Spiel mit dem Feuer unter griechischen Sternen

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Der griechische Tycoon Alex Andino hat sich zu einem One-Night-Stand mit seiner schönen Feindin Olympia hinreißen lassen – die jetzt sein Kind erwartet!


  • Erscheinungstag 16.07.2026
  • ISBN / Artikelnummer 9783751542791
  • E-Book Format ePub
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Leseprobe

Lucy King

Spiel mit dem Feuer unter griechischen Sternen

1. KAPITEL

Es war der dritte Tag des internationalen Wirtschaftsforums. Dieses Mal fand es in einem Sieben-Sterne-Resort in der Schweiz statt, und die einflussreichsten Macher der Welt nahmen daran teil.

Am Nachmittag hatte Alexandros Andino vor einem vollen Zuschauerraum eine Grundsatzrede über die zukünftigen Trends bei Investitionen zum Klimaschutz gehalten. Auf der Party heute Abend, der letzten geselligen Veranstaltung, bevor alle Gäste morgen Nachmittag abreisten, nippte er langsam an seinem Whisky, umgeben von etwa einem halben Dutzend Menschen, die alle gern mehr über das Thema von ihm erfahren wollten.

Bis eben hätte Alex auch noch viel dazu sagen können. Wenn es um alternative Energien ging, grüne Initiativen oder die rasant steigende Gewinnrate in diesem Sektor, gab es nicht viel, was er nicht wusste.

Aber in diesem Augenblick war er vollkommen abgelenkt.

Sprachlos beobachtete er, wie Olympia Stanhope sich ungeniert an den attraktiven Geschäftsmann Scheich Abdul Karim al-Umani heranmachte – seinen wichtigsten, lukrativsten Kunden. Und er konnte nur einen Gedanken fassen: Jetzt reicht es! Alex war mit seiner Geduld am Ende.

Als Olympia zum ersten Mal in der Investmentfonds-Szene erschienen war – für die exklusive Privatbank Stanhope, die ihrer enorm reichen anglo-griechischen Familie gehörte –, hatte er nicht weiter darauf geachtet. Warum sollte er eine superreiche Göre ernst nehmen, deren Fähigkeiten aus zehn Jahren ständiger Präsenz in den Klatschspalten und sieben Wochen in einer Rehaklinik bestanden? Insgeheim hatte Alex höhnisch gelächelt, als er von ihrer lächerlichen Ernennung im vergangenen November erfahren hatte. Olympia hatte keine Erfahrung mit dem Finanzmarkt. Der Boulevardpresse zufolge, die jeden ihrer Schritte verzeichnete, wusste sie über Geld nur eines – wie man es ausgab. Niemand in der Finanzwelt würde die geringste Notiz von ihr nehmen. Aber ihr älterer Bruder Zander, der das Stanhope-Banking- und Reederei-Imperium leitete, wollte sie wohl bei Laune halten.

Für Alex war es sonnenklar gewesen, dass Zander Stanhope seine kleine Schwester spätestens nach einer Woche wieder zurückpfeifen würde.

Im Rückblick hatte sich diese arrogante Missachtung ihrer Talente als großer Fehler erwiesen. Es war idiotisch von ihm gewesen, anzunehmen, dass Olympia nicht mehr war als ein reiches verwöhntes Partygirl. Er hatte ihre Fähigkeit, hochvermögende Kunden zu verzaubern, sträflich unterschätzt. Statt also in Schimpf und Schande die Finanzwelt zu verlassen und wieder in den Klatschspalten aufzutauchen, wo sie hingehörte, genoss Olympia Stanhope jetzt den Ruf eines Talents. Manche sahen in ihr bereits eine mögliche Schlüsselfigur in einem Bereich, den sie ohne die geringste Vorerfahrung vor nur sechs Monaten betreten hatte.

Im Grunde war es kaum zu fassen.

Doch da die Investoren, die sie für sich gewinnen konnte, relativ kleine Fische waren, war Alex noch immer davon überzeugt, dass sie sich lediglich als Eintagsfliege erweisen würde, und hatte seinen Ärger bis jetzt gezügelt. Zumal er selbst ebenso wenig immun gegen ihren Charme war wie alle anderen. Und das trotz der Tatsache, dass sie von einer Frau abstammte, die er aus tiefster Seele hasste! Für alle Fälle hatte er bislang immer einen so weiten Bogen um Olympia gemacht, dass sie kaum miteinander gesprochen hatten.

