Das Geheimnis eines sinnlichen Sommers

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Flirrende Hitze, gestohlene Stunden im Heu - wie heiß und süß war damals ihre heimliche Sommeraffäre! Und wie bitter das plötzliche Ende, als Max ohne Erklärung Schluss machte. Deshalb kann die schöne Quinn ihn nur eiskalt anfunkeln, als sie Max im Konferenzraum wiedersieht: Sein Whiskeyimperium soll mit der Obstfarm ihrer Familie kooperieren. Leider braucht Quinn diesen Auftrag unbedingt. Wenn die enge Zusammenarbeit mit Max bloß nicht so einen heftigen Hunger nach den verbotenen Früchten der Leidenschaft in ihr wecken würde…


  • Erscheinungstag 27.04.2021
  • Bandnummer 2182
  • ISBN / Artikelnummer 9783751503631
  • Seitenanzahl 144
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. KAPITEL

Max Abbott brummte der Schädel, der Jetlag machte ihm zu schaffen. Nach einer Woche Las Vegas – einer Geschäftsreise, gekrönt vom dreitägigen Junggesellenabschied eines Studienfreundes – empfand er es geradezu als Wohltat, wieder in Magnolia Lake zu sein, der kleinen Stadt am Fuß der Smoky Mountains in Tennessee, seiner Heimat. Zu viel Alkohol, zu wenig Schlaf sowie die Tatsache, dass sich Max mit seinen vierunddreißig Jahren ein ganzes Wochenende lang das Programm eines Twens zugemutet hatte – kein Wunder also, dass sein Körper protestierte!

Als Marketing-Vizepräsident der King’s Finest Distillery, einer renommierten Whiskeybrennerei, die seiner Familie gehörte, betrachtete Max es als seine Pflicht, morgens als Erster im Büro einzutreffen, doch heute konnte er vor Erschöpfung kaum geradeaus sehen. Hätte sein Vater, Duke Abbott, der Firmenboss, nicht ausgerechnet an diesem Vormittag eine dringende Sitzung anberaumt, hätte Max sich ausnahmsweise erst einmal ordentlich ausgeschlafen.

So aber wankte er um halb elf, eine halbe Stunde vor dem Termin, die Augen hinter einer Sonnenbrille verborgen, ins Büro, um sich von seiner Assistentin auf den neuesten Stand bringen zu lassen.

„Guten Morgen, großer Häuptling!“ Molly Halloran blickte genau in dem Augenblick von der Tastatur auf, als Max die Sonnenbrille abnahm und, vom Sonnenlicht, das durch das Fenster hereinfiel, geblendet, die Augen zusammenkniff. „Scheint ein tolles Wochenende gewesen zu sein!“

„Allerdings.“ Max ließ sich in den Stuhl vor ihrem Schreibtisch plumpsen, für die paar Schritte in sein eigenes Büro fehlte ihm heute einfach die Kraft. „Dir auch einen guten Morgen, Sonnenschein.“

„Kaffee?“ Noch ehe er zustimmend nickend konnte, war Molly bereits aufgesprungen. „Den wirst du brauchen, du siehst aus wie ein Zombie.“

Brutale Ehrlichkeit war eine der Eigenschaften, die er an Molly so schätzte, selbst wenn sie ihm gelegentlich ganz schön den Kopf wusch.

Er zog das Handy hervor und checkte die Mails: nichts, was nicht Zeit hatte, bis er wieder im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte war – unter Umständen also bis morgen oder übermorgen.

Vorsichtig reichte Molly ihm einen schwarzen Kaffeebecher mit dem weißen Firmenlogo. Er dankte ihr und atmete genüsslich das würzige Aroma ein, ehe er sich den ersten Schluck gönnte. Dann schloss er wohlig seufzend die Augen.

„Du hast nur noch zwanzig Minuten.“ Mahnend tippte Molly auf die Fitnessuhr an ihrem Handgelenk. „Abzüglich der fünf Minuten für den Weg zum Konferenzzimmer!“ Brutal ehrlich und unglaublich effizient.

