Der Boss und die Nanny

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Eine Luxuslimousine fährt vor, ein attraktiver Mann steigt aus - und Bella fühlt sich auf einmal ganz schwach. Es ist der Milliardär Blake Ford! Vor zwei Jahren hat ein gewagter Geschäftsdeal sie zusammengebracht, und dabei hat Bella sich heiß in ihn verliebt. Ohne Aussicht auf Erfolg, denn Blake war verheiratet. Was er ihr jetzt zu sagen hat, lässt ihren Puls rasen: Seine Ehe ist gescheitert, und er bittet Bella, die Nanny seines Sohnes zu werden. Ein riskantes Angebot! Denn wie soll sie Tag und Nacht mit Blake zusammen sein, ohne erneut ihr Herz zu verlieren?


  • Erscheinungstag 02.06.2015
  • Bandnummer 1874
  • ISBN / Artikelnummer 9783733721206
  • Seitenanzahl 144
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. KAPITEL

Die Luxuslimousinen, die vor Manhattans privater Eliteschule St. Vincent’s aufgereiht standen, waren für Bella McAndrews ein ganz alltäglicher Anblick. Sie achtete gar nicht mehr auf sie, als sie sich auf den sonnigen Gehweg hinkniete, um sich von ihren Schülern zu verabschieden. Es war der letzte Schultag vor den Ferien, und zwölf Kinder im Vorschulalter zogen im Gänsemarsch an ihr vorbei, um sie zum Abschied zu umarmen und dann zu den Wagen zu rennen.

Jedes Mal, wenn eines sie in seine kleinen Arme schloss, wurde Bellas Wange an das Wappen auf den wollenen Schuluniformen gepresst. Sie liebte jeden einzelnen ihrer Schützlinge, die allesamt wundervolle kleine Persönlichkeiten waren. Als der letzte Schüler an der Reihe war und sie umarmte, spürte sie, dass sie vor lauter Rührung einen Kloß im Hals hatte.

„Das ist für Sie.“ Der Junge blickte sie feierlich an und überreichte ihr ein selbst gemaltes Bild. „Damit Sie mich nicht vergessen.“

„Das würde ich doch niemals tun, Justin.“ Bella betrachtete gerührt das Bild, ein Selbstporträt. Für einen Sechsjährigen war es erstaunlich reif. Allerdings hatten Justins Eltern die Begabung ihres Jungen auch schon früh gefördert. Bella fragte sich unweigerlich, was aus ihren Brüdern und Schwestern nicht alles hätte werden können, wären ihnen die Privilegien zugekommen, die Justin genoss.

„Das ist ein sehr schönes Bild.“

„Danke sehr.“ Ein stolzes Grinsen erhellte sein sonst viel zu ernstes Gesicht. Bella war froh, dass er sich zur Abwechslung wie ein Kind und nicht wie ein kleiner Erwachsener verhielt. „Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Sommer“, fügte er nun wieder förmlicher hinzu.

„Den wünsche ich dir auch.“

Lächelnd richtete sie sich wieder auf. Schweren Herzens blickte sie dem Jungen hinterher, als er zu einem der großen Wagen rannte und einstieg. Die meisten ihrer Kollegen freuten sich auf die Ferien, doch Bella mochte keine Abschiede. Am liebsten würde sie die Kleinen für immer behalten. Doch so funktionierte das Leben leider nicht. Es war ihre Aufgabe, die Kinder zu begleiten und auf neue Herausforderungen vorzubereiten. Und so schwer es ihr auch fiel, sie musste sie loslassen, damit jedes von ihnen seinen eigenen Weg fand.

„Bella!“

Als sie ihren Namen hörte, wurde sie von dem fröhlichen Geplapper der Kinder abgelenkt. Sie erschrak beim Klang der dunklen Stimme von Blake Ford, die sie seit dem letzten Sommer nicht mehr gehört hatte. Nur wenige Meter entfernt waren die schweren Holztüren von St. Vincent’s, hinter denen Bella sich vor ihm in Sicherheit bringen konnte. Genau das hätte sie in diesem Moment am liebsten getan. Denn Blake musste nicht wissen, dass die letzten neun Monate keine besonders glückliche Zeit für sie gewesen waren. Obwohl er ihr bestimmt ansah, dass es ihr nicht gut ging. Denn Blake war ein aufmerksamer Mensch, der so lange bohrte, bis er den Grund für etwas herausgefunden hatte. Aber genau das sollte er nicht.

