Liebe ja - Heirat nein

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Obwohl Noreen sich auf den ersten Blick in Parker verliebt hat, lehnt sie seinen Heiratsantrag ab. Sie muss schließlich ihre Farm bewirtschaften und hat keine Zeit, für eine Familie zu sorgen. Denn Parker wünscht sich doch eigentlich eine Mutter für seine süße kleine Tochter, oder etwa nicht?
  • Erscheinungstag 24.03.2018
  • ISBN / Artikelnummer 9783733756093
  • Seitenanzahl 130
  • E-Book Format ePub
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Leseprobe

1. KAPITEL

„Findet ihr nicht auch, dass plötzlich alles viel sonniger erscheint?“, fragte Hattie Mayes lebhaft.

Ihre beiden Schwestern neben ihr auf der Bank musterten sie leicht irritiert. Die drei verbrachten den Sonntagnachmittag damit, das Treiben auf dem Marktplatz zu beobachten.

„Natürlich, Hattie, es ist ein schöner Spätsommertag. Nicht besonders ungewöhnlich für Texas, oder, Charlene?“ Priscilla Cartwright sah ihre jüngere Schwester mit hochgezogenen Augenbrauen an.

„Du sagst es, Priscilla“, stimmte Charlene Starling zu.

„Das mein ich doch nicht, ihr blöden Gänse!“, zischte Hattie. „Guckt doch mal zu dem Brunnen!“

Alle drei wandten die Köpfe zu dem Brunnen vor dem alten Rathaus.

„Was soll an dem so aufregend sein?“, wollte Priscilla wissen.

„Seht ihr nicht den Mann da?“, fragte Hattie ungeduldig. „Den mit dem kleinen Mädchen.“

„In der Tat“, meinte Charlene und machte große Augen.

„Na, langsam kommen wir der Sache näher.“ Seufzend lehnte Hattie sich zurück.

„Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber so einem Mann hätte ich früher keinen Tanz abgeschlagen“, gestand Charlene träumerisch.

„Und wenn schon?“, bemerkte Priscilla trocken. „Wieso sollte das für uns alte Schachteln interessant sein?“

„Na, drei Mal dürft ihr raten.“ Hattie verdrehte die Augen. „Hast du etwa keine Enkelin, die immer noch keinen abgekriegt hat, Priscilla? Mein Patenkind?“

Das war Priscillas wunder Punkt, aber bei besagter Enkelin durfte man das Thema noch viel weniger ansprechen. Noreen Cartwright war nicht nur unglaublich schön und so klug, dass sie ihr Diplom in Stanford summa cum laude absolviert hatte, sondern leider auch so freiheitsbewusst, dass sie keinen Mann an sich ranließ. Nach dem College war sie nach Rockwall zurückgekehrt, um die Farm ihres Vaters zu übernehmen. Selbst wenn sie wollte, hätte sie keine Zeit, Männern schöne Augen zu machen.

„Ich finde, das ist einzig und allein Noreens Angelegenheit“, entgegnete Priscilla pikiert.

Hattie schnaubte. Ihr war das Glück ihrer Patentochter nicht egal! „Ich finde, du solltest hinübergehen und dich vorstellen, Priscilla.“

„Mich vorstellen? Er hat ein Kind dabei, Hattie! Willst du Noreen etwa mit einem verheirateten Mann verkuppeln?“

Hattie seufzte. „Er ist allein erziehender Vater.“

„Wie kommst du denn darauf?“, fragten Priscilla und Charlene gleichzeitig und beobachteten interessiert, wie der Mann seine kleine Tochter auf dem Brunnenrand balancieren ließ.

„Es ist Sonntagnachmittag und keine Frau in Sichtweite.“

„Das ist die fadenscheinigste Erklärung, die mir je …“

Hattie unterbrach Priscilla barsch. „Wenn du es nicht versuchst, wird sich jemand anders an ihn heranmachen, und Noreen hat das Nachsehen.“

Priscilla starrte ihre Schwester entrüstet an.

