Im blühenden Garten der Sehnsucht - wo die Liebe gedeiht

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IM GEHEIMNEN GARTEN DES SCHEICHS von REBECCA WINTERS
Die grandiose Schönheit der Wüste Nafud verzaubert Lauren sofort. In diesem fernen Land hat einst ihre Großmutter eine königliche Liebe gefunden, und auf deren Spuren wandelt Lauren nun – als ein Sandsturm aufkommt. Gerade noch rechtzeitig wird sie von einem feurigen Mann gerettet: Rafi, angeblich Securitychef des Scheichs, bringt sie in den märchenhaften Palast. Als er sie dort im geheimen Garten heiß küsst, ist es um Lauren geschehen: Sie verliebt sich! Sie ahnt nicht, dass ihr Retter niemand anderes als Prinz Rashad Rayhan Shafeeq ist – den sie niemals lieben darf …

UNSER GARTEN DER SEHNSUCHT von ALLY BLAKE
Hingerissen beobachtet Hudson die blonde Nixe, die unerlaubt im Pool seines romantischen Gartens schwimmt. Als sie erschreckt fliehen will, macht er ihr einen Vorschlag: Kendall unterstützt ihn bei seinem Buchprojekt, und sie darf weiterhin den Pool benutzen. Täglich sind sie nun zusammen und kommen sich immer näher. Doch so sehr sie einander auch begehren, es gelingt ihnen nicht, ihr Herz zu öffnen. Zu stark sind die leidvollen Erlebnisse der Vergangenheit. Hudson weiß: wenn er Kendall nicht verlieren will, dann hat er nur eine Chance ...

IM GARTEN MEINER LIEBE von CATHY WILLIAMS
In seiner Luxusvilla auf Long Island will Amy ihren heimlich geliebten Chef verführen – und lernt dabei den Gärtner kennen. Einen ausgesprochen attraktiven Gärtner, dessen Charme sie sofort ins Träumen bringt. Und als der gut aussehende Rafael sie zum Sightseeing nach New York einlädt, stürzt sie sich kopfüber in einen prickelnden Flirt mit ihm. Nichts ahnend genießt sie ihr Glück an seiner Seite. Bis sie entdeckt: Rafael ist nicht der, der er zu sein scheint. Hat er nur mit ihr gespielt, während in ihrem Herzen die zarte Pflanze der Liebe erblüht ist?

WIE IM GARTEN EDEN von SOPHIE WESTON
Als Leonora in Kairo den faszinierenden Scheich Amer el-Barbary kennen lernt, ahnt sie, dass dieser Mann ihr gefährlich werden kann. Nach einem romantischen Mondschein-Picknick mit Amer sieht sie nur einen Ausweg: Sie kehrt nach London zurück, ohne eine Adresse zu hinterlassen. Wird sie ihn je wieder sehen?


  • Erscheinungstag 08.09.2022
  • ISBN / Artikelnummer 9783751520102
  • Seitenanzahl 640
  • E-Book Format ePub
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Leseprobe

IMPRESSUM

ROMANA erscheint 14-täglich in der Harlequin Enterprises GmbH

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Christian Durbahn

Es gilt die aktuelle Anzeigenpreisliste.

© 2011 by Rebecca Winters

Originaltitel: „Her Desert Prince“

erschienen bei: Mills & Boon Ltd., London

in der Reihe: ROMANCE

Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

© Deutsche Erstausgabe in der Reihe: ROMANA

Band 1925 (1/1) 2012 by Harlequin Enterprises GmbH, Hamburg

Übersetzung: Sabine Robin

Fotos: RJB Photo Library_shutterstock

Veröffentlicht als eBook in 01 /2012 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

ISBN: 978-3-86494- 032 -3

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

ROMANA -Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Führung in Lesezirkeln nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlages. Für unaufgefordert eingesandte Manuskripte übernimmt der Verlag keine Haftung. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Satz und Druck: GGP Media GmbH, Pößneck

Printed in Germany

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Rebecca Winters

Im geheimen Garten des Scheichs

1. KAPITEL

Montreux, Schweiz, dreizehnter Juni

„Ich kann dich nicht heiraten, Paul. Du bist zweifellos ein wunderbarer Mann, aber ich liebe dich nicht.“

„Lauren, du bist nach dem Tod deiner Großmutter zu traurig, um dir über deine Gefühle im Klaren zu sein.“

„Ich weiß sehr gut, was ich empfinde. Und eine Ehe zwischen uns beiden würde nicht funktionieren.“

„Du willst also wirklich diese Reise antreten, Lauren?“

„Ja, Paul. Ich möchte eine Zeit lang auf Großmutters Spuren wandeln. Quasi als meine letzte Ehrerweisung an sie.“

„Du solltest dich nicht allein dorthin aufmachen. Lass mich wenigstens mitkommen, damit ich dich beschützen kann.“

„Mich beschützen? Wovor? Nein, Paul.“

Wüste Nefud, fünfzehnter Juni

Sie irrten umher in der Wüste, auf ödem Weg … Hungrig waren sie und durstig, es verschmachtete in ihnen ihre Seele.

Diese Psalmverse gingen Lauren durch den Kopf, während sie einen Schluck aus dem ledernen Wasserbeutel trank. Gemächlich ließ sie den Blick durch die weite, einsame nordarabische Wüste schweifen, in der eine brüllende Hitze herrschte.

Sie war heute Vormittag mit der kleinen Karawane aus zwanzig Leuten zu dem sechzig Kilometer langen Ritt in die Oase Al-Shafeeq aufgebrochen. Nein, sie durfte die zwanzig Kamele nicht vergessen, auf denen sie saßen. Ein Kamel war in der Wüste wichtiger als jeder Mensch. Dies hatte ihr persönlicher Fremdenführer Mustafa ihr erklärt, bevor sie die Stadt El-Joktor verlassen hatten. Es würde sie tragen, ihr Schutz gewähren und ihr in der Not sogar Essen und Trinken liefern.

Lauren schreckte aus ihrer Selbstvergessenheit, als Mustafa sich an ihre Seite gesellte. Wortreich machte er sie auf die Ehrfurcht gebietenden sichelförmigen Dünen aufmerksam, die sich in diesem Teil der Wüste erhoben. Dergleichen hatte sie noch nie gesehen. Es war eine unglaublich magische Landschaft. Eine Landschaft, die bereits ihre amerikanische Großmutter fasziniert hatte. Doch noch viel mehr war Celia hier von einem Mann verzaubert worden.

„Malik ist in jeder Hinsicht überwältigend gewesen“, hatte Celia Melrose Bancroft ihr einmal erzählt. „Er war ein Scheich und König und sein Wort für sein Volk Gesetz. Er sah einfach hinreißend aus. Und genauso wie ich einfach atmen muss, bin ich machtlos dagegen gewesen, mich in ihn zu verlieben.“

Eine solche Liebe kann ich mir nicht wirklich vorstellen, dachte Lauren. Gedankenverloren blickte sie zu den Kameltreibern in ihren traditionellen Kopftüchern und Gewändern hinüber. Die Wüstensöhne fragten sich bestimmt, was die hellhäutige blonde Amerikanerin hier allein wollte. Und in der Männer-Guthra und Männer-Kandura musste sie genauso ungewöhnlich aussehen wie ihre Großmutter damals.

Jeder zu Hause hatte über die enorme Ähnlichkeit zwischen Celia und ihr gestaunt. Es war schon komisch, wie manche erbbiologischen Merkmale zuweilen eine Generation übersprangen. Ihre Mutter Lana war das genaue Gegenteil von Lauren gewesen. Sie hatte einen etwas dunkleren Teint sowie braune Haare gehabt. Leider kannte Lauren sie nur von Fotos her. Ihre Eltern hatten bei einem Drahtseilbahnunglück den Tod gefunden, als sie gerade sechs Monate alt gewesen war.

Celia hatte ihrer Tochter aus Liebe zu deren Vater Scheich Malik Ghazi Shafeeq einen arabischen Namen gegeben. Sie hatte Lauren auch einmal ein Foto ihres Großvaters gezeigt, das sie aus einer Zeitung ausgeschnitten und wie einen Schatz gehütet hatte. Aufgrund des traditionellen Kopftuchs und des langen Gewands hatte man nicht viel darauf erkennen können. Lediglich dass er eine edle, aristokratische Nase sowie einen vollen, sinnlichen Mund hatte. Oder eher gehabt hatte, denn er war höchstwahrscheinlich inzwischen ebenfalls verstorben.

Nach dem Tod ihrer Großmutter wusste jetzt niemand mehr, dass sie sowohl amerikanischer als auch arabischer Abstammung war. Und keiner würde es je erfahren. Aber nicht zuletzt aus Neugier hatte Lauren diese Reise in die Wüste angetreten.

Heute Nacht würde sie unter freiem Himmel schlafen und morgen mit der Karawane die Oase Al-Shafeeq erreichen. Dort wollte sie eine Weile bleiben und würde hoffentlich mehr über den Großvater herausfinden können.

„Dein arabisches Erbe zeigt sich für mich in deiner Leidenschaftlichkeit“, hatte Celia des Öfteren gesagt. „Da meine ich, Malik in dir zu erkennen. Und wenn du irgendwann dem richtigen Mann begegnest, wird diese Leidenschaftlichkeit voll entfesselt werden.“

Der Pariser Journalist Paul hatte dieser Jemand nicht sein können. Er war ein feiner, netter und charmanter Kerl. Doch Lauren wartete insgeheim auf den Tag, an dem sie die glühende Leidenschaft erlebte, von der Celia gesprochen hatte.

Obwohl sie Pauls Heiratsantrag abgelehnt hatte, befürchtete Lauren, dass er weiterhin hoffte und bei ihrer Rückkehr auf sie wartete. Genau dieser Ausdauer und Unermüdlichkeit hatte er in erster Linie das Interview mit ihrer Großmutter zu verdanken.

Seit einigen Jahren hatte er nämlich für seine Zeitung eine Serie über das Leben von Richard Bancroft, Celias verstorbenem Mann, schreiben wollen. Dieser hatte die ledige Mutter geheiratet und war der kleinen Lana ein Vater gewesen. Anscheinend hatte es ihn nicht gekümmert, dass seine Frau ihm nie erzählt hatte, wer der leibliche Vater ihrer Tochter war. Es war ihm genug gewesen, zu wissen, dass sie ihn liebte.

Richard, ein berühmter Abenteurer und Anthropologe, hatte vierzehn Expeditionen an einige der unwirtlichsten Orte der Welt geleitet. Lauren und ihre Großmutter hatten ihn oft begleitet. Allerdings war er nie in der arabischen Wüste unterwegs gewesen. Genauso wenig war Celia je dorthin zurückgekehrt. Lauren hatte keine Ahnung, ob dieses Fleckchen Erde ihrer Großmutter so heilig gewesen war, dass sie es mit keinem anderen Mann hatte besuchen wollen. Möglicherweise hatte sich aber Richard auch mehr für andere Gegenden interessiert.

Paul hatte es schließlich geschafft, Celia über ihr Leben und die vielen Reisen mit ihrem Mann zu interviewen. Und von Anfang an war er ebenfalls darum bemüht gewesen, Lauren kennenzulernen. Sie hatte noch bei ihrer Großmutter in Montreux gelebt und ihr geholfen, Richards Notizen und Tagebücher zu einem Buch zusammenzustellen.

Celia hatte Paul charmant gefunden, und Lauren war es genauso gegangen. Doch hatte sie die Beziehung als rein platonisch betrachtet, da ihr Herz nicht beteiligt gewesen war. Was ihre Großmutter gewusst hatte. Irgendwann hatte diese ihr dann ihre größte Angst offenbart. Nämlich die geliebte Enkelin allein zurückzulassen, ohne jemanden, der das Leben mit ihr teilte.

„Ich werde nicht immer allein bleiben“, hatte Lauren ihr versichert. „Ich möchte wie du viel reisen und etwas Vernünftiges mit meinem Leben machen. Eines Tages werde ich bestimmt dem richtigen Mann begegnen.“ Sie hatte ihre sterbende Großmutter nicht unnötig belasten wollen, aber sie waren immer ehrlich zueinander gewesen.

Nach Celias Beerdigung hatte Lauren begonnen, die Reise in die Oase Al-Shafeeq vorzubereiten. Es hatte sie gedrängt, den Ort kennenzulernen, an dem ihre sehr romantisch veranlagte Großmutter jene ergreifende Liebe erlebt hatte.

Unwillkürlich fasste sie sich an den Hals. Unter ihrer Kleidung trug sie eine Kette mit einem goldenen Anhänger, in den ein Halbmond eingraviert war. Er war Celias größter Schatz gewesen. Sie hatte ihn von ihrem Geliebten im Garten des Mondes bekommen.

Ihre Großmutter hatte auch noch einen Garten des Entzückens erwähnt. Lauren fand allein die Namen schon faszinierend und wollte diese Anlagen unbedingt besichtigen. Der Anhänger war für sie so etwas wie ein Talisman. Sie hoffte, er würde ihr Glücksbringer sein, durch den sie eines Tages einen ähnlichen Zauber erfuhr, wie er Celia und Malik geschenkt worden war.

Der Tod der geliebten Großmutter hatte sie mit tiefer Trauer erfüllt. Um sich daraus zu befreien, hatte sie beschlossen, diese Reise zu machen – und zwar genauso wie Celia damals. Sie würde auf ihren Spuren wandeln und den Ort besuchen, der ihr Leben verändert hatte und viele Erinnerungen barg, die ihr unendlich wichtig gewesen waren.

Paul hätte sie gern begleitet. Anfang Juni hatte er einen unbedeutenden Prinzen aus dem nordarabischen Königreich im Spielkasino von Montreux kennengelernt. Da er immer auf der Suche nach einer Story war, hatte er die Gelegenheit für ein Interview genutzt und ein paar Fotos von ihm und seinem Gefolge geschossen.

