Julia Sommer Spezial Band 1

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ÜBER DEN WOLKEN VON BALI von ROBERTS, PENNY
Blütenweißer Strand, türkisfarbenes Wasser … Allison kann die exotische Landschaft kaum genießen. Sie ist nach Bali gekommen, um ihre Höhenangst zu überwinden. Dabei soll ihr der aufregende Fluglehrer Dylan helfen. Aber warum verhält er sich ihr gegenüber so feindselig?

SO WEIT WIE DER OZEAN von ROBERTS, PENNY
Beim Schnorchelurlaub in Brasilien will Amelia sich ihrer Angst vor dem Ozean stellen - und begegnet dem geheimnisvollen Ethan. Sie spürt, dass auch sie den verwegenen Tauchlehrer fasziniert. Doch nach einer wundervollen Nacht unter Palmen weist er sie kühl zurück …

ZWEI EINSAME HERZEN IN IRLAND von ROBERTS, PENNY
Als Anne ein abgelegenes Cottage in Irland mietet, um ihre Furcht vor der Einsamkeit zu besiegen, staunt sie nicht schlecht: Der Besitzer ist Aidan Gillespie, ein echter Lord! Allerdings hält der attraktive Adlige sie für eine Hausbesetzerin und will sie hinauswerfen …


  • Erscheinungstag 28.08.2015
  • Bandnummer 1
  • ISBN / Artikelnummer 9783733706524
  • Seitenanzahl 384
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Penny Roberts

JULIA SOMMER SPECIAL BAND 1

3 ROMANE VON PENNY ROBERTS

Über den Wolken von Bali

Als hätte Dylan es geahnt: Kaum ist er bereit, Allison Flugstunden zu erteilen, beginnen die Probleme. Denn wie sich herausstellt, hat die hübsche Engländerin Höhenangst! Als außerdem aus heiterem Himmel seine Cessna streikt, wachsen Zweifel in Dylan: Hat sein ärgster Konkurrent die junge Touristin auf ihn angesetzt, um eine Skandalstory zu provozieren?

So weit wie der Ozean

Cocktailpartys? Empfänge? Seit einer bitteren Liebesenttäuschung will Millionär Ethan davon nichts mehr wissen. Niemand soll seine Ruhe auf der paradiesischen Insel vor Brasiliens Küste stören – vor allem keine unangemeldete Besucherin, die sich in den verflixt süßen Kopf gesetzt hat, ihn als Tauchlehrer zu gewinnen. Sie könnte sein Herz erneut in Gefahr bringen …

Zwei einsame Herzen in Irland

„Tut mir leid, aber darauf kann ich keine Rücksicht nehmen.“ Lord Aidan ist es leid, mit Anne über ihren Aufenthalt in seinem Feriencottage zu diskutieren. Auch wenn ihm die schöne Urlauberin sehr gefällt – er muss sich um dringende Geschäfte kümmern. Da schlägt Anne einen Deal vor: Darf sie bleiben, steht sie ihm als Privatsekretärin zur Verfügung …

PROLOG

Der Strand war blütenweiß, gesäumt von Kokospalmen und türkisfarbenem Wasser, das so klar war, dass es schon beinahe unwirklich erschien. Über allem spannte sich der strahlend blaue Himmel, an dem nicht eine einzige Wolke zu sehen war. Ein Bild wie von einer Ansichtskarte.

Und leider handelte es sich auch nur um eine solche.

Seufzend legte Allison die Karte zurück auf den runden Cafétisch, an dem sie zusammen mit ihren beiden Drillingsschwestern saß. Ringe aus angetrocknetem Milchschaum, Krümel und die zusammengeknüllte Papierumhüllung eines Muffins zierten die Oberfläche. Die Luft war erfüllt vom lauten Summen und Zischen des Kaffeeautomaten und den Gesprächen der anderen Gäste der Caféhauskette.

„Ich hab’s mir überlegt. Ich mache das nicht!“, stellte Allison energisch klar, ohne ihre beiden Schwestern anzusehen.

„Du hast Tante Tillys Brief doch gelesen“, entgegnete Amelia kühl. Immer wenn Allison sie anschaute, hatte sie das Gefühl, in einen Spiegel zu blicken. Obwohl sie keine eineiigen Drillinge waren, waren Amelia und sie sich im Gegensatz zu Anne unglaublich ähnlich – zumindest rein äußerlich. „Es ist ihr letzter Wunsch. Das ist doch wirklich nicht so schwer, oder?“

Typisch Amelia. Sie war nur zwei Minuten älter als Allison. Woher nahm sie das Recht, sich ihr gegenüber so herablassend zu verhalten? Aber das war ja im Grunde nichts Neues. Allison hatte schließlich seit jeher im Schatten ihrer beiden Schwestern gestanden. Der selbstbewussten Amelia und der vorlauten Anne.

Sie war immer die Stille, die Ängstliche gewesen. Die, die beim Schulsport als Letzte gewählt wurde, weil sie so schüchtern und zurückhaltend war. Die graue Maus, die die Jungs nie auch nur eines zweiten Blickes gewürdigt hatten. Die Langweilerin, der Bücherwurm – die Liste ließ sich endlos fortsetzen.

Der einzige Mensch, der sie alle drei immer gleich behandelt hatte, war Tante Tilly gewesen.

Und Tante Tilly war jetzt tot.

Tränen stiegen Allison in die Augen, doch sie blinzelte sie fort. Sie hatte bei der Beisetzung vorhin auf dem Friedhof schon genug geweint. Ihre Tante hätte nicht gewollt, dass sie unglücklich waren. Das hatte sie in dem Brief, den sie ihren drei Nichten hinterlassen hatte, mehr als deutlich gemacht. Außerdem hatte sie sich gewünscht, dass Allison, Amelia und Anne sich wieder miteinander versöhnten – und darüber hinaus noch ein paar andere Dinge, die, wie sich herausgestellt hatte, sogar noch unmöglicher zu realisieren waren.

Die Drillinge waren schon als Jugendliche nicht mehr besonders gut miteinander ausgekommen. Doch Tante Tilly hatte alles noch zusammenhalten können. Bei ihr waren sie aufgewachsen, nachdem ihre Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen waren. Damals waren die Mädchen gerade einmal vier Jahre alt gewesen. Ihre Tante hatte stets zwischen den drei ungleichen Schwestern vermittelt und die Friedensstifterin gespielt.

Bis zu dem Moment, an dem dies schlichtweg nicht mehr möglich gewesen war. Und schuld an allem war ein Mann.

Callum.

Hastig schob Allison die Erinnerung an jene schlimme Zeit in ihrem Leben beiseite. Fest stand, dass sie Tante Tilly sehr viel verdankte. Und deshalb war sie auch gern bereit, ihren Teil dazu beizutragen, dass ihre letzten Wünsche erfüllt wurden.

Aber nicht ausgerechnet so!

„Sei nicht so selbstsüchtig“, tadelte Anne und strich ihr langes rabenschwarzes Haar über die Schulter zurück. „Du wirst doch Tante Tilly zuliebe ein einziges Mal über deinen Schatten springen können.“

Panik stieg in Allison auf, wenn sie auch nur daran dachte!

„Ihr versteht das nicht“, stieß sie heiser hervor. „Ich kann das wirklich nicht tun. Es geht nicht. Einfach unmöglich!“ Wenig hoffnungsvoll blickte sie ihre Schwestern an. „Kann ich nicht einfach irgendetwas anderes tun? An einem Ort, an den zu gelangen ich nicht in eine solche Höllenmaschine steigen muss?“

Anne und Amelia schüttelten simultan die Köpfe. „Du warst einverstanden. Sei doch froh, Alli. Bali soll zu dieser Jahreszeit wunderschön sein. Du hättest es wirklich schlechter treffen können …“

Es gab drei Orte, an die ihre Tante vor ihrem Tod gern noch gereist wäre. Von diesen hatte sie Ansichtskarten besorgt, die sie ihrem Abschiedsbrief beigelegt hatte. Jenem Abschiedsbrief, den Allison jetzt noch einmal zur Hand nahm.

Meine Lieben,

in den vergangenen Monaten, als ich wegen meiner Therapie kaum mehr das Haus verlassen konnte, habe ich sehr viel nachgedacht. Über mein Leben, meine Wünsche – und über euch.

Ich habe immer versucht, zwischen euch zu vermitteln. Leider kann ich euch nun nicht mehr zur Seite stehen. Daher muss ich mich darauf verlassen, dass ihr selbst einen Weg findet, miteinander Frieden zu schließen. Ebenso wie ich mich darauf verlasse, dass ihr mir einen weiteren Wunsch erfüllt.

Drei Eigenschaften gibt es, die mich in meinem Leben vorangebracht haben: Mut, Zuversicht und die Fähigkeit, anderen ihre Fehler zu vergeben. Leider habe ich zu spät erkannt, wie wichtig diese Charakterzüge wirklich sind. Ein Fehler, den ich euch gern ersparen möchte. Und deshalb bitte ich euch, Folgendes für mich zu tun: Seht furchtlos eurer größten Angst ins Auge. Seid zuversichtlich, auch wenn es euch unmöglich erscheint, und vergebt denen, die euch Unrecht zugefügt haben …

Allison schluckte. Sie wusste wirklich nicht, ob es ihnen gelingen würde, sich miteinander auszusöhnen. Wenn sie ehrlich war, zweifelte sie daran. Ja, sie konnte nicht einmal sagen, ob sie es wirklich wollte.

Umso mehr musste sie versuchen, alles andere zu tun, worum Tante Tilly sie gebeten hatte. Und deshalb blieb ihr nur eines: die Zähne zusammenzubeißen und sich ihren Ängsten zu stellen.

