedacht, dass es einfacher ist, mit jemandem zu reden, den man nicht sehen kann?“

Adam antwortete nicht und hoffte, dass sie fortfuhr. Leigh enttäuschte ihn nicht.

„Vor ein paar Jahren hatte ich als Köchin einen Obst- und Gemüseanbieter, mit dem ich alle geschäftlichen Angelegenheiten telefonisch besprochen habe. Aber dann wurden unsere Gespräche …“

„Schlüpfrig?“, flüsterte er.

„Ja, aber nur andeutungsweise. Obwohl ich nur seine Stimme kannte, hatte ich irgendwie das Gefühl, dass er einen Teil von mir kennt, von dem sonst niemand etwas weiß. Denn niemand hatte vorher bei mir nur durch Reden solche Empfindungen ausgelöst wie er.“

„Was für Empfindungen?“

Leigh dachte einen Moment darüber nach. „Als wenn ich ihm etwas vorschlagen könnte, das ich in einem Gespräch von Angesicht zu Angesicht niemals gesagt hätte – falls das irgendeinen Sinn ergibt. Das habe ich jedoch nie getan. Nachdem er seinen Betrieb geschlossen hat, habe ich nie wieder mit ihm geredet.“

Adam meinte, einen so sehnsüchtigen Ausdruck auf ihrem Gesicht zu entdecken, dass er dieses Verlangen stillen wollte. In diesem Moment wurde ihm klar, dass sie ihm viele Rätsel aufgeben könnte, die er gern lösen würde.

Hatte er sich damals bei der Party auf dem College auf den ersten Blick in sie verknallt? Oder war er nur ein Idiot, der seinen verlorengegangenen Gefühlen nur im Halbdunkel nachgeben konnte? So oder so – er wollte mehr. „Wann musst du abreisen?“

Sie hielt inne. „Ich lege eine Pause mit der Kochsendung ein …“

Er hatte das Gefühl, dass sie vielleicht ein zweites Date mit ihm in Betracht ziehen könne, wenn der weitere Abend gut verlief. Wenn er keinen Druck auf sie ausübte. Wenn er während des Abendessens das Spiel fortsetzte und auf Distanz blieb.

Leigh hatte erwartet, dass Adam aus seinem Versteck auftauchen würde, nachdem sie das restliche Abendessen zubereitet hatte. Aber nein. Er hatte sie gebeten, seine Mahlzeit für später in den Backofen zu stellen, und ihren gefüllten Teller ins Esszimmer mitzunehmen.

Dort war bereits ein langer Mahagonitisch gedeckt. Ein Kronleuchter tauchte das Zimmer in gedämpftes Licht. Sie stellte ihren Teller und ihr Glas Wein ab, setzte sich und legte das Smartphone auf ein weiteres verkabeltes Gestell, das bereitstand.

Was plante Callum? Er musste sich eine Art Drehbuch für das Date ausgedacht haben. Aber das Spiel konnte doch nicht den ganzen Abend über dauern. Vielleicht wollte er herausfinden, wie weit er gehen konnte? Leigh hatte den Film „9½ Wochen“ gesehen. Sie wusste, dass es Männer gab, die keine konventionellen Verabredungen oder Beziehungen hatten. Gehörte er dazu?

Erneut überlief sie ein Kribbeln. Was sagte es über sie aus, dass sie in Erfahrung bringen wollte, wie weit er dieses Spiel treiben würde? Und warum wollte sie es selbst vorantreiben? Sie lehnte sich im Stuhl zurück. Die Aromen der Honiggerichte regten ihre Sinne an. Sie sah sich um. Wo könnte er sich verstecken?

Moment mal … Es gab ein niedriges, dunkles Zwischengeschoss zwischen dem ersten und dem zweiten Stock. War er irgendwo dort oben? „Ist hier ein Guckloch oder etwas in der Art, das du benutzt?“

„Nein.“ Adam lachte. „Du hörst dich an, als wäre ich der Fiesling in einem Horrorfilm.“

„Fiesling? Inwiefern?“ Das war ihre Einladung an ihn, ihre Grenzen zu testen.

„Ich bin nicht sicher, ob ich die Frage beantworten soll, Leigh.“

„Warum?“

„Weil ich nicht weiß, wie viel Schlechtigkeit du ertragen kannst. Du warst immer ein braves Mädchen, nicht wahr?“

„Hast du deswegen meinen Korb ersteigert?“ Als er wieder leise lachte, entschied sie, besser den Rückzug anzutreten. Sie nahm eine Scheibe Brot, stellte einen der Honigtöpfe vor sich und tauchte die Brotscheibe hinein. „Welche Sorte Frau bietet einem total Fremden einen Korb wie meinen an?“

„Das war ja das Geniale an deinem Korb. Er war unschuldig, aber …“ Adam verstummte, als sie die Brotscheibe ein paar Zentimeter über ihren Mund hielt. Der Honig tropfte ihr auf die Lippen, und sie leckte ihn genüsslich und sinnlich davon ab.

„Was wolltest du sagen?“, fragte Leigh heiser. Dieses Szenario machte ihr großen Spaß. Es war befreiend, seinen Gesichtsausdruck nicht sehen zu müssen und nicht zu wissen, ob sie sich wie eine völlige Närrin aufführte. Aber irgendwie hatte sie das Gefühl, dass ihm die Show sehr gefiel.

Sie legte das Brot weg und wischte sich beiläufig ein paar Tropfen Honig vom Kinn. Dann lutschte sie ihn von ihrem Finger. Er sagte die ganze Zeit über keinen Ton. „Du hast darüber geredet, wie unschuldig mein Korb war“, ermunterte sie ihn, fortzufahren.

„Zuerst hatte es den Anschein“, sagte Adam schroff.