Der Prinz hatte sich von Pauls Interesse geschmeichelt gefühlt und sich in Szene gesetzt. Er hatte ihm von der Schönheit der Wüste Nefud vorgeschwärmt und damit geprahlt, dass er eines Tages über das ganze Königreich herrschen würde. Paul hatte Letzteres für reines Wunschdenken gehalten. Was allerdings nicht hieß, dass es keine gute Geschichte war.

Begeistert hatte er Lauren alles erzählt. Schon allein deshalb war es ihr schwergefallen, ihm den Wunsch abzuschlagen, mit ihr zu kommen. Aber vor allem hatte sie es sehr ungern getan, weil er stets so nett zu ihrer Großmutter gewesen war. Doch sie wollte ihm nichts vormachen oder ihn ermutigen. Er war ein charmanter, warmherziger Mann, der eine Frau verdient hatte, die seine Liebe erwiderte.

Geistesabwesend bemerkte Lauren im Südwesten etwas Bräunliches, das wie ein Höhenzug aussah. Momente später stutzte sie und runzelte die Stirn. Auf dem Flug von Genf nach El-Joktor hatte sie gestern auf einer Karte den Weg in die Oase studiert. Irgendwelche Hügel oder gar Berge waren dort nicht eingezeichnet gewesen.

Plötzlich schien es ihr, als würden die Männer schreien. Sie hatte die arabische Sprache schon immer als laut empfunden. Jetzt klang sie allerdings irgendwie beunruhigend und jagte ihr einen Schauer über den Rücken.

„Mustafa“, sagte sie und wandte den Kopf zur Seite. Ihr Guide war nicht mehr neben ihr. Sie blickte sich um und stellte fest, dass die Karawane angehalten hatte. „Mustafa, was ist los?“

Sogleich ritt er zu ihr. „Ein Sandsturm. Wir müssen sofort Schutz suchen. Ziehen Sie die Zügel an, damit das Kamel sich hinlegt. Schnell!“

Ein Sandsturm wurde in jeder Wüste gefürchtet. Er konnte schrecklicher sein als ein Hurrikan oder Tornado. Es war erst einige Tage her, da hatte Lauren den Erlebnisbericht eines Beduinen gelesen. Er war vor vielen Jahren mit einer Karawane von zweitausend Leuten und eintausendachthundert Kamelen in einen Sandsturm geraten. Dieser war mit solcher Wucht über den Tross hereingebrochen, dass keiner außer dem Schreiber selbst ihn überlebt hatte.

Der heiße Wind zerrte erbarmungslos an ihrer Kandura, als wollte er sie ihr vom Leib reißen. Und dann sprang Panik sie an, als eine gelbe Wolkenwand sich ihnen unaufhörlich näherte und sie Probleme mit dem Atmen bekam.

Plötzlich zog Mustafa sie mit fast übermenschlicher Kraft vom Kamel und schob sie in dessen Windschatten. „Halten Sie sich am Zaumzeug fest, Mademoiselle. Bedecken Sie den ganzen Kopf, und pressen Sie sich gegen das Tier.“

„Wo werden Sie sein?“, fragte Lauren voller Angst.

„Neben Ihnen, Mademoiselle. Sie müss…“

Mehr verstand sie nicht, denn er verhüllte das Gesicht mit seinem Kopftuch. In der einen Sekunde war er noch da, und in der nächsten sah sie überhaupt nichts mehr. Und sie hatte ein unheimliches Dröhnen in den Ohren.

„Mustafa!“, schrie sie, aber der Sand drang ihr in Mund und Nase und ließ sie verstummen. Eilig vermummte sie sich ebenfalls und hatte dann das Gefühl, allmählich zu ersticken und vom Sand begraben zu werden.

Wir werden alle sterben, dachte sie, bevor sie in eine gnädige Ohnmacht fiel.

Wegen der Erkrankung seines Vaters regierte Prinz Rashad Shafeeq zurzeit das nordarabische Königreich Al-Shafeeq. Obwohl er bereits vierunddreißig war, hatte er in seinem Leben bislang nur zweimal wirklich gejubelt. Zum einen mit dreizehn, als es ihm gelang, den Hengst zuzureiten, den sein Vater ihm geschenkt hatte. Zum anderen mit fünfzehn, als sein Vater und der Pilot des kleinen Flugzeugs drei Tage nach dem Absturz lebend in der Wüste aufgefunden worden waren.

Heute Nachmittag empfand er in der Bergarbeiterstadt Raz eine ähnliche Hochstimmung, die mit Selbstzufriedenheit gepaart war. Drei Jahre hatte er auf diesen Moment gewartet. Gold hatte dem Königshaus seit Jahrhunderten Reichtum gesichert und würde es noch über Jahrtausende hin tun. Aber sein Wagnis, weitere Bohrungen vorzunehmen – was von den Eingeweihten als Geheimnis gehütet worden war –, hatte sich ausgezahlt.

Rashad ließ den Blick in die Runde schweifen. Er hatte seine Minister und zugleich engsten Vertrauten zu einem Meeting in den Konferenzraum des Goldbergwerks eingeladen. „Meine Herren. Ich habe mich heute mit dem Chefgeologen und dem leitenden Ingenieur getroffen. Sie haben meine schönsten Hoffnungen bestätigt. Die jüngsten Mineralienfunde sind so riesig, dass meine Vision Wirklichkeit werden kann, ganz neue Unternehmenszweige zum Wohl des Königreichs zu gründen. Abgesehen von Tausenden neuer Jobs im Lauf der Zeit bedeutet dies auch bessere Bildungsmöglichkeiten für unsere Stammesleute. Außerdem können wir mehr Krankenhäuser bauen und die Gesundheitsfürsorge ausweiten“, erklärte er und erntete großen Beifall.

Dieses Land samt seiner Bodenschätze gehörte schon seit Jahrhunderten seiner Familie. Allerdings hatten früher immer wieder andere Stämme versucht, es wegen der unglaublich reichen Metall- und Mineralienvorkommen an sich zu bringen. Was ihnen aber nicht gelungen war. Und glücklicherweise waren inzwischen die Zeiten dieser blutigen Auseinandersetzungen vorbei. Dafür gab es jetzt andere Probleme, die jedoch innerhalb der weitverzweigten Herrscherfamilie begründet lagen.

„Wenn ich nachher in den Palast zurückkehre, werde ich den König über alles informieren.“ Sein Vater war schwer an Diabetes erkrankt. „Er wird sich zweifellos genauso freuen wie Sie und mit Sicherheit einen Tag zum Feiern bestimmen. Ihre unermüdliche Arbeit ist nicht unbemerkt geblieben. Jeder von Ihnen wird eine Prämie für Ihren Einsatz und Ihre Loyalität gegenüber dem Königshaus erhalten.“

„Eure Hoheit.“ Unbemerkt war der Manager des Goldbergwerks auf der Türschwelle erschienen. Er machte eine besorgte Miene und verbeugte sich kurz. „Bitte entschuldigen Sie die Störung … Zwischen El-Joktor und Al-Shafeeq hat ein Sandsturm gewütet und eine Karawane überrascht.“

„Hat Ihnen das ein Augenzeuge berichtet?“, fragte Rashad, während am Tisch große Bestürzung herrschte.

„Ein Reiter hat die Überreste des Trosses von Weitem gesichtet und hier Hilfe holen wollen. Er hat einige herrenlose Kamele gesehen, weiß aber nicht, wie viele Menschen überlebt haben, tot sind oder vom Sand begraben wurden.“

„Wie weit von hier ist es passiert?“ Rashad stand auf.

„Achtzehn Kilometer.“

„Bitte entschuldigen Sie mich, meine Herren“, wandte er sich an die Minister und verließ mit dem Manager den Raum. „Stellen Sie ein Such- und Rettungsteam zusammen, das sofort mit dem Nötigsten ausgerüstet in die Wüste reitet. Lassen Sie auch Wasser an Bord meines Helikopters bringen. Ich werde zum Unglücksort fliegen, nach Überlebenden Ausschau halten und im Bedarfsfall Schwerverletzte in die Oase Al-Shafeeq transportieren.“

Sein Sekretär Tariq kam ihm auf dem Flur entgegen. „Eure Hoheit, kann ich irgendetwas tun?“

„Ja, begleiten Sie mich.“ Im Laufschritt begab er sich zum Landeplatz.

Während Tariq noch beim Einladen der Vorräte half, stieg Rashad in den Hubschrauber und führte die vor dem Start üblichen Checks durch. Einer seiner Bodyguards setzte sich hinter ihn, und schließlich schnallte sich Tariq auf dem Sitz des Kopiloten an. Momente später hoben sie auch schon ab.

Sich in der Wüste Fremden zu nähern war immer gefährlich. Da es sich jedoch um eigene Stammesleute handeln konnte, kam für Rashad nichts anderes infrage, als zu Hilfe zu eilen.

Sie waren noch nicht lange in der Luft, als er eine Ansammlung von Kamelen und winkenden Menschen am Boden erblickte. Unverzüglich landete er den Hubschrauber unweit von ihnen.

„Wir sollten vorsichtig sein“, warnte Tariq. „Es könnten Räuber sein, die einen Hinterhalt geplant haben.“

Rashad konnte es nicht ausschließen, doch mussten sie das Risiko eingehen. Mehrere Männer liefen auf die Maschine zu und verbeugten sich dann, um ihm für die Rettung zu danken. Einer von ihnen war Mustafa Tahar, ein angesehener Kameltreiber und Fremdenführer aus Al-Shafeeq, den er schon seit Jahren kannte.

„Es ist keine Falle“, beruhigte er seine Begleiter, und sie stiegen aus, noch während die Drehflügel rotierten.

Mustafa bat ihn zu einer Stelle, an der ein zugedeckter Körper lag. „Um zu überleben, braucht sie dringend Infusionen. Sie ist völlig dehydriert. Ich habe versucht, ihr mein letztes bisschen Wasser einzuflößen, aber es ist ihr wieder aus dem Mund gelaufen.“

„Eine Frau?“

„Ja, Eure Hoheit.“

Rashad ging in die Hocke. Er schlug die Decke zurück und schaute auf eine in Seitenlage liegende junge Frau in einer Männer-Kandura. Behutsam fasste er nach ihrem Handgelenk. Ja, da war noch ein Puls, jedoch nur ganz schwach. Außerdem fieberte sie bereits.

Kurz betrachtete er sie. Ihre atemberaubende Schönheit ließ ihn eine Sekunde zögern, bevor er sie hochhob. Sie war leicht wie eine Feder. Und während er sich wieder aufrichtete, überlief ihn ein seltsamer Schauer.

Nein, er glaubte nicht wirklich an Omen wie seine Stammesleute. Was er gerade gefühlt hatte, war eine ganz normale Reaktion auf eine sehr attraktive Frau. Seit der Übernahme der Staatsgeschäfte von seinem Vater vor einigen Wochen hatte er keine Frau gehabt. Er war zu beschäftigt gewesen, um sich zu amüsieren. Unvermittelt atmete er ihren weiblichen Duft ein, der ihm die Sinne stärker verwirrte, als er sich eingestand.

„Sie wollte nach Al-Shafeeq“, sagte Mustafa, der ihm zum Helikopter folgte.

„Allein. Ohne männlichen Begleiter?“, fragte Rashad verblüfft, als Tariq ihm half, die bewusstlose Frau auf dem Sitz hinter dem des Kopiloten anzuschnallen.

„Ja, ich habe mich auch gewundert. Hier ist ihr Pass, Eure Hoheit. Sie ist Amerikanerin.“

Rashad schob ihn in die Tasche. „Muss sonst noch jemand dringend medizinisch versorgt werden?“

„Nein.“ Mustafa schüttelte den Kopf.

„Gut. Hilfe aus Raz ist unterwegs und dürfte bald hier eintreffen“, erklärte Rashad, bevor er in den Helikopter stieg. „Ich fliege direkt zum Palast“, informierte er Tariq, bevor er startete. „Rufen Sie dort an, damit unser Leibarzt verständigt wird.“

Nach der Landung überließ er es seinem Bodyguard und Tariq, die junge Frau aus dem Helikopter zu heben. Je weniger er mit dieser bewusstlosen Schönheit zu tun hatte, desto besser. Sobald man sie auf einer Trage abtransportiert hatte, beorderte er die beiden Männer wieder in die Maschine, um nach Raz zurückzukehren. Um alles Weitere würde sich Dr. Tamam kümmern.

„Was beschäftigt Sie, Tariq? Sie haben noch kein einziges Wort gesagt“, meinte Rashad auf dem Rückflug. Sein Sekretär verhielt sich sehr untypisch.

„Es ist total unüblich, dass eine Frau allein hier draußen unterwegs ist. Vor allem eine so junge Frau.“

„Ja, das stimmt. Aber sie ist Ausländerin. Was vieles erklärt.“

„Sie ist ausgesprochen hübsch. Ein Mann wird leiden, wenn er hört, dass die Wüste ihr das Leben geraubt hat. Hoffentlich kann der Doktor sie retten.“

Rashad erwiderte nichts darauf. Bei Tariqs Antwort hatten sich die Härchen auf seinen Armen und im Nacken aufgestellt, als hätte ein Windhauch seine Haut gestreift. Es war schon das zweite Mal heute, dass ihn ein seltsames Gefühl überkam. Das gefiel ihm ganz und gar nicht.

Als er nach der Landung nach seinem Bodyguard und Tariq den Helikopter verlassen wollte, klingelte sein Handy. Er blieb noch im Hubschrauber sitzen und sah auf das Display. Es war Dr. Tamam. Rashad versteifte sich. Rief der Arzt ihn an, um ihm mitzuteilen, dass die Amerikanerin gestorben war?