„Also schön“, stieß sie gepresst hervor. „Ich werde es versuchen.“

1. KAPITEL

Am liebsten wäre sie gar nicht mehr aus der Bordtoilette herausgekommen.

Allison Weatherspoon konnte kaum zählen, wie oft sie während des fast fünfstündigen Flugs von London nach Bali schon in einem der Waschräume verschwunden war.

Aber immer noch besser, als vor sämtlichen Mitreisenden zu …

Sie betätigte die Spülung, ließ sich noch eine Weile kaltes Wasser über die Handgelenke laufen, was ihrem Kreislauf guttat, und betrachtete währenddessen im Spiegel über dem kleinen Waschbecken ihr Gesicht. Ein Wunder, dass sich ihretwegen noch niemand erkundigt hatte, ob ein Arzt an Bord war. Sie sah ja aus wie der wandelnde Tod! Blass, mit dunklen Ringen unter den leicht geröteten Augen, das blonde schulterlange Haar völlig zerzaust …

Leise aufstöhnend schüttelte sie den Kopf. Wie hatte sie sich bloß auf diese Sache einlassen können? Sie und Flugzeuge – ausgerechnet! Und es war ja nicht gerade so, dass sie es hinter sich hatte, wenn sie gleich ihr Ziel erreichte. Im Gegenteil! Gegen die Sache, die der Grund für ihre Reise nach Bali war, war das hier ein Kinderspiel …

Seufzend schloss sie die Augen. Es war besser, nicht weiter darüber nachzudenken. Je mehr sie sich jetzt verrückt machte, desto schwerer wurde es für sie. Einfach nur einen Schritt nach dem anderen zu machen und nicht daran zu denken, was ihr noch bevorstand, war wohl das Beste, was sie im Augenblick tun konnte. Leider war das leichter gesagt als getan. Schon auf dem Flughafen London Heathrow hatte sie Mühe gehabt, nicht einfach davonzulaufen. Allein beim Gedanken an den bevorstehenden Flug war ihr der kalte Schweiß ausgebrochen.

Allison litt seit ihrer Kindheit an Höhenangst. Und dummerweise gehörte es zum Fliegen nun mal dazu, dass das Flugzeug irgendwann von der Startbahn abhob. Deshalb hatte sie es auch bisher immer vermieden, sich auf diese Weise fortzubewegen. Jetzt aber hatte es keine andere Möglichkeit gegeben.

Und zwar aus zwei Gründen: Stolz und Schuld. Ihr Stolz hatte sie davon abgehalten, vor ihren Schwestern auf die Knie zu fallen und sie darum zu bitten, noch einmal neu auszulosen.

Bei dieser ganzen Sache überhaupt mitzumachen war sie einer anderen, ganz bestimmten Person schuldig.

Tante Tilly …

Als Allison jetzt die Augen wieder öffnete, kullerten zwei einzelne Tränen ihre Wangen hinunter. Der Gedanke an ihre Tante ließ ihr das Herz schwer werden und erinnerte sie daran, dass es weitaus Schlimmeres gab als das, was ihr bevorstand.

Von neuer Entschlossenheit gepackt, nahm sie zwei Papierhandtücher aus dem Spender, trocknete sich die Hände ab und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. Sie würde – musste! – es schaffen. Tante Tilly zuliebe. Und genau deshalb würde sie jetzt auch zu ihrem Platz zurückkehren. Außerdem hatte der Pilot schon vor einer ganzen Weile verkündet, dass der Landeanflug kurz bevorstand. Endlich!

Sie verließ die kleine Kabine und versuchte, so sicher wie möglich zu ihrem Sitz zurückzugelangen. Doch da sich die Maschine bereits im Sinkflug befand, war sie nicht ganz ruhig, sodass Allison sich an den Kopfstützen der Sitze, an denen sie vorbeikam, festhalten musste, um nicht den Halt zu verlieren.

In dem Moment erblickte sie ein kleines Mädchen, das ganz entspannt auf ihrem Platz saß und in einem Buch blätterte. Das Kind war höchstens zwölf Jahre alt und hatte offenbar überhaupt keine Angst. Und sie selbst, eine erwachsene Frau, stellte sich so an!

Allison ärgerte sich darüber, konnte es aber einfach nicht ändern. Immerhin hatte sie sich zuvor ein bisschen im Internet erkundigt, wie andere Menschen, die an Höhenangst litten, Flüge überstanden, und den wichtigsten Rat befolgt: beim Start auf keinen Fall aus dem Fenster zu schauen. Auch bei der Landung sollte man das besser lassen. Und daran würde sie sich gleich halten.

Sie erreichte ihre Reihe, ließ sich auf ihren Platz sinken und nickte ihrer Sitznachbarin, einer älteren Dame mit grauem Haar, die bisher kaum ein Wort gesprochen hatte, zu. In dem Moment verkündete die Stewardess, dass die Landung in wenigen Minuten erfolgen würde, und forderte alle Passagiere auf, die Plätze nun nicht mehr zu verlassen.

Hastig begann Allison, sich ihren Sicherheitsgurt anzulegen. Ihre Finger zitterten leicht, und ihr brach der kalte Schweiß aus. Dann endlich rastete die Schnalle ihres Gurtes ein, und Allison zog noch einmal kräftig an einem Ende, damit auch alles schön eng saß.

„Sehen Sie nur, ist das nicht herrlich?“, fragte in dem Moment ihre Sitznachbarin und deutete neben sich zum Fenster.

Allison folgte ihrem Blick ganz automatisch, obwohl sie sich eigentlich vorgenommen hatte, keinesfalls nach draußen zu schauen, weshalb sie auch extra einen Platz am Gang gebucht hatte.

Doch das, was sie jetzt durch die kleine Fensterscheibe sah, raubte ihr den Atem – und machte es ihr unmöglich, den Blick wieder abzuwenden. Alles war geradezu unglaublich grün: die Insel mit ihren terrassenförmigen Hängen, das glasklare türkisblaue Wasser …

„Das …“ Allison musste sich räuspern, um sprechen zu können. Ihre Kehle war mit einem Mal ganz trocken. „Das ist einfach herrlich!“

Die ältere Dame blickte sie lächelnd an. „Nicht wahr? Und warten Sie ab, bis Sie erst da sind. Bali ist wirklich ein Traum.“ Sie hielt kurz inne. „Es ist doch Ihr erster Besuch auf der Insel?“

Allison nickte. „Allerdings. Aber woher …?“ Sie musste lachen. „Ach, was frage ich? Es dürfte Ihnen ja wohl kaum verborgen geblieben sein, dass ich nicht gerade häufig fliege. Um ehrlich zu sein, dies ist mein erster Flug.“

„Dann haben Sie es ja gleich geschafft. Und – war es so schlimm?“

Sie zuckte mit den Schultern. „Es geht. Ich hatte es mir schlimmer ausgemalt. Aber ich kann mir auch Schöneres vorstellen. Und Sie? Fliegen Sie oft?“

„Oh ja!“ Ein Strahlen legte sich auf das Gesicht der alten Dame. Ihre grauen Augen funkelten. „Seit ich keine Verpflichtungen mehr habe, verreise ich häufig. Ich möchte noch so viel wie möglich von der Welt sehen. Und auf Bali war ich auch schon einige Male. Glauben Sie mir, sobald Sie angekommen sind, fühlen Sie sich wie im Paradies.“

Das Gespräch ging noch eine Weile weiter, und die Dame, die sich irgendwann als Edna vorstellte und erzählte, dass sie in Bloomsbury lebte, gab Allison, die ganz gebannt zuhörte, noch einige Tipps für ihren Aufenthalt.

„Und vor dem Fliegen brauchen Sie wirklich keine Angst zu haben“, sagte Edna irgendwann und lächelte milde. „Flugzeuge sind immer noch das sicherste Fortbewegungsmittel der Welt. Da ist die Gefahr, dass auf dem Weg zum Flughafen hin oder vom Flughafen weg etwas passiert, weitaus größer.“

„Ich weiß das ja eigentlich.“ Allison nickte. „Theoretisch. Aber Start und Landung sind eben doch sehr kritische Momente.“

„Das mag sein. Aber selbst dabei passiert höchst selten etwas. Und Sie selbst haben ja heute beides heil überstanden.“

Allison krauste die Stirn. „Beides? Aber ich …“ Sie stockte, als ein Blick durchs Fenster ihr verriet, dass die Maschine bereits aufgesetzt hatte. „Wir sind schon gelandet?“ Sie schüttelte den Kopf. „Davon habe ich ja gar nichts mitbekommen.“

„Natürlich nicht, Darling. Sie waren ja auch abgelenkt.“

Allison atmete auf. Dankbar lächelte sie der freundlichen Dame zu. Wenige Minuten später trennten sich ihre Wege. Während ihre Sitznachbarin die Maschine in aller Ruhe verließ, war Allison doch froh, endlich ins Flughafengebäude zu gelangen, und beeilte sich entsprechend. Nachdem sie die Passkontrolle hinter sich gelassen hatte, steuerte sie die Gepäckbänder an, um ihren Trolley hoffentlich schnell in Empfang nehmen zu können.

Doch das Gegenteil war der Fall. Als sie das entsprechende Ausgabeband erreichte, stand dieses still, und kein Koffer war zu sehen.

Allison rümpfte die Nase. Sie hatte keine Ahnung, wie lange so etwas dauern konnte, immerhin war dies ihr erster Flug überhaupt. Aber im Internet hatte sie gelesen, dass es heutzutage in der Regel relativ zügig ging.

