Sydneys begehrteste Junggesellen - 4-teilige Serie

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Rob, Scott, Brody und Luke sind Sydneys begehrteste Junggesellen. Heiraten? Nein Danke! Doch plötzlich ist alles ganz anders ...

BOSS BEI TAG, GELIEBTER BEI NACHT ...
Boss bei Tag ...Eine prickelnde Affäre ist jetzt das Richtige für Willa, um über ihre Trennung hinwegzukommen. Genauso wie ein neuer Job! Als der erfolgreiche Unternehmer Rob Hanson sie als Vertretung für seinen Partner engagiert, kann sie ihr Glück kaum fassen. Die Sache hat nur einen Haken: Mit Rob teilt sie gerade auch das Bett … Geliebter bei Nacht ...Heiraten kommt für den begehrten Junggeselle Rob Hanson nicht infrage. Umso besser, dass die schöne Willa auch nur eine Affäre will! Aber warum erwischt er sich dann plötzlich bei dem Gedanken, ob sie nicht doch einen festen Platz in seinem Leben bekommen soll?

VON VERLIEBEN STAND NICHTS IM VERTRAG
Zwei Nächte pro Woche, streng vertraulich, nur einen Monat lang … Als Scheidungsanwältin gibt Kate sich keinen romantischen Illusionen hin: Bevor sie sich auf eine heiße Affäre mit dem sexy Architekten Scott Knight einlässt, setzt sie besser einen Vertag auf. Allerdings hat sie nicht damit gerechnet, dass Scott bereits nach der ersten Nacht die Regeln bricht - und es ihr auch noch gefällt, wenn er nicht von ihr lassen kann und sie auch in der Öffentlichkeit leidenschaftlich küsst. Doch als sie Scott spontan ihr Herz öffnet, verschließt er sich völlig unerwartet vor ihr …

EINE LIEBE, SO UNENDLICH WIE DAS MEER
Oh ja, sie erinnert sich an die Gefühle, die Brodie schon vor Jahren in ihr weckte. Und an seine Augen, kristallgrün wie der Pazifik. Auch jetzt reicht ein Blick von ihm und Chantal vergisst die ganze Welt. Stopp! Sie hat schon genug Fehler gemacht, sich in den besten Freund ihres Freundes zu verlieben war einer davon. Außerdem muss sie sich dringend um ihre Karriere als Tänzerin kümmern. Aber als Brodie sie auf seine Jacht einlädt, kann Chantal nicht Nein sagen … ebenso wenig wie zu seinem verboten süßen Kuss. Ist ihre Liebe zu Brodie vielleicht doch so unendlich wie das Meer?

WIE ANGELT MAN SICH SEINEN BOSS?
Ein Blick in seine tiefgrünen Augen und schlagartig prasseln längst verdrängte Erinnerungen auf Amy ein: ihr Job im Surferparadies Weeping Reef, ihre stürmischen Gefühle für Luke, ihren Boss … Stopp! Nach acht Jahren bringt die dunkle Stimme des Hoteltycoons ihre Knie natürlich nicht mehr zum Zittern. Schließlich ist Amy eine erfolgreiche PR-Agentin und nicht mehr das junge Mädchen, das seinen Chef umschwärmte. Heute weiß sie, wie man Leidenschaft kontrollieren kann … doch mit einem unwiderstehlichen Angebot hebt sexy Luke ihre Welt erneut aus den Angeln …


  • Erscheinungstag 02.02.2017
  • ISBN / Artikelnummer 9783733776268
  • Seitenanzahl 576
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Cover

Joss Wood, Avril Tremayne, Stefanie London, Jennifer Rae

Sydneys begehrteste Junggesellen - 4-teilige Serie

IMPRESSUM

JULIA erscheint in der HarperCollins Germany GmbH

Cora-Logo Redaktion und Verlag:
Postfach 301161, 20304 Hamburg
Telefon: +49(0) 40/6 36 64 20-0
Fax: +49(0) 711/72 52-399
E-Mail: kundenservice@cora.de

© 2015 by Harlequin Books S.A.
Originaltitel: „Her Boss By Day …“
erschienen bei: Mills & Boon Ltd., London
in der Reihe: MODERN ROMANCE
Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

© Deutsche Erstausgabe in der Reihe JULIA
Band 092016 - 2016 by HarperCollins Germany GmbH, Hamburg
Übersetzung: Ivonne Senn

Abbildungen: Harlequin Books S.A., alle Rechte vorbehalten

Veröffentlicht im ePub Format in 04/2016 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 9783733706708

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.
CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

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BACCARA, BIANCA, ROMANA, HISTORICAL, MYSTERY, TIFFANY

 

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1. KAPITEL

„Heute Abend bist du in meinem Bett nicht willkommen. Und für morgen Abend sieht es auch nicht gut aus.“

In dem riesigen Spiegel der Waschräume des exklusiven Saints-Restaurants in Surry Hill übte Willa Moore-Fisher den Satz und schüttelte angewidert den Kopf. Sie war zu nett. So viel Rücksicht hatte ihr schmieriges Blind Date überhaupt nicht verdient. Begriffsstutzig bis zum geht nicht mehr, glaubte er womöglich noch, dass in Zukunft die Chance bestand, mit ihr zu schlafen. Was definitiv nicht so war – niemals. Lieber würde sie sich mit einem stumpfen Ast die Augen ausstechen.

„Ich würde dir ja gerne erklären, warum ich dich für einen arroganten Idioten halte, aber bei dem Versuch, das zu verstehen, würde dein Gehirn vermutlich platzen“, sprach Willa die Worte probehalber laut aus.

Wenn das nicht ein Bild war, das sie zum Lächeln brachte. Kawumm! Sie sah förmlich vor sich, wie diese schleimige, arrogante Miene mit Hilfe von ein wenig wohlgesetztem Sprengstoff vor ihren Augen explodierte.

Willa stellte sich vor, dass Sprengstoff auch bei ihrem zukünftigen Exmann Wunder wirken würde …

Vielleicht solltest du einfach wieder reingehen und ihm noch eine Chance geben, schlug die nette Willa vor; die Willa, die sich nur zu gerne als Fußabtreter benutzen ließ. Vielleicht liegt es an dir, dass diese Verabredung so katastrophal verläuft. Wenn du ein wenig besser darin wärst, ihn aus der Reserve zu locken, die richtigen Fragen zu stellen, ein wenig Interesse zu zeigen …

Die wilde Willa ließ die Fußabtreter-Willa mit einem leichten Schlag gegen die Schläfe fallen. Das hast du acht Jahre lange gemacht, du Trottel. Du hast versucht, das Beste in Wayne hervorzubringen, hast dich verändert, damit er sich verändert. Und wie ist das für dich ausgegangen?

Willa zeigte mit dem Finger auf ihr Spiegelbild. „Lass dir endlich Eier wachsen – im übertragenen Sinn natürlich. Sag ihm, dass er deine Zeit vergeudet und sieh zu, dass du hier wegkommst.“

Ja, als wenn du das jemals laut aussprechen würdest, zog die wilde Willa sie auf. Du bist der größte Feigling auf der Welt und würdest dich lieber weiter so behandeln lassen, als das Risiko einzugehen, dass jemand sauer auf dich ist.

Vielleicht würde sie eines Tages lernen, für sich einzustehen.

Die wilde Willa schnaubte ungläubig.

Gott, diese Stimmen laugten sie vollkommen aus.

„Ist es neu, dass du Selbstgespräche führst, oder tust du es schon immer und hast es bislang nur noch nicht gemerkt?“

Im Spiegel sah Willa eine schlanke Blondine und bewunderte ihren hervorragend geschnittenen und gefärbten seidigen Bob. Dann blickte sie in die verschmitzten hellbraunen Augen und wirbelte schockiert herum.

„Amy? Mein Gott, Amy!“

„Hey, Willa.“

Amy kam auf ihren hohen Absätzen auf sie zu. Ihr Wickelkleid betonte ihre perfekte Figur, ihr Make-up und ihre Frisur waren makellos. Willa musterte ihr Gesicht, und in dem Schwung ihrer Lippen und den humorvoll funkelnden Augen erkannte sie ihre beste Freundin von damals wieder, als sie achtzehn gewesen waren – Amy, die ihr durch ihre verschmitzte Art in jenem Sommer vor so langer Zeit eine ganz neue Welt aus Spaß und Glücklichsein eröffnet hatte.

„Amy, meine Güte. Was machst du hier?“

Willa umarmte sie und stellte fest, dass sie Amy nicht wieder loslassen wollte. Warum hatte sie sie überhaupt jemals gehen lassen? Der Sommer auf den Whitsundays, ihre Clique – Amy, Brodie, Scott, Chantal, ihr älterer Bruder Luke – war ihre Welt gewesen. Und wie so vieles hatte sie diese Welt aufgegeben, als sie Wayne heiratete.

Dummes Mädchen.

„Ich esse mit meiner Mitbewohnerin hier zu Abend, bevor wir weiter in die Clubs ziehen“, erwiderte Amy und nahm Willas Hand. „Aber du … warum führst du hier Selbstgespräche?“

„Die kurze Antwort lautet: Weil ich ein grauenhaftes Blind Date habe, das ich unbedingt loswerden will.“ Willa neigte den Kopf in Richtung Fenster. „Meinst du, ich bin dünn genug, um dadurch zu verschwinden?“

Amy betrachtete sie von Kopf bis Fuß. „Ehrlich gesagt bist du viel zu dünn. Aber Moment Mal. Was ist mit Wayne? Du hattest ihn doch geheiratet, oder?“

Willa hob ihre linke, ringlose Hand. „Wir lassen uns gerade scheiden. Es war ein … Fehler.“

Hmm … ein Fehler. Das war die Untertreibung des Jahres, aber sie ließ es so stehen.

Amy schürzte die Lippen. „Das tut mir leid. Mein Gott, Willa, es ist so viel Zeit vergangen. Wir müssen das unbedingt aufholen. Und zwar jetzt.“

„Was ist mit meinem Date und deiner Freundin?“, fragte Willa. Sie war schon unentschuldbar lange im Bad – das war sehr unhöflich.

Na und? Die wilde Willa verdrehte die Augen.

„Pft … dein Date klingt wie ein Idiot, und Jessica hat gerade heiße Blicke mit einem Typen am Nebentisch ausgetauscht. Sie wird gar nicht merken, dass ich weg bin.“

Amy ging zur Tür, riss sie auf und stieß einen hohen, lauten Pfiff aus. Willa war nicht überrascht, als kurz darauf ein Kellner an der Tür erschien.

„Ist der kleine Veranstaltungsraum frei?“, fragte Amy.

„Ja, Ma’am.“

„Gut. Sag Guido, dass ich ihn für eine Weile mit Beschlag belege, und bitte ihn, mir eine Flasche von dem Chardonnay zu bringen, den ich so mag. Er soll ihn auf meine Rechnung setzen“, befahl Amy und schickte ihn mit einem sinnlichen Lächeln seiner Wege.

Der Junge wirbelte davon, um die Wünsche der Göttin zu erfüllen.

Amy drehte sich wieder zu Willa um und zuckte mit den Schultern, als sie ihren erstaunten Blick sah. „Ich halte hier viele Veranstaltungen ab. Guido ist mir was schuldig.“

Dann führte sie Willa aus dem Waschraum einen geschmückten Flur entlang und in einen kleinen Veranstaltungsraum, in dem ein Konferenztisch und mehrere Sessel standen. Sie zog Willa zu den Sesseln und bedeutete ihr, sich zu setzen.

„Es ist so schön, dich zu sehen, Willa.“ Sie setzte sich ihr gegenüber. „Du siehst so … anders aus. Elegant … reich.“

Willa wusste, was ihre Freundin sah. Immerhin sah sie das gleiche Gesicht und den gleichen Körper jeden Tag im Spiegel. Sie war immer noch so groß wie früher, größer als die meisten Frauen, aber dünner als mit achtzehn. Dicke kastanienbraune Haare, die ihr bis auf die Schultern fielen. Ein schwerer Pony, der ein elfenhaftes Gesicht mit silbergrünen Augen einrahmte.

„Das liegt daran, dass ich elegant bin … und mein Ehemann – Exehemann, wie auch immer – reich ist.“ Willa bemühte sich, die Bitterkeit aus ihrer Stimme herauszuhalten. „Fitnessstudio, Designerklamotten, bester Friseur in Sydney.“

Amy berührte leicht ihr Knie. „War es schlimm … mit ihm verheiratet zu sein?“

Willa überlegte kurz, ob sie lügen, die Wahrheit etwas beschönigen sollte. Aber dann sah sie das Verständnis und Mitgefühl in Amys Augen und erkannte, dass sie ihr zwar nicht die ganze Wahrheit sagen würde – die würde sie niemandem erzählen – aber auch nicht offen lügen musste. Dazu hatten sie und Amy gemeinsam schon zu viel durchgemacht.

„Nicht schlimm, nein. Aber absolut langweilig. Wayne wollte eine junge Frau, die er als Trophäe herumzeigen konnte, und genau das war ich die letzten acht Jahre lang.“

„Oh mein Gott, eine Vorzeigefrau.“ Amy zuckte zusammen. „Aber du bist so verdammt klug … du hast immer Buchhaltung, BWL, VWL studieren wollen.“

„Tja, Wayne wollte eine schöne, fügsame Frau, keine mit Gehirn. Ich habe mich immer über die Märkte und Trends auf dem Laufenden gehalten, aber er wollte nicht, dass seine Frau über Wirtschaft sprach. Ich sollte gesehen, aber nicht gehört werden.“

„Ich fand immer, dass der Typ die reinste Platzverschwendung ist.“

Als es an der Tür klopfte, stand Amy auf, nahm die Flasche und zwei Gläser entgegen, dankte dem Kellner und schenkte ihnen beiden ein.

Dann nippte sie an ihrem Glas und setzte sich wieder. „Warum habe ich das Gefühl, dass ich hier die geschönte Version zu hören bekomme?“

Weil sie nicht dumm war. „Meine tote Ehe ist ein sehr langweiliges Thema, Amy.“

„Du warst nie langweilig, Willa. Still vielleicht. Eindringlich, schüchtern. Aber nicht langweilig. Und ich weiß, dass du Wayne vermutlich hundertfünfzig Prozent gegeben hast, weil die Willa, die ich kenne, sich bis zur Unkenntlichkeit verbiegt, um alle anderen glücklich zu machen. Wenn du ein Versprechen gibst oder eine Entscheidung triffst, braucht es schon eine Atombombe, um dich davon abzubringen.“

„So schlimm bin ich gar nicht“, protestierte Willa, aber sie wusste, dass sie tatsächlich nicht so schnell aufgab.

„Du hasst es, dein Wort nicht zu halten.“ Amy bedachte sie mit einem seltsam traurigen Lächeln. „Du warst total verstört, weil du Luke in jener Nacht auf den Whitsundays um Hilfe gebeten hast, obwohl ich dich angefleht habe, es nicht zu tun.“

Willa biss sich auf die Lippen. Vor ihrem inneren Auge sah sie Amy, geschlagen und blutend, in Tränen aufgelöst und mit rotem Sand im Gesicht. Ihr blaues Auge und die aufgerissene Wange von ihrem Kampf mit Justin, dessen Avancen sie mit aller Kraft hatte abwehren müssen. Manchmal sah sie dieses Gesicht in ihren Träumen und wachte schweißgebadet auf.

„Tut mir leid, aber Luke musste mir helfen, damit ich dir helfen konnte.“

Amy schaute in ihr Weinglas. „Ich weiß … ist schon okay. Das ist so lange her. Wie geht es Luke?“

Willa bemerkte das merkwürdige Zittern in Amys Stimme sofort. Amy und Luke hatte schon immer eine seltsame Hassliebe verbunden, die Willa nie wirklich verstanden hatte.

