Reich & Schön - Best of Julia 2021

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Mit diesem eBundle präsentieren wir Ihnen die schönsten und erfolgreichsten Julia-Romane aus 2021 - romantisch, aufregend und extravagant. Die kleine Auszeit vom Alltag für die selbstbewusste Frau … Happy End garantiert!

 

Das Zimmermädchen und der italienische Milliardär (Julia 2491)

Seit drei Monaten arbeitet die junge Haushälterin Maggie auf dem einsamen Anwesen bei Dublin, und noch nie hat sie den Besitzer gesehen. Bis Nikos Marchetti unerwartet vor der Tür steht: groß, dunkelhaarig und verboten sexy! Dass es sinnlich zwischen ihnen prickelt und Nikos sie eine Nacht lang mit seiner Liebe verwöhnt, ist das Aufregendste, was Maggie jemals passiert ist. Doch am nächsten Tag verschwindet der italienische Milliardär wieder, und Maggie ist allein - mit den süßen Konsequenzen einer sündigen Nacht der Leidenschaft …

Verführt von dem italienischen Milliardär (Julia 2474)

Die stets korrekte Lehrerin Leah Ashbourne ist verzweifelt. Um ihr Erbe ausbezahlt zu bekommen und ihre kranke Mutter vor dem Ruin zu retten, muss sie heiraten. Doch als die Hochzeit mit ihrem Verlobten platzt, bleibt der rothaarigen Schönheit nur eine Wahl. Ein Pakt mit dessen arrogantem Bruder Marco De Valle. Dafür, dass sie sich um seinen kleinen Sohn kümmert, wird Leah seine Frau auf Zeit. Natürlich ist die schüchterne Leah gegen Marcos brodelnden Sex-Appeal immun. Bis der italienische Milliardär sie auf Capri in eine Welt purer Sinnlichkeit entführt …

Blitzhochzeit mit dem arroganten Griechen? (Julia 2488)

Der griechische Milliardär Tor Sarantos traut seinen Augen nicht: Ein schlafendes Baby wurde vor seiner Tür abgelegt! Noch erstaunter ist er, als kurz darauf atemlos eine bildhübsche Frau bei ihm auftaucht, den Kleinen abholen will und behauptet, es sei ihr gemeinsamer Sohn. Das kann nicht sein! weiß Tor. Doch dann erinnert er sich dunkel an jene Nacht, als er außer sich vor Trauer süßen Trost in den Armen dieser schönen Unbekannten suchte. Als Ehrenmann gibt es für Tor nur eine Lösung: Blitzheirat - auch wenn er der Liebe abgeschworen hat …


  • Erscheinungstag 13.01.2022
  • ISBN / Artikelnummer 9783751513609
  • Seitenanzahl 480
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Cover

Abby Green, Chantelle Shaw, Lynne Graham

Reich & Schön - Best of Julia 2021

IMPRESSUM

JULIA erscheint in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH, Hamburg

Cora-Logo Redaktion und Verlag:
Postfach 301161, 20304 Hamburg
Telefon: +49(0) 40/6 36 64 20-0
Fax: +49(0) 711/72 52-399
E-Mail: kundenservice@cora.de

© 2020 by Abby Green
Originaltitel: „The Maid’s Best Kept Secret“
erschienen bei: Mills & Boon Ltd., London
in der Reihe: MODERN ROMANCE
Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

© Deutsche Erstausgabe in der Reihe JULIA, Band 2491
Übersetzung: Christine Svenson

Abbildungen: Foremniakowski / Getty Images, alle Rechte vorbehalten

Veröffentlicht im ePub Format in 05/2021 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 9783733718718

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.
CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:
BACCARA, BIANCA, ROMANA, HISTORICAL, TIFFANY

 

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1. KAPITEL

Maggie Taggart sah sich in der riesigen, chromglänzenden Küche um.

Sie fühlte sich rastlos.

Gerade hatte sie ihr Geschirr vom Abendessen abgewaschen und weggeräumt, und die Küche im Kellergeschoss des majestätischen Herrenhauses war wieder in tadellosem Zustand.

Das Anwesen befand sich eine gute Stunde Autofahrt von Dublin entfernt und lag eingebettet in die herrliche, saftig grüne Landschaft Irlands. Das vier Hektar große Grundstück war wie ein Park angelegt und äußerst gepflegt. Es gab sogar einen kleinen See und ein verwunschenes Wäldchen.

Auf der Rückseite des Herrenhauses erstreckten sich weitläufige Rasenflächen, und neben dem Haus befand sich ein großer, von einer Mauer umgebener Küchengarten. Dahinter lagen großzügige Stallungen, die jedoch leer standen. Der neue Besitzer des Hauses, ein milliardenschwerer Geschäftsmann, hatte das Haus gekauft, ohne es sich vorher überhaupt anzusehen. Vermutlich nur aus einer Laune heraus, weil er sich kurzzeitig für Rennpferde interessierte, denn dieser Teil Irlands war berühmt für seine hervorragende Pferdezucht.

Doch seit dem Kauf gab es weder Pferde, noch war der Eigentümer je hier gewesen. Alles war nach seinen Wünschen und Vorgaben renoviert und eingerichtet worden, und alles war bis ins kleinste Detail perfekt, aber das Haus stand leer.

Selbst die Haushälterin, Maggies Mutter, war von einer seiner Assistentinnen eingestellt worden.

Als sie plötzlich krank geworden war, hatte sie aus Angst, ihre neue Anstellung zu verlieren, ihre Tochter gebeten, ihr zu helfen. Maggie hatte sofort zugesagt und ihren Job als Köchin in einem Restaurant in Dublin gekündigt, um ihrer Mutter zur Seite zu stehen. Ihr Chef war ein übler Zeitgenosse gewesen, also war ihr diese Entscheidung nicht sehr schwergefallen.

Nach dem völlig unerwarteten Tod ihrer Mutter hatte Maggie den Hauseigentümer informiert, und eine distanziert wirkende Mitarbeiterin hatte gefragt, ob sie übergangsweise die Stelle übernehmen würde. Nur bis man einen Ersatz gefunden hätte, so hieß es.

Die Vorstellung, noch ein wenig länger in dem herrlichen, einsamen Anwesen zu bleiben und ganz in Ruhe um ihre Mutter zu trauern, war Maggie sehr verlockend erschienen. Also hatte sie zugesagt.

Das war jetzt über drei Monate her.

Drei Monate, die ihr rückblickend wie in einem Nebel erschienen – voller Trauer und Verzweiflung.

Doch langsam legte sich der erste Schmerz, und Maggie spürte immer häufiger eine innere Unruhe, so wie heute. Das Haus hatte sie wie ein riesiger luxuriöser Kokon von der Außenwelt abgeschirmt und ihr Sicherheit gegeben. Doch die anfängliche Verzweiflung war verflogen, und mittlerweile füllte sie die Aufgabe, das leere Anwesen in Ordnung zu halten, nicht mehr aus.

Maggie fragte sich, ob der Besitzer seinem neuen Anwesen überhaupt jemals einen Besuch abstatten würde. Sie presste bei diesem Gedanken fest die Lippen zusammen. Sie hatte sich bisher nicht die Mühe gemacht, im Internet über den Eigentümer zu recherchieren, aber sie hatte trotzdem eine ziemlich genaue Vorstellung von ihm.

Jemand, der ein gigantisches Landhaus im Grünen kaufte und dann nicht einmal dorthin fuhr, um es sich anzusehen, konnte nur ein Snob sein.

So etwas taten nur Männer, die mehr Geld als Verstand hatten. Das waren zumindest die Worte ihrer Mutter gewesen – und die musste es schließlich wissen.

Maggies Vater war auch so ein reicher Kerl gewesen. Ein Immobilien-Mogul aus Schottland, der mit Maggies Mutter eine Affäre gehabt hatte. Als sie ihm von ihrer Schwangerschaft erzählt hatte, da hatte er alle Verantwortung von sich gewiesen. Vor lauter Angst, dass Maggies Mutter und sein uneheliches Kind am Ende etwas von seinem Vermögen abbekommen könnten, hatte er weder Unterstützung angeboten noch zu der Vaterschaft gestanden. Stattdessen hatte er wüste Drohungen ausgesprochen und versucht, seine ehemalige Geliebte einzuschüchtern.

Maggies Mutter war eine stolze Frau gewesen, deshalb hatte sie nicht um Unterhalt gekämpft. Außerdem war sie viel zu verletzt gewesen. Sie hatte mit ihrem ungeborenen Kind Schottland verlassen und war nach Irland gegangen. Dort hatte sie als Haushälterin gearbeitet und so im Laufe der Jahre immer wieder den Wohnort gewechselt.

Aus diesem Grund war Maggie gar nicht gut auf reiche Männer zu sprechen.

Sie seufzte gedankenverloren.

Trotz allem wurde sie ziemlich gut bezahlt, um sich um das leere Haus eines wohlhabenden Mannes zu kümmern, also konnte sie sich eigentlich nicht beschweren.

In diesem Moment wurde die Stille, die Maggie seit vielen Wochen so genossen hatte, von einem Geräusch durchbrochen.

Ein Klopfen.

An der Haustür?

Es kam so selten vor, dass jemand hier vorbeikam, dass Maggie das Geräusch erst gar nicht richtig zuordnen konnte.

Sie eilte nach oben.

Als sie den Flur erreichte, ließ der Besucher den Klopfer gerade wieder gegen die Tür schlagen.

„Immer mit der Ruhe …“, murmelte Maggie, schaltete die Außenbeleuchtung an und öffnete schwungvoll die Eingangstür.

Ihr stockte der Atem.

Vor ihr stand ein großer, dunkelhaariger Mann in einem eleganten schwarzen Smoking und füllte den Türrahmen fast vollständig aus. Er hatte schon die Hand erhoben, um erneut zu klopfen. Den anderen Arm hatte er lässig gegen den Türrahmen gelehnt.

Der lavendelfarbene Abendhimmel hinter ihm beschattete das Gesicht des Mannes und ließ ihn noch beeindruckender erscheinen.

Maggie hatte sich noch immer nicht von ihrem Schock erholt.

Ihr war noch nie ein so gut aussehender Mann begegnet.

Er war geradezu umwerfend.

Maggie betrachtete bewundernd seine markanten Wangenknochen und seine faszinierenden dunklen Augen. Kein Braun, sondern eher ein Goldton, stellte sie fest. Auch seine Haut war dunkel, und auf seinen Wangen und seinem Kinn zeichnete sich ein dunkler Schatten von seinen Bartstoppeln ab. Er hatte dunkle Locken, und die dunklen Augenbrauen betonten seine markanten Gesichtszüge noch zusätzlich.

Hitze stieg in ihr auf. Seine Körpergröße, seine muskulöse Statur und seine männliche Präsenz waren atemberaubend.

