Julia Gold Band 62

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INSELPARADIES IM BLAUEN MEER von JAMES, JULIA
Keine Frau fasziniert den Millionär Theo Atrides so wie Leandra. Doch sie ist die Geliebte seines Cousins - und für ihn tabu! Durch eine List seines Großvaters sitzt er plötzlich mit Leandra auf seiner Privatinsel fest. Kann Theo dem verbotenen Verlangen widerstehen?

DER SONNE ENTGEGEN von GRAHAM, LYNNE
Empört erwischt der Unternehmer Dio Alexiakis die junge Ellie beim Lauschen vor seinem Büro. Da er vermutet, sie sei die Spionin eines Konkurrenten, nimmt er sie mit in sein Domizil unter griechischer Sonne! Dort merkt Dio, dass von Ellie eine ganz andere Gefahr ausgeht …

DU GEFÄLLST MIR VIEL ZU SEHR von BAIRD, JACQUELINE
Ein Mann zum Dahinschmelzen! Auf den ersten Blick hat sich Lisa in den charmanten Griechen Alex Solomos verliebt. Schon nach vier Wochen heiratet sie ihn und verlebt traumhafte Flitterwochen an der Ägäis - dann das Erwachen: Alex trifft sich noch mit seiner Exfreundin!


  • Erscheinungstag 15.05.2015
  • Bandnummer 0062
  • ISBN / Artikelnummer 9783733704995
  • Seitenanzahl 448
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Julia James, Lynne Graham, Jacqueline Baird

JULIA GOLD BAND 62

JULIA JAMES

Inselparadies im blauen Meer

Die glühenden Blicke von Theo Atrides zeigen der Schauspielerin Leandra, wie sehr er sie begehrt. Ausgerechnet dieser sexy, aber arrogante Tycoon entflammt ihre Leidenschaft. Denn Theo hat sie in seine Villa am Mittelmeer entführt! Auf dem paradiesischen Eiland fällt es ihr immer schwerer, sich der sinnlichen Ausstrahlung des Griechen zu entziehen …

LYNNE GRAHAM

Der Sonne entgegen

Ihre Freundin hatte Ellie eingeschärft, sich beim Saubermachen von den Räumen des Chefs fernzuhalten. Dort hat Dio Alexiakis sie entdeckt – und wirft ihr vor, Firmengeheimnisse zu verkaufen. Ihren Unschuldsbeteuerungen glaubt der Milliardär nicht. Von nun an will er sie nicht mehr aus den Augen lassen. Warum bloß erfasst Ellie bei den Worten ein wohliger Schauer?

JACQUELINE BAIRD

Du gefällst mir viel zu sehr

Entschlossen versucht der griechische Geschäftsmann Alex, seine Ehefrau Lisa von seiner Treue zu überzeugen, nachdem sie ihm vermeintlich mit einer seiner Verflossenen überrascht hat. Allerdings will Lisa am liebsten nichts mehr von ihm wissen und möchte nur noch eines: die Scheidung! Wie kann Alex ihr beweisen, dass sein Herz einzig und allein ihr gehört?

1. KAPITEL

Umgeben von einer Aura des Reichtums und der Macht, stand Theo Atrides auf dem Podest der breiten, weit geschwungenen Treppe. Seine dunklen Augen verengten sich, als er in den überfüllten Bankettsaal des Hotels schaute.

Dort unten wogte eine Menschenmenge – Männer in schwarzen Smokings und Frauen in Abendkleidern, die in allen Regenbogenfarben leuchteten. An der Decke wetteiferten die prächtigen Kristalllüster mit dem Glitzern der im Saal zur Schau getragenen Juwelen.

Von seinem Aussichtspunkt aus ließ Theo seinen wachsamen Blick über die versammelte Gästeschar wandern. Plötzlich schien sein kraftvoller Körper sich zu spannen.

Ja, sie waren da! Alle beide.

Aufmerksam musterte er die Frau, und es zuckte um seine Mundwinkel.

Sie wollte auffallen, daran bestand kein Zweifel. Sie war mittelgroß, mit einer schlanken und dennoch sehr weiblichen Figur, die sie bewusst zur Schau stellte. Die blonden Haare fielen ihr in weichen Wellen über den bloßen Rücken. Ihr Teint war hell wie eine schimmernde Perle und bildete einen aufregenden Gegensatz zu dem knappen schwarzen Kleid, das so tief ausgeschnitten war, dass es die zarten Knospen ihrer Brüste kaum verhüllte. Auch der kleine straffe Po zeichnete sich unter dem eng anliegenden Rock ab, der ihre aufregend langen Beine nur bis zur Mitte der Oberschenkel bedeckte. Ihre Füße steckten in provokanten schwarzen Stilettos. Ein perfektes Outfit, das zum Ausziehen verführte.

Lachend warf die Frau den Kopf zurück, sodass ihre herrlichen Haare über den nackten Rücken fielen und die blitzenden Diamanten an ihren Ohrläppchen sichtbar wurden.

Theo war nicht nah genug, um ihr Gesicht zu erkennen, aber er spürte, wie sich Begehren in ihm regte.

Die heiße Sehnsucht, die in ihm aufstieg, mischte sich mit Zorn. Frauen wie diese bedeuteten nichts als Schwierigkeiten – vor allem für die Männer, die sich in ihrem Netz verfingen.

Langsam ging er die Treppe hinunter.

Noch nie zuvor in ihrem Leben hatte sich Leandra derart entblößt gefühlt. Bei jedem Atemzug fürchtete sie, dass der tiefe Ausschnitt ihre Brüste schließlich doch noch völlig freigab. Und bei jeder Beinbewegung hatte sie das Gefühl, der enge Rock rutsche ihr fast bis zum Po empor. Chris musste verrückt sein, sie in ein solches Kleid zu stecken! Doch er hatte darauf bestanden, dass sie so aufreizend aussehen sollte, wie es nur irgend ging, sonst wäre die ganze Maskerade vollkommen sinnlos.

Aber Leandra fand es grässlich, wie sie in dem provokanten Aufzug wirkte. Sie holte schnell und tief Luft, so wie sie es immer tat, um ihr Lampenfieber zu bezwingen. Schließlich ist das hier nichts anderes als ein Bühnenauftritt, sagte sie sich. Auch wenn diese glanzvolle Wohltätigkeitsgala in einem der Londoner Tophotels nicht gerade zu den Gelegenheiten gehörte, bei denen sie üblicherweise anwesend war.

Sie war eher an Kellertheater und Kleinbühnen gewöhnt – das normale Los einer unbekannten Schauspielerin. Nun jedoch stand sie dank Chris neben einem gut aussehenden jungen griechischen Millionär, und ihr war beinahe schlecht vor Aufregung.

Demos Atrides, der die englische Filiale des riesigen Atrides-Firmenimperiums leitete, lächelte ihr beruhigend zu. Leandra strahlte übers ganze Gesicht, so wie es ihre Rolle erforderte.

Sie mochte ihn, und das nicht nur wegen Chris. Trotz seines Reichtums war Demos eher schüchtern. Nicht nur sie scheute die bevorstehende Konfrontation.

Ob ihr kleines Schauspiel überzeugend genug war? Leandra schluckte. Ich darf sie auf keinen Fall enttäuschen, schoss es ihr durch den Kopf, immerhin bin ich ausgebildete Schauspielerin.

Demos berührte sie leicht am Arm, und sie zuckte ein wenig zusammen.

„Er ist da“, sagte er mit seiner sanften, melodischen Stimme, ohne den griechischen Akzent verbergen zu können. Seine Miene war angespannt.

Leandra holte noch einmal tief Luft. „Na, dann mal los!“, meinte sie.

Während er auf sie zuging, merkte Theo, wie seine Stimmung sich verdüsterte. Eigentlich hatte er gar nicht hier sein wollen, aber sein Großvater Milo hatte auf seinem Kommen bestanden. Als Patriarch des Atrides-Clans war er es gewohnt, seinen Willen durchzusetzen. Deshalb nahm er es sich auch so zu Herzen, dass sein jüngerer Enkel sich weigerte, sich ihm zu beugen.

An sich sah es Demos gar nicht ähnlich, Ärger zu machen. Er hatte immer alles getan, was Theo von ihm verlangt hatte, und führte das Londoner Büro fleißig und mit großer Kompetenz. Seine Affären hatte er immer höchst diskret behandelt; selbst Theo wusste nichts darüber.

Warum also all das Theater wegen dieser Frau?

Theo presste den Mund zusammen. Der Grund war unübersehbar – blond, üppig und sehr sexy. Kein Wunder, dass sein Cousin nicht nach Hause kommen wollte, um Sofia Allessandros zu heiraten, die Frau, die sein Großvater für ihn bestimmt hatte. Welcher Mann würde schon eine solche Geliebte aufgeben?

Demos spürte eine schwere Hand auf seiner Schulter, und einen Moment lang fühlte er sich wie beim Anbruch des Jüngsten Gerichts. Dann hatte er sich wieder gefasst.

„Theo!“, rief er mit erzwungener Freude aus. „Schön, dich zu sehen! Meine Sekretärin sagte mir, dass du angerufen hast, um zu fragen, wo ich heute Abend sei.“ Er blickte seinem Cousin über die Schulter. „Wo ist Milo?“

„Er ruht sich aus“, entgegnete dieser knapp. „Der Flug war anstrengend für ihn. Du hättest ihm das ersparen sollen, Demos.“

Demos errötete leicht. „Es war nicht notwendig, dass er kommt“, gab er in abwehrendem Ton zurück.

„Ach nein?“

Theo wandte seinen Blick der Frau zu, die wie eine Klette an Demos’ Arm klebte. Als er vor ein paar Minuten zum ersten Mal ihr Gesicht gesehen hatte, war es, als habe er einen Schlag in die Magengrube bekommen. Sie war nicht im Geringsten das, was er erwartet hatte. Er hatte angenommen, dass diese Frau mit dem auffallend sexy Körper ein ausdrucksloses Gesicht haben würde. Stattdessen schaute sie ihn mit wachen bernsteinfarbenen Augen an. Sein Blick verfing sich in ihrem, obwohl sie viel zu viel Lidschatten aufgelegt hatte und die Wimpern übermäßig stark getuscht waren. Theo betrachtete das dick aufgetragene Make-up, aber selbst dies vermochte ihre fein geschnittenen Züge mit den hohen Wangenknochen und der geraden Nase nicht zu verbergen. Ebenso wenig, wie der dunkelrote Lippenstift über die sanft geschwungene Linie ihres Mundes hinwegtäuschen konnte.

Am liebsten hätte Theo ein Tuch genommen und all die Schminke abgewischt, die diese außergewöhnliche Schönheit verdeckte.

Für den Bruchteil einer Sekunde empfand er etwas, das nichts mit seiner unmittelbaren und nur allzu leicht zu durchschauenden Reaktion auf die Reize der Frau vor ihm zu tun hatte. Etwas, das ihn beunruhigte, ihn berührte …

Rasch rief er sich zur Vernunft. Es spielte keine Rolle, was er von Demos’ Geliebter hielt. Das Einzige, was zählte, war, dass er seinen Cousin von ihr trennte und nach Athen zu seiner Verlobung mit Sofia Allessandros brachte.

Alle erwarteten dies. Besonders Milo wollte unbedingt den Fortbestand der Familie in der nächsten Generation sichern. Theo wusste, dass sein Großvater sich nie von der Tragödie vor acht Jahren erholt hatte, als seine beiden Söhne und deren Ehefrauen bei einem Absturz des Privatjets der Atrides-Familie ums Leben gekommen waren. Theo selbst war kaum Zeit zum Trauern geblieben. Im Alter von vierundzwanzig Jahren hatte er plötzlich vollkommen allein das gesamte Atrides-Imperium leiten müssen, da Milo nach dem Verlust einen Schlaganfall erlitten hatte, der ihn fast das Leben gekostet hätte.

