Kalte Rache, heiße Lust

– oder –

 

Rückgabe möglich

Bis zu 14 Tage

Sicherheit

durch SSL-/TLS-Verschlüsselung

"Connor, ich brauche dich!" Als seine ehemalige große Liebe Maggie ihn verzweifelt um Hilfe bittet, lehnt sich der sexy Selfmade-Millionär Connor MacLaren zufrieden zurück. Endlich kann er sich dafür rächen, dass sie ihm einst das Herz brach. Er wird ihr helfen, aber nicht ohne Gegenleistung: Maggie muss für eine Woche seine Geliebte sein! Wenn dann sein Verlangen nach ihr ein für alle Mal gestillt ist, wird er sie genauso abservieren wie sie ihn. Doch kaum liegt Maggie in seinen Armen, muss Connor erkennen, dass er nie genug von ihr bekommen kann …


  • Erscheinungstag 22.09.2015
  • Bandnummer 1890
  • ISBN / Artikelnummer 9783733721404
  • Seitenanzahl 144
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. KAPITEL

„Du brauchst eine Frau.“

Connor MacLaren sah von dem Vertrag, an dem er gerade gearbeitet hatte, hoch. Sein älterer Bruder Ian stand in der offenen Bürotür.

„Was hast du gesagt?“, fragte Connor. Er musste sich wohl verhört haben.

„Eine Frau“, wiederholte Ian langsam. „Du brauchst eine.“

„Na sicher“, erwiderte Connor liebenswürdig. „Wer nicht? Aber …“

„Und du wirst dir einen neuen Anzug kaufen müssen, vielleicht auch zwei.“ Sein anderer Bruder Jake spazierte in Connors Büro.

Ian folgte Jake durch den weitläufigen Raum, und gemeinsam nahmen sie Connor gegenüber auf den zwei Besucherstühlen Platz.

Genervt ließ Connor den Blick von einem Bruder zum anderen wandern. „Für wen haltet ihr euch? Seid ihr von der Modepolizei?“

Ian schüttelte angewidert den Kopf. „Wir haben gerade mit Jonas Wellstones Sohn Paul telefoniert und ein Treffen mit dem alten Herrn auf der Messe vereinbart.“

Stirnrunzelnd sah Connor seine Brüder an. „Und ihr erwartet von mir, dass ich mir dafür einen neuen Anzug kaufe? Das soll wohl ein Witz sein.“

„Nein, kein Witz“, sagte Ian und erhob sich wie zum Zeichen, dass die Diskussion damit beendet wäre.

„Moment mal“, drängte Connor. „Jetzt mal im Ernst. Auf dem Festival dreht sich alles um Bier. Ums Biertrinken und – brauen. Wir gehen nichts ins Ballett.“

„Das ist nicht der Punkt“, setzte Ian an.

„Ganz recht“, beharrte Connor auf seinem Standpunkt. „Es geht darum, dass ich auf einem Bier-Festival noch nie Anzug und Krawatte getragen habe, und damit fange ich jetzt ganz sicher nicht an. Herrgott, im Anzug würde mich kein Mensch erkennen.“

Und das stimmte. Mit seinem unverkennbaren Look, bestehend aus verwaschenen Jeans, uraltem Matrosenpullover und groben Wanderstiefeln, war Connor bedeutend leichter zu identifizieren als in einem dieser Fünftausend-Dollar-Businessanzüge, die seine Brüder jeden Tag trugen.

Offen gesagt war das auch ein Grund, warum er lieber in der MacLaren Brauerei in den Bergen von Marin County, dreißig Meilen und eine Million virtuelle Lichtjahre von der MacLaren Corporation im Herzen von San Franciscos Finanzdistrikt entfernt, arbeitete. Die Brüder waren in diesen Bergen aufgewachsen. Dort hatten sie ihre erste Minibrauerei im Schuppen hinter dem Haus ihrer Mom errichtet.

Im Lauf der vergangenen zehn Jahre war die Firma zu einem multinationalen Unternehmen mit Geschäftsstellen in zehn Ländern angewachsen. Doch das Herz und die Seele von MacLaren Brewery lagen immer noch in diesen Bergen, und Connor führte Regie; nicht nur über die Brauerei, sondern auch über das umgebende Land, die Molkerei, die Fischerei, die Weinberge und den Pub in der Stadt.

Und er dachte nicht daran, dabei einen verflixten Anzug zu tragen.

