Hier wird das Glück zuhause sein

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Olivias Reise in den exotischen Regenwald von Indonesien wird zur schwersten Prüfung ihres Lebens. Sie trifft ihren Traummann wieder, den Forscher Clint Bracamonte, dem noch immer ihr Herz gehört. Sucht er erneut nur ein Abenteuer, oder ist es diesmal auch für ihn Liebe?
  • Erscheinungstag 23.05.2018
  • ISBN / Artikelnummer 9783733757342
  • Seitenanzahl 130
  • E-Book Format ePub
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Leseprobe

1. KAPITEL

In der Ferne hörte Olivia das Geräusch eines Wagens. Normalerweise gab es in dieser Gegend nicht viel Verkehr, und besonders um elf Uhr abends fuhren nur noch selten Autos. Durch das offene Wohnzimmerfenster wehte eine frische Brise und trug den Duft des Frühlings herein. Olivia schloss das Fenster und zog die altmodischen Vorhänge zu.

Sie hatte bereits ihr Nachthemd angezogen und untersuchte zum wiederholten Male die Einrichtungsgegenstände – die alten Möbel, die antike Uhr, das verstaubte Inventar in den Regalen. Ob es vielleicht ein Fehler war, die Nacht allein hier zu verbringen? Das Haus war von zahlreichen fremden Geräuschen und seltsamen Gerüchen erfüllt. Besonders jetzt, nachdem die Dämmerung über das weite Land hereingebrochen war.

Olivia wusste, dass es in der näheren Umgebung kein Haus gab, in dem ein menschliches Wesen wohnte. Irritiert fragte sie sich, ob es unter dieser Bedingung eher ein gutes oder ein schlechtes Zeichen war, wenn um diese Uhrzeit noch ein Auto unterwegs war.

Das alte Landhaus stand allein auf einem Hügel, es gehörte Olivia. Es war wirklich eine Schönheit – auch wenn es ein wenig baufällig war und viel Arbeit in Reparaturen gesteckt werden musste. Olivia brannte förmlich darauf, endlich nach Hammer und Säge zu greifen.

Seit der Übergabe an diesem Morgen hatte sie Bücher und kleinere Möbelstücke zusammengestellt, die von einer Auktionsfirma übernommen werden sollten. Olivia war sich ein wenig indiskret vorgekommen, als sie in den privaten Sachen eines anderen Menschen gestöbert hatte. Die frühere Besitzerin war eine alte Frau gewesen, die vor Kurzem gestorben war und die Olivia nicht gekannt hatte. Olivia hatte das Haus mit seinem ganzen Zubehör gekauft, denn es gab keine Verwandten, die Anspruch darauf erheben konnten. Einige nette alte Möbelstücke wollte Olivia behalten. Das meiste hatte jedoch nur geringen Wert und war bei einem Auktionator am besten aufgehoben.

Olivia hatte an diesem Morgen ihren Schlafsack und ihre Reisetasche in eins der Schlafzimmer im ersten Stockwerk gebracht. Sie hatte den Schlafsack ausgerollt und auf ein altes Bett gelegt. Morgen wollte Jack kommen, und dann wollten sie einen Renovierungsplan erstellen und mit dem Aufräumen beginnen. Olivia konnte es kaum erwarten, endlich anzufangen.

Sie hörte, dass der Wagen näher kam. Als sie die verblichenen Vorhänge beiseite schob, sah sie, wie der Scheinwerfer des Wagens über die dunklen Kiefern huschte. Der Wagen fuhr sehr schnell, aber dann verlangsamte er plötzlich die Fahrt. Unvermittelt bog er in die kurvenreiche Zufahrt, die zu Olivias Haus führte.

Olivia spürte, wie ihr Herz schneller schlug. Niemand wusste, dass sie hier war. Wer kam um diese Uhrzeit hier noch vorbei? Es konnte nur jemand sein, der keine ehrenvollen Absichten hatte.