„Es geht ihm gut. Er ist immer noch Single, immer noch besessen vom Erfolg. Er arbeitet derzeit am Bau einer riesigen Hotelanlage in Singapur, der größten in seinem Leben.“

Endlich hob Amy den Blick und sah Willa in die Augen. „Hast du noch Kontakt zu den anderen aus dem Resort? Brodie, Chantal, Scott?“

Willa zuckte mit den Schultern. „Ganz lose. Eigentlich nur über Facebook und ab und zu mal per E-Mail. Chantal tanzt noch. Scott ist einer der besten jungen Architekten der Stadt. Und Brodie ist Herz und Seele einer Firma, die Törns auf Luxusjachten an der Goldküste anbieten. Ich habe sie allerdings nie wieder persönlich gesehen – nicht seit der Woche, in der Brodie und du gegangen seid.“

Froh, das Thema ihrer kaputten Ehe hinter sich gelassen zu haben, ließ Willa ihre Gedanken zu jenem Sommer zurückgleiten, als eine Gruppe von Fremden in dem luxuriösen Weeping Riff-Resort gelandet war, bereit, die Feriensaison über den ganzen Tag zu arbeiten und die ganze Nacht Spaß zu haben.

Es verwunderte sie immer noch, dass sie alle fünf – sechs, wenn sie Luke mitzählte – sich auf Anhieb so gut verstanden hatten. Sie waren so unterschiedliche Persönlichkeiten.

Sie hatten gelacht und geliebt und getrunken und gefeiert. Die ersten beiden Monate ihrer Sommerferien waren nur so dahingeflogen. Dann war ihr Idyll von zwei furchtbaren Ereignissen erschüttert worden. Vorwürfe, Angst und Schuldgefühle hatten von da an ihr magisches Zwischenspiel überschattet und ihre Clique auseinandergerissen.

Und Willa auf einen Weg geschickt, den sie inzwischen zutiefst bereute.

„Aber lass uns noch mal zum Anfang des Gesprächs zurückkehren. Wir hatten uns gerade über dich und Wayne unterhalten und was zu eurer Trennung geführt hat“, riss Amy sie aus ihren Gedanken.

„Oh … das.“

Wie seltsam, dass sie und Amy sich nach so langer Zeit einfach unterhalten konnten, als hätten sie sich gestern erst gesehen … wie ungewohnt und zugleich wie richtig sich das anfühlte.

Eigentlich hätten sie gar nicht befreundet sein dürfen. Amy war fröhlich, kontaktfreudig und flirtete gerne. Willa war ruhig, naiv und wesentlich zurückhaltender als ihre Freundin. Sie konnte nicht die Wahrheit über ihre gescheiterte Ehe erzählen – nicht einmal Amy, die so erfolgreich, so selbstbewusst und gebildet war.

„Ich wollte mehr sein als nur sein hübsches Anhängsel. Er hat nicht eingesehen, warum mir das nicht gereicht hat. Es wurde dann hässlich. Ich habe ihn einen alternden, kahl werdenden Penner genannt, und er meinte, ich sei eine hohle Nuss. Auf einmal standen die Worte ‚Trennung‘ und ‚Scheidung‘ im Raum, und die Vorstellung gefiel uns beiden ganz gut.“

Mitfühlend schloss Amy die Augen. „Tut mir leid, Wills.“

Willa zuckte mit den Schultern. „Vor acht Monaten hat er mich aus unserer Wohnung geworfen und in der Villa am Meer in Vancluse einquartiert …“

Bei der Erwähnung des Nobelviertels von Sydney stieß Amy einen Pfiff aus. „Warum ist er da nicht eingezogen?“

Willa lächelte. „Er hasst Wasser und freie Flächen. Wie auch immer, er hat Jung und Dumm an dem Nachmittag in die Wohnung einziehen lassen, an dem ich ausgezogen bin. Jetzt brauchen wir nur noch einen Gerichtstermin für die Scheidung, dann bin ich endlich frei.“

„Was willst du dann machen?“

Willa zuckte mit den Schultern. „Daran arbeite ich noch … Ich habe einen Abschluss, aber keine Erfahrungen. Und schlimmer noch, keine Kontakte. Geld ist kein Problem, aber Zeit. Ich kämpfe darum, die Tage auszufüllen, und alleine in meinem Mausoleum herumzutigern ist da keine große Hilfe.“

Sie schaute auf die Rolex an ihrem Handgelenk, ein Geschenk von Wayne zu ihrem einundzwanzigsten Geburtstag. Es war schon langweilig genug, ihr Leben zu leben, da musste sie es nicht auch noch sezieren. Also setzte sie an, das Thema zu wechseln.

„Wir sind seit knapp zwanzig Minuten hier drin. Meinst du, mein Date aus der Hölle hat den Hinweis inzwischen verstanden?“

„Ich habe Guido gebeten, ihm zu sagen, dass du nicht interessiert bist.“

Unter Willas fragendem Blick zuckte Amy nur die Schultern.

„Hey, du wolltest sein Gehirn explodieren lassen. Ich dachte, ich erspare dir einen Gefängnisaufenthalt.“

„Stimmt.“ Willa erhob sich. „Okay, also … es war toll dich zu sehen, aber ich schätze, ich sollte mal heimfahren.“

„Um weiter herumzutigern?“ Amy schüttelte den Kopf. „Oh nein. Wenn ich jemals jemanden gesehen habe, der dringend feiern muss, dann dich. Ich habe gerade einen großen PR-Deal abgeschlossen …“

„Du machst in PR? Dafür bist du doch viel zu zurückhaltend, bescheiden und schüchtern, Amy“, sagte Willa mit täuschend sanfter Stimme.

Amy lachte nur und katapultierte Willa damit zurück zu dem besten Teil der letzten zehn Jahre. Es war eine Mörderlache, so dreckig wie Schlamm.

„Das ist der Sarkasmus, den ich so geliebt habe. Wie auch immer, ich habe gerade einen großen Vertrag mit einer Kette für Sportbekleidung unterschrieben, und meine Kolleginnen und ich wollen dem neuen Kunden mal zeigen, wie man feiert. Und du wirst uns begleiten.“

„Äh, ich glaube nicht.“

„Ich aber schon! Mein Kunde heißt Rob, er ist umwerfend und ein wenig rau – aber unglücklicherweise nicht mein Typ.“ Amy führte sie aus der Tür und zurück ins Restaurant. „Aber vielleicht ja deiner.“

Willa schnaubte. „Wenn er so ist wie die Männer, mit denen ich in letzter Zeit in Kontakt gekommen bin, braucht er eine Umarmung … um den Hals … mit einem Seil.“

„Ich liebe diese blutrünstige Serienmörderenergie, die du ausstrahlst.“ Amy grinste sie an. „Ich spüre darunter sexuelle Frustration.“

Willa erwiderte das Grinsen. „Und ich spüre darunter, dass ich dich gleich treten werde.“

Amy hakte sich bei Willa unter, und gemeinsam gingen sie zum Ausgang. „Oh ja, die Mädels sind zurück. Und es scheint, ich muss dir mal wieder beibringen, wie man feiert und sich gehen lässt.“

Rob Hanson betrachtete die herausgeputzten Feierfreudigen, die vor dem Fox in der Schlange standen und es kaum erwarten konnten, in den beliebten Club eingelassen zu werden. Er schüttelte den Kopf. Eine frische Levi’s und ein weißes Button-down-Hemd mit hochgerollten Ärmeln war für ihn das Höchste der Gefühle … außerdem war es nicht das Aussehen, was entschied, ob man in einen Club hineinkam, es war vielmehr die Ausstrahlung.

Und davon hatte er ausreichend.

Rob fing den Blick des Türstehers auf, nickte und erhielt ein kurzes Nicken als Antwort. Er ging an der Schlange vorbei, steckte dem Mann einen Schein zu und schon hob sich die Seidenkordel für ihn. In dem Moment vibrierte sein Handy. Fluchend trat er von der Tür zurück, hielt sich das eine Ohr zu und nahm den Anruf entgegen.

„Rob, hier ist Gail.“

„Hey Snail.“ Seine Schwester war zweiundzwanzig, also ganze zehn Jahre jünger als er und das Beste in seinem Leben. „Was ist los?“

„Nicht viel. Ich wollte nur mal hören, wie es dir so geht“, erwiderte Gail. „Was machst du gerade?“

„Ich stehe vor einem Club.“

„Hast du schon jemanden kennengelernt?“

„Ich bin doch noch nicht mal zwei Tage hier“, protestierte er.

„Ha, mein Junggesellenbruder wird langsam alt“, neckte Gail, und er verdrehte die Augen.

„In Sydney habe ich weder die Zeit noch die Lust für so etwas“, gab er zurück.

Gails Lachen kitzelte sein Ohr. „Hat der Schreiwettbewerb mit Saskia dich nachhaltig geschockt? Angesichts der Geschwindigkeit, mit der sie von hier abgehauen ist, hat sie es wohl nicht allzu gut aufgenommen, als du ihr gesagt hast, ihr Haltbarkeitsdatum sei abgelaufen.“

„Mein Gott, Gail. Ihr Haltbarkeitsdatum?“

„Ich sage nur, was ich sehe. Du hältst es nie länger als drei Monate aus, und damit war sie fällig.“

Rob war nicht ganz so fixiert auf die zeitlichen Abläufe seiner Beziehungen wie seine Schwester, deshalb musste er kurz nachrechnen. Ja, es war beinahe auf den Tag genau drei Monate her gewesen. Saskias Anspielungen, ihre Beziehung „offiziell“ zu machen und die Hinweise, dass sie Platz in seinem Kleiderschrank bräuchte, hatten ihn nervös gemacht. Als sie dann eine Packung Tampons in seinem Badezimmerschrank zurückgelassen hatte, war es an der Zeit gewesen, dem ein Ende zu setzen. Sie war niemand, den er für immer um sich haben wollte …

Bislang hatte er überhaupt noch nie jemanden getroffen, bei dem er sich das vorstellen konnte.

„Eines Tages wirst du eine kennenlernen, die dich umhaut“, warnte Gail ihn.

Das bezweifelte er. Um Gail von seinem Liebesleben abzulenken, fragte er nach ihrem. „Gehst du immer noch mit dem Tätowierer? Verdient er auch genug, um dich ab und zu mal ins Kino einzuladen?“

Gail seufzte. „Gut ablenkt.“

„Ich gebe mir Mühe. Stell dieses Mal nichts Dummes an, okay, Honey?“

Nachdem sie das Beste und das Schlimmste in der Liebe gesehen hatten, näherten er und Gail sich dem Thema von entgegengesetzten Richtungen. Sie glaubte, wahre Liebe und das Happy End warteten an der nächsten Ecke. Er wusste, dass es nur einen Menschen gab, auf den er sich voll und ganz verlassen konnte, und das war er selber.

Er und Gail beteten einander an, aber was das andere Geschlecht anging, verstanden sie die Entscheidungen des jeweils anderen nicht.

„Wie lange wirst du in Sydney bleiben?“, wollte Gail wissen. „Ohne dich ist dieses Haus wie ein Mausoleum.“

„Einen Monat … oder sechs Wochen“, erwiderte Rob. „Lass Mr. Körperkunst aber in der Zwischenzeit ja nicht einziehen.“

Gail lachte. „Ich werde einfach zu ihm ziehen … Bye. Ich hab dich lieb.“

Rob schaute sein stummes Handy an und schüttelte den Kopf. Er war überzeugt, dass Gail ihn nur angerufen hatte, um seinen Blutdruck in die Höhe schießen zu lassen. Was vermutlich der Job einer jüngeren Schwester war.

Die Rache dafür wird sie vor Scham im Boden versinken lassen, dachte er und betrat den Club. Denn das war sein Job als älterer Bruder.

Der Lärm und der Geruch des Clubs trafen ihn wie ein Schlag ins Gesicht – Alkohol, Parfüm und Schweiß zu einem beinahe greifbaren Mief verschmolzen. Sofort fragte er sich, was er hier eigentlich tat. Abgesehen davon, dass er von dem langen Flug aus Johannesburg hierher nach Sidney immer noch einen Jetlag hatte – er musste wirklich endlich lernen, im Flugzeug zu schlafen – und der Tatsache, dass er seit Monaten mindestens sechzehn Stunden am Tag arbeitete, hasste er Clubs und tanzen.

Zu laut, zu voll, die Mädchen zu offenherzig und außerdem viel zu jung und begierig auf Bekanntschaften. Man konnte ihn ruhig altmodisch nennen, aber er arbeitete gerne ein wenig dafür, dass ihm eine reife Frucht in den Schoß fiel. Und mal ehrlich, in seinem Alter mit Mädchen auszugehen, die so alt waren wie seine Schwester oder jünger, ließ ihn sich wie einen alten, schmutzigen Mann fühlen.

Rob schob eine Hand von seinem Hinterteil und ignorierte ein Angebot von links, während er den Blick über die Bar schweifen ließ. Er würde seine neue PR-Beraterin finden, sich bei ihr entschuldigen und direkt in das Apartment zurückkehren, dass er sich für die Zeit seines Aufenthalts gemietet hatte. Dort würde er flach aufs Bett fallen und einfach einschlafen.

Rob fuhr sich mit der Hand über seine kurzen dunkelbraunen Locken und kniff die Augen ein wenig zusammen. Amy in diesem Irrenhaus zu finden wird ein Albtraum werden, dachte er, als sein Handy erneut in seiner Hosentasche vibrierte. Oder auch nicht, dachte er, als er die SMS las.

Am Eingang nach links wenden und in den hinteren Bereich des Clubs gehen. Wir haben den Tisch in der Ecke.

Rob lächelte, steckte das Handy weg und folgte den Anweisungen.

Ah, ein Tisch voller Frauen … und nicht zu jung. Aber angesichts der Flaschen und Gläser auf dem Tisch eindeutig auf dem Weg sich zu betrinken. Eine halbe Stunde, ein Bier und er wäre weg.

Wenigstens waren es bezaubernde Frauen, wie er zugeben musste. Die selbstbewusste Amy führte die Meute an. Dann waren da ihre Kollegin, deren Namen er vergessen hatte, und ihre Assistentin. Deren Namen er auch nicht mehr wusste. Die anderen beiden Frauen kannte er nicht. Die burschikose Blonde ließ er gleich links liegen und konzentrierte sich auf die Frau mit den mahagonifarbenen Haaren, die an der Ecke des Tisches saß und ein Cocktailglas in der Hand hielt. Sie hatte große Augen, die ihn an Audrey Hepburn erinnerten, und wirkte ein wenig hilflos.

Doch Rob hatte in seinem Leben viele Frauen kennengelernt und wusste, dass sie selten so waren, wie sie auf den ersten Blick wirkten.

Amy sprang auf, als sie ihn sah. „Rob, hey, du bist da!“

Ja, was für eine Freude.

„Bella und Kara, meine Kolleginnen, kennst du ja schon.“ Die Namen gingen zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus. „Die Blondine, die dich für den Rockstartypen da an der Bar ignoriert, ist meine Mitbewohnerin Jessica.“ Sie berührte seinen Arm. „Und das hier ist meine uralte Freundin Willa. Willa, das ist Rob Hanson.“

„Danke, dass du mich wie eine alte Schrulle klingen lässt“, beschwerte Willa sich fröhlich, bevor sie ihre umwerfenden silbergrauen Augen auf ihn richtete. „Hi.“

„Selber hi.“

Rob setzte sich auf den freien Platz neben ihr und betrachtete die eiskalte, noch volle Bierflasche auf dem Tisch.