Ihr Körper reagierte innerhalb von Sekundenbruchteilen. Das musste ein Urinstinkt sein, wenn ein potenzieller Partner auftauchte, dachte Maggie irritiert.

Seine ungebundene Fliege hing lose über dem geöffneten obersten Knopf seines Hemdes und gab ihm ein verwegenes Aussehen.

Er musterte sie von oben bis unten, und Maggie las Bewunderung in seinen Blicken. Sie trug lediglich eine abgeschnittene Jeans und ein ärmelloses T-Shirt – ihre normale Arbeitskleidung, wenn sie alleine war –, und ihre Haare hatte sie zu einem unordentlichen Knoten zusammengebunden.

„Ist das hier Kildare House?“, fragte der sexy Fremde. Er hatte eine angenehme, tiefe Stimme und einen leichten Akzent.

Maggie spürte ein ungewohntes Kribbeln im Bauch.

„Ja, ist es“, antwortete sie.

Sie hatte befürchtet, dass der Mann vielleicht betrunken war, aber sein Blick war viel zu wach dafür. Er wirkte eher gelangweilt.

Jetzt richtete er sich zu seiner vollen Größe auf und drehte sich um.

Erst jetzt bemerkte Maggie das Taxi, das mit laufendem Motor am Fuß der breiten Eingangstreppe wartete.

„Ich bin hier richtig, danke“, rief er dem Fahrer zu.

Mit wachsendem Entsetzen beobachtete Maggie, wie der Taxifahrer freundlich winkte und dann davonfuhr. „Entschuldigung, aber wer sind Sie?“, fragte sie angespannt.

Der Fremde drehte sich wieder zu ihr um. „Ich bin der Eigentümer dieses Hauses, Nikos Marchetti. Viel wichtiger ist aber die Frage, wer Sie sind. Ich habe ein Foto der Haushälterin gesehen – und das sind ganz bestimmt nicht Sie“, sagte er.

Nikos Marchetti.

Der Besitzer des Anwesens.

Sie hatte ihn sich immer als dicken, arroganten Kerl mittleren Alters vorgestellt, aber stattdessen stand sie einem umwerfend gut aussehenden Mann gegenüber. Er wirkte wie ein Gladiator aus dem alten Rom – nur in moderner Kleidung.

Er ließ seinen Blick erneut über Maggies Körper wandern, und die unverhohlene Bewunderung darin löste einen Gefühlssturm in ihr aus – dabei hätte sie eigentlich empört sein müssen.

Abwehrend verschränkte sie die Arme vor der Brust. Nikos Marchetti entsprach vielleicht äußerlich nicht ihren Erwartungen – aber sein Verhalten dafür umso mehr.

„Ich bin Maggie Taggart, Edith’ Tochter. Meine Mutter ist vor drei Monaten verstorben, und Ihre Mitarbeiter baten mich, so lange auszuhelfen, bis eine neue Haushälterin eingestellt ist. Aber das hat man Ihnen anscheinend nicht mitgeteilt.“

Nikos Marchetti musterte sie mit undurchdringlicher Miene.

„Nein, das hat man nicht – aber meine Angestellten wissen auch, dass sie mich nur dann behelligen sollen, wenn es wirklich wichtig ist. Anscheinend hatte man den Eindruck, dass Sie die Situation hier gut im Griff haben. Ihr Verlust tut mir natürlich leid. Dürfte ich jetzt bitte mein eigenes Haus betreten?“

Seine Art, den Tod ihrer geliebten Mutter wie eine Belanglosigkeit abzufertigen, weckte Wut und Trotz in Maggi. Dass sie ihre Mutter verloren hatte, war das Schlimmste, was ihr je passiert war. „Woher soll ich wissen, dass Sie wirklich Nikos Marchetti sind?“, fragte sie daher herausfordernd. „Sie könnten doch sonst wer sein.“

Nikos betrachtete die Frau vor sich erstaunt.

Damit hat er nun wirklich nicht gerechnet.

Anscheinend wusste sie wirklich nicht, wer er war. Das kam so gut wie nie vor. Außerdem fand er sie unglaublich sexy. Ihm war noch nie eine Frau begegnet, die so ein unerwartetes und spontanes Verlangen in ihm geweckt hatte. Er war an diesem Abend Gast auf einem Ball in Dublin Castle gewesen, dort hatte er unzählige schöne, attraktive Frauen getroffen – aber keine hatte so seine Aufmerksamkeit erregt wie dieser … Wildfang.

Sie war groß und hatte eine sportliche Figur. Ihre vollen Brüste zeichneten sich deutlich unter ihrem dünnen T-Shirt ab und überließen nur wenig seiner Vorstellungskraft. Außerdem hatte sie geschwungene Hüften und lange, schlanke Beine, die kein Ende zu nehmen schien. Sie war ein blasser Typ und hatte wilde, rotgoldene Locken, die sie zu einem unordentlichen Dutt geknotet hatte.

Ihre Gesichtszüge waren klassisch schön, mit hohen Wangenknochen, einem festen Kinn und einer geraden Nase. Am meisten beeindruckten ihn jedoch ihre riesigen blauen Augen und die sinnlichen Lippen – die sie allerdings gerade fest zusammenpresste. Mit verschränkten Armen stand sie vor ihm und verweigerte ihm den Zutritt zu seinem Besitz.

Sie wirkte wie eine Wikingerkönigin – leidenschaftlich, wahnsinnig weiblich und wunderschön.

Nikos’ Verstand schien bei ihrem Anblick geradezu dahinzuschmelzen.

Das war vermutlich auch der Grund, weshalb er noch immer so ruhig vor ihr stand, denn normalerweise hätte er diese Unverschämtheit nicht lange geduldet.

„Sie waren schließlich noch nie hier!“

Nikos hob eine Augenbraue. „Mir war nicht bewusst, dass ich mich bei Ihnen für irgendetwas rechtfertigen muss. Aber nein, ich war noch nie hier.“

„Und warum dann heute Abend? Niemand hat mir Bescheid gesagt, dass Sie kommen.“

„Das Haus gehört mir, und ich bezahle gut dafür, dass es jederzeit besuchsbereit ist“, sagte er gedehnt.

„Aber es ist spät … Ich hätte schon im Bett sein können.“

Sofort stellte Nikos sie sich in ihrem Bett vor, nackt und die glänzenden Locken um sich ausgebreitet – wie eine Einladung, ihren wundervollen Körper zu erkunden. Das Blut schoss ihm in die Lenden, und er verwünschte seine unkontrollierbare Reaktion auf Maggie Taggart.

Normalerweise hat er sich besser im Griff.

Gereizt erwiderte er: „Jetzt lassen Sie mich endlich rein.“

„Nein, nur wenn Sie sich ausweisen können. Wenn Sie wirklich der Besitzer sind, dann sollte es Ihnen doch nur recht sein, dass ich nicht mitten in der Nacht einen Wildfremden in Ihr Haus lasse.“

Nikos unterdrückte ein genervtes Stöhnen.

Es kam nur selten vor, dass sich jemand seinen Befehlen widersetzte. Aber sie hatte natürlich recht. Er war es einfach nicht gewohnt, dass jemand ihn nicht zu kennen schien.

Das gefiel ihm irgendwie.

Normalerweise wurde er von allen hofiert, wenn er irgendwo auftauchte. Er war nun mal der Erbe eines riesigen Wirtschafts-Imperiums und eines genauso großen Vermögens.

Er seufzte unmerklich und schob die Gedanken beiseite. Er wollte jetzt nicht daran denken, denn das löste nur wieder diese Beklemmungen aus, die ihn dazu verleitet hatten, Kildare House zu kaufen. Dabei hatte er fast schon wieder vergessen, dass er es besaß.

„Ich fasse es nicht, dass ich das hier tatsächlich mache …“, murmelte er, während er in die Innentasche seines Smokings griff und seinen Ausweis herausholte. Er reichte ihn der Haushälterin, die eigentlich eher wie eine Cheerleaderin aussah.

„Wie alt sind Sie?“, fragte er unvermittelt. Die Worte waren heraus, bevor er etwas dagegen tun konnte.

Sie sah von seinem Ausweis auf und antwortete: „Dreiundzwanzig. Das ist ein griechischer Pass. Ich dachte, Sie seien Italiener?“

Nikos nahm das Dokument wieder entgegen. „Ich bin halb Grieche, halb Italiener und habe mich für die griechische Seite entschieden. Haben Sie noch weitere Fragen – oder darf ich jetzt endlich mein Haus betreten?“

Maggie konnte selbst kaum glauben, dass sie dem Eigentümer von Kildare House – und damit ihrem Arbeitgeber – so feindselig gegenüber aufgetreten war.

Nikos Marchetti.

Sie versuchte, sich die Dinge, die sie von ihrer Mutter über ihn wusste, in Erinnerung zu rufen, aber sie hatte damals nicht gut aufgepasst. Die Krankheit ihrer Mutter war wichtiger gewesen. Er war der Erbe der Marchetti Group – eines gigantischen Konzerns, dem die bedeutendsten Luxusmarken der Welt, zahlreiche Immobilien in erstklassiger Lage, Hotels, Clubs und ganze Häuserblöcke in den Metropolen der Welt gehörten.

„Kommen Sie bitte rein, Mr. Marchetti. Es freut mich, Sie in Kildare House begrüßen zu dürfen.“ Maggie trat beiseite und hielt ihm die Tür auf.

Nikos machte ein unwirsches Geräusch und ging an ihr vorbei. In der hell erleuchteten Eingangshalle wirkte er sogar noch größer und beeindruckender. Er stellte eine kleine Reisetasche auf einen Stuhl in der Nähe und sah sich um.

Dann ging er in einen der angrenzenden Salons.

Sein maskuliner Duft hüllte Maggie ein wie eine Wolke. Er roch unglaublich gut, herb. Kein Parfum – oder so edel, dass es nicht künstlich roch.

Sie schloss die Eingangstür und folgte ihm.

Er hatte seine Smokingjacke ausgezogen und über die Lehne eines Stuhls gelegt. Als Maggie eintrat, stand er gerade an der Hausbar und schenkte sich ein Glas Whisky ein.

„Möchten Sie, dass ich Ihnen das Haus zeige?“ Maggie versuchte, professionell zu klingen – auch wenn sie sich nicht so fühlte. Nikos Marchetti hatte etwas an sich, das ihr unter die Haut ging und ein Kribbeln tief in ihrem Innersten auslöste.

Er drehte sich zu ihr um. „Sehr gerne“, sagte er beiläufig und nahm einen Schluck Whisky.

Er sah beeindruckend und irgendwie gefährlich aus. Ein sinnlicher Schauer lief ihr über den Rücken. Sie war sich seiner Anwesenheit überdeutlich bewusst, als er lautlos und anmutig wie eine Raubkatze hinter ihr herging.

