Plötzlich eine kleine Familie

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Ein Mann, der als Nanny arbeitet: Die Einwohner von Wedlock Creek nennen ihn ein bisschen spöttisch „Manny“. Aber Brooke, für die Nick der Retter in der Not geworden ist, nennt ihn ganz anders: mein heimlicher Traummann, der für immer bei mir und meinen Zwillingen bleiben soll …


  • Erscheinungstag 13.06.2022
  • ISBN / Artikelnummer 9783751514415
  • Seitenanzahl 130
  • E-Book Format ePub
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Leseprobe

1. KAPITEL

An diesem warmen Julimorgen umfasste Nick Garroways To-do-Liste drei Punkte, und je schneller er die beiden ersten schwierigen Punkte abhaken konnte, desto eher kam er zum dritten Punkt – der Belohnung.

Erstens: Sicherstellen, dass es einer Frau namens Brooke Timber gut ging, und nachsehen, ob sie irgendetwas brauchte. Er hatte keine Ahnung, ob Brooke immer noch schwanger war oder das Kind bereits zur Welt gebracht hatte, doch bald würde er es herausfinden.

Zweitens: Seinen Vater besuchen – ob es dem Mann gefiel oder nicht. Trotz der Tatsache, dass sein kleiner Bruder Brandon ihm wahrscheinlich einen Schlag ins Gesicht versetzen würde, sobald Nick das Elternhaus betrat.

Drittens: Eine Ranch weit entfernt von Wedlock Creek kaufen. Ihm schwebten ein paar Tausend Morgen Land und ein Farmhaus mit einem verwitterten Stall vor. Außerdem ein paar Hunde aus dem Tierheim, ein Pferd, hundert Rinder für den Anfang, vielleicht einige Schafe und definitiv Hühner.

Nachdem Nick seinen Jeep in der Nähe des Marktplatzes von Wedlock Creek geparkt hatte, stieg er aus und streckte seine Muskeln. Die Fahrt von Texas zu der Kleinstadt in Wyoming hatte sehr lange gedauert. Er war noch vor Tagesanbruch losgefahren, und jetzt war es bereits kurz vor acht Uhr.

Er ging in Richtung Main Street und hoffte, dass es das Dee’s Diner noch gab. Er brauchte jetzt unbedingt ein herzhaftes Frühstück. Rühreier mit Speck, Kartoffelrösti und viel Kaffee. Um Kraft für den zweiten Punkt auf seiner Liste zu tanken, würde aber wahrscheinlich nicht mal eine ganze Kanne Kaffee ausreichen.

Auf der Straße waren überraschenderweise schon viele Leute unterwegs, die auf dem Weg zur Arbeit, zum Coffeeshop oder zur Bäckerei waren. Einige gingen auch mit ihren Hunden spazieren.

Am Ende der Main Street betrat er das Dee’s Diner, wo es köstlich nach Kaffee, Pfannkuchen und Frühstücksspeck duftete. Er nahm den Stetson und die Sonnenbrille ab und hoffte, dass niemand hier war, der ihn wiedererkannte und Small Talk mit ihm machen wollte, denn dazu war er momentan einfach nicht in Stimmung.

Fast fünf Jahre lang war er nicht mehr in seiner Heimatstadt gewesen … seit Brandon ihm mitgeteilt hatte, dass er an Thanksgiving nicht mehr willkommen war und den Feiertag von jetzt an lieber in Afghanistan verbringen sollte, weil er das Soldatenleben ja sowieso immer seiner Familie vorzog. Sein Vater hatte nichts gesagt, was diesem Rauswurf widersprochen hätte. Also hatte Nick aufgehört, zwischen Kampfeinsätzen oder während des Urlaubs nach Hause zu kommen.

Einen Moment lang hatte er das finstere Gesicht seines vier Jahre jüngeren Bruders wieder genau vor Augen. Bei dem Gedanken daran, heute mit Brandon zu tun zu haben, verging ihm schon fast der Appetit. Aber er fing ein neues Leben an, und um das tun zu können, sollte er wohl zuerst mit seinem alten Leben abschließen. Er musste einige Dinge mit seinem Vater unbedingt in Ordnung bringen.

Eine Kellnerin begrüßte ihn, führte ihn zu einem Tisch und servierte ihm bereits nach fünf Minuten sein Frühstück – mit der heutigen Ausgabe der Wedlock Creek Gazette als Beigabe.

