Heirate mich, Fremder!

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Ein One-Night-Stand in den Armen eines Fremden, wenn das ihre strengen Eltern wüssten! Aber Brooke kann dem sexy Cowboy einfach nicht widerstehen. Danach wird sie wieder brav sein, denkt sie sich. Doch dann läuft Austin Bradshaw ihr in ihrer Heimatstadt Royal über den Weg. Plötzlich hat Brooke eine gewagte Idee: Er könnte sie heiraten. Denn nur als verheiratete Frau hat sie Zugriff auf ihr eigenes Vermögen - ganz zu schweigen von Nächten voll unendlicher Lust mit Austin. Ein perfekter Plan! Bis sie erkennt, dass Austin eine andere liebt …


  • Erscheinungstag 20.08.2019
  • Bandnummer 2095
  • ISBN / Artikelnummer 9783733725358
  • Seitenanzahl 144
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. KAPITEL

Die schummrige Bar war nicht gerade erstklassig, und die meisten Gäste hatten offenbar schon einen Drink zu viel gehabt. Die Musik war laut und aufdringlich. Nein, besonders wohl fühlte Brooke sich hier nicht. Es war Donnerstagabend, die Uhr ging auf Mitternacht zu, und sie saß ganz allein hier. Um Augenkontakt mit einem der angenehmeren Gäste aufzunehmen, fühlte sie sich im Moment einfach zu schüchtern.

Sie fühlte sich verdammt einsam. Einsam und unglücklich. Das lag vor allem an ihrer familiären Situation. Irgendwie war sie das Stiefkind der Familie Goodman, man konnte es nicht anders sagen. Sie war immer brav gewesen, hatte sich an Regeln und ungeschriebene Gesetze gehalten – und was hatte sie davon? Nichts. Ihre Eltern respektierten sie nicht. Ihre beiden älteren Brüder eroberten die Welt im Sturm, waren erfolgreich. Und sie, Brooke? Sie saß brav zu Hause bei Mom und Dad in Royal im Bundesstaat Texas. Zum Teil mochte es auch ihre eigene Schuld sein, weil sie ständig versuchte, es allen recht zu machen und die Erwartungen der anderen zu erfüllen. Keine angenehme Situation, ehrlich gesagt!

Gedankenverloren nippte sie an ihrem Erdbeer-Daiquiri. Ja, ein alkoholfreier Cocktail, so brav war sie! Sie konnte durchaus mal spontan sein, aber alkoholbefeuerte Eskapaden waren nicht ihr Ding. Schließlich hatte sie mehrere Freundinnen, die sich betrunken beinahe ins Unglück gestürzt hätten. So etwas ging schnell, und die Reue kam dann meist zu spät. Nein, sie behielt lieber einen klaren Kopf!

Plötzlich fiel ihr auf, dass die Band gar nicht mehr spielte. Stattdessen machte jetzt ein einsamer Gitarrenspieler Musik, und das passte viel besser zu ihrer Stimmung. In diesem Moment entdeckte sie auch den Mann, der einsam und verlassen an der Bar saß. Die Hocker links und rechts von ihm waren leer. Sie hatte ihn zwar früher am Abend hereinkommen sehen – und schon da hatte er ihr gefallen –, aber zu dem Zeitpunkt war die Tanzfläche noch voll gewesen, und dann hatte sie ihn aus den Augen verloren, bevor sie den Mut aufgebracht hatte, ihn anzusprechen.

Tja, und jetzt war er wieder da. Genau ihr Typ. Wenn sie ehrlich war – sie wollte ihn!

Sie spürte Schmetterlinge im Bauch. Herr im Himmel, würde sie es tatsächlich wagen? Würde sie wirklich einfach so … einen Typen aufreißen?

Verstohlen musterte sie ihn. Er war groß und muskulös, unter seinem Stetson schaute dunkelblondes Haar hervor.