Sie zeigte ihm die einzelnen Räume, die vom zentralen Eingangsbereich abgingen. Auf der einen Seite befand sich ein Besprechungszimmer und ein großes, elegantes Wohnzimmer, auf der Rückseite des Hauses lag ein weitläufiges Büro mit modernsten Computern, die bisher noch niemand benutzt hatte, und auf der anderen Seite war noch ein weiteres, weniger offizielles Wohnzimmer mit einem Media-Center und einem Beamer, um Filme anzuschauen.

Dies war Maggies Lieblingsraum, denn die Wände waren mit deckenhohen Regalen voll mit Büchern gesäumt. Sie vermutete jedoch, dass die Werke von Shakespeare, Dickens und anderen großen Schriftstellern nur dazu da waren, um Eindruck zu schinden.

„Gehen Sie ruhig weiter“, forderte Nikos Marchetti sie auf.

Maggie wäre fast über ihre eigenen Füße gestolpert, als sie ihm voran durch das Foyer und die breite Treppe hinunter ins Untergeschoss ging.

Unten befanden sich neben der Küche ein Fitnessraum, ein Schwimmbad, ein Spa-Bereich, eine Sauna und ein Dampfbad.

Nikos bot ein Bild absoluter Nonchalance, wie er mit seinem offenen Hemd, der lockeren Fliege und dem Glas Whisky in seiner Hand sein Anwesen besichtigte. Eine Immobilie, die er ungesehen gekauft hatte und die anzuschauen er sich bisher noch nie die Mühe gemacht hatte.

In diesem Moment verkörperte er all ihre Vorurteile über reiche, einflussreiche Männer.

Er wandte sich zu ihr um und leerte den letzten Schluck seines Whiskys.

Fasziniert stellte Maggie fest, dass seine hellbraunen, fast goldfarbenen Augen kleine grüne und dunkelbraune Sprenkel hatten.

Plötzlich wurde ihr ganz warm. Sie schämte sich für diese Empfindung und drehte sich schnell um, bevor er ihre roten Wangen bemerken konnte. So hellhäutig, wie sie war, sah man ihr jede Gefühlsregung sofort an.

„Die Schlafzimmer sind im ersten Stock“, sagte sie und ging zurück in den Eingangsbereich, ohne sich noch einmal zu vergewissern, ob er ihr folgte.

Doch Nikos Marchetti blieb dicht hinter ihr.

Sie konnte ihn spüren. Es war, als hätten sich ihrem Bewusstsein auf einmal ganz neue Dimensionen eröffnet.

Es fiel Nikos schwer, sich auf das Haus zu konzentrieren, während er ständig die verführerische Kehrseite seiner Angestellten vor sich hatte. Und diese langen Beine.

Theos.

Normalerweise war er über solche Empfindungen erhaben. Er hatte einfach nur nicht erwartet, dass … dass jemand wie sie ihm die Tür seines einsam gelegenen Landsitzes irgendwo außerhalb von Dublin öffnen würde.

Sie ging jetzt eilig den Korridor entlang, öffnete die Türen und sagte: „Das hier sind alles zusätzliche Schlafzimmer. Ihre Suite ist hier, am Ende des Flurs.“

Sie öffnete eine Tür und trat zurück.

Nikos fiel erst jetzt auf, dass sie Flip-Flops trug.

Sie hatte wirklich schöne Füße mit korallenrot lackierten Nägeln.

Er biss die Zähne zusammen und ging an ihr vorbei durch die Tür. Dabei stieg ihm ihr Duft in die Nase – nach Rosen und Frische. Er presste seine Zähne noch fester zusammen und versuchte, sich auf das luxuriöse Schlafzimmer vor ihm zu konzentrieren.

Auf drei Seiten hatte man aus großen Fensterfronten eine herrliche Aussicht auf den gepflegten Park und die weitläufige Landschaft. Selbst jetzt – im dämmrigen Abendlicht – konnte man den Ausblick noch erahnen. Nikos erinnerte sich aber auch an die Fotos, die der Innenarchitekt ihm davon geschickt hatte.

Dies war das erste richtige Haus, das er gekauft hatte. Seine anderen Immobilien waren alles Apartments und befanden sich in den Hotels, die seinem Unternehmen gehörten. Bei dem Gedanken daran, dass seine Gründe für diesen impulsiven Kauf nur zu offensichtlich sein könnten, fühlte er sich plötzlich unwohl.

Er spürte, dass sie ihn beobachtete. Maggie Taggart, die Frau mit dem Körper einer Göttin und den riesigen blauen Augen. Er drehte sich zu ihr um. Sie hatte ihre Arme wieder vor der Brust verschränkt, was die üppigen Rundungen ihrer Brüste unter dem dünnen T-Shirt nur noch mehr zur Geltung brachte, und betrachtete ihn.

Das Gefühl, dass ihm jemand in die Karten blicken konnte, verstärkte sich.

Schnell versuchte er, die Aufmerksamkeit wieder von sich fortzulenken. „Warum sind Sie so angezogen, als würden Sie zu einer Grillparty gehen?“

Dunkle Röte überzog ihre Wangen. „Wenn man mich über Ihre Ankunft informiert hätte, dann wäre ich auch angemessen gekleidet gewesen. Darüber hinaus ist es ziemlich spät, und meine Kernarbeitszeit ist vorbei, deshalb wüsste ich nicht, warum ich mich nicht so anziehen sollte, wie es mir gefällt. Dass Sie zu Besuch kommen, ist ja eher ungewöhnlich, deshalb habe ich mir angewöhnt, mir meine Arbeitszeiten relativ frei einzuteilen.

Ich glaube nicht, dass es am Zustand des Hauses irgendetwas auszusetzen gibt. Ich arbeite an sieben Tagen die Woche, und das Haus ist immer vorbildlich sauber.“

Nikos hatte plötzlich ein schlechtes Gewissen. Das kam bei ihm eher selten vor. Unumwunden gab er zu: „Ja, Sie haben wirklich alles perfekt in Schuss gehalten. Vielleicht sollten wir einfach noch mal von vorne anfangen?“

Maggie stand noch immer an der Tür. Er ging auf sie zu, und auf einmal wirkte sie nicht mehr ganz so selbstsicher. Er bemerkte, wie ihr Puls aufgeregt an ihrem Hals pochte.

Also ist sie doch nicht so widerborstig, wie sie sich gibt, dachte er amüsiert.

Er streckte ihr die Hand entgegen und sagte: „Ich bin Nikos Marchetti, der Besitzer dieses Hauses. Es tut mir leid, dass ich Sie nicht über meine späte Ankunft informiert habe. Ich danke Ihnen, dass Sie sich so gut um das Haus gekümmert haben – Sie leisten wirklich hervorragende Arbeit.“

Nikos war froh, dass seine Worte nicht spöttisch geklungen hatten.

Seine Haushälterin zögerte einen Augenblick und musterte ihn misstrauisch, doch dann legte sie ihre Hand in seine.

Sobald er ihre schmale, ein wenig raue Hand spürte, erwachte das Begehren, das schon die ganze Zeit unterschwellig in ihm gelodert hatte, und pulsierte heiß und drängend durch seine Adern. Instinktiv schloss er seine Finger um ihre.

Maggie konnte plötzlich nicht mehr atmen.

Was hatte Nikos Marchetti gerade gesagt? Sie fühlte sich ein wenig benommen und konnte nur noch an seine große warme Hand denken, die die ihre fest umschlossen hielt.

Neben Nikos Marchetti fühlte sie sich klein – dabei war sie für eine Frau ziemlich groß. Es kam nicht oft vor, dass sie zu einem Mann aufsehen musste. Andere beschrieben sie als stark und selbstbewusst, und zum ersten Mal in ihrem Leben fühlte sie sich zerbrechlich und zart. Nikos überragte sie um einiges, und selbst in High Heels würde sie ihm nur bis ans Kinn reichen. Das war eine ziemlich aufregende neue Erfahrung.

Durch die vielen Umzüge in ihrer Kindheit und Jugend hatte Maggie keinen großen Freundeskreis, und all ihre bisherigen Dates hatten nur mit einem laschen Händedruck geendet. Sie hatte von ihrer Mutter ein generelles Misstrauen Männern gegenüber übernommen, und die Tatsache, dass die meisten Männer kleiner waren als sie, hatte die Sache auch nicht leichter gemacht.

Doch das hier fühlte sich unerwartet vertraulich an.

Schnell entzog sie Nikos ihre Hand. „Haben Sie schon etwas gegessen? Es ist noch Hühnerfrikassee übrig. Ich bin mir nicht sicher, ob das auf der Liste Ihrer Lieblingsgerichte steht, aber ich wärme Ihnen gerne etwas davon auf“, bot sie an.

Immer wenn sie aufgeregt war, begann sie zu plappern. Sie hasste diese Eigenschaft. Sie trat ein paar Schritte zurück und brachte etwas Abstand zwischen sich und den gut aussehenden Mann, der sie so durcheinanderbrachte und sie plötzlich über Dinge wie Nähe und Vertrautheit nachdenken ließ.

Er war immerhin ihr Boss.

Schulterzuckend erwiderte er: „Gerne. Ich gehe eben duschen und mich umziehen und komme dann zum Essen.“

„In Ihrem Ankleidezimmer finden Sie eine komplette Garderobe, falls Sie noch etwas benötigen“, sagte Maggie und machte sich auf den Weg in die Küche.

Sie ärgerte sich, dass sie sich so von ihm durcheinanderbringen ließ. Er war zweifellos ein beeindruckender Mann – unheimlich gut aussehend und sexy –, aber den gleichen Effekt hatte er vermutlich auf jede andere Frau auch. Sie war halt nicht immun gegen seine Ausstrahlung, das war alles.

Als sie durch die Eingangshalle ging, bemerkte sie seine Reisetasche, die noch immer auf dem Stuhl stand. Sie blieb stehen und überlegte, ob sie sie ihm in sein Zimmer bringen sollte. Genau das gehörte doch zu ihren Aufgaben als Haushälterin, oder nicht?

Sie nahm die Tasche und machte sich wieder auf den Weg nach oben. Vor Nikos’ Suite blieb sie unsicher stehen. Die Zimmertür war nur angelehnt. Es war nichts zu hören, also klopfte sie vorsichtig und räusperte sich.

Nachdem sie so lange alleine in diesem Haus gelebt hatte, war das eine ungewohnte Situation.

Nikos antwortete nicht, und vorsichtig schob Maggie die Tür weiter auf. Dann bemerkte sie, dass die Tür zum Badezimmer halb geöffnet war, und hörte Wasser rauschen. Er stand anscheinend gerade unter der Dusche.

Vorsichtig ging sie ein paar Schritte weiter und stellte die Tasche schnell auf das Bett. Gerade als sie wieder gehen wollte, ging das Wasser aus, und Nikos trat aus der Dusche. Durch den Türspalt konnte Maggie ihn im Dampf stehen sehen.