Oder sah sie die Dinge zu pessimistisch? Vielleicht gab es ja eine ganz normale Erklärung für das Auftauchen dieses Wagens. Vielleicht hatte sich der Fahrer verirrt und beschlossen, hier nach dem Weg zu fragen, nachdem er gesehen hatte, dass in diesem Haus noch Licht brannte.

Anders als in Washington gab es in dieser Gegend normalerweise keine Verbrechen. Jedenfalls hatte das die etwas plumpe, aber sehr liebenswürdige Frau gesagt, die in dem Immobilienbüro arbeitete und hier aufgewachsen war.

Olivia hörte, wie die Wagentür zugeschlagen wurde. Nervös wartete sie darauf, dass die Klingel betätigt wurde. Doch nichts dergleichen geschah. Stattdessen hörte sie, dass die schwere Eingangstür geöffnet und wieder zugezogen wurde.

Olivia erstarrte. Sie hatte die Tür vorhin eigenhändig abgeschlossen. Sollte sie sich jetzt im Schrank verstecken oder vielleicht besser aus dem Fenster springen?

Unten ging jemand durch die Diele ins Wohnzimmer. Olivia richtete sich kerzengerade auf. Sie hatte nicht umsonst Karateunterricht genommen. Das hatte sie getan, nachdem sie häufig allein an verschiedene exotische Plätze der Erde gereist war. Schließlich konnte man ja nie wissen, wer einem begegnete und was einem zustieß. Und vielleicht war jetzt die Gelegenheit gekommen, ihr Können unter Beweis zu stellen.

„Ist jemand zu Hause?“, ließ sich eine männliche Stimme vernehmen.

Olivia wagte nicht, sich zu bewegen. Sie hörte, wie der Fremde die Treppe heraufkam, und nur wenig später stand der Mann vor ihr.

Er hatte schwarzes Haar, durchdringende dunkle Augen und einen dichten Bart. Er trug verblichene Jeans, ausgetretene Schuhe und ein zerknittertes Leinenhemd, dessen Ärmel er hochgerollt hatte. Seine Unterarme waren kräftig und sonnengebräunt. Der Mann wirkte groß, stark und sehr bedrohlich.

„Wer sind Sie?“, fragte er.

Der Tonfall, in dem er sie ansprach, ließ Olivia ein wenig aufatmen. Seine Stimme hatte nichts Bedrohliches, sondern brachte lediglich Erstaunen zum Ausdruck. Das war sehr beruhigend. Mit Erstaunen konnte Olivia fertig werden. Erstaunen war gut.

Sie stemmte die Hände in die Hüften und fragte: „Und wer sind Sie?“

Er zog die Augenbrauen hoch. „Ich denke, dass ich zuerst gefragt habe, Engelchen.“

Engelchen! „Mir gehört dieses Haus, und ich will, dass Sie hier verschwinden.“ Olivias Herz klopfte wie wild, doch ihre Stimme klang ruhig und besonnen.

Der Mann schien keineswegs davon beeindruckt zu sein. „Dieses Haus gehört Ihnen?“, wiederholte er. „Wie kommen Sie denn auf diese Idee? Das Haus gehört mir.“ Er griff in die Tasche und holte einen Schlüssel hervor. „Sehen Sie? Das ist mein Schlüssel. Er passt exakt in das Türschloss zu meinem Haus.“

Die Hand, mit der er Olivia den Schlüssel hinhielt, war groß und kräftig. Offenbar war dieser Mann an harte körperliche Arbeit gewöhnt. Olivia spürte, dass ihr Magen sich verkrampfte.

