Collection Baccara Band 384

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PLÖTZLICH MIT DEM BOSS IM BETT
von ROCK, JOANNE

"Wir sind verlobt." Bei den Worten ihres Bosses verschlägt es Adelaide die Sprache! Wie ungeheuer frech, dass er so ihre Kündigung verhindern will! Was soll sie bloß machen - seine Lüge öffentlich auffliegen lassen? Oder ihn beim Wort nehmen und jede Sekunde genießen?

WEHRLOS IN SANFTEN HÄNDEN
von EVANS, HARMONY

Zögernd erklärt Vanessa sich bereit, in Gregory Langstons Team mitzuarbeiten, obwohl sie bei manchen Themen ganz anderer Meinung ist als er. Aber auf ihrem privaten Wahlzettel steht hinter seinem Namen schon lange ein Kreuz: Er ist charismatisch, zärtlich - und umwerfend sexy …

BLITZHOCHZEIT MIT DEM MILLIONÄR
von GOLD, KRISTI

Es knistert heiß! Eigentlich wollte die schöne Paris den Millionär Dallas Calloway nur fragen, ob sie sich um die Inneneinrichtung seines Anwesens kümmern soll. Stattdessen schlägt ihr der breitschultrige Texaner etwas vor, das sie atemlos vor Verlangen macht …

  • Erscheinungstag 12.09.2017
  • Bandnummer 0384
  • ISBN / Artikelnummer 9783733724146
  • Seitenanzahl 384
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Joanne Rock, Harmony Evans, Kristi Gold

COLLECTION BACCARA BAND 384

JOANNE ROCK

Plötzlich mit dem Boss im Bett

Wie bitte – seine Assistentin Adelaide will kündigen? Kommt nicht infrage, findet Dempsey Reynaud. Entschlossen erklärt er öffentlich, dass er und Adelaide sich verlobt haben. Und dann küsst er sie so leidenschaftlich, als wäre er schon immer verrückt nach ihr und könnte ihre nächste gemeinsame Nacht kaum erwarten …

HARMONY EVANS

Wehrlos in sanften Händen

Seine Wiederwahl ist in Gefahr: Gregory Langston bittet die schöne Vanessa, ihn gegen seinen Widersacher zu unterstützen. Niemand kann besser mit den Medien umgehen als sie! Aber vielleicht macht er gerade den größten, besten Fehler seines Lebens. Denn mit sanften Händen dirigiert Vanessa ihn raffiniert genau dahin, wo sie ihn haben will …

KRISTI GOLD

Blitzhochzeit mit dem Millionär

Wenn Dallas nicht bald heiratet, verliert er die Hälfte seines Anwesens, so steht es im Testament seines Vaters. Genau deshalb ist die schöne Paris, die unerwartet bei ihm auftaucht, die Lösung aller Probleme. Eine Blitzhochzeit später scheint alles geklärt! Nur dass seine Scheinbraut auf getrennten Schlafzimmern besteht, will Dallas unbedingt noch ändern …

1. KAPITEL

Dempsey Reynaud verließ den Umkleideraum der New Orleans Hurricanes und wandte sich in Richtung Empfangshalle, um sich auf der obligatorischen Pressekonferenz zu zeigen. Seine Mannschaft hatte gerade das letzte Spiel der Vorsaison verloren, und ihm als Cheftrainer oblag es nun, der Presse dafür Rede und Antwort zu stehen. Dabei war das heutige Ergebnis eher bedeutungslos, denn er hatte nicht seine besten Spieler auf den Platz geschickt. Das würde er den Reportern allerdings nicht auf die Nase binden. Und er würde dafür sorgen, dass die Hurricanes dem gegnerischen Team diese Niederlage heimzahlten.

Im schlimmsten Fall würden sie die Saison als Erster der Liga beenden. Und im besten Fall die Meisterschaft gewinnen.

Er trainierte die Hurricanes seit zwei Jahren. Das Team gehörte seinem älteren Halbbruder Gervais, und Dempsey musste seine Fähigkeiten jeden Tag aufs Neue unter Beweis stellen. Wenn man in dieser Stadt den Namen Reynaud trug, dann setzte man besser alles daran, sich dieses Namens würdig zu erweisen. Besonders wenn man, wie Dempsey, mit dem Makel einer unehelichen Geburt zu kämpfen hatte. Er hatte immer das Gefühl gehabt, sich diesen Namen erst verdienen zu müssen. Und das schon lange bevor er von der Idee besessen war, den Super Bowl nach New Orleans zu holen. Die Meisterschaft seiner Mannschaft würde seine Kritiker bestimmt zum Schweigen bringen. Besonders diejenigen Sportjournalisten, die behaupteten, seine Position als Footballtrainer sei ein klarer Fall von Vetternwirtschaft. Diese Leute hatten keine Ahnung, wie im Clan der Reynauds Geschäfte abgewickelt wurden. Gervais wäre der erste, der seinen Kopf verlangen würde, wenn Dempsey keine Erfolge verzeichnen konnte. Die Reynauds hätten es nie zu etwas gebracht, wenn sie einander verhätscheln würden.

Noch wichtiger jedoch war der Umstand, dass seine Heimatstadt die Meisterschaft schlichtweg verdiente. Und zwar nicht die milliardenschwere Familie Reynaud, die Dempsey seit seinem dreizehnten Lebensjahr als einen der ihren mit Beschlag belegt hatte. Sondern vielmehr die einfachen Menschen, die nach irgendeinem Sieg in ihrem Leben lechzten. Menschen, die in einem der weniger attraktiven Viertel von New Orleans ums tägliche Überleben kämpften. Zum Beispiel in Eighth Ward, wo Dempsey aufgewachsen war.

Menschen wie seine Assistentin, Adelaide Thibodeaux.

Sie stand am Ende des Korridors vor der Eingangstür des Presseraums und unterhielt sich mit einem Sportjournalisten. Als sie Dempsey erblickte, entschuldigte sie sich bei ihrem Gesprächspartner und eilte mit auf dem gefliesten Boden klackenden Absätzen auf ihn zu. Sie trug einen schwarzen Bleistiftrock mit goldenen Nadelstreifen und eine dazu passende ärmellose goldfarbene Bluse. Schwarz und Gold waren nicht nur die Farben der Hurricanes, sondern betonten auch den Honigton von Adelaides Haut. Sie wirkte ebenso attraktiv wie selbstsicher und wies so gar keine Ähnlichkeit mehr auf mit der mageren, abgerissenen und vernachlässigten Göre, die in einem der übelsten Viertel der Stadt aufgewachsen war. Doch Dempsey erinnerte sich noch gut an die Adelaide aus jenen Jahren. Und daran, wie sie in der Schulkantine immer die Hälfte ihres Mittagessens in ihren Ranzen gestopft hatte, um es ihm auf der Heimfahrt im Bus zu schenken. Denn sie wusste, dass er bis zu dem kostenlosen Frühstück am nächsten Tag in der Schule nichts mehr zu essen bekommen würde.

Für sie beide hatte sich seitdem viel geändert.

Mit ihrem hüftlangen schwarzen Haar, das sie zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden hatte, den großen, von langen dunklen Wimpern umkränzten braunen Augen und der schlanken, langgliedrigen Figur bot sie einen äußerst erfreulichen Anblick. Aber sie war nicht nur hübsch, sondern auch intelligent und unglaublich tüchtig. Und sie war die einzige Frau, mit der Dempsey eine wirkliche Freundschaft verband. Seit dem Beginn seiner Laufbahn als Footballtrainer war sie seine Assistentin, und er hatte ihr Gehalt immer aus eigener Tasche gezahlt. Er war ein Reynaud und machte seine eigenen Regeln. Außerdem hatte er seit jeher alles eingesetzt, was ihm an Energie und Fähigkeiten zur Verfügung stand, um in seinem Beruf erfolgreich zu sein. Und er war froh, dass Adelaide immer an seiner Seite gewesen war. Sie war mit ihm von Atlanta nach Tampa Bay gezogen und dann vor zwei Jahren zurück nach New Orleans, als sein Bruder das Team gekauft hatte.

Im Football war Vetternwirtschaft eine lange und bewährte Tradition. Niemand in der Familie Reynaud hatte die Absicht, daran etwas zu ändern. Reich war der Clan durch seine weltweiten Schifffahrtsunternehmen geworden. Aber die wirkliche Leidenschaft gehörte dem Football. Diese Besessenheit lag den Reynauds im Blut, auch wenn einige örtliche Experten behaupteten, sie wären nichts weiter als Dilettanten.

„Trainer Reynaud?“, rief Adelaide, während sie den Flur entlangging, dessen Wände mit den Bannern der Hurricanes bespannt waren.

Es war ungewöhnlich, dass sie ihn mit seinem Titel ansprach. Das bedeutete nichts Gutes. Bestimmt war sie verärgert. Dempsey fragte sich, ob der Sportreporter sie vielleicht mit peinlichen Fragen bedrängt hatte.

„Hast du vielleicht kurz Zeit für ein Gespräch unter vier Augen, bevor du auf das Podium steigst?“, fragte sie, als sie ihn erreicht hatte.

Sie überreichte ihm die Karteikarten, auf denen die Themen notiert waren, über die er während der Pressekonferenz sprechen wollte. Er hatte vor, die Journalisten über die Spielerliste für die Hauptsaison zu informieren. Das würde sie vielleicht von der heutigen Niederlage ablenken.

„Irgendwelche bösen Überraschungen in letzter Sekunde?“, fragte er und runzelte die Stirn. Adelaide kannte ihn lange genug, um zu wissen, dass er nach einer Niederlage so schnell wie möglich das Weite suchte.

Er musste jede Minute nutzen, um sich auf das erste Spiel der Hauptsaison vorzubereiten. Denn dieses Spiel zählte. Aber er bemerkte eine gewisse Anspannung in Adelaides Körperhaltung. Die hatte bestimmt nichts mit der Niederlage des Teams zu tun. Denn sie konnte es zwar ebenso wenig wie er leiden zu verlieren, verstand es aber besser, ihre Gefühle zu verbergen.

„Es gibt da eine Sache“, begann sie und hielt dann inne, um in das kleine Headset zu lauschen, durch das sie mit der PR-Koordinatorin und den Vorgängen im Presseraum verbunden war. „Es dauert nur einen Moment.“

Adelaide nahm seine Zeit so gut wie nie in Anspruch. Sie machte ihren Job gut und hatte ein intuitives Verständnis für seine Bedürfnisse. Sie war in der Lage, seine Arbeit bereits Wochen im Voraus zu planen, und dafür genügten ihr seine spärlichen Textnachrichten und die Informationen, die sie den Mails entnahm, in deren Verteiler er sie gesetzt hatte. Wenn sie privat mit ihm sprechen wollte, musste es sich um etwas Wichtiges handeln.

„Natürlich“, sagte er und trat einen Schritt näher. „Was hast du auf dem Herzen?“

„Nicht hier“, lautete ihre knappe Erwiderung, die sämtliche Alarmglocken in seinem Kopf zum Klingeln brachte.

Er führte sie den Flur entlang in eines der kleinen Büros und schaltete das Licht an. Das Büro war, ebenso wie einige andere auf diesem Flur, keinem bestimmten Zweck zugeordnet und konnte von jedem genutzt werden, der hier zu tun hatte. Es war spärlich ausgestattet. Nichts im Vergleich zu den Räumlichkeiten im Hauptquartier der Hurricanes. Dort hatte die Familie Reynaud Millionen investiert, um alles auf den neusten Stand der Technik zu bringen. Der kleine Raum, in dem sie nun standen, hätte einige Male in Dempseys Büro im Hauptquartier gepasst.

„Was ist los?“, fragte er, schloss die Tür und lehnte sich an den schäbigen Schreibtisch, auf dem ein Telefon stand, das aus den Beständen eines Museums zu stammen schien.

Die Wände waren so dünn, dass die zuknallenden Spindtüren und das Gelächter der Spieler aus dem angrenzenden Umkleideraum zu hören waren.