„Der Mann sieht mir nicht danach aus, als ob er in irgendeiner Form auf Brautschau wäre.“

Er schien einfach nur den warmen Sonntagnachmittag mit seiner entzückenden kleinen Tochter zu genießen. Hattie fühlte sich ein wenig schuldbewusst, aber für Noreens Glück würde sie durchs Feuer gehen.

„Dann mache ich es eben“, verkündete sie.

„Das wirst du nicht.“ Ihre Schwestern drückten sie von beiden Seiten auf die Bank zurück.

„Na gut, wenn ihr meint“, lenkte Hattie mit Unschuldsmiene ein. Sie blickte sich um, und plötzlich warf sie, so weit sie konnte, ihre Handtasche auf die Straße. Dann schrie sie: „Hilfe! Haltet den Dieb!“

Ihre Stimme war offenbar nicht zu überhören, denn der Mann wandte den Kopf in ihre Richtung. „Jemand hat mir …“ Priscilla hielt ihr den Mund zu, aber Hattie fuchtelte wild mit den Armen in der Luft. Der Mann hob seine Tochter vom Brunnenrand, setzte sie sich auf die Hüfte und kam über den Platz auf die drei Damen zu. Hattie schlug Priscillas Hand weg und brachte ein paar Tränen hervor.

„Alles in Ordnung, Madam?“, fragte der Fremde.

„Ja, es geht schon wieder“, sagte Hattie mit bebender Stimme und zeigte auf ihre Handtasche, die verloren auf der Straße lag. „So ein Halbstarker …“

„Es ist nichts“, unterbrach Priscilla sie mit hochroten Wangen. „Sie leidet unter Verfolgungswahn. Niemand wollte …“

„Oh, oh!“, rief Hattie klagend. „Er hat meine Tasche einfach dorthin geworfen. Bestimmt fährt gleich ein Auto darüber!“

Der Mann drehte sich blitzschnell um und lief auf die Straße.

„Hattie, du bist unmöglich“, sagte Priscilla.

„Sei still. Sieh doch, wie toll er das macht“, zischte Hattie ihrer Schwester zu, während sie ihren Retter engelsgleich anlächelte.

„Bitte sehr.“ Der Mann reichte ihr die Tasche, dann stellte er seine Tochter behutsam auf die Füße. Aus der Nähe sah er noch viel besser aus.

„Ist wirklich alles in Ordnung?“, fragte er.

Priscilla bekam einen Hustenanfall, und Hattie stieß ihre Schwester wütend in die Rippen. Immer musste Priscilla die Aufmerksamkeit auf sich lenken. „Danke, mir ist nichts passiert. Wie gut, dass Sie gerade zur Stelle waren. Sie sind nicht von hier, nicht wahr?“ Sie sah den Fremden neugierig an.

„Wir wollten uns den berühmten Brunnen ansehen. Er ist wirklich schön, was, Meg?“ Lächelnd blickte er auf seine Tochter.

Die Kleine strahlte ihren Daddy hingebungsvoll an, und Hattie war ihr sofort verfallen. „Haben Sie Verwandte in Rockwall, äh, Mr. …“

„Parker“, ergänzte er.

„Mr. Parker, haben Sie …“

Er schüttelte lächelnd den Kopf. „Mein Name ist Parker Walden.“

„Oh, Parker“, flötete Hattie. „Wie Parker Stevenson in …“

„Ich finde, du trägst ein bisschen dick auf, Tante Hattie.“

Erschrocken drehte Hattie sich um. In der Tür der Bäckerei hinter ihnen stand Noreen Cartwright und blickte tadelnd auf ihre Tante. Sie hielt einen eingewickelten Blumenstrauß im Arm, im andern eine gefüllte Bäckertüte.

„Wie meinst du das?“, fragte Hattie. Sie wünschte, Noreen wäre nicht gerade jetzt aufgetaucht, wo sich alles so schön anließ. Außerdem hätte sie ruhig etwas Vorteilhafteres anziehen können. Musste sie immer diese schrecklichen Jeans tragen?