„Sie mögen einen Schlüssel haben, aber ich habe einen Kaufvertrag. Die Übergabe war an diesem Morgen. Das Haus gehört mir – mit allem, was sich in ihm befindet.“

„Sie müssen das falsche Haus gekauft haben.“

„Unsinn. Natürlich habe ich nicht das falsche Haus gekauft. Ich habe dieses hier gekauft.“

Der Mann fuhr sich mit einer Hand durch das dichte schwarze Haar. „Ich werde nicht hier stehen bleiben und mich mit einer Frau im Nachthemd herumstreiten. Morgen werde ich schon noch einen Weg finden, Sie von Ihrer aberwitzigen Vorstellung abzubringen. Jetzt will ich erst einmal schlafen.“

Seine Überheblichkeit machte Olivia wütend. Gleichzeitig stellte sie fest, dass der Mann trotz seines wenig gepflegten Aussehens ein sehr anspruchsvolles Englisch sprach.

„Hier werden Sie aber nicht schlafen“, erwiderte Olivia. „Suchen Sie sich ein Hotel. Fünf Meilen weiter gibt es eine kleine Pension. Es ist ein hübscher Ort, Sie werden sich dort sehr wohl fühlen.“

Er rieb sich das Kinn. „Anscheinend verstehen Sie nicht recht“, sagte er geduldig. „Ich werde nirgendwohin gehen. Dies hier ist mein Haus, und deshalb sollten Sie sich besser eine Pension suchen. Allerdings gehöre ich nicht zu den Leuten, die Frauen um diese Uhrzeit vor die Tür setzen. Besonders nicht, wenn sie nur ein Nachthemd anhaben. Seien Sie also mein Gast und bleiben Sie.“

So eine Frechheit! „Ich hole die Polizei“, drohte Olivia.

Der fremde Mann lächelte amüsiert. „Ja, natürlich“, erwiderte er. „Rufen Sie nur den alten Chuckie an. Und sagen Sie ihm gleich, dass ich die Wette gewonnen habe und er mir hundert Dollar schuldet.“

Olivia war ratlos. Ob er und Chuckie die Geschichte ausgeheckt hatten? So etwas passierte durchaus. Olivia hatte es oft genug im Fernsehen erlebt. Es gab Sheriffs, die insgeheim mit Verbrechern zusammenarbeiteten. Es war eine Schande. Jedenfalls hatte es keinen Zweck, Chuckie anzurufen. Doch was sollte sie stattdessen tun?

Der Mann drehte sich um. „Ich gehe jetzt schlafen. Gute Nacht, Engelchen.“

Olivia hörte ihn nicht hinuntergehen. Nach wenigen Minuten fasste sie Mut und sah nach, wo der Mann geblieben war.

Sie entdeckte ihn im angrenzenden Schlafzimmer. Er lag ausgestreckt auf dem großen Doppelbett und hatte lediglich Schuhe und Socken ausgezogen. Er schlief fest.

Anscheinend war er weder durch ein Erdbeben noch durch einen Wirbelsturm aufzuwecken. Wahrscheinlich würde es einige Zeit dauern, bevor er wieder aufwachte. Das bedeutete, dass Olivia einstweilen sicher war.

Sie blickte auf die Gestalt, die dort auf dem Bett lag, und spürte, dass ihr ein Schauer über den Rücken lief. Woher kam dieser Mann? Möglicherweise war er aus dem Gefängnis ausgebrochen oder hatte einen Wagen gestohlen … Olivia beschloss, sich die Nummer seines Autos aufzuschreiben.

Als sie hinunterging, entdeckte sie in der Diele eine Reisetasche mit Anhängern einer Fluggesellschaft. Der Name stand nicht darauf. Allerdings ragten aus der Seitentasche einige Papiere. Ob das die Flugtickets waren? Olivia zögerte.

Normalerweise stöberte sie nicht in den Sachen anderer Leute herum. Sie blickte noch nicht einmal in fremde Kühlschränke, ohne vorher um Erlaubnis zu fragen. Der Respekt vor fremdem Eigentum war ihr von frühester Kindheit an anerzogen worden.

Sie blickte nachdenklich auf die Papiere. Eigentlich hatte sie ein Recht darauf, den Namen des Mannes zu erfahren, der jetzt in ihrem Haus übernachtete. Immerhin konnte es sich um einen gefährlichen Verbrecher handeln.

