Die falsche Braut des Millionärs

– oder –

Im Abonnement bestellen
 

Rückgabe möglich

Bis zu 14 Tage

Sicherheit

durch SSL-/TLS-Verschlüsselung

Ein Luxus-Resort am Mittelmeer. Küsse bei Mondschein am Strand. Ein Mann zum Verlieben. Stopp! Die Verlobung mit sexy Hoteltycoon Cristo Kiriakas ist nur ein Deal, das hat Kyra so gewollt … Aber warum träumt sie in seinen Armen plötzlich von etwas ganz anderem?
  • Erscheinungstag 21.10.2021
  • ISBN / Artikelnummer 9783751513210
  • Seitenanzahl 144
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. KAPITEL

„Heiraten Sie mich!“

Kyra Pappas erstarrte vor Schreck. Sie hatte gerade die Präsidentensuite des Blue Tide Resort betreten, in einer Hand die Schlüsselkarte, in der anderen den rosafarbenen Staubwedel.

Obwohl sie wusste, dass sie störte und das Zimmer besser später putzen sollte, konnte Kyra der Versuchung nicht widerstehen, einen Blick auf das glückliche Paar zu werfen.

Den ausgesprochen gut aussehenden Mann im grauen Maßanzug kannte sie bereits. Er war hoch gewachsen und athletisch gebaut, mit sonnengebräuntem Teint und hatte welliges dunkles Haar und blaue Augen. Gestern war er in die Suite zurückgekehrt, als sie sie gerade verlassen wollte. Sie hatten sich kurz unterhalten, und als Kyra erwähnte, dass sie Amerikanerin war, hatte er ihr etliche Sehenswürdigkeiten genannt, die sie sich in Griechenland nicht entgehen lassen sollte. Er hatte auf sie einen sehr sympathischen Eindruck gemacht.

Umso mehr wunderte es sie, dass er sie, das Zimmermädchen, ansah, während er einer anderen einen Antrag machte. Nur wem? Niemand sonst war im Raum.

Er meint doch nicht etwa mich? schoss es ihr durch den Kopf. Doch sie verwarf den absurden Gedanken sofort wieder. „Entschuldigung, haben Sie etwas gesagt?“, fragte sie, da er sie nicht aus den Augen ließ.

„Ich habe Sie gebeten, meine Frau zu werden.“

Kyra hatte nie zuvor einen Heiratsantrag bekommen, war noch nicht einmal wirklich verliebt gewesen. Eine Bindung kam für sie derzeit sowieso nicht infrage. Sie war nach Griechenland gekommen, um nach ihren Wurzeln zu suchen. Dennoch ließ sie für den Bruchteil einer Sekunde den Gedanken zu, dass der attraktive Mann es ernst meinte.

Doch wieso machte er einer Fremden einen Antrag? War er verrückt geworden oder handelte es sich um eine Wette?

„Geht es Ihnen gut, Sir?“ Verstohlen sah sie sich nach einer geleerten Schnapsflasche oder einer versteckten Kamera um, nach irgendetwas, das sein seltsames Verhalten erklären könnte.

„Ich war wohl nicht sehr geschickt.“ Verlegen rieb er sich übers Kinn. „Es war ja auch mein erster Heiratsantrag.“

„Handelt es sich um einen Scherz oder eine Wette?“

„Ganz und gar nicht. Es ist ein für Sie sehr lukratives Geschäft“, wehrte er entrüstet ab.

Verwirrt öffnete sie den Mund, brachte aber kein Wort heraus. Er ist betrunken, entschied sie, obwohl er keinerlei Anzeichen dafür erkennen ließ. Dennoch wich sie einen Schritt zurück.