Während er aß, blätterte er den Lokal- und Sportteil der Tageszeitung durch. Er hatte bereits drei zuverlässige Hinweise auf Ranches, die viele Kilometer von der Stadt entfernt waren, aber er beschloss, dennoch den Anzeigenteil der Zeitung durchzusehen.

Allerdings lagen die darin angebotenen Ranches nicht weit genug von Wedlock Creek entfernt. Er wollte zwar in Wyoming leben, denn hier hatte er seine Wurzeln, aber ein paar Stunden Entfernung zwischen ihm und den Garroways waren wahrscheinlich klüger.

Gerade als er die Zeitung weglegen wollte, wurde er auf eine halbseitige, dick eingerahmte Anzeige aufmerksam.

Kinderfrau gesucht

Erfahrene, fürsorgliche, weichherzige Nanny für relativ unkomplizierte, drei Monate alte Zwillinge gesucht. Von montags bis freitags, neun bis dreizehn Uhr. Die Arbeitszeiten sind verhandelbar. Bei Interesse: Anruf/SMS an Brooke Timber, (307) 555-1022.

Also hatte Brooke Timber Zwillinge bekommen. Nick hatte ein Foto von ihr gesehen. Sie war sehr hübsch, hatte lange braune Haare, große hellbraune Augen und ein Grübchen links neben dem Mund.

Ansonsten wusste er rein gar nichts über sie. Außer dass jemand, dem er einen letzten Gefallen schuldig war, ihr ein Unrecht zugefügt hatte und dieses Unrecht gern aus der Welt schaffen wollte. Jetzt war Nick hier, um das Versprechen einzulösen, das er dem gefallenen Soldaten gegeben hatte … und um das Verhältnis zu seinem Vater endlich zu klären.

Er bestellte eine zweite Tasse Kaffee und riss die Anzeige aus der Zeitung, damit er Brooke Timbers Telefonnummer hatte. Ihre Adresse hatte er bereits gegoogelt. Sie wohnte in der Oak Lane ganz in der Nähe.

Sie hatte ihre Babys in der Anzeige als relativ unkompliziert beschrieben. Das schien ein gutes Zeichen sein. Bei ihr war offenbar alles in Ordnung. Nach einem kurzen Besuch bei ihr könnte er diesen Punkt anscheinend von seiner To-do-Liste streichen.

Früher einmal hätte Nick gesagt, dass er nichts über Babys wusste, aber jetzt stieg eine Erinnerung in ihm auf, die ihm einen Schlag in die Magengrube zu versetzen schien. Das Baby, das er in den Armen hielt, war ungefähr fünfzehn Pfund schwer. Es hatte große, dunkle Augen und glänzende schwarze Löckchen.

Er trank die Tasse Kaffee in einem Zug aus und verdrängte das Bild hastig, das er vor seinem geistigen Auge hatte. Sieh nach, ob Brooke Timber etwas braucht, rede mit deinem Dad, und wenn das alles erledigt ist, kannst du dir eine Ranch kaufen. Das Land und die harte Arbeit werden dich garantiert alles vergessen lassen, was du vergessen musst.

Brooke Timber stand in der langen Reihe vor der Verkaufstheke im Coffeeshop Java Jane’s an und hoffte, dass ihre Zwillinge nicht zu schreien anfingen, bevor sie einen kleinen Eiskaffee bestellt hatte.

Sie warf einen schnellen Blick auf die Tafel an der Wand, laut der ein kleiner Eiskaffee 1,95 Dollar kostete. Was sie gerade wirklich wollte, war ein großer Eis-Mocca mit Sahne; dieser kostete aber leider vier Dollar. Auch das mit Kirschen gefüllte Plunderstück, das in der Auslage lag, musste sie sich aus dem Kopf schlagen. Geld und Zeit waren bei ihr momentan Mangelware, und ihre Nerven lagen gerade ziemlich blank.

„Ga ba!“ Mikey winkte mit seinem neuen Kauspielzeug, das er dann grinsend auf den Boden warf.

Es war nicht einfach, Zwillinge großzuziehen, aber das hatte sie vorher gewusst. Sie war eine alleinstehende Mutter, die keine weitere Familie hatte, und versuchte, als Hochzeitsplanerin erfolgreich zu sein. Dabei musste sie sich in der Stadt gegen vier Mitbewerberinnen behaupten. Das Guthaben auf ihren Bankkonten – privat und geschäftlich – nahm stetig ab. Wie sich herausgestellt hatte, konnte sie einfach nicht alles auf einmal tun.