„Und jetzt?“

„Jetzt bin ich nicht mehr sicher, was es mit dir auf sich hat.“

Also war sie tatsächlich eine gute Verführerin. Wer hätte das gedacht? Leigh ging noch einen Schritt weiter. „Gleiches mit Gleichem zu vergelten ist nur fair. Denn ich habe auch keine Ahnung, was es mit dir auf sich hat.“

Sie rieb mit dem Zeigefinger über die Unterlippe und leckte sich dann neckisch die Finger. Gut, dachte sie, als sie hörte, dass er amüsiert einen Fluch murmelte. Jetzt hatte sie ihn genauso aus dem Konzept gebracht wie er sie schon während des ganzen Abends.

„Weißt du …“ Sie verzichtete auf den Rest der Mahlzeit und tauchte ihren Finger in den Honigtopf. „Ich frage mich, warum du dich nicht einfach zu mir setzt. Weil ich dann weiß, wer du bist und abgeturnt bin?“

„Warum sagst du das?“

„Vielleicht spielst du nur aus der Ferne mit mir, weil ich dich auf dem College nicht gemocht habe. Das wäre eine Art Rache für dich.“

„Du kennst mich nicht“, sagte Callum nach einer Pause. „Das tut niemand wirklich. Außerdem glaube ich nicht, dass du jemanden nicht leiden kannst.“

Leigh tauchte den Finger erneut in den Honig und schmierte damit die Scheibe Brot ein, so sinnlich, als wenn es ein Körperteil ihres mysteriösen Datepartners wäre. „Gibt es etwas an dir, das unsympathisch ist?“, fragte sie lächelnd.

„Ich bin nur ein Mann, der froh darüber ist, wie die Verabredung bis jetzt gelaufen ist. Das ist alles.“

„Und wie läuft die Verabredung?“ Als er schwieg, hatte sie das Gefühl, dass es ihn zufriedenstellte, ihr nur beim Herumspielen mit dem Honig zuzusehen. Stellte er sich vor, dass sie mit dem Finger an ihm auf- und abglitt und ihn auf Touren brachte? Allein bei dem Gedanken wurde ihr heiß vor Verlangen.

„Sie läuft perfekt“, sagte Callum schließlich.

„Dir gefällt, dass ich in Stimmung bin, dich zu unterhalten?“ Gewagt. Und es fühlt sich toll an.

„Du tust viel mehr, als mich nur zu unterhalten.“

Leigh änderte die Taktik. „Warum fragst du dich, wann ich abreise, Callum?“ War er einsam? Oder hatte er eine ausufernde Fantasie und wollte nicht, dass jemand darüber Bescheid wusste?

„Vielleicht hat Beth erwähnt, dass ich zurzeit hier Urlaub mache.“

„Ja.“ Sie war wie elektrisiert. Hatte er weitere Pläne für sie? „Brauchst du eine Köchin oder so etwas?“

„Nein. Auch wenn mich der Duft der Mahlzeit hungrig macht.“

Du meine Güte. Er ist ganz in der Nähe. „Dann komm her und lass sie dir schmecken.“

„Später“, vertröstete Callum sie, bevor er mit samtweicher Stimme fragte: „Was hast du morgen Abend vor?“

Hielt er sie hin, damit sie sich erneut mit ihm verabredete? Leigh war inzwischen so neugierig auf ihn, dass sie so lange wiederkäme, bis sie sein Gesicht sähe. „Da muss ich in meinem Kalender nachschauen.“

„In Ordnung. Wir sehen, ob du morgen Zeit hast, und bleiben in Verbindung.“

Sie spürte, dass er wegging und sie allein ließ. Aber sie war zu aufgeregt und zu figurbewusst, um die kalorienreiche Mahlzeit zu essen. Eines war sicher: Wenn sie in dieses Haus zurückkehrte, würde sie sich nach all den Jahren endlich alle Freiheiten nehmen, um erneut mit dem geheimnisvollen Mann zu spielen.

Dani konnte nicht mehr länger abwarten zu erfahren, wie es Leigh ging. Selbst wenn die Verabredung ihrer Freundin vielleicht noch andauerte. Vor einer Viertelstunde hatte sie in Tulare ein Catering über die Bühne gebracht, wo sie und Riley ein Haus gemietet hatten.

Nach der Arbeit war sie direkt in den nahegelegenen Dessousladen gegangen und hatte sich in der Abteilung mit den Massageölen und Accessoires umgesehen. Aber während der ganzen Zeit hatte sie an Leigh gedacht. Vielleicht war die Verabredung ein Desaster, und ihre Freundin brauchte einen Notfallanruf, um sich hastig verabschieden zu können.

Sie entschied, sich per SMS bei ihr zu erkundigen, ob es ihr gut ging. Da Leigh ihr nicht sofort antwortete, fuhr sie nach Hause. Sie stieg aus und schnappte sich die rosafarbene Einkaufstasche. Riley, der bei einer Immobilienverwaltung arbeitete, hatte heute frei. Daher kümmerte er sich um das Abendessen. Der Tisch im Esszimmer war schon gedeckt.

Aber als Dani ihren Verlobten mit den dunklen, zerzausten Haaren und den strahlend blauen Augen sah, ließ sie die Tasche fallen und warf sich in seine Arme. „Das Abendessen duftet köstlich.“ Sie barg das Gesicht an seinem Hals. Er duftete auch immer so gut. So frisch und sauber.

Er küsste sie auf den Kopf und murmelte: „Ich wollte gerade die Steaks in die Pfanne hauen.“

„Kann das nicht noch ein bisschen warten?“ Sie löste sich von ihm und angelte sich die Einkaufstasche. Zuerst machte Riley ein Gesicht, an das sie sich gewöhnt hatte, seitdem sie nach dem Wiedersehenstreffen von Tau Epsilon Gamma und Phi Rho My öfter einen Einkaufsbummel in Dessous-Geschäften gemacht hatte.