Er sah Amy fragend an. „Ist das für mich?“

„Klar.“ Amy schob ihm Flasche und Glas über den Tisch, doch er ließ das Glas links liegen und hob die Flasche so an seine Lippen.

„Rob gehört eine Kette von Sportartikelläden in Südafrika, Willa. Dazu ein paar Fitnesscenter. Er sucht nach Franchisenehmern auf der ganzen Welt, und die ersten neuen Fitnesscenter werden hier in Sydney, in Perth und Melbourne eröffnet.“

„Mutig …“, murmelte Willa. „Vor allem das mit den Fitnesscentern. Der Markt wird komplett von Just Fit dominiert.“

Rob setzte die Flasche ab und bedachte sie mit einem langen Blick. Dann sah er Amy fragend an, die nur lachte.

„Sie hat nicht nur ein hübsches Gesicht“, sagte sie.

Faszinierend …

Und sie war noch nicht fertig. „Es braucht schon Eier aus Stahl, um sich mit zwei Wettbewerbern anzulegen, die in Australien quasi das Synonym für Fitness sind. Von einem davon will ich sogar Aktien kaufen, wenn er in …“ Sie sah auf ihre Uhr. „… in genau sechs Wochen an die Börse geht.“

Rob starrte sie nur an, als sie ihr Kinn in die Hand stützte und Amy mit einem Welpenblick anschaute. „Ich will auch Eier aus Stahl, Amy. Wo kriege ich die her?“

Amy warf den Kopf in den Nacken und lachte. „Wills, wie viele Orgasmen hattest du?“

Willa ließ ihren Blick über die Reihe Cocktailgläser vor sich schweifen und zählte. „Nicht genügend echte und nur vier falsche.“

Willa und Amy sahen sich in die Augen und brachen dann in lautes Lachen aus.

Oh je, betrunkener Mädchenhumor. Über Orgasmen. Man möge ihn bitte auf der Stelle erschießen. Aber er musste zugeben, dass das Lachen der Mädchen nicht vorgetäuscht war, sondern von Herzen kam. Er musste lächeln.

„Wie lange seid ihr schon befreundet?“, fragte er und knibbelte das Etikett von seiner Bierflasche ab.

Er hoffte, dass seine Frage sie von weiteren Orgasmus-Witzen ablenken würde. Vor allem weil er a) selber schon zu lange keinen gehabt hatte und b) er gerade beschlossen hatte, auf noch ein Bier und eine halbe Stunde zu bleiben.

„Acht, beinahe neun Jahre – mit zu vielen verpassten Jahren dazwischen“, erwiderte Wilma.

Als sie die Verwirrung in seiner Miene sah, legte sie eine Hand auf seinen nackten Unterarm – wow, was zum Teufel … Lust und Anziehungskraft schossen seinen Arm hinauf und explodierten in seinem Gehirn. So hatte er auf die simple Berührung von Fingern auf Haut noch nie reagiert.

Er schaute sie noch einmal an und erkannte, dass sie nicht nur hübsch war – sie war verdammt sexy. Hohe Wangenknochen, ein voller Mund und diese faszinierenden Sirenenaugen. Er gönnte sich das Vergnügen, seinen Blick über ihre zarten Schultern, die kleinen Brüste und den zu dünnen, aber sehr weiblichen Körper gleiten zu lassen.

Dann neigte er den Kopf ein wenig und sah, dass ihr salbeigrünes, ärmelloses Kleid unter dem Tisch verschwand. Er musste mehr von ihr sehen. Unter dem Vorwand, sich am Fußgelenk kratzen zu müssen, beugte er sich zur Seite und schaute unter den Tisch. Das Kleid endete auf der Mitte der Oberschenkel und meine Güte, die Beine waren lang und wohlgeformt. Da ein nudefarbener Pumps von ihrem schmalen Fuß geglitten war, sah er, dass sie ihre Zehennägel orange lackiert hatte.

Heiß. Heiß.

„… und dann hat Amy die Whitsundays verlassen …“

Rob hob blinzelnd den Kopf und konzentrierte sich wieder auf die Unterhaltung. Er war von seinem Verhalten sowohl amüsiert als auch irritiert. Er ließ seine Gedanken nie wandern – schon gar nicht, wenn es um Frauen ging.

Schnell sammelte er sich und gab einen Schuss ins Blaue ab. „Seid ihr mit euren anderen Freunden von damals in Kontakt geblieben?“

„Mit Luke, meinem Bruder, rede ich andauernd. Er war der Manager des Resorts.“

Amy richtete sich auf und lehnte sich ein wenig vor. Hm, dachte Rob, interessante Reaktion.

„Mit den anderen kommuniziere ich hauptsächlich über E-Mail und soziale Netzwerke“, fuhr Willa fort und schloss ihre Lippen um einen violetten Strohhalm.

Rob zwang das mentale Bild, worum er sich diese Lippen eigentlich schließen sehen wollte, beiseite.

„Ihr solltet euch alle Mal treffen.“

Amy klatschte begeistert in die Hände. „Das ist eine fantastische Idee. Das sollten wir wirklich tun, Wills. Wir können sie zum Grillen einladen – ein Whitsundays-Revival-Treffen“, rief sie aus.

„Au ja. Wann?“ Willas Augen funkelten.

„Je eher, desto besser … Morgen ist Sonntag! Ein perfekter Tag für ein Barbecue am Pool … Bier, Bikinis …“, platzte Amy heraus. „Lade sie ein, Willa! Jetzt! Ich wette, sie kommen alle.“

Willa griff nach ihrer Tasche und holte das neueste Smartphone heraus. Rob sah sprachlos zu, wie ihre Finger über den Touchscreen huschten. „Okay, ich habe Scott und Brodie und Chantal angeschrieben. Luke ist noch in Singapur, der Idiot. Wer sonst noch?“

„Die Barkeeper – Matt und Phil. Lade die auch ein, die waren lustig. Und sag ihnen, sie sollen Alkohol für Cocktails mitbringen.“ Amy beugte sich vor. „Und Jane und Gwen …“

So ging es noch eine Weile weiter, und Rob sah amüsiert zu, wie ihre spontane Party immer mehr Formen annahm.

Ob ihre Gäste eine Einladung nachts um halb elf für eine Party am folgenden Tag annehmen – oder gar schätzen – würden, war eine ganz andere Geschichte. Er wusste allerdings, dass die beiden ihre Impulsivität am nächsten Morgen bereuen würden, wenn sie mit Kopfschmerzen aufwachten, als hätten sie eine Gehirnoperation ohne Narkose hinter sich.

„Okay, elf Uhr ist klar. Aber wo? Das sollten wir auch dazuschreiben.“

Amy tat so, als überlege sie, aber in ihren Augen funkelte es. „Hm … mal überlegen. Wen kennen wir, der ein leeres Haus mit einem Pool auf einem Wassergrundstück in Sydney hat?“

Willa zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung?“

Dann fiel der Groschen, und Willa hüpfte wie eine Erstklässlerin auf ihrem Stuhl auf und ab.

„Oh, ich hab eins!“

„Braves Mädchen.“ Amy prostete ihr zu.

Selbst Rob wusste, dass Wassergrundstücke in Sydney sehr teuer waren. Wer war diese Frau? Eine Erbin? Ein Promi?

„Hey, wenn ich schon eine Party gebe, dann lade ich auch ein, wen ich will“, sagte Willa. „Wie zum Beispiel Kate.“

„Wer ist Kate?“, wollte Amy wissen.

„Meine Anwältin.“

Warum sollte eine Frau mit Mitte bis Ende zwanzig eine Anwältin haben? Interessant … so wie das gesamte Paket. Schönheit und Klugheit und diese umwerfenden Beine, die nur dazu gemacht schienen, sich um die Hüften eines Mannes zu schlingen …

Okay, Hanson, beruhige dich.

2. KAPITEL

Ich bin nicht betrunken, redete Willa sich ein. Glücklich, entspannt … ein wenig angeschickert vielleicht, aber nicht betrunken. Und ich habe Spaß, erkannte sie seufzend. Sie ließ das Wort auf ihrer Zunge herumrollen.

Sie war sechsundzwanzig Jahre alt, beinahe siebenundzwanzig, und hatte ihr ganzes Erwachsenenleben die Rolle der jungen, schönen Vorzeigefrau gespielt, weil Wayne und seine Wünsche wichtig gewesen waren – ihre hingegen nicht.

Willa schob sich die dichten Haare aus dem Gesicht. Sie hatte vor Jahren aufgehört, Wayne zu lieben, und jetzt wünschte sie sich nur, endlich frei von ihm zu sein. Und wenn sie das war, konnte sie endlich andere Männer genießen … so wie diesen Rob.

Sie warf ihm einen verstohlenen Blick zu und unterdrückte ein lüsternes Seufzen. Sandfarbene Locken, die sie gerne berühren würde, um zu sehen, ob sie sich so weich anfühlten, wie sie aussahen. Ein Viertagebart, ein Hemd, das schlanke Muskeln und gebräunte Haut berührte und ein beeindruckendes Sixpack erahnen ließ.

Diese stechenden grauen Augen schienen zugleich unglaublich aufmerksam und vollkommen unlesbar zu sein.

Unweigerlich verglich sie ihn mit dem einzigen Mann, mit dem sie je geschlafen hatte. Wayne war italienische Maßanzüge und Haargel, um die kahle Stelle am Hinterkopf zu verstecken. Aftershave, Manschettenknöpfe und Designermode. Rob war … das nicht. Er brauchte keine Accessoires, er war perfekt, so wie er war.

Sexy. Männlich. Heiß.

„Honey, wenn du mich weiterhin so anschaust, werde ich etwas unternehmen müssen.“

Willa blinzelte, als seine Stimme sie aus ihren Träumen riss. Gerade sah sie noch, wie Amy den Tisch mit einem großen blonden Mann verließ. Sie gingen in Richtung Tanzfläche.

Sie wandte sich wieder Rob zu und blinzelte wie eine Eule. „Hi …“, flüsterte sie.

„Selber hi. Geht es dir gut?“

„Hmm. Ich habe Spaß. Den hatte ich schon lange nicht mehr.“ Willa tippte mit den Fingern den Takt der Musik auf die Tischplatte. „Tanzt du?“

„Wenn es sein muss“, erwiderte er.

Will schaute von der Tanzfläche zu ihm und knabberte an ihrer Unterlippe. Das letzte Mal getanzt hatte sie in der Bar auf den Whitsundays. Sie wollte sich wieder jung fühlen, als die Nächte lang waren und das Versprechen von unzähligen Möglichkeiten in sich trugen.

Sie wollte mit Rob tanzen …

Vielleicht waren es die Cocktails, die sie so mutig machten. Auf jeden Fall holte Willa tief Luft und platzte heraus: „Willst du mit mir tanzen?“

Rob erhob sich und streckte seine Hand aus.

Willa suchte nach ihrem Schuh, dann legte sie ihre Hand in seine und folgte ihm durch die Menge. Anstatt sich am Rand zu halten, drängte Rob in die Mitte, ließ sein Lächeln aufblitzen und fing an, sich zu bewegen.

Schockiert starrte Willa ihn an, als er sofort den Rhythmus aufgriff und seine Hüften auf eine Weise bewegte, die ihr das Wasser im Mund zusammenlaufen ließ. Guter Gott … wenn er im Schlafzimmer genauso beweglich war … sie mochte gar nicht daran denken.

„Ich dachte, du tanzt nicht“, rief sie ihm zu.

Erneut ließ er sein Lächeln aufblitzen. „Ich sagte, ich tanze, wenn es sein muss.“

„Du bist ziemlich gut.“

„Das ist nur eines von meinen vielen Talenten.“

Er legte ihr die Hände an die Hüften, und bevor sie sich versah, befand sich sein Bein zwischen ihren Oberschenkeln und sie tanzten gemeinsam. Willa schluckte, als Rob seine Hand an ihren Nacken legte und mit dem Daumen ihr Kinn leicht anhob, sodass sie ihm in die Augen schauen musste. So sehr außer Übung war sie nicht, dass sie die Anziehung nicht erkannte hätte, die in seinen Augen funkelte.

„Meine Güte … du bist wirklich umwerfend. Wenn ich daran denke, dass ich den Abend beinahe abgesagt hätte“, murmelte Rob mehr zu sich, während er seine Hand ihren Rücken hinuntergleiten ließ und er sie mit einer schnellen Bewegung an sich drückte.

Willa versenkte ihre Nase in dem Ausschnitt seines Hemdes, um seinen männlichen Duft aufzusaugen. Lust brodelte in ihr und ihre Mitte pulsierte im Takt der Musik. Sein überraschend weiches Brusthaar kitzelte, und sie spürte unter ihren Fingern das Stöhnen, das sich seiner Brust entrang. Eine Hand lag flach auf ihrem Rücken, die andere wanderte tiefer und umfasste ihren Hintern, was ihn, wie sie fühlen konnte, sehr glücklich zu machen schien.

„Okay, Zeit für die berühmten zwanzig Fragen.“

Fragen? War er verrückt? Dank der Cocktails und seiner Nähe hatte sie keine funktionierende Gehirnzelle mehr übrig.

„Ja … nein … ich weiß nicht“, murmelte Willa.

„Falsch, falsch und falsch“, entgegnete Rob grinsend. „Das versuchen wir noch mal. Warum hast du eine Anwältin.“

Sie hatte keine Lust, Wayne und ihre bevorstehende Scheidung zu erklären. Oder sich diesen schönen Moment von Erinnerungen an Wayne kaputtmachen zu lassen. Ihr altes Leben war Vergangenheit – Rob war Gegenwart.

„Ich passe.“

„Okay, die nächste: Wie kommt es, dass du dich so gut auf dem Sportmarkt auskennst? Bist du Broker? Analystin?“

Wie sehr sie sich das wünschte.

„Ich lese viel.“ Da sie nicht verraten wollte, wie oft sie sich die Langeweile mit Finanzzeitschriften vertrieb, sagte sie: „Das sind sehr langweilige Fragen.“

Rob lachte. „Dann bist du jetzt dran.“

Willa überlegte. Es gab eine Million Dinge, die sie über ihn wissen wollte, aber über ihre Lippen schlüpfte die unwichtigste aller Fragen. „Boxershorts oder Slips?“

Böse Willa.

Robs Lachen strich über ihre Haut.

„Warum lässt du deine Hände nicht tiefer gleiten und findest es heraus?“, schlug er vor und sie lief sofort rot an. Er nahm eine ihrer Hände von seinem Hals, führte sie um seine Hüften und legte sie auf seinen Hintern. „Du darfst gerne auf Erkundungstour gehen.“

Oh, was für ein prächtiger Hintern, dachte sie, als sie sein Angebot annahm. Hart, muskulös … männlich.

„Worin schläfst du?“, fragte er ganz nah an ihrem Ohr.

Ein paar Schlafshorts und ein altes T-Shirt. Das ist nicht sexy, dachte Willa. Sie warf ihr Haar zurück und beschloss, die Wahrheit zu beschönigen. „Ich schlafe nackt. Immer.“

Seine Augen weiteten sich, und Willa erinnerte sich daran, wie viel Spaß es machte, zu flirten und einen Mann aus dem Konzept zu bringen.

