Traumromanze auf Malta

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Das muss die Geliebte des attraktiven Unternehmers Gabriel Brabanti sein! Neugierig richten sich die Blicke der Partygäste auf Eve, als sie strahlend schön an Gabriels Arm die breite Marmortreppe herunterkommt. Insgeheim wünscht Eve sich sehnlich, das pikante Gerücht wäre wahr! Denn seit sie eine Suite in seiner Villa auf Malta bewohnt und mit ihm herrliche Sonnentage auf seiner Yacht verbringt, hat sie ihr Herz an ihn verloren. Sie will ihn erobern! Doch zuerst muss sie Gabriel davon überzeugen, dass Vermögen und Ansehen ihr nichts und seine Liebe alles bedeutet…
  • Erscheinungstag 21.10.2017
  • ISBN / Artikelnummer 9783733753696
  • Seitenanzahl 130
  • E-Book Format ePub
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Leseprobe

1. KAPITEL

Sei vorsichtig, und sieh zu, dass du dich von Anfang an behauptest, denn Gabriel Brabanti ist ein Hai und wird dich bei der erstbesten Gelegenheit lebendig verspeisen. Für ihn gibt es nur Schwarz oder Weiß. Entweder geht es nach seinem Willen, oder man hat verloren – so wie ich.

Die Worte ihrer Cousine gingen ihr durch den Kopf, während Eve den Griff um die Babyschale mit ihrer Nichte verstärkte und am Eingang der Ankunftshalle von Luqa, Maltas Flughafen, stehen blieb.

Unter den Leuten, die auf die Fluggäste aus Amsterdam warteten, befand sich auch Marcias Exmann, der Vater der süßen kleinen Nicola Jane. Er hatte es nicht einmal für nötig befunden, bei ihrer Geburt dabei zu sein, und sie stattdessen vier Monate später zusammen mit ihrer Mutter aus New York zu sich beordert. Marcia hatte allerdings nicht mitgemacht, denn sie hatte ihren eigenen Kopf. Und da sie grundsätzlich allen Problemen aus dem Weg ging und diese auf andere abwälzte, durfte sie, Eve, sich nicht beklagen.

Wie üblich hatte es ganz harmlos angefangen. Eines Abends, die Klimaanlage in ihrem Apartment in Chicago war wieder einmal ausgefallen, erhielt sie einen Anruf von Marcia.

„Wie geht es dir, Evie?“, erkundigte Marcia sich überschwänglich. „Ich vermisse dich! Wir haben schon so lange nicht mehr miteinander gesprochen.“

Schon bald rückte sie jedoch mit dem wahren Grund für ihren Anruf heraus, indem sie ihr eröffnete, dass Gabriel Brabanti, der Italiener war und auf Malta lebte, sich nun auf seine Vaterrolle besonnen hatte und Besuchsrecht für seine Tochter verlangte.

„Aber ich werde jetzt auf keinen Fall springen und zu ihm eilen, nur weil Seine Majestät es verlangt“, fügte sie eisig hinzu. Sie hatte den Lautsprecher eingeschaltet, damit Jason, ihr zweiter Mann, mithören konnte. „Ich habe seinen Brief nie bekommen.“

„Du hast mir doch gerade erzählt, dass er dir per Kurier in die Agentur geliefert wurde“, erinnerte Eve sie. „Also musstest du den Empfang sicher quittieren.“

„Das ist mir egal. Der allmächtige Signor Brabanti ist vielleicht reich und hat eine Menge Einfluss auf Malta, aber hier in New York ist er ein Nobody.“

Eve hörte Papier rascheln, dann meldete sich Jason zu Wort. „Vielleicht solltest du ihm den Wunsch erfüllen, Süße. Er scheint es ernst zu meinen. Entweder besuchst du ihn für kurze Zeit, oder er kommt her und bleibt so lange, wie er Lust hat – und das wollen wir doch nicht, oder?“

„Wenn du glaubst, er gibt sich damit zufrieden, träum weiter, Schatz“, erwiderte Marcia. „Das ist nur der Anfang.“

