Texas Cattleman Club: Millionaire's of Maverick County

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DIE FLAMMEN DER LEIDENSCHAFT
Mit scharfem Verstand, kompromisslos und erfolgreich führt Lance Brody sein Ölunternehmen. Doch als er aus Washington zurückkommt, geht in der Firma alles drunter und drüber. Nicht nur, dass in der Raffinerie ein Feuer ausgebrochen ist - seine verschwiegene Assistentin Kate schürt plötzlich heiße Flammen der Leidenschaft in ihm! Neue Frisur, Make-up und dieser aufregende kurze Rock, der ihre langen Beine betont … Kate ist umwerfend attraktiv! Warum ist ihm das vorher nie aufgefallen? Und wieso musste er sich bloß vor ein paar Tagen mit der Tochter des Senators verloben?

DEINE KÜSSE VERZAUBERN MICH!
Diese Stadt ist zu klein! Seufzend klappt Summer den Ordner zu. Warum musste der neue Job sie ausgerechnet hierher verschlagen? Sieben Jahre lang hat sie versucht, Darius zu vergessen. Und nun läuft sie dem sexy Ex-Polizisten, der ihr einst das Leben rettete, immer wieder über den Weg. Vor allem muss sie ständig daran denken, wie ungestüm Darius sie damals geküsst und welch ungezügeltes Verlangen er in ihr geweckt hat - bevor er einfach so gegangen ist! Aber auch wenn sie sich unwiderstehlich zu ihm hingezogen fühlt, gibt Summer ihm keine zweite Chance. Oder?

TAGE DER RACHE, NÄCHTE DER ZÄRTLICHKEIT
"Cara." Kevin Novak zwingt sich zu lächeln. Von einem Tag auf den anderen hatte sie ihn vor vier Jahren verlassen. Den tiefen Schmerz spürt Kevin jetzt noch. Und trotzdem knistert es immer noch so heiß zwischen ihnen, dass er den Blick nicht von ihr lösen kann … Cara will also, dass er die Scheidungspapiere unterzeichnet? Gut, das kann sie haben. Allerdings nur, wenn sie vorher eine Woche lang das Bett mit ihm teilt! Er will Cara verführen und dann eiskalt fallen lassen. Ein perfekter Racheplan - jedenfalls solange Kevin seine wahren Gefühle im Zaum halten kann!

VIEL MEHR, ALS DU DENKST!
Oh nein! Sein Bruder hat die Hochzeit abgesagt und Senatorentochter Lexi Cavanaugh sitzen gelassen! Mitch Brody ahnt, was das bedeutet: Der Senator ist wütend und muss besänftigt werden, bevor er noch Brody Oil and Gas zerstört. Mitch hat die rettende Idee: Er wird selbst in den sauren Apfel beißen und Lexi heiraten. Allerdings ist sie für ihn viel eher eine süße, verbotene Frucht, die er schon einmal gekostet hat. Und Mitch erliegt dem heißen Knistern - auch wenn Lexi damals nur mit ihm gespielt hat … Oder empfindet die kühle Blondine doch mehr für ihn als bloßes Verlangen?

HEISS VERFÜHRT - EISKALT BETROGEN?
"Kann ich die Nacht bei dir verbringen?" Nach dem Brandanschlag ist Alicia auf der Ranch nicht mehr sicher. Zum Glück bietet Rick ihr seine Hilfe an und lädt Alicia in seine luxuriöse Hotelsuite ein - nur zu ihrem Schutz, wie er lachend betont. Doch an diesem Abend verliert Alicia sich im Zauber des Moments. Sie trinken Champagner, küssen einander ungestüm, lieben sich zärtlich … Es ist wie ein sinnlicher Traum - bis Alicia erfährt, wer ihr Geliebter wirklich ist: Justin Dupree, ein berüchtigter Playboy und Feind ihres Bruders! Hat er sie aus purer Berechnung verführt?

ATEMLOS VOR VERLANGEN
"Das war ja klar." Rebecca Huntington hatte es ja gewusst. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie Alejandro Montoya über den Weg laufen musste. Wie gebannt betrachtet sie ihn, und die verzehrende Sehnsucht überwältigt sie. Vor Jahren hatten sie einander geliebt, als gäbe es nur sie und ihre grenzenlose Lust … Jetzt behauptet Alejandro kühn, ihr Vater habe Gelder veruntreut! Wenn das wahr ist … Rebecca will verhindern, dass Alejandro sich an ihrer Familie rächt. Deshalb nimmt sie den Job als seine Haushälterin an. Aber in seiner Nähe schlägt ihr Herz immer noch höher …


  • Erscheinungstag 08.07.2015
  • ISBN / Artikelnummer 9783733772703
  • Seitenanzahl 864
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Cover

Katherine Garbera, Brenda Jackson, Charlene Sands, Michelle Celmer, Jennifer Lewis, Day Leclaire

Texas Cattleman Club: Millionaire's of Maverick County

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IMPRESSUM

BACCARA erscheint 14-täglich im CORA Verlag GmbH & Co. KG,

20350 Hamburg, Axel-Springer-Platz 1

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Geschäftsführung:

Thomas Beckmann

Redaktionsleitung:

Claudia Wuttke (v. i. S. d. P.)

Cheflektorat:

Ilse Bröhl

Lektorat/Textredaktion:

Daniela Peter

Produktion:

Christel Borges, Bettina Schult

Grafik:

Deborah Kuschel (Art Director), Birgit Tonn,

Marina Grothues (Foto)

Vertrieb:

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Telefon 040/347-29277

Anzeigen:

Christian Durbahn

Es gilt die aktuelle Anzeigenpreisliste.

© 2009 by Harlequin Books S.A.

Originaltitel: „Taming the Texas Tycoon“

erschienen bei: Silhouette Books, Toronto

in der Reihe: DESIRE

Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

© Deutsche Erstausgabe in der Reihe: BACCARA

Band 1619 (14/2) 2010 by CORA Verlag GmbH & Co. KG, Hamburg

Übersetzung: Ute Launert

Fotos: Harlequin Books S.A.

Veröffentlicht im ePub Format im 07/2010 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

ISBN-13: 978-3-942031-62-2

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

BACCARA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Führung in Lesezirkeln nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlages. Für unaufgefordert eingesandte Manuskripte übernimmt der Verlag keine Haftung. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Satz und Druck: GGP Media GmbH, Pößneck

Printed in Germany

Aus Liebe zur Umwelt: Für CORA-Romanhefte wird ausschließlich 100% umweltfreundliches Papier mit einem hohen Anteil Altpapier verwendet.

Der Verkaufspreis dieses Bandes versteht sich einschließlich der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:

BIANCA, JULIA, ROMANA, HISTORICAL, MYLADY, MYSTERY,

TIFFANY HOT & SEXY, TIFFANY SEXY

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Katherine Garbera

Die Flammen der Leidenschaft

1. KAPITEL

„Brody Oil and Gas, Sie sprechen mit Kate“, sprach Kate Thornton ihren Begrüßungstext in den Telefonhörer, wie sie es täglich ungefähr fünfzig Mal tat.

„Hallo Katie-Girl, irgendwelche Feuer, die ich löschen muss?“, fragte Lance Brody am anderen Ende der Leitung.

„Hi Lance, wie war es in Washington DC?“, erkundigte Kate sich, während sie die Notizen auf dem Schreibtisch überflog. Ihr Chef war alles, was sie sich von einem Mann erträumte, zu ihrem großen Bedauern hatte er allerdings nie mehr in ihr als seine höchst zuverlässige persönliche Assistentin gesehen. Das war natürlich toll – wirklich. Schließlich war es auch das, wofür sie bezahlt wurde.

Kate hatte bei Brody Oil and Gas angefangen, kurz nachdem Lance und sein Bruder Mitch die erfolglose Raffinerie vor fünf Jahren übernommen hatten. Mittlerweile war es den beiden Brüdern gelungen, das Ruder herumzureißen und sogar Mitglieder des berühmten und angesehenen Texas Cattleman’s Club zu werden.

„In Washington war es heiß, und die Konferenzen waren endlos lang“, erwiderte Lance. „Gibt es neue Nachrichten für mich?“

„Ja, zwei. Sie sind zwar nicht besonders dringend, aber vielleicht möchten Sie sich ja trotzdem darum kümmern, bevor Sie wieder im Büro sind. Sebastian Huntington wollte etwas mit Ihnen wegen des TCC Geschäftes besprechen. Brauchen Sie seine Nummer?“

„Nein, die habe ich. Und die andere Nachricht?“

„Die ist von einer gewissen Lexi Cavanaugh. Mit dem Namen wusste ich nichts anzufangen, aber sie möchte, dass Sie sich bei ihr melden, sobald Sie wieder gelandet sind.“

„Das ist meine Verlobte“, erklärte Lance.

Kate erstarrte. Sie hörte zwar, dass Lance weitersprach, verstand aber nicht, was er sagte, weil es in ihren Ohren so laut rauschte. Seit Jahren war sie heimlich in diesen Mann verliebt, und jetzt fiel ihm nichts Besseres ein, als sich mit einer Frau zu verloben, deren Namen sie nie zuvor gehört hatte!

„Katie-Girl, sind Sie noch da?“, erkundigte Lance sich.

„Ja“, entgegnete sie. „Klar bin ich noch da. Das waren alle Nachrichten. Wann werden Sie im Büro sein?“

„Ich bin schon auf dem Weg, aber der Verkehr auf dem Highway 45 ist ziemlich dicht. Eine Sache noch“, fügte er hinzu.

Bitte mach, dass er mich nicht darum bittet, seine Verlobungsfeier zu organisieren, flehte sie im Stillen.

„Rufen Sie noch mal bei dem Caterer wegen des Barbecues am vierten Juli an? Wir wollen doch nicht, dass ausgerechnet am Unabhängigkeitstag irgendwas schiefgeht. Diese Party soll ein noch größerer Erfolg werden als die vom letzten Jahr.“

„Kein Problem“, krächzte Kate in den Hörer. Sie hatte keine Ahnung, wie sie in Zukunft täglich mit Lance zusammenarbeiten sollte, jetzt da sie wusste, dass sein Herz einer anderen Frau gehörte.

