Eine Traumvilla für meine Prinzessin

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Tanya ist es so leid, von ihrem Mann Rafe wie eine Prinzessin behandelt zu werden. Sie will nicht länger in der Traumvilla wie in einem goldenen Käfig sitzen, will endlich von Rafe als echte Partnerin ernst genommen werden. Doch diese Rolle ist in seinem Leben längst von der intriganten Niki besetzt …


  • Erscheinungstag 14.02.2018
  • ISBN / Artikelnummer 9783733755492
  • Seitenanzahl 130
  • E-Book Format ePub
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Leseprobe

1. KAPITEL

Tanya sah schon wieder auf die Porzellanuhr über dem Schminktisch. Es war erst eine Minute vergangen, seit sie zum letzten Mal danach geschaut hatte, aber mit jeder Minute, die verstrich, sanken die Chancen, Rafael davon abzubringen, heute Abend auf diese Party zu gehen. Tanya fühlte, wie sich Enttäuschung und Ärger in ihr aufstauten.

In den ersten Monaten ihrer Ehe hatte Rafael noch angerufen, wenn er später aus dem Geschäft nach Hause kam. Nun wurde ihr diese Höflichkeit nur noch zuteil, wenn es sehr spät wurde. Eine Stunde oder zwei zählten nicht mehr. Er nahm es einfach als gegeben, dass sie, Tanya, auf ihn wartete. Schließlich war sie seine Frau.

Tränen stiegen ihr in die Augen. Wann hatten sich die Gewichte in der Beziehung so verschoben? Tanya grübelte darüber nach und lachte plötzlich bitter. So eine dumme Frage, dachte sie. Unsere Beziehung war von Anfang an ungleich. Nur ich war zu geblendet von meiner Liebe zu Rafael, zu jung und naiv.

Sie blinzelte die Tränen weg und wandte sich wieder dem Lackieren der Fingernägel zu. Knallrot. Rot wie Tanyas Wut. Rot wie Tanyas blutendes Herz. Rot wie das Feuer, das in ihr brannte. Rot wie die Explosion, die vielleicht heute Abend ihre Ehe beenden würde.

Natürlich wusste Tanya, warum Rafael sie geheiratet hatte, anstatt sich nur zu nehmen, was er wollte. Es hatte nichts mit Liebe zu tun. Nur mit Besitz. Absolutem Besitz.

Die Jungfräulichkeit hatte ihn überrascht. Es gab heutzutage nicht mehr allzu viele dreiundzwanzigjährige Jungfrauen. Aber die wenigsten Mädchen wurden auch von Großmüttern erzogen, die strenge Maßstäbe und Moralvorstellungen wie aus dem neunzehnten Jahrhundert hatten.

Rafael hatte Tanya vom ersten Augenblick an begehrt, und sie war ihm gegenüber völlig wehrlos gewesen. Ein Blick, und sie gehörte Rafael. Nachdem er ihr die Jungfräulichkeit genommen hatte, beschloss er, Tanya ganz zu behalten. Ganz für sich. Kein anderer Mann sollte sie auch nur ansehen, allenfalls von weitem bewundern. Er konnte es kaum erwarten, Tanya zu heiraten, und sie fühlte sich sehr geschmeichelt. Ihre Großmutter war es, die auf einer zweimonatigen Verlobungszeit bestand, um eine „ordentliche“ Hochzeit für die Enkelin ausrichten zu können. Diese zwei Monate waren die einzige Zeit in der Beziehung, in der Rafael offen über seine Arbeit gesprochen und sein Leben mit Tanya geteilt hatte. Er las ihr jeden Wunsch von den Augen ab, bis der Ring an ihrem Finger steckte und sie Rafael gehörte – nach Recht und Gesetz, mit Leib und Seele. Absoluter Besitz. Gekauft und bezahlt.

Tanya wusste nicht, wie Rafael damals über sie gedacht hatte. Sie war überglücklich mit ihm gewesen, hatte ohne zu zögern ihren Beruf aufgegeben, als er sie darum bat. Schließlich, so hatte er gesagt, würde sie ohnehin keine Zeit mehr dafür haben, wenn sie verheiratet seien.