Spontan erhob sie sich, um es sich nicht doch noch einmal anders zu überlegen. Mit dem Glas in der Hand durchquerte sie den Raum. Niemand hielt sie auf, niemand gesellte sich zu dem einsamen Mann an der Bar.

Na, wenn das kein Zeichen war! Das Schicksal hatte es bestimmt – sie sollte es tun!

Als sie die Reihe der Barhocker erreicht hatte, holte sie noch einmal tief Luft und setzte sich dann ganz einfach auf den Hocker neben ihm. Kein Grund, in Panik zu geraten. Es ging ja nur um eine nette kleine Plauderei. Zunächst wenigstens.

Ein bisschen nervös war Brooke schon, aber sie riss sich zusammen und lächelte den Fremden an. „Hallo, Cowboy. Du hast doch hoffentlich nichts dagegen, dass ich mich zu dir setze?“

Austin sah die schöne Fremde an – und war enttäuscht. Die kleine Blondine war wirklich bildhübsch, aber viel zu jung für ihn. In ihren graugrünen Augen lag eine Unschuld, die er schon vor vielen Jahren verloren hatte.

Er lächelte kurz. „Tut mir leid, Lady, aber ich wollte gerade gehen.“

Die Enttäuschung war ihr anzusehen. „Ach, das wäre aber jammerschade. Bleib doch noch ein bisschen, Cowboy. Damit wir plaudern können …“

Er zog eine Augenbraue hoch. „Plaudern?“

Sie lief knallrot an. Wie peinlich! „Ja, na ja, äh, plaudern. Du weißt schon …“

„Nein, weiß ich nicht“, fiel er ihr ins Wort. „Die Sache kommt mir verdächtig vor. Vielleicht sitzen irgendwo deine Freundinnen, beobachten uns und machen sich heimlich über mich lustig. Oder du bist noch minderjährig und hast dir in den Kopf gesetzt, heute Nacht deine Unschuld zu verlieren. Du siehst aus wie sechzehn, und ich bin nicht scharf darauf, deinetwegen in den Knast zu wandern.“

Böse funkelte sie ihn an. „Das ist eine Unverschämtheit, eine Beleidigung!“

„Absolut nicht. Du wirkst wie die personifizierte Unschuld, und glaub mir, das meine ich als Kompliment. Ich bin ganz einfach nicht der Richtige für dich. Tut mir leid.“

„Nur zu deiner Information: Ich bin nicht sechzehn, sondern sechsundzwanzig. Und damit weiß Gott alt genug, um zu wissen, was ich will.“ Sie holte tief Luft. „Und gerade jetzt im Moment steht mir der Sinn nach einer netten Unterhaltung mit einem gut aussehenden Mann.“

„Irgendein Vögelchen zwitschert mir, dass du mit ‚netter Unterhaltung‘ in Wirklichkeit Sex meinst.“

Amüsiert registrierte er, wie sie erneut errötete. „Sex?“, fragte sie, und ihre Stimme klang vor Aufregung ganz hoch und piepsig.

Er grinste in sich hinein, ließ sich äußerlich aber nichts anmerken. Haha, er hatte sie ganz schön verunsichert! Fast tat sie ihm schon wieder leid. Und davon abgesehen war sie wirklich attraktiv. Da konnte man schon Lust bekommen, etwas mit ihr anzufangen. Schließlich war sie mit sechsundzwanzig ja auch nicht mehr minderjährig …

Um der Situation die Spannung zu nehmen, streckte er ihr die Hand entgegen. „Ich heiße übrigens …“

„Halt, stopp“, unterbrach sie ihn. „Sag mir nicht deinen Namen. Ich werde dich einfach Cowboy nennen. Und du kannst Mandy zu mir sagen.“

„Aber das ist nicht dein richtiger Name?“

„Nein.“

„Tarnnamen … aha. Das ist spannend.“

„Machst du dich über mich lustig?“

„Um Himmels willen, nein. Höchstens ein bisschen.“ Freundlich lächelte er sie an.

