Skandal um den italienischen Millionär

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"Du bist Vater!" Der Millionär Leandro Conti traut seinen Ohren nicht. Obwohl er die schöne Alexis sieben Jahre nicht gesehen hat, erkennt er sie sofort: Die eine Nacht mit ihr ist unvergesslich. Und nun ihre schockierende Enthüllung, ausgerechnet am Abend seiner Verlobung, die er aus Geschäftsgründen eingehen wollte. Ein Skandal - aber es kommt noch schlimmer: Alexis verweigert ihm jeden Kontakt mit seiner Tochter. Doch da hat sie die Rechnung ohne seinen stählernen Willen gemacht. Er will seine Erbin kennenlernen - das Kind der Liebe …
  • Erscheinungstag 23.05.2017
  • Bandnummer 2284
  • ISBN / Artikelnummer 9783733708375
  • Seitenanzahl 144
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

PROLOG

Leandro Conti.

Voller Ehrfurcht und Erstaunen geraunt, wehte der Name durch den exklusiven Mailänder Nachtclub und ließ Alexis Sharpe mitten in der verschwitzten Menge auf der Tanzfläche abrupt erstarren.

Dass Alex überhaupt in diesen Club hereingekommen war, verdankte sie ihrer neuen Freundin Valentina Conti. Eine Freundschaft, die ganz spontan entstanden war. Als Alex, die mit dem Rucksack durch Italien reiste, die überschwänglichen, wenngleich auch harmlosen Nachstellungen eines Kellners hatte abwehren müssen, war Tina ihr zu Hilfe gekommen. Und hatte offensichtlich entschieden, dass sie Alex mochte.

Valentina, weltgewandt und reich, war so weit entfernt von Alex wie Mailand von Brooklyn, aber Alex hatte sich Tinas herzlicher Großzügigkeit nicht verschließen können. Die Unterschiede zwischen ihnen hatten sie nie gestört … bis sie Tinas älteren Bruder kennengelernt hatte.

Leandro Conti, CEO von Conti Luxury Goods.

Ein sündhaft attraktiver italienischer Magnat.

Grüblerisch, Respekt gebietend, nahezu allgewaltig, schaute er auf den kläglichen Rest von ihnen herab, als schwebe er in höheren Sphären.

Zumindest für eine zur Durchschnittsbevölkerung gehörende Zwanzigjährige aus Brooklyn sah es so aus.

Die Wahrscheinlichkeit, dass er in diesem Nachtclub auftauchte, war ebenso hoch gewesen wie eine UFO-Sichtung. Sämtliche Party-Girls strichen sich nun aufgeregt das Haar zurück und zupften ihre eng anliegenden Kleider zurecht. Sie alle hofften darauf, seine Aufmerksamkeit zu erregen.

Dagegen hatte Alexis keine Chance, dennoch riskierte sie einen Blick. Und in ihrem Magen flatterte es.

In schwarzem Hemd und dunkler Jeans, die perfekten Züge wie gemeißelt, stellte Leandro sich an den Rand der Tanzfläche, ließ den schiefergrauen Blick über die zuckende Menge schweifen … und verwarf jedes einzelne Gesicht.

Wie sehr sie sich wünschte, ihm würde auffallen, dass sie keine Frau war, die leicht abgetan werden konnte. Diesen Wunsch hatte sie noch nie zuvor verspürt.

Schon ihr ganzes Leben lang fand sie sich damit ab, dass sie nichts Besonderes war und ignoriert wurde, sogar von ihren Eltern. Die Reise nach Italien war nichts weiter als Flucht, nachdem sie eine weitere Absage auf eine Bewerbung erhalten hatte. Da war ihr klargeworden, dass ihr die notwendigen Attribute für eine große Karriere wie die ihrer Freunde fehlten und ihre Zukunft in einem langweiligen Job im Reformhaus ihres Vaters lag.