Geschäftskonkurrenten hatten ihre Chance gewittert. Doch Theo hatte sie alle erfolgreich abgewehrt, und jetzt war der Atrides-Konzern größer und vermögender als je zuvor. Heute wagte niemand mehr, seinen mächtigen Chef herauszufordern.

Nur ein Erbe für die nächste Generation wurde noch gebraucht. Milo hatte recht.

Doch eine Heirat war nichts für Theo. Falls irgendjemand Milo den ersehnten Urenkel schenken würde, mussten es Demos und Sofia sein. Und was dieses Flittchen betrifft, das so dekorativ an Demos’ Arm hängt … Tja, die muss sich nun eben einen neuen reichen Lover suchen, dachte Theo.

Wieder ließ er den Blick über sie gleiten. Bei diesem Aussehen dürfte ihr das wohl kaum schwerfallen …

Leandra starrte den Mann an, der sie mit dunklen, halb geschlossenen Augen musterte. Er war nicht nur in geradezu unverschämter Weise mit körperlichen Vorzügen ausgestattet, sondern besaß zudem eine atemberaubende sexuelle Anziehungskraft. Du liebe Güte, er war einfach umwerfend!

Von Demos hatte sie genug über den großen bösen Cousin Theo gehört.

Er war nicht nur ein harter Geschäftsmann. Frauen scharten sich um Theo Atrides, und er nahm sich diejenigen, die ihm gefielen, vergnügte sich mit ihnen und ließ sie dann fallen, um sich neuen Reizen zuzuwenden. Leandra konnte es verstehen. Es war nicht nur, weil dieser Mann steinreich war. Theo Atrides hätte Frauen auch dann massenweise angelockt, wenn er keine einzige Drachme besessen hätte!

Leandra fühlte sich hilflos unter dem Eindruck seiner physischen Gegenwart – von der gebieterischen Körpergröße bis hin zu dem feinen, betörenden Duft seines Aftershaves, gepaart mit herber, kraftvoller Männlichkeit. Die Fotos, die sie von ihm gesehen hatte, hatten sie keineswegs auf den echten Theo Atrides vorbereitet.

Da Demos’ gutes Aussehen sie nicht im Mindesten interessierte, hatte sie angenommen, dass sie seinem Cousin gegenüber ebenso immun sein würde.

Ein großer Fehler! Theo Atrides besaß markantere Züge, seine scharfen, tief liegenden Augen waren dunkler als die seines sechsundzwanzigjährigen Cousins und auch sehr viel ausdrucksvoller. Seine Nase war schmal und gerade, die hohen Jochbeine ausgeprägt, und das Kinn wirkte wie gemeißelt. Sein Mund war nicht so weich und voll wie der von Demos, sondern breit und beweglich und, wie Leandra mit einem unbehaglichen Gefühl feststellte, unglaublich sinnlich.

Um sich zu schützen, setzte sie den leeren Gesichtsausdruck eines Flittchens auf, der zu ihrer Rolle passte. Das gestattete ihr, ihn so zu betrachten, wie sie es wollte.

Nicht dass sie davon ausging, er würde sie auch nur ein zweites Mal anschauen. Alle seine Frauen waren entweder selbst Berühmtheiten – einige Supermodels, eine Opernsängerin, eine Oscarpreisträgerin –, entstammten dem europäischen Adel oder waren Sprösslinge amerikanischer Wall-Street-Magnaten.

Doch Theo Atrides musterte Demos’ Geliebte überaus gründlich. Während sie seinen prüfenden Blick beinahe körperlich spürte, merkte Leandra, dass ihr die Knie weich wurden. Ihr stockte der Atem, und ihr Herz schien zu stolpern. Kurz bevor sie endgültig dahinzuschmelzen drohte, wurde ihr bewusst, mit welch unverhohlener Geringschätzigkeit er sie betrachtete. Es war eindeutig, was er von Frauen hielt, die derart offenherzig gekleidet waren wie sie.

Einerseits hätte Leandra am liebsten das nächste Tischtuch gepackt und sich damit bedeckt. Andererseits hätte sie dem unverschämten Kerl nur allzu gern eine saftige Ohrfeige verpasst!

Stattdessen verhielt sie sich ihrer Rolle entsprechend. „Demos“, säuselte sie, wobei sie sich noch enger an ihn presste, „wer ist denn dieser unwahrscheinlich attraktive Mann?“

Leandras leichte Atemlosigkeit war nicht nur gespielt. Ihr Körper schien außer Kontrolle geraten zu sein und reagierte auf Theo Atrides in einer Weise, wie sie es noch nie zuvor erlebt hatte. Es war erschreckend und aufregend zugleich.

Demos wollte antworten, doch sein Cousin kam ihm zuvor.

„Theo Atrides“, murmelte er, seine Stimme tief und rau, der starke griechische Akzent unverkennbar. An Demos gewandt, erkundigte er sich: „Und dies ist …?“

Glaubt er etwa, ich kann nicht für mich selbst sprechen? dachte Leandra verärgert.

„Leandra“, stellte Demos zögernd vor.

„Ross“, ergänzte sie mit einem leicht schneidenden Unterton und streckte die Hand aus.

„Leandra“, wiederholte Theo Atrides gedehnt. „Sie sind entzückend, Leandra. Ganz und gar hinreißend.“

Der Blick seiner dunklen Augen mit den schweren Lidern glitt erneut über ihren Körper, und sie hatte das Gefühl, als würde Theo ihr jedes Kleidungsstück einzeln ausziehen. Dann ergriff er ihre Finger mit den dunkelrot lackierten Nägeln.

Seine Berührung war elektrisierend. Leandra erbebte unwillkürlich. Seine große Hand fühlte sich warm, glatt und kräftig an. Ihre eigene wirkte zerbrechlich darin und unglaublich hell im Kontrast zu seiner olivfarbenen Haut.

Ohne Eile hob Theo sie an. Doch anstatt höflich ihre Knöchel mit dem Mund zu streifen, wie sie es erwartete, drehte er ihre Hand um.

Als er die Innenfläche mit leicht geöffneten Lippen berührte, hatte Leandra das Gefühl, dass ihre Nervenenden förmlich explodierten. Sanft und sinnlich glitt er mit der Zunge über ihre Haut. Leandra spürte, wie ein Schauer der Erregung ihren gesamten Körper durchlief. Plötzlich fühlte sie seine Zungenspitze zwischen ihren Fingern.

Schock, Empörung und aufflammende sexuelle Erregung raubten ihr den Atem. Sie war außerstande, sich zu bewegen, auch nachdem er sie losgelassen hatte.

Dann riss sie hastig ihre Hand zurück. Es war, als ob ihre Haut Feuer gefangen hätte, und einen Moment lang schien sich die Welt um sie her zu drehen.

Hilflos und mit leicht geöffnetem Mund starrte sie Theo Atrides an, der ihr zulächelte. Es war ein vertrauliches, wissendes, nachsichtiges Lächeln.

Sie stand kurz davor, blindlings zu ihm zu gehen, sich an seinen schlanken, durchtrainierten Körper zu schmiegen und sich ihm vollständig hinzugeben. Wie von einem Magneten wurde sie von ihm angezogen.

Doch sie musste widerstehen! Schließlich war sie hier, um die Geliebte seines Cousins zu spielen, weiter nichts. Nur mit größter Willensanstrengung gelang es ihr, sich zurückzuhalten.

Thee mou, dachte Theo, als sie zögernd zurückwich. Die Frau steht ja geradezu in Flammen! Unvermittelt entstand ein Bild vor ihm, wie sie unter ihm lag – nackt und voller Sehnsucht nach ihm – und sich ihm leise stöhnend hingab. Aber er wehrte die Vorstellung heftig ab. Das hier war nicht der richtige Zeitpunkt, um sexuelles Interesse an einer Frau zu entwickeln, die eine Bedrohung für die Stabilität seiner Familie und ihrer Zukunft darstellte! Ihre glühende Reaktion auf seine absichtliche erotische Provokation hatte nur bewiesen, dass ihre Gefühle für Demos sie keineswegs davon abhielten, auch anderen Männern gegenüber aufgeschlossen zu sein. Treu war sie mit Sicherheit nicht!

Theo wandte sich wieder seinem Cousin zu, und Leandra fragte sich, weshalb sie sich auf einmal verloren anstatt erleichtert fühlte.

„So“, sagte Theo in amüsiertem Ton zu Demos, „das ist es also, was dich so lange in London festhält. Ich verstehe! Ich muss sagen, ich bin nicht überrascht, jetzt, da ich diesen reizenden weiblichen Leckerbissen kennengelernt habe …“ Erneut ließ er den Blick schamlos über sie gleiten. „Aber …“ Gebieterisch hielt er die Hand hoch. „Alle guten Dinge haben irgendwann ein Ende. Sofia wartet auf dich. Es ist Zeit, nach Hause zu kommen.“

Demos war angespannt. „Ich bin noch nicht bereit dazu“, entgegnete er kurz. Seine sonst so sanfte Stimme klang gepresst.

„Dann mach dich bereit!“, erwiderte Theo unnachgiebig. Er ergriff seinen Cousin mit sanftem Nachdruck bei der Schulter und drehte ihn ein wenig von Leandra fort, als sei sie ein unerwünschter Eindringling.

Um sie noch mehr auszuschließen, sprach er schnell und leise auf Griechisch weiter.

„Milo wird uns bald verlassen, Demos. Es ist nur noch eine Frage der Zeit. Seine Ärzte wissen das, und er weiß es auch. Er ist alt und hat in seinem Leben schon zu viel ertragen müssen. Tu ihm das nicht an! Komm nach Hause und verlobe dich mit Sofia! Das ist alles, worum er dich bittet. Er möchte einfach sicher sein, dass die Familie in der nächsten Generation weiter bestehen wird. Du kannst es ihm nicht übel nehmen, dass er sich Sorgen macht. Er weiß wahrhaftig, wie unberechenbar das Leben ist! Er muss sicher sein, dass bald ein Urenkel unterwegs ist. Er braucht einen Erben.“

Steif gab Demos zurück: „Milo hat zwei Enkel, Theo. Warum tust du ihm nicht diesen Gefallen?“

Theos Miene verdüsterte sich. „Ich bin nicht der Typ zum Heiraten, kleiner Cousin.“

„Und was ist, wenn ich es auch nicht bin?“

„Was soll das heißen?“, fragte Theo argwöhnisch.

Sekundenlang sah Demos ihn nur an, als wolle er etwas sagen. Doch dann streifte er lediglich Theos Hand von seiner Schulter ab. „Das heißt, dass ich noch meinen Spaß haben will. Ich bin noch nicht so weit, dass ich heiraten möchte, und schon gar nicht Sofia Allessandros!“ Sein Tonfall wurde drängend. „Sorg dafür, dass Milo das einsieht, Theo! Bitte!“

Zorn flammte in Theo auf. Zorn auf beide – auf Milo, weil er sich in anderer Leute Angelegenheiten einmischte, und auf Demos, weil er darauf bestand, sein eigenes Leben zu führen, obwohl er eine Verantwortung trug. Und ganz besonders Zorn auf die junge Frau, die an Demos’ Arm hing und die Ursache für all diese Probleme war.

Theo wollte fort von hier, fort von den endlosen familiären und geschäftlichen Anforderungen. Am liebsten irgendwohin, wo es nichts zu tun gab, als über die blaue Ägäis zu schauen, den Zikaden zu lauschen, den intensiven Duft der Macchia einzuatmen und den leichten Südwind auf seinem Körper zu spüren. Mit einer weichen, anschmiegsamen Gespielin in seinen Armen … So wie die an Demos’ Seite …

Energisch verbannte er diese gefährlich verlockende Vorstellung.

„Genug!“ Er machte eine kurze, brüske Handbewegung. „Ich erwarte dich morgen, Demos. Milo möchte dich um neun Uhr sehen. Wir wohnen in der Penthousesuite hier im Hotel. Sei bitte pünktlich!“ Finster sah er zuerst seinen Cousin an und dann Leandra. „Und sieh zu, dass du heute Nacht etwas Ruhe bekommst!“, erklärte er, nun wieder auf Englisch.

