Julia Collection Band 226

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Eine Trauminsel im Atlantik, eine skandalumwobene Familie und dreimal zwei Herzen, die wild im Takt der Wellen schlagen: Willkommen auf Nantucket!


Miniserie von KATHERINE GARBERA


HEISSES WOCHENENDE AUF NANTUCKET

Auf einer Strandhochzeit trifft Quinn ihn wieder und will nur eins: noch einmal heiße Leidenschaft mit Logan Bisset erleben! Aber Gefühle lässt der ehrgeizige Überflieger nicht zu. Als er in Schwierigkeiten gerät, vertraut er sich ausgerechnet ihr an. Empfindet er doch mehr für sie?

VERFÜHRERISCHE STUNDEN AN BORD

War die Liebesnacht auf seiner Jacht ein Fehler? Dabei haben die Designerin Danni und der Millionär Leo Bisset jede Sekunde genossen, sind im Atlantik geschwommen und haben sich unter dem Sternhimmel geliebt. Und jetzt wirft Leo ihr vor, ihn aus Berechnung verführt zu haben!

RISKANTE AFFÄRE MIT DEM PLAYBOY

Als ungebetener Gast auf einer Hochzeit will Melody dem Cousin der Braut, Senator Dare Bisset, Informationen entlocken, um ihre Karriere voranzubringen. Doch es knistert so heiß zwischen ihnen, dass sie mit Dare im Bett landet. Und Melody muss sich entscheiden: Erfolg im Beruf oder Liebe?


  • Erscheinungstag 18.07.2026
  • Bandnummer 226
  • ISBN / Artikelnummer 9783751541206
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Katherine Garbera

JULIA COLLECTION BAND 226

Katherine Garbera

1. KAPITEL

Sonnenschein und blauer Himmel. An einem Junitag wie diesem waren die meisten Menschen gern auf Nantucket. Logan wusste allerdings, dass der Handyempfang nur mäßig und er außerdem nur auf der Insel, um der Hochzeit seines Geschäftsrivalen beizuwohnen. Nicht gerade das, was er unter Spaß verstand. Als er im Haus seiner Großmutter auf Nantucket ankam und seine Brüder alle im Arbeitszimmer vorfand, wo sie vertrauliche Gespräche führten, anstatt sich mit den anderen Hochzeitsgästen zu unterhalten, konnte Logan nur hoffen, dass dies bedeutete, dass seine Cousine Adler zur Vernunft gekommen war und Nick Williams den Laufpass gegeben hatte. Seine Familie war groß und weit verzweigt, und alle waren nach Nantucket gekommen, um an der Hochzeit seiner Cousine Adler Osborn teilzunehmen. Adlers Vater war der Rockstar Toby Osborn, und ihre Mutter war Logans Tante Musette, die gestorben war, als Adler noch ein Baby war. Da seine Mutter für Adler zur Ersatzmutter geworden war, war seine Cousine für sie alle eher wie eine Schwester.

Für Nick Williams hegte Logan dagegen ganz andere Gefühle. Solange er sich erinnern konnte, waren Nick und sein Vater, Tad Williams, Rivalen von Bisset Industries gewesen. Vermutlich hatte Logan mehr Zeit mit Nick verbracht als mit all seinen Geschwistern und konnte den Kerl nicht ausstehen, der ständig versuchte, ihn auszubremsen.

Logan war sogar zu spät nach Nantucket gekommen, weil er Nick eins auswischen wollte, indem er ihm ein Patent vor der Nase wegschnappte.

„Was ist los?“, fragte er seinen Bruder Zac, der schon seit einigen Tagen mit seiner neuen Freundin Iris Collins auf der Insel war.

„Dad hat gerade zugegeben, dass er vor fünfunddreißig Jahren eine Affäre mit Cora Williams hatte. Nick ist unser Halbbruder“, informierte ihn Zac, während er ihm einen Whisky reichte.

„Willst du mich auf den Arm nehmen?“ Verständnislos sah Logan ihn an. Das waren nicht die Neuigkeiten, die er sich erhofft hatte. Vielleicht hatte er Zac falsch verstanden.

Noch einen Bruder brauchte er wirklich nicht. Er hatte bereits drei. Neben seinem jüngeren Bruder Zac waren da noch Leo, ebenfalls jünger, der Bisset Industries verlassen und sein eigenes erfolgreiches Unternehmen gegründet hatte, und ihr ältester Bruder Dare, der es zum US-Senator gebracht hatte. Außerdem gab es da noch ihre kleine Schwester Mari, die mit dem Formel-1-Fahrer Inigo Velasquez verlobt war.

„Ich wünschte, es wäre so. Mom ist … na ja, sehr aufgebracht. Cora und ihr Mann sind bei ihr, Dad und Carlton im Arbeitszimmer“, erklärte Dare, goss sich selbst mehr Whisky ein und bot auch Zac und Leo noch einen an.

„Bin ich der Letzte, der das erfährt?“, fragte Logan. Er war nicht überrascht, dass sein Vater Carlton Mansford, den PR-Manager, hinzugezogen hatte.

„Mari ist noch nicht hier“, erklärte Leo. „Aber sie ist auf der Fähre. Ich habe ihr eine SMS mit den Infos geschickt.“

Logan blickte aus dem Fenster auf die gepflegten Gärten, die sich in der Ferne bis zum Meer erstreckten.

Familie.

Sie hatte ihn zu dem Mann gemacht, der er war, stellte aber gleichzeitig auch eine schwere Bürde dar. Logan war stolz darauf, dass die Leute sagten, er habe die Hartnäckigkeit seines Vaters und den Charme seiner Mutter geerbt. Vermutlich war er die gelungenste Mischung aus beiden Elternteilen. Natürlich würde Leo das bestreiten, weil sein jüngster Bruder einfach gern diskutierte. Und Dare würde behaupten, dass ihr Vater keine guten Eigenschaften besaß – eine Ansicht, die Zac teilte. Marielle liebte ihren Vater, also würde sie sich auf seine Seite schlagen.

„Wie geht es Mom?“, fragte er.

„Sie wirkte gebrochen“, berichtete Zac. „Ich wollte sie nicht mit Dad alleinlassen, aber er bestand darauf, nicht ohne sie zu gehen.“

„Er wird ihr nicht wehtun“, meinte Logan. „Das würde er nie tun.“

„Na ja, abgesehen davon, dass er mit einer anderen Frau geschlafen hat, als Mom mit dir schwanger war, und sie dann dreißig Jahre später herausgefunden hat, dass der Verlobte ihrer Nichte in Wirklichkeit unser Halbbruder ist“, bemerkte Zac sarkastisch.

„Stimmt. Abgesehen davon“, meinte Logan. „Das sieht Dad gar nicht ähnlich.“

„Doch, das tut es“, widersprach Leo. „Du siehst es nur nicht, weil du so sein willst wie er.“

„Ich will nicht wie er sein, ich bin wie er“, erwiderte Logan.

„Zumindest hast du seine positiven Seiten“, meinte Zac.

Dare grinste. „Ich habe ihn am Verhandlungstisch gesehen, Z., er hat auch ein paar von Dads härteren Eigenschaften.“

„Na und? Ich kombiniere sie mit Moms Charme“, sagte Logan.

„Ich kann mir Nick Williams einfach nicht als Bruder vorstellen. Der Mann hat einen Ruf, der fast so schlecht ist wie deiner, Logan“, meinte Leo.

„Jetzt wissen wir auch, warum“, bemerkte Dare. „Er ist genauso Opfer wie wir. Nach dem, was Zac gesagt hat, schien auch Nick von der Ankündigung überrumpelt zu sein.“

„Dass so eine verdammter Sch…“

„Hütet eure Zunge, Jungs. Es ist eine Dame anwesend“, sagte Mari, die gerade den Raum betrat. Ihre Schwester trug ihr blondes Haar offen, sodass es ihr in weichen Wellen über die Schultern fiel. Sie sah aus, als wäre sie geradewegs vom Laufsteg der Fashion Week gesprungen und nicht von einer Fähre.