Ohne auf ihn zu achten, lief sie stur auf das Schulgebäude zu. Doch im letzten Moment, bevor sie ihm entwischen konnte, legte Blake ihr eine schlanke Hand auf den Arm. Sie begann plötzlich zu zittern, ihr Puls raste. Diese Reaktion war ihr nicht neu, denn vom ersten Moment an hatte Blake diese Wirkung auf sie gehabt. Schützend verschränkte Bella die Arme vor dem Oberkörper und drehte sich zu ihm um.

Seine breiten Schultern versperrten ihr die Sicht auf die Straße. Sie holte tief Luft, um sich innerlich zu wappnen, und sog Blakes frischen Duft ein.

Blake war eine beeindruckende, starke und selbstbewusste Person, die Bella bei ihrer ersten Begegnung in der Kinderwunschklinik ebenso fasziniert wie eingeschüchtert hatte.

Ihn wiederzusehen, verunsicherte sie. Trotzdem sagte ihr ihr Gefühl, sie solle sich anhören, was er zu sagen hatte.

Bella war nach New York gekommen, um sich einem Paar als Leihmutter zur Verfügung zu stellen. Doch zu einem Kennenlernen zwischen ihr und den Eheleuten war es nie gekommen, da eine Freundin der beiden sich bereit erklärt hatte, das Kind auszutragen.

Der Zufall hatte es gewollt, dass Bella genau zu diesem Zeitpunkt mit Blake und Victoria zusammentraf, die ebenfalls auf der Suche nach einer Leihmutter waren. Der betreuende Arzt hatte festgestellt, dass Bella genau die Richtige für sie war, und ein Treffen zwischen den dreien arrangiert.

Blake und Victoria hatten ihr glaubhaft versichert, dass sie sehr unglücklich darüber waren, keine eigenen Kinder bekommen zu können. In jenem Moment hatte Bella erkannt, dass Blake Ford mehr als nur der erfolgreiche Geschäftsführer einer milliardenschweren Investmentfirma war. Seine Sehnsucht nach einer eigenen Familie war tief.

„Schön, dich zu sehen, Blake.“ Sie klang angespannt. „Was führt dich hierher?“

Er nahm die Hand von ihrem Arm und blickte sie an. „Du.“

„Ich?“ Ihr wurde flau. „Das verstehe ich nicht.“

Der Abschied zwischen ihnen war nicht sehr schön gewesen. Blake hatte nicht verstehen können, warum sie plötzlich den Kontakt zu ihm, Victoria und dem Jungen abgebrochen hatte. Damals hatte Bella ihn nicht über ihre Beweggründe aufgeklärt, und sie hatte auch jetzt keine Lust darauf. Denn wo hätte sie anfangen sollen?

Hätte sie ihm vielleicht sagen sollen, dass sie plötzlich den ebenso starken wie verstörenden Wunsch gehabt hatte, das Kind zu behalten, das sie neun Monate lang unter dem Herzen getragen hatte? Oder dass seine Frau ihr unmissverständlich zu verstehen gegeben hatte, sie solle nach der Geburt für immer verschwinden? Hätte sie ihm erklären sollen, dass seine zufälligen Berührungen tiefe und verbotene Empfindungen in ihr ausgelöst hatten? Oder dass sie ihre Prinzipien augenblicklich über den Haufen geworfen hätte, hätte er ihr signalisiert, dass er sie wollte?

„Du wolltest doch nach Iowa zurückgehen. Wieso hast du es nicht getan?“

Er funkelte sie aus seinen stahlblauen Augen an. Offenbar war er also immer noch wütend auf sie und freute sich nicht, sie zu sehen. Aber warum war er dann hier?

„St. Vincent’s hat mich gebeten, noch ein Jahr zu bleiben.“ Bella hatte zwar ein schlechtes Gewissen, doch das war ihr egal. Sie schuldete Blake keine Erklärung.

Sie war in New York geblieben, weil sie das starke Gefühl gehabt hatte, dass es zwischen ihr und dem Kind, das sie zur Welt gebracht hatte, eine Verbindung gab. Doch die Wahrheit war viel zu beschämend und persönlich, um sie Blake anzuvertrauen. Deshalb sagte sie ihm das, was fast jeder zu hören bekam. „Die Bezahlung ist besser als die der öffentlichen Schulen in Iowa.“ Sie wollte ihn im Glauben lassen, dass sie hier war, um Geld zu verdienen. Das hielt ihn davon ab, unliebsame Fragen zu stellen. „Außerdem liebe ich New York.“

„Hat mir deine Mutter auch gesagt.“ Er schob die Hände in die Sakkotaschen seines maßgeschneiderten Mantels.

