Stürmische Liebesnächte in Rom

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Die Spannung ist beinahe greifbar, als die junge Frau Hoteltycoon Gian de Luca an seinem Schreibtisch gegenübersitzt und verzweifelt um einen Job bittet. Gian kennt Ariana schon sein ganzes Leben lang. Warum fällt ihm erst jetzt auf, wie verführerisch und sinnlich sie ist? Ihr langes, schwarzes Haar, die roten Lippen … Der italienische Millionär spürt ein Begehren, das er so noch nicht erlebt hat. Aber er weiß, dass Ariana für ihn tabu ist. Gian hat vor langer Zeit geschworen, keine Gefühle zuzulassen und sich niemals zu binden!
  • Erscheinungstag 27.07.2021
  • Bandnummer 2502
  • ISBN / Artikelnummer 9783733718886
  • Seitenanzahl 144
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. KAPITEL

Gian de Luca war der Duca von Luctano, doch er hatte beschlossen, den Titel nicht zu führen.

Als er die Arbeitswoche in seinen luxuriösen Büroräumen im Erdgeschoss seines Vorzeigehotels La Fiordelise in Rom beendete, informierte ihn seine Chefsekretärin über das Eintreffen seiner „Verabredung“.

„Wir wollten uns doch im Theater treffen“, sagte Gian, ohne den Blick von den Papieren zu heben, die er gerade unterzeichnete.

„Ja“, bestätigte Luna, denn ihr war durchaus bekannt, wie voll sein Terminkalender war und dass er Privatleben und Arbeit so weit wie möglich getrennt hielt. „Ein Chauffeur war bestellt, aber anscheinend wollte sie …“

Luna legte, um der Wirkung willen, eine kleine Pause ein, was Gian verriet, dass sie zu zitieren gedachte.

„Dem Duca einen Weg ersparen.“

Gian hielt kurz in der Bewegung inne, dann setzte er seine Unterschrift unter das letzte Dokument des Tages. „Verstehe.“

„Außerdem bat sie darum, nicht wie ein Hotelgast in der Rezeption warten zu müssen. Sie will vor dem Theaterbesuch im Restaurant mit dir speisen.“

Gian unterdrückte einen Seufzer. Sein Restaurant diente nicht als privater Speiseraum für seine Geliebten. Sobald seine Partnerinnen anfingen, mit seinem Titel hausieren zu gehen oder sich seinen Angestellten gegenüber aufzuspielen, war für Gian die Stunde des Abschieds gekommen. „Sag ihr, ich bin gleich bei ihr.“

„Allerdings wartete Ariana Romano in der Rezeption auf dich.“

Dieses Mal konnte Gian seinen Seufzer nicht unterdrücken. Seine schiefergrauen Augen verschatteten sich flüchtig, während er sich auf einen Mini-Tornado gefasst machte, denn Arianas unangemeldetes Auftauchen signalisierte immer Dramatisches.

„Was will sie jetzt wieder?“

„Es geht offenbar um eine Privatsache.“

Seine Tür stand ihr immer offen, aus dem einfachen Grunde, weil er mit ihrem Vater Rafael und ihrem älteren Bruder Dante befreundet war, in dem Rahmen, in dem Gian Freundschaften überhaupt zuließ. Als Kind war er jeden Sommer zu einer entfernten Tante samt Ehemann nach Luctano geschickt worden, die genauso wenig Wert auf seine Anwesenheit legten wie seine Eltern. Diese Sommer hatte er oft mit den Romano-Kindern verbracht.

Abgesehen von den Familienbanden bestanden auch Geschäftsverbindungen. Ariana war Mitglied im Komitee des Romano-Stiftungsballs, der jährlich im La Fiordelise abgehalten wurde. Gian war bereit, Ariana in kleinen Dosen zu akzeptieren, auch wenn sie eine ziemliche Nervensäge sein konnte.

„Dann lass sie herein“, sagte Gian. „Ach ja, und Svetlana soll bitte in der Pianoforte-Bar auf mich warten …“

Und dort würde er die … Liaison beenden.