Die Minuten vergingen, und die Traube aus wartenden Menschen vor dem Gepäckband wurde zusehends größer. Direkt ihr gegenüber, auf der anderen Seite des Bandes, erblickte sie das kleine Mädchen wieder, das ihr vorhin im Flugzeug bereits aufgefallen war. Jetzt hatte Allison Gelegenheit, die Kleine genauer zu mustern: Sie hatte ein hübsches, mit Sommersprossen übersätes Gesicht, das von langem rotem Haar eingerahmt wurde. Die Augen des Mädchens waren ununterbrochen auf ihr Smartphone gerichtet, in das sie mit der rechten Hand irgendwelche Nachrichten tippte, während sie in der linken Hand einen Müsliriegel hielt, von dem sie immer wieder abbiss. Bei ihr war ein älterer Mann, dessen graumeliertes Haar schon ziemlich licht war. Ein typischer Geschäftsmann im maßgeschneiderten Business-Anzug. Allison schätzte ihn auf Anfang sechzig und ging davon aus, dass es sich um den Großvater des Mädchens handelte. Er hielt sich ein Handy ans Ohr gepresst und telefonierte lautstark auf Englisch.

Gerade als Allison den Blick wieder abwenden wollte, geschah es: Das Mädchen hob den Kopf, riss Augen und Mund auf und begann zu röcheln. Innerhalb von Sekunden lief ihr Gesicht rot an, und während sie ihr Smartphone so krampfhaft umfasste, dass ihre Knöchel weiß hervortraten, rutschte ihr der Müsliriegel aus der anderen Hand und fiel zu Boden.

Der Mann an ihrer Seite unterbrach sein Telefonat und sah das Mädchen erst leicht genervt, dann überrascht und schließlich eindeutig besorgt an – so wie auch die anderen Leute um das Mädchen herum.

„Hast du dich verschluckt, Jenny?“, fragte der Mann irritiert und klopfte der Kleinen leicht auf den Rücken, woraufhin die noch lauter röchelte und aufgeregt auf der Stelle zu hüpfen begann.

In dem Moment begriff Allison, dass die Lage ernst war.

Lieber Himmel, das Mädchen erstickt ja!

Im ersten Augenblick wusste sie selbst nicht, was sie tun sollte. Fest stand nur, dass sie helfen musste. Und so vergaß sie alles um sich herum und kletterte über das immer noch stillstehende Gepäckband, um auf schnellstem Weg zu dem Mädchen – Jenny – zu gelangen.

Nur am Rande nahm sie wahr, dass die ganzen anderen Leute tatenlos um sie herum standen, vor Schreck wie erstarrt. Manche guckten nur, andere hielten sich erschrocken die Hand vor den Mund, irgendwann schrie jemand: „Hilfe! Das Kind braucht Hilfe!“

Endlich erreichte Allison das Mädchen. Ohne selbst genau zu registrieren, was sie eigentlich tat, stellte sie sich hinter Jenny und ging auf die Knie.

„Keine Angst, ich helfe dir“, sprach sie beruhigend auf die Kleine ein und umfasste sie von hinten mit beiden Armen, wobei sie ihre Hände relativ weit unten am Bauch des Mädchens platzierte. Noch einmal atmete sie tief durch, dann zog sie ihre Arme ruckartig zu sich heran.

Einmal.

Zweimal.

Endlich machte es „plopp“, und im nächsten Moment schoss etwas – wahrscheinlich ein Stück des Müsliriegels – in hohem Bogen aus Jennys Mund und landete irgendwo hinter dem Gepäckband.

Das Mädchen hustete noch ein paar Mal und schnappte röchelnd nach Luft, dann beruhigte es sich langsam.

Erleichtert atmete Allison auf und drehte die Kleine zu sich herum. „Und?“, fragte sie und bemühte sich um ein Lächeln. „Geht’s wieder?“

Jenny nickte. In ihrem Blick lagen Schreck und Irritation. „Ich … ich hab mich wohl verschluckt“, sagte sie.

Allison lachte. „Kann schon mal vorkommen, was?“ Sie strich dem Mädchen übers Haar und stand auf.

„Du meine Güte, Jenny!“, erklang da die Stimme des grauhaarigen Mannes. „Geht es dir gut, Kleines?“

Die beiden wechselten einige Worte, und anschließend wandte der Mann sich Allison zu. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll, Sie … Sie haben meiner Enkelin das Leben gerettet!“

Verlegen winkte Allison ab. „Ach was! Das war doch nichts. Und hätte zudem jeder getan.“

„Jeder?“ Der Mann deutete mit einer alles umfassenden Handbewegung auf die umstehenden Leute, die sich bereits wieder anderen Dingen widmeten. „Sehen Sie hier irgendjemanden, der sich auch nur gerührt hat? Und da schließe ich mich ausdrücklich ein.“ Er hob die Arme. „Ich war einfach nur vollkommen erstarrt, so wie wohl alle anderen auch. Sie aber haben sofort gewusst, was zu tun ist, und entsprechend reagiert.“ Er kniff die Augen zusammen. „Sind Sie Ärztin?“

Allison lachte bitter auf und schüttelte den Kopf. „Nein, ich habe nicht einmal studiert. Sagen wir einfach, ich bin medizinisch interessiert.“ Nun, das entsprach durchaus der Wahrheit. Denn Allison hatte einmal Ärztin werden wollen. Allerdings hatte das, wie so vieles andere in ihrem Leben, nicht geklappt.

Einer von vielen Punkten, in denen sie sich nicht im Geringsten von ihren Drillingsschwestern unterschied. Denn keine von ihnen hatte bisher irgendetwas erreicht …

„Hören Sie“, riss der Mann sie aus ihren Gedanken. „Ich weiß nicht, wie ich“, er blickte kurz auf seine Enkelin, die sich bereits wieder mit ihrem Smartphone beschäftigte, „wie wir uns bei Ihnen bedanken können. Sie haben …“

„Hören Sie, das war wirklich selbstverständlich. Und wenn Sie etwas für Ihre Enkelin tun wollen, gehen Sie sicherheitshalber mit ihr zum Arzt. Die Heimlich-Methode, die ich angewendet habe, kann durchaus mal eine angeknackste Rippe nach sich ziehen. Sie sollten das lieber checken lassen.“

Der Mann nickte dankbar. „Das werde ich. Ach, warten Sie.“ Aus der Tasche seines Jacketts zog er eine Visitenkarte hervor und reichte sie ihr. „Sollten Sie einmal Hilfe benötigen oder irgendwelche Probleme hier auf Bali haben – bitte rufen Sie mich an. Sie würden mir eine große Freude machen.“

„Danke.“ Allison nahm die Karte entgegen und steckte sie ein, ohne sie näher anzusehen. Sie wollte nicht unhöflich sein, war sich aber sicher, dass sie das Angebot des Mannes ohnehin nicht annehmen würde. Und so atmete sie auch erleichtert auf, als das Gepäckband schließlich ansprang und die ersten Koffer auftauchten. Ihr stand jetzt einfach nicht der Sinn nach einer längeren Unterhaltung mit dem älteren Herrn. Dazu hatte sie das eben Erlebte selbst viel zu sehr aufgewühlt. Sie brauchte jetzt dringend ein bisschen Ruhe.

Bevor sie sich der Aufgabe widmete, die sie nach Bali geführt hatte.

Hier muss es irgendwo sein …

Angestrengt spähte Allison vier Stunden später durch die Windschutzscheibe, während sie ihren Mietwagen, einen kleinen, schon recht altersschwachen Mazda – mehr hatte ihr schmales Budget einfach nicht hergegeben – den schmalen holprigen Weg entlanglenkte.

Nachdem sie am Flughafen ihren Koffer an sich genommen und den Wagen abgeholt hatte, war sie auf direktem Weg nach Denpasar gefahren, wo sie schon von England aus ein günstiges Zimmer angemietet hatte. Die Fahrt dorthin hatte sie kaum genießen können, zu groß war die Erschöpfung gewesen, die sie nach den ganzen Anstrengungen des Tages verspürte. Dass sie trotz des völlig chaotischen Verkehrs überhaupt angekommen war, war im Grunde ein Wunder. Wenn es irgendwelche Regeln gab, an die die unzähligen Fahrräder, Autos und Busse sich hielten, dann hatte Allison sie nicht ausmachen können. Und so war sie dann auch, kaum dass sie ihr kleines, aber sauberes Zimmer betreten hatte, ins Bett gefallen, um für ein Stündchen die Augen zuzumachen.

Nun, am späten Nachmittag, befand sie sich wieder in ihrem Mietwagen und näherte sich nach einer halben Stunde Fahrt ihrem Ziel, das sie dank des eingebauten Navigationsgerätes gut gefunden hatte. Und dieses Mal war sie auch in der Lage gewesen, die Fahrt zu genießen – keine große Kunst, bei der Aussicht, die sich ihr geboten hatte: sanft geschwungene Hügel, bedeckt von üppigem Grün – und funkelndes Saphirblau, das zwischen den Bäumen hervorblitzte, als sie der Küstenstraße folgte.

Und dennoch … selbst die herrliche Natur war nicht imstande gewesen, die trüben Gedanken zu vertreiben, die Allison praktisch ununterbrochen verfolgten. Aber war das ein Wunder? Ihr wurde schon schlecht, wenn sie nur daran dachte, wohin sie jetzt wollte – und vor allem, aus welchem Grund.

Sicher, sie hätte auch noch bis zum vereinbarten Termin warten und die Zeit nutzen können, um sich erst einmal ein wenig einzuleben. Sie hätte zur Ruhe kommen und erst einmal die Strapazen des Ankunftstages hinter sich lassen können, bevor sie bis zu ihrer Abreise in vier Wochen, das tun würde, was sie nie im Leben hatte tun wollen. Und was sie auch jetzt noch nicht tun wollte.