Wie gelähmt starrte sie ihn an. In ihrem Kopf rauschte es. Er war nackt und sah großartig aus. Atemberaubend. Er war groß und muskulös, mit langen schlanken Beinen und einem breiten Oberkörper.

Seine olivfarbene Haut glänzte, Wassertropfen perlten daran ab. Ein Streifen dunkler Härchen auf seiner Brust verjüngte sich nach unten und zog sich über seinen flachen Bauch bis zum Beweis seiner Männlichkeit. Maggie wurde bei diesem Anblick feuerrot.

Plötzlich spannte sich sein Körper merklich an.

Maggie sah auf und blickte direkt in seine goldgrünen Augen.

Er hatte sie ertappt.

Schweigend griff Nikos Marchetti nach einem Handtuch, und schlang es gelassen um seine schmalen Hüften.

Als hätte jemand sie aus ihrer Erstarrung gerissen, stammelte Maggie: „Entschuldigung … Ihre Tasche … ich dachte, Sie würden …“ Dann drehte sie sich hastig um und flüchtete mit brennenden Wangen aus seinem Zimmer.

Nikos leerte das Glas Weißwein, das Maggie ihm zu dem erstaunlich wohlschmeckenden Hühnerfrikassee serviert hatte.

Ihm war gar nicht bewusst gewesen, wie hungrig er gewesen war, doch als Maggie im weniger formalen Esszimmer den Teller vor ihn hingestellt hatte, hatte sein Magen angefangen zu knurren. Essen war für ihn normalerweise eher eine lästige Notwendigkeit.

Er lehnte sich zurück und dachte über den bisherigen Abend nach. Was für eine Überraschung – die Haushälterin war nicht nur zwanzig Jahre jünger, als er erwartet hatte, sie war dazu auch noch ausgesprochen hübsch und sexy.

Er hielt die Dinge immer gern oberflächlich und hatte kein Interesse an einer Beziehung. Er hatte früh gelernt, dass seine Gefühle und Bedürfnisse niemandem wichtig waren, deshalb hatte er sich auf seine Karriere konzentriert und hatte immer nur kurze Affären gehabt.

Aber Maggie ging ihm unter die Haut.

Er musste wieder daran denken, wie sie ihn angestarrt hatte, als er aus der Dusche gekommen war. Wie ein Reh, das, geblendet im Kegel eines Scheinwerferlichts, unfähig war zu fliehen. Sie hatte mit ihren großen blauen Augen fasziniert seine Männlichkeit bestaunt – fast so, als hätte sie noch nie einen nackten Mann gesehen.

Zum Glück hatte sie sich dann schnell umgedreht, sonst hätte sie noch mitbekommen, welchen Effekt sie auf ihn hatte. Nikos hatte sich danach noch mal unter den eiskalten Wasserstrahl der Dusche gestellt. Es ärgerte ihn, dass sein Körper und seine Hormone ihm nicht gehorchten – egal wie attraktiv die Haushälterin auch sein mochte.

Maggie erschien in der Tür des Esszimmers. Sie hatte sich umgezogen und trug jetzt eine weiße Bluse, die sie ordentlich in ihre schwarze Hose gesteckt hatte, und dazu flache Schuhe. Ihre Haare hatte sie zu einem ordentlichen Knoten gebunden.

Jetzt sah sie zwar so aus, wie man es von einer Haushälterin erwarten würde, aber trotzdem brachte sie ihn noch durcheinander.

Er konnte ihr auch keine Schuld geben – sie lebte und arbeitete hier, und er war ohne Vorankündigung einfach aufgetaucht. Das Haus war in tadellosem Zustand, und er konnte nicht erwarten, dass sie jederzeit korrekt gekleidet war. Das wäre vermessen.

Sie begann, das Geschirr abzuräumen, und vermied dabei jeden Blickkontakt.

„Es war hervorragend. Haben Sie das gekocht?“

Maggie zwang sich, Nikos Marchetti direkt anzusehen.

Seine Haare waren noch nass vom Duschen und lockten sich. Sie musste sofort wieder an die Situation von vorhin denken.

„Ich war als Souschef in einem Restaurant angestellt und würde später gerne irgendwo als Chefköchin arbeiten.“

Nikos Marchetti runzelte die Stirn. „Warum sind Sie dann jetzt hier?“

Maggie fühlte sich unter seinen durchdringenden Blicken trotz ihrer fast uniformartigen Arbeitskleidung fast nackt. Ihr wurde auf einmal ganz heiß.

„Weil meine Mutter krank wurde. Außerdem war mir der Chefkoch dort zu aufdringlich.“

„Er hat sie belästigt?“, fragte Nikos Marchetti entsetzt.

Seine Reaktion überraschte Maggie. „Ja, mich und jede andere Frau in unserem Team. Deshalb fiel mir die Entscheidung auch nicht so schwer, als meine Mutter mich um Hilfe bat. Wir dachten, dass sie schnell wieder gesund werden würde, aber ihr Zustand verschlechterte sich …“

Nikos stand auf und zog einen Stuhl für Maggie heran.

Sie zögerte einen Moment und nahm dann Platz.

Nikos setzte sich auch wieder hin.

„Es tut mir leid, dass ich heute einfach so unangemeldet hier aufgetaucht bin. Und es tut mir wirklich leid, das von Ihrer Mutter zu hören. Sie können sich glücklich schätzen, dass Sie so viel Zeit miteinander hatten. Es klingt so, als hätten Sie sich sehr nahegestanden.“

Maggie musterte ihn nachdenklich. Die Luft zwischen ihnen schien zu vibrieren. Vielleicht half es ja, wenn sie sich daran ermahnte, dass er ihr Chef war. Sie war sich seiner Anwesenheit überdeutlich bewusst. Die Art, wie er sie ansah, war verwirrend und aufregend zugleich. Sie musste sich konzentrieren.

„Ja, wir standen uns nahe. Ich bin ein Einzelkind, und meine Mutter war alleinerziehend.“

„Sie sind ohne Vater groß geworden?“

Maggie nickte knapp. Um ihn schnell von diesem unangenehmen Thema abzulenken, fragte sie: „Lebt Ihre Mutter noch?“

Augenblicklich wurde Nikos’ Miene verschlossen. „Nein, sie ist vor langer Zeit gestorben. Ich erinnere mich nicht einmal mehr an sie.“

„Das tut mir sehr leid“, sagte sie teilnahmsvoll. „Es ist immer schwer, ein Elternteil zu verlieren – egal wie alt man ist.“ Sie nahm wieder seinen Teller und stand auf. „Darf ich Ihnen im Wohnzimmer einen Kaffee servieren?“

Nikos Marchetti sah sie überrascht an. Er schien ganz in Gedanken versunken gewesen zu sein.

Maggie fragte sich, ob sich unter der Oberfläche des sorglosen Playboys nicht ein viel tiefsinnigerer Mensch verbarg. Nikos Marchetti war wirklich aufmerksam – auch wenn er auf den ersten Blick so unbekümmert wirkte.

„Ich nehme einen Whisky – aber nur, wenn Sie sich zu mir gesellen.“

Maggie umklammerte den Teller in ihrer Hand. Ihr Herz klopfte aufgeregt. Die Vorstellung, mit diesem Mann gemütlich im Wohnzimmer zu sitzen, so, als würden sie zusammenwohnen, war beunruhigend. Besonders, nachdem sie ihn nackt gesehen hatte.

„Das ist wirklich nicht notwendig“, murmelte sie verlegen.

„Bitte, tun Sie mir den Gefallen. Ich hatte seit Monaten keine so anregende Unterhaltung mehr wie mit Ihnen.“

2. KAPITEL

Nikos wartete im Wohnzimmer. Ob Maggie sein Angebot wirklich annehmen würde?

Erstaunt stellte er fest, dass es lange her war, dass er sich unsicher gewesen war, wie eine Frau reagieren würde. Er war es gewohnt, dass er immer bekam, was er wollte – im Geschäftsleben und bei Frauen.

Er war jedoch selbstkritisch genug, um zu wissen, dass er besonders Letzteres vor allem seinem Reichtum und seinem guten Aussehen zu verdanken hatte. Der Ruhm und der Luxus hatten in letzter Zeit allerdings ihren Reiz verloren.

Langsam trat er zu der geöffneten zweiflügligen Terrassentür hinüber. Draußen war es warm und windstill. In der Ferne hörte man in der Dämmerung eine Kuh rufen.

Er überlegte, wann er zum letzten Mal an einem so friedlichen Ort wie diesem gewesen war. Sonderbarerweise genoss er die Stille und hatte nicht wie sonst das Bedürfnis, sich irgendwie abzulenken.

Niemand wusste, dass er hier war.

Die abgeschiedene Lage war einer der Hauptgründe gewesen, weshalb er Kildare House gekauft hatte. Der Kontrast zu seinem normalen Leben war enorm, und der Impuls, das Haus haben zu wollen, hatte ihn selbst überrascht.

Er war noch nie hier gewesen, und dennoch fühlte er sich hier auf Anhieb zu Hause.

Schnell verdrängte er den Gedanken wieder. Er brauchte kein Zuhause – diesem Fantasiegespinst wurde sowieso viel zu viel Bedeutung beigemessen, fand er.

Er ging zu einem der hohen Bücherregale hinüber. Ein Titel weckte seine Aufmerksam. Es war ein Kinderbuch, das er als kleiner Junge sehr geliebt hatte. Sofort fühlte er sich in die Zeit zurückversetzt, als er gelesen hatte, um der Gegenwart zu entfliehen.

Als er ein Geräusch hinter sich hörte, drehte er sich um.

Maggie betrat den Raum. Sie trug ein Tablett mit einer Whiskyflasche und zwei Gläsern in den Händen. Er spürte spontane Freude darüber, dass sie seine Einladung annahm.

Sie bemerkte das Buch in seinen Händen und sagte verlegen: „Es tut mir leid, ich habe ein paar von meinen Büchern dazugestellt. Ich hoffe, das stört Sie nicht …“

Nikos stellte das Buch zurück ins Regal. „Das macht nichts. Aber es wundert mich, dass Sie noch Ihre Kinderbücher besitzen.“

Maggie schenkte ihnen schweigend ein.

Die Frauen, mit denen Nikos normalerweise ausging, hätten diese Gelegenheit sofort genutzt, um ihn in ein Gespräch zu verwickeln, aber Maggie Taggart war anders.

Das faszinierte ihn ungemein.

„Cheers“, sagte er und hob sein Glas.

Zögernd erhob Maggie ebenfalls ihr Glas und stieß mit ihm an. „Cheers“, murmelte sie. Dann nahm sie einen Schluck und verzog augenblicklich das Gesicht, als die scharfe Flüssigkeit in ihrer Kehle brannte.

„Keine Whisky-Trinkerin?“, fragte Nikos schmunzelnd.

Maggie schüttelte den Kopf.