Derweil kümmerten sich seine älteren Brüder, Jake, der Geschäftsführer, und Ian, der Marketing-Guru, um die Geschäfte in ihrem Firmenhauptsitz in San Francisco. Beide liebten das Leben auf der Überholspur. Connor dagegen mied die Hektik der Großstadt, so gut es eben ging. Nur an Tagen wie diesem wagte er sich in die Firmenzentrale, weil seine Brüder auf seine Anwesenheit bei der monatlichen Vorstandssitzung bestanden hatten. Selbst dazu trug er seine übliche Kleidung, nämlich Jeans, Arbeitshemd und Stiefel. Der Teufel sollte ihn holen, wenn er sich in Schlips und Kragen warf, nur um mit seinen Brüdern über Aktienanteile und Geschäftserweiterungen zu diskutieren.

Connor sah die beiden Männer an, die ihm näher waren als sonst irgendwer auf dem Planeten. „Wie kommt ihr auf die Idee, dass ich mich zum Herbst-Bierfest in Schale werfe? Man würde mich ja auslachen.“

Unendlich geduldig sah Jake ihn an. Als ältester Bruder hatte er diesen Blick perfektioniert. „Wellstone hat ein Arbeitsessen mit uns allen und seiner gesamten Familie anberaumt. Und der alte Herr legt Wert darauf, dass seine Leute gut gekleidet bei Tisch erscheinen.“

„Ach, hör doch auf.“ Connor rückte seinen Stuhl vom Schreibtisch ab. „Wir kaufen sein Unternehmen auf. Sie brennen darauf, unser Geld in die Finger zu bekommen, damit der Alte sich auf seine Walnussfarm zurückziehen und seine letzten Tage ruhig und in Frieden mit seinen Nüssen verbringen kann. Was interessiert ihn da, wie wir uns zum Essen anziehen?“

„Es interessiert ihn eben“, erklärte Jake. „Sein Sohn Paul hat uns gewarnt. Wenn Jonas bei diesem Essen nicht den Eindruck einer warmherzig-gemütlichen, altmodischen Familie von uns dreien bekommt, besteht die Gefahr, dass er aus dem Geschäft aussteigt.“

„Das ist eine blödsinnige Art, Geschäfte zu machen.“

„Da gebe ich dir recht“, pflichtete Jake ihm bei. „Aber wenn es darauf ankommt, würde ich sogar einen pinkfarbenen Smoking anziehen.“

Connor runzelte die Stirn. „Glaubst du im Ernst, dass Jonas wegen einer solchen Kleinigkeit aus dem Geschäft aussteigen würde?“

Ian lachte leise, wurde aber gleich wieder sachlich. „Jonas Wellstone ist ganz eindeutig alte Schule. Er ist äußerst konservativ und darauf bedacht, dass die Leute, die seine Firma übernehmen, die gleichen Familienwerte hochhalten, für die er einsteht.“

„Er hätte ins Milchshake-Geschäft einsteigen sollen“, brummte Connor.

„Ja, vielleicht“, sagte Jake. „Aber sieh mal, er wird sich nicht mehr ändern, also lassen wir ihm seinen Willen und ziehen den alten Herrn auf unsere Seite. Ich will dieses Geschäft durchboxen.“

Nachdenklich kniff Connor die Augen zusammen. „Glaub mir, ich auch.“ Wellstone Corporation passt perfekt zu MacLaren, überlegte er. Jonas Wellstone hatte seine Brauerei fünfzig Jahre zuvor gegründet, Jahrzehnte bevor die MacLarens auf der Bildfläche erschienen waren. Er hatte an vorderster Front gestanden, als sich in Asien und Mikronesien lukrative Märkte auftaten. Ja, die MacLarens hatten ihre Sache gut gemacht, mussten jedoch zugeben, dass sie immer noch zu den älteren, besser etablierten Unternehmen aufholen mussten. Im letzten Jahr hatten die Brüder sich das Ziel gesetzt, in diesen aufstrebenden neuen Märkten fest Fuß zu fassen. Und jetzt, knapp ein Jahr später, bot sich ihnen die Gelegenheit, Wellstone aufzukaufen.