„Ein Sommer in Italien, weil du mal wieder abgelehnt worden bist?“, hatte ihre Mom nur resigniert gesagt – so als hätte sie nichts anderes von ihrer Tochter erwartet. „Jetzt wird Versagen also schon belohnt, ja?“

Ihre Worte hatten Alex verletzt. Vermutlich war das der Grund, weshalb sie den Tapetenwechsel gebraucht hatte. Eine Art Rebellion gegen die Art Leben, die sie noch weniger als durchschnittlich machte. Wertlos.

Seltsam, aber bei Leandro Contis Anblick fühlte sie sich frei und kühn. Sie wollte ihm als etwas Besonderes erscheinen.

Wie schon vor zwei Wochen, als er sich zusammen mit seinem Bruder Luca und mehreren Freunden zu ihnen auf die Veranda am Seeufer zum Dinner gesellt hatte. Er hatte sich einen Stuhl herangezogen und sich neben sie gesetzt. Nachdem er sich bei seiner Schwester nach den Fortschritten ihres verstauchten Knöchels erkundigt hatte, richtete er die schiefergrauen Augen auf Alex.

„Und, Miss Sharpe, außer dass Sie Tina vorhalten, ein großes Baby zu sein … wie gefällt Ihnen Ihre Italienreise bisher?“

Alex machte sich Vorwürfe, dass sie an jenem Abend die Geduld mit Valentina verloren hatte, doch die Selbstverständlichkeit, mit der er sich neben sie setzte, raubte ihr die Sprache. Sein Akzent sowie der intensive Blick, mit dem er sie musterte, jagten ihr ein Prickeln über den Rücken und erschienen ihr wie eine Liebkosung, auch wenn es höchstens fünf Sekunden dauerte.

Hitze schoss ihr in die Wangen. „Warum nennen Sie mich nicht Alex, so wie die anderen auch?“ Der Mann schien entschlossen, ihr nicht einmal das zu gönnen.

Valentina, so hellsichtig wie herzlich, hatte Alex davor gewarnt, sich Hoffnungen auf den älteren Bruder zu machen – und damit eigentlich das Gegenteil erreicht. Alex war umso entschlossener, Leandros Interesse zu erregen.

„Warum kürzen Sie Ihren Namen zu einer männlichen Form ab?“ Sein Blick glitt über sie – über die kleinen festen Brüste unter dem verwaschenen College-Sweatshirt, hinunter zu ihren langen Beinen in den Capri-Shorts und dann noch weiter abwärts zu ihren Lieblingsturnschuhen. Vier Wochen in Gesellschaft von Valentina und ihren Freunden, die stets das Bild der verkörperten Eleganz boten, und zum ersten Mal wünschte Alex sich, sie würde etwas Schickeres tragen.

Seine Mundwinkel bogen sich leicht nach oben, und alles in Alex zog sich zusammen. „Legen Sie es bewusst darauf an zu verstecken, was Sie sind?“ Eine Bemerkung, die nur für ihre Ohren bestimmt war.

Und sie bis in ihr Innerstes traf. Stimmt das? Achte ich absichtlich nicht auf mein Äußeres, damit die Welt sich gar nicht erst die Mühe macht, mich zurückzuweisen?

Sie erwiderte seinen Blick mit einer Unerschrockenheit, die sie nie bei sich vermutet hätte. „Ich weiß nicht, was Sie meinen.“

Leandro beugte sich zu ihr, sein warmer Atem strich über ihr Ohr. „Ein Rat vom Bruder Ihrer Freundin, Miss Sharpe: Sie sollten Männer nicht mit diesem Blick ansehen.“ Er richtete sich wieder auf, und seine Augen weiteten sich unmerklich. „Es sei denn natürlich, Sie wissen genau, welche Waffen Sie da einsetzen.“

Damit ging er, ohne sich noch einmal umzudrehen, und ließ Alex verlegen und erniedrigt und schäumend vor Wut zurück. Er wusste, dass sie an ihm interessiert war, und hatte sie mit nur wenigen Worten, aber äußerst effektiv abgewiesen. Ihr war nicht einmal eine Erwiderung eingefallen, weil ihr Verstand in seiner Nähe immer komplett aussetzte.