Rafael hatte ein schönes Haus für sie gekauft – ein Traumhaus mit Blick auf den Hafen bei Potts Point, in einer der elegantesten Wohngegenden Sydneys. Im Obergeschoss des Hauses gab es fünf Schlafzimmer, jedes mit Bad, und ein eigenes Wohnzimmer für Tanya. Die Gesellschaftsräume im Erdgeschoss waren der reine Luxus: Musikzimmer, Billardzimmer, Salon und Speisesaal sowie das Wohnzimmer, von dem aus man auf die Terrasse und zum Swimmingpool gelangte.

Tanya hatte das Haus nach ihren Wünschen gestalten dürfen. Von Rafael war eine Innenarchitektin engagiert worden, die ihr helfen sollte, und Tanya hatte es genossen, das Haus in ein Heim für sich und Rafael zu verwandeln. Erst jetzt erkannte sie den Sinn des Projekts. Sie sollte damit ruhig gestellt werden, genau wie ein Kind mit einem Schnuller. Solange sie mit dem Einrichten beschäftigt war, konnte sie nicht auf dumme Gedanken kommen.

In jener ersten Zeit zweifelte Tanya jedoch keine Sekunde an Rafaels Liebe. Sie gingen nicht oft aus, und sie konnten nicht gut Gäste einladen, solange die Räume nicht komplett ausgestattet waren. Außerdem, sagte Rafael, wolle er Tanya für sich haben. Und dagegen hatte sie nichts. Nichts fand sie aufregender und schöner als die körperliche Liebe mit Rafael.

Es war Tanya damals nicht aufgefallen, dass sich bei allen Geschäftsessen und offiziellen Empfängen, zu denen Rafael ging, immer Niki Sandstrom an seiner Seite befand. Doch in jenen herrlichen Flitterwochen wusste Tanya auch noch nicht, welche Rolle Niki in Rafaels Leben spielte.

Seinerzeit hatte Tanya nicht einmal bemerkt, dass Rafael sie von seinem Alltagsleben trennte, wie er ihre Fragen über seine Arbeit beiseitelegte, indem er Tanya geschickt über ihren Tag ausfragte. Er erkundigte sich, was sie getan hatte, was sie als Nächstes tun wollte, und sie plapperte über jedes alberne Detail, bis er sie ins Bett holte und sie zu sehr miteinander beschäftigt waren, um noch ans Reden zu denken.

Er gab jedem ihrer Wünsche nach, soweit es sich um das Haus handelte. Bei der Auswahl der Möbel mochte er nicht mitreden.

„Es ist dein Heim, Tanya. Ich möchte, dass du alles hast, was du willst“, sagte er.

„Es wird doch auch dein Heim sein, Rafael“, widersprach sie. „Dir soll es auch gefallen.“

Er schenkte ihr sein charmantes Lächeln, von dem sie jedes Mal weiche Knie bekam. „Du gefällst mir. Solange du hier bist, sehe ich nichts anderes. Und wenn du glücklich bist, bin ich es auch.“

Sie nahm das als das schönste Kompliment der Welt, ohne zu ahnen, was es bedeutete. Tanya glaubte, es sei ein Beweis seiner großen Liebe. Aber das war es ganz und gar nicht. Er ließ sie nur ihre Umgebung so gestalten, damit Tanya darin zufrieden sein sollte, während sie auf ihn wartete, bis er heimkam, um sich an seinem Besitz zu erfreuen.

Es gab vieles, was sie erst im Laufe der Zeit nach und nach begriff: zum Beispiel Rafaels Überraschung über ihre Vorliebe für Antiquitäten und den zurückhaltend eleganten Einrichtungsstil, den Tanya bevorzugte.

„Ich dachte, du würdest nach etwas Exotischerem suchen“, bemerkte Rafael, nicht vorwurfsvoll, eher verwundert.

Sie lachte. „Wusstest du nicht, dass ich altmodisch bin?“

„Doch, natürlich“, erwiderte er und lächelte zufrieden. „Was sonst?“

Schließlich war sie ganz altmodisch noch Jungfrau gewesen. Und es gefiel ihm, dass sie altmodische Moralvorstellungen hatte. Es bedeutete, dass er sich auf die Treue seiner Frau verlassen konnte – unbedingt.