„Ba ba!“, gluckste Morgan und warf sein Kauspielzeug ebenfalls auf den Boden.

Als sie das breite Grinsen ihres Sohnes sah, ging ihr unweigerlich das Herz auf. Sie hob die Spielsachen auf und steckte sie in die am Kinderwagen befestigte Tasche. Ja, sie war gestresst, aber sie hatte zwei gesunde, hinreißende Babys! Vor deren Geburt hatte sie keine Familienangehörigen mehr gehabt, jetzt hatte sie zwei heiß geliebte Kinder.

„Haben Sie schon das Neueste gehört?“, fragte die Barista die Frau, die vor Brooke an der Reihe war.

Sie konnte es nicht erwarten, ihren Eiskaffee zu trinken und dann mit Mikey und Morgan bei strahlendem Sonnenschein in den Park zu gehen. Dort konnten sie und die Zwillinge ihrer Lieblings-Naturshow zusehen. Zwei Eichhörnchen, die sie Lenny und Squiggy genannt hatte, jagten einander immer wieder einen bestimmten Baum mit riesigen grünen Blättern hinauf und wieder hinunter.

Anschließend würde sie die Babys für ein Schläfchen nach Hause bringen und einen Plan entwickeln, wie sie neue Kunden gewinnen konnte. Denn natürlich hatte sie sich als alleinstehende Mutter von Zwillingen in den ersten drei Monaten notgedrungen potenzielle Kundschaft durch die Finger gehen lassen müssen – auch wenn sie eine Nanny in Teilzeit gehabt hatte.

Die gute Nachricht war, dass ihr Metier Hochzeiten in Wedlock Greek ein sehr gutes Geschäft war. Die Kleinstadt war berühmt für ihre jahrhundertealte Hochzeitskapelle. Laut der Legende, die sich um die Wedlock Creek Chapel rankte, wurden darin getraute Ehepaare immer mit Mehrlingen gesegnet – sei es durch die Ehe, die Wissenschaft oder durch Zufall.

Manche Leute machten sich zwar über die Legende lustig, aber in der Stadt gab es tatsächlich außergewöhnlich viele Mehrlinge – Zwillinge, Drillinge, Vierlinge und sogar Fünflinge. Also konnte die Legende nicht vollkommen aus der Luft gegriffen sein.

Hochzeiten in der Wedlock Creek Chapel waren besonders bei denjenigen Paaren äußerst gefragt, die viele Babys auf einmal bekommen wollten. Ihre beiden neuen Mitbewerberinnen beunruhigten Brooke nicht so sehr wie die beiden etablierten Konkurrentinnen. Aber sie versuchte, die Agentur ihrer geliebten verstorbenen Großmutter dennoch weiterzuführen. Dream Weddings existierte jetzt seit siebenundzwanzig Jahren, und sie wollte das Andenken ihrer Großmutter ehren.

„Die Satler-Drillinge sind verlobt!“, verkündete die Barista nun. „Ist das nicht unglaublich?“

Brooke spitzte sofort die Ohren und ging eilig zur Theke, als die Kundin vor ihr Platz gemacht hatte. „Haben Sie gerade gesagt, dass sich die Satler-Drillinge verlobt haben? Alle drei auf einmal?“

„Ja. Ich habe gehört, dass sie auch alle drei zusammen Hochzeit feiern wollen. Inklusive eines üppigen Empfangs. Ist das nicht wundervoll? Alle drei haben sich gestern Abend zur selben Zeit an verschiedenen Orten verlobt. Die Freunde der Drillinge haben das genau geplant. Wie unglaublich süß und romantisch!“

Sie schätzte die Gästeliste bei der Hochzeit auf gut fünfhundert Leute. „Sehr romantisch“, stimmte sie zu, drehte den Kinderwagen um und verließ eilig den Coffeeshop. Einen Eiskaffee konnte sie sich auch noch zu Hause zubereiten. Sie musste sich unbedingt den Auftrag für die Drillingshochzeit sichern! Ihre Gedanken überschlugen sich fast.