Heute Abend allerdings hatte sie den Bogen überspannt. Sie hätte nicht den milliardenschweren Scheich ins Visier nehmen dürfen, dessen Geld er selbst verwaltete!

Das hier ist meine Welt, dachte Alex zähneknirschend, als er ihr tiefes kehliges Lachen hörte und ihn ungewollt ein erregter Schauer überlief. Es war eine Welt, die er vor zwei Jahrzehnten notgedrungen hatte betreten müssen – nach der Affäre ihrer Mutter mit seinem Vater. Die unglückselige Liaison hatte nicht nur zur Zerstörung seiner Familie und dem Abbruch aller Verbindungen mit Leo Stanhope, Olympias ältestem Bruder und seinem damals besten Freund, geführt. Nach der erbitterten und enorm teuren Scheidung seiner Eltern hatte Alex’ Familie auch finanziell fast vor dem Ruin gestanden.

Alex hatte zwanzig Jahre lang Blut und Wasser geschwitzt, um die Reste des Andino-Vermögens in ein milliardenschweres Imperium zu verwandeln. Olympia erschlich sich gerade einen Platz in eine Branche, in der er dominierte. Und das nur, weil sie eine Stanhope war. Das unverdiente Interesse, das sie erregte, war eine schwere Beleidung für all seine harte Arbeit. Jemand musste sie in ihre Schranken weisen!

Alex entschuldigte sich mit einem knappen Nicken bei den Leuten, die ihn umgaben, und machte sich mit wild pochendem Herzen auf den Weg zu ihr.

Olympia stand mit dem Rücken zu ihm. Ihr langes dunkles Haar schimmerte im sanften Licht der Kronleuchter. Ihr übertrieben glitzerndes Kleid aus silbernen Pailletten schmiegte sich eng an ihre Rundungen und wirkte wie ein Leuchtfeuer in einem Meer aus grauen, dunkelblauen und schwarzen Anzügen.

Natürlich muss sie wieder auffallen, dachte Alex grimmig, während er sich einen Weg durch die Menge bahnte und unwillkürlich die Stirn runzelte, als er sah, wie der Scheich ihren Arm berührte. Olympia Stanhope war unglaublich charismatisch. Wie die Mutter, so die Tochter, dachte Alex grimmig, beide extrem gefährlich und unberechenbar.

Er wappnete sich gegen die Wirkung ihrer Nähe, die er ein einziges Mal zu spüren bekommen hatte und die damals ebenso intensiv wie unwillkommen gewesen war.

„Guten Abend, Abdul Karim“, wandte er sich an den Scheich, ignorierte Olympia vollkommen und klopfte dem Mann auf die Schulter, um seine Autorität vorzuführen. „Schön, Sie zu sehen. Verzeihen Sie, dass ich unterbreche, aber könnten Sie uns kurz entschuldigen? Miss Stanhope und ich müssen uns einen Augenblick unterhalten.“

„Jetzt sofort?“ Der Scheich hob die Augenbrauen auf eine Weise, die deutlich zeigte, dass er die Unterbrechung ganz und gar nicht zu schätzen wusste.

„Ich fürchte, es lässt sich nicht aufschieben.“

Abdul Karim musterte ihn einen Moment, doch dann fiel ihm wohl Alex’ harter Ton auf, der so gar nicht zu seiner gelassenen Haltung und dem ungezwungenen Lächeln passen wollte, und er trat einen Schritt zurück. „Dann natürlich.“

„Mr. Andino irrt sich“, warf Olympia mit einem genauso ungezwungenen Lächeln ein. „Wir haben und hatten auch nie etwas miteinander zu besprechen. Wie kennen uns nicht einmal. Ich kann mir nicht vorstellen, worüber er glaubt sich mit mir unterhalten zu müssen.“

„Es geht um etwas sehr Wichtiges“, konterte Alex.