„Ich wette, du siehst nackt verdammt gut aus.“

„Das tue ich. Genau …“, sie drückte seinen Hintern, „wie du, wie ich annehme.“

Rob ließ ein ersticktes Stöhnen hören und lehnte seine Stirn gegen ihre. „Wie heiß ist es hier drin eigentlich?“

„Kochend heiß“, gab Willa zurück und wunderte sich selbst, wie leicht ihr das Flirten mit ihm fiel. Sie fühlte sich mutiger und strahlender – wie die beste Version ihrer selbst. Und hatte sie nicht eine Nacht voll unkompliziertem Vergnügen verdient? Noch dazu mit einem heißen Mann, der sie ansah, als wolle er sie mit einem Bissen verschlingen?

Bevor sie es sich anders überlegen konnte, legte Willa den Kopf in den Nacken und schaute Rob aus ihren silbergrünen Augen an. „Hast du Kondome?“

„Ja. Warum?“, erwiderte Rob vorsichtig, wobei sich sein Griff an ihren Hüften verstärkte. „Willst du mir anbieten, ein paar davon zu benutzen?“

„Ja. Bist du interessiert?“

Rob schluckte sichtbar. „Ja … unbedingt. Daran denke ich schon, seitdem …“

„Seit wann?“

„Seitdem ich das erste Mal deine Beine gesehen habe und mir nicht jugendfreie Gedanken darüber mache, wie sie sich um meine Hüften klammern.“ Er trat zurück und betrachtete ihre Beine. Als er seinen Blick wieder hob, lag etwas Ernstes darin. „Bist du dir sicher, Willa? Warum habe ich nur das Gefühl, dass du dich normalerweise nicht so verhältst?“

„Ja, ich bin mir sehr sicher.“

Rob wirkte erleichtert. „Wo würdest du dich wohler fühlen – bei mir oder bei dir?“

Oh, definitiv bei sich. Und wenn sie Wayne heimlich den Mittelfinger herausstreckte, während sie mit jemand anderem in dem Bett schlief, das er bezahlt hatte, musste das außer ihr ja keiner wissen.

Oh guter Gott, sie stand kurz davor, mit jemand anderem zu schlafen … Jemand anderem als ihrem über vierzigjährigen Ehemann, der nicht gerade auf Abwechslung im Ehebett gestanden hatte. Mister Missionarsstellung, wie sie ihn immer bei sich genannt hatte.

Robs Daumen strich über ihren Wangenknochen und riss sie damit in die Gegenwart zurück. „Hey, wo warst du mit deinen Gedanken gerade?“

Willa packte sein Handgelenk. Es war nur fair, ihn zu warnen, sodass er sich nicht betrogen fühlte, wenn er erkannte, dass sie das genaue Gegenteil eines Pornostars war. „Okay, ich denke, du solltest wissen, dass ich so was hier … nicht so oft mache.“ Okay, nie. „Und ich bin nicht …“

„Nicht was?“

„Erfahren.“

Rob sah sie lange an, ohne ein Wort zu sagen. Dann strich er sanft mit seinen Lippen über ihre, was Wilma erschauern ließ. „Spürst du das?“, murmelte er an ihrem Mund. „Fühlst du diese Spannung zwischen uns?“

„Hmmh.“

„Ich bin alt und erfahren genug, um zu wissen, dass so etwas nicht oft passiert. Und wenn es geschieht, muss man sich dem einfach nur hingeben. Aber da du so ehrlich warst, mir zu sagen, dass du kein Profi bist, lass mich dir die Regeln in Erinnerung rufen.“

Es gab Regeln? Ernsthaft? Sie schob die Unterlippe vor. „Okay“, stimmte sie trotzdem zu, weil sie gerne noch mal von Rob geküsst werden wollte.

„Das hier ist eine einmalige Sache, also keine Gedanken an Herzen und Blumen.“

Willa spürte, wie ernst ihm diese Aussage war.

„Ich fühle mich von dir und dem, was ich von dir gesehen habe, angezogen, und ich mag dich. Ich schlafe nicht mit Frauen, die ich nicht mag. Aber heute Nacht … wird es nicht mehr geben als ein wenig Lachen und viel guten Sex.“

Guter Sex ist ja wohl das Minimum“, sagte Willa bewusst unschuldig.

Um Robs Lippen zuckte es. „Warum habe ich nur das Gefühl, dass du hinter diesen großen Augen und der naiven Stimme eine ganze Menge Sarkasmus verbirgst?“

Weil er kein Dummkopf ist, erkannte Willa, aber weder bestätigte sie seine Vermutung noch stritt sie sie ab.

„Und wenn du zu irgendeinem Zeitpunkt deine Meinung änderst – egal, an welchem! – sag es einfach und ich ziehe mich zurück. Ich kann nicht garantieren, dass ich erfreut darüber sein werde, aber ich tue es trotzdem. Wenn dir irgendetwas nicht gefällt, was ich tue, sag es auch und ich tue es nie wieder.“

Willa blinzelte. „Mein Gott, du bist aber direkt.“

„Alles andere ist ja auch sinnlos“, gab Rob zurück. „Ich bin unbequem ehrlich, so hat man es mir zumindest schon öfter gesagt. Aber ich kann nicht anders. Kommst du damit klar?“

Nach den letzten acht Jahren war Ehrlichkeit eine herrliche Abwechslung. „Da du nur bis zum Morgengrauen da sein wirst, werde ich es vermutlich überleben.“

Rob grinste. „Da ist wieder dieser sanfte Sarkasmus … das gefällt mir. Also gehen wir – damit ich dich so schnell wie möglich nackt sehe.“

Willa spürte seine Hand, die ihre nahm – fest, maskulin, selbstbewusst – und gestattete ihm, sie daran von der Tanzfläche in Richtung Ausgang zu führen.

Wir werden flachgelegt, jubelte die wilde Willa. Juchuuu!

Willa machte sich nicht die Mühe, Licht anzumachen, als sie die zweistöckige Eingangshalle ihrer Villa am Ufer betraten. Stattdessen warf sie einfach die Tür hinter sich ins Schloss und streckte ihre Hände nach Rob aus.

Vor dem Club hatten sie direkt ein Taxi gefunden und waren in erhitztem Schweigen hierhergefahren. Jetzt war sie feucht und erregt, und wenn er sie nicht bald berührte, würde sie weinen wie ein kleines Mädchen.

Rob brauchte jedoch keine weitere Ermutigung als das Zufallen der Tür. Er schob ihr Kleid hoch und packte mit einer Hand ihren Hintern. Die andere Hand schob er in ihre Haare und zog ihren Kopf ein wenig nach hinten, um sie hemmungslos zu küssen. Ihre Zungen umtanzten einander, als er sie erkundete, schmeckte, nach mehr von ihr verlangte.

Ermutigt von seiner Leidenschaft und seinem zustimmenden Stöhnen zog Willa sein Hemd hoch, sodass sie seinen heißen Körper berühren konnte. Pure männliche Kraft. Muskulös, aber schlank. Ihre Finger strichen über sein Sixpack und die langen Muskeln, die an seinen Hüften verliefen. Flüchtig berührte sie seine Erektion, die sich unter der Jeans spannte.

Oh, das gefiel ihr, also strich sie mit einem Finger seine gesamte Länge entlang.

„Ja, das ist gut“, stöhnte Rob an ihrem Mund und schob ihr das Kleid über die Hüften. Sein hungriger Blick fiel auf ihren schwarzen Tanga.

Er packte ihre Hüften und schaute an ihr hinunter, an ihrem flachen Bauch, den langen Beinen. Sie trug immer noch ihre High Heels.

„Perfekt“, hauchte er. „Ist der Rest von dir genauso schön, Willa?“

„Vielleicht“, erwiderte sie und löste seinen Gürtel.

Rob ließ seine Hand zwischen ihre Schenkel gleiten und fand mit seinem Daumen sofort ihre Klitoris. Durch den Stoff streichelte er sie, was Willa an seinem Mund aufstöhnen ließ.

„Das ist … so gut“, flüsterte sie. „Mehr …“

Robs Hand hielt inne. Sein Atem ging heiß und angestrengt. „Wenn wir jetzt nicht aufhören, werde ich dir das hier herunterreißen und dich gleich hier und jetzt nehmen. An der Haustür oder auf dem Perserteppich unter unseren Füßen.“

Willa legte den Kopf zurück, um in seine fabelhaften, von Leidenschaft erfüllten stahlgrauen Augen zu schauen. „Ja … egal. Beides. Aber tue es endlich.“

Rob lächelte und griff nach dem Streifen Kondome, den er sich in seine hintere Jeanstasche gesteckt hatte. Er riss eine Packung mit den Zähnen auf und ließ die restlichen zu Boden fallen. Mit einem sündigen Lächeln drückte er es ihr in die Hand.

„Streif es mir über, während ich dir den Slip ausziehe.“

Willa öffnete den ersten Knopf seiner Jeans, dann den zweiten, und als sie lose um seine Hüften hing, ließ sie ihre Hände in seinen Slip gleiten und schob ihn samt Jeans herunter. Seine Erektion reckte sich ihr groß und stolz entgegen. Willa seufzte, als sie sah, wie groß er war … Es schien, als wäre Wayne doch nicht so gut bestückt gewesen, wie er immer behauptet hatte. Tja, er hatte ja auch bezüglich allem anderen gelogen, das sollte sie also nicht sonderlich überraschen.

Aber Rob war lang und dick und sie wusste, um ihn in sich aufzunehmen, würde sie sich dehnen müssen und … Sie befeuchtete sich die Lippen … Sie konnte es kaum erwarteten. Sie wollte erfüllt, an ihre Grenzen gebracht werden. Sie wollte sich fühlen, wie eine Frau, die von einem Mann in Besitz genommen wird … und zwar auf bestmögliche Weise.

Willa rollte das Kondom schnell über seinen Penis – und hielt die Luft an, als er dabei noch härter wurde.

Über ihrem Kopf fluchte Rob. „Honey, das hier wird hektisch … wir behalten uns langsam und sexy für später vor.“

Er legte seine Hände unter ihre Oberschenkel und hob sie hoch. Dabei spreizte er ihre Beine, sodass die Spitze seiner Erektion gegen ihre feuchte Mitte stieß. Erst da bemerkte Willa, dass er ihr wie von Zauberhand den Tanga ausgezogen hatte.

Rob drückte sie gegen die massive Eichentür und glitt mit einem langen, sicheren Stoß in sie hinein. Um sie herum verschwand die Welt, und es gab nur noch Robs Hände auf ihren Schenkeln, seine Zunge in ihrem Mund und seine sicheren Stöße, als er sie immer weiter ins Vergessen trieb.

Dann stieß Rob noch fester zu, und Willa schrie auf, als vor ihren Augen Sterne explodierten und ihr Körper in tausend Stücke zersplitterte. Wie aus weiter Ferne hörte sie Robs Stöhnen an ihrem Ohr, spürte seinen Orgasmus tief in sich drinnen, doch es war ihr egal. Sie war gekommen, und es war umwerfend gewesen …

Minuten, Stunden oder Jahre mochten vergangen sein, bevor sie wieder auf der Erde landete; ihr Kopf an seiner Schulter, von Robs Kraft an die Tür gedrückt.

„Ich glaube, das müssen wir noch mal wiederholen“, sagte er.

Sie hörte sein Lächeln in seinen Worten, spürte seine Lippen an ihrer Schläfe.

„Und dieses Mal langsam und sexy?“, fragte sie und glitt lächelnd zu Boden.

Früh am nächsten Morgen, und nach weiteren Runden unglaublichem Sex, lehnte Willa sehr zufrieden ihren Kopf an Robs Brust. Sie hätte erwartet, sich schlecht und schmutzig zu fühlen, weil sie mit einem völlig Fremden ins Bett gegangen war, aber sie fühlte sich nur befriedigt und auf seltsame Weise sicher.

Er kam einem perfekten Liebhaber so nah, wie kein Mann zuvor – okay, das hatte nichts zu bedeuten, denn außer Wayne hatte sie keinen anderen Mann gehabt. Ob es an Rob lag oder an ihrem Mangel von befriedigendem Sex, dass sie so oft gekommen war?

Vermutlich an Rob. Er war ein wunderbarer Liebhaber, der sie all ihre Hemmungen vergessen ließ. Bei Wayne hingegen … Nein. Keine Vergleiche – nicht an ihn denken.

„Wie spät ist es?“, fragte Willa gähnend.

„Halb acht.“

Rob tätschelte ihren Hintern, dann schlüpfte er aus dem Bett und ging durch das große Schlafzimmer zu der Tür, die auf den Balkon führte. Willa rollte sich auf den Bauch und betrachtete seinen wunderschönen Rücken, den festen Hintern und die langen, muskulösen Beine.

Der Mann war aber auch sexy.

„Das ist ein verdammt schönes Haus, Willa. Gehört es dir?“

„Ja.“ Nun, zumindest in ein paar Wochen, sobald die Scheidung durch war.

Sie war vor acht Monaten hier eingezogen, doch es fühlte sich immer noch nicht nach einem Zuhause an. Es gehörte zu ihrer Scheidungsvereinbarung – genau wie der Mercedes und eine üppige Überweisung auf ihr Bankkonto. Sie hatte eigentlich nichts haben wollen, doch Kate, ihre Anwältin und inzwischen gute Freundin, hatte das nicht zugelassen.

„Er hat dich betrogen, also zahlt er auch“, hatte Kate ihr wieder und wieder gesagt.

Will wickelte sich die leichte Bettdecke um und schlüpfte unter Robs Arm hindurch auf den Balkon.

Dort lehnte sie sich gegen das Geländer und sah Rob an.

„Es ist ein großes Haus auf einem großen Stück Land – sechs Schlafzimmer, vier Bäder, Unmengen an Platz und Balkonen. Eine Doppelgarage.“

„Und hier wohnst du ganz allein?“, fragte Rob misstrauisch.

„Ja. Es ist lächerlich, nicht?“, erwiderte sie leichthin, weil sie nicht näher auf ihre Scheidungsvereinbarung eingehen wollte. „Das Haus ist kalt und leer. Hier sollten Kinder herumlaufen, Tiere, Besucher, es sollten laute Partys stattfinden …“

„Tja, wenigstens die wird es ja heute geben.“

Verständnislos schaute Willa ihn an.

Rob grinste. „Honey, um elf steht ein Dutzend Leute vor der Tür, die du zum Barbecue eingeladen hast.“

Will brauchte einen Moment, um sich daran zu erinnern, dass sie die Whitsunday-Gang eingeladen hatte.

Sie packte Robs Handgelenk, sah auf seine Uhr und stieß einen panischen Laut aus. Sie hatte nichts zu essen im Haus, nichts zu trinken, und der Gedanke, dass sie Leute unterhalten sollte, die sie seit Jahren nicht gesehen hatte, schnürte ihr die Kehle zu.

Das konnte sie nicht, es war einfach unmöglich. Keuchend schlug sie sich die Hände vors Gesicht. Dabei rutschte die Bettdecke herunter und fiel auf eine Sonnenliege. Robs Augen verdunkelten sich vor Leidenschaft, und sein Penis schwoll an. Willa hob eine Hand, sie versuchte, ihm mit einem Schritt nach hinten auszuweichen. Doch ihre Beine gehorchten ihr nicht. Im Gegenteil, sie trugen sie zu ihm.

„Nein, nein, nein. Ich habe keine Zeit, Rob.“

Robs Daumen strich über ihre Brustwarze, und Willas Widerstand schmolz dahin. Wie konnte es sein, dass sie ihn nur anschauen musste und sofort wieder … feucht wurde? Reiß dich zusammen, Willa. Aber erneut flüsterte ihr Körper ihr zu, was er wollte. Noch einen aufregenden Orgasmus … oder vier.