Alle begrüßten und umarmten ihre kleine Schwester.

„Dad hat es also wieder getan“, sagte Mari. „Ich wusste, dass die Affäre, die er vor meiner Geburt hatte, nicht die einzige gewesen sein konnte.“

„Ja, und was machen wir jetzt mit Nick?“, fragte Dare. „Carlton, Mom und Dad werden sich um die Öffentlichkeitsarbeit kümmern.“

„Ich habe neulich mit Nick zu Abend gegessen. Ich kann mit ihm reden, um zu sehen, was er will“, schlug Zac vor.

Ja, natürlich würden sie herausfinden müssen, was Nick wollte.

Logan war nach Nantucket gekommen und bereit gewesen, das ganze Wochenende einen Waffenstillstand mit seinem Geschäftsrivalen und Erzfeind Nick Williams einzuhalten. Aber nur, weil dieser Bastard seine Cousine Adler Osborn heiraten würde. Er liebte seine Cousine, fand aber, dass sie einen grauenhaften Geschmack in Bezug auf Männer hatte.

Drei Stunden später saß er in der Hotelbar und dachte immer noch über ihren grauenhaften Männergeschmack nach. Die Hochzeitsgäste sollten sich am Strand zu einem Muschelessen versammeln. Anscheinend würde die Hochzeit trotz der Neuigkeiten stattfinden. Missmutig starrte Logan vor sich hin, bis er Quinn Murray durch die Lobby gehen sah.

Seine College-Liebe – und die Produzentin, die Adlers Promi-Hochzeit für einen Fernsehsender filmen sollte. Er hatte nicht erwartet, dass ihr Anblick Empfindungen in ihm auslösen würde. Aber sie schritt so selbstsicher durch das Hotel, als gehöre es ihr. Sie hatte die Gabe, den Schwachsinn zu durchschauen, mit dem er die meisten Leute um den Finger wickelte, und die Wahrheit hinter seinen Bemerkungen zu erkennen. Und natürlich waren da noch ihr langes rotes Haar, ihre braunen Augen und ihr zierlicher, kurvenreicher Körper, den er nicht vergessen konnte, egal, wie viele Frauen er nach ihr gehabt hatte.

Sie war die Einzige, die er nicht hatte halten können, und hatte etwas an sich, das ihn in ihren Bann zog. Das hasste er. Schließlich war er stolz darauf, Probleme zu erkennen und zu lösen. Doch heute Abend, da seine ganze Welt aus den Fugen geraten war, konnte er die Ablenkung gebrauchen, die Quinn ihm bieten würde. Natürlich glaubte er nicht, dass sie wieder mit ihm ins Bett gehen würde – das war nicht Quinns Art –, aber ihre Gesellschaft täte ihm sicher gut.

Quinn war bereits auf dem Weg hinunter zum Ufer und lief so schnell, als hätte sie es eilig. Wann hatte sie es nicht eilig? Sie war genauso ehrgeizig wie er und hatte sich nie von irgendetwas aus der Bahn werfen lassen – nicht einmal von ihrer kurzen Liebesaffäre. Sie hatte gesagt, er sei ihr zu ehrgeizig, doch in dem Punkt hatte sie ihm in nichts nachgestanden.

Als er am Strand ankam, waren Zac und Nick bereits betrunken und sangen ein Lied für Adler und Iris. Das Letzte, was Logan wollte, war, seinen neuen Halbbruder besser kennenzulernen. Er und Nick waren Geschäftsrivalen, die einander immer auszustechen versuchten. Zac war gerade aus Australien zurückgekommen, wo er für den America’s Cup, eine berühmte Segelregatta, trainiert hatte. Da er sein eigenes Team gründen wollte, sammelte er nun Geld, um dies zu finanzieren. Und während seines einwöchigen Aufenthalts auf Nantucket hatte er es tatsächlich geschafft, sich mit Adlers Trauzeugin Iris zu verabreden, die klug und kultiviert war und seinen sonst so unbekümmerten Bruder völlig in ihren Bann zu ziehen schien. Logan schüttelte den Kopf.

Sein Blick fiel auf Nick.

Wie, zum Teufel, sollte er dem Mann, dessen Geschäfte er untergraben wollte, freundlich begegnen? Und wie sollte er alle davon überzeugen, dass er diese Pläne schon vor langer Zeit in die Wege geleitet hatte und dass sie nicht mehr aufzuhalten waren? Wie, zum Teufel …

„Du hast also einen neuen Bruder“, unterbrach Quinn seine Gedanken. „Das muss dich für eine halbe Sekunde aus dem Konzept gebracht haben.“

Er blickte zu ihr hinüber. Im schummrigen Licht der Strandbeleuchtung konnte er kaum die Sommersprossen erkennen, die ihren Nasenrücken und ihre Wangen zierten.

„Ja, nicht gerade das, womit ich heute gerechnet habe“, gab er bissig zurück.

„Dachte ich mir. Du kommst wahrscheinlich ganz großmütig hierher, und dann – peng! – ist dein Feind in Wirklichkeit dein Bruder.“

„Was soll das alles, Quinn?“

„Ich will nur sehen, ob du verunsichert oder verärgert bist oder ob du dir schon einen Plan zurechtgelegt hast. Geht’s dir gut?“, fragte sie und setzte sich neben ihn.

Er sah sie an. Es war Jahre her, dass er jemanden an sich herangelassen hatte. Okay, er hatte seine Brüder und seine Schwester und wurde von seiner Assistentin unterstützt, aber die meiste Zeit verließ er sich nur auf sich selbst, und das war auch gut so. „Ja.“

Sie hob eine Augenbraue. „Das klang nicht sehr überzeugend.“

„Ach nein? Ist aber so.“

„Das kaufe ich dir nicht ab“, konterte sie, griff hinüber und legte die Hand auf seine. Ein Prickeln erfasste seinen Körper und sammelte sich direkt in seiner Lendengegend. Nur allzu gern hätte er sich von seinen Grübeleien ablenken lassen. Doch er wusste, dass es mit Quinn kompliziert war. Dennoch wurde er sofort von ihr angetörnt. Sie war verdammt heiß, und die Chemie zwischen ihnen hatte schon immer gestimmt.

Aber genau das war das Problem. Sie war keine Frau, die er in einer Bar aufgabeln und für eine Nacht mit auf sein Zimmer nehmen konnte. Er mochte Quinn, respektierte sie, und außerdem war sie mit den weiblichen Mitgliedern seiner Familie befreundet. Er wusste, dass das hier zu nichts führen konnte, aber das hielt ihn nicht davon ab, die Hand umzudrehen und mit dem Finger an ihrem Handgelenk entlang und ihren Arm hinauf zu streichen.

Zitternd beugte sie sich näher zu ihm. Noch immer verströmte sie diesen süßen Vanilleduft, der ihn schon damals schwach gemacht hatte. Dann neigte sie den Kopf zur Seite und musterte ihn. Er war sich nicht sicher, was sie sah, wusste aber, dass er nicht wollte, dass sie ihn an diesem Abend analysierte. Er musste heute selbst an das Bild glauben, das er der Welt präsentierte.

Also lehnte er sich langsam zu ihr hinüber, um zu ergründen, ob sie ihm einen Kuss gestatten würde. Sie leckte sich über die Lippen, legte die Hand an seine Wange und strich mit den Fingern an seinem Hals entlang, bevor sie seine Schulter drückte.

Ihre Lippen berührten seine, und im Nu waren all seine Sorgen vergessen. Begierig erwiderte er den Kuss, und plötzlich schoss ihm durch den Kopf, dass er Quinn die letzten zehn Jahre lang vermisst hatte. Während sie sich weiter küssten, traten all seine Probleme und verkorksten Familienbeziehungen in den Hintergrund. Er vergaß die Hochzeit und das Geschäft, das er schon in die Wege geleitet hatte. Er vergaß alles außer Quinn Murray und der Tatsache, dass sie ihn genauso inbrünstig küsste, wie sie alles andere tat. Voller Leidenschaft. Plötzlich wurde ihm bewusst, wie sehr er diese Seite in seinem Leben vernachlässigt hatte, indem er immer nur ans Geschäft gedacht hatte.