Mit fünfunddreißig galt Gian als einer der begehrtesten Junggesellen Italiens.

Sein Reichtum und sein düster-schwermütiges Erscheinungsbild spielten gewiss auch eine Rolle, doch Gian war nicht dumm und sich durchaus bewusst, dass sein Titel sehr begehrt war. Er war der Duca von Luctano, auch wenn seine Familie schon Generationen zuvor die Toskana verlassen hatte und er in Rom geboren und erzogen worden war. Oder vielmehr: Gian hatte sich selbst erzogen, denn seine hedonistischen Eltern hatten für ihren Sohn weder Zeit noch Zuneigung übrig.

Im Grunde war eine Liaison mit Gian nicht sehr vielversprechend, denn er hatte nicht das geringste Interesse daran zu heiraten und sich festzulegen. Er machte jeder Frau von vornherein klar, dass eine Verbindung mit ihm über ein paar großzügige Verabredungen und Sex nicht hinausgehen würde.

Gian hatte schon vor langer Zeit beschlossen, dass das Geschlecht der de Luca mit ihm aussterben sollte.

Schweigend trommelte er mit den Fingern auf seinen großen schwarzen Walnuss-Schreibtisch und wartete auf Ariana. Doch dann war es, als würde an diesem winterlichen, trüben Januarabend in seinem Büro die Sonne aufgehen. Arianas langes schwarzes Haar war im Nacken zu einem Knoten geschlungen, sie trug ein Kostüm und High Heels, allerdings kein gewöhnliches Kostüm. Es war orangefarben. Der Rock reichte bis knapp übers Knie, die Strümpfe, die Samt-Stilettos und die große Schultertasche waren im gleichen Farbton gehalten. An den meisten anderen Frauen hätte dieses Outfit lächerlich ausgesehen, doch an der gertenschlanken Ariana wirkte es geschmackvoll und heiter … wie ein Goldstreifen am Horizont, der einen neuen Tag ankündigte.

Gian ließ sich nicht blenden; er führte sich vor Augen, dass Ariana der Inbegriff der Diva war.

„Gian“, schnurrte sie und ihre rot geschminkten Lippen schenkten ihm ihr typisches Lächeln. Mit diesem Lächeln provozierte sie Blitzlichtgewitter auf roten Teppichen in Rom, aber Gian blieb unerschütterlich unbeeindruckt, was nicht heißt, dass er es zeigte, denn er war an den Umgang mit Luxusweibchen unter seinen Gästen gewöhnt.

„Ariana.“ Er erhob sich zur Begrüßung. „Du siehst umwerfend aus wie immer.“ Er fand den absolut richtigen Ton, konnte sich aber nicht enthalten hinzuzufügen: „Sehr orange.“

„Zimt, Gian“, berichtigte sie trocken, während ihr Herz sich überaus seltsam aufführte.

Es setzte aus.

Gian sollte ihr vertraut sein. Immerhin kannte sie ihn schon ihr Leben lang, trotzdem fielen ihr plötzlich seine Größe und seine tiefe Stimme auf. Er trug einen dezent grau karierten Anzug mit Weste, der ihm ausgesprochen gut stand.

Natürlich klopfte ihr Herz weiter, als Gian auf sie zu kam, allerdings bedenklich unregelmäßig.

Nervensache, entschied Ariana.

„Verzeih, dass ich dich nicht persönlich in Empfang genommen habe“, sagte Gian, umrundete den Schreibtisch und küsste Ariana auf die Wangen. „Ich hatte noch zu arbeiten.“

„Schon gut. Luna hat sich liebevoll um mich gekümmert.“

Aber nichts war gut. Ariana wünschte sich vielmehr dringend, dass ihre Nerven aufhörten zu flattern und ihr nicht die Röte in die Wangen stieg. Aber Gian war nun mal, gelinde gesagt, eine einschüchternde Erscheinung.

Man bezeichnete ihn als kalt.