Vorsichtig warf Maggie Nikos einen Blick zu. Sie war noch nie einem so gut aussehenden Mann begegnet.

Er beobachtete sie, und Maggie bemerkte ein amüsiertes Funkeln in seinen Augen. Bestimmt wusste er genau, welche Wirkung er auf sie hatte.

„Wie haben Sie es geschafft, Ihre Kinderbücher über all die Jahre zu retten?“

Warum war sie in seiner Gegenwart nur so nervös?

„Als ich klein war, sind meine Mutter und ich viel umgezogen. Die Bücher waren das Einzige, das immer gleich blieb und mir Sicherheit gab. Wie ein Zuhause. Deshalb hänge ich so sehr an ihnen. Ich weiß, das ist dumm, aber …“

„Nein, das ist es nicht. Ich verstehe das sogar sehr gut.“

„Ja?“ Schon wieder hatte er es geschafft, sie zu überraschen.

„Ja, ich hatte als Kind die gleichen Bücher, aber irgendwie sind sie im Laufe der Zeit verloren gegangen. Seitdem habe ich nur noch wenig gelesen – zu wenig Zeit.“

Obwohl sie sich kaum kannten, fühlte Maggie einen kleinen Stich in ihrem Herzen bei seiner Erzählung. „Ich hätte Sie gar nicht als Bücherwurm eingeschätzt.“

Nikos zog eine Augenbraue hoch. „Ich sehe nicht nur gut aus, ich weiß …“

Maggie konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Er hatte das wie im Spaß gesagt, dabei stimmte es. Er sah wirklich gut aus. Überwältigend.

Das Blut rauschte wie wild durch Maggies Adern.

Nikos Marchetti war aufregend. Und gefährlich.

„Langweilen Sie sich hier nicht? Das ist ein ziemlich ungewöhnlicher Job für eine hübsche junge Frau wie Sie, finden Sie nicht?“, fragte er.

Maggies Herz machte einen kleinen Hüpfer.

Aber das sagte er bestimmt zu vielen Frauen.

Sie war viel zu groß, um hübsch zu sein.

„Nach dem Tod meiner Mutter habe ich die Ruhe hier sehr genossen. Es war der perfekte Ort, um zu trauern.“ Sie verzog das Gesicht. „Aber ich bin sowieso kein Partymensch. Weshalb haben Sie dieses Haus eigentlich gekauft?“

Nikos zog überrascht eine Augenbraue hoch. „Brauche ich einen Grund dafür?“

„Nein, natürlich nicht. Es scheint nur nicht der richtige Ort für …“ Sie brach beschämt ab.

„Es war eine reine Investition. Ich habe vor, hier Rennpferde zu züchten“, erklärte er. „Und brauchte ein Anwesen mit Stallungen und genügend Platz.“

Aus irgendeinem Grund nahm Maggie ihm diese Erklärung nicht ab. „Und was hat Sie heute Abend hierhergeführt?“, erkundigte sie sich.

„Hat man Ihnen schon einmal gesagt, dass Sie viele Fragen stellen?“, gab er zurück.

Maggie errötete und lächelte verlegen. „Ja, meine Mutter. Ziemlich oft sogar.“

Maggies Ehrlichkeit überraschte Nikos.

Viele Menschen fühlten sich von ihm eingeschüchtert, aber Maggie Taggart anscheinend nicht. Das war erfrischend – und irgendwie sexy.

Er war heute nach Kildare House gekommen, um der beklemmenden Enge zu entkommen, die er in letzter Zeit so häufig in der Öffentlichkeit verspürte. Er hatte die Veranstaltung in Dublin früh verlassen und sich an sein Anwesen in Irland erinnert.

Ein Haus, das er noch nie besichtigt hatte.

Also hatte er sich ein Taxi genommen und war hierhergefahren, rastlos und unzufrieden. Und als Maggie ihm in ihrer knappen Bekleidung die Tür öffnete, hatte sein Verstand ausgesetzt, und die Lust hatte übernommen.

Als hätte sie gespürt, in welche Richtung seine Gedanken gewandert waren, leerte Maggie ihr Glas und stellte es zurück auf das Tablett.

„Danke für den Drink. Wann möchten Sie morgen frühstücken?“ Sie sah ihn fragend an.

Nikos hatte das Gefühl, in ihren großen blauen Augen zu ertrinken. Sie hatte zwei rote Flecken auf ihren Wangen, und an ihrem Hals schlug sichtbar ihr Puls. Ihre Brüste hoben und senkten sich bei jedem Atemzug.

Die erotische Spannung zwischen ihnen war fast greifbar. Nikos wusste, dass sie ihn auch begehrte – genauso sehr wie er sie. Wenn es etwas gab, womit er sich auskannte, dann waren es Frauen.

„Zur Hölle mit dem Frühstück! Du spürst es doch auch.“

Maggies Herz setzte einen Schlag aus und begann dann hektisch zu klopfen.

Vielleicht hatte sie Nikos falsch verstanden.

„Entschuldigung …?“

Sie konnte spüren, wie sie rot wurde. So viel zu dem Vorsatz, professionell zu wirken, dachte sie resigniert.

„Du weißt, was ich meine, Maggie“, erwiderte er mit einem sinnlichen Lächeln, das ihr eine Gänsehaut über den Rücken jagte.

Sie schluckte schwer. „Ich weiß nicht, was Sie meinen. Wenn Sie mich bitte entschuldigen, ich werde jetzt ins Bett gehen.“

Sie drehte sich um und lief mit einem Kribbeln im Bauch Richtung Tür. Bisher hatte kein Mann so eine Wirkung auf sie gehabt, und sie wusste nicht, wie sie damit umgehen sollte. Wie benahm man sich in so einer Situation? Ein Mann wie Nikos Marchetti würde sie im Ganzen verschlingen und wieder ausspucken, wenn sie es zuließ – so viel war klar.

Kurz bevor sie die Tür erreichte, sagte er: „Bist du nicht auch ein kleines bisschen neugierig?“

Maggie zögerte.

Sie hatte so eine Anziehungskraft noch nie zuvor erlebt, und es schüchterte sie mächtig ein. Egal wie aufregend es sein mochte, sie war noch Jungfrau und fühlte sich einem Mann wie ihm absolut nicht gewachsen.

Langsam drehte sie sich zu ihm um. „Es gab doch heute Abend sicher eine Menge Frauen, die nur zu gerne Zeit mit Ihnen verbracht hätten.“

Nikos verzog das Gesicht.

„Von denen wollte ich aber keine. Ich will dich – vom ersten Augenblick an. So etwas ist mir schon ewig nicht mehr passiert.“

Als Teenager zuletzt, überlegte er.

Ein sehnsuchtsvolles Prickeln breitete sich in Maggies Magengegend aus.

Energisch rief sie sich in Erinnerung, dass das alles nur leere Worte waren, um sie rumzukriegen. Er spielte mit ihr.

Es ärgerte sie, dass seine Worte sie trotzdem so aus dem Konzept brachten. „Das liegt nur an der Situation und nicht an mir persönlich“, gab sie zurück.

„Hmm … das mag sogar sein.“

Sein Eingeständnis überraschte sie.

„Es ist lange her, dass mich jemand überrascht hat. Du hast das heute geschafft, Maggie. Du hast mir gezeigt, dass nicht jeder zynisch ist“, fügte er hinzu.

Er stellte sein Glas ab und ging auf sie zu.

Maggie stand wie festgewurzelt und beobachtete ihn gebannt.

Ein paar Schritte vor ihr blieb er stehen. „Ich spiele keine Spielchen. Wenn ich etwas sehe, das ich haben möchte, dann setze ich alles daran, um es auch zu bekommen. Ich habe schon lange keine Frau mehr so begehrt wie dich. Du faszinierst mich. Aber die Situation ist natürlich etwas kompliziert – alles, was heute zwischen uns passiert, hat keinen Einfluss auf deine Anstellung hier.

Ich möchte nicht, dass du dich zu irgendetwas verpflichtet fühlst. Es liegt ganz bei dir, wie weit wir gehen. Ich werde morgen früh nach London zurückfliegen und weiß nicht, wann ich das nächste Mal hier sein werde.“

Maggie war noch nie einem Menschen begegnet, der so offen und direkt war – nicht einmal ihre schottische Mutter war so unverblümt gewesen.

Sie zögerte. Ihr Herz klopfte laut.

„Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee wäre …“

Nikos Marchetti trat noch einen Schritt näher. So nah, dass Maggie die goldenen und grünen Sprenkel in seinen Augen genau erkennen konnte. Sein Duft hüllte sie ein, und am liebsten hätte sie sich an ihn geschmiegt, doch sie unterdrückte den Impuls.

„Du hast vermutlich recht“, räumte Nikos ein. „Und normalerweise vermische ich Privates und Berufliches nicht, aber mit dir wäre ich bereit, das Risiko einzugehen.“

Maggie schluckte schwer.

Es entstand eine Pause, dann sagte Nikos: „Okay, deine Entscheidung. Gute Nacht, Maggie.“

Mit diesen Worten verließ er den Raum.

Maggie sah ihm nach und bewunderte seine breiten Schultern, die schmalen Hüften und die langen Beine. Zitternd atmete sie aus und berührte mit den Fingerspitzen ihre Lippen – fast so, als hätte er sie geküsst.

Aber das hatte er nicht.

Maggie seufzte leise.

Sie hätte niemals mit so einer Wendung des Schicksals gerechnet. Sie lebte seit Monaten völlig abgeschieden von der Welt, und auf einmal tauchte aus heiterem Himmel ein wahnsinnig attraktiver Mann auf und fand sie auch noch begehrenswert.

Unfassbar.

Maggie hatte immer gedacht, diese magische Anziehung zwischen zwei Menschen sei ein Mythos. Ein Märchen, das nur in den Liebesromanen, die ihre Mutter so geliebt hatte, existierte.

Maggie war immer stolz darauf gewesen, dass sie eher pragmatisch veranlagt war.

Plötzlich hatte sie eine düstere Vorahnung.

Sie hatte nie vorgehabt, länger in Kildare House zu bleiben, doch die drei Monate waren wie im Flug vergangen, und wenn sie nicht aufpasste, würde sie als einsame alte Jungfer enden.

Nikos Marchetti bietet dir eine gemeinsame Nacht an – mehr nicht, dachte sie.

Sie vermutete, dass er so etwas öfter tat. Er war ein erfahrener Mann, aber war das so schlimm? Er hatte von Anfang an mit offenen Karten gespielt und ihr nichts vorgemacht.

Gedankenverloren schloss Maggie die Terrassentüren, nahm das Tablett und brachte es in die Küche.

Im Haus war es still, und für einen Augenblick überlegte Maggie, ob das alles heute Abend wirklich passiert war. Ob Nikos Marchetti wirklich unangemeldet vor der Tür gestanden hatte.