„Dempsey, ich entschuldige mich für den Zeitpunkt dieser Unterredung, aber ich kann sie nicht länger aufschieben“, sagte Adelaide und nahm den kleinen Knopf aus dem Ohr. „Ich habe schon öfter versucht, dir zu erklären, dass ich in der kommenden Saison nicht mehr dabei sein werde. Ich habe allerdings den Eindruck, dass meine Worte nicht zu dir durchgedrungen sind.“

Er runzelte die Stirn. Worüber redete sie da, zur Hölle? Wann hatte sie ihn um eine Auszeit gebeten? Wenn sie Urlaub wollte, musste sie ihn doch nur in seinem Kalender eintragen.

„Du willst wirklich jetzt darüber sprechen?“ Er war stolz auf seine Selbstkontrolle, sowohl auf dem Spielfeld als auch außerhalb. Doch nach der heutigen Niederlage stellte dieses Thema seine Geduld auf eine harte Probe. „Schick mir die Daten deines Urlaubs. Nimm dir so viel Zeit, wie du brauchst, um dich zu erholen. Du bist für mich unersetzlich. Ich brauche deinen vollen Einsatz. Also pass auf dich auf, Adelaide.“

Er wandte sich zum Gehen. Schließlich gab es da noch die Pressekonferenz. Er hatte zu arbeiten und war erleichtert, dass diese Angelegenheit so schnell aus der Welt geschafft schien.

Sie schlängelte sich um ihn herum und blockierte die Tür. Ihre zierliche Gestalt stellte jedoch kein ernsthaftes Hindernis dar. „Du hast mir nicht zugehört. Das tust du nie, wenn es um dieses Thema geht.“

Er seufzte. „Was meinst du damit?“

„Ich will mein eigenes Geschäft gründen.“

„Ja, daran erinnere ich mich. Wir sind übereingekommen, dass du mir dein Konzept gibst, damit ich es mir anschauen kann.“ Er erinnerte sich daran, wie sie im letzten Winter ihre Geschäftsidee erwähnt hatte. Sie hatte ihm erzählt, dass sie vorhatte, sich auf Kleidung und Accessoires für weibliche Footballfans zu spezialisieren. Dabei gehörte es zu ihrem Plan, sich mit seiner Unterstützung die Verkaufsrechte zu sichern.

Er fand ihr Vorhaben besorgniserregend. Sie riskierte dabei die finanzielle Sicherheit, für die sie so hart gearbeitet hatte. Er hatte gehofft, sie würde erkennen, wie gefährlich und kurzsichtig ihr Plan war, wenn sie nur einmal genau darüber nachdachte. Er war davon ausgegangen, er hätte sie überzeugt, auch die Nachteile dieser Idee zu erwägen, als er sie überredet hatte, während der Vorsaison bei den Hurricanes zu bleiben. Sie war ein unersetzbares Mitglied des Verwaltungsteams. Er hatte Jahre dafür gebraucht, dieses Team aufzubauen, ebenso wie dafür, die Mannschaft zusammenzustellen. Was er erreichen wollte, war ein Jahr, in dem alles optimal lief und eine Chance bestand, die Meisterschaft zu gewinnen.

Dieses Jahr war nun angebrochen.

„Ich habe dir mein Konzept gemailt. Und nicht nur einmal.“ Sie verschränkte die Arme unter der Brust und erinnerte ihn unfreiwillig daran, was für eine attraktive Frau sie war.

Sie war eine gute Freundin. Freundschaft war selten und sehr wichtig. Sex war nur Sex. Und Adelaide bedeutete ihm wesentlich mehr.

„Stimmt.“ Er schluckte und blickte in ihre nussbraunen Augen. „Ich lese es gleich nach der Pressekonferenz.“

„Lügner“, erwiderte sie. „Du willst mich nur wieder hinhalten. Ich kann dich nicht zwingen, es zu lesen. Genauso wenig wie ich dich zwingen kann, die Mails deiner ehemaligen Gefährtinnen zur Kenntnis zu nehmen.“

Sie hob die Augenbrauen, richtete sich auf und versperrte ihm nach wie vor die Tür. Er wusste, wie sehr es ihr missfiel, dass er sie beauftragt hatte, auch private Dinge für ihn zu regeln. Doch er brauchte ihre Hilfe dabei, unglückliche Exfreundinnen davon abzuhalten, sich an die Presse zu wenden. Er wollte keinesfalls, dass das Publikum die Aufmerksamkeit statt auf die Mannschaft auf sein Privatleben richtete. Adelaide machte das ganz ausgezeichnet. Wie so viele Dinge. Sein Leben würde sich in ein Chaos verwandeln, wenn sie nicht an seiner Seite war.

Er widmete jede Minute der Aufgabe, ein Gewinnerteam aufzubauen, um sich einen festen Platz in der Familie zu sichern. Es reichte nicht, nur den Nachnamen seines Vaters zu tragen. Als unehelicher Sohn musste er seit jeher zweimal so hart arbeiten wie die anderen, um sich zu beweisen.

Adelaide hatte dieses Ziel in ihrem Job immer unterstützt. Er war gut in Football und Finanzen, sie in allem anderen. Seit er ein paar Rüpel verjagt hatte, die Adelaide auf dem Friedhof in ihrem Viertel umzingelten und verprügeln wollten, waren sie befreundet. Damals war sie in der zweiten Klasse gewesen und er in der dritten. Sie war ihm sehr dankbar gewesen und hatte sich auf leisen Sohlen in sein Leben geschlichen. Sie wurde seine beste Freundin, die ihn ihrerseits erbittert vor den Widrigkeiten beschützte, die das Schicksal ihm auferlegte. Ihre Freundschaft endete auch dann nicht, als sein unbekannter reicher Vater plötzlich aufkreuzte und ihn für immer dem ärmlichen Viertel seiner Kindheit und auch seiner Mutter entriss. Seine Mutter hatte ihn für Geld aufgegeben. Adelaide nicht.

„Also gut, ich kümmere mich wieder selbst um meine persönlichen Mails“, lenkte er ein. Er wusste nur allzu gut, dass er sich mit Valentina einigen musste. Sie war eine besonders hartnäckige Frau, mit der er noch bis vor Kurzem eine Affäre hatte, und zudem ein hochbezahltes Model. Je erfolgreicher eine Frau war, desto weniger schätzte sie es offenbar, wegen Football beiseitegeschoben zu werden.

„Es bleibt dir gar nichts anderes übrig, bis du eine neue Assistentin engagiert hast“, erwiderte Adelaide trocken. „Jedenfalls danke ich dir für dein Verständnis.“

Eine neue Assistentin engagieren? Warum, zur Hölle? Was bezweckte sie mit dieser Bemerkung? War sie vielleicht auf eine Gehaltserhöhung aus? Oder meinte sie es tatsächlich ernst und wollte ausgerechnet zu Beginn der Saison aussteigen, um ihr Geschäft zu starten?

„Ich verstehe überhaupt nichts“, korrigierte er sie. „Du brauchst Startkapital für deine Firma. Auch ohne dein Konzept gelesen zu haben, weiß ich, dass du deine sämtlichen Ersparnisse aufbrauchen wirst. Das Risiko ist hoch, Addy. Das muss dir klar sein.“

„Es ist meine Sache zu entscheiden, ob ich dieses Risiko eingehen will“, gab sie kühl zurück.

Er zwang sich zu Geduld. „Die Hälfte der kleinen Unternehmen scheitert in der Anfangsphase. Arbeite noch ein Jahr für mich. Denk über eine Gehaltserhöhung nach, die dir fair erscheint. Ich werde sie dir nicht verweigern. Dann hast du ein finanzielles Polster, um eine Firma zu gründen, die groß genug ist, dass du dir die Verkaufsrechte sichern kannst.“

Außerdem hätte er dann noch ein weiteres Jahr, um sie von ihrer Idee abzubringen. Das Leben meinte es gerade gut mit ihnen beiden, wirklich gut. Sie war ein wesentlicher Bestandteil seines Erfolgs, indem sie ihm den Rücken frei hielt, damit er tun konnte, was ihm am meisten lag. Das Team auf Erfolgskurs zu bringen.

Draußen auf dem Flur waren Stimmen und Gelächter zu hören, als die Journalisten den Umkleideraum verließen, um sich zu der vereinbarten Pressekonferenz einzufinden. Dempsey musste jetzt gehen, um alles dafür zu tun, ihrer beider Zukunft zu sichern.

„Verdammt, ich will keine Gehaltserhöhung …“

„Dann denkst du nicht wie eine Geschäftsfrau“, unterbrach er sie. Ja, er bewunderte ihre Unabhängigkeit. Und ihre Sturheit. Aber er würde nicht zulassen, dass sie eine Unternehmung wagte, die von vorneherein zum Scheitern verurteilt war.

Besonders deshalb nicht, weil sie so viel für ihre jetzige Karriere und für sein Team und ihn tun konnte. Ihm fehlte die Zeit, um nach adäquatem Ersatz für sie zu suchen. Und abgesehen davon, dass sie ihn und seine Bedürfnisse in- und auswendig kannte, war Adelaide Thibodeaux viel zu gut in ihrem Job, um überhaupt ersetzt werden zu können.

Er streckte den Arm aus, um die Tür zu öffnen. Sie glitt ein Stück zur Seite und blockierte seine Hand mit ihrem Po. Mit ihrem niedlichen runden Po, der in einem engen Bleistiftrock steckte. Dempsey stockte der Atem, als sie mit ihren Brüsten seinen Oberkörper streifte.

Er bekam keine Luft.

Für einen Moment erwiderte sie seinen Blick, und er hätte schwören können, dass sich ihre Pupillen geweitet hatten. Sie schien die sexuelle Anziehungskraft in diesem Moment plötzlich ebenso wahrzunehmen wie er. Schnell trat er einen Schritt zurück. Sie blinzelte, und der besondere Ausdruck in ihren Augen war verschwunden.

„Ich bin dankbar, dass die Arbeit für dich mir erlaubt hat, darüber nachzudenken, was ich mit meinem Leben anfangen will. Auf unseren Reisen konnte ich wichtige Kontakte knüpfen, und ich habe viele inspirierende Momente erlebt.“ Sie unterstrich ihre Bemerkung mit lebhaften Gesten.

Dempsey zwang sich, auf ihre schlanken Hände zu schauen anstatt auf ihre Brüste, die schmale Taille, die aufregenden Kurven ihrer Hüften. Und er zwang sich zu vergessen, was für ein Gefühl es gewesen war, als ihre Körper sich gestreift hatten.

Sein Blick fiel auf den silbernen Armreif um ihr Handgelenk, der im Schein der Leuchtstoffröhre an der Decke matt schimmerte. Er bestand aus einem alten Silberlöffel aus einer Pfandleihe, den er zu einem Schmuckstück umgearbeitet hatte. Der Armreif war ein Geburtstagsgeschenk gewesen in einer Zeit, in der er sich nichts anderes leisten konnte. Warum trug sie ihn immer noch? Er versuchte, sich auf ihre Worte zu konzentrieren, aber das Blut rauschte ihm in den Ohren.

„Dempsey, lass uns ehrlich sein. Ich bin nicht auf die Kunstschule gegangen, um für immer deine Assistentin zu bleiben. Und ich mache diesen Job schon viel zu lange, dafür dass er doch nur eine zeitweilige Erwerbsquelle sein sollte.“

Er verstand die Anspielung nur allzu gut. Er hatte damals argumentiert, sie brauchte doch nur so lange für ihn zu arbeiten, bis sie wusste, was sie nach ihrem Studienabschluss arbeiten sollte. Da hatte sie sich allerdings noch nicht unersetzlich gemacht. Und es war, bevor eine Saison begonnen hatte, die der Mannschaft die Meisterschaft einbringen und ihm selbst einen festen Platz in der Familie Reynaud sichern konnte.

Er hatte so hart dafür gearbeitet, um an diesen Punkt zu kommen. Um die Chance zu erhalten, sich auch im unbarmherzigen Blitzlichtgewitter der Kameras zu beweisen. Und das vor einer Presse, die nichts mehr genießen würden, als ihn scheitern zu sehen. Seine Zeit war gekommen. Adelaide und er bildeten ein großartiges Team, das man nicht durch versponnene Geschäftsideen zerstören durfte. Zu gewinnen bedeutete ihm mehr, als nur seine Position in der Familie zu festigen. Es ging auch darum zu beweisen, was er wert war. Und nicht nur er. Sondern alle Menschen, die in ihrer Kindheit von der Hand in den Mund gelebt, aber nicht das gleiche Glück wie er selbst gehabt hatten. Glück in Gestalt eines geheimnisvollen reichen Vaters, der unvermittelt aufgetaucht war, um ihn für immer aus seinem Elend zu befreien. Auch dafür hatte Dempsey all die Jahre so hart gearbeitet. Er wollte etwas bewirken.