Bevor sie etwas entgegnen konnte, trat eine hochgewachsene rothaarige Frau an ihren Gesprächspartner heran und legte ihm einen Arm um die Hüfte. „Na, gibst du mir noch ein Bier aus? Tut mir leid, dass ich so lange weg war. Vor dem Damenklo war eine lange Schlange.“

Innerlich stöhnte Austin auf. Während des Flirts mit der jungen Frau hatte er Audra doch glatt vergessen! „Äh, ich …“

Die Fremde, die sich Mandy nannte, war ganz blass geworden. „Entschuldigung, da bin ich wohl einem Irrtum aufgesessen“, sagte sie förmlich. „Es war sehr nett, dich kennenzulernen, aber ich muss jetzt gehen.“

Audra begriff die Situation schnell. „Ach, verdammt, das ist ein Missverständnis“, sagte sie. „Du brauchst nicht zu gehen, wirklich nicht. Ich bin seine Schwester. Ehrlich.“

Mandy zögerte.

Austin nickte. „Es stimmt. Dieser attraktive Rotschopf ist meine Schwester – und ungefärbt genauso blond wie ich.“

Audra lächelte. „Vergiss das mit dem Bier, kleiner Bruder. Ich nehme mir ein Taxi. Wir sehen uns später zu Hause.“

Dann wandte Austins fünf Jahre ältere Schwester sich wieder Mandy zu, ergriff zur Überraschung aller ihre Hände und sah ihr ernst in die Augen. „Eins möchte ich dir noch sagen, junge Lady. Heutzutage ist es ja nicht so einfach – und auch nicht immer risikolos –, Männer kennenzulernen. Und gerade wenn man in einer Bar angesprochen wird …“

„Sie hat mich angesprochen“, murmelte Austin.

Beide Frauen ignorierten ihn.

„Mein Bruder ist ein anständiger Kerl“, fuhr Audra fort. „Er hat keine ansteckenden Krankheiten, wenn du verstehst, was ich meine, und er fällt auch nicht über Frauen her. Du brauchst keine Angst vor ihm zu haben.“

„Audra!“, stieß Austin genervt hervor. Ihm war die Situation entsetzlich peinlich.

Kurz musterte Mandy ihn. „Okay, verstehe.“

Audra nickte. „Er wohnt nicht hier in der Stadt und ist nur hier, weil er mich gerade besucht. Wir sind heute nur mal gemeinsam ausgegangen, weil … na ja …“

Zum ersten Mal wirkte die sonst gutgelaunte Audra verlegen.

Verwirrt sah Mandy ihn an. „Warum denn nun?“

Himmel, war Austin das unangenehm! Aber wenn er es ihr nicht verriet, würde Audra es tun. „Heute ist der Todestag meiner Frau. Es ist jetzt genau sechs Jahre her, dass sie von uns gegangen ist. Und nach dieser Frist habe ich endlich meinen Ehering abgelegt, weil meine Schwester mir damit ständig in den Ohren gelegen hat. Das ist alles.“

Mandy kannte diese beiden Menschen praktisch gar nicht, dennoch war sie von diesem Geständnis ungeheuer gerührt. Tränen traten ihr in die Augen, die sie schnell wegblinzelte. „Oje, das konnte ich ja nicht wissen. Das tut mir so leid.“

Audra legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Es ist sehr lange her, und bei aller Liebe, irgendwann muss man loslassen. Es geht ihm gut. Er ist okay.“

Austin nahm seine Schwester beim Arm. „Allerhöchste Zeit, dass du gehst.“

Er warf Mandy einen schnellen Blick zu. „Beweg dich nicht von der Stelle, junge Lady, hörst du?“

Er begleitete Audra vor die Tür, und sie lächelte ihn vielsagend an. „Ich bleibe wohl lieber nicht auf, bis du nach Hause kommst. Auf jeden Fall wünsche ich dir viel Spaß.“