Nach einer Pause fragte er: „Was hältst du davon, Eve?“

Eve wünschte, sie hätte den Anruf nicht entgegengenommen, denn Marcia befand sich ständig in irgendeiner Krise. „Ich stimme Jason zu, Marcia. Entweder fliegst du nach Malta, oder Gabriel kommt nach New York. Er ist offenbar fest entschlossen, sein Baby zu sehen, und es ist ja auch sein gutes Recht.“

Sie sah Marcias Schmollmund förmlich vor sich. „Dann kannst du sie zu ihm bringen, denn ich will ihn hier nicht haben, und ich werde ihn auch auf keinen Fall besuchen. Und bevor du mich hängen lässt, denk daran, wer nach Chicago gekommen ist, um deine stinkende alte Katze zu versorgen und deine Blumen zu gießen, als du vier Wochen an der mexikanischen Riviera herumgehangen hast.“

„Du meine Güte, das ist fünf Jahre her, und Fidelio ist schon fast zwei Jahre tot! Außerdem hat er höchstens ein bisschen merkwürdig gerochen, weil er alt war, und meine Pflanzen hast du alle ertränkt.“

„Trotzdem schuldest du mir etwas.“

Am liebsten hätte Eve ihre Cousine daran erinnert, dass sie zu dem Zeitpunkt vor der Hitze in New York hatte fliehen wollen, zumal sie gerade mit einem verheirateten Kunden angebandelt hatte. Da sie Jason allerdings nicht seine Illusionen rauben wollte, erklärte sie: „Mir ist durchaus bewusst, dass du immer eine Gegenleistung verlangst, wenn du ausnahmsweise mal jemandem einen Gefallen tust, Marcia. Aber falls du glaubst, ich würde mit deinem Baby …“

„Warum denn nicht?“, fiel Marcia ihr ins Wort. „Du wolltest sie doch schon immer kennen lernen. Jetzt kannst du Nägeln mit Köpfen machen und eine Beziehung zu ihr aufbauen.“

„Du bist ja völlig übergeschnappt!“

„Das geht wirklich ein bisschen zu weit, Süße“, hörte Eve Jason entsetzt protestieren.

„Soll ich ausgerechnet jetzt verreisen, wo deine Karriere an einem kritischen Punkt angelangt ist und du mich brauchst? Was glaubst du, wer mir wichtiger ist, Jason – du oder Gabriel?“

„Wenn du es sagst …“

„Komm schon, Eve, sei kein Spielverderber!“, fuhr Marcia an sie gewandt fort. „Du weißt am besten, wie es ist, ein Baby bei dieser Hitze und Luftfeuchtigkeit von einer Kleinstadt in die andere zu schleppen.“

„Um ein Kind außer Landes zu bringen, braucht man etwas mehr als nur ein Flugticket“, gab Eve zu bedenken, „und zwar einen Pass und die Erlaubnis der Eltern. Oder soll ich sie in meiner Reisetasche an Bord schmuggeln?“

„Ich werde alle notwendigen Dokumente beschaffen. Du konzentrierst dich auf Nicola und sorgst dafür, dass sie weiß, wie sehr ihre Mommy sie liebt.“

„Und wie soll ich das anstellen?“

„Das wirst du schon herausfinden. Schließlich übergebe ich sie keiner unerfahrenen Fremden. Du bist Kinderkrankenschwester.“ Marcia hatte eine Pause gemacht, bevor sie ihr gewichtigstes Argument angeführt hatte. „Du hast dich beurlauben lassen, weil du von der Arbeit in der Klinik völlig ausgebrannt bist. Du musst dringend abschalten. Und ich biete dir die Chance, auf eine Mittelmeerinsel zu fliegen und im Luxus zu schwelgen. Egal, was ich von meinem Exmann halte, eins muss man ihm lassen: Er gibt sich immer nur mit dem Besten zufrieden. Also wirst du erster Klasse fliegen und nach Strich und Faden verwöhnt werden, wenn du bei ihm zu Gast bist. Es wäre dumm von dir, so ein Angebot abzulehnen.“

Und es wäre noch dümmer gewesen, es anzunehmen! Doch hier stand sie nun mit einem schlafenden Baby und wartete auf die Begegnung mit dem unangenehmen Signor Brabanti, den sie nie kennen gelernt hatte. Marcia hatte sich genauso schnell wieder von ihm scheiden lassen, wie sie ihn geheiratet hatte.