„Okay.“ Er genehmigte sich noch einen Schluck, dann stellte er die Tasse ab. „Schieß los.“

„Offiziell hat dein Vater nichts über den Grund für dieses Meeting verlauten lassen.“ Sie senkte die Stimme und wich seinem Blick aus. „Aber während deiner Abwesenheit hat er mich beauftragt, ihm alles herauszusuchen, was du für euren Antrag, unsere Produktpalette um Obst-Brandys zu erweitern, mit Zora zusammengetragen hast.“ Damit hatte sie Max schneller wachgerüttelt, als der stärkste Kaffee es vermocht hätte.

Vor drei Jahren hatte sein Großvater Joseph Abbott, der Firmengründer, angeregt, zusätzlich zum Whiskey auch Obst-Brandys zu produzieren. Weil Max’ Vater von der Idee nicht sonderlich angetan gewesen war, hatten sie als Kompromiss zunächst mit kleinen Mengen in einer separaten Destille und mit der Hilfe eines fachkundigen Schnapsbrenners herumexperimentiert. Das Obst bezogen sie von einer Plantage in der Nähe von Knoxville, die Joseph Abbotts bestem Freund gehörte. Das alles kostete die Firma zwar ein kleines Vermögen, aber das Ergebnis konnte sich sehen lassen! Aus diesem Grund beknieten Max und seine Schwester Zora, Vizepräsidentin Verkauf, ihren Vater seit einer Weile, endlich mit den Brandys auf den Markt zu gehen.

Doch obwohl ihr Vater die hervorragende Qualität der Obst-Brandys anerkannte, weigerte er sich beharrlich, eine Sortimentserweiterung in Erwägung zu ziehen. Seiner Ansicht nach genügte es vollkommen, dass sie anlässlich des Firmenjubiläums vor drei Jahren einen sogenannten „Schwarzgebrannten“ hinzugefügt hatten. Aber ausgerechnet heute, an einem Tag, an dem Max so richtig platt war …

„Machst du mir bitte eine Ko…?“

Wortlos schob Molly einen mit einem farbigen Register übersichtlich unterteilten Ordner über den Tisch. „Bitte schön! Außerdem war ich so frei, die Absatzprognosen auf den neuesten Stand zu bringen und eine Liste der Verkaufsargumente zusammenzustellen. Seite eins.“

Max nahm sich fest vor, Molly zum Geburtstag diesen Star-Wars-Schnellkochtopf zu besorgen, von dem sie ihm schon so lange vorschwärmte.

Nach einem raschen Briefing drückte Molly ihm noch eine Tasse frischen Kaffee in die Hand und schickte ihn, pünktlich um fünf vor elf, auf den Weg. Als Max den Konferenzsaal betrat, fühlte er sich beinahe wieder wie ein funktionsfähiges menschliches Wesen.

„Wen haben wir denn da?“ Seine Schwester stupste ihn in die Rippen, als er sich auf seinen angestammten Platz neben ihr sinken ließ. „Ich hatte schon Angst, dass wir dir einen Krankenwagen schicken müssen.“

„Haha!“ Anstatt weiter auf die Frotzelei einzugehen, begrüßte Max den älteren Herrn auf der anderen Seite des Tisches. „Guten Morgen, Mr. Bazemore.“

„Guten Morgen, Max.“ Dixon Bazemore, dessen schneeweißes Haar und weißer Bart einen scharfen Kontrast zu seiner dunklen Haut bildeten, erhob sich mit einem breiten Lächeln und schüttelte Max die Hand. Ihm gehörte die Obstplantage Bazemore Farms, und das schon, solange Max denken konnte. „Schön, dich zu sehen.“

„Die Freude ist ganz meinerseits.“

Mollys Instinkt hatte also nicht getrogen, denn es gab eigentlich nur einen einzigen Grund, weshalb Dixon Bazemore an diesem Meeting teilnehmen sollte. Dennoch fragte Max: „Was führt Sie her?“

„Darüber sprechen wir“, antwortete Max’ Vater an Dixons Stelle, „sobald wir vollzählig sind.“

Schnell sah Max sich in dem großen Raum um. Der Vorstand war vollständig versammelt: sein Vater, sein Großvater, seine Brüder Blake, Produktionsleiter, und Parker, der Finanzchef des Unternehmens, daneben Blakes Ehefrau Savannah, die fürs Eventmanagement zuständig war, Zora, er selbst und die Assistentin seines Vaters, die Protokoll führte. „Wer fehlt?“

„Tut mir leid, ich habe mich auf dem Weg vom Parkplatz wohl ein wenig verfranzt. Aber wenigstens habe ich deine Unterlagen gefunden, Großvater.“

Max wirbelte herum. Diese Stimme! Auch wenn er sie seit dreizehn Jahren nicht mehr gehört hatte, vergessen würde er sie nie. Auf einmal fühlte sich sein Mund staubtrocken an, und sein Herz begann so laut zu pochen, dass sogar Zora neben ihm es hören musste.