„Du bist so ein kleines Luder“, zischte er. Dann nahm er sie in den Arm. „Auf jeden Fall werde ich mein Liebesleben nicht vor dir ausbreiten. Irgendwo hat alles seine Grenze.“

Audra küsste ihn auf die Wange. „Okay, ist klar. Ich möchte ja nur, dass du glücklich bist. Das ist alles.“

„Ich bin glücklich.“

„Lügner.“

„Auf jeden Fall bin ich weniger unglücklich als noch vor einiger Zeit.“

„Geh lieber zurück in die Bar, bevor deine Eroberung es sich anders überlegt.“

„Ich liebe dich, Schwesterchen.“

„Ich dich auch.“

Er winkte ihr ein Taxi heran und sah noch zu, wie seine Schwester abfuhr. Dann blickte er durchs Fenster in die Bar und sah, dass zwei Männer seine Abwesenheit genutzt hatten, um sich an Mandy heranzumachen.

Das läuft nicht, Leute, dachte er. Keine Chance. Die kleine Blondine gehört mir. Wenigstens heute Nacht.

Brooke war erleichtert, als ihr Cowboy zurückkehrte und ihren neuen Bewunderern energisch zu verstehen gab, dass sie sich zu verdrücken hatten. Murrend zogen die Männer ab. Zwar hatte sie ihnen bereits deutlich gemacht, dass sie nichts von ihnen wollte, aber offenbar waren die beiden schon so alkoholisiert gewesen, dass sie nicht zu ihnen durchgedrungen war.

Jetzt war sie endlich wieder mit ihrem Cowboy allein. Er lächelte sie an, und ihr wurde ganz heiß. „Darf ich dir einen Drink ausgeben?“

„Nichts Alkoholisches, danke. Alkohol bewirkt, dass man nicht mehr klar denken kann. Und ich möchte einen kühlen Kopf behalten.“

„Verstehe.“ Er musterte sie nachdenklich. „Wohnst du hier in Joplin?“

„Nein.“

„Wir sind also beide Fremde auf der Durchreise?“

„Sieht ganz so aus.“

Wieder lächelte er. Sein Mund gefiel ihr. Sie konnte sich vorstellen, diese sinnlichen Lippen die ganze Nacht zu küssen.

Amüsiert schüttelte er den Kopf. „Mandy, Mandy. Ich weiß, warum ich hier bin. Aber bei dir bin ich mir irgendwie nicht ganz sicher, was du hier eigentlich willst.“

„Ist das nicht egal?“ Wo war sie hier? In einer Quizshow? Es ärgerte sie, dass ihr Westernheld die ganze Sache so verkomplizierte.

„Mir ist es ehrlich gesagt nicht egal.“

„Vielleicht bin ich ganz einfach … scharf.“

Er konnte sich ein Lachen nicht verkneifen, versuchte, es mit einem Husten zu kaschieren, aber das misslang kläglich. Mit zwei Fingern rieb er sich die Stirn und seufzte auf. „Versteh mich nicht falsch, du brauchst mir nicht deine Lebensgeschichte zu erzählen. Aber eins würde ich doch gern wissen: warum ich? Und warum heute Nacht? Ist es so ein Rache-Ding? Du willst es jemandem heimzahlen, dass er dich betrogen hat, stimmt’s?“

Sie seufzte auf. „Mensch, Cowboy. Langsam nervt diese Fragestunde. Neunundneunzig von hundert Männern wären in der Zwischenzeit schon längst mit mir im Bett.“

„Tut mir leid, dass ich dich so enttäusche.“

Unter seinem forschenden Blick kam sie sich vor wie ein ungezogenes Schulmädchen. Das fühlte sich gar nicht gut an. Sie rümpfte die Nase. „Weißt du, mein Leben ist trostlos und todlangweilig. Außerdem habe ich Ärger mit meiner Familie. Deshalb wollte ich einmal, nur ein einziges Mal, was erleben, was Aufregendes tun, das ansonsten gar nicht zu der lieben, braven Mandy passt. Mal ganz davon abgesehen, dass du ein richtig scharfes Geschoss bist.“

