Die verlorenen Töchter von Covent Garden

Die verlorenen Töchter von Covent Garden

Erscheinungstag:Di, 04.10.2011
Bandnummer:0005
Bestellnummer:8088110005
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Roman:
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Die verlorenen Töchter von Covent Garden von: Ashley Gardner

Über diesen Roman:

War ihr letzter Liebeslohn der Tod? fragt sich Captain Lacey. Blutjunge Freudenmädchen verschwinden aus dem lebhaften Gedränge von Covent Garden, um wenig später nahe der Themse aufgefunden zu werden – ermordet! Captain Lacey ermittelt. Zeugen wollen eine geheimnisvolle Kutsche gesehen haben, und bald schon führen ihn seine kriminalistischen Nachforschungen zur besten Gesellschaft von London. Doch noch bevor er den Täter entlarven kann, verschwindet seine eigene Tochter spurlos! Zuletzt gesehen wurde die siebzehnjährige Gabriella in Covent Garden – unvermittelt steht Captain Lacey vor dem herzzerreißendsten Fall seiner Laufbahn …

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Leseprobe

Aus: Die verlorenen Töchter von Covent Garden von ASHLEY GARDNER

Juni 1817

Die junge Frau, die meinen Blick auf sich gezogen hatte, trat vor den Marktkarren. Sie besaß glänzendes goldbraunes Haar, einen Teint wie Porzellan und unschuldig blickende dunkelbraune Augen und sprach mit einem leichten französischen Akzent. Der Standbesitzer, ein vom Alter gebeugter Mann mit roter Knollennase und langen grauen Haarsträhnen, die unter einer schmutzigen Mütze hervorhingen, versuchte sie zu übervorteilen.
"Zwei Pfirsiche für 'n halben Penny, Miss." Er beugte sich zu ihr vor und stützte sich mit den Händen auf dem Karren ab. "Die besten, die's gibt."
Offensichtlich wollte er sie dazu überreden, die beiden verschrumpelten Exemplare zu nehmen, die er vor sie hingelegt hatte, aber sie zeigte auf die festen, reifen Früchte daneben. Er schüttelte den Kopf. "Die kosten einen Penny pro Stück, Liebes."
Zufällig war ich vor ein paar Minuten Zeuge geworden, wie er zwei dieser erstklassigen Pfirsiche für die Hälfte des gerade verlangten Preises an eine Hausfrau verkauft hatte. Wahrscheinlich dachte er, dass er eine Fremde leichter übervorteilen könnte, insbesondere ein junges, unerfahrenes Mädchen.
Es war noch früh, doch auf dem Markt von Covent Garden wimmelte es bereits von Händlern und Kunden. Auf der einen Seite wurde der weiträumige Platz vom Gebäudekomplex des Covent Garden Theatre begrenzt, Häuserreihen und Geschäfte flankierten die beiden Längsseiten, und die St.-Paul's-Kirche bildete die vierte Seite. Entlang ihrer Friedhofsmauer verlief eine weitere Häuserreihe – Wohnmöglichkeiten entstanden in der dicht bevölkerten Metropole London, wo immer ein Plätzchen frei war.
Bauern rollten unter lautstarkem Rufen ihre Gemüse- oder Obstkarren zu den Verkaufsständen und Geschäften, junge Frauen priesen stolz ihre leuchtend roten Erdbeeren an, Bauernmädchen ächzten unter der Last der hölzernen Schulterjoche, an denen schwere Milchkübel hingen, und alle brüllten, gestikulierten und schrien laut durcheinander, um die Aufmerksamkeit der Hausfrauen, Diener und sonstigen Käufer auf ihre Waren zu lenken.
Beiläufig, den Spazierstock locker in der Hand haltend, wandte ich mich dem Obststand zu. Eine junge Dame in Bedrängnis, selbst wenn es lediglich um ein paar Pfirsiche ging, sprach sofort die ritterliche Seite in mir an.
"Die Preise haben sich schnell geändert, wie?" fragte ich den Pfirsichverkäufer mit scharfer Stimme.