„Da ist jemand in der anderen Leitung“, log sie, um einen Vorwand zu haben, das Telefonat mit ihrem Chef möglichst schnell zu beenden.

„Okay, bis später dann“, hörte sie Lance sagen.

Nachdem Kate aufgelegt hatte, starrte sie auf den Computermonitor. Ihr Hintergrundbild war ein Foto, das sie, Lance und Mitch zeigte. Es war im Februar aufgenommen worden, unmittelbar nachdem die beiden Brüder von ihrer Aufnahme in den Millionärsclub erfahren hatten. Kate hatte eine Flasche Champagner gekauft, und sie hatten gemeinsam auf den Erfolg der Brodys angestoßen.

Damals war es in Ordnung für sie gewesen, dass Lance und Mitch in Kate lediglich ihre Assistentin gesehen hatten. Im Stillen hatte sie allerdings gehofft, dass Lance eines Tages ihre weibliche Seite, die sie hinter der Hornbrille und den weiten Pullovern verbarg, entdecken würde.

Leider war das aber nie passiert.

Sie beugte sich vor, um das Foto näher zu betrachten und musste sich eingestehen, dass sie selbst vielleicht nicht ganz unschuldig daran war. Ihr dichtes Haar hatte sie zu einem nachlässigen Zopf geflochten, und ihre Brille war, streng genommen, ein wenig zu groß für ihr Gesicht. Im vergangenen Jahr hatte sie enorm viel Gewicht verloren – über fünfunddreißig Kilogramm – und sich bisher nicht darum gekümmert, eine neue Brille für ihr nun schmaleres Gesicht zu kaufen. Auch ihre Kleidung war immer noch dieselbe wie vor ihrer Diät. Mittlerweile war sie nicht nur zu groß für sie, sondern auch etwas verblichen. Auf andere musste sie wie eine alte Jungfer wirken. Dabei war das nicht immer so gewesen. Während ihrer Kindheit und Jugend, die sie in Somerset, einem reichen Vorort von Houston verbracht hatte, war ihr schnell klar geworden, wie viel Wert man auf sein Äußeres legen musste, um die Aufmerksamkeit eines Mannes zu erregen. Allerdings hatte ihr Übergewicht dazu geführt, dass alles, was sie trug, irgendwie unschön an ihr aussah – und so hatte sie schließlich alle Versuche in diese Richtung aufgegeben.

Sie strich über Lance’ Gesicht auf dem Monitor und versuchte sich einzureden, dass es okay für sie war, dass er demnächst heiraten würde. Dass sie hier im Büro bleiben und weiterhin für die Liebe ihres Lebens arbeiten würde, während Lance sein eigenes Leben mit einer anderen Frau führte.

Aber sie wusste, dass sie das nicht konnte. Es gab nur einen Weg für sie, mit ihrem Leben glücklich zu sein – sie musste die Kontrolle darüber erlangen. Genauso, wie sie ihre Esslust unter Kontrolle gebracht und angefangen hatte, einen gesünderen Lebensstil zu verfolgen. Es gab nur einen einzigen Ausweg: Sie würde ihren Job bei Brody Oil and Gas kündigen.

Lance war nicht unbedingt in der besten Laune, wenn man bedachte, dass er sich gerade erst verlobt hatte. Für die meisten Männer wäre das ein Anlass zur Freude gewesen. Doch Lance heiratete nicht aus Liebe, sondern um die Zukunft von Brody Oil and Gas zu sichern. Als er und Mitch noch Kinder waren, wurden sie Zeugen des langsamen Niedergangs der Firma und schließlich auch der Träume ihres Vaters.

Doch dank Mitchs überlegter finanzieller Entscheidungen und Lance’ Fachwissen war es ihnen gelungen, das Ruder bei Brody Oil and Gas wieder herumzureißen.

Es war schon beinahe unheimlich, was für ein Glück sie bei der Entdeckung neuer Mineralvorkommen und ertragreicher Ölquellen hatten.

Lance war froh darüber, wieder zurück in Houston zu sein. Er hasste es, nicht in der Stadt zu sein, denn er mochte sein Leben hier, so wie es war. Er mochte die Gesellschaft seiner raubeinigen Ölarbeiter, er mochte die angenehme Nähe von Kate, und die Firma war wie ein Zuhause für ihn, wie er es bisher nirgendwo sonst gefunden hatte.

Nur wenige Menschen wussten, dass ihr alter Herr sein Vermögen versoffen hatte. Unter seiner daher rührenden Wut hatten besonders seine beiden Söhne zu leiden gehabt.

Nachdenklich rieb Lance sich den Nacken, als er den Truck in die Parklücke vor dem Firmensitz von Brody Oil and Gas manövrierte. Als er gerade aus dem Wagen ausstieg, klingelte sein Handy. Ein Blick auf das Display verriet ihm, dass es sein Bruder war.

„Hi Mitch! Was gibt’s?“, fragte er.

„Ich bleibe noch etwas länger in Washington. Wir wollen noch ein paar Einzelheiten wegen des Vertrages klären, der durch eure Verlobung zustande kommt“, erklärte sein Bruder.

„Okay. Bist du am Vierten wieder hier?“

„Klar.“

„Ich habe Lexi auch eingeladen, damit sie alle in der Firma kennenlernt“, sagte Lance.

„Gute Idee.“

„Du kennst meine zukünftige Frau wohl besser als ich“, fügte Lance hinzu. „Ich habe vor, ihr ein kleines Geschenk zu machen – sozusagen als Dankeschön dafür, dass sie in die Hochzeit eingewilligt hat. Soll ich Kate fragen, oder fällt dir was Passendes ein?“

Als sein Bruder daraufhin nicht antwortete, warf Lance einen prüfenden Blick auf das Display, weil er befürchtete, dass die Verbindung unterbrochen worden war – was allerdings nicht der Fall war.

„Na, wie auch immer, wenn du eine Idee hast, schick mir eine Mail, okay?“, schlug Lance schließlich vor.

„In Ordnung. Sag mal, wann willst du eigentlich Kate von deiner Verlobung erzählen?“

„Schon erledigt“, erwiderte Lance, während er auf das Firmengebäude zuging. „Warum fragst du?“

„Ach, einfach nur so“, antwortete Mitch.

„Meinst du, ich hätte lieber damit warten sollen, bis ich es in der ganzen Firma bekannt gebe?“, fragte Lance nach.

„Nein“, meinte sein Bruder. „Wir haben zu ihr ja ein anderes Verhältnis als zu unseren anderen Angestellten.“

„Stimmt. Was denkst du, soll ich Senator Cavanaugh anrufen, um mit ihm alles zu klären?“

„Das mache ich schon“, sagte Mitch. „Tu einfach das, was du sonst auch so machst.“

„Und das wäre?“, wollte Lance wissen.

„Malochen“, erwiderte sein Bruder.

Lance lächelte. Seit ihrer Kindheit war es immer Mitch gewesen, der für die Kopfarbeit zuständig gewesen war. Er selbst, Lance, hatte sich dagegen immer um die harte körperliche Arbeit und das Verhältnis zu den Angestellten gekümmert. Die beiden Brüder waren schon immer auf sich allein gestellt gewesen, ihre Eltern waren immer irgendwie mehr mit sich selbst beschäftigt.

„Klar, mach ich. Sehen wir uns Donnerstag?“

„Auf jeden Fall“, bestätigte Mitch.

Als er das Gebäude betrat, umfing ihn die kühle Luft der Klimaanlage. Jedes Mal, bevor er das Büro betrat, verharrte er einen Augenblick, als könnte er immer noch nicht so recht glauben, wie es seinem Bruder und ihm gelungen war, aus der heruntergewirtschafteten Firma wieder ein florierendes Unternehmen zu machen. In der Lobby warteten eine Menge Leute darauf, dass ihre Meetings begannen. Das Firmengebäude wurde außerdem von einem großen Stab von Sicherheitsleuten bewacht.

„Guten Tag, Mr. Brody“, grüßte ihn einer von ihnen.

„Guten Tag, Stan. Wie geht’s?“

„Gut, Sir. Schön, dass Sie wieder in Houston sind“, erwiderte Stan.

Lance nickte dem Mann zu, während er zum Fahrstuhl ging, der ihn in die Chefetage brachte. Auf der kurzen Fahrt wurde ihm bewusst, wie sehr er darauf brannte, sich wieder an die Arbeit zu machen. Washington DC war eine vollkommen andere Welt, in die er nicht so recht zu passen schien. Hier bei Brody Oil and Gas war alles anders: Er passte nicht nur hierher, er fühlte sich wie in seinem Königreich.

Als er sein Büro betrat, warf Kate ihm einen flüchtigen Blick zu. Seltsamerweise fiel ihr Begrüßungslächeln heute nicht ganz so herzlich wie sonst aus.

„Willkommen daheim, Lance. Steve aus der Finanzabteilung möchte Sie heute irgendwann einmal kurz sprechen. Ich habe ihm gesagt, dass ich Sie erst fragen würde.“

„Kein Problem. Ich habe diesen Nachmittag keinen Termin.“

„Gut, dann kümmere ich mich darum.“

„Noch irgendwas, was ich wissen sollte?“

Kopfschüttelnd verneinte sie dies, und eine Strähne ihres dicken, dunklen Haars fiel ihr dabei ins Gesicht. Als sie zu ihm hochsah, schienen ihre schokoladenbraunen Augen noch größer als gewöhnlich. Er hatte sich schon ein paar Mal dabei erwischt, wie er sie fasziniert betrachtet hatte. Aber an so etwas brauchte er bei ihr gr nicht zu denken. Kate war nicht der Typ Frau, der sich auf eine Affäre einließ. Und Affären waren nun mal das Einzige, was er von Frauen gewollt hatte – bis zu seiner Verlobung, versteht sich. Er war kein Mann, der eine Frau heiratete, wenn er etwas für sie empfand. Am Beispiel seines Vaters hatte er gesehen, dass die männlichen Brodys kein allzu glückliches Händchen mit dem weiblichen Geschlecht hatten. Sie erwarteten von ihren Geliebten vollkommene Hingabe – oder sie wurden hoffnungslos eifersüchtig. Lance selbst hatte diese Erfahrung als Achtzehnjähriger mit April, seiner Freundin auf der Highschool, gemacht.

