Gefährliches Spiel um dein Herz

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Eigentlich wollte Justin Ling in Las Vegas nur Poker spielen. Unerwartet landet er mit einer verführerischen schwarzhaarigen Schönheit im Bett – und vor dem Traualtar! Justin will die Ehe mit der süßen Sarina so schnell wie möglich annullieren, denn an einer festen Beziehung ist der smarte CEO nicht interessiert. Aber wegen eines millionenschweren Geschäfts-Deals müssen sie für eine Weile das glückliche Paar mimen. Dann sollen sich ihre Wege endgültig trennen. Doch aus dem sinnlichen Spiel wird plötzlich Ernst … und Justins Herz gerät in Gefahr!


  • Erscheinungstag 22.06.2021
  • Bandnummer 2191
  • ISBN / Artikelnummer 9783751503723
  • Seitenanzahl 144
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. KAPITEL

Las Vegas, Nevada

Es gab nicht viel, womit man Justin Ling vom Pokertisch weglocken konnte, denn er liebte das Spiel. Die Strategie und die Psychologie ebenso wie die Emotionen, die bei jedem Blatt in ihm hervorgerufen wurden. Dass er bisher weit mehr gewonnen als verloren hatte, war natürlich auch nicht zu verachten. Aber er brauchte das Geld nicht, denn er war aufgrund des Erfolgs seiner Firma Redhawk / Ling ohnehin Milliardär. Das Gewinnen war eher ein netter Nebeneffekt, genau wie die Tatsache, dass man ihn aufgrund dessen mittlerweile zu lukrativen Privatspielen und öffentlichen Turnieren einlud. Wenn er sich also ein Wochenende dafür freinahm, gab es fast nichts, was ihn von den Karten in seiner Hand ablenken konnte.

Deshalb konnte er es sich auch nicht so recht erklären, warum er jetzt neben der verführerischen Schönheit mit den rabenschwarzen Haaren an der Bar saß.

Sie war groß, schlank und auf eine Art sexy, das sich auf ein Selbstvertrauen aufbaute, das weit über die oberflächlichen Attribute wie High Heels und Make-up hinausging. Diese Frau würde es einem Mann nicht leicht machen, das erkannte er sofort.

Während einer Spielpause hatte er sie von einem der Privaträume aus in Richtung Lobby des Casinos gehen sehen, und sie hatte ihn auch entdeckt. Es war wie ein Blitzschlag gewesen, als sich ihre Blicke getroffen und mehrere Sekunden lang ineinander verfangen hatten. Dass die Frau ganz offensichtlich ebenfalls diese sexuelle Spannung gespürt hatte, war ausschlaggebend dafür gewesen, dass er sich am Pokertisch hatte auszahlen lassen und ihr in die Bar gefolgt war.

„Darf ich Ihnen einen Drink spendieren?“ Er verschwendete keine Zeit. Justin nahm sich immer, was er wollte, und diese Frau zog ihn magisch an.

Sie blickte zu ihm hinüber und unterzog ihn einer eingehenden Musterung. Ihr Blick verharrte kurz auf seinem Gesicht, und er glaubte, ein erneutes Aufflackern von Interesse in ihren dunklen Augen ausmachen zu können. Allerdings war ihre Miene absolut unbeteiligt, als sie sich wieder zur Seite drehte, um das Footballspiel auf dem Bildschirm hinter der Bar anzuschauen.

„Ich kann mir meinen eigenen Drink kaufen.“ Sie nahm einen der drei Shots, die vor ihr standen, und kippte ihn auf ex hinunter.

„Das glaube ich Ihnen gern“, antwortete er, während er ebenfalls auf den Fernseher starrte. Aus dem Augenwinkel sah er, wie sie sich verspannte, aber immerhin verschwand sie nicht und sagte ihm auch nicht, dass er einen Abgang machen solle. Das ermutigte ihn. „Genau genommen denke ich, Sie sollten mir einen Drink spendieren.“

Ein paar Sekunden verstrichen, und Justins Herzschlag beschleunigte sich, als das Schweigen länger andauerte, als ihm lieb war. Er fragte sich gerade, ob er die herausfordernde Art ihres Ganges und die Stärke, die aus ihrem Blick sprach, vielleicht doch falsch eingeschätzt hatte. Aber da er nun mal gerne wettete, hätte er all sein Geld darauf gesetzt, dass sie nach diesem Köder schnappen würde.