„Peaches?“ Fassungslos starrte er in schokoladenbraune Augen, die jetzt gerade zu schmalen Schlitzen zusammengekniffen waren.

Sie sah umwerfend aus, auch wenn ihre Nasenflügel vor Entrüstung bebten und ihr Lächeln so dünn ausfiel, dass die Grübchen kaum zum Vorschein kamen. „Mein Name ist Quinn! Hallo, Max.“

Kein „Schön, dich zu sehen“, natürlich nicht. Nicht, dass Max etwas anderes erwartet hatte. Schließlich war es seine Schuld, dass sie damals nicht im besten Einvernehmen auseinandergegangen waren.

Quinn setzte sich auf den leeren Stuhl neben ihrem Großvater, reichte ihm eine abgewetzte Briefmappe aus Leder und drückte seinen Arm. Dem alten Herrn schenkte sie ihr echtes Lächeln, das, bei dem die dunklen Augen strahlten und zwei Hammer-Grübchen zum Vorschein kamen. Einen herrlichen Sommer lang – während eines Praktikums, das Max in den Ferien zwischen Grund- und Hauptstudium auf der Plantage absolviert hatte – war er täglich in den Genuss dieses sensationellen Lächelns gekommen.

„Nachdem wir nun vollzählig sind, können wir anfangen.“ Auf ein Zeichen von Max’ Vater verteilte die Assistentin Präsentationsmappen. „Ich habe dieses Meeting einberufen, um mit euch zu besprechen, ob wir unsere Produktpalette um Obst-Brandys erweitern wollen, ein Vorschlag von Dad, Max und Zora. Meiner Ansicht nach sind sowohl die aktuelle Marktlage als auch die Situation unserer Firma so beschaffen, dass wir einen Vorstoß wagen sollten.“

Zora strahlte. „Heißt das, du bist tatsächlich einverstanden, dass wir das feste Sortiment endlich erweitern?“

Duke runzelte die Stirn. Es fiel ihm nicht leicht, Zora zu enttäuschen, seine Prinzessin, die Jüngste und das einzige Mädchen in einer Familie mit fünf Kindern, aber zuallererst musste er die Interessen der Firma im Auge behalten. „Eigentlich dachte ich erst einmal an eine limitierte Sonderauflage. Wenn sich die Verkaufszahlen so entwickeln wie bei unserem ‚Schwarzgebrannten‘, bin ich natürlich bereit, noch mal darüber nachzudenken.“

„Unser guter Name beruht auf unserem Whiskey“, warf Parker ein. „Wird es sich nicht negativ auf unser Image auswirken, wenn wir die Marke sozusagen verwässern?“

Dieser alte Miesmacher, dachte Max. Doch er musste zugeben, dass es seinem Bruder nie darum ging, einfach nur zu widersprechen. Parkers Gehirn funktionierte nun einmal so, er hinterfragte grundsätzlich alles und vertraute nur auf die Logik.

Doch auch Zora verdrehte die Augen. Offensichtlich gab sie sich keine Mühe, ihren Frust zu verbergen. „Pepsi verkauft alle möglichen Limonaden, Wasser, Tees, Säfte und Energydrinks. Und? Hat es denen geschadet?“

Parker dachte einen Moment lang über den Einwurf nach und nickte schließlich. „Guter Einwand. Mach weiter, Dad.“ Er rückte seine Brille zurecht, kritzelte ein paar Worte auf den Notizblock, den er ständig mit sich herumschleppte, und Duke fuhr schmunzelnd fort.

Max, der zweieinhalb Jahre lang auf diesen Moment hingearbeitet hatte, hätte eigentlich wie gebannt zuhören müssen. Stattdessen kostete es ihn seine ganze Willenskraft, die wunderschöne Frau, die ihm gegenübersaß, nicht unverhohlen anzuglotzen.