„Haben Sie keine Angst, ich bin gar nicht so übel.“ Sein charmantes Lächeln ließ sie innehalten. „Lassen Sie mich Ihnen alles erklären.“

„Ich muss noch viele Zimmer putzen.“ Ohne ihn aus den Augen zu lassen, öffnete sie die Tür hinter sich. „Ihres mache ich dann später …“

„Bitte bleiben Sie.“

Er kam auf sie zu, aber sie hob abwehrend die Hand. „Wenn Sie näher kommen, schreie ich.“

„Verzeihung.“ Verlegen raufte er sich das Haar. „Ich habe wohl ein ziemliches Chaos angerichtet. Zum Glück war das kein richtiger Heiratsantrag.“

Irgendwie tat er Kyra leid. Vermutlich steckte er in einer schlimmen Klemme, sonst würde er kaum eine dermaßen absurde Maßnahme ergreifen. „Ich nehme die Entschuldigung an, muss mich aber wirklich an die Arbeit machen.“

„Sind Sie denn kein bisschen neugierig, was es mit dem Antrag auf sich hat?“

Und ob! Nachdenklich betrachtete Kyra ihn. Die obersten Hemdknöpfe standen offen und gaben den Blick auf seine muskulöse Brust frei. An einem Arm trug er eine kostbare Armbanduhr, die Schuhe waren auf Hochglanz poliert. Er sah aus wie ein erfolgreicher Geschäftsmann, ein Mann wohlüberlegter Entscheidungen. Aus einem unerfindlichen Grund schien sie in seine Pläne zu passen.

Sie verschränkte die Arme vor der Brust. „Schießen Sie los. Ich bin ganz Ohr.“

„Kommen Sie erst herein und setzen sich.“

„Ich bleibe lieber hier.“ In New York aufgewachsen, war Kyra mit gesundem Misstrauen gesegnet. Dennoch schloss sie die Tür.

Rastlos trat der Mann von einem Fuß auf den anderen. „Ich fand unser Gespräch gestern sehr angenehm. Sie sind eine interessante junge Frau, die gut mit Menschen umgehen kann.“

„Danke. Das erscheinen mir jedoch keine für eine Ehe ausreichenden Gründe.“

„Ich stehe gerade vor einem wichtigen Geschäft mit einem überaus traditionsbewussten älteren Herren. Er setzt bei seinen Verhandlungspartnern Seriosität voraus, die sich für ihn in Ehe und Familie ausdrückt.“

Du willst Vater, Mutter, Kind spielen? dachte Kyra entgeistert. „Dafür bin ich kaum die Richtige.“

„Im Gegenteil, Sie sind genau die Frau, die ich brauche!“

Kyra warf einen bedeutungsvollen Blick auf die Uhr. „Ich muss mich wirklich wieder an die Arbeit machen.“

„Keine Sorge, ich regle das.“

Verblüfft sah sie ihn an. „Wer sind Sie eigentlich?“

Ihre Reaktion erstaunte ihn offensichtlich. „Das wissen Sie nicht?“

„Hätte ich sonst gefragt?“

„Darf ich mich vorstellen: Cristo Kiriakas.“

Der Name klang vertraut, doch es dauerte einen Moment, ehe Kyra begriff: Er war der Besitzer der Glamour-Hotel- und Casino-Kette, zu der das Blue Tide Resort gehörte, und damit ihr Arbeitgeber.

„Sehr erfreut, Sie kennenzulernen, Mr. Kiriakas. Ich … ich bin Kyra Pappas. Es tut mir leid, dass ich Sie nicht erkannt habe.“

„Kein Problem. Bitte nennen Sie mich Cristo. Mr. Kiriakas ist mein Vater, wenn Sie mich so ansprechen, sehe ich mich automatisch nach ihm um.“

„Entschuldigung, Sir. Cristo.“ Plötzlich kam ihr ein erschreckender Gedanke. „Hängt mein Job davon ab, ob ich Ihrem Plan zustimme?“

„Nein, ganz und gar nicht.“

Das überzeugte Kyra nicht. „Haben Sie denn keine Freundin, die Sie heiraten können?“