Dann lachte sie plötzlich.

Es war weder ein Kichern noch ein herzhaftes Lachen aus dem Bauch heraus. Ihre Lippen hoben sich verführerisch, und das tiefe, raue Rattern in ihrer Brust erinnerte ihn sofort an Kathleen Turner, an wunderbar gereiften Whiskey und an sinnliches Bettgeflüster. Fasziniert drehte er sich zu ihr herum und sah, wie Licht und Schatten auf ihrem Gesicht und in ihren glänzenden Haaren miteinander verschwammen.

„Lachen Sie mich etwa aus?“, fragte er und tat so, als wäre er beleidigt. „Vielleicht sind das ja meine letzten zwanzig Dollar, mit denen ich Ihren Drink bezahlen wollte.“

Sie schnaubte nur und verdrehte obendrein auch noch die Augen, ehe sie auf seine Uhr tippte. „Das ist eine Rolex Cosmograph Daytona 40 mm. Sie können es sich wahrscheinlich sogar leisten, die gesamte Bar zu kaufen, daher habe ich keine Sorge, dass ich Ihr Konto plündern würde, wenn ich mir etwas Vernünftiges auf Ihre Kosten bestelle.“

Verdammt. Seine geheimnisvolle Lady hatte nach dem Köder geschnappt, aber der Einzige, der am Haken hing, war er.

„Woher wissen Sie so viel über Uhren? Sind Sie Juwelierin?“ Justin lehnte sich gegen den Tresen, um ihr noch ein Stückchen näher kommen zu können, und versuchte nicht einmal, die Bewunderung aus seiner Stimme herauszuhalten.

Sie machte eine wegwerfende Handbewegung. „Paul Newman hat so ein Modell getragen, als er Autorennen gefahren ist. Von Uhren habe ich keine Ahnung, von Autos aber sehr wohl.“

Wow. Diese Frau wurde ja immer besser, daher blieb ihm gar nichts anderes übrig, als sich immer weiter vorzuwagen, obwohl sie nicht so aussah, als würde sie ihm einen Rettungsring zuwerfen.

„Ich bin Justin …“

Sofort schüttelte sie den Kopf. „Einen Nachnamen will ich gar nicht wissen.“

Auch gut. Wenn sie es so wollte. Gefiel ihm ohnehin besser. Er streckte ihr die Hand entgegen.

„In Ordnung. Ich bin Justin.“

Sie musterte seine Hand einen Moment lang, eine Augenbraue skeptisch hochgezogen, sodass er sich unwillkürlich in die Highschool zurückversetzt fühlte, als er vergeblich versucht hatte, Brandilynn Post, die hübscheste der Cheerleaderinnen für sich zu gewinnen. Ein Misserfolg, den er nicht vergessen hatte, obwohl inzwischen unzählige Cheerleaderinnen in seinem Bett gelandet waren. Daher ließ er sich nicht von einer Frau abschrecken, die es ihm nicht leicht machte, ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen. Normalerweise warfen sich ihm die Frauen heutzutage an den Hals, deshalb war das hier eine aufregende Abwechslung, die ihn faszinierte und ihn erregte. Er wusste, wenn diese Nacht damit endete, dass sie unter ihm lag, wäre sie absolut atemberaubend.

„Ich bin Harley.“ Sie ergriff seine Hand, und er spürte, wie sie dabei sanft über seinen Ringfinger strich. Jetzt hob er fragend eine Augenbraue. Sie ließ seine Hand wieder los und zuckte mit den Schultern. „Ich wollte nur sichergehen. Mit verheirateten Typen lasse ich mich nicht ein.“

„Sie nehmen also an, dass ich mich mit Ihnen einlassen will?“

„Wir wissen doch beide, dass es so ist …“, erwiderte sie und trank einen Schluck Bier, ehe sie ihm einen sinnlichen Blick zuwarf, der ihn noch näher zu ihr rücken ließ. So nahe, dass er ihr seidiges Haar jetzt an seiner Wange spüren konnte. Nahe genug, um die winzige Narbe zu entdecken, die sich am Ende einer ihrer perfekt geschwungenen Augenbrauen befand. Er wertete es als gutes Zeichen, dass sie nicht zurückwich, und wusste es mit Sicherheit, als sie fortfuhr: „… und im Augenblick interessieren Sie mich.“