„Ich will dich hier auf der Liege nehmen, in der Morgensonne.“

„Gott, Rob … Die Nachbarn …“

„Hier kann uns niemand sehen. Dieser Balkon ist gebaut worden, um die eigene Privatsphäre zu genießen.“ Seine Hand glitt zwischen ihre Schenkel.

Willa schmolz dahin.

„Hier … in der Sonne. Sag ja, Willa.“

„Ja.“ Willa seufzte, schlang ihre Arme um seinen Hals und drückte ihren nackten Körper gegen seinen. Als wenn sie je die Chance gehabt hätte, Nein zu sagen.

Willa schreckte hoch und riss die Augen auf, als es an der Tür klingelte. Oh mein Gott, dachte sie. Es kann noch nicht elf Uhr sein.

Es klingelte erneut. Was bedeutete, dass sie Besuch bekam. Jetzt steckte sie aber wirklich im Schlamassel.

Rob öffnete stöhnend ein Auge. Willa funkelte ihn an. „Das ist alles deine Schuld“, zischte sie.

„Was? Wieso?“

Willa schoss aus dem Bett und in ihren begehbaren Kleiderschrank, wo sie sich frische Unterwäsche und eine Shorts schnappte und anzog.

„Ich will dich hier auf der Liege im Morgenlicht …“, imitierte sie seine tiefe Stimme. „‚Komm nur für ein Minütchen zurück ins Bett‘, hast du gesagt. ‚Wir haben noch Zeit‘, hast du gesagt.“

„Wir müssen eingeschlafen sein.“ Rob sah blinzelnd auf seine Uhr. „Oh, zwanzig vor zehn. Da ist aber jemand früh dran.“

Willa zog sich ein Tanktop über und band ihre Haare zu einem unordentlichen Zopf zusammen. „Ich muss duschen, mir die Zähne putzen …“

„Entspann dich, Schönheit.“ Rob stand auf und streckte sich.

Willa erdolchte ihn mit ihren Blicken, als es erneut klingelte. „Ist ja schon gut.“

Rob grinste sie an. „Ich springe kurz unter die Dusche.“

„Ich hasse dich!“, rief Willa, bevor sie aus dem Schlafzimmer und die Treppe hinuntereilte.

Durch die Milchglasfenster neben der Eingangstür sah sie zwei Menschen auf der anderen Seite. Sie riss die Tür auf und war erleichtert, Amy und Jessica vor sich stehen zu sehen.

„Gott sei Dank, ihr seid es.“ Sie legte eine Hand an ihre Schläfe, unter der es unangenehm pochte. Gott, sie hatte die schlimmsten Kopfschmerzen aller Zeiten. Was war nur in diesen Cocktails gewesen? Flüssiges Quecksilber?

„Geht es dir gut, Wills? Du siehst … erschöpft aus“, sagte Amy.

„Ich bin erschöpft“, gab Willa zu. „Mein Gott, können wir das nicht absagen?“

Amy kam herein und stieß einen anerkennenden Pfiff aus, als sie sich in der Eingangshalle umschaute. „Verdammt, nein, du sagst gar nichts ab. Und wow, Wills, dieses Haus ist umwerfend.“

„Tja, Kate ist ja auch eine umwerfende Anwältin.“

Willa setzte sich auf die unterste Stufe der Treppe, die in einem Bogen nach oben führte. „Sie ist echt clever. Du würdest sie mögen, Amy.“

„Wenn sie dir hilft, Wayne zu begraben, mag ich sie jetzt schon“, stimmte Amy zu.

„Wie auch immer – können wir uns kurz auf das Hier und Jetzt konzentrieren? Ich habe höllische Kopfschmerzen von den Cocktails. In wenigen Minuten tauchen ich weiß nicht wie viele Menschen an meiner Tür auf, und ich habe nichts, ich wiederhole nichts, zu essen oder zu trinken in diesem Haus.“

Amy runzelte die Stirn. „Hast du vergessen, dass du uns eingeladen hast?“

„So in der Art … ja.“ Sie wollte ihrer Freundin nicht sagen, dass sie zu viel Spaß mit Rob gehabt hatte, um an ihre Gäste zu denken. „Was soll ich denn jetzt nur machen?“

„Du gehst jetzt erst einmal unter die Dusche. Jessica wird alle Gäste begrüßen, und Amy fährt schnell in den Supermarkt und kauft ein.“

Eine tiefe, männliche Stimme, die für die Sünde gemacht zu sein schien, schwebte die Treppe hinunter.

Willa sah, wie Jessicas und Amys Köpfe in seine Richtung schossen, und drehte sich schnell um. Da kam Rob auch schon die Treppe hinunter. Die Haare noch feucht vom Duschen, die Kleidung von letzter Nacht, die bloßen Füße schauten unter dem ausgefransten Saum seiner Jeans heraus. Sie stöhnte, als die beiden Frauen sie fragend ansahen.

„Nicht schlecht, Wills.“

Abwehrend warf Willa die Hände in die Luft. „Äh … Rob. Rob ist über Nacht …“

Willa fing Amys Blick auf und sah schwesterlichen Stolz in ihren Augen funkeln. Sie hörte förmlich, wie sie sagte, und, hast du Spaß gehabt?

Oh ja, unglaublich viel Spaß.

„Seid ihr zwei mit eurer telepathischen Unterhaltung dann mal fertig?“, unterbrach Jessica sie und streckte eine Hand aus, um Willa hochzuziehen. „Geh duschen, Willa. Und Amy, wir gucken mal, was Willa so hat, damit du weißt, was du einkaufen musst.“

„Nichts“, sagte Willa zerknirscht. „Ich habe gar nichts.“

„Warum muss ich denn einkaufen gehen?“, beschwerte Amy sich.

„Weil es deine Idee war, dieses Barbecue zu geben“, erwiderte Willa. „Die Straße runter gibt es ein Deli. Die haben alles … kauf den Laden leer und ich gebe dir später das Geld.“

Willa sah Jessica an und zeigte nach links.

„Die Küche ist da entlang. Durch die Glastür in der Küche – und von allen Zimmern auf dieser Seite des Hauses – geht es auf die überdachte Terrasse mit Pool. Tische, Stühle, Grill – alles draußen. Tob dich aus.“

Amy pfiff anerkennend. „Wie ich schon sagte, Wills, das ist eine verdammt coole Scheidungsvereinbarung.“

Ja, dachte Willa, als sie nach oben in ihr Schlafzimmer ging. Ich musste dafür nur acht Jahre lang das ziellose, dumme Vorzeigefrauchen spielen.

3. KAPITEL

Wenn ich nicht innerhalb der nächsten Minuten einen Kaffee kriege, breche ich hier auf Willas teurem Teppich zusammen, dachte Rob. Er hatte sich immer für einen Mann mit Kondition gehalten, aber sich mit Willa in den Laken zu wälzen hatte ihm jeden Funken Energie ausgesaugt.

Er grinste. So viel Spaß hatte er seit Langem nicht mehr gehabt.

Aber jetzt würde er sich einen Kaffee schnappen, Willa einen Abschiedskuss geben und sich verziehen. So machte er es immer, und darin war er gut.

Zunächst ging er in Richtung der weiblichen Stimmen, die aus dem Flur drangen, der, wie er vermutete, zur Küche führte.

„Hast du Willas Ehemann je kennengelernt?“

Rob blieb abrupt stehen und fluchte … Sie war verheiratet? Verdammt. Er schlief nicht mit verheirateten Frauen – das war einer seiner Regeln. Sie hatte keinen Ring getragen, aber … Mist.

„Ihren zukünftigen Exmann“, korrigierte Amy, und Rob fing wieder an zu atmen. „Sie sind seit rund acht Monaten getrennt.“

Das war gut. Nicht perfekt, aber besser als verheiratet.

„Wie ist er so?“

Rob blieb, wo er war, denn er wusste, wenn er jetzt die Küche beträte, würden die Frauen aufhören zu reden. Aber er war neugierig.

Er wollte mehr über Willa wissen, die ihn stärker interessierte, als ein One-Night-Stand es tun sollte. Darüber würde er sich aber erst nach einem Kaffee und acht Stunden Schlaf Gedanken machen.

„Wayne … Ich war dabei, als er und Willa sich kennengelernt haben“, sagte Amy.

„Und?“, drängte Jessica.

Amy überlegte lange, dann sagte sie: „Aalglatt. Und wesentlich älter als Willa. Ich glaube, er war Mitte dreißig, als sie sich kennengelernt haben …“

„Du mochtest ihn nicht“, stellte Jessica fest.

„Stimmt. Ich konnte ihn von Anfang an nicht leiden“, gab Amy zu. „Aber ich war vermutlich nur frustriert. Willa war ein Mädchen, das ein wenig Spaß so dringend nötig hatte, und ich habe ihr gezeigt, wie das geht … Wir hatten eine tolle Zeit. Dann hat sie Wayne kennengelernt, und sie … wie soll ich das erklären? Sie schrumpfte in sich zusammen und wurde die perfekte Freundin – kühl, ruhig, gefasst. Mit ihm war sie eher achtzig als achtzehn. Die verrückte Willa hatte das Gebäude verlassen.“

„So, wie sie gestern Abend die Cocktails runtergekippt hat, würde ich sagen, die verrückte Willa ist wieder da“, sagte Jessica, und Rob hörte das Grinsen in ihrer Stimme.

„Glaub mir, sie war nicht ansatzweise betrunken. Das Mädel verträgt einiges. Wenn sie wirklich betrunken ist, fängt sie an, Balladen aus den Achtzigern zu singen und sich auszuziehen.“

Überrascht hob Rob die Augenbrauen. Das würde er gerne mal sehen.

„Sie kann ziemlich wild sein“, fügte Amy hinzu.

Rob hatte Kratzspuren, die diesen Punkt bewiesen.

„Aber mit Wayne hat sie aufgehört, Spaß zu haben. Ich glaube, letzte Nacht war das erste Mal seit Jahren, dass sie sich mal wieder amüsiert hat. Sie ist ein wenig traurig, verängstigt und allein. Ich habe das Gefühl, sie beschützen zu müssen …“

Ich auch.

Was?

Rob schaute auf seine nackten Füße, und anstatt in die Küche zu gehen – der Kaffee konnte schockierenderweise warten – ging er durch das Wohnzimmer auf die sonnenbeschienene Terrasse. Teure Möbel, ein in die Wand eingebauter Pizzaofen und eine Kochinsel mit Gasherd und Kühlschrank. Ein Holztisch für zehn Personen mit Bänken auf beiden Seiten dominierte das Küchenende der Terrasse. Sofas und Sessel aus Bambusrohr mit blau-weiß gestreiften Kissen füllten den restlichen Platz. Der große, rechteckige Pool sah kühl und einladend aus, und er wünschte, er könnte hineinspringen.

Er liebte es, zu schwimmen – dabei kamen ihm die besten Gedanken.

Also Willa war verheiratet gewesen … oder war es immer noch … mit einem Mann, der wesentlich älter und sehr reich war. In ihren Augen hatte er Schatten gesehen, die vom Unglücklichsein erzählten. Die gleichen Schatten hatte er in den Augen seiner Mum gesehen, solange sie mit Stefan verheiratet gewesen war.

Was seine Schuld war. Denn als sie ihm erzählte, dass Stefan um ihre Hand angehalten hatte, sagte er, sie solle es riskieren. Stefan war der beste Freund seines Dads gewesen. Sein zweiter Dad sozusagen. Sie mochte ihn, er mochte ihn … was konnte schiefgehen? Er hatte nur gewollt, dass sie wieder glücklich war. Und er hatte sich wesentlich besser gefühlt, am anderen Ende des Landes zur Uni zu gehen, als er wusste, dass Stefan sich um Mum und Gail kümmerte.

Das hatte jedoch nicht so funktioniert, wie er sich das vorgestellt hatte.

Als er endlich das Problem erkannt hatte – nachdem seine Familie zum zweiten Mal um ihn herum auseinandergefallen war – hatte es ihm das Herz zerrissen. Es war, wie seinen Vater noch einmal zu verlieren. Gleichzeitig waren ihm seine Unschuld und sein Vertrauen in Menschen abhanden gekommen.

Er strich sich mit der Hand über sein stoppeliges Kinn. Wo kamen diese Gedanken auf einmal her? Ah, Willas traurige Augen … ja, der Gedanke, dass Willa traurig war, gefiel ihm gar nicht.

Nur eine Nacht hatte er mit ihr verbracht und doch dachte er bereits mehr über sie nach als über alle seine vergangenen Affären zusammengenommen. Irgendetwas stimmte da nicht …

Die Tatsache, dass Willa immer noch verheiratet war – wenn auch nur noch auf dem Papier – war für ihn ein Hindernis. Das ihm half, emotionale Distanz zu wahren, sich daran zu erinnern, dass er sich mit ihr nicht auf mehr einlassen sollte, als er wollte, als er sich leisten konnte …

Eine Nacht mir ihr, und sie hat dein Leben völlig auf den Kopf gestellt. Reiß dich zusammen, Hanson. Du willst nur noch mal mit ihr schlafen, ermahnte ihn seine rationale Seite. Es geht nur um Sex. Nach ein paar Tagen wird es dir langweilig und du willst weiterziehen. Sie ist nicht anders als alle anderen …

Außer, dass sie es ist, dachte er.

Sehr anders. Das musste sie sein, wenn er so über sie dachte.

Stöhnend ließ er sich in einen Sessel fallen.

Sieh zu, dass du hier wegkommst, Kumpel. Wenn du glaubst, sie ist etwas Besonderes, solltest du schnellstens Land gewinnen. Nimm dir deinen Kaffee, sag Auf Wiedersehen und lauf.

Doch trotz seiner langen Liste an Gründen, warum er nicht über eine weitere Nacht oder gar eine Affäre mit ihr nachdenken sollte, konnte er nicht gehen.

Rob klopfte gegen die offen stehende Badezimmertür und grinste, als Willa, die nur in BH und Höschen vor dem Spiegel stand, nach ihrem Morgenmantel griff, um sich zu bedecken.

„Bisschen spät dafür, da ich schon so ziemlich alles an dir gesehen und geküsst habe.“

Errötend ließ Willa den Morgenmantel fallen und griff nach einem kleinen schwarzen Kästchen, um sich ein wenig Rouge auf die Wangen aufzutragen. Rob stellte ihr einen Kaffeebecher auf das Waschbecken und kehrte zur Tür zurück, wo er sich mit seinem Kaffee in der Hand gegen den Rahmen lehnte.

„Danke“, sagte Willa.

Rob sah die Verwirrung in ihren Augen und merkte, dass sie nicht wusste, wie sie sich ihm gegenüber verhalten sollte. Obwohl er ihren Körper in- und auswendig kannte, war er trotzdem noch ein Fremder für sie.

„Einige deiner Freunde sind bereits eingetroffen. Soll ich gehen?“

Willa biss sich auf die Unterlippe. „Das musst du nicht … Bleib gerne, wenn du nichts Besseres zu tun hast.“

Bedanke dich für die schöne Zeit, gib ihr einen Abschiedskuss und geh …

„Danke, das mache ich gerne.“

Da Patrick, sein Cousin, Partner und Buchhalter, der ihn nach Sydney begleitet hatte, das Wochenende mit alten Freunden verbrachte, redete Rob sich ein, dass es keinen Grund gab, den Tag alleine zu verbringen. Er mochte Menschen, und sie mochten ihn. Also konnte er genauso gut hierbleiben … Er konnte seine Meinung ja immer noch jederzeit ändern und gehen.