Verächtlich ließ Tanya nun den Blick durch das Schlafzimmer schweifen. Die Einrichtung: romantisch und elegant, genau so, wie Tanya sich es immer erträumt hatte. Die Cremefarbe des Teppichs wiederholte sich im gepolsterten Kopfteil des Betts. Die seidene Tagesdecke war in sanftem Pastellgrün, Malve und Rosa auf cremefarbenem Untergrund gemustert. Aus dem gleichen Material waren die üppig drapierten Vorhänge zu den dicht gerafften Stores aus cremefarbenem Organza. Blassgrüne Seidensessel schmückten zwei Ecken, und eine majestätische, hochbeinige Kommode ergänzte den schönen Schminktisch mit dem dreiteiligen Spiegel, vor dem Tanya auf dem passenden Polsterschemel saß.

Es war das Schlafzimmer einer Dame.

Sie hätte es einrichten sollen wie ein Erotik-Center: mit dunkelrotem Teppich, schwarzer Seidenbettwäsche, Spiegeldecke, ausgefallenen exotischen Möbeln und Tierfellen. Das hätte besser zu dem gepasst, was in diesem Raum vor sich ging.

Aber auch dann hätte Rafael keine Spur von sich hier hinterlassen, die zeigte, dass es sein Zimmer ebenso war wie ihres, weil er nicht wirklich hier wohnte. Hier schlief er und hatte Sex mit einer Frau. Dafür war jedes Schlafzimmer recht. Im Zusammenhang mit ihr interessierte Rafael nur eins.

Nein, das stimmte nicht ganz. Es gab noch etwas anderes: Er zeigte sie gern herum. An seinem Arm. Für solche Zwecke musste sie oft passende Kleidung kaufen. Das hielt sie wieder beschäftigt – und von dummen Gedanken ab.

Als das Haus endlich komplett eingerichtet war, stürzte das gesellschaftliche Leben mit Macht auf Tanya ein. Sie hatte alle Hände voll zu tun mit Partys, Theaterbesuchen, Wohltätigkeitsveranstaltungen und Essenseinladungen. Das ersparte Rafael die Mühe, sich ernsthaft mit Tanya unterhalten zu müssen. Der einzige Ort, wo er ihre Nähe wollte, war im Bett. Anregende Gesellschaft hatte er genug in seiner hoch geschätzten persönlichen Assistentin.

Rafael duldete kein Wort gegen diese hinterhältige Frau. Er hörte überhaupt nicht auf sie, Tanya. Die Streitereien mit ihm hatten ganz langsam begonnen, zuerst über läppische, alltägliche Dinge. Als Tanyas Enttäuschung über ihre Beziehung wuchs, waren die Auseinandersetzungen härter geworden. Rafael gab meist als erster nach – außer wenn ihm das Thema wichtig war. Dann war er so kalt und unbeugsam wie das Himalaya-Gebirge und ohne jegliches Verständnis für Tanyas Bedürfnisse. Rafaels Lösung für jedes Problem war Sex.

So wie vergangene Nacht, nach dem Anruf. Niki Sandstrom genügte es nicht mehr, Rafael den ganzen Tag für sich zu haben, sie begann nun auch noch, in sein Privatleben einzudringen! Als die Karrierefrau mit ihrer kühlen, hochmütigen Stimme nach Tanyas Ehemann fragte, kochte Tanya vor Wut.

„Egal, was Sie Rafael zu sagen haben, es kann bestimmt bis morgen warten“, erklärte sie und warf den Hörer auf die Gabel.

Unvermeidlich folgte ein Streit, in dem Rafael Tanyas „Vorurteile“ gegen Niki kritisierte. Dann ging er mit Tanya ins Bett, um ihre Vorbehalte zu zerstreuen. Doch Tanya vergaß ihren Kummer nicht. Und heute Abend würde sie diese Frau nicht an seine Seite lassen. Nicht, wenn sie, Tanya, etwas dagegen tun konnte.

Sollte Rafael nicht bereit sein, ihren Standpunkt zu akzeptieren, etwas Verständnis zu zeigen, nur ein einziges Mal auf etwas einzugehen, das ihr wichtig war, dann war für sie hier der Weg zu Ende. Ihr gemeinsamer Weg mit Rafael jedenfalls. Sie hatte ein Recht darauf, jemand zu sein, ein Recht auf Erfolgserlebnisse, die über Haushaltsführung und das Ansammeln von Garderobe hinausgingen, ein Recht auf Kinder. Sie hatte ein Recht auf viele Dinge, die Rafael nicht anerkannte.

Sie mochte nicht wie ein Papagei in einem goldenen Käfig für Rafaels Lust zur Verfügung stehen. Falls Rafael keine Bereitschaft signalisierte, mit ihr zu teilen und sie tun zu lassen, was sie wollte, so wie er tat, was er wollte, dann würde er heute sein blaues Wunder erleben!