Aber es musste sein. Tante Tilly zuliebe …

Seufzend strich sie sich eine Strähne ihres blonden Haars aus dem Gesicht. Vor allem hatte sie sich wohl deshalb schon heute auf den Weg gemacht, um den Mann, bei dem sie einen Termin gemacht hatte, vorab kennenzulernen. Sie wollte unbedingt wissen, mit wem sie es in der kommenden Zeit zu tun haben würde.

Hoffentlich ist er nett und geduldig, dachte sie und sandte ein Stoßgebet zum Himmel. Und nicht irgend so ein raubeiniger, knurriger Typ, der mit Frauen wie mir nichts anfangen kann …

Doch alles, was sie bisher über ihn wusste, war, dass er günstige Preise hatte. Und genau deshalb hatte sie einen Termin bei ihm gemacht. Denn Geld war etwas, an dem es ihr durchaus mangelte.

„Sie haben Ihr Ziel erreicht.“

Die weibliche Stimme des Navigationsgeräts riss Allison aus ihren Gedanken. Sie krauste die Stirn, fuhr langsam noch ein Stück weiter und blickte sich suchend um. Überall sah sie Bäume, Bäume und noch mehr Bäume. Der Duft nach feuchtem Laub und Harz stieg ihr durch das offene Seitenfenster in die Nase. Da entdeckte sie ein Stück weiter vor sich eine breite Einfahrt. Gleich daneben ein großes Schild mit der Aufschrift Burgess Flight School.

Sie atmete tief durch. Nun war sie also hier, um ihren Teil der Abmachung zu erfüllen, die sie mit ihren Schwestern getroffen hatte: den letzten Wunsch ihrer verstorbenen Tante zu erfüllen und ihrer größten Furcht ins Auge zu blicken.

Um auf Bali fliegen zu lernen.

Sie stoppte ihren Wagen und schüttelte den Kopf. Wie, in drei Teufels Namen, hatte sie sich bloß auf dieses Abenteuer einlassen können?

2. KAPITEL

„Lass es gut sein für heute, Wayan.“ Dylan legte den Schraubendreher beiseite und wischte sich die ölverschmierten Hände an einem Tuch ab, das er anschließend auf dem Rand der Motorhaube ablegte. „Morgen ist schließlich auch wieder ein Tag, an dem wir mehr Zeit als Arbeit haben.“

„Aber Boss, wir brauchen die Maschine morgen. Oder haben Sie doch keine Flugstunde?“

Dylan dachte kurz nach, dann schlug er sich mit der flachen Hand vor die Stirn. Die Flugstunde, natürlich! Die hatte er beinahe vergessen! Er schüttelte den Kopf über sich selbst. Inzwischen waren die Buchungen so selten geworden, dass er sich schon richtig daran gewöhnt hatte, keine Stunden mehr zu geben. Bei dem Gedanken daran spürte er, wie Wut in ihm aufstieg. Wut auf die Situation, in der er sich befand, auf seine Hilflosigkeit, daran etwas zu ändern – und vor allem auf Ian Holmwood.

Den Mann, dem er das alles zu verdanken hatte.

Er seufzte. „Wenn ich dich nicht hätte, Wayan … Du hast recht, wir müssen das noch zu Ende bringen. Aber eine Pause brauche ich trotzdem. Nur einen Kaffee, dann bin ich wieder da, okay?“

„Gehen Sie mal nach Hause, Boss, ich mach das schon allein fertig.“ Der alte Balinese fuhr sich mit den großen, plump aussehenden Fingern über seinen grauen Bart. „Sehen Sie nur zu, dass Sie ausgeruht sind für den Flug morgen.“

„Bist du sicher?“ Dylan runzelte die Stirn. „Es dauert bestimmt noch ein paar Stunden, bis die Maschine wieder flott ist.“

„Sie wissen doch, Boss, dass ich froh bin, hier werkeln zu können. Seit meine Tochter ihr drittes Kind bekommen hat, habe ich zu Hause keine ruhige Minute mehr. Die Arbeit ist also durchaus entspannend für mich.“

Dylan sah seinen Mechaniker einen Moment lang skeptisch an, nickte aber schließlich. „Also gut, dann bis morgen früh, Wayan.“

Während Wayan sich daraufhin wieder dem Motor der Maschine – einer Cessna – widmete, an dem sie bis eben gemeinsam geschraubt hatten, trat Dylan aus dem Hangar und überquerte den kleinen Flugplatz.

Obwohl es bereits später Nachmittag war, brannte die Sonne immer noch heiß vom wolkenlosen Himmel. In den fünf Jahren, in denen Dylan jetzt auf Bali lebte, hatte er sich noch nicht an dieses Klima gewöhnt.

Er zog sein schmutziges Shirt aus und wischte sich damit den Schweiß von der Stirn, während er mit freiem Oberkörper auf das kleine Gebäude am anderen Ende des Geländes zulief, in dem sich Empfang und Umkleideräume befanden.

Er hatte es nicht offen sagen wollen, aber er war froh, nach Hause zu können. Nicht dass ihn in der kleinen Hütte am Strand, in der er wohnte, irgendetwas Aufregendes erwartete. Er würde den Abend mit einer Fertigmahlzeit aus der Mikrowelle vor dem Fernseher verbringen – so wie eigentlich jeden Abend, seit Claudia sein Leben ruiniert hatte.

Er erreichte das Empfangsgebäude, trat durch die Hintertür ein und runzelte überrascht die Stirn, als er sich einer Frau gegenübersah.

Einer ungemein attraktiven Frau.

Sie stand vor dem Tresen und war in eine der dort ausliegenden Broschüren vertieft. Das blonde Haar schimmerte wie Gold im Licht der sinkenden Sonne. Sie trug ein locker fallendes, geblümtes Sommerkleid, das ihre weibliche Figur umschmeichelte, und dazu hochhackige Schuhe. Jetzt sah sie auf, wobei ihr Blick an Dylans nackter Brust hängen blieb und ihre hellblauen Augen sich weiteten.

Sie schluckte hörbar. Sie schaute nun höher, aber nur kurz, denn sein Oberkörper schien ihren Blick magisch anzuziehen, wie er amüsiert feststellte.

„Oh, hallo“, sagte sie. „Ich …“ Sie stockte. „Sie sprechen doch Englisch?“

„In dieser Flugschule spricht jeder Englisch“, erwiderte er und trat so dicht hinter den Tresen, bis ihn nur noch die nicht allzu breite Holzplatte von der Besucherin trennte. „Wir sind extra für Urlauber da“, fügte er hinzu.

„Sehr schön.“ Ihr Atem ging schneller, wie das hektische Auf und Ab ihrer Brust verriet. „Ich … hätte gern Ihren Chef gesprochen.“

„Meinen Chef?“

Kurz wirkte sie irritiert. „Ja“, erwiderte sie. „Ihren Vorgesetzten.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Den Besitzer der Flugschule. Oder einen Fluglehrer.“ Sie lächelte, wirkte aber unsicher. War es wirklich nur der Anblick seines nackten Oberkörpers, der sie so aus der Fassung gebracht hatte?

„Möchten Sie einen Termin machen?“, erkundigte er sich.

„Das habe ich schon. Übers Internet.“

Jetzt war es an ihm, überrascht zu sein. „Dann sind Sie …“

„Oh, Entschuldigung, wie unhöflich von mir! Mein Name ist Weatherspoon. Allison Weatherspoon.“

„Sie haben morgen einen Termin“, stellte er fest.

„Ich weiß. Aber ich …“ Sie lächelte. „Ich bin heute auf Bali angekommen und wollte gerne jetzt schon mal vorbeischauen und mich mit allem vertraut machen.“ Fragend sah sie ihn an. „Wäre es denn möglich, meinen Fluglehrer kurz zu sprechen?“

„Nun, das tun Sie bereits.“ Er zwinkerte ihr zu. „Ich bin Dylan Burgess. Mir gehört die Flugschule, und ich werde Sie auch unterrichten.“

Überrascht starrte Allison ihr Gegenüber an. Dieser Mann würde ab morgen ihr Fluglehrer sein? Sie spürte, wie ihr der Atem knapp wurde bei dem Gedanken. Als sie eben hereingekommen und niemand da gewesen war, hatte sie, um die Wartezeit zu überbrücken, in einer der ausliegenden Broschüren übers Fliegen geblättert. Und wieder einmal war ihr bewusst geworden, auf was sie sich überhaupt eingelassen hatte. Das war doch der pure Wahnsinn! Sie konnte nicht einmal auf einen Hocker steigen, ohne dass ihr schwindelig wurde, und da sollte sie lernen, eigenständig ein Flugzeug zu steuern?

Dann war er plötzlich aufgetaucht … Dylan Burgess. Was für ein Mann!

Sie hatte ihn für einen Monteur gehalten. Er war sehr groß – mindestens einen Kopf größer als sie selbst, die mit ihren ein Meter achtundsiebzig schon alles andere als klein war –, hatte breite Schultern und trug nichts als ölverschmierte Bluejeans und derbe Arbeiterstiefel. Ihr Blick klebte seitdem förmlich an seinem nackten verschwitzten Oberkörper. In seiner rechten Hand hielt er ein zusammengeknülltes Shirt.

Nun zu erfahren, dass sie es nicht etwa mit irgendeinem Arbeiter, sondern mit ihrem künftigen Fluglehrer zu tun hatte, ließ ihren Mund trocken werden und ihr Herz wild hämmern. Wie sollte sie es aushalten, mit diesem Bild von einem Mann Zeit auf engstem Raum zu verbringen, ohne …?