Bingo. Justin schaffte es nur mit Mühe, ein Grinsen zu unterdrücken. Er rutschte auf dem Barhocker hin und her, als sich ein Feuer in seinem Unterleib ausbreitete und ihn hart werden ließ. Aber auch wenn sie im Moment an ihm interessiert war, vermutete Justin, dass Harley wie ein ungezähmtes Fohlen war; jede Kleinigkeit, die ihr nicht gefiel, könnte sie sofort durchgehen lassen. Am liebsten hätte er sich vorgebeugt und sie geküsst, aber er widerstand der Versuchung und entschloss sich, noch einmal von vorn zu beginnen.

„Darf ich Ihnen denn jetzt einen Drink spendieren?“

Sie nahm ihren zweiten Shot und kippte ihn hinunter. „Ich gebe einen aus. Du hast schließlich noch einiges aufzuholen.“

Sie gab dem Barkeeper ein Zeichen, Justin drei Shots zu bringen.

Als diese vor ihm standen, hob Justin das erste Glas, zögerte aber, bevor er es an die Lippen hob. „Feiern wir denn etwas Spezielles?“

Harley neigte den Kopf zur Seite und überlegte kurz, ehe sie ihren letzten Shot nahm und ihn leicht gegen sein Glas stieß. „Auf die Freiheit und Neuanfänge.“

„Wer auch immer er ist, er ist ein Idiot.“ Denn der Mann, der sich diese Frau durch die Finger hatte schlüpfen lassen, musste einfach der größte Idiot auf Erden sein. Okay, vielleicht der zweitgrößte … Justin würde sie nämlich auch nicht halten. Er machte sich keine Illusionen darüber, dass das, was hier gerade ablief, irgendwas mit Liebe auf dem ersten Blick zu tun hatte.

Der Wodka brannte in seiner Kehle. Es war nicht seine bevorzugte Marke, aber sämtliche Kritik in ihm verschwand, als er den zweiten Shot hinterherkippte. Er schüttelte kurz den Kopf, und seine Augen tränten fast, als sich der Alkohol in ihm ausbreitete und für ein Brennen unter seiner Haut sorgte.

Als er wieder klar sehen konnte, starrte Harley ihn an, und zwar mit einem Blick, in dem ein ganz anderes Feuer brannte. Sie leckte sich über die Lippen, das universelle Zeichen dafür, dass ihr gefiel, was sie sah. Justin hatte endlich wieder das Gefühl, sich auf bekanntem Terrain zu bewegen, wappnete sich jedoch für den Moment, wenn sie ihn umhauen würde. Das war etwas, was er in seinen sonstigen Begegnungen mit Frauen nur selten erlebte, aber er genoss dieses Sparring mit Harley unglaublich. Es war anders und sehr viel lebendiger und echter als die üblichen Spielchen, bevor er sonst mit einer Frau ins Bett ging.

„Wer ist der Typ?“ Justin war selbst überrascht, dass er diese Frage stellte. Was ging ihn der Idiot an, der sie hatte gehen lassen? Er war weder an der Vergangenheit noch an der Zukunft interessiert, sondern lediglich am Hier und Jetzt. Solange der Loser nicht gerade hier in der Bar auftauchte, um Harley zurückzuerobern, war er Justin vollkommen egal.

Doch er zog die Frage nicht zurück. Er wollte aus irgendeinem Grund alles von ihr wissen.

Harley warf ihm einen amüsierten Blick zu. „Sein Name ist Sam. Er wollte eine Art von Bindung, zu der ich nicht bereit war.“

Das klang vertraut für ihn.

„Wolltest du keine enge Bindung zu ihm oder überhaupt?“

„Ich finde, dass es deutlich überbewertet wird, sich auf lange Sicht mit jemanden einzulassen.“ Justin verbarg die Überraschung, die er bei ihren Worten empfand, nicht, also sagte sie neckend, während sie am Aufschlag seines Jacketts zupfte: „Habe ich mich gerade als deine Traumfrau entpuppt?“ Sie glitt mit den Fingerspitzen langsam über sein Jackett und zog ihn näher zu sich, während sie aufzählte: „Will keine festen Bindungen, ist trinkfest und mag Autos.“