Peaches, nein, Quinn Bazemore, Dixons Enkeltochter! Sie war noch schöner als in seiner Erinnerung. Das schlichte graue Etuikleid ließ zwar nicht viel von ihrer Figur erkennen, dennoch bemerkte Max, dass sich ihre Hüften gerundet hatten und die Brüste voller geworden waren, seit er sie zum letzten Mal im Arm gehalten und jeden Quadratzentimeter der seidig schimmernden tiefbraunen Haut bewundert hatte.

„Was ist los?“, flüsterte Zora und knuffte ihn so fest in die Seite, dass er ein lautes Stöhnen gerade noch unterdrücken konnte.

„Nichts.“ Abgesehen davon, dass er seine Faszination für Quinn anscheinend nicht gut genug verbarg. Nach einigem Blättern fand er die Seite in der Mappe, auf die sein Vater sich gerade bezog.

Dass Duke den Obst-Brandys endlich eine Chance geben wollte, wenn auch erst einmal auf Probe, freute Max kolossal. Und es erklärte auch die Anwesenheit von Mr. Bazemore, dem Obstlieferanten. Allerdings nicht, was seine Ex hier zu suchen hatte.

Unter dem sengenden Blick von Max Abbott rutschte Quinn unruhig auf ihrem Stuhl hin und her, doch sie zwang sich, nicht in seine Richtung zu sehen. Schließlich war sie nicht hier, um mit ihm zu flirten, auch wenn er so sexy aussah wie eh und je. Nein. Sie war aus zwei Gründen gekommen: um die Farm ihres Großvaters zu retten und um sich eine erste Referenz für die Unternehmensberatung zu erarbeiten, die sie zu gründen gedachte, sobald die Plantage wieder auf sicheren Beinen stand.

Davon träumte sie schon seit ihrem ersten Semester an der Uni, auch wenn sie sich zunächst für einen sicheren Arbeitsplatz im Public-Relations-Bereich entschieden hatte. Bis sie vor einem halben Jahr plötzlich ohne Job dagestanden und in einem Umkreis von fünfundsiebzig Kilometern um ihren Wohnort Atlanta herum auch keinen anderen gefunden hatte.

Weil sie also sowieso nichts anderes zu tun hatte, nahm sie die Einladung ihres Großvaters an und zog zu ihm auf die Plantage, wo sie als Kind jeden Sommer verbracht hatte. Dort wollte sie sich überlegen, wie es weitergehen sollte.

Sie überredete ihren Großvater, ein paar strategisch wichtige Verbindungen zu knüpfen, und das machte ihr so viel Spaß, dass sie ihren verstaubten Geschäftsplan aus der Versenkung holte, die Ecken und Kanten glättete und ihn optimierte. Während sie die restlichen sechs Monate des Wettbewerbsverbots aussaß, das ihr ehemaliger Arbeitgeber ihr auferlegt hatte, konnte sie an ihrem Portfolio arbeiten. Dann würde sie nach Atlanta zurückkehren und ihre eigene Unternehmensberatung gründen.

Die Partnerschaft mit der renommierten King’s Finest Distillery sollte den Grundstein für dieses Portfolio legen. Und wenn das bedeutete, dass sie so tun musste, als würde es ihr nichts ausmachen, mit dem Kerl zusammenzuarbeiten, der ihr das Herz gebrochen und in winzige Stücke zerschlagen hatte, ohne mit der Wimper zu zucken, dann würde sie eben gute Miene zum bösen Spiel machen. Wenn Max so tun konnte, als hätte es diesen einen Sommer nie gegeben, dann konnte sie das auch.

Duke erklärte gerade, dass sie mit Apfel-, Pfirsich- und Kirsch-Brandys beginnen wollten und dass das gesamte Obst von Bazemore Farms geliefert werden sollte. Niemand protestiert gegen dieses Monopol, stattdessen applaudierten alle, und Quinn fiel ein Stein vom Herzen. Für die Farm, die seit ein paar Jahren mehr schlecht als recht vor sich hin dümpelte, war dieses Projekt ein Geschenk des Himmels. Zum Teil lag das an einer veränderten Nachfrage und daran, dass es immer schwieriger wurde, kompetente, zuverlässige Arbeiter zu einem bezahlbaren Preis zu bekommen. Einen Teil der Schuld traf aber auch den windigen Buchhalter, der nach dem Tod ihrer Großmutter vor ein paar Jahren die Finanzen gemanagt hatte.