„Du kannst das Team jetzt nicht verlassen.“ Er hatte keine Zeit, jetzt zu diskutieren. Aber er würde seinen Willen schon durchsetzen.

„Ich gehe nach der Pressekonferenz. Ich sagte dir, ich würde noch für die Vorsaison bleiben. Und die ist jetzt vorbei.“ Adelaide runzelte die Stirn und spielte mit ihrem Armreif. „Ich hätte mich gar nicht darauf einlassen, sondern schon früher gehen sollen. Ich will nicht, dass wir uns im Streit trennen. Und ich verspreche dir, dass ich deiner neuen Assistentin alle meine Unterlagen zur Verfügung stelle.“

Wie nett von ihr. Er biss die Zähne zusammen, um eine bissige Bemerkung zu unterdrücken. Er stand kurz vor einem Wutausbruch. So eine Behandlung hatte er nicht verdient, und das wusste sie genau.

Aber wenn sie erst nach der Pressekonferenz verschwinden wollte, blieb ihm noch etwa eine Stunde, um sie zum Bleiben zu bewegen.

Jetzt brauchte er nur noch die richtigen Argumente.

„Jedenfalls danke ich dir für die Vorwarnung“, sagte er, legte die Hände um ihre Taille und schob Adelaide beiseite. „Aber jetzt muss ich erst einmal in diese Pressekonferenz.“

Ihre Augen weiteten sich, als er sie berührte. Dann trat sie rasch einen Schritt beiseite, und sie wurde rot. Sie waren nie mehr als Freunde gewesen. Und Dempsey hatte diese Freundschaft vor allen schädlichen Einflüssen geschützt. Sie war etwas ganz Besonderes. Adelaide war etwas ganz Besonderes. Er würde ihre kostbare Beziehung nie einer so unbeständigen Sache wie gegenseitiger sexueller Anziehungskraft opfern. Dennoch hatte es über die Jahre immer wieder Momente gegeben, in denen er der Versuchung nur mühsam widerstanden hatte. Aber Logik, sein gesunder Menschenverstand und letztlich auch der Respekt vor Adelaide hatten immer obsiegt. Er hatte sie noch nie auf eine solche Art berührt wie heute. Diese Berührungen lösten Emotionen aus, die ihn verwirrten. Ihr sonst so vertrautes Gesicht kam ihm seltsam fremd und geheimnisvoll vor. Ihre sinnlichen Lippen waren leicht geöffnet. Wie in Erwartung eines Kusses. Er fragte sich, ob …

„Ja“, sagte sie in seine Gedanken hinein. „Lass uns gehen.“

Er hielt ihr die Tür auf und blickte ihr hinterher, während sie ihm voraus den Korridor entlangeilte. Ihr anmutiger Gang und ihr verführerischer Hüftschwung stellten seine Selbstbeherrschung erneut auf eine harte Probe. Bestimmt würde sein Versuch, sie zum Bleiben zu bewegen, ihren Zorn erregen. Doch schon bald würde sie erkennen, dass ihm nur ihr Wohlergehen am Herzen lag.

Er hatte bereits den perfekten Plan dafür. Und die Umstände waren ideal. Ein ganzer Saal voller Journalisten, die den Vorgang bezeugen konnten. So schwer es ihm auch fiel, Adelaide zu verletzen, so genau wusste er auch, dass sie ihn letztendlich verstehen würde. Schließlich kannte sie ihn besser als sonst jemand.

Die Karten waren verteilt. Und er spielte, um zu gewinnen.

Das ging ja besser als erwartet, dachte Adelaide.

Sie stand mit dem Rücken an der hinteren Wand des überfüllten Presseraumes und beglückwünschte sich selbst dafür, wie verhältnismäßig ruhig und sachlich ihr Gespräch mit Dempsey verlaufen war. Sie hatte ihren Standpunkt klargestellt und ihm die Lage auf eine Weise erklärt, die er verstehen konnte. Schon seit Wochen stand ihr diese Unterhaltung bevor. Vergeblich hatte sie auf den richtigen Moment gewartet, um das sensible Thema anzuschneiden. Die Situation war heikel. Sie konnte es sich nicht leisten, ihn zu verärgern, denn sie benötigte bei der Sicherung der Vermarktungsrechte seine Hilfe.

Außerdem zählte Dempsey zu ihren besten Freunden, auch wenn ihre Freundschaft sich im Lauf der Jahre verändert hatte. Vorbei war die Zeit, da sie stundenlang wie in ihrer Schulzeit zusammengesessen und über Gott und die Welt geredet hatten. Jetzt ging es immer nur ums Geschäft. Dempsey schien das nicht zu stören, denn er schien nur zu existieren, um zu arbeiten. Doch sie erwartete mehr vom Leben. Und auch von ihren Freunden. Daher kam es, dass sie die Minuten ihres letzten Tages als seine Assistentin zählte. Vielleicht würde sich ihre Freundschaft wieder erholen, wenn sie nicht mehr für ihn arbeitete.

Sie verließ das Team nur schweren Herzens. Ihr gefiel der Sport ebenso wie ihr Job. Sie hatte sich zu einem enthusiastischen Footballfan entwickelt. Auch deshalb konnte sie es kaum erwarten, ihre eigene Firma zu gründen, um die weiblichen Fans mit Fanartikeln und Kleidung auszustatten. Bei ihrer neuen Tätigkeit konnte sie ihre Begeisterung für Kunst und Sport verbinden. Die Einzelstücke, die sie seit Kurzem im Internet anbot, erfreuten sich bereits großer Beliebtheit. Adelaide war bereit für den nächsten Schritt.

Und sie war mehr als bereit für einen sauberen Schnitt zwischen ihr und Dempsey.

Sie warf ihm einen Blick zu. Er saß zusammen mit anderen Trainern und ein paar wichtigen Spielern auf dem Podium im Rampenlicht und beantwortete die Fragen der zahlreichen Journalisten. Wie immer wirkte er gelassen und stellte sich dem Blitzlichtgewitter mit überlegener Souveränität. Die Kameras waren fast ausschließlich auf ihn gerichtet. Adelaide seufzte leise. Dempsey Reynaud, ihr ehemals bester Freund, der in den letzten zehn Jahren so oft in ihren Träumen herumgegeistert war, ohne es zu wissen.

Er sah unverschämt gut aus und war ebenso reich wie mächtig. Mochte er selbst auch denken, dass er in seiner Familie nicht voll akzeptiert wurde, der Rest der Welt sprach seinen Namen mit der gleichen Ehrfurcht aus wie den seiner Brüder. Alle vier waren bereits auf dem College Footballstars gewesen. Während die beiden jüngeren Brüder eine Karriere als aktive Spieler in der Nationalliga gewählt hatten, bekleideten die zwei älteren zusätzlich zu ihrer Arbeit für das Familienimperium Schlüsselpositionen im Hintergrund. Ungeachtet der Tatsache, ob sie nun noch aktive Spieler waren oder nicht, besaßen sie alle die Statur und den muskulösen Körperbau von Topsportlern. Auch Dempseys breite Schultern stellten die Nähte seines Hurricane-Trikots auf eine harte Probe. Und seine Bizeps zeichneten sich deutlich unter dem dünnen Stoff ab, als er sich zu einem der Reporter beugte.

Mit seinem dichten dunkelbrauen Haar und den goldbraunen Augen konnte er die Verwandtschaft zu den Reynauds nicht leugnen. Doch das Grübchen in seinem Kinn und die markanten Gesichtszüge hoben ihn von seinen Brüdern ab.

Wider seufzte Adelaide. Sie hatte sehr viel Zeit damit verbracht, das Gesicht des Mannes zu studieren, von dem sie als Teenager nahezu besessen war. Es gab Zeiten, da hätte sie Rückwärtssaltos geschlagen, um seine Aufmerksamkeit zu erregen, wenn das nur die geringsten Erfolgsaussichten gehabt hätte. Aber er schien nie mehr in ihr zu sehen als einen Kumpel, mit dem er durch Dick und Dünn gehen konnte. Und als er seine Haltung ihr gegenüber schließlich doch geändert hatte, wurde sie nicht mehr als ein Werkzeug, das ihn in seinem beruflichen Ehrgeiz unterstützte. Dass er das damit einhergehende Ende ihrer Jugendfreundschaft nicht einmal zu registrieren schien, verletzte sie noch mehr als die Tatsache, von ihm nie als Frau wahrgenommen zu werden.

„Adelaide?“, drang die Stimme von Carol, der PR-Koordinatorin durch das kleine Ohrmikrofon zu ihr. „Ich bekomme dauernd Anrufe und Textnachrichten für Dempsey. Von Valentina Rushnaya. Sie droht damit, peinliche Interviews zu geben, wenn er sich nicht privat mit ihr trifft.“

Adelaide wurde es bei diesen Worten kalt. Dempseys letztes Supermodel. Diese Frau war ziemlich unhöflich zu ihr gewesen. Sie war nicht bereit, das Ende ihrer Affäre mit Dempsey zu akzeptieren. Dem konnte auch das extravagante Diamantarmband, das er ihr zum Abschied geschenkt hatte, nicht abhelfen. Meistens taten Adelaide die Frauen leid, mit denen er sich verabredete. Sie konnte verstehen, wie weh es tat, auf Abstand gehalten zu werden, nachdem man einmal im Zentrum von Dempseys Aufmerksamkeit gestanden hatte. Wenn auch nur kurz. Doch für Valentina hegte sie kein Mitgefühl.

„Ich habe schon mit Dempsey darüber gesprochen“, sagte sie leise in das Mikrofon. „Er sagte, er wollte sich darum kümmern. Sie kann nichts anderes von sich geben als Schnee von gestern oder offenkundige Lügen.“

„Sollen wir vielleicht ein Treffen vereinbaren, um über Gegenmaßnahmen zu beraten? Nur für den Fall“, fragte Carol. Sie stand am anderen Ende des Raums und hatte angriffslustig die Arme vor der Brust verschränkt. „Für Dempseys neues Wohlfahrtsprojekt gibt es nächste Woche die erste Spendengala. Ich glaube, er wäre ziemlich enttäuscht, wenn diese Frau die öffentliche Aufmerksamkeit davon ablenken würde.“

Adelaide wäre ähnlich enttäuscht.

Das Wohlfahrtsprojekt war ihre gemeinsame Idee gewesen. Es handelte sich um eine Stiftung, die eine Initiative zur Vorbeugung jugendlicher Gewalttätigkeit förderte. Dempsey unterstützte das Projekt nicht nur finanziell, sondern auch mit seinem Erfolg und seinem Einfluss. Die Initiative war besonders in strukturschwachen Vierteln von New Orleans aktiv. Wie zum Beispiel in dem Viertel, in dem sie aufgewachsen waren. Dempsey allerdings nur bis zu seinem dreizehnten Lebensjahr. Sie hingegen war dazu verdammt gewesen, weiter dort zu bleiben, nachdem er gegangen war.

Sie hatte ihre ganz eigenen Erfahrungen mit jugendlicher Gewalttätigkeit machen müssen.

„Ich sorge dafür, dass das nicht passiert“, versprach sie Carol. Und sie würde ihr Versprechen halten, selbst wenn das bedeutete, dass sie mit Dempsey reden musste, nachdem sie das Team verlassen hatte. „Sie hat eine strikte Vereinbarung zur Verschwiegenheit unterschrieben, bevor die Affäre zwischen den beiden begann. Sollte sie sich dennoch an die Presse wenden, kommt sie das teuer zu stehen.“

Das hatte Dempsey ihr jedenfalls mitgeteilt, als sie vor zwei Wochen auf diese Angelegenheit zu sprechen kam. Er hatte ihr auch eine Kopie der Vereinbarung als Mailanhang zukommen lassen. Das Dokument gehörte zu der völlig unromantischen Prozedur, die Dempseys Affären vorauszugehen pflegte. Wenn Adelaide in der richtigen Stimmung war, konnte sie sogar verstehen, wie schwierig das Leben für einen reichen und mächtigen Mann war, der im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stand. Er musste praktisch denken und Vorsicht walten lassen. Doch mit dieser Verschwiegenheitsvereinbarung, fand Adelaide, schoss er deutlich über das Ziel hinaus.