Noreen beugte sich herab und küsste ihre Tante auf die Wange. „Ich habe alles mitbekommen, Tante Hattie.“ Sie klemmte sich die Bäckertüte unter den Arm und hielt Parker die Hand hin. „Hi. Ich bin Noreen Cartwright. Und ich fürchte, Sie sind gerade Opfer eines Kuppeleiversuchs geworden.“

„Wirklich?“ Er schien nicht sonderlich überrascht. „Es gab gar keinen Dieb?“

„Nein, nur eine reizende alte Dame, die früher im Baseball-Team gespielt hat.“ Streng blickte Noreen auf ihre Tante. „Du kannst immer noch ziemlich gut werfen.“ Sie blinzelte Parker verschwörerisch zu. „Danke, dass Sie meine Tante gerettet haben, aber jetzt wollen wir Sie nicht weiter aufhalten. Wenn Sie sich beeilen, können Sie noch die Kunstausstellung auf der andern Seite des Platzes ansehen. War nett, Sie kennen zu lernen.“ Sie gab den drei Frauen einen Kuss auf die Wange. „Bis später.“

Das war’s, dachte Hattie frustriert und sah ihrer Nichte nach. Wenn sie doch nur nicht so spröde wäre, dann könnte sie einem Mann wie Parker Walden bestimmt gefallen.

Parker starrte Noreen hinterher. „Warten Sie einen Moment!“, rief er und rannte ihr mit Meg im Arm nach.

„Dem Himmel sei Dank“, seufzte Hattie erleichtert und ließ sich erschöpft auf die Bank fallen. „Der Mann hat alles – sieht gut aus, hat eine tolle Figur, gute Manieren und ist kein Kostverächter.“

„Irgendwann wirst du noch mal richtig Ärger kriegen, Hattie Mayes“, warnte Charlene.

„Charlene hat recht, du solltest dich wirklich ein bisschen am Riemen reißen“, mischte Priscilla sich ein.

„Ach, seid doch still, ihr beiden. Ihr ärgert euch ja nur, weil ich etwas fixer bin als ihr.“ Befriedigt blickte sie dem Paar hinterher. Sie hatte ihren Teil getan. Jetzt konnte das Schicksal seinen Lauf nehmen.

2. KAPITEL

Wie von unsichtbarer Hand fühlte Parker sich von der blonden jungen Frau angezogen. Dabei hatte er nicht die geringste Ahnung, was er sagen sollte.

Er wusste nur, dass er sie nicht einfach so gehen lassen konnte.

„Ja bitte?“, fragte Noreen freundlich distanziert, als er sie, mit Meg an der Hand, eingeholt hatte.

Parker schluckte. Offenbar war sie nicht an ihm interessiert. Was zum Teufel sollte er jetzt sagen?

Da kam Meg ihm zu Hilfe. „Hi!“, sagte sie mit ihrer süßen Kinderstimme.

„Hallo, Kleine.“ Noreens Augen bekamen einen weichen Ausdruck.

Parker blickte voll Vaterstolz auf seine Tochter. Sie hatte ein niedliches Sonntagskleid an, unter dem ihre pummeligen Beinchen hervorlugten. Auf dem Kopf trug sie ein grünes Hütchen, das ihre dunkle Lockenmähne nur mühsam zusammenhielt.

„Sie ist hübsch, Daddy.“

„Das finde ich auch.“ Parker spürte, wie ihm die Sonne in den Nacken stach. Aber vielleicht war ihm auch nur so schrecklich heiß, weil er Noreen ausgesprochen attraktiv fand.

„Danke.“ Noreen sah ihm für eine Sekunde in die Augen, bevor sie sich wieder Meg zuwandte. Sie ging in die Hocke, um auf Augenhöhe mit ihr zu sein. „Hat dir schon jemand gesagt, dass du auch sehr hübsch bist?“

„Ja, mein Daddy.“ Meg nickte eifrig. „Er mag hübsche Sachen.“

„Wie zum Beispiel den Brunnen“, fügte Parker hastig hinzu. Er blickte zurück zu der Bank, wo die kleinen weißhaarigen Damen sich die Köpfe nach ihnen verrenkten. „Wir haben heute einen Ausflug hierher gemacht, um uns den Marktplatz anzusehen.“

Er kam sich schrecklich ungeschickt vor. Anscheinend war er aus der Übung gekommen. Früher hätte er eine schöne Frau einfach nach ihrer Telefonnummer gefragt.