„Okay, Jungs, ihr habt gewonnen.“ In gespielter Kapitulation hob Connor die Hände. „Ich kauf mir einen verdammten Anzug.“

Jake nickte. „Ich bin gegen drei wieder hier, dann gehen wir rüber zum Union Square. Uns bleibt nur eine Woche, um dir einen Anzug zu kaufen und ihn für dich ändern zu lassen. Und Schuhe brauchst du auch. Und ein paar Smoking-Hemden.“

„Und Manschettenknöpfe“, ergänzte Ian. „Und einen neuen Gürtel. Und einen Haarschnitt. Du siehst aus wie eine von Angus Campbells Ziegen.“

„Raus mit dir“, sagte Connor, nun endgültig genervt von der Unterhaltung. Doch als seine Brüder zur Tür gingen, fiel Connor plötzlich noch etwas ein. „Moment. Wie war das noch? Ich brauche eine Frau?“

Ian wandte sich um, mied jedoch jeglichen Blickkontakt. „Du musst eine Freundin zum Essen mitbringen. Jonas sieht seine Geschäftspartner gern in glücklichen Beziehungen.“

„Und ihr habt ihm nicht gesagt, dass solch eine Forderung zum Abbruch der Geschäftsbeziehungen führt?“

Ian verzog das Gesicht und verließ den Raum, während Jake und Connor einen vielsagenden Blick tauschten.

„Such dir einfach eine Freundin“, sagte Jake schließlich. „Und vergraule sie nicht gleich wieder.“

Das führt eindeutig zum Abbruch der Geschäftsbeziehungen, dachte Connor.

Lasst alle Hoffnung fahren, ihr, die ihr hier eintretet.

Dieser Rat hätte auf einem Hinweisschild verkündet werden müssen, dachte Maggie Jameson, als sie die massive Doppeltür zu den Büros von MacLaren International Corporation sah. Doch Maggie wollte die Hoffnung nicht aufgeben. Sie befand sich auf einer Mission, und statt zu jammern und sich zu verkriechen, nahm sie allen Mut zusammen, stieß die Türen auf und meldete sich bei der netten, gut gekleideten Empfangsdame an der Rezeption.

„Er erwartet Sie, Ms James“, sagte Susan aufrichtig lächelnd. „Folgen Sie mir bitte.“

James? Du hast einen falschen Namen angegeben, um überhaupt auch nur in seine Nähe zu gelangen, höhnte eine Stimme in ihrem Kopf. Geh lieber, bevor man dich mit einem Tritt hinausbefördert.

„Schsch“, flüsterte Maggie sich selbst zu.

Doch die höhnische leise Stimme in ihrem Kopf wollte nicht schweigen, als Maggie der reizenden Empfangsdame den breiten, plüschig ausgelegten Flur entlangfolgte. Wie um die Sticheleien ihrer inneren Stimme zu verstärken, deutete alles, was sie sah, darauf hin, dass der Erfolg der Gebrüder MacLaren jedermanns kühnste Träume übertraf. Sie passierte riesige Plakate mit den jüngsten MacLaren-Produkten an den Flurwänden. Überall wuchsen üppige Kübelpflanzen. Verglaste Büroräume gaben den Blick frei auf hochmoderne Möbel und Geräte auf dem neuesten Stand der Technik.

Maggie seufzte und blickte sich um. Die Empfangsdame war ihr schon viele Meter voraus, und Maggie musste ihr Tempo verdoppeln, um sie einzuholen. Wie lang war dieser verflixte Flur denn eigentlich? Wo befand sich Connors Büro? Im Nachbarland? Sie hätte eine Spur aus Brotkrumen legen sollen. Falls sie überstürzt flüchten müsste, würde sie nie im Leben den Weg nach draußen finden. Zum Teufel, sie könnte jahrelang in diesen Fluren umherirren. Allmählich machte sich das Gefühl breit, dass sie in einer Art nicht enden wollendem Todesmarsch gefangen war.

Hör auf zu jammern. Mach einfach kehrt, und geh, bevor es zu spät ist.

Bliebe ihr eine Wahl, dann hätte sie ihren eigenen unterbewussten Rat befolgt und die Flucht ergriffen. Sie war ein großes Risiko eingegangen, indem sie hierhergekommen war, und jetzt bereute sie es mit jedem Schritt, den sie tat. Hatte sie nicht ihr halbes Leben damit verbracht, Risiken zu vermeiden? Warum, um alles in der Welt, war sie dann hier?

Weil sie keine andere Wahl hatte. Sie war verzweifelt. Völlig verzweifelt. Connor MacLaren war ihre letzte Hoffnung.

Aber er hasst dich, und zwar aus gutem Grund. Geh einfach. Geh.