So wie jetzt auch. In dem dämmrigen Licht des Clubs stand sie hier inmitten der sinnlich tanzenden Paare und starrte ihn an. Er war Meter entfernt von ihr, und dennoch spürte Alex die Wirkung seiner Anziehungskraft. Als wäre er ein Schwarzes Loch, in das sie hineingezogen wurde.

Hat er dich nicht schon genug erniedrigt, fragte eine kleine warnende Stimme in ihrem Hinterkopf. Alex klammerte sich an sie wie an einen Rettungsring und wandte sich ab. Sie brauchte keinen arroganten Italiener, der ihr den Urlaub vermieste und ihr vor Augen führte, wie minderwertig sie war. Mit diesem Gefühl schlug sie sich bereits jeden Tag ihres Lebens herum. Bei diesem Italiensommer ging es darum, von all dem wegzukommen, eine andere Alexis zu sein als Alexis, die Versagerin. Sie war das genaue Gegenteil ihres Bruders Adrian, der ein solcher Überflieger gewesen war. Es ging darum zu leben, bevor sie als die personifizierte Enttäuschung ihrer Eltern wieder zurückkehrte.

Da sie möglichst schnell von der Tanzfläche wegkommen wollte, stolperte sie prompt mit den Stilettos. Doch ein muskulöser Arm um ihre Taille bewahrte sie vor Schlimmerem.

„Grazie mille“, bedankte sie sich atemlos mit einem der beiden italienischen Sätze, die sie bisher gelernt hatte.

„Nur, weil Valentina Ihnen ein Paar Contis überlässt, müssen Sie sie nicht tragen, wenn Sie kaum in Stilettos stehen können.“

Beim Klang der tiefen Stimme schoss ihr Kopf herum.

Leandro Conti! Die flackernden Lichtstrahlen der Discokugel warfen bläuliche Schatten auf sein markantes Gesicht. Immerhin bewirkte die tadelnde Falte auf seiner Stirn, dass sie den Rücken durchstreckte.

„Wollen Sie andeuten, ich wäre nicht gut genug, um Ihre edlen Designerschuhe zu tragen?“

„Keineswegs.“

„Sie sind unmöglich, Mr. Conti.“

Er musterte sie von Kopf bis Fuß, vor allem das eng anliegende Tanktop, das Valentina ihr geliehen hatte. Es versagte kläglich dabei, Kurven zu betonen, weil sie kaum vorhanden waren. Alexis’ Haut fühlte sich an wie verbrannt.

„Sie spielen die Erwachsene nur. Ohne großen Erfolg, wenn ich das hinzufügen darf.“

„Ihnen kann man es auch nie recht machen. Drei Einladungen für die Nacht habe ich bereits, sollte mir danach sein“, entgegnete sie schnippisch. „Daher müssen Sie schon entschuldigen, wenn ich nicht viel auf Ihre ungebetene Meinung gebe.“

„Mir war nicht klar, dass Sie Ihr Ziel so niedrig ansetzen.“ Er umfasste ihr Handgelenk. „Hat mein genialer Designer-Bruder Ihnen nicht gesagt, dass die engen Jeans und die neonpinken Turnschuhe perfekt zu Ihnen passen, um das Bild des amerikanischen Mädchens von nebenan zu vermitteln?“

Seine herablassende Art ärgerte Alex. „Von all den negativen Charaktereigenschaften, die ich Ihnen zutraue … für einen Snob hätte ich Sie nie gehalten.“

„Welche Eigenschaften hatten Sie mir denn zugeschrieben?“

„Arroganz, Zynismus, Gefühlskälte.“

Abrupt ließ er sie los, als hätte sie ihn verletzt.