Es musste aufhören. Es musste sich ändern. Wenn er sich weiterhin weigerte anzuerkennen, dass ihre Ehe eine leere Fassade war …

Tanya schüttelte verzweifelt den Kopf. Sie wollte Rafael nicht verlassen. Sie liebte ihn. Hoffnungslos.

Und sie begehrte ihn genauso sehr wie er sie – so sehr, dass es sie fast krank machte. Er brauchte sie nur anzusehen … Aber das genügte nicht mehr. Sie wollte ihm mehr bedeuten als ein Sex-Objekt oder ein Paradiesvogel, den er herumzeigen konnte.

Sie durfte nicht einmal ein Kind bekommen. Noch nicht, pflegte Rafael zu sagen. Immer: Noch nicht! Tanya war fast sicher, dass er „nie“ meinte. Eine hochschwangere Tanya passte nicht zu den beiden Dingen, die er von ihr erwartete. Dieses Haus würde immer leer bleiben. So leer wie ihre Ehe.

Warum konnte Rafael sie nicht so lieben wie sie ihn?

Das tiefe Motorengeräusch seines Wagens, eines Aston Martin, war von der Auffahrt her zu hören. Tanyas Herz machte einen Satz. Rafael kam nach Hause.

Er kam spät! Würde er sie lieben? Und wenn, was würde er danach tun? Distanz wahren? Sachlich zum Alltag zurückkehren? „Nun, Tanya, sei lieb und mach, was ich dir sage. Ich treffe die wichtigen Entscheidungen.“

Auch wenn er es nicht ausdrücklich sagte, er brachte durch sein Verhalten diese Einstellung stets zum Ausdruck.

Die Haustür wurde geöffnet und fiel gleich darauf ins Schloss. Tanya entschied sich, so zu tun, als ob sie es nicht bemerkt hätte. Sie lockerte ihren Morgenmantel, um einen verführerischen Einblick zu gewähren, zog den Gürtel enger, um die schmale Taille und die Wölbung der Hüften zu betonen, öffnete die Nagellackflasche und begann, eine zweite Schicht Rot aufzulegen.

Jetzt werde ich dir geben, was du willst, Rafael, dachte Tanya. Danach werden wir sehen, ob es ein Leben nach dem Sex gibt.

Tanya wusste dann genau, dass Rafael auf der Schwelle des Schlafzimmers stand. Es war fast, als sei ein Magnetfeld um ihn, das Tanya sofort einhüllte. Sie spürte seinen Blick, in dem der ganze Besitzerstolz lag, den sie so hasste.

Doch sie konnte nichts dagegen tun, dass ihr Körper reagierte. Das Bewusstsein der Gegenwart Rafaels löste ein Kribbeln und ein Ziehen in Tanyas Innerem aus. Sogar jetzt, in all ihrer Wut über seine Gleichgültigkeit ihr und ihrer Beziehung gegenüber, konnte er Tanya ungemein erregen, indem er sie nur ansah.

Sie versuchte, ihre zitternden Hände ruhig zu halten, während sie mit dem Pinsel über den letzten Nagel fuhr. Dann schloss sie die Flasche und wedelte mit den Händen in der Luft, damit der Lack schneller trocknete.

„Du gehst heute in Rot?“

Die weiche Sinnlichkeit seiner Stimme machte Tanya Rafaels Gegenwart noch bewusster. Scheinbar überrascht, sah Tanya ihn im Spiegel an. Er lehnte am Türpfosten, den leichten Staubmantel lässig über dem Arm.

Sie dachte an das Kleid, das sie für den heutigen Abend gekauft hatte und tragen würde … falls Rafael darauf bestand, zu der Party zu gehen.

„Nein, in Schwarz“, antwortete Tanya. Schwarz für Trauer und Verzweiflung. „Du hättest auch guten Abend sagen können“, fügte sie tadelnd hinzu.

Er lächelte ihr zu. „Ich wollte dich nicht bei deiner Beschäftigung stören“, sagte er.

Sein Blick verriet ihr, dass Rafael es genossen hatte, sie zu beobachten, und dass er Lust bekommen hatte, mit ihr zu schlafen. Genau, wie sie es geplant hatte.