„Ach, sei still!“

Susan blieb stehen und drehte sich um. „Stimmt etwas nicht, Ms James?“

Ganz recht, hier stimmt etwas nicht! Das ist nicht mein wirklicher Name! wollte Maggie rufen, doch stattdessen ließ sie ein strahlendes Lächeln aufblitzen. „Nein, alles ist bestens.“

Kaum ging die Frau weiter, verdrehte Maggie die Augen. Sie führte nicht nur Selbstgespräche, nein, sie stritt sogar mit sich selbst. Laut noch dazu. Das konnte kein gutes Zeichen sein.

Ihr Leben war wirklich und wahrhaftig in den tiefsten Abgrund der Hölle gesunken, und das war nicht einmal theatralisch ausgedrückt.

Maggie hatte sich entschieden zu lange in den abgelegenen Bergen von Marin County versteckt. Mit einem Blick auf ihre zweckdienliche alte Jacke und die Jeans wurde ihr bewusst, dass sie die Fähigkeit, sich wie ein Erfolgsmensch zu kleiden, eingebüßt hatte. Ihre Stiefel waren uralt. Sie hatte seit mehr als drei Jahren keinen Beauty-Salon mehr besucht. Sicher, sie hatte sich deswegen nicht unbedingt in eine Höhlenbewohnerin verwandelt, doch ganz eindeutig war sie modisch nicht auf der Höhe. Und während das in Maggies Augen nicht unbedingt schlimm war, würde es sich wohl doch als Fehler erweisen, dass sie es für ihr persönliches Treffen mit einem von Nordkaliforniens Wirtschaftsgrößen nicht einkalkuliert hatte.

Für ihr Treffen mit dem Mann, dem sie der allgemeinen Meinung zufolge zehn Jahre zuvor das Herz gebrochen hatte.

Eines Tages würde sie herausfinden, warum Connor die ganze Stadt hatte glauben lassen, sie wäre schuld an ihrer Trennung gewesen, denn das stimmte nicht. Sie hatten sich, freundlich ausgedrückt, in gegenseitigem Einvernehmen getrennt. Maggie erinnerte sich an ihr letztes Gespräch, als hätte es tags zuvor stattgefunden, denn sie war diejenige, die mit gebrochenem Herzen daraus hervorging. Danach hatte ihr Leben sich drastisch verändert, und zwar keineswegs zum Guten.

Warum hatten ihre alten Freunde ihr den Rücken gekehrt und warfen ihr vor, Connor so schwer gekränkt zu haben? Hatte er Lügen erzählt, als sie die Stadt verlassen hatte? So etwas entsprach nicht Connors Art, aber sie war so lange fort gewesen. Vielleicht hatte er sich verändert.

Maggie schüttelte den Kopf. Sie würde die Männer wohl nie verstehen und wusste auch nicht, ob sie das überhaupt wollte. Doch eines Tages würde sie Connor fragen, warum er das getan hatte. Allerdings nicht heute, nicht wenn sie sich mit so viel größeren Problemen herumschlug. Das Risiko wollte sie nicht eingehen.

Kehr um. Geh einfach.

„Bitte schön“, sagte Susan, die Empfangsdame, fröhlich und blieb vor einer weiteren imposanten Doppeltür stehen. „Treten Sie einfach ein, Ms James. Er erwartet Sie.“

Nein, nein! Er erwartet keine Lügnerin!

Maggie lächelte steif. „Danke, Susan.“

Die Frau entfernte sich, und Maggie sah die geschlossene Tür an. Sie fühlte ihr Herz gegen die Rippen schlagen. Ihr Instinkt drängte sie zu gehen – nein, wegzulaufen. Doch ihr Mut hatte sie schon so weit gebracht, dass sie jetzt unmöglich einen Rückzieher machen konnte. Außerdem würde sie, wenn sie wirklich weglaufen sollte, nie im Leben aus diesem Bürolabyrinth herausfinden.

„Bring’s einfach hinter dich“, murmelte sie, betete um die nötige Kraft und drückte gegen die Tür. Sie öffnete sich lautlos und glitt über den dicken Teppichboden.

Connors Anblick schnürte Maggie die Kehle zu. Sie versuchte zu schlucken, aber vergeblich.

Er saß völlig entspannt hinter einem riesigen Schreibtisch aus Kirschholz, las in irgendeinem Schriftstück und ahnte nicht, dass er beobachtet wurde.