„Ja, Doktor, was gibt’s? Habe ich Ihnen die junge Frau zu spät gebracht?“

„Nein. Durch die intravenöse Infusion erholt sie sich langsam.“

Rashad atmete aus und wurde sich erst jetzt bewusst, dass er die Luft angehalten hatte. „Ist sie wieder ansprechbar?“

„Nein. Aber das ist gut so.“

Rashad nickte unwillkürlich. „Sie wird durch dieses schreckliche Erlebnis einen Schock haben.“

„Ja, und sie braucht absolute Ruhe. Sie muss völlig abgeschirmt werden. Haben Eure Hoheit einen Vorschlag?“

Warum wollte Dr. Tamam sie isolieren und nicht im medizinischen Trakt des Palasts weiterbehandeln? Rashad war alarmiert. „Die Gartensuite“, antwortete er, ohne nachzudenken.

Sie befand sich in einem Seitenflügel des Palastes und war nur über einen separaten Korridor zu erreichen, der vom Hauptflur abging. Weil sie etwas abseits lag, benutzten jungvermählte Familienmitglieder sie vor dem Start in die Flitterwochen für die Hochzeitsnacht. Sie würde erst in sechs Monaten wieder gebraucht werden. Wenn er heiratete. Sein Gesicht verfinsterte sich bei dem Gedanken.

„Gut. Dann bringe ich sie sofort mit der Krankenschwester dorthin.“

Rashad stutzte erneut. Dr. Tamam verhielt sich völlig untypisch. Was ihn alarmierte. Der Arzt war normalerweise sehr redselig. „Ich bin baldmöglichst bei Ihnen.“

„Ich werde Sie erwarten.“

Irgendetwas stimmte nicht. So kurz angebunden kannte er den älteren Mann nicht. Seltsam, er hat das Gespräch beendet, bevor ich noch etwas sagen konnte, dachte Rashad. Eigentlich gab es bloß eine Erklärung dafür: Der Doktor musste Informationen haben, die er ihm nur von Angesicht zu Angesicht erzählen wollte.

Der Arzt kümmerte sich nun schon seit Jahrzehnten um das Wohl der königlichen Familie. Und wie alle vom Personal hielt er Augen und Ohren offen, um frühzeitig etwas Verdächtiges mitzubekommen. Man konnte nie zu vorsichtig sein, wenn es um die Sicherheit von Rashad und seinen nächsten Angehörigen ging.

Er flog gleich zum Palast zurück. Und nachdem er dort in seinem Apartment geduscht und etwas gegessen hatte, machte er sich in einem seidenen langen Gewand auf den Weg zur Gartensuite.

Sie trug diesen Namen, weil man über einen Säulengang zu einem an einer Seite offenen Patio gelangen konnte. Dort wuchsen herrlich exotische Blumen und Pflanzen, um die sich Gärtner kümmerten und sehr häufig seine Mutter selbst.

Rashad nickte der Krankenschwester grüßend zu, als er die Suite betrat. „Wo ist Dr. Tamam?“

„Er ist nebenan, Eure Hoheit.“

„Danke.“ Er durchquerte den großen Wohnraum und ging ins Schlafzimmer, wo der Arzt gerade den Puls seiner Patientin fühlte. Ihre Haare waren inzwischen gewaschen worden, und in ihr Gesicht war wieder etwas Farbe zurückgekehrt. Sie sah jetzt noch umwerfender aus als vorhin. „Wie ist ihr Zustand?“

„Er bessert sich kontinuierlich.“ Behutsam legte Dr. Tamam den Arm der jungen Frau auf die Decke zurück und wandte sich Rashad zu. „Außerdem habe ich der Infusion ein Mittel beigefügt, das ihr hilft zu schlafen. Morgen wird sie schon um einiges kräftiger sein und den Schock leichter verarbeiten können. Die Schwester wird heute Nacht bei ihr bleiben und ihr Sauerstoff geben, falls nötig. Aber ich wollte mit Ihnen wegen eines Halsschmucks reden, den sie getragen hat. Ich war so frei, ihn sogleich zu entfernen, nachdem ich ihn entdeckt und noch bevor ich irgendetwas anderes getan habe.“ Er reichte ihm eine goldene Kette mit einem kleinen runden Anhänger, in den ein Halbmond eingraviert war – das Symbol der königlichen Familie.

Scharf atmete Rashad ein, als er die Sachen entgegennahm. Ein solches Schmuckstück wurde nur bei der Geburt eines Sohnes angefertigt. Er hatte seines mit sechzehn bekommen, als er volljährig geworden war. Normalerweise trug man es um den Hals. Doch hatte er damals mit der Tradition gebrochen und darum gebeten, es in einen Ring einzupassen. Er siegelte damit wichtige Dokumente und bewahrte ihn zumeist hier im Palast in seinem Büro auf.

Wie konnte diese Amerikanerin ein solches Schmuckstück besitzen? Es war eigentlich unmöglich. Und trotzdem war es so. Er hielt den Beweis dafür in seiner Hand. Verwirrt schob er die Kette mit dem Anhänger in die Tasche und blickte Dr. Tamam an. Sie beide teilten schon einige Geheimnisse.

„Es ist gut, dass Sie mit mir darüber gesprochen haben. Bitte erzählen Sie es sonst niemandem.“

„Ich werde schweigen wie ein Grab, Eure Hoheit. Außer mir hat niemand den Schmuck gesehen. Die Krankenschwester hat die junge Frau erst entkleidet und gebadet, nachdem ich ihn entfernt hatte.“

Der Doktor hatte ihm in der Vergangenheit bereits mehr als einmal das Leben gerettet. Rashad vertraute ihm hundertprozentig. „Ich stehe tief in Ihrer Schuld. Vielen Dank, dass Sie sich um sie gekümmert haben.“

Der Arzt nickte. „Ich gehe jetzt nach Hause. Rufen Sie mich, falls Sie mich brauchen. Ich schaue später noch einmal nach ihr.“

Sobald Dr. Tamam das Zimmer verlassen hatte, durchsuchte Rashad die beiden unausgepackten Koffer. Vielleicht entdeckte er dort einen Hinweis darauf, warum die Amerikanerin den Schmuck besaß.

Nein, er fand nichts, was ihm weiterhalf. Allerdings staunte er, wie schlicht der Inhalt insgesamt war. Sehr dezente Nachthemden und Unterwäsche. Auch das schwarze und das cremefarbene Kleid für den Abend waren unaufwendig. Zudem stieß er noch auf ein Paar High Heels und ein Paar Sandaletten sowie auf eine Strickjacke. Der ganze Rest bestand aus praktischen Sachen für die Wüste. Der Kulturbeutel enthielt die üblichen Dinge sowie einige wenige Kosmetika und Schminkartikel. Sie schien jemand zu sein, der mit leichtem Gepäck reiste.

Und nun verschwinde besser von hier, forderte er sich auf, als er mit der Durchsuchung fertig war. Er sollte sich nicht länger als nötig in der Nähe dieser verwirrend attraktiven Frau aufhalten. Sie würde ihn zu sehr von seiner Aufgabe ablenken, ihre wahre Identität zu entlarven und – falls nötig – seine Familie zu beschützen.

Er verabschiedete sich von der Krankenschwester und verließ die Gartensuite. Sobald er wieder in seinem Apartment war, schickte er sein Personal fort. Er wollte jetzt allein sein. Nachdem er sich einen Kaffee eingeschenkt hatte, setzte er sich mit dem amerikanischen Pass in einen Sessel und betrachtete ihn genauer.

Die junge Frau hieß Lauren Viret. Sie war sechsundzwanzig Jahre alt und sah selbst auf dem Foto umwerfend aus. Ihre unglaubliche Schönheit schien sein tiefstes Inneres zu berühren. Mühsam wandte er den Blick von dem Bild ab und las die Adresse. Sie wohnte in Montreux in der Schweiz.

Er kannte die Stadt mit dem regen Nachtleben. Seine Familie wickelte dort die Bankgeschäfte ab. Wenn er vor Ort zu tun gehabt hatte, war er zuweilen in dem nahe gelegenen Wintersportgebiet Portes du Soleil Ski gefahren. Anders als sein Cousin Faisal, der ehrgeizige Sohn des jüngeren Bruders seines Vaters, machte er sich nichts aus Partys und Kasinobesuchen. Sein Vetter hingegen flog regelmäßig dorthin, vor allem um sich zu vergnügen.

Rashad mochte Montreux im Winter, zog es aber im Sommer bei Weitem vor. Der Blick vom Balkon der familieneigenen Wohnung auf den Genfer See war einfach fantastisch. Auf das blaue Wasser mit den Schiffen und Segelbooten zu schauen hatte etwas Magisches. Insbesondere, wenn man aus einem Land kam, wo das kostbare Nass kaum zu sehen war. Allerdings gab es unter der arabischen Wüste weit größere Mengen, als viele hier glaubten.

Seit Jahren suchte er nun schon nach Wegen, um mehr Wasser an die Oberfläche zu holen – damit Herden getränkt und Felder bestellt werden konnten. Fruchtbarer Boden für eine wachsende Bevölkerung hieß sein Projekt für die Zukunft. Diesen Plan hielt er jedoch vor der Familie seines Onkels geheim, die ganz in der Nähe lebte. Auf jener Seite existierte schon mehr als genug Missgunst und Argwohn.

Rashad seufzte und las die Adresse weiter. Lauren wohnte im vornehmsten Viertel von Montreux direkt am See. Wie konnte sie sich das leisten? Und wie war sie zu dem Goldschmuck gekommen, von dem nur insgesamt acht Exemplare existierten?

Ungeduldig klappte Rashad den Pass wieder zu. Es war bereits spät, und er sollte etwas schlafen. Heute würde er das Rätsel nicht mehr lösen können. Aber morgen würde er der Amerikanerin auf den Zahn fühlen und es ergründen. Eine Aufgabe, auf die er sich freute, wie er verblüfft feststellte.

2. KAPITEL

„Mademoiselle? Sind Sie wach?“

Wie aus weiter Ferne drang die Stimme einer Frau an ihr Ohr. Hatte sie sie in letzter Zeit nicht schon öfter gehört? Und was wurde ihr denn jetzt aus der Nase gezogen?

„Verstehen Sie mich, Mademoiselle?“

Lauren versuchte, etwas zu sagen, doch ihr Mund und ihre Kehle waren entsetzlich trocken. Sie wollte sich aufsetzen, aber alles fing an, sich ihr zu drehen. Dann spürte sie, dass etwas in ihrer Hand steckte. Was, in aller Welt, war es?

„Bleiben Sie liegen, und trinken Sie“, befahl ihr die Frau, die mit starkem Akzent Englisch sprach.

Ein Strohhalm wurde ihr zwischen die Lippen geschoben, und sie sog daran. Kaltes Wasser benetzte ihre Zunge. „Oh, ja.“

Lauren trank in kleinen Schlucken weiter. Plötzlich war ihr, als würde sie mit neuem Leben erfüllt werden. Sie öffnete die Augen, doch irgendetwas stimmte mit ihnen nicht. Sie erblickte drei gleiche dunkelhaarige Frauen in weißer Kleidung, die sich zu ihr beugten.

„Sind Sie Ärztin?“

„Nein, ich bin Krankenschwester und arbeite für Dr. Tamam. Wie geht es Ihnen?“

Lauren bewegte den Kopf hin und her und fühlte sich bloß noch elender. „Ich … ich weiß nicht“, antwortete sie mühsam und versuchte, sich zu orientieren, während die Schwester die Infusion entfernte.

Ein solches Krankenhauszimmer hatte sie noch nie gesehen. Es war nicht nur riesig, sondern auch mit üppigen Grünpflanzen ausgestattet, die in einer Art Wasserlandschaft zu wachsen schienen. Eigentlich wirkte es viel eher wie ein Haremsgemach. Träumte sie vielleicht?

Plötzlich wurde die Erinnerung an das Gefühl zu ersticken in ihr wach, und sie geriet in Panik. „Hilfe … Ich kriege keine Luft …“, stieß sie hervor und konnte es nicht verhindern, dass ihr Tränen über die Wangen liefen.

Sie hörte mehrere Stimmen im Hintergrund. Dann drang eine einzelne Männerstimme an ihr Ohr. Sie klang tief und sonor, ging ihr durch und durch und schien jeden Nerv in ihrem Körper zum Vibrieren zu bringen. Auch fasste jemand ihre Hand.

„Haben Sie keine Angst. Sie sind jetzt in Sicherheit.“

Er sprach Englisch mit starkem Akzent. Sein Ton hatte etwas Gebieterisches und zugleich Beruhigendes. Ihre Panik ebbte ab, und sie schlief wieder ein.

Als sie das nächste Mal aufwachte, hielt dieselbe Hand ihre fest, wie sie an der Art und Weise merkte. Lauren öffnete die Augen. Neben ihrem Bett saß ein großer, breitschultriger Mann in einem weißen Hemd, das seinen dunklen Teint besonders betonte.

Er musste etwa Mitte dreißig sein und hatte schwarze Haare, die er etwas länger als üblich und aus der hohen Stirn gekämmt trug. Seine Augen waren ebenfalls schwarz, und seine Gesichtszüge wirkten sehr edel. Einen so umwerfend attraktiven Mann hatte sie noch nie gesehen.

Und natürlich betrachtete er sie genauso eindringlich wie sie ihn umgekehrt. Ihr Herz begann unvermittelt wie verrückt zu klopfen. Als sie seinem Blick begegnete, in dem sich eine gezügelte Leidenschaft spiegelte, spürte sie, wie ein erregender Schauer sie durchlief. Irgendetwas stimmte nicht mit ihr, wenn sie so stark auf einen Fremden reagierte.

„Was tue ich hier?“

„Sie erinnern sich nicht daran, was passiert ist?“, erkundigte er sich leise, fast als würde er ihrer Frage nicht wirklich Glauben schenken.