„Ich habe Durst, Daddy“, jammerte Meg plötzlich. „Es ist so heiß.“

Oje, es war fast zwei Uhr, und Meg musste ihren Mittagsschlaf machen, sonst würde sie immer quengeliger werden. Er blickte Noreen bedauernd an.

„Also dann …“, meinte er.

„Da drüben ist eine Eisdiele“, sagte Noreen im selben Moment.

„Aha.“ Wie geistreich. Zum ersten Mal, seit seine Exfrau ihre Sachen gepackt und ihn verlassen hatte, fühlte er sich wieder von einer Frau angezogen. Vielleicht fiel ihm deshalb nicht mehr ein.

Jetzt schien Noreen sich auch unbehaglich zu fühlen. „Möchte Ihre Tochter eine Limonade?“, sagte sie schnell. „Oder ein Eis?“

„Oh ja, Daddy! Bitte, bitte.“ Meg hüpfte begeistert auf und ab.

Prima, wie Noreen das eingefädelt hatte. Jetzt brauchte er nur den Ball zurückzuspielen. „Darf ich Sie auch auf ein Eis einladen, Noreen?“, fragte er. Ihre Blicke trafen sich für einen Moment, und er hielt den Atem an.

„Gern. Ich lege nur schnell die Sachen in meinen Wagen, dann komme ich nach.“

Parker nickte, und Meg griff nach seiner Hand und zerrte ihn in die Eisdiele.

Garrison traute seinen Augen nicht. Seine Stiefschwester ging doch tatsächlich auf den Mann mit seiner kleinen Tochter zu, die in der Ecke saßen. Hatte Noreen etwa eine Verabredung? Sie ging doch nie aus. Ihr ganzes Leben verbrachte sie nur auf dieser heruntergekommenen Farm mit diesen verrückten alten Tanten.

Er hasste Stallgeruch. Letzte Woche war er mit seinem Ferrari in einen Kuhfladen gefahren. Seine glänzenden Radkappen waren total verdreckt. Ekelhaft.

An dem Tag, wo er aus dieser spießigen Kleinstadt herauskäme, würde er eine Wahnsinnsfete veranstalten. Wenn er nur seine vierundvierzig Prozent Anteile an der Ranch verkaufen könnte. Als seine Mutter Noreens Vater geheiratet und ihn mit hierher gebracht hatte, war ihm mit seinen fünf Jahren schon klar gewesen, dass er niemals Teil dieser Familie und ihres stinkenden Landlebens werden würde.

„Willst du noch was, Garrison?“, fragte das Mädchen hinter der Bar.

„Nein.“ Er winkte ab und legte Geld auf die Theke. Langsam ging er auf Noreens Tisch zu.

„Hi, Schwesterchen.“

„Hallo.“ Noreen blickte überrascht auf. „Parker, das ist mein Bruder Garrison. Garrison, das ist Parker Walden und seine Tochter Meg. Sie kommen aus Dallas.“

„Dallas“, wiederholte Garrison anerkennend und schüttelte Parkers Hand. „Was führt Sie denn hierher?“ Er setzte sich unaufgefordert neben Noreen.

„Ich bin Grundstücksmakler und auf der Suche nach einem Objekt.“ Parker ließ den Blick von Garrison zu Noreen wandern. „Kunden von mir suchen hier Land.“

Garrison zog die Augenbrauen hoch. „Was Sie nicht sagen. Wir können noch ein paar zahlungskräftige Mitbürger in Rockwall gebrauchen, was, Noreen?“

Noreen warf ihm einen finsteren Blick zu.