Einen kurzen Moment lang genoss sie einfach nur seinen Anblick. Er war seit jeher das attraktivste männliche Exemplar, das sie kannte. Wie also war es dann möglich, dass er jetzt noch hinreißender aussah als in ihrer Erinnerung? Inzwischen war er ein gestandener Mann, groß, mit breiten Schultern und langen Beinen. Sein dunkles, welliges Haar war etwa einen Zentimeter länger, als die derzeitige Mode es vorschrieb, insbesondere für eine Wirtschaftsgröße wie ihn. Seine bemerkenswerten dunkelblauen Augen, das kräftige Kinn und sein strahlendes Lächeln hatte sie schon immer geliebt. Sein Gesicht war leicht gebräunt von der Arbeit an der frischen Luft, und seine schön geformten Hände und langen Finger wirkten äußerst verführerisch …

Als sie daran dachte, was Connor mit diesen Händen alles anstellen konnte, erschauerte sie.

Maggie seufzte. Der Sex mit Connor war einfach atemberaubend gewesen. Und doch hatte seine Vorliebe für Extremsportarten und idiotische Risiken Maggie ein ums andere Mal in den Wahnsinn getrieben und letztendlich zu ihrer Trennung geführt. Doch was ihre Gefühle betraf, so hatte sie nie aufgehört, Connor zu lieben.

„Hallo, Connor“, sagte sie schließlich und hoffte, dass er ihr nicht anmerkte, wie nervös sie war.

Er hob den Kopf und blickte Maggie lange an. Hatte sie sich so sehr verändert, dass er sie nicht einmal erkannte? Doch dann zog er eine Augenbraue hoch, was nicht gerade den Eindruck machte, als würde er sich freuen, sie nach so langer Zeit wiederzusehen.

Mitsamt seinem Stuhl stieß er sich vom Schreibtisch ab und verschränkte die Arme vor der muskulösen Brust. Nach einem langen, extrem spannungsgeladenen Moment sagte er schließlich gedehnt: „Hallo, Mary Margaret.“

Beim Klang seiner tiefen Stimme richteten sich die Härchen auf ihren Armen auf. Erstaunlicherweise hatte er immer noch den Hauch eines schottischen Akzents beibehalten, obwohl er seit seiner Grundschulzeit in Nordkalifornien lebte.

Verunsichert, aber entschlossen, es nicht zu zeigen, trat sie ein paar Schritte vor. „Wie geht es dir?“ Ihre Stimme brach, und sie wäre am liebsten im Erdboden versunken, doch entschlossen lächelnd preschte sie weiter vor.

„Ich habe zu tun“, erwiderte er kurz angebunden und sah auf die Uhr. „Ich habe einen Termin und keine Zeit, mit dir zu reden. Aber danke für deinen Besuch, Maggie.“

Sie hatte es verdient, hatte es verdient, dass er sie abwimmelte, aber es schmerzte trotzdem. Sie atmete tief und regelmäßig durch, um ihre Würde zu wahren, denn sie hatte nicht die Absicht zu gehen. „Ich bin dein Termin, Connor.“

Er lächelte nachsichtig, als wäre sie eine widerspenstige Fünfjährige. „Aber nein. Glaub mir, ich hätte mich niemals auf ein Treffen mit dir eingelassen.“

Sie sagte nichts, sah nur zu, wie er sie einige Sekunden lang musterte, bis er begriff.

„Ah, ich verstehe. Du bist also Taylor James. Ein origineller Name.“

„Danke“, flüsterte Maggie, obwohl sein Tonfall ihr verriet, dass er keineswegs von ihrer Genialität beeindruckt war. Sie hatte einen Teil ihres wirklichen Nachnamens benutzt und sich einen Vornamen zugelegt, der sowohl männlich als auch weiblich sein konnte. Sie zog ihre Jacke fester um sich. War die Temperatur im Raum plötzlich gesunken? Vermutlich nicht, dennoch fröstelte Maggie.

„Was soll der Trick?“

Sie sprach so beiläufig wie nur möglich. „Ich wollte wissen, ob ich in der Branche Erfolg haben kann, ohne mich auf meinen Familiennamen zu berufen.“ Mit dieser Lüge hatte sie sich in den drei Jahren seit ihrer Rückkehr nach Point Cairn selbst beschwichtigt. Die Wahrheit war zu peinlich.

„Wie mutig von dir“, sagte er trocken.