Er bedachte mich mit einem gereizten Blick. "Kommt vor."
"Binnen einer Viertelstunde?" Nun beugte ich mich drohend zu ihm vor. "Verkaufen Sie ihr die Früchte gefälligst zum selben Preis wie den anderen Kunden!"
Er beäugte mich mit einem bösen Funkeln in den Augen, aber schließlich lenkte er ein. Mir war bewusst, dass mir der Ruf vorauseilte, ein aufbrausendes Temperament zu besitzen, obwohl ich in diesem Fall eher glaubte, dass meine guten Beziehungen zum Magistrat und den Bow Street Runnern hier den Ausschlag gaben.
Er reichte der jungen Frau zwei von den prallen, reifen Früchten. "'nen halben Penny", knurrte er verdrossen. Zu mir gewandt, erklärte er mit einem kurzen Recken des Kinns: "Ich weiß, weshalb Sie so 'ne lange Nase haben, Capt'n. Sie stecken Sie viel zu oft in anderer Leute Angelegenheiten."
"Mag sein", tat ich seine Anspielung gelassen ab. "Deswegen hat man sie mir vermutlich schon etliche Male gebrochen."
"Kein Wunder!" Er nahm die Münze von der Kundin entgegen und wandte sich mit einem letzten kampflustigen Blick in meine Richtung der nächsten Käuferin zu. "Zwei für 'n halben Penny."
Die fremde junge Dame legte die Pfirsiche sorgfältig in ihren Korb und schenkte mir ein scheues Lächeln. "Ich danke Ihnen, Sir."
Ich hatte das Mädchen noch niemals zuvor in Covent Garden gesehen. Seit ein paar Jahren wohnte ich jetzt in der nahe gelegenen Grimpen Lane und schlenderte fast jeden Tag über den Platz. Daher waren mir die üblichen Besucher des Marktes bekannt, und sie kannten mich. Dieser jungen Dame war ich hier noch nie über den Weg gelaufen, und doch kam sie mir seltsam bekannt vor.
Sie konnte nicht älter als sechzehn sein, machte einen etwas verträumten Eindruck – vielleicht wegen ihrer großen, unschuldigen Augen. Sie trug ein Kleid mit modisch hoher Taille und einfarbigem Rock, die angemessene Garderobe einer jungen Dame aus gutem Hause. Umso mehr wunderte es mich, dass sie zu dieser frühen Stunde ohne Begleitung über den Covent-Garden-Markt ging. Rein äußerlich hätte es ihr eher angestanden, unter einem rüschenbesetzten Sonnenschirm in einer geometrischen Gartenanlage zu lustwandeln, während um sie herum schmachtende junge Gentlemen um ihre Gunst wetteiferten.
Ihr französischer Akzent war nur schwach zu erkennen, sie sprach sehr gut Englisch. Vielleicht ist sie die Geliebte eines Engländers, mutmaßte ich. Oder die Tochter von Einwanderern, die während der Revolution aus Frankreich geflohen sind und sich dazu entschlossen haben hierzubleiben, obwohl wieder ein Bourbone auf dem Thron sitzt und die Republik aufgelöst wurde.
Wer immer sie war, sie hatte mir für mein Eingreifen gedankt. In ihren Zügen malte sich Arglosigkeit, und ich entschied, dass sie zu unschuldig war, um die junge Geliebte eines erfahrenen Mannes zu sein. Vielmehr wirkte sie auf mich wie eine pflichtbewusste Tochter, die Einkäufe für das Frühstück mit ihren Eltern tätigte.
Höflich tippte ich an meinen Hut. "Captain Gabriel Lacey, zu Ihren Diensten, Miss. Darf ich Sie irgendwohin begleiten?"
Ihr Lächeln wurde breiter, die braunen Augen funkelten vor guter Laune. Ich stutzte. Wo hatte ich dieses Lächeln schon gesehen? Irgendetwas daran kam mir bekannt vor, wenn es auch ... Lange verschüttete Erinnerungen rührten sich in mir.