„Morgen früh um neun habe ich eine kleine Lücke in meinem Terminplan“, wandte sie sich mit einem Blick an ihn, der die Sahara mit Eis hätte überziehen können.

„Nicht morgen. Jetzt.“

„Jetzt passt es mir nicht.“

„Die Dringlichkeit der Situation verlangt es.“

„Vielleicht könnten Sie das näher ausführen?“

„Das werde ich auch. Unter vier Augen.“

„So faszinierend dieses Gespräch auch ist“, sagte der Scheich mit einem ironischen Lächeln, „wird es allmählich spät, und ich sollte mich auf den Weg machen. Es würde mich allerdings interessieren, mehr über Ihre Gedanken über die Zukunft der fossilen Brennstoffe zu hören, Alex. Vielleicht passt es Ihnen nächste Woche zum Lunch?“

„Gerne. Ich werde einen Tag vereinbaren.“

„Es war mir eine Freude, Sie kennenzulernen, Miss Stanhope. Ich hoffe, unsere Wege werden sich wieder kreuzen.“

„Darauf können Sie sich verlassen.“

„Guten Abend.“

Mit einem Nicken und Lächeln für jeden ging Abdul Karim weiter. Insgeheim schwor sich Alex, dass sein Kunde und Olympia sich nie wiedersehen würden, wenn er es verhindern konnte. Rasch packte er sie beim Ellbogen, bevor sie ihm entkommen konnte.

„Lassen Sie mich augenblicklich los!“, zischte sie ihn an. Ihr strahlendes Lächeln von eben verschwand, als sie erfolglos versuchte, ihn abzuschütteln. „Was fällt Ihnen ein?“

Alex führte sie entschlossen zum Ausgang hinüber und ignorierte die neugierigen Blicke, die ihnen folgten. Obwohl er sich alle Mühe gab, ihrer Wirkung auf ihn zu widerstehen, betörte ihr Duft bereits seine Sinne. Die Hand, mit der er ihren Arm hielt, fühlte sich an, als würde sie brennen, und sein Puls raste. All das war ärgerlich und unzumutbar und bedeutete, dass er das hier so schnell wie möglich hinter sich bringen musste.

„Dasselbe könnte ich Sie auch fragen.“

„Ich bin es ja wohl nicht, die hier eine Szene verursacht. Wie können Sie es wagen, Ihre Kraft zu benutzen, um mich herumzuschieben, als wäre ich ein Paket? Nehmen Sie sofort die Hand von meinem Arm!“

„Gleich.“

„Das ist unfassbar!“

Er ignorierte ihre Wut, stieß sie regelrecht aus dem Ballsaal hinaus und hielt mit ihr auf einen der Notausgänge zu, dessen Tür in ein schwach beleuchtetes Treppenhaus hinausführte. Hier konnten sie sich ungestört unterhalten. Sobald die Tür hinter ihnen ins Schloss fiel, ließ er ihren Arm los und steckte beide Hände in die Hosentaschen.

Olympia sprang zurück und rieb sich den Ellbogen, während sie ihn finster anfunkelte. „Sie haben mich wie einen Hohlkopf dastehen lassen, Sie herablassender frauenfeindlicher Mistkerl! Monatelang haben Sie alles getan, um mir aus dem Weg zu gehen, und jetzt plötzlich müssen Sie sich mit mir unterhalten? Auf einer Party? Obwohl wir schon seit drei Tagen hier sind und ich im Moment dabei bin, eine Sache anzukurbeln? Was ist denn so dringend?“

Alex spannte sich unwillkürlich an. „Halten Sie sich von meinen Kunden fern, Olympia.“

Sie starrte ihn kurz mit offenem Mund an. „Wie bitte?“

„Sie haben mich schon gehört. Seit Monaten wagen Sie sich unerlaubt auf mein Gebiet, und ich habe es Ihnen durchgehen lassen. Aber als Sie sich heute Abend Abdul Karim genähert haben, sind Sie zu weit gegangen. Das erlaube ich nicht. Also muss es aufhören, und zwar sofort.“