Der kurze Seidenmantel, den sie trug, ließ sie sehr verführerisch aussehen. Die einzige Macht, die Tanya über Rafael besaß, war ihre Sexualität, und der dünne Stoff, der sich an ihren Körper schmiegte, ließ keinen Zweifel daran, dass Tanya darunter nackt war – bereit für Rafaels Berührungen und sein Verlangen.

Er stieß sich vom Türpfosten ab und ging zielstrebig auf Tanya zu. Den Mantel warf Rafael schwungvoll auf das Bett. Ihr Herz schlug schneller. Er war ein ungewöhnlich attraktiver Mann. Sein schlanker, sehniger Körper strahlte eine Stärke aus, die ebenso bedrohlich wie magnetisch anziehend wirkte. Vom ersten Augenblick an, da sie Rafael getroffen hatte, hatte er das Bild jedes anderen Mannes ausgelöscht und sich selbst in ihr Herz eingebrannt.

Sie liebte ihn. Sie begehrte ihn. Sie brauchte ihn. Aber er tötete ihre Seele.

Tanya blieb auf ihrem gepolsterten Schemel vor dem Schminktisch sitzen und beobachtete im Spiegel, wie Rafael näher kam. Er hatte die dunkle, olivfarbene Haut und das schwarze Haar seiner italienischen Mutter. Das ließ seine Augen noch blauer, seine Zähne noch weißer strahlen. Auf der ganzen Welt gab es wohl keine Frau, die ihn ansehen konnte, ohne sich nicht zumindest heimlich zu fragen, wie es wohl wäre, von ihm geliebt zu werden, sich in dem geheimnisvollen Blick seiner blauen Augen zu verlieren.

Allein der verwegene Schwung seiner schwarzen Augenbrauen bildete eine Herausforderung, dazu kamen seine kantigen Züge, die auf einen stahlharten Charakter hinwiesen, und die Lippen eines erfahrenen Liebhabers, bei dem jede Frau glücklich war, eine Frau zu sein. Der Mund versprach Sinnlichkeit und Einfühlsamkeit, und rein sexuell gesehen, stimmte das auch.

Rafael legte die Hände auf Tanyas Schultern und massierte sie sanft durch die Seide hindurch. Tanya sah ihm förmlich an, wie er schon die Möglichkeiten abschätzte, die Zeit berechnete …

„Mmm … ein neues Parfüm“, sagte er lobend. „Das duftet gut.“

„Es ist Poison von Dior.“

„Poison? Das heißt doch Gift. Ich finde nicht, dass es giftig riecht.“

Sie lächelte. „Wir werden sehen.“

Die Doppeldeutigkeit entging ihm. Unter dem exotischen Aroma duftete das Parfüm nach Sex. Das war es, was Rafael mochte. Sex. Erotischen Sex mit der exotischen Tanya.

Sie wusste, dass er das jetzt dachte, und wenn sie sich mit ihm so im Spiegel betrachtete, musste sie zugeben, dass der Kontrast zwischen ihnen eine gewisse Faszination ausübte. Tanyas Haut war hell und weich, rötlich schimmerndes, kastanienbraunes Haar fiel in üppigen Wellen und Locken über die wohl geformten Schultern. Das Gesicht war nicht von klassischer Schönheit, aber Tanya wusste aus Erfahrung, dass es Männer bezauberte. In den großen grünen Augen glitzerten goldene Pünktchen. Die langen Wimpern und tiefen Lider verliehen Tanya einen lasziven Blick. Der kecke Schwung ihrer Nasenspitze wirkte sehr weiblich, und das Grübchen, das die sanfte, ovale Linie des Kinns unterbrach, schien die ausgeprägte Kurve der Oberlippe widerzuspiegeln, was auf Männer offenbar sehr anziehend wirkte.

Rafael schob Tanyas Haar beiseite, beugte sich vor und küsste ihren Nacken. Langsam glitten Rafaels Lippen zu ihrem Ohr, und er atmete den schweren Duft ihres Parfüms ein.

„Mein Kompliment“, sagte Rafael leise. Dann, wie es zu erwarten war: „Es passt zu dir.“

Sinnlich erforschte Rafael mit der Zunge die zarten Windungen des Ohrs. Tanya zuckte zurück – nicht aus Abwehr, sondern vor dem elektrischen Schlag, den seine Erotik ihr versetzte. Rafaels leises Lachen verriet, dass er das wusste. Ja, er wusste genau, wie sie auf jede Berührung reagierte, und genoss seine Macht, Tanya vor Verlangen verrückt zu machen.

