Küss Mich, Geliebter Schuft!

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Ihre smaragdgrünen Augen sprühen wütende Funken! Trotzdem würde Connor nichts lieber tun, als Shannon heiß zu küssen. Aber was, wenn er damit eine schallende Ohrfeige riskiert? Denn seit er ihr gesagt hat, dass sie aus seinem Apartmentgebäude ausziehen soll, ist jede Begegnung zwischen ihnen wie ein gefährlicher Tanz auf den Klippen! Apropos Tanz: Mit einem Tanz fing es vor sieben Jahren zwischen ihnen an. Unvergesslich, wie süß und heiß die Nacht damals mit Küssen und Liebe endete! Und apropos Kuss: Connor beschließt, dass Risiko einer Ohrfeige einzugehen


  • Erscheinungstag 13.06.2010
  • Bandnummer 14
  • ISBN / Artikelnummer 9783942031585
  • Seitenanzahl 160
  • E-Book Format ePub
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Leseprobe

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IMPRESSUM

JULIA erscheint 14-täglich im CORA Verlag GmbH & Co. KG,

20350 Hamburg, Axel-Springer-Platz 1

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Geschäftsführung:

Thomas Beckmann

Redaktionsleitung:

Claudia Wuttke (v. i. S. d. P.)

Cheflektorat:

Ilse Bröhl

Lektorat/Textredaktion:

Sarah Hielscher

Produktion:

Christel Borges, Bettina Schult

Grafik:

Deborah Kuschel (Art Director), Birgit Tonn,

Marina Grothues (Foto)

Vertrieb:

asv vertriebs gmbh, Süderstraße 77, 20097 Hamburg

Telefon 040/347-29277

Anzeigen:

Christian Durbahn

Es gilt die aktuelle Anzeigenpreisliste.

© 2007 by Trish Wylie

Originaltitel: „The Return Of The Rebel“

erschienen bei: Mills & Boon Ltd., London

in der Reihe: MODERN EXTRA

Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

© Deutsche Erstausgabe in der Reihe: JULIA

Band 142010 (14/3) 2010 by CORA Verlag GmbH & Co. KG, Hamburg

Übersetzung: Bettina Röhricht

Fotos: gettyimages

Veröffentlicht im ePub Format im 07/2010 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

ISBN-13: 978-3-942031-58-4

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

JULIA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Führung in Lesezirkeln nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlages. Für unaufgefordert eingesandte Manuskripte übernimmt der Verlag keine Haftung. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Satz und Druck: GGP Media GmbH, Pößneck

Printed in Germany

Aus Liebe zur Umwelt: Für CORA-Romanhefte wird ausschließlich 100% umweltfreundliches Papier mit einem hohen Anteil Altpapier verwendet.

Der Verkaufspreis dieses Bandes versteht sich einschließlich der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

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Trish Wylie

Küss mich, geliebter Schuft

 

 

 

 

 

 

1. KAPITEL

Shannon Hennessey verspürte ein unwiderstehliches Verlangen nach Kaffee. So wie jeden Morgen um diese Zeit. Mit anderen Worten, es musste ziemlich genau elf Uhr sein.

Als sich die Haustür mit dem vertrauten Quietschen öffnete, blickte sie in der Erwartung, ein bekanntes freundliches Gesicht zu sehen, mit einem strahlenden Lächeln auf – und ihr Herz blieb fast stehen.

Konnte er es wirklich sein?

Selbstbewusst betrat er die Eingangshalle und blickte mit seinen dunklen Augen geradewegs in Shannons grüne. Als sie schluckte, begann in ihrem Kopf plötzlich der Soulsänger Barry White zu singen.

Connor Flannaghan ließ den Blick kurz umherwandern, dann sah er sie wieder an.

Er ist es wirklich, dachte Shannon und spürte, wie ihr Mund trocken wurde.

„Hi“, brachte sie heraus und verfluchte sich innerlich für diese wenig originelle Begrüßung. Aber was sollte sie auch sagen? Auf dieses unerwartete Zusammentreffen war sie überhaupt nicht vorbereitet – ausgerechnet jetzt, da sie ihr Leben langsam in den Griff bekam. Außerdem hieß es doch: Auf sieben schlechte Jahre folgen sieben gute. Demzufolge war jetzt die gute Zeit.