Olivia kniete sich hin, nahm das Heftchen aus der Tasche und blätterte die Seiten durch. Clint Bracamonte stand darauf. Irgendwie passte das zu ihm. Jedenfalls sah er nicht aus wie irgendein Jimmy Johnson.

Olivia brauchte einige Minuten, um herauszufinden, woher er kam, aber als sie es entdeckt hatte, schlug ihr Herz schneller. Balikpapan – Jakarta – Hongkong – San Francisco – Washington DC.

Balikpapan! Das war eine Stadt in der indonesischen Provinz Kalimantan, ein wilder Ort am Rande des Dschungels, der immer noch von den Ureinwohnern bevölkert war. Olivia kannte sich aus in Geografie, denn ihr Vater war Diplomat, und sein Beruf hatte es mit sich gebracht, dass Olivia im Laufe ihres Lebens an den unterschiedlichsten Plätzen der Erde gewohnt hatte.

Sie steckte die Papiere in die Tasche zurück und richtete sich auf. Dann ging sie zur Haustür und öffnete sie vorsichtig. Die Scharniere quietschten, und Olivia zuckte unwillkürlich zusammen. Sie trat hinaus und blickte zu dem Auto ihres ungebetenen Gastes hinüber. Wie sie erwartet hatte, war es ein Mietwagen, ein silbergrauer Ford Mondeo.

Die kühle Nachtluft ließ sie frösteln. Olivia ging ins Haus zurück. Auf Zehenspitzen stieg sie die Treppe hinauf und setzte sich in ihrem Schlafzimmer auf die Bettkante. Morgen Früh würde Jack kommen. Im Moment blieb ihr nichts anderes übrig, als zu Bett zu gehen. Clinton Bracamonte war geradewegs von Balikpapan nach Washington geflogen. Wahrscheinlich würde er so schnell nicht wieder aufwachen.

Warum glaubte er nur, dies sei sein Haus? Olivia konnte sich die Antwort nicht vorstellen. Allerdings war sie im Moment auch zu müde, um einen klaren Gedanken zu fassen.

Sie schlüpfte in den Schlafsack und schloss die Augen. Eigentlich hätte sie sich fürchten müssen, aber seltsamerweise war das nicht der Fall. Sie schlief sofort ein.

Olivia erwachte durch den Gesang der Vögel, die aus voller Kehle den Tag begrüßten. Sie hatte das Fenster offen gelassen. Es war ein wunderbarer Aprilmorgen. Einen Moment lang genoss sie die Stimmung des anbrechenden Tages, doch dann tauchte in ihrer Erinnerung wieder das Bild jenes Fremden auf, der gestern Abend in ihr Haus eingedrungen war. Der Mann mit dem schwarzen Haar, den dunklen Augen und dem bärtigen Kinn.

Olivia schloss die Augen. Immerhin war sie noch lebendig und hatte nicht einmal ihre kümmerlichen Karatekenntnisse einsetzen müssen, um sich zu verteidigen.

Sie ging ins Bad, duschte und zog sich an. Sie wählte Jeans und einen hellroten Baumwollpullover. Rot war die richtige Farbe. Sie signalisierte Selbstbewusstsein und Macht. Und irgendwie spürte Olivia, dass sie beides brauchte, wenn Clint Bracamonte wach war. Sie hoffte, dass dann bereits Jack da war.

Sie zog Turnschuhe an, band ihr Haar zu einem Pferdeschwanz zusammen und überprüfte ihr Aussehen im Spiegel. Es war durchaus kein genetischer Unfall, dass sie schwarzes Haar und braune Augen hatte. Olivia war zwar in Amerika aufgewachsen und besaß auch die amerikanische Staatsbürgerschaft, aber in ihrem Familienstammbaum kamen Griechen, Italiener, Ungarn und selbst eine Zigeunerin vor, die es gewagt hatte, sich in einen ungarischen Landedelmann zu verlieben. Deshalb wunderte Olivia sich überhaupt nicht, dass sie eine Vorliebe für bunte Kleider und lange Reisen hatte. Wahrscheinlich lag es daran, dass in ihren Adern Zigeunerblut floss.