Er hatte die Augen weiter auf sie gerichtet und musterte sie intensiv. Lauren wurde immer nervöser und fasste sich an den Hals, ohne es zu merken. Plötzlich wurde ihr bewusst, dass sie die Kette und den Anhänger ihrer Großmutter nicht fühlte. Schon richtete sie sich etwas auf. Nein, der Schmuck lag weder auf dem Kopfkissen noch darunter.

„Hat die Krankenschwester ihn entfernt?“, stieß sie hervor, als sie aufrecht im Bett saß.

„Was soll sie entfernt haben?“

Der Klang seiner melodiösen Stimme ging ihr erneut durch und durch. Auch meinte sie, dass sein Blick das schlichte weiße Nachthemd, das man ihr angezogen hatte, durchbohrte und die Haut darunter versengte. Reiß dich zusammen, ermahnte sie sich. Vermutlich war sie etwas wahnhaft, weil sie gerade mit dem Gefühl aufgewacht war, in einem seltsamen Traum zu sein.

„Mein Anhänger ist weg. Ich muss ihn unbedingt finden.“

Sie beobachtete, wie er die schlanken Hände verschränkte und das Kinn darauf stützte. Er sieht hinreißend aus, schoss es ihr durch den Kopf.

Hinreißend . So hatte ihre Großmutter ihren Geliebten bezeichnet. Lauren hatte darüber gelächelt, Celia aber ihre Fantasie gegönnt. Jetzt war sie jedoch alles andere als amüsiert. Hatte sie womöglich den Verstand verloren? Angst erfasste sie erneut. Sie ließ sich zurücksinken und schloss die Augen.

„Wenn Sie ihn mir vielleicht beschreiben könnten, Mademoiselle.“

Sie biss sich auf die Lippen und bemerkte, dass sie rissig und trocken waren. Wie lange bin ich bereits in diesem Zustand, fragte sie sich und öffnete die Augen wieder. „Er ist aus Gold und etwa so groß und dick wie eine Vierteldollarmünze.“ Lauren machte lieber keine weiteren Angaben. In welcher Beziehung sie zu Scheich Malik stand, war ein Geheimnis, und dies sollte es auch bleiben. „Haben Sie schon einen amerikanischen Vierteldollar gesehen?“, erkundigte sie sich, und Rashad nickte. „Ich habe den Anhänger an einer Goldkette getragen. Der Schmuck ist nicht wirklich wertvoll. Für mich ist er aber das Kostbarste, das ich habe.“ Erneut liefen ihr Tränen über die Wangen.

„Dann bitte ich das Personal, ihn zu suchen.“

„Vielen Dank.“ Energisch wischte sie sich die Tränen weg. „Wie krank bin ich?“

„Sie erhalten keinen Sauerstoff mehr und keine Infusion. Was heißt, dass Sie Saft bekommen werden und alles, wonach Ihnen ist. Dann können Sie mit Hilfe aufstehen und etwas umhergehen. Morgen dürften Sie sich wieder viel besser fühlen.“

„Was ist geschehen?“ Warum blickte er sie immer noch so seltsam an? Überlegte er, was er ihr erzählen sollte? Ihr wurde leicht mulmig. Doch sie war noch nie ein Feigling gewesen. Tief atmete sie ein. „Egal, was es ist. Ich werde damit fertig.“

„Werden Sie das?“

Er hatte verführerisch geklungen. Spielte er mit ihr? „Ich bin kein Kind mehr.“

„Nein, das sind Sie nicht.“

Der Unterton in seiner Stimme ließ sie erschauern. Sei vernünftig, ermahnte sie sich sogleich. Er war Arzt und hatte sie untersucht. Ihm war nichts verborgen geblieben.

„Wenn Sie es mir nicht sagen wollen, weil Sie glauben, ich würde in Ohnmacht fallen, werde ich Ihre Krankenschwester fragen. Sie wird mir sicher erklären, was passiert ist.“

„Sie kümmert sich jetzt um jemand anderes“, erwiderte er zufrieden und brachte Lauren damit gegen sich auf.

„Sie verstehen sich zweifellos gut darauf, mir Angst einzujagen.“

Rashad zuckte die Schultern in lässig eleganter Weise. „Ich bitte tausendmal um Entschuldigung, Mademoiselle. Es ist lediglich meine Absicht gewesen, Sie davor zu bewahren, dass Sie sich an zu viel auf einmal erinnern.“

„Soll das heißen, dass ich eine Amnesie habe? Das ist absurd.“

„Ich würde es eher als zeitweilige Gedächtnisschwäche bezeichnen. Ihre Seele beschützt Sie momentan davor, sich mit einem traumatischen Erlebnis zu befassen.“

„Mit einem traumatischen Erlebnis?“

„Einem überaus traumatischen Erlebnis.“

Er ist mindestens einen Meter neunzig groß, dachte Lauren, als er aufstand und zu einem Sofa ging. Mit einem gefalteten weißen Etwas kam er dann zurück und ließ es auseinanderfallen.

„Erkennen Sie die?“

Es war eine Männer-Kandura. Sie hatte sich selbst eine in El-Joktor besorgt. Der Händler hatte sie ihr zunächst nicht verkaufen wollen, da sich eine solche Kleidung für eine Frau nicht ziemte. Als sie ihm jedoch mehr Geld dafür geboten hatte, als sie wert war, hatte er sie ihr schließlich eingepackt.

Mustafa !“, schrie sie auf.

„Sehen Sie, Ihr Gedächtnis kehrt zurück. Leider zu schnell.“

Ja, immer mehr Erinnerungen stürmten auf sie ein. „Es waren keine Berge … Mustafa hat gesagt, es sei ein Sandsturm. Plötzlich war Mustafa weg … Ich konnte nicht mehr atmen … Was ist mit ihm?“ Warum antwortete er ihr nicht? Lauren schlug die Decke zurück, stand auf und fasste spontan seine Unterarme. „Ist er meinetwegen gestorben?“

Rashad durchbohrte sie mit seinem Blick und schien ihr bis auf den Grund der Seele zu schauen. „Nein, Mademoiselle. Der Tod hat ihn nicht geholt, denn es war nicht seine vorbestimmte Stunde. Tatsächlich hat Mustafa Ihnen das Leben gerettet. Hätte er nicht so schnell reagiert, wären Sie lebendig begraben worden.“

Lauren erbebte. „Was ist mit den anderen Leuten aus der Karawane?“

„Sie haben überlebt.“

„Dem Himmel sei Dank, dass niemand umgekommen ist“, stieß sie erleichtert hervor und sank gegen ihn. „Es war grauenvoll.“

Er murmelte etwas, das sie nicht verstand, und zog sie fest an sich. Dann wiegte er sie hin und her, während sie hemmungslos weinte. Irgendwann beruhigte sie sich allmählich wieder und löste sich schließlich – äußerst widerwillig – aus seinen Armen. Sie musste wirklich ein wenig wahnsinnig sein.

„Entschuldigen Sie meinen Ausbruch.“

„Sie haben einen Schock wegen des schrecklichen Erlebnisses.“

„Ja.“ In ihr herrschte ein einziges Gefühlschaos. Sie setzte sich aufs Bett und barg das Gesicht in den Händen. „Wenn Sie nichts dagegen haben, wäre ich jetzt gern allein.“

„Wie Sie wünschen, Mademoiselle. Ich werde Ihnen einen Saft und eine leichte Mahlzeit bringen lassen.“

„Ich glaube nicht, dass ich etwas essen kann.“

„Es ist die Pflicht der Lebenden“, erwiderte er, bevor er die Tür hinter sich schloss.

Keine Minute später eilte eine junge Frau herein und half ihr in das prunkvolle Bad. Lauren duschte und zog danach Jeans und ein blassblaues Top an. Der Sandsturm hatte die Koffer nicht von den Kamelen gerissen, auch wenn er ihr fast das Leben geraubt hätte.

Einem Menschen, der an einer Expedition teilnimmt, muss klar sein, dass er vielleicht nie mehr zurückkommt, hatte Richard ihr einmal erklärt. Und er hatte Leute auf seinen Expeditionen verloren. Trotzdem hatte er weitergemacht. Würde er noch leben, würde er jetzt zu ihr sagen: „Du hast das Risiko gekannt, Lauren, und bist es eingegangen.“ Auf seine Weise hatte ihr der Doktor das Gleiche erzählt.

Obwohl sie behauptet hatte, nichts zu sich nehmen zu können, lehnte sie das Essen, dass eine Angestellte ihr brachte, nicht ab.

Ohne dass sie es bemerkte, betrat der Arzt erneut den Raum. „Fühlen Sie sich jetzt besser, Mademoiselle?“, fragte er, während er auf den Tisch zuschlenderte, an dem sie gerade ihre Mahlzeit beendete.

Sein Erscheinen verblüffte und erfreute sie. Wenn das nicht albern war. Sie tupfte sich mit der Serviette den Mund ab und blickte auf. Er hatte ein sportliches Leinenhemd und eine Tuchhose an. Zweifellos sah er in allem, was er trug, umwerfend aus. Und unbekleidet … würde er ihr bestimmt noch mehr den Atem rauben.

„Ja, ich fühle mich kräftiger.“

„Das ist gut. Doch sind Sie noch längst nicht wieder fit.“ Rashad stellte sein Tablett mit Essen auf den Tisch und setzte sich ihr gegenüber hin. „Ihr Körper und ihre Seele haben etwas Schreckliches durchgemacht. Sie sollten noch hierbleiben und sich Zeit geben, sich davon zu erholen.“

„Wo genau ist hier ?“

„Die Oase Al-Shafeeq. Ich dachte, Sie wüssten es. Sie ist Ihr erstes Ziel gewesen, nachdem Sie El-Joktor verlassen haben, oder?“ Er biss in einen Pfirsich.

Ihr erstes und einziges Ziel. „Ja.“ Ein Schauer durchrieselte sie bei dem Gedanken, dass sie dort war, wo der Geliebte ihrer Großmutter einst geherrscht hatte. „Woher wissen Sie, dass ich von El-Joktor gekommen bin, Doktor?“

„Es zählt zu meinen Aufgaben, über alles im Bild zu sein, was hier vor sich geht. Offen gestanden, bin ich nicht Dr. Tamam. Ich habe es Sie für eine Weile glauben lassen, bis ich sicher war, dass Sie auf dem Weg zur vollen Genesung wären.“

Wie bitte? Er hatte lange Zeit ihre Hand gehalten. „Wer sind Sie dann?“, erkundigte sie sich, und er verzog den Mund, als würde ihn die Frage amüsieren. Dadurch wirkte er nur noch attraktiver, und ihr Herzschlag setzte einen Moment lang aus.

„Ich bin der Sicherheitschef hier im Palast.“

Im Palast? Lauren hätte nicht überraschter sein können. „Kein Wunder, dass das Zimmer so beeindruckend und exquisit ist.“

„Der Palast ist mehre Jahrhunderte alt … Als ich informiert wurde, dass eine Karawane in einen Sandsturm geraten ist, bin ich mit dem Helikopter zu der Unglücksstelle geflogen. Mustafa hat mir das Nötigste erzählt, bevor ich Sie hergebracht habe, damit Dr. Tamam sich um Sie kümmern konnte.“

Er war der Sicherheitschef des Königs. Eigentlich sah er selber wie ein Herrscher aus! Sie schluckte. „Also muss ich mich bei Ihnen dafür bedanken, dass ich so schnell ärztlich versorgt worden bin. Ich … ich stehe tief in Ihrer Schuld.“ Es war schwer zu glauben, dass sie sich tatsächlich im Palast befand und ihn nicht wie ein Tourist von außen betrachten musste.

„Sind Sie mir dankbar genug, um mir zu erlauben, dass ich Sie Lauren nenne?“

Sein Lächeln raubte ihr einen Moment den Atem. „Natürlich.“

„Ich habe den Namen in deinem Pass gelesen, den Mustafa mir gegeben hat.“ Rashad ließ den Blick über sie schweifen. „Lauren ist ein bezaubernder Name … Fast so bezaubernd wie seine Trägerin.“

Ihr wurde ganz heiß. „Und wie sage ich zu dir?“

Irgendetwas blitzte in seinen Augen auf, während er den letzten Rest des Pfirsichs aß. „Rafi. Mein ganzer Name ist für eine Ausländerin zu schwierig auszusprechen.“

Lauren lächelte. „Mir gefällt die Kurzversion. Sie erinnert mich an den Spaniel, den ich einmal hatte.“

„Wieso das?“

„Er hieß Taffy“, antwortete sie, bevor ihr in den Sinn kam, er könnte glauben, sie würde mit ihm flirten. Was du auch tust, wurde ihr unvermittelt bewusst. Dem Tod entronnen zu sein hatte sie in jemanden verwandelt, den sie nicht mehr kannte. Sie musste sich wirklich mehr zusammenreißen. „Hast du je als Kind ein Haustier gehabt?“

„Mehrere. Allerdings wohl andere, als du dir vorstellst.“

„Das klingt spannend.“

„Sag, wo wolltest du hier nach deiner Ankunft bleiben?“

„Ja, richtig, meine Reservierung. Ich habe mir den Namen nicht gemerkt. Die Unterlagen, die ich vom Reisebüro in Montreux erhalten habe, sind in meinem kleinen Koffer. Ich fürchte, mein Verstand funktioniert noch nicht wieder einwandfrei.“

„Einen Sandsturm durchzumachen verändert das Leben unwiderruflich.“

Und vor allem, einem Mann wie dir zu begegnen, schoss es ihr durch den Kopf.