„Ich verspreche euch, dass wir später noch zu Lenny und Squiggy gehen“, sagte sie zu den Zwillingen, als sie zu Hause ankam. Sie hob die Babys aus dem Kinderwagen und ging mit Mikey auf dem einen Arm und Morgan auf dem anderen Arm in das Büro von Dream Weddings am Ende des Flurs.

Ihre Großmutter hatte ein Zimmer im Erdgeschoss in ein Büro mit Außeneingang über die Veranda und einen kleinen Flur verwandelt. Draußen hing ein handgemaltes, weißes Holzschild, und die bauschigen weißen Satinvorhänge mit den Volants vor dem Erkerfenster erinnerten unwillkürlich an ein wunderschönes Brautkleid.

Nachdem sie ihre Söhne in ihre Babywippen gesetzt hatte, fuhr sie den Laptop hoch und entwarf eine Traumhochzeit für ihre drei potenziellen Kundinnen. Vierzig Minuten später stellte sie ihr Angebot fertig und zwang sich, mit dem Anruf bei Suzannah Satler bis neun Uhr zu warten, denn das war eine akzeptable Zeit. Sie hatte die Drillingsschwester bei einem Strickkurs kennengelernt, den sie vor der Geburt der Zwillinge besucht hatte.

Aufgrund dieses Strickkurses und der Tatsache, dass Suzannah sehr offen und redselig gewesen war, wusste Brooke ziemlich viel über die Satler-Drillinge. Sie liebten Countrymusik, die Farbe Pink und alles, was glamourös war. Außerdem ernährten sie sich alle glutenfrei. Sie rief Suzannah um neun an, gratulierte ihr zur Verlobung und bot ihr ihre Dienste als Hochzeitsplanerin an.

„Ja! Ja! Ja! Ich bin endlich wieder zurück!“, rief sie aufgeregt zu Mikey und Morgan hinüber, nachdem sie aufgelegt hatte. Die Satler-Drillinge würden um zehn Uhr in ihr Büro kommen, um mit ihr über das Dream-Weddings-Angebot inklusive Komplettservice zu reden.

Sie verfrachtete die Zwillinge in die Babyschalen, trug sie in den ersten Stock und wechselte ihre Windeln. Dann setzte sie sich mit ihnen auf den Schaukelstuhl und erzählte ihnen eine erfundene Geschichte über Eichhörnchen. Als Mikey und Morgan eingeschlafen waren, legte Brooke sie vorsichtig wieder in die Babyschalen und trug sie in ihr Schlafzimmer, wo sie den Kleiderschrank öffnete.

Zum Glück hatte sie um zehn Minuten vor fünf Uhr heute Morgen noch schnell geduscht, bevor die Babys aufgewacht waren. Sie nahm den eleganten weißen Hosenanzug aus dem Kleiderschrank, zog ihn an, wählte als Accessoire einen Seidenschal in Aquarellfarben und zog dazu rote Peeptoes mit hohen Absätzen an.

Schnell legte sie Puder, Lippenstift, Mascara sowie einen Hauch Chanel No. 19 auf. Anschließend löste sie die Pferdeschwanzfrisur und fuhr sich mit den Händen durch die Haare, um ihnen mehr Volumen zu verleihen. Voilà – die gestresste, alleinstehende Mutter hatte sich in kürzester Zeit in eine Geschäftsfrau verwandelt, die ihre potenziellen Kundinnen davon überzeugen würde, ihr den Auftrag zu erteilen.

Nachdem sie die Babys zurück ins Büro getragen hatte, stellte sie die Babyschalen vorsichtig unter den großen Schreibtisch, um Mikey und Morgan nicht aufzuwecken.

Die Rückseite des Schreibtischs verbarg neben den Babyschalen auch den heimlichen Vorrat an Windeln, Babyflaschen, Schnullern, Kauspielzeugen, Lätzchen und Strampelanzügen vor den Augen von Kunden, die zu ihr ins Büro kamen. Eine alleinstehende Mutter, die im Moment keine Nanny hatte, musste Babyzubehör eben immer griffbereit haben.

Brooke hatte den Termin so gelegt, dass sie während des um diese Zeit üblichen Schläfchens der Babys mit den Satlers über ihr Angebot reden konnte. Wenn alles nach Plan lief, hatte sie fünfundvierzig Minuten bis anderthalb Stunden Zeit, um das Geschäft ungestört unter Dach und Fach bringen zu können.