Aber dies war Quinn Murray. Die eine Frau, der er nie hatte widerstehen können. Und da er sich dringend ablenken musste, hob er sie von ihrem Stuhl auf seinen Schoß und vertiefte den Kuss. Seufzend ließ sie die Hände in sein Haar gleiten und drückte ihn fest an sich. In dem Feuer ihres Kusses fand er genau das, was er jetzt so dringend brauchte. Nichts zählte mehr – außer dieser Frau zu gefallen.

Logan. Er war das einzige Problem gewesen, das Quinn nie hatte lösen können. Der eine Typ, den sie nicht vergessen konnte. Mit seinem dunkelblonden Haar, dem markanten Kiefer und den eisblauen Augen war er unglaublich heiß. Er hatte schon immer sehr gut ausgesehen. Er war muskulös und hatte unglaublich viel Energie. Von seiner Schwester Marielle wusste sie, dass er immer noch jeden Tag um fünf Uhr aufstand, um zu trainieren, und dann ins Büro ging, wo er bis fast Mitternacht blieb.

Als sie noch auf dem College gewesen waren, war es reizvoll, mit einem Mann zusammen zu sein, der so zielstrebig war, so entschlossen, Erfolg zu haben. Aber dann hatte sie gemerkt, dass er nie aufhören würde, um alles mit ihr zu konkurrieren. Anfangs hatte ihr die Herausforderung gefallen. Aber bald ging es um mehr als nur darum, wer die besseren Noten bekam, es ging um … na ja, alles. Und als sie merkte, dass ihm kein Erfolg jemals genügen würde, hatte sie ihn verlassen. Aber ein Teil von ihr, der Teil, der sie dazu gebracht hatte, auf seinen Schoß zu klettern, sehnte sich noch immer nach ihm. Sie wollte ihn, selbst wenn es nur wegen des langen Wochenendes war, das sie beide in Nantucket verbrachten.

Er schmeckte gut. Süchtig machend. Die Art und Weise, wie er sie küsste, hatte etwas Entspanntes und doch Rohes und Sinnliches. Er ließ sich Zeit, doch sie fühlte sich dabei völlig entblößt. In all den Jahren, in denen sie sich nicht gesehen hatten, hatte die Leidenschaft zwischen ihnen nicht nachgelassen, und irgendwie war sie froh, dass es so war.

Sie genoss es, in seinen Armen zu liegen, seine Erektion und seine Hände zu spüren, die über ihren Rücken wanderten.

Quinn wusste, dass dies nicht echt war. Sie machte sich nicht vor, dass Logan etwas anderes wollte als Ablenkung. Schließlich musste er damit fertigwerden, dass sein Feind und Rivale nun plötzlich sein Bruder sein sollte. Aber das bedeutete nicht, dass er sie nicht erregte.

Sie beendete den Kuss und wich ein Stück zurück, um in seine eisblauen Augen zu schauen. Die Ehrlichkeit und die Begierde, die sie darin las, berührten sie tief. Sie war immer in der Lage gewesen, hinter sein Ego und seine Arroganz zu blicken, die er wie ein Schutzschild vor sich hertrug. Aber heute Abend spiegelte das, was sie in seinem Blick sah, genau das wider, was auch sie wollte.

Sie brauchten diese Nacht, hatten nie wirklich einen Schlussstrich gezogen, und das könnten sie jetzt nachholen. Nur eine Nacht, in der sie die Laken zum Glühen brachten, und am nächsten Morgen würde er zu dem Scherbenhaufen seiner Familie zurückkehren, und sie würde sich an die Arbeit machen und Adlers Hochzeitsfilm für den Fernsehsender produzieren, für den sie arbeitete.

„Das kam unerwartet“, sagte sie.

„Unerwünscht?“, fragte er. „Ich weiß, wir haben uns vor langer Zeit getrennt, aber ich muss ehrlich sein, Ace. Jedes Mal, wenn ich dich sehe, will ich dich küssen.“

Ace.

Er war der Einzige, der sie so nannte. Allerdings war es schon Jahre her, dass er diesen Spitznamen benutzt hatte.

„Ich denke auch manchmal daran“, gab sie zu.

„Aber nicht öfter als ich, oder?“, fragte er. „Mir ist bewusst, dass ich am Ende zu fordernd war, und, verdammt, das bin ich wahrscheinlich immer noch …“

Dass er nicht weiterredete, sprach Bände. Er wollte mit ihr schlafen, aber nicht den Eindruck erwecken, derjenige zu sein, der es vorschlug – für den Fall, dass sie Nein sagte. Das war der Grund, warum ihre Beziehung nicht funktioniert hatte. Quinn glaubte von ganzem Herzen, dass sie kein Problem damit hätte, sich dem Mann gegenüber, mit dem sie den Rest ihres Lebens verbringen wollte, verletzlich zu zeigen. Aber bei Logan musste sie immer auf der Hut sein. Er betrachtete alles als Wettbewerb, wollte immer gewinnen, und nach einer Weile hatte sie gemerkt, dass sie nicht ständig mit ihm konkurrieren konnte.

„Der Kuss war heiß und eine schöne Reise in die Vergangenheit“, antwortete sie. „Aber ich glaube nicht, dass einer von uns die Komplikationen braucht, die eine Beziehung mit sich bringen würde.“

„Muss es denn kompliziert werden?“ Fragend sah er sie an.

„Keine Ahnung, aber du magst offenbar nicht zugeben, dass du mich willst, und darüber bin ich weit hinaus“, erklärte sie. Seit sie dreißig geworden war, hatte sie es aufgegeben, sich und anderen etwas vorzumachen, so wie sie es früher oft getan hatte. „Ich bin nicht daran interessiert, dein kleines schmutziges Geheimnis zu sein.“

„Es muss kein Geheimnis sein“, erwiderte er. „Aber es stört mich nicht, wenn es ein bisschen schmutzig wird.“

Ein Schauer durchlief sie, denn sie wusste, dass es ihr auch nichts ausmachte, wenn es schmutzig würde. Das Besondere an Logan war, dass er, wenn er sich einmal einer Sache verschrieben hatte, nie einen Rückzieher machte. Doch eigentlich war das Einzige, das ihn wirklich interessierte, seine Karriere.

„Warum ausgerechnet ich?“, fragte sie. „Hier gibt es massenweise Frauen, mit denen du was anfangen könntest.“

„Manchmal wache ich nachts auf und denke an dich und mich. Ich weiß, dass wir keine gemeinsame Zukunft haben, aber ich will dich trotzdem, Ace. Das habe ich schon immer. Aber ich möchte dich zu nichts drängen. Wenn du Nein sagst, lasse ich dich in Ruhe. Aber ich bete, dass du Ja sagst, weil ich dich nach diesem Tag brauche.“

Er brauchte sie.

Gab es ein stärkeres Aphrodisiakum auf der Welt?

Für andere Frauen vielleicht, aber dass ein Mann wie Logan sie brauchte, war alles, was nötig war, um ihren Widerstand zu brechen und sie dazu zu bringen, dem Verlangen nachzugeben, das in dem Moment geweckt worden war, als sie ihn heute Abend gesehen hatte. Er war stark und ein super erfolgreicher Geschäftsmann. Doch heute Abend brauchte Logan Bisset, der nie irgendetwas oder -jemanden brauchte, sie.

Genauso wie sie ihn.

Sie wollte sich daran erinnern, wie es war, in seinen Armen zu liegen, und dabei jedwedes Konkurrenzdenken ausblenden.

Kurz entschlossen stand sie auf und streckte ihm die Hand entgegen. Er sah sie an, und im flackernden Licht des Lagerfeuers war sein Blick schwer zu lesen. Aber seine Hand war warm, als er ihre ergriff und sie in die Arme zog. Sie atmete den Duft seines würzigen Rasierwassers ein, schloss die Augen und hoffte inständig, dass sie nicht den größten Fehler ihres Lebens beging.