„Wir beabsichtigen, die Obst-Brandys gemeinschaftlich zu vermarkten. Das ist eine völlig neue Strategie, die Dixons reizende Enkelin ausgetüftelt hat.“ Freundlich nickte Duke ihr zu. „In ihrer Funktion als Mitglied der Geschäftsführung von Bazemore Farms, aber auch als ausgewiesene Expertin auf dem Gebiet der Firmenkooperationen ist sie heute hier. Wir hatten letzte Woche schon ein fruchtbares Gespräch, in dem sie mir ein paar interessante Vorschläge unterbreitet hat, wie wir die neuen Produkte rasch auf den Markt bringen können. Bitte, Quinn.“

„Vielen Dank, Mr. Abbott.“ Quinn erhob sich, zog einen Stapel Kopien aus ihrer Aktentasche und ging um den Tisch herum, um sie an alle zu verteilen. „Ich habe acht Jahre lang für eine der angesehensten PR-Firmen in Atlanta …“ Sie stolperte über ihre eigenen Worte, als sie Max’ Blick begegnete. Lampenfieber, hat nichts mit Max Abbott zu tun, redete sie sich ein.

Obwohl er sie missbilligend anfunkelte, fand sie den Kerl immer noch entsetzlich attraktiv. Klar, er war älter geworden, hatte breitere Schultern, aber alles in allem sah er noch genauso aus wie der Junge, in den sie sich Hals über Kopf verliebt hatte in jenem Sommer nach der Highschool, den sie bei ihren Großeltern verbracht hatte. Während Max gerade ein Praktikum auf der Plantage machte. Das war jetzt dreizehn Jahre her, doch die Zeit war gnädig mit ihm umgegangen.

„Dort habe ich ein paar extrem knifflige Public-Relations-Kampagnen organisiert, unter anderem für bekannte Namen aus der Finanzbranche“, fuhr sie fort.

„Wir haben doch jemanden für unsere PR“, wandte Parker ein und schob die Brille hoch.

„Ja, eine Studentin, die die sozialen Medien betreut, den Newsletter verfasst und ab und zu mal eine Pressemitteilung herausgibt“, ergänzte Quinn ruhig. Duke hatte sie vorgewarnt: Parker war eine harte Nuss, und Max und Zora würden sich stur stellen, weil sie sich übergangen fühlen würden, wenn bekannt wurde, dass Quinn dieses Projekt leiten sollte, obwohl es das Baby der beiden war. „Aber ein Projekt dieser Größenordnung verlangt nach jemandem mit Erfahrung, einem Profi, der sowohl die Händler als auch die Endkunden für das neue Produkt begeistern kann. Wie es Savannah mit dem ‚Schwarzgebrannten‘ gelungen ist.“

Savannah lächelte geschmeichelt, und Parker nickte zustimmend.

„Auf Seite fünf finden Sie eine Zusammenfassung, aus der Sie ersehen können, wie ich gewährleisten will, dass sowohl King’s Finest als auch Bazemore Farms von diesem Joint Venture profitieren.“

„Wieso beauftragst du eine Außenstehende damit, unseren Vorschlag in die Tat umzusetzen?“, fragte Max entrüstet. „Zora und ich sind durchaus in der Lage …“

„Halt mich da raus, Bruderherz.“ Zora hatte sich zu ihm gedreht. „Ich habe genug an der Backe. Seit dem Jubiläum ist der Absatz national wie international dramatisch in die Höhe geschnellt. Ich werde in der nächsten Zeit viel auf Achse sein. Mein Team und ich arbeiten am Limit. Solange wir regelmäßig konsultiert werden, bin ich sehr dafür, jemand anderen die Knochenarbeit machen zu lassen.“

Quinn atmete erleichtert auf, als Zora ihr aufmunternd zunickte.