Ihre ehemalige Nanny, eine wundervolle, geduldige Heilige, hatte leider vier bis fünf Wochen freinehmen müssen, um ihrer Tochter zu helfen, die gerade selbst Mutter von Zwillingen geworden war. Brooke hatte daraufhin Vorstellungsgespräche mit mehreren Nannys geführt, die infrage gekommen waren, aber aus dem einen oder anderen Grund war doch keine der Frauen die Richtige für den Job gewesen.

Ich kann das schaffen, sagte sie sich. Die letzten zwei Wochen ohne Kinderbetreuung waren alles andere als einfach für sie gewesen. Doch immerhin hatte sie den Auftrag für eine kleine Hochzeit an Silvester an Land ziehen können. Drei weitere potenzielle Kunden waren ihr allerdings durch die Finger gegangen. Aber ihre Babys gingen nun mal vor – und das würde immer der Fall sein.

Doch für euch und Grandma sichere ich mir die Hochzeit der Satler-Drillinge.

Eine Drillingshochzeit im Satler-Stil würde ihr Privat- und das Geschäftskonto garantiert wieder in die schwarzen Zahlen bringen. Die Satlers waren nämlich sehr beliebt in der Stadt. Sie als Kundinnen zu gewinnen, wäre eine tolle Werbung für Dream Weddings und würde bestimmt weitere neue Kundschaft anlocken.

Als sie hörte, dass die Drillinge mit dem Auto ankamen und zum Eingang gingen, öffnete sie den Satlers die Tür und hieß sie willkommen, damit die Zwillinge nicht aufwachten. „Ich gratuliere euch!“ Schnell umarmte sie die Schwestern.

„Wir sind so aufgeregt!“, sagte Samantha Satler, als sich die Frauen im Büro auf das Sofa setzten. „Natürlich wollen wir in der Wedlock Creek Chapel getraut werden, und Suze hat gesagt, dass du den großen Ballsaal des Wellington Hotels erwähnt hast – wir möchten, dass dort der Empfang stattfindet.“

Ha! Sie hatte es gewusst. Die großen, schlanken Blondinen mochten nämlich Glanz und Glitzer. Erwartungsgemäß trugen sie Verlobungsringe mit rechteckigen Diamanten, die im hereinfallenden Sonnenlicht prachtvoll funkelten.

Brooke gab den drei Frauen nun die Unterlagen, in denen sie die geplante Traumhochzeit stichpunktartig skizziert hatte. Sie hatte zehn fantastische Country-Bands zur Auswahl aufgelistet. Kleine lokale Geschäfte sowie Firmen in Brewer, der Großstadt in der Nähe, würden vom Blumenschmuck bis hin zum Catering für alles sorgen. Für die Einladungen und Tischkarten schlug Brooke ihre bevorzugte Druckerei vor.

„Einfach unglaublich. Als wenn du hellsehen könntest“, sagte Samantha.

Suzannah blätterte die Unterlagen durch. „Das stimmt! Okay, reden wir darüber, wie die Tische im großen Ballsaal des Wellington Hotels gedeckt sein sollen und …“

„Waah! Waah-waah!“

Oh, Mist. Brooke spürte, dass sie rot wurde. Sie zwang sich zu einem Lächeln. „Entschuldigt mich bitte einen Moment.“ Sie beugte sich unter die Schreibtischplatte. „Schsch, schsch“, wisperte sie. Mikey schrie wie am Spieß, doch wie durch ein Wunder schlief Morgan noch immer.

„Du meine Güte“, meinte Shelley, „hast du ein Baby unter der Schreibtischplatte deponiert?“

Jetzt brannten Brookes Wangen vor Scham. Schnell erzählte sie den Drillingen, dass sie momentan auf der Suche nach einer neuen Nanny war, und bemerkte, dass die drei Frauen unbehagliche Blicke wechselten. Dann passierte der Worst Case im schlimmsten aller erdenklichen Momente … der Geruch von Babykacke erfüllte die Luft.

„Uh, wie ekelhaft.“ Samantha hielt sich die Nase zu.