Er wirkte dann immer einen Moment lang resigniert und schien die süße, romantische Frau zu vermissen, die sie gewesen war. Bevor sie die Offenbarung gehabt hatte, stärker und abenteuerlustiger sein zu wollen. So wie es Margot mit ihrem Korb gewesen war. Und jetzt Leigh.

Dani hatte einen prüfenden Blick auf sich selbst geworfen, nachdem ihre Freundinnen die Korbauktion ins Leben gerufen hatten, um Geld für ihre Traumhochzeit zu sammeln. Eine Traumhochzeit, die sie und Riley sich zurzeit nicht leisten konnten. Durch die nette Geste ihrer Freundinnen war ihr klar geworden, dass sie offenbar einen ziemlich hilflosen Eindruck erweckte.

Also hatte sie entschieden, dass es höchste Zeit war, erwachsen zu werden, wie Margot und Leigh Erfolg zu haben und sich selbstständig zu machen. Noch musste sie wie schon seit Jahren als Angestellte für die Cateringfirma arbeiten. Aber sie plante, bald ihren eigenen Betrieb zu eröffnen.

Außerdem hatte sie begonnen, ihr Sexleben mit Riley aufzupeppen. Das war das Beste von allem. Und er war inspiriert von Margots heißem Korb, der Clint Barrow so sehr angeturnt hatte. Clint war jetzt Margots große Liebe. Dani hatte sich gefragt, warum zwischen Riley und ihr nicht so die Funken sprühten wie zwischen Margot und Clint.

Zuerst war Riley überrascht gewesen, als sie ihn zu exotischeren Liebesspielen angeregt hatte. Er hatte wohl vermutet, dass sie wegen der bevorstehenden Hochzeit befürchtete, sie beide ereilte dasselbe Schicksal wie ihre Eltern, die sich nach einem Rosenkrieg hatten scheiden lassen. Also hatte er begonnen, sie erneut zu „umwerben“.

Dani fand, dass es ein ziemlich süßes Wort für das war, was sie taten. Ihr Handy klingelte. „Das muss Leigh sein.“ Sie ließ die Einkaufstasche wieder fallen. Riley lächelte sie nur an und ging zurück in die Küche. Sie sah ihm nach. Sie machte ihn heute Abend glücklich – und für den Rest ihres gemeinsamen Lebens. Sie musste nur noch herausfinden, wie sie glücklich werden könnte.

„Bist du in Ordnung, Leigh?“, fragte sie nach einem kurzen Blick auf das Display.

Ihre Freundin lachte. „Ja. Ich stehe vor dem Haus des geheimnisvollen Mannes und warte auf Margot, die mich abholt.“

„Und?“

„Es war … anders.“

„Inwiefern?“

„Erstens: Ich habe ihn nie zu Gesicht bekommen.“

Dani war perplex. „Du meinst, dass er den ganzen Abend über der geheimnisvolle Mann geblieben ist?“

„Genau. Es war nicht so verrückt, wie es sich anhört.“ Leigh hielt inne. „Glaube ich.“

„Du scheinst genauso verwirrt zu sein wie ich.“

„Ich habe mich einfach an die Situation gewöhnt. Nachdem Beth mich ins Haus geführt hat, bin ich ihm begegnet – per Telefon.“

„Er hat die ganze Zeit über mit dir telefoniert?“

„Es hat Spaß gemacht. Wie … Telefonsex. Ich weiß nicht, wie ich es erklären soll.“

„Ihr hattet Telefonsex?“, fragte Dani ungläubig.

„Nein“, antwortete Leigh lachend. „Er hat mir bei der Zubereitung des Abendessens zugesehen, während wir uns unterhalten haben. Ich bin nicht sicher, wie er das bewerkstelligt hat und wo er währenddessen war. Danach habe ich jedenfalls zu Abend gegessen.“

„Allein.“

„Richtig. Tatsächlich habe ich kaum einen Bissen gegessen. Ich war nicht sehr hungrig.“

„Und hat er die Mahlzeit gegessen?“

„Vielleicht später. Ich habe seinen Teller im Ofen warmgestellt. Am besten lässt es sich so beschreiben: Während ich am Esstisch gesessen, viel Honig und etwas Brot gegessen habe, hat er mich beobachtet – wo immer er auch war.“

Dani sog den Atem ein. „Du hast ihn beim Essen auf Touren gebracht?“

„Ich will nicht in die Einzelheiten gehen. Aber ich habe zum ersten Mal bei einer Verabredung wirklich Spaß gehabt. Normalerweise versucht man ja, einen Mann zu beeindrucken, höflich zu sein und gute Manieren an den Tag zu legen. Das ist furchtbar langweilig. Heute war das anders.“

„Dir hat es gefallen. Du stehst auf ungewöhnliche sexuelle Vorlieben und hast es nicht einmal gewusst.“

„Vielleicht hast du recht“, meinte Leigh scherzhaft. „Denn ich treffe ihn wieder.“

„Du tust was?“

„Ich gehe noch einmal hin – glaube ich. Nach dem Abendessen hat er mich erneut zu sich eingeladen.“

Riley kam mit einer Servierplatte herein, auf der die beiden gebratenen Steaks lagen, und verteilte sie auf die Teller. „Grüß sie von mir. Lebt sie noch?“

Dani nickte, bevor sie zu Leigh sagte: „Schöne Grüße von Riley. Sei bloß vorsichtig, wenn du noch einmal hingehst.“

„Danke. Und mach dir keine Sorgen. Oh, da kommt Margot. Ich melde mich wieder. Bis dann.“ Sie legte auf.