Cristo presste die Lippen aufeinander, ein Muskel an seiner Wange zuckte. „Ich könnte durchaus eine Frau finden, dich mich heiratet, nur möchte ich nicht verheiratet sein.“

„Wozu dann der Aufwand? Sie sind bestimmt reich genug, um zu tun und lassen, was Sie wollen.“

„Mit Geld kann man nicht alles kaufen …“

Das hatte Kyra auch schon begriffen. Sie kannte Wohlstand und Armut mit allen Vor- und Nachteilen. Dass jemand ihre Ansichten diesbezüglich teilte, war allerdings neu für sie. Für ihre Mutter war Geld das Wichtigste im Leben. Wer keines mehr hatte, gab zumindest vor, reich zu sein. Kyra war anderer Ansicht, hatte es aber aufgegeben, sie vom Gegenteil überzeugen zu wollen.

„Sie wollen mich der Form halber heiraten, um ein Geschäft unter Dach und Fach zu bringen? Danach gehen wir wieder getrennter Wege?“, fasste sie seinen Vorschlag zusammen.

„So ist es. Nur geht es nicht um einen beliebigen Abschluss, sondern um den wichtigsten meiner gesamten Karriere.“

Verblüfft und voller Mitleid sah Kyra ihn an. Was mochte ihm so viel bedeuten, dass er dafür eine Fremde zu heiraten bereit war? Eine Ehe schloss man aus Liebe, aus keinem anderen Grund. „Gibt es denn keine andere Möglichkeit?“

„Dann hätte ich sie längst genutzt.“

Sie überlegte kurz. „Können Sie nicht lediglich eine Verlobung vortäuschen? Das würde Ihnen viel Aufwand ersparen.“ Dabei dachte sie keineswegs daran, sich für die Rolle der Verlobten zu bewerben, so anziehend sie den sexy Griechen mit den blauen Augen auch fand.

Sie war in sein Land gekommen, um ihr Leben und das ihrer Mutter zu verbessern, und dachte nicht daran, sich aufhalten und in das Drama eines Fremden hineinziehen zu lassen.

Klug ist sie auch noch, dachte Cristo. Das gefiel ihm. Vom ersten Moment an hatte er geahnt, dass die Frau mit den großen braunen, von dichten Wimpern umkränzten Augen und dem seidigen dunklen Haar etwas Besonderes war. Sein Interesse an ihr ging jedoch weit über Äußerlichkeiten hinaus. Schon bei der ersten Begegnung waren ihm ihr freundliches Wesen und ihre Ungezwungenheit aufgefallen. Er hoffte inständig, dass Kyra die Lösung für seine Probleme war.

An diesem Morgen war sein Angebot für die Hotelkette von Nikolaos Stravos kommentarlos zurückgewiesen worden. Seither wusste er, dass er nach den Regeln spielen musste, die der exzentrische Milliardär aufstellte. Geschäft und Privatleben zu vermischen ging ihm gründlich gegen den Strich. Umso besser gefiel ihm Kyras Idee einer bloßen Verlobung. Das Arrangement ließe sich erträglicher gestalten, und er bräuchte keinen wasserdichten Ehevertrag aufsetzen zu lassen.

Nachdenklich betrachtete er sie. Er musste mehr über sie erfahren, ehe er abschätzen konnte, ob es mit ihr funktionieren könnte. „Wie lange sind Sie schon im Blue Tide? Ich glaube, ich habe Sie gestern zum ersten Mal gesehen.“

„Gestern war mein erster Arbeitstag. Zuvor habe ich in Ihrem Hotel in New York gearbeitet.“

„Wie lange?“

„Mehrere Jahre.“

„Als Zimmermädchen?“ Sie nickte verlegen, als enthielte sie ihm etwas vor.

„Was verschweigen Sie mir?“ Vertrauen war in dieser Angelegenheit entscheidend.