Aber wenigstens in dieser Beziehung war sie ihm ebenbürtig. Sie musste ihn jetzt in Versuchung führen, ihn erregen, ihn seine Zeitrechnung und alles andere vergessen machen. Vielleicht konnte sie, Tanya, ihn dann dazu bringen, mit ihr zu Hause zu bleiben. Die ganze Nacht. Und vielleicht würde er sich dazu herablassen, mit ihr zu reden, ihr zuzuhören und zu versuchen, sie zu verstehen.

Tanya lehnte sich zurück und schmiegte sich an seine Schenkel wie eine Katze, die ihren Besitzer begrüßt und gestreichelt werden will.

Sofort fühlte Tanya, wie sein Körper sich spannte. Ihre Blicke begegneten sich im Spiegel: wissend, einladend. Rafael zog Tanya fester an sich, seine Hände glitten über die Schultern nach vorn in den Ausschnitt. Dann schob Rafael den Seidenmantel auseinander und legte Tanyas straffe Brüste bloß.

Das ist der erste Schritt! dachte sie triumphierend. Er hat seinen Zeitplan umgeworfen. Jetzt hofft er wohl auf eine rasche Befriedigung, aber das werde ich nicht zulassen.

Seine gebräunten Hände schlossen sich langsam um die vollen Brüste. Zärtlich streichelte er die weiße seidige Haut, während er, ebenso wie Tanya, im Spiegel beobachtete, wie die Brustspitzen sich zu harten, rosigen Knospen aufrichteten.

Sie spürte, wie sehr es ihm gefiel, dass er sie so leicht, so offensichtlich erregen konnte. Es war nicht zu übersehen. Doch heute Abend musste sie sich beherrschen. Sie musste ihn dazu bringen, hier zu bleiben und ihr zuzuhören.

Rafael spielte mit Tanyas Brüsten. Mit dem Daumen umkreiste er die Spitzen, zuerst nur ganz leicht, dann immer schneller mit stärkerem Druck, der unerträglich erregend wurde.

Tanya wusste, er wollte, dass sie sich ihm unterwarf. Er beobachtete sie aufmerksam und wartete darauf, es zu sehen. Das war für ihn das Aufregendste überhaupt: zu sehen, wie sie vor Leidenschaft den Verstand verlor. Den Verstand … Zum Reden hatte Rafael ja Niki, mit ihr teilte er seinen Verstand. Niki, die hoch geschätzte persönliche Assistentin, für Rafael so unverzichtbar. Da brauchte seine Frau keinen Verstand zu haben. Nur einen Körper, der sexuelle Bedürfnisse befriedigte. Und Tanya war sich keineswegs sicher, dass Rafael den Sex nicht auch mit Niki teilte.

Tanya nahm sich zusammen und verweigerte ihm seinen Triumph, so lange sie konnte. Die Lust an der Herausforderung glitzerte in Rafaels Augen. Sein Streicheln wurde langsamer. Genießerisch ließ er seine Hände über Tanyas Körper gleiten, über die Brüste hinunter zur Taille, von den Hüften hinauf bis zu den Achseln, dann um die Brüste herum. Absichtlich ließ Rafael Tanya in zitternder Ungewissheit darüber, wann er wieder zu den empfindlichen Punkten kommen würde. Seine Augen leuchteten erwartungsvoll auf, als er endlich mit raschen, kreisenden Bewegungen die Brustspitzen reizte.

Spannung durchzuckte Tanyas Körper. Sie spürte ein Pulsieren an ihren Schläfen und eine Hitze, die an der Innenseite der Schenkel emporkroch und immer stärker wurde. Trotzig funkelte Tanya Rafael an. Das Verlangen, ihn ebenso zu besitzen wie er sie, wühlte sie auf wie eine Flutwelle. Tanya griff hinter sich und fuhr mit den Fingernägeln über seine kräftigen Oberschenkel. Dabei spürte sie ein Zucken in seinem Körper, das ihr bewies, wie sehr sie Rafael erregte.

„Du Katze!“, flüsterte er heiser. Er schloss die Hände um ihre Taille, zog Tanya von ihrem Schemel hoch und schob das Möbelstück achtlos mit dem Fuß beiseite. Dann drehte Rafael sie um und hob sie hoch. Bei jedem Schritt, den er auf das Bett zu machte, spürte sie deutlich Rafaels heftiges Verlangen.