„Und du hast alle Hände voll damit zu tun, eine neue Marketingstrategie zu entwickeln“, ergänzte Duke. „Ich halte es wirklich für das Beste, wenn wir jemanden ins Boot holen, der sich ausschließlich um dieses Projekt kümmert.“

Max war rot angelaufen. Gerade wollte er zu einer hitzigen Erwiderung ansetzen, als ihm sein Großvater das Wort abschnitt. „Lass Quinn doch ausreden, Junge. Natürlich sprechen wir noch mal in aller Ruhe darüber, bevor wir eine endgültige Entscheidung treffen.“ Joseph Abbott nickte Quinn zu. „Bitte fahren Sie fort.“

Sie lächelte Grandpa Joe, wie sie ihn immer genannt hatte, dankbar zu, holte tief Luft, setzte ihr strahlendstes Lächeln auf und bereitete sich darauf vor, die beste Präsentation ihres Lebens zu halten.

Joseph und Duke Abbott, der Firmengründer und der Geschäftsführer, standen auf ihrer Seite, und auch Zora und Savannah waren an Bord. Blake konnte sie nicht einschätzen, aber bei Parker und Max musste sie noch Überzeugungsarbeit leisten. Und genau das würde sie tun.

Jetzt und hier musste sie vergessen, dass Max Abbott ihre erste Liebe war, der Mann, mit dem sie den ersten Kuss und … den ersten Sex erlebt hatte. Jetzt war er nur ein skeptischer Geschäftsmann, wie sie schon viele erlebt hatte. Welche Gefühle Max ihr auch immer entgegenbringen mochte – Neugier, Feindseligkeit, vielleicht sogar Interesse –, so war er doch ein intelligenter Mensch. Und wie jeder andere Abbott hier im Raum wollte er das Beste für King’s Finest.

Also musste sie ihn nur davon überzeugen, dass sie die Beste für diesen Job war. Und sich selbst davon, dass es nicht die dümmste Idee aller Zeiten war, mit dem Ex zusammenzuarbeiten. Von diesem Auftrag hing ihre Zukunft ab.

2. KAPITEL

Max raufte sich zumindest innerlich die Haare, nachdem Quinn ihre Präsentation beendet hatte. Er hatte die Unterlagen studiert und gleichzeitig aufgepasst wie ein Luchs, in der Hoffnung, einen Haken zu entdecken, um ihren Vorschlag in der Luft zu zerfetzen. Aber alles hatte Hand und Fuß, und zu allem Überfluss hatte Quinn Ideen beigesteuert, auf die Zora oder er im Leben nicht gekommen wären.

Trotzdem, das war sein Baby! Seines und das von Zora. Sie hatten Grandpas Anregung aufgegriffen, weiterentwickelt und so lange auf ihren Vater eingeredet, bis er sich breitschlagen ließ, in eine Destille zu investieren und einen Fachmann anzuheuern. Zwei Jahre lang hatten sie das Thema bei jedem Quartalsgespräch auf die Tagesordnung gebracht. Dass ihr Vater es jetzt sang- und klanglos ausgerechnet an Max’ Ex übertrug, fühlte sich an wie ein Schlag unter die Gürtellinie. Auch wenn – außer Quinn natürlich – keiner der Anwesenden etwas von ihrer Romanze wusste.

Natürlich hatte sein Vater recht: Das Geschäft brummte, und Max und Zora hatten alle Hände voll zu tun. Diesen Aufschwung verdankten sie im Wesentlichen Max’ Schwägerin Savannah, die vor drei Jahren bei der Firma angefangen hatte und inzwischen zur Eventmanagerin aufgestiegen war. Sie organisierte alle Veranstaltungen, die rund um die Brennerei stattfanden – Besichtigungstouren, Verkostungen und vieles mehr –, und kümmerte sich um die Vermietung der inzwischen renovierten alten Scheune für Hochzeiten und andere Events. Der Geschäftszweig boomte.

Jetzt aber war Savannah mit dem zweiten Kind schwanger, ihr Ältester machte eine schwierige Phase durch – noch mehr durfte man ihr wirklich nicht aufhalsen.