„Du hast meine Eltern angerufen?“

„Wie hätte ich dich sonst gefunden?“ Er betrachtete sie ungerührt. „Das war vielleicht ein Gespräch. Du hast Ihnen gar nicht gesagt, warum du nach New York gegangen bist, oder?“

Bella sah ihn verärgert an. Hätte sie ihren konservativen Eltern etwa unter die Nase reiben sollen, dass sie einem fremden Paar neun Monate lang ihren Bauch leihen würde? Um zu verhindern, dass die Bank sich die elterliche Farm in Iowa unter den Nagel riss? Wohl kaum. Also hatte sie die beiden lieber in dem Glauben gelassen, ihre Tochter habe einen gut bezahlten Job in New York City und einen Kredit aufgenommen, um ihrer Familie unter die Arme zu greifen. Obwohl ihre Mutter sehr aufgebracht war, als Bella ihr die Notlüge mit dem Kredit aufgetischt hatte. Denn natürlich wollte sie nicht, dass ihre Tochter sich für ihre Eltern verschuldete. Doch Bella hatte sie überzeugen können, dass es ihr viel bedeutete, ihrer Familie zu helfen.

„Ich will nicht, dass sie sich Sorgen machen.“

„In den letzten neun Monaten habe ich herausgefunden, dass Eltern genau das ständig tun.“

Als er einem vorbeifahrenden Wagen nachblickte, war Bella froh, dass er einen Augenblick lang den Blick von ihr abwandte. „Das glaube ich gerne.“

Auch Bella machte sich Sorgen. Ging es dem Jungen gut, den sie geboren hatte? Verbrachten seine viel beschäftigten Eltern genug Zeit mit ihm? Spielten sie mit ihm? Lasen sie ihm Gutenachtgeschichten vor? Sie hasste es, dass ihr beim Gedanken an ihn das Herz wehtat. Denn der Schmerz führte ihr vor Augen, dass sie sich selbst betrogen hatte.

„Ich nehme an, meine Eltern wollten wissen, wer du bist und warum du sie anrufst. Was hast du ihnen erzählt?“

„Dass du für mich gearbeitet hast.“

In gewisser Weise stimmte das sogar. „Mehr nicht?“ Sie fragte sich, warum ihre sonst so resolute Mutter einem Fremden verriet, wo er ihre Tochter fand. Vermutlich hatte es an Blakes Überzeugungskraft gelegen. Schließlich hatte es auch nur dreißig Minuten gedauert, bis er Bella überzeugen konnte, die Leihmutter seines Kindes zu werden. „Oder hast du ihnen noch mehr erzählt?“

„Ich habe ihnen erklärt, du würdest auf meinen Sohn aufpassen, und ich würde gerne wissen, wie es dir geht.“

„Mir geht’s gut.“

Er musterte sie prüfend. „Auf jeden Fall siehst du großartig aus.“

„Danke.“ Obwohl keinerlei erotische Untertöne in seinem Kompliment mitschwangen, schoss ein Strahl Hitze durch ihren Körper, was ihr sehr unangenehm war. Denn es wäre unglaublich demütigend, wenn er herausfände, wie sie auf seine körperliche Nähe reagierte. „Und wie geht es dir?“

„Ich bin beschäftigt.“

„Ist ja nichts Neues“, sagte sie und bemühte sich, heiter zu klingen. Doch sie erntete bloß einen missmutigen Blick. Komisch, wie schnell sie wieder in vertraute Muster zurückfielen. Einen Moment lang hatte Bella das Gefühl, als wären nur ein paar Tage und nicht ein Dreivierteljahr seit ihrem letzten Treffen vergangen. „Immer noch derselbe Workaholic.“

Er schüttelte den Kopf. „Nicht mehr. Mittlerweile bin ich jeden Tag pünktlich um fünf zu Hause, um Zeit für meinen Sohn zu haben.“

Er sprach sehr entschieden und unterstrich damit, dass er anders war als sein eigener Vater. Blake hatte ihn kaum zu Gesicht bekommen, da er die meiste Zeit auf Geschäftsreisen oder im Büro gewesen war. Während der Schwangerschaft mit dem Kind von Blake und Victoria hatte Bella sich oft Sorgen um Blakes lange Arbeitstage gemacht. Doch nach einem langen Gespräch über seine Kindheit war sie überzeugt gewesen, dass sein Sohn die neue Nummer eins in seinem Leben werden würde.