Sie schüttelte kaum merklich den Kopf. Reiß dich zusammen, Allison, ermahnte sie sich selbst. Du bist nicht hier, um dich dem erstbesten Kerl an den Hals zu werfen, sondern um fliegen zu lernen!

Der Gedanke brachte sie abrupt auf den Boden der Tatsachen zurück. Sie riss ihren Blick von der muskulösen Brust ihres Gegenübers los und blickte ihm stattdessen in die Augen – ein Fehler, wie sich herausstellte, denn auch die zogen sie sogleich in den Bann. Sie waren dunkel und groß und schienen alles in ihrer Umgebung zu erfassen. Und überhaupt das ganze Gesicht! Unrasiert und mit kantigen Zügen hätte es männlicher nicht sein können. Auf die leicht rauen Lippen legte sich in diesem Moment ein amüsiertes, spöttisch wirkendes Lächeln.

Er weiß, dass ich mich an seinem Anblick kaum sattsehen kann! wurde Allison mit einem Mal klar. Sie spürte, wie ihr Gesicht vor Scham zu glühen begann.

Verlegen senkte sie den Blick. „Es freut mich, Sie kennenzulernen.“ Sie räusperte sich angestrengt. „Wie ich schon sagte, wollte ich vorab vorbeikommen, um mir alles anzusehen. Ich … bin ein bisschen nervös, wissen Sie?“

Schlagartig verschwand der leicht belustigte Ausdruck aus seinem Gesicht und wurde ersetzt durch ein mildes professionelles Lächeln. „Das geht den meisten so, die in ihrem Urlaub den Flugschein erwerben wollen.“ Er hob die Schultern. „Immerhin ist Fliegen etwas anderes als Autofahren. Zudem dauert ein gewöhnlicher Flugschein einige Monate und nicht nur wenige Wochen.“

„Aber es ist doch alles …“

„Seriös?“

Sie nickte.

Er lachte. „Das fragen alle, und ich kann es niemandem übel nehmen. Leider gibt es eben auch in dieser Branche, wie überall sonst, schwarze Schafe. Flugschulen, die leere Versprechungen machen, Geld kassieren – und am Ende besteht der Schüler die Prüfung nicht oder wird gar nicht erst zugelassen und fährt mit nichts weiter als einem leeren Portemonnaie nach Hause.“ Zorn blitzte in seinen dunklen Augen auf. „Solche Geschäftemacher sind es, die nicht nur ihren eigenen Ruf, sondern auch den vieler ehrlich arbeitender Mitbewerber ruinieren.“ Er atmete hörbar ein und nickte ihr dann zu. „Aber Sie dürfen mir glauben, dass wir hier nicht so arbeiten. Unsere Flugschüler sind stets zufrieden und erreichen ihr Ziel in den allermeisten Fällen. Ich selbst bin Fluglehrer aus Leidenschaft und immer mit ganzem Herzen bei der Sache.“

Allison lächelte. Es war seltsam, aber mit seinen Worten beruhigte er sie ein wenig. Obwohl sie ihn nicht kannte, glaubte sie ihm doch sofort, dass das Fliegen seine Leidenschaft war und er die Flugschule nicht bloß aus reiner Profitgier betrieb.

„Dann haben Sie sicher auch eine Menge Flugschüler“, vermutete Allison und verharrte, als sie bemerkte, dass Dylan Burgess bei ihren Worten kurz zusammenzuckte. Oder hatte sie sich das bloß eingebildet? „Vermutlich kann ich froh sein, überhaupt einen Termin bekommen zu haben. Es war ja doch recht kurzfristig, und meine Mittel sind schließlich sehr begrenzt … Mir ist es jedenfalls wichtig, dass ich mich bei Ihnen wohlfühle, und Ihre Homepage hat mir auf alle Fälle um einiges besser gefallen als die der anderen Flugschule hier ganz in der Nähe.“

Jetzt strahlte er sie regelrecht an, und Allison spürte, wie ihr die Knie weich wurden.

„Keine Sorge, ich bin sicher, dass Sie die richtige Wahl getroffen haben. Und solange Sie nicht an Höhenangst oder dergleichen leiden, sind Sie bei mir gut aufgehoben.“

Allison zuckte zusammen. Ohne es ahnen zu können, hatte er mit seinen Worten genau ins Schwarze getroffen. Sie war nicht dumm, natürlich hatte sie schon daran gedacht, dass ihre Höhenangst die Flugstunden erschweren könnte. Und eigentlich hatte sie vorgehabt, die Angelegenheit gleich zur Sprache zu bringen. Auch deshalb war sie heute schon hergekommen: um das Gespräch zu suchen.

Jetzt aber fragte sie sich, ob das tatsächlich eine gute Idee war. Die Vorstellung, eine Frau mit Höhenangst zu unterrichten, schien in Dylan Burgess’ Augen absurd zu sein. Wenn sie also jetzt die Karten auf den Tisch legte, stand zu befürchten, dass er sie gleich wieder fortschickte. Und ob sie bei der anderen Flugschule so schnell einen Termin erhalten würde, war mehr als fraglich. Zudem hatte sie das Gefühl, hier besser aufgehoben zu sein.

Sie merkte, wie er sie leicht irritiert ansah, als sie nun schwieg, und beschloss, rasch das Thema zu wechseln. „Meinen Sie, ich könnte mir die Maschine, mit der ich bald fliegen werde, einmal ansehen? Ich habe nicht viel Ahnung von Flugzeugen, aber es interessiert mich sehr.“

Sofort lächelte er wieder. „Ich denke, das lässt sich einrichten. Ich wollte zwar gerade Feierabend machen, aber das ist kein Problem.“ Er deutete mit einem Kopfnicken auf das Shirt in seiner Hand. „Ich mache mich nur rasch frisch und ziehe mich um, dann …“

„Nicht nötig.“ Bleib einfach so, wie du bist. Um ein Haar hätte Allison den Gedanken laut ausgesprochen. Sie schluckte, als ihr bewusst wurde, dass ihr Blick schon wieder an seinem Oberkörper hing. „Ich meine, das mit dem Umziehen … Also …“ Sie schüttelte den Kopf. „Bitte, machen Sie sich meinetwegen keine Umstände. Ich will Sie nicht unnötig von Ihrem Feierabend abhalten, und ich bin auch froh, wenn ich gleich zurück ins Hotel kann.“

Er zuckte mit den Achseln, legte sein Shirt hinter dem Tresen ab und winkte ihr zu. „Also gut, kommen Sie mit, dann zeige ich Ihnen rasch das Baby.“

Angesichts seiner Wortwahl musste sie lächeln, während sie ihm durch eine Tür hinaus ins Freie folgte. Sie wusste nicht, woran es lag, aber aus irgendeinem Grund fühlte sie sich wohl in Dylans Nähe. Durch seine zwar lockere, gleichzeitig aber auch professionelle Art gelang es ihm, ihr vielleicht nicht die Aufregung, aber doch die Angst zu nehmen. Zumindest für den Augenblick.

Und vor allem schafft er es mühelos, dein Herz höherschlagen zu lassen …

Allison schüttelte den Kopf. Über so etwas sollte sie gar nicht erst genauer nachdenken, denn deswegen war sie sicher nicht nach Bali gekommen. Sie wollte Flugunterricht nehmen und sich ganz bestimmt nicht auf irgendeinen Mann einlassen, den sie gar nicht kannte.

Einen Fehler dieser Art hatte sie vor vielen Jahren schon einmal begangen, und sie pflegte ihre Fehler nicht zu wiederholen.

Geblendet kniff sie die Augen zusammen, als sie Dylan durch eine Hintertür nach draußen folgte. Die Sonne stand immer noch hoch am hellblauen, vollkommen wolkenfreien Himmel. An das Klima werde ich mich erst noch gewöhnen müssen, dachte Allison seufzend. Von London her war sie so etwas einfach nicht gewohnt, und da sie aufgrund ihrer Höhenangst bis zum heutigen Tag nie in ein Flugzeug gestiegen war, würde sie wohl einige Zeit brauchen, um sich auf Bali einzuleben.

Nun, genügend Zeit hast du ja. Vier Wochen, um genau zu sein. Vier ganze Wochen, in denen du nichts weiter tun musst, als fliegen zu lernen …

Sie überquerten einen großen Platz, an dessen Ende Allison schon von Weitem ein Flugzeug stehen sah. Unwillkürlich beschleunigte sich ihr Puls, und das Atmen fiel ihr schwer. Die feinen Schweißperlen, die sich auf ihre Stirn legten, rührten auch nicht von den heißen Sonnenstrahlen her, sondern ganz eindeutig vom Anblick des Fliegers.

Es handelte sich um eine sehr kleine Maschine. Viel kleiner, als Allison erwartet hatte, obwohl ihr natürlich klar gewesen war, dass sie keinen Jumbojet steuern würde. Dieses Flugzeug hier kam ihr aber regelrecht winzig vor.

„Das ist es also?“, fragte Allison, als sie es erreichten.

Dylan nickte, nicht ohne einen Ausdruck von Stolz auf seinem Gesicht. „Ganz recht, das ist das Baby. Und? Was sagen Sie?“

„Ich …“ Sie zuckte mit den Achseln. Was sollte sie schon dazu sagen? „Ganz hübsch.“

„Ganz hübsch?“ Mit weit aufgerissenen Augen starrte er sie an. „Ist das alles, was Sie zu diesem Prachtstück zu sagen haben, Lady?“ Er lachte laut auf – und blickte hinüber zur Front der Maschine.