„Ich rufe gerne dort an und erkläre, was los ist, wenn du mir die Telefonnummer gibst. Ich kann sie mir auch selbst holen, wenn du möchtest.“

„Nein, danke. Das überfordert mich nicht.“ Sie stand auf, merkte aber, dass sie noch etwas wacklig auf den Beinen war. „Ich bin gleich wieder da.“

Wortlos nahm er ihr den Umschlag ab, als sie aus dem Schlafzimmer zurückkehrte. Dabei berührten sich ihre Hände, und Lauren spürte, wie ihr sogleich warm wurde. Und während sie sich erneut setzte, warf er einen Blick in die Reiseunterlagen.

Sobald er gefunden hatte, wonach er suchte, tippte er die Zahlen in sein Handy ein. Lauren verstand praktisch nichts von der minutenlangen Unterhaltung, denn sie kannte nur ein paar arabische Wörter.

„Ist da noch jemand anderes, den du über die Geschehnisse informieren solltest?“, fragte er, sobald er das Telefonat beendet hatte. „Jemand, der wissen sollte, wo du bist?“

„Nein.“ Nach dem Tod ihrer Großmutter hatte sie keine Verwandten mehr.

„Erzähl mir nicht, dass dich kein Mann vermisst. Ich würde es dir nicht glauben.“

„Es gibt niemanden, der mir wirklich wichtig ist. Nur Paul. Er ist ein guter Freund und vermutlich gerade auf der Jagd nach einer aufregenden Story für seine französische Zeitung.“

„Würde er nicht gern hören, dass du wohlauf bist?“

„Ich würde es eigentlich vorziehen, wenn er von dem Ganzen nichts erfährt. Vor meinem Abflug nach El-Joktor hat er mir einen Heiratsantrag gemacht, den ich abgelehnt habe. Ich liebe ihn nicht, und es scheint mir falsch, ihn jetzt um Hilfe zu bitten. Er soll sein Leben weiterleben und eine Frau finden, die seine Liebe erwidert.“

Rafi blickte sie über den Rand seiner Kaffeetasse an. „Ich bezweifle, dass er je über dich hinwegkommen wird.“

„Danke, das ist sehr schmeichelhaft. Aber er wird es bestimmt tun.“

„Ich wollte dir nicht schmeicheln“, sagte er, und Lauren erbebte. „Was ist mit anderen Freunden?“

„Sie rechnen nicht damit, dass sie zurzeit von mir hören.“

„Warum nicht?“

„Weil ich diese Reise unternommen habe, um den Schmerz über den Verlust meiner Großmutter, die kürzlich gestorben ist, ein wenig zu überwinden“, antwortete sie und schaffte es nicht, ihrer Stimme einen festen Klang zu verleihen.

„Du hast sehr an ihr gehangen?“

Aus welchem Grund auch immer hatte Lauren das Bedürfnis, sich ihm anzuvertrauen. „Ja. Meine Eltern sind tödlich verunglückt, als ich sechs Monate alt war. Sie ist meine Mutter gewesen. Ich vermisse sie entsetzlich.“

„Ich verstehe, warum du eine Weile aus deiner gewohnten Umgebung heraus willst. Doch warum hast du dir die Wüste Nefud ausgesucht? Noch dazu ist dieser Teil besonders rau.“

„Vermutlich deshalb, weil ich noch nie hier gewesen bin und es kein erinnerungsträchtiger Ort für mich ist.“ Aber für Celia war er es gewesen.

„Du bist eine Weltreisende?“

„Ja, von Kindesbeinen an“, erwiderte Lauren, und es herrschte einen Moment Schweigen.

„Unter diesen Umständen werde ich dich jetzt allein lassen, um zu trauern. Stille ist für den Kummer ein gutes Heilmittel. Wenn du etwas brauchst … Neben dem Bett steht ein Telefon. Du musst nur den Hörer abnehmen und die Eins wählen. Nazir, einer meiner Angestellten, wird sich melden und alles Weitere in die Wege leiten oder mich oder den Doktor verständigen, sollte es nötig sein.“

„Vielen Dank.“ Lauren senkte den Blick. „Ich möchte dir auch sagen, wie dankbar ich dir bin, dass du mir das Leben gerettet hast.“

„Ich habe nur die Zeit verkürzt, bis Dr. Tamam sich um dich kümmern konnte.“

„Trotzdem bin ich dir dankbar. Und natürlich werde ich dich und deine Leute für die Mühen gut bezahlen.“

Kommentarlos wandte er sich zum Gehen. Als Sicherheitschef hatte er bestimmt viel zu tun und würde sie so schnell nicht wieder besuchen. Sollte er überhaupt erneut bei ihr vorbeischauen. Lauren wünschte sich, er würde noch ein wenig länger bleiben. „Rafi?“

Er drehte sich um. „Brauchst du noch etwas?“

Ihr fiel durchaus einiges ein. „Nein. Aber mir scheint, dass du den König persönlich kennst. Bitte sag ihm, wie dankbar ich ihm für alles bin. Das Zimmer ist unbeschreiblich schön.“

„Es gehört zur Gartensuite.“

Tief atmete sie ein. König Malik hatte ihre Großmutter in einem privaten Apartment im Palast untergebracht, das einen Garten gehabt hatte. War es vielleicht hier gewesen?

Aufmerksam sah Rafi sie an. „Ist alles in Ordnung mit dir?“

„Ja.“

„Du benötigst noch viel Ruhe, bevor ich davon überzeugt bin. Wenn du fit genug bist, kannst du den Säulengang entlang nach draußen schlendern. Dort ist ein herrlicher Garten mit vielen Blumen und Pflanzen. Zuweilen kümmert sich die Königin selbst darum.“

„Ich weiß nicht, womit ich so viel Glück verdient habe.“

„Als König Umar gehört hat, was du Schreckliches durchlebt hast, hat er darauf bestanden, dass du so lange als sein Gast in dieser Suite bleibst, wie du es möchtest.“

Lauren wurde ganz aufgeregt. War König Umar ein Sohn oder Enkel oder Neffe von Malik? „Das ist unglaublich nett und großzügig von ihm.“

Rafi blickte sie eindringlich an. „Ich hoffe, dass die Schönheit des Gartens deine Trauer über das Ableben deiner Großmutter aus deinem Herzen vertreiben kann.“

„Danke“, sagte Lauren tief gerührt. Als er gegangen war, wollte sie kurz nach draußen gehen. Doch plötzlich fühlte sie sich so schwach, dass sie sich lieber auf eines der Sofas setzte.

Ihre Großmutter war schon in jungen Jahren gern in der Welt umhergereist. Ein guter Freund der Familie hatte ihr dann irgendwann von der blühenden Oase Al-Shafeeq erzählt. Es hatte für Celia so romantisch geklungen, dass sie unbedingt dorthin hatte fahren wollen.

Während sie durch die prächtigen Gartenanlagen spaziert war, hatte ihr taillenlanges blondes Haar die Aufmerksamkeit des Königs erregt. Was danach geschehen war, hätte ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht gewesen sein können. Celia hatte sich so leidenschaftlich in Malik verliebt, dass sie sich ihm hingab und bei ihrer Rückkehr nach Hause mit Lana schwanger gewesen war.

Müde lehnte sich Lauren in die Seidenkissen und schloss die Augen. Sie konnte sich gut vorstellen, dass sich die Vergangenheit wiederholte. Dass sie so gefesselt von Rafi sein könnte und Al-Shafeeq nie mehr verlassen wollte. Im Geiste sah sie ihn vor sich, bis seine imposante Erscheinung zunehmend verschwamm und sie einschlief.

Kaum hatte Rashad die Gartensuite verlassen, telefonierte er mit Dr. Tamam, um ihn über Laurens Zustand zu informieren. „Unsere Patientin hat sich heute wohl genug gefühlt, um zu duschen und feste Nahrung zu sich zu nehmen.“

„Das klingt gut. Was haben Sie über den Anhänger in Erfahrung gebracht?“

„Noch nichts.“

„Dann waren Sie offenbar der Ansicht, dass sie sich noch nicht hinlänglich erholt hat, um eine Befragung durchzustehen.“

Ja, der Arzt hatte recht. Genauso war es gewesen. Außerdem hatte er den Eindruck gehabt, dass ihre Reaktionen echt gewesen waren und sie bei allem die Wahrheit gesagt hatte. Doch war er sich zugleich ebenfalls sicher, dass sie ein Geheimnis hütete. Sie hatte ihm absichtlich keine umfassende Beschreibung des Anhängers geliefert.

Als Erstes sollte er prüfen lassen, ob der Schmuck vielleicht eine Fälschung war. Abgesehen von der Rolle, die Lauren in der ganzen Sache spielte, wollte er es auch selbst wissen. Seine Familie zählte zurzeit acht männliche Mitglieder, ihn eingeschlossen. Niemand hatte seinen Anhänger als verloren oder gestohlen gemeldet. Eigentlich musste er ein Imitat sein. Aber das konnte nur ein Experte beurteilen.

Wenig später flog Rashad mit einem Bodyguard zu dem Goldbergwerk in Raz. Dort suchte er den Goldschmied auf, der seit vierzig Jahren für die königliche Familie arbeitete und seinen Siegelring angefertigt hatte.

„Sie machen eine ziemlich finstere Miene, Eure Hoheit“, sagte der ältere Mann, nachdem sie sich begrüßt hatten. „Gestern haben noch alle gejubelt.“

„Das war gestern.“ Er holte den Anhänger und die Kette aus der Tasche und legte beides vor Hasan auf den Arbeitstisch.

Verwirrt blickte der Goldschmied darauf. „Wem gehört der Anhänger?“

„Genau das möchte ich wissen.“

„Sie glauben also, dass jemand aus der königlichen Familie seinen verloren hat?“

„Es wäre möglich. Ich habe ihn … zufällig gefunden. Könnte er eine Fälschung sein?“

„Sie haben doch bestimmt hier noch etwas zu tun, Eure Hoheit. Warum kommen Sie nicht danach wieder? Dann habe ich sicher einige Antworten für Sie.“

In der nächsten Stunde diskutierte Rashad mit einigen Ingenieuren über die Pläne für die neue Aufbereitungsanlage. Da er selbst vom Fach war, hörten sie ihm nicht nur zu, weil er der Sohn des Königs war. Schließlich kehrte er in Hasans Atelier zurück.

„Der Anhänger besteht aus vierundzwanzigkarätigem Gold. Aufgrund des Präge- und Herstellverfahrens muss er irgendwann zwischen achtzehnhundertundneunzig und neunzehnhundertunddreißig angefertigt worden sein. Plus minus fünfzehn Jahre. Ich könnte ihn nicht imitieren. Nach meiner Einschätzung sind Anhänger und Kette echt.“

„Dann gibt es für mich bloß zwei Erklärungen. Entweder hat ein Familienmitglied seinen Schmuck damals verloren, oder der zuständige Goldschmied hat zwei Exemplare gemacht, sollte dieser Fall je eintreten.“

„Aber das ist immer verboten gewesen“, erwiderte Hasan.

„Ich weiß.“

Im Geiste ging Rashad alle inzwischen verstorbenen Kinder männlichen Geschlechts durch, die in dem fraglichen Zeitraum geboren worden waren. Ihm war noch nie zu Ohren gekommen, dass jemand seinen Anhänger je verloren hätte. Auch trennte sich niemand freiwillig von ihm, und alle wurden sogar damit begraben. Was nur einen Rückschluss zuließ: Er musste einem Toten vor der Beisetzung abgenommen worden sein. Da während dieser Zeit lediglich Familienmitglieder die Möglichkeit dazu hatten, musste ein Verwandter den Schmuck bislang gehütet haben …

Doch aus welchem Grund? Und warum war er plötzlich am Hals der hübschen blonden Amerikanerin aufgetaucht? War sie hergeschickt worden, um seine Aufmerksamkeit zu erregen und in seine Privatsphäre einzudringen?

Einen solch raffinierten Plan, diese Frau quasi als Spionin zu engagieren, konnte bloß die Familie seines Onkels ausgeheckt haben, dessen war Rashad sich sicher. Sie war versessen darauf, Informationen zu erhalten, die sie gegen ihn oder seine engsten Angehörigen verwenden konnte.

Durch den Sandsturm wäre das Unternehmen wohl fast gescheitert. Aber dann hatte er dieser Lauren dazu verholfen, sich ihm so sehr zu nähern, wie es noch keiner feindlich gesonnenen Person je zuvor gelungen war. Und man musste sie gut instruiert haben. Warum sonst hatte sie ihm keine vollständige Beschreibung des Anhängers gegeben?

Vermutlich hatte man ihr sogar ein Foto von ihm gezeigt, sodass sie gewusst hatte, wer er war. Was bedeutete, dass sie eine glänzende Schauspielerin war. Sie hatte sich nichts anmerken lassen und so getan, als glaubte sie, er wäre der Sicherheitschef.

Nicht, dass ihm seine Gedanken gefielen, denn er fühlte sich stark von ihr angezogen. Frustriert warf er den Kopf in den Nacken. „Sie haben mir einen sehr großen Dienst erwiesen, Hasan. Ich werde es nicht vergessen.“

„Ich stehe Eurer Hoheit immer gern zur Verfügung.“

Sobald Rashad in den Palast zurückgekehrt war, meldete sich ein Vertrauensmann bei ihm, der einige Nachforschungen für ihn angestellt hatte. „Was haben Sie erfahren?“, erkundigte er sich.

„Sie ist vorgestern mit einem Flugzeug in El-Joktor eingetroffen und hat allein im Casbah übernachtet.“

Im Casbah? Es gab viel modernere Hotels in der Stadt. Warum war sie in dem Zweisternehotel abgestiegen, das vor Jahrzehnten als sehr luxuriös gegolten hatte, aber inzwischen längst nicht mehr erste Wahl war?