Justin umfing ihre Hand und beugte sich vor, um ihr ins Ohr zu flüstern. Sie erzitterte leicht, und diese Reaktion ließ ihn lächeln. „Wenn du mir jetzt auch noch erzählst, dass das, was du am liebsten in deiner Freizeit treibst, Sex ist, muss ich dich wohl auf der Stelle heiraten.“

Harley erstarrte, und als er mit seinem Mund über ihren Hals glitt, spürte er, wie ihr Puls unter seinen Lippen zu rasen begann. Im nächsten Moment schob sie ihn weg und griff nach ihrem Bier. Nach einem kräftigen Schluck bedachte sie ihn mit einem Blick, der mehr Sinnlichkeit als Kritik offenbarte.

„Ach, verdammt, musstest du das Ganze mit diesem einen Wort ruinieren?“ Sie deutete auf sein letztes volles Glas. „Das ist deine Strafe.“

Er gehorchte, hakte einen Fuß unter eine Strebe ihres Barhockers und zog sie damit näher an sich, während er die brennende Flüssigkeit hinunterschluckte. „Ist Harley dein richtiger Name?“

Sie stützte den rechten Ellenbogen auf den Tresen und drehte sich so, dass sie fast an Justin geschmiegt war. „Es ist ein Spitzname. Ich stehe auf alte Autos, Motorräder und fahre eine 1975er Harley.“

Auf diese Antwort war er nicht gefasst gewesen. „Bist du Mechanikerin?“

„Im Augenblick arbeite ich nicht. Ich will mir zuerst diesen Teil der Welt anschauen, ehe ich weitere Pläne mache.“ Die Antwort war vage, aber so formuliert, dass er wusste, dass es keinen Sinn machen würde, weiter nachzuhaken. Doch Harley faszinierte ihn, und er wollte unbedingt mehr über sie erfahren, deshalb entschloss er sich dazu, die Taktik zu ändern.

„Welchen Song hast du dir zuletzt angehört?“

Der Themenwechsel warf sie kurz aus der Bahn, doch sie fing sich rasch wieder. „Jolene von Ray LaMontagne.“

„Nett. Stimmungsvoll, aber auch sehr sexy. Passt zu dir“, meinte er und bestellte eine weitere Runde.

„Okay, jetzt du. Letzter Song“, hakte sie nach, als sie beide ihre Shots getrunken hatten.

Justin zögerte kurz, als ihm einfiel, was er gehört hatte, als er hier auf den Parkplatz gefahren war. Verdammt, das kam davon, wenn man seinem Neffen erlaubte, eine Playlist aufzuspielen. „Cool von den Jonas Brothers.“

„Ich will lieber gar nicht wissen, was dieses Lied über dich aussagt.“ Sie verzog das Gesicht und schob ihm ein weiteres Glas hin. „Ich finde, um diesen schrecklichen Musikgeschmack wiedergutzumachen, musst du noch einen trinken.“

Er zahlte seine Strafe und wischte sich danach den Mund mit einer übertriebenen Geste ab, die Harley zum Lachen brachte. Verdammt, ihm gefiel dieses Lachen, und er fragte sich unwillkürlich, wie Harley wohl klang, wenn sie ein heiseres Stöhnen von sich gab. Justin griff nach ihrer Hand und verschränkte seine Finger mit ihren. „Du bist dran!“

Harley überlegte einen Augenblick lang. „Okay, Strand oder Berge?“

„Das ist einfach. Ich komme aus Kalifornien, also Strand.“ Er hob eine Hand, um sie am Antworten zu hindern, und strich ihr dann eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Es war unglaublich, welche Gefühle diese Frau in ihm auslöste. „Lass mich raten.“

„Dann mal los.“

Mit den Fingerspitzen strich Justin langsam über ihre zarten Wangenknochen, hinunter zu ihrem Kinn, bis er schließlich die Hand in ihren Nacken schob und sie näher an sich zog. Harley leistete keinen Widerstand und legte ihm sogar eine Hand auf den Schenkel. Sie war ihm jetzt so nahe, dass er ihre langen Wimpern zählen könnte und das Flattern ihres Pulses spüren konnte. Außerdem hörte er, wie sie nach Luft schnappte und ein lustvolles Stöhnen unterdrückte.

Oder war er das vielleicht selbst gewesen?