Einen Moment sah Olympia ihn nur sprachlos an. Dann wurden ihre Wangen hochrot, und sie schob rebellisch das Kinn vor. „Ihr Gebiet? Sie haben es mir durchgehen lassen? Ihre Arroganz ist wirklich atemberaubend.“

Das mochte ja sein, aber darum hatte er sich noch nie geschert. „Das hier ist meine Welt, nicht Ihre“, stieß er hervor. „Ich bin seit zwanzig Jahren in diesem Geschäft und inzwischen der größte Hai in diesem Becken. Sie hingegen sind nur ein kleiner Fisch, der im seichten Wasser herumplantscht. Ein unerfahrener Emporkömmling, der aufgrund seines reichen Backgrounds einfach hereinstolziert ist und sich auch noch etwas darauf einbildet.“

„Und doch scheinen Sie mich als Bedrohung zu empfinden“, fuhr sie ihn an, ärgerlicherweise ganz und gar nicht eingeschüchtert.

„Seien Sie nicht lächerlich.“

„Und wissen Sie was? Sie haben Grund, sich wegen des Scheichs Sorgen zu machen. Denn ich kann sehr überzeugend sein, wenn ich will.“

Das konnte er sich gut vorstellen. Wie viele Männer hatte sie schon mit ihren verführerischen dunklen Augen und ihrem Charme, den sie wie eine Waffe einsetzte, um den kleinen Finger gewickelt? Wie viele würden ihr noch zum Opfer fallen? Und warum knirschte er plötzlich mit den Zähnen?

„Der Scheich wird immer mir gehören“, sagte er. „Sehr viel erfahrenere Konkurrenten als Sie haben schon versucht, ihn mir abspenstig zu machen, und haben versagt. Sie verschwenden nur Ihre Zeit.“

„Ach wirklich?“ Sie machte einen Schritt auf ihn zu, und er widerstand nur knapp dem Impuls, vor ihr zurückzuweichen. „Ich bin vielleicht noch nicht sehr lange dabei, und ich weiß, dass ich noch viel lernen muss, aber ich habe nicht die Absicht aufzuhören. Tatsächlich habe ich noch gar nicht richtig angefangen. Es gibt nichts, was ich nicht tun würde, um die Chance zu nutzen, die mir gegeben wurde. Ich habe große Pläne. Also hoffe ich, dass Sie mit ein wenig gesunder Konkurrenz fertig werden können.“

Er weigerte sich, in ihren Worten sein jugendliches Selbst wiederzuerkennen, weil es ihm in seiner Situation gar nicht helfen würde, ihr auch noch Verständnis entgegenzubringen. Alex atmete tief ein und bemühte sich, gelassen zu bleiben. „Machen Sie mich nicht zu Ihrem Feind, Olympia. Sie würden es bereuen.“

„Leere Drohungen“, meinte sie mit einem verächtlichen Achselzucken, das ihn nur noch mehr in Rage versetzte.

„Alles andere als das. Wenn Sie sich mit mir anlegen, tun Sie das auf eigene Gefahr. Halten Sie sich von meinen Geschäften fern, sonst tragen Sie die Konsequenzen. Wenn Sie mich trotzdem weiterhin herausfordern, werde ich zu allen Waffen greifen, die mir zur Verfügung stehen. Ihre Vergangenheit, die Ihrer Familie, alles, was ich über Sie herausfinden kann.“

„Was könnten Sie schon finden, was noch nicht in den Zeitungen breitgetreten worden wäre?“