An seinem Blick war deutlich zu erkennen, was er dachte. Welcher Mann würde schon schlafen wollen, wenn er eine Frau wie sie an seiner Seite hätte?

Doch Leandra war ohne jede Bedeutung. Bald würde ihr Eindringen in seine Familienangelegenheiten ein Ende haben, und zwar für immer.

Demos Atrides öffnete die Tür zu seinem Apartment und ließ Leandra eintreten. Sofort wurde sie heftig umarmt.

„Na?“, fragte der außerordentlich gut aussehende, blonde junge Mann in einem Ton langjähriger Vertrautheit. „Wie ist es gelaufen? Ist er aufgetaucht?“

Leandra machte sich los, warf ihre Handtasche auf das seidenbezogene Sofa und schleuderte einen ihrer hohen Pumps von sich. Die Füße taten ihr höllisch weh. Sie schwieg.

„Oh ja, er ist aufgetaucht!“, antwortete Demos an ihrer Stelle.

„Und?“, wollte der andere Mann wissen. „Hat er es geschluckt?“

Demos lachte kurz auf. „Absolut.“

Der Blonde lachte und zeigte dabei makellos weiße Zähne. Leandra lachte ebenfalls, wenn auch ironisch.

„Lieber Himmel, Chris!“, meinte sie bissig, zog den zweiten Schuh aus und massierte die schmerzenden Knöchel. „Dank dieses Kleides, in das du mich reingezwängt hast, hat Theo Atrides mich angesehen, als wäre ich ein billiges Flittchen!“

Ein Frösteln überlief sie bei der Erinnerung daran, wie er sie mit Blicken ausgezogen hatte …

Doch Chris war begeistert. „Das ist ja toll, Lea … Genau das, was wir erreichen wollten! Er muss glauben, dass Demos total von seiner sexy Geliebten besessen ist. Apropos sexy …“ Er nahm sie bei den Schultern. „Schatz, du siehst zum Anbeißen aus! Lecker!“

Aber Leandra war nicht in der Stimmung für solche Albereien. „Hör auf, Chris!“ Sie machte sich los und strebte auf das Badezimmer zu. „Ich muss mich unbedingt von diesem lächerlichen Outfit befreien!“

Der Abend war anstrengender gewesen, als Leandra gedacht hatte. Daran war nur dieses verflixte Kleid schuld – und Theo Atrides! Sie stieg aus der Dusche und trocknete sich ab. Es war ihr so einfach und außerdem als eine gute Tat erschienen, sich als Demos’ Geliebte auszugeben. Sie hatte lediglich in das Gästezimmer in seinem Luxusapartment ziehen und die letzten drei Wochen so tun müssen, als lebe sie mit ihm zusammen. So lange, bis seine Familie begriffen hatte, dass er nicht nach Hause kommen würde, um Sofia Allessandros zu heiraten.

Leandra betrachtete ihr Spiegelbild, während sie sich die Knoten aus dem nassen Haar kämmte. Ob der Auftritt heute Abend wohl überzeugend genug gewesen war? Würden sie ihn jetzt endlich in Ruhe lassen?

Sie hoffte es, denn eine weitere Begegnung mit Theo Atrides würde sie nicht ertragen können.

Ohne dass sie wusste, warum, war ihr plötzlich traurig zumute. Theo Atrides war der attraktivste Mann, dem sie je begegnet war, doch er hatte in ihr nichts weiter gesehen als eine billige Sexgespielin.

Aber was, wenn es nicht so gewesen wäre?

Sie hielt mit dem Kämmen inne und überließ sich ihren Fantasien. Sie sah sich selbst in einem schwarzen langen Samtkleid, eine weiße Rose im dezenten Ausschnitt, das Haar zu einem eleganten Nackenknoten gebunden, das Gesicht nur mit einem leichten Make-up geschminkt, eingehüllt von dem sinnlichen Duft eines exklusiven Parfüms …

Wenn ich so ausgesehen hätte, dann hätte Theo Atrides mich vielleicht anders angeschaut, dachte Leandra verträumt. Sinnlich ja, aber ohne diese beleidigende Verachtung in seinem Blick. In seinen dunklen Augen hätte sich nichts anderes gezeigt als das Begehren eines Mannes für eine Frau – so alt wie die Welt, ein ewiger Hunger, der danach verlangte, gestillt zu werden.

Sie seufzte, verzaubert von ihrer eigenen Vision. Dann jedoch wurde sie wieder nüchtern. Kleine Schauspielerinnen waren nicht seine Sache, gleichgültig, was sie trugen. Und selbst wenn, sagte sie sich, würde es ihnen auch nichts nützen. Er lässt sie ja doch alle fallen.

Entschlossen wandte Leandra sich wieder ihren Haaren zu und begann sie energisch zu kämmen, so als wolle sie etwas herausreißen, was gerade in ihr Wurzeln geschlagen hatte – ein Unkraut, das zwar wie eine Orchidee aussah, aber in Wirklichkeit nichts anderes war als eine Giftpflanze.

Als sie ins Wohnzimmer kam, tranken Chris und Demos Kaffee. In einen Bademantel gehüllt, schenkte sich Leandra auch eine Tasse ein und ließ sich dann neben Chris aufs Sofa fallen. Er legte ihr den Arm um die Schultern.

„Geht’s dir jetzt besser?“, fragte er mitfühlend.

Sie nickte. „Ja. Tut mir leid, aber ehrlich, so wie du mich aufgetakelt hast … Ich habe mich so nackt gefühlt! Und Demos’ Cousin hat mich angeguckt, als wäre ich ein absolutes Flittchen! Es war grauenvoll!“ Sie holte tief Atem. „Aber jetzt ist ja alles vorbei, dem Himmel sei Dank! Ach, Demos!“ Leandra warf ihm die Diamantohrringe zu. „Da, bitte sehr!“

Er fing sie auf und legte sie auf den Couchtisch, ehe er Leandra direkt ansah. „Danke, Lea! Tausend Dank! Und es tut mir leid, dass mein Cousin sich dir gegenüber so respektlos verhalten hat“, meinte er verlegen.

Sie winkte ab. „Schon gut“, versuchte sie es herunterzuspielen. „Ich werd’s überleben. Und außerdem war das ja unser Plan, dass ich aussähe wie die Sexgespielin eines reichen Mannes. Eigentlich sollte ich froh sein, dass er es geglaubt hat!“

Oh ja, in der Tat hatte Theo Atrides sie für eine Sexgespielin gehalten. Sie starrte in ihre Kaffeetasse. Ein Schauer überlief sie, als sie sich bemühte, die Erinnerung an ihn, an sein Bild, abzuschütteln.

„Lea, bist du okay?“

Sie blickte auf. „Ja, klar, mir geht es gut. Ich bin nur ein bisschen müde.“

Forschend sah Chris sie an. „Ist dir der Mistkerl unter die Haut gegangen?“, fragte er leise.

Demos zuckte ein wenig zusammen bei dieser ungnädigen Beschreibung seines Cousins, zu dem er immer aufgeschaut hatte, sagte jedoch nichts.

Leandra biss sich auf die Lippe. Sie könnte zwar leugnen, wie sie auf Theo Atrides reagiert hatte, aber davon würde sich keiner der beiden lange täuschen lassen.

„Ja“, gab sie daher zu. „Aber das macht nichts. Das Einzige, was zählt, ist, dass er Demos jetzt in Ruhe lässt.“

Sie bemühte sich, einen fröhlichen Ton anzuschlagen. Ich muss mich einfach zusammenreißen, ermahnte sie sich. Es hat nicht die geringste Bedeutung, dass ich vor Theo Atrides beinah dahingeschmolzen wäre oder dass er der umwerfendste Mann ist, den ich je zu Gesicht bekommen habe. Es ist auch egal, dass er mich für ein bereitwilliges Sexobjekt hält. Ich werde ihn schließlich nie wiedersehen.

2. KAPITEL

Düster blickte Theo von der Penthousesuite, die er mit seinem Großvater bewohnte, auf den Hydepark hinaus. Die Bäume hatten sich bereits herbstlich verfärbt; der Sommer war vorüber.

Demos war gerade gegangen, und sein Wortwechsel mit Milo war nicht erfreulich verlaufen. Nachdem sein Großvater ihm eine Gardinenpredigt über Pflicht, Verantwortung, Familie und Sofia Allessandros gehalten hatte, die in Athen auf ihn wartete, hatte Demos nur stur das wiederholt, was er am Abend zuvor zu Theo gesagt hatte. Er sei nicht bereit für eine Ehe und wolle sein Junggesellenleben auch weiterhin genießen. Dann war er gegangen.

Theo wandte sich zu Milo um.

„Bist du dir wegen dieser Heirat so sicher?“, fragte er.

Mit blitzenden und trotz des Alters noch immer scharfen Augen sah Milo ihn an. „Demos braucht eine solide Ehe. Sofia Allessandros ist genau die Richtige für ihn.“

Vorsichtig antwortete Theo: „Ich weiß, dass du es eilig hast. Aber kannst du ihm nicht noch ein bisschen Zeit lassen? Es ist immerhin sein Leben, Milo.“

„Ich mache mir Sorgen um ihn“, sagte der alte Mann. „Ich möchte ihn bei Sofia Allessandros in guten Händen wissen.“

Theo runzelte die Stirn. „Du meinst, wegen dieser Frau? Eine Bettgenossin, mehr nicht. Er wird sie bestimmt nicht heiraten, wenn es das ist, worüber du dir Sorgen machst!“

Milos Mund wurde schmal. „Junge Männer sind oft töricht!“ Er fixierte Theo mit einem durchdringenden Blick aus seinen dunklen Augen. „Du wärst damals eine solch unüberlegte Ehe eingegangen …“

Einen Moment lang schwieg Theo. Dann zuckte er die Achseln. „Nun, das habt ihr, Vater und du, ja verhindert, nicht wahr? Ebenso wie jene andere ‚kleine Komplikation‘, die damit zusammenhing!“

Milo spürte, dass der Vorwurf an ihn zurückgegeben worden war. Wieder blitzten seine Augen. „Wir haben nur getan, was notwendig war. Eine solche Frau … du solltest uns dankbar sein!“

„Dankbar“, wiederholte Theo schwerfällig.

Der alte Mann stieß einen unwilligen Laut aus. „Geld hat ihren wahren Charakter zum Vorschein gebracht! Das ist immer so bei Frauen dieses Schlages!“

Unruhig rutschte er in seinem Sessel hin und her. Ein Ausdruck des Schmerzes huschte über sein Gesicht, und Theo empfand Mitleid mit ihm. Die Vergangenheit war vorbei. Sein Großvater und sein Vater hatten getan, was sie für das Beste hielten. Und er wusste, dass die beiden recht gehabt hatten. An Geld zeigte sich in der Tat der Charakter eines Menschen. Und Theo war wirklich dankbar dafür, dass ihm seine Illusionen zerstört worden waren.

Sich Täuschungen hinzugeben war immer gefährlich, im Geschäftsleben ebenso wie beim Sex.

Inzwischen machte er sich keine Illusionen mehr. Er wusste, was er von Frauen wollte – einfache, angenehme Freuden ohne Verwicklungen und Schmerz. Eine Ehe jedoch würde er niemals eingehen. Auch wenn Milo ihn noch so sehr bedrängte, dass er den Familiennamen weitergeben solle, hatte er beschlossen, dass er nie wieder einer Frau sein Glück anvertrauen würde.

„Sofia wird Demos eine gute Ehefrau sein. Das weißt du“, erklärte Milo.

Ja, sie war von Kindheit an dazu erzogen worden, die perfekte Gattin eines reichen Mannes zu sein. Und wie jedes griechische Mädchen aus gutem Hause war sie so jungfräulich wie der Morgentau.