Riley öffnete zwei Flaschen Bier und reichte Dani eine davon. „Ich frage besser nicht, was bei dieser Verabredung passiert ist.“

Sie zögerte in der Tat, ihm die Einzelheiten zu erzählen, die einfach zu … verrückt waren. Doch dann hatte sie dieses Kribbeln im Bauch und wusste, dass Leighs Date ihre Fantasie beflügelte. Telefonsex. Ein geheimnisvoller Fremder.

Dani schnappte sich die Einkaufstasche und rückte näher an ihren Verlobten heran. „Meinst du, wir können mit dem Abendessen noch ein bisschen warten?“ Sie bemerkte ein Glitzern in seinen Augen. Als sie ein Paar Plüschhandschellen aus der Einkaufstasche holte, stellte er sein Bier ab.

Sie stand auf, ging zu der Kommode, öffnete eine Schublade und zog ein blaues Tuch heraus. „Weißt du, was ich mich frage? Wie es sich angefühlt haben mag, als Leigh klar wurde, dass sie den geheimnisvollen Mann heute Abend nicht zu Gesicht bekommt.“

„Er ist nicht aufgetaucht?“, fragte Riley verblüfft.

„Das ist eine lange Geschichte.“ Sie ließ das Tuch über seine Schulter gleiten. „Ich will wissen, wie es ist, wenn es bei uns so geheimnisvoll zugeht.“ Sie war nicht unzufrieden mit ihrer Beziehung. Aber es gab so viele Erfahrungen im Leben, die sie noch nicht gemacht hatte. Bereute sie, all das zu verpassen, wenn sie erst einmal verheiratet war? Wenn sie bemerkte, dass es zu spät war, all das nachzuholen?

Dani setzte sich auf seinen Schoß. In seiner Hose pochte etwas heiß. „Verbinde mir die Augen“, bat sie. Er grinste sie freudig an. Ihr wurde heiß. Er strich über ihren Bauch und eine ihrer Brüste, bevor er sich das Tuch schnappte, sie beinahe grob auf seinem Schoß herumdrehte und ihr die Augen verband. „Willst du es so?“

Ihr wurde glühend heiß, als sie sich vorstellte, dass er ein geheimnisvoller Fremder wäre. „Bestimmt willst du, dass ich die Augenbinde nicht abnehmen kann.“ Sie deutete auf die Plüschhandschellen, die auf dem Tisch lagen.

„Warum?“

„Auch wenn du nicht willst, dass deine Identität gelüftet wird – ich brenne darauf zu sehen, wer du bist.“ Oder wer er vorgäbe zu sein. Einen Moment lang überkam sie Sorge. Würde Riley dieses Spiel mitspielen? Hatte er Lust auf all die Spiele, zu denen sie ihn in letzter Zeit anregte? Wollte sie vielleicht nur in Erfahrung bringen, wie viel er hinzunehmen bereit war, bevor er sie verließ und ihre Ängste in Bezug auf die Hochzeit bestätigte?

Dani erinnerte sich an das erste Mal, als sie ihn gesehen hatte. Auf einer Party auf dem College. Er hatte lächelnd mit seinen Freunden zusammengestanden und eine Limonade getrunken. Sie hatte gedacht, dass er wahrscheinlich ein sehr netter Mann war.

Damals hatte sie kaum Erfahrungen mit Männern gehabt. Sie und Riley wurden Freunde. Erst als sie sich nach dem College wiederbegegnet waren, hatte es zwischen ihnen gefunkt.

Er legte ihr die Plüschhandschellen um. „Willst du das?“, fragte er erneut. Als sie nickte, stand er auf, setzte sie auf den Stuhl und hob ihre Hände über ihren Kopf. Als er ihren Rock nach oben schob, war ihr erster Impuls, die Knie zusammenzudrücken. Aber er schob ihre Beine auseinander.

Ihr Puls raste. Vor Aufregung, Erwartung und Lust.

„Gefällt es dir, mich nicht sehen zu können, Dani? Ist das riskant für dich?“

„Ich fühle mich sicher genug.“ Wie immer, wenn sie mit Riley zusammen war. Das glaubte sie zumindest. Bis er eine Hand zwischen ihre Schenkel gleiten ließ und sie streichelte. Sie rang nach Atem.

Er zog ihr den Slip herunter. „Wer bin ich heute Abend? Wer soll ich für dich sein?“

„Ich …“ Dani wollte „Riley“ sagen. Aber das passte nicht zu ihrer Fantasie, in der er ein geheimnisvoller Fremder war.

Während er sie mit den Fingern auf Touren brachte, flüsterte er ihr ins Ohr: „Du musst wissen, was du wirklich willst“, flüsterte er weich.

Meinte er, dass sie ihm einen Namen geben sollte, damit die Fantasie funktionierte? Oder wollte er, dass sie sich grundlegendere Gedanken machte? Sie konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen, als er sie versiert zum Gipfel trieb.

3. KAPITEL

Auf der Autofahrt zum Sea Breeze Suites beantwortete Leigh jede Frage, die Margot ihr über das Date stellte. Selbst als sie auf ihrem gemeinsamen Zimmer angekommen waren, fuhr ihre Freundin mit dem Verhör fort.

„Willst du wirklich zu noch einer Verabredung mit ihm gehen?“, fragte sie zum x-ten Mal.

Je öfter ihre Freundin nachhakte, desto entschlossener war Leigh, ihn noch einmal zu treffen. Erst heute Abend war ihr klar geworden, wie langweilig ihr Leben vorher gewesen war. Sie hatte den Hauch eines Abenteuers erlebt und sehnte sich nach mehr.

„Darauf kannst du wetten“, antwortete sie. „Und weißt du was? Wenn er mit mir spielen kann, kann ich das auch mit ihm tun. Du hättest sehen sollen, was ich beim Abendessen mit dem Honig angestellt habe. Du wärst stolz auf mich gewesen.“ Als ihre Freundin hochzufrieden lächelte, fuhr sie fort: „Ich glaube, er ist schüchtern.“

„Schüchtern? Einige der Dinge, die er zu dir gesagt hat, waren alles andere als schüchtern“, erwiderte Margot.