„Ich warne Sie nicht noch einmal.“

„Und ich lasse mich nicht von Ihnen einschüchtern.“ Sie stützte die Hände auf die Hüften und sah ihn herausfordernd an. „Was genau passt Ihnen eigentlich nicht an mir, Alex? Und versuchen Sie nicht, mir weiszumachen, dass es nicht persönlich ist. Wir beide wissen, dass es das sehr wohl ist. Sie können mich nicht ausstehen, stimmts? Das wurde mir sofort klar, als ich auf der Preisverleihung im vergangenen November versuchte, mich Ihnen vorzustellen. Ich reichte Ihnen die Hand, und Sie sahen mich nur verächtlich an, drehten mir den Rücken zu und gingen einfach weg. Was für eine Abfuhr! Ich glaube nicht, dass ich das je vergessen werde. Und seitdem machen Sie kein Hehl aus Ihrer Abneigung. Wann immer wir uns in die Nähe kommen, weichen Sie mir aus und starren mich nur finster von Weitem an. Wenn Blicke töten könnten! Aber ich begreife es einfach nicht. Wir kennen uns doch gar nicht. Bis heute hatten wir nicht einmal miteinander gesprochen. Habe ich Ihnen auf irgendeine Weise ein Unrecht angetan? Nehmen Sie Anstoß an meinem Ruf? Ich habe einmal mitgehört, dass Sie meinten, ich solle mir eine andere Karriere suchen, mit der ich spielen kann, aber so sehr kann ich Sie doch nicht ärgern, oder? Wie Sie schon sagten, Sie sind der Beste in diesem Geschäft, und das seit Jahren. Wenn Sie die Wahrheit wissen wollen, war Ihr kostbarer Scheich viel mehr daran interessiert, mich zum Dinner einzuladen, als sein Vermögen Stanhope anzuvertrauen. Und glauben Sie mir, ich habe alles versucht. Warum ist es Ihnen also so wichtig, was ich tue? Warum erscheine ich überhaupt auf Ihrem Radar? Was habe ich getan, dass Sie mich so hassen?“

Sie hielt inne, schwer atmend, das Kinn stolz vorgeschoben und Trotz in ihrem Blick. Alex taumelte leicht. Ihre Anschuldigungen hatten ihn tief getroffen und ihre Fragen verunsicherten ihn.

Statt seinen Forderungen mit einer widerwilligen Entschuldigung nachzukommen, war sie zum Angriff übergegangen und hatte die Oberhand gewonnen, etwas womit er nie gerechnet hätte.

Tatsächlich hatte er nie gefürchtet, der Scheich könnte sich von ihm trennen wollen, und Olympia hatte instinktiv erkannt, dass eher ihre Vergangenheit etwas mit seiner Abneigung gegen sie zu tun hatte. Würde er ihr jetzt gestehen müssen, dass er nicht wirklich sie selbst hasste, sondern alles, wofür sie stand?

Sie sah ihrer Mutter so ähnlich, dass er jedes Mal, wenn er sie ansah, wieder an den siebzehnjährigen Jungen denken musste, dessen Leben damals von jener Frau zerstört worden war. Er würde Olympia eingestehen müssen, wie sehr er es hasste, immer wieder an jenen Moment weniger als eine Woche nach der Scheidung zurückzudenken, als er seinen Vater auf dem Küchenboden hatte liegen sehen, die Hand auf die Brust gepresst. Später war seine Mutter schwer an Krebs erkrankt, und Alex war davon überzeugt, dass die Affäre seines Vaters, unter der sie so gelitten hatte, der Auslöser dafür gewesen war. Als wäre das nicht schon unerträglich genug, würde er außerdem noch beichten müssen, dass er Olympia mit jeder Faser seines Körpers begehrte.

Auch Alex erinnerte sich noch genau an den Moment, als sie sich begegneten. Es kam ihm vor, als wäre es gestern gewesen. Als ihre Blicke sich trafen, war ihm gewesen, als hätte er einen Schlag in die Magengrube bekommen. Ihr Lächeln hatte ihn richtiggehend geblendet. Das Verlangen, das ihn durchzuckt hatte, war so überwältigend gewesen, dass er sich sofort hatte in Sicherheit bringen müssen. Wenn er ihre Hand ergriffen hätte, hätte er sie an sich gezogen. Er hätte sie auf den Mund geküsst, als wären sie allein auf der Welt und das Überleben der menschlichen Rasse hinge von ihnen beiden ab.

Noch nie hatte er solche Angst gehabt, die Kontrolle über sich zu verlieren. Zutiefst schockiert über seine Reaktion auf sie – der Gedanke, die Geschichte könnte sich in der nächsten Generation wiederholen, war unvorstellbar entsetzlich –, hatte er sofort die Flucht ergriffen.