„Du gehst also sonst nicht in Bars, um Männer aufzureißen?“

„Das ist ja wohl offensichtlich“, grummelte sie. „Sonst würde ich mich wohl kaum so ungeschickt anstellen.“

Er lächelte. „Ich habe überhaupt nicht behauptet, dass du dich ungeschickt angestellt hast.“

Wow! Er sah nicht nur umwerfend gut aus, sondern war auch noch charmant und wortgewandt. Ein toller Kerl! Ihr Herz schlug wild. „Dann ist zwischen uns also alles klar?“

Durchdringend blickte der Cowboy sie an, was sie erschauern ließ. „Warum glaubst du eigentlich, dass wir beide im Bett so richtig abgehen würden? Vielleicht hast du ja eine falsche Wahl getroffen …“

Mit offenem Mund starrte sie ihn an. Sie wusste nicht, was sie darauf sagen sollte.

Er grinste, als freue er sich diebisch, sie aus dem Konzept gebracht zu haben. „Bevor du nachher enttäuscht bist, solltest du vielleicht einen kleinen Testlauf mit mir starten. Sozusagen als Vorgeschmack.“

Und schon beugte er sich vor, legte beide Hände um ihren Hinterkopf und küsste sie. Stürmisch und leidenschaftlich.

Die Welt begann sich um sie herum zu drehen, sie bekam kaum noch Luft. Eigentlich war es nur ein Kuss – aber doch so viel mehr!

Der Mann schmeckte nach Whisky und Versuchung. Wenn sie bis jetzt noch Zweifel an ihrem Plan für einen One-Night-Stand gehabt hatte, waren diese endgültig verflogen. Ihr Herz pochte wild, als sie den Kuss erwiderte.

„Nimm doch mal deinen Hut ab“, bat sie ihn, als sie ihre Lippen von seinen gelöst hatte.

„Meinen Stetson nehme ich nur im Bett ab“, erwiderte er rau.

„Oh.“

Ernst sah er sie an. „Noch kannst du dich einfach umdrehen und gehen. Das heißt, du kannst dich natürlich jederzeit umdrehen und gehen. Denn auch wenn du dieses kleine Spielchen begonnen hast, kannst du jederzeit Nein sagen.“

Einerseits fühlte sie sich ungeheuer wagemutig, andererseits zweifelte sie in ihrem tiefsten Inneren immer noch. „Nein. Das heißt – ich will nicht Nein sagen.“

„Hast du ein Hotelzimmer?“

„Noch nicht.“

„Irgendeinen speziellen Wunsch?“

„Auf jeden Fall kein Schickimicki-Hotel.“ Im Klartext: also keines, wo das Personal unter Umständen ihre Eltern kannte.

Er nickte knapp. „Gut, lass uns gehen.“ Er legte ein paar Dollarscheine auf den Bartresen, nahm sie am Arm und führte sie hinaus.

Draußen auf dem Bürgersteig blieben sie stehen. Es war August, und die Temperaturen waren angenehm. Er wies auf einen Pick-up-Truck. „Soll ich uns fahren?“

Brooke schüttelte den Kopf. Wer hatte schon gedacht, wie viele Kleinigkeiten es zu entscheiden gab, bis es endlich zu einem One-Night-Stand kommen konnte? „Ich habe meine Sachen noch in meinem Auto. Ich würde sagen, wir treffen uns im Hotel. Wäre dir das Sherwood recht? Es ist zwei Straßen von hier.“

„Ja, das kenne ich. Geht in Ordnung.“

„Es tut mir sehr leid“, sagte sie plötzlich.