In Anbetracht der zahlreichen Frauen, die noch immer öffentlich vorgaben, Bestandteil seines Lebens zu sein, konnte er ohnehin nicht viele damit abschrecken.

„Valentina ist wesentlich wohlhabender als die Damen, mit denen er sich sonst verabredet“, wandte Carol ein. „Ich kann nur hoffen, dass sie uns nicht wirklich Ärger …“ Sie unterbrach sich und beugte sich nach vorn. „Moment mal. Hat er gerade gesagt, er will eine private Ankündigung machen? Was hat er vor?“

Adelaide wurde bewusst, wie still es auf einmal im Raum geworden war. Alle Blicke schienen auf Dempsey gerichtet. Das war im Prinzip nicht außergewöhnlich, aber der angespannten Körperhaltung der anwesenden Reporter konnte sie entnehmen, dass es sich um etwas Besonderes handeln musste. Alle hingen wie gebannt an seinen Lippen.

„Ich habe mich heute verlobt“, erklärte Dempsey betont sachlich. So, als würde er die Mannschaftsaufstellung für das nächste Spiel bekanntgeben.

Erstauntes Gemurmel war in den Reihen der Reporter zu hören. Adelaide erstarrte schockiert. Verlobt?

Der Boden unter ihren Füßen schien plötzlich zu schwanken. Sie drückte haltsuchend die Hände an die Wand. Eine Verlobung hatte er nie erwähnt. Ein scharfer Schmerz durchfuhr sie. Er vertraute ihr nicht mehr. Und es lag ihm auch nichts mehr an ihrer alten Freundschaft. Es kam ihr vor, als hätte er sie verraten. Sie bedeutete ihm so wenig, dass sie von den wichtigsten Entwicklungen in seinem Leben auf einer Pressekonferenz informiert wurde.

„Mit meiner persönlichen Assistentin und Freundin aus Kindertagen“, fuhr er fort, und sein Blick ruhte auf ihr. „Adelaide Thibodeaux.“

2. KAPITEL

Adelaide taumelte auf ihren hohen Absätzen gegen die Wand.

Dempsey hatte gerade öffentlich seine Verlobung bekanntgegeben.

Seine Verlobung mit ihr.

Der Mann, der so vorsichtig war, wenn es um sein Privatleben ging. Der Mann, der darauf vertraute, dass sie ihn nie verraten würde, obwohl er sie über die Jahre in Hunderten von Kleinigkeiten verraten hatte. Wie konnte er es wagen?

Über ihr Mikrofon hörte sie Caroles überraschte Glückwünsche. Einige der Journalisten in den hinteren Reihen drehten sich zu ihr um und nickten ihr grüßend zu. Oder vielleicht wollten sie auch nur ergründen, was der begehrte Junggeselle Dempsey Reynaud an ihr, der völlig durchschnittlichen und weitgehend unbekannten Adelaide Thibodeaux so anziehend finden mochte.

Nun, die Antwort auf diese Frage war offensichtlich. Jedenfalls für Adelaide. Sie hatte keine weitere Anziehungskraft bis auf die Tatsache, dass Dempsey ihren Weggang verhindern wollte. Und er gehörte zu den Leuten, die immer bekamen, was sie wollten.

In ihrer Naivität hatte sie geglaubt, sie könnte ihren Job als seine Assistentin so einfach aufgeben und ein eigenes Geschäft beginnen. Noch dazu ein Geschäft, mit dem sie auf gute Beziehungen zu den Hurricanes und der gesamten Liga angewiesen war, um sich die Verkaufsrechte zu sichern. Diese Beziehungen durfte sie nicht gefährden, wenn sie erfolgreich sein wollte.

Wenn sie sich Dempsey entgegenstellte und ihn herausforderte, würde sie seine Unterstützung noch im selben Moment verlieren. Sie konnte es nicht riskieren, ihm zu widersprechen. Zumindest nicht öffentlich. Und es bestand kein Zweifel daran, dass Dempsey das ganz genau wusste.

Diese Erkenntnis traf sie wie ein Schlag. Sie war äußerst geschickt ausmanövriert worden, und zwar vom cleversten Spieler der Liga.

Von ihrem frisch gebackenen Verlobten.

Sie brauchte Zeit, um sich zu sammeln. Wenn sie ihm jetzt gegenübertrat, würde sie ganz bestimmt etwas von sich geben, das sie hinterher bereute. Sie huschte in Richtung Ausgang, während die Journalisten begannen, Dempsey Fragen über den verletzten Quarterback zu stellen. Sie wusste nicht, was sie sonst hätte tun können. Sie besaß nicht Dempseys Gabe, komplizierte Winkelzüge zu ersinnen, die das Leben anderer Menschen in einem Lidschlag ruinieren konnten. Den Raum zu verlassen war das Beste, das ihr einfiel. Sie musste nachdenken und darauf warten, dass ihr Zorn sich legte.

Trotz Carols Ermahnung, hier zu bleiben und sich für eventuelle Interviews bereitzuhalten, ging sie weiter und nahm das Headset aus dem Ohr.

Den Teufel würde sie tun.

Mit schnellen Schritten ging sie durch die Tür und eilte zum Treppenhaus. Sie wählte den Weg, auf dem es am unwahrscheinlichsten war, dass sie Reportern begegnen würde.

Zwar konnten die Sportjournalisten mit den Heiratsabsichten eines Footballtrainers nicht viel anfangen, aber sie würden den Wert dieser Neuigkeit zweifellos erkennen und sie an die Kollegen von der Regenbogenpresse weiterleiten. Auch wenn sie selbst im Rahmen einer Pressekonferenz nach einem Footballspiel keine Fragen nach dem Privatleben der Sportler oder Trainer stellen würden, Klatschreporter kannten solche Zurückhaltung nicht. Ganz im Gegenteil, sie würden sich geradezu darauf stürzen.

Adelaide beschleunigte ihre Schritte und geriet ins Stolpern, als einer ihrer Absätze brach. Diese Schuhe waren eindeutig nicht zum Laufen gemacht.

Hinkend kam sie am Ende der Treppe an und schlüpfte durch die Tür auf das Parkdeck. Das Handy in ihrer Tasche begann zu klingeln. Sie ignorierte es und dachte darüber nach, wie sie möglichst unauffällig zu ihrem Auto zwei Parkdecks höher gelangte.

Sie hörte ein näher kommendes Motorengeräusch. Es war das Dröhnen eines großen Geländewagens. Eines sehr vertrauten Wagens, wie sich herausstellte, als er neben ihr die Geschwindigkeit verlangsamte. Es handelte sich um Dempseys Wagen, auch wenn er ihn noch nie eigenhändig gefahren hatte.

Evan, sein Chauffeur, ließ die getönte Scheibe der Beifahrertür herab. Mit seinem kahl rasierten Schädel, den farbenprächtigen Tätowierungen auf Brust und Armen und der beängstigenden Anzahl von Piercings im Gesicht hätte er als Gangster durchgehen können. Doch in Wahrheit war er ein sehr verlässlicher Fahrer und zudem einer von Dempseys vertrauenswürdigsten Leibwächtern. Sein Aussehen verschaffte ihm bei der Erfüllung seiner Aufgaben einen nicht zu verachtenden Vorteil.

„Miss Adelaide“, begrüßte er sie, obwohl sie ihm schon ein halbes Dutzend Mal gesagt hatte, dass sie sich bei dieser Anrede wie eine Kindergärtnerin vorkam. „Soll ich Sie mitnehmen?“

„Danke“, erwiderte sie ein wenig atemlos. Ihre Atemlosigkeit rührte mehr von ihrer chaotischen Gefühlslage her als von ihrer eiligen Flucht. „Mein Auto steht auf Deck C. Hoffentlich macht es Ihnen nicht zu viele Umstände, mich dorthin zu bringen.“

Erleichtert humpelte sie zur einer der hinteren Seitentüren des großen Wagens. Doch bevor sie die Tür öffnen konnte, war Evan schon von seinem Sitz gesprungen und um den Wagen gesprintet, um ihr behilflich zu sein. Er hatte eine hünenhafte Statur und war sehr muskulös. Vor einer schweren Knieverletzung hatte er als aussichtsreiches Talent auf der Spielerliste der Hurricanes gestanden.

„Kein Problem“, sagte er, riss die Tür auf und streckte die Hand aus, um ihr beim Einsteigen zu helfen. „Ich freue mich, wenn ich Ihnen helfen kann.“

Adelaide ließ sich auf der bequemen Rückbank nieder. Das Fahrzeug war speziell dafür ausgestattet, von einem Chauffeur gesteuert zu werden, und verfügte über einen durch eine Scheibe abgetrennten Fahrgastraum. Sie warf Evan einen Blick zu und wartete auf sein wissendes Lächeln. Bestimmt hatte er von Dempseys überraschender Enthüllung während der Pressekonferenz gehört. Doch Evans Gesicht verriet keine Gefühlsregung, und seine Augen waren hinter einer Pilotensonnenbrille verborgen.

„Vielen Dank. Ich weiß Ihre Hilfsbereitschaft zu schätzen“, sagte sie und versuchte zu lächeln. Ihre Stimme hörte sich ein wenig zittrig an. „Ich habe auf Deck C an der Westseite geparkt. In der Nähe der Fahrstühle.“

„Geht klar.“ Evan nickte, schloss die Tür und nahm wieder auf dem Fahrersitz Platz.

Adelaide lehnte sich zurück und ignorierte die Monitore im Fahrgastraum, auf denen sich Dempsey von Sportübertragungen bis über die neuesten Börsennachrichten alles ansah.

Als ihr Telefon erneut läutete, schloss sie kurz die Augen. Der nervtötende Klingelton erinnerte sie daran, dass ihre Welt gerade zusammengebrochen war. Der Wagen fuhr an, und sie wünschte sich, sie könnte immer weiterfahren. Nur weg von hier. Weg von den Reynauds. Als ob es einen Ort außer Reichweite dieser Familie gäbe, dachte sie bitter.

Aus alter Gewohnheit berührte sie das Armband an ihrem linken Handgelenk. Sie wollte das glatte Metall spüren, das Dempsey erhitzt und zu einem Geschenk zu ihrem zwölften Geburtstag geformt hatte. Dieses Schmuckstück besaß für sie sehr viel mehr Wert als all die ewig gleichen Diamantenarmbänder, die Dempsey als Abschiedsgeschenk zu verteilen pflegte. Vielleicht war es dumm von ihr, ihrer alten Freundschaft und den gemeinsam verbrachten Kindheitsjahren so viel Bedeutung beizumessen. Sie hatte damals immer gedacht, dass sie alles für ihn tun würde. Bis sein Leben sich so radikal geändert hatte.

Und auch er hatte sich verändert. Er hatte aufgehört, ihr Freund zu sein, und betrachtete sich offenbar als Herrscher über jeden Aspekt ihres Lebens. Doch er konnte ihr nicht ihre berufliche Laufbahn diktieren. Ganz zu schweigen von der Wahl ihres Verlobten. Das Lustige an der Sache war nur, dass es Zeiten in ihrem Leben gegeben hatte, da hätte sie alles dafür gegeben, ihn ihre Verlobung bekanntgeben zu hören. Doch ihre Schulmädchentage mit den törichten Hoffnungen waren unwiederbringlich vorbei. Sie war erwachsen geworden.

Nachdem damals die Limousine seines Vaters vorgefahren und Dempsey in die exklusive Welt der Reynauds gebracht hatte, war zwischen ihnen nichts mehr wie vorher gewesen. Manchmal hatte er noch nach ihr gesehen, wenn seine Familie gerade einmal in Louisiana weilte anstatt in irgendeinem ihrer anderen Wohnsitze rund um den Erdball. Doch damals schon wurde immer deutlicher, wie bewusst er sich der Erwartungen war, die seine neue Familie an ihn stellte. Erwartungen, nach denen es gewiss nicht erwünscht war, sich mit einem Mädchen aus seinem alten Viertel abzugeben.