„Ihre Papiere sind in Ordnung. Was sie beruflich macht, ist nicht bekannt. Die Adresse in Montreux stimmt. Sie hat dort in einer Wohnung gelebt, die einer Amerikanerin namens Celia Melrose Bancroft gehört hat. Die Dame ist vor Kurzem im Alter von fünfundsiebzig Jahren verstorben.“

Hatte Lauren gelogen, als sie von der Frau als ihrer Großmutter geredet hatte? War sie vielleicht deren glänzend bezahlte Gesellschafterin gewesen? Hatte sie nach deren Tod quasi eine neue Wohltäterin oder einen neuen Wohltäter gesucht? Oder hatte ein gewisser Mann sie gefunden?

„Wünschen Eure Hoheit, dass ich tiefer grabe?“

„Momentan nicht. Vielen Dank für Ihre gute Arbeit.“

Sein Vater hatte ihn von klein auf unter anderem eines gelehrt: Wenn das Kamel seinen Kopf einmal ins Zelt gesteckt hat, folgt der restliche Körper bald nach. Und der Sandsturm hatte Lauren Viret praktisch in sein Zelt aus Steinen geweht.

Er würde auf dem Innenhof mit ihr zu Abend essen, denn er musste unbedingt alles über sie erfahren, was es über sie zu wissen gab. Außerdem hatte er trotz seines Verdachts das starke Bedürfnis, mit ihr allein zu sein.

3. KAPITEL

Nachdem er das Dinner für zwei veranlasst hatte, duschte Rashad und zog eine lange Hose an sowie ein frisches Hemd. Als er unterwegs in den anderen Palastflügel war, rief sein Assistent Nazir ihn auf dem Handy an.

„Eure Hoheit? Die Amerikanerin hat mich gerade um eine Telefonleitung nach draußen gebeten. Soll ich sie freischalten?“

„Ja.“ Aufgrund der modernen Satellitenanlage würde er problemlos feststellen können, welche Nummern sie angewählt hatte.

Rashad klopfte kurz an die Tür der Gartensuite und öffnete sie dann. Lauren saß am Schreibtisch im Wohnzimmer und redete mit jemandem in perfektem Französisch. Sobald sie ihn bemerkt hatte, beendete sie das Gespräch und legte den Hörer auf.

„Guten Abend, Rafi.“

Sie klang, als wäre sie froh über sein Kommen, auch wenn sie nicht wollte, dass er ihr Telefonat mit anhörte. Obwohl sie vermutlich eine geheime Mission in Al-Shafeeq zu erfüllen hatte, gab es zwischen ihnen eine echte und einzigartige Verbindung. Die Erkenntnis bestürzte ihn.

„Es freut mich, dass du schon wieder etwas erholter aussiehst.“

Lauren nickte. „Ich habe ein wenig auf dem Sofa geschlafen, nachdem du dich verabschiedet hattest.“

„Hast du Hunger?“

„Ja.“

Vielleicht war es gelogen und sie war gar nicht hungrig, doch es interessierte ihn nicht. Er spürte, dass sie den Abend gern mit ihm verbringen wollte, und ihm erging es nicht anders. Sie hatte ihn von Anfang an auf eine Art und Weise fasziniert, wie er es noch nie zuvor erlebt hatte.

„Ich habe ein gemeinsames Essen organisiert. Ist das in Ordnung?“

„Wenn du Zeit dafür hast … Ich finde es prima.“

„Es wartet im Innenhof auf uns“, erwiderte er und beobachtete, wie sie freudig zu lächeln begann.

„Ich habe die Blumen noch nicht bewundert.“

Lauren stand auf, und Rashad konnte den Blick nicht von ihrem wohlproportionierten Körper abwenden. Sie machte in allem eine glänzende Figur. Egal, ob sie wie jetzt Jeans und ein blassblaues Top trug oder ein Krankenhaushemd wie gestern.

„Heißt das, dass du dienstfrei hast?“

Er bemerkte, dass sie etwas atemlos klang. Offenbar war sie auch nicht die Ruhe in Person. „Mehr oder weniger.“

„Bei dir ist es also wie bei Dr. Tamam? Ihr seid stets in Rufbereitschaft, sollte Not am Mann sein.“

Rashad lächelte. „So könnte man es ausdrücken.“

„Er hat vor Kurzem nach mir geschaut.“

„Und was hat er gemeint?“

„Ich soll mich noch einen Tag lang schonen, um meine Kräfte zurückzugewinnen. Dann darf ich wieder die Touristin spielen.“

„Er ist ein ausgezeichneter Arzt. Du solltest seinen Rat befolgen.“

„Das habe ich auch vor … Sag, bist du ebenfalls schon hungrig?“

„Und wie.“ Und nicht nur, was essen betraf. In ihrer Nähe waren alle seine Sinne hellwach. So kannte er sich überhaupt nicht.

„Etwa weil du wieder sandsturmgeschädigte Leute aus der Wüste hast retten müssen?“, witzelte Lauren.

Wie konnte jemand so bezaubernd sein und ihn zugleich ausspionieren wollen? „Sandstürme ereignen sich nicht so häufig. Aber ich kann dir versichern, dass du in den letzten hundert Jahren die erste Ausländerin bist, die einen überlebt hat.“

Sie erbebte. „Ich hatte großes Glück. Dank dir und Mustafa.“

„Er hat dich rechtzeitig vom Kamel gezogen.“

„Ja. Ich möchte mich noch persönlich bei ihm bedanken. Deshalb habe ich gerade telefoniert. Ich habe in dem Reisebüro in Montreux angerufen und darum gebeten, dass man ihn für mich kontaktiert.“

„Wahrscheinlich ist er wieder unterwegs. Wenn du mit der Karawane nach El-Joktor zurückkehrst, kannst du ihm danken. Und jetzt lass uns zu Tisch gehen.“

Rashad fasste sie am Ellbogen, und ihre Körper berührten sich leicht. Sofort wurden gewisse Sehnsüchte in ihm wach. Er führte sie den Säulengang entlang nach draußen zu einem mit halbhohen Mauern umgebenen blühenden Garten, der von Fackeln erleuchtet wurde. Ehrfürchtig seufzte Lauren auf, als sie den Blick über das abendliche Al-Shafeeq zur Wüste in der Ferne schweifen ließ, und blieb unwillkürlich stehen. Die Luft war erfüllt von aromatischen Düften, und es wehte eine sanfte, kühlende Brise. Auch die ersten Sterne funkelten schon am Himmel.

„Ich könnte glatt weinen. So etwas Magisches habe ich noch nie gesehen.“

Ähnlich empfand er es auch immer, wenn er hier an seinem Lieblingsplatz im Palast war. „Wenn die Arbeit mich erdrückt, habe ich zuweilen das Bedürfnis, aus dem Büro zu verschwinden und hierherzukommen, um den Abend zu fühlen.“

„Du kannst den Zauber ebenfalls spüren“, stieß sie überrascht hervor und wandte sich zu ihm.

Das Licht einer Fackel spiegelte sich in ihren faszinierenden grünen Augen, die ihn so seelenvoll anschauten. „Ist dir kalt?“, fragte er auf der Suche nach einem Vorwand, sie ein zweites Mal in die Arme zu nehmen.

„Nein, noch nicht.“ Ihre Stimme bebte.

„Dann lass uns essen.“

Er führte sie zu dem Tisch, den das Personal seinen Anweisungen gemäß vor einem breiten Rankgitter für sie gedeckt hatte. Von hier aus hatte man einen herrlichen Blick auf den Garten. Höflich rückte er Lauren den Stuhl zurecht.

„Wie wunderschön“, sagte sie leise, nachdem sie sich hingesetzt hatte und ihre Umgebung betrachtete.

„Die königliche Familie nennt diesen Teil des Palasts den Garten des Entzückens“, erklärte Rashad und hörte, wie sie einatmete.

„Ich verstehe, warum. Er ist fantastisch und vermittelt ein Gefühl von Frieden und Verzauberung zugleich.“

„Ja, er ist perfekt.“

Lauren hatte eine Gänsehaut. Dies war der Garten, von dem ihre Großmutter gesprochen hatte. Sie war in die Wüste gereist, um auf Celias Spuren zu wandeln. Wer hätte gedacht, dass sie es so unmittelbar tun könnte!

Sie hatte sich immer für einen realistischen, vernünftigen Menschen gehalten. Aber irgendeine Macht, die sie nicht verstand, war hier am Werk. Und diese Macht ging nicht zuletzt von dem Mann aus, der ihr gegenübersaß.

Deutlich spürte sie, dass er den Blick auf sie gerichtet hatte und nicht auf den herrlichen Garten. Sie selbst wagte es nicht, Rafi direkt anzuschauen. Er sah so umwerfend attraktiv aus und besaß eine unglaublich faszinierende Ausstrahlung.

Etwas musste mit ihr noch immer nicht in Ordnung sein, dass er sie dermaßen in seinen Bann ziehen konnte. Sie war normalerweise so nüchtern und sachlich. Doch dieser Mann fesselte sie so sehr, dass sie sich wie berauscht fühlte.

Reiß dich zusammen, ermahnte sie sich energisch, als Bedienstete wie aus dem Nichts erschienen und das Essen servierten. Köstlich duftendes Lamm mit kleinen Kartoffeln und verschiedenen Gemüsen sowie mehreren Soßen. Appetitlich angerichtete Melonen- und Fruchtstückchen. Diverse Nüsse und auch eine Schale mit Rosinen.

Lauren trank einen Schluck von dem heißen, süßen Tee. „Du arbeitest offenbar sehr viel und lang, Rafi. Hast du keine Frau, die auf dich wartet?“

„Jeder Topf braucht den passenden Deckel. Ich habe meinen noch nicht gefunden.“

Sein Geständnis ließ ihr Herz höher schlagen. „Womit du mir wohl in deiner unnachahmlichen Weise sagen möchtest, dass ich mich um meine Angelegenheiten kümmern soll.“ Sie lächelte ihn an und ließ sich das Essen schmecken. Nichts konnte absurder sein, als dass dieser umwerfend attraktive Mann sich mit einem Topf verglich.

„Es freut mich, dass ich dich zum Lächeln gebracht habe. Du solltest es viel öfter tun.“

„Ich konnte nicht anders. Deine Bemerkung mit dem Topf hat mich an die Geschichte von Ali Baba erinnert. An all die Räuber in den abgedeckten Töpfen mit dem siedenden Öl. Was für eine hinterlistige Sklavin.“

„Ja, das war sie“, bestätigte er leise und lachte dann, was Lauren durch und durch ging.

„Es fällt mir schwer zu glauben, dass du ein eingefleischter Junggeselle bist.“

„Das bin ich nicht“, erwiderte er sachlich. „Aber wenn der Tag kommt, an dem ich heirate, wird es keine Ehe sein, wie du sie dir vorstellst.“ Er trank einen Schluck Tee. „In den Sternen steht es anders geschrieben.“

„Du hast doch dein Schicksal sicher selbst in der Hand.“

„Bis jetzt wohl.“

„Hast du Angehörige hier in der Oase?“

Rashad blickte sie forschend an. „Eltern und Geschwister.“

„Wie schön für dich. Lebst du schon immer hier?“ Lauren wollte so viel über ihn erfahren, wie er bereit war, ihr anzuvertrauen.

„Außer während meiner Schul- und Studienzeit in England und Frankreich ist die Oase mein Zuhause gewesen. Ist die Schweiz stets deines gewesen?“

„Ja. Manchmal haben wir jedoch auch in New York gelebte, wo meine Großmutter geboren wurde.“

„Erzähl mir von ihr. War sie lange krank, bevor sie gestorben ist?“

Er hatte es geschickt geschafft, von sich abzulenken. „Nein. Celia hat eine Bronchitis bekommen, aus der sich eine Lungenentzündung entwickelt hat. Die meisten über Siebzigjährigen werden wieder gesund. Sie leider nicht. Weil sie eine so unerschrockene, abenteuerlustige Frau gewesen ist, habe ich eigentlich gedacht, sie würde mindestens neunzig werden.“

„Du warst also auf ihren Tod nicht vorbereitet?“

Tränen traten Lauren in die Augen. „Ich glaube, das ist man nie. Selbst nicht, wenn man Monate oder Jahre an jemandes Bett sitzt. Sie wurde mir viel zu früh genommen.“

„Jeder Stern erlischt irgendwann. Der Stern deiner Großmutter ist früher erloschen, als du es gern gehabt hättest. Wenn ihr einander Glück geschenkt habt, sollte es keine Schuldgefühle geben.“

„Die habe ich auch nicht.“

Forschend sah Rashad sie an, als könnte er ihr auf den Grund der Seele schauen. „Warum wirkst du dann irgendwie … angeschlagen, wenn du über sie sprichst?“

„Weil ich mich so fühle. Was sicherlich mit ihrem plötzlichen Ableben zusammenhängt und dem Hauch des Todes, der mich gestreift hat.“

„Sicherlich.“ Er klang nicht überzeugt. „Aber ich beobachte mit Freude, dass du wieder Appetit hast. Das zeigt, dass du auf dem Weg zurück zur Normalität bist.“

Seit sie ihm begegnet war, wusste sie nicht mehr, was normal war. Lauren spürte, dass er sich in Kürze verabschieden wollte. Und während sie noch überlegte, wie sie den Moment hinauszögern konnte, sagte er:

„So gern ich dir noch stundenlang gegenübersitzen und in die Augen blicken würde, wird es doch allmählich kühl hier draußen. Lass uns hineingehen und eine Runde Karten spielen. Sonst werde ich Dr. Tamam noch erklären müssen, warum seine Patientin durch mich einen Rückfall erlitten hat.“

Galant half er ihr beim Aufstehen. Und als Lauren dann seine Hand an ihrem Ellbogen spürte, hatte sie das Gefühl, lauter kleine Stromschläge zu bekommen. „Ich muss dich warnen. Ich kann lediglich Canasta spielen.“

„Spielt man das im Kasino von Montreux?“

Sie zuckte die Schultern. „Ich glaube nicht, weiß es aber nicht genau. Ich bin nur einmal als Teenager mit meiner Großmutter dort gewesen. Sie hat mich aufgefordert, mir die Leute gut anzusehen und nicht zu vergessen, wie verzweifelt manche von ihnen aussahen. Danach hat sie mir jeden weiteren Besuch verboten. Sie hat gemeint, dass das Glückspiel zu den leichtesten Methoden zählt, wie Menschen sich kaputt machen können.“

„Und du bist nie mehr wieder im Kasino gewesen?“ Schalkhaft lächelte er sie an. „Nicht ein einziges Mal … Gewissermaßen aus Trotz?“

Lauren schüttelte den Kopf. „Nein. Sie war so wunderbar. Ich wollte sie nicht enttäuschen.“

„Leute zu enttäuschen ist die schmerzhafteste Bestrafung“, sagte Rashad, nachdem er einen längeren Moment geschwiegen hatte. Er klang, als wäre er in Gedanken weit weg.