Kyra sah ihn abschätzend an. „Ich absolviere derzeit ein Fernstudium in internationalem Hotelmanagement.“

„Wieso haben Sie das nicht gleich gesagt?“

„Sie sollen nicht denken, ich wäre undankbar.“

„Im Gegenteil. Ich ermutige meine Angestellten, sich fortzubilden. Wir veranstalten sogar regelmäßig Seminare im Haus.“

„Das ist mir bekannt.“

„In welche Richtung wollen Sie sich denn spezialisieren?“

Sie straffte die schmalen Schultern. „Immobilienmanagement.“

„Das ist gewiss das Passende für eine ehrgeizige junge Frau.“

„Danke.“ Sie lächelte erfreut.

Ich hätte ihre Personalakte lesen sollen, dachte Cristo. Dazu hatte die Zeit jedoch nicht gereicht. Nun musste er sich auf seinen Personalchef verlassen und darauf, dass dieser sie vor der Einstellung ebenso gründlich überprüft hatte wie alle übrigen Bewerber. Hätte sie keine weiße Weste, wäre Kyra nicht hier.

„Ich habe unsere Unterhaltung gestern sehr genossen. Sie sind eine einfühlsame, kluge Frau. Ich würde es als großen Gefallen betrachten, wenn Sie mir bei meinem Problem helfen.“

„Meine Arbeit macht mir Spaß, und sie lässt mir genügend Zeit für Privatangelegenheiten … Besichtigungen und so.“

„Würden Sie meinen Vorschlag dennoch in Erwägung ziehen?“

„Da gibt es nichts zu bedenken. Es tut mir leid, Sie müssen sich eine andere suchen.“ Entschlossen öffnete sie die Tür und trat in den Flur hinaus.

„Denken Sie noch einmal darüber nach. Bitte. Ich brauche Ihre Hilfe.“ Er nannte einen enorm hohen Betrag, doch selbst dieser ließ Kyra lediglich für den Bruchteil einer Sekunde innehalten.

Kyra hielt es für das Klügste zu gehen, obwohl Cristo völlig verzweifelt wirkte. Bitte sagte er vermutlich auch nicht allzu häufig.

Wieso nur wollte er seinen verrückten Plan um jeden Preis durchziehen? Und weshalb zerbrach sie sich deswegen den Kopf? Es war sein Problem, nicht ihres.

„Ist Ihnen das zu wenig? Nennen Sie eine andere Summe“, sagte er.

„Ich bin nicht käuflich.“ Sie setzte ihren Weg in den Flur fort, zog die Tür hinter sich ins Schloss und ging zu dem Wagen mit ihren Putzutensilien. Tun sie hier irgendetwas ins Wasser? überlegte sie kopfschüttelnd. Sie und Cristo kannten einander nicht, wie sollten sie da überzeugend ein glückliches Paar spielen?

Während sie die benachbarten Suiten reinigte, dachte sie an das Geld, das er ihr geboten hatte. Sie war zwar keine Goldgräberin, aber eine solche Summe hatte natürlich ihren Reiz – das musste sie zugeben. Nur wäre sie überhaupt dazu fähig, die Rolle seiner Verlobten zu spielen, etwas vorzugeben, das sie nicht war? Machte sie das nicht zur Heuchlerin?

Bist du das nicht ohnehin schon? fragte eine innere Stimme. Seit dem Tod ihres Vaters vor einem Jahr tat sie vor den Freundinnen ihrer Mutter im Country Club so, als hätte sich nichts an ihrem bisherigen gehobenen Lebensstil geändert. Sie machte es aus Mitleid für ihre Mutter, die gleichzeitig mit der Liebe ihres Lebens auch ihren Wohlstand verloren hatte. Nach zwanzig Jahren als glückliche Hausfrau hatte sie einen Job annehmen müssen, um den Schuldenberg abzutragen, den ihr Mann ihr hinterlassen hatte.