2. KAPITEL

Quinn roch nach Sommer und Sonnenschein und war genau die Art von Ablenkung, nach der Logan sich sehnte. Sie war ihm vertraut, kannte seine Fehler besser als jeder andere, und sie hatte keine Erwartungen an ihn. Also zog er sie zurück auf seinen Schoß.

Er beugte sich hinab, um sie zu küssen, doch sie legte die Hand auf seine Lippen. Sofort wurde er hart und stöhnte auf.

„Was?“

„Bist du dir sicher?“, fragte sie. „Ich meine, ich weiß, dass du …“

„Tust du das?“, konterte er. Das Letzte – das Allerletzte –, was er wollte, war zu reden. Er sehnte sich nach einer heißen Nummer, damit er vergessen konnte. Aber wollte Quinn das auch?

Irgendwie hatte er das Gefühl, dass er kurz davor stand, einen großen Fehler zu machen. Aber sein Leben hatte sich komplett geändert. Sein Feind war plötzlich sein Halbbruder. Alle erwarteten von ihm, dass er nett war, aber er hatte bereits alles in die Wege geleitet, um Nick und das Familienunternehmen Williams, Inc. zu zerstören. Quinn verlagerte das Gewicht auf seinem Schoß, rückte näher an seine Brust heran und strich mit dem Finger über seine Lippen. „Darüber zu reden wird helfen.“

„Das glaube ich nicht, Quinn. Ich kann nicht. Ich kann vögeln. Ich kann trinken. Aber ich will nicht reden.“

„Du bist ein Mistkerl, Logan.“

„Das ist irgendwie mein Ding“, sagte er ernst. Er sah in Quinns braune Augen und erkannte, dass er nur Sekunden davon entfernt war, diese Nacht allein zu verbringen.

Sie seufzte.

Er war dabei, sie zu verlieren. Schnell legte er die Hand auf ihren Oberschenkel und atmete tief ein. „Ich will nicht, dass du denkst, ich sei leicht zu haben.“

Schallend lachend warf sie den Kopf in den Nacken, was ihn zum Lächeln brachte. Nach einem Tag voller Wut und Unsicherheit brauchte er das.

Er brauchte sie.

Verdammt.

Nur heute Nacht, versprach er sich.

Er war Logan Bisset. Er brauchte niemanden. Schon gar nicht eine attraktive, entschlossene Rothaarige, die ihn immer in seinem eigenen Spiel besiegt hatte. Doch dann drehte sie sich um, legte ihm die Hände auf die Schultern und setzte sich rittlings auf ihn.

Sie senkte den Kopf, sodass ihre Haare seine Wange streiften, und küsste ihn. Sofort umfasste er ihre Taille, um sie an sich zu drücken, nur für den Fall, dass sie es sich doch noch anders überlegte und gehen wollte.

Doch sie vertiefte den Kuss, ließ die Zunge in seinen Mund gleiten. Als er spürte, wie er immer härter wurde, stöhnte er auf und versuchte sich mit aller Kraft davon abzuhalten, sich an ihr zu reiben. Er wusste, dass sie nicht mit ihm ins Bett gehen wollte. Und er respektierte sie und wollte sie nicht drängen. Aber so einen Kuss hatte er schon viel zu lange nicht mehr erlebt.

Er mied Frauen wie Quinn, die ihn nicht nur erregten, sondern auch Gefühle in ihm weckten. Nur Sex zu haben war eindeutig einfacher. Aber heute Abend fühlte er sich am Boden zerstört und wusste, dass ihm noch einiges an Auseinandersetzungen bevorstand, weil er Williams, Inc. ein Patent gestohlen hatte. Heute Abend brauchte er Quinn.

Plötzlich zog sie sich zurück, und als ihre Blicke sich trafen, las er Mitgefühl in ihren Augen. Wahrscheinlich war das eins der Dinge, die sie in ihrem Job so erfolgreich machten. Sie war zielstrebig und ehrgeizig, besaß aber auch Einfühlungsvermögen – etwas, das ihm fehlte.

Bitte, dachte er, frag mich nichts mehr.

„Trinkst du heute Abend Whisky oder Bier?“

„Ich brauchte was Starkes“, gab er zu.

„Dann Whisky. Sollen wir uns etwas zu essen und zu trinken holen?“

Nein. Aber er wusste, dass sie gehen würde, wenn er sagte, er wolle lieber in sein Zimmer.

„Klar. Aber ich werde mich nicht unters Volk mischen.“

„Ach was“, sagte sie mit einem Zwinkern, als sie von seinem Schoß sprang. „Ist ja mal ganz was Neues.“

Er stand auf, nahm ihre Hand, und sie sah zu ihm auf. „Glaub bloß nicht, dass das hier mehr als Freundschaft ist.“

Er nickte. Schon immer waren sie so unterschiedlich wie Tag und Nacht gewesen, und er war sich ziemlich sicher, dass sich das nie ändern würde. „Warum tust du das?“

„Du brauchst heute Abend einen Freund, eine Schulter, an die du dich anlehnen kannst, und ein wenig Abstand zu deiner Familie.“

„Danke.“

„Erst müssen wir noch das Muschelessen hinter uns bringen“, ermahnte sie ihn.

An dem würden seine gesamte Großfamilie sowie ein paar Freunde seiner Eltern und seiner Cousine teilnehmen. Nur der innere Kreis seiner Familie und die Williams-Geschwister kannten die Wahrheit über Nick.

Dummerweise war er noch nie gut darin gewesen, seine Gefühle zu verbergen. Wenn er wütend war, merkte das jeder. Er bezweifelte, dass sich das heute Abend ändern würde. Aber als sie sich dem Lagerfeuer näherten, hatte sein Bruder aufgehört zu singen, und nun gab Adlers Vater, der Rockstar Toby Osborn, seinen Nummer-Eins-Hit über Rebellion und seinen Lebensweg zum Besten. Zum ersten Mal achtete Logan auf den Text. Mein Leben hätte einfacher sein können, wenn ich anders gehandelt hätte. Verdammt, aber diese Worte klangen in ihm nach. Schnell schüttelte er diesen Gedanken ab und folgte Quinn.

Logan ging zur Bar, bestellte zwei Whisky-Cola, drehte sich um und stieß mit Nick Williams, dem Bräutigam, seinem Geschäftsrivalen und seit heute auch seinem Halbbruder, zusammen. Die Augen des anderen Mannes waren blutunterlaufen, und er sah aus … na ja, so wie Logan sich fühlte. Nick hatten die Neuigkeiten offenbar am härtesten getroffen, und wenn Logan ein besserer Mensch wäre, würde er versuchen, ihn zu trösten. Aber letztlich war Logan immer noch er selbst.

„Verflucht“, sagte Nick. „Natürlich stoße ich auf dich.“

„Dito“, erwiderte Logan.

Nick lächelte schwach. „Das einzig Gute an diesem ganzen Mist ist die Tatsache, dass ich weiß, dass du es genauso hasst wie ich.“

Logan bemühte sich, nicht zu lächeln. Er hatte mit Nick nie anderweitig Zeit verbracht als am Verhandlungstisch. Jetzt bedauerte er das. Sein Halbbruder hatte etwas Vertrautes an sich, was vermutlich der DNA geschuldet war, die sein Vater beigesteuert hatte.

„Genau mein Gedanke“, gab Logan zu. „Wo ist deine Braut?“

„Sie hört ihrem Vater beim Singen zu …“ Nick richtete sich auf. „… und wartet auf ihren Drink. Also beeil dich, Bisset.“

„Du sagst Bisset, als sei es ein Fluch, aber du …“

„Nein, nicht. Sprich es nicht laut aus. Ich bin nicht bereit, es zu hören, schon gar nicht von dir“, wehrte Nick ab und schob Logan aus dem Weg.

So schwer es für ihn war, so musste es für Nick mindestens genauso schwer sein, wenn nicht noch schwerer. Die Familie hatte sich zu seiner Hochzeit versammelt, und am Vorabend musste er erfahren, dass er der leibliche Sohn seines Geschäftsrivalen und des Mannes war, der seinen schlimmsten Feind großgezogen hatte. Logan nickte nur und drehte sich um, um Quinn zu suchen.