„Lance?“ Kates Stimme riss ihn aus seinen Gedanken.

„Hm?“

„Haben Sie gehört, was ich eben gesagt habe?“

„Nein“, gestand er kopfschüttelnd. „Ich bin in Gedanken noch bei der Reise nach Washington gewesen.“

Kate biss sich auf die Lippen und senkte den Blick.

„Was ist denn, Katie-Girl, liegt Ihnen was auf dem Herzen?“

„Ja“, bestätigte seine Assistentin. „Kann ich ein paar Minuten mit Ihnen in Ihrem Büro sprechen?“

„Klar“, entgegnete er. „Wann? Jetzt gleich?“

„Ja, je früher, desto besser, denke ich.“

„Kommen Sie rein“, forderte er sie auf.

Sie stand auf und nahm noch etwas aus dem Drucker, bevor sie vor ihm in sein Büro ging. Lance konnte nicht umhin, ihren Hüftschwung zu bewundern. Auch entging ihm nicht, wie ihr langer Rock ihre Waden umspielte. Warum fiel ihm gerade jetzt auf, dass sich unter all diesen hässlichen Klamotten eine so hübsche Frau verbarg?

Kate war schon viele Male in Lance’ Büro gewesen, doch heute war sie nervös und fühlte sich unbehaglich. Sie war fest entschlossen zu kündigen und würde ihre Meinung auf gar keinen Fall ändern.

Na ja, so ganz stimmte das nicht, denn eigentlich schwankte sie zwischen der Entscheidung, wirklich ein für alle Mal zu gehen und der Möglichkeit, doch zu bleiben, um Lance wenigstens weiterhin so wie bisher jeden Tag sehen zu können.

Doch war nicht einer ihrer Gründe für ihre Gewichtsabnahme gewesen, dass sie es leid war, immer nur anderen dabei zuzusehen, wie sie ihr Leben lebten und glücklich wurden, nur um dann abends allein in ihr leeres Houstoner Reihenhäuschen zurückzukehren?

Die Einsamkeit hatte ihr schließlich so zugesetzt, dass sie ernsthaft überlegt hatte, sich eine Katze anzuschaffen. Doch den Gedanken hatte sie schnell wieder fallen lassen. Sie wollte schließlich nicht so enden wie ihre Großtante Jean – eine unverheiratete Frau, über die sich in Kates Jugendzeit immer alle gern lustig gemacht hatten.

„Worüber wollen Sie denn reden?“, unterbrach Lance’ Stimme ihre trüben Gedanken. Er lehnte lässig an seinem Schreibtisch und streckte seine langen Beine aus.

Für eine Weile starrte sie ihn nur wortlos an. Wie sollte sie jemals über ihn hinwegkommen?

„Ich habe über meinen Job nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich … dass ich mir eine neue Herausforderung außerhalb von Brody Oil and Gas suchen sollte“, erklärte sie zögernd.

„Was?“ Lance sprang auf. „Warum ausgerechnet jetzt? Wir brauchen Sie, Katie-Girl!“

Katie-Girl … Wenn er sie so nannte, kam sie sich wie eine Fünfjährige vor. Was für ein alberner Spitzname. Aber das hatte sie sich selbst zuzuschreiben. Schließlich hatte sie sich nie dagegen gewehrt, dass er sie so nannte. Stattdessen hatte sie sich damit zufriedengegeben, auf diese Weise wenigstens ein bisschen Aufmerksamkeit vom Mann ihrer Träume zu bekommen.

„Das ist es ja gerade, Lance. Sie brauchen mich nicht wirklich. Als Sie mich eingestellt haben, ja, das war etwas anderes. Jetzt könnte meine Arbeit von jedem qualifizierten Büroleiter übernommen werden. Das wissen Sie genauso gut wie ich.“

„Das war aber schon die letzten zwei Jahre der Fall. Warum wollen Sie uns ausgerechnet jetzt verlassen?“

Verlegen zuckte sie mit den Schultern, denn sie hatte nicht ernsthaft damit gerechnet, dass Lance sich für ihre Beweggründe interessieren würde. „Es scheint einfach eine gute Gelegenheit zu sein, sich zu verändern. Hier läuft alles bestens, Sie sind verlobt, und Mitch verbringt immer mehr Zeit in Washington. Jemand Neuem wird es nicht besonders schwerfallen, sich hier einzugewöhnen.“

Er rieb seinen Nacken. „Was ist los, Katie? Habe ich irgendwas falsch gemacht?“

„Nein, natürlich nicht. Es liegt an mir, Lance. Ich bin hier schon so lange, weil es so bequem für mich ist. Aber so kann man sich beruflich einfach nicht weiterentwickeln.“

„Darum geht es also? Das ist doch kein Problem, dann befördern wir Sie einfach“, erwiderte er.

„Vielen Dank für das Angebot, aber ich kann es nicht annehmen“, lehnte sie ab. „Es ist endlich an der Zeit für mich, mir eine neue Herausforderung zu suchen.“

Natürlich war Kate versucht, zu allem, was Lance vorschlug, Ja und Amen zu sagen – aber sie durfte nicht vergessen, dass er bald ein verheirateter Mann sein würde. Wenn sie dann immer noch hier war … das wäre das Dümmste, was sie tun konnte.

„Bleiben Sie wenigstens so lange, bis ich eine Nachfolgerin für Sie habe?“, erkundigte Lance sich.

Weil es nur fair war, das zu tun, stimmte sie zu. „Natürlich, keine Frage.“

„Danke, dass Sie das machen.“

„Hier ist übrigens meine Kündigung. Ich bin dann wieder an meinem Schreibtisch, falls noch irgendwas sein sollte.“

Als sie sich umdrehte, um das Büro zu verlassen, kam sie sich vor, als würde sie davonrennen. Vielleicht sollte sie doch bei Brody Oil and Gas bleiben und versuchen, das Verhältnis zwischen ihr und Lance zu ändern. Aber wie sollte sie das bloß anstellen?

Nachdem Lance ihr von der Verlobung mit Lexi Cavanaugh erzählt hatte, hatte Katie den Namen gegoogelt und einiges über sie herausgefunden. Mit einer Frau wie Lexi würde sie es niemals aufnehmen können.

„Kate?“

„Ja, Lance?“

„Ich hätte gerne eine Torte anlässlich meiner Verlobung mit Lexi bei unserem Fest am Unabhängigkeitstag. Könnten Sie bei einem Konditor eine in Auftrag geben?“

„Klar, mache ich“, erwiderte sie. Spätestens jetzt gab es keinen Zweifel mehr: Es war wirklich an der Zeit, Brody Oil and Gas zu verlassen. Plötzlich fiel ihr auf, dass sie sich mit Lance noch gar nicht weiter über ihre Kündigung unterhalten hatte.

„Ich bleibe noch zwei Wochen, okay?“, schlug sie vor.

„Aber vielleicht dauert es länger, bis ich einen Ersatz für Sie gefunden habe“, wandte er ein.

„Ich werde versuchen, innerhalb der nächsten zwei Wochen jemanden zu finden“, versicherte sie ihm.

„Habe ich Sie irgendwie verärgert, Katie? Sie wissen doch, manchmal verhalte ich mich wie ein ungehobelter Klotz“, sagte er lächelnd.

Mühsam widerstand sie der Versuchung, erneut seinem jungenhaften Charme zu erliegen, den er so mühelos hervorzaubern konnte, wenn er ihn brauchte. Das war es doch gerade, was sie an ihm so sehr mochte: Er hatte Ecken und Kanten und war nicht so ein durchgestylter Businesstyp wie sein jüngerer Bruder Mitch. Deshalb hatte sie sich in ihn verliebt. Im Grunde seines Herzens war Lance ein guter alter texanischer Junge, so wie es Kates Daddy und ihre Brüder waren. Genau der Typ Mann, der wusste, wie man eine Frau um den Finger wickelte.

Lance hatte sich nicht einmal besonders anstrengen müssen, um bei Kate zu landen. Jetzt wurde ihr allerdings schlagartig klar, dass er diesen Charme immer dann einsetzte, wenn es ihm nutzte.

Er gehörte zu dem ausgebufften Millionär genauso wie seine Tausend-Dollar-Cowboystiefel und die Millionenvilla, die er besaß. Es schien fast so etwas wie eine Strategie zu sein.

„Nein, Lance. Sie haben nichts anderes gemacht, als mich wie Ihre Sekretärin zu behandeln.“

„Ist das ein Problem für Sie?“, fragte er und warf ihr einen aufmerksamen Blick zu.

„Überhaupt nicht. Aber das ist alles, was ich für Sie bin, und ich möchte nun mal mehr.“

Mit diesen Worten verließ sie das Büro und zog die Tür hinter sich ins Schloss. Eigentlich hätte sie den ganzen Tag in der Firma bleiben müssen, aber sie hielt es nicht mehr aus, sie musste raus, weg von diesem Ort. Es war ihr auch egal, dass sie wie ein Feigling wirkte, der davonlief. Unten auf dem Parkplatz klappte sie das Verdeck ihres Roadsters nach unten, um aus Houston herauszufahren und Brody Oil and Gas hinter sich zu lassen. Sie wünschte nur, sie könnte ebenso einfach ihre Gefühle für Lance Brody im aufwirbelnden Staub hinter sich zurücklassen.