Kyra war zunächst wieder bei ihr eingezogen, um sie zu unterstützen, dann hatte sie die gut bezahlte Stelle in Griechenland angenommen, um Geld nach Hause schicken zu können.

Für ihre Reise gab es allerdings einen weiteren Grund. In New York hatte sie weiter keine Familie, die Freundinnen ihrer Mutter zogen sich von ihr zurück, und diese vereinsamte und versank in Depressionen. Daher hatte Kyra beschlossen, die griechischen Verwandten ihres Vaters aufzuspüren. Wenn die sie freundlich aufnähmen, könnte sie ihre Mutter nachholen, und sie könnten Teil einer liebevollen Großfamilie werden.

Cristos Angebot kam daher mehr als ungelegen. Kyra glaubte ohnehin nicht, etwas tun zu können, was sich für sie völlig falsch anfühlte. Andererseits wäre das Geld ein wahrer Segen, denn sie fühlte sich verpflichtet, ihre Mutter finanziell zu unterstützen. Was wog schwerer: ihre Prinzipien oder ihre Pflicht der Mutter gegenüber?

In Griechenland kannte sie niemanden, hier konnte sie sich Freiheiten herausnehmen, die in New York unmöglich waren. Lediglich ihre beste Freundin Sofia Moore hatte gemeinsam mit ihr im Hotel angeheuert. Sie teilten seit Jahren jedes Geheimnis, vielleicht konnte sie ihr einen Rat geben?

Nachdem die letzte Suite blitzblank geputzt war, trat Kyra an eines der riesigen Fenster mit Blick über den Hotelstrand, zog ihr Handy aus der Tasche und schrieb eine Nachricht.

Du wirst es nicht glauben: Ich habe jemanden kennengelernt.

Minutenlang tat sich nichts. Bestimmt arbeitete Sofia noch in einem der exklusiven Bungalows am Strand, für die sie zuständig war. Endlich meldete der Klingelton eine neue Nachricht.

Sofia: Einen Mann?

Kyra: Ja.

Sofia: Hast du nicht kürzlich sämtlichen Männern abgeschworen?

Kyra: Schon. Er hat mich gefunden.

Sofia: Ist es Liebe auf den ersten Blick?

Kyra: Eher ein geschäftlicher Vorschlag.

Sofia: Lass mich raten: Er will dich dafür bezahlen, dass du seine Freundin bist?

Kyra: Ja, und zwar sehr gut.

Sofia: Das ist ein Scherz, oder?

Kyra: Nein.

Sofia: Ist er reich?

Kyra: Sehr.

Sofia: Hast du angenommen?

Kyra: Noch nicht.

Sofia: Warum nicht?

Kyra: Soll ich sein Angebot wirklich ernsthaft in Erwägung ziehen?

Sofia: Wieso nicht? Du hast gerade nichts Besseres in Aussicht.

Kyra: Danke für deine aufmunternden Worte!

Sofia: Wollte dich nicht verletzen. Greif ruhig zu! Muss weitermachen. Bis später.

Kyra las den Chat mehrmals. Greif zu, riet Sofia ihr. Meinte sie das ernst? Möglich wäre es durchaus. Seit Sofia ihren Freund mit einer anderen im Bett erwischt hatte, sah sie Beziehungen in einem neuen Licht. Sie traute Männern nicht mehr, ließ sich auf keinen ernsthaft ein, hatte aber nichts gegen ein wenig Spaß einzuwenden.

Soll ich mich auf etwas ganz Neues einlassen? überlegte Kyra. War sie nicht auch aus diesem Grund nach Griechenland gekommen? Um etwas zu riskieren, weniger konservativ zu sein?

Unvermittelt sah sie Cristos attraktives Gesicht vor ihrem inneren Auge. Es dürfte ihr nicht schwerfallen, für eine kurze Weile seine Verlobte zu spielen. Am Tag zuvor hatten sie nett miteinander geplaudert, und sobald er lächelte, stoben in ihrem Bauch Schmetterlinge auf. Sofia hat recht, dachte sie. Sie hatte nichts zu verlieren, könnte aber viel Spaß haben.