Ein Schatten glitt über Theos Miene. Das Bild von Demos’ hinreißender junger Bettgenossin stieg vor ihm auf. Üppig und verführerisch, hielt sie Männer von ihren familiären Verpflichtungen ab.

Als habe er seine Gedanken gelesen, setzte Milo hinzu: „Solange Demos eine Geliebte hat, die ihm das Bett wärmt, wird er Sofia keines Blickes würdigen.“

Der grimmige Ausdruck kehrte in Theos Gesicht zurück. „Diese da würde jedem Mann das Bett wärmen!“

Die Augen seines Großvaters verengten sich. „Auch deins, Theo?“

Theo zuckte unwillkürlich zusammen, doch Milo hätte sein Geschäftsimperium nicht aus dem Nichts aufbauen können, ohne andere Menschen zu durchschauen. Er lachte rau.

„Nun, das wäre auch eine Art, das Hindernis zu beseitigen!“

Theo presste den Mund zu einer dünnen Linie zusammen. „Ich hatte eigentlich an etwas Einfacheres gedacht.“

Wieder lachte sein Großvater auf. „Es gibt nichts Einfacheres als Sex.“

„Außer Geld“, korrigierte ihn sein Enkel und sah ihm direkt in die Augen. „Diese Methode funktioniert immer. Das solltest du doch am besten wissen.“

Milo ignorierte die Bitterkeit in Theos Stimme. Damals hatte er getan, was er tun musste. Jene Frau war eine Gefahr für seine Familie gewesen. Genau wie diese Frau jetzt.

„Ja“, stimmte er zu und lehnte sich in dem Sessel zurück. „Geld ist eine gute Methode.“

Theo nickte. „Ich kümmere mich darum. Spätestens in einer Woche ist sie aus seinem Bett verschwunden!“

Leandra runzelte konzentriert die Stirn. „Kannst du mir bitte noch mal mein Stichwort sagen, Demos?“

„Selbstverständlich.“

Er lächelte hilfsbereit, doch sie sah den niedergeschlagenen Blick in seinen Augen. Das Gespräch mit seinem Großvater an diesem Morgen war schmerzlich für ihn gewesen, das wusste sie, und er tat ihr leid. In den Wochen, die sie in seinem Apartment verbracht hatte, hatte sie eine große Zuneigung zu dem jungen Mann entwickelt, der aus einer so ganz anderen Welt stammte. Warum versucht seine Familie ständig, über sein Leben zu bestimmen? dachte sie bei sich. Es ist schon schlimm genug, dass sein Großvater ihn unter Druck setzt, aber jetzt macht sein Cousin auch noch mit!

Theo Atrides war ganz anders als Demos. In Demos’ Gesellschaft fühlte sich Leandra sicher und ungezwungen. Seinem Cousin gegenüber wäre dies jedoch niemals der Fall. Unwillkürlich durchlief sie ein Schauer.

Dann widmete sie sich entschlossen wieder der Textseite vor ihr. Es war sehr liebenswürdig von Demos, dass er sich bereit erklärt hatte, ihr dabei zu helfen, diese äußerst schwierige Rolle zu lernen. Sie würde Leandra zwar weder Reichtum noch Ruhm einbringen, aber es war ein großes Privileg, dafür ausgewählt worden zu sein. Auch wenn das Marchester-Festival hoch spezialisiert war, besaß es doch einen hervorragenden Ruf. Außerdem half ihr die Anstrengung des Lernens, die Gedanken an Theo Atrides aus ihrem Kopf zu verbannen.

Er schien sie zu verfolgen. Immerzu musste sie an ihn denken. Seine halb geschlossenen Augen, mit denen er sie von Kopf bis Fuß gemustert und ihren Körper entflammt hatte …

Selbst in Leandras Träumen tauchte er auf, obwohl sie wusste, dass sie ihn nie wiedersehen würde. Er würde mit seinem Großvater nach Athen zurückkehren, sich seine Niederlage im Hinblick auf Demos eingestehen, und das würde es dann sein.

Letztendlich konnten weder Theo noch sein Großvater Demos dazu zwingen, Sofia Allessandros zu heiraten. Demos musste nur standhaft bleiben.

„Demos“, fragte Leandra nun. „Bist du dir sicher, dass es Sofia Allessandros nichts ausmacht, wenn du sie nicht heiratest? Es scheint ja so, als sei sie ihr ganzes Leben lang davon ausgegangen, dass du es tust.“

Unbehaglich sah er sie an. „Ich kann es nicht ändern, Leandra. Du weißt doch genau, dass ich sie nicht heiraten kann. Wenn ich es täte, würde ich ihr damit schweres Unrecht zufügen.“

Sie schwieg einen Augenblick, ehe sie vorsichtig fragte: „Kannst du ihr denn den Grund dafür nicht sagen? Und deiner Familie?“

Demos’ Miene wurde verschlossen. „Verlang das nicht von mir!“, erwiderte er. In seinem Tonfall lag eine Mischung aus Angst und Schuldgefühl.

Leandra mochte ihn nicht drängen. Er hatte seine eigene Last zu tragen. Eines Tages würde er bestimmt in der Lage sein, sich davon zu befreien, aber jetzt noch nicht. Er war noch nicht so weit.

Stattdessen erkundigte sie sich: „Wann fliegt dein Großvater denn voraussichtlich nach Athen zurück?“

Der düstere Ausdruck in seinen Augen verstärkte sich noch. „Ich weiß es nicht genau. Theo möchte, dass er einen Facharzt in der Harley Street aufsucht, solange er hier in London ist.“

„Oh. Und was soll ich dann tun? Was würdest du für das Beste halten?“

„Wenn du so lieb wärst, weiter hier zu wohnen, wäre ich dir außerordentlich dankbar, Leandra.“ Demos’ Stimme klang bittend.

Sie lächelte ihm beruhigend zu. „Natürlich. Wenn du das möchtest. Ich kann mich wohl kaum über meine Unterkunft beschweren! Das ist der reinste Luxus hier! Und ich helfe gerne, wenn ich kann. Es gibt ein Sprichwort im Englischen – In for a penny, in for a pound, was so viel heißt wie: Mitgefangen, mitgehangen!“ Mit einem verschmitzten Lächeln tippte sie auf ihr Skript. „Aber ich werde hart verhandeln, mein lieber griechischer Millionär! Zurück an die Arbeit!“

Die Köpfe zusammengesteckt, brüteten sie über den Worten des Textes. Auf einmal musste Leandra lachen, und ihre bernsteinfarbenen Augen blitzten übermütig. „Wenn dein Cousin uns so sehen könnte! Das würde er nie glauben. Nie!“

Sie erinnerte sich an die unverhohlene Verachtung in Theo Atrides’ Blick, als er sie wie ein Sexobjekt betrachtet hatte, und ein Gefühl tiefer Befriedigung erfüllte sie.

Es war ein schöner Tag, selbst im Zentrum Londons. Das milde, sonnige Herbstwetter hielt an. Leandra ging die Edgware Road entlang. Sie fühlte sich wohlig müde und angenehm austrainiert von ihrem Tanzunterricht in Paddington. Die Schauspielerei bedeutete harte Arbeit. In London wimmelte es nur so von aufstrebenden jungen Talenten, und der Kampf um Rollen war knallhart. Dennoch, schon immer hatte Leandra Schauspielerin werden wollen, und ihre konservativen Eltern waren sogar einverstanden gewesen, weil sie glaubten, dass es nicht lange dauern würde, bis sie diese Phase hinter sich ließ.

Traurigkeit überkam sie. Der Tod ihrer Eltern bei einem Reisebusunglück war so unvermittelt, so brutal gewesen. Selbst heute noch, zwei Jahre danach, hatte sie bei der Erinnerung daran das Gefühl, als würde ihr jemand ein Messer in die Brust stechen.

Chris war so liebevoll zu ihr gewesen. Als treuer Freund hatte er sie unter seine Fittiche genommen und sich um sie gekümmert, als sie unter Schock stand und vor lauter Trauer zu nichts mehr fähig gewesen war. Deshalb hatte sie auch keine Sekunde gezögert, als er sie darum gebeten hatte, Demos einen Gefallen zu tun.

Eine Autohupe hinter ihr ließ sie zusammenfahren. Auf der Edgware Road herrschte dichter Verkehr, und Leandra war noch immer ein ganzes Ende von Demos’ Wohnung in Mayfair entfernt. Sie schnitt ein Gesicht. Dieses herrliche Apartment würde sie auf jeden Fall vermissen! Sie besaß eine winzig kleine Eigentumswohnung an einer belebten Straße südlich der Themse. Mehr konnte sie sich trotz des elterlichen Erbes bei den astronomischen Londoner Immobilienpreisen nicht leisten. Bald wieder dahin zurückkehren zu müssen erfüllte sie nicht gerade mit besonderer Freude. Zum ersten Mal in ihrem Leben begriff sie, weshalb es Frauen gab, die bereit waren, ihre Selbstachtung gegen einen solch luxuriösen Lebensstil einzutauschen.

Ihre Miene verdüsterte sich. Für genau so eine Frau hält Theo Atrides mich, das ist offensichtlich, dachte sie. Eine, die sich nur deshalb mit einem Mann zusammentut, weil er reich ist! Einmal mehr durchzuckte sie heftiger Zorn gegen Demos’ Cousin. Reizender weiblicher Leckerbissen … von wegen!

Jemand rempelte sie auf dem belebten Gehweg an. Mechanisch wich Leandra aus und wurde prompt von der anderen Seite angerempelt. Mit zusammengezogenen Augenbrauen schaute sie nach rechts und links. London war im Großen und Ganzen recht sicher, wenn man sich halbwegs vernünftig verhielt. Aber Raubüberfälle auf der Straße gab es überall. Daher hielt sie ihre Umhängetasche noch fester.

Dann geschah alles ganz schnell. In der einen Sekunde wurde sie auf dem breiten Gehweg eingekeilt, und in der nächsten hatten zwei Männer sie an den Ellbogen gepackt, vorwärts geschoben, und ehe sie noch schreien konnte, in das Innere einer großen schwarzen Limousine gestoßen, die plötzlich am Kantstein anhielt. Jemand schlug die Wagentür zu. Leandras Kopf wurde mit Gewalt nach hinten gezogen, und eine fremde Person drückte ihr einen Wattebausch auf Nase und Mund. Entsetzt riss sie die Augen auf, doch sobald ihr das Betäubungsmittel in die Lungen drang, schlossen sich ihre flatternden Lider, und sie verlor das Bewusstsein.

„Und, hat er dir gesagt, wie viel Zeit mir noch bleibt?“ Milos Stimme klang schroff, doch Theo konnte die Erschöpfung darin heraushören. Milo war zwar zäh, aber das Alter forderte inzwischen doch seinen Tribut.

„Sechs oder vielleicht auch neun Monate. Wenn du großes Glück hast, vielleicht ein Jahr.“ Theo redete nicht um den heißen Brei herum.

Milos Augen blitzten auf. „Ha! Lang genug, um mitzubekommen, dass ein Urenkel unterwegs ist!“

Theo blickte aus dem Fenster der Limousine, die der Chauffeur langsam die Harley Street hinuntersteuerte, denn es war mitten im stärksten Berufsverkehr.