Er wusste, dass sich die Lage in den nächsten Tagen wahrscheinlich noch verschlimmern würde, wenn die Neuigkeiten in der Presse bekannt wurden, auch wenn Carlton entsprechende PR-Maßnahmen in die Wege geleitet hatte. Und irgendwann, so wurde Logan klar, würde er seinem Vater und Nick die Wahrheit über das Patent sagen müssen, das er ihm vor der Nase weggeschnappt hatte, nachdem Nick ihm drei Monate zuvor bei einem anderen Geschäft zuvorgekommen war.

Verdammt.

Quinn tanzte im Mondlicht neben seiner Schwester, Iris Collins und Adler. Logan stellte sich an den Rand der Tanzfläche. Gern hätte er sich zu den Frauen gesellt, wusste aber, dass er sie in Ruhe lassen sollte. Quinn sollte Adler helfen, sich an die Neuigkeiten zu gewöhnen, die auch für sie erschütternd waren. Seine Cousine war in eine Welt voller Paparazzi und Schlagzeilen hineingeboren worden. Ihre Mutter war die Geliebte eines berühmten Rockstars gewesen, der für seinen ausschweifenden Lebensstil bekannt war.

Dann, als Adler zwei Jahre alt war, war ihre Mutter an einer Überdosis Drogen gestorben, was das Interesse an ihr nur noch mehr angefacht hatte. Ihr ganzes Leben lang hatte sie darum gekämpft, nicht im Rampenlicht zu stehen, und diese Fernsehübertragung ihrer Hochzeit war die Art von Medienaufmerksamkeit, die Adler wollte. Die Art, die ihr Seriosität verleihen und ihr die Schlagzeilen der Boulevardpresse ersparen würde – was sich heute schlagartig geändert hatte. Weil sich herausgestellt hatte, dass ihr sehr seriöser Verlobter der Bastard – benutzte man dieses Wort heute noch? – eines Geschäftsrivalen war. Wie beschissen war das denn bitte?

„Mann, du wirkst echt deprimiert, wie du da im Schatten stehst und grübelst“, sagte Leo, der zu ihm kam und ihm einen der Drinks aus der Hand nahm. „Das ist eine Party. Selbst ein Workaholic wie du sollte wissen, was das ist.“

„Der Drink war für jemand anderen“, meinte Logan und nahm einen Schluck. Wenigstens war Leo eine willkommene Ablenkung. Sein jüngster Bruder hatte das Familienunternehmen verlassen und ein eigenes Geschäft gegründet, das schnell expandierte.

„Ich habe gehört, dass eine neue Firma es auf deinen Marktanteil abgesehen hat.“

„Die kleine Etsy-Shop-Besitzerin?“, fragte Leo.

Logan nickte. Danni Eldridge sorgte für großes Aufsehen in der Geschäftswelt, denn sie stand in direkter Konkurrenz zu Leos Unternehmen in der Lederwarenbranche. Leos Firma hatte klein angefangen und war nach und nach zu einem Multi-Millionen-Dollar-Konzern avanciert.

„Danni Eldridge ist eine Eintagsfliege. Ich glaube nicht, dass sie es schaffen wird, sich am Markt zu etablieren“, sagte Leo.

Logan nickte.

„Ich dachte, du holst uns was zu trinken“, mischte sich Quinn, die sich zu ihnen gestellt hatte, in das Gespräch ein.

„Ich habe deinen geklaut“, erklärte Leo. „Aber ich hole dir einen neuen.“

Als Leo sich abwandte und ging, ergriff Quinn Logans Hand und zog ihn zum Lagerfeuer. „Tanzt du mit mir?“

„Ja.“

Mit Logan zu tanzen war fast so gut wie Sex. Und ungefähr tausendmal sicherer für ihr Herz. Zumindest dachte sie das, bis Toby und seine Band die Stimmung mit der Ballade auflockerten, die er nach ihrem Tod für Adlers Mutter geschrieben hatte. Es war ein Lied voller Liebe, Sehnsucht und Sinnlichkeit und brachte Quinn dazu, sich an Logan zu lehnen und die Augen zu schließen.

Wie selbstverständlich legte er die Hände auf ihre Hüften und zog sie so dicht an sich, dass sie spürte, wie sein Oberkörper gegen ihre Brüste drückte, während sie ihm die Arme um den Hals schlang. Es war über drei Jahre her, dass sie mit jemandem getanzt hatte. Das musste der Grund sein, warum jede Berührung von Logan ein Kribbeln in ihrem Körper auslöste.

Seine Beine berührten ihre. Da es heiß war, hatte sie statt ihrer typischen Khakihosen ein leichtes Sommerkleid angezogen, weshalb sie die Berührung seiner Schenkel auf ihrer nackten Haut spürte.

Als er sich mit ihr zur Musik wiegte, fanden ihre Körper zu einem natürlichen Rhythmus, den sie schon immer gehabt hatten. Egal, wie sehr sie emotional und körperlich aus dem Takt geraten waren, sie hatten immer diese Verbindung gehabt. Dieses Band, das nur schwer zu zerreißen war.

Quinn wusste, dass es vernünftig wäre, sich umzudrehen und zu gehen. Zurück in ihr Gästehaus und arbeiten oder irgendetwas anderes. Aber sie wollte jetzt nicht vernünftig sein. Ihr ganzes Leben lang war es darum gegangen, immer den richtigen Weg einzuschlagen, und heute Nacht wollte sie impulsiv sein. Sie wollte ihren Hormonen oder ihrem lustvollen Ich folgen und sich allem hingeben, was Logan ihr bot. Einfach so tun, als könnte sie mit ihm schlafen und ungeschoren davonkommen, obwohl sie tief in ihrem Inneren … Hör auf damit. Schnell brachte sie die mahnende Stimme in ihrem Kopf zum Verstummen. Heute Nacht wollte sie nur genießen und fühlen, etwas Schönes erleben, an das sie sich immer erinnern würde.

Ihr Blick begegnete Logans, und sie sah den Schmerz und das Leid in seinen Augen, aber auch das Bedürfnis und das Verlangen. Er wollte nicht reden, und das sagte alles. Er wollte vergessen, und sie würde ihm dabei helfen.

Es war ihr egal, ob sie es später bereuen oder ob es Konsequenzen nach sich ziehen würde. Sie würde damit fertig werden. So oder so würde sie es bereuen.

Sie zog seinen Kopf zu sich herunter und küsste ihn. Nicht auf die zaghafte Art, wie sie es vorhin getan hatte, sondern auf eine Art, die sagte: Nimm mich. Nimm mich jetzt.

Logan brauchte nur den Bruchteil einer Sekunde, bevor er den Kuss erwiderte. Er ließ die Zunge in ihren Mund gleiten, während er ihren Hintern umfasste und sie enger an sich zog. Sie tanzten, bis die Musik aufhörte, dann senkte er den Kopf und sah sie an.

Die Frage, die in seinem Blick stand, war nichts, was sie beantworten wollte. Aber sie hatte vorhin nicht Ja gesagt, und er wollte sie nicht wieder falsch verstehen. Er musste die Worte hören.

„Gehst du mit mir am Strand spazieren?“, fragte sie. „Lass uns irgendwohin, wo wir allein sind.“

„Nur wenn du dir sicher bist“, sagte er. „Ich will morgen nicht noch was bereuen.“

„Keine Sorge“, antwortete sie. „Ich will dich, Logan. Ohne Bedingungen. Nichts als die Sommernacht und diesen Moment.“

„Ich auch“, erklärte er.

Er legte die Hand in ihre und führte sie vom Lagerfeuer weg. Kurz hielt er an, um eine Decke von dem Stapel zu nehmen, den das Hotelpersonal für die Gäste ausgelegt hatte. Gemeinsam entfernten sie sich von der Menge und der Musik. Die Nacht wurde dunkler und die Brise etwas stärker, aber Quinn wurde immer sicherer.