Dempsey setzte alles daran, diesen Erwartungen gerecht zu werden. Er verstärkte seine Anstrengungen in der Schule und später im College Und als er in das entsprechende Alter kam, verabredete er sich mit Frauen aus den Kreisen, in denen er verkehrte, während Adelaide nur eine alte Freundin blieb.

Sie spähte durch die getönte Scheibe und stellte fest, dass Evan die falsche Richtung eingeschlagen hatte. Sie drückte den Lautsprecherknopf auf der Armatur vor ihr. „Evan?“, sagte sie laut, und als er nicht antwortete, räusperte sie sich vernehmlich. „Können Sie mich hören?“

„Ja, Miss Adelaide.“ Seine Stimme klang anders als zuvor. Verlegen?

Vielleicht wurde ihm klar, dass er einen Fehler gemacht hatte.

„Sie sind falsch gefahren“, sagte sie, als er den Wagen vor den Aufzügen an der Ostseite zum Stehen brachte.

Die Lifttüren öffneten sich, und Dempsey trat aus der Kabine, flankiert von zwei hünenhaften Bodyguards.

„Es tut mir leid, Miss. Anweisung des Chefs“, sagte Evan.

Natürlich war Evan kein Fehler unterlaufen. Er war hierhergefahren, um den Mann abzuholen, der alle Fäden in der Hand hielt. Und möglicherweise war er auch losgeschickt worden, um Adelaide aufzusammeln. Wie dem auch sein mochte, sie war aufs Kreuz gelegt worden. Ihr Fluchtplan war gescheitert, bevor sie ihren Wagen erreicht hatte.

Die Tür zum Treppenhaus öffnete sich, und ein Pulk von Reportern quoll heraus. Blitzlichter flammten auf, und Fragen wurden laut.

„Trainer Reynaud, gibt es schon einen Hochzeitstermin?“

„Glauben Sie, dass Ihre Ehe Auswirkungen auf das Team haben wird?“

„Wie lange sind Sie schon ein Paar?“

„Weiß Valentina von dieser Verlobung?“

Einer der Bodyguards schirmte Dempsey vor den Reportern ab, während der andere die Hintertür des Wagens öffnete, damit Dempsey einsteigen konnte. Er setzte sich neben Adelaide und schloss die Tür. Während der Wagen langsam anfuhr, rutschte Adelaide ans andere Ende der Rückbank.

„Hallo, Adelaide.“ Seine tiefe sonore Stimme jagte ihr wie so oft einen Schauer über den Rücken.

Es gefiel ihr überhaupt nicht, dass er eine solche Wirkung auf sie hatte. Schon gar nicht jetzt. Es war, als hätte er die gesamte Luft im Innenraum des Wagens verbraucht. Sie konnte kaum noch atmen. Schweigend beobachtete sie, wie er das Trikothemd mit dem Hurricane-Emblem über den Kopf zog und zur Seite warf. Darunter trug er zu seinen schwarzen Jeans nur noch ein enges weißes T-Shirt. Er sah aus wie ein sexy Auftragskiller.

Ein Auftragskiller, der ihr Geschäft im Visier hatte. Und ihre Zukunft. Nur aufgrund seiner eigenen egoistischen Ziele.

„Kannst du Evan bitte daran erinnern, dass mein Auto auf Deck C steht?“ Sie betrachtete ihn von der Seite und ermahnte sich selbst, nicht zu emotional zu werden. Sie durfte ihrem Ärger jetzt nicht Luft machen, so gern sie das auch wollte.

Seit Jahren sah sie ihn in Aktion. Sie kannte ihn gut genug, um zu wissen, dass niemand ihm standhalten konnte, der seine Gefühle nicht unter Kontrolle hatte.

„Es ist bestimmt nicht klug, wütend Auto zu fahren“, sagte er langsam und legte den Arm auf die Rückenlehne.

Er berührte sie fast. Aber nur fast.

Nicht so wie vor der Pressekonferenz in dem leeren Büro, als sie sich zwischen ihn und die Tür geschoben hatte. Als sie seine warme Hand auf ihrer Hüfte gespürt hatte. Sie erinnerte sich daran, wie sie seinen Oberkörper gestreift hatte und ihr Herz einen Schlag aussetzte. Sie schluckte trocken und versuchte, die Gedanken an die Anziehungskraft zu verdrängen, die er auf sie ausübte. Dass sie sich zu ihm hingezogen fühlte, war ebenso unvernünftig wie gefährlich, denn er erwiderte ihre Gefühle nicht. Das wusste sie ganz genau.

„Es ist bestimmt nicht klug, die Frau zu entführen, mit der du dich verabredest“, gab sie bissig zurück.

„Wir verabreden uns nicht. Wir sind verlobt“, sagte er kategorisch. „Ich schicke nachher jemanden, der dein Auto abholt. Fürs Erste ist es sicherer, wenn wir zusammenbleiben.“

„Sicherer? Inwiefern?“ Sie unterdrückte den Impuls, von ihm abzurücken. Keinesfalls wollte sie, dass er bemerkte, wie sehr seine Nähe sie verwirrte. „Und wer hat dich zum Herrscher über mein Leben gemacht? Sorg gefälligst dafür, dass Evan den verdammten Wagen wendet.“

„Ich glaube nicht, dass einer von uns beiden gerade jetzt einen Feuersturm um die Mannschaft entfachen will“, erwiderte er.

„Ach, tatsächlich?“, fragte sie ironisch. „Vermutlich hast du deshalb die Verlobung während der Pressekonferenz bekanntgegeben. Da konntest du sicher sein, dass ich dir nicht widersprechen würde.“ Sie ballte die Fäuste und zwang sich zur Ruhe, als Evan den Wagen nach Westen in den Feierabendverkehr einfädelte. Sie wohnte in der entgegengesetzten Richtung.

Sie musste nicht fragen, wohin sie fuhren. Zum Anwesen der Reynauds, daran bestand kein Zweifel.

„Du denkst bestimmt, dass ich das nur für mich getan habe. Und für das Team. Aber ich habe es genauso um deinetwillen getan.“ Seine goldbrauen Augen ruhten auf ihr, obwohl die Monitore über ihren Köpfen zum Leben erwacht waren und Sportübertragungen zeigten. Doch Dempseys ungeteilte Aufmerksamkeit galt nach wie vor Adelaide statt den neuesten Footballergebnissen.

„Wir sind zu lange befreundet, als dass du mir solchen Mist auftischen solltest“, sagte sie und verschränkte die Arme vor der Brust. „Könnten wir wenigstens ehrlich zueinander sein?“

„Ich bin ehrlich zu dir.“ Er rückte näher an sie heran. „Adelaide, ich will dich doch nur nicht scheitern sehen. Und ich verspreche dir, wenn du noch eine Saison mit mir durchstehst, dann sorge ich dafür, dass dein Geschäft ein voller Erfolg wird. Ich lasse meine sämtlichen Beziehungen spielen, um das zu garantieren.“

Das war ein großes Versprechen. Mehr wert als alle Diamantarmbänder, die er unter die Damenwelt brachte.

„Aber ich will keine Firma, die nur ein Ableger des Reynaud-Imperiums ist. Ich möchte es aus eigener Kraft schaffen“, wandte Adelaide ein. Früher hätte er das verstanden. „Erinnerst du dich noch an das Bedürfnis, etwas zu erschaffen, das nur dir allein gehört?“

Bevor er antworten konnte, klingelte sein Telefon. Entschuldigend hob er die Hand, um ihr zu bedeuten, dass er das Gespräch annehmen musste.

„Reynaud“, meldete er sich.

Sie versuchte, ihn völlig auszublenden. Trotzdem schäumte sie vor Wut. Genau deshalb musste sie gehen. Sie sah ein, dass er achtzehn Stunden am Tag arbeitete und seine Aufgaben sehr ernst nahm. Aber er gab schon seit Jahren nicht einmal mehr vor, sich Zeit für die Freundschaft zu nehmen, die sie beide einmal verbunden hatte. Er behandelte sie wie seine Assistentin und nicht wie die Frau, die in alle seine Geheimnisse eingeweiht war. Sie hatte das alles gründlich satt. Seine Welt, in der er niemals für einen Moment pausieren konnte, machte sie krank. Ihr Gespräch war wichtig für sie beide. Dennoch unterbrach er es wegen eines verdammten Anrufs.

Als Dempsey endlich auflegte, konnte sie kaum noch an sich halten.

Genug war genug.

Nachdem er ein Problem mit einem Geschäftspartner in Singapur gelöst hatte, legte Dempsey das Telefon beiseite. Hoffentlich hatte sich Adelaides Zorn in der Zwischenzeit gelegt. Vielleicht war sie jetzt in der Lage, auch seinen Standpunkt zu akzeptieren. Mit ihrer Kündigung hatte sie ihn wirklich kalt erwischt.

Was hätte er sonst tun sollen angesichts ihrer Starrköpfigkeit? Die vorgetäuschte Verlobung war nichts anderes als ein Gegenzug. Er versuchte zu retten, was zu retten war.

„Adelaide“, begann er und hielt inne, als sie ihn zornig anfunkelte.

„Wie nett von dir, dich an unser Gespräch zu erinnern. Brauchst du ein Stichwort bezüglich des Themas?“ Sie streckte einen Finger aus. „Erstens diese lächerliche Verlobung.“ Ein zweiter Finger folgte. „Zweitens hast du Evan veranlasst, mir aufzulauern und zu verhindern, dass ich das Stadion verlasse.“ Ein dritter Finger kam hinzu. „Und drittens dein Unvermögen, meinen Wunsch nach einer eigenen Firma nachzuvollziehen. Ohne die allmächtige Familie Reynaud im Rücken …“

„Wie kommst ausgerechnet du darauf, ich würde nicht verstehen, dass du etwas aus eigener Kraft erschaffen willst?“, unterbrach er sie aufgebracht. „Du weißt doch genau, warum ich die Laufbahn als Trainer eingeschlagen habe. Und du weißt auch, wie viel es mir bedeuten würde, die Meisterschaft für diese Stadt zu gewinnen.“

Er erinnerte sich nur allzu gut an gemeinsame Heimfahrten. Nicht in einem komfortablen Geländewagen, sondern in einem überfüllten Schulbus, in dem die stärksten Kinder die kleineren drangsalierten. Viele der Kinder waren Mitglieder von Straßengangs, und Gewalt schien die einzige Sprache zu sein, die sie verstanden. Deshalb war ihm der Erfolg der Hurricanes so wichtig. Er wollte diesen Kindern etwas Positives geben, mit dem sie sich identifizieren konnten. Sie sollten die Farben der Mannschaft tragen und nicht die ihrer Straßenbande. Aus diesem Grund hatte er auch die Stiftung ins Leben gerufen.

Adelaide sah ihn nur mit versteinerter Miene an und schwieg. Er hatte keine Ahnung, was in ihr vorgehen mochte. Irgendwann im Lauf der Jahre hatte er die Fähigkeit verloren, ihre Gedanken zu erahnen. Sein Blick fiel auf ihren Mund, und er fragte sich unwillkürlich, wie es wohl sein würde, sie zu küssen. Bis zu dem spannungsgeladenen Moment vor der Pressekonferenz in dem leeren Büro hatte er sich nie gestattet, sie auf diese Weise zu betrachten, um ihre langjährige Freundschaft zu schützen. Aber dort war etwas mit ihnen geschehen. Er hatte ein fast übermächtiges Verlangen nach ihr verspürt und fragte sich, ob er sie jemals wieder nur als gute Freundin sehen konnte. Das war verwirrend. Er war viel zu sehr daran gewöhnt, sich völlig auf sie verlassen, um das durch eine Affäre mit unerfreulichem Ende aufs Spiel zu setzen.