Als Olivia wenig später in die Küche trat, musste sie feststellen, dass sie sich geirrt hatte. Clint Bracamonte war bereits aufgestanden. Er stand an der Spüle und ließ Wasser in einen Kessel laufen.

Olivia spürte, dass ihr Herz schneller schlug. Der Mann sah einfach fantastisch aus.

„Guten Morgen“, sagte er, als er Olivia bemerkte. Dann setzte er den Kessel auf die Herdplatte und stellte den Ofen an.

„Guten Morgen“, erwiderte sie.

Er hatte eine frische Hose und ein sauberes T-Shirt angezogen. Sein Haar war noch feucht vom Waschen, und sein Kinn war glatt rasiert. Seine Züge wirkten jetzt klarer und offener. Sein ganzes Wesen strahlte Tatkraft und Energie aus.

Er ließ den Blick kurz über ihre Figur gleiten und sah Olivia dann fragend an. „Sind Sie dieselbe Frau, die ich gestern im Nachthemd angetroffen habe? Oder war das tatsächlich nur ein schönes Bild aus meinen Träumen?“

Olivia spürte ein seltsames Kribbeln in der Magengegend. „Das war ich“, bestätigte sie, denn etwas Besseres fiel ihr nicht ein. Es war ein schönes Nachthemd. Sie liebte Sachen aus leichter Seide, denn es war wohl tuend, nach einem anstrengenden Arbeitstag etwas Weiches und Sinnliches auf der Haut zu spüren.

Er nahm zwei Tassen aus dem Küchenschrank. „Kaffee?“, fragte er höflich.

„Danke, ja“, antwortete Olivia automatisch, aber dann bemerkte sie das Absurde der Situation. Dieser Mann war in ihr Haus eingedrungen, und jetzt spielte er den Gastgeber.

Er hatte die Lebensmittel, die Olivia gestern gekauft hatte, aus den Einkaufstüten herausgenommen und auf dem Tisch ausgebreitet. Kaffee, Schokolade, Brot, Erdnussbutter, Orangenmarmelade, scharfer französischer Senf. Der Fremde hatte offenbar die Verantwortung übernommen und tat so, als hätte er in dieser Küche alle Rechte.

Er öffnete den Küchenschrank, nahm zwei Teller heraus und stellte sie auf den Tisch. Dann zog er eine Schublade auf und holte Messer und Gabeln heraus. Es entging Olivia nicht, dass er nicht lange nach diesen Dingen suchen musste. Das war kein gutes Zeichen.

„Fühlen Sie sich wie zu Hause“, forderte sie ihn auf.

„Ich bin hier zu Hause“, erwiderte er lakonisch. „Sagen Sie mir lieber, wie Sie heißen.“

„Und wie heißen Sie?“

„Vielleicht darf ich Sie darauf hinweisen, dass eine Frage nicht mit einer Gegenfrage beantwortet werden sollte.“

„Sie können so viel hinweisen, wie Sie möchten. Wie heißen Sie?“

Er lächelte jetzt recht amüsiert. „Clint Bracamonte. Und Sie?“

„Olivia Jordan.“

„Olivia“, wiederholte er nachdenklich. „Das ist ein hübscher Name. Mir gefällt er jedenfalls. Also gut, Olivia. Ist das alles, was Sie eingekauft haben? Was wollten Sie denn zum Frühstück essen? Etwa Brote mit Erdnussbutter?“

„Gibt es daran vielleicht etwas auszusetzen?“

„Überhaupt nicht“, antwortete er ruhig. „Ich habe bloß gefragt.“

Olivia öffnete das Eisfach im Kühlschrank und nahm einige Frühstücksburritos heraus. „Eigentlich wollte ich mir ein Burrito zum Frühstück machen.“ Sie legte die Burritos auf die Anrichte und schaltete den Ofen an.