Wieder wankte Alex auf den Zwölf-Zentimeter-Absätzen, und wieder stützte er sie, begleitet von einem gemurmelten Fluch auf Italienisch, den sie glücklicherweise nicht verstand.

„Halten Sie es für eine gute Idee, sich in einem fremden Land, dessen Sprache Sie zudem nicht sprechen, zu betrinken?“

Sein beißender Ton zerriss den sinnlichen Nebel, der sie eingehüllt hatte. Oh, wie wütend er sie machte! Und kühn. Er ließ sie brennen. Als stünde ihre Haut in lodernden Flammen, und sie wünschte sich verzweifelt, er würde das Feuer mit seiner Berührung löschen.

„Ich habe ein Glas Wein getrunken“, betonte sie spitz. Nur leider auf leeren Magen, sodass es ihr sofort zu Kopf gestiegen war. „Nicht, dass ich mich vor Ihnen rechtfertigen müsste. Verziehen Sie sich endlich.“

„Ich soll mich verziehen?“

Die starke Hand in ihrer Rückenmulde brannte wie Feuer, während er sie mit der anderen an seine harte Männerbrust drückte. Die Männer, die sie bisher kennengelernt hatte, waren harmlose Schuljungen im Vergleich zu Leandro Conti. Alex hatte also wenig Erfahrung, wie sie mit ihm umgehen sollte. „Lassen Sie mich in Ruhe. Sie sind nicht mein Aufpasser.“

„Ah, zu Hause bei Ihnen gibt es also jemanden, der auf Sie aufpasst? Meiner Meinung nach erledigen Sie ihre Aufgabe nicht sehr gut.“

„In welchem Jahrhundert leben Sie? Im sechzehnten?“

Zwar schien er keineswegs amüsiert, dennoch glitzerten Funken in seinen Augen, und der Zug um seinen Mund wurde milder. „Heißt das, Sie sind gar nicht das kleine Unschuldslamm?“

Sie mühte sich ein Lachen ab, um das Prickeln zu vertreiben. Er roch so gut, wie dunkle Edelschokolade mit einem leicht bitteren Touch. Die, von der man nie genug bekam, obwohl man genau wusste, dass sie nicht gut für einen war. „Sie können wohl nicht anders als beleidigend sein, was?“

„Von mir werden Sie kein Süßholzgeraspel hören, Miss Sharpe. Kaum achtzehn und bleibt in einem fremden Land bei Fremden. Genauso gut könnten Sie sich ein Preisschild um den Hals hängen. Ich würde Valentina niemals erlauben …“

„Ich bin zwanzig, und ich bin nicht Valentina.“ Seine Bemerkung hatte sie tief getroffen, und eher würde sie sich die Zunge abbeißen, bevor sie zugab, dass er es war, an den sie dachte und dessen Aufmerksamkeit sie erregen wollte. Nach dessen Kuss sie sich sehnte, bevor sie wieder in ihren grauen Alltag zurückkehrte. „Valentina und Luca sind meine Freunde, also …“

„Wenn Sie Luca für Ihren Freund halten, sind Sie noch naiver, als ich angenommen hatte.“ Seine Nasenflügel bebten, und sie fragte sich, ob aus Ärger oder Verachtung.

„Ihnen ist meine Anwesenheit in der Villa derart zuwider, dass Sie gar nicht mehr kommen.“ Dabei hatte sie nicht vorgehabt zu verraten, dass ihr das aufgefallen war. „Luca und ich verstehen uns sehr gut“, fügte sie trotzig hinzu.

Dabei hatte Leandro recht. Gleich am ersten Tag, als sie Valentinas großzügige Einladung angenommen hatte, hatte Luca sie in eine Ecke gedrängt und geküsst. Er hatte unmissverständlich klargemacht, dass er mehr von ihr wollte. Alex hatte das Gefühl, dass Luca mit jeder Frau zu vergessen suchte, was unter seinem heiteren Charme versteckt lag … und die Frau am nächsten Morgen genauso schnell wieder ausrangierte.