Erst jetzt bemerkte Allison, dass dort noch jemand stand: ein älterer Balinese mit grauem lichtem Haar und einem ebenfalls grauen langen Bart. Er schraubte an der Maschine herum, blickte jetzt aber auf und schenkte Allison ein freundliches warmes Lächeln. „Sie sollten besser ein bisschen mehr Begeisterung zeigen“, riet er ihr augenzwinkernd. „Das Herz meines Bosses hängt nämlich so sehr an diesem Flieger wie das eines Formel-1-Piloten an dessen Rennwagen.“

Allison musste lächeln. „Dann werde ich Ihren Rat wohl besser beherzigen“, erwiderte sie schmunzelnd.

„Dieser Mann dort“, Dylan deutete zu dem Bärtigen, „ist Wayan, mein bester Mechaniker und meine rechte Hand. Und jetzt erzähle ich Ihnen am besten einmal etwas über die Maschine. Wir haben es hier mit einer Cessna zu tun. Klein, wendig, ideal für Anfänger.“ Er nickte. „Am besten, Sie steigen schon einmal ein, um sich mit dem Gefühl vertraut zu machen, hinter dem Steuer einer solchen Maschine zu sitzen.“

Allison schluckte. „Sie meinen, ich soll …“

„Aber natürlich, warum denn nicht?“ Er lachte. „Keine Bange, die Maschine bleibt am Boden. Nur mal Probe sitzen, was meinen Sie?“

„Ich weiß nicht recht, ich …“ Allisons Gedanken rasten. Allein die Vorstellung, in die Maschine zu klettern, sorgte bei ihr schon wieder für Schweißausbrüche. Zwar war das Cockpit bei dieser Maschine nicht wirklich hoch, andererseits hatte sie zu Hause schon Probleme, auf einen kleinen Hocker, geschweige denn auf eine Trittleiter zu steigen. Und dies hier war komplett ungewohntes Terrain für sie. Dennoch – sie wollte es versuchen. Musste es versuchen. Aus drei Gründen. Erstens weil sie immerhin hier war, um Fliegen zu lernen. Für ihre Tante. Zweitens weil sie sich vor ihren Schwestern auf keinen Fall die Blöße geben wollte, zu scheitern. Und drittens wegen Dylan Burgess. Weil sie sich vor ihm nicht anmerken lassen wollte, dass sie an Höhenangst litt.

Und weil du ihm gefallen willst, gib es doch zu!

Während es hinter ihrer Stirn noch arbeitete, zog Dylan eine rollbare, nicht sehr hohe Trittleiter heran. Die lediglich drei Sprossen waren leicht schräg angeordnet, sodass die Leiter eher wie eine kleine Treppe wirkte, die auf der rechten Seite sogar ein wackelig aussehendes Geländer hatte. Dylan lehnte sie gegen die Cessna, stieg auf die erste Stufe, streckte sich und öffnete die Seitentür der Maschine. Dann kam er wieder herunter und machte eine einladende Handbewegung.

„Voilà.“ Er lächelte. „Hereinspaziert!“

Allison starrte ihn an. „Ich soll allein da reinsteigen?“

„Aber ja.“ Er zuckte gelassen mit den Schultern. „Wenn Sie dieses Schätzchen hier in wenigen Wochen fliegen wollen, werden Sie das Einsteigen auf alle Fälle beherrschen müssen.“ Er grinste. „Eine Fernsteuerung kann ich Ihnen jedenfalls nicht bieten.“

Allison spürte, wie ihr der Mund trocken wurde. Und wieder einmal stellte sie sich die Frage, die sie sich in der vergangenen Zeit schon so oft gestellt hatte: Wie hatte sie sich bloß auf diesen Irrsinn einlassen können? Ihr war schließlich klar gewesen, was auf sie zukommen würde. Als Frau, die unter Höhenangst litt, fliegen lernen zu wollen – das war doch der reine Wahnsinn!

Aber jetzt war sie nun mal hier, und bisher hatte sie auch schon überraschend viel geschafft. Dass sie den Flug nach Bali heil überstanden und anschließend sogar einem kleinen Mädchen das Leben gerettet hatte, kam ihr inzwischen so unwirklich vor, dass sie sich selbst immer wieder daran erinnern musste, es nicht lediglich geträumt zu haben.

Da wirst du doch jetzt wohl auf diese winzige Treppe steigen und in den Flieger klettern können! Guck einfach nicht nach unten, dann wird das schon …

Sie nickte, wie um sich selbst zuzustimmen. Und es stimmte ja auch: Sie musste da jetzt durch. Sie konnte keinen Rückzieher machen. Allein schon wegen Tante Tilly.

Aber irgendwie auch wegen dieses unglaublich attraktiven Fluglehrers …

Sie schloss kurz die Augen; dann atmete sie tief durch und umfasste mit der rechten Hand das Geländer der Treppe.

Jetzt nur nicht zu Boden sehen, beschwor sie sich selbst, während sie den rechten Fuß hob und ihn auf die erste Stufe der kleinen Metalltreppe setzte. Und bloß nicht die Nerven verlieren!

Doch kaum, dass sie den Fuß aufgesetzt hatte, spürte sie auch schon, wie ihr Herzschlag zu rasen begann. Ihr Atem ging ebenfalls schneller. Die aufsteigende Panik drohte ihr die Kehle zuzuschnüren.

Allison kannte dieses Gefühl. Kannte es nur zu gut. Trotzdem – sie wollte jetzt nicht aufgeben. Also umklammerte sie das Geländer fester und zwang sich, den linken Fuß nachzuziehen. Nun stand sie mit beiden Füßen auf der ersten Stufe der mobilen Treppe.

Nur noch zwei Stufen …

Sie nahm all ihren Mut zusammen, hob den rechten Fuß erneut an und wollte ihn gerade auf die nächste Stufe setzen, als die Erinnerungen plötzlich kamen.

Allison versuchte noch, sie abzuwehren, doch es war sinnlos. Sie sah sich selbst auf der Hängeleiter, die zum Baumhaus ihres Cousins Nate führte. Mit einem Mal war sie wieder acht Jahre alt und vor Panik so erstarrt, dass sie weder einen Schritt nach vorn noch zurück machen konnte. Immer wieder musste sie daran denken, wie es damals gewesen war.

Der Sturz, der grelle Schmerz, als sie auf dem Boden aufschlug …

Das Flugzeug begann sich vor ihren Augen zu drehen. Sie stieß einen erstickten Schrei aus, verlor den Halt – und fiel nach hinten.

3. KAPITEL

„Hoppla!“

Allison spürte, wie starke Arme sie auffingen. Einen Moment lang fühlte sie sich noch zittrig, doch als sie realisierte, dass sie mit beiden Beinen wieder auf festem Boden stand, entspannte sie sich einigermaßen. Langsam drehte sie sich um und stellte irritierenderweise fest, dass ihr Herz sogleich wieder zu rasen begann. Dieses Mal jedoch nicht vor Angst oder Panik.

Nein, dieses Mal war es wegen Dylan Burgess.

Wie nah er ihr war! Sein nackter Oberkörper war jetzt ganz dicht vor ihrem Gesicht. Dylan sah zu ihr hinab. Er wirkte leicht überrascht, aber auch eindeutig besorgt. Doch das bekam Allison kaum mit. Sein Anblick hielt sie gefangen, während sein männlicher Duft – eine Mischung aus Motoröl und Schweiß – sie einhüllte, benebelte.

Scheu blickte sie zu ihm auf – und hatte prompt das Gefühl, in den unergründlichen Tiefen seiner Augen versinken zu müssen. Ihr stockte der Atem, als er sich leicht zu ihr hinabbeugte und sein Gesicht sich plötzlich dem ihren näherte. Sie spürte seinen Atem, sah seine rauen Lippen, und unwillkürlich fragte sie sich, wie es sich wohl anfühlen mochte, von diesen Lippen geküsst zu werden.

„Ist alles in Ordnung bei euch?“ Die Stimme von Dylans Mechaniker – Wayan – brachte Allison wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, und auch Dylan zuckte zusammen. Aus seinem Blick sprach Verwirrung, und Allison fragte sich, ob ihm soeben ähnliche Gedanken durch den Kopf gegangen waren wie ihr selbst.

Doch wahrscheinlich bildete sie sich das bloß ein. Jedenfalls hatte er sich schnell wieder im Griff und machte in Richtung seines Mechanikers eine abwinkende Handbewegung.

„Alles okay, Wayan“, rief er. „Wir kommen schon klar.“ Zu Allison sagte er deutlich leiser: „Was machen Sie denn für Sachen, Lady?“

„Ich …“ Sie räusperte sich angestrengt. „Es tut mir leid, ich muss wohl ausgerutscht sein.“

„Ausgerutscht?“ Er runzelte die Stirn. „Danach sah mir das aber nicht aus.“

Sie spürte, wie ihr das Blut ins Gesicht schoss und senkte verlegen den Blick. Was tat sie hier eigentlich? War es nicht besser, von Anfang an offen und ehrlich über ihr Problem zu sprechen? Falsche Scham oder Eitelkeit waren hier ganz sicher nicht angebracht. Immerhin war Dylan Burgess ihr künftiger Fluglehrer und nicht irgendein Mann, den sie beeindrucken musste oder wollte.