Rasch räumte sie ihre Utensilien fort. Anschließend eilte sie in das winzige Apartment, das sie mit ihrer Freundin teilte, um sich frisch zu machen.

Wenig später klopfte sie nervös, aber entschlossen an die Tür zur Präsidentensuite. Cristo öffnete. Da er sie ein ganzes Stück überragte, musste sie den Kopf in den Nacken legen, um ihm in die Augen zu blicken. „Ich … ich habe über Ihr Angebot nachgedacht und hätte noch einige Fragen.“

Er zögerte nur einen winzigen Moment, ehe er beiseitetrat und sie einließ.

Im Hereinkommen registrierte Kyra zum ersten Mal, dass seine Räume noch eleganter ausgestattet waren als die übrigen Luxussuiten. Die Couchgarnitur war mit weichem Leder bezogen, an den Wänden hingen Originalbilder, keine Drucke. Zudem wirkten die Zimmer bewohnt und geradezu anheimelnd.

Als Cristo hinter ihr die Tür schloss, verließ sie plötzlich der Mut. Üblicherweise ging sie nicht auf Risiko, sondern war auf Sicherheit bedacht.

„Bedeutet Ihr Besuch, dass Sie Ihre Meinung geändert haben?“, fragte er unvermittelt.

Kyra zwang sich, ihm in die Augen zu blicken. „Das hängt von Ihren Antworten ab.“

„Was möchten Sie wissen?“

Noch stand ihr ein Ausweg offen, daher gelang es Kyra, sich ein wenig zu entspannen. „Unsere Verlobung wäre nur ein Vorwand. Sie würden nicht erwarten, dass ich … mit Ihnen schlafe?“

„Ganz und gar nicht.“

„Wie lange würde das Ganze dauern?“

„Das weiß ich, ehrlich gesagt, nicht.“

„Länger als ein, zwei Tage?“

Er zögerte. „Ja. Wir müssten die Verlobung aufrechterhalten, bis das Geschäft unter Dach und Fach ist. Das könnte Wochen dauern, vielleicht sogar einige Monate.“

„Monate?“ Kyra schüttelte den Kopf. „So lange kann ich unmöglich Ihre Verlobte spielen.“

„Haben Sie vor, in absehbarer Zeit in die Staaten zurückzukehren?“

Kyra wollte Griechenland nicht verlassen, ehe sie die Familie ihres Vaters aufgespürt hatte. Bislang hatte sie allerdings keinerlei Anhaltspunkte und wusste daher nicht, wie lange die Suche dauern würde. „Das nicht. Ich … habe hier etwas zu erledigen.“

„Kann ich Ihnen dabei helfen? Ganz ohne Bedingungen“, setzte er auf ihren skeptischen Blick hin hinzu. „Ich mag Sie. Sie bringen mich zum Lächeln. Das habe ich lange nicht getan. Ich helfe Ihnen gerne, ob Sie meinem Plan zustimmen oder nicht.“

Kyra runzelte die Stirn. Es wäre viel leichter, sein Angebot abzulehnen, wenn er aufdringlich und arrogant wäre. Stattdessen erwies er sich als wahrer Gentleman und sah obendrein zum Anbeißen aus.

„Worum geht es denn?“

„Das ist kein großes Geheimnis. Meine Familie stammt ursprünglich aus Griechenland. Dad und ich wollten unsere griechischen Verwandten schon lange aufspüren. Er ist vor etwa einem Jahr gestorben, nun suche ich alleine.“

„Es scheint Ihnen wichtig zu sein.“

„Das ist es auch, nur versteht meine Mutter das nicht.“ Sie hatte alles getan, um Kyras Reise zu verhindern.