Sie schlang die Arme um Rafael und küsste ihn mit wilder Leidenschaft. Selbst als er Tanya auf das Bett legte und über ihr kniete, gab sie Rafaels Lippen nicht frei. Er war es schließlich, der seinen Mund von ihrem löste und sich aufrichtete, um den Gürtel zu öffnen.

„Nein, nicht so, Rafael!“

„Tanya …“ Das Verlangen stand Rafael im Gesicht geschrieben. Er atmete tief ein und versuchte, seine Gefühle unter Kontrolle zu bringen. „Du hattest es doch darauf angelegt.“

„Ja“, gab sie zu.

„Dann weißt du, dass es schnell gehen muss. Wir haben nicht viel Zeit.“

„Das wäre reine Wollust, Rafael“, warf sie ihm vor. „Und dazu bin ich nicht aufgelegt.“

Sie rückte von ihm ab und versuchte aufzustehen. Er griff nach ihr und hielt sie fest. Enttäuschte Sehnsucht sprach aus seinem Blick. „Tanya, du willst es, ich will es …“

„Nicht, wenn du dabei angezogen bleibst, Rafael.“

Er lächelte erleichtert und ließ sie los. „Dann zieh mich aus“, drängte er.

Sein siegessicheres Verhalten weckte erneut Tanyas Trotz. So einfach würde sie Rafael nicht triumphieren lassen. Sie rutschte auf die andere Seite des Betts, kreuzte die Beine und lehnte sich gegen die Kissen. Herausfordernd sah sie ihn an. „Wenn du mich willst, kannst du dich selbst ausziehen. Ich bin nicht deine Dienerin, Rafael.“

Er lachte spöttisch und musterte sie mit seinen blauen Augen von oben bis unten, während er aufstand und anfing, sein Hemd aufzuknöpfen.

„Sehr provokativ, meine Liebe“, neckte er sie sanft.

„Bin ich deine Liebe, Rafael?“, fragte sie hoffnungsvoll.

Er ließ das Hemd fallen. „In zehn Sekunden wirst du es sein“, versprach er – oder war es eine Drohung?

Er meint, dann wird er mich besitzen, dachte Tanya traurig, doch als sie ihn in seiner schlanken, männlichen Nacktheit sah, ließ die Macht ihrer Erregung Tanya innerlich erbeben. Er ging um das Bett herum wie ein Jäger, der sich an seine Beute heranpirscht. Dabei war Rafael sich seiner Männlichkeit und deren Wirkung auf Tanya sichtlich bewusst. Ihr Herz klopfte heftig, aber sie hielt seinem Blick herausfordernd stand, bis Rafael in Reichweite war.

„Du musst mich erst fangen, Rafael!“ Tanya rollte sich auf die andere Seite des Bettes, wollte aufspringen.

Sie war nicht schnell genug.

Er hielt sie an den Knöcheln fest, drückte Tanya und lachte, während er das Knie zwischen ihre Beine schob. Sie versuchte, ihn abzuwehren, doch nun drückte er ihr die Arme über dem Kopf auf das Laken. Triumphierend sah Rafael Tanya an, bevor er ihre Lippen in Besitz nahm. Mühelos drang er mit der Zunge in Tanyas Mund ein und nährte die eigene Leidenschaft an ihrer.

Ich werde dafür sorgen, dass er sein dummes Geschäft vergisst, dachte Tanya entschlossen, während er ihre Arme losließ. Er wird alles vergessen – außer mir. Sie löste ihre Lippen von seinen.

„Lass mich dich berühren, Rafael“, flüsterte sie verheißungsvoll.

Sie hatte mehr vor als das. Sie wollte ihn an die Grenzen seiner Selbstbeherrschung und darüber hinaus bringen. Und hinterher würde er sie, Tanya, in die Arme nehmen und ihr sagen, dass er sie liebte, dass es keine andere für ihn gab und nie eine andere geben würde, weil es keine gab, die so war wie sie, dass sie für ihn einzig sei …

„Tanya …“, stöhnte Rafael begehrlich.

Das bestärkte sie in ihrer Absicht. Rafael gehörte ihr! Und Niki Sandstrom würde heute auf der Party keine Spur von ihm sehen. Nicht heute Abend!