Zu lange hatte sie die Tatsache ignoriert, dass sie mit Logan nie so hatte abschließen können, wie sie es sich gewünscht hätte. In ihrem letzten Jahr am College hatte sie ihm ein Ultimatum gestellt: „Hör auf, alles in einen Wettbewerb zu verwandeln, oder geh!“

Eigentlich hatte sie erwartet, dass er einlenken würde. Stattdessen war er abgehauen, und sie hatte keine Chance gehabt, die Dinge so zu beenden, wie sie es sich gewünscht hätte.

Okay, das hier war natürlich kein Ende, aber sie würde ein letztes Mal in seinen Armen liegen und könnte dieses Kapitel ihres Lebens endlich abschließen. Es als beendet markieren und Logan Bisset ein für alle Mal hinter sich lassen. Es war an der Zeit, dass sie es tat, und heute Abend schien der richtige Zeitpunkt dafür zu sein.

Ein Moment, in dem sie einfach Logan und Quinn sein und den Rest der Welt vergessen konnten.

3. KAPITEL

Je weiter sie sich von dem Lagerfeuer entfernten, desto entspannter schien Logan zu werden. Es war, als könne er in der Dunkelheit, wo nur der Mond ihren Weg beleuchtete, seine Wachsamkeit ablegen. Ein Teil von Quinn, der Teil, der ihn, wenn sie ehrlich war, wahrscheinlich immer noch liebte, wurde weicher. Sie hatte immer gedacht, Logans größtes Problem sei die Tatsache, dass er dachte, er müsse unbesiegbar sein. Sie wusste, dass er sich nie ändern würde. Dafür hatte er zu viel von seinem Vater August Bisset.

Der Spaziergang gab ihr Zeit zum Nachdenken. Vermutlich wäre es besser, nur den Moment zu genießen und sich nicht näher mit der Zukunft zu beschäftigen. Sie würde den gebrochenen Mann an ihrer Seite niemals heilen können. Sobald sie anfing, sich um sein Glück zu sorgen, sollte sie schleunigst die Flucht ergreifen.

Um ihrer selbst willen.

Er hielt inne und ließ die Decke zu ihren Füßen in den Sand fallen, zog sie in die Arme, drückte seine Brust an ihren Rücken und hielt sie einfach nur fest.

„Das Meer hat etwas Beruhigendes, das mich alle meine Probleme vergessen lässt“, murmelte er, und in seiner Stimme lag eine Sanftheit, die sie überraschte.

Dies war nicht der Logan, mit dem sie auf dem College ausgegangen war, und sie tat gut daran, das nicht zu vergessen.

Er seufzte.

„Was?“

„Warum bist du die einzige Frau, der ich vertrauen kann?“, fragte er.

„Ich weiß es nicht“, gab sie zu. „Aber wenn wir darüber nachdenken, gehen wir wahrscheinlich gleich zurück zum Lagerfeuer.“

Sie blickten auf das dunkle Meer, und das sanfte Rauschen der Wellen war nicht mehr so beruhigend wie noch ein paar Augenblicke zuvor. Das war es, was sie zu vermeiden gehofft hatte. Ein Gespräch mit Logan brachte keine Lösung. Er würde immer der Typ bleiben, der er gewesen war, und würde sie auf jeden Fall enttäuschen. Weil sie einen anderen Mann in ihm sehen wollte, als er war.

„Das wäre die sichere Wahl“, meinte er. „Aber ich habe noch kein Risiko gescheut, und wenn du noch die Frau bist, die ich früher kannte, ist es bei dir genauso.“

„Ich bin nicht mehr dieselbe Frau von damals, Logan.“

„Natürlich bist du das, Ace. Deshalb stehst du hier mit mir am Strand. Und wenn du so bist wie ich, dann weißt du noch, wie gut wir gemeinsam waren“, sagte er.

Ja, sie hatten gut harmoniert – zumindest körperlich. Schon damals hatten zwischen ihnen die Funken gesprüht. Er hatte etwas an sich, das sie anzog wie das Licht die Motten, und für die Möglichkeit, ihm für einen kurzen Moment näherzukommen, lief sie Gefahr, jedes Risiko zu ignorieren. Sie wollte sich umdrehen und gehen. Verdammt, sie war dreißig und klüger als damals. Und wenn nicht klüger, dann zumindest weiser.

Weiser.

Was für ein dummer Gedanke. Sie wollte Logan und versuchte, ihre Begierde irgendwie zu rechtfertigen, aber egal, was sie heute Abend tat – weggehen oder bleiben –, sie würde es später bereuen.

Er beugte sich hinunter und richtete die Decke, setzte sich darauf und sah zu ihr auf, während er eine Flasche Whisky aus seiner Tasche zog. „Möchtest du einen Drink?“

Fast hätte sie den Kopf geschüttelt und wäre gegangen, was auf jeden Fall klüger wäre.

Stattdessen setzte sie sich neben ihn. Er würde sonst allein dasitzen und die ganze Flasche austrinken, und das durfte sie nicht zulassen. Außerdem waren sie sich schon lange nicht mehr so nahe gewesen, und sie wollte ihn. Sie hatte vergessen, wie stark seine Anziehungskraft war, als sie getrennt gewesen waren und ihr eigenes Leben gelebt hatten.

Aber so nah bei ihm konnte sie ihm nicht widerstehen. Sie konnte nicht einmal so tun, als würde sie den Strand verlassen wollen, ohne ihn gehabt zu haben. Aber sie versprach sich selbst, dass sie es zu ihren eigenen Bedingungen tun würde. Nicht zu seinen.

Punkt.

Quinn schnappte sich die Flasche und nahm einen Schluck.

Reden und Trinken.

Das war nicht das, was Logan wollte. Er wollte schmutzigen, berauschenden Sex. Aber er war nicht daran interessiert, zurückzugehen und eine andere Frau aufzureißen. Er wollte Quinn.

Doch sie zog es offenbar vor, nur mit ihm zu reden.

„Wie ist es, beim Fernsehen zu arbeiten?“, fragte er und ging damit auf ihre Wünsche ein. „Wolltest du nicht eigentlich Regisseurin werden?“

Statt zu antworten, nahm sie einen weiteren Schluck Whisky. „Ich dachte, du wolltest reden“, sagte er sanft.

Er hatte das Gefühl, dass sie darauf wartete, dass er über sich sprach. Aber das hatte er nicht vor. Schon gar nicht über seinen neuen Halbbruder.

„Wollte ich ursprünglich auch. Aber Fernsehen … Mir gefällt das. Es ist ziemlich aufregend, Hochzeiten an wunderbaren Orten zu filmen. Es gibt immer eine Million Dinge, die nicht nach Plan verlaufen, aber das hält mich auf Trab. Und an diesen wirklich tollen Drehorten zu sein und das zu tun, was ich liebe … Ich weiß, das klingt nach Arbeit, aber für mich ist es das irgendwie gar nicht. Ergibt das einen Sinn?“

Ja, irgendwie schon. Es war so typisch für Quinn, pragmatisch zu denken und sich gleichzeitig ihre Träume zu erfüllen. Er beneidete sie. Sie klang so, als würde die Arbeit sie erfüllen, was ihm immer verwehrt geblieben war.

Er fuhr sich mit den Händen durchs Haar und schaute in die sternenklare Nacht. In seinem Kopf brodelte es, und das Einzige, von dem er gehofft hatte, es würde ihn beruhigen, schien in unerreichbare Ferne gerückt zu sein. Er könnte sie berühren, weil sie so nah beieinandersaßen, doch sie wollte bloß reden.

Das machte es noch schlimmer, denn es erinnerte ihn daran, wovor er weggelaufen war. Wäre er ein anderer Mann, wenn sie zusammengeblieben wären? Bestimmt, oder? Aber wäre er auch glücklicher? Wenn er darüber nachdachte …

„Was geht dir gerade durch den Kopf?“, fragte sie.

„Ich frage mich, ob du mein Leben besser gemacht hättest oder ob ich deins ruiniert hätte, wenn wir zusammengeblieben wären“, antwortete er aufrichtig.