2. KAPITEL

Lance verschlug es die Sprache, weil Kate nicht einfach nur aus seinem Büro gegangen war, sondern gleich auch noch das Firmengebäude verlassen hatte. Irgendetwas war ihm wohl entgangen – nur was? Was hatte sie damit gemeint, mehr sein zu wollen als seine Sekrtärin?

Er wollte ihr folgen, wusste jedoch nicht, wohin sie gefahren sein könnte. Normalerweise war Kate immer schon im Büro, wenn er morgens kam und blieb, bis er wieder nach Hause fuhr. Wie sollte er bloß ohne sie zurechtkommen? Kate war mehr als nur seine Sekretärin – in seinem Büro war sie die wichtigste Person, sie war es, die dafür sorgte, das alles in geregelten Bahnen verlief – Lance mit eingeschlossen.

„Verdammt“, sagte er laut. Aber er wäre sicher nicht dort, wo er war, wenn er Vorfälle wie diese einfach auf sich beruhen lassen würde. Auf seinem Telefon drückte er die Kurzwahltaste mit Kates Handynummer.

„Ich kann jetzt nicht reden, Lance“, sagte sie kurz angebunden.

„Dann fahren Sie an den Straßenrand und benutzen Sie das Headset, das ich Ihnen gegeben habe. Sie können doch nicht einfach so wegfahren und dann erwarten, dass ich mich damit abfinde.“

„Warten Sie“, erwiderte sie, und er hörte, wie sie herumkramte und leise fluchte, bevor sie nach einer Weile wieder in der Leitung war. „Worüber möchten Sie mit mir reden?“

„Darüber, wie Sie eben von hier geflohen sind.“

„Es tut mir wirklich leid“, beteuerte sie. „Das war nicht sehr professionell, aber ich hätte heute sowieso nichts mehr auf die Reihe bekommen.“

„Okay, das versteh ich. Wollen Sie mir nicht erzählen, was mit Ihnen los ist?“

„Nein. Für Sie wäre es nur unangenehm, und ich würde mir vollkommen idiotisch vorkommen.“

Das hörte sich gar nicht gut an. „Kate, wenn ich irgendetwas gemacht haben sollte, bitte, sagen Sie’s einfach. Ich entschuldige mich, und wir können wieder weitermachen wie bisher.“

„Nein, das können wir bestimmt nicht“, entgegnete sie traurig. Er wünschte, sie würde ihm jetzt hier gegenübersitzen, sodass er ihren Gesichtsausdruck sehen könnte. Kate hatte die ausdrucksvollsten Augen, die er je bei einer Frau gesehen hatte.

„Ach, das können Sie doch gar nicht wissen, bevor wir miteinander geredet haben“, sagte Lance bestimmt. Er würde das Problem mit Kate aus der Welt schaffen – er konnte es sich einfach nicht leisten, sie zu verlieren. „Wo sind Sie jetzt gerade?“

„Auf der Autobahn Richtung Somerset.“

„Fahren Sie zu Ihren Eltern?“, erkundigte er sich. Immerhin wusste er, dass Kate in Somerset, einem wohlhabenden Vorort Houstons, aufgewachsen war. Er selbst besaß ein Haus dort.

„Ja, wahrscheinlich schon. Um ehrlich zu sein, seitdem ich aus der Firma raus bin, bin ich einfach nur gefahren, ohne richtig zu wissen, wohin.“

„Katie-Girl …“

„Bitte nennen Sie mich nicht so, Lance. Das hört sich so an, als wäre zwischen uns mehr als die Beziehung zwischen Chef und Sekretärin. Aber das ist nicht so.“

Zwischen zusammengebissenen Zähnen stieß er einen Fluch aus. „Aber wir haben doch eine Beziehung, Kate – wir sind Freunde, und das schon seit vielen Jahren.“

„Sind wir denn wirklich Freunde?“

„Natürlich! Wir sind sogar mehr als Freunde – Sie gehören zu Mitchs und meiner Familie. Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, was mein Bruder und ich ohne Sie machen sollen, Kate.“

„Kate?“, fragte er, als sie nicht reagierte.

„Ich möchte nicht mehr darüber sprechen, Lance. Wahrscheinlich sieht es aus, als ob … wie sieht es denn Ihrer Meinung nach aus?“

„Es sieht danach aus, als ob Sie wegen etwas, was ich gesagt habe, verärgert sind. Hören Sie, Kate, was immer es auch ist, ich werde es wieder geradebiegen. Das wissen Sie doch.“

„Nein, dieses Mal nicht.“

„Kate, nennen Sie mir ein Problem, das ich bisher nicht aus der Welt geschafft habe!“

„Lance …“ Allmählich wurde ihr Protest schwächer, genau wie er es sich gedacht hatte. Beharrlich ignorierte er das Klingeln in der anderen Leitung seines Telefons.

„Ja, Kate?“

„Ich weiß nicht, ob ich mit Ihnen darüber reden kann. Es ist mir peinlich, dass Sie eine so große Sache daraus machen“, sagte sie.

Was ihm zuerst an Kate aufgefallen war, war ihre Stimme, die immer sanft und angenehm klang – selbst, wenn sie wütend wurde. Was allerdings nur sehr selten vorkam.

„Warum kommen Sie nicht in die Firma zurück, und wir reden über alles?“, schlug Lance vor.

„Das können wir auch morgen noch machen. Ich muss erst einmal eine Nacht darüber schlafen, um wieder einen klaren Gedanken zu fassen.“

Lance war klar, dass er so schnell wie möglich mit Kate über ihr Problem sprechen musste. Sie würde problemlos einen anderen Job bekommen, in dem sie genauso viel verdiente wie bei Brody Oil and Gas – aber er brauchte sie.

In der anderen Leitung begann es wieder zu klingeln, und der Signalton seines Handys verriet ihm, dass er soeben eine Nachricht von Frank Japlin erhalten hatte, der ihre wichtigste Raffinerie leitete.

„Kate, könnten Sie eine Minute warten?“

„Wieso? Was ist los?“

„Ich muss einen Anruf von der Raffinerie entgegennehmen“, erklärte er.

„Okay“, versprach sie.

Er legte sie in die Warteschleife und nahm den anderen Anruf an. „Brody.“

„Frank hier. Es brennt in der Raffinerie, und ich glaube, Sie sollten so schnell wie möglich hierher kommen.“

„Haben Sie schon die Feuerwehr gerufen?“

„Gleich als Erstes. Aber so einen Brand wie den hier hatten wir noch nie.“

„Ich stecke hier gerade mitten in einem anderen Notfall“, betonte Lance.

„Das Feuer hat großen Schaden angerichtet. Und ich habe mitbekommen, dass die Sachverständigen glauben, dass es vielleicht keine natürliche Brandursache war“, erklärte Frank.

Na, ganz große Klasse, dachte Lance sarkastisch, das war ja genau das, was ihm heute noch gefehlt hatte. „Versuchen Sie, so viel wie möglich rauszufinden, Frank. Ich rufe in etwa fünfzehn Minuten wieder an.“

„Okay, Boss“, bestätigte der Leiter der Raffinerie und legte auf.

Besorgt rieb Lance sich den Nacken. Der Hurrikan im vergangenen Jahr hatte ihnen schon schwer genug zugesetzt. Da konnte er weitere Schäden durch das Feuer wirklich nicht gebrauchen.

Kate musste jetzt unbedingt wieder zurück auf ihren Posten – sie würde Lance dabei helfen, das Chaos wieder zu bereinigen. Die Presse musste benachrichtigt werden, außerdem die Familien der Arbeiter und die Versicherungsgesellschaft. Aber Kate war nicht mehr in der Leitung. Offenbar hatte sie einfach aufgelegt.

Der Tag lief bis jetzt richtig bescheiden.

Während Kate am Telefon darauf wartete, dass Lance wieder mit ihr sprach, wurde ihr plötzlich klar, dass sie in ihrem Leben schon zu viel Zeit mit Warten verbracht hatte. Lance war verlobt – und nichts, was er sagen oder tun konnte, würde sie dazu bringen, weiterhin bei Brody Oil and Gas zu bleiben. Also legte sie auf und fuhr weiter. Zwar war es bestimmt nicht die beste aller Ideen, ihre Familie zu besuchen. Ihre Mutter würde wieder predigen, dass es kein Wunder war, dass Kate noch immer Single war, wenn sie sich nicht schminkte und immer in diesen weiten Sachen herumlief. Wollte sie sich das wirklich antun?

Auf der anderen Seite wollte sie aber auch nicht den Abend allein bei sich zu Hause verbringen. Sie brauchte jetzt einen guten Rat – und den würde sie sicher bei ihrer besten Freundin Becca Huntington bekommen. Becca würde sie bedauern und in ihrer Entscheidung bestärken. Oder?

Sie wählte die Nummer von Beccas Dessousladen in Somerset, der den bezeichnenden Namen Sweet Nothings trug.

„Sweet Nothings. Hallo?“

„Becca, ich bin’s, Kate.“

„Hallo! Wie läuft es so in der großen Stadt?“, wollte Becca wissen.

„Furchtbar.“

„Was? Wieso?“

„Lance hat sich verlobt.“

Daraufhin sagte Becca erst einmal nichts. Na großartig, dachte Kate, jetzt glaubt sogar meine beste Freundin, dass ich die totale Verliererin bin.

„Oh, Schätzchen“, meldete Becca sich nach einer Weile. „Das tut mir ja so leid. Ich habe gar nicht gewusst, dass er sich regelmäßig mit jemandem trifft.“

„Das hat er auch nicht.“

„Bist du wirklich sicher, dass er verlobt ist? Lance scheint mir eigentlich nicht der Typ Mann zu sein, der sich so leichtfertig in eine Beziehung stürzt.“

Das stimmte – Lance war weder leichtfertig noch hatte er sich jemals auf eine ernsthafte Beziehung mit einer seiner zahlreichen Affären eingelassen. Bisher jedenfalls nicht.