Das unerfreuliche Ende einer Affäre zwischen ihnen wäre vorprogrammiert. Adelaide gehörte nicht zu den Frauen, die Beziehungen auf die leichte Schulter nehmen. Und er selbst führte nur Beziehungen, deren Verfallsdatum von vorneherein feststand.

Er verdrängte diese Gedanken und versuchte, sich wieder auf das Gespräch zu konzentrieren. „Ich besitze Anteile an Unternehmen rund um den Erdball und habe etliche wichtige Positionen inne. Aber all das bedeutet mir wenig, weil ich es nicht selbst erarbeitet habe. Mit dem Job als Trainer ist es anders. Ich habe meine Stellung in der Liga durch eigene Anstrengungen erreicht. Und habe den Hurricanes meinen Stempel aufgedrückt und dadurch auch dieser Stadt. Jetzt fehlt nur noch die Meisterschaft als krönender Abschluss.“

Er wandte den Blick von ihr ab, denn er ertappte sich schon wieder bei dem Wunsch, sie zu küssen.

„Du hast recht.“ Sie beugte sich vor und legte kurz eine Hand auf seinen Arm. Dempsey lief ein Schauer über den Rücken. „Ich bin wütend wegen … vieler Dinge. Aber du kannst stolz darauf sein, was du mit dem Team und der Stiftung erreicht hast.“

„Ich verstehe deine Wut. Lass uns einen Plan machen, wie wir das beide am bestehen überstehen. Du willst deine eigene Firma gründen. So weit, so gut. Warte, bis die Saison vorbei ist, dann helfe ich dir bei der Finanzierung. Ich kann dir wesentlich bessere Konditionen anbieten als die Bank.“

Adelaide warf einen Blick aus dem Fenster. Sie hatten den Pontchartrain-See erreicht, und der Vollmond spiegelte sich auf der Wasseroberfläche. „Das ist sehr großzügig von dir. Aber ich kann keine ganze Saison mehr bleiben. Ich habe meine ersten Modelle im Internet ausgestellt und bereits Interessenten. Die darf ich nicht zu lange warten lassen.“

Diesen Meilenstein hatte er verpasst. Auch wenn sie vorerst noch sehr kleine Brötchen backte, so war es doch immerhin ein Anfang. Das bewunderte er. Sie verkaufte ihre Ware, noch bevor sie sie produziert hatte. Sie war klug und vorausschauend. Zwei Gründe mehr, weshalb er nicht auf sie verzichten konnte.

„Ich gratuliere dir, Addy. Das wusste ich nicht. Gib mir vier Wochen.“ Er war nicht bereit, in dieser Sache Kompromisse einzugehen. Er würde die vier Wochen darauf verwenden, sie zum Bleiben zu bewegen und ihr zu zeigen, dass sie einen festen Platz im Team hatte. „Der Handel gilt. Ich helfe dir mit dem Startkapital, und du behältst die volle Kontrolle. Dafür bleibst du noch vier Wochen, um alles für die Saison zu regeln.“

„Was ist mit der Verlobung? Was soll nächsten Monat aus dieser Farce werden?“

„Du kannst die Verlobung lösen. Aus welchem Grund auch immer. Tu, was du für richtig hältst.“ Er vertraute auf ihre Fairness. Wenn die Zeit kam, die Verlobung zu lösen, würde sie alles daran setzen, einen Skandal zu vermeiden. Ganz im Gegensatz zu Valentina.

„Und bis dahin? Was wird deine Familie von diesen unverhofften Neuigkeiten halten? Sagst du wenigstens deinen Leuten die Wahrheit, damit wir keine Komödie spielen müssen?“ Sie biss sich auf die Lippe, als sie durch das große Tor auf das Seegrundstück der Familie fuhren.

Sie fühlte sich hier immer unbehaglich. Seit sie das Anwesen zum ersten Mal anlässlich Dempseys Schulabschlussfeier betreten hatte. Sie erinnerte sich daran, dass sie damals die meiste Zeit damit verbracht hatte, am Seeufer nach Muscheln und Steinen zu suchen.

Der Wagen passierte das imposante Gebäude mit seinen gewaltigen griechischen Säulen, in dem Dempsey seine Jugendjahre verbracht hatte. Jetzt wohnte dort nur noch sein älterer Bruder Gervais. Seine Brüder Henri und Jean-Pierre teilten sich ein Haus am nordwestlichen Ende des Sees, das zurzeit jedoch leer stand. Jean-Pierre spielte für das Footballteam von New York, und Henri und seine Frau wohnten die meiste Zeit in ihrem Haus im Garden District von New Orleans.

Dempseys Haus war wesentlich kleiner als der Familiensitz. Dennoch hatte es in Anlehnung an das Hauptgebäude ebenfalls vier Säulen und auf der Rückseite eine Galerie mit Blick auf den See.

Evan parkte den Wagen vor dem Haus, aber Dempsey machte keine Anstalten auszusteigen.

„Meine Familie muss gar keine Einzelheiten über unsere Vereinbarung erfahren.“ Er nahm ihre Hand, um sie zu beruhigen, denn er wusste, wie genau sie es mit der Wahrheit nahm. „Es ist leichter, wenn wir das alles für uns behalten.“

Sie drückte seine Hand fast automatisch. Es war wie ein Reflex. Als ob sie noch Freunde wären. Und trotzdem schien seine Haut unter ihrer Berührung zu prickeln. Was immer dort im Stadion zwischen ihnen passiert war, ging offensichtlich nicht so einfach vorbei.

„Deine Familie wird uns die Verlobung nicht abkaufen.“ Sie schüttelte den Kopf. „Wir waren zu lange nur befreundet, um plötzlich … solche Gefühle zu haben.“

Sie entzog ihm ihre Hand. Entweder hatte er sämtliche Signale falsch gedeutet, oder sie hatten beide bereits heute „solche Gefühlefüreinander. War es das erste Mal, dass sie so empfand, oder hatte sie schon in der Vergangenheit auf romantische Weise an ihn gedacht?

Das hätte er zu gern gewusst.

„Es geht niemanden etwas an.“ Er scherte sich nicht darum, was seine Familie über ihn dachte. Seine Brüder waren ohnehin viel zu sehr mit ihrem eigenen Leben beschäftigt, um sich um Dempsey zu kümmern. Abgesehen von seiner Tätigkeit als Trainer für die Hurricanes. Und er hatte sich an die Rolle des schwarzen Schafs gewöhnt, seit sein Vater mit ihm als Dreizehnjährigen im Schlepptau auf dem Familiensitz aufgekreuzt war. „Die Verlobung ist wichtig, weil Valentina gedroht hat, Ärger zu machen. Ich will nicht, dass ein Schatten auf die Benefizaktion fällt. Unsere Verlobung macht ihre Pläne zunichte, denn niemand wird dem, was sie erzählen mag, jetzt noch große Beachtung schenken.“

„Ah, ich verstehe. Wie passend.“ Adelaide kramte in ihrer Handtasche, bis sie eine Tube Lippenbalsam gefunden hatte. Sie drehte die Verschlusskappe auf und trug die farblose Substanz auf, bis ihre Lippen glänzten. Er war unfähig, den Blick abzuwenden, und versuchte, sich an ihre letzten Worte zu erinnern.

„Stimmt. Und es ist praktisch“, sagte er, als es ihm wieder eingefallen war. „Die Verlobung bindet dich erst mal an mich und hält Valentina davon ab, die Stiftung zu sabotieren. Wir haben beide hart dafür gearbeitet, und die Sache ist zu wichtig, als dass wir zulassen könnten, sie durch so einen Unsinn zu gefährden.“

„Also, ich finde es weder passend noch praktisch. Ich bin keine Schauspielerin. Ich kann deine Familie nicht glauben machen, wir seien verlobt. In all den Jahren hat keiner deiner Verwandten auch nur zur Kenntnis genommen, dass wir befreundet sind.“

„Das werden wir schon hinbekommen.“

„Wenn du glaubst, ich laufe in aufreizenden Kleidern in deinem Haus herum, werfe das Haar zurück und bedenke dich mit verführerischen Augenaufschlägen, damit jeder denkt, ich sei die Art von Frau, die deine Aufmerksamkeit …“

„Glaubst du wirklich, dass es das ist, was mir an einer Frau auffällt?“, unterbrach er sie. Er konnte nicht sagen, ob er über diese Vorstellung amüsiert war oder ob es ihn störte, dass sie ihn für so oberflächlich hielt.

Ihr Blick sprach Bände.

„Willst du mich mit dieser Behauptung beleidigen?“, fragte er ärgerlich. Ihre Worte hatten ihn verletzt. Und das irritierte ihn ebenfalls.

Er verspürte das dringende Bedürfnis, ihr zu beweisen, wie falsch sie damit lag. Er war kein oberflächlicher Mensch. Es lag nur nicht in seiner Absicht, bei den Frauen, mit denen er sich verabredete, falsche Hoffnungen zu wecken.

„Nein, das will ich ganz und gar nicht.“ Sie biss sich auf die Unterlippe. „Ich stelle nur Tatsachen fest. Was deinen Umgang mit Frauen betrifft. Ich werde nicht die einzige sein, die deine Heiratsabsichten absolut unglaubwürdig findet.“

Sie öffnete die Wagentür, um das Gespräch zu beenden.

Er umfasste ihr Schultern, um sie am Aussteigen zu hindern. „Niemand wird bezweifeln, dass du meine volle Aufmerksamkeit hast.“ Der Innenraum des Wagens schien plötzlich zu schrumpfen. Er bemerkte, dass sie völlig regungslos verharrte. „Das ist nämlich sehr glaubwürdig.“

Sie schluckte trocken.

„Glaubst du mir, Adelaide?“ Er wollte es sie sagen hören. Vielleicht deshalb, weil es lange her war, dass jemand seine Worte in Zweifel gezogen hatte. „Oder soll ich es dir beweisen?“

Sie suchte seinen Blick. Ihre Lippen öffneten sich. Glaubte sie ihm nicht? Oder dachte sie, dass ein Kuss das Ende aller Zweifel bedeuten würde?

„Ja, das tue ich“, erwiderte sie leise und wandte den Blick ab.

Er hatte keine andere Wahl, als sie loszulassen. Er hatte die Auseinandersetzung gewonnen, und er hätte erleichtert sein müssen. Doch als sie ausstieg und auf das Haus zuging, verspürte er nichts als Enttäuschung, dass sie so schnell aufgegeben hatte.

Denn er war mehr als bereit dazu, ihr zu beweisen, dass sie eine ungeheure Anziehungskraft auf ihn ausübte.

3. KAPITEL

An diesem Tag fühlte sich für Adelaide alles seltsam an. Mit ihrem abgebrochenen Absatz hinkte sie hinter Dempsey her auf die ausladende Veranda seines Hauses.

Er hatte das Haus bauen lassen, als er seinen Job als Trainer in New Orleans antrat. Doch es war erst im letzten Frühling endgültig fertig geworden. Als ob das Anwesen der Reynauds nicht schon imposant genug wäre, spiegelte Dempseys Heim die Architektur des neoklassizistischen Hauptgebäudes wider, in dem er seine Jugend verbracht hatte. Es war fast ebenso beeindruckend wie die historische Residenz seines Bruders Gervais, die vor zweihundert Jahren auf dem höchsten Hügel des weitläufigen Grundstücks errichtet worden war. Selbst von hier aus konnte Adelaide den hohen Schornstein des von alten Eichen umstandenen Hauptgebäudes sehen. Der über Generationen vererbte Reichtum, den das Anwesen ausstrahlte, war einer der vielen Gründe, weshalb sie sich hier immer fehl am Platz fühlte.

Heute gab es einen weiteren Grund für ihr Unbehagen. Ihr Herzschlag beschleunigte sich, wenn sie an das Gespräch mit ihm im Wagen dachte. Sie war kaum noch in der Lage, ihr übliches sachliches und professionelles Auftreten aufrechtzuerhalten. Was hatte Dempsey sich nur dabei gedacht, seine Aufmerksamkeit für sie in so erotische Bahnen zu lenken? Ihr Atem stockte, und sie konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen, als er sie mit seinen starken Armen festgehalten hatte. Sein Gesicht war nur wenige Zentimeter von ihrem entfernt gewesen. Es war ihr nicht in den Sinn gekommen zu hinterfragen, warum sie diese verrückte Scharade mit der Verlobung für seine Familie spielen sollten.