„Logan, tu das nicht. Wir sind nicht die Art von Paar, die für etwas anderes bestimmt ist, als miteinander zu konkurrieren. Wir sind wirklich gut darin, uns gegenseitig herauszufordern und uns dann zu überbieten. Oder alles zu einem Spiel zu machen … Du weißt es, und ich weiß es auch.“

„Ja. Aber wenn ich dir so zuhöre, bin ich versucht, mir einzureden, dass ich ein besserer Mensch sein könnte.“

„Du bist ein guter Mann“, erwiderte sie. „Warum denkst du, du müsstest besser sein?“

„Es ist diese Sache mit Nick und Dad, die mich aus der Bahn wirft.“

Ja, richtig, höhnte sein Gewissen. Als ob er nicht die letzten Monate damit verbracht hätte, alles zu zerstören, was Nick Williams in den letzten Jahren aufgebaut hatte. Als ob er nicht ein rachsüchtiger Typ wäre, der einmal zu oft verloren hatte. Also hatte er es auf die Spitze getrieben, und jetzt … jetzt wusste er, dass die außereheliche Affäre seines Vaters im Vergleich zu dem, was er getan hatte, um Nick zu Fall zu bringen, verblassen würde, wenn die Wahrheit ans Licht kam.

„Das tut mir leid. Als ich vorschlug, zu reden und zu trinken, dachte ich, wir könnten etwas Lustiges machen.“

„Was zum Beispiel?“ Fragend sah er sie an.

„Herausfinden, was wir seit dem letzten Mal, als wir geredet haben, getrieben haben“, meinte sie.

„Wie ein Weibertratsch?“

Sie schlug ihm auf die Schulter, härter, als er erwartet hatte.

„Nein, Blödmann. Wie zwei Freunde, die sich austauschen.“

Er griff nach ihrer Hand und drückte sie. „Das fände ich schön. Erzähl mir von den Filmen, die du gemacht hast. Wie hat das angefangen?“

Sie stöhnte.

„Was?“

„Die Antwort wird dir nicht gefallen“, warnte sie ihn.

„Anscheinend gibt es heute nur Dinge, die mir nicht gefallen“, konterte er. Sie konnte kaum etwas sagen, was mehr wehtun würde als das Wissen, dass er einen Keil in seine Familie trieb, der es unmöglich machte, seinen neuen Halbbruder willkommen zu heißen.

„Es begann, nachdem wir uns getrennt hatten. Ich nahm einen Job auf einem Kreuzfahrtschiff an, das durch die Karibik fuhr. Ich musste mich ablenken und habe deshalb Reisevideos gemacht. Auf dem Schiff gab es einige Hochzeiten, und so bin ich dann in dieser Branche gelandet. Und das eigentlich nur, weil es so schwer war, über dich hinwegzukommen, Logan.“

Du hast mit mir Schluss gemacht“, erinnerte er sie.

„Nur weil ich wusste, dass du nie aufhören würdest, mit mir zu konkurrieren. Ich weiß, es klingt albern, aber an dem Morgen, als du versucht hast, mir weiszumachen, dass unsere letzten Prüfungsergebnisse, die gleich waren, es doch nicht waren, weil du einen längeren Aufsatz geschrieben hattest, wurde mir klar, dass ein Unentschieden gegen mich nicht ausreichte. Du musst immer die Nummer eins sein.“

„Was ist daran falsch?“, fragte er.

„Nichts, aber ich wollte etwas anderes.“

Etwas, das er ihr nicht bieten konnte. Anstatt Sex mit ihm zu haben, sprach sie von der Vergangenheit, und so bekamen sie beide nicht das, was sie eigentlich wollten.

Er sollte gehen. Einfach aufstehen und gehen.

Doch als er sich zur Seite drehte, um genau das zu tun, hielt sie ihn auf.

Quinn zog Logan neben sich auf die Decke und sah ihm in die Augen. Er war kompliziert und brachte sie dazu, eine Million Dinge auf einmal zu fühlen. Sie sollte ihn gehen lassen. Aber das wollte sie nicht.

„Nicht. Ich kann das nicht. Ich wollte locker sein, aber das bin ich nicht“, stieß er gepresst hervor. „Ich will dich. Nicht reden oder die Vergangenheit aufwärmen. Ich will nur Sex und dich vielleicht für den Rest der Nacht im Arm halten, damit ich für ein paar kurze Stunden so tun kann, als wäre alles normal. Ich weiß, dass du das nicht willst, und ich habe volles Verständnis für deinen Standpunkt, aber ich kann mein Verlangen nicht einfach ausschalten. Das konnte ich bei dir noch nie.“

Oh Gott.

Logan faszinierte sie. Er spielte, um zu gewinnen, war dabei aber total ehrlich. Vielleicht war es deshalb so schwer, von ihm loszukommen. Obwohl sie wusste, dass sie verletzt werden könnte, wenn sie blieb, brachte seine Ehrlichkeit sie dazu, es versuchen zu wollen. Sie musste einen Weg finden, um das zu bekommen, was sie beide wollten.

„Ich will dir die Sache nicht schwermachen“, erklärte sie.

„Ja, ich weiß.“ Er nickte. „Lass mich gehen. Du kannst zurück zur Party, und ich mache das, was ich am besten kann.“

Quinn überlegte, was er seiner Meinung nach am besten konnte, fragte aber nicht nach. Sie hatten schon viel zu viel geredet und nichts dadurch geklärt. Also setzte sie sich auf ihn und legte ihm die Hände auf die Schultern.

Sie sah die Überraschung in seinem Gesicht, konnte die Gefühle, die sie in seinen blauen Augen las, aber nicht wirklich deuten. Doch das brauchte sie auch gar nicht. „Ich will das auch. Ich glaube, ich habe versucht, es vor mir selbst zu rechtfertigen, aber die Wahrheit ist, dass es schon lange her ist und ich dich vermisst habe, Logan.“

Er umfasste ihre Taille. „Wenn es nicht zu hundert Prozent das ist, was du willst, dann lass mich jetzt gehen.“

Statt zu antworten, neigte sie den Kopf, küsste ihn, schob ihm die Hände ins Haar und glaubte einen kurzen Moment lang, alles unter Kontrolle zu haben.

Doch wenn sie tatsächlich geglaubt hatte, diesem unglaublich faszinierenden Mann widerstehen zu können und keinen Sex am Strand mit ihm zu haben, hatte sie sich etwas vorgemacht.

Dies war Logan, der einzige Mann, der sie immer noch beschäftigte und mit dem sie jeden anderen Typen verglich. Vielleicht musste sie als erwachsene Frau noch einmal mit ihm schlafen, um endlich aufzuhören, ihre College-Beziehung zu idealisieren.

Sie war sich sicher, dass der Sex mit ihm genauso mittelmäßig wäre wie mit all den anderen Männern, mit denen sie in den vergangenen Jahren etwas gehabt hatte. Dass sich etwas in ihr verändert hatte und es kein Zurück mehr zu diesen wilden Jahren gab. Aber sie merkte schnell, wie falsch sie lag, als Logan die Hände auf die Rückseite ihrer Oberschenkel gleiten ließ und sich aufrichtete, wobei sich sein Bauch unter ihr anspannte. Sie schlang die Beine um ihn, und er hielt inne und lehnte die Stirn an ihre.

Kurz öffnete sie die Augen, starrte in seine, dann schloss sie sie wieder. Es war zu intensiv. Sie spürte ihn überall, sein Atem strich über ihr Gesicht, sein Oberkörper presste sich gegen ihre Brüste.

Als sie die Augen erneut öffnete, vergewisserte er sich: „Ich weiß, was du gesagt hast, aber bist du dir sicher?“

Der alte Schmerz, der so lange in ihrer Seele geschlummert hatte, begann ein wenig zu verblassen. Logan hatte ihr mehr Chancen gegeben, einen Rückzieher zu machen, als jeder andere Mann es getan hätte. „Ich bin genau da, wo ich sein will.“

„Das freut mich“, sagte er, während er ihr das T-Shirt über den Kopf zog.