"Mein Vater und meine Mutter haben hier in der Nähe Unterkunft bezogen, Sir. Ich wollte etwas Besonderes zum Frühstück besorgen, deshalb wagte ich mich hinaus, um Pfirsiche zu kaufen."
Dass ihre Eltern sie ohne Begleitung in einer fremden Stadt aus dem Haus gehen ließen, befremdete mich. Aber vielleicht kamen sie ja vom Land, wo jeder jeden kannte und keiner auch nur im Traum daran dachte, einer Tochter aus gutem Hause ein Haar zu krümmen.
Sie weckte tatsächlich den Drang in mir, sie zu beschützen. Hilfsbereit bot ich ihr den Arm. "Wo wohnen Sie? Ich werde Sie dorthin geleiten."
Sie errötete und schüttelte den Kopf. "Sehr freundlich, Sir, aber ich möchte Ihnen keine Umstände bereiten."
Sicher dachte sie, ich wolle sie belästigen. Ich war erleichtert, dass sie sich als so vorsichtig erwies, aber ich hätte sie beruhigen können. Von mir hatte sie wahrlich nichts zu befürchten. Sie war so jung, fast noch ein Kind, und ich über vierzig. Sie musste ungefähr im selben Alter sein wie Black Nancy, eine kleine Dirne, die ich von der Straße weggeholt und der ich eine ordentliche Stellung verschafft hatte. Doch Nancy war mit allen Wassern gewaschen und verfügte trotz ihrer Jugend über eine Gewitztheit, die weit mehr Erfahrung verriet, als es Nancys wirklichem Alter entsprach. Dieses junge Mädchen hingegen war unbefangen und treuherzig wie ein unschuldiges Kind.
Traue niemandem, hätte ich ihr am liebsten zugeraunt. "Sie können mich Ihrer Mutter und Ihrem Vater vorstellen", fing ich stattdessen unbeholfen an, aber in diesem Moment drang ein schriller Ruf an unsere Ohren.
"Gabriella!"
Die junge Dame wirbelte herum, und ihr einnehmendes Lächeln wurde vor Erleichterung noch strahlender. "Da ist meine Mama. Ich danke Ihnen noch einmal von Herzen, Sir, für Ihre Hilfe."
Doch ich hörte kaum, was sie sagte. Durch das lärmende Gedränge der emsigen Hausfrauen und Diener, der lauthals schreienden Händler mit ihren Verkaufskarren und der um jeden Penny feilschenden Köche samt ihren Gehilfen eilte ein Geist aus meiner Vergangenheit auf mich zu.
Das letzte Mal, als ich sie gesehen hatte, war sie schmal und zerbrechlich gewesen, eine zartgliedrige junge Frau mit goldblonden Haaren, alabasterheller Haut und einem Rosenknospenmund, die mit scheuem Blick zu mir aufschaute und nicht zu wissen schien, ob sie froh sein oder sich Sorgen machen sollte. Mit den Jahren war sie fülliger geworden, doch sie besaß noch immer jene anmutige Hilflosigkeit von damals, die dazu angetan war, jeden Gentleman an ihre Seite eilen zu lassen, um ihr seine Hilfe anzutragen.
Diese Ausstrahlung war es gewesen, die mich als jungen Mann blitzartig für sie eingenommen hatte. Bereits eine Woche, nachdem ich ihr das erste Mal begegnet war, hatte ich ihr einen Antrag gemacht. Alles, was ich wollte, war, sie in meine schützenden Arme zu schließen.
Ihr Antlitz war immer noch vornehm blass und blumenhaft, obwohl die Zeit ihre Spuren darin hinterlassen hatte. Um die Augen spreizten sich winzige Fältchen, und die Gesichtszüge hatten das Mädchenhafte verloren. Doch die Locken, die unter der Krempe ihrer Haube hervorquollen, waren immer noch golden, vielleicht ein wenig dunkler als vor fünfzehn Jahren.