„Ja.“

„Lass uns dort spielen.“ Er deutete zu dem niedrigen Tisch in einer Ecke des Wohnzimmers.

Elegant setzte er sich dann auf die Kissen am Boden. Er streckte die Beine von sich. Lauren gelang das Ganze längst nicht so anmutig. Außerdem hatte sie kurz Probleme, eine bequeme Position zu finden, und saß schließlich halb auf ihren Beinen.

Aus einem geschnitzten Kästchen, das auf dem Tisch stand, nahm er zwei Kartenspiele. „Erklär mir, wie man Canasta spielt.“

Ihr Herz schlug vor Freude und Aufregung wie verrückt, und ihr Körper kribbelte. Offenbar wollte auch Rafi gern mehr Zeit mit ihr verbringen.

„Die Karten sind schon gemischt.“

„Prima. Ich hasse es nämlich zu warten“, erwiderte sie, und sein Lachen ging ihr durch und durch. „Gib uns beiden jeweils fünfzehn Karten.“

Rashad ließ sich dabei viel Zeit und lächelte Lauren geheimnisvoll an. Energisch versuchte sie, seine ungeheuer männliche Ausstrahlung zu ignorieren und sich darauf zu konzentrieren, ihm die Regeln zu erläutern.

„Wer hat dich Canasta gelehrt?“ Er sortierte sein Blatt.

„Richard, der Mann meiner Großmutter.“

Lauren war nicht überrascht, wie schnell Rafi zu einem gefährlichen Gegner wurde. Und während sie eine Partie nach der anderen spielten, beantwortete sie noch weitere Fragen. Es war bereits nach Mitternacht, als sie schließlich aufhörten. Zwar hatte sie gewonnen, doch betrug ihr Vorsprung nur wenige Punkte.

„Ich möchte eine Revanche“, meinte Rashad brummig. „Morgen Abend, denn jetzt fallen dir schon die Augen zu.“ Er ließ die Karten auf dem Tisch liegen, stand auf und streckte ihr die Hand entgegen.

Lauren nahm sie und landete Momente später an seiner breiten Brust. „Oh.“ Eilig wich sie zurück. „Es tut mir leid.“

„Mir nicht.“ Er ließ die Hände über ihre Arme gleiten. „Ich habe dies bereits den ganzen Abend über machen wollen. Sagen wir, es ist ein kleiner Trostpreis.“

Im nächsten Augenblick beugte er sich zu ihr und küsste sie auf den Hals. Ihr war, als würde sie lauter kleine Stromstöße bekommen, und sie erbebte. Als sie ihn schließlich wieder ansehen konnte, bemerkte sie die lodernde Leidenschaft in seinen schwarzen Augen.

„Ich hole dich morgen früh um sieben ab, wenn du willst. Es gibt da etwas, das ich dir zeigen möchte. Danach frühstücken wir zusammen.“

Bevor sie ihm antworten konnte, hatte er die Suite verlassen. Lauren schaute auf die Armbanduhr. Es war schon morgen, denn es war fast ein Uhr. Wenn das Ganze ein Traum war, wachte sie hoffentlich nicht daraus auf.

Wie in Trance ging sie nach nebenan und stellte den Wecker auf halb sieben. Dann machte sie sich bettfertig und schlief auch recht schnell ein. Allerdings war sie bereits eine gute halbe Stunde vorher auf, bevor der Alarm schrillen würde, und sie schaltete ihn aus. Sie konnte es kaum erwarten, Rafi wiederzusehen.

Sie duschte und wusch ihre Haare. Schließlich zog sie ihr Wüstenoutfit an: die hellbraune Hose und eine weiße Bluse. Gestiefelt und gespornt, saß sie um zehn Minuten vor sieben im Wohnzimmer. Um kurz vor sieben klopfte es an der Tür zur Suite, und Momente später trat Rafi über die Schwelle. Er war ähnlich gekleidet wie sie.

„Ich mag pünktliche Menschen“, sagte er, als er den Blick über sie schweifen ließ.

„Ich auch.“ Und während sie gemeinsam das Apartment verließen, hatte Lauren das Gefühl, jeder einzelne Nerv würde in ihrem Körper vibrieren. „Wohin wollen wir?“, fragte sie, als sie die Korridore entlangeilten und sie kaum mit Rafi Schritt halten konnte.

„Zu den Stallungen, wo die Falken der Königsfamilie ihr Quartier haben. Ich habe ebenfalls einen Vogel dort. Johara liebt es, morgens früh zu jagen. Und ich glaube, du wirst ihr mit Freude dabei zusehen.“

„Du beschäftigst dich mit Falken?“

„Als Junge habe ich es begeistert mit meinen Freunden zusammen getan. Leider habe ich heute bloß noch selten Zeit dazu.“

Schließlich waren sie bei den Stallungen angelangt und betraten einen Raum, in dem drei Falken auf einer Stange saßen. Lauren beobachtete, wie Rafi auf einen bräunlichen Vogel zuging, der etwa einen halben Meter von Kopf bis Schwanz maß. Sobald er Arabisch zu sprechen begann, schien er Joharas Aufmerksamkeit zu erregen, denn sie wandte ihm den Kopf zu.

Er nahm einen Spezialhandschuh von einem Tisch und streifte ihn über. Kaum hatte er dann den Arm ausgestreckt, ließ sich das Weibchen darauf nieder. Hätte ich doch nur meine Kamera dabei, dachte Lauren, während sie sich zu den beiden gesellte.

„Du bist also eines von Rafis Haustieren und echt ein beeindruckendes Exemplar.“ Ganz wie sein Herrchen. „Jetzt ist mir auch klar, was du gemeint hast.“

Rashad lächelte sie an. „Komm mit, Lauren.“ Sobald sie draußen waren, wo es nach der kühlen Nacht bereits wieder ziemlich warm wurde, ließ er Johara fliegen. Sie gewann unheimlich schnell an Höhe.

„Ihre Flügel haben eine riesige Spannweite.“

„Ja, einen knappen Meter“, bestätigte er stolz und deutete zu einem Jeep in der Nähe. „Steig ein, wir folgen ihr.“ Momente später startete er den Motor. „Sie wird nach Beute Ausschau halten“, sagte er, während sie eine Straße entlangfuhren, die unmittelbar in die Wüste führte. „Wenn sie nichts findet, kehrt sie zu mir zurück.“

„Und was geschieht dann?“

„Wir bringen sie wieder zu den Stallungen, wo ich sicherstelle, dass sie gefüttert wird. Wichtig ist, dass sie ihre Bewegung hat und mindestens zwei Stunden am Tag fliegt. Wenn ich nicht dafür sorgen kann, kümmert sich jemand anderes darum.“

„Ist sie je schon einmal ausgeblieben, sodass du sie hast suchen müssen?“

„Sie kommt immer zurück. Was zweifellos damit zusammenhängt, dass ich mich als junger Mann Stunde um Stunde mit ihr abgegeben und sie abgerichtet habe.“

„Sie muss also ziemlich alt sein.“

„Ja.“ Rashad wandte den Kopf und sah sie an. „Schätzungsweise wird sie nur noch dieses Jahr überleben.“

„Wirst du danach erneut einen Falken ausbilden?“

„Nein, dafür werde ich keine Zeit mehr haben.“

Warum klang er plötzlich so trübsinnig? „Vielleicht wenn du eines Tages ein Kind hast, das von der Falknerei genauso begeistert ist wie du?“
 Lauren bemerkte, wie ein grimmiger Ausdruck in seine faszinierenden dunklen Augen trat, bevor er den Blick wieder auf die Straße richtete. Ein Schauer überlief sie. Hätte sie doch bloß nicht ein so persönliches Thema angeschnitten.

„Entschuldige, wenn ich dich verärgert habe.“

Erneut schaute er zu ihr hin. „Du hast nichts Falsches getan. Wir alle haben irgendwelche Dämonen, gegen die wir zuweilen kämpfen. Lass uns den restlichen Morgen einfach genießen und sehen, ob Joharas Alter ihre Fähigkeiten schmälert, Beute zu machen. Früher hat sie sie aus einer Entfernung von anderthalb Kilometern erspäht.“

Rashad gab Gas, bog dann von der Straße ab und brauste quer durch die öde Wüste. Nach zehn Minuten verlangsamte er das Tempo und stoppte schließlich bei einem provisorischen Zeltdach, unter dem ein gedeckter Tisch und zwei Stühle standen.

„Wir frühstücken hier, während wir auf Johara warten.“

Wie herrlich. Lauren stieg aus und schenkte ihnen wenig später aus der bereitgestellten großen Thermoskanne Kaffee ein. Ohne jeden Zeitdruck ließen sie sich die Sandwiches und Datteln schmecken, die Rafi zu lieben schien. Geduldig beantwortete er ihre Fragen über die Jagd, und sie befriedigte seine Neugier hinsichtlich ihrer Reisen mit ihrer Großmutter und Richard. Es war ihr letztlich egal, worüber sie redeten. Einzig ihr Zusammensein zählte, und daran würde sie sich für immer erinnern.

Irgendwann nahm er plötzlich seinen Handschuh. Und während er sich erhob und unter dem Zeltdach hervortrat, sah auch sie den dunklen Fleck am wolkenlosen Himmel. Rafi streckte den Arm aus, und Momente später ließ sich der Falke majestätisch auf dem Handgelenk nieder.

Lauren hielt sich etwas abseits, während er leise mit dem Vogel sprach. „Hat Johara heute kein Glück gehabt?“, erkundigte sie sich schließlich.

„Nein, hat sie nicht. Aber es gibt immer ein Morgen. Und das habe ich ihr gerade gesagt.“

Seine Worte berührten sie sehr und verrieten ihr viel über ihn. Er schien wirklich ein einzigartiger Mann zu sein. Verblüfft beobachtete sie, wie er zum Jeep ging, das Tier auf die Rückbank setzte und ihm eine Haube überstülpte.

„So fühlt Johara sich sicherer“, erklärte er, als er sich wieder zu Lauren umwandte. Zweifellos hatte er ihre Verwirrung erahnt. „Brechen wir auf? Einer der Angestellten wird unser Restaurant wieder abbauen.“

Lauren schwang sich auf den Beifahrersitz. „Ich habe schon in vielen Lokalen gegessen, doch dieses wird immer das schönste für mich sein.“ Ihre Stimme bebte, aber es war ihr egal. Rafi sollte ruhig wissen, wie viel ihr dieser Morgen bedeutete.

Er fasste ihre Hand. „Selbst wenn es nicht wahr ist, habe ich beschlossen, es zu glauben.“

Diese seltsame Antwort beschäftigte sie auf der ganzen Rückfahrt. Als er sie schließlich zur Gartensuite zurückbegleitete, war ihr immer noch nicht klar, was er damit hatte ausdrücken wollen.

„Vielen Dank für den herrlichen Ausflug.“ Wenn er nur nicht schon zu Ende wäre. Leider hatte Rafi jedoch einen Job und konnte nicht jede Minute mit ihr verbringen. „Ich werde ihn nie vergessen.“

„Ich auch nicht. Ruh dich aus. Ich hole dich um sechs Uhr wieder ab.“

Lauren freute sich riesig und hätte ihn am liebsten umarmt.

Was passierte bloß mit ihm! Kaum war er in seinem Apartment, rief Rashad seine Zwillingsschwester Farah an und bat sie, baldmöglichst zu ihm zu kommen. Alle seine drei Schwestern waren verheiratet, aber Farah war die weichherzigste von ihnen.

Binnen Kurzem erschien sie in seinem Wohnzimmer. Sie hatte einen rosafarbenen Kaftan an und trug das lange schwarze Haar offen. Sie war eine ausgesprochene Schönheit wie so viele Frauen in seinem Land. Trotzdem wurde er vor seinem inneren Auge das Bild der blonden Amerikanerin mit dem hellen Teint nicht los.

„Was gibt’s, Rashad?“

„Entschuldige, dass ich dich belästige, Farah.“ Er deutete zu einem der Sessel, und sie setzte sich ihm gegenüber hin.

„Du bist mir nie lästig.“

„Danke, dass du so schnell hergekommen bist.“

„Du weißt, ich mache alles für dich.“

Ja, das tat sie, und dafür liebte er sie.

„Geht es um unseren Vater?“ Tränen traten ihr in die Augen. „Hat sich sein Zustand verschlechtert?“

„Nein. Wir haben einen Gast im Palast. eine junge Frau. Sie ist vor zwei Tagen in einen Sandsturm geraten und hätte es fast nicht überlebt“, erwiderte er, und seine Schwester schrie leise auf und schlug die Hände vor den Mund. „Dr. Tamam hat sich um sie gekümmert, und sie erholt sich gut. Sie könnte allerdings eine Freundin brauchen, damit sie sich hier nicht zu einsam und allein fühlt. Ihre Großmutter ist kürzlich gestorben. Du bist die ideale Person, um ihr in dieser schwierigen Phase zu helfen. Könntest du vielleicht heute Nachmittag etwas Zeit mit ihr verbringen?“

„Natürlich. Ich werde nach besten Kräften versuchen, sie aufzuheitern. Wo finde ich sie?“

„In der Gartensuite.“

„Du hast sie da einquartiert?“, fragte Farah ungläubig.