„Das freut mich.“

„Ich weiß.“ Seine harten Gesichtszüge wurden wieder weicher. Nun sah er wieder aus wie an jenem Tag, an dem er auf dem Ultraschallfoto gesehen hatte, dass er einen Sohn bekam.

Ihr Puls beschleunigte sich vor lauter Aufregung. Die Monate nach der Trennung hatten die Wirkung, die er auf sie hatte, nicht geschwächt. Bella war hingerissen von seinem Charisma und seinen Grübchen, die in den seltenen Momenten, in denen er lächelte, zum Vorschein kamen.

„Ich wusste, du würdest ein guter Vater werden.“ Für sie persönlich war das der Hauptgrund gewesen, der Leihmutterschaft zuzustimmen.

„Es ist ganz schön harte Arbeit. Aber die Belohnung ist riesig.“

„Wie geht es Andrew?“ Einerseits war sie erfreut gewesen, andererseits auch bestürzt darüber, dass Blake und Victoria ihrem Sohn einen Namen gegeben haben, der gleichzeitig Bellas Nachname war.

„Wir nennen ihn Drew“, antwortete Blake. „Er ist ein kluger, neugieriger und glücklicher kleiner Kerl.“

„Das klingt wunderbar!“ Das schmerzhafte Verlangen, den Jungen in die Arme zu nehmen und an sich zu drücken, war in den letzten Monaten etwas abgeflaut. Doch in diesem Augenblick flammte es wieder auf. Bella verschränkte die Arme vor der Brust.

„Ich wollte dich fragen, was du im Sommer vorhast.“

Die Frage traf sie wie aus heiterem Himmel. „Meine Mitbewohnerin und ich helfen ihrer Cousine aus. Sie hat einen Cateringservice.“ Seit Bella mit Deidre zusammengezogen war, sprang sie regelmäßig ein, mit Ausnahme der Schwangerschaft. In dieser Zeit hatte sie zu wenig Energie gehabt, rund um die Uhr auf den Beinen zu sein. „Warum?“

„Ich brauche eine Nanny für Drew. Tara, die junge Frau, die normalerweise auf ihn aufpasst, hat sich ein Bein gebrochen und fällt in diesem Sommer aus. Ich brauche jemanden, der sie in den nächsten zwei Monaten vertritt.“

„Es gibt bestimmt viele Agenturen, die dir weiterhelfen können.“

„Nein, das ist mir zu anstrengend. Ich habe dreißig Frauen einladen müssen, bevor ich Tara gefunden habe. Samstag brechen wir in die Hamptons auf, und ich möchte, dass du uns begleitest.“

Bella wurde von widersprüchlichen Gefühlen gepackt, doch sie antwortete so sachlich wie möglich. „Nett, dass du an mich denkst.“

Die Sache war nur, es war nicht nett. Der Gedanke war unerträglich. Sie hatte das Kind verlassen und sich dadurch ins Herz geschnitten, unter dem sie es getragen hatte. Gegen ihren Willen hatte sie eine Bindung zu Drew aufgebaut, als er noch nicht mehr als ein Flattern in ihrem Bauch war. Wie sollte sie da zwei Monate für ihn da sein, ohne sich in sein glückliches Lächeln, seinen süßen Duft und sein entzückendes Gebrabbel zu verlieben?

Sie hatte gedacht, es fiele ihr leicht, eine Leihmutter zu sein. Schon in der Junior Highschool war ihr klar geworden, dass das Mutterdasein nichts für sie war. Damals hatte sie sich vorgenommen, nie so zu werden wie ihre eigene Mutter, deren Leben sich ausschließlich um einen Haufen Kinder drehte. Als Älteste hatte Bella sich zeitlebens um ihre Brüder und Schwestern kümmern müssen. Diese Verantwortung wollte sie als Erwachsene nicht mehr tragen. Doch die Schwangerschaft mit Drew hatte alle ihre Grundsätze infrage gestellt.