Er ist groß, dunkelhaarig, attraktiv und so arrogant, dass du ihn einfach nicht übersehen kannst. Geh einfach auf den Typen zu, der sich verhält, als würde ihm der Flughafen gehören.

So hatte Marcia ihn beschrieben. Als Eve nun den Blick über die Wartenden schweifen ließ, sah sie niemanden, auf den diese Worte zutrafen. Stattdessen kam ein mittelgroßer grauhaariger Mann in einem marinefarbenen Blazer mit einem gestickten goldfarbenen Wappen auf der Brusttasche und in einer weißen Hose auf sie zu. „Signora Brabanti?“, erkundigte er sich.

„Caldwell“, erwiderte sie erstaunt, denn Marcia hatte Gabriel informiert, dass sie nicht selbst kommen würde. „Signorina Caldwell.“

Der Mann neigte den Kopf. „Scusi. Ich suche eine Amerikanerin mit einem Baby, und …“

„Das bin ich.“ Eve deutete auf Nicola, die nun fest schlief, nachdem sie während des Flugs von Amsterdam nach Malta fast ununterbrochen geschrien hatte. „Das ist Signor Brabantis Tochter.“

Capisco! Ich bin Paolo. Der Signor hat mich geschickt, damit ich Sie zur Villa Brabanti bringe.“

„Hatte er keine Zeit, uns selbst abzuholen?“

„Der Signor lässt sich entschuldigen.“ Paolos Tonfall war neutral. „Ihm ist etwas Wichtiges dazwischengekommen.“

„Etwas Wichtigeres als seine Tochter?“ Verächtlich zog sie die Brauen hoch. „Und ich dachte, er wollte sie so schnell wie möglich sehen. Wie dumm von mir!“

Der Chauffeur hüstelte und wandte den Blick ab. Offenbar war er es nicht gewohnt, dass jemand seinen Arbeitgeber kritisierte. „Ich bringe Sie zum Wagen und hole dann Ihr Gepäck, Signorina.“

Eve folgte ihm durch die Halle zu der schwarzen Limousine, die direkt vor dem Gebäude parkte. Es war bereits dunkel, obwohl es erst kurz nach halb acht war.

„Gestatten Sie, Signorina.“ Er nahm ihr die Babyschale ab und befestigte sie in der Mitte des Rücksitzes. Dann strich er Nicola über die Wange. „Molto bella, sì?”

Obwohl sie kaum Italienisch sprach, verstand Eve seine Worte. „Ja, sie ist sehr hübsch, aber die Reise war furchtbar anstrengend für sie.“

Paolo nickte mitfühlend. Er wartete, bis sie eingestiegen war, und reichte ihr die schwere Wickeltasche und ihre Handtasche. Anschließend holte er ihr restliches Gepäck. Wenige Minuten später saß er am Steuer und fädelte sich in den Verkehr ein.

Marcia hatte ihr vorgeschwärmt, wie geschichtsträchtig die Insel und vor allem die Hauptstadt Valletta waren. Gabriel lebte zwar außerhalb der Stadt, doch als Paolo in nordöstliche Richtung fuhr und die hell erleuchtete, vor vielen Jahrhunderten vom Johanniterorden errichtete Stadtmauer in Sicht kam, konnte Eve die Begeisterung ihrer Cousine verstehen. Selbst im Dunkeln und aus der Ferne bot die alte Befestigung einen beeindruckenden Anblick, und trotz ihrer Vorbehalte gegen diese Reise hoffte sie, einige Tage für sich zu haben, damit sie die Stadt erkunden konnte.

Diesen Vorsatz vergaß Eve allerdings, als Paolo durch das schmiedeeiserne Tor fuhr, das zur Villa Brabanti führte. Groß und düster erhob sich das Gebäude in der Dunkelheit, und nur das Mondlicht spiegelte sich in den Fensterscheiben. Niemals hätte sie sich vorstellen können, Nicola in der Obhut eines Mannes zu lassen, der in einem derart schrecklichen Gemäuer wohnte.

„Sind Sie sicher, dass man uns erwartet?“, fragte sie Paolo und schauderte unwillkürlich.