Während Shannon sich unruhig eine widerspenstige blonde Korkenzieherlocke hinters Ohr schob, beobachtete sie mit zusammengekniffenen Augen Connor, der auf sie zukam. Wie um alles in der Welt schaffte er es nach all dieser Zeit, noch immer so gut auszusehen? Hätte er nicht wenigstens einen Bauch oder Geheimratsecken bekommen können? Irgendetwas?

Ja, irgendetwas, das jenes vertraute Sehnen verhindert hätte. Schon wurden die alten Erinnerungen in ihr wieder wach. Verdammt, dachte sie. Connor Flannaghan war schon immer auf eine fast unverschämte Art und Weise unwiderstehlich gewesen.

Während Barry White unverdrossen in ihrem Kopf weitersang, fühlte sich Shannon von Connors durchdringendem Blick wie hypnotisiert.

Als er näherkam, bemerkte sie, dass er amüsiert wirkte. Sogar sein Gang drückte jene Arroganz und Selbstsicherheit aus, hinter der mehr steckte als nur körperliche Überlegenheit – über die der einen Meter achtzig große Connor mit seinen langen Beinen, den breiten Schultern und den geschmeidigen Bewegungen allerdings auch verfügte. Doch das allein war es nicht. Vermutlich wusste er, dass Barry White in seiner Gegenwart in den Köpfen sämtlicher Frauen zu singen begann.

Weniger als eine Armlänge von ihr entfernt blieb er stehen. Langsam breitete sich ein sehr sexy wirkendes Lächeln auf seinem Gesicht aus, als er den witzigen Spruch auf ihrem T-Shirt las. Das hatte unweigerlich zur Folge, dass er ihre Brüste betrachtete.

Shannon räusperte sich und deutete mit einer Handbewegung nach oben. „Connor, meine Augen sind hier.“

Er lachte ein sehr tiefes, maskulines Lachen und hob die dichten dunklen Wimpern. „Hallo, Shannon.“

Noch immer konnte er ihren Namen auf diese Art sagen. Doch um keinen Preis würde Shannon sich wieder davon verzaubern lassen. Sollte er doch ihren Namen auf diese Art sagen, sooft er wollte. Sie war über ihn hinweg.

Mit aller Macht brachte sie Barry White zum Schweigen und fragte dann: „Was verschlägt dich nach Galway?“ Mühsam rang sie sich ein Lächeln ab, während ihr Herz weiter heftig schlug.

„Ich bin geschäftlich hier.“ Connors tiefe Stimme klang ausdruckslos. „Mir gehört dieses Gebäude“, fügte er nach einer kurzen Pause hinzu.

Shannon lachte. „Nein“, entgegnete sie. „Es gehört Devenish Enterprises. Netter Versuch, Connor.“

Connor, der immer für einen Scherz gut gewesen war, erwiderte: „Ich bin Devenish Enterprises.“

„Nein. Das Unternehmen gehört dem millionenschweren Bauunternehmer Frank McMahon, der Gebäude im ganzen Land besitzt. Oder hast du im Lotto gewonnen?“

Connor lächelte und wechselte das Thema. „Hast du noch Kontakt zu meiner Schwester?“

„Ja, Tess und ich schreiben uns ab und zu E-Mails und telefonieren manchmal miteinander. Deswegen hätte ich wohl auch erfahren, wenn du plötzlich über Nacht reich geworden wärst“, antwortete Shannon. „Also, jetzt mal im Ernst: Warum bist du wirklich hier?“

Ganz sicher nicht meinetwegen, dachte sie. Denn sie hatte ihr halbes Leben lang darauf gewartet, dass er sie überhaupt wahrnehmen würde – bis sie die Dinge schließlich selbst in die Hand genommen hatte … und vom Schicksal dafür bestraft worden war.