„Frühstücksburritos?“ Clint untersuchte die tiefgefrorene Speise und las die Verbraucherinformation auf der Verpackung. „Ich frage mich, was Sie als Nächstes vorhaben.“

„Sie schmecken sehr gut“, erwiderte Olivia beleidigt. „Und es ist alles drin, was der Körper braucht: Eier, Käse, Schinken, Mehl.“ Sie zögerte. „Außerdem sind sie sehr leicht zuzubereiten. Man braucht sie nur im Ofen zu erhitzen. Haben Sie das etwa noch nie erlebt? Sie tun so, als kämen Sie aus einer anderen Welt.“

„Jedenfalls komme ich nicht aus der so genannten zivilisierten Welt“, antwortete er prompt.

Das wusste Olivia bereits, aber sie wollte natürlich nicht zugeben, dass sie in seinen Papieren herumgeschnüffelt hatte.

„Und wo genau ist das?“, fragte sie beiläufig.

„Sie würden es sowieso nicht kennen.“

Das glaubst du, dachte Olivia beleidigt. Sie blickte ihn herausfordernd an. „Sie können es ja versuchen.“

Anscheinend hatte er keine Lust, sich auf dieses Spiel einzulassen, denn er ignorierte ihre Bemerkung einfach. Stattdessen schüttete er Instantkaffee in die Tassen, goss heißes Wasser darüber und reichte Olivia eine Tasse.

Olivia musste zugeben, dass in Amerika wahrscheinlich nicht viele Leute wussten, wo Balikpapan lag. Trotzdem fand sie das Verhalten dieses Mannes ziemlich arrogant.

„Sie blicken etwas böse“, stellte er ironisch fest.

„Das liegt wohl an dem Zigeunerblut, das in meinen Adern fließt“, erwiderte Olivia und trank von ihrem Kaffee.

„Aha“, meinte er. „Zigeunerblut. Sehr interessant. Daher kommt wohl auch das Feuer in Ihrem Blick.“ Er berührte ihr Haar. „Und dieses wundervolle schwarze Haar.“

Unwillkürlich trat Olivia einen Schritt zurück. Er hatte ihr Haar wie beiläufig berührt, aber das hatte genügt, um ihr Herz in Aufruhr zu versetzen. „Sehen Sie sich vor“, warnte sie. „Ich kann auch Verwünschungen aussprechen.“

Mit der Kaffeetasse in der Hand trat Olivia aus der Hoftür hinaus in den Frühlingsmorgen. Die Gegenwart des Fremden hatte sie verwirrt, sie sehnte sich nach Licht und Sonne. Clint Bracamonte machte sie ziemlich nervös mit seinem geheimnisvollen Blick, dem muskulösen Körper und dem eigenartigen Charme. Sie wollte nicht, dass er in ihrem Haus blieb.

Doch es war nicht die Sorge um ihr physisches Wohlergehen, das sie so denken ließ. In seinem Verhalten erkannte sie Kraft und Energie, aber keine Gewalttätigkeit. Es war etwas anderes, das sie verwirrte. Etwas, das alle ihre Sinne betörte.

Die Veranda im hinteren Teil des Hauses war sehr groß und gestattete einen Blick auf den Garten mit seinen blühenden Pflanzen. Es war ein wunderschöner Garten. Olivia lehnte sich an das Holzgeländer und beobachtete die Eichhörnchen, die in den großen Eichen auf und ab rannten. Überall zwitscherten die Vögel übermütig ihre Lieder. Der Frühling kam und verbreitete Licht und Freude.

Olivia liebte diesen Ort. Sie wollte das Haus so einrichten, dass es für eine große Familie ausreichte. Oder für berufstätige Paare, die sich in dieser romantischen Umgebung von ihrer Arbeit erholen wollten.

Sie seufzte. Sie hätte nichts dagegen, wenn ihr Leben ebenfalls ein wenig romantischer verlaufen würde. Eigentlich wollte sie sogar ein bisschen mehr als nur Romantik. Immerhin war sie bereits achtundzwanzig, und in diesem Alter suchte man gewöhnlich etwas Dauerhaftes. Am besten eine Romanze, die bis zum Lebensende währte. Allerdings war es nicht leicht, einen Mann zu finden, der diesem Wunsch entsprach!