„Na, was meint ihr?“ Grandpa Joseph strahlte. Dixon und Quinn hatte man zu einer Brennereiführung abgeordnet, damit die Abbotts sich ungestört beraten konnten. „Die hat was auf dem Kasten, die Kleine, was?“ Er grinste. „Schon als ich sie kennengelernt habe, da war sie drei, hat sie mich mit Fragen gelöchert, mehr als ihr alle zusammen, Zora mal ausgenommen.“

„Ich finde ihr Konzept total überzeugend.“ Zora blätterte noch einmal durch die Mappe. „Am allerbesten gefällt mir, dass sie die ganze Arbeit übernimmt. Sie ist genau die Richtige für den Job: Sie hat sich weder von Max’ Widerspruch aus der Ruhe bringen lassen, noch hat sie angesichts von Parkers endlosen Fragen die Geduld verloren. Und was sie sich überlegt hat, um die Kooperation mit den lokalen Händlern und den staatlichen Verkaufsstellen zu verbessern, ist einfach genial.“

„Ja, ich bin auch begeistert“, schwärmte Blake, Max’ ältester Bruder und designierter Nachfolger für den Posten des Vorstandsvorsitzenden. „Quinn kommt unglaublich sympathisch rüber, die Großhändler werden sie lieben. Wenn sie auch nur die Hälfte von dem umsetzen kann, was sie hier vorschlägt, hat sie meine volle Unterstützung.“

„Und du, Parker?“, fragte Duke, und man merkte ihm an, dass er sich innerlich wappnete.

Erneut überflog Parker Quinns Daten. „Die Zahlen sprechen für sie. Wenn ihr sicher seid, dass wir das durchziehen können, ohne unsere Position beim Whiskey-Absatz zu gefährden …“ Er zuckte die Achseln. „Lassen wir es auf einen Versuch ankommen. Schauen wir uns die Sache ein halbes Jahr lang an. Wenn sich das Zeug wirklich verkauft, können wir es immer noch in unser festes Sortiment integrieren.“

Duke nickte. „Und was meinst du, Max?“

Max stieß einen missbilligenden Laut aus. Alle Augen waren auf ihn gerichtet. An Quinns Vorschlag war rein gar nichts auszusetzen, es gab keinen vernünftigen Grund, sich dagegen auszusprechen. Was sollte er also sagen? Dass er nicht mit ihr zusammenarbeiten wollte, weil er sonst ständig daran erinnert werden würde, dass er sich vor dreizehn Jahren ihr gegenüber wie ein kompletter Arsch verhalten hatte?

„Ich finde den Vorschlag okay. Nein, er ist gut“, verbesserte er sich, als die anderen lautstark protestierten. „Ihr habt recht, er ist klasse. Aber“, er tippte mit dem Zeigefinger auf die Tischplatte, um seine Worte zu unterstreichen, „wir reden hier von unserer Firma, unserem Projekt, einem Projekt, das wir zu Ehren von Savannahs Großvater Martin aus der Taufe gehoben haben. Daher fände ich es nur recht und billig, wenn wir auch die Projektleitung übernehmen und das Ganze nicht irgendeiner Fremden überlassen.“

Hoffentlich war das nicht so arrogant und überheblich rübergekommen, wie es in seinen Ohren geklungen hatte.

„‚Sie ist keine von uns!‘“, wiederholte Zora und tat, als würde sie schluchzen. „Ein stichhaltigeres Argument fällt dir nicht ein? Sag mal, bist du noch ganz bei Trost?“

Alle lachten.

„Echt schwach, Mann“, meinte auch Blake. „Quinn ist eine ausgewiesene Expertin auf diesem Gebiet, und sie kommt aus einer anständigen Familie.“

„Und als Fremde kann man sie auch nicht bezeichnen“, warf Grandpa Joe etwas indigniert ein. „Ich kenne die Kleine schon ewig und betrachte sie sozusagen als Adoptivenkelin.“

„Ich weiß, Gramps. So habe ich das auch nicht gemeint.“ Seufzend rieb Max sich übers Gesicht. „Ich wollte nur noch mal betonen, dass ich schon viel Zeit und Energie in dieses Projekt investiert habe. Deswegen kann ich mich mit dem Gedanken, es völlig aus der Hand zu geben, überhaupt nicht anfreunden.“

„Okay. Das kann ich nachvollziehen.“ Max’ Vater strich sich nachdenklich über das bärtige Kinn. „Wie könnten wir dir die Sache denn schmackhaft machen?“

Das hieß im Klartext: Finde dich damit ab, Junge. Du bist überstimmt.