„Ich habe Dr. Tamam gebeten, sie nach der Untersuchung dorthin zu verlegen. Ich habe gedacht, dass sie nach dem Horrorerlebnis von Schönheit umgeben sein sollte. Bist du nicht ebenfalls der Meinung?“

„O ja, klar. Nur du kommst auf solche Gedanken. Sag, wer ist sie?“

„Eine junge Amerikanerin namens Lauren Viret, die momentan in der Schweiz lebt. Sie ist mit der Hoffnung hergereist, die Trauer um ihre Großmutter zu überwinden, die sie großgezogen hat. Vielleicht erzählt sie dir, was sie hier in der Oase machen oder sich ansehen möchte. Mit dir kann man so gut reden, Farah.“

„Ich probiere es. Und du hast recht. Sie sollte jetzt nicht allein sein.“

„Danke, dass du mir diesen Gefallen tust. Da ist noch etwas. Ich habe ihr erklärt, ich sei hier der Sicherheitschef.“

Farah lächelte. „Ich hatte auch nicht angenommen, dass du dich ihr als Prinz Rashad vorgestellt hast.“

„Nein. Ich war der Ansicht, diese Enthüllung könnte sie überfordern und bewirken, dass sie sich im Palast nicht wohl fühlt. Ich habe ihr gesagt, sie solle mich Rafi nennen.“

Farah stand auf. „Ich habe seit Jahren nicht mehr gehört, dass man dich so nennt.“

Rashad erhob sich ebenfalls und folgte seiner Schwester auf den Flur hinaus. „Halt mich auf dem Laufenden. Wenn sie dir etwas erzählt, das ich wissen sollte, informier mich bitte.“

Sie küsste ihn auf die Wange. „Versprochen.“

Ihm war klar, was in ihrem hübschen Kopf vor sich ging. In sechs Monaten würde der Tag kommen, an dem ihr Bruder seinem Vater gehorchen und eine Frau heiraten musste, die er nicht liebte. Aber jetzt war er noch ungebunden, weshalb sie vermutete, dass ihn nicht nur das Wohlbefinden der Amerikanerin interessierte.

Genau das sollte Farah auch denken. Wenn seine Schwester glaubte, sie könnte bei einer kleinen Romanze mitwirken, war es umso besser. Sie würde in ihrer Ahnungslosigkeit eine ideale Spionin sein.

„Mademoiselle?“

Die Stimme der jungen Angestellten ließ Lauren auf dem Bett hochschrecken. Sie hatte gerade ein wenig gedöst. „Ja?“

„Sie haben Besuch.“

Lauren blickte auf die Armbanduhr. Es war erst vier. Ihr Herz begann, wie verrückt zu klopfen. War Rafi bereits da, weil er es nicht hatte erwarten können, sie zu sehen? Schon schwang sie die Beine vom Bett. „Wer ist es?“

„Prinzessin Farah.“

Lauren konnte ihr Glück kaum fassen. Sie war hierhergereist, um etwas über ihren Großvater zu erfahren. Bislang hatte sie es nicht gewagt, Rafi nach der königlichen Familie zu fragen. Als Sicherheitschef wurde er womöglich argwöhnisch. Doch die Prinzessin redete bestimmt gern über ihre Familie und ihre Ahnen.

„Haben Sie sie ins Wohnzimmer geleitet?“

„Ja, Mademoiselle.“

„Sagen Sie ihr bitte, ich bin gleich da.“

Lauren schlüpfte in die Schuhe und eilte ins Bad, um den Lippenstift zu erneuern und die Haare zu bürsten. Dann ging sie nach nebenan, wo die Prinzessin in der Nähe des Schreibtischs stand.

Sie hatte eine ausgesprochen weibliche Figur und wirkte recht groß, was nicht nur an der Hochfrisur lag, zu der sie die seidig schimmernden schwarzen Haare aufgesteckt hatte. Sie trug eine cremefarbene Hose und eine blutrote Bluse und sah unglaublich beeindruckend aus.

„Verzeihen Sie, Eure Hoheit, dass ich Sie habe warten lassen.“

„Machen Sie sich deshalb keine Gedanken, Mademoiselle“, erwiderte Farah in perfektem Englisch. „Wie ich von Rafi erfahren habe, heißen Sie Lauren. Darf ich Sie so nennen? Es ist ein bezaubernder Name.“

„Ja, gern.“

„Und ich heiße Farah. Setzen wir uns.“ Lächelnd zeigte sie zu den Sofas. „Ich habe uns Pfefferminztee servieren lassen.“

„Vielen Dank. Ich fühle mich von Ihrem Besuch sehr geehrt.“

„Die Familie hat gehört, dass Sie in einen Sandsturm geraten sind.“ Farah nahm anmutig auf einem Zweisitzer Platz. „Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie entsetzt ich gewesen bin. Es muss schrecklich gewesen sein.“

Lauren bemerkte, dass ihre Augen verdächtig glitzerten. Doch auch ohne diese Tränen hätte sie gewusst, dass die Prinzessin es ehrlich meinte. Das spürte man einfach. „Ja, das war es. Aber jetzt ist es vorbei, und ich bin enorm dankbar, dass ich noch lebe.“

„Mein Mann Abdul ist als Junge einmal in einen Sandsturm geraten. Zuweilen denke ich, es ist gut, dass er und ich nicht mit Kindern gesegnet sind. Wenn einem von ihnen so etwas passieren würde oder meinem Mann erneut …“ Farah konnte den Satz nicht beenden.

„Sie müssen Ihren Mann sehr lieben. Vielleicht werden Sie irgendwann auch mit einem Kind gesegnet werden.“

„Abdul ist der liebenswerteste Mann, den ich kenne. Unglücklicherweise habe ich schon zwei Fehlgeburten erlitten. Ich war bei mehreren Spezialisten. Sie können mir nichts versprechen. Also hoffen wir, dass eines Tages …“

„Es tut mir so leid.“

Farah schüttelte den Kopf. „Reden wir nicht über traurige Dinge, sondern freuen wir uns darüber, dass Sie leben. Laut Dr. Tamam waren Sie dem Tod ziemlich nahe. Er hätte sich vor meinem Vater verantworten müssen, wenn Sie gestorben wären.“

„Ich bin ihm und Rafi sehr dankbar für alles, was sie gemacht haben. Wenn ich den Doktor vielleicht für seinen Zeitaufwand bezahlen könnte. Desgleichen Rafi, der zur Unglücksstelle geflogen ist und dafür gesorgt hat, dass mir schnelle ärztliche Hilfe zuteil wurde.“

„Sie wollen Ihr Geld nicht, Lauren. Wichtig ist, dass es Ihnen gut geht.“

„Aber Gast des Königs zu sein …“

„Mein Vater heißt jeden Besucher mit friedlicher Absicht willkommen.“

Würde der König je herausfinden, wer sie wirklich war, würde sie seinen Frieden in einer Weise stören, wie sie es sich überhaupt nicht vorzustellen wagte. „Sind Sie seine einzige Tochter?“

„Nein. Ich habe noch zwei ältere Schwestern und einen Zwillingsbruder.“

Lauren trank ihren Tee aus. „Ich hätte gern Geschwister gehabt. Bitte übermitteln Sie Ihren Eltern meine Dankbarkeit. Ich habe nie zuvor ein so bezauberndes Apartment gesehen. Die Blumen und Pflanzen draußen sind ein einziger Traum.“

„Meine Mutter liebt den Garten.“

„Ich mag ihn ebenfalls.“

„Wenn es Sie nicht zu sehr anstrengt, würde ich Ihnen morgen mit Vergnügen die Palastanlage zeigen. Sie ist ein einziger großer Garten.“

„Liebend gern.“ Nicht zuletzt, weil sie danach vielleicht keine Gelegenheit mehr erhielt, bevor sie den Palast verließ, etwas über die Königsfamilie beziehungsweise ihren Großvater zu erfahren.

„Was immer Sie hier in der Oase tun möchten, ich werde es in die Wege leiten.“

Lauren lächelte erfreut. „Sie sind sehr nett. Mustafa hat von einem Garten des Mondes geredet. Glauben Sie, ich sollte ihn mir anschauen?“ Diese kleine Unwahrheit in Bezug auf Mustafa wurde ihr unter den gegebenen Umständen hoffentlich verziehen.

Farah sah überrascht drein. „Es ist leider nicht erlaubt.“

O nein. Denk dir rasch etwas aus, Lauren. „In Anbetracht meiner fehlenden Arabischkenntnisse und Mustafas nicht immer verständlichem Englisch habe ich da wohl etwas falsch mitbekommen. Was soll’s.“

„Vielleicht hat er von einem der Läden mit besonderen Souvenirs gesprochen, die es im Suk gibt. Sie sind bei den Touristen sehr beliebt.“

„Bei mir dann sicher auch.“

„Ich rufe Sie morgen an, bevor ich Sie abhole.“

4. KAPITEL

Als Lauren kurz vor sechs in cremefarbenen Jeans und hellgrüner Bluse ins Wohnzimmer schlenderte, klopfte es an der Tür. Momente später trat Rafi in dunkler Tuchhose und dunklem Seidenhemd über die Schwelle der Suite.

„Rafi“, stieß sie leise hervor, denn sein Anblick raubte ihr den Atem.

„Guten Abend, Lauren. Wie war dein Tag?“

„Als ob du es nicht wüsstest.“ Sie lächelte ihn an. „Prinzessin Farah hat mich vorhin besucht. Das war dein Werk. Also leugne es erst überhaupt nicht.“

„Ich hatte es nicht vor.“ Er lächelte ebenfalls. „Ein Tag kann ziemlich lang sein, wenn man zur Untätigkeit verurteilt ist und sich allein erholen muss.“

„Er ist für mich schnell vergangen. Sie ist eine bezaubernde Person. Wir haben zusammen Tee getrunken. Morgen wird sie mir die Palastanlage zeigen.“

„Wie wäre es heute mit einer Führung durch einen Teil des Innenbereichs? Ich bin nicht mehr im Dienst und habe gedacht, eine kleine Besichtigungstour könnte dir Spaß machen. Danach essen wir hier bei dir.“

Wie herrlich. „Ich hatte gehofft, den Palast während meines Aufenthalts in der Oase von innen anschauen zu können.“

„Dann erfülle ich dir gern den Wunsch. Vielleicht ist es in dem Reisebüro in Montreux nicht bekannt, aber ich habe die Räumlichkeiten für die Öffentlichkeit gesperrt. Es gibt so viele Gefahren, dass das Risiko zu groß ist.“

„Ich habe es jedenfalls nicht gewusst. Wäre ich nicht in den Sandsturm geraten …“

„… wären wir uns nicht begegnet. Es sei denn, das Schicksal hätte es anders gewollt. Gehen wir?“

In der nächsten Stunde schlenderte sie mit Rafi von einem prächtig gestalteten Gemach zum nächsten. Lauren konnte sich an den kunstvollen Gobelins und Teppichen, den wunderbaren Wand- und Bodenfliesen und den erlesenen Antiquitäten nicht sattsehen.

Irgendwann kamen sie in einen großen Raum, in dem lauter Ölgemälde hingen. Es waren Porträts von den Königen aus der Shafeeq-Dynastie. Und unter jedem war ein Namensschild angebracht, das Lauren natürlich nicht lesen konnte. „Wie haben sie geheißen?“

„Interessiert es dich wirklich?“

„Ja. Das Arabische ist eine so schöne Sprache.“

Rashad begann mit dem ersten Bild und gab ihr jeweils einen kurzen Lebenslauf. Schließlich waren sie beim vorletzten Gemälde angelangt. „Das ist Scheich Malik Ghazi. Die königliche Familie nennt ihn ‚den Großen‘.“

Laurens Herz klopfte wie verrückt. Sie stand vor dem Porträt ihres Großvaters. Er musste zu dem Zeitpunkt, als es gemalt wurde, etwa dreißig Jahre alt gewesen sein. Das Zeitungsfoto, das Celia wie ihren Augapfel gehütet hatte, wurde ihm zweifellos nicht gerecht. Er sah so atemberaubend aus, wie ihre Großmutter ihn beschrieben hatte.

Und Rafi schaut genauso umwerfend aus und strahlt die gleiche natürliche Autorität aus, schoss es ihr durch den Kopf. Sogleich rief sie sich zur Vernunft. Ihre Gedanken kreisten viel zu sehr um ihn. Er hatte kein Geheimnis daraus gemacht, dass er sein Junggesellendasein genoss. Außerdem würde sie nicht ewig in der Oase bleiben.

„Warum nennt die königliche Familie ihn so?“

„Sein Vater starb sehr früh. Malik wurde mit neunzehn König.“

„Das ist zu jung, um eine solche Verantwortung zu tragen. Meinst du nicht?“ Es war ein Wunder, dass er überhaupt Zeit für ihre Großmutter gefunden hatte.

„Es ist, wie es ist“, erwiderte Rashad, und Lauren lächelte über seinen fatalistischen Kommentar. „Er hat viele benachbarte Stämme geeint und unser Königreich erweitert.“

Autor

Rebecca Winters

Rebecca Winters und ihre Familie leben in Salt Lake City, Utah. Mit 17 kam Rebecca auf ein Schweizer Internat, wo sie französisch lernte und viele nette Mädchen traf. Ihre Liebe zu Sprachen behielt sie bei und studierte an der Universität in Utah Französisch, Spanisch und Geschichte und später sogar Arabisch.

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