Auf der Schwelle zur Eingangstür streifte sie die Schuhe ab und ging barfuß ins Haus. Sobald sie sich wieder gefasst hatte, würde sie Dempsey zur Vernunft bringen und dann verschwinden. Sie wollte immer noch einen sauberen Schnitt, doch er hatte die Voraussetzungen so radikal geändert, dass sie jetzt nicht mehr wusste, was von der ganzen Sache zu halten war. Wie sollte sie jetzt weitermachen? Sie brauchte Zeit, um darüber nachzudenken. Und zwar in Ruhe. Ohne die fatalen Auswirkungen, die seine Nähe auf sie hatte.

„Du erinnerst dich vielleicht an die Baupläne, die ich dir gezeigt habe. Es gibt zwei Gästezimmer. Eins im Erdgeschoss und eins in der ersten Etage.“ Er führte sie durch das geräumige Foyer an einer elegant geschwungenen Treppe vorbei. „Beide haben auch ein Bad. Ich kann Evan zu dir nach Hause schicken, damit er ein paar Sachen für dich packen kann, wenn er dein Auto holt.“

Sie machten Halt in der großen Küche im hinteren Teil des Hauses. Eine zweiflügelige Schwingtür verband den Raum mit dem angrenzenden Esszimmer, dessen Panoramafenster einen atemberaubenden Blick auf den See bot. Eine weitere Schwingtür führte in das Wohnzimmer. Die Räumlichkeiten wirkten behaglich und einladend, doch sie bezweifelte, dass Dempsey oft Gäste hatte. Sie selbst war jedenfalls noch nie Gast auf einer Party in seinem Haus gewesen, obwohl sie nicht wenige der Einrichtungsgegenstände ausgewählt und öfter mit den Architekten gesprochen hatte als Dempsey.

Aber um fair zu sein, musste sie ihm zugestehen, dass er meistens beruflich unterwegs oder in seinem Büro war. Wahrscheinlich verbrachte er selbst nicht viel Zeit in seinem Haus.

„Es ist wirklich schön hier“, sagte sie. „Du musst sehr zufrieden mit dem Ergebnis sein. Ich habe das Haus ja bisher nur auf den Bauplänen gesehen. Die Wirklichkeit ist überwältigend.“

Sie schüttelte ungläubig den Kopf, als sie die stuckverzierten Decken mit den Kronleuchtern wahrnahm. Die Leuchter mussten entweder antik oder aber von einem Meister seines Handwerks gefertigt sein. In der Küche gab es einen rustikalen offenen Kamin, der aus Naturstein gemauert war. Die Feuerstelle im Wohnzimmer wies dagegen eine Stuckverzierung auf, die in ihrem Blumenmuster zur Decke passte.

„Danke. Ich verbringe leider nicht viel Zeit hier, aber es gefällt mir auch. Soll ich uns etwas zu essen bestellen? Dann können wir einen Plan für die nächsten Wochen aushecken, während wir uns die Bäuche vollschlagen.“

Er nahm sein Telefon, das er auf die marmorne Arbeitsplatte der Kücheninsel gelegt hatte. Adelaide erinnerte sich daran, wie sie diese Kücheninsel ausgewählt und bestellt hatte.

„Das ist nicht nötig. Aber danke für das Angebot.“ Sie war nicht in der Stimmung für eine ausgiebige Mahlzeit. Ihr gesamter Körper schien zu vibrieren. Sie befand sich noch immer in diesem merkwürdigen Erregungszustand, den seine Berührung vorhin im Wagen ausgelöst hatte.

„Gervais hat einen Koch engagiert, weil Erika Zwillinge erwartet.“ Dempsey deutete mit einer Hand in die Richtung, in der das Hauptgebäude lag. Außer Gervais lebte dort seine zukünftige Frau, eine wunderschöne ausländische Prinzessin, die ausgezeichnet in die Familie passte. „Es macht keine Umstände, uns etwas kommen zu lassen.“

„Ich bin zu nervös, um zu essen.“ Adelaide zuckte mit den Schultern. „Aber ein Tee wäre nicht schlecht.“ Sie hielt Ausschau nach einem Wasserkessel oder Ähnlichem, konnte aber keinen entdecken.

„Tee“, wiederholte er kopfschüttelnd und tippte etwas in sein Handy. „Evan bringt uns in einer halben Stunde das Abendessen. Inzwischen zeige ich dir die Zimmer. Du kannst dir eins aussuchen. Es ist sicherer, wenn du hier bleibst. Vor allem wegen der Presse. Die Sicherheitsvorkehrungen auf diesem Anwesen lassen nichts zu wünschen übrig.“

Sich ein Schlafzimmer in Dempseys Haus aussuchen, gehörte zu den letzten Dingen, die sie erstrebenswert fand. Besonders deshalb nicht, weil ihr Puls in seiner Gegenwart so dermaßen raste. Ihren Körper schien es nicht zu interessieren, dass sie wütend auf ihn war. Ein entscheidender Teil ihrer Beziehung hatte sich heute geändert. Sie hatten eine Grenze überschritten, vor der sie sich sicher gewähnt hatte. Und jetzt fühlte sie sich schutzlos und ausgeliefert.

Er geleitete sie durch das Wohnzimmer in den westlichen Flügel des Hauses und öffnete die Tür zu einem großzügig geschnittenen Schlafzimmer, dessen Wände und Teppiche in Blau- und Grautönen gehalten waren. Auf dem breiten Bett lag eine blütenweiße Tagesdecke, und vor dem offenen Kamin aus Granitstein stand ein weißes Sofa.

Das Bad am anderen Ende des Raumes war mit einer gigantischen gemauerten Badewanne, grauen Schränken und Ablagen aus weißem Marmor ausgestattet.

„Es wundert mich, dass dies hier nicht dein Schlafzimmer ist“, bemerkte sie. „Ich dachte, du hättest diese Badewanne für dich ausgesucht.“ Sie trat einen Schritt vor, um den Raum besser sehen zu können. Sie stand ganz nah bei Dempsey. Wenn sie sich noch ein wenig vorbeugen würde, hätte sie den Kopf an seine Schulter legen können.

Und für ihren ohnehin schon beschleunigten Pulsschlag war es nicht gerade förderlich, dass sie sich Dempsey in der Wanne vorstellte. Mit perlenden Wassertropfen auf der nackten Haut.

„In der oberen Etage ist die Aussicht schöner“, erwiderte er und drehte sich zu ihr um. Rasch machte sie einen Schritt zurück. „Ich zeige dir das Gästequartier neben meinem Schlafzimmer.“

„Nein. Ich meine … das ist nicht nötig.“ Keinesfalls würde sie das Zimmer neben seinem nehmen. Es würde schon schwer genug sein, in seinem Haus überhaupt ein Auge zuzumachen. „Ich kann heute Nacht hier schlafen.“

Mehr als eine Nacht wollte sie hier nicht verbringen. Das war schon schlimm genug, aber es gab zu viel zu besprechen, um sofort zu verschwinden.

„Bist du sicher, dass du hier unten schlafen willst?“, fragte er und runzelte die Stirn. Wenn sie unterwegs waren, nahm sie immer das Hotelzimmer neben seinem. Als Kind hatte sie einmal erleben müssen, wie in ihr Haus eingebrochen wurde. Deshalb hatte sie nachts manchmal Angst.

„Ja, das geht schon. Die Sicherheitsvorkehrungen hier lassen nichts zu wünschen übrig. Deine Worte, erinnerst du dich?“ Doch sie wusste, dass sie nicht gut schlafen würde. Allerdings aus anderen Gründen als damals während des Einbruchs, als sie eine halbe Stunde zitternd unter ihrem Bett verbracht hatte, bis die Einbrecher endlich verschwunden waren. „Sagtest du nicht, wir müssen noch über einen Plan für die nächsten Wochen sprechen? Ich denke, wir schlafen beide besser, wenn wir das geklärt haben. Sobald der Plan steht, sage ich Gute Nacht und lasse dich in Ruhe die Aufzeichnung des heutigen Spiels sehen.“

Sie kannte seine Gewohnheiten gut. Nach einem Spiel pflegte er die Aufzeichnung zu analysieren und sich Notizen für die nächste Teambesprechung zu machen.

„Komm zuerst noch kurz mit nach oben“, bat er, schaltete das Licht aus und führte sie zu der Treppe im Foyer. „Ich möchte dir meinen Lieblingsplatz zeigen.“

Etwas in seiner Stimme und seinen Augen erweckte ihre Neugier. Ein gewisser Übermut, den sie von früher an ihm kannte. Es war schön, etwas aus Kindertagen an ihm zu entdecken. Das konnte sie jetzt gut gebrauchen, denn es lenkte sie von seiner fatalen Anziehungskraft ab. Also folgte sie ihm die hölzernen Stufen hinauf.

Er hatte einen weiten Weg zurückgelegt von dem schäbigen Apartment seiner Kindheit bis in dieses luxuriöse Haus. Seine Mutter war eine lebenslustige Schönheit gewesen, und Dempsey musste sich gegen den nicht enden wollenden Strom ihrer Liebhaber behaupten, von denen einer schlimmer war als der andere. Seinen Vater hatte sie in der Bar kennengelernt, in der sie als Kellnerin arbeitete. Dempsey war das Ergebnis einer einzigen gemeinsam verbrachten Nacht. Sie hatte den vollen Namen ihres flüchtigen Liebhabers nicht erfahren und las nicht oft genug Zeitung, um Theo Reynaud zu erkennen. Aber als sie ihn nach über zehn Jahren im Fernsehen sah, erinnerte sie sich an die Nacht mit ihm und stellte Kontakt zu ihm her.

Adelaide war völlig überrascht gewesen, als sein Vater auftauchte und seinen Sohn für sich beanspruchte. Obwohl sie immer geahnt hatte, dass er etwas Besonderes war. Oft hatte sie sich als kleines Mädchen ausgemalt, er wäre ein Prinz, den das Schicksal in das ärmliche Viertel verschlagen hatte. Er hatte eine bestimmte Großherzigkeit an sich, die auch noch in den widrigsten Umständen zum Vorschein kam.

Doch sie war auch davon überzeugt, dass sie selbst zu etwas Besserem bestimmt war und den Straßen ihrer Kindheit für immer den Rücken kehren würde. Sie war fest entschlossen, dafür zu sorgen, und zwar durch harte Arbeit und Talent. Nicht durch die Macht und den Reichtum der Familie Reynaud.

„Hier durch“, sagte er und winkte sie durch die Tür zu einem weiteren Raum.

Sie hatte den Grundriss vage im Kopf, aber sie erinnerte sich nicht an das Wohnzimmer, in das er sie nun brachte. Aber anscheinend war es nicht dieser Raum, den er ihr zeigen wollte, denn er öffnete die Tür zur Galerie. Mondlicht flutete herein, und sie trat nach draußen. Die Galerie hatte einen hölzernen Boden, und als Dempsey die Außenbeleuchtung einschaltete, erblickte sie eine Feuerstelle an der Außenmauer des Hauses. Davor standen bequeme Gartenmöbel, aber er führte sie daran vorbei zum Geländer der Galerie. Dort hielt er an. Vor ihnen breitete sich der im Mondlicht glitzernde See aus, und die Bäume am Ufer rauschten sanft in der nächtlichen Brise.

„Ich habe nicht viel Zeit hier verbracht, aber die Galerie ist mein absoluter Lieblingsplatz“, sagte er leise, stützte die Arme auf das Geländer und schaute auf das Wasser hinaus.

„Wenn dies mein Haus wäre, würde ich für immer hier stehen bleiben“, sagte sie und folgte seinem Blick.

Es war eine spektakuläre Aussicht. In der Ferne die Lichter der Stadt, hell erleuchtete Schiffe auf dem See, Bootstege, die wie Finger vom Ufer ins Wasser zeigten, und die endlos lange Doppelbrücke, die sich über den gesamten See spannte.