Suzannah wedelte angewidert mit der Hand vor ihrem Gesicht herum. „Oh nein, ich glaube, ich mache es damit noch schlimmer.“

Brooke nahm Mikey aus der Babyschale. „Ich wechsele nur schnell die Windeln, und wir können sofort weiter über eure Traumhochzeit reden.“ Sie schnappte sich eine Windel sowie Tücher und hob Mikey hoch. „Ich bin sofort wieder zurück …“

Sie war gerade im Begriff, auf die Toilette zu flüchten, als ein Mann, den sie noch nie zuvor gesehen hatte, die Tür von Dream Weddings öffnete und den Flur betrat. Er war groß, dunkelhaarig, unglaublich sexy und hielt die aus der Zeitung herausgerissene Stellenanzeige in der Hand, die sie aufgegeben hatte.

Aber hallo. Wollte der Prachtkerl sich etwa als Nanny bewerben? Dieser Mann erinnerte sie bis hin zu den durchdringenden blauen Augen an jeden Schauspieler, der jemals die Rolle des Superman gespielt hatte.

Die Satler-Drillinge, die bereits auf dem Weg nach draußen waren, blieben stehen und starrten ihn ebenfalls an. Frisch verlobt oder nicht – ein Bild von einem Mann war nun mal ein Bild von einem Mann. Doch dann stieß Mikey erneut einen markerschütternden Schrei aus, und Shelley hielt sich die Ohren zu. Unter dem Schreibtisch regte sich nun auch Morgan und fing ebenfalls an zu schreien.

Jetzt kann ich die pompöse Drillingshochzeit vergessen, dachte Brooke.

Der Fremde sah erst sie und dann das Baby an, das sie auf dem Arm hielt, bevor er schließlich einen Blick auf die stirnrunzelnden Drillinge warf, die sich schnurstracks auf die Tür zubewegten. Plötzlich hörte Morgan auf zu schreien.

„Offensichtlich haben Sie alle Hände voll zu tun“, sagte er zu Brooke und legte die herausgerissene Anzeige auf die Anrichte. „Erlauben Sie? Ich kann ziemlich gut mit Babys umgehen.“ Er kam mit ausgestreckten Armen auf sie zu.

Sie trat instinktiv zurück. „Hören Sie, Freundchen, ich kenne Sie nicht.“ Meine Güte, er hatte wirklich wunderschöne blaue Augen mit dunklen Wimpern und einen Anflug von Bartstoppel auf dem markanten Kinn.

Shelley starrte ihn erneut an. „Hey, bist du nicht Nick Garroway? Du warst doch in der Highschool eine Klasse über uns und hast Football und Baseball gespielt.“

„Ja, das bin ich.“ Er lächelte. „Natürlich erinnere ich mich auch noch an die entzückenden und patenten Satler-Drillinge. Eine von euch – vielleicht aber auch alle zu verschiedenen Zeitpunkten – war Babysitterin meines jüngeren Bruders. Wie nett, euch wiederzusehen.“

Suzannah, Samantha und Shelley strahlten Nick Garroway hingerissen an und unterhielten sich anschließend mit ihm über alte Zeiten. Die Drillinge waren vier Jahre älter als Brooke. Als sie dorthin gekommen war, musste er die Highschool also gerade abgeschlossen haben. Wenn sie ihn damals gekannt hätte, wäre sie garantiert total verknallt in ihn gewesen.

Erneut ging er auf Brooke zu und streckte die Arme nach Mikey aus. „Darf ich? Wenn Sie mir sagen, wo ich die Windeln wechseln kann, kümmere ich mich sofort darum, und Sie können Ihr Meeting fortsetzen.“

Wie seltsam war das denn? Sie gab ihm die frische Windel, die Tücher sowie ihren Sohn und zeigte auf die Toilette, in der ein Wickeltisch stand. „Ich will jede Bewegung sehen können“, flüsterte sie ihm zu. Er nickte und ließ die Tür halb offen, als er mit Mikey hineinging. Zum Glück konnten ihn die Satlers von dem Platz, an dem sie standen, nicht sehen. Aber sie alle hörten, dass er beim Wickeln ein Wiegenlied summte.

„Nun, Brooke, offenbar hast du deine neue Nanny gefunden.“ Shelley grinste. „Gerade noch rechtzeitig.“

„Du meinst ihren neuen Manny … eine männliche Nanny?“, meinte Samantha.