Sie nickte entschlossen. „Es tut mir leid, das stimmt natürlich nicht. Es ist nur so, dass …“

„Ja?“

„Nun, ich wollte Ihnen die Wahrheit eigentlich nicht sagen, weil ich nicht gern darüber spreche und außerdem ein wenig Angst hatte, Sie könnten …“

„Ich könnte was?“

Sie winkte ab. „Ach, nichts weiter. Es geht darum, dass …“ Sie holte noch einmal tief Luft. Dann fasste sie sich ein Herz und sagte: „Es ist genau das, was Sie vorhin schon gesagt haben, wenn auch im Scherz: Ich leide unter Höhenangst. Deshalb habe ich gerade das Gleichgewicht verloren. Eine Panikattacke.“ Sie probierte ein Lächeln, das jedoch reichlich verunglückte. „Ich hoffe, ich bin trotzdem weiterhin gut bei Ihnen aufgehoben?“

„Gut aufgehoben?“ Dylan konnte nicht fassen, was er da eben zu hören bekommen hatte. Der erste Flugschüler seit Wochen, noch dazu in Form einer unglaublich attraktiven Frau – und dann so etwas! Das konnte doch nicht wahr sein! Er schüttelte den Kopf. „Sie machen wohl Witze.“

„Ich …“ Sie zog die Brauen zusammen. „Nein, keineswegs. Es ist so, wie ich sage. Ich habe Höhenangst. Schon seit meiner Kindheit.“

Das wurde ja immer schöner! „Und wie sind Sie dann nach Bali gekommen? In einem U-Boot?“

„Ich … nein, natürlich nicht.“ Sie lachte, wirkte aber eindeutig verunsichert. „Ich bin ganz normal geflogen, wie jeder andere auch. Ich habe es nicht gerade genießen können, aber es hat geklappt. Wahrscheinlich, weil ich mir, solange ich nicht aus dem Fenster geschaut habe, einreden konnte, immer noch festen Boden unter den Füßen zu haben. Trotzdem – es ist und bleibt so, dass ich unter großer Höhenangst leide.“

„Dann war es das mit uns“, sagte er barsch. „Tut mir leid, aber ich kann Ihnen keine Flugstunden geben. Sie haben umsonst den Weg hierher gemacht.“

Sie riss die Augen auf. Es schien eine Weile zu dauern, bis seine Worte wirklich zu ihr durchdrangen. Dann schluckte sie hörbar und sagte: „Was sagen Sie da? Aber ich … ich kann doch nichts dafür, dass ich dieses Problem habe. Und ich bin doch auch gewillt, es in den Griff zu bekommen.“

„Das mag sein, aber dabei kann ich Ihnen nicht helfen. Sie sollten eine Therapie machen, Lady.“

Sie schüttelte den Kopf. „Ich brauche keine Therapie!“, entgegnete sie ärgerlich. „Ich will Flugstunden, sonst nichts.“

„Die können Sie auch gern nehmen. Aber nicht bei mir. Sorry, aber das ist mir zu stressig. Ich kann mich vor Flugschülern kaum retten. Meine Preise sind günstig, ich biete Qualität und keine schnelle Abfertigung – aber mich noch um jemanden zu kümmern, der nicht einmal allein ins Flugzeug steigen kann, dazu fehlt mir wirklich die Zeit.“

„Bitte, das … das geht nicht. Ich muss diesen Flugschein machen. Unbedingt!“

„Aber nicht bei mir!“ Er musterte Allison mit einem Blick, der sie merklich zusammenzucken ließ. „Und damit ist die Diskussion beendet. Ich habe Ihnen meinen Standpunkt erklärt. Bitte gehen Sie jetzt.“

Schockiert starrte sie ihn an. Aus ihrem Blick sprachen Unglauben, Wut, aber auch Verzweiflung und Traurigkeit. Bildeten sich da gerade Tränen in ihren Augen? Einen Moment lang spürte Dylan Mitleid in sich aufsteigen; doch dann dachte er an Claudia, und er verdrängte dieses Gefühl.

Allison atmete hörbar ein. „Dann gibt es wohl nichts mehr zu sagen.“

Und ehe er noch irgendetwas erwidern konnte, wirbelte sie herum – und stürmte ohne ein weiteres Wort den Weg zurück, den sie gekommen waren.

Kopfschüttelnd blickte Dylan ihr solange hinterher, bis sie im Empfangsgebäude verschwand.

„War das nicht ein bisschen zu heftig, Boss?“, vernahm er sogleich Wayans Stimme hinter sich. „Und unüberlegt dazu?“

Dylan drehte sich um. „Heftig und unüberlegt?“ Er schüttelte den Kopf. „Diese Frau leidet an Höhenangst und will einen Flugschein machen. Weißt du, was das bedeutet, wenn ich mich auf so etwas einlasse?“

Wayan legte seinen Schraubenschlüssel zur Seite und hob die Schultern. „Nun, wie ich das sehe, haben Sie mehr als genug Zeit, sich voll und ganz dieser Frau zu widmen. Ich meine, ich verstehe ja, dass Sie das ihr gegenüber nicht zugeben wollten, aber Ihnen ist schon klar, dass wir auf jeden Flugschüler angewiesen sind? Himmel, Boss, sie ist die erste Kundin seit einer kleinen Ewigkeit!“

Dylan winkte grimmig ab. „Glaubst du, das weiß ich nicht? Aber diese Frau braucht keinen Fluglehrer, sondern einen Therapeuten!“

„Finden Sie nicht, dass Sie jetzt ein wenig übertreiben, Boss? Ich meine, sie ist …“

„Ich übertreibe ganz und gar nicht!“, fiel er seinem Mechaniker aufgebracht ins Wort. „Du hast ja keine Ahnung, was es bedeutet, wenn jemand an Höhenangst leidet!“ Er atmete tief durch und versuchte, sich wieder einigermaßen zu beruhigen. Er ärgerte sich über sich selbst. Er hatte Wayan nicht so anfahren wollen. Der Balinese konnte schließlich nicht wissen, welche Erfahrung Dylan gemacht hatte. Niemand wusste das. Seufzend schüttelte er den Kopf. „Es tut mir leid, Wayan, ich wollte nicht laut werden. Es ist nur … Ich meine, diese Frau hat schon ein Problem damit, in diesen Flieger zu steigen. Das spricht doch Bände, oder nicht?“

Wayan wiegte den Kopf. „Ich weiß nicht, Boss. Offenbar ist sie auch nach Bali geflogen. Vielleicht ist es also doch nicht so schlimm, wie Sie denken?“

„Aber ich habe doch selbst gesehen, wie …“ Dylan hielt inne. Zum ersten Mal stellte er sich die Frage, was diese Frau – Allison – überhaupt antrieb, hierherzukommen, um Flugunterricht zu nehmen. Von jemandem, der an Höhenangst litt, war das jedenfalls nicht unbedingt zu erwarten.

Das hier hatte schließlich nichts mit seiner Vergangenheit zu tun. Immerhin hatte Allison trotz ihres Problems mit der Höhe einen stundenlangen Flug hinter sich gebracht und wollte nun unbedingt selbst fliegen lernen. Es schien ihr wirklich wichtig zu sein, darauf deuteten zumindest die Tränen hin, die er in ihren Augen gesehen hatte. Diese Frau war verzweifelt gewesen, als sie erfuhr, dass er sie nicht unterrichten wollte. Fragte sich bloß, warum. Was für ein Geheimnis steckte dahinter?

Und warum willst du es unbedingt lüften? Diese Person und ihre Beweggründe gehen dich nicht das Geringste an!

Das stimmte. Und es stimmte auch, was Wayan sagte: Im Grunde konnte Dylan es sich gar nicht erlauben, einen zahlenden Flugschüler abzulehnen. Dazu stand es viel zu schlecht um seine Flugschule bestellt.

Seinen Lebenstraum …

Und zu verdanken hatte er diese Misere ausschließlich einem Mann.

Ian Holmwood.

Unwillkürlich ballte Dylan die rechte Hand zur Faust. Der Gedanke an seinen ärgsten Konkurrenten ließ jedes Mal heiße Wut in ihm aufsteigen, und er musste sich zusammenreißen, um nicht laut aufzubrüllen. Als er vor nunmehr sechs Jahren die Flugschule hier eröffnet hatte, war sein großer Traum in Erfüllung gegangen. Der Traum, seine Leidenschaft, das Fliegen, zum Beruf zu machen. Damals war er gerade erst seit ein paar Monaten mit Claudia zusammen gewesen. Das hatte ihn jedoch nicht daran gehindert, sich mit ihr eine gemeinsame Zukunft aufbauen zu wollen.

Es hätte alles so schön sein können, wäre Ian Holmwood nicht gewesen. Der Betreiber der Konkurrenz-Flugschule setzte alles daran, Dylan das Leben schwer zu machen. Dabei schreckte er auch nicht davor zurück, ihn zu verleumden und seinen Ruf unwiderruflich zu schädigen.

Die Folge: Fest gebuchte Termine wurden abgesag und Flugschüler blieben aus. Die Rücklagen, mit denen Dylan die ersten Monate hatte überbrücken wollen, schwanden dahin wie Butter in der Sonne. Und als er schließlich ganz am Boden angekommen war, packte Claudia ihre Siebensachen und ließ Dylan fallen – nur um noch am selben Tag bei Ian Holmwood einzuziehen.

Und das, nach allem, was Dylan für sie getan hatte …

Als nun vor ein paar Tagen Allisons Buchung übers Internet hereingekommen war, war das für Dylan so etwas wie ein Hoffnungsschimmer gewesen. Sicherlich verdiente er kein Vermögen an einem Flugschüler, aber das Geld würde helfen, einige Verbindlichkeiten zu bezahlen und die kommende Zeit zu überbrücken.

Und jetzt das! Wieso, um alles in der Welt, kam diese Frau hierher, wenn …?

Er atmete scharf ein, als ein ungeheurer Verdacht in ihm aufstieg. Konnte es sein, dass Allison gar nicht aus freien Stücken hierhergekommen war? Und wenn es gar nicht stimmte, dass sie an Höhenangst litt, sondern nur so tat? Und zwar, um ihn und seine Flugschule auf die Probe zu stellen?