Daher war sie nicht im Geringsten versucht gewesen, auch wenn sie zugeben musste, dass Luca die wandelnde Verführung war. Der Mann jedoch, der jetzt vor ihr stand, weckte Sehnsüchte in ihr allein mit einem Blick. So sehr seine distanzierte Höflichkeit auch an ihren Nerven zerrte, bei ihm hatte sie das Gefühl, dass er die Alexis sah, die ein ganzes Leben in einen einzigen Sommer packen und auf immer davon zehren wollte.

Warum, hätte sie nicht sagen können.

Alex warf ihm einen vernichtenden Blick und trat von ihm ab. „Ist das Ihre Aufgabe? Die Frauen, denen Luca nachstellt, zu warnen?“

„Ich wollte Sie nicht beleidigen“, sagte er jetzt, und fast hätte Alex ihm geglaubt. Sein Ton drückte eher Neugier, nicht Verurteilung aus.

„Sondern?“

„Sie kennen Luca nicht so gut wie ich. Und Sie sind …“

„Was bin ich, Mr. Conti? Die typische naive Amerikanerin? Leicht herumzukriegen? So schwach und arglos, dass Sie sie beleidigen können, ohne auch nur das Geringste von ihr zu wissen?“

In seinen Augen stand fast so etwas wie Reue. „Luca hat eine Schwäche für Ihren Typ.“

Sie hob eine Augenbraue. „Und welcher Typ genau wäre das?“

Er seufzte, und bei dem leisen Laut von Kapitulation breitete sich Triumphgefühl in Alex aus. „Sie wollen Blut schmecken, nicht wahr?“

„Von der ersten Minute an sehen Sie in mir nicht mehr als den Straßenschmutz unter Ihren handgefertigten italienischen Schuhen. Ja, ich will jeden Tropfen Blut sehen, den Sie mir schuldig sind.“

Ein schmales Lächeln zuckte in seinen Mundwinkeln. „Sie sind jung und temperamentvoll und rein äußerlich das absolute Gegenteil von Valentina. Aber Ihre Augen strafen Ihre scheinbare Unschuld und Verletzlichkeit Lügen. Ihr völliger Mangel an Affektiertheit ist für einen Mann sehr reizvoll. Sie sind wie der Schluck aus einer klaren, sprudelnden Quelle, die vielleicht die Macht hat, den Durst zu löschen. Das reicht aus, um die Instinkte eines Mannes zu wecken, der sich dann irrigerweise einredet, Sie müssten beschützt werden.“

Ihr Herzschlag stolperte. Niemals hätte sie gedacht, dass sie überhaupt auf seinem Radar auftauchen würde. „Irrigerweise?“, murmelte sie rau.

„Ja. Langsam wird mir klar, dass Sie unschuldig und verletzlich wirken mögen, aber es keinesfalls sind.“

„Falls das eine Entschuldigung sein soll, dann ist es die verzwirbelteste, die ich je gehört habe.“

Zwei Frauen schoben sich an ihnen vorbei. Ihr Kichern und Wispern waren eindeutig. Leandro Conti erschien nicht in Nachtclubs und mied generell die Öffentlichkeit. Im Gegensatz zu Luca, der jede Gelegenheit nutzte, um die Aufmerksamkeit der Medien auf sich zu ziehen. Es war sicher kein Zufall, dass er hier war. Valentina war bereits gegangen … Was nur heißen konnte, dass er nach ihr gesucht hatte.

„Weshalb sind Sie hier?“, fragte sie. „Sie ertragen diesen Rummel doch gar nicht.“

„Haben Sie mich bereits so genau studiert?“

Alex errötete. Wie mühelos es ihm gelungen war, sie auszumanövrieren.