Olivia hörte, wie die Tür zur Küche geöffnet wurde. Kurz darauf trat Clint neben Olivia und legte die sonnengebräunten Arme auf das Geländer.

Er stand dicht bei ihr, und Olivias Körper reagierte sofort. Dennoch zwang sie sich, geradeaus zu sehen und den Impuls zu bekämpfen, einfach wegzugehen. Sie wollte nicht, dass Clint wusste, welche Wirkung er auf sie ausübte.

„Wir müssen miteinander reden“, sagte er. „Gestern Abend war ich nicht besonders fit, und irgendwie habe ich nicht ganz mitbekommen, warum Sie sich jetzt in meinem Haus aufhalten.“

Olivia umfasste mit beiden Händen die Kaffeetasse. „Das hier ist mein Haus. Ich habe es gekauft, viel Geld dafür bezahlt, und nun bin ich die Eigentümerin. Ist das klar genug?“

Er schüttelte den Kopf. „Leider ist das überhaupt nicht klar. Wenn ich es nicht verkauft habe, können Sie es auch nicht gekauft haben.“

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie es waren, der dieses Haus so merkwürdig eingerichtet hat. Es sei denn, Sie sind in Wahrheit ein achtzigjähriger Witwer.“ Sie schüttelte den Kopf. „Porzellanfiguren im Regal! Bestickte Kissen! Geraffte Vorhänge und rosafarbene Tapeten!“

Clint blickte sie aufmerksam an. „Dann haben Sie heute eben etwas dazugelernt“, erklärte er. „Herzlichen Glückwunsch.“

Am liebsten hätte sie ihm den Kaffee ins Gesicht geschüttet, doch Olivia beherrschte sich. „Das Haus hat einer alten Frau gehört. Sie ist gestorben, und ich habe das Haus gekauft.“

„Die alte Dame war meine Großmutter, und sie hat mir das Haus vererbt. Ich habe ein Testament, mit dem ich das bezeugen kann.“

Einen Augenblick lang überkam Olivia ein Anflug von Panik. War sie etwa das Opfer eines Betrugs geworden? In Gedanken sah sie wieder das freundliche Gesicht des Immobilienmaklers und seiner Mitarbeiterin vor sich.

Wenn der Verkauf ungültig war, dann wäre Olivia in echten Schwierigkeiten. Nichts würde übrig bleiben: kein Geld, keine Reise an den Amazonas. Sie wäre dann verschuldet. Und dieser Gedanke reichte aus, um ein Gefühl von Panik aufkommen zu lassen. Doch Olivia beherrschte sich.

Alle Papiere, die sie unterzeichnet hatte, waren in Ordnung gewesen. Olivia hatte es geprüft. Es war schließlich nicht das erste Mal, dass sie ein Haus kaufte. In den vergangenen fünf Jahren hatte sie insgesamt fünf Häuser erworben, saniert und anschließend wieder verkauft. Dies hier war das Sechste. Sie wusste, was sie tat.

„Ich schlage vor, dass Sie sich wegen dieses Testaments mit Ihrem Anwalt in Verbindung setzen“, sagte sie und versuchte, möglichst geschäftsmäßig zu klingen. „Und mit Boswell und Armis in Charlottesville. Das sind die Makler, die den Verkauf vermittelt haben.“

Er verzog keine Miene. „Das werde ich tun“, erwiderte er, und sein Tonfall ließ erkennen, dass er bereit war, um sein Recht zu kämpfen.

Olivia blickte ihn von der Seite an, während er die Aussicht auf den Garten genoss. Sein Gesicht zeugte von Entschlossenheit und ließ doch eine gewisse Sensibilität erkennen. Es war ein gutes Gesicht.