Garrison musterte Parker aufmerksam. So, so, Grundstücksmakler … Der Mann könnte für ihn die große Chance sein, aus seiner finanziellen Misere herauszukommen, wenn er sich für die Farm interessierte. Das Dumme war nur, dass Noreen nicht die Absicht hatte, auch nur einen Quadratmeter ihrer geliebten Farm zu verkaufen. Dabei ging alles immer mehr den Bach runter. Es machte Garrison krank, dass sein Geld in einem solchen Bankrottunternehmen feststeckte. Ohne Noreens Einwilligung konnte er nicht verkaufen.

Spontan fragte er: „Warum kommen Sie nicht nachher bei uns vorbei? Noreen macht ein prima Brathähnchen, und Ihre Tochter würde sicher gern mal auf einem Pony reiten.“

Noreen starrte Garrison ungläubig an, aber Parker war gerade damit beschäftigt, Eis von Megs Kinn zu wischen, und bemerkte es nicht.

„Oh bitte, Daddy, darf ich?“ Meg blickte erwartungsvoll auf ihren Vater.

Garrison klopfte sich innerlich auf die Schulter. Das hatte er genial eingefädelt.

Parker sah Noreen fragend an. „Ist es Ihnen auch recht, wenn wir kommen?“

„Natürlich“, antwortete Noreen lächelnd. „Sie sind herzlich eingeladen.“ Dann stand sie auf und hielt der Kleinen die Hand hin. „Willst du in meinem Lieferwagen mitfahren?“

„Oh ja!“ Das Kind hüpfte begeistert hoch. „Und darf ich wirklich auf einem Pony reiten?“

„Ja, wenn dein Vater nichts dagegen hat.“

Parker nickte zustimmend.

„Später, wenn’s nicht mehr so heiß ist, wird Garrison dich so lange reiten lassen, wie du willst. Nicht wahr, Garrison?“ Sie warf ihrem Stiefbruder einen unschuldsvollen Blick zu.

Dessen Miene gefror augenblicklich. Da hatte Noreen ihn ganz schön ausgetrickst. Kinder und Pferde waren die zwei Dinge, die er am meisten verabscheute. Aber er konnte wohl schlecht ablehnen.

„Ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen“, brachte er mit schiefem Lächeln heraus.

3. KAPITEL

Der klapprige rote Lieferwagen holperte über den Feldweg, der zur Farm führte. Noreen blickte über Megs Kopf hinweg auf ihren unverhofften Gast. „Wenn ich gewusst hätte, dass Sie an Objekten in Rockwall interessiert sind, hätte ich Ihnen sowieso vorgeschlagen mitzukommen.“

„Wieso? Haben Sie Land zu verkaufen?“ Parker sah sie neugierig an.

„Nein, nein. Aber eine Nachbarin von uns. Wir fahren gleich dran vorbei.“

„Wollen Sie das Land nicht selbst kaufen?“

Sie schüttelte den Kopf. „Nein, mehr könnte ich nicht bewirtschaften. Garrison hat keinen Sinn für Landwirtschaft, also muss ich alles allein machen. Das werfe ich ihm nicht vor“, fügte sie hastig hinzu. „Es ist einfach mein Ding und seins nicht.“

Seit ihr Vater tot war, rackerte sie sich ab, um die Farm zu erhalten. Und wenn Garrison diese harte Arbeit nicht mochte, war sie bereit, darüber hinwegzusehen. Sie waren eine Familie, und sie musste ihn akzeptieren, wie er war. Das hatte ihr Vater immer gewollt: eine Familie, die füreinander einstand, wie richtige Blutsverwandte.

„Ich verstehe. Und was macht Garrison so?“

„Na ja … Er ist häufig in Dallas, aber um ehrlich zu sein, weiß ich nicht genau, was er da treibt. Er war schon immer sehr verschlossen.“

„Hast du viele Ponys?“, fragte Meg.

„Ein paar.“ Noreen lächelte. Das kleine Mädchen hatte die braunen Augen ihres Vaters, aber ihr Gesicht war zarter geschnitten. Sicher war Megs Mutter hübsch und zierlich. Der Gedanke versetzte Noreen einen Stich. Sie selbst war eher der burschikose Typ. Schnell wandte sie sich wieder der Straße zu. Ich bin eben eine Farmerin, dachte sie trotzig. Sie verbrachte die meiste Zeit im Freien, und für ihre Arbeit musste sie kräftig sein.