Er beugte sich vor, streifte mit den Lippen federleicht ihr Ohr und drängte seinen Körper dann gegen ihren. Er war bereits hart, sein gesamter Körper wollte sie. Er sehnte sich danach, sie auszuziehen und all ihre Geheimnisse zu entdecken. Nicht nur jede Kurve ihres Körpers, nicht nur jede erogene Zone, sondern einfach alles.

Also würde er damit beginnen, sie in sein Bett zu locken. Denn er wollte sie unter sich und auf sich haben, er wollte, dass sie ihn vollständig umgab.

„Berge.“

„Nur ein Glückstreffer.“

Harley wandte sich zu ihm, sodass sie ihm in die Augen schauen konnte, ihr Mund war jetzt nur noch Millimeter von seinem entfernt. Ihre Augen waren dunkel, die Pupillen vor Verlangen geweitet, aber es waren auch Zweifel darin zu erkennen. Justin fragte sich, welche Seite wohl gewinnen würde, aber ihm war klar, dass es ihre Entscheidung sein musste. Sie würde den ersten Schritt machen müssen, und er konnte nur abwarten, ob sie aussteigen oder alles auf diese eine Nacht setzen würde.

„Frag mich etwas, was du wirklich wissen willst“, flüsterte sie jetzt und biss sich auf die Unterlippe, ehe sie mit der Zunge darüberfuhr.

„Darf ich dich küssen?“

Ihre Antwort war unerwartet, aber genau das, was er sich erhofft hatte: ihr Mund auf seinem, weich, aber nicht zögernd. Es verriet ihm, was er wissen musste … dass sie das hier genauso sehr wollte wie er … dass sie ihn wollte. Justin schob seine Finger in ihr Haar, während er mit der Zunge über ihre Lippen streifte und darauf hoffte, weiter vordringen zu dürfen.

Harley umklammerte seine Jackenaufschläge und eroberte jetzt seinen Mund. Sie stöhnten beide auf, als er sich nahm, was er brauchte, doch es war nicht genug, um das Verlangen zu stillen, das sie in ihm wachgerufen hatte.

Also zog er sie kurzerhand auf seinen Schoß, damit sie sich rittlings auf ihn setzte. Justin schob seine Hände unter ihren Hintern und presste sie gegen seine schmerzhaft harte Erektion. Sie schlang die Arme um seinen Hals, offenbar genauso erpicht darauf, ihm noch näher kommen zu können, während sie sich weiter stürmisch küssten.

Irgendwann löste Harley sich von ihm, um nach Luft zu schnappen, und er nutzte den Moment, um von ihr die Antwort zu bekommen, die er dringend brauchte, bevor sie weitermachen konnten. „Sag mir, was du willst.“

„Ich will dich!“

Es war nicht das erste Mal, dass Justin in einem fremden Hotelzimmer aufwachte.

Er liebte das Reisen, sei es aus geschäftlichen Gründen oder zum Vergnügen, also war er es gewohnt, aufzuwachen und erst einmal kurz überlegen zu müssen, in welcher VIP-Suite welcher Stadt er sich befand. Es war ebenfalls nichts Ungewöhnliches, mit einer Frau an seiner Seite aufzuwachen, die er dann aber so schnell wie möglich loswerden wollte. Doch er konnte sich nicht daran erinnern, dass er jemals allein aufgewacht war und es bedauert hatte, dass eine Frau mitten in der Nacht gegangen war.

Tja, es gab wohl immer ein erstes Mal.

Harley war verschwunden, so als hätte sie nur in seiner Einbildung existiert oder als wäre sie ein Traum gewesen, an dem er verzweifelt versuchte festzuhalten, der sich jedoch viel zu schnell verflüchtigte. Doch sie war real gewesen. Sein schmerzender Körper bezeugte es ebenso wie der Duft nach ihr und nach Sex, der in den zerwühlten Laken hing.

Justin quälte sich aus dem Bett und zog sich seine Hose an, während sein Blick über die Hinterlassenschaften ihrer unglaublichen Nacht schweifte. Leere Gläser und Flaschen lagen auf dem Boden der Penthouse-Suite, außerdem die Reste eines mitternächtlichen Steak- und Hummer-Snacks … und … ihr Hochzeitsschleier.