„Wie heißt sie denn?“, wollte Becca wissen.

„Lexi Cavanaugh“, antwortete Kate.

„Etwa die Tochter von Senator Cavanaugh?“

„Ja, genau die.“

„Macht er das vielleicht aus politischen Gründen?“, fragte Becca.

„Ich weiß es nicht. Und es interessiert mich auch nicht mehr. Ich habe heute gekündigt“, teilte Kate ihr mit.

„Was hast du gemacht?“, erkundigte Becca sich ungläubig.

„Hätte ich das lieber nicht machen sollen? Ich bin so verwirrt, ich weiß einfach nicht mehr weiter“, gestand Kate. Sie hatte immer gehofft, dass Lance irgendwann bemerken würde, dass sie mehr für ihn empfand, aber seine Verlobung hatte all ihre Träume zerplatzen lassen.

„Vielleicht war es nicht ganz so schlau. Du hast immerhin die ganze Zeit für ihn geschwärmt“, räumte Becca ein.

Kate holte tief Luft. „Es ist mehr als das – ich liebe ihn.“

Zum ersten Mal hatte sie diese Worte laut ausgesprochen. Doch jetzt war es offensichtlich zu spät dafür.

„Oh, Kate“, seufzte Becca mitleidig.

„Ihm ist noch nicht einmal aufgefallen, dass ich eine Frau bin“, jammerte Kate.

„Das lässt sich ändern“, meinte ihre Freundin.

„Wie denn?“

„Komm zu mir in den Laden, und ich verpasse dir einen Imagewechsel.“

„Glaubst du, das ist so eine gute Idee? Weißt du noch, was beim letzten Mal passiert ist, als wir das versucht haben?“

Kate hatte sich mit dem Make-up und den Klamotten, die Becca ihr empfohlen hatte, so unwohl gefühlt, dass sie geradewegs nach Hause gefahren war, um das Zeug wieder loszuwerden. Ihre alten Sachen waren immer so eine Art Schutzschild für sie gewesen. Aber vielleicht war genau das der Fehler?

„Ich weiß einfach nicht, was ich tun soll“, sagte sie verzweifelt.

„Das kannst nur du allein entscheiden. Wenn ich an deiner Stelle wäre, würde ich mir eine neue Frisur verpassen lassen und ein paar neue Klamotten kaufen – und dann nach einer neuen großen Liebe Ausschau halten.“

„Ich muss aber noch zwei Wochen für Lance arbeiten“, gestand Kate.

„Warum das denn?“

„Na, ich konnte wohl schlecht kündigen und alles stehen und liegen lassen, oder?“, erklärte Kate.

„Um so besser“, erwiderte Becca. „Dann kannst du als Traumfrau im Büro aufkreuzen und danach einfach gehen. Das ist gut für dein Selbstwertgefühl, glaub mir.“

Würde sie sich wirklich besser fühlen, wenn sie zu Brody Oil and Gas zurückkehrte und mehr wie eine Frau und weniger wie die unscheinbare Assistentin aussah?

„Okay, ich komm rüber zu dir in den Laden“, entschied Kate.

„Schön, dann reden wir, wenn du hier bist. Ich stell schon mal den Weißwein kalt.“

„Danke, Becca.“

„Wofür denn?“

„Dafür, dass du da bist. Mir zuhörst. Und nicht denkst, dass ich total verrückt bin.“

„Warum sollte ich das? Ich war auch schon mal verliebt und weiß, wie das ist.“

Kate schluckte. „Ich aber nicht. Lance ist der erste Mann, für den ich so fühle.“

„Und in der Highschool? Warst du denn da nie verliebt?“, fragte Becca erstaunt.

„Ein, zwei Typen habe ich natürlich auch schon mal angehimmelt“, gestand Kate. Sie war froh darüber, eine Freundin wie Becca zu haben, der sie sich anvertrauen konnte. Seit ewigen Zeiten waren sie beide nun schon miteinander befreundet – Becca war immer wie eine Schwester für sie gewesen und hatte Kate stets so akzeptiert, wie sie war. Ganz anders sah es allerdings bei Kate zu Hause aus: Ihre Brüder neckten sie fortwährend, und ihre Mutter war sowieso nie einverstanden mit dem, was ihre Tochter machte. „Aber das war was anderes. Frag mich nicht, warum, aber Lance Brody war für mich schon immer jemand Besonderes.“

„Das weiß ich – ich habe noch nie jemanden so viel über einen anderen Menschen reden hören wie dich.“

„Gott, bin ich etwa eine Nervensäge?“, fragte Kate besorgt.

Als Becca laut loslachte, musste Kate lächeln.

„Quatsch, du bist keine Nervensäge – du bist verliebt. Es tut mir leid, dass er nicht der Mann zu sein scheint, für den du ihn gehalten hast“, beruhigte Becca ihre Freundin.

„Na ja, vielleicht ist er doch der Mann, aber eben nicht für mich.“

„Wahrscheinlich“, stimmte Becca ihr zu. „Wann bist du hier?“

„In etwa zwanzig Minuten. Ich bin einfach Hals über Kopf von der Arbeit weg, ohne etwas zu sagen.“

„Das hört sich ganz danach an, dass du jetzt für Neues offen bist“, meinte Becca.

„Wie kommst du darauf?“, fragte Kate erstaunt.

„Weil du endlich mal rebellierst.“

Darüber dachte Kate eine Weile nach, bevor sie antworte. „Ich glaube, du hast recht. Vielleicht hat Lance’ Verlobung ja auch was Gutes für mich.“

„Da würde ich drauf wetten. Auch wenn es hart ist, dass deine Liebe unerwidert bleibt, aber danach wirst du stärker sein.“

Nachdem Kate aufgelegt hatte, fuhr sie weiter Richtung Somerset, ohne an Lance oder Brody Oil and Gas zu denken. Stattdessen konzentrierte sie sich auf sich selbst und die neue Frau, die sie im Begriff war zu werden. Es war allerhöchste Zeit, dass sie sich endlich änderte.

Die Luft in der Raffinerie war heiß und hing voller Rauch. Es dauerte fast drei Stunden, bis die Feuerwehr den Brand unter Kontrolle bekommen hatte. Frank war damit beschäftigt, die Lokalpresse zu informieren, und Lance hinterließ seinem Bruder eine Nachricht auf seiner Mailbox.

Dann wandte er sich an Frank: „Was gibt es Neues?“

„Wir haben vier Verletzte.“

„Haben Sie bereits die Angehörigen informiert?“

„Natürlich. Sie sind jetzt im Krankenhaus in der Notaufnahme. JP hat mit den Angehörigen geredet und ihnen zugesagt, dass es keine Probleme mit der Krankenversicherung und so weiter geben wird. Außerdem soll er mich auf dem Laufenden darüber halten, wie es unseren Männern geht“, antwortete Frank.

„Gut. Kann man schon etwas darüber sagen, ob wir den Betrieb einstellen müssen?“

Nachdenklich rieb Frank sich über seinen lichter werdenden Haaransatz. „Wir wissen erst mehr, wenn wir mit dem Einsatzleiter der Feuerwehr gesprochen haben.“

„Und wann wird das sein?“, fragte Lance.

„Ich hoffe, bald.“

„Haben Sie die Ölzufuhr zur Raffinerie unterbrochen?“

„Das war das Erste, was wir gemacht haben. Wir haben uns ganz genau an das Notfallprotokoll gehalten. Ich glaube, Sie sollten ein paar Belobigungen aussprechen: Ein paar der Leute haben sich mächtig ins Zeug gelegt und tüchtig angepackt – mehr, als sie eigentlich hätten machen müssen.“

„Okay, das ist toll. Geben Sie mir am besten eine Namensliste“, entgegnete Lance, als sein Handy klingelte. Ein Blick auf das Display zeigte ihm, dass es Mitch war.

„Ich versuch mal, mit dem Brandmeister zu sprechen“, meinte Frank und ging.

„Wir haben ein Feuer hier in der Hauptraffinerie“, berichtete Lance seinem Bruder.

„Sind alle okay? Wie schlimm ist der Schaden?“

Lance unterbrach ihn: „Glaubst du, dass der Senator uns jetzt nicht mehr die zusätzlichen Bohrgenehmigungen erteilen wird?“

„Nicht, wenn ich ein Wörtchen mitzureden habe. Ich fahre gleich in sein Büro“, versprach Mitch.

„Ich bekomm das hier schon in den Griff“, versicherte Lance seinem Bruder. „Nachher gebe ich eine Pressekonferenz, um der Öffentlichkeit zu versichern, dass alles wieder läuft und wir immer noch im Geschäft sind.“

„Klingt gut. Ich melde mich wieder bei dir, sobald ich mit dem Senator gesprochen habe.“

Nachdem Lance aufgelegt hatte, überlegte er, was er noch tun konnte. Die Angestellten hatten sich auf einer Seite des Gebäudes versammelt und warteten gespannt auf Neuigkeiten. Falls die Raffinerie, die täglich 67.000 Barrel Öl förderte, die Pforten schließen musste, würden all diese Leute ihre Arbeit verlieren. Ihre Gewinnbeteiligung könnten sie auch vergessen.

Lance wählte Kates Nummer. In solchen Notfällen waren bei ihr immer alle Informationen zusammengelaufen und von ihr weitergeleitet worden, wenn Lance nicht im Büro sein konnte. Doch sie hatte die Mailbox ihres Handys eingeschaltet, und ihm wurde plötzlich bewusst, dass sie es anscheinend ernst damit meinte, die Firma zu verlassen.