„Der Arzt will dich auf neue Medikamente setzen“, sagte er. „Er meint, dadurch könntest du noch etwas Zeit gewinnen. Er will gleich damit anfangen, aber dazu muss er dich eine oder zwei Wochen zur Beobachtung hierbehalten. Du brauchst nicht ins Krankenhaus zu gehen. Deshalb habe ich die Suite noch für die nächsten vierzehn Tage gebucht. Ich werde natürlich bei dir bleiben.“

„Nicht in diesem verdammten Hotel!“, rief Milo höhnisch. „Wir werden in dem Apartment wohnen. Ich wollte sowieso mehr mit Demos zusammen sein.“

Theo zog die Brauen zusammen. „Aber das Mädchen ist noch dort. Ich hatte bisher keine Gelegenheit, sie abzufinden!“

Milo lachte barsch auf. „Spar dir dein Geld! Die Sache ist schon erledigt.“

Theo fuhr herum. „Ich habe dir doch gesagt, dass ich mich darum kümmere …“

„Tja, jetzt habe ich dir die Mühe abgenommen. Und auf meine Art war es sehr viel billiger und auch sicherer!“

„Was soll das heißen?“ Theo beschlich ein höchst ungutes Gefühl. „Was hast du getan?“

Mit grimmiger Befriedigung sah Milo seinen Enkel an. „Sie ist weg“, erklärte er. „Sie war im Weg, also habe ich sie entfernen lassen.“

Ein Schauder lief Theo über den Rücken. „Was … genau … hast du mit ihr gemacht?“

Wieder stieß Milo ein barsches Lachen aus. „Schau mich nicht so an, als ob ich sie hätte umbringen lassen! Ihr geht es sehr gut. Sie sonnt sich gerade an einem Strand.“

Misstrauisch erwiderte Theo seinen Blick. „Sie hat sich zu einem Urlaub bereit erklärt?“, fragte er skeptisch.

„Ich habe keine Zeit damit verschwendet, sie zu fragen. Ich habe sie einfach weggeschickt!“

Erneut wurde Theo von jenem unbehaglichen Kältegefühl erfasst. „Du hast sie weggeschickt? Wie? Und wohin?“

„Ich habe sie heute Morgen beschatten lassen, als sie Demos’ Apartment verließ“, erklärte Milo grimmig. „Sie wurde in ein Auto verfrachtet, zu einem Flugfeld gebracht, und das war’s. Schau mich nicht so an, mein Junge!“, fügte er hinzu. „Noch bin ich nicht völlig handlungsunfähig! Ich kenne Agenturen, die solche Aufträge diskret erledigen!“

Theo war entsetzt. „Willst du mir damit etwa sagen“, fragte er ungläubig, „dass du sie hast entführen lassen?“

Milo stieß einen gereizten Laut aus. „Ich habe sie entfernen lassen! Das ist alles! Ihr geht es gut, das habe ich dir doch gesagt!“

Theo fluchte. „Wo? Wo ist sie, Milo?“, fragte er eindringlich.

Sein Großvater lachte rau. „Hast du es so eilig, sie zu finden? Willst du womöglich Demos’ Platz bei ihr einnehmen?“

Theo ignorierte den höhnischen Ton. Ein beklemmendes Gefühl stieg in ihm auf. War Milo denn vollkommen wahnsinnig geworden? Hatte er tatsächlich eine britische Staatsbürgerin aus den Straßen Londons entführen und außer Landes bringen lassen?

„Wo ist sie?“, wiederholte er ungeduldig.

Milo funkelte ihn an. „Sprich nicht in diesem Ton mit mir! Sie ist auf dieser Insel von dir, deinem kleinen Versteck. Dort, wohin du deine Bettgenossinnen mitnimmst!“

Theos Augen schienen schwarzes Feuer zu sprühen. „Was?“

„Hast du etwa geglaubt, ich hätte keine Ahnung, dass du diese Insel gekauft hast?“, fragte sein Großvater spöttisch. „Natürlich habe ich es gewusst. Aber wenn du ein solches Geheimnis daraus machen willst, warum sollte ich mich einmischen? Ein Mann möchte seine Privatsphäre haben, wenn er sich Eros hingibt. Das respektiere ich. Du siehst also …“ Er klang hochzufrieden mit sich. „Demos’ kleines Flittchen wird sich dort absolut wohlfühlen. Sie kann sich genüsslich bräunen und für den nächsten Beschützer hübsch machen. Und wenn ich sie wieder gehen lasse, werden Demos und Sofia verlobt sein!“ Triumphierend blickte er seinen Enkel an, der ihn noch immer fassungslos anstarrte. „Billiger als eine Abfindung und wesentlich sicherer!“

„Mit nur einem kleinen Nachteil“, entgegnete Theo langsam. „Nämlich dass Entführung eine Straftat ist.“

Wie er die folgenden vierundzwanzig Stunden überstand, konnte Theo hinterher nicht mehr sagen. Milo, dem nicht im Mindesten bewusst war, was er angerichtet hatte, wurde ins Hotel zurückgefahren. Danach musste Theo mit Demos sprechen, der völlig außer sich war, nachdem er aus dem Büro zurückgekehrt war und festgestellt hatte, dass Leandra offenbar spurlos verschwunden war.

Was hat Milo getan?“ Demos wurde leichenblass.

„Ihr geht es gut, Demos. So viel ist sicher“, sagte Theo.

„Ich fahre sofort dorthin!“

Theo packte ihn bei der Schulter. „Nein! Ich erledige das.“

Anklagend sah Demos ihn an, und Theo konnte unschwer seine Gedanken erraten. Mit einem grimmigen Lächeln schüttelte er den Kopf. „Sogar ich habe meine Grundsätze, kleiner Cousin.“

Einen Moment lang schauten sie sich in die Augen. Sein ganzes Leben lang war Theo für Demos wie ein großer Bruder gewesen.

„Vertrau mir!“, sagte Theo mit fester Stimme. „Du bleibst hier und kümmerst dich um Milo.“ Er holte tief Luft. „Im Augenblick möchte ich ihm lieber nicht zu nahe kommen!“ Kopfschüttelnd fuhr er fort: „Ich wusste ja, dass er verzweifelt war, aber eine strafbare Handlung zu begehen! Er scheint sich überhaupt nicht darüber im Klaren zu sein, was er da getan hat.“

Wenn er keine Möglichkeit fände, die junge Frau zum Schweigen zu bringen, wäre diese imstande, vor Gericht zu gehen. Dann müsste Milo möglicherweise sogar mit einer Gefängnisstrafe rechnen – ein gefundenes Fressen für die Presse …

Beruhigend drückte er Demos die Schulter. „Vertrau mir!“, sagte er noch einmal und ging.

Aber selbst danach nahmen die Schwierigkeiten kein Ende. Der Atrides-Privatjet musste am Boden bleiben, weil der britische Luftraum völlig überfüllt war. Erst spät am nächsten Tag konnte Theo endlich fliegen.

In Athen wurde er von Sofias Vater empfangen, der annahm, dass Demos nun doch gekommen war. Den aufgeregten Yannakis Allessandros zu beruhigen und ihm zu versichern, dass Demos’ Abwesenheit keine Kränkung seiner geduldig wartenden Tochter bedeutete, hatte Theo noch mehr wertvolle Zeit gekostet.

Hinzu kam, dass der Atrides-Helikopter, der in Athen stationiert war, einen Motorschaden hatte und alle anderen unterwegs waren. Daher mietete Theo einen Hubschrauber, den er selbst fliegen wollte. Je weniger Personen von Leandra Ross’ illegalem Aufenthalt auf der Insel wussten, desto besser. Allerdings wurde sein Pilotenschein von der Hubschrauberagentur einer überaus gründlichen Prüfung unterzogen, da die zuständigen Mitarbeiter sichergehen wollten, dass der Chef eines der größten Konzerne des Landes bei seinem Alleinflug nicht womöglich abstürzte.

Als er den Helikopter schließlich ostwärts über das Mittelmeer steuerte, stand die Sonne bereits recht tief am Horizont, und Theo war so übel gelaunt wie schon lange nicht mehr.

Leandra saß auf einem Felsen, und die Sonne brannte unbarmherzig auf sie nieder. Unablässig suchte sie den blendend hellen Himmel mit den Augen ab, ehe sie ihren Blick wieder zum Horizont senkte.

Ihre Miene war angespannt, und sie hatte Kopfschmerzen. Angst schnürte ihr die Kehle zu.

Als sie mühsam aus ihrer Betäubung aufgewacht war, hatte sie sich auf einem Bett in einem kühlen, schattigen Raum wiedergefunden. Er war sparsam, aber luxuriös eingerichtet. Auf dem großen Doppelbett lag eine wunderschöne, handgenähte Patchworkdecke, und die antiken Möbel waren aus dunklem Holz.

Eine schreckliche Furcht hatte sich Leandras bemächtigt. Angestrengt hatte sie versucht, ihre Erinnerung zurückzugewinnen.

Da ist ein Auto gewesen. Ich bin einfach hineingestoßen worden. Dann ist alles schwarz geworden …

Entsetzt hatte sie sich hochgerappelt und war zu der Glastür gestolpert, vor der die doppelflügeligen Läden geschlossen waren. Sie hatte sie geöffnet und die Lamellentüren aufgestoßen. Dahinter lag die Terrasse in gleißendem Sonnenlicht, das es in England zu dieser Jahreszeit nicht mehr gab. Und auch der schwere, intensive Duft, der von den üppig wuchernden Blumen in den Tontöpfen herrührte, passte nicht zu England. Als sie sich umsah, erblickte Leandra eine mediterrane Landschaft und dahinter das leuchtend blaue Meer.

Das Haus schien aus einer Reihe von nebeneinanderliegenden Räumen zu bestehen, deren Terrassentüren alle geschlossen waren. Plötzlich wurde die Tür des letzten Raumes, über der sich eine mit Weinlaub bewachsene Pergola erstreckte, geöffnet, und eine ältere Frau trat heraus. Sie war schwarz gekleidet und trug einen Eimer und einen Wischmopp.

Als sie Leandra erblickte, nickte sie lächelnd mit dem Kopf, setzte ihre Putzutensilien ab und bedeutete Leandra mit ein paar Gesten, zu ihr zu kommen.

Auf einmal dämmerte es Leandra, wo sie sich befand.

Griechenland! Ich bin in Griechenland! schoss es ihr durch den Kopf. Und wenn ich in Griechenland bin, kann es dafür nur einen Grund geben …

Demos. Das hier hat irgendetwas mit Demos Atrides zu tun.

Die unterschiedlichsten Gefühle wechselten sich in ihr ab, unter anderem auch Erleichterung. Eine dunkle, schreckliche Furcht hatte von ihr Besitz ergriffen, dass sie entführt und in die weiße Sklaverei in den Mittleren Osten verschleppt worden war.

Aber weshalb hat Demos mich hierhergebracht? Und mit solch extremen Mitteln? fragte sie sich.

„Demos?“, brachte sie mit bebender Stimme hervor.

Doch die Frau lächelte, nickte lediglich und machte erneut ein paar Handbewegungen. Fröstelnd wurde Leandra klar: Ihr Gegenüber war taub, sie benutzte die Zeichensprache.

Ein hysterisches Lachen blieb ihr in der Kehle stecken.

Es bestand nicht die geringste Chance, dass sie sich mit einer tauben Griechin verständigen konnte! Schließlich nahm die Frau sie beim Arm und führte sie sanft in den Raum, aus dem sie gekommen war, zu einem großen, weichen Sofa, das vor einem leeren, steinernen Kamin stand.

Verwirrt und von einem Schwächeanfall überwältigt, schloss Leandra die Augen. Wenige Minuten später schlug sie sie jedoch wieder auf, als die Griechin ein Tablett mit Essen hereinbrachte. Erst jetzt merkte Leandra, wie hungrig sie war, und griff zu. Sie stürzte sich auf die Suppe und das köstliche, frisch gebackene Brot und spülte alles mit heißem Kaffee hinunter.

Ihr Blick fiel auf eine Zeitschrift, die auf dem Sofatisch lag. Es war ein Modemagazin in griechischer Schrift. Sie war also tatsächlich in Griechenland. Aber wo?

Nach dem Essen erkundete sie die Villa. Da diese nicht besonders groß war, dauerte es nicht lange, bis ihr klar wurde, dass der einzige andere Mensch außer ihr die Haushälterin war. Leandra ging nach draußen. Irgendwo musste Demos doch sein!