„Hattet ihr in letzter Zeit Kontakt?“ Connor warf ihr einen kurzen Blick zu und begann dann, im Foyer umherzustreifen. Er überflog die Informationen an der Pinnwand, bevor er den Blick wieder zu Shannon gleiten ließ.

Es brachte sie ein wenig durcheinander, wie er sich gegen einen Tisch lehnte und gelassen die Arme vor der breiten Brust verschränkte. Doch Shannon gab sich einen Ruck und überlegte, wann sie das letzte Mal von ihrer Jugendfreundin gehört hatte.

In den vergangenen Monaten war sie damit beschäftigt gewesen, sich einzurichten. Dabei hatte sie, damit alles glatt laufen würde, so viel gearbeitet, dass ihr Privatleben auf der Strecke geblieben war. Es war also vermutlich eine ganze Weile her, dass sie mit ihrer Freundin gesprochen hatte.

„Ist irgendetwas passiert, das ich wissen sollte?“, fragte sie.

Ob es nun ihr ehrlich besorgter Tonfall war oder die Frage selbst – etwas an Connors durchdringendem Blick änderte sich. Als er den Kopf zur Seite wandte, sah sie, wie er angespannt den Mund zusammenpresste. Irgendetwas war nicht in Ordnung.

„Connor?“ Shannon musste sich regelrecht dazu zwingen, sich ihm nicht weiter zu nähern. Dazu hatte sie nach den sieben Jahren, die sie getrennt voneinander verbracht hatten, nicht das Recht. Außerdem war in dieser Zeit so viel geschehen, das Shannon zu einem anderen Menschen gemacht hatte. Und nur weil Connor Flannaghan plötzlich wieder in ihrem Leben aufgetaucht war, würde sie sich ihm sicher nicht noch einmal an den Hals werfen – so atemberaubend gut er auch aussehen mochte.

Als Connor tief durchatmete, hoben und senkten sich seine breiten Schultern. Doch statt Shannon eine Antwort zu geben, ließ er die Arme sinken, richtete sich auf und schob die Hände in die Hosentaschen. Erneut begann er ruhelos im Raum umherzustreifen. Seine geschmeidigen Bewegungen erinnerten dabei an die einer Raubkatze. Shannon spürte, wie sie unwillkürlich und sehr heftig auf diese männliche Ausstrahlung reagierte.

„Du arbeitest also hier?“, fragte Connor. „Und welchen Kurs gibst du – Aerobic für Senioren, Tolles Töpfern oder Yummy-Mummy-Yoga?“

„Ich habe das gesamte Gebäude angemietet“, erwiderte Shannon. „Die beiden unteren Stockwerke nutzen verschiedene Gruppen, im obersten wohne ich. Wenn du dich für einen der Kurse interessierst, kann ich dich gerne anmelden.“ Sie musste lächeln, als Connors Augen amüsiert funkelten. „Solltest du allerdings tatsächlich der neue Besitzer von Devenish sein und vorhaben, die Miete zu erhöhen, dann müssten wir uns einmal über notwendige Renovierungsarbeiten unterhalten.“

„So verlockend das Yummy-Mummy-Yoga auch klingt, für so etwas habe ich keine Zeit. Und über Renovierungsarbeiten brauchen wir gar nicht erst zu reden, denn ich werde das Gebäude verkaufen.“

Shannon stockte der Atem. „Was?“

Als Connor nur die Achseln zuckte, fiel ihr plötzlich auf, wie er gekleidet war. Noch nie zuvor hatte sie ihn im Anzug gesehen, geschweige denn in einem, der wie dieses maßgeschneiderte Exemplar sicher mehr gekostet hatte, als sie monatlich an Miete bezahlte. Connor sah darin einfach perfekt aus. Das tat er jedoch auch ganz ohne etwas am Leib, wie Shannon noch sehr genau wusste. Sie schluckte.

Der teure Anzug überzeugte sie letztendlich davon, dass es wohl tatsächlich stimmte, was Connor sagte. Früher hatte er immer Jeans und T-Shirt getragen. Angesichts seiner Fähigkeit, mithilfe seines Charmes, seines guten Aussehens und seines scharfen Verstands geradezu durchs Leben zu segeln, hatte er es auch gar nicht nötig gehabt, mit einem edlen Outfit Eindruck zu schinden.