„Ich hatte Ihnen ja gesagt, dass etwas Wichtiges dazwischengekommen ist“, erwiderte er, nachdem er ihr die Tür geöffnet hatte. „Der Hauptsicherungskasten macht Probleme, und es besteht akute Feuergefahr.“

Ihr Unbehagen wuchs. Daher blieb Eve sitzen. „Vielleicht sollte ich mit Nicola in einem Hotel übernachten, bis der Defekt behoben ist.“

„Das ist nicht nötig“, versicherte er. „Signor Brabanti hat alles im Griff.“

Wie aufs Stichwort ging daraufhin überall das Licht an. Zahlreiche Fenster waren plötzlich hell erleuchtet, überall im Garten schalteten sich Strahler ein, und auch aus der geöffneten Haustür fiel Licht.

Per favore, Signorina.” Paolo streckte ihr die Hand entgegen. „Der Signore hat uns offenbar kommen hören.“ Und sein Tonfall sagte ihr, dass der Signore nicht gern wartete.

„Na gut.“ Eve verdrängte ihre Vorbehalte und beugte sich hinüber, um den Gurt um die Babyschale zu lösen. „Komm, meine Kleine, bringen wir es hinter uns.“

Die warme Nachtluft war von Blumenduft erfüllt. Eine Kletterpflanze mit unzähligen großen weißen Blüten überrankte eine breite Stützmauer. Hohe Palmen säumten die lange Auffahrt, die zum Vorhof führte. Irgendwo auf der rechten Seite, jenseits des Rasens, brachen sich die Wellen an den Felsen.

„Hier entlang, Signorina.“

Paolo führte sie durch den Haupteingang in eine Halle, die genauso gut zu einem Palast hätte gehören können. Der Boden war im Schachbrettmuster mit schwarzem und weißem Marmor gefliest, an den Wänden hingen alte Gobelins. Direkt vor ihr führte eine prachtvolle Marmortreppe zu einer Galerie, die um das gesamte erste Stockwerk lief. Eine weit über zehn Meter hohe, mit Fresken bemalte Kuppeldecke, in deren Mitte sich ein Oberlicht befand, bildete den Abschluss dieses imposanten Raums.

Während sie sich umblickte, musste Eve ihre Meinung über das Gebäude revidieren. Es war zwar alt, aber alles andere als düster und schrecklich, sondern elegant und luxuriös. Sie war so beeindruckt von ihrer Umgebung, dass sie die Tür in einer Nische am anderen Ende der Eingangshalle erst bemerkte, als diese geöffnet wurde und ein Mann auf der Schwelle erschien.

Selbst ohne Marcias Beschreibung hätte sie Gabriel Brabanti sofort erkannt. Obwohl sein Gesicht im Schatten lag, konnte nur der Herr eines solchen Anwesens so viel Autorität ausstrahlen. Einige Sekunden lang stand er reglos da und musterte sie, wobei er mit dem Daumen über die große Taschenlampe strich, die er in der Hand hielt. Die Intensität seines Blicks und die Art, wie er die Lampe berührte, machten sie schon nervös genug. Als er jedoch schließlich mit großen Schritten auf sie zukam, hätte sie am liebsten die Flucht ergriffen.

Statt sich über die Begegnung mit seiner Tochter zu freuen, schien er außer sich vor Wut darüber, dass Fremde in sein Haus eingedrungen waren.

„Wer, zum Teufel, sind Sie?“, fragte er in perfektem Harvard-Englisch mit einem reizvollen italienischen Akzent.

Entgeistert sah Eve ihn an. Er war ein großer, eleganter Mann mit breiten Schultern, einer muskulösen Brust und einer schmalen Taille. Und sein Gesicht war das eines zornigen Engels, so faszinierend, dass es einem den Atem raubte, und gleichzeitig so finster, dass einem das Blut in den Adern gefror. Seine von dichten, langen Wimpern gesäumten Augen waren blau, wie sie ein wenig schockiert feststellte, und bildeten einen reizvollen Kontrast zu seiner gebräunten Haut. Und sein Mund … Sie schluckte mühsam.

Marcias Beschreibung wurde ihm nicht im Entferntesten gerecht. Er war der Inbegriff maskuliner Schönheit. Sicher wurden alle anderen Männer bei seinem Anblick blass vor Neid, und sämtliche Frauen lagen ihm zu Füßen. Er war der attraktivste Mann, den Eve je gesehen hatte.