Justin beugte sich nach unten, wobei sein pochender Kopf ihm deutlich signalisierte, dass das gar keine gute Idee war, und das äußerst unangenehme Gefühl im Magen bestätigte das zusätzlich. Der Schleier war einer von der billigen Sorte, die man an jeder Hochzeitskapelle auf dem Strip kaufen konnte. Harley hatte sich beim Aussuchen Zeit gelassen und lachend erklärt, er müsste schließlich zu ihrer schwarzen Lederhose und dem grauen T-Shirt passen. Als sie ihn aufgesetzt hatte, hatte die Mischung aus knallharter Bikerbraut und jungfräulicher Schönheit Justin den letzten Rest Verstand geraubt, und kurz darauf war er vor einen Altar getreten und hatte die zwei Worte gesagt, die er sich geschworen hatte, niemals zu sagen: „Ich will!“

Was hatte er sich nur dabei gedacht? Nichts. So viel war ihm klar. Er ging gern mal ein Risiko ein und scheute selbst dann nicht davor zurück, wenn der Erfolg nicht garantiert war, aber er war niemals unbesonnen. Bisher war er in geschäftlichen Dingen immer gut damit gefahren. Er konnte besser mit Zahlen umgehen als irgendjemand sonst, und er hatte sich und eine ganze Reihe von Leuten ziemlich reich damit gemacht. Trotzdem machte er die Leute irgendwie nervös … Leute, die gern auf Nummer sicher gingen … Leute, die zögerten, mit Redhawk / Ling zusammenzuarbeiten, weil sie nicht genau wussten, woran sie bei ihm waren.

Wie die Gruppe von Investoren, die zurzeit überlegte, ob sie eine Partnerschaft mit seiner Firma eingehen sollten, und die wahrscheinlich sofort einen Herzinfarkt bekommen würden, wenn sie erfuhren, was er letzte Nacht getan hatte.

Er war nach Las Vegas gefahren, um Poker zu spielen, und hatte nachts einfach so eine Frau geheiratet.

Eine Fremde, die ihn mitten in der Nacht verlassen hatte.

Justin wusste, was er nun zu tun hatte. Er musste diese Frau finden und die Ehe sofort annullieren lassen, ehe die Presse davon Wind bekam und sich lang und breit über seine wilden Eskapaden ausließ. Adam, sein bester Freund und zugleich sein Partner bei Redhawk / Ling würde garantiert auch alles andere als erfreut sein. Erst letzte Woche hatte er Justin gebeten, die Füße eine Weile stillzuhalten und sich angemessener zu verhalten, bis sie dieses Investment unter Dach und Fach hatten. Justin hatte zugestimmt und sich an die Abmachung gehalten.

So lange, bis er Harley getroffen hatte.

Jetzt hieß es, Schadensbegrenzung zu betreiben, seine Frau zu finden und das Ganze vor der Presse geheim zu halten.

Er war ein Spieler, und die Chancen in dieser Sache gefielen ihm ganz und gar nicht.

2. KAPITEL

Eine Woche später

Es war ein Fehler gewesen hierherzukommen.

Sarina Redhawk stand auf der Terrasse des Hauses ihres älteren Bruders und zählte die Sekunden, bis sie endlich verschwinden und ins Hotel zurückkehren konnte. Um sie herum befanden sich massenhaft fremde Leute, die gerade dabei waren, sich über das Essen herzumachen und Cocktails zu trinken. Alle Gäste sollten außerdem Stimmzettel in eine rosafarbene oder in eine blaue Schachtel werfen. Sie hatte sich für den blauen Behälter mit der großen Schleife darauf entschieden, aber nur, weil eine Frau, die alle Nana Orla nannten, wie ein Habicht darüber gewacht hatte, dass sie ihre Stimme auch wirklich abgab.

Adams Haus war nett, zwar nicht so riesig wie das Anwesen der Kardashians, aber groß genug, um jedem klarzumachen, dass er einer der führenden Tech-Milliardäre im Silicon Valley war. Es war professionell für einen Junggesellen eingerichtet worden, das erkannte man sofort an dem ganzen Ambiente. Persönliche Fotos, seltsame Kunstgegenstände und knallige Farben zeugten allerdings vom Eintritt des feurigen Rotschopfs ins Leben ihres Bruders. Tess war nicht schüchtern, und sie stand jetzt selbstbewusst neben Adam, und das mochte Sarina an ihr. Adam hatte wirklich eine gute Wahl getroffen.