Er verschränkte die Arme vor der Brust und bemühte sich um einen neutralen Ton. „Dieses Haus ist also Teil deiner Scheidungsvereinbarung? Dann bist du technisch gesehen noch verheiratet?“

Willa bedachte ihn mit einem unsicheren Blick, und einen Moment lang sah sie wesentlich jünger und verletzlicher aus, als er erwartet hatte. Sein Herz erschauerte, und er ermahnte sich, sich zusammenzureißen.

„Wir sind offiziell seit über einem halben Jahr getrennt. Aber in Wahrheit war das zwischen uns schon seit vielen Jahren keine Ehe mehr. Hätte ich dir das sagen sollen?“, fragte sie und drehte ihre Wimperntusche nervös zwischen den Fingern.

Wenn sie ihre Ehe in dem Club erwähnt hätte, wäre er so schnell gelaufen, wie er konnte. Fand er es gut, dass sie noch verheiratet war? Nein. Würde es ihn davon abhalten, noch einmal mit ihr zu schlafen? Verdammt, nein!

„Ich schlafe nicht mit verheirateten Frauen“, sagte er und war nicht sicher, ob er das ihretwegen oder seinetwegen sagte.

Willa fing seinen Blick im Spiegel auf, und ihre silbergrauen Augen wirkten ehrlich und aufrichtig. Sie legte die Wimperntusche auf das Waschbecken und stemmte die Hände in die Hüften. „Ich gehe nicht fremd. Ich habe noch nie mit jemand anderem geschlafen, und hätte es auch nicht mit dir getan, wenn ich mich moralisch noch verheiratet fühlen würde.“

Rob hob seine Hände. „Ganz ruhig, Tiger.“

Willa funkelte ihn an. „Würdest du fremdgehen, wenn du verheiratet wärst?“

Natürlich nicht. Aber darum ging es gar nicht, denn er hatte nicht vor, jemals zu heiraten. Das würde nämlich bedeuten, dass er sich und seinem Urteil über Frauen trauen müsste. Was er nicht tat.

„Und, würdest du?“, hakte Willa nach.

„Sorry. Was hast du gesagt?“

„Würdest du deine Frau betrügen? Oder deine Freundin? Oder tust du das bereits?“ In ihrer Stimme lag keine Verurteilung, nur reine Neugierde.

Rob schürzte die Lippen. „Ich bin Single und lasse mich nie lange genug auf jemanden ein, um diese Frage aufkommen zu lassen.“

Willa stieß einen langen, überraschten Seufzer aus. „Mein Gott, du bist echt ehrlich. Ich habe seit Langem keinen ehrlichen Mann mehr getroffen.“

„Dann gibst du dich mit den falschen Leuten ab, Schönheit“, erwiderte Rob. „Also, wo wir schon beim Thema Ehrlichkeit sind … würdest du es gerne noch mal tun?“

Ich will nicht, dass sie Nein sagt, erkannte Rob. Er wollte sie noch einmal lieben … Wenn das Haus nicht voller Gäste wäre, würde er sie auf das Waschbecken heben, ihre Beine spreizen und das Höschen zur Seite schieben. Innerhalb weniger Sekunden wäre er in ihr …

„Du meinst Sex?“

Wenigstens hatte sie es nicht Liebemachen genannt, sonst hätte er sie korrigieren müssen.

„Ja. Hast du Lust? Purer Sex, reiner Spaß, keine Verpflichtungen.“

„Für wie lange?“

Er war nicht dumm genug, um ein Versprechen zu geben, das er nicht halten konnte. „Ich habe keine Ahnung. Noch einmal? Zwei Mal? Sechzehn Mal? Ich weiß es nicht … lassen wir es auf uns zukommen.“

Willa war so lange so still, dass er glaubte, sie würde Nein sagen. Sein Herz wurde etwas schwer.

„Ja“, sagte Willa schließlich. „Das können wir machen. Es einfach auf uns zukommen lassen.“

„Ausgezeichnet.“

Langsam stellte er seinen Kaffeebecher auf dem Regal neben der Tür ab und betrat das Badezimmer. Dann packte er sie bei den Hüften und hob sie auf den Waschtisch zwischen die beiden Waschbecken.

„Dann sollten wir gleich anfangen.“

Da sie ihre Hände an seine Brust legte und die Unterlippe zwischen die Zähne sog, nahm Rob an, dass sie nichts gegen seinen Vorschlag einzuwenden hatte.

Als Willa endlich nach unten ging und auf die Terrasse hinaustrat, fühlte es sich an, als wäre sie acht Jahre in die Vergangenheit gereist. Das gleiche Lachen wie auf den Whitsundays, die gleiche Aufregung in den Stimmen ihrer Gäste, der gleiche Rhythmus ihrer Sprache.

Tief durchatmend erlaubte sie den alten Gefühlen, sich in ihr auszubreiten. Sie fühlte sich frei und glücklich und sexy … Damals hatte sie geglaubt, dass ihnen niemals etwas Schlimmes zustoßen könnte. Dann war Amy angegriffen worden und die Freundschaft zwischen Scott und Brodie war explodiert und alles hatte sich verändert.

Mit Schmerz und Veränderungen kam sie nicht gut zurecht, und zu wissen, dass es ihren Freunden schlecht ging, dass ihre magische Zeit auf den Whitsundays so brutal geendet hatte, hatte sie nur noch stärker in die Arme des älteren, romantischen Wayne getrieben, der ihr all das sagte, was sie hören wollte.

Sie schüttelte die Erinnerungen ab, setzte ein Lächeln auf und ignorierte ihren nervösen Magen. Niemand verurteilte sie, niemand wartete darauf, dass sie es vermasselte.

„Oh, es ist so schön, dich zu sehen.“ Eine Gruppe ihrer alten Freunde kam, um sie zu begrüßen.

„Du siehst fabelhaft aus.“

„Danke, dass ihr gekommen seid … Nehmt euch etwas zu trinken, etwas zu essen …“

Willa küsste und umarmte ihre Freunde, und dann stand auf einmal Scott mit ausgebreiteten Armen vor ihr. Willa stieß einen entzückten Schrei aus und warf sich ihm an den Hals. Er hob sie hoch und wirbelte sie herum. Sie spürte die Kraft in seinen Armen, seiner Brust. Seine wunderschönen grünen Augen funkelten, und er roch umwerfend. Er war sexy und attraktiv … aber er ließ ihr Herz nicht schneller schlagen.

„Scott! Es ist so ewig her“, rief sie und küsste ihn auf die Wange.

„Du siehst gut aus, Wills.“ Er trat zurück und vergrub seine Hände in den Taschen seiner Shorts.

Willas Blick fiel auf Jessica, die neben Scott stand. Sie wusste, ohne ihre Hilfe wäre das alles nicht möglich gewesen, und so drückte sie Jessicas Arm. „Danke, dass du dich um alles gekümmert hast, Jessica.“

„Gern geschehen.“

In der Hand hielt Jessica etwas, das aussah wie eine Bloody Mary. Das wäre auch nicht schlecht, dachte Willa. Ihr Kater vom Alkohol war zwar weg, aber dafür hatte sie jetzt einen Kater von zu viel Sex. Nicht, dass sie sich beschweren wollte …

Wo sie gerade an Sex dachte … Sie drehte sich herum und sah, dass Rob sich gerade ein Bier nahm. „Und das ist Rob …“

„Rob Hanson“, sagte Rob und hielt Scott seine Hand hin. Innerhalb von Sekunden war er in ein Gespräch mit ihm und Jessica vertieft. Willa bedachte ihn mit einem Lächeln und wandte sich ihren anderen Gästen zu.

Während sie mit alten Freunden flirtete und mit den Mädchen lachte, tauschten sie und Rob immer wieder heiße Blicke aus. Obwohl er die Sachen von gestern Abend trug, sah er aus wie direkt einem Männermagazin entstiegen. Willa konnte immer noch nicht glauben, dass er sich zwischen all den sexy Mädchen gestern Abend ausgerechnet sie ausgesucht hatte … und dass er immer noch mehr von ihr wollte.

Willas Unterhaltung mit Jane wurde von Amy unterbrochen, die ihren Arm packte und sie mit sich zog.

Sie schenkte Jane ein entschuldigendes Lächeln, folgte Amy aber willig in eine ruhige Ecke.

„Wie lange brauchst du eigentlich, um zu duschen? Oder bist du von dem gut aussehenden Kerl mit dem lustigen Akzent aufgehalten worden?“

„Er hat keinen lustigen Akzent“, protestierte Willa.

„Pft. Darum geht es doch gar nicht. Bist du von ihm vernascht worden?“, wollte Amy wissen.

„Ames, das geht dich nichts …“ Willa schaute sich um und senkte die Stimme. „Okay, ja. Noch mal. Auf dem Waschbecken im Badezimmer. Und es war fabelhaft.“

„Das können wir alle sehen“, sagte Amy trocken. Ihre Miene wurde ernst. „Sieh mal, ich weiß, ich habe dich ihm gestern förmlich in die Arme geschubst, aber ich dachte, du würdest nur mit ihm flirten, was dich ein wenig aufheitern würde. Aber das hier … Nun ja, weißt du, was du hier tust, Wills? Er ist ein netter Kerl, aber man sieht ihm auch an, dass er nichts für länger ist.“

Acht Jahre später, und Amy nahm sie wieder unter ihre Fittiche. Willa massierte sich die Schulter und überlegte, dass sie schon ein großes Mädchen war und schon auf sich selbst aufpassen konnte.

„Das hat er mir gesagt. Also entspann dich. Ich wäre ziemlich dumm, wenn ich mich in den ersten Mann verlieben würde, mit dem ich nach meiner Ehe Sex habe, und ich bemühe mich wirklich, nicht mehr dumm zu sein, was Männer angeht.“

„Versprochen?“

„Nun, ich versuche es zumindest.“ Willa lächelte. „Also, was gibt es zu essen und zu trinken?“

Amy zeigte auf den reich gedeckten Tisch. „Ich habe genug gekauft, um eine ganze Armee zu verpflegen. Es gibt Shrimps und Fisch, den die Jungs auf den Grill werfen können. Die Kühltaschen sind voll mit Wein, Bier und Coolern …“

Willa sah ihre Freundin an. „Du musst mir noch sagen, was ich dir schuldig bin.“

„Später.“

„Kannst du fassen, wie viele Leute gekommen sind? Das ist unglaublich …“

„Du warst immer beliebter, als du geglaubt hast, Willa“, erwiderte Amy. „Ich wünschte nur …“

„Dass Luke und Brodie und Chantal hier wären?“, beendete Willa den Satz. „Ich auch.“ Sie nahm Amys Hand. „Danke, dass du das Essen besorgt hast. Und mich dazu überredet hast, diese Party zu geben. Ich habe das Gefühl, die anderen sind gleich um die Ecke … als würden wir nur darauf warten, dass sie eintrudeln.“

„Ja, das geht mir genauso.“ Amy senkte den Blick. „Wo wir gerade von Freunden reden … Habe ich mich je bei dir bedankt, Willa? Dafür, dass du mir in jener Nacht geholfen, mich verarztet hast?“

Willas Blick glitt zu der kaum sichtbaren Narbe direkt unter Amys Auge, und ihr Magen zog sich zusammen. „Gott, ich bin nur so froh, dass er dich nicht … du weißt schon …“

„Vergewaltigt hat? Ja, ich auch. Obwohl er einen ziemlich fiesen rechten Haken hatte“, stieß Amy bitter hervor. „Wenn du nicht gewesen wärst – und Luke – weiß ich nicht, ob ich die Nacht überstanden hätte.“

„Ich wünschte, du wärst nicht gegangen, Amy. Ohne dich war es nicht mehr das Gleiche.“

Amy schüttelte den Kopf. „Honey, wie hätte ich bleiben können? Ich war für die Gästebetreuung zuständig und sah aus wie ein Waschbär mit meinen blauen Augen, der Platzwunde an der Wange und der dicken Lippe. So konnte ich niemandem unter die Augen treten. Außerdem wollte ich keine Fragen von unseren Freunden beantworten und habe den Gedanken nicht ertragen, Justin noch mal über den Weg zu laufen.“

„Luke hat ihn aus dem Resort geworfen und ihm gesagt, er solle sich ja nie wieder blicken lassen. Ich glaube, er hat ihm auch einen Denkzettel verpasst … Zumindest waren seine Knöchel ganz wund.“

Amys Blick wurde weich. „Ach Luke. Ich war so verrückt nach ihm. Ich bin nur mit Justin zum Strand gegangen, um Luke eifersüchtig zu machen.“ Amy schaute auf den Hafen hinaus. „Geht es ihm gut, Willa?“

Oh je, wie sollte sie das nur beantworten? „Ach Ames, ich weiß es nicht. Wir stehen uns nicht so nah, und er hat noch nie mit seiner jüngeren Schwester über seine Sorgen gesprochen.“

Amy neigte den Kopf. „Warum nicht?“

„Ich war dreizehn, als meine Mum gestorben ist, und am Boden zerstört. Mich hat mein Dad in Watte gehüllt, aber Luke hat er sich selbst überlassen.“

„Das verstehe ich nicht.“

Ja, sie auch nicht.

Ihr Vater hatte ihnen keinen Gefallen getan. Sie war zu einer verzogenen Göre herangewachsen, und Luke war der Außenseiter in einer Familie geworden, die nur noch aus zwei Personen bestanden hatte. Sie hatte deswegen immer noch Schuldgefühle und wünschte, ihr Vater hätte die Situation anders gehandhabt. Hätte ihr erlaubt, erwachsen zu werden und Fehler zu machen, und hätte Luke erlaubt, mit ihnen zu trauern, anstatt ihn zu ermutigen, sich trotz seines Schmerzes ins Studieren und Arbeiten zu stürzen.

Als Ergebnis war sie zu einer Frau herangewachsen, die glaubte, sie bräuchte einen starken Mann, der sich um sie kümmerte. Und Luke war ein extrem unabhängiger Geschäftsmann geworden, der nicht in der Lage war, sich zu binden.

„Was versuchst du, mir zu sagen, Willa?“

Dass du dir keine Hoffnungen machen solltest. Finde einen netten Mann, der dich von ganzem Herzen liebt. Luke ist zu kompliziert, zu unabhängig, zu distanziert.

Willa wollte die Worte gerade aussprechen, schüttelte dann aber nur den Kopf. Das Herz wollte, was es wollte, und nichts, was sie sagen könnte, würde das ändern. Also schnappte sie sich ein Bier und zuckte mit den Schultern. „Ich habe keine Ahnung, Ames. Ignorier mich einfach.“

4. KAPITEL

Als gegen sechs Uhr am Abend Amy als Letzte ging, war Willa erschöpft. Ihr Haus sah aus, als wäre eine Bombe explodiert, und sie stöhnte bei dem Gedanken, das alles aufräumen zu müssen. Sie wollte einfach nur unter die Dusche und dann ins Bett.

Völlig erledigt setzte sie sich in der Eingangshalle auf die unterste Stufe der Treppe, die nach oben führte. Rob war noch nicht gegangen, und sie war nicht sicher, wie sie sich deswegen fühlte. Ein Teil von ihr wollte unbedingt alleine sein, um zu verarbeiten, dass sie innerhalb von vierundzwanzig Stunden ihren ersten One-Night-Stand und die Wiedervereinigung mit den Freunden vom Weeping Reef erlebt hatte. Sie war so sehr daran gewöhnt, allein zu sein, nicht so viele Menschen um sich zu haben.

„Willa?“

Sie schaute auf und lächelte Rob an, der mit seinem Handy in der Hand in die Eingangshalle kam. „Tut mir leid, ich musste mich nur kurz mal setzen.“

„Du musst müde sein. Ich bin es zumindest.“ Er setzte sich neben sie. „Ich habe mir ein Taxi gerufen. Es sollte jeden Moment hier sein.“

„Du musst nicht gehen …“, setzte Willa an, war aber innerlich erleichtert, dass er gehen wollte.