Doch das Vibrieren in ihrem Körper sagte ihr, dass es wahr war. Nikos hatte sie noch nicht einmal berührt, und trotzdem hatte er bereits Macht über sie. Sie fühlte sich lebendig, und ihre Haut war viel empfindlicher als sonst. Ihr war heiß, und ihr Herz klopfte aufgeregt.

Maggie seufzte.

Sie hatte vor langer Zeit beschlossen, ihr Leben anders zu leben als ihre Mutter, die von einem reichen Mann erst verführt und dann verstoßen worden war. Maggie hatte sich geschworen, dass sie nie zulassen würde, dass ein Mann sie so behandelte. Wenn sie mal eine Beziehung haben würde, dann nur mit einem ebenbürtigen Partner. Jemand, der die gleichen Werte hatte wie sie und der sich auch ein ruhiges, beschauliches Leben wünschte. Jemand, der die Verantwortung für seine Handlungen übernahm.

Ihre Kinder würden in einem sicheren und friedlichen Zuhause groß werden und müssten nicht ständig umziehen. Sie würde alles daransetzen, dass ihre Kinder mit beiden Elternteilen aufwuchsen, denn sie wollte nicht, dass sie sich ständig fragten, was sie falsch gemacht hatten und warum ihr Vater sie aus seinem Leben verbannt hatte.

Maggie wusste außerdem, wie schwer es war, ein Kind alleine großzuziehen. Kurz vor ihrem Tod hatte ihre Mutter häufiger darüber gesprochen und bedauert, dass sie Maggie kein stabileres Elternhaus hatte bieten können. Sie war sehr traurig gewesen, dass sie nach Maggies Vater keinen anderen Mann mehr kennengelernt hatte. Erst da war Maggie wirklich bewusst geworden, wie einsam ihre Mutter gewesen war.

Es war absolut lächerlich, dass sie über Nikos Marchettis Angebot überhaupt nachdachte.

Aber er will ja gar keine Beziehung, flüsterte die kleine Stimme in ihrem Hinterkopf.

Auch wenn Maggie noch völlig unerfahren war mit dem anderen Geschlecht, war ihr trotzdem klar, dass ein Mann wie Nikos Marchetti nichts Langfristiges suchte.

Sie fühlte sich hin- und hergerissen.

Wäre es wirklich so schlimm, auch einmal unvernünftig zu sein?

Nur ein einziges Mal?

Nikos Marchetti war nur diese Nacht hier, und vermutlich würde er auch so schnell nicht wieder nach Kildare House kommen.

Maggie hatte plötzlich Schmetterlinge im Bauch.

Es wäre bestimmt einfacher, Nikos’ Angebot auszuschlagen, wenn sie ihn noch nicht nackt gesehen hätte.

Sie konnte doch nicht …

Oder doch?

Nein!

Entschieden drehte sie sich um, löschte das Licht und ging die Treppe hinauf.

Als Maggie oben ankam, zögerte sie erneut.

Sie konnte jetzt in ihr eigenes Schlafzimmer gehen, ihre Tür schließen, und am nächsten Morgen wäre Nikos Marchetti vermutlich schon abgereist, bevor sie selbst wach wurde.

Dann wäre die Versuchung gebannt – und die Gelegenheit verstrichen.

Sie würde ihm vermutlich nie wieder begegnen, denn wenn er zurückkam, hätte sie sicherlich längst einen anderen Job gefunden.

Und wäre immer noch Jungfrau.

Der Gedanke ließ sie nicht mehr los, und plötzlich fühlte sie sich ganz mutig. Oder leichtsinnig. Es war ein ganz neues, wundervolles Gefühl.

Nikos Marchetti bot ihr etwas Großartiges an. Sie hatte so lange um ihre Mutter getrauert und sehnte sich nach Lebendigkeit und Freiheit.

Wie von selbst fanden ihre Schritte den Weg zu seinem Schlafzimmer.

Unsicher blieb sie vor der Tür stehen, als ihr die volle Tragweite ihrer Entscheidung bewusst wurde.

Sie hob die Hand, um zu klopfen, und bemerkte, dass sie zitterte.

Sie ließ den Arm wieder sinken.

Nein, das konnte sie nicht tun.

Sie war völlig unerfahren. Wie sollte sie ohne Schrammen aus dieser Sache herauskommen? Sie würde sich nur daran verbrennen.

Sie drehte sich um, um in ihr Zimmer zu gehen, und erstarrte.

Nikos Marchetti stand direkt vor ihr.

Er trug nur eine tief sitzende Sporthose und hatte sich ein Handtuch um die Schultern gelegt. Sein Oberkörper war nackt.

Sein Gesicht war erhitzt, und seine olivfarbene Haut glänzte.

Benommen überlegte Maggie, dass er im Fitnessraum gewesen sein musste. Sie nahm seinen aufregenden männlichen Duft wahr, und ihr Widerstand fiel in sich zusammen.

„Maggie?“

Sie hatte wie gebannt auf seine Brust mit den dunklen Härchen gestarrt und hob jetzt den Blick.

„Ja?“

„Bist du dir sicher?“

Sie wusste, dass sie immer noch in ihr Zimmer gehen konnte. Aber sie wollte nicht.

„Ich … ich glaube schon.“

Er trat noch einen Schritt auf sie zu, und sie sah das Funkeln in seinen Augen.

„Ich möchte, dass du dir wirklich sicher bist, Maggie.“

Ein tiefes Sehnen breitete sich in ihr aus. Nein, diese Möglichkeit konnte sie nicht einfach so verstreichen lassen. „Ich bin mir sicher“, erwiderte sie fest.

„Nikos“, sagte er und sah sie auffordernd an.

Sie blinzelte. „Du möchtest, dass ich dich mit deinem Vornamen anspreche?“

Er nickte. Es wäre weniger beängstigend gewesen, wenn er sie einfach in die Arme genommen und geküsst hätte.

Sie atmete tief ein und flüsterte: „Nikos.“

Es fühlte sich wahnsinnig intim an. Er war nicht länger der Besitzer des Herrenhauses, und sie war nicht länger die Haushälterin.

Sie waren ebenbürtig.

So, als hätte er ihre Gedanken gelesen, sagte Nikos: „Wenn wir durch diese Tür gehen, dann sind wir absolut gleichberechtigt. Du musst nichts tun, was du nicht willst. Wenn du mitkommst, dann nur, weil du es willst – weil wir beide es wollen.“

Es rührte sie, dass es ihm so wichtig war, ihr zu sagen, dass sie die Situation jederzeit unter Kontrolle hatte.

Maggies Stimme klang rau, als sie sagte: „Ich weiß, was ich tue. Ich möchte das hier auch.“

„Gut.“Nikos nahm ihre Hand in seine, öffnete die Tür und führte Maggie in sein Schlafzimmer. Der Raum wurde durch mehrere kleine Lampen in goldenes Licht getaucht. Der Himmel vor den großen Fenstern schimmerte in einem samtigen dunklen Blau.

Nikos ließ sie los und betrachtete sie.

„Ich sollte duschen“, sagte er unvermittelt und grinste.

Die Vorstellung, dass er sie verließ, egal wie kurz, ließ Panik in Maggie aufsteigen. Sie befürchtete, dass sie doch noch die Nerven verlieren würde.

„Nein, brauchst du nicht“, sagte sie schnell.

Und es stimmte. Er roch unglaublich gut.

Er zuckte mit den Achseln, zog das Handtuch von den Schultern und warf es auf einen Stuhl in der Nähe. Dann forderte er sie auf: „Komm her.“

Maggie ging einen Schritt auf ihn zu. Ihre Haut kribbelte vor Aufregung und Vorfreude.

„Mach deine Haare auf.“

Sie griff nach hinten und löste ihren Dutt. Ihre volle, lange Mähne fiel ihr über die Schultern. Ihr Haar war wild und kaum zu bändigen, aber ihre Mutter hatte die gleichen Haare gehabt, deshalb mochte Maggie sie.

Nikos gefielen sie anscheinend auch, denn er streckte die Hand aus und wickelte sich eine der langen Strähnen um den Zeigefinger. „Du hast tolle Haare.“

Er zog Maggie sanft zu sich heran.

Ihre Beine fühlten sich an wie Wackelpudding.

Nikos ließ die Haarsträhne los und schob seine Hand in Maggies Nacken. Sein Daumen ruhte genau über ihrer aufgeregt pochenden Ader. Zärtlich hob er mit der anderen Hand ihr Kinn und forderte sie auf: „Berühr mich.“

Wie in Zeitlupe hob Maggie die Hände und legte sie auf seine nackte Brust. Sie spürte, wie sich die Härchen rau gegen ihre Handflächen drückten, und darunter fühlte sie Nikos’ warme, weiche Haut.

Ihr stockte der Atem.

Nikos beugte sich vor, und sein Atem strich sanft über ihre Lippen.

Er roch nach Whisky, und Maggie wurde plötzlich ganz schwindelig. Sie spannte sich an und wartete voller Ungeduld. Jetzt würde er sie endlich küssen. Sie ahnte, dass danach nichts mehr so sein würde, wie es vorher gewesen war.

Und dann endlich senkten sich seine Lippen auf ihre.

Maggie ging in Flammen auf – wie Zunder, an den man ein Streichholz hielt.

Oh, wie recht sie gehabt hatte – nichts würde mehr so sein wie zuvor.

Nichts auf der Welt hätte sie auf die Empfindungen vorbereiten können, die Nikos’ Lippen auf ihren auslösten. Es war atemberaubend – wie ein Feuerwerk.

Sie verschmolzen miteinander, und je intensiver der Kuss wurde, desto gieriger wurde sie. So, als hätte sie schon ihr ganzes Leben auf diesen einen Moment gewartet.

Nikos vergrub seine Hand in ihrem Haar und bog ihren Kopf nach hinten, um sie noch inniger küssen zu können.

Maggie seufzte und presste sich an ihn. Sie wollte ihn spüren und ihm ganz nah sein. Ihr Körper reagierte ganz instinktiv auf ihn und wusste, was zu tun war.

Nikos verging fast vor Lust.

Maggies Kuss war zuerst ganz zart, doch dann wurde sie immer mutiger und entzündete ein gigantisches Feuer in ihm. Vergessen waren alle Langeweile und jeder Überdruss.

Maggies Körper bebte wie eine angespannte Sehne.

Es war eine ganz neue Erfahrung für Nikos, dass eine Frau so groß war. Ihre vollen Brüste pressten sich fest an seinen Oberkörper, und er konnte es kaum erwarten, ihren wundervollen Körper zu erkunden.

Er zog mit ungewohnt fahrigen Fingern ihre Bluse aus dem Hosenbund und öffnete nacheinander die zierlichen kleinen Knöpfe. Dann schob er die Bluse auseinander, unterbrach den Kuss und betrachtete Maggie bewundernd. Sie hatte ihre Augen geschlossen und schien noch ganz im Bann des Kusses gefangen. Ihre Lippen waren rosig und feucht und ihre Wangen erhitzt.