„Ich wünschte, ich könnte öfter hier sein.“ Er wandte sich zu ihr um. Seine Miene war im Mondlicht schwer zu deuten. „Aber es würde mich ebenso freuen, wenn jemand anders das hier genießen kann. Zieh für die nächsten Wochen bei mir ein, Adelaide.“

Dempsey schätzte es nicht sonderlich, wenn er mitten in einer heiklen Diskussion unterbrochen wurde. Aber diesmal rettete ihn Evans Anruf vermutlich vor einer weiteren Zurückweisung durch Adelaide. Evan verkündete, dass das Abendessen fertig war, und verschaffte ihm etwas mehr Zeit, um sie von seinem Vorhaben zu überzeugen.

Sie nahmen das Abendessen im Wohnzimmer in der ersten Etage ein und sahen sich dabei eine Sportsendung an. Es gab weißen Spargel mit Lachs, und Dempsey griff immer wieder nach dem Streugefäß mit dem Cayennepfeffer, um etwas mehr Geschmack an das ziemlich milde Gericht zu bringen. Mochte seine Mutter auch eine liederliche Person gewesen sein, sie konnte unerhört gut kochen. Er war mit der würzigen landesüblichen Cajunküche aufgewachsen und mochte es gern etwas schärfer.

„Kaum zu glauben, dass Gervais’ Koch dir solche Mahlzeiten zubereitet“, sagte Adelaide und nahm sich noch etwas Spargel. Sie hatte ihren Appetit wiedergefunden, als sie sah, was ihnen als Gruß aus dem Haupthaus aufgetischt wurde. „Ein Grund mehr, weshalb ich nicht hier leben könnte. Ich würde im Nu zwei Tonnen wiegen, wenn solche Köstlichkeiten nur einen Anruf weit entfernt wären. Kein Vergleich zu meinem Pizzaservice.“

„Ich glaube, mit Spargel bist du hinsichtlich deiner Figur auf der sicheren Seite.“ Er fand schon immer, dass sie zu wenig aß. Besonders im Hinblick darauf, welche Mengen er und seine Spieler vertilgten, wenn sie voll im Training standen.

Seine Absicht war es, während des Essens für eine entspannte und freundliche Atmosphäre zu sorgen. Keine Spielchen mit der sexuellen Spannung, die in der Luft lag. Auch wenn es noch so verlockend war. Schließlich sollte Adelaide seinen Plänen ja zustimmen und nicht die Flucht vor ihm ergreifen. Also blieb der Deckel der Erotik geschlossen.

Zumindest vorerst.

Wenn sie bei ihm einzog, würde er mehr Zeit hier verbringen. Er wollte sie die nächsten Wochen genau im Auge behalten, ihre Freundschaft erneuern und wieder lernen, wie sie tickte. In den letzten Jahren hatte er ihre Freundschaft für selbstverständlich genommen, und das bereute er jetzt. Aber es war zu spät für Reparaturmaßnahmen. Sie konnten nicht wieder dort anknüpfen, wo sie einmal aufgehört hatten.

„Du verstehst das nicht“, widersprach sie und deutete mit der Gabel auf ihn. Sie trug eines seiner alten Hurricanes-Trikots, das ihr mindestens sechs Nummern zu groß war. Das dunkle Haar hatte sie zu einem Knoten gedreht und mit ein paar Stiften von seinem Schreibtisch fixiert. „Ich habe in die Schüssel mit dem Dessert geschaut, während du ein Hemd für mich gesucht hast. Und ich habe allein vom Hingucken zehn Pfund zugenommen. Da drin ist eine Crème brûlée, die ist himmlisch.“

„Das weißt du nur vom Anschauen?“, fragte er und hob skeptisch die Augenbrauen. Er wusste, wie sehr sie Süßes mochte. Als sie noch Kinder waren, hatte er ihr immer den Schokoriegel geschenkt, den er jedes Jahr im Juni von der Schule als Belohnung für gute Noten bekam. Jetzt, da er in der Lage war, ihr eine belgische Schokoladenfabrik zu kaufen, konnte er sich nicht einmal daran erinnern, wann er ihr zum letzten Mal Süßigkeiten geschenkt hatte.

„Vielleicht habe ich ja ein bisschen genascht“, erwiderte sie mit einem verschwörerischen Lächeln. Dann, als ob ihr plötzlich einfiel, mit wem sie redete, verschwand das Lächeln. „Dempsey, ich kann nicht hierbleiben.“

„Du kannst nicht, oder du willst nicht?“

„Ich sagte doch schon, dass ich vor deiner Familie nicht vortäuschen will, wir wären verlobt. Und wenn ich bleibe, lässt sich das kaum vermeiden.“ Sie brach ab und deutete auf den Bildschirm, auf dem ein sensationeller Ballfang durch einen Spieler, gegen dessen Mannschaft die Hurricanes nächsten Sonntag antreten würden, zu sehen war. Es handelte sich um ein Spiel, von dem er schon im Umkleideraum seines Teams gehört hatte.

Nicht zum ersten Mal und doch aufs Neue erstaunt stellte er fest, wie nahtlos Adelaide in seine Welt passte. Ihr musste er nichts erklären, und sie zogen immer am selben Strang.

Jedenfalls bis heute.

„Ich habe schon davon gehört“, sagte er und nickte ihr anerkennend zu. „Wir müssen diesen Jungen unbedingt im Auge behalten.“ Er schob seinen leeren Teller beiseite und beugte sich vor. „Du solltest dir keine Gedanken um meine Familie machen. Ich werde mehr Zeit hier verbringen und derjenige sein, der neugierige Fragen beantworten muss.“

„Kannst du dir das überhaupt erlauben? Ich weiß doch, wie oft du im Trainingslager übernachtest.“

„Du bist mir wichtig. Ich werde es schon einrichten.“

Das überraschte sie, sehr sogar. Er konnte es in ihren Augen lesen. Zum ersten Mal erkannte er, wie sehr er sie in den vergangenen Jahren vernachlässigt hatte. Es war beschämend, in welches Erstaunen es seine beste Freundin versetzte zu hören, dass sie ihm etwas bedeutete.

„Das ist sehr nett von dir. Aber ich weiß doch, wie viel du um die Ohren hast. Und ich fühle mich bei mir zu Hause am wohlsten.“

Er sah sich demonstrativ um. „Fehlt es dir hier an irgendetwas? Zur Hölle, Addy. Bestell neue Bettwäsche, wenn dir meine nicht gefällt.“

„Mit deiner Bettwäsche ist alles in Ordnung.“ Sie ergriff ihr Wasserglas und trank einen Schluck.

Er beobachtete, wie sich ihre Kehle beim Schlucken bewegte, und fragte sich, ob er sie jemals wieder auf rein freundschaftliche Weise betrachten konnte. Allein der Gedanke daran, wie sie in seinem Bett lag, ließ seine Temperatur um einige Grade ansteigen. Adelaide nackt in ägyptische Baumwolle gehüllt. Um sich von dieser Vorstellung abzulenken, stand er auf, ging um den Tisch herum und setzte sich mit dem Rücken zum Bildschirm auf das Sofa, das in ihrer Blickrichtung stand.

„Aber?“, hakte er nach.

„Aber es spielt keine Rolle, wie schön dein Haus ist. Ich bin gern in gewohnter Umgebung. Und ich sehe keinen Vorteil darin hierzubleiben.“

„Der Vorteil besteht darin, dass deine Privatsphäre gewahrt ist. Ganz zu schweigen von deiner Sicherheit. Du weißt genau, wie hoch das öffentliche Interesse an unserer Verlobung sein wird. Besonders in Anbetracht der Tatsache, wie ausführlich die Presse über meine Trennung von Valentina berichtet hat.“

„Also muss ich mich hier wegen deiner manipulativen ehemaligen Geliebten verstecken?“, fragte sie mit versteinertem Gesicht. „Ich will eine Firma gründen und habe viel zu tun.“

„Du kannst mein Büro benutzen“, bot er an und schaltete den Monitor aus. „Es ist hervorragend ausgestattet.“

Sie runzelte die Stirn. „Mir gefällt nicht, in welche Lage du mich damit bringst.“

„Und mir gefällt nicht, wenn du gehst. Aber ich werde schon eine Lösung finden, wenn es so weit kommen sollte.“

Sie öffnete den Mund zu einer Erwiderung und schloss ihn dann wieder.

„Was?“, insistierte er.

„Ich freue mich nicht gerade darauf, mit dir zusammen im Rampenlicht zu stehen.“

„Aber das hast du schon so oft getan. Auf Pressekonferenzen zum Beispiel.“ Tatsächlich war das schon oft der Fall gewesen. Und immer hatte er ihren Blick gesucht, weil er in ihren großen braunen Augen lesen konnte, ob er mit seinen Antworten richtig lag oder nicht.

„Aber nicht auf romantische Art.“ Sie schüttelte den Kopf, und ein paar Strähnen lösten sich aus ihrem improvisierten Haarknoten. „Die Spendengala steht uns bevor. Und egal, wie sehr du auch beteuerst, dass ich eine überzeugende Verlobte abgebe, ich bin nicht der Typ dafür.“

„Ah, jetzt sind wir wieder bei den aufreizenden Kleidern und den Augenaufschlägen.“ Diese Bemerkung von ihr schmerzte ihn immer noch. „Ich bin davon überzeugt, dass wir das hinbekommen. Und falls du recht hast und ich hinsichtlich der Frauen, mit denen ich ausgehe, zu vorhersagbar geworden bin, ist es mir eine besondere Freude, die allgemeinen Erwartungen zu enttäuschen.“

„Ich wollte nicht andeuten, dass du Frauen nur nach ihrem Aussehen auswählst.“ Sie biss sich auf die Unterlippe. „Die traurige Wahrheit in dieser Angelegenheit ist mehr praktischer Natur. In meinem Schrank hängt die Garderobe einer Assistentin. Nicht die einer Verlobten.“

Vergeblich versuchte er, sein breites Grinsen zu unterdrücken. „Soll das heißen, wir brauchen diese aufreizenden Kleider, um das Problem zu lösen?“

„Ich verstehe wirklich nicht, warum du dich darüber lustig machst“, gab sie zurück.

Entschuldigend hob er die Hände. „Tut mir leid. Ich wollte mich nicht darüber lustig machen. Aber ich habe diese Woche keine Zeit, um neue Klamotten für dich einzukaufen.“

„Das mache ich schon selbst“, sagte sie und schüttelte so heftig den Kopf, dass sich die Stifte aus dem Knoten lösten und ihr die dunkle Mähne auf die Schultern wallte.

Dempsey schluckte. Er hatte sie schon früher mit offenem Haar gesehen. Aber noch nie hatte ihn dieser Anblick mit solchem Verlangen erfüllt wie jetzt.

Etwas davon musste sich auf seinem Gesicht abzeichnen, denn sie stand plötzlich auf, fasste ihre Haare im Nacken zusammen und schob sie zurück. Während sie die Stifte vom Boden aufsammelte, zeichneten sich ihre aufregenden Kurven unter dem übergroßen Trikot ab.

„Also gut“, sagte sie schließlich. „Ich bekomme angemessene Kleidung und benutze dein Büro. Ich bleibe hier. Aber nur für vier Wochen.“

Sie ließ sich auf seine Pläne ein, doch sie erinnerte ihn auch daran, dass ihre gemeinsame Zeit begrenzt war. Das machte jedes Triumphgefühl in ihm zunichte. Langsam erhob er sich.

„Danke.“ Er kämpfte gegen das Bedürfnis an, ihre Vereinbarung mit einem Handschlag zu besiegeln. Oder mit einem Kuss. Oder mit einer Nacht in seinem Bett. Aber eine Berührung in diesem Moment könnte die mühsam erkämpfte Einigung zerstören.

Außerdem verdiente sie etwas Besseres.

Sie nickte. Das Trikot rutschte ihr über die Schulter und entblößte ihre goldbraune Haut. „Dann lasse ich dich jetzt mit deinem Film allein.“

Sie ging zu Tür, und es kostete ihn all seine Willenskraft, sie nicht zurückzuhalten.

„Was immer dir das auch wert sein mag, ich bin stolz darauf, dich meine Verlobte nennen zu dürfen. Vor meiner Familie, vor der Presse und vor der ganzen Welt.“ Es war ihm wichtig, dass sie das wusste.

Autor

Joanne Rock
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