„Hier ist Lance“, sprach er auf den Anrufbeantworter. „Kate, ich brauche Ihre Hilfe. Wir hatten ein Feuer in der Hauptraffinerie. Rufen Sie zurück, sobald Sie diese Nachricht bekommen.“

Kate war die Einzige seiner Büromitarbeiter, der Lance zutraute, bei dem Chaos, das durch den Brand ausgebrochen war, die Ruhe zu bewahren und umsichtig und effizient wie immer zu arbeiten. Vermutlich war es langsam an der Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, wie er in Zukunft ohne Kates Hilfe auskommen sollte. Er rief den Leiter seiner Finanzabteilung an und bat ihn, jede freie Sekretärin als Aushilfe zur Verfügung zu stellen. Anschließend verfasste er ein kurzes Memo auf seinem BlackBerry und schickte es an alle Mitarbeiter. Er brachte seine Angestellten auf den neuesten Stand und teilte ihnen mit, dass lediglich er selbst befugt war, mit den Medienvertretern zu sprechen.

Frank, der beim Brandmeister stand, winkte ihn zu sich herüber. „Lance Brody, das hier ist Chief Ingle“, stellte er die beiden Männer einander vor.

„Danke, dass Sie das Feuer so schnell in den Griff bekommen und das Schlimmste verhindert haben.“ Lance schüttelte herzlich Ingles Hand.

„Gern geschehen – ist ja schließlich unser Job“, erwiderte Ingle.

„Klar, trotzdem bin ich Ihnen dankbar. Gibt es neue Erkenntnisse?“, fragte Lance den Feuerwehrmann.

„Zuerst sind wir davon ausgegangen, dass eine Explosion die Ursache für das Feuer gewesen sein könnte“, erklärte Chief Ingle. „Aber die Männer, die sich in der Nähe der Stelle befanden, an der das Feuer ausgebrochen ist, haben nichts Verdächtiges gehört.“

„Merkwürdig“, meinte Lance. „Wie könnte es denn sonst entstanden sein?“

„Ich habe bereits unser Ermittlerteam damit beauftragt, eine umfassende Untersuchung des Geländes vorzunehmen. Aber einer unserer Männer glaubt, Kanister mit Brandbeschleuniger gesehen zu haben.“

„Was für einen Brandbeschleuniger?“

„Bis jetzt wissen wir noch nichts Genaues, ich wollte Ihnen nur mitteilen, was wir im Augenblick vermuten. Ich habe unserem Mitarbeiter, der sich mit vermuteten Fällen von Brandstiftung beschäftigt und seinem Team Bescheid gegeben – die Männer müssten bald hier eintreffen.“

„Okay. Dann muss ich die Versicherungsgesellschaft darüber informieren. Die wollen sicher mit Ihren Experten zusammenarbeiten.“

Chief Ingle nickte. „Ja, das machen die immer so.“

Für die Versicherungsgesellschaft war die Erforschung von Brandursachen ein Routinevorgang – Lance wollte aber auch jemanden dabeihaben, der die Interessen von Brody Oil and Gas vertrat. „Ist es in Ordnung, wenn ich ein eigenes Sicherheitsteam zusammenstelle, das an der Ermittlung teilnimmt?“

„Eigentlich sehen wir es lieber, wenn sich nicht noch mehr Leute an den Untersuchungen beteiligen“, gestand Chief Ingle.

„Darius steht Ihnen bestimmt nicht im Weg – er ist ein Experte auf seinem Gebiet.“

„Darius und wie weiter?“

„Darius Franklin. Er hat eine eigene Sicherheitsfirma.“

„Okay, aber nur er, kein anderer.“

Das konnte Lance verstehen. Der Chief wollte vermeiden, dass sich zu viele Leute einmischten und möglicherweise Spuren verwischten. „Wann können wir die Produktion wieder aufnehmen?“, fragte er.

„Ich brauche wenigstens vierundzwanzig Stunden, bevor ich Ihnen mit einem guten Gewissen grünes Licht geben kann. Wenn die Untersuchungen sich schwieriger als erwartet gestalten sollten, sogar noch länger.“

Nachdem der Chief gegangen war, wandte Lance sich an Frank. „Sagen Sie den Arbeitern, dass sie sich in fünfzehn Minuten auf dem Parkplatz versammeln sollen. Richten Sie auch eine Hotline ein, bei der sie sich erkundigen können, wann sie wieder zur Arbeit kommen sollen, und geben Sie diese Nummer bekannt.“

„Bin schon auf dem Weg“, versicherte Frank und machte sich an die Arbeit.

Lance wählte die Nummer seines besten Freundes Darius – doch auch bei ihm erreichte er nur die Mailbox. Mit wenigen Worten schilderte er, was geschehen war und bat Darius, so schnell wie möglich zur Raffinerie zu kommen, um bei der Untersuchung zu helfen. Wenn jetzt noch Kate wieder da wäre, hätte er das beste Team zur Verfügung, das man sich in so einer Situation wünschen konnte. Erneut griff er zum Telefon.

3. KAPITEL

Nachdem Lance zum zweiten Mal versucht hatte, sie anzurufen, stelle Kate ihr Telefon auf stumm. Sie war es leid, sich selbst zu quälen und sich selbst und alles, was sie je getan hatte, infrage zu stellen. Als sie im Sweet Nothings ankam, hatte Becca ihr einen Termin mit ihrer Friseurin gemacht.

„Du meinst also, dass eine neue Frisur alles verändert“, murrte Kate.

„Das ist nicht bloß eine neue Frisur, du musst dich ändern“, erklärte Becca. „Seit deinem Anruf habe ich darüber nachgedacht. Es gibt nur eine einzige Möglichkeit für dich, die nächsten Wochen zu überstehen: Du musst erreichen, dass Lance Brody klar wird, was er an dir hat.“

Nach einem ausgiebigen Blick in den Spiegel hinter der Ladentheke zuckte Kate mit den Schultern. „Nicht viel, wie mir scheint.“

„Aber bald wird er eine vollkommen neue Frau sehen.“

„Aber ich werde doch immer noch ich selbst sein?“, fragte Kate unsicher.

„Klar wirst du das, Dummerchen. Außerdem, mögen tut Lance dich ja schon. Wir wollen nur erreichen, dass er dich auch begehrt.“

„Er ist verlobt und wird bald heiraten, Becca“, wandte Kate ein.

„Na und? Du willst ja auch nicht, dass irgendwas passiert. Spiel einfach ein bisschen mit ihm, vielleicht holst du dir dabei dein Herz zurück.“

Der Gedanke gefiel Kate – immerhin hatte Lance fünf Jahre gehabt, mehr aus ihrer Beziehung zu machen. War es jetzt nicht allmählich an der Zeit, über ihn hinwegzukommen? „Okay, ich bin dabei“, stimmte sie zu.

„Fein“, sagte Becca erfreut und erklärte Kate den Weg zum Friseursalon. Als Kate dort gerade aus dem Auto stieg, klingelte abermals ihr Handy. Natürlich war es wieder Lance, und diesmal nahm sie den Anruf an. „Ja, hier ist Kate.“

„Wo sind Sie gewesen?“, wollte Lance wissen.

„Im Auto.“

„In unserer Hauptraffinerie hat es gebrannt. Ich brauche Sie in meinem Büro.“

Die Nachricht versetzte Kate einen Schock. Brody Oil and Gas war bekannt dafür, einer der sichersten Betriebe der ganzen Branche zu sein. „Hat es denn eine Explosion gegeben?“, fragte sie.

„Das weiß man noch nicht so genau. Ich habe genug damit zu tun, hier in der Raffinerie die Stellung zu halten. Wann können Sie im Büro sein?“

„Heute Abend“, wäre es ihr fast rausgerutscht, aber sie biss sich auf die Zunge.

Was sollte das? Es war zwar eine Notsituation, aber sie brauchten sie nicht wirklich. Paula und Joan, die beiden anderen Sekretärinnen von Brody Oil and Gas, konnten ebenso gut telefonieren. „Morgen früh“, sagte sie stattdessen.

„Kate, ich brauche Sie.“

Natürlich meinte er das nur rein beruflich, machte sie sich schell klar, bevor sie sich wieder hoffnungslos verrannte.

„Die Firma braucht Sie. Wir brauchen unsere besten Leute auf dem Spielfeld.“

Lance hatte früher einmal Football gespielt, und Kate hatte schnell gemerkt, dass er immer dann diese Sportmetaphern benutzte, wenn er unter Stress stand.

„Sie haben Ihre besten Spieler auf dem Feld“, antwortete sie. „Ich habe den Verein gewechselt, schon vergessen?“

„Verdammt. In dieser Angelegenheit ist noch nicht das letzte Wort gesprochen“, beschwerte Lance sich.

„Doch, das ist es. Ich habe mich entschieden. Ich rufe Paula an und sage ihr, was sie tun soll. Als wir letztes Jahr den Hurrikan hatten, habe ich ein Notfallprotokoll erstellt, an das sie sich jetzt halten kann.“

„Lassen Sie ihr Telefon an, sodass ich Sie jederzeit erreichen kann.“

„Warum? Ich bin nicht …“, begann Kate, aber Lance unterbrach sie.

„Hören Sie auf, mit mir zu streiten, Kate, das mag ich nicht. Was ist bloß in Sie gefahren?“

Nachdenklich sah sie in den Rückspiegel. Das war das erste Mal in ihrem Leben, dass sie nicht tat, was Lance von ihr wollte. Und das schien ihn völlig zu verstören. Vielleicht sollte sie öfter Nein zu ihm sagen, statt sich einen neuen Haarschnitt und ein anderes Outfit zuzulegen. Bisher war sie immer viel zu entgegenkommend gewesen – wahrscheinlich nahm er ihre ständige Verfügbarkeit deshalb als selbstverständlich hin.

„Ich weiß es nicht, Lance. Ich habe einfach beschlossen, dass es Zeit für einen Neuanfang ist. Das ist alles“, erklärte sie.

„Ich habe gedacht …“

„Was?“, unterbrach sie ihn.