Das Anwesen bestand aus einer beeindruckenden Gartenanlage im Mittelmeerstil, ohne Rasen, aber mit zahlreichen kleinen, steingefliesten Pfaden sowie blühenden Pflanzen und Büschen. Hier und da stand ein Olivenbaum, Überreste eines früheren Olivenhains. Instinktiv schlug Leandra einen schmalen Pfad ein, der hinunter zum Meer zu führen schien. Nach einigen Minuten gelangte sie zu einem herrlichen sichelförmigen Strand.

Sie blieb wie angewurzelt stehen. Es war wunderschön! Leichte Wellen plätscherten auf den goldenen Sand. Von beiden Seiten wurde das Gelände schützend von weißen Kalksteinfelsen eingefasst, die in der Sonne leuchteten. Leandra schaute zurück zum Haus, das hinter den Olivenbäumen halb versteckt lag.

Es war ein idyllischer Ort – sehr ländlich.

Doch von Demos war weit und breit nichts zu sehen.

Abgesehen von der Haushälterin gab es nur noch einen älteren Mann, der die Pflanzen bewässerte und anscheinend ihr Ehemann war. Auch er verständigte sich lediglich durch Zeichen und war offenbar ebenfalls taub.

Leandra umrundete das Grundstück, entschlossen, sich zu irgendeiner öffentlichen Landstraße durchzuschlagen, und von dort aus zu einem Dorf oder einer Taverne, wo sie nach London telefonieren konnte, um herauszufinden, was in aller Welt hier vor sich ging! Zumindest hatte sie ihr Portemonnaie dabei, und irgendwo würde sie sicherlich Geld wechseln können.

Auf einmal hielt sie inne. Sie konnte keine Auffahrt zur Villa entdecken, keinen Sandweg, der zu einer Straße führte. Nichts.

Die Landschaft schien sich einfach immer weiter zu erstrecken, während sie allmählich anstieg. Leandra fand einen schmalen Pfad und folgte ihm. Vielleicht musste sie zunächst querfeldein gehen, um weiter im Landesinneren auf eine Straße zu stoßen. Irgendwo musste es hier doch so etwas wie eine Verkehrsverbindung geben, auch wenn das Anwesen noch so abgelegen war. Nach der absoluten Stille zu urteilen, ist es sogar sehr abgelegen, stellte Leandra beunruhigt fest.

Entschlossen setzte sie ihren Weg fort, bis sie die Kuppe des Hügels erreicht hatte. Oben blieb sie stehen und schaute hinunter. Dort unten, in der Nähe des Strandes, erblickte sie die Villa. Dahinter war ein flaches Feld zu sehen. Der moderne Metallhangar und der Windsack zeigten, dass es sich um einen Hubschrauberlandeplatz handelte. Gleich unterhalb des Landeplatzes befand sich eine kleine Bucht mit einer Mole aus Stein und einem Bootshaus, aber ein Boot war nicht zu sehen. Seitlich der Villa lag ein weiteres kleines Steingebäude, vermutlich das Wohnhaus des Haushälterehepaares. Weiter hinten sah sie den Strandabschnitt, den sie vorhin entdeckt hatte. Leandra ließ ihren Blick schweifen und wandte sich in die entgegengesetzte Richtung. Das Meer war immer noch da. Sie drehte sich einmal um ihre eigene Achse. Doch das Wasser erstreckte sich ringsum.

Leandra war zutiefst erschrocken. Sie blieb reglos stehen, wie erstarrt, als sie die Erkenntnis wie ein Blitzschlag traf.

Ich bin auf einer Insel.

Theo drosselte den Motor und setzte den Helikopter auf. Endlich war er am Ziel.

Routiniert schaltete er alle Kontrollfunktionen aus, nahm die Kopfhörer ab und schaute aus dem Fenster.

Die Frau schien auf ihn gewartet zu haben.

Er hatte gesehen, wie sie herbeigelaufen kam, als er zur Landung ansetzte. Der Lärm der Rotorblätter war natürlich über die ganze Insel hinweg zu hören.

Theos Miene verfinsterte sich. Was war das doch alles für ein Riesenschlamassel! Billiger als eine Abfindung? Von wegen! Es würde ein Vermögen kosten, sie nach allem, was sie durchgemacht hatte, wieder zu besänftigen.

Der Schweiß sammelte sich unter dem Kragen seines Geschäftsanzugs. Er sehnte sich nach einer Dusche und einem großen, kühlen Bier.

Erschöpft öffnete er die Schiebetür und sprang zu Boden.

Hoffentlich neigte die junge Frau nicht zu hysterischen Anfällen. Denn das, was ihr zugestoßen war, hatte ihr mit Sicherheit große Angst eingejagt. Theo ging auf sie zu. Bewegungslos stand sie da.

Mit raschen, weit ausgreifenden Schritten näherte er sich ihr. Wenn er nicht gewusst hätte, dass es Leandra Ross war, die dort auf ihn wartete, hätte er sie niemals wiedererkannt, wie er feststellen musste.

Das anschmiegsame Sexkätzchen war verschwunden. Ihr schlanker, kurvenreicher Körper, den sie neulich so attraktiv zur Schau gestellt hatte, war nun fast vollständig von Jeans und einem Sweatshirt verhüllt. Das herrliche blonde Haar hatte sie nachlässig auf dem Kopf zusammengesteckt, und sie trug überhaupt kein Make-up. Trotzdem sah sie umwerfend aus.

Während er auf sie zuging, spürte Theo, wie sein Körper reagierte. Sie besaß eine unbewusste Anmut, wie sie so reglos dastand. Wie eine Nymphe aus den griechischen Mythen, die von Apollo erblickt wurde, oder von Dionysos oder irgendeinem anderen der Olympier und die unschlüssig war, ob sie vor dem sich nähernden Gott flüchten oder seinem Begehren nachgeben sollte …

Rasch wischte Theo diese Gedanken beiseite. Sie war lediglich eine Komplikation – dank Milo sogar eine äußerst gefährliche! Und die Angelegenheit musste so schnell wie möglich bereinigt werden. Das war alles.

Er blieb vor ihr stehen.

3. KAPITEL

Wie versteinert starrte Leandra Theo an.

Nachdem sie stundenlang aufs Meer hinausgeschaut hatte, war sie durch das Rotorengeräusch auf die Ankunft des Hubschraubers aufmerksam geworden und sofort zum Flugfeld gestürzt.

Als der Helikopter gelandet war und die Tür sich geöffnet hatte, fiel ihr Blick auf die Gestalt eines Mannes, der ihr nur allzu bekannt war.

Makellos gekleidet in seinem maßgeschneiderten Anzug, die dunklen Augen hinter einer Pilotenbrille verborgen, entstieg Theo Atrides dem Hubschrauber, stieß die Tür hinter sich zu und kam ihr entgegen.

Er wirkte so kühl, so ungerührt und gelassen, dass Leandra von einer ungeheuren Wut erfasst wurde.

Kaum stand er vor ihr, fing sie an, mit geballten Fäusten auf seine breite Brust einzuschlagen und ihn anzuschreien. All die Angst, der Zorn, die Verwirrung und die Empörung über ihre Entführung entluden sich in einem regelrechten Tobsuchtsanfall.

Es war also gar nicht der liebenswürdige, um sie besorgte Demos, der ihr dies hier angetan hatte, sondern sein eingebildeter, arroganter, verabscheuungswürdiger Cousin, der sie an jenem Abend angesehen hatte, als sei sie Abschaum.

„Sie sind schuld!“, schrie sie ihn an. „Sie stecken dahinter! Und ich weiß auch, warum! Um mich loszuwerden! Nur deshalb! Damit Sie Demos nach Hause schleppen und ihn dazu zwingen können, Sofia zu heiraten! Wie können Sie es wagen! Sie sind ja völlig wahnsinnig!“

Unvermittelt packte Theo Leandras Hände und hielt sie von sich fort. „Seien Sie still!“

Ihr Gesicht verzerrte sich nur noch mehr. „Ich werde ganz bestimmt nicht ruhig sein! Sie haben mich entführt, und ich werde dafür sorgen, dass Sie ins Gefängnis kommen!“

„Ich habe gesagt, Sie sollen den Mund halten, Sie Furie! Dann werde ich Ihnen alles erklären.“

Theo sah sie mit durchdringendem Blick an, und sein Griff um ihre Handgelenke war hart wie eine Eisenklammer.

Leandras Augen funkelten vor Wut, ihre Brust hob und senkte sich heftig, sie rang keuchend nach Atem, und ihr Gesicht glühte vor Zorn. Doch sie hatte aufgehört zu schreien. Scharf befahl Theo ihr zurückzutreten. Sie gehorchte, doch vorsichtshalber hielt er ihre Handgelenke noch immer fest.

„Lassen Sie mich los!“, fauchte sie ihn an und versuchte vergeblich, sich seinem stählernen Griff zu entwinden.

„Nur wenn Sie mich anhören!“

„Was gibt’s da schon zu erklären, Mr Atrides?“, zischte sie giftig. „Sie haben mich entführt, und ich werde Sie dafür hinter Gitter bringen!“

Er stieß einen Fluch aus. „Ich habe Sie nicht entführt. Und ich bin nicht verantwortlich für Ihre Anwesenheit hier, die ich ebenso bedaure wie Sie.“ Er holte tief Luft. „Das können Sie mir glauben!“

Finster betrachtete er sie. Eine solche Xanthippe hatte ihm gerade noch gefehlt. Das perfekte Ende eines ohnehin schon unerträglichen Tages!

„Also“, fuhr er fort. „Wenn Ihr hysterischer Anfall endlich vorbei ist, hören Sie mir jetzt zu!“

Noch immer hämmerte ihr das Herz wild in der Brust, und sie zitterte am ganzen Körper, doch sie nickte knapp.

Theo gab sie frei.

„Na gut!“, stieß sie mit blitzenden Augen hervor. „Sie haben gesagt, dass Sie es mir erklären wollen. Dann also los! Ich möchte zu gerne hören, was Sie zu meiner Entführung zu sagen haben, Mr Allmächtig Theo Atrides! Und danach können Sie es dann auch gleich der Polizei vortragen!“

Seine Miene verdüsterte sich bei ihrem feindseligen, gehässigen Tonfall. Niemand durfte so mit ihm sprechen! Er versteifte sich und richtete sich zu seiner vollen Körpergröße auf, sodass er noch Furcht einflößender wirkte.

„Sprechen Sie nicht in diesem Ton mit mir!“, wies er sie kalt an, ganz der Chef des Atrides-Konzerns, der von jedermann respektvoll behandelt wurde.

„Versuchen Sie das dem Richter zu sagen, der Sie wegen Entführung und Freiheitsberaubung verurteilen wird!“, schoss sie wütend zurück.

Theo hob gebieterisch die Hand. „Seien Sie still! Ich versichere Ihnen, ich habe keinen Anteil an diesem Debakel! Und wenn Sie sich endlich dazu herabließen, mich anzuhören, würde ich Ihnen erklären, was geschehen ist.“ Er blickte an ihr vorbei. „Aber nicht hier. Ich habe einen anstrengenden Tag hinter mir. In zwanzig Minuten erwarte ich Sie auf der Terrasse.“

Mit diesen Worten entfernte er sich und ging mit langen Schritten auf die Villa zu.

Langsam ließ Leandra die Hände sinken. Er hat mich stehen lassen, dachte sie fassungslos. Er hat mich entführt, gefangen gesetzt, und jetzt lässt er mich hier einfach so stehen.

Das ist unglaublich, dachte sie. Unglaublich!

Zwanzig Minuten später trat Theo auf die überwachsene Terrasse hinaus, wo Leandra, deren Nerven noch immer blank lagen, an einem schmiedeeisernen Tisch saß. Nun jedoch stockte ihr der Atem. Sie sah Theo Atrides an und konnte nicht mehr wegschauen.

Du lieber Himmel, er war aber auch wirklich umwerfend!