„Mein Großvater hält Sie für eine Goldgräberin. Er ist überzeugt, dass Sie Ihre Krallen in Luca schlagen wollen. Ich habe die Anweisung erhalten, sicherzustellen, dass Sie damit scheitern.“

Ungläubig sperrte sie den Mund auf. Und sie hatte tatsächlich geglaubt, er wäre ihretwegen gekommen!

„Fahren Sie zur Hölle!“, zischte sie und bahnte sich einen Weg durch die Menge. Sie wollte nur weg von ihm. Tränen brannten in ihren Augen. Dieser arrogante Knilch war keine einzige Träne wert!

Unglücklicherweise drang sie nur tiefer in das Labyrinth des Nachtclubs vor. Von der Musik gejagt, stürmte Alex durch eine Tür und fand sich in einem mit dickem Teppich ausgelegten Korridor wieder, von dem drei weitere Türen abgingen. Fluchend schwang sie herum … und prallte gegen den Mann, den sie nie wiedersehen wollte.

Verfolgt er mich etwa?

„Ich hatte Ihnen doch gesagt …“

Er packte ihr Handgelenk mit eisernem Griff, steckte eine Schlüsselkarte in eine der Türen und zog Alex mit in den Raum. „Sie machen eine Szene.“

Hinter ihnen fiel die Tür mit einem leisen Klicken ins Schloss – mit einer Endgültigkeit, die Alex zusammenzucken ließ.

Mit großen Augen sah sie sich um. Sie waren in einer VIP-Suite. Elegant eingerichtet, bot die hohe Glasfront am Ende des Raums den Blick auf die Bar und die Tanzfläche. Zwei einladende Sofas, ein riesiger Plasmabildschirm an der gegenüberliegenden Wand …

Alex drehte sich zu Leandro um. „Ich glaube nicht, dass wir hier sein sollten. Das ist eine …“

„Mir gehört der Club, Miss Sharpe.“

Eine Villa am Comer See, ein Nachtclub in Mailand und ein Unternehmen, das Luxusgüter vertrieb, um die sich die Reichen und Berühmten dieser Welt rissen. Die Contis könnten genauso gut aus einer anderen Welt stammen. „Natürlich, warum bin ich nicht früher darauf gekommen? Haben Sie mich die ganze Zeit über beobachten lassen?“

Lider mit sündhaft langen Wimpern senkten sich halb. „Für Valentinas Schutz ist immer gesorgt.“

„Und so haben Sie Ihren Leuten auch gleich die Anordnung gegeben, ein Auge auf die amerikanische Goldgräberin zu halten, nicht wahr?“

„Zu Ihrem Schutz.“

„Und wer schützt mich vor Ihnen?“ Sie war viel zu wütend, um sein leichtes Zusammenzucken zu bemerken. „Wollen Sie mich jetzt hier einschließen? Oder verfrachten Sie mich in einen von Ihren Privatjets und fliegen mich über den Atlantik zurück?“ Nein, so einfach wurde er sie nicht los. „Sie wissen doch, dass Luca keine Zeit verliert. Vielleicht habe ich ja schon meine Krallen in ihn geschlagen, vielleicht hatten wir ja bereits wilden, hemmungslosen S…“

„Basta!“ Mit einer Hand verschloss Leandro ihren Mund, mit der anderen drückte er sie an der Hüfte gegen die Wand, aber es war sein Blick, der sie reglos erstarren ließ.

Er war nicht immun gegen sie.