Bella fürchtete sich vor den Gefühlen, die ihr gefährlich werden konnten. „Ich denke nicht, dass ich das kann.“

Blake blickte sie skeptisch an. „Ich zahle dir mehr als das, was du beim Cateringservice bekommst.“

„Das ist sehr großzügig.“

Blake dachte, sie habe sich nur wegen des Geldes als Leihmutter zur Verfügung gestellt. Doch das stimmte nur zur Hälfte. Sie hatte das Geld ernsthaft gebraucht, doch genauso ernsthaft hatte sie Blake und Victoria bei der Gründung ihrer kleinen Familie helfen wollen. Während der Zeit ihrer Schwangerschaft hatten sie vereinbart, in engem Kontakt miteinander zu bleiben. Blake hatte sie sogar ausdrücklich dazu ermutigt, doch Victoria hatte die ganze Sache im Nachhinein anders gesehen.

Sie hatte Bella bekniet, sich aus Drews Leben zurückzuziehen, damit sie und Blake sich auf ihre kleine Familie konzentrieren konnten. Es war Victorias gutes Recht gewesen, keine Frage. Bella würde sich niemals in eine Ehe drängen, ganz egal, wie groß ihr eigener Schmerz war.

„Was sagt denn Victoria dazu?“ Blakes Frau wollte nicht, dass Bella und Drew in einer Stadt lebten. Und sicherlich noch viel weniger unter einem Dach.

„Wir haben uns vor zwei Monaten getrennt.“

„Oh, Blake.“ Die Neuigkeit erschütterte sie. Was war aus Victorias festem Vorhaben geworden, eine gute Ehe zu führen? Wieso hatte sie so früh aufgegeben?

„So wie’s aussieht, kommt Victoria offenbar doch nicht mit ihrer Mutterrolle klar.“ Sein Kummer nahm Bella mit. „Sie hat eine Nebenrolle in einem kleinen Broadway-Stück ergattert und arbeitet an ihrem Vorhaben, eine große Schauspielerin zu werden.“

Bella spürte Reue. Victoria hatte sie aus Drews Leben verbannt und ihm danach als Mutter den Rücken zugekehrt? „Hast du eine Erklärung für ihre Reaktion?“

„Nein. Für mich kam es völlig überraschend.“ Blake presste die Lippen zusammen.

Auch Bella war geschockt.

Victoria hatte mit Hingabe das Kinderzimmer eingerichtet und zahllose Ratgeber für werdende Eltern gelesen. Dennoch – es war Blake gewesen, der Bella zu den Arztterminen begleitet hatte, während Victoria von einem Casting zum nächsten gerannt war. Bella hatte immer befürchtet, dass Blake als Vater für seinen Sohn keine Zeit haben könnte. Offenbar hatte sie sich um den falschen Elternteil Sorgen gemacht.

„Das tut mir sehr leid.“

Als sie instinktiv Blakes Arm berührte, dauerte es nur eine Nanosekunde, bis ein Kribbeln von den Fingerspitzen direkt ins Herz lief und Bellas Knie weich werden ließ. Hastig zog sie die Hand zurück.

Es war ihm nicht anzumerken, ob er spürte, dass sie verunsichert war. „Vielleicht verstehst du jetzt, warum ich jemanden brauche, dem ich Drew guten Gewissens anvertrauen kann“, sagte er. „Ich könnte deine Hilfe gebrauchen.“

Dreiste Forderungen oder Bestechungsversuche hätte sie bedenkenlos zurückgewiesen. Aber eine Bitte abzuschlagen, war in etwa so, als würde Superman sich weigern, einen riesigen Gesteinsbrocken aus dem Weg zu räumen. Ein Superheld durfte nicht ablehnen, weil er zu stark war. Sie konnte es nicht, weil sie zu schwach war.

Außerdem standen ihr die Erinnerungen an die gemeinsame Zeit in den Hamptons im Weg: die morgendlichen Spaziergänge am Strand, die Nachmittage auf der Veranda mit einer Tasse Tee. Am Ende ihrer Schwangerschaft hatte Blake sie eingeladen, dort gemeinsam mit ihm und Victoria zwei Wochen in seiner Strandvilla zu verbringen. Allerdings hatte es auch eine Kehrseite gegeben – sie hatte viel zu viel Zeit zum Nachdenken gehabt. Nur an den Wochenenden, an denen Blake und Victoria Freunde und Familienmitglieder in das riesige Haus einluden, war Bella durch die vielen Gespräche und die Betriebsamkeit abgelenkt worden.