Steckte womöglich Holmwood dahinter? Hatte er eine Spionin auf ihn angesetzt? Mit dem Auftrag, irgendeine Skandalstory zu provozieren, die Holmwood dann an die Öffentlichkeit bringen konnte, um seinem Konkurrenten den Rest zu geben?

Dylan schüttelte den Kopf. Nein, das war doch vollkommen aus der Luft gegriffen, oder? Was aber, wenn es doch stimmte?

Nun, es gab nur einen Weg, das herauszufinden: Er musste seinen Entschluss, Allison nicht zu unterrichten, rückgängig machen und ihr anbieten, doch Flugstunden bei ihm zu nehmen.

„Was ist mit Ihnen, Boss?“, riss Wayans Stimme ihn aus seinen Gedanken. „Ist alles in Ordnung?“

Dylan nickte hastig. „Ja, ja, Wayan. Ich habe mir nur gerade gedacht, dass du wahrscheinlich recht hast. Wir sind auf jeden zahlenden Gast angewiesen. Und deshalb werde ich jetzt auch sehen, dass ich Miss Weatherspoon noch erwische.“

Wayan lachte und griff nach seinem Schraubenschlüssel. „So gefallen Sie mir schon besser, Boss!“

Doch Dylan nahm die Worte seines Mechanikers kaum noch wahr. Während er über den Flugplatz rannte, um zu schauen, ob Allison schon fort war, nahm der Plan in seinem Kopf Gestalt an. Eines jedenfalls stand fest: Sollte Allison tatsächlich für seinen Konkurrenten arbeiten, würde sie sich schon bald wünschen, sich niemals auf diese Sache eingelassen zu haben.

Allison fühlte sich schrecklich. Wie ein Häufchen Elend saß sie hinter dem Steuer ihres Mietwagens und ließ ihren Tränen freien Lauf.

Als Dylan Burgess ihr vorhin gesagt hatte, dass er sie nicht unterrichten würde, war es ihr nur mit Mühe gelungen, nicht zu weinen. Sie hatte sich umgedreht, war ohne ein weiteres Wort über den Flugplatz gestürmt und anschließend durch den Empfangsraum nach draußen zu ihrem Wagen.

Hier saß sie nun, mit laufendem Motor, damit die Klimaanlage funktionierte, und konnte sich einfach nicht länger zusammenreißen. Schluchzend ließ sie es zu, dass die Erinnerungen mit voller Wucht auf sie einstürzten.

Es war jetzt fünf Monate her, seit sie die Nachricht erhalten hatte, aufgrund derer sie in ein tiefes Loch gefallen war.

Die Nachricht von Tante Tillys Tod.

Allison war gerade von der Spätschicht im Fitness Center, wo sie hinter der Bar arbeitete, auf dem Weg nach Hause gewesen, als der Klingelton ihres Handys erklang. Zu ihrer Überraschung handelte es sich bei dem Anrufer um ihre Schwester Amelia.

Das war seltsam, denn für gewöhnlich sprachen die Schwestern so gut wie nie miteinander. Einmal abgesehen von den alljährlichen Weihnachtstreffen bei Tante Tilly, zu denen alle zusammenkamen und dann gute Miene zum bösen Spiel machten. Ansonsten herrschte Funkstille.

Und das hatte seine Gründe.

Wie immer, wenn Allison an das, was Amelia ihr angetan hatte, zurückdachte, krampfte sich alles in ihr zusammen. Und Anne? Die war auch nicht besser! Oft hatte Allison sich gefragt, wie es sein konnte, dass sie wirklich Drillinge waren. Hielt man da nicht zusammen? War man sich nicht sehr ähnlich?

Aber ähnlich waren sie sich, das zeigte nicht zuletzt ihr gemeinsamer Männergeschmack …

Allison hatte die Gedanken an den Verrat schnell verscheucht, denn Amelias Anruf ließ ein ungutes Gefühl in ihr aufsteigen. Irgendetwas war passiert …

Und ihre Befürchtung bestätigte sich. Denn in jener regnerischen Nacht im März hatte sie erfahren müssen, dass Tante Tilly gestorben war. Nach langer, schwerer Krankheit, von der die Drillinge nichts mitbekommen hatten …

Einige Monate zuvor, als die Schwestern Tilly zu Weihnachten zu Hause in Buckinghamshire besucht hatten, war alles noch in Ordnung gewesen. Zumindest hatte es den Eindruck gemacht. Wenn Allison jetzt allerdings zurückdachte, dann fiel ihr auf, dass Tante Tilly auffallend häufig von Träumen und Wünschen gesprochen hatte, die sie sich in ihrem Leben noch erfüllen wollte. Damals waren Allison und ihre Schwestern sich natürlich noch nicht bewusst gewesen, dass es dazu niemals kommen würde. Davon erfuhren sie erst später, nachdem ihre Tante an Krebs gestorben war. Ihren Nichten hatte sie einen rührenden Abschiedsbrief hinterlassen, in dem sie Allison, Amelia und Anne bat, ihr noch einen letzten Wunsch zu erfüllen …

Ein Klopfen an der Wagentür riss Allison aus ihren Gedanken. Erschrocken schaute sie nach rechts – und sah durch das Fenster direkt in Dylan Burgess’ Gesicht.

Hastig wandte sie den Blick wieder ab und wischte sich rasch mit dem Handrücken die Tränen aus dem Gesicht. Wenn sie eines nicht wollte, dann war es, dass er sah, wie sie weinte.

Noch einmal atmete sie tief durch, dann wandte sie sich ihm wieder zu und ließ die Seitenscheibe herunter.

„Was wollen Sie denn noch?“, fragte sie feindselig. „Mir noch einmal unter die Nase reiben, dass ich bei Ihnen an der falschen Adresse bin? Ich …“

„Nun beruhigen Sie sich doch erst einmal.“ Seine Stimme klang plötzlich gar nicht mehr so abweisend wie vorhin, sondern ganz ruhig und sogar ein bisschen schuldbewusst. „Es tut mir leid, wenn ich Sie zum Weinen gebracht habe.“

„Ich weine nicht“, erwiderte sie sofort. „Ich … habe nur etwas ins Auge bekommen.“

Er überging diese offensichtliche Ausrede mit einem sanften Lächeln, das sofort ihr Herz höherschlagen ließ, ohne dass sie etwas dagegen tun konnte. „Wie gesagt“, fuhr er fort, „meine Reaktion von vorhin tut mir leid. Ich habe nachgedacht und auch mit meinem Mitarbeiter gesprochen. Ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass ich Sie gern unterrichten würde. Sie sollen Ihren Flugschein machen können – und zwar bei mir.“ Er stockte kurz und musterte sie fragend. „Sofern Sie dies noch möchten, natürlich.“

„Ob ich …“ Allison hielt inne. Natürlich wollte sie, keine Frage! Immerhin ging es hier darum, posthum etwas für Tante Tilly zu tun. Und auch darum, nicht vor ihren Schwestern als Versagerin dazustehen – obwohl es ihr eigentlich egal sein sollte, was die von ihr dachten!

Wie immer, wenn Sie an Amelia und Anne dachte, zog sich ihr Herz krampfhaft zusammen. Sie hatte den beiden vertraut und ihnen Callum vorgestellt. Ein Fehler, wie sie inzwischen wusste. Womöglich der größte Fehler, den sie je in ihrem Leben begangen hatte … Sie schüttelte den Kopf. Es ging hier nicht um ihre Schwestern oder um das, was sie ihr angetan hatten, sondern einzig und allein um Tante Tilly. Und wie Allison es auch drehte und wendete: Diese Flugschule hier war ihre einzige Möglichkeit, den Flugschein auf Bali zu machen.

Und diese Möglichkeit würde sie ergreifen.

Sie nickte knapp, bemüht, sich ihre Erleichterung nicht anmerken zu lassen. „Also gut“, sagte sie durch das geöffnete Seitenfenster. „Wann soll es losgehen?“

„Morgen Vormittag“, erwiderte Dylan Burgess. „Ich würde mich wirklich freuen, wenn Sie …“

„Also gut, bis morgen also“, schnitt sie ihm das Wort ab. Dann startete sie den Wagen und fuhr los.

„Moment mal, Sie wollen, dass ich fliege? Heute schon?“, fragte Allison am nächsten Tag entsetzt und starrte Dylan aus weit aufgerissenen Augen an. Sie schüttelte den Kopf. „Das kann unmöglich Ihr Ernst sein!“

Als sie heute früh in ihrem Hotelzimmer aufgewacht war, hatte sie zunächst gar nicht gewusst, wo sie sich eigentlich befand, und sich im ersten Moment ein wenig verloren gefühlt. Doch dann, nachdem die Erinnerung wieder eingesetzt hatte und Allison hinüber zum Fenster gegangen war, um die Vorhänge zu öffnen, hatte sie sich schlagartig besser gefühlt.

Nun, zumindest ein bisschen. Natürlich war hier noch alles fremd, und sie hatte ja auch bislang nur sehr wenig von Bali gesehen. Aber der Ausblick, der sich ihr von ihrem Zimmer aus bot, hatte sie ein wenig an das emsige Treiben in London erinnert. Auf der schmalen Straße unter ihr herrschte ein Gewühl von Menschen. An kleinen Marktständen wurden Früchte und Gemüsesorten angeboten, die Allison noch nie gesehen hatte. Ein schwerer würziger Duft lag in der Luft.

Autor

Penny Roberts
Penny Roberts verspürte schon als junges Mädchen die Liebe zum Schreiben. Ihre Mutter sah es gar nicht gern, dass sie statt Schule und Hausaufgaben ständig nur ihre Bücher im Kopf hatte. Aber Penny war sich immer sicher, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben, und ihr Erfolg als Autorin gibt ihr...
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