Ein paar Schritte vor dem Mädchen blieb sie wie angewurzelt stehen, die Augen schreckgeweitet. Obwohl ich mich äußerlich bestimmt sehr von dem ungestümen jungen Mann unterschied, der ich einst gewesen war, erkannte auch sie mich sofort, genau wie ich sie.
Ihr Name war Carlotta Lacey, und sie war meine Frau.
Benommen starrten wir uns an, während der Trubel um uns herum weiterwogte. Ein Kutscher lenkte ungehalten sein Zugpferd um mich herum, eine Erdbeerverkäuferin, die ihren Korb auf der Schulter balancierte, lachte auf, als sie beinahe mit mir zusammengestoßen wäre. Die robuste Marktfrau am Stand neben uns versicherte lautstark, ihr Bier sei garantiert das beste weit und breit.
Carlottas Augen waren blau. Als ich sie auf einer Wiese auf dem Land in der Nähe von Cambridge gefragt hatte, ob sie meine Frau werden wollte, hatten sie vor Freude und Erregung geleuchtet. Sie hatte es zugelassen, dass ich sie küsste. Und dann, voller Vertrauen in unsere Zukunft, vollzogen wir unsere Verlobung auf dem etwas feuchten Boden. Ich erinnerte mich noch an den süßen Duft des zerdrückten Grases, die kleinen Sternblümchen, die mir in der Nase kitzelten, und den verführerischen Geschmack ihrer Haut.
Ich konnte nicht sagen, ob auch sie sich an irgendetwas dergleichen erinnerte, als wir uns hier so unverhofft nach fünfzehn Jahren zum ersten Mal wieder gegenüberstanden. Ich wusste nur, dass sie mich fassungslos anstarrte und dass sie mich wegen eines französischen Offiziers verlassen hatte.
Erst da traf es mich wie ein Blitz, der mit voller Wucht einschlägt, dass Carlotta das Mädchen Gabriella gerufen hatte.
Mir stockte der Atem, als ich sie wieder ansah. Das Mädchen schaute mit großen braunen unschuldigen Augen zurück, verständnislos.
Es war Gabriella Lacey. Meine Tochter.
Carlotta erholte sich als Erste. Sie streckte den Arm aus und nahm Gabriella den Korb ab. Dann sagte sie auf Französisch. "Lass uns gehen, Gabriella."
"Nein." Das Wort brach heiser aus meiner zusammengeschnürten Brust. Ohne zu überlegen, trat ich vor Carlotta und versperrte ihr den Weg.
Gabriella sah überrascht zwischen ihrer Mutter und mir hin und her. Carlotta fasste sie entschlossen am Arm. "Später", sagte sie zu mir. "Nicht jetzt. Dazu werden wir später kommen."
In dieser Hinsicht schien sie sich nicht verändert zu haben. Wenn Carlotta es irgendwie verhindern konnte, sich einer Sache zu stellen, so schob sie sie mit ganzer Kraft beiseite.
Ich hatte mich schon lange von der Enttäuschung erholt, dass sie mich verlassen hatte. All die Wut, der Schmerz, die Einsamkeit und schließlich die schreckliche Resignation waren durchlebt. Irgendwie konnte ich Carlotta sogar verzeihen, denn ich war ein rücksichtsloser Ehemann gewesen. Ich hätte wissen müssen, dass das Militärleben zu hart, zu unbarmherzig sein würde für eine so zarte, zerbrechliche Frau wie sie.
Aber ich hatte ihr niemals verziehen, noch würde ich es jemals tun, dass sie mir meine Tochter genommen hatte. Gabriella hatte ich das letzte Mal gesehen, als sie zwei Jahre alt war.
Ich sagte: "Dem englischen Gesetz nach gehört sie zu mir."
Mütter besaßen keine rechtliche Vormundschaft über ihre Kinder, außer sie wurde ihnen ausdrücklich bewilligt, was ich nicht getan hatte. Dass Carlotta mir Gabriella weggenommen hatte, galt vor dem Gesetz als Vergehen.