Nikos stöhnte leise. Der Anblick war erregender als alles, was er bisher gesehen hatte. Wann hatte er das letzte Mal eine so leidenschaftliche Frau geküsst? Vielleicht als Teenager, überlegte er erstaunt.

Sie hatte volle und wohlgeformte Brüste, die in einem hübschen Spitzen-BH steckten. Ihre Taille war schmal und ihre Hüften breit. Sie war das Sinnbild von Weiblichkeit, aber Nikos vermutete, dass sie sich dessen gar nicht bewusst war.

Sie hatte die Augen geöffnet und blickte bei seiner Musterung verlegen nach unten.

Sanft hob Nikos ihr Kinn mit dem Zeigefinger hoch. „Du bist wunderschön.“

Sie wurde rot. „Ich trage doch noch nicht einmal etwas … Besonderes.“

Am liebsten hätte er sie sie so schnell wie möglich ausgezogen und sich in ihr versenkt, doch er riss sich zusammen.

„Glaub mir, du bist die attraktivste Frau, die mir je begegnet ist.“

„Das musst du nicht sagen“, sagte sie ernst.

„Ich sage das nicht nur so – ich meine es auch.“

Es war ihm wirklich ernst.

Die Frauen, mit denen er normalerweise ausging, waren alle so selbstbewusst, dass sie keine Komplimente brauchten. Maggie dagegen wirkte fast schon schüchtern.

Ihm kam plötzlich ein Gedanke, und er stutzte. Doch dann verwarf er ihn schnell wieder. Maggie wirkte zwar sehr unschuldig, aber welche Frau war heutzutage in ihrem Alter noch unberührt. Es lag sicher nur daran, dass sie noch nicht so viele Erfahrungen gesammelt hatte.

Maggie blickte zu Nikos auf.

Sie fragte sich, ob ihm aufgefallen war, wie unerfahren sie war. Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, um ihm zu gestehen, dass sie noch Jungfrau war.

Sie sollte es ihm wirklich sagen.

Aber die Vorstellung, wie er sie nach dieser Enthüllung geschockt ansah, ließ sie schweigen. Sie wollte nicht, dass er aufhörte. Mit einem verzweifelten Unterton in der Stimme sagte sie: „Nikos … ich will das hier. Ich will dich. Wirklich.“

Seine Augen wurden bei ihren Worten dunkler. Er half ihr, die Bluse auszuziehen. Maggie schlüpfte aus ihren Schuhen, öffnete ihre Hose und streifte sie herunter.

Nur noch mit Unterwäsche bekleidet stand sie vor ihm, und Nikos ließ seinen Blick langsam und genüsslich über ihren Körper wandern.

Maggie ballte die Hände zu Fäusten, um sich nicht sofort in Nikos’ Arme zu werfen. Sie hatte noch nie ein so überwältigendes Verlangen gespürt, jemanden zu berühren.

Nikos zog sich nun ebenfalls aus und stand kurz darauf komplett nackt vor ihr.

Maggie sah an ihm herunter und schluckte schwer. Er hatte eine beeindruckende Erektion.

„Berühr mich, Maggie.“

Plötzlich war sie schüchtern.

Zögernd streckte sie die Hand aus und strich mit dem Zeigefinger über Nikos’ pulsierende Männlichkeit.

Sie hörte ein Stöhnen.

War er das oder sie?

Sie konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen.

Am liebsten hätte sie ihre Hand fest um ihn geschlossen, aber bevor sie das tun konnte, hielt Nikos ihr Handgelenk fest und sagte mit erstickter Stimme: „Ich finde, du hast noch zu viel an.“

Mit diesen Worten drehte er sie langsam um, ließ seine Finger ihren Rücken hinabgleiten bis zu ihrem BH-Verschluss und öffnete geschickt die Häkchen. Dann schob er die Träger über ihre Schultern und ließ den BH achtlos zu Boden fallen. Auch ihren Slip streifte er über ihre Hüfte nach unten, sodass Maggie endlich nackt vor ihm stand.

Ihr Atem ging so flach, dass ihr fast ein wenig schwindlig wurde.

Noch nie hatte irgendjemand sie so gesehen, nicht einmal ihre Mutter.

„Dreh dich um, Maggie.“

Ganz langsam drehte sie sich um. Den Blick hielt sie verschämt auf den Boden gerichtet. Sie hörte, wie Nikos scharf einatmete, und kaute verlegen auf ihrer Unterlippe.

Dann kam seine Hand in ihr Sichtfeld. Er umfasste andächtig eine ihre Brüste, so als würde er ihr Gewicht prüfen. Sein Daumen umkreiste ganz sanft den Hof ihrer Brustwarze.

Maggie biss sich so fest auf die Lippe, dass sie sogar Blut schmeckte. Die Gefühle, die durch ihr Nervensystem rasten, waren unglaublich intensiv.

Sie hätte nicht gedacht, dass Nikos ihr so viel Zeit lassen würde und ihren Körper so langsam und ehrfürchtig erkunden würde. Es war die süßeste Folter, die sie sich vorstellen konnte.

„Ich kann nicht … ich brauche …“, murmelte sie, unfähig, auszudrücken, was sie empfand.

Sie schaute zu ihm auf. Sein Gesicht war erhitzt, und seine Lieder waren schwer.

Er sah ihr tief in die Augen, als er seine Hand fester um ihre weiche Brust schloss und die empfindsame Spitze zwischen Daumen und Zeigefinger nahm.

Maggie musste sich an Nikos’ Schultern festhalten, um nicht in Empfindungen zu ertrinken.

„Ich brauche dich … mehr.“ Sie stöhnte ungeduldig, als er von ihrer Brust abließ und sie zu dem breiten Doppelbett hinüberführte.

Das Bett, das sie jede Woche frisch bezog. Aber darüber konnte sie später nachdenken, ermahnte sie sich.

Nikos schob sie in die seidigen Kissen und legte sich neben sie. Maggie seufzte glücklich, als er sie endlich küsste und mit streichelnden Fingern ihren Körper erkundete. Er berührte empfindsame Stellen, von denen sie bisher noch nie Notiz genommen hatte. Dann ließ er seine Lippen langsam ihren Hals und ihr Dekolleté hinabwandern und hinterließ eine heiße feuchte Spur auf ihrer Haut.

Immer näher kam er ihren sensiblen, aufgerichteten Brustknospen, und Maggie verglühte fast, als er endlich seine Lippen um die erste schloss.

Hilflos drückte sie ihren Rücken durch und stöhnte. Nikos wanderte von einer Brust zur anderen und labte sich an ihr wie ein Pascha, der ein exquisites Mahl genießt. Maggie hatte ihre Hände in seinem Haar vergraben und keuchte schwer. Nach einiger Zeit setzte er seinen Weg nach unten fort und schob sich zwischen ihre Beine. Sie öffnete sich bereitwillig für ihn. Obwohl sie ihm vollkommen ausgeliefert war, verspürte sie weder Scham noch Verletzlichkeit.

Nur ehrfürchtiges Staunen und Vorfreude.

Er sah zu ihr auf.

Es blitzte schalkhaft in seinen Augen, und dann senkte er seinen Kopf wieder. Maggie spürte seine Lippen genau dort, wo noch niemand sie berührt hatte – an ihrer intimsten Stelle. Sie hatte Nikos’ Kopf losgelassen und klammerte sich atemlos an den Laken fest, während Nikos gnadenlos sein Können unter Beweis stellte.

Die Empfindungen waren plötzlich so intensiv, dass Maggie instinktiv die Beine zusammenpressen wollte, aber Nikos legte beruhigend eine Hand auf ihren Bauch und setzte seine zärtliche Folter fort.

Alles in ihr spannte sich an, wurde fester und straffer, wie ein gespanntes Seil, und näherte sich rasant der Klippe, die sie bisher nur alleine übersprungen hatte.

Und dann stürzte, taumelte sie über die Kante, und ihr ganzer Körper verkrampfte sich, als eine gigantische Flutwelle der Lust sie mit sich riss.

Maggie hätte nie geahnt, dass es so wundervoll und heftig sein könnte. Wie eine fremde Macht, die von ihr Besitz ergriff.

Eine Macht, über die sie keinerlei Kontrolle hatte.

Sie hörte ein Knistern und sah benommen auf.

Nikos kniete vor ihr und war dabei, sich ein Kondom überzustreifen.

Bei diesem Anblick schoss neues Verlangen durch ihre Adern.

Was war nur mit ihr los? Sie war unersättlich.

Nikos betrachtete sie bewundernd und sagte: „Weißt du eigentlich, wie unglaublich sexy es ist, dass du so empfindsam bist?“

Maggie konnte noch nicht sprechen, deshalb schüttelte sie nur den Kopf.

Nikos ließ sich langsam auf sie sinken, und instinktiv kippte Maggie ihr Becken ein wenig, um ihn willkommen zu heißen. Sie war noch immer sehr empfindlich von ihrem ersten Orgasmus, aber sie war bereit und sehnte sich nach ihm.

Nikos sah ihr tief in die Augen, schob einen Arm unter sie, um sie ein wenig anzuheben, und drang mit einer einzigen fließenden Bewegung tief in sie ein.

Maggie keuchte auf, und ihre Augen weiteten sich vor Überraschung.

Nikos erstarrte.

Fest an seine starken Oberarme geklammert, spürte sie dem ungewohnten Gefühl, ihn ganz in sich zu spüren, nach.

Er runzelte irritiert die Stirn. „Maggie, bist du noch …“

Doch bevor er den Satz beenden konnte, schlang sie ihm die Beine um die Hüften und flüsterte: „Bitte, hör nicht auf.“

Sie wollte nicht, dass er es laut aussprach und womöglich aufhörte. Nicht jetzt.

Der Schmerz ließ langsam nach, und sie spürte Nikos ganz tief in sich. Als er sich endlich ganz langsam zurückzog, um dann erneut zu ihr zu kommen, hätte sie fast vor Erleichterung aufgeschluchzt.

Sie hieß ihn willkommen und kam ihm jedes Mal entgegen.

Gemeinsam fanden ihre Körper den Rhythmus für den uralten zeitlosen Tanz der Liebe.

Nikos’ Stöße wurden immer schneller und drängender, und Maggie konnte sich nur noch hilflos an seinen Armen festhalten. Er hielt sie ganz fest, während der Sturm in ihr zu einem Orkan heranwuchs und sie immer schneller auf den Abgrund zuwirbelte.

Sie konnte nicht entkommen – und wollte es auch gar nicht.

Schon bald spürte sie die Erlösung nahen. Mit einem letzten Anspannen bäumte sie sich auf und kam Nikos noch einmal entgegen, bevor sie vom reißenden Strudel der Lust erfasst wurde und atemlos erneut über die Klippe geschleudert wurde.