„Ein Spiel kann dazu verleiten, gewagter zu sein als gewöhnlich.“ Leigh dachte daran, wie sie sich verführerisch den Honig vom Finger geschleckt hatte. „Zu wissen, dass er mir irgendwo im Verborgenen zusieht, hat etwas mit mir gemacht. Es hat mir …“

„Macht verliehen?“

„Ja.“ Sie sah ihre Freundin an. „Ich hatte nie zuvor solche Macht.“

„Doch, du hast Macht. Du hast eine eigene TV-Sendung und bist im Begriff, zur Starköchin zu avancieren.“

„Der Job ist etwas anderes.“ Als Margot den Blick abwandte und zu lange schwieg, fragte sie: „Was ist los mit dir?“

Ihre Freundin lächelte verlegen. „Ich wollte es dir ohnehin irgendwann sagen. Weißt du, warum ich die Reisebücher für alleinstehende Frauen nicht mehr schreibe?“

„Nein.“ Aber Leigh beschlich so eine Ahnung.

„Der Verleger hat meinen Vertrag gekündigt, weil die Verkäufe angeblich zurückgegangen sind.“

„Oh, Margot.“

„Kein Mitleid, bitte. Wie sagt man? Wenn eine Tür zugeht, geht eine neue auf. Genau das ist mit meinem erfolgreichen Blog und dem neuen Buch passiert. Außerdem ist Clint das Beste, was mir je passiert ist.“

„Dann ist das Leben also wunderbar?“

„Wie könnte es das nicht sein, wenn er in meiner Nähe ist?“, antwortete sie mit einem verträumten Ausdruck in den Augen. „Aber mir ist es schrecklich schwergefallen, dir zu sagen, dass ich gescheitert bin.“

Als Leigh widersprechen wollte, fuhr Margot fort: „Du weißt, dass wir schon immer miteinander konkurriert haben. Vergangenen Monat hast du sogar gesagt, dass mir alles so leichtfällt und du wie ich sein willst.“

„In meinen Augen bist du immer eine Gewinnerin“, erwiderte sie. „Wie schnell du wieder auf die Beine gekommen bist, ist der beste Beweis dafür.“ Ihr Handy klingelte. Sie sah auf das Display. Ihr Puls schnellte nach oben. „Es ist Beth Dahrling.“

Adam saß in seinem Schlafzimmer im Dachgeschoss, als er Beths Anruf via Skype entgegennahm. Sie saß an einem Schreibtisch im Gästehaus auf dem Grundstück des Herrenhauses.

„Leigh hat der Verabredung morgen offiziell zugestimmt.“

Er lehnte sich lächelnd zurück. Also wollte sie sich erneut mit ihm treffen. Er hatte schon geglaubt, einen Fehler gemacht zu haben, als er das Date so abrupt beendet und ihre Neugierde wachgehalten hatte. „Hast du alles arrangiert? Holt eine Limousine sie morgen vor dem Hotel ab?“

„Ja, und ich habe ihr gesagt, dass sie am Strand vor dem Haus warten soll, nachdem der Fahrer sie abgesetzt hat. Nach der Verabredung bringt die Limousine sie dann zurück zum Hotel.“

„Sie wird rechtzeitig hier sein, um den Sonnenuntergang zu genießen.“ Adam plante eine langsame Verführung: Heiße Anspielungen und süße Worte am Telefon, während Leigh am Strand entlangschlenderte und mit ihm flirtete, so wie sie heute Abend im Haus mit ihm geflirtet hatte. Allerdings war er nicht sicher, was danach käme. Er wusste nur, dass er sie wiedersehen, ihre Stimme und ihr Lachen hören musste.

Als Beth das Gespräch beenden wollte, meinte er: „Warte. Bist du noch verärgert über mich?“

„Verärgert ist das falsche Wort.“

„Was geht dann in dir vor?“

„Wir kennen uns ziemlich lange, Adam. Du warst immer noch jung, als Carla und du mich als geschäftsführende Assistentin engagiert haben.“

„Mit Ende zwanzig war ich nicht mehr so jung, Beth. Besonders nach allem, was ich schon durchgemacht hatte.“ Ein paar Jahre später hatte er sich sogar noch älter gefühlt. Denn dann hatte er mit ansehen müssen, wie die verdammte Krebserkrankung Carla zugesetzt hatte.

„Ob du es glaubst oder nicht – damals warst du anders. Du warst … normal.“

„Normal?“, wiederholte Adam betroffen.

„Du warst zu Gefühlen fähig. Du hättest dich nicht versteckt und mit einer Frau gespielt wie heute Abend – und wie du es wahrscheinlich morgen tun wirst. Es sei denn, ich liege falsch und du zeigst dich ihr morgen als Adam Morgan.“

Er lachte. „Was ist schon normal?“

Beth schüttelte den Kopf. „Das kann ich dir auch nicht genau sagen. Aber ich weiß, was nicht normal ist. Ich glaube keine Sekunde lang, dass es dich letzten Endes glücklich macht, dich als Callum auszugeben. Jemand wird sich bei deinem kleinen Spiel die Finger verbrennen – und ich bin ziemlich sicher, dass du es nicht sein wirst.“

„Du bist allzu sehr um Leigh besorgt, nicht wahr?“, erwiderte Adam ironisch.

„Sie war in meiner Schwesternschaft. Außerdem ist sie eine nette Person. Mir behagt es nicht, wenn Menschen verletzt werden. Ich will auch nicht, dass du verletzt wirst.“

In diesem Moment wünschte er sich, anders sein zu können – sei es auch nur um Beths willen. Aber er hatte schon so viele Schicksalsschläge erlitten, dass er sich vor weiteren Verletzungen schützen musste.