Rob berührte kurz ihre Hand. „Doch, das muss ich. Wir haben beide letzte Nacht nicht viel geschlafen, und es war ein langer Tag.“

Willa zupfte an den losen Fäden ihrer abgeschnittenen Jeans. „Ich hatte Spaß.“

„Ich kann mir vorstellen, dass das Wiedersehen mit deinen Freunden eine Menge Erinnerungen hervorgebracht hat“, sagte er.

Willa lächelte. „Einige gute, einige nicht ganz so gute.“

„Wo sind eigentlich diese …“ Er schnippte mit den Fingern. „Ich kann mir den Ort nie merken.“

„Die Whitsundays? Das ist eine Inselgruppe im Herzen des Great Barrier Reefs.“

„Erzähl mir davon“, bat er sanft.

Das Kinn in die Hand gestützt wurde ihr Blick ganz weich und verträumt. „Wo soll ich da anfangen? Wunderschöne Sonnenuntergänge, weißer Sand, kristallklares Wasser. Wann immer ich Zeit hatte, habe ich geschnorchelt oder bin getaucht. Die Fische und Korallen haben mich unendlich fasziniert. Es gibt eine Koralle, die man Weinende Koralle nennt – daher hat das Resort seinen Namen.“

„Und du hast dich um die Kinderbetreuung gekümmert?“

„Ja. Ich habe es geliebt. Und abends haben wir Party gemacht. Amy hat mir beigebracht zu flirten – oder sie hat es zumindest versucht – und zu feiern. Mit ihr konnte ich natürlich nicht mithalten. Aber ich habe es geschafft, lockerer zu werden … aufzublühen.“

„Du hast deinen Ehemann dort getroffen?“

Willa nickte ein wenig verloren. „Er war älter, weiser, und kam mir, dem Mädchen aus der Kleinstadt, in der jeder jeden kennt, so kultiviert vor. Von Wayne bemerkt zu werden, war ein riesiger Schub für mein Ego, und nachdem ich bemerkt habe, dass er sich wirklich für mich interessiert, fühlte ich mich auserwählt und besonders.“

„Das ist verständlich.“

Sie hatte sich Hals über Kopf in ihn verliebt. Im Nachhinein betrachtet hatte sie sich vermutlich mehr in die Gefühle verliebt, die er in ihr geweckt hatte. Sie hatte sich stark und sexy und stylish gefühlt. Amy fand Wayne zu protzig, zu anspruchsvoll, und Luke hatte gefragt, was ein dreiunddreißigjähriger Mann in seiner Teenager-Schwester sah, aber sie hatte alle ihre Bedenken beiseitegeschoben. Sie war verliebt gewesen und hatte sich fabelhaft gefühlt.

„Ich war achtzehn Jahre alt und dachte, ich wüsste, was ich tue. Das sollte mir niemand verderben.“ Und das hat ja auch super geklappt.

„Ich finde, es sollte ein Gesetz geben, dass niemand vor seinem fünfundzwanzigsten Geburtstag lebensverändernde Entscheidungen treffen darf.“

Willa fiel der bittere Unterton in seiner Stimme auf und sie neigte den Kopf. „Hast du auch schlechte Entscheidungen getroffen?“

„Du hast ja keine Ahnung.“ Rob bedeutete ihr, mit ihrer Geschichte fortzufahren.

„Amy ist etwas Schlimmes zugestoßen, sodass sie das Resort verlassen hat. Und dann kam es zu einem Streit zwischen Chantal, Scott und Brodie. Scott und Chantal waren ein Paar, aber Brodie war auch in Chantal verliebt. Ich habe meinen Kopf in den Sand gesteckt und angefangen, mehr Zeit mit Wayne zu verbringen.“

Die Unstimmigkeiten im Resort hatten sie nur weiter in Waynes Arme getrieben. Bei ihm hatte sie sich sicher und beschützt gefühlt. Bei ihm konnte sie ihre Sorgen um Amy vergessen und der Spannung zwischen Chantal und Scott aus dem Weg gehen.

„Am Ende der Saison hat er um meine Hand angehalten, und ich habe Ja gesagt. Ich würde diesen umwerfenden, romantischen älteren Mann heiraten, der mich lieben und sich für den Rest meines Lebens um mich kümmern würde. Was konnte da schon schiefgehen?“

„Offensichtlich einiges.“

„Ja.“

Rob drängte sie nicht, mehr zu erzählen, und sie war ihm für sein Taktgefühl dankbar. Sie hatte bereits mehr gesagt, als sie wollte. Es hatte zwischen ihnen zwar Liebe gegeben, aber sie konnte nicht erklären, wieso das ein so gestörtes Gefühl gewesen war. Liebe zu seinen Bedingungen. Er hatte sich finanziell um sie gekümmert, aber nicht emotional, und sie zudem ständig betrogen.

Seine Liebe war grob, mit Bedingungen versehen und abwertend gewesen. Kontrollierend. Deshalb hatte sie sich auf diese Affäre mit Rob eingelassen – es war ein gesunder, positiver Schritt in Willas Rehabilitation. Es war ehrlich, es war vorübergehend, es war … unkompliziert. Es war alles, was sie mit Wayne nicht gehabt hatte.

Und der Sex – den hatte sie so mit Wayne definitiv auch nicht gehabt. Allein beim Gedanken an Robs heißen, muskulösen Körper wurde ihr Mund ganz trocken und sie fühlte sich kribbelig und schwindelig, weiblich und frei.

So hatte sie sich auch in jenem Sommer auf den Whitsundays gefühlt – vor dem ganzen Drama. Stark, gesund, sexy … frei. Ihre Freiheit war ihr acht Jahre lang genommen worden, aber jetzt würde sie keine Sekunde mehr davon vergeuden.

Rob spielte mit seinem Handy herum. „Also bist du immer noch einverstanden mit der Entscheidung, die wir vorhin getroffen haben? Sex ohne Verpflichtungen?“

Da war wieder seine Ehrlichkeit. Gott, wie sie das liebte. „Ja.“

Rob legte eine Hand auf ihren schlanken Oberschenkel und drückte sanft zu. „Gut. Ich rufe dich an.“

„Du hast meine Nummer gar nicht“, sagte Willa und lehnte sich auf den Ellbogen zurück.

„Ich habe dein Telefon gefunden und meine Nummer angerufen – und sie dann in deinen Kontakten gespeichert“, erklärte Rob grinsend. „Du hast nicht so viele Nummern in deinem Handy, also solltest du mich leicht finden.“

„Ich dachte, wenn ich schon nicht mit meinem Ex rede, dann muss ich auch nicht mit seinen snobistischen Freunden reden. Ein weiterer Vorteil einer Scheidung. Kann ich dich um einen Gefallen bitten?“, fragte sie und sah ihn an.

„Hm? Um welchen?“

„An dem Tag, an dem die Scheidung offiziell wird … wenn du da immer noch da bist, hilfst du mir dann, sie zu feiern, indem wir etwas komplett Verrücktes tun?“

Rob neigte den Kopf. „Wie zum Beispiel?“

„Wie eine Motorradtour oder Bungee-Jumping oder Fallschirmspringen … Ein paar Tage auf die Whitsundays fahren und nach Schiffswracks tauchen. Ich bezahle auch. Ich will etwas tun, bei dem ich mich über alle Maßen lebendig und frei fühle, und ich glaube, du bist die Art Mann, die so etwas mitmachen würde.“

„Und was hätte ich davon?“ Um Robs Mundwinkeln zuckte es.

„Oh, ich habe vor, verrückten Sex mit dir zu haben.“

Rob nahm ihre Hand und gab ihr einen Kuss in die Handfläche. Sein Blick war heiß und sexy, als er ihr in die Augen schaute.

„Natürlich helfe ich dir, deine Freiheit zu feiern, Willa. Sag mir einfach, wann, und wir tun etwas, das diesem Tag gerecht wird.“

Rob beugte sich vor und streifte ihre Lippen mit seinen. Willas Herz seufzte. Sein Kuss war sanft und zart – ein kleines Knabbern hier, eine Berührung mit der Zunge da. Es war, als wüsste er, dass er den Kuss nicht vertiefen durfte, weil sie keine Zeit mehr hatten … zumindest heute nicht.

Und dann erklang auch schon die Hupe des Taxis.

Rob stand auf und schob die Hände in die Hosentaschen. „Ich werde jetzt ein wenig schlafen. Und Willa?“

„Hm?“

„Ein Telefon funktioniert in beide Richtungen.“ Rob wackelte mit den Augenbrauen. „Falls du mich zwischen deinen Laken – oder Beinen – vermisst, scheu dich nicht, mich anzurufen.“

Willa grinste. „Ich nehme dich beim Wort.“

„Das hoffe ich doch.“

Nachdem sie Willa zur Begrüßung auf die Wange geküsst hatte, setzte Amy sich ihr gegenüber an den kleinen Tisch auf der Terrasse des Saints, das tagsüber ein trendiges Bistro war. Sie schob ihre Designersonnenbrille in die Haare und überflog das Tagesangebot. Dann bestellte sie einen Frappé und einen Salat mit Ziegenkäse.

„Tut mir leid, dass ich zu spät bin. Ich hatte einen Termin mit Rob.“

Willa, die seit Sonntag nichts mehr von Rob gehört hatte, versuchte, nicht zu neugierig zu klingen. „Oh …?“

„Der arme Kerl sieht ein wenig erschöpft aus. Ich habe ihm gesagt, dass wir uns zum Lunch treffen.“

Und dazu hatte er nichts zu sagen? Willa grummelte innerlich vor Frust, als Amy ihre Nachrichten auf dem Handy checkte und einem süßen Kerl zulächelte, der an ihrem Tisch vorbeiging. Ah, die alte Amy, die so herrlich nervtötend sein konnte.

Willa nahm ihre Gabel in die Hand und stach sie Amy nicht ganz so sanft in den Handrücken.

Amy versuchte, unschuldig auszusehen, doch es gelang ihr nicht. „Oh, du willst wissen, wie er darauf reagiert hat?“

Ein leises Knurren, und Willa hob drohend die Gabel.

„Wie alt bist du noch mal?“, fragte Amy. „Fünfzehn?“

Willa seufzte und malte mit der Gabel Linien auf die Tischdecke. „Ich weiß. Ich bin so albern.“

Amy lachte und hob abwehrend die Hände. „Er hat gesagt, solltest du fragen, soll ich dich an eure letzte Unterhaltung erinnern. Was genau was bedeutet?“

Ein Telefon funktioniert in beide Richtungen.

Sie erklärte es ihr.

„Er hat recht“, sagte Amy. „Aber er weiß nicht, dass du dir lieber den Kopf abhacken würdest, als zu riskieren, zurückgewiesen zu werden.“

Willa funkelte sie an. „Ich bin nicht mehr achtzehn.“

„Dann ruf ihn an – sag ihm, dass du scharf bist und ihn haben willst“, forderte Amy sie mit erhobener Augenbraue heraus.

Willa spürte, wie ihre Wangen heiß wurden. Verdammt, das konnte sie nicht machen … oder doch?

„Wie du selbst gesagt hast, du bist albern“, sagte Amy ohne jede Böswilligkeit in der Stimme „Eilmeldung für dich, Honey: Mädchen dürfen Jungen auch um ein Date bitten.“

„Jemanden um ein Date zu bitten ist ja wohl etwas anderes, als jemanden zu bitten, mit dir ins Bett zu gehen“, gab Willa zurück.

„Warum? Wir leben im einundzwanzigsten Jahrhundert.“ Amy nahm ihr die Gabel aus der Hand und legte sie auf den Tisch. Dann wartete sie, bis Willa ihr in die Augen schaute. „Wo das geklärt wäre: Du erwartest dir doch nicht zu viel von der Sache, oder?“

„Natürlich nicht. Dazu hätte ich auch keine Gelegenheit. Rob ist entwaffnend ehrlich, ist dir das noch nicht aufgefallen? Ich weiß genau, wo wir stehen, und ich bin sehr zufrieden damit, dass es nur um Sex ohne jegliche Verpflichtungen geht.“

„Okay, solange du weißt, was du tust.“ Amy grinste. „Er ist wirklich ehrlich, oder? Heute hat er dem Marketingdirektor – meinem Boss – gesagt, dass seine Idee Mist ist und er für meine Expertise bezahlt und nicht für seine. Da der Marketingdirektor von seinem Job keine Ahnung hat und nur da ist, weil er die Tochter des Besitzers geheiratet hat, habe ich innerlich natürlich gejubelt. Wie auch immer, rufst du ihn an?“

„Nein.“

„Tz, tz.“

Willa verdrehte die Augen. „Du wirst mich nicht dazu bringen, ihn in mein Bett zu bestellen, Amy.“

Amy sagte nichts, sondern lehnte sich nur in ihrem Stuhl zurück.

„Es macht mir nichts aus, albern zu sein. Oder feige“, behauptete Willa.

Amy benutzte den gleichen Blick, den sie damals eingesetzt hatte, um Willa dazu zu bringen, Dinge zu tun, die sie als Mitarbeiter des Weeping Reef Resorts nicht hatten tun sollen. Nackt baden und die Küche nachts nach Snacks durchsuchen waren noch die kleineren Vergehen gewesen.

Sie würde einfach warten, bis Willa tat, was sie wollte … Und was, wenn Willa ehrlich war, auch das war, was sie selber wollte. Sie wollte Rob wieder zurück in ihrem Bett haben.

Sie stieß einen frustrierten Seufzer aus, wühlte in ihrer Handtasche nach ihrem Handy und wählte die Nummer, die sie inzwischen auswendig kannte.

„Schönheit“, sagte Rob nach dem zweiten Klingeln.

Dieses eine Wort und sein amüsierter Tonfall gaben ihr den Mut.

„Meine Laken rufen“, flüsterte sie leise und ignorierte Amys triumphierendes Grinsen.

„Ich habe heute länger zu tun“, erwiderte Rob genauso kurz. „Ich kann gegen elf Uhr da sein.“

„Ich bin wach.“

Willa legte auf und hob warnend einen Finger. „Kein Wort.“

„Kein Wort, außer, dass ich extrem beeindruckt bin. Kurz, prägnant, direkt“, sagte Amy fröhlich. „Okay, Themenwechsel. Ich liebe deine Schuhe.“

Willa senkte den Blick auf ihre hochhackigen Sandalen. „Mir würden sie besser gefallen, wenn ich sie selber bezahlt hätte. Amy, ich brauche einen Job. Ich muss irgendetwas tun.“

„Du hast doch mehrere Abschlüsse, Wills. Damit muss doch was zu kriegen sein?“

„Vor zwei Monaten ist mir ein Job angeboten worden“, erwiderte sie, „aber Kate wollte nicht, dass ich ihn annehme, weil das meine Scheidungsvereinbarung hätte gefährden können.“ Sie seufzte.

„Hast du dich danach irgendwo anders beworben?“, wollte Amy wissen.