Alles an ihr bebte und pulsierte, und sie brauchte lange, um wieder zu Atem zu kommen.

Nikos wusste, dass Maggie nicht einmal mitbekam, wie er sich über ihr anspannte und mit dem fantastischsten Orgasmus, den er je erlebt hatte, ebenfalls Erleichterung fand.

Die Intensität des Ganzen überwältigte ihn, und für einen Moment konnte er sogar die Erkenntnis ausblenden, die sich wie glühendes Eisen in sein Bewusstsein gebrannt hatte, bevor Maggie ihre Beine um ihn geschlungen hatte.

Sie war noch Jungfrau gewesen.

3. KAPITEL

Maggie lag auf dem Bett und war unfähig, sich zu bewegen.

Die Empfindungen hallten noch in ihr nach, und es fiel ihr schwer, ganz zu fassen, was gerade geschehen war.

Ihr liefen noch immer kleine Schauer über die Haut, und sie spürte dort, wo Nikos sie ausgefüllt hatte, ein Kribbeln. Erst war es etwas schmerzhaft gewesen – und dann so unbeschreiblich schön.

Nikos war ins Badezimmer gegangen, und Maggie war froh über die kurze Pause, um ihre Gedanken zu ordnen.

Wer hätte geahnt, dass es solche sinnlichen Freuden gab?

Sie hörte, wie sich die Badezimmertür öffnete. Nikos trat mit einem tief sitzenden Handtuch um die Hüfte ans Bett. Maggies Mund wurde ganz trocken bei diesem Anblick.

Sie fand es immer noch unbegreiflich, dass ein Mann wie er tatsächlich eine Frau wie sie begehrte.

Doch dann zerstörte Nikos die Stimmung. „Warum hast du mir nicht gesagt, dass du noch Jungfrau bist?“, fragte er.

Er hatte es bemerkt.

Oh nein.

Maggie spürte einen Kloß im Hals.

Natürlich hat er es bemerkt.

Sie schaute zu ihm auf und brachte kein Wort heraus. Sie konnte jetzt noch nicht darüber reden – sie war noch immer viel zu durcheinander von dem, was gerade geschehen war.

Nikos’ Blick war unerbittlich.

Ihr lief ein Schauer über den Rücken.

Was hatte sie nur getan?

Mit einiger Mühe formte sie ein Wort: „Ich …“

„Du …?“, hakte er nach. Er klang ungeduldig.

Sie schaute verlegen zur Seite und murmelte: „Kannst du dir bitte etwas anziehen?“

Nikos stieß einen Fluch aus. Als er sich umdrehte, um seine Hose zu holen, die noch immer in einem wilden Haufen auf dem Fußboden lag, nutzte sie die Gelegenheit, um sich schnell das Bettlaken über die Brüste zu ziehen.

Nachdem er die Hose angezogen hatte, sah er sie auffordernd an. „Nun?“

Maggie schluckte. Schüchtern sagte sie: „Ich wollte nicht, dass du aufhörst.“

Theos, Maggie! Du hättest es mir sagen sollen. Ich schlafe nicht mit Jungfrauen. Ich bin der Letzte, mit dem eine Frau ihr erstes Mal erleben sollte.“

Da war Maggie anderer Meinung. Die Vorstellung, dass ein anderer Mann mit ihr das teilte, was sie gerade mit Nikos erlebt hatte, war unerträglich.

Dabei war Nikos Marchetti eigentlich das absolute Gegenteil ihres Traummannes. Die Erkenntnis traf sie bis ins Mark. Sie war seinem Bann erlegen und erkannte jetzt mit erschütternder Klarheit, dass sie gerade all ihre Überzeugungen über Bord geworfen hatte und, ohne zu zögern, mit einem Mann geschlafen hatte, der genauso war wie ihr Vater.

„Kannst du mir bitte einen Bademantel reichen?“, sagte sie steif.

Nikos schwankte zwischen Wut und Verlangen. Maggie sah absolut verführerisch aus, wie sie mit geröteten Wangen und zerzausten Locken auf dem Bett saß. Ihre Augen wirkten riesig, und er las darin den gleichen Zwiespalt der Gefühle, den er auch empfand.

So als könnte sie nicht fassen, was gerade geschehen war.

Ihm ging es ähnlich.

Er hatte schon seit Langem nicht mehr so befriedigenden Sex gehabt – wenn überhaupt jemals. Die Chemie zwischen ihnen war phänomenal.

Frustriert drehte er sich um und holte den Bademantel aus dem Bad. Er reichte ihn ihr.

Ungelenk zog Maggie ihn an – krampfhaft bemüht, dabei nicht zu viel Haut zu zeigen.

Nikos erhaschte trotzdem einen Blick auf ihren Busen und erinnerte sich, wie er die Fülle kaum mit einer Hand hatte umfassen können.

Sein Körper reagierte sofort.

Er fuhr sich mit der Hand durchs Haar.

Maggie verknotete den Gürtel des Bademantels und stand auf.

„Wie kommt es, dass du noch Jungfrau warst?“, fragte er kopfschüttelnd.

Sie zuckte mit einer Schulter und vermied es, ihn anzusehen. „Ich habe einfach … nie den Richtigen getroffen.“ Sie wurde rot. Dann fügte sie hinzu: „Das eben war ein Fehler.“

Es überraschte ihn, wie sehr ihre Worte ihn verletzten.

„Oh nein, angeli mou, jetzt ist es zu spät für Reue. Wir wussten beide, worauf das Ganze hinauslaufen würde.“ Sein schlechtes Gewissen regte sich – sie war noch unschuldig gewesen, also hatte sie wirklich nicht gewusst, worauf sie sich einließ. Doch dann siegte sein Ärger. „Du hättest mir wirklich sagen sollen, dass du noch Jungfrau bist.“ Obwohl er nicht sicher war, ob das etwas geändert hätte, musste er sich widerwillig eingestehen.

„Ja – dann wären wir vielleicht wieder zur Vernunft gekommen.“ Maggie wurde dunkelrot, als sie hinzufügte: „Ich bin wirklich enttäuscht von mir, dass ich mit jemandem wie dir geschlafen habe.“

Ihre Worte verletzten seinen Stolz. Bisher hatte noch keine Frau im Nachhinein Bedauern geäußert, dass sie mit ihm im Bett gewesen war – ganz im Gegenteil.

Er verschränkte die Arme vor der Brust.

„Jemand wie ich? Was soll das heißen?“

„Jemand, der reich und mächtig ist. Jemand mit Privilegien.“

Maggie wusste, dass ihr Urteil Nikos gegenüber nicht ganz fair war, weil sie ihn kaum kannte, aber er war ihr vom ersten Blick an unter die Haut gegangen. Sie hatte immer gedacht, dass sie einmal klüger sein würde als ihre Mutter und gegen den Charme eines reichen Playboys immun wäre – aber da hatte sie sich getäuscht.

„Reich und privilegiert zu sein ist nicht immer so beneidenswert, wie alle anderen sich das vorstellen. Kennst du nicht die Bücher und Filme über die armen Kinder reicher Eltern?“

Er hatte das leichthin gesagt, aber Maggie spürte die Schwermut dahinter.

Sie hatte plötzlich ein schlechtes Gewissen.

„Tut mir leid“, sagte sie schnell. „Es ist nur so … du bist hier unangekündigt aufgetaucht – in dem Haus, das du gekauft hast, ohne es dir je anzusehen.“

„Was dich überhaupt nichts angeht“, unterbrach er sie.

Maggie schloss betreten den Mund.

„Wenn ich ehrlich bin, hätte ich dir auch dann nicht widerstehen können, wenn ich es gewusst hätte. Die Chemie zwischen uns hat uns beide überrascht“, sagte er. „Wir wollten es beide, und ich bereue nichts. Nur Verlierer bereuen ihre Entscheidungen. Man sollte dazu stehen, wenn man etwas will, Maggie. Du kannst die Zeit nicht zurückdrehen, du kannst nur nach vorne sehen.“

„Nach vorne …“, wiederholte sie nachdenklich.

Er nickte und zog sie vorsichtig an sich.

Sie wehrte sich nicht.

So viel zu meinem starken Willen, dachte sie resigniert.

„Ich schlage vor, dass wir einfach den Moment genießen. Oder möchtest du, dass deine erste Lektion in die körperliche Liebe hier endet?“

Maggies Magen zog sich vor Aufregung zusammen, und ihre Haut begann zu prickeln.

Wäre es so schlimm, noch einmal mit ihm zu schlafen?

Nur noch ein einziges Mal.

Es einfach zu genießen – auch wenn sie sich vorgenommen hatte, nie mit einem Mann wie ihm zusammen zu sein?

Die Antwort war klar.

Sie gab ihm ihre Einwilligung, und Nikos öffnete langsam den Knoten an ihrem Gürtel. Dabei beobachtete er sie genau, um sicherzugehen, dass sie es sich nicht doch noch anders überlegte.

Aber nachdem Maggie sich eingestanden hatte, dass sie ihn immer noch wollte, wurde sie sogar ein wenig ungeduldig. Sie wollte jeden Moment auskosten.

Nikos schob den Bademantel auseinander und betrachtete sie bewundernd.

Maggie hielt es nicht mehr aus. Sie zerrte ungeduldig an Nikos’ Hose und entblößte ihn in all seiner Pracht. Sie hatte das Gefühl, zu verbrennen.

Sie kannte ihn kaum, aber sie hätte diesen ganz besonderen, innigen Moment mit niemandem anders teilen wollen als mit ihm. Sie konnte sich dieses Gefühl selbst nicht erklären.

Nikos zog sie mit sich aufs Bett.

Ihre nackten Brüste pressten sich fest gegen seinen harten Brustkorb, als sie auf ihm landete. Spielerisch griff er ihr ins Haar. Dann grinste er frech und sagte: „Mach dir keine Gedanken, Maggie. Ich bin einfach unwiderstehlich.“

Autor

Abby Green

Abby Green wurde in London geboren, wuchs aber in Dublin auf, da ihre Mutter unbändiges Heimweh nach ihrer irischen Heimat verspürte. Schon früh entdeckte sie ihre Liebe zu Büchern: Von Enid Blyton bis zu George Orwell – sie las alles, was ihr gefiel. Ihre Sommerferien verbrachte sie oft bei ihrer...

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Chantelle Shaw
Chantelle Shaw ist in London aufgewachsen. Mit 20 Jahren heiratete sie ihre Jugendliebe. Mit der Geburt des ersten Kindes widmete sie sich ihrer Rolle als Hausfrau und Mutter, ein Vollzeitjob, da die Familie bald auf sechs Kinder und verschiedene Haustiere anwuchs.

Chantelle Shaw entdeckte die Liebesromane von Mills & Boon,...
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Lynne Graham ist eine populäre Autorin aus Nord-Irland. Seit 1987 hat sie über 60 Romances geschrieben, die auf vielen Bestseller-Listen stehen.

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