„Ehrlich gesagt“, fügte Beth hinzu, „überrascht es mich, dass Leigh sich darauf einlässt. Vermutlich hast du sie zur richtigen Zeit erwischt. Sie ist viel schlanker geworden. Als Frau weiß ich, dass man sich schon wie eine Göttin fühlt, wenn man nur fünf Pfund abnimmt.“

„Leigh ist erwachsen und weiß, was sie will“, meinte Adam. „Heute Abend hat sie mit Callum geflirtet. Das hat uns beiden Spaß gebracht. Warum sollte ich uns diesen Spaß verderben, wenn es nur noch ein weiteres Date gibt?“

Sie nickte nur müde und resigniert.

Nachdem sie das Gespräch beendet hatten, konnte Adam nur noch daran denken, dass Leigh morgen Abend wiederkam.

Leigh zog ihren weißen Pulli an, bevor sie aus der Limousine stieg. Die Fahrerin brachte sie zum Tor, das zum Strand hinter dem Haus führte, und reichte ihr ein Handy.

„Von Ihrem Gastgeber.“ Die ältere Frau nickte ihr zu. „Einen schönen Abend.“

Sie unterdrückte den Impuls, die Fahrerin zu fragen, ob sie wusste, wer sie engagiert hatte. Beth hatte die Identität ihres Chefs bestimmt genauso geheim gehalten wie alles andere.

„Danke“, sagte sie daher nur. Zweifellos würde Callum sie bald anrufen, um ihr zu sagen, wie es jetzt weiterging. Ihr machte es nichts aus, keine weiteren Informationen zu haben. Dadurch wurde dieses Spiel noch interessanter. Wenn sie in ihren Alltag zurückkehrte, würden wieder ausreichend Routine und Vorhersehbarkeit herrschen.

Leigh ging durch das Tor zu dem menschenleeren Strandabschnitt hinter dem Haus. Sie war ungeheuer nervös und aufgeregt. Erneut wusste sie nicht, was sie erwartete. Nachts hatte sie nicht geschlafen, weil sie in Gedanken das Date mit Callum immer wieder durchgegangen war. Selbst jetzt überlief sie ein Schauer, als sie sich seine sexy Stimme in Erinnerung rief.

Die Sonne ging langsam unter. Der Himmel war in ein Farbenmeer getaucht. Die Wellen des Ozeans rauschten an Land. Sie warf einen Blick auf das gemietete Herrenhaus ein Stück weiter oben und fragte sich, ob er sie durch ein Fenster beobachtete. Sie fragte sich, ob er groß gewachsen und muskulös war oder vielleicht …

Als das Telefon klingelte, blieb sie ruckartig stehen. Sie holte tief Luft. Als sie erneut zum Haus hinaufsah, versuchte sie, sich nicht anmerken zu lassen, wie gespannt sie war. „Genießt du die Aussicht?“, meldete sie sich.

Sein Lachen elektrisierte Leigh.

„Sehr“, antwortete Callum.

„Du hast die perfekte Sicht auf den Sonnenuntergang.“

„Davon habe ich nicht geredet.“

Abwesend zupfte sie am Saum ihres großen Pullovers, der das einfache Baumwollkleid fast ganz bedeckte, das sie für heute Abend ausgesucht hatte. Es war hellblau, luftig und fast unschuldig. Abgesehen davon, dass der bis zur Mitte der Oberschenkel reichende Rocksaum in der Brise flatterte. Dazu trug sie Westernstiefel.

„Du siehst schön aus, Leigh.“

Sie war nicht überzeugt. „Nett, dass du das sagst.“

„Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass du es nicht gewohnt bist, Komplimente zu bekommen“, meinte er nach einer Pause.

Sie zuckte die Schultern. Die Maskenbildnerin, die Stylistin und der Regisseur ihrer Kochsendung machten ihr jede Menge Komplimente. Aber sie hatte immer geglaubt, dass es deren Job wäre, sie gut aussehen zu lassen.

Es war einfach so, dass sie nie als Schönheit gegolten hatte oder die Nummer eins gewesen war, so wie ihre ältere Schwester Hannah vor dem verhängnisvollen Badeunfall oder Margot, die die Schönste auf dem College und auch danach eine erfolgreiche Buchautorin gewesen war. Erst nachdem sie vor Kurzem durch ein hormonelles Wunder ihren Babyspeck verloren hatte, war ihr klar geworden, dass sie auch einmal die Gewinnerin sein könnte.

Leigh sah sich demonstrativ am Strand um. „Hier ist nicht gerade viel los.“

„Es ist ein abgelegener Strand, und im Moment ist keine Touristensaison.“

„Kommst du zu mir herunter?“

„Erneut ein guter Versuch“, meinte Adam schmunzelnd.

„Ich habe halb erwartet, hier eine improvisierte Küche vorzufinden, damit ich dir wieder ein Abendessen kochen kann.“

„Zum Essen kommen wir noch, und die gute Nachricht ist, dass du den Abend frei hast.“

„Mir hat es gefallen, für dich zu kochen“, erwiderte Leigh.

„Und ich habe mit Vergnügen deine Mahlzeit gegessen, nachdem du weg warst.“

Kochen war das Einzige, was sie jemals ausgezeichnet hatte – ihre überflüssigen Pfunde hatten es bewiesen. Doch jetzt ließ die Meeresbrise den Rocksaum flattern und entblößte einige Zentimeter ihrer schlanken Oberschenkel. Sie war in der Stimmung, etwas Unbedachtes und Gewagtes zu tun. „Willst du damit sagen, dass du heute für mich kochst?“

„Ich habe etwas vorbereitet“, meinte Adam.