Rafael begann, Tanya zu streicheln. Dabei suchte er mit den Lippen ihre Brüste. Sie vergrub beide Hände in seinem dichten schwarzen Haar und drückte seinen Kopf fester an sich, als er an einer der Spitzen saugte. Tanya genoss die fast schmerzhafte Lust, die sie durchzuckte, spürte zugleich, dass er sie schon an den Rand des Höhepunktes brachte.

Zu früh, dachte sie. Viel zu früh. Warum kann ich mich bei diesem Mann nie beherrschen?

„Rafael … mein Morgenmantel“, brachte sie heraus.

Fast grob vor Hast, streifte er ihr das seidene Etwas ab und ließ die Hände ungeduldig, besitzergreifend über Tanyas Körper gleiten.

Sie hatte panische Angst vor dem, was sie nun zu tun beabsichtigte. Es würde schrecklich deutlich machen, wie sehr sie Rafael brauchte und liebte.

Ich sollte es nicht tun, dachte sie.

Doch sie wusste, dass es sein musste. Rafael machte eine Bewegung, als wolle er Tanya nehmen, aber sie schaffte es, sich so zu drehen, dass er plötzlich auf dem Rücken lag.

„Noch nicht“, flüsterte sie und beugte sich über Rafael.

Mit den Lippen erforschte sie seinen Körper, ließ Rafael die süße Qual kosten, neckte, liebkoste und schmeckte Rafael. Zärtlich und hingerissen, strich er über ihr Haar, lag aber ansonsten ungewöhnlich still unter Tanya, als hielte ihre wollüstige Hemmungslosigkeit ihn magnetisch gefangen. Ab und zu ging ein Zittern durch ihn, ein kleines Zucken der Überempfindlichkeit.

Irgendwann hörte Tanya ihn aus unerträglichem Verlangen heraus stöhnen, und da wusste sie, dass es keinen Aufschub mehr gab. Nichts, nicht einmal ein Erdbeben oder ein Wirbelsturm, würde Rafael jetzt noch von seinem Ziel abbringen können. Dennoch nahm er sie dann, wie er es immer tat, sehr einfühlsam und erfahren.

Rafael war ein Meister der Liebeskunst. Sein Eindringen war kraftvoll und befriedigte sofort das schmerzhafte Verlangen Tanyas. Gleich darauf zog er sich ganz langsam zurück, um ihren Empfindungen Zeit zu lassen, sich zu entfalten und durch den ganzen Körper auszubreiten.

So gekonnt, dachte Tanya, während Rafael den pulsierenden Rhythmus begann, der ihre Glieder zu schmelzen und alle Gedanken aufzulösen schien.

Irgendwie fand Tanya die Kraft, die Beine um Rafael zu schlingen, ihn damit gefangen zu halten, an sich zu binden. Als ihre Lust endlich in ein Gefühl wie Ebbe und Flut mündete, genoss sie die Spannung seines Körpers, vor allem aber seine Hingabe, als er aufstöhnend noch einmal tief in Tanya drang.

Dann ließ Rafael sich in ihre Arme fallen, barg sein Gesicht an ihrer Schulter, und Tanya wiegte ihn sanft, während sein schwerer Atem sich langsam beruhigte. Sanft strich sie Rafael übers Haar, streichelte seinen Rücken. Sie liebte ihn und wünschte sich so sehr, dass dieses Gefühl absoluter Nähe auch den Rest ihrer Ehe erfüllen könnte, ein ganzes Leben lang.

Rafael bewegte sich, stützte sich auf und sah auf Tanya herunter. In seinen Augen stand eine unausgesprochene Frage, eine Unsicherheit, die er schnell verbarg, indem er sich über Tanya beugte und mit den Lippen ihre streifte.

Nun wird er mich in die Arme nehmen, dachte sie. Wir werden uns aneinander kuscheln, er wird mir Fragen stellen, und ich werde sie beantworten. Tanya berührte mit der Zungenspitze sachte die eigenen Lippen, um ihn zu einem zärtlichen Kuss einzuladen. Sie sehnte sich nach diesem Ausdruck tiefer Liebe.

Autor

Emma Darcy
Emma Darcy ist das Pseudonym des Autoren-Ehepaars Frank und Wendy Brennan. Gemeinsam haben die beiden über 100 Romane geschrieben, die insgesamt mehr als 60 Millionen Mal verkauft wurden. Frank und Wendy lernten sich in ihrer Heimat Australien kennen. Wendy studierte dort Englisch und Französisch, kurzzeitig interessierte sie sich sogar für...
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