Clint wandte den Blick und sah Olivia an. „Sie behaupten, Sie hätten dieses Haus gekauft. Wer war denn sonst noch in dieses Spiel verwickelt? Vielleicht ein Ehemann?“

Olivia blickte ihn überrascht an. „Hier ist niemand in irgendein Spiel verwickelt. Und außerdem bin ich nicht verheiratet.“ Warum hatte sie das gesagt? Es ging ihn schließlich nichts an.

Clints Nähe machte sie zusehends nervöser. Olivia trank den Kaffee aus und stieß sich vom Geländer ab. Als sie wieder in der Küche war, öffnete sie eine Flasche Orangensaft, füllte zwei Gläser und stellte sie auf den Tisch.

Sie befand sich in einer sehr ungünstigen Situation. Wie konnte sie diesen Mann nur dazu bewegen, ihr Haus zu verlassen? Jetzt stand sie hier in der Küche und bereitete sich darauf vor, mit dem Eindringling zu frühstücken. Die ganze Sache war einfach absurd.

Clint kam ebenfalls in die Küche, füllte noch etwas Wasser in den Kessel und stellte ihn erneut auf die Herdplatte.

Olivia blickte auf Clints breiten Rücken. „Mrs. Coddlemore ist vor zwei Monaten gestorben. Wenn sie Ihre Großmutter gewesen ist, hätten Sie eigentlich früher kommen und sich um Ihren Besitz kümmern können.“

„Ich habe erst vor zehn Tagen erfahren, dass sie gestorben ist.“ Er ging zum Tisch und setzte sich.

„Und warum hat das so lange gedauert? Hat Ihnen denn niemand Bescheid gegeben?“

„Doch, das hat man getan. Die Nachricht hat mich allerdings erst vor zehn Tagen erreicht.“

„Wo leben Sie denn? Etwa auf dem Mond? In der Antarktis? Oder im Dschungel?“ Olivia blickte ihn herausfordernd an.

„Im Dschungel“, erwiderte er. „Heutzutage nennen wir das allerdings den Regenwald.“

„Davon habe ich bereits gehört. Welcher Regenwald ist es denn?“

„Kalimantan.“

Sie nickte. „Borneo, der indonesische Teil.“

Sie sah, dass er überrascht die Augen zukniff, und spürte ein Triumphgefühl. „Ich kenne mich ein wenig aus“, fuhr sie fort. „Landkarten haben mich schon fasziniert, als ich noch klein war. Diese exotischen Namen. Die vielen fremden Länder und geheimnisvollen Inseln.“ Sie seufzte. „Ich denke, wir sollten jetzt frühstücken.“

Die Burritos waren fertig, und Olivia legte eins auf jeden Teller. Clint nahm Messer und Gabel und schnitt das heiße Teigbündel durch. Geschmolzener Käse floss heraus, Eier und Schinken kamen zum Vorschein. Clint begann ohne weiteren Kommentar zu essen.

„Was isst man denn in Kalimantan zum Frühstück?“, erkundigte Olivia sich, denn Clints Schweigen irritierte sie.

„Reis, Fleisch vom Wildschwein, Fisch.“ Das Wasser kochte, und Clint stand auf, um Kaffee aufzubrühen. Nachdem er sein Burrito aufgegessen hatte, aß er noch zwei Scheiben Toast mit Marmelade. Dann stand er erneut auf und ging zur Küchentür. Bevor er hinaustrat, drehte er sich noch einmal um.

„Ich sehe Sie heute Abend.“ Das war mehr als eine Feststellung. Das war ein Versprechen. Clint öffnete die Tür und verließ die Küche.

Autor

Karen Van Der Zee
Karen van der Zee wuchs in Holland auf und begann schon früh mit dem Schreiben. Als junges Mädchen lebte sie ganz in der Welt ihrer Träume, verschlang ein Buch nach dem anderen und erfand zudem eigene Geschichten, die sie in Schulheften aufschrieb und liebevoll illustrierte. Leider entdeckten ihre Brüder eines...
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