„Was tut dir leid?“

„Das mit deiner Frau. Dass du sie so früh verloren hast.“

Leise fluchte er vor sich hin und wandte den Blick ab. „Du wolltest, dass wir unsere wirklichen Namen nicht nennen“, sagte er. „Das war deine Regel. Und meine Regel ist: keine Sentimentalitäten, kein Herumwühlen in der Vergangenheit. Zwischen uns beiden soll es nur um Sex gehen, Mandy, wilden, animalischen Sex – aber zeitlich begrenzt. Wenn es nicht das ist, was du willst, dann würde ich dir raten, es zu lassen.“

Sie wurde nicht recht schlau aus ihm. War er jetzt böse auf sie, weil sie seine Frau erwähnt hatte?

Nein, wenn sie seinen Blick richtig deutete, war er ihr nicht böse. Sie sah das Verlangen in seinen Augen.

Eigentlich war sie nach Joplin gekommen, um einen beliebigen One-Night-Stand zu haben und sich selbst zu beweisen, dass sie nicht prüde war, dass sie keine Langeweilerin war, keine Spießerin. Doch mit der Beliebigkeit war es nun vorbei. Jetzt, da sie diesen Cowboy kennengelernt hatte, wusste sie: Er war der Einzige, mit dem sie es tun wollte. Mit dem sie dieses Abenteuer erleben wollte. Sie sehnte sich danach, ihn auszuziehen, ihn zu spüren, und wollte, dass auch er sie auszog. Sie wollte ihn kennenlernen, wie man einen Liebhaber nur kennenlernen konnte.

Sie hatte nur diese eine Nacht. Das würde genügen müssen.

Lächelnd legte sie ihm die Hand auf den Arm, spürte seine Muskeln. „Nein, ich will es nicht lassen, Cowboy. Ich will Sex mit dir, da bin ich mir hundertprozentig sicher. Wir treffen uns im Hotel. Lass mich nicht warten …“

2. KAPITEL

Austin Bradshaw war sich immer noch nicht ganz sicher, ob er vielleicht träumte. Dass dieser Abend sich so entwickeln würde – damit hatte er nie im Leben gerechnet! Er schaute in den Rückspiegel, um sicherzugehen, dass Mandys Kleinwagen noch immer hinter ihm war. Bestimmt ein Mietwagen, dachte er. Sein geheimnisvolles Date schien ein Mensch zu sein, der alles im Voraus genau durchplante.

Der Mann an der Rezeption war weder besonders freundlich noch besonders neugierig. Er akzeptierte Austins Kreditkarte, gab ihm zwei Schlüssel und wandte sich dann wieder seinem Laptop zu, auf dem er sich einen Film ansah.

Als Austin nach draußen ging, fand er Mandy vor, wie sie sich an seinen Pick-up-Truck lehnte. „Na, alles klar?“, fragte sie.

„Bist du wirklich ganz sicher, dass du das hier willst?“

„Jetzt frag doch nicht andauernd, um Himmels willen! Ich bin hier, ist das nicht Antwort genug?“

Er nahm ihr ihren kleinen Koffer ab, stellte ihn auf den Boden und küsste sie voller Leidenschaft. Nur widerwillig löste er sich von ihr, aber es musste ja endlich weitergehen. „Komm!“, forderte er sie auf und ergriff ihre Hand.

Sie betraten das Hotel. Inzwischen war Austin so scharf auf sie, dass er sie am liebsten sofort in der Hotellobby genommen hätte. Gemeinsam fuhren sie mit dem Aufzug in den dritten Stock, in dem ihr Zimmer lag. Seine Hand zitterte ein wenig, als er aufschloss, aber Mandy schien das nicht zu bemerken.

Nachdem sie eingetreten waren, schloss er die Tür von innen. „Wo ist denn dein Koffer?“, fragte Mandy.