Besonders zu Hause in Luctano, wo Klatsch und Tratsch grassierten. Über die Geschichte der de Lucas wurde in ihrer Heimatstadt viel getuschelt, zuweilen sogar in ihrer eigenen Familie. Zwar war Ariana damals noch ein Kind, aber sie erinnerte sich deutlich an den Schock und das Entsetzen im Dorf über die Nachricht von dem Brand, der in den frühen Morgenstunden eines Samstags auf der Luxusjacht der de Lucas ausgebrochen war. Und natürlich erinnerte sie sich an das Begräbnis des Duca, der Duchessa und des rechtmäßigen Erben in Luctano …

Man tuschelte darüber, dass Gian nicht an der Feier zur Erneuerung des Ehegelübdes seiner Eltern teilgenommen hatte und beim Begräbnis kaum Gefühle zeigte.

Allerdings hatte sein Fehlen bei der Feier ihm das Leben gerettet, wie Ariana manchmal hervorhob.

Und, wandten die Dorfbewohner dann gern ein, glücklich, die Tatsachen verdrehen zu können, durch den Tod seines Bruders erbte er den Titel. Als wäre Gian hinaus aufs Meer geschwommen, um die Yacht persönlich in Brand zu setzen.

Im Grunde mochte Ariana seine eiserne Reserviertheit.

Sie war ihrem Wesen nach so flatterhaft, dass sie bei Gians distanzierter, maßvoller Art Zuflucht suchte, wenn das Leben ihr entglitt.

Während er Gerüchten zufolge im Schlafzimmer Frauen dahinschmelzen ließ und dank seiner ruhigen Bestimmtheit bei Personal wie auch Gästen beliebt war, stimmte man allgemein darin überein, dass sich hinter seiner eleganten Fassade weder ein Herz noch Gefühle, sondern nur eine massive Mauer aus schwarzem Eis verbarg. Ariana brauchte diese Mauer aus schwarzem Eis auf ihrer Seite, deshalb bewahrte sie ihr strahlendes Lächeln. „Danke, dass du mich empfängst.“

„Aber natürlich.“ Gian forderte sie auf, Platz zu nehmen, und setzte sich ebenfalls. „Darf ich dir etwas anbieten?“

„Nein, danke.“ Himmel, Small Talk war nicht so einfach, wenn sie um einen riesigen Gefallen bitten musste! „Wie war Weihnachten für dich?“

„Hektisch“, antwortete Gian und erkundigte sich höflich: „Und für dich?“

Ariana hob die Hand und winkte ab, wollte Gian jedoch nicht mit Einzelheiten langweilen, zum Beispiel, wie sie wie ein Tennisball zwischen Florenz und Rom hin und her gescheucht worden war. Gian war informiert über die Scheidung ihrer Eltern und die darauffolgende Hochzeit ihres Vaters mit der bedeutend jüngeren Mia. Schließlich hatte die Hochzeit in Gians Hotel stattgefunden.

Und Gian wusste auch, dass ihr Vater sich nicht zu Hause in Luctano aufhielt, sondern in einer Privatklinik in Florenz, und sie brachte ihn kurz auf den neuesten Stand. „Dante möchte Papa hierher nach Rom holen“, sagte Ariana, ohne allerdings das Wort Hospiz zu erwähnen. „Dadurch würde alles ein bisschen einfacher.“

„Einfacher für wen?“, fragte Gian.

„Für seine Familie“, erwiderte Ariana spitz, wand sich aber innerlich, denn ebendiese Frage stellte sie sich auch, seit ihr Bruder den Umzug vorgeschlagen hatte. „Hier sind seine Kinder, hier hat er sein Büro …“ Sie brach ab. Zwar war der imposante Hauptsitz von Romano Holdings im EUR-Distrikt von Rom angesiedelt, aber nach der zweiten Eheschließung seines Vaters hatte Dante die Leitung des Unternehmens übernommen.