Seitdem hatte er sich gelobt, Abstand zu Olympia Stanhope zu halten. Und er hatte es auch getan. Bis heute, wo sie kaum einen halben Meter voneinander entfernt dastanden und sich anstarrten. Die Atmosphäre war so geladen, dass es schien, als gäbe es keinen Sauerstoff mehr. Plötzlich wurde ihm so heiß, so schwindlig, dass er sich nicht mehr erinnern konnte, was sie ihn gefragt hatte.

Ihre Nähe schien ihn alles vergessen zu lassen. Trotz der Bedrohung, die sie für sein wohlgeordnetes Leben darstellte, wollte er sie an sich reißen und an die Wand drücken. Er wollte sie überall berühren, bis sie sich seufzend an ihn schmiegte, die Arme auf seine Schultern legte und seinen Namen stöhnte. Als sie mit der Zungenspitze über die Unterlippe fuhr, wurde das Bedürfnis, sie zu küssen, so dringend, dass er sich bewusst dazu zwingen musste, sich nicht vorzubeugen und einfach zu nehmen, was er wollte.

„Ah“, sagte sie so atemlos, dass er unwillkürlich an zerdrückte Laken und nackte Körper denken musste. „Jetzt verstehe ich.“

Augenblicklich erwachte er aus seinem Trancezustand. Olympia sah nicht mehr wütend und herausfordernd aus, sondern eher erstaunt und schließlich sogar selbstzufrieden. „Was verstehen Sie?“

„Sie wollen mich.“

Er erstarrte. So leicht konnte er doch nicht zu durchschauen sein, oder? „Wie bitte?“

„Sie fühlen sich zu mir hingezogen.“ Sie ließ den Blick mit einer Intensität über ihn gleiten, die ihm den kalten Schweiß auf die Stirn trieb, obwohl er innerlich brannte. „Es hat keinen Zweck, es zu leugnen. Alles deutet darauf hin. Ihre Pupillen sind geweitet. Der Puls an Ihrem Hals pocht, und gerade eben konnten Sie den Blick nicht von meinem Mund nehmen. Und ich vermute mal, weil Sie so wenig von mir halten, von der ‚verwöhnten Promi-Prinzessin‘ – Ihre Worte, wie Sie sich erinnern werden –, passt Ihnen das gar nicht. Sie wollen mich gegen Ihren Willen, und das ist es, was Sie hassen.“

Einen Moment lang war Alex sprachlos. Sie hatte den Nagel so genau auf den Kopf getroffen, dass ihm nichts anderes übrig blieb als zu leugnen. „Sind Sie völlig verrückt geworden?“

„Ganz im Gegenteil. Es könnte nicht offensichtlicher sein. Und wissen Sie, was ich außerdem denke? Dass es nicht nur um meinen skandalösen Ruf ging und um die Tatsache, dass mein Bruder mir einen Job gab, für den ich, zugegeben, nicht genügend Erfahrung habe. Es geht darum, dass Sie nicht wissen, wie Sie mit mir fertig werden sollen.“

„Was für eine Fantasie“, bluffte er.

„Vielleicht. Aber sollte ich recht haben, und da bin ich ziemlich sicher, würde es erklären, was im Ballsaal vorhin passiert ist.“

„Inwiefern?“, fragte er, bevor er sich bremsen konnte.

„Sie waren eifersüchtig. Auf den Scheich. Und ich verstehe, wie es für Sie ausgesehen haben musste. Wir standen dicht nebeneinander, was zwar nur an der schlechten Akustik im Raum lag, aber Sie mussten Ihre Ansprüche geltend machen. Er ist immerhin eine berüchtigter Frauenheld.“

Was für ein Blödsinn, dachte Alex gereizt. Natürlich war er nicht eifersüchtig. Erstens hatte er keine Zeit für so etwas, und außerdem würde es bedeuten, dass er besitzergreifende Gefühle für Olympia hatte. Und das war so weit von jeder Wahrheit entfernt, dass es schon zu einer anderen Galaxie gehörte.

Andererseits würde es den scharfen Stich erklären, der ihn durchzuckt hatte, als er sie und den Scheich zusammen gesehen hatte. Und den Drang, dem Scheich die Finger zu brechen, als dieser die Hand auf Olympias Arm gelegt hatte.

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