Sein Haar war noch feucht vom Duschen und glänzte wie Ebenholz. Statt des Geschäftsanzugs trug er jetzt eine perfekt geschnittene, legere Hose und dazu ein Polohemd mit einem diskret auf der Tasche angebrachten Designerlogo. Ohne die Sonnenbrille konnte Leandra nun die halb geschlossenen dunklen Augen mit dem durchdringenden Blick erkennen, die er auf ihr ruhen ließ.

Sobald er ihr gegenüber Platz genommen hatte, kam die Haushälterin aus dem Wohnzimmer, das sich direkt hinter der Pergola befand, und brachte ein Tablett mit einem Glas Bier und einer Kanne Kaffee herbei.

Theo suchte ihren Blick, machte ein paar kurze Zeichen, sodass sie lächelte und nickte, ehe sie sich zurückzog.

„Agathias ist taub“, sagte er, nahm einen ausgiebigen Schluck von seinem Bier und lud Leandra mit einer Handbewegung ein, sich Kaffee einzuschenken. „Genau wie ihr Ehemann Yiorgos.“

„Das ist mir auch schon aufgefallen“, entgegnete Leandra unfreundlich. „Wie praktisch, Gefängniswärter anzuheuern, die nicht hören können, dass Ihre Gefangenen ihre Freiheit verlangen!“

Theos nachtschwarze Augen blitzten auf. „Als gehörloses Paar – besonders in ihrer Generation – finden sie es angenehmer, hier unter sich zu sein. Dieses Fleckchen Erde hier, das sie für mich verwalten, ist eine Zuflucht für sie. Aber sie werden zu ihrer Familie aufs Festland zurückkehren, wenn sich im Winter das Wetter hier verschlechtert. Und sie sind ganz sicher keine von mir angeheuerten Gefängniswärter, Miss Ross!“

„Sie haben doch gerade zugegeben, dass dies Ihre Insel ist!“, gab Leandra zurück.

„Ja“, bestätigte Theo. „Sie ist mein Eigentum. Aber Agathias und Yiorgos sind nicht als Aufseher hier, sondern lediglich als Hausverwalter. Alles, was sie über Sie wissen, ist, dass man Sie bewusstlos vom Helikopter ins Haus getragen hat.“ Seine Miene verdüsterte sich. „Ich fürchte, Agathias nahm an, Sie seien betrunken gewesen.“

„Betrunken?“, wiederholte Leandra empört. „Ich wurde betäubt, Mr Atrides! Aus der Edgware Road entführt und unter Gewaltanwendung bewusstlos gemacht! Wagen Sie es ja nicht, mir zu unterstellen, ich sei nicht nüchtern gewesen!“

„Nichts läge mir ferner! Ich weiß genau, was passiert ist.“

Ihre Augen weiteten sich, und ein anklagender Ausdruck erschien auf ihrem Gesicht. „Sie stecken also doch dahinter!“

Er stieß einen unwilligen Laut aus. „Nein! Ich hatte nichts mit dieser Sache zu tun, Miss Ross. Absolut nichts!“

Mit zusammengepressten Lippen sah sie ihn über den Tisch hinweg an. „Ach, nein? Und wer, bitte, ist dann dafür verantwortlich? Sagen Sie es mir!“, verlangte sie bissig.

Einen Moment lang sah er sie nur schweigend an.

„Es war mein Großvater“, bekannte er dann leise.

Sie fuhr auf. „Ihr Großvater! Ist er denn komplett verrückt geworden?“

Theo seufzte und griff wieder nach seinem Bier. „Nein, das nicht. Aber alt, Miss Ross, und sein Leben nähert sich dem Ende.“

Er blickte sie offen an. Sie sah nicht im Geringsten so aus wie auf der Wohltätigkeitsgala, als sie an Demos’ Arm gehangen hatte.

Das erinnerte ihn daran, weshalb er hier war. An den einzigen Grund, der ihn hergeführt hatte. Nämlich, um sie von Demos zu trennen. Es ging ihm nicht darum, sich zu fragen, wie es möglich war, dass sich ihre Augen von Bernstein zu Gold und wieder zu Bernstein verwandeln konnten.

„Mein Großvater ist fest entschlossen, so lange nicht zu sterben, bis mein Cousin sich verheiratet hat. Demos hat Ihnen doch sicher erzählt, dass eine junge Griechin auf ihn wartet?“

Leandra überlegte, wie sie am besten reagieren sollte. Ihr war gerade aufgegangen, dass sie weiterhin Demos’ Geliebte spielen musste, wenn sie nicht die gesamte Täuschungsaktion auffliegen lassen wollte. Rasch dachte sie nach.

Dann zuckte sie die Achseln. „Ich weiß, dass seine Familie will, dass er diese Ehe eingeht“, antwortete sie. „Aber das ist doch schließlich allein Demos’ Entscheidung, nicht wahr?“

Theo ignorierte ihre Bemerkung. „Mein Großvater ist ein kranker alter Mann, Miss Ross, der in seinem Leben schon viel Kummer erlebt hat. In seinem … Eifer, die Hochzeit zu beschleunigen, hat er …“, Theo wählte seine Worte sorgfältig, beinahe wie in einem Presseinterview mit sensationsgierigen Journalisten, „… in diesem Fall … möglicherweise etwas übers Ziel hinausgeschossen.“

Zorn stieg in Leandra hoch. Übers Ziel hinausgeschossen? Wenn man jemanden gegen seinen Willen irgendwo hinbrachte und gefangen hielt?

„Er hat mich entführen lassen!“, fuhr sie heftig auf.

Theos Miene war undurchdringlich. Bei seinen Geschäften ging es um Millionen, und er wusste, wie er seine Gefühle verbergen konnte, wenn es sein musste.

„Das ist ein sehr hartes Wort, Miss Ross“, meinte er gedehnt.

„Aber es entspricht der Wahrheit!“, entgegnete sie.

Er trank von seinem Bier, um noch etwas Zeit zu gewinnen, ehe er den nächsten Schritt machte. Leandra beobachtete ihn argwöhnisch.

„Miss Ross“, fing er wieder an. „Ich gebe gerne zu, dass hier ein großer Fehler begangen worden ist. Sie sind … völlig unabsichtlich … einer Erfahrung ausgesetzt worden, die zweifellos äußerst unangenehm gewesen ist …“

Er empfand Gewissensbisse. Sie hatte absolut jedes Recht, böse zu sein. Milo hatte sich unmöglich verhalten. Doch Theo musste sie unbedingt davon abbringen, Anzeige zu erstatten. Zu diesem Zweck war er bereit, ihr eine großzügige Entschädigung anzubieten. Vorausgesetzt, sie erklärte sich auch bereit, ihre Affäre mit Demos zu beenden. Theo wollte gerade ansetzen, doch sie kam ihm zuvor.

„Mr Atrides, es ist mir vollkommen egal, wer den Befehl gegeben hat, mich hierherzubringen! Ich will nur weg von dieser Insel, klar? Und zwar jetzt sofort. Noch heute Abend.“

„Ich fürchte, das ist unmöglich“, erwiderte er schroff.

Ihre bernsteinfarbenen Augen blitzten. „Sie sind hergekommen, dann können Sie mich auch von hier fortbringen. Ist doch ganz einfach!“

„Das ist überhaupt nicht einfach“, wehrte er ab. „Der Hubschrauber muss aufgetankt werden, und es wird allmählich zu dunkel zum Fliegen. Ich habe mir den Wetterbericht nicht angesehen und auch keinen Rückflug am Athener Flughafen angemeldet. Außerdem bin ich nicht in der Stimmung, mich heute noch irgendwo anders hin zu begeben!“

Leandra wurde blass und umklammerte mit den Händen krampfhaft die Tischplatte. „Aber ich muss von hier weg! Ich muss! Ich verlange von Ihnen, dass Sie mich auf der Stelle nach Athen zurückbefördern und mir einen Flug nach London besorgen!“

Panik schwang in ihrer Stimme mit, doch Theo ignorierte es. Er schob sein leeres Glas beiseite und erhob sich.

„Ich reagiere weder auf Befehle noch auf Bitten. Heute Abend fliegt niemand mehr irgendwohin, und das ist endgültig! Wenn Sie mich jetzt bitte entschuldigen würden, ich muss mich mit meinem Büro in Verbindung setzen. Genießen Sie die Annehmlichkeiten meiner Insel!“ Sein Blick war leicht ironisch. „Sie dürfen sich überall frei bewegen. Fühlen Sie sich ganz wie zu Hause!“

Damit ging er davon, während Leandra vor Wut fast erstickte.

„In ungefähr einer Stunde wird Agathias das Abendessen servieren“, warf er noch über die Schulter zurück. „Seien Sie pünktlich!“

Er verschwand in der Villa und überließ Leandra ihrem Zorn. Ich werde die ganze Nacht hier festsitzen, zusammen mit diesem unerträglichen Theo Atrides, dachte sie empört. Etwas Schlimmeres konnte sie sich kaum vorstellen.

Leandra brauchte nicht lange, um sich zum Essen umzuziehen. Nachdem sie in dem an ihr Zimmer angrenzenden Bad geduscht hatte, brachte sie es nicht über sich, dieselben Kleider wieder anzuziehen, die sie schon seit zwei Tagen trug. Doch das einzige andere Kleidungsstück, das sie finden konnte, war ein dünner seidener Morgenmantel, der an der Badezimmertür hing. Vermutlich war er von einer früheren Besucherin hier zurückgelassen worden.

Es war offensichtlich, was es mit dieser Insel auf sich hatte. Hierher nahm Theo Atrides seine berühmten Geliebten mit, wenn sie dem Blitzlichtgewitter der Paparazzi entkommen wollten. Lediglich von einem tauben Ehepaar umsorgt, konnte man hier so ungestört sein, wie man wollte.

Leandra band den Gürtel des Negligés eng zu. Nun, Theo Atrides’ glamouröses Sexualleben hatte nicht das Geringste mit ihr zu tun. Er sollte sie schließlich nur nach Athen zurückbringen.

Wenn sie allerdings nicht verhungern wollte, sah es wohl so aus, als müsste sie seine Gesellschaft zum Abendessen erdulden. Trotzig ging sie auf bloßen Füßen den Flur entlang zum Esszimmer, das ins Wohnzimmer überging.

Als sie eintrat, blickte Theo, der im Begriff war, eine Flasche Wein zu öffnen, zu ihr herüber und hielt abrupt inne.

Leandra Ross stand am anderen Ende des Raumes, mit nichts außer einem kurzen, seidenen Morgenmantel bekleidet, den sie in der Taille so fest gegürtet hatte, dass ihre Brüste sich üppig unter dem straffen Stoff abzeichneten. Die langen Haare, die ihr über die Schultern fielen, sahen auf dem dunkelroten Seidenstoff wie gesponnenes Gold aus. Ihre schlanken Beine waren cremefarben und seidig glatt, die schmalen Füße entblößt.

Theo spürte, wie sein Körper unwillkürlich reagierte, drängend und voller Verlangen. Doch ein zynischer Gedanke dämpfte sein Begehren, und er verzog den Mund. Glaubte sie etwa, wenn sie ihren Körper zur Schau stellte, könnte sie ihn dazu veranlassen, sie noch heute Abend zurückzufliegen?

Ein verächtliches Glitzern erschien in seinen Augen. Oder steckte noch mehr dahinter? Wenn sie dachte, sie könnte ihn so um den Finger wickeln wie Demos, hatte sie sich getäuscht. Er suchte sich die Frauen aus, mit denen er ins Bett ging, nicht umgekehrt! Und so verführerisch Leandra Ross auch sein mochte, Theo hatte nicht die Absicht, dieses ganze Durcheinander noch komplizierter zu machen, als es ohnehin schon war.

Alles andere wäre der reinste Irrsinn!

Leandra entging Theos Geringschätzigkeit keineswegs, und sofort regte sich Zorn in ihr.

Er schaut mich schon wieder so an, als ob ich ein Stück Dreck wäre!