„Bist du sicher, dass du nicht lieber mit ihm in der Stadt bleibst?“

„Ich werde die meiste Zeit von meinem Büro in der Strandvilla aus arbeiten. Deshalb brauche ich jemanden, der tagsüber ein Auge auf Drew hat. Die Abende hättest du frei.“

„Hast du denn die Möglichkeit, deinem Unternehmen in New Yorker fernzubleiben?“ Sie erinnerte sich an seine langen Arbeitszeiten.

Angesichts ihres Erstaunens erschien ein kleines Lächeln auf seinem Gesicht. „Ich habe dir doch gesagt, ich habe mich verändert.“

Sie konnte ihm ansehen, dass er die Wahrheit sprach, und wurde von einer angenehmen Wärme durchströmt. Das war der Blake, der sie faszinierte. Ein Mann mit Überzeugungen und Leidenschaften. Intelligent, ironisch, sexy.

Sie war hin und her gerissen, schüttelte aber den Kopf. Einen ganzen Sommer lang am Strand? Mit einem Sohn, den sie nicht ihr eigen nennen durfte? Und einem Mann, den sie nicht begehren durfte?

Blakes Anziehungskraft war immer noch viel zu stark. Und was wäre, wenn sie Drew ins Herz schließen würde? Das Letzte, was sie sich wünschte, war, eine emotionale Bindung zu dem Kind aufzubauen, das sie geboren hatte. Nachdem sie ihre sieben Geschwister aufgezogen hatte, hatte sie genug von der Elternrolle gehabt. Ihre Parole lautete: Freiheit.

„Das Angebot klingt wunderbar, aber ich muss dir leider absagen.“

Blake machte ein Gesicht, als wollte er protestieren. Doch bevor er etwas sagen konnte, hörte man, wie auf der anderen Straßenseite die Tür seiner Limousine geöffnet wurde und ein trotziges Jammern durch die milde Frühlingsluft drang. Blakes Anspannung ließ sofort nach, als er seinen Sohn hörte.

„Klingt, als würde Drew dich persönlich überzeugen wollen.“

Bevor Bella widersprechen konnte, ging Blake zu seinem Fahrer. Der Mann hatte den Kleinen vorsichtig aus dem Kindersitz gehoben und gab ihn Blake. Das Jammern verwandelte sich in einen fröhlichen Jauchzer, als Drew von seinem Vater hoch in die Luft gehoben wurde. Bella wurde es ganz anders beim Anblick des seriösen Geschäftsmannes, der sich trotz seines vollen Terminkalenders die Zeit für seinen neun Monate alten Sohn nahm. Die Zärtlichkeit, mit der Blake dem Kleinen begegnete, schnürte ihr den Hals zu.

Schließlich drückte er den Jungen sanft an seinen Brustkorb und kam wieder auf Bella zu. „Drew, das ist Bella. Ich habe dir schon von ihr erzählt.“

Als ob der Junge in der Lage wäre, ihn zu verstehen.

Doch als Drew sie aus seinen graublauen Augen ansah – es waren die seines Vaters –, fragte Bella sich, ob sie sein Auffassungsvermögen unterschätzt hatte. Sie streckte die Hand aus und hoffte, dass Blake das leichte Zittern nicht bemerkte. Drew ergriff mit bemerkenswerter Kraft ihren Finger. Bella wurde plötzlich von einer Traurigkeit erfüllt, die ihr fast den Atem raubte.

„Schön, dich kennenzulernen, Drew“, murmelte sie. Als der Knirps sie breit anlächelte, war es um sie geschehen.

Während Bella das Kind betrachtete, versuchte Blake, sich seine Skepsis nicht anmerken zu lassen. Drew zeigte sich von seiner zuckersüßesten Seite und lenkte sie mit seinem wunderbarsten Lächeln ab. Das gab Blake die Möglichkeit, sich die achtundzwanzigjährige Leihmutter seines Sohnes genauer anzusehen.

Sie war entzückend. Sie hatte dunkelbraunes Haar und eine glatte helle Haut und sah aus wie das Mädchen von nebenan. Nachdem er und Victoria sich für Bella als Leihmutter entschieden hatten, war er zunächst skeptisch gewesen, ob eine Metropole wie New York die richtige Stadt für ein Mädchen aus dem ländlichen Iowa war. Doch Bella war in einem liebenden Umfeld groß geworden, besaß Rückgrat und eine pragmatische Art.