Darauf bezog sich auch Gians Frage, und sie bestärkte Ariana darin, dass sie mit ihrem Vater sprechen und herausfinden musste, was genau er sich für seine letzten Lebensmonate wünschte. „Noch ist es nicht beschlossene Sache“, gestand sie Gian. „Wir überlegen noch.“

„Schön“, sagte Gian ein wenig besänftigt. „Ich habe ihn gestern besucht.“

„In Florenz?“

„Natürlich. Du weißt, dass ich im Mai dort ein weiteres Hotel eröffne?“, erkundigte sich Gian, und Ariana nickte. „Wenn ich dort bin, versuche ich immer, Rafael einen Besuch abzustatten.“

Aus irgendeinem Grund trieb es ihr die Tränen in die Augen, doch sie blinzelte sie eilig fort. Ariana neigte nicht zu Tränen – nun ja, nicht zu echten, aber Krokodilstränen waren ihr Spezialgebiet –, doch manchmal erschien ihr Florenz, wo ihr Vater in der Klinik lag, so weit entfernt. Mit dem Flugzeug brauchte man etwa eine Stunde, und sie besuchte ihn, sooft sie konnte. Ihre Brüder ebenfalls, und natürlich auch Mia, und der Familiensitz in Luctano war in der Nähe … Doch nachts, wenn sie nicht schlafen konnte, stellte Ariana sich ihren Vater immer ganz allein vor.

Die Unterhaltung geriet ins Stocken, und Gian unternahm überhaupt nichts dagegen. Lastendes Schweigen konnte Ariana nicht ertragen. Wenn eine Pause entstand, fühlte sie sich in die Pflicht genommen. Gian würde zulassen, dass dieses Schweigen sich endlos ausdehnte, und deshalb war es natürlich an Ariana, es zu beenden. „Gian, ich bin aus einem ganz bestimmten Grund zu dir gekommen …“

Aber natürlich!

Sie knetete ihre schmalen Hände im Schoß. Offenbar war sie nervös. Das war höchst untypisch für Ariana, die gewöhnlich überaus selbstbewusst auftrat, wenn nicht gar arrogant. Ihm schwante, worum es ihr bei diesem dringenden Termin gehen könnte. Wollte sie ihren neusten Lover hier unterbringen, ohne seinen Aufenthalt dem Gästebudget der Romanos in Rechnung stellen zu lassen, damit Arianas Vater und Brüder nichts davon erfuhren?

So etwas kam innerhalb der Familie häufiger vor, aber wenn Ariana das von ihm verlangen sollte …

Ausgeschlossen!

Auf keinen Fall würde er zulassen, dass sie ihren neuesten Liebhaber hier unterbrachte! „Was willst du?“, fragte Gina, und sie blinzelte angesichts seines scharfen Tons.

„Ich habe mich entschieden, einen Beruf zu ergreifen.“

„Einen Beruf?“ Seine Züge entspannten sich. Typisch Ariana, dass sie von einem Beruf sprach und nicht von einem Job. „Tatsächlich?“

„Ja.“ Sie nickte. „Ich habe es mir gründlich überlegt.“

„Und woran dachtest du?“

„Ich wäre gern Hospitality Managerin hier im Fiordelise. Besser gesagt: Hospitality Managerin für deine VIPs.“

„Meine Gäste sind sämtlich Very Important Persons, Ariana.“

„Du weißt, wie ich das meine.“

Er musste sich bewusst zusammenreißen, um nicht die Augen zu verdrehen. „Warum sollte ich dir trotz nicht vorhandener Erfahrung einfach so eine Stelle geben? Warum sollte ich dich auf meine wichtigsten Gäste loslassen?“

„Weil ich selbst wichtig bin!“, erwiderte Ariana, nahm sich aber rasch zurück. „Ich wollte sagen, ich weiß, wie wichtig sie sind. Bitte, Gian. Ich wünsche es mir so sehr.“

Gian wusste sehr wohl, dass Ariana immer bekam, was sie wollte, bis sie es dann satthatte und aufgab. Ihr Vater hätte Ariana schon vor vielen Jahren öfter mal übers Knie legen sollen, damit sie die Bedeutung des Wörtchens „Nein“ verstehen lernte. Um nichts in der Welt sollte sie in Gians Hotel Karrierefrau spielen. Also schüttelte er, statt sich auf ihren Wunsch einzulassen, den Kopf. „Ariana, fangen wir gar nicht erst damit an. Zwar weiß ich zu schätzen, dass …“

„Weißt du“, fiel sie ihm rasch ins Wort, „jetzt hätte ich doch gern eine Erfrischung. Angesichts der Tageszeit wäre Champagner wohl angebracht.“ Mit einem triumphierenden Katzenlächeln verhinderte sie, dass er das Gespräch abbrach.