Die Sorge in Carlottas Augen zeigte mir, dass sie sehr genau wusste, was sie getan hatte und was ich unternehmen konnte, um mich zu rächen. Sie sah mich flehend an. "Später, wir sprechen später darüber. Nicht hier. Nicht jetzt."
"Maman, was ist los?", fragte Gabriella auf Französisch. "Was geht hier vor?"
Carlotta tat ihr Möglichstes, um ihre Fassung wiederzugewinnen, dann wandte sie sich an ihre Tochter. "Nichts, mein Liebes", antwortete sie eine Spur zu heiter. "Wir gehen jetzt nach Hause."
Mit dem Spazierstock versperrte ich ihr abermals den Weg. Diesmal wollte ich sie nicht einfach davonlaufen lassen, was ihre bevorzugte Art war, Probleme zu lösen. Es sei denn, sie würde sich gewaltsam an mir vorbeizwängen und eine Szene machen. Gabriella sah mich ängstlich an. Zweifellos hielt sie mich für einen Verrückten, der ihre Mutter aus irgendeinem teuflischen Grund bedrohte.
Erst da fiel mir erst auf, dass sie keinerlei Zeichen des Erkennens von sich gegeben hatte, als ich mich ihr vorhin vorgestellt hatte. Captain Gabriel Lacey, zu Ihren Diensten. Sie schien keine Ahnung zu haben, wer ich war.
"Du hast es ihr nicht gesagt?", fragte ich Carlotta.
"Nicht jetzt", wiederholte Carlotta. "Bitte, Gabriel, lass uns ein andermal darüber sprechen. Um Himmels willen."
Der Dunstschleier, der über meinen Gedanken zu hängen schien, verzog sich ein wenig, und ich bemerkte, dass die Besucher des Marktes immer noch ihren Besorgungen nachgingen, obwohl einige von ihnen uns mittlerweile mit wachsendem Interesse beobachteten. Gabriella sah aus, als wolle sie jeden Augenblick um Hilfe rufen, und der Pfirsichverkäufer und die anderen Standinhaber in der Nähe starrten uns mit unverhohlener Neugier an – wie alle Londoner versessen auf einen Skandal oder ein Stegreifdrama. Eine schwarze Kutsche mit einem Gespann prächtiger Grauer, die sich mühsam durch die Menge vorankämpfte, streifte mich beinahe, als sie vorbeirollte.
Resigniert zog ich meinen Spazierstock zurück. Natürlich war es unmöglich, meine Tochter einfach zu packen und mitzunehmen, sosehr ich mir das auch wünschte. Und sie hier mitten auf dem Markt von Covent Garden salomonisch in zwei Teile teilen konnten wir ebenfalls nicht.
"Wo habt ihr Quartier genommen?", wollte ich wissen
"In der King Street", entgegnete Carlotta. "Ich verspreche dir, dass wir darüber reden. Wir werden es regeln."
"Das werden wir. Ich schicke jemanden vorbei, der dich abholt."
Carlotta schüttelte den Kopf. "Nein, lass uns eine Verabredung treffen. Er wird sich darum kümmern."
"Wer wird sich darum kümmern?"
Wieder packte Carlotta ihre Tochter beim Arm. "Komm", sagte sie. "Dein Vater wartet."
Die Äußerung verwirrte mich einen Moment lang, bevor ich begriff, dass damit der Franzose gemeint sein musste, mit dem sie damals durchgebrannt war, der Mann, der sich nichts dabei gedacht hatte, fünfzehn Jahre mit der Frau eines anderen zusammenzuleben.
Gabriella ließ sich widerstandslos wegführen und warf einen letzten verunsicherten Blick in meine Richtung. Carlotta zog sie rasch mit sich fort nach Nordwesten in Richtung King Street, energisch bahnte sie sich einen Weg durch die Menge.
Wie betäubt stand ich da und starrte den beiden Frauen nach. Gabriella war etwas größer als ihre Mutter, und das Letzte, was ich von meiner Tochter und meiner Gattin sah, war, dass sie dicht nebeneinander hergingen und die Köpfe zusammengesteckt hatten.