Im Anzug sah er nicht nur atemberaubend gut aus, sondern strahlte auch Autorität und Macht aus. Und wenn Devenish Enterprises wirklich ihm gehörte, musste er Millionär sein. Doch sollte ihn der Reichtum rücksichtslos gemacht haben – dann passte das nicht zu dem Connor Flannaghan, den Shannon von früher kannte.

Wie dem auch sei, er war jedenfalls nicht mehr der Connor, den sie einmal geliebt hatte. Die Erinnerung an diese Episode in ihrem Leben, die so unglücklich geendet hatte, rief wieder einmal jenen vertrauten Schmerz in Shannon wach.

„Du bist also über Nacht zum Millionär geworden?“, fragte sie.

„Ja, das kann vorkommen.“

Shannon schnaubte. „Natürlich. Du glaubst gar nicht, wie viele Millionäre mich hier täglich besuchen und wie viele Kleider von Dior ich schon geschenkt bekommen habe.“

Connor seufzte ungeduldig. „Es ist doch gleichgültig, wie es dazu gekommen ist. Ich bin der neue Besitzer, und das Gebäude wird verkauft. Deshalb bin ich hier.“

Langsam wurde Shannon die Tragweite seiner Worte bewusst. „Es wird einfach so verkauft, und wir müssen es ohne Vorankündigung verlassen? Wird sofort geräumt, oder dürfen wir noch packen?“

Ohne auf ihre sarkastische Frage einzugehen, erwiderte Connor in einem ihr völlig fremden geschäftsmäßigen Ton: „Ich möchte mir für den Ruhestand ein finanzielles Polster zulegen und reduziere deshalb die Anzahl der Immobilien im Firmenbesitz und …“

„Na, super!“, fiel Shannon ihm ironisch ins Wort.

Connor zog eine seiner dunklen Augenbrauen hoch. „Ist das ein Problem?“

„Nein, warum sollte es? Du kommst hier einfach so hereinspaziert, setzt mich innerhalb weniger Minuten davon in Kenntnis, dass du jetzt ein wichtiger Geschäftsmann und Immobilienbesitzer bist und ich sowohl mein Zuhause als auch meine Lebensgrundlage verlieren werde. Warum sollte das ein Problem sein?“

„Ich werde dir natürlich ein anderes Gebäude als Ersatz beschaffen.“

„Wie überaus großzügig von dir.“

Connor blieb stehen und lächelte sie amüsiert an. „Es ist doch wirklich keine große Sache, Shannon.“

Doch da täuschte er sich. Das Gebäude und die kleine Gemeinschaft, die sich darin gebildet hatte, waren Shannons ganzes Leben. Zum ersten Mal hatte sie seit dem Tod ihrer Großmutter wieder so etwas wie ein Zuhause – und sogar einen bunten Haufen von Menschen, den sie als eine Art Familie betrachtete. Und jetzt wollte Mr. Millionär ihr das alles einfach wegnehmen?

Trotzig hob sie das Kinn und sagte: „Doch, für mich ist es eine große Sache. Und der Connor, den ich früher kannte, hätte sich die Zeit genommen, dies herauszufinden.“

„Warum bedeutet es dir so viel?“ Ohne den Blick von ihr zu wenden, wies er mit der Hand um sich. „Es ist doch nur ein altes, heruntergekommenes und noch dazu ziemlich hässliches Gebäude. Ich suche dir gern Ersatz, das bin ich dir schuldig.“

Shannon hatte gerade ihr Haus verteidigen wollen, das im neugotischen Stil erbaut worden war, doch Connors letzter Satz ließ sie erbleichen. „Du bist es mir schuldig? Was meinst du damit?“

Wieder zuckte er die Schultern. „Wir kennen uns persönlich, und ich bin wegen unserer gemeinsamen Geschichte bereit, Zugeständnisse zu machen.“

Shannon blickte ihn starr an und suchte nach passenden Worten. Um nichts in der Welt wollte sie ihre wahren Gefühle preisgeben.