Gian als vollendeter Gastgeber nickte höflich. „Naturalmente.“ Er drückte eine Taste der Gegensprechanlage. „Luna, bringst du bitte Champagner für Ariana und mich?“

Ariana lächelte weiterhin. Sie glaubte zweifellos, gewonnen zu haben, hatte aber wohl nicht begriffen, dass Gian immer einen Schritt voraus war. Luna hatte schon im La Fiordelise gearbeitet, bevor Gians Eltern ums Leben kamen, und sie wusste seinen Tonfall zu deuten. Oft war gerade das wichtig, was nicht ausgesprochen wurde, und in diesem Augenblick schenkte Vincenzo, der Barkeeper, wahrscheinlich gerade zwei Gläser Champagner ein.

Mit einer Flasche im Eiskübel war nicht zu rechnen.

Schließlich ging es nicht um ein Tête-à-tête.

„Ich habe meinen Lebenslauf mitgebracht.“ Ariana kramte in ihrer Designer-Tasche aus zimtfarbenem Wildleder und reichte Gian ein Dokument. Gian nahm es wortlos entgegen, und als er den Text überflog, hätte er beinahe ungläubig geschmunzelt.

Für eine Person, die praktisch keinen Tag ihres Lebens gearbeitet hatte, legte Ariana Romano einen wahrhaft eindrucksvollen Lebenslauf vor.

Zumindest las er sich gut. Sie hatte Hotel- und Tourismus-Management studiert, was er allerdings bereits wusste. Natürlich saß sie im Vorstand von Romano Holdings und natürlich auch im Vorstand der Romano-Stiftung.

Darüber hinaus waren sämtliche Mittagessen, Bälle und Events aufgelistet, die Ariana, wie sie behauptete, eigenhändig geplant und organisiert hatte. Nur …

„Ariana, es stimmt nicht, dass du ‚das Motto für den alljährlichen Ball der Romano-Stiftung kreierst, designst und realisierst‘“, sagte Gian und deutete mit Fingerzeichen an, dass er aus ihrem Lebenslauf zitierte. „Das leistet mein Personal.“

„Aber ich leiste einen wichtigen Beitrag.“

„Nein, Ariana. Du trittst kaum mal auf den Konferenzen in Erscheinung.“

„Ich nehme immer teil.“

„Wenn du willst, lasse ich Luna die Sitzungsprotokolle holen. Du glänzt meistens durch Abwesenheit und hältst es nicht einmal für nötig, dich zu entschuldigen. Vielmehr lässt du die Leute ständig im Stich.“

„Ich bitte dich!“, fuhr Ariana auf. Sie war einen so barschen Tonfall nicht gewohnt, denn Gian war zwar kalt, aber immer höflich.

Aber hier, an diesem Tag hatte sie sich auf unbekanntes Terrain begeben.

Bei der Besprechung des Balls der Romanos wurden Arianas Vorschläge, angesichts der Tatsache, dass sie Rafaels Tochter war, stets toleriert, wenn nicht gar gelobt. Doch jetzt weigerte sich Gian, das übliche Spielchen zu spielen und ihrer Untätigkeit Beifall zu zollen oder eine ihrer unausgegorenen Ideen abzunicken. Er führte ihr den Ball des vergangenen Jahres vor Augen. „Da hast du gesagt, du würdest dir etwas in Richtung ‚Silber‘ vorstellen und hattest dabei nichts weiter als dein eigenes Abendkleid im Sinn.“