Er hätte nicht sagen können, was ihr durch den Kopf ging, als sie Drews Händchen schüttelte. Fühlte sie denn gar nichts? Immerhin hatte sie Drew neun Monate lang unter ihrem Herzen getragen. Dadurch war doch bestimmt eine Bindung zwischen den beiden entstanden. Was war nur geschehen? Sie hatte ihnen versichert, nach der Geburt engen Kontakt mit ihnen zu halten. Wieso also hatte sie sich einfach umgedreht und war wortlos gegangen? Hatte sie ihnen etwas vorgemacht? Hatte er ihr vor lauter Freude über die Vaterschaft blindlings abgekauft, sie sei ein liebender und fürsorglicher Mensch? Es wäre nicht das erste Mal, dass er auf eine Frau hineinfiel, die ihm vorspielte, eine andere zu sein.

In der Zeit nach der Geburt hatte er versucht, seine Enttäuschung über Bellas Weggang zu verdrängen, um seine Vaterfreuden zu genießen. Während ihrer Schwangerschaft hatte sie immer wieder betont, ein Teil von Drews Leben bleiben zu wollen. Offenbar war es eine Lüge gewesen. Bella hatte sich wegen des Geldes als Leihmutter hergegeben. Für sie war es eine reine Dienstleistung.

Blake ging es nicht um die Summe, die er gezahlt hatte. Denn er und Victoria hatten sich nach einer Familie gesehnt, und in dieser Hinsicht war Bella bloß ein Mittel zum Zweck gewesen. Doch es hatte ihn erschüttert, dass diese Frau, die er geglaubt hatte zu kennen, einen so unerwarteten Schritt getan hatte.

Der Grund für seine Wut darüber, dass Bella Drew den Rücken zugekehrt hatte, war tief in seiner schmerzhaften Kindheit verwurzelt. Bellas abrupter Abgang erinnerte ihn daran, wie seine Mutter ihn und seinen Vater verlassen hatte. Er war acht Jahre alt gewesen, als sie in ihr altes Leben nach Paris zurückkehrte. Doch bei ihr, selbst bei Victoria, hatte es wenigstens Anzeichen für einen mangelnden Mutterinstinkt gegeben. Bella hingegen hatte er von vornherein als fürsorgliche und mütterliche Frau wahrgenommen.

„Er ist sehr hübsch.“ Genauso gut hätte sie übers Wetter sprechen können. Sie trat zurück und ließ Drews Hand los. „Er hat deine Augen.“

„Und Victorias eisernen Willen.“ Blake betrachtete Drew und musste daran denken, dass seine Exfrau lieber Karriere machte, anstatt ihre Mutterrolle anzunehmen. Jeder Versuch, Victoria zu überreden, bei ihm und Blake zu bleiben, war fehlgeschlagen.

Drew stieß sich von Blakes Brustkorb ab und wippte quengelnd in Richtung Boden. Er war versessen darauf, diesen unbekannten Ort zu entdecken und sich alles in den Mund zu stecken, was er greifen konnte. Er war in einem Alter, in dem man ihn keine Sekunde lang aus den Augen lassen durfte. Um ihn abzulenken, zog Blake einen Plastikring aus der Tasche.

„Meinst du?“ Bella beobachtete, wie Drew den Ring auf den Boden warf und herumzappelte, weil er auf den Boden wollte. „Ich glaube, die Willenskraft hat er von seinem Vater geerbt.“

„Bei dir klingt das, als wäre es etwas Schlechtes“, sagte Blake. Er war immer noch leicht verstimmt. Normalerweise fiel in der Sekunde, in der er Drew auf dem Arm hatte, aller Ärger von ihm ab. Doch die Begegnung mit Bella hatte seinen Unmut geschürt. „Immerhin habe ich dank meiner Willenskraft die Umsätze von Wilcox Investments verdoppelt.“

„Natürlich.“

Ihr förmliches Lächeln versetzte Blake einen Stich. Verdammt. Er vermisste Bellas sonnige Art, ihren Optimismus und die Gelassenheit, die den Menschen des Mittleren Westens zu eigen war. Seine Frau hatte es immer sterbenslangweilig gefunden, wenn er ihr von seiner Arbeit erzählt hatte. Bella hingegen war immer ganz Ohr gewesen.