„Ich habe keinen.“

„Warum nicht?“

„Das ist bei One-Night-Stands eigentlich nicht üblich, Schätzchen.“

Entgeistert sah sie ihn an. „Warum hast du mir das nicht gesagt?“

„Ist doch egal. Wenn du dich mit Koffer wohler fühlst – meinen Segen hast du.“

Unsicher blickte Mandy sich im Zimmer um, als ob sie nach dem Notausgang suchte.

„Was hast du denn?“, fragte er. Nicht, dass er allmählich ungeduldig wurde, aber …

Ihre Unterlippe zitterte ein wenig. „Mir ist gerade was eingefallen. Wenn du heute zum ersten Mal seit sechs Jahren Sex hast – dann kann ich das hier nicht machen. Das … das baut zu viel Druck in mir auf. Tut mir leid.“

Er begann schallend zu lachen, und es dauerte eine ganze Weile, bis er sich wieder beruhigt hatte. „Da mach dir mal keine Sorgen“, sagte er dann und grinste übers ganze Gesicht. „Ich habe zwischendurch schon mal Sex gehabt. Gelegentlich. Mal ehrlich, wenn ich sechs Jahre keinen Sex gehabt hätte, hätten wir es schon auf dem Bürgersteig getrieben, als wir die Bar verlassen haben. Also setz dich bloß nicht unter Druck, okay? Wir werden aufregenden Sex haben. Wird schon alles gut gehen.“

Sofort wirkte sie entspannter. „Oh. Gut. Sehr gut.“

„Komm her, Schätzchen.“ Er streckte ihr die Hand entgegen.

Willig folgte sie seiner Aufforderung, wich dabei aber seinem Blick aus, und ihre Wangen waren – möglicherweise aus Verlegenheit – gerötet.

Er knöpfte ihr die Bluse auf. „Deine Haut ist so schön zart und weich“, stieß er hervor, während er sie zärtlich mit den Fingerspitzen berührte. Wohlig seufzte sie auf.

„Du trägst ja immer noch deinen Hut“, stellte sie fest.

„Wir sind ja auch noch nicht im Bett.“

„Aber fast.“ Sie nahm ihm den Hut ab und warf ihn auf den nächstbesten Stuhl. „Du solltest dein Haar nicht verstecken. Es hat so eine schöne Farbe.“

Er spürte, dass sie sich allmählich wohler fühlte. Das freute ihn, schließlich sollte sie sich im Bett so richtig gehen lassen. „Wenn du mir noch was ausziehen willst – nur zu.“

„Sehr witzig.“ Sie machte sich an seinem Gürtel zu schaffen. „Warum sagst du nicht Mandy zu mir?“

„Weil du nicht wie eine Mandy aussiehst. Mandy – das riecht geradezu nach einem Fake-Namen. Da bleibe ich schon lieber bei Schätzchen. Es sei denn, du riskierst es, mir deinen richtigen Namen zu nennen. Du brauchst keine Angst zu haben, dass ich dich stalken werde.“

„Schon klar.“

Behutsam zog er die Bluse aus ihrer Hose und ließ seine Hände unter den Stoff gleiten. Ihre Haut war warm und weich. So weich! Er wollte dieser Frau eine wunderbare Nacht bescheren.

Geschickt öffnete er ihren BH. Insgeheim fragte er sich noch immer, warum sie das hier eigentlich machte. Schließlich schien sie gar nicht der Typ dafür zu sein. Andererseits war er total heiß auf sie, also verschwendete er nicht allzu viele Gedanken daran. Sie wollte ihn, und er wollte sie – das genügte doch, oder?

Rasch streifte er ihr die Bluse und den BH ab, und sie ließ es sich gern gefallen. „Deine Brüste sind wunderschön“, stieß er rau hervor.

Er hatte ihr vorhin die Wahrheit gesagt; er hatte in den vergangenen sechs Jahren schon gelegentlich Sex gehabt – alles One-Night-Stands mit Frauen, an deren Namen und Gesichter er sich kaum noch erinnerte. Geschiedene Frauen, Witwen, die etwas vermissten, so wie er auch. Der Sex, die Zärtlichkeiten hatten ein spontanes Verlangen gestillt, hatten die Trauer übertüncht – aber nur für kurze Zeit.