Er sah, wie sie die Lippen zusammenpresste. Selbst fest verschlossen war ihr Mund immer noch sehr hübsch, doch Gian schob den Gedanken rasch beiseite und konzentrierte sich wieder auf sein Thema. „Entsprechend deinem Vorschlag kreierte meine Belegschaft eine Silberne Welt, während du weiter nichts getan hast, als …“, er hielt ihrem wütenden Blick stand, „… an diesem Abend in einem silbernen Abendkleid aufzukreuzen.“

„Wie nett, dass du noch weißt, was ich getragen habe“, erwiderte Ariana.

„Ich zähle nur eins und eins zusammen.“

Autsch!

Plötzlich fühlte Ariana sich unter Gians vernichtendem Blick genauso unbeholfen und naiv wie die Jungfrau, die sie war, statt wie die Verführerin, die sie darstellen wollte. „Nun ja, ich bin diejenige, die sich für dieses Jahr das Wald-Motto ausgedacht hat“, erinnerte Ariana ihn.

„Dann sag mir“, bestürmte Gian sie, „was hast du zur Ausgestaltung des Wald-Mottos beigetragen, abgesehen von der Wahl deines Kleiderstoffs?“

Ariana öffnete den Mund zu einer Antwort und schloss ihn gleich wieder. Geschlagen ließ sie die Schultern hängen, doch dann fing sie sich wieder. „Ich habe vorgeschlagen, Efeu um die Säulen im Ballsaal zu winden.“

Ihr Vorschlag schien ihn jetzt genauso wenig zu beeindrucken wie schon früher auf der Vorstandsitzung. Andererseits hielt Gian Dekorationen und Mottos und dergleichen ohnehin für ziemlich abgeschmackt.

„Und Beeren“, ergänzte Ariana hastig. „Ich habe Beeren als Dessert vorgeschlagen. Waldfrüchte …“ Gian zuckte nicht mit der Wimper, fixierte lediglich ihren hübschen leeren Kopf.

Nur … leer war dieser Kopf keineswegs, und Gian wusste es.

Wenn Ariana wollte, war sie scharfsinnig und klug, doch Gian gab nicht nach. „Wie war das im vergangenen Monat, im Dezember, wenn es immer besonders hektisch im Hotel zugeht? Du hattest die Pianoforte Bar exklusiv für dich und deine Freunde reserviert und dann vergessen, die Reservierung abzusagen.“

„Du hast dein Geld bekommen“, fiel ihm Ariana hastig ins Wort. „Mein Vater …“

„Genau.“ Jetzt wurde sie von Gian unterbrochen. „Dein Vater hat alles geregelt. Das ist so typisch für dich, Ariana. Für ein besseres Angebot lässt du alles andere stehen und liegen.“

„Nein!“ Ariana schüttelte den Kopf, zunächst ziemlich wütend, doch dann plötzlich bestürzt, weil Gian doch gewöhnlich so höflich war. „Wie redest du mit mir, Gian?“

„So, dass du endgültig begreifst, warum meine Antwort auf deine Bitte nur Nein lauten kann.“

Das hörte sich an, als wäre es ernst gemeint, und da Ariana Absagen nicht gewohnt war, versuchte sie es mit einer anderen Taktik. „Ich habe Hotel- und Tourismusmanagement studiert und …“

„Das weiß ich.“ Wieder schnitt Gian ihr das Wort ab. „Vielleicht erinnerst du dich, dass du drei Monate praktische Arbeit hättest nachweisen müssen und dass ich mit deinem Vater gesprochen und dir hier einen Praktikumsplatz angeboten habe.“ Er sah ihr fest in die Augen. „Zu deinem Arbeitsantritt bist du nicht erschienen.“

Ariana wurde rot. „Weil ich mich entschlossen hatte, mein Praktikum in unserem Hotel in Luctano zu absolvieren.“