Connor lachte leise. „Warum siehst du mich denn so komisch an?“

Sie gab sich einen Ruck, schüttelte den Kopf und wandte sich ab, um den Terminplaner aufzuschlagen. Sie hoffte inständig, dass Connor nicht das gemeint hatte, was sie vermutete.

„Ich schlage vor, du gehst jetzt und kommst noch einmal wieder, damit wir dieses Gespräch noch einmal von vorne beginnen können. Mir kommt das alles nämlich reichlich unwirklich vor, und außerdem kann ich nicht klar denken, bevor ich nicht meine zweite Tasse Kaffee getrunken habe.“

Während der nächsten Minuten war nur das Geräusch des Bleistifts zu hören, mit dem Shannon auf den Empfangstresen klopfte. Sie brauchte diese kurze Verschnaufpause dringend, in der sie Connor nicht ansehen musste und sich von der Panik erholen konnte, die die Worte „gemeinsame Geschichte“ in ihr ausgelöst hatten.

Als Connor sie plötzlich berührte, wandte Shannon sich um und entzog ihm ihren Arm so abrupt, dass sie mit dem Ellenbogen heftig gegen den hölzernen Tresen stieß.

„Mist!“

„Lass mich mal sehen“, forderte Connor sie auf, doch Shannon wich ihm aus.

„Nein. Geh endlich, Connor!“

Er seufzte. „Seit wann bist du denn so ein furchtbarer Dickkopf?“

„Vielleicht seit du plötzlich Millionär geworden bist?“, gab sie zurück.

Da sie sich um keinen Preis von ihm helfen lassen wollte, verschränkte Connor wieder die Arme vor der Brust. „Bist du langsam fertig mit deinem kleinen Wutanfall?“, fragte er gereizt und blickte auf die Uhr. „Ich habe nämlich in einer halben Stunde den nächsten Termin.“

Gerade wollte Shannon etwas Ironisches darauf erwidern, als er sich ihr näherte. Im nächsten Moment stand sie wie gefangen zwischen seinem muskulösen Körper und dem Empfangstresen.

Bei Connors nächsten Worten klang seine Stimme tiefer, leiser und deutlich entschlossener. Unwillkürlich fragte Shannon sich, ob er schon immer eine so faszinierende, zutiefst männliche Ausstrahlung gehabt hatte.

„Ich hätte dir auch einfach ein Schreiben schicken können, Shannon. Aber als ich deinen Namen im Mietvertrag sah, habe ich beschlossen, persönlich herzukommen und mit dir zu reden – aus Respekt. Der Verkauf dieses Gebäudes ist nichts Persönliches, sondern eine rein geschäftliche Angelegenheit. Und ich werde dafür sorgen, dass du als Ersatz ein anderes Gebäude bekommst, indem du all diese kleinen, netten Kurse anbieten kannst.“

Shannon runzelte die Stirn und wollte gegen seine herablassende Art protestieren, doch Connor ließ sich nicht unterbrechen.

„Ob du es glaubst oder nicht, ich bin nicht hergekommen, um mich mit dir zu streiten, sondern weil ich dich sehen wollte.“

Shannon machte große Augen. „Warum?“

Ein sinnliches Lächeln breitete sich langsam auf Connors Gesicht aus. Und was auch immer sich in den vergangenen sieben Jahren geändert haben mochte – dieses Lächeln kannte Shannon: Connor versuchte, sie mit seinem Charme zu betören. Sieben Jahre zu spät.

„Ich wollte immer wissen, warum du damals einfach gegangen bist, ohne dich zu verabschieden.“ Bedächtig ließ Connor den Blick über ihr Gesicht gleiten, bis dieser schließlich auf ihrem Mund ruhte. Unwillkürlich ließ Shannon nervös die Zungenspitze über die trockenen Lippen gleiten.

„Nach dem, was zwischen uns passiert war, hätte ich erwartet, dass du zumindest kurz Tschüss sagst, bevor du das Land fluchtartig verlässt.“

Shannon schluckte. „Nach dem, was zwischen uns passiert ist?“, wiederholte sie.