„Nichts“, wich er aus. „Kommen Sie morgen ins Büro?“

„Ja, ich werde da sein.“

„Gut.“

„Tut mir leid wegen der Raffinerie“, sagte sie und hatte jetzt doch ein schlechtes Gewissen, weil Lance so traurig geklungen hatte und sie hart geblieben war. „Hat es denn Verletzte gegeben?“

„Ja, vier Männer sind im Krankenhaus.“

„Ich werde Paula auftragen, ihnen Blumen zu schicken – und ihre Familien sollten Präsentkörbe bekommen.“

„Danke.“

„Gern geschehen.“ Sowohl Lance als auch sie mussten sich allmählich an den Gedanken gewöhnen, dass jetzt andere Menschen für ihn arbeiten würden. Kate hatte nicht vor, weiterhin das Mädchen für alles zu spielen und heimlich in ihren Chef verliebt zu sein. Das musste endlich ein Ende haben. Sie hatte es satt, nur für die wenigen Momente zu leben, die sie und Lance gemeinsam im Büro verbrachten.

„Machen Sie’s gut, Lance“, sagte sie und legte schnell auf. Ihr war plötzlich ganz heiß und sie hoffte, dass es an der Sommerhitze lag und nicht daran, dass ihr der Abschied von Lance wahrscheinlich nicht ganz leichtfallen würde.

Den restlichen Nachmittag und den größten Teil des Abends verbrachte Lance in der Raffinerie. Darius war erst spät eingetroffen und hatte eine Liste mit Verdächtigen zusammengestellt, die möglicherweise ein Interesse daran gehabt haben könnten, Brody Oil and Gas zu schaden.

Als Lance die Raffinerie endlich verließ und sich auf den Weg zurück nach Houston machte, war er vollkommen erledigt und hatte von dem Tag gehörig die Nase voll. Alles war … absolut verrückt gewesen, dachte er.

Als er noch ein Junge gewesen war, hatte er sich jeden Tag so viel vorgenommen, wie es nur ging, um möglichst spät in sein ungeliebtes Zuhause zu kommen. Er hatte nicht einmal daran denken wollen, was ihn dort erwartete. Aber das war lange her, und jetzt, wo er alleine lebte, mochte er sein Leben. Na ja, noch lebte er alleine, denn bald würde seine Braut in seine Villa in Somerset einziehen. Lance war nicht sicher, ob er jetzt schon für ein typisches Eheleben in der Vorstadt bereit war. Aber Mitch und er hatten sich darauf geeinigt, dass er derjenige sein sollte, der Lexi heiratete.

Verdammt, dachte er und rieb sich den Nacken, der vollkommen verspannt war, wie immer, wenn er Stress hatte. Er warf einen Blick auf sein Handy, das plötzlich klingelte. Es war sein Bruder.

„Hallo, Mitch.“

„Hallo, großer Bruder. Wie läuft es in der Raffinerie?“

„Grottenschlecht, aber wenigstens arbeitet Darius jetzt mit den Ermittlern zusammen und versucht, den Vorfall zu klären. Wie sieht’s in Washington aus?“

Mitch atmete tief aus. „Könnte schlimmer sein. Das meiste habe ich mit Senator Cavanaughs Büro klären können. Ich habe betont, wie sehr sich Brody Oil and Gas darum bemüht, den Schaden für die Gemeinde und die Natur möglichst gering zu halten. Das sollte Cavanaughs Befürchtungen, dass wir die Ölproduktion zurückfahren könnten, zerstreut haben.“

„Hast du ihm auch gesagt, dass wir nun den Betrieb auf die verbleibenden Raffinerien aufteilen, sodass der heutige Verlust keine negativen Auswirkungen auf den Ölpreis haben sollte?“, fragte Lance.

„Klar. Seitdem die Börse in Japan eröffnet hat, beobachte ich den Markt. Vermutlich wird der Rohölpreis bei uns in den Staaten steigen.“

„Ja, das denke ich auch. Bei der augenblicklichen Wirtschaftslage wäre das fatal.“

„Tja, wir haben aber nun mal keinen Einfluss auf das Verhalten der Investoren“, stellte Mitch fest.

„Ich fahr noch mal kurz ins Krankenhaus, um nach unseren verletzten Arbeitern zu sehen – ich schicke dir eine SMS mit ihren Namen.“

„Super, das klingt gut. Lexi und ich fliegen morgen gemeinsam nach Houston zurück.“

„Sie hat heute versucht, mich zu erreichen, aber bisher hatte ich noch keine Gelegenheit, mit ihr zu reden. Kannst du ihr bitte ausrichten, dass ich mich erst wieder melden kann, wenn in der Raffinerie Ruhe eingekehrt ist?“, bat Lance.

„Klar, mache ich“, versprach Mitch.

„Ach ja, hast du schon eine Idee wegen des Geschenks für sie?“

„Tut mir leid, ich hatte noch keine Zeit, über dein Liebesleben nachzudenken“, bemerkte sein Bruder trocken.

Lance ging es genauso. „Das ist rein geschäftlich, Mitch, das hast du mir selbst gesagt. Wir brauchen die Verbindung zu Cavanaugh – was heute passiert ist, ist der beste Beweis dafür.“

Als Mitch daraufhin schwieg, fuhr Lance fort: „Ich habe ganz vergessen, dir zu erzählen, dass Kate heute gekündigt hat.“

„Was? Wieso?“, fragte sein Bruder und klang überrascht.

„Sie denkt, dass es einfach an der Zeit ist, ihre berufliche Karriere ohne uns fortzusetzen. Sie sagt, sie fühlt sich nicht genügend herausgefordert oder so was in der Art.“

„Vielleicht ist es einfach Zeit für sie, sich weiterzuentwickeln“, vermutete Mitch.

„Ich versuche, sie zum Bleiben zu überreden.“

„Warum?“

Lance hatte keinen blassen Schimmer, aber er würde den Teufel tun und das vor seinem Bruder zugeben. „Sie gehört zu Brody Oil and Gas, und wir brauchen sie.“

„Vielleicht will sie ja mehr.“

„Und was zum Beispiel?“, fragte Lance und dachte an Kates ähnliche Bemerkung von vorhin.

„Denk selbst drüber nach“, erwiderte sein Bruder. „Ich muss mich jetzt beeilen. Vergiss nicht, mir die Namen von den Verletzten zu schicken.“

„Geht klar. Ally hat Interviews für sie arrangiert für die Nachrichtensendung morgen früh. Sie redet gerade mit den Angehörigen, damit die wissen, was sie zu sagen haben.“

„Gut. Ich spreche deswegen mal mit dem Senator – vielleicht kann er ja ein kurzes Zitat mit einbringen.“

„Die Sache hätte auch noch viel schlimmer ausgehen können“, bemerkte Lance.

„Und warum ist sie das nicht?“, wollte sein Bruder wissen.

„Vermutlich, weil wir seit dem Sturm im letzten Herbst alle auf das Schlimmste vorbereitet sind. Die Jungs wissen echt, wie sich zu verhalten zu haben.“ Lance fuhr in eine Parklücke vor dem Krankenhaus und sprach noch ein paar Minuten mit seinem Bruder. Er mochte Krankenhäuser nicht. Das lag vermutlich daran, dass er in seiner Kindheit fast schon Stammgast in der Notfallaufnahme war.

Jedes Mal, wenn sein Vater den Wagen vor dem Krankenhaus geparkt hatte, hatte er seinem Sohn eingebläut, was er den Ärzten erzählen sollte, wenn die wissen wollten, wie Lance sich verletzt hatte. Arm- und Beinbrüche hatte er sich angeblich bei Stürzen von seinem Fahrrad zugezogen. Geprellte Rippen und gebrochene Finger – da hatte er beim Skateboardfahren nicht aufgepasst. Niemals hatte er irgendjemanden die Wahrheit erzählt – und nach einer Weile begann selbst er, den erfundenen Geschichten seines Vaters zu glauben.

Er rieb über die Narbe an den Knöcheln seiner linken Hand. An einigen Tagen fühlte er sich verdammt alt, viel älter, als er wirklich war. Er ahnte, dass er mit Lexi aufpassen müssen würde, damit ihre Verlobung und die anstehende Hochzeit nicht platzte. Nur zu genau wusste Lance, dass er das legendäre Temperament seines Vaters geerbt hatte. Jetzt, wo er in seinem Truck saß und auf das moderne Krankenhausgebäude sah, fiel ihm das Versprechen ein, was er sich mit dreizehn Jahren gegeben hatte: Er würde niemals eines seiner Kinder in die Notfallaufnahme bringen, weil er keine eigenen Kinder haben würde.

Ob das wohl ein Problem für Lexi Cavanaugh sein würde? Eigentlich hoffte er es sogar, denn dann hätte er einen triftigen Grund, die Verlobung zu beenden und wieder zu seinem alten Leben zurückzukehren.

Kate war nervös, als sie am nächsten Morgen aus dem Auto stieg. Vergangenen Abend war sie mit Becca in Houston shoppen gewesen – und es hatte ihnen beiden Spaß gemacht, gewagte Kleider für Kate auszusuchen. Als sie aber an diesem Morgen das körperbetonte Sommerkleid angezogen und ihre neue Frisur gestylt hatte, war sie sich wie eine Hochstaplerin vorgekommen.

Drei Versuche hatte sie gebraucht, bis sie es geschafft hatte, ihre neuen Kontaktlinsen einzusetzen, doch schließlich glich sie der neuen Kate fast aufs Haar, die gestern Abend den Friseursalon im neuen Look verlassen hatte. Doch ein Gedanke ließ sie einfach nicht los: Was, wenn ihre Verwandlung nicht den gewünschten Effekt zeigte und sie stattdessen alle nur auslachten?

War das nicht vollkommen verrückt? Schließlich war sie eine erwachsene Frau und sollte sich den Teufel darum scheren, was andere Menschen von ihrem neuen Look hielten. Becca hatte ihr immer wieder versichert, dass sie einfach heiß aussehen würde – Kate war sich da allerdings nicht so sicher. Sie kam sich immer noch wie die übergewichtige, altbackene Kate vor, die versuchte, jemand zu sein, der sie eigentlich gar nicht war.