„Was soll die Frage?“, brachte sie heiser hervor. „Sie wissen genau, wer ich bin. Marcia hat es Ihnen geschrieben.“

Doch noch während sie sprach, wusste sie, dass ihre Worte bedeutungslos waren, und kannte auch den Grund dafür. Natürlich hatte ihre Cousine ihren Besuch nicht angekündigt, sondern wie immer gelogen, wenn sie mit einer schwierigen Situation konfrontiert war. Eigentlich hätte sie es nicht anders erwarten dürfen.

„Ich weiß nur“, erwiderte Gabriel Brabanti eisig, „dass Sie nicht meine Exfrau sind. Und abgesehen von einer kurzen Mitteilung, dass sie heute kommt, habe ich seit der Geburt meiner Tochter, über die Marcia mich auch nur sehr knapp informiert hat, nichts mehr von ihr gehört.“

„Sie war noch nie besonders schreibfreudig“, bemerkte Eve, die noch immer verblüfft über sein Erscheinungsbild war und sich deswegen albern vorkam.

Verächtlich presste er die Lippen zusammen. Sie konnte es ihm nicht einmal verdenken. „Sie scheint wirklich wenig gute Eigenschaften zu besitzen. Das beantwortet allerdings nicht meine Frage. Wer sind Sie?“

„Eve Caldwell, ihre Cousine.” Nachdem sie die Babyschale und die Wickeltasche abgestellt hatte, streckte sie ihm die Hand entgegen, doch er ignorierte diese Geste. Unbehaglich fuhr sie fort: „Ich bin Nicolas Tante. Na ja, nicht direkt, aber Marcia und ich sind wie Schwestern. Unsere Väter sind Brüder, und wir wurden sogar am selben Tag geboren.“

„Plappern Sie immer drauflos, wenn man Ihnen eine einfache Frage stellt, Signorina Caldwell?“, erkundigte er sich, ohne den Blick von ihr abzuwenden. „Oder machen Sie das nur, wenn Sie nervös sind?“

„Ich bin nicht nervös“, behauptete sie, musste allerdings zweimal schlucken und sich die Lippen befeuchten.

„Das sollten Sie aber sein. Sie haben gerade erfahren, dass Ihre Cousine Ihr Vertrauen missbraucht hat. Meinen Sie nicht, dass noch mehr unangenehme Überraschungen auf Sie warten?“

Gabriel Brabanti war zwar nur kurz mit Marcia verheiratet gewesen, allerdings offenbar lange genug, um sie gut zu kennen. Kein Wunder, dass sie ihm nicht noch einmal unter die Augen hatte treten wollen. „Bei Marcia wundert mich gar nichts mehr“, bemerkte Eve.

„Mich auch nicht. Vergessen Sie das nicht, falls Sie je versucht sein sollten, Marcia bei ihren Plänen zu unterstützen. Sicher hat sie Ihnen erzählt, was für ein furchtbarer Ehemann ich in ihren Augen war, aber sie hat keine Ahnung, was für ein erbitterter Gegner ich sein kann, wenn ich will.“ Nun kam er näher und machte einen Schritt auf die Babyschale zu. „So, jetzt möchte ich meine Tochter kennen lernen.“

Instinktiv hob sie diese hoch und außer Reichweite. „Sie schläft.“

„Das sehe ich. Aber es spielt keine Rolle, denn ich erwarte nicht, dass sie sich mit mir unterhält. Also geben Sie sie mir, per favore!“

„Hier?“ Sie blickte sich in der riesigen Eingangshalle um, die ihr kaum als der geeignete Ort erschien. „Haben Sie kein Kinderzimmer für sie?“

„Eine ganze Suite, Signorina“, antwortete Gabriel Brabanti mit einem amüsierten Unterton. „Machen Sie nicht so ein misstrauisches Gesicht. Ich möchte meine Tochter nur halten, nicht den Wölfen zum Fraß vorwerfen.“

Eve ließ den Blick zu seinen Händen schweifen. „Haben Sie schon einmal ein Baby im Arm gehabt? Sie müssen den Kopf stützen.“

„Ich weiß.“

„Und halten Sie sie gut fest. Babys haben eine angeborene Angst davor, fallen gelassen zu werden.“

„Ich habe nicht die Absicht, sie fallen zu lassen oder Ihnen gewaltsam zu entreißen. Aber allmählich verliere ich die Geduld. Nun geben Sie sie mir endlich, Signorina.“

Widerstrebend reichte sie ihm die Babyschale, die er daraufhin mühelos hochhob. „Das ist also mein Kind“, meinte er leise, während er Nicola ernst betrachtete. „Sie ist sehr klein.“

Klein? Sie war wunderschön, einfach perfekt! Wenn das alles war, was ihm einfiel, hatte er sie nicht verdient.