„Hoffentlich nichts, was zu üppig ist. Ich habe gestern Abend genügend geschlemmt.“

„Du hast kaum etwas gegessen, Leigh.“

„Kalorien summieren sich.“

„Ich will nicht, dass du dir Gedanken darüber machst, was du dir erlauben kannst und was nicht. Versprich mir das“, entgegnete er. „Du warst immer die hübscheste Frau von allen. Weißt du das nicht?“

Sie errötete. Sie war wirklich nicht an Komplimente gewöhnt. Aber er schmierte ihr nur Honig ums Maul, nicht wahr? „Danke.“ Grinsend ging sie zur Brandung.

„Du glaubst mir nicht.“

Leigh schlug einen unbeschwerten Ton an. „Vielleicht glaube ich dir, wenn du mir erzählst, unter welchen Umständen du mich schon einmal gesehen hast, Callum.“

„Deine Hartnäckigkeit ist unterhaltsam.“

„He, ich verdiene meinen Lebensunterhalt damit, Leute gut genug zu unterhalten, damit sie jede meiner Bewegungen im TV verfolgen.“

„Wie fühlt es sich an, vor der Kamera zu stehen und nicht zu wissen, wer einem zusieht?“, fragte er nach einem Moment.

„Gute Frage.“ Sie blieb stehen. Der Wind spielte mit dem Rocksaum. Sie hoffte, dass ihm bei dem Anblick heiß wurde. Das ausgedehnte verbale Vorspiel turnte sie an. Passierte jemals mehr zwischen ihnen?

Als Leigh über seine Frage nachdachte, wurde ihr klar, dass sie sich eigentlich schon immer gewünscht hatte, angesehen zu werden. Und jetzt, da sie eine gute Figur hatte und über mehr Selbstbewusstsein verfügte, machte es Spaß und war aufregend. „Vermutlich habe ich einen Adrenalinkick, wenn ich vor der Kamera stehe“, sagte sie leise.

„Was genau gefällt dir dabei?“

Zweifellos ging das Spiel, das sie gestern Abend begonnen hatten, in die zweite Runde. Die Unterhaltung wurde erheblich intimer und erotischer. Offensichtlich wollte Callum mehr, nachdem er sie dabei beobachtet hatte, wie sie beim Abendessen verführerisch den Honig geschleckt hatte.

Leigh wollte auch mehr. Deshalb war sie wiedergekommen. Sie wandte sich dem Haus zu. Ihr Herz klopfte. „Das habe ich noch nie jemandem erzählt“, sagte sie atemlos.

„Mir kannst du es sagen.“

Wie schaffte es Callum, dass sie ihm eine andere Seite von sich zeigte? „Mir gefällt es, dass die Zuschauer mich sehen wollen.“ Sie ging einen Schritt auf das Haus zu – nur der erste Schritt von hoffentlich vielen. „Ich mag es, mir vorzustellen, was sie wohl denken, wenn sie mir zusehen.“ Gespannt wartete sie auf seine Erwiderung.

„Was ich jetzt denke?“, fragte er rau.

„Sag es mir.“

„Bestimmt weißt du es bereits. Schon seit gestern Abend.“

„Ich glaube, dass dir meine kleine Show beim Abendessen gefallen hat. Und jetzt gefällt es dir, wie der Wind mit dem Saum meines Kleides spielt. Du fragst dich, ob ich es festhalte, bevor du einen Blick auf meinen Slip erhaschen kannst.“ In diesem Moment wehte der Wind den Rock ein paar Zentimeter nach oben. Leigh widerstand dem Impuls, den Stoff nach unten zu ziehen.

„Du hast recht. Aber ich hoffe auch …“

„Was, Callum?“

„Dass der Wind mir hilft und den Stoff weit genug nach oben weht, wenn du ihn nicht hochhebst.“

Seine unverblümten Worte setzten sie unter Strom. Die vernünftige Leigh, die keine Grenzen überschritten hatte, als sie aufgewachsen war, hätte jetzt Reißaus genommen. Aber jetzt fühlte sie sich wie neugeboren. „Ich habe bei Bedarf noch nie Hilfe abgelehnt“, flüsterte sie.

Er schwieg. Sie hatte noch nie so aufreizend mit einem Mann geflirtet. Dazu hatte ihr das Selbstbewusstsein gefehlt. Sex war für sie immer ziemlich belanglos gewesen: flüchtige Begegnungen ohne Herz und Leidenschaft. Jetzt waren Callum und sie an dem Punkt angekommen, an dem aus einem Spiel ernst wurde.

Sie erschauerte, als sie zum Haus schaute, mit einer Hand nach dem Rock griff und den Stoff quälend langsam nach oben zog. Der Stoff glitt sinnlich über ihre Oberschenkel. Hielt Callum ebenso wie sie den Atem an? Verging er fast vor Sehnsucht und verlangte nach mehr? Kurz bevor sie den Slip enthüllte, hielt sie inne. „Weiß oder rot?“ Sie konnte nicht widerstehen, ihn zu necken. „Teufel oder Engel?“

„Spielt die Farbe eine Rolle?“, entgegnete er ungeduldig.

„Für mich? Absolut. Dessous spielen für eine Frau immer eine Rolle. Selbst wenn sie euch Männern egal sind.“

„Mir sind sie nicht egal.“ Er lachte heiser. „Zeig mir, welche Farbe du trägst, Leigh.“

„Zuerst musst du mir etwas über dich erzählen. Hast du zum Beispiel wirklich schwarze Haare? Oder hast du es nur behauptet, um noch ein bisschen geheimnisvoller zu wirken?“

Adam lachte amüsiert. „Ich habe dunkle Haare wie Millionen anderer Männer auch. Reicht dir das?“

Sie sah sich um, um sich zu vergewissern, dass sie allein am Strand war. Schließlich hob sie den Stoff höher und zeigte ihm den Slip aus weißer Spitze.