Direkt hinter Sarina erstreckte sich der Canyon und verlor sich in tiefvioletten Schatten, die sie an all die fernen Orte erinnerte, an denen sie während ihrer Zeit in der Armee gewesen war. Orte mit Erinnerungen, die sie niemals wieder loslassen würden, egal, wie viele Meere und Meilen auch dazwischen lagen. Diese Erinnerungen waren in letzter Zeit aber zum Glück in den Hintergrund gerückt, seit Adam sie und ihren Zwillingsbruder aufgespürt und ihr von Dingen erzählt hatte, an die sie sich nicht mehr erinnern konnte, weil sie damals einfach zu jung gewesen war.

Fünfundzwanzig Jahre, sieben schreckliche Pflegefamilien, eine fehlgeschlagene Adoption, einen Highschool-Abschluss auf dem zweiten Bildungsweg, eine Einberufung und zwei Einsätze im Mittleren Osten später war sie hier: auf der Party, auf der das Geschlecht des Babys ihres älteren Bruders Adam und seiner Verlobten Tess bekannt gegeben werden würde.

Doch sie fühlte sich unfassbar fehl am Platz.

Sie hatte nur eingewilligt, heute hierherzukommen, weil sie ein schlechtes Gewissen gehabt hatte. Als sie das letzte Mal hier gewesen war, war sie nämlich wütend davongestürmt, und hatte Adam und Tess ihre Gastfreundschaft mit Feindseligkeit und verletzenden Worten gedankt. Sie hatte nicht vorgehabt, Adam wehzutun, hatte es damals aber einfach nicht hinbekommen, mit ihren beiden Brüdern, die für sie absolute Fremde waren, eine glückliche Familie zu spielen.

An jenem Abend war sie auf ihre Harley-Davidson gestiegen und hatte Kalifornien überstürzt verlassen, um so viel Abstand wie nur möglich zwischen ihr schlechtes Gewissen und Adams und Roans Bitten zu legen, dass sie ihnen doch wenigstens eine Chance geben sollte. Sie hatte daraufhin Adams Nachrichten ignoriert und Roans FaceTime-Anrufe ein paar Monate lang unbeantwortet gelassen, während sie ihre Maschine durch jedes kleine Nest im Land gelenkt hatte. Das erste Mal in ihrem Leben hatte sie die Freiheit besessen, ihren eigenen Weg gehen zu können.

Sie war beim Militär gewesen und hatte ihren Job gemocht, aber irgendwann war der Zeitpunkt gekommen, an dem sie sich hatte entscheiden müssen, ob sie die Armee verlassen oder bis zu ihrer Pensionierung dortbleiben wollte. Sie hatte sich für ihren Abschied entschieden, um herauszufinden, wer Sarina Redhawk wirklich war. Anfangs hatte sie befürchtet, es könnte beängstigend sein, aber in Wirklichkeit war es großartig gewesen. Sie verspürte Freiheit, hatte Zeit zum Nachdenken und genügend Raum, um sich über einige Dinge klarwerden zu können.

Sarina hatte sich viele Orte angeschaut, und in einem davon hatte sie vor ihrem Hotel einen kleinen herrenlosen Hund gefunden. Sie hatte den Chihuahua Wilma getauft, ehe sie sich auf den Weg nach Las Vegas gemacht hatte. Sie war aber keine Spielerin, sondern wollte dort für einen ehemaligen Kameraden aus der Armee arbeiten, um sich ein bisschen was zu verdienen, während sie immer noch überlegte, ob sie die Anrufe ihrer Brüder jemals beantworten würde und was sie nun mit dem Rest ihres Lebens anfangen sollte.

Verdammtes Las Vegas.

Grelle Lichter … die Blue Man Group … Steak-Buffets … und die Stadt ihrer besten Nacht und ihres schlimmsten Morgens danach in ihrem ganzen Leben. Denn Sarina hatte an der Casino-Bar einen Mann getroffen, der so sexy gewesen war, dass sie ihre Regel gebrochen hatte, sich nicht mit Typen, die sie an einer Bar traf, einzulassen. Aber sein Lächeln hatte sie sofort fasziniert, er hatte sie beharrlich umworben, und die Chemie zwischen ihnen war so explosiv gewesen, dass sie aus irgendeinem Grund am nächsten Morgen nackt, mit einem Kater und verheiratet aufgewacht war. Ein Blick auf den schlafenden Mann neben ihr im Bett und auf den schlichten Goldreif an ihrem Finger hatten genügt, um sich schneller anzuziehen, als Touristen Tickets für die Britney-Spears-Show abgreifen konnten.