„Das sind die meisten Babys, Signor Brabanti“, erwiderte Eve mühsam beherrscht.

„Ja, wahrscheinlich.“ Langsam ging er durch die Eingangshalle und betrat einen Raum auf der linken Seite.

Eve folgte ihm in ein exquisit eingerichtetes Wohnzimmer. Sie war in genügend Museen gewesen, um zu wissen, dass die prachtvolle Stuckdecke, die eingebauten Schränke, die Teppiche und die Sofas aus Seide von unschätzbarem Wert waren. Es waren jedoch die Kombination aus Farben und Stoffen sowie die Antiquitäten selbst, die den Raum so einzigartig machten.

„Gibt es ein Problem, Signorina Caldwell?“ Gabriel blieb vor dem Kamin stehen. „Denken Sie, ein Kind kann in diesem Haus nicht herumtoben, ohne Angst haben zu müssen, dass es etwas kaputtmacht?“

Verlegen strich Eve sich über ihr Kostüm, das von der Reise ein wenig mitgenommen war. Auf dem Revers der Jacke war ein Fleck, weil Nicola während des Flugs ein wenig gespuckt hatte, und der Rock war zerknittert. „Nein, ich denke, dass ich in einem Raum wie diesem eigentlich ein Abendkleid tragen müsste.“

„Die Gelegenheit werden Sie bald haben, aber heute Abend können Sie so bleiben. Sicher ist Ihnen aufgefallen, dass ich auch keinen Anzug trage.“

Natürlich war es ihr nicht entgangen! Sein Hemd, das nicht ganz zugeknöpft war, betonte seine breite Brust und gab den Blick auf seine gebräunte Haut frei. Seine schmalen Hüften und langen Beine kamen in den Jeans besonders gut zur Geltung.

Kurzerhand setzte er die Babyschale auf einem kunstvoll vergoldeten Beistelltisch ab. „Wie kann ich die Gurte lösen?“

„Sie müssen hier drücken.“ Schnell zeigte Eve es ihm. Bevor der Tisch irgendwelche Kratzer abbekam, hob sie dann Nicola aus der Schale und reichte sie ihrem Vater.

Ein wenig unbeholfen hielt er sie ein Stück von sich und betrachtete sie. Sein skeptischer Gesichtausdruck sprach Bände. Prompt streckte Nicola sich und protestierte lautstark.

Gabriel erstarrte. „Per carita! Sie windet sich ja wie ein Aal!“

„Halten Sie sie aufrecht“, schlug Eve vor.

„So?“ Vorsichtig hob er Nicola hoch, so dass ihr Kopf an seiner Schulter ruhte. Nun wandte sie den Kopf, barg das Gesicht an seinem Hals und machte suchende Bewegungen mit dem Mund.

Beim Anblick des zarten Babys in den Armen dieses dunkelhaarigen, kräftigen Mannes schnürte sich ihr die Kehle zu. Eve schluckte. „Ja, so ist es richtig.“

Gabriel verzog das Gesicht. „Warum sabbert sie jetzt?“

„Weil sie Hunger hat. Ich habe eine Flasche Milch dabei. Wenn Sie mir sagen, wo die Küche ist, mache ich sie warm und füttere die Kleine.“

Er zeigte auf eine Kordel, die neben dem Kamin herunterhing. „Klingeln Sie nach meiner Haushälterin. Sie macht die Milch warm. Ich füttere meine Tochter“, fügte er ausdruckslos hinzu. „Sie haben Ihre Aufgabe erfüllt, indem Sie sie hierher gebracht haben, Signorina. Nun übernehme ich.“

Seit ihrer Ausbildung hatte man sie nicht mehr so abgefertigt. „Na gut.“ Viel heftiger als nötig zog Eve an der Kordel. „Dann können Sie sie auch wickeln. Sie läuft nämlich gerade aus, falls Sie es noch nicht gemerkt haben. Und wenn Sie schon dabei sind, baden Sie sie ruhig.“

Unter anderen Umständen hätte sie seinen entsetzten Gesichtsausdruck komisch gefunden. Sie konnte allerdings nur an Marcias Warnung denken. Sieh zu, dass du dich von Anfang an behauptest … Gabriel Brabanti ist ein Hai und wird dich bei der erstbesten Gelegenheit lebendig verspeisen.