Heiße Sehnsucht durchflutete sie, machte sie kühn und verwegen. „Was denn? Sie dürfen es denken, aber ich darf es nicht aussprechen? Bei Luca kann ich mir zumindest sicher sein, dass ich mich amüsiere, ohne beleidigt zu werden.“

Seine Pupillen wurden groß und schwarz. Für Alex schien der Raum auf diese beiden schwarzen Punkte zusammenzuschrumpfen. „Wissen Sie, was Sie hier herausfordern? Sind Sie bereit dafür?“

Die Bedeutung seiner Worte war nicht zu missverstehen, aber die Herausforderung in seinem Blick berauschte sie, machte sie trunken. „Mir ist egal, wie reich Sie sind …“

„Ich bin nicht der gleichen Meinung wie mein Großvater, bella.“

„Nicht?“

„Nein.“

„Warum sind Sie dann hergekommen?“

„Luca hat mir erzählt, dass er eine betrunkene Tina aus dem Club abgeholt hat, Sie aber nirgendwo finden konnte. Mir behagt die Vorstellung nicht, dass Sie mitten in der Nacht allein durch Mailand laufen.“

„Sie hätten jemanden beauftragen können und nicht persönlich kommen müssen …“

„Worauf Sie hoffen, Alexis, wird niemals passieren.“

„Sie haben mich Alexis genannt“, bemerkte sie schlicht und ließ seine Körperwärme auf sich einwirken.

Er schien schockiert über sich selbst und zog sich abrupt von ihr zurück. „Kommen Sie, es wird Zeit für Sie zu gehen.“

Als hätte er ihr eine Tür vor der Nase zugeschlagen. Leandro bezog sich damit nicht auf den Nachtclub, er meinte Italien. Doch zu der aufkeimenden Panik gesellte sich noch etwas anderes: die Erkenntnis, dass er sie begehrte. Und sie hatte die ganze Zeit gedacht …

„Sie wollen mich. Ich dachte, nur ich würde so fühlen. Und dass es dumm und albern wäre, weil ich mir das alles nur einbilde …“

Er packte ihre Handgelenke und hielt sie davon ab, ihm näher zu kommen. „Es ist falsch.“

Doch Alex riss ihre Hände los und drängte sich an ihn. Ein heiseres Stöhnen glitt über Leandros Lippen.

Sie presste den Mund auf die nackte Haut an seinem offenen Hemdskragen, genoss das samtige Gefühl an ihren Lippen. „Küss mich, nur ein einziges Mal. Zeig mir, was du fühlst.“

Er schob die Hand in ihr Haar, und sie erschauerte, als sie das Ausmaß seines Verlangens in seinen Augen erkannte, das er bisher immer unter dieser aufreibenden Maske der Gleichgültigkeit versteckt hatte.

„Du weißt nicht, was du hier herausforderst.“

Gekränkt wollte sie sich zurückziehen. „Bin ich etwa unter deinem Niveau?“

Er schüttelte den Kopf. „Nein, du bist zu jung.“ Doch das Verlangen brannte noch immer in seinem Blick.

„Ich bin alt genug, um zu wissen, was ich will.“ Sie schmiegte sich einladend an ihn.

„Du glaubst, ich würde mich mit einem Kuss zufriedengeben? Dass du mich an der Nase herumführen kannst wie die Jungs, die du mit deiner Unschuld in den Wahnsinn treibst?“

Seine Warnung steigerte ihre Entschlossenheit nur noch. „Ich bin gerade nicht diejenige, die Angst hat, Leandro.“ Aufreizend rieb sie sich an ihm, spürte seine harte Erregung an ihrem Bauch.

Er legte die Hände um ihre Taille und schob sie von sich. Dabei krallten sich seine Finger schmerzhaft in ihr Fleisch. „Ich nehme keine abgelegte Ware meines Bruders.“

„Luca hat mich nur einmal geküsst … weil ich nicht das geringste Interesse an ihm habe.“

„Du bist die erste Frau, die das behauptet. Deshalb ist er auch so verrückt nach dir.“

Würde ihr Herz noch härter schlagen, würde es ihr aus der Brust springen. „Und was ist mit dir?“

„Wenn ich dich ansehe, Alexis, verspüre ich nichts als pures Verlangen.“

Und Alex, die keinerlei Erfahrung mit Männern hatte, hob das Gesicht zu ihm auf und küsste ihn auf den Mund. Auf Lippen, die Tor zu Himmel und Hölle zugleich öffneten und sie in eine Welt katapultierten, in der Lichter wie in einem bunten Kaleidoskop blitzten.