Er ging um seinen Schreibtisch herum und lehnte sich mit der Hüfte an die glatte Holzkante. „Wie ich hörte, bist du schon seit einiger Zeit wieder in der Stadt. Seltsam, dass wir uns nie über den Weg gelaufen sind.“

„Ich habe mich bedeckt gehalten“, erklärte sie und lächelte flüchtig. Tatsache war, dass sie ihn ein paar Mal in den Straßen ihrer kleinen Heimatstadt Point Cairn gesehen, sich aber aus reinem Selbstschutz in entgegengesetzter Richtung aus dem Staub gemacht hatte.

Drei Jahre zuvor war sie an einem seelischen Tiefpunkt nach Point Cairn zurückgekehrt. Ausgeschlossen, dass sie stark genug gewesen wäre, um Connor, der Heimvorteil hatte, entgegenzutreten. Selbst jetzt brachte sie es kaum fertig, seinen intensiven Blicken standzuhalten. Vielmehr spürte sie, wie ihre dünne Fassade zu bröckeln begann, und sie fragte sich, wie lange sie seine Gegenwart noch ertragen würde, ohne zusammenzubrechen.

„Wie geht es deinem Großvater?“, wechselte er das Thema. „Ich habe ihn seit einigen Wochen nicht mehr gesehen.“

Sie lächelte dankbar. Er und seine Brüder hatten schon immer ein Faible für Angus Campbell, und das beruhte auf Gegenseitigkeit. „Grandpa ist … nun ja, zum Teil ist er der Grund dafür, dass ich dich heute aufsuche.“

Connor straffte sich. „Was ist passiert? Ist er krank?“

Maggie zögerte. „Tja, sagen wir einfach, er wird nicht jünger.“

Connor schmunzelte. „Er wird uns alle überleben.“

„Das hoffe ich.“

Wieder verschränkte er die Arme, als wollte er eine zusätzliche Barriere zwischen sich und ihr errichten. „Was willst du, Maggie?“

Sie griff in ihre Tasche und entnahm ihr eine dicke Mappe. „Ich will über dein Angebot sprechen.“

Connor griff nach der Mappe, öffnete sie und blätterte in den Dokumenten. Es waren Briefe und Ausdrucke von E-Mails an jemanden namens Taylor James. Viele waren von Connor selbst unterzeichnet, doch die Mappe enthielt auch Angebote von anderen. Er blickte Maggie an. „Die hier sind an Taylor James geschickt worden.“

„Und das bin ich.“

„Das wusste ich aber nicht, als ich diese Angebote gemacht habe. Hätte ich auch nur geahnt, dass du Taylor James bist, Maggie, hätte ich niemals versucht, Kontakt aufzunehmen.“ Er schloss die Mappe und reichte sie Maggie zurück. „Ich ziehe mein Angebot zurück.“

„Nein.“ Sie wich hastig einen Schritt zurück, als stünde die Mappe in Flammen. „Das kannst du nicht machen.“

Zum ersten Mal erreichte sein Lächeln seine Augen. Tatsächlich zwinkerte er beinahe vor diebischer Freude, als er Maggie einen Schritt näher kam. „Doch, das kann ich. Ich habe es ja gerade getan.“

„Nein, Connor. Nein. Ich brauche dich, um …“

Sein Blick wurde eisig. „Mich interessiert nicht, was du brauchst, Maggie. Dafür ist es zu spät.“

„Aber …“

„Die Besprechung ist zu Ende. Zeit, dass du gehst.“

Sekundenlang ließ sie die Schultern hängen. Doch genauso rasch rief sie sich in Erinnerung, dass sie mittlerweile stärker war und Aufgeben für sie nicht infrage kam. Sie bediente sich ihres alten Tricks, zählte im Geiste bis fünf und bemühte sich ein letztes Mal, Kraft aus ihrem Selbstvertrauen zu schöpfen, das sie unter so schweren Kämpfen wieder aufgebaut hatte.

Trotzig reckte sie das Kinn und blickte Connor in die Augen. „Ich verlasse dieses Büro erst, wenn du dir angehört hast, was ich zu sagen habe.“

2. KAPITEL

Connor musste Maggies Hartnäckigkeit bewundern.

Trotzdem wollte er dieses Spielchen keinesfalls mitspielen. An diesem Punkt in seinem Leben wollte er absolut nichts mit Mary Margaret Jameson zu tun haben. Okay, in der Highschool und auf dem College waren sie ein Liebespaar gewesen. Mit zweiundzwanzig war er bis über beide Ohren verliebt in sie und wollte sein ganzes Leben mit ihr zusammenbleiben. Doch dann hatte sie ihn praktisch ohne Vorwarnung verlassen, war an die Ostküste gezogen, hatte einen reichen Kerl geheiratet und Connors dummes Herz in tausend Stücke zerbrochen. Das lag nun zehn Jahre zurück. Damals hatte er sich geschworen, sich nie wieder von einer Frau zum Narren machen zu lassen, schon gar nicht von Maggie Jameson.

Jetzt allerdings sah es so aus, als hätte sie ihn erneut hereingelegt. Dazu hatte sie nur eine zweckmäßige Lüge benötigt. Doch er wusste ja schon lange, wie gut Maggie im Lügen war.

Ihr letztes Gespräch hatte am Telefon stattgefunden. Connor wollte mit seinen Brüdern zu einem Campingausflug aufbrechen, und sie hatte erwähnt, dass sie bei seiner Rückkehr nicht mehr da sein würde. Wie hätte er wissen sollen, dass sie wirklich fort sein würde? Einfach fort. Aus seinem Leben verschwunden. Für immer.

Na ja, bis zum heutigen Tag. Jetzt war sie wieder da und behauptete, genau die Person zu sein, der er seit Monaten nachjagte.

Merkwürdig, wie dieses Rätsel sich gelöst hat, dachte Connor. Achtzehn Monate zuvor war ein neuer Bierproduzent auf der Bildfläche erschienen und hatte schon bald Medaillen und goldene Schleifen auf sämtlichen Bier-Wettbewerben im Westen eingeheimst. Der Name des außergewöhnlichen jungen Braumeisters war Taylor James, mehr wusste Connor nicht über „ihn“. Er trat nie persönlich in Erscheinung, um seine neueste Rezeptur vorzustellen oder einen Preis entgegenzunehmen, sondern schickte immer einen Stellvertreter.

Taylor James’ Ruf wurde mit zunehmender Qualität seiner Rezepturen immer besser. Er heimste immer mehr Preise in immer höheren Kategorien ein und zog im Brauereigewerbe immer stärkere Aufmerksamkeit auf sich.

Trotzdem hatte ihn nie jemand gesehen.

Connor war entschlossen gewesen, Taylor James aufzuspüren und seine Firma mit etwas Glück aufzukaufen. Oder ihn einzustellen. Doch er hatte ihn nicht lokalisieren können. Wer war dieser Mensch, der diese großartigen neuen Biere und Ales produzierte, während er sich vor der bewundernden Öffentlichkeit versteckte? Im Lauf des vergangenen Jahres hatte Taylor James jeden Rivalen und jedes Bier übertrumpft. Einschließlich MacLaren’s Pride, das Hellbier, das den MacLaren-Brüdern zu Bekanntheit und Ansehen verholfen und ihnen ihre erste Million eingebracht hatte. Die Niederlage in diesem Wettbewerb war ein Schlag ins Gesicht gewesen und hatte die MacLarens in ihrer Entschlossenheit bestärkt, den mysteriösen Brauer ausfindig zu machen.

Durch ausgiebige Recherche war Connor an Taylor James’ E-Mail-Adresse gekommen. Er hatte dem Mann sofort geschrieben, aber keine Antwort erhalten. Bei einem weiteren Wettbewerb tat Connor eine Postfachadresse auf. Er begann, Briefe zu schicken, schlug dem schwer zu erreichenden Brauer ein Treffen vor, um eine Investitionsmöglichkeit zu besprechen. Eine Antwort erreichte ihn nie – bis zu diesem Augenblick.

Als Connor jetzt die Frau ansah, die behauptete, das zurückgezogen lebende neue Bierbrauergenie zu sein, war er versucht, die verlogene Ms James hochkantig rauszuwerfen. Der Spaß wäre noch größer, wenn er die Security rufen und Maggie auf die Straße setzen ließe. Vielleicht wäre ihr peinlicher Abgang eine angemessene Wiedergutmachung für all den Schmerz und die schlimme Kränkung, die er erlitten hatte, als sie sich vor all den Jahren aus seinem Leben gestohlen hatte.

Doch das könnte als falsches Signal aufgefasst werden, überlegte Connor. Maggie könnte es als Hinweis darauf verstehen, dass sie ihm noch etwas bedeutete. Und sie bedeutete ihm nichts. Die rein körperliche Reaktion auf ihre Nähe war nebensächlich. Er war schließlich auch nur ein Mann – und musste zugeben, dass er gern gewusst hätte, warum sie sich versteckt hielt und unter falschem Namen agierte. Sie war eine begabte Brauerin, verdammt noch mal. Ihre neueste Auflage von Bieren und Ales war spektakulär. Aber war das ein Wunder? Schließlich entstammte sie einer langen Reihe von schottischen Brauern, ihren Großvater Angus eingeschlossen, der sich schon vor Jahren aus dem Geschäft zurückgezogen hatte.

Gut, er würde ihr ein paar Minuten für ihre Geschichte geben. Und dann würde er sie mit einem Tritt in ihren großartigen Hintern aus seinem Büro befördern.

Mit einer großzügigen Handbewegung bot er ihr einen Platz auf einem der Besucherstühle an. Als sie sich gesetzt hatte, ließ auch er sich nieder und sah sie an. „Du hast fünf Minuten, um zu sagen, weshalb du hier bist, Maggie.“

„Schön.“ Sie räusperte sich und strich ein paar Mal ihre Jacke glatt. War sie nervös? Nein. Connor wusste es besser. Sie spielte den zarten Engel, eine Rolle, die sie seit jeher bis zur Perfektion beherrschte.

„Meine Rezepturen haben sich in den vergangenen anderthalb Jahren in jedem Wettbewerb qualifiziert“, begann sie langsam, wurde dann aber immer sicherer. „Ich habe das Hellbier-Brauen quasi im Alleingang und über Nacht revolutioniert. Das ist übrigens ein Zitat vom führenden Kritiker der Branche. Und das Lob habe ich verdient. Ich bin seit Jahren die beste neue Bierproduzentin.“

„Das weiß ich alles.“ Connor lehnte sich auf seinem Stuhl zurück. „Das ist einer der Gründe, warum ich Taylor James seit Monaten aufspüren will. Aus irgendeinem Grund fühlte er sich allerdings nicht bemüßigt, mir zu antworten.“

Er war noch nicht bereit“, sagte Maggie leise und blickte auf ihre Hände.

Connor war überzeugt, dass dies die ersten wahren Worte waren, die sie seit dem Betreten seines Büros geäußert hatte.

Sie schürzte die Lippen, als würde sie den nächsten Satz abwägen. Fasziniert starrte er auf ihren Mund, der so begehrenswert war, dass es Connor schwerfiel, sich auf die Unterhaltung zu konzentrieren.

Er ballte die Hände zu Fäusten. Schon wollte er diesem Unsinn ein Ende machen, als sie endlich weiterredete.

„Ich mache dir ein Angebot“, sagte sie und beugte sich vor. „Ich verkaufe dir sämtliche preisgekrönten Rezepturen und erfinde zudem etwas Neues, Einzigartiges für MacLaren. Es wird sich hervorragend als Weihnachtsbier eignen, und du wirst es bis auf die allerletzte Flasche verkaufen, das garantiere ich dir.“

„Zu welchem Preis, Maggie?“

Sie zögerte, dann nannte sie eine Summe, die einen kleinen Staat ein oder zwei Jahre lang über Wasser halten würde. Es war ein so horrender Betrag, dass Connor lachen musste. „Lächerlich. Das ist es nicht wert.“

„Oh doch“, beharrte sie. „Und das weißt du auch, Connor. Du hast es selbst gesagt. Die Marke Taylor James ist pures Gold. Du wirst den Namen auf allen Verpackungen und für die Werbung nutzen können, und du holst dein Geld tausend Mal wieder rein.“

Sie hatte recht, doch das wollte er jetzt noch nicht zugeben. Er sah sie eine Minute lang an und fragte sich, was ihr wirklicher Beweggrund sein mochte. Warum wandte sie sich an ihn? Es gab doch sicherlich andere Firmen, die mit ihr ins Geschäft kommen wollten. Vielmehr mit Taylor James.

Autor

Kate Carlisle
New York Times Bestseller-Autorin Kate Carlisle konnte sich nie so richtig entscheiden: Sollte sie die Haare lang oder kurz, glatt oder gelockt tragen? Sollte sie beim Fernsehen arbeiten oder Brathähnchen verkaufen? Jura studieren oder doch lieber Schauspielunterricht nehmen? Nachdem sie alles einmal ausprobiert hatte, besann sie sich schließlich auf das...
Mehr erfahren