„Wir haben auch Kühe“, fügte sie hinzu. „Eins unserer Shetlandponys heißt Meanie, und es ist genau richtig für dich.“

„Meanie?“, wiederholte Meg.

„Ja. Sie ist das süßeste Pony der Welt. Du darfst sie mit Karotten füttern, wenn du willst.“

„Oh ja!“ Megs Augen strahlten. Als Noreen hochsah, begegnete sie Parkers Blick. Ein Lächeln umspielte seine Lippen, und in seinen großen haselnussbraunen Augen lag so etwas wie Dankbarkeit. Plötzlich wusste Noreen, dass sie diesen Unbekannten aus der Stadt äußerst anziehend fand.

„Habt ihr das gesehen?“ Hattie schnellte von ihrer Bank hoch, als Noreen winkend an ihr vorbeifuhr.

„Ja, liebe Schwester“, antwortete Charlene. „Vielleicht war es doch gut, dass du dieses Theater veranstaltet hast.“

„Das wird sich noch herausstellen.“ Priscillas Ton war wie immer skeptisch. „Schließlich wissen wir alle, was bei Hatties Ideen manchmal herauskommt.“

„Diesmal ist es anders.“ Hattie stand auf und strich ihr Kleid glatt. „Das spüre ich in den Knochen. Sei doch nicht immer so griesgrämig, Priscilla. Davon kriegst du nur Falten.“

„Die kriege ich auch, wenn Noreen unglücklich wird. Nur weil der Mann gut aussieht, heißt das noch lange nicht, dass er unsere Noreen auch so schätzen wird, wie sie es verdient.“ Priscilla stand ebenfalls auf. „Wenigstens sollten wir heute Abend beim Kochen helfen, damit sie mehr Zeit hat für ihren neuen Kavalier.“

Hattie nickte und half Charlene auf. „Ich bin froh, dass du mich bei meinem Projekt unterstützen willst.“

„Ich tue alles für Noreen, außer dass ich mich zu sehr in ihre Privatangelegenheiten einmische. Und dafür bist du auch zu alt, liebe Schwester.“

„Unsinn!“ Mit neugierigen Augen blickte Hattie sich um, während sie zum Taxistand gingen. „Ich bin wie ein guter Wein, der mit dem Alter immer besser wird. Übrigens sollten wir Garrison in Schach halten, während Noreen mit Parker und seiner Tochter beschäftigt ist.“

Alle drei verstummten. Als brave Kirchgängerinnen wollten sie nichts Hässliches über Garrison sagen, aber sie wussten, wenn es nach ihrem Großneffen ginge, wären sie schon längst im Altersheim.

„Selbstverständlich“, erklärte Hattie resolut. „Doch zuerst müssen wir Ned Adams dazu kriegen, dass er uns nach Hause fährt. Anschließend denken wir darüber nach, wie wir Garrison heute Abend beschäftigen.“

Sie ging zum Taxistand hinüber. Ned war ein langjähriger Verehrer Hatties und fuhr sie immer kostenlos durch die Stadt. Allerdings hatte es ihm bisher nichts eingebracht als einen Kuss auf Hatties pfirsichweiche Wange. „Noreen braucht einen Mann. Parker könnte der Schlüssel zum Glück sein.“

Parker folgte Noreen in das hübsche weiße Backsteinhaus. Die schlafende Meg trug er in seinen Armen.

Nie hätte er gedacht, in dieser Stadt eine so atemberaubende Frau zu treffen, wo er doch aus rein geschäftlichen Gründen hierhergekommen war. Dem Himmel sei Dank – und den reizenden alten Damen!

Noreen band sich eine Schürze um ihre schmale Taille.

„Kann ich Ihnen beim Kochen helfen?“, fragte Parker.