„Und du hast es nicht für nötig gehalten, mich zu informieren?“

„Ich dachte, das hätte das Personal meines Vaters übernommen.“

Doch Gian schüttelte den Kopf. „Nein, Ariana, es ist vielmehr so, dass du dich für den leichteren Weg entschieden hattest.“

„Ich hätte gern hier gearbeitet, Gian“, beteuerte Ariana. „Aber meine Eltern wollten mich in unserem Hotel.“

„Nein.“ Gian nahm es nicht hin, dass sie die Wahrheit verdrehte. „Du bis zurückgetreten, als ich dir erklärte, dass du während des Praktikums sämtliche Stationen der Hotelarbeit würdest durchlaufen müssen. Du hättest eine Woche in der Küche gearbeitet, eine Woche als Zimmermädchen, eine Woche …“

Jetzt war es Ariana, die ihm ins Wort fiel und sich bemühte, nicht laut zu werden. „Ich dachte, in Luctano könnte ich mehr Erfahrungen sammeln.“

„Tatsächlich?“, konterte Gian. „Du hast gedacht, in einem kleinen Luxushotel in den Hügeln der Toskana könntest du mehr Erfahrungen sammeln als in einem preisgekrönten Fünf-Sterne-Hotel im Herzen Roms?“

„Ja“, beharrte sie. „Na ja, vielleicht nicht so tiefgehende wie hier, aber …“ Sie brach ab, denn ihre Ausrede war und blieb jämmerlich. Doch es steckte noch ein völlig anderer Grund dahinter, dass sie Gians Angebot, im Fiordelise zu arbeiten, vor all den Jahren abgelehnt hatte. „Das war nicht der einzige Grund für meine Ablehnung, Gian. Meine Mutter wollte nicht, dass ich hier arbeite.“

„Warum nicht?“

Schon als sie den Mund zur Antwort öffnete und die Worte über ihre Lippen purzelten, wusste sie, dass sie sie niemals hätte aussprechen dürfen. „Wegen deines Rufs als Frauenheld.“

2. KAPITEL

„Wie bitte?“

Mit ausgesuchter Höflichkeit bat Gian sie, den Vorwurf zu wiederholen, und Ariana, weit entfernt davon, ihre Worte zurückzunehmen oder um Entschuldigung zu bitten, setzte zu einer Erklärung an.

„Meine Mutter wollte nicht, dass ich hier arbeite, weil du einen schlechten Ruf in Bezug auf Frauen hast.“ Sie wurde nicht einmal rot dabei. Im Gegenteil, es klang herausfordernd.

Dennoch lag eine solche Spannung in der Luft, dass das Klopfen an der Tür Erleichterung brachte, und im nächsten Moment servierte Luna zwei hohe Champagnerflöten und ein kleines Silbertablett mit Knabbereien.

„Ariana.“ Gians Stimme klang weich, war jedoch von einem scharfen Ton unterlegt, der Ariana in Versuchung führte, sich ihre Tasche zu schnappen und einfach davonzulaufen. Gian fuhr fort: „Darf ich, bevor wir dieses Gespräch fortsetzen, eines in aller Deutlichkeit sagen?“

„Natürlich“, antwortete Ariana. Sie konnte ihn nicht länger ansehen und griff nach ihrem Glas.

„Deine Mutter hatte kein Recht anzudeuten oder zu suggerieren, dass ich mit der Praktikantin oder meinen Angestellten anderen als professionellen Umgang pflege!“

„Tja, du hast aber nun mal diesen fürchterlichen Ruf …“, setzte Ariana an und hob das Glas an ihre Lippen.

„In Bezug auf Frauen“, ergänzte Gian und fügte spitz hinzu: „Nicht in Bezug auf Teenies, und damals warst du ein Teenie.“

Ariana nickte, das Glas noch immer an den Lippen. Auch wenn er sie zurechtwies, wenn er schimpfte, weil sie zu weit gegangen war, hatte er doch auch noch etwas anderes zum Ausdruck gebracht: dass sie jetzt anders war als damals.

Sie war eine Frau.

Und Gian de Luca war ein überaus gut aussehender Mann.

Gian war schön.