„Ich hatte es im Gefühl, dass deine Dessous engelsgleich sind.“

Leigh hörte ihm an, dass die Farbe eine Rolle spielte. Sie war total erregt.

„Es ist Zeit, dass du ins Haus kommst.“

Adam sagte Leigh, dass sie die Holzstufen hinaufgehen und durch die bereits aufgeschlossene Hintertür das Haus betreten sollte. Dann legte er auf. Er hatte sie durch das Fenster im Dachgeschoss beobachtet. Ihm hatte der Atem gestockt, als sie sehr sinnlich ihren weißen Slip enthüllt hatte. Noch nie hatte ihn nur der Anblick von Dessous derart auf Touren gebracht.

In einem der Wohnzimmer hatte er schon vor ihrer Ankunft ein Feuer im Kamin entfacht. Vor den Kamin hatte er eine Decke und große Seidenkissen gelegt. Daneben standen ein Eiskübel mit Wein und eine Silberplatte mit verschiedenen Käsesorten bereit, die er zusammengestellt hatte.

Adam ging zum verdunkelten Obergeschoss über dem Wohnzimmer und setzte sich auf einen Stuhl, der hinter dem Geländer stand. Als er hörte, dass Leigh das Haus betrat, rief er sie wieder an. „Geh den Flur hinunter.“

„In einem Horrorfilm würden die Zuschauer jetzt aufschreien, weil sich die junge Frau in Gefahr begibt. Ist dir das klar?“

Sie hat wirklich Sinn für Humor. „Das ist kein Horrorfilm. Ich bin nicht gefährlich, und du hast keine Angst, richtig?“

„Richtig. Außerdem ist es im Flur nicht dunkel. Die Wandleuchten sorgen für gedämpftes Licht.“

„Bist du schon am Ende angelangt?“

„Fast.“

„Dann geh nach rechts.“ Adam konnte beinahe spüren, wie sie näher kam. Als Leigh unter ihm auftauchte und sich im Zimmer umsah, war er einmal mehr von ihrem Anblick hingerissen. Einen Moment lang wünschte er, ein anderer Mann zu sein. Dann könnte er nach unten gehen, durch ihre langen Haare fahren und ihr Gesicht streicheln.

Aber damit könnte er nicht umgehen. Sein Herz gehörte Carla – und um zu bekommen, was er wollte, musste er Leigh nicht einmal berühren. „Schalte den Lautsprecher des Handys ein und leg es auf die Decke.“

„Ich nehme an, dein Wunsch ist mir Befehl.“ Lächelnd tat sie es.

„Wie es jetzt weitergeht, liegt ganz bei dir.“ Adam bemerkte, dass sie überrascht war. Bislang hatte er das Geschehen bestimmt und die Vorschläge gemacht. Als sie hinauf zum Obergeschoss sah, schlug ihm das Herz bis zum Hals.

Leigh setzte sich auf die Decke, zog den weiten Pullover aus und warf ihm zur Seite. Im goldenen Schein des prasselnden Kaminfeuers griff sie nach der Weinflasche. „Ein Riesling, Jahrgang 2009. Eine gute Wahl, Callum.“

„Der Wein passt zum Käse, besonders zum Parmigiano Reggiano.“

Sie schenkte sich ein Glas ein und griff nach einem Stück Käse. „Trinkst du dort oben auch etwas?“

„Ich war gerade im Begriff, mir auch ein Glas einzuschenken.“ Er holte es nach und hob das Glas auf sie, obwohl sie ihn nicht sehen konnte. „Auf Spaß und Spiel.“

„Darauf trinke ich.“ Sie nippte am Wein, knabberte an einem Stück Käse und legte ihn wieder zurück. Dann lehnte sie sich mit dem Rücken an ein großes Kissen, streckte die Beine aus und sah in seine Richtung.

Sie scheint zu spüren, wo ich bin. Er bemerkte, dass sie nervös war. „Leigh, du weißt, dass du keinen Schritt weitergehen musst. Ich will nicht, dass du glaubst, ich erwarte irgendetwas.“

„Ich wäre nicht ins Haus gekommen, wenn ich …“ Sie berührte den Saum ihres Kleides und fügte dann hinzu: „Ich habe noch nie derart meinen Stimmungen und Launen nachgegeben.“

Und sie ist entschlossen, das jetzt zu ändern? Sein Herz raste.

„Welche Farbe haben deine Augen, Callum?“ Sie spielte mit dem Rock, hob ihn leicht an.

Also so stellte Leigh sich das Spiel vor: Sie stellte ihm Fragen, und er ließe sich zu Antworten hinreißen. Kluge Frau. „Braun.“ Das war nah genug an der Wahrheit. Er sagte ihr nicht, dass seine Augen goldfarben waren.

Sie legte die Hand auf ihr Schlüsselbein. Genau über den Knöpfen des Oberteils des Kleides. „Gut. Jetzt kann ich zumindest anfangen, mir ein Bild von dir zu machen.“

Erneut wünschte Adam, zu ihr gehen und sich ihr zeigen zu können. Damit sie sich ihn in ihren Fantasien vorstellen könnte, wenn sie nach diesem Abend im Bett läge und sich selbst berührte. Als sie mit dem ersten Knopf des Oberteils spielte, wurde ihm heiß. Wie weit würde sie gehen? Schließlich hielt er es nicht länger aus. „Warum tust du es nicht einfach, Leigh?“

Autor

Crystal Green
Crystal Green – oder bürgerlich Chris Marie Green – wurde in Milwaukee, Wisconsin, geboren. Doch sie blieb nicht lange: Sie zog zunächst nach Südkalifornien, von dort nach Kentucky und wieder zurück nach Kalifornien. Die Reisezeit vertrieb sie sich, indem sie Gedichte und Kurzgeschichten über die ultimativen Superhelden Supermann und Indiana...
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