„Nein danke.“ Sie blickte in den kleinen Salon, wo er seine Tochter auf ein weiches Sofa gelegt hatte. „Setzen Sie sich zu Meg und genießen Sie die Vorzüge der Klimaanlage, während ich in der Küche beim Hähnchengrill schwitze. Möchten Sie etwas trinken?“

„Ein Wasser wäre nicht schlecht.“ Er lehnte sich gegen die Anrichte. Noreen tat Eiswürfel in ein Glas, füllte es mit Mineralwasser auf und reichte es ihm.

Sie hatte nicht gemerkt, dass die Schleife ihrer Schürze im Rücken aufgegangen war. Parker stellte sein Glas ab und drehte sie herum, um es zuzubinden. Als er ihre schlanke Taille berührte, zitterten seine Hände ein wenig. Es war lange her, dass er einer Frau so nahe gekommen war. Noreens blondes Haar schimmerte unter der Küchenlampe.

„So.“ Langsam drehte er sie zu sich herum und ließ seine Hände auf ihren Schultern liegen. „Alles wieder klar.“

Noreen bewegte sich nicht, ebenso wenig wie er. Über ihnen surrte leise der Ventilator. Sonst war es still. Ich möchte sie küssen, durchfuhr es Parker.

Auch Noreen wünschte, er würde sie küssen. Eigentlich war sie nicht wild auf so etwas, aber bei diesem Mann bekam sie weiche Knie vor Sehnsucht.

Und dann, unfassbar, senkte er den Kopf. Noreen schloss die Augen, während sie auf die Berührung seiner Lippen wartete.

„Huhu!“

Die Haustür wurde aufgerissen, und Parker und Noreen fuhren erschrocken auseinander.

„Jemand zu Hause?“, rief Hattie. „Wir wollen die Hähnchen braten.“

„Wir sind hier.“ Noreen sah Parker verlegen an. Die lieben Tanten hatten wieder mal genau den richtigen Moment erwischt. „Sei leise, Tante Hattie. Meg schläft.“

„Oh, die arme Kleine.“ Hattie platzte in die Küche, und ihr Blick fiel auf die Blumen, die Noreen gekauft und noch nicht in die Vase gestellt hatte. Sie nahm sie und warf einen Blick auf Parker. „Hallo, Parker. Sie bleiben doch sicher zum Abendessen.“

„Ja.“ Er sah Noreen unsicher an.

„Sehr gut.“ Hattie löste die Schleife an Noreens Schürze, die Parker gerade gebunden hatte. „Gib mir das. Ihr zwei könnt solange einen Spaziergang machen.“

„Oh nein, das kann ich …“

„Unsinn.“ Hattie strahlte Parker an. „Und Charlene kann auf Ihre Tochter aufpassen. Lassen Sie sich von Noreen ihr Kürbisfeld zeigen. Das wird dieses Jahr eine Rekordernte, ich spüre es in den Knochen.“

„Okay.“ Zögernd ging Noreen aus der Küche, und Parker folgte ihr. „Glauben Sie, sie will uns wieder austricksen?“, flüsterte er ihr zu.

„Ich fürchte ja.“ Noreen blinzelte ihn verlegen an. „Hoffentlich macht es Ihnen nichts aus, dass sie bestimmte Absichten verfolgt. Ich bin überhaupt nicht an einer Beziehung interessiert, aber meine Patentante versucht ständig, mich unter die Haube zu bringen.“

Parker unterdrückte ein Lächeln. Nachdem sie sich beinahe geküsst hatten, klang Noreens Behauptung, sie sei nicht daran interessiert, sich einen Mann zu angeln, etwas komisch.

Autor

Tina Leonard
Bestseller-Autorin Tina Leonard hat über 40 Romane geschrieben und stand schon auf den „Waldenbooks" und "Bookscan“ Bestsellerlisten. Geboren auf einem Militärstützpunkt, lebte sie in vielen verschiedenen Staaten, bevor sie schließlich ihren Mann kennenlernte und heiratete. Sie hat eine blühende Fantasie und liebt Ihre Arbeit, bei der sie am liebsten über...
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