„Ich habe keine Stellenanzeigen gesehen, obwohl ich geguckt habe. Ich glaube, für die Art Job, nach der ich suche, braucht man Erfahrungen oder Kontakte oder irgendetwas anderes, das ich nicht habe. Ich bin gut, Ames – oder ich könnte es zumindest sein, wenn mir jemand eine Chance gäbe“, sagte sie bitter. „Ich fühle mich so … nutzlos.“

„Ich nehme an, Wayne hat dich in dem Wunsch zu arbeiten, nicht unterstützt?“

„Nein, hat er nicht.“ Ganz im Gegenteil. Er hatte sich über ihre Ambitionen lustig gemacht. „Also, wenn du irgendetwas hörst, lässt du es mich dann wissen?“

„Aber klar. Ich halte Augen und Ohren auf.“

Ungefähr um halb zwölf am selben Abend klingelte es an der Tür. Willa legte sich die Hand auf den Magen, als sie aus der Bibliothek den Flur hinunter zum Foyer ging. Sie trug ein kurzes T-Shirt und noch kürzere Jeansshorts und war barfuß. Das hier war ein Sextreffen, und sie hatte sich nicht die Mühe gemacht, sich herauszuputzen – denn sie hatte vor, sich so schnell wie möglich auszuziehen.

Willa öffnete die Tür, und da stand er. Ihr Herz schlug schneller, und sie befeuchtete sich die Lippen. In der grauen Anzughose, dem blassblauen Hemd und der grauen Krawatte sah er unglaublich gut aus.

Sie schaute ihm in die Augen und seufzte. Neben der Lust sah sie in seinem Blick auch Frustration, Stress und Erschöpfung.

„Hey“, murmelte sie und packte seine Krawatte, um ihn ins Haus zu ziehen.

„Selber hey.“ Rob fasste sie an den Hüften und ließ seine Daumen über die bloße Haut zwischen dem Saum ihres T-Shirts und dem Bund ihrer Shorts streichen. Doch anstatt sie dann zu küssen, lehnte er seine Stirn gegen ihre und seufzte.

Sie legte ihm die Hände auf die Schultern und spürte, wie verspannt seine Muskeln waren. „Schlimmer Tag?“

„Eher frustrierend als schlimm. Tut mir leid, dass ich zu spät bin.“

„Kein Problem. Willst du einen Drink?“

Willa führte ihn an der Hand in die Küche und zu einem Barhocker, bevor sie den Kühlschrank öffnete und eine Flasche Wein herausholte.

Rob rümpfte die Nase. „Kalorienarmer Wein? Hast du keinen Whiskey?“

„Natürlich.“ Willa stellte den Wein zurück und holte eine Flasche Whiskey aus dem Regal neben dem Kühlschrank. Sie schenkte zwei Fingerbreit in ein entsprechendes Glas, gab ein paar Eiswürfel dazu und reichte es Rob. Er nippte mit geschlossenen Augen und hielt sich das Glas dann an die Stirn.

Der Mann ist erschöpft, erkannte sie. Die Schatten, die sich am Wochenende unter seinen Augen angedeutet hatten, waren jetzt gut sichtbar. Genau wie die Anspannung in seinem Kiefer und in den Falten um seine Augen.

„Geht es dir gut, Rob?“

Er fuhr sich mit der Hand durchs Gesicht. „Ja, tut mir leid … ich bin ein wenig abgelenkt. Es waren ein paar lange, anstrengende Tage.“

„Gibt es dafür einen besonderen Grund?“

„Nur der normale Stress, wenn man versucht, ein Geschäft in einem fremden Land aufzuziehen. Der Rand hat heute zudem noch erheblich nachgegeben, was unser Kapital deutlich verkleinert.“

Seine Tage waren mehr als schwierig gewesen – sie waren brutal. Sie spürte den Stress in seinen Schultern, den aufgestauten Ärger, den Frust.

„Wir müssen das heute nicht machen. Wenn du lieber gehen willst … tu das.“ Willa biss sich auf die Unterlippen. „Du sollst nicht das Gefühl haben, bleiben zu müssen.“

Rob stellte sein Glas auf die Arbeitsplatte aus Granit, beugte sich vor und hakte seine Finger in den V-Ausschnitt ihre T-Shirts. Dann zog er sie sanft zu sich heran. „Nirgendwo wäre ich lieber als hier. Ich habe die ganze Zeit an dich gedacht … wie du unter mir liegst, feucht und warm … Die sexy Tagträume von dir haben meiner Produktivität nicht gutgetan.“

Na dann …

Robs Hände strichen über ihr Rippen, seine Daumen huschten über ihre Brüste. Willa wurde ganz warm zwischen den Beinen, als sie sich zwischen Robs Schenkel schob. Beim Anblick der großen Wölbung in seiner Hose musste sie schlucken.

„Ich muss in dir sein“, flüsterte Rob an ihrem Hals.

Sie löste seine Krawatte und machte sich dann daran, sein Hemd aufzuknöpfen. Sie zog es auseinander und legte ihre Hände auf seine warme Haut. Er roch nach Deo, Seife und warmer Männlichkeit.

„Und ich muss dich in mir spüren.“ Sie kratzte mit ihren Fingernägeln leicht über seine Brustwarzen, an seinem Brustkorb hinunter und über seine Bauchmuskeln.

Und es stimmte. Noch nie hatte sie sich so lebendig und erfüllt gefühlt wie mit Rob, wenn er sie ins Vergessen ritt. Willa legte ihre Hand auf seinen Schritt und umfasste ihn sanft. Dann legte sie den Kopf in den Nacken und schaute ihm in die Augen, bevor sie einen Schritt zurücktrat und die Hand nach ihm ausstreckte.

Als er aufstand und ihre Hand nahm, schenkte sie ihm ein verführerisches Lächeln. „Komm, ziehen wir uns aus und gehen ins Bett.“

Robs Augen leuchteten auf, und er ließ sein umwerfendes Lächeln aufblitzen. „Du hast das mit diesen Sextreffen wirklich raus.“

In ein fremdes Land zu expandieren war anstrengend. Und so fragte sich Rob, warum er sich nicht durch die Stapel an Dokumenten arbeitete, die auf seinem Schreibtisch lagen, sondern stattdessen vor Willas unglaublich großem Haus stand und auf die Klingel drückte.

Und er fragte sich, warum sie nicht öffnete. Ihr kleiner Mercedes stand in der Auffahrt, und er hörte laute Musik aus dem Haus kommen.

Er drehte den Türknauf und hob überrascht die Augenbrauen, als die Tür sich geräuschlos öffnete. Einbrecher? Vergewaltiger? Mörder? Hatte Willa davon nie gehört? Er trat ein und schloss die Tür hinter sich ab. Dann ging er in Richtung der Musik durchs Haus und schaute auf dem Weg in jedes Zimmer.

Ein großer Salon mit schweren Möbeln und hässlichen Bildern, ein Fernsehzimmer, das unordentlich und bewohnt aussah, ein formelles Esszimmer mit einem riesigen Tisch und seltsamer moderner Kunst.

Die Musik wurde lauter, und er schaute nach rechts, wo er eine Treppe entdeckte. Er ging sie hinunter und stand kurz darauf in einem voll ausgestatteten Fitnesscenter, das denen von seiner Firma durchaus Konkurrenz machen konnte.

Ein riesiger Plasmafernseher bedeckte die Hälfte einer Wand, und davor auf einer Matte versuchte eine verschwitzte Willa in Shorts und Sport-BH, den Anweisungen eines Tae-Bo-Lehrers zu folgen. Kick, Punch, Sidekick …

Rob lächelte. Willa hatte das Koordinationsvermögen einer neugeborenen Giraffe.

Er schaute sich um, fand die Anlage und drückte den Ausknopf. Willa wirbelte herum. Sie sah ihn, schrie auf und hob instinktiv eine Hantel über ihren Kopf.

Rob grinste und hob die Hände. „Entspann dich, Wills, ich bin’s.“

Willa senkte die Hantel und funkelte ihn an. „Vielen Dank auch, du hast mich gerade zehn Jahre meines Lebens gekostet. Kommst du immer einfach in Häuser und erschrickst Menschen?“

„Ich wäre nicht reingekommen, wenn du die Haustür nicht unverschlossen gelassen hättest. Das ist dumm.“

„Oh, du betrittst also nicht nur einfach Häuser, du nennst ihre Bewohner dann auch noch dumm.“

Er nickte bedauernd. „Tut mir leid. Fangen wir noch mal an. Hi, wie geht es dir?“

Sie seufzte kurz. „Selber hi.“ Sie fuhr sich mit der Hand über die Stirn und verzog das Gesicht. „Igitt. Tut mir leid … ich bin ein wenig verschwitzt.“

„Gegen ein bisschen Schweiß ist nichts einzuwenden.“ Er schaute sich noch einmal um. „Das ist beeindruckend, Willa. Hast du das alles gekauft?“

Willa nahm sich ein Handtuch und trocknete sich Gesicht und Hals ab. „Nein, das gehörte zum Haus. Wayne hat das Haus und alles darin kurz vor unserer Scheidung bei einer Auktion erstanden. Er hat mich hierher verfrachtet, bis die Scheidung durch ist. Dann habe ich Kate als Anwältin engagiert, und sie meinte, ich sollte es als Entschuldigung für seine Ehebrüche behalten.“

„Das nenne ich mal eine Entschuldigung …“ Rob inspizierte eine nie benutzte Rudermaschine. „Also nutzt du das alles gar nicht?“

„Es schüchtert mich total ein.“ Willa ging zu einem kleinen Kühlschrank und nahm sich eine Flasche Wasser.

Als sie ihm auch eine anbot, nickte er und fing sie mit einer Hand auf. Nachdem sie ihre Flasche in einem Zug zur Hälfte geleert hatte, nickte sie zu dem Trainer auf dem großen Bildschirm.

„Ich halte mich an TaeBo und Pilates. Und ich laufe.“

„Ich könnte dir zeigen, wie du die Geräte richtig benutzt, wenn du willst“, schlug Rob vor. Er drückte einen Knopf an einem Laufband und stieß einen beeindruckten Pfiff aus. Es war das Neuste vom Neuesten und auch noch unbenutzt. Was für eine Verschwendung.

Willa kehrte zu ihrer Matte zurück und setzte sich. „Bist du immer schon sportlich gewesen?“, fragte sie. „Hast du deshalb deine Firma?“

Rob sah sie kurz an und wollte ihr schon seine klassische Antwort geben – dass er schon immer gerne Sport getrieben hatte und in die Fitnessindustrie zu gehen nur die logische Entwicklung gewesen war. Aber das war nicht alles. Ja, er war sportlich. Aber das Studio von seinem Onkel Sid – diese nach Männerschweiß riechende Umgebung – war nach dem Tod seines Vaters sein Zufluchtsort gewesen.

„Mein Dad ist gestorben, als ich sechzehn war. Ich bin immer mit ihm zusammen in das Studio meines Onkels gegangen. Und dort habe ich mich auch nach seinem Tod immer noch mit meinem Dad verbunden gefühlt.“

Nachdem seine Mum sich von Stefan getrennt und Rob daraufhin seine Fähigkeit zu vertrauen, verloren hatte, war Sport der einzige Weg gewesen, die Dämonen aus Schuld und Bedauern in Schach zu halten.

„Mein Onkel Sid wollte sich zur Ruhe setzen, und als sich die Gelegenheit bot, habe ich ihm zusammen mit seinem Sohn Patrick das Studio abgekauft.“

Drei Jahre später hatten er und Patrick eine Kette aus Läden für Fitnessgeräte und Sportbekleidung und eine Handvoll Fitnesscenter für Männer. Jetzt, zehn Jahre später, expandierten sie nach Australien.

„Ich glaube immer noch nicht, dass es eine gute Idee ist, auf dem heutigen Markt noch ein neues Fitnesscenter zu eröffnen“, sagte Willa.

„Uns geht es nicht um Bodybuilder oder Leute, die Sport nur wegen ihres Aussehens betreiben. Wir richten uns an echte Sportler. Wir haben Personal Trainer, die spezielle Trainingspläne ausarbeiten, dazu Physiotherapeuten und Ernährungsberater.“

Er sah, wie die Rädchen sich in Willas Kopf drehten. „Das hört sich teuer an.“

„Das ist es auch, aber aus der Marktforschung weiß ich, dass es viele Menschen und Organisationen gibt, die gewillt sind, den Preis zu bezahlen. Da klafft noch eine riesige Lücke im Markt, und ich habe vor, sie zu füllen.“

„Du klingst sehr zuversichtlich.“ Willa begann mit dem Stretching, um ihre Muskeln zu lockern.

Sie hob die Arme über den Kopf, und ihre Nippel drückten sich gegen den Stoff ihres Sport-BHs. Sein Mund wurde ganz trocken und seine Shorts spannten.

„Ich bin auch zuversichtlich … Wenn wir es schaffen, den ganzen Papierkram zu bewältigen, der nötig ist, um als Ausländer eine Firma in deinem Land zu eröffnen.“

Willas Miene hellte sich auf. „Damit könnte ich dir helfen.“

„Ja …“ Tut mir leid, meine Hübsche, aber ich lege mein brandneues Geschäft nicht in die Hände von jemandem, der zwar einen Abschluss, aber keine Erfahrung hat, dachte er.

„Patrick, mein Cousin, ist Buchhalter. Er begleitet mich und kümmert sich um alles.“

„Okay.“ Als Willa aufstand, blitzte kurz ein schmerzvoller Ausdruck in ihren Augen auf.

Rob fühlte sich, als hätte er ein Kätzchen getreten, und war sich nicht sicher, warum. Sanft hakte er sein Bein hinter ihren Unterschenkel, sodass sie wieder auf die Matte zurückfiel. Sie landete auf dem Rücken, so wie er es beabsichtigt hatte, und innerhalb von Sekunden stützte er sich über sie, die Hände neben ihrem Gesicht auf den Boden gestemmt.

Mit seinen Lippen strich er über ihre und lächelte. „Hast du Lust?“

Er sah, wie sie nach Luft schnappte und ihre Wangen rot wurden. In ihren Augen leuchtete pures Verlangen auf, als sie ihre Hände unter sein T-Shirt und über seine Bauchmuskeln gleiten ließ.

„Ich bin ganz verschwitzt“, protestierte sie wenig überzeugend.

„Schweiß ist mein Job.“ Er grinste. „Und Honey, du wirst gleich noch viel verschwitzter sein.“

5. KAPITEL

Willa und Rob saßen bei Sonnenuntergang auf dem Pier unterhalb ihres Hauses. Seine Füße baumelten im warmen Wasser der Parsley Bay. Willa lag auf dem Rücken, den Kopf in seinen Schoß gebettet.

Sie schaute zu ihm auf. Seine Augen wurden von seiner Sonnenbrille verborgen, aber das Testosteron strömte nur so aus ihm heraus. Und es war nicht nur sein harter, muskulöser Körper, der vor Männlichkeit nur so strotzte – es war auch seine Haltung, die jede Frau vor Sehnsucht schmelzen ließ und Männer verunsicherte.

Und trotzdem war er immer noch ein Fremder für sie. Es war seltsam, dass er ihren Körper so gut kannte, und sie seinen, und sie doch kaum etwas über sein Leben wusste.

„Wo in Südafrika wohnst du?“

Autor

Joss Wood
Schon mit acht Jahren schrieb Joss Wood ihr erstes Buch und hat danach eigentlich nie mehr damit aufgehört. Der Leidenschaft, die sie verspürt, wenn sie ihre Geschichten schwarz auf weiß entstehen lässt, kommt nur ihre Liebe zum Lesen gleich. Und ihre Freude an Reisen, auf denen sie, mit dem Rucksack...
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Stefanie London stammt ursprünglich aus Australien. Mittlerweile lebt sie allerdings mit ihrem ganz eigenen Helden in Toronto und liebt es, die Welt zu bereisen. Bei jeder Gelegenheit frönt sie ihrer Leidenschaft für Lippenstift, guten Kaffee, Bücher, und alles was mit Zombies zu tun hat.
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