Einen Moment lang spürte sie die kühle Meeresbrise auf der Haut, bevor er seine warme Hand auf ihren Rücken legte und sie festhielt.

„Nimmst du die Pille? Ich weiß, dass meine Frage ein wenig abtörnend ist, aber ich will sichergehen.“

Sie nickte. „Kein Problem. Ja, ich verhüte. Außerdem bin ich gesund, also kein Grund zur Sorge.“

„Ich auch. Ich hatte gerade meine jährliche Untersuchung“, erklärte er.

„Gut.“ Sie legte ihm die Hand auf die Schulter. Erneut schaute er ihr in die Augen, und etwas in ihr veränderte sich. Sie wusste, dass sie sich geschworen hatte, endlich mit der Vergangenheit abzuschließen und ihn hinter sich zu lassen, aber irgendetwas fühlte sich neu und anders an. Und wenn sie ehrlich zu sich selbst war, hatte das absolut nichts mit ihrer früheren Beziehung zu tun.

Schnell schob sie den Gedanken beiseite, als Logan sie verführerisch behutsam zu küssen begann. Dies war nicht der Startschuss zu einem Rennen, sondern eher ein vorsichtiges Austesten, ein prickelndes Vorspiel.

4. KAPITEL

Der Whisky hatte Logans Laune nicht wirklich gebessert und ihn nichts vergessen lassen, aber die Berührung von Quinns Lippen tat genau das. Bis auf die feurige Rothaarige in seinen Armen schob er alles beiseite und konzentrierte sich auf sie, als wäre sie ein Millionen-Dollar-Geschäft, das er unbedingt abschließen wollte.

Ihre Lippen waren so verführerisch und ihr Haar war weich und roch wie der Frühling, wenn die Blüten in der Orangerie seiner Mutter erblühten. Er hielt sich zurück, obwohl er sie am liebsten sofort genommen und all seine Hemmungen fallen gelassen hätte. Aber er wusste, dass das zu viel wäre.

Auch wenn sie in ihrem Wettstreit immer in die Vollen gegangen waren, war Logan stets klug genug gewesen, seine dunkelsten Seiten vor ihr zu verbergen. Seine Intensität war schon enorm, wenn er versuchte, sich zurückzuhalten, sodass es Quinn vermutlich überwältigen würde, wenn er aufs Ganze ginge.

Sie saugte an seiner Unterlippe und knabberte leicht daran, was ihn dazu veranlasste, ihren Oberschenkel zu packen und ihr die Hüften entgegenzudrängen. Ihre Haut war so weich und glatt. Langsam ließ er die Hand unter den Saum ihrer Shorts gleiten und streichelte sie, während sie ihn stürmisch küsste und ihn schier um den Verstand brachte.

Schließlich löste er sich ein Stück von ihr und lehnte die Stirn an ihre. Mit beiden Händen umfasste sie sein Gesicht und fuhr mit den Daumen an seinem Kiefer entlang, was ihn fast die Beherrschung kostete. Er wollte, dass diese Nacht mit Quinn ewig dauerte, also durfte er nichts überstürzen. Mehr als diese eine Nacht mit ihr würde er nicht bekommen. So viel war klar.

In Anbetracht seiner derzeitig beschissenen Lebenssituation war dies alles, was sie beide haben konnten. Und es war so wahnsinnig gut, dass er es mit allen Sinnen genießen und sich einfach dem Feuer hingeben wollte, das zwischen ihnen loderte.

„Was machst du da?“, fragte sie, strich mit dem Finger über seine Unterlippe und fachte seine Erregung weiter an.

Er war so hart, dass es ihm äußerst schwerfiel, sich zu beherrschen. Verdammt, Quinn hatte schon immer dafür gesorgt, dass er keine Kontrolle mehr hatte.

„Ich versuche, es langsam angehen zu lassen. Aber ich habe wohl vergessen, wie schnell du mich auf Touren bringst“, murmelte er. Seine Worte sollten beruhigend sein – für ihn selbst. Aber seine Stimme war tief und rau vor Verlangen, und er gab es auf, sich vorzumachen, er könne irgendjemand anders sein als er selbst.

„Tue ich das?“, fragte sie, schob die Hände zwischen ihre Körper und öffnete die Knöpfe seines Hemdes, um einen Kuss auf seine Brust zu hauchen. „Du machst mich heißer und feuchter, als jeder andere Kerl es je getan hat. Irgendwie hatte ich gehofft, ich wäre nicht mehr so verrückt nach dir, aber …“ Ihre Stimme erstarb, und sie stöhnte lustvoll auf.

Schnell streifte er ihr die Shorts ab. Als die nächtliche Brise über ihre Haut strich, fröstelte sie, und er schlang die Arme um sie und zog sie an seine Brust, um sie zu wärmen. Ihre harten Nippel drückten gegen seinen Oberkörper, und die Spitze ihres BHs lag weich auf seiner Haut. Als sie ihm die Arme um den Hals legte, trafen sich ihre Blicke, und einen Moment lang vergaß er alles um sich herum.

Sie ließ das Becken kreisen und rieb sich an seiner gewaltigen Erektion. Kurz davor, endgültig die Beherrschung zu verlieren, warf er den Kopf in den Nacken und flüsterte ihren Namen. Wieder und wieder.

Sie lachte leise, dann spürte er ihre Lippen an seinem Hals, die sich langsam ihren Weg nach unten bahnten. Dabei verlagerte sie das Gewicht und ließ die Hände von seiner Brust zum Beweis seiner Erregung wandern.

Ungeduldig öffnete er ihren BH, streifte ihn ab und ließ ihn achtlos zu Boden fallen. Mit bebenden Fingern griff sie nach dem Reißverschluss seiner Shorts, doch er hielt sie zurück.

Sanft griff er nach ihrer Taille und drehte sie so, dass er sie im Mondschein betrachten konnte. Zwar war es zu dunkel, dass er die unzähligen Sommersprossen auf ihrer Haut sehen konnte, aber er erinnerte sich noch sehr gut daran, dass ihre Brustwarzen eine bräunliche, rosa Farbe hatten. Zärtlich strich er darüber und merkte, wie Quinn unter seiner Berührung erschauerte.

Aufreizend langsam umkreiste er ihren Bauchnabel mit der Fingerspitze und zog vorsichtig an ihrem goldenen Piercing, weil er wusste, dass sie das anmachte. Stöhnend drängte sie sich ihm entgegen und spreizte einladend die Beine, während er damit fortfuhr, sie zu reizen, weil er wollte, dass sie so bereit war wie er.

Jede Berührung brachte ihn näher an den Rand des Wahnsinns – dabei waren sie noch nicht einmal nackt.

Als ihre Lippen sich trafen, fragte er sich unwillkürlich, ob dies nicht nur ein fieberhafter Sommertraum war, denn bis zu diesem Augenblick war ihm nicht bewusst gewesen, wie sehr er diese Frau noch immer begehrte.

Das Besondere an Logan war, dass er nicht nur im Geschäftsleben sehr zielstrebig war, sondern dass sich seine Leidenschaft auf jeden Aspekt seines Lebens bezog. Er liebte Quinn mit der gleichen Intensität, mit der er in der Vorstandsetage einen Deal aushandelte. Kein Teil ihres Körpers wurde übersehen, kein Detail entging seiner Aufmerksamkeit. Und überraschenderweise schien er sich an alles zu erinnern, was sie vor all den Jahren erregt hatte.

Sie schob ihm das Hemd von den Schultern, woraufhin er aufhörte, mit ihrem Bauchnabelpiercing zu spielen. Doch ihr Körper prickelte noch immer, und obwohl Logan gesagt hatte, er wolle es langsam angehen, war sie mehr als bereit, ihn in sich zu spüren. Sie wollte alles vergessen – außer diesem Mann – und diese Nacht zu einer ganz besonderen machen, an die sie sich immer erinnern würde.

Quinn griff nach dem Knopf seiner Shorts, aber...

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