„Indem ihr mich zum Projektkoordinator ernennt“, antwortete Max bestimmt. „An den Quinn Bericht erstattet.“

„Abgemacht.“ Duke zuckte die Achseln. „Dann bleibt mir mehr Zeit für Golf. Sonst noch was?“

„Ich möchte so eng in das Projekt eingebunden werden, wie es mein Terminkalender zulässt.“ Max legte die verschränkten Hände auf die Tischplatte. „Und ich habe das Recht, den Vertrag mit Quinn bei Bedarf jederzeit zu kündigen.“

Duke überlegte. „Na gut, aber das letzte Wort habe in dem Fall ich“, beschloss er schließlich.

„Perfekt!“ Grandpa Joe hieb mit der flachen Hand auf den Tisch. „Dann können wir ja jetzt essen. Und bei der Gelegenheit auch gleich die Brandys verkosten. Es gibt was zu feiern!“

Na dann, auf gute Zusammenarbeit, dachte Max grimmig. Das gequälte Lächeln, das seine Ex sich abgerungen hatte, als er ihren Kosenamen benutzt hatte, hatte nur zu deutlich verraten, dass sie ihm nichts verziehen hatte. Miserable Voraussetzungen für eine Kooperation. Er durfte nicht zulassen, dass ein längst verjährter persönlicher Fehler sich nachteilig auf das Familienunternehmen auswirkte. Noch dazu bei einem so wichtigen Projekt. Also würde er das tun, was er immer tat, wenn ein Problem auftauchte: es bei den Hörnern packen. Bei der ersten Gelegenheit würde er die Sache mit Quinn bereinigen.

Als die Bazemores zurückkamen, erwartete sie ein Imbiss von einem italienischen Restaurant am Ort, anschließend wurden die Obst-Brandys verkostet – Pfirsich, Apfel und Kirsche – und für ausgezeichnet befunden. Dann entführten Max’ Vater und sein Großvater Dixon auf eine Runde Golf, und Parker entschuldigte sich, um mit Cricket, dem Golden Retriever seiner Verlobten Kayleigh Jemison, Gassi zu gehen, sodass am Schluss nur noch Zora, Savannah, Blake und Quinn am Tisch saßen und plauderten. Max beteiligte sich nicht aktiv an der Unterhaltung, aber er nickte oder schmunzelte an den richtigen Stellen, während er geduldig auf den passenden Moment für ein Wort unter vier Augen mit Quinn wartete.

Plötzlich erschien eine Nachricht von Molly auf seiner Smartwatch:

Memphis hat sich wegen Sponsoring gemeldet. Telefonkonferenz in einer Stunde. Sollten vorher Unterlagen durchgehen!

Seit mehreren Monaten arbeitete er auf einen Sponsorenvertrag mit dem Football-Team der Memphis Marauders hin. Diesen Termin konnte er nicht platzen lassen. Andererseits wollte er auch das Gespräch mit Quinn nicht auf die lange Bank schieben. Wenn sie schon zusammenarbeiten mussten, wollte er vorher reinen Tisch machen.

Er stand so abrupt auf, dass sich alle Köpfe zu ihm drehten. „Ich würde gern kurz mit Quinn reden.“ Er räusperte sich. „Unter vier Augen.“

Seine Geschwister tauschten verwunderte Blicke, aber dann erhob sich Blake und half seiner Frau auf die Beine.

„Hat mich gefreut, Quinn“, sagte Savannah und strich sich über den gewölbten Bauch. „Dads Assistentin gibt dir meine Kontaktdaten. Es wäre schön, wenn wir uns demnächst zum Lunch treffen könnten.“ Hand in Hand mit Blake verließ sie den Raum.

Zora jedoch rührte sich nicht vom Fleck. Erst auf einen finsteren Blick von Max hin erhob sie sich langsam. „Na schön. Aber nur, wenn es dir nichts ausmacht“, sagte sie, an Quinn gerichtet.

Autor

Reese Ryan

Reese Ryan schreibt Liebesgeschichten, die nicht nur sexy und gefühlvoll sind, sondern in denen sie auch von kleineren Familiendramen erzählt. Reese ist im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten geboren und aufgewachsen, ihre Familie hat aber auch Wurzeln in Tennessee.

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