„Vielleicht erlaube ich Ihnen, sich ausnahmsweise noch einmal um sie zu kümmern“, meinte er widerstrebend.

„Sie erlauben mir, mich um meine eigene Nichte zu kümmern? Wie großzügig von Ihnen?“

Eine Sekunde zu lange funkelten sie sich wütend an, und in dem Moment knisterte es förmlich zwischen ihnen.

Auch Gabriel hatte es offenbar gespürt. „Verzeihen Sie, Signorina.“ Schnell drückte er ihr Nicola in die Arme und wich dann einige Schritte zurück. „Ich wollte nicht anmaßend sein. Ich werde in den nächsten Wochen genug Zeit haben, meine Tochter kennen zu lernen.“

„Wie Sie wollen.“ Eve war genauso durcheinander und atmete daher erleichtert auf, als eine mütterliche Frau mit einem freundlichen Gesicht erschien.

Gabriel, dem es anscheinend genauso ging, machte sie schnell miteinander bekannt: „Das ist Beryl, meine Haushälterin. Beryl, die Mutter meiner Tochter ist doch nicht gekommen. Signorina Caldwell begleitet die Kleine.“

Falls die Haushälterin überrascht war, ließ sie es sich nicht anmerken. „Sì, Signore.“

Er blickte wieder zu Nicola, die inzwischen zu schreien begonnen hatte. „Was glauben Sie, wie lange es dauert, sie für die Nacht fertig zu machen, Signorina Caldwell?“, fragte er laut.

„Mindestens eine Stunde.“

Er sah zu der großen Pendeluhr an der Wand. „Dann setzen wir uns um halb zehn zu Tisch.“

„Ich würde lieber eine Kleinigkeit in meinem Zimmer essen.“

„Treiben Sie es nicht zu weit, Signorina! Ich habe heute schon genug Zugeständnisse gemacht.“

„Und ich war fast zwei Tage unterwegs.“

Einen Moment lang sah es so aus, als würde es wieder auf eine Konfrontation hinauslaufen. Schließlich atmete Gabriel tief durch und erwiderte: „Ja, Sie haben recht. Beryl, würden Sie Signorina Caldwell bitte in die Suite bringen, die Sie hergerichtet haben, und dafür sorgen, dass sie alles hat, was sie braucht?“

„Natürlich, Signore. Soll ich gleich eine leichte Mahlzeit für sie bestellen?“

„Ich rede mit Fabroni.“ Alarmiert betrachtete er seine Tochter. „Sie haben bestimmt genug zu tun.“

„Also gut.“ Beryl lächelte Eve an. „Kommen Sie mit, Signorina.“

Nachdenklich blickte Gabriel seinem Gast nach. Er bezweifelte nicht, dass seine Exfrau irgendetwas im Schilde führte. Keine normale Mutter hätte ein so kleines Baby für eine so weite Reise in die Obhut einer anderen Person gegeben, egal, wie vertrauenswürdig und tüchtig diese war.

Die Frage war, welche Rolle die Cousine spielte. War sie für Marcia nur eine Schachfigur, oder verbarg sich hinter ihren großen grauen Augen auch eine Intrigantin?

Gabriel lächelte grimmig. Marcia würde es niemals schaffen, ihn zu manipulieren. Er würde ihre wahren Beweggründe herausfinden, und wenn eine der beiden Frauen glaubte, ein hilfloses Baby benutzen zu können, um ihr Ziel zu erreichen, würde sie ihr blaues Wunder erleben.