„Einen äußerst heißen Manny“, fügte Suzannah grinsend hinzu. „Brooke, ich bin beeindruckt. Ich schlage vor, du legst uns ein umfassendes Konzept für unsere Hochzeit mit all den neuen Infos vor, über die wir gerade geredet haben, und dann gehen wir das Konzept gemeinsam durch. Aber Dream Weddings bekommt zu neunundneunzig Prozent den Zuschlag.“

Nick kam nun mit dem lächelnden Mikey aus der Toilette. „Jetzt duftet der kleine Kerl wieder nach Milch und Honig.“

Brooke starrte ihn sprachlos an. Woher kam er? War er überhaupt von dieser Welt?

Suzannah, Samantha und Shelley zwinkerten ihr zu, verabschiedeten sich von Nick und verließen das Haus.

„Sie haben den Job.“ Brooke zeigte auf die Stellenanzeige. „Können Sie sofort anfangen? Aber vermutlich haben Sie das ja gerade schon getan.“

„Oh, ich bin nicht wegen des Jobs hier.“

„Jetzt bin ich verwirrt.“ Brooke streckte die Arme nach Mikey aus.

Nick wollte den Kleinen am liebsten gar nicht mehr hergeben. Er mochte es, wie sich das Baby auf seinem Arm und an seiner Brust anfühlte. In Afghanistan war er überrascht gewesen, wie erfüllend es war, ein winziges Baby zu halten, und wie schwer, es in andere Hände zu geben.

„Sie sind nicht hier, um sich als Nanny zu bewerben?“ Sie nahm Mikey, küsste ihn auf die Wange und setzte ihn in seine Babywippe, bevor sie Morgan aus der Babyschale nahm und in die Babywippe neben seinem Bruder setzte. Als die Zwillinge mit den an den Wippen befestigten Kauspielzeugen spielten, wandte sie ihre Aufmerksamkeit wieder Nick zu.

Er hatte unwillkürlich innegehalten, als er ihre hellbraunen Augen auf dem Foto gesehen hatte, das Will Parker ihm gezeigt hatte. Der Blick war intelligent und abwägend gewesen. Doch jetzt konnte er die dunklen Ringe unter ihren Augen sehen. Sie war müde und erschöpft. Er hatte gewusst, dass sie hübsch war, aber er hatte absolut nicht erwartet, eine so starke Verbindung zu ihr zu spüren.

„Nein, ich war sowieso auf dem Weg zu Ihnen und habe die Stellenanzeige zufällig in der Zeitung gesehen. Ich habe sie nur herausgerissen, damit ich die Telefonnummer habe, falls Sie nicht zu Hause sind.“

Als er ihr Haus im Cape-Cod-Stil, den gepflegten Rasen und die beiden Katzen gesehen hatte, die auf der Veranda ein Nickerchen gehalten hatten, war er erleichtert gewesen. Offensichtlich ging es Brooke Timber sehr gut.

Doch dann hatte er gehört, dass Babys schrien und Frauen aufgeregt miteinander redeten. Beides hatte bedenklich geklungen. Also hatte er das Haus durch den Geschäftseingang betreten und war wie gewöhnlich sofort in Aktion getreten.

„Ah. Dann müssen Sie ein zukünftiger Kunde sein“, sagte Brooke. „Wann ist denn der große Tag?“

Kunde? Großer Tag? Er erinnerte sich jetzt wieder an das Schild an der Tür. Brooke war Hochzeitsplanerin. „Nein.“ Er schüttelte den Kopf. „Ich bin nicht der Typ zum Heiraten.“

Sie hob eine Augenbraue. „Dafür ist jeder der Typ. Ich hatte schon alle Arten von Kunden. Letztes Jahr hat sich eine Frau von der Rettungswacht in einen Mann verliebt, der wie ein Einsiedler ohne Strom und fließendes Wasser in den Bergen gelebt hat. Sie hat ihn schließlich dazu gebracht, die Holzhütte zu modernisieren und sogar mit einem WLAN-Anschluss auszustatten. Aber die beiden sind nach wie vor Selbstversorger.“

Er lächelte. „Ich bin überrascht, dass eine Frau, die so lebt, eine Hochzeitsplanerin beauftragt hat.“

Autor

Melissa Senate
Melissa Senate schreibt auch unter dem Pseudonym Meg Maxwell, und ihre Romane wurden bereits in mehr als 25 Ländern veröffentlicht. Melissa lebt mit ihrem Teenager-Sohn, ihrem süßen Schäfermischling Flash und der spitzbübischen Schmusekatze Cleo an der Küste von Maine im Norden der USA. Besuchen Sie ihre Webseite MelissaSenate.com.
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