Eigentlich hatte er sich in den Zeiten ohne Sex sogar besser gefühlt. Weil er dann nicht so stark daran erinnert wurde, was er verloren hatte.

Er hob sie hoch und trug sie zum Bett hinüber. Es würde ein One-Night-Stand sein, aber kein gewöhnlicher. Denn die geheimnisvolle Verführerin – sie war es ja, die ihn angesprochen hatte – war so ganz anders als die anderen Frauen. Verletzlich irgendwie, vielleicht auch ein wenig naiv. Sie weckte seinen Beschützerinstinkt. Auf jeden Fall würde er ganz behutsam und zärtlich sein.

Vorsichtig legte er sie auf dem Bett ab und gesellte sich dann zu ihr. Beinah andächtig streichelte er ihre Brüste, ihren Bauch. Sie wirkte angespannt. „Sag mir, was du gerade denkst, du süßes Geschöpf. Ich verspreche dir, ich beiße nicht.“

Sie biss sich auf die Unterlippe. „Ich habe gar nicht an Verhütung gedacht.“

„Mach dir keine Gedanken. Für zwei Runden sind wir versorgt.“ Er griff in seine Gesäßtasche und zog zwei Kondome hervor. „Die hatte ich noch in meinem Truck.“

„Oh, das ist gut.“

„Willst du mir nicht doch deinen Namen sagen, Prinzessin?“ Er küsste ihren Bauchnabel, arbeitete sich weiter nach oben vor und verteilte hauchzarte Küsse auf ihren Brüsten.

„Ich weiß nicht recht …“

Er verwöhnte sie weiter.

„Also schön … Mein Name ist Brooke …“

Er lächelte sie an. „Brooke. Schöner Name. Passt irgendwie zu dir.“

Zärtlich streichelte sie seine Wange. „Jetzt bist du dran, Cowboy. Wie heißt du?“

„Austin“, sagte er. „Ich heiße Austin.“ Dann fuhr er fort, sie zu verwöhnen, liebkoste ihre Brüste mit Lippen und Zunge. Als sie erregt zu stöhnen begann, war ihm klar, dass sie bereit für ihn war.

Schnell erhob er sich vom Bett und zog sich aus. Als er komplett nackt vor ihr stand, sah sie, wie erregt er war, und starrte ihn ungläubig an.

„Hm, du bist nicht zufällig eine besondere Laune der Natur, oder?“

„Wie bitte?“

Verschämt hielt sie sich die Hand vor den Mund. „Äh, ich meine nur, dein … du weißt schon … Er … er kommt mir ziemlich groß vor …“

Skeptisch musterte er sie. „Bist du dir ganz sicher, dass du keine Jungfrau mehr bist?“

„Natürlich bin ich keine Jungfrau mehr.“

„Du hast also schon mal Sex gehabt.“

„Selbstverständlich.“

„Wie oft?“

„Das geht dich nun wirklich nichts an.“ Sie zog den Reißverschluss ihrer Jeans herunter und streifte sich die Hose ab.

„Das wollte ich doch machen“, kommentierte er.

„Du trödelst ja nur rum und kommst nicht zur Sache. Allmählich fange ich an zu zweifeln, ob ich mir wirklich den Richtigen ausgesucht habe. Bist du sicher, dass du weißt, was du tust?“

Autor

Janice Maynard
Janice Maynard wuchs in Chattanooga, Tennessee auf. Sie heiratete ihre High-School-Liebe während beide das College gemeinsam in Virginia abschlossen. Später machte sie ihren Master in Literaturwissenschaften an der East Tennessee State University. 15 Jahre lang lehrte sie in einem Kindergarten und einer zweiten Klasse in Knoxville an den Ausläufern der...
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