Hitze wollte sie verbrennen, drängende, süße Sehnsucht konzentrierte sich in ihrem Unterleib. Seine Hände strichen über ihren Rücken, ihre Seiten, liebkosten die kleinen Brüste. Und als er eine Hand zwischen ihre Schenkel schob, barg sie das Gesicht an seiner Brust und überließ sich den unbeschreiblichen Empfindungen und dem glorreichen Gefühl, gewollt zu werden.

1. KAPITEL

Sieben Jahre später

„Tut dein Arm noch weh, Mama?“

Alex deckte Isabella zu und küsste ihre Tochter auf die Stirn. „Noch ein wenig, Liebes.“

Alex hielt sich an die Wahrheit. Denn obwohl Izzie erst sechs war, hatte sie ein untrügliches Gespür dafür, wenn ihre Mutter nicht die Wahrheit sagte. Vielleicht lag es aber auch an dem durchdringenden schiefergrauen Blick. Bis heute konnte Alex ihm nicht widerstehen. „Der Gips wird in ein paar Wochen abgenommen. Tante Jessie sagt, es verheilt gut.“

Kleine Finger zeichneten behutsam den Schorf nach, der sich über Alex’ linke Schläfe bis zur Augenbraue zog, dort, wo die Glasscherbe in das Fleisch eingedrungen war. Die Wunde sah viel schlimmer aus, als die gebrochenen Rippen und der gebrochene Arm es waren.

„Das macht mir Angst, Mama“, wisperte Izzie.

Ein Kloß saß Alex in der Kehle, den sie resolut hinunterschluckte. „Du warst doch schon immer ein tapferes Mädchen, oder?“

Das kleine Kinn begann zu beben. „Bin ich ja auch. Aber du warst so lange im Krankenhaus, und Grandma wollte mir nicht sagen, wann du wiederkommst.“

Alex setzte sich auf die Bettkante und zog ihre Tochter in die Arme. „Das sieht schlimmer aus, als es ist. Mir geht es wieder gut.“ Izzie schmiegte sich fest an ihre Mutter.

Laut Aussage der Ärzte war es ein Wunder, dass Alex den Unfall überlebt hatte. Der Sechzehntonner, der in sie hineingefahren war, hatte ihren Van zusammengefaltet wie eine Ziehharmonika. Aber es hätte auch anders ausgehen können, und dann wäre Izzie jetzt …

Eine schwarze Wolke hüllte sie ein, raubte ihr die Luft zum Atmen. Wieder spürte sie den Druck des Airbags, hörte das Brechen der eigenen Knochen, fühlte die unbeschreiblichen Schmerzen beim Aufprall, die maßlose Angst …

Sie barg ihr Gesicht in Izzies Haar und holte tief Luft. Der süße Duft ihres kleinen Mädchens beruhigte sie, verankerte sie fest im Hier und Jetzt. Er vertrieb die eiskalten Finger der Panik, die nach ihr greifen wollte. Aber sie wusste auch, dass sie noch lange damit zu kämpfen haben würde. Der nichtigste Anlass konnte die Angst wieder aufflammen lassen. So wie heute Morgen, als die Tür des kleinen Ladens mit einem lauten Knall hinter ihr zugefallen war.

Autor

Tara Pammi

Tara schreibt sexy Romanzen mit anbetungswürdigen Helden und sexy Heldinnen. Ihre Heldinnen sind manchmal laut und rebellisch und manchmal schüchtern und nerdig, aber jede von ihnen findet ihren perfekten Helden. Denn jede Frau verdient eine Liebesgeschichte!

Tara lebt in Texas mit ihrem ganz persönlichen Helden und zwei Heldinnen in der...

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