Dann hatte sie das getan, was sie am besten konnte: Sie war davongelaufen. Sie war nach Kalifornien zurückgekehrt, um sich zu überlegen, wie sie ihren Ehemann ausfindig machen konnte, um diesen kolossalen Fehler schnellstmöglich wieder zu beheben und um sich mit Adam und Roan zu versöhnen.

Deshalb war sie jetzt auch auf dieser Party. Das war ihre Art, sich zu entschuldigen, denn es fiel ihr nicht leicht, sich fremden Menschen gegenüber zu öffnen, und trotz der DNA, die sie miteinander teilten, waren sie dennoch Fremde füreinander.

Sarina beobachtete Adam und Roan, die gerade mit Tess zusammenstanden und lachten. Beide Männer waren groß und schlank, Adam besaß die breiteren Schultern, und Roan trug seine Haare länger, sie reichten ihm bis hinunter auf den Rücken. Wenn man sie aber aufmerksamer beobachtete, konnte man erkennen, dass einige ihrer Gesten und Gesichtsausdrücke sich ähnelten und davon zeugten, dass DNA nicht trog.

Roan war ein erfolgreicher, aufstrebender Künstler. Er war häufig in den Schlagzeilen, entweder wegen seines großen Talents oder wegen seiner Bettgeschichten sowohl mit Frauen als auch mit Männern. Er war charismatisch und offen und zog Menschen mühelos an. Adam war genauso erfolgreich, schaffte es aber eher durch seine Kraft und seine nachdenkliche, stille Art, einen Raum zu dominieren. Es war nicht überraschend, dass er während der letzten Jahre ständig auf der Liste der begehrtesten Tech-Milliardäre gestanden hatte.

Sie selbst war stark und fähig – man musste ihr nur ein Gewehr geben und einen Berg zum Raufklettern, und sie war vollkommen in ihrem Metier. Aber dennoch blieb sie immer die Außenseiterin, denn ihre Stärke lag darin, zu wissen, wann sie verschwinden musste. Das Schwierige für sie war eher, herauszufinden, wann sie bleiben sollte.

Oder wann sie um Hilfe bitten sollte.

Nachdem die Panik ein wenig verflogen war, hatte sie immer noch keine Ahnung, wie sie den Ehemann wiederfinden sollte, den sie in Las Vegas zurückgelassen hatte. Heute würde sie deshalb auf die neue Familie ihres Bruders anstoßen, und morgen würde sie Adams Angebot annehmen, ihr beim Start ihres neuen Lebens zu helfen. Wie überrascht würde er wohl sein, wenn er hörte, dass er als Erstes für sie einen Ehemann finden musste, den sie auf gar keinen Fall behalten wollte?

„Haben jetzt alle ihre Stimme wegen des Geschlechts des Babys abgegeben?“, fragte Nana Orla die Gäste mit ihrem wunderbaren irischen Akzent. Sie war klein und lächelte ständig, aber sie war definitiv eine Naturgewalt, der niemand zu widersprechen wagte. Sarina musste gegen ihren Willen lächeln; in der Armee gab es Vorgesetzte, die von einer derartigen Autorität nur träumen konnten. „Kommt näher, Leute! Der große Augenblick ist da!“

Sarina bewegte sich mit der Menge, blieb dabei zwar am äußeren Rand, jedoch nahe genug, um sehen zu können, wie Adam und Tess sich verstohlen anlächelten, als sie ihren Platz einnahmen. Ständig berührten sie sich, und es bestand kein Zweifel daran, dass sie sich wirklich liebten. Sarina hatte sich über ihre Verlobung sehr gefreut, denn Tess hatte ihr von dem Moment an gefallen, als diese sie für Adam aufgespürt hatte. Sie war eine äußerst geradlinige Frau, stark und noch dazu clever. Die perfekte Partnerin für Adam.

Jetzt wurden sie Eltern, und sie würde Tante werden.

Die Dinge änderten sich rasend schnell, und Sarina hatte keine Ahnung, wo sie hingehörte.

Doch es war an der Zeit, es herauszufinden.

Autor

Robin Covington
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