Nur der Hunger hinderte sie daran, in ihr Zimmer zurückzuflüchten. Stattdessen produzierte sie ein strahlendes, falsches Lächeln und setzte sich an den Tisch. Ist mir doch egal, was der Kerl von mir denkt, versuchte sie sich Mut zu machen. Er hat schließlich überhaupt keine Bedeutung für mich!

Ein sarkastischer Zug lag in seiner Miene, als er ihr gegenüber Platz nahm.

In diesem Moment kam die Haushälterin herein, mit einem Tablett, auf dem zwei Suppenschalen standen, und stellte es auf dem polierten Esstisch ab. Der aromatische Duft vertrieb jeden anderen Gedanken, und kaum hatte Agathias ihr serviert, begann Leandra bereits zu löffeln.

Sie aß schnell, voller Heißhunger. Außerdem schmeckte es köstlich, ebenso wie der delikat gewürzte Fisch, der danach folgte. Ohne sich zu überflüssiger Konversation mit ihrem Tischgenossen verpflichtet zu fühlen, leerte Leandra ihren Teller bis auf den letzten Krümel. Mit einem Stück Brot aus dem Korb, der zwischen ihr und ihrem Gastgeber stand, nahm sie sogar noch die restliche Soße auf. Sie war so auf ihre Mahlzeit konzentriert, dass sie beinahe vergaß, dass sie sich in Theo Atrides’ höchst unwillkommener Gesellschaft befand.

Als Agathias kam, um den Tisch abzuräumen, brachte sie gleich den Kaffee mit. Dann eilte sie wieder geschäftig hinaus.

Theo schenkte Wein nach und füllte auch Leandras Glas auf. Da sie schon mehr getrunken hatte, als sie es normalerweise gewohnt war, übersah sie den Alkohol geflissentlich und goss sich lieber eine Tasse Kaffee ein.

Jetzt, mit vollem Magen, fühlte sich Leandra schon fast rundum wohl. Von den Nachwirkungen des Betäubungsmittels war nichts mehr zu spüren, und selbst ihre Kopfschmerzen hatten nachgelassen. Vielleicht war sie auch deshalb besser gelaunt, weil sie morgen um diese Zeit wieder in London sein würde, zurück unter zivilisierten Menschen!

Ein Frösteln überlief sie. Die ganze Sache war wirklich grauenhaft gewesen! Nun jedoch, da sie sich innerlich ruhig fühlte, gut gegessen und ein großes Glas Wein getrunken hatte, erfüllte sie ein ungläubiges Staunen darüber, dass Demos’ Großvater sich tatsächlich zu einer solchen Straftat hatte hinreißen lassen. Eine Entführung!

Allerdings musste sie gerechterweise zugeben, dass ihr im Grunde eigentlich nichts zugestoßen war. Vielleicht habe ich vorhin ja wirklich ein wenig überreagiert, als Theo aus dem Hubschrauber gestiegen ist, dachte sie. Verlegen erinnerte sie sich daran, dass sie sich wie eine Rasende auf ihn gestürzt hatte. Immerhin ist er ja sofort hergeflogen, um mich nach London zurückzubringen, überlegte sie widerstrebend. Und er scheint auch wirklich entsetzt darüber zu sein, was sein Großvater sich geleistet hat.

„Mr Atrides“, begann sie leicht nervös. „Ich möchte mich dafür entschuldigen, wie ich mich vorhin bei Ihrer Ankunft benommen habe. Ich … ich … hatte große Angst … Ich war … schrecklich verwirrt, und ich … wusste nicht, was passiert war …“

Sie brach ab. Theos Miene wirkte verschlossen. So als ob er einzuschätzen versuche, was ich gesagt habe, ging es ihr durch den Kopf. Nein, verbesserte sie sich, sondern so, als ob er einzuschätzen versuche, warum ich es gesagt habe.

Aufmerksam sah sie ihn an und fragte sich im Stillen, was wohl in ihm vorgehen mochte.

Er hob die Schultern, sodass sie das Spiel seiner Muskeln unter dem eng anliegenden Polohemd erkennen konnte. Leandra wurde bewusst, wie perfekt sein Körper gebaut war. An diesem Mann gab es wahrhaftig kein Gramm Fett zu viel! Wie immer er sich auch fit halten mochte, er war hervorragend durchtrainiert …

Entschlossen kehrte Leandra mit ihrer Aufmerksamkeit wieder zu dem zurück, was Theo gerade sagte.

„Bitte, Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen! Ihre Reaktion war vollkommen verständlich.“

Seine zuvorkommende Antwort erstaunte sie so sehr, dass sie ihn lediglich verblüfft ansah. Er wirkt auf einmal anders als zuvor, stellte sie fest und merkte dann auch, woran das lag. Der Sarkasmus war aus seinem Gesichtsausdruck verschwunden. Stattdessen war er jetzt erstaunlich liebenswürdig.

„Außerdem“, fuhr Theo fort, „hatten Sie schließlich ein Recht auf einen Gefühlsausbruch. Keine Frau, die so schön ist wie Sie, sollte jemals etwas Derartiges erdulden müssen.“

Leandra blinzelte verwundert. Was hatte Schönheit denn damit zu tun? Entführt zu werden würde jeden Menschen zu Tode erschrecken!

Noch immer lag der umgängliche Ausdruck in seiner Miene, und seine Stimme klang weich und glatt.

„Ich denke, Miss Ross, es ist an der Zeit, dass wir eine Vereinbarung treffen, die, davon gehe ich aus, diese … Eskapade … zur Zufriedenheit aller Beteiligten beenden wird.“

Eskapade? Das hört sich an, als hätte ich mich freiwillig in eine Art verrücktes Abenteuer begeben! dachte sie verärgert.

Theo legte eine Pause ein. Er schloss die Finger um den Stiel seines Weinglases und hob es an den Mund. Leandra beobachtete ihn dabei, außerstande, ihren Blick von ihm loszureißen.

Dann setzte er das Glas wieder ab. Offenbar hatte er bemerkt, dass sie ihn beobachtete.

Er lächelte.

Leandra spürte, wie ihr Herzschlag einen Moment lang aussetzte.

Noch nie zuvor hatte sie Theo Atrides lächeln sehen. Denn wenn es der Fall gewesen wäre, hätte sie sich daran in allen Einzelheiten erinnert. An die Art und Weise, wie seine Lippen sich teilten und dabei weiße, ebenmäßige Zähne enthüllten, ebenso wie an die tiefen Linien zwischen seinen Nasenflügeln und den Mundwinkeln.

Es war ein unwiderstehliches Lächeln, so berauschend und umwerfend, dass Leandra nur dasitzen und ihn anschauen konnte.

Plötzlich schien sie ziemlich außer Atem zu sein.

Und ihr war deutlich bewusst, dass sie nur mit einem Nichts von Morgenmantel bekleidet dasaß – nur etwa eine Armeslänge von dem Mann entfernt, in dessen Gegenwart ihr schon beim ersten Mal, als sie ihn gesehen hatte, die Knie weich geworden waren. Und sie waren hier, auf Theo Atrides’ Privatinsel – einem kleinen Paradies, wohin er Frauen mitnahm, die er wegen ihrer Schönheit und Attraktivität als seine persönlichen, intimen Gefährtinnen ausgewählt hatte …

Ein Gefühl der Schwäche machte sich in ihr breit, während gleichzeitig Hitze durch sie hindurchzuströmen schien.

Wie es wohl wäre, eine jener Frauen zu sein?

Wie wäre es, von Theo Atrides hierhergebracht zu werden, mit ihm zu essen und zu trinken, danach auf die mondbeschienene Terrasse hinauszutreten und zu spüren, wie er hinter ihr stand und die Arme um ihre Taille schlang? Sie an seinen kraftvollen Körper heranzog, über ihre Hüften streichelte, ihre Brüste umfasste und sie zu sich umdrehte, um mit den Lippen ihren Mund zu suchen, ihn zu erforschen, bis sie nach Atem rang …?

Die Vorstellung war so übermächtig, dass Leandra sich dazu zwingen musste, sie von sich zu weisen. Nein! Theo Atrides kann meinetwegen Hunderte von Frauen hierherbringen, sagte sie sich entschlossen. Ich werde sicherlich nie eine davon sein!

Es machte ihr nichts aus, dass er dasaß und sie aus seinen dunklen Augen mit den schweren Lidern ansah, als könne er ihren Körper enthüllen und damit tun, was immer ihm beliebte …

Nimm dich zusammen, ermahnte sie sich. Die Realität ist anders, trostlos und höchst unromantisch. Ich habe nichts mit Theo Atrides zu tun, nicht das Geringste! sagte sie sich energisch. Er ist nichts weiter als der Pilot, der mich nach Athen zurückfliegen und in ein Flugzeug nach London setzen wird.

Endlich sprach er weiter, wieder in diesem sanften, glatten Tonfall, der Leandra ein eigentümliches Unbehagen verursachte. Sie hörte zu. Theo hatte sich in seinem Stuhl zurückgelehnt, eine Hand flach auf dem Tisch, die andere auf der Armlehne. Er wirkte durchaus entspannt.

Seine tiefe Stimme klang weich und gelassen. „Und daher, als eine Geste der … Versöhnung … Miss Ross, bin ich bereit, Ihnen im Hinblick auf den … Stress, dem Sie unterworfen waren, eine großzügige Entschädigung anzubieten. Ich bin mir sicher, ich kann darauf zählen, dass Sie sie in dem Sinne akzeptieren werden, in dem sie angeboten wird – als eine Bestätigung des … Vertrauens … zwischen uns. Sagen wir …“ Ausdruckslos ließ er den Blick auf Leandra ruhen. „… fünfzigtausend Pfund.“

Verständnislos starrte sie ihn an. Wovon redete er?

„Selbstverständlich“, fuhr er mit samtweicher Stimme fort, doch Leandra konnte den schneidenden Unterton darin heraushören, „werden Sie verstehen, dass ich Sie im Gegenzug darum bitten muss, gewisse … Sicherheiten … zu unterzeichnen, die mein Rechtsberater noch aufsetzen wird. Außerdem“, setzte er liebenswürdig hinzu, „bin ich bereit, noch einmal dieselbe Summe hinzuzufügen, als … Trost … für die Beendigung Ihrer Affäre mit meinem Cousin.“

Theo wünschte, Leandra würde ihn nicht so über den Tisch hinweg anstarren. Er zog es vor, einen kühlen Kopf zu bewahren, wenn er Verhandlungen führte. Und der Blick, mit dem sie ihn aus diesen bernsteinfarbenen Augen ansah, war ihm dabei keine große Hilfe. Mit welchen Edelsteinen würde ich diese Frau schmücken, wenn sie mein wäre? fragte er sich. Vielleicht mit Smaragden, zu ihren blonden Haaren? Oder mit Saphiren …?

„Sagen Sie das noch einmal!“

Ihr Ton klang seltsam, doch das war eine willkommene Unterbrechung seiner unangemessenen Träumerei. Leandra Ross würde garantiert keine Edelsteine von ihm bekommen, sondern lediglich Geld. Schnell, einfach – und sehr effektiv.

„Hunderttausend Pfund alles in allem“, bestätigte er, und seine Stimme hatte etwas Endgültiges. Er hatte nicht die Absicht, sich von einer Frau ausbluten zu lassen, die ihn zu der Fantasie verleitete, dass er ihr eine glitzernde Kette um den schlanken Hals legte, während er sich mit seinem Blick an ihren wohlgeformten, üppigen Rundungen ergötzte …

„Sie wollen mir eine Abfindung zahlen“, meinte sie langsam.

Bei dieser unschönen Beschreibung wurde seine Miene verschlossen, um den Widerwillen zu verbergen, den er selbst bei dem empfand, was er tat. Aber Theo wollte einfach nur diese ganze unerfreuliche Angelegenheit so rasch wie möglich hinter sich bringen.

Autor

Lynne Graham
Lynne Graham ist eine populäre Autorin aus Nord-Irland. Seit 1987 hat sie über 60 Romances geschrieben, die auf vielen Bestseller-Listen stehen.

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