Connor blickte ihr in die Augen und sagte leise: „Ist es dir so leicht gefallen, das zu vergessen? Ich dachte, das erste Mal sei immer ein unvergessliches Erlebnis?“

Shannon stockte der Atem. Oh nein, dachte sie mit klopfendem Herzen.

„Du wusstest, dass ich es bin?“

Als er lachte, vertieften sich die Grübchen in seinen Wangen. „Natürlich. Das war dir doch klar. Oder hast du etwa geglaubt, ich hätte dich in der Verkleidung an jenem Abend nicht erkannt?“

Trotz ihres noch immer schmerzenden Ellenbogens stieß Shannon mit beiden Armen heftig gegen Connors Oberkörper. Sie war erfüllt von einem Gefühl der Demütigung und dem starken Drang, so weit weg wie möglich von ihm zu kommen. „Lass mich in Ruhe!“

Als sie den Raum bereits halb durchquert hatte, sagte Connor: „Wir haben noch nicht abschließend über dieses und das neue Gebäude gesprochen.“

Shannon lachte ironisch. „Da gibt es nichts weiter zu besprechen. Ich habe einen Mietvertrag mit langer Laufzeit und werde nirgendwo anders hinziehen.“

„Der Verkauf ist bereits beschlossene Sache, und das Rechtliche wird in sechs Wochen durch sein. Mit anderen Worten, du hast keine Wahl“, entgegnete Connor. „Und es ist gut möglich, dass der neue Besitzer weniger rücksichtsvoll ist als ich. Es sei denn, mit ihm verbindet dich auch eine gemeinsame Geschichte.“

Verdammter

Mit wütender Entschlossenheit wandte Shannon sich um. Sie war nicht mehr der naive Teenager von damals, und es war an der Zeit, dass Connor das begriff.

„Oh doch, ich habe eine Wahl, und ich werde mich wehren, wenn es sein muss. Für mich ist dieses Gebäude nämlich nicht nur eine alte Ruine. Aber das wirst du wohl nie verstehen. Genauso wenig, wie du begreifen würdest, wie mies es war, diese Sache von vor sieben Jahren anzusprechen. Eines kannst du mir glauben: Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich vieles ganz anders machen.“

Schlagartig hörte Connor auf zu lächeln. „Auch das, was zwischen uns beiden passiert ist?“

Die tiefe Wunde, die in Shannons Innerem noch immer nicht verheilt war, ließ sie sofort antworten: „Vor allem das, was zwischen uns passiert ist. Ich hätte es verhindert“, fügte sie hinzu und musterte ihn kühl.

Plötzlich schien die Luft im Raum geradezu arktisch kalt zu sein.

„Das beantwortet dann ja wohl alle weiteren Fragen“, stellte Connor ironisch lächelnd fest. „Also gut. In den nächsten Tagen wirst du eine schriftliche Bestätigung des Verkaufs sowie eine Liste alternativer Gebäude erhalten.“

„Die Mühe kannst du dir sparen. Ich werde nicht ausziehen.“

„Gut, wie du willst“, sagte Connor nur und ging hinaus.

Nachdem die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen war, stand Shannon innerlich aufgewühlt noch eine Weile unbeweglich da.

Connor Flannaghan.

Doch als ihr heftig klopfendes Herz sich langsam wieder beruhigte, wurde ihr wieder bewusst, worum es bei Connors Besuch gegangen war.

Ich muss ihn davon abhalten, das Haus zu verkaufen, dachte Shannon. Sie würde um den Ort kämpfen, den sie nun als ihr Zuhause betrachtete.

Autor

Trish Wylie
Alles geschieht aus einem bestimmten Grund, davon ist Trish Wylie überzeugt. So war ein Reitunfall innerhalb ihrer beruflichen Karriere als Pferdedresseurin der Auslöser dafür, dass sie wieder zu schreiben begann, obwohl sie diese Leidenschaft im Laufe der Jahre erfolgreich in den Hintergrund gedrängt hatte. Dabei sammelte Trish schon in der...
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