Er hatte in ihr so etwas wie eine kleine Schwester gesehen. Einen Freund.

Dass sie sich wie aus heiterem Himmel davongemacht hatte, war sehr unangenehm gewesen. Dabei hatte sie sehr oft darüber gesprochen, wie es nach Drews Geburt weitergehen könnte. Sie hatte sich doch darauf gefreut, in Kontakt mit Drew zu bleiben und regelmäßig nach New York zu kommen, um ihn zu besuchen.

Blake hatte ihre Entscheidung, der Familie erhalten zu bleiben, begrüßt. Denn je näher der Geburtstermin rückte, desto größer waren Blakes Zweifel an Victorias Mutterwunsch geworden. Im letzten Drittel von Bellas Schwangerschaft hatte Victoria eine Rolle in einem kleinen Broadway-Stück angenommen und immer weniger Zeit zu Hause verbracht. Seine Ängste, die er als Kind gehabt hatte, nachdem seine Mutter nach Paris gegangen war, waren aufs Neue erwacht.

Er und Victoria hatten Auseinandersetzungen über Victorias Prioritäten geführt. Nach Drews Geburt waren die Streitereien schließlich noch schlimmer geworden. Ihr Verhalten war alles andere als mütterlich. Schlimmer noch, um das Kinderzimmer machte sie einen großen Bogen. Blake warf sie vor, sie unter Druck zu setzen und mit seinen Erwartungen zu überfordern. Dann verstummten die hitzigen Diskussionen allmählich. Stattdessen breitete sich ein unangenehmes Schweigen zwischen ihnen aus. Das war der Zeitpunkt gewesen, an dem ihre Ehe auseinanderbrach.

Daher hatte es ihn auch nicht sonderlich überrascht, als er hinter ihre Affäre mit ihrem Broadway-Produzenten gekommen war.

Blakes Handy klingelte. „Hier.“ Er reichte Drew an Bella weiter und griff in seine Jackentasche. Während er mit seiner Assistentin sprach, sah er aus dem Augenwinkel, wie sich Bellas Miene veränderte.

Ihre Gesichtszüge verspannten sich, als Drew sich nach vorne beugte und ihr die Händchen auf den Mund legte. Blake sah, wie der kleine Junge und sie sich intensiv beäugten. Er war sich nicht einmal sicher, ob Bella überhaupt atmete. Empfand sie etwas? Genau das war ja der Grund gewesen, warum er zu ihr gekommen war, um sie als Nanny zu engagieren: Sie sollte den Kontakt zu Drew aufnehmen. Da Victoria die Familie verlassen hatte, wäre er verrückt, den Jungen ohne das Wissen aufwachsen zu lassen, wer seine Mutter war.

„Ich muss wieder ins Büro“, sagte er zu ihr und wies mit der Hand auf seine Limousine. „Würdest du ihn in den Kindersitz setzen?“

„Klar.“

Blake betrachtete interessiert die eleganten Schritte, mit denen sie auf den Wagen zuging. Die Schwangerschaftskilos waren verschwunden, und Bella war wieder die zarte Person, der er in der Kinderwunschklinik begegnet war.

Sie lächelte den Fahrer warmherzig an, als er ihr die Tür öffnete. Da der Kindersitz auf der anderen Seite des Wagens war, musste sie auf die Bank rutschen, um Drew darauf zu verfrachten. Mit einem Bein stand sie auf der Straße, während der Rest ihres Körpers im Wageninneren verschwunden war.

Blake fuhr sich durchs Haar. Sie hatte sicherlich keinen Schimmer, was für einen charmanten Anblick sie ihm darbot. Während sie Drew anschnallte, sah Blake, wie ihr Po sich hin und her bewegte. Schlagartig wurde ihm bewusst, wie verlockend dieses Bild war. Er schluckte und unterdrückte das plötzliche Verlangen, sie an den Hüften zu fassen und sich eng an ihre verführerischen Kurven zu schmiegen.

Woher zum Teufel kam das nun wieder?

Autor

Cat Schield

Cat Schield lebt gemeinsam mit ihrer Tochter, zwei Birma-Katzen und einem Dobermann in Minnesota, USA und ist die Gewinnerin des Romance Writers of America 2010 Golden Heart ® für romantische Serienromane. Wenn sie nicht gerade neue romantisch-heiße Geschichten schreibt, trifft sie sie sich mit ihren Freunden um auf dem St....

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