Ausnehmend schön.

Pechschwarzes Haar rahmte ein stolzes Gesicht, und seine Lippen waren, auch wenn sie nicht lächelten, voll und weich im Gegensatz zu seinen scharfen Wangenknochen und der geraden Nase.

Sie konnte doch nicht scharf auf Gian sein und für ihn arbeiten, das konnte nicht gut gehen!

Gian de Luca sollte nur … ja, was denn? … sein.

Einfach nur Gian.

Nicht ein Name, den sie sich auf der Zunge zergehen lassen wollte.

Kein Mund, den sie schmecken wollte.

Er war einfach nur Gian, rief sie sich zur Ordnung.

Die Person, zu der sie gelaufen kam, wenn sich Probleme abzeichneten.

Ariana stellte ihr Glas auf dem kleinen Untersetzer ab und versuchte, die unangebrachten Gedanken beiseitezudrängen und ihr Bewerbungsgespräch zu retten. „Mamma meinte es nicht böse, Gian. Du weißt doch, wie sie manchmal ist …“

„Ja.“ Gian verbiss sich einen gequälten Seufzer. „Das weiß ich.“

Nur zu gut erinnerte er sich daran, wie er als kleiner Junge am Abendbrottisch der Romanos saß. „Straccione“, hatte Angela dann oft gesagt und fuhr ihm durchs Haar. Es hörte sich liebevoll-scherzhaft an; wie sollte der Sohn eines Duca und einer Duchessa denn auch ein Gassenjunge und Bettler sein?

Doch damit hatte Angela den grausamsten Dolch gefunden, den sie ihm ins Herz stoßen konnte, und sie verstand es, ihn noch einmal in der Wunde umzudrehen. Denn Gian hatte sich immer gefühlt, als bettelte er um Gesellschaft.

Gian wusste nicht recht, warum Angela ihn so auf die Palme brachte.

Auch Ariana brachte ihn auf die Palme, wenn auch zunehmend auf andere Art und Weise.

Er wollte nicht, dass Ariana in seinem Hotel arbeitete. Und nicht nur wegen ihrer speziellen Art, sondern wegen … wegen dieses Sogs, dieses Gewahrseins, dieser Anziehungskraft, die ihm gar nicht behagte. „Lassen wir’s einfach dabei bewenden, ja?“, schlug er vor. „Solange wir noch die Höflichkeit wahren können. Ich könnte dich in Kontakt mit dem Direktor des Hotels Rav…“ Er wollte den Namen seines schärfsten Konkurrenten nennen, doch Ariana schnitt ihm das Wort ab.

„Dort hat man mir bereits eine Stelle angeboten, wie auch in diversen anderen Hotels, aber immer nur als Gegenleistung für Medienberichterstattung. Ich will nicht, dass mir an meinem ersten Arbeitstag Kameras folgen.“

„Schön und gut.“ Das verstand er zwar, nicht aber den Rest. „Was willst du mit diesem Plan erreichen, Ariana?“

„Mehr als bisher“, antwortete sie und stieß ein hohles Lachen aus.

Da sah er sie an.

Sah sie richtig an.

Ariana war natürlich von erlesener, feingliedriger Schönheit, doch plötzlich fiel ihm auf, dass Ariana nicht die für ihren Vater und ihre Brüder typischen schwarzen und auch nicht die eisblauen Augen ihrer Mutter hatte. Ihre Augen waren vielmehr tiefviolett.

Gian wollte, er hätte die bezaubernde Augenfarbe nicht bemerkt. Hastig senkte er den Blick wieder auf Arianas Lebenslauf.

Autor

Carol Marinelli
Carol Marinelli wurde in England geboren. Gemeinsam mit ihren schottischen Eltern und den beiden Schwestern verbrachte sie viele glückliche Sommermonate in den Highlands.

Nach der Schule besuchte Carol einen Sekretärinnenkurs und lernte dabei vor allem eines: Dass sie nie im Leben Sekretärin werden wollte! Also machte sie eine Ausbildung zur Krankenschwester...
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