2. KAPITEL

Beryl führte sie nach oben und dort einen breiten Flur entlang zu einer Flügeltür am Ende. „Da sind wir, Signorina. Es ist die Turmsuite. Sie ist sehr gemütlich, und man hat einen wunderschönen Ausblick. Signor Brabanti hat mir bei der Einrichtung des Kinderzimmers freie Hand gelassen. Ich denke, Sie werden alles finden, was Sie brauchen, aber es ist lange her, seit ich das letzte Mal für ein Baby eingekauft habe.“ Sie öffnete die Türen und machte ihr Platz. „Nach Ihnen, meine Liebe.“

Als Eve über die Schwelle trat, fand sie sich in einem Wohnzimmer wieder, das ganz in Aquamarinblau und Creme gehalten war. Sprachlos blickte sie sich um und musste dabei an Marcias Worte denken, dass Gabriel Brabanti seine Gäste nach Strich und Faden verwöhnte. Der Raum war größer als ihre ganze Wohnung.

„Das ist Ihr eigenes Wohnzimmer“, erklärte Beryl, die ihr Schweigen offenbar falsch deutete.

„Ja.“ Eve blinzelte verwirrt.

„Sie sind ein wenig überrascht, stimmts?“

„Sehr sogar. Es ist … wie in einem Palast.“

„Warum geben Sie mir nicht das Baby? Dann können Sie sich umsehen.“

„Gern.“

Beryl nahm Nicola entgegen. „Das Schlafzimmer ist am Ende des Flurs, hinter der Tür dort, und mit dem Kinderzimmer durch ein Bad verbunden. Dahinter befindet sich eine kleine Küche. Sagen Sie mir Bescheid, wenn Sie noch etwas brauchen.“

„Ich glaube nicht, dass Sie etwas vergessen haben.“ Noch immer ganz durcheinander, ging Eve durchs Wohnzimmer und betrachtete dabei die kunstvollen Stuckarbeiten an der Decke und den Wänden und die geschnitzten Kassetten in den Türen. Neben einer Tür, die zu einem Balkon führte, standen ein antiker Damensekretär und ein dazu passender Stuhl. Zwischen zwei hohen Erkerfenstern hingen wunderschön gerahmte alte Drucke, flankiert von venezianischen Wandleuchtern.

Sie entdeckte jedoch auch einige moderne Gegenstände – ein Telefon auf dem Sekretär, eine Leselampe aus Messing, frische Blumen in einer Kristallvase auf dem niedrigen Tisch vor der Couch, einen Stapel Taschenbücher auf einem Regal neben dem Marmorkamin sowie eine Fernbedienung für den Fernseher und die Stereoanlage, die in einem Rosenholzschrank untergebracht waren.

Das Schlafzimmer war genauso beeindruckend. Es war cremefarben gestrichen, hatte die gleichen Erkerfenster und war mit einem geschnitzten Schrank und einem ähnlichen Himmelbett möbliert. Dies war so hoch, dass man eine Fußbank benutzen musste, um hineinzukommen.

Während diese beiden Räume an eine vergangene Ära erinnerten, war das marmorne Bad ausgesprochen modern. Es verfügte über eine Eckdusche sowie einen großen Whirlpool, und selbst die Toilette und das Bidet bestachen durch das elegante Design. Auch die vergoldeten Armaturen, die flauschigen Handtücher und die zahlreichen Flaschen mit Badeöl, Puder und Cremes zeugten von Luxus.

„In dem Eckschrank ist eine Babywanne, die genau neben das Waschbecken passt“, sagte Beryl, die auf der Schwelle stehen geblieben war. „Der Whirlpool ist ohnehin viel zu groß.“

„Sie haben recht.“ Eve lachte und blickte sie in dem Spiegel über dem langen Frisiertisch an. „Darf ich Ihnen eine persönliche Frage stellen, Beryl?“

„Solange Sie sich nicht nach meinem Gewicht erkundigen“, scherzte die Haushälterin.

Autor

Catherine Spencer

Zum Schreiben kam Catherine Spencer durch einen glücklichen Zufall. Der Wunsch nach Veränderungen weckte in ihr das Verlangen, einen Roman zu verfassen. Als sie zufällig erfuhr, dass Mills & Boon Autorinnen sucht, kam sie zu dem Schluss, diese Möglichkeit sei zu verlockend, um sie verstreichen zu lassen. Sie wagte...

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