„Ich kenne etliche Pappas, doch der Name ist weit verbreitet.“

„Oh.“

„Haben Sie in den Staaten noch Familie?“

„Niemanden außer meiner Mutter. Ihre wenigen Angehörigen sind bereits verstorben. Ich dachte, sie hätte Verständnis dafür, dass ich etwas über meine Herkunft erfahren will, aber ganz im Gegenteil.“

„Ihr Job im Hotel dient also dazu, Ihre Wurzeln aufzuspüren?“

Kyra nickte, im selben Moment klingelte ihr Telefon. Als sie sah, dass es ihre Mutter war, leitete sie das Gespräch auf die Mailbox um.

„Gehen Sie ruhig dran.“

„Ich kümmere mich später darum. Es ist nicht wichtig.“ In seiner Gegenwart fiel ihr das Denken schwer. Das war ihr noch bei keinem Mann passiert, und sie wusste nicht, ob es ihr gefiel. Zugleich fand sie ihn interessant und fesselnd wie keinen anderen.

„Wie Sie meinen.“ Er ging zum Kühlschrank und nahm eine Flasche Mineralwasser heraus. „Möchten Sie auch eine?“

„Gerne, danke.“ Erneut klingelte ihr Handy, wieder war es ihre Mutter. Seltsam, dachte Kyra. Um diese Zeit sollte sie eigentlich bei ihrem Zweitjob sein.

Als Cristo ihr die Flasche reichte, berührten sich ihre Finger. Ihre Blicke kreuzten sich, und Kyra stockte der Atem. Sie hatte von Anziehung auf den ersten Blick gehört, aber nie verstanden, was die Leute damit meinten. Jetzt wusste sie es. Es würde ihr schwerfallen, Cristo wieder zu vergessen.

„Haben Sie Hunger? Ich könnte etwas aus dem Hotelrestaurant kommen lassen“, bot er an.

„Nein, danke.“ Sie war viel zu aufgeregt, um auch nur einen Bissen herunterzubringen. „Müssten wir gemeinsam in der Öffentlichkeit auftreten?“

„Auf jeden Fall. Wäre das ein Problem? Haben Sie einen Freund?“

„Nein.“ Nachdenklich sah sie an sich herab. Sie trug T-Shirt und Caprihose. „Ich fürchte, mir fehlt die geeignete Garderobe.“

„Die stelle ich Ihnen natürlich zur Verfügung, zusammen mit den Accessoires.“

Wie reich bist du eigentlich? schoss es ihr durch den Kopf, als sie die Flasche an die Lippen führte und trank. Vergeblich versuchte sie, sich auf ihre übrigen Fragen zu besinnen, doch ihr fiel keine mehr ein. Zum Glück waren die wichtigsten Punkte geklärt.

Cristo trat neben sie. „Ich dränge ungern, aber ich muss schnellstmöglich wissen, wie Ihre Antwort lautet.“

„Viel Zeit zum Überlegen lassen Sie mir nicht gerade.“

„So können Sie sich wenigstens keine Ausreden einfallen lassen. Ich weiß jetzt schon, dass Sie mein Leben bereichern werden. Sie sind eine faszinierende Frau, das gefällt mir.“

„Ist das alles, was Ihnen an mir gefällt?“ Erst als die Worte heraus waren, merkte sie, dass sie mit ihm flirtete.

Cristo schien es ebenfalls aufgefallen zu sein, denn er lächelte siegessicher.

Was soll das? schalt Kyra sich. Sie kannte ihn kaum, fühlte sich aber zu ihm hingezogen wie eine Motte zum Licht. Wenn sie nicht achtgab, würde sie sich an ihm verbrennen.

„Definitiv nicht.“

„Die Summe, die Sie vorhin genannt haben, gilt noch immer?“

Er nickte.

„Würden Sie mich wöchentlich bezahlen?“ So könnte sie die Hypothekenschulden ihrer Mutter rasch abtragen.

Autor

Jennifer Faye
Mehr erfahren