Als sie in die Lobby trat, sah Stan vom Sicherheitsdienst auf. „Guten Morgen …“, grüßte er sie.

„Guten Morgen, Stan“, erwiderte sie, und sie fühlte sich ein wenig unbehaglich, als der ältere Mann sie anstarrte.

„Sie sehen heute toll aus, Miss Thornton“, sagte Stan schließlich. „Sehr hübsch.“

„Vielen Dank, Stan“, sagte sie und spürte, wie sich ihre Wangen röteten.

Nachdem sie ihren Ausweis eingescannt hatte, ging sie zu den Fahrstühlen. Während sie auf den Aufzug wartete, betrachtete sie ihr Spiegelbild auf der blankpolierten Fahrstuhlverkleidung. Das Seltsamste an dieser ganzen Verschönerungsaktion war, dass sie sich selbst nicht mehr wiedererkannte.

„Verzeihen Sie, Miss, aber dieser Aufzug ist nur für Angestellte der Chefetage“, hörte sie plötzlich Lance’ Stimme hinter sich.

Sie drehte sich zu ihm um.

„Kate?“, fragte er überrascht.

Vergeblich wartete sie darauf, dass er noch etwas sagte. Zwar war sie ein wenig verletzt deswegen, sie würde aber damit klarkommen. Gestern Abend hatte sie nämlich beschlossen, dass sie damit aufhören wollte, Lance zu gefallen. Diese Entscheidung hatte sie sehr schnell getroffen – zum ersten Mal seit langer Zeit.

„Ich habe heute Morgen unsere Arbeiter in der Today Show gesehen. Das Interview ist richtig gut gelaufen, finde ich“, bemerkte sie.

„Ja, Ally hat sie gut vorbereitet. Ich bin froh, dass sie alle wieder vollkommen gesund werden“, sagte Lance.

Lance ließ Kate den Vortritt in den Fahrstuhl. Als sie hineinging, konnte sie seinen Blick förmlich auf ihrem Rücken ruhen spüren. War der Rock vielleicht doch zu kurz für das Büro? Als sie sich jedoch umdrehte und Lance auf ihre Beine starren sah, wusste sie, dass ihr Outfit die beabsichtigte Wirkung hatte. Endlich sah er die Frau in ihr. Das hatte sie sich immer gewünscht, und trotzdem war es ein komisches Gefühl.

Jetzt, wo sie sich seiner Aufmerksamket gewiss sein konnte, wusste sie nicht, was sie damit anfangen sollte.

„Wie war Ihr Abend?“, erkundigte sie sich.

„Ich habe die meiste Zeit telefoniert … was ich nicht gemusst hätte, wenn meine Assistentin da gewesen wäre“, entgegnete er sarkastisch.

Kate presste die Lippen zusammen. „Vielleicht hat Ihre Assistentin ja auch einfach nur beschlossen, endlich ihr eigenes Leben zu leben.“

„Ist es etwa das, worum es Ihnen die ganze Zeit gegangen ist?“

„Nein“, entgegnete sie kopfschüttelnd. „Ich habe meine eigenen Bedürfnisse viel zu lange ignoriert. Ich weiß, dass mein Timing gestern nicht das beste gewesen ist, aber ich konnte ja nicht ahnen, dass es in der Raffinerie einen Brand geben würde.“

„Wer hätte das schon ahnen können? Ich habe ja nichts dagegen, wenn Sie einen Nachmittag freimachen. Wenn ich Sie zum Bleiben überreden kann, können wir gerne über mehr Freizeit für Sie sprechen“, schlug Lance vor.

Beim Aussteigen ließ Lance Kate wieder den Vortritt. Als sie an ihm vorbeiging, konnte sie ihn tief Luft holen hören.

„Haben Sie Parfum aufgelegt?“, fragte er.

Mit hochgezogenen Augenbrauen sah sie ihn an. „Ja“, erwiderte sie. „Wieso fragen Sie?“

„Ach, ich wollte nicht indiskret sein“, entgegnete er. „Aber der Duft gefällt mir.“

„Danke“, entgegnete sie. Ihr verändertes Aussehen schien Lance zu beunruhigen. Oder er stand an diesem Morgen einfach nur ein wenig neben sich. „Wenn Sie in die Raffinerie wollen, kein Problem. Ich komme heute Morgen hier auch ohne Sie zurecht“, bot sie an.

„Danke, Kate, aber ich glaube, dass ich hier gebraucht werde. Besonders, wenn Sie immer noch entschlossen sein sollten zu kündigen.“

Mit einem Nicken betrat sie ihr Büro und wusste sofort, dass viel Arbeit auf sie wartete, als sie das blinkende Licht ihres Anrufbeantworters sah. Als Lance die Tür schloss und an Kate vorbei in sein Arbeitszimmer gehen wollte, streifte er sie zufällig. Dabei stolperte sie in ihren hochhackigen Schuhen, sodass Lance sie mit einer Hand an ihrer Taille stützte, damit sie das Gleichgewicht nicht verlor. Sie drehte sich zu ihm um, wobei ihr Haar seine Schulter berührte.

Obwohl sie den Duft seines Aftershaves schon immer gemocht hatte, kam es ihr so vor, als würde Lance heute Morgen besonders gut riechen. Er legte den anderen Arm um ihre Schulter und sah sie an.

„Mir ist vorher nie aufgefallen, wie hübsch Ihre braunen Augen eigentlich sind“, sagte er.

„Vermutlich hat man sie hinter den Brillengläsern einfach nicht richtig sehen können“, meinte sie verlegen.

„Oder vielleicht habe ich vorher einfach nur nicht richtig hingesehen.“

„Das hat wohl daran gelegen, dass es vorher nichts gab, das sich anzusehen gelohnt hat“, vermutete Kate. Becca hatte gestern Abend ins Schwarze getroffen, als sie gesagt hatte, Kate habe sich die ganze Zeit hinter ihrer Brille und den weiten Kleidern versteckt.

„Bei Ihnen lohnt es sich, genauer hinzusehen, Kate.“

„Wirklich?“, fragte sie erstaunt.

„Ja, und es tut mir leid, dass ich das nicht schon vorher getan habe.“

„Warum tut es Ihnen leid?“

„Weil Sie verflucht hübsch sind, deshalb“, entgegnete er.

„Das bin nicht ich, das sind nur die Frisur und das Make-up“, widersprach sie und fühlte sich unbehaglich wegen seines Kompliments. Anstatt sich darüber zu freuen, begann sie, all die Dinge aufzuzählen, die ihre Mutter immer an ihr bemängelt hatte. „Mein Mund ist zu groß für mein Gesicht.“

Kopfschüttelnd strich er mit dem Daumen über ihre Unterlippe. „Ihr Mund passt perfekt zu Ihrem Gesicht – sinnlich und verführerisch.“

„Verführerisch? Hallo, ich bin’s, Lance. Kate Thornton. Ich habe bisher doch wohl noch nie verführerisch auf Sie gewirkt.“

„Ich muss wohl blind gewesen sein, Kate, weil Sie mich jetzt eindeutig in Versuchung führen“, erwiderte er und berührte mit seinen Lippen ihre, bevor er sie schließlich küsste.

Unwillkürlich stellte sie sich auf die Zehenspitzen, um den Kuss zu erwidern. Es war genauso, wie sie es sich immer erträumt hatte – auch wenn es vollkommen überraschend passierte. Allerdings hatte sie sich nicht ausgemalt, wie großartig er schmeckte, als sich ihre Zungen berührten. Oder wie wunderbar sich seine kräftigen Hände in ihrem Haar anfühlten. Oder die Art und Weise, wie ein einziger Kuss ausreichte, um ihr ganzes Leben auf den Kopf zu stellen.

4. KAPITEL

Kates Kuss schmeckte einfach himmlisch. Lance fühlte sich unwiderstehlich von ihrer verführerischen Ausstrahlung angezogen, als er sie in den Armen hielt. Plötzlich wurde ihm klar, dass er niemals genug von ihr bekommen können würde. Und es auch gar nicht wollte.

Er ließ seine Hände über ihre Taille gleiten und fragte sich, warum ihm bisher dieser wundervoll gerundete Körper und diese großen, hübschen Augen nicht aufgefallen waren. Vermutlich waren daran die weiten Pullover und die für ihr Gesicht zu große Brille schuld gewesen. Verdammt, sie hatten verhindert, dass Lance in Kate die aufregende Frau gesehen hatte, die sie in Wirklichkeit war.

Er lehnte sich an den Schreibtisch und zog Kate näher an sich heran, sodass er ihre vollen Brüste an seinem Oberkörper spürte – wie gut sie sich anfühlten! Er beugte sich tiefer zu Kate herab und ließ den Kuss noch inniger werden.

Als er kurz innehielt, sah er, dass Kate die Augen geschlossen hatte. Unwillkürlich musste er daran denken, dass er bisher noch keine Frau jemals geliebt hatte. Mit einer Frau ins Bett zu gehen, war eine Sache, aber was sollte er tun, wenn diese Sache mit Kate über das Körperliche hinausging?

Sacht zeichnete er mit den Fingerspitzen die zarten Konturen ihres Gesichtes nach, das von ihrem Haar umspielt wurde, das sie zum ersten Mal, seit sie für ihn arbeitete, offen trug. „Sollte ich mich jetzt besser für den Kuss entschuldigen?“

Sie öffnete die Augen und sah ihn leicht benommen an. „Wollen Sie das denn?“

„Auf keinen Fall. Ich würde es gerne wiederholen, aber das Büro ist vielleicht nicht der beste Ort dafür“, meinte er.

„Da haben Sie recht.“

Sein Telefon klingelte, und Kate sah Lance lächelnd an, als sie danach griff. „Brody Oil and Gas. Sie sprechen mit Kate.“ Ihr Lächeln verblasste. „Einen Moment bitte.“

„Wer ist es?“, wollte Lance wissen.

„Ihre Verlobte. Vermutlich wollen Sie von Ihrem