Nur eine Nacht voller Sinnlichkeit?

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Der feurige Fremde, der überraschend auf ihrer Party auftaucht, ist einfach unwiderstehlich sexy! Eine lustvolle Nacht verbringt Elin mit ihm, doch am nächsten Morgen ist er verschwunden. Nur seinen Vornamen kennt sie, niemals wird sie ihn wiedersehen … Irrtum! Denn als Elins Adoptivvater stirbt, steht sie ihm am Grab unvermittelt gegenüber. Nicht sie, sondern ihr spanischer Liebhaber erbt das gesamte Familien-Vermögen. Atemlos hört sie, was er von ihr verlangt, wenn sie behalten will, woran ihr Herz hängt …


  • Erscheinungstag 13.02.2018
  • Bandnummer 2323
  • ISBN / Artikelnummer 9783733709952
  • Seitenanzahl 144
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. KAPITEL

Das Zimmer drehte sich. Lichter blitzten vor ihren Augen und bildeten bunte Muster, als würde sie durch ein Kaleidoskop blicken. Blinzelnd sah Elin zu dem Kronleuchter im Salon hoch. Ihr war noch nie aufgefallen, dass die Kristalle wie Diamanten funkelten.

„Soll ich dir noch einen Drink besorgen?“, ertönte eine Stimme über dem wummernden Beat der Rockmusik. Elin fühlte sich verloren, fast schwerelos, als würde sie schweben und auf sich selbst herabschauen. Sie versuchte, sich auf den Typen zu konzentrieren, den sie vage als einen von Virginias Freunden erkannte, die vorhin im Nachtclub gewesen waren. Elin kannte nicht einmal die Hälfte der Leute, die in ihrem Londoner Familienwohnsitz ihren Geburtstag feierten.

„Du darfst heute Abend nicht allein sein“, hatte Virginia erklärt, als der Nachtclub schloss, in dem sie vorher gefeiert hatten. „Sonst denkst du an deine Mutter und wirst traurig. Ich sag den Leuten Bescheid, dass die Party bei dir zu Hause weitergeht.“

Elin hatte nicht protestiert. Denn Virginia hatte recht. Sie ertrug es nicht, mit den Erinnerungen an den schockierenden Tod ihrer Adoptivmutter allein zu sein. Sie hatte Ralph erzählt, dass sie ihren Geburtstag mit Freunden in Schottland verbringe, doch wegen überfrierenden Nebels war ihre Reise am Flughafen London Gatwick zu Ende gewesen. Der Mensch, mit dem sie ihren Geburtstag am liebsten verbracht hätte, war ihr Bruder. Aber Jarek war für die Saunderson Bank geschäftlich in Japan. Er behauptete, die Reise sei zwingend notwendig, doch Elin hatte den Eindruck, dass er ihr aus dem Weg ging, weil er sich die Schuld am Tod ihrer Mutter gab.

„Elin?“

Sie konzentrierte sich wieder auf den Typen – Tom, wenn sie sich richtig erinnerte. Er stand zu dicht neben ihr, und so wie er sie ansah, wünschte sie, sie hätte nicht das tief ausgeschnittene Kleid angezogen, zu dessen Kauf Virginia sie überredet hatte. Das Kleid war kaum mehr als ein Hauch aus roter Seide und Chiffon, und wegen der dünnen Träger konnte sie keinen BH darunter tragen.

Tom nahm ihr das leere Glas aus der Hand. „Noch mal dasselbe?“

„Lieber nicht. Ich glaube, ich hatte schon zu viel.“ Vielleicht war ihr deshalb so komisch. Normalerweise wurde sie von Alkohol müde, doch heute fühlte sie sich voller Energie, geradezu euphorisch. Die intensive Trauer der letzten Monate schien weit weg, als wäre sie von ihren Gefühlen losgelöst. Vielleicht war das die Lösung: Trinken, bis man alles vergaß. So wie Jarek es in letzter Zeit viel zu oft tut, dachte Elin düster. Doch heute Abend wollte sie wenigstens für ein paar Stunden das Bild ihrer Mutter vergessen, wie sie reglos auf dem Boden lag.

„Was war in dem letzten Cocktail, den du mir gemacht hast?“, fragte sie Tom. „Der hat anders geschmeckt als ein gewöhnlicher Manhattan.“

Er bedachte sie mit einem seltsamen Blick. „Möglicherweise habe ich einen Spritzer zu viel Angostura dazu gegeben.“ Er legte einen Arm um ihre Taille, und Elin unterdrückte ein Schaudern, als sie seinen heißen Atem an ihrer Wange spürte. Er sah nicht schlecht aus. Viele Frauen hätten ihn sicher attraktiv gefunden, doch irgendetwas an ihm störte sie, und sie versteifte sich, als er murmelte: „Lass uns irgendwohin gehen, wo wir allein sind, Baby.“

„Eigentlich hätte ich doch noch gern einen Drink“, sagte sie schnell. „Ich habe Durst.“ Das war nicht gelogen. Sie hatte furchtbaren Durst, und aus irgendeinem Grund schlug ihr Herz unnatürlich schnell. Sie sah, wie Tom sich einen Weg durch die Menge zum Sideboard bahnte, das als Bar diente, und verdrückte sich schnell, bevor er zurückkam.

In der Lounge hatte jemand den Teppich zur Seite gerollt, damit getanzt werden konnte. Hier war die Musik noch lauter, und der schwere Bass vibrierte durch Elins Körper. Jemand nahm ihre Hand und begann, mit ihr zu tanzen. Der hämmernde Beat war unwiderstehlich, und sie warf ihr langes Haar zurück und tanzte frei und ungehemmt. Zum ersten Mal seit sehr langer Zeit war ihr zum Lachen zumute, und es fühlte sich gut an.

In den vergangenen Monaten hatte sie ihren Bruder oft in irgendwelche Nachtclubs begleitet, um ihn davon abzuhalten, zu viel zu trinken. Um die Paparazzi von Jarek abzulenken, hatte sie die Aufmerksamkeit auf sich gezogen und demonstrativ Party gemacht, sodass die Presse sie und nicht ihren Bruder fotografierte, wenn sie in den frühen Morgenstunden aus einem Club fielen.

Die Boulevardpresse nannte sie ein It-Girl. Einige warfen ihr vor, Schande über Lord Saunderson und das Andenken seiner Frau zu bringen.

So dankt Elin es der Großzügigkeit ihrer Adoptiveltern, die sie mit Vier aus einem Waisenhaus im kriegsgeschüttelten Bosnien retteten, sodass sie und ihr älterer Bruder in privilegierten Verhältnissen aufwuchsen.

Das hatte erst kürzlich in einem Artikel gestanden. Elin war egal, was die Klatschpresse über sie sagte, solange sie Jareks Namen aus den Schlagzeilen halten konnte, damit er Ralph nicht noch weiter gegen sich aufbrachte.

Heute jedoch tat sie nicht nur so, als würde sie sich amüsieren. Heute strotzte sie vor Selbstvertrauen, und alle Sorgen waren weit weg. Wenn es am Alkohol lag – na und! Es war ihr fünfundzwanzigster Geburtstag, und an ihrem Geburtstag konnte sie tun und lassen, was sie wollte. Und so tanzte und lachte sie immer weiter, aus Angst, sonst wieder in das tiefe Loch aus Schmerz und Kummer zu stürzen.

An Tanzpartnern herrschte kein Mangel. Die Männer scharten sich um sie, und sie flirtete mit ihnen, denn für diesen einen Abend war sie eine Sirene in einem heißen roten Kleid. Um Mitternacht kam Virginia mit einer Geburtstagstorte. „Vergiss nicht, dir etwas zu wünschen“, erinnerte sie Elin.

Geburtstagswünsche wurden wahr, wenn man alle Kerzen auf der Torte mit einem Atemzug auspustete. Doch kein Wunsch konnte ihre Mum zurückbringen. Elin musterte die Partygäste. Manche waren Freunde, die sie seit ihrer Kindheit kannte – seit ihre Adoptiveltern sie nach England geholt hatten. Andere hatte sie nie zuvor gesehen, vermutlich gehörten sie zu Virginias großem Freundeskreis. Alle warteten darauf, dass sie die Kerzen auspustete. Sie wusste nicht, was sie sich wünschen sollte.

Und dann sah sie ihn.

Er stand abseits der Menge. Ein einsamer Wolf, schoss es Elin durch den Kopf. Sie starrte ihn an … und die Zeit schien stillzustehen. Die Musik und die Stimmen verschwanden, und nur noch er war da. Der schönste Mann, den sie je gesehen hatte.

Größer als alle anderen in Raum, attraktiv, aber irgendwie düster, grüblerisch, ein romantischer Held. Er erinnerte sie an Heathcliff aus Emily Brontës Klassiker „Sturmhöhe“. Irgendwo in ihrem Gehirn blitzte die Frage auf, warum er ihr bisher den ganzen Abend noch nicht aufgefallen war.

Er trug schwarze Jeans und einen leichten schwarzen Pulli, unter dem sich seine breite Brust abzeichnete. Darüber eine braune Lederjacke, die an mehreren Stellen abgewetzt war und den Eindruck verstärkte, dass er sich nicht darum scherte, was andere von ihm dachten. Sein kräftiges schwarzes Haar war verstrubbelt, als hätte er die Angewohnheit, mit den Fingern hindurchzufahren, und der schwarze Bartschatten auf Kinn und Wange verstärkte seinen Sexappeal.

Elins Magen zog sich zusammen. So also fühlte sich Verlangen an. Wie loderndes Feuer im Blut. Zwischen ihren Beinen verspürte sie ein Ziehen. Also war sie doch kein Freak, wie sie immer gedacht hatte, wenn ihre Freundinnen über ihr Liebesleben sprachen und sie nichts dazu beitragen konnte.

„Vielleicht bist du ja lesbisch und willst es dir nur nicht eingestehen“, hatte Virginia gemeint, als Elin ihr gestanden hatte, dass sie noch Jungfrau war.

„Die Wahrheit ist, dass ich grundsätzlich kein Interesse an Sex habe. Ich bin mit ein paar Typen ausgegangen, aber ich wollte nie weitergehen.“ Vermutlich würde ein Psychologe die traumatischen ersten vier Jahren ihres Lebens, die sie in einem Waisenhaus mitten im Kriegsgebiet verbracht hatte, dafür verantwortlich machen, dass sie sich auf niemanden einlassen konnte. Vielleicht war sie aber auch frigide, wie ein Exfreund ihr an den Kopf geworfen hatte, als sie sich weigerte, mit ihm zu schlafen.

Doch Virginia gab nicht auf. „Bestimmt hast du nur noch nicht den Richtigen gefunden. Eines Tages wirst du jemandem begegnen, der auch deinen Schalter umlegt.“

War es das, was Virginia gemeint hat? Während Elin diesen modernen Heathcliff anstarrte, spürte sie Licht und Hitze und Energie in sich explodieren und wusste plötzlich, was sie sich wünschen sollte, wenn sie die Kerzen ausblies.

Jemand drehte die Musik lauter und der wummernde Sound bildete einen Einklang mit dem Blut, das durch ihre Venen pochte. Während sich die Menge zerstreute, bemerkte sie, dass der Mann sie beobachtete. Er lehnte am Kaminsims, einen Fuß über den anderen gekreuzt. Er wirkte entspannt, doch seine Haltung erinnerte Elin an eine Raubkatze, bereit zum Sprung. Er ließ den Blick nicht von ihr, als sie auf ihn zuging. Es war, als hätte er die Kontrolle über ihre Gedanken übernommen. Als könnte sie nicht umkehren, selbst wenn sie es wollte.

Seine Augen waren braun mit goldenen Sprenkeln, wie sie feststelle, als sie vor ihm stand. Als sie ihn anlächelte, hob er die dichten schwarzen Brauen leicht in die Höhe.

„Willst du mir nicht gratulieren?“ Der kokette Tonfall ihrer Stimme war ihr fremd, aber sie war sich heute Abend sowieso fremd, genau wie das Verlangen nach etwas, das sie nicht erklären konnte.

In seinen dunklen Augen blitzte es, doch sein Mund blieb hart. „Herzlichen Glückwunsch, Blondie.“

„So heiße ich nicht.“ Sie hasste den Spitznamen, den die Presse ihr verpasst hatte. „Ich heiße Elin.“

„Ich weiß.“

Sie neigte den Kopf und musterte ihn. Das Schummerlicht warf Schatten auf sein Gesicht und betonte seine herbe Schönheit. Am liebsten hätte Elin sein perfektes Kinn mit den Fingerspitzen nachgezeichnet. Und was seinen Mund betraf … Ihr Herz pochte, als sie sich vorstellte, wie er sie küsste. Der Knoten in ihrem Bauch zog sich fester zusammen, und alle Nervenenden in ihrem Körper prickelten.

„Woher weißt du meinen Namen?“ Sie war sicher, dass sie einander noch nie begegnet waren. Daran hätte sie sich erinnert.

Bildete sie sich nur ein, dass er kurz zögerte, bevor er mit den Schultern zuckte? „Ich bin auf deiner Geburtstagsparty, natürlich kenne ich deinen Namen. Es kann nicht viele Menschen geben, die noch nicht von Elin Saunderson gehört haben. Schließlich sieht man ständig Fotos, auf denen du aus irgendwelchen Nachtclubs wankst.“

Sein Zynismus verletzte sie. Am liebsten hätte sie ihm erklärt, dass sie absichtlich Skandale verursachte, um ihren Bruder aus der Schusslinie zu nehmen. Doch damit hätte sie Jarek verraten, und das würde sie nie tun, schon gar nicht an einen Fremden. Selbst wenn er der atemberaubendste Mann war, der ihr je unter die Augen gekommen war. Ihre Blicke trafen sich, und sie sah das Verlangen in den goldgesprenkelten Augen.

Sie begriff, dass er sie begehrte, ob er wollte oder nicht. Er hatte genauso wenig Kontrolle darüber wie sie selbst. Offenbar hielt er sie für das oberflächliche Partygirl, als das die Presse sie abstempelte. Warum also sollte sie ihrem Ruf nicht für einen Abend gerecht werden?

„Ist es nicht unhöflich, sich nicht vorzustellen?“

Sein Mund zuckte. „Ich fürchte, ich bin nicht sehr gut erzogen“, warnte er sie mit seiner tiefen, dunklen Stimme und der Spur eines südländischen Akzents. Wieder zögerte er, bevor er weitersprach. „Ich heiße Cortez.“

„Du bist Spanier?“ Cor-tez … Im Stillen wiederholte Elin, wie er seinen Namen ausgesprochen hatte, mit Betonung auf der zweiten Silbe. Er erinnerte sie an ein Geschichtsbuch über die spanischen Eroberer im sechzehnten Jahrhundert, die ziemlich unbarmherzig gewesen waren.

„Zur Hälfte“, sagte er nach einer weiteren Pause, als hätte er eigentlich etwas anderes antworten wollen, es sich dann aber anders überlegt.

Bedächtig ließ sie den Blick über seine Brust gleiten und weiter über seinen flachen Bauch und die schmalen Hüften. „Welche Hälfte?“, fragte sie unschuldig.

Für ein paar Sekunden wirkte er perplex, dann lachte er. Es klang warm und golden, wie flüssiger Honig. „Du bist ganz schön frech“, meinte er. Die hellen Sprenkel in seinen Augen funkelten, und etwas fast Animalisches blitzte in seinen harten Gesichtszügen auf. „Und sehr, sehr schön.“

Er streckte die Hand aus und wickelte eine ihrer blassgoldenen Haarsträhnen um seine Finger. Elin spürte ihr Herz klopfen. Ihr Atem stockte. Er musste es gehört haben, und obwohl er sich nicht zu bewegen schien, spürte sie seine plötzliche Anspannung, als wäre er tatsächlich ein Raubtier auf der Jagd. Ihn umgab eine Aura der Gefahr. Eigentlich hätte sie die Flucht ergreifen sollen, doch der Reiz des Verbotenen war heute Abend stärker als die Stimme der Vernunft.

Die wummernden Bässe vibrierten in ihrem Blut. „Tanzt du mit mir? Du kannst nicht Nein sagen“, beharrte sie, als sein Blick sich verengte. „Ich habe Geburtstag, und an meinem Geburtstag kriege ich alles, was ich will.“

Diesmal lachte er nicht, und seine Stimme klang nicht wie flüssiger Honig, sondern wie rostiges Metall auf Schotter. „Was willst du, Elin?“

„Dich“, hörte sie sich mit einer heiseren Stimme sagen, die sie nicht wiedererkannte. Wieder hatte sie dieses Gefühl, als schwebe sie über ihrem Körper und nichts von alldem wäre real. Vielleicht war es das ja auch nicht, vielleicht war es ein Traum, doch er war so viel besser als all die Albträume seit dem Tod ihrer Mutter.

Cortez fluchte leise. Die goldenen Sprenkel in seinen Augen glitzerten, und er schien innerlich mit sich zu ringen, bevor er die Schultern hob. „Na gut“, murmelte er, legte eine Hand an ihre Taille und zog sie an sich.

Die Wirkung auf Elin war elektrisierend. Die Berührung seiner Schenkel, während sie sich zum Rhythmus der Musik bewegten, verwandelte das Feuer in ihr in ein Inferno. Cortez tanzte mit sinnlicher Anmut, und sie schnappte nach Luft, als er eine Hand an ihren Rücken legte und ihr Becken an sich drückte.

Alles in ihr schmolz dahin, als er sie an seinen durchtrainierten Körper zog. Er roch göttlich, eine Mischung aus würzigem Rasierwasser und der trockenen Hitze seines Körpers, der einen ganz eigenen Duft hatte. Sie wollte ihr Gesicht an seinem Hals drücken und sein Aroma einatmen, an seiner olivfarbenen Haut lecken und ihn schmecken. Ihre Hände lagen flach an seiner Brust, und sie spürte, wie sich sein Herzschlag unter ihren Fingerspitzen beschleunigte. Überrascht neigte sie den Kopf zurück und sah das nackte Verlangen in seinen Augen.

Nie zuvor hatte sie sich so gefühlt, und schon gar nicht hatte sie sich jemals zuvor so unvernünftig benommen. Zum ersten Mal seit sechs Monaten fühlte sie sich lebendig statt betäubt. Das Leben, hatte sie gelernt, konnte einem jeden Moment genommen werden, durch das Drücken eines Abzugs, eine abgefeuerte Kugel.

Sie wollte das Leben mit beiden Händen packen, und mehr als alles andere wollte sie diesen gefährlich attraktiven Mann. Deshalb ließ sie ihre Hände auf seine Schultern gleiten und schmiegte sich an ihn, sodass ihre aufgerichteten Nippel seine Brust berührten. Sie hörte ihn etwas auf Spanisch murmeln, als er mit der Hand in ihr Haar fuhr und sein Gesicht zu ihrem hinabbeugte. Sein Mund war verlockend nah, und mit einem leisen Seufzer schloss sie die winzige Lücke zwischen ihnen und presste ihre Lippen auf seine.

Die Welt explodierte in einem Feuersturm aus Hitze und Farben. Cortez zögerte für den Bruchteil einer Sekunde, dann ging ein Beben durch seinen Körper und er übernahm die Kontrolle über den Kuss und eroberte ihren Mund wie ein Entdecker, der sein Territorium für sich beanspruchte. Der Kuss war heißer und wilder als alles, was Elin je erlebt hatte. Sie fühlte sich von seinem Kuss verzehrt.

Der Kuss wurde tiefer und sinnlicher, raubte all ihre Sinne, und Elin hoffte, er würde nie enden. Als Cortez schließlich seinen Mund von ihrem löste, damit sie beide Luft holen konnten, musterte er sie, als versuchte er, aus ihr schlau zu werden.

„Das ist Wahnsinn“, sagte er mit rauer Stimme. „Ich sollte dir sagen, dass …“ Er wurde von einem wild tanzenden Partygast unterbrochen, der sie anrempelte. „Dios!“ Cortez legte schützend die Arme um Elin. „Können wir irgendwo reden?“

Über Cortez’ Schulter sah Elin Tom hereinkommen, der die Drinks besorgt hatte. Um ihm aus dem Weg zu gehen, dirigierte sie Cortez durch eine andere Tür zu der schmalen Treppe, die früher die Dienstboten genutzt hatten. Auf den Stufen saßen Partygäste und spielten ein lautstarkes Trinkspiel, darum ging sie weiter in den ersten Stock zu ihrem Zimmer.

„Hier stört uns niemand“, erklärte sie, während sie ihn hineinschob und die Tür schloss. Nach der lauten Musik unten war es im Zimmer angenehm still. Man hörte hier nur noch das ferne und gedämpfte Dröhnen der Bässe. Elin wusste, dass es verrückt war, einen Fremden mit auf ihr Zimmer zu nehmen. Doch er war ja kein komplett Fremder. Sie kannte seinen Namen und nahm an, dass Virginia ihn kannte. Warum wäre er sonst mit auf die Party gekommen, wenn ihre Freundin ihn nicht eingeladen hätte?

Trotzdem war ihr irgendwo natürlich bewusst, dass sie sich heute Nacht verrückt benahm. Sie konnte sich dieses Hochgefühl nicht erklären, das sich anfühlte wie eine Fahrt mit der Berg-und-Tal-Bahn. Doch sie wollte nicht, dass es aufhörte. Sie starrte Cortez an und dachte darüber nach, wie unglaublich schön er war.

Im Spiegel sah sie, dass ihre Lippen vom Kuss geschwollen waren. Sie erkannte sich in dem heißen roten Kleid, mit zerzaustem Haar und geröteten Lippen kaum wieder. Ihr Blick wanderte zurück zu Cortez, und sie sah, wie sich sein Blick verengte, als sie sich mit der Zungenspitze über die Lippen fuhr.

„Du wolltest mir etwas sagen. Bist du verheiratet?“

„Was?“ Er wirkte überrascht. „Nein, natürlich nicht. Sonst hätte ich dich nicht geküsst.“

„Warum hast du mich geküsst?“

„Was denkst du denn?“, sagte er schroff.

„Keine Ahnung. Vielleicht komme ich drauf, wenn du mich nochmal küsst.“ Da war er wieder, der aufreizende Ton in ihrer Stimme, die so fremd klang. Die Wahrheit war, sie wollte, dass er sie küsste, und sie wollte noch mehr. Sie wollte … Ihr Blick fiel auf das große Bett, in dem sie immer allein schlief. Cortez murmelte etwas Unverständliches, als er ihrem Blick folgte.

„Du bist unwiderstehlich.“ Bei ihm klang das wie ein Vorwurf. Als er den Abstand zwischen ihnen mit wenigen Schritten überbrückte, schien ihr Zimmer zu schrumpfen. Sie konnte den Blick nicht von ihm abwenden. Das goldene Glänzen in seinen Augen versprach, dass ihr Geburtstagswunsch wahr wurde.

„Wirst du mir widerstehen?“, murmelte sie, als er vor ihr stand und eine Hand an ihre Wange legte. Die Haut seiner Handfläche fühlte sich rau an, und sie fragte sich kurz, womit er wohl sein Geld verdiente.

„Keine Chance“, brummte er, während er sie an sich zog und küsste.

„Willst du es?“, fragte er dann und sah ihr in die Augen, als versuchte er, ihre Gedanken zu lesen.

„Musst du das fragen?“, erwiderte die Stimme, die sie nicht kannte und die dem unerschrockenen Wesen gehörte, das von ihrem Körper Besitz ergriffen hatte. Es war diese Frau, die die Arme um seinen Hals schlang und ihn küsste – eine Verführerin in Rot, die aufreizende Worte murmelte, bis er sie hochhob und aufs Bett legte.

Sein Gewicht drückte sie auf die Matratze, und sein durchtrainierter Körper fühlte sich fremd und hart an. Sie wollte alles, was er ihr geben konnte, und ihr Verlangen wuchs, als er ihren Hals mit Küssen bedeckte.

Kleidung war ein lästiges Hindernis. Elin schob ihm seine Jacke von den Schultern, während er die Träger ihres Kleids herunterzog. Man hörte Stoff reißen, dann spürte sie die kalte Luft auf ihren nackten Brüsten.

Sie stöhnte, als sein dunkler Kopf sich über ihre Brüste senkte und er einen Nippel in den Mund nahm. Es war ein köstliches Gefühl, als er daran saugte, und Flammen schossen von ihren Brüsten zwischen ihre Beine, als er sich dem anderen Nippel widmete.

„Bitte …“, stieß sie hervor. Ihr Instinkt übernahm die Kontrolle, und sie bog ihm die Hüften entgegen, als er eine Hand unter ihr Kleid schob und mit der Handfläche über die empfindliche Haut an der Innenseite ihrer Oberschenkel strich. Er zog ihren Slip herunter, und dann waren seine Finger dort, wo sie sie ersehnt hatte, fühlten ihr heißes Verlangen, drangen weiter vor, drangen in sie ein. Und all das so überwältigend gut, dass Elin innerhalb weniger Augenblicke kurz davor war zu kommen.

„Ich will …“, stöhnte sie. Nie zuvor hatte sie ein derartiges Verlangen verspürt, so wild und drängend, dass sie am ganzen Körper zitterte.

„Ich weiß.“ Seine Stimme war wie aufgerauter Samt. Er küsste sie wieder auf den Mund und zog sich zwischen hungrigen Küssen den Pulli über den Kopf. Sie spürte seine Satin-Haut, als sie die Hände zum Reißverschluss seiner Jeans gleiten ließ.

Alles war Farbe und Hitze und wildes Verlangen. Dann war Cortez nackt, und der Anblick seiner Erektion verschlug Elin den Atem. Er war so wunderschön, so groß. Ihre letzten Zweifel verschwanden, als er die Finger in ihr so drehte, dass sie explodierte. Ihr Orgasmus war so überwältigend, dass ihr ein Schrei entfuhr.

„Ich habe kein Kondom.“ Seine schroffe Stimme erreichte sie durch den Nebel sexueller Erregung, der ihr Gehirn ausschaltete, und sie hörte ihn fluchen, als er von ihr abließ. Sie wollte nicht, dass er aufhörte. Ungeduldig fasste sie ihn an den Schultern. Ihr fiel die Packung Kondome ein, die sie in ihrem ersten Jahr an der Uni umsonst bekommen hatte. Sie hatte sie in die Nachttischschublade gelegt und sich gefragt, ob sie sie jemals brauchen würde.

„In der obersten Schublade“, murmelte sie.

Es dauerte nur wenige Augenblicke, bis er die Packung gefunden hatte und wieder bei ihr war und ihre Beine auseinander schob. Er drang fordernd in sie ein. Elin stöhnte auf. Doch der leichte Schmerz ließ sofort wieder nach. Sie spürte ihn zögern, doch das Gefühl, wie er sie ausfüllte, war so unglaublich, dass sie die Hüften wölbte und ihn drängte weiterzumachen.

Die intensive Empfindung des ersten Orgasmus machte sie gierig nach mehr und sie grub die Finger in seine Schultern und klammerte sich an seinen Körper, während er sich weiter in ihr bewegte, so wunderbar, dass sie vor Verlangen schluchzte und schließlich alles explodierte. Sie hörte ihn stöhnen, als sie zusammen in den Abgrund stürzten.

Elin rührte sich, und das Licht tat ihr schon in den Augen weh, bevor sie sie überhaupt geöffnet hatte. Vorsichtig hob sie die Wimpern und zuckte zusammen, als ein heller Sonnenstrahl sie im Gesicht traf. Ihr Kopf fühlte sich seltsam benebelt an, und es dauerte ein paar Minuten, bis sie begriff, dass sie in ihrem Zimmer in Kensington war. Sie schob die Decke zurück und entdeckte, dass sie in ihrem Kleid ins Bett gegangen war. Die obere Hälfte hing um ihre Taille, sodass die Brüste entblößt waren. Als sie die Hand ausstreckte, merkte sie, dass sie keinen Slip trug.

Du lieber Gott! Vage Erinnerungen stürzten auf sie ein. Es hatte eine Party gegeben, laute Musik, Kerzen auf einer Torte. Sie erinnerte sich, mit mehreren Männern getanzt zu haben – ganz besonders mit einem. Einem wahnsinnig gut aussehenden Mann mit pechschwarzem Haar und Goldsprenkeln in den Augen, der behauptet hatte, sein Name sei Cortez.

Mit einem Ruck setzte Elin sich auf, und das Zimmer drehte sich. Ihr Magen zog sich zusammen, doch es fühlte sich nicht an wie ein Kater. Ihre Erinnerungen an die Nacht zuvor waren lückenhaft, einige jedoch ungewöhnlich lebhaft. Sie erinnerte sich, dass sie mit Cortez getanzt und ihn geküsst hatte. Schamesröte stieg ihr ins Gesicht, als ihr einfiel, dass sie angefangen und ihn mit auf ihr Zimmer genommen hatte.

Was habe ich noch getan?

Sie entdeckte ihr Höschen auf dem Boden, und die Antwort traf sie wie ein Schlag. Sie hatte zum ersten Mal in ihrem Leben Sex gehabt, mit einem Mann, dem sie nie zuvor begegnet war. Die Tatsache, dass sie allein aufgewacht war – die Uhr zeigte, dass es bereits Mittag war – ließ darauf schließen, dass Cortez über alle Berge war.

„Elin, bist du da drin?“ Virginias Stimme drang durch die Tür.

„Nur eine Minute.“ Sie schnappte sich ihren Bademantel und zog ihn über das Kleid, um zu verbergen, was letzte Nacht passiert war. Virginia war ihre beste Freundin, doch Elin wollte niemandem verraten, was sie getan hatte – dass sie sich wie eine Schlampe benommen hatte. Am liebsten wollte sie sich irgendwo verkriechen, doch sie zwang sich zu lächeln und öffnete die Tür.

Autor

Chantelle Shaw
Chantelle Shaw ist in London aufgewachsen. Mit 20 Jahren heiratete sie ihre Jugendliebe. Mit der Geburt des ersten Kindes widmete sie sich ihrer Rolle als Hausfrau und Mutter, ein Vollzeitjob, da die Familie bald auf sechs Kinder und verschiedene Haustiere anwuchs. Chantelle Shaw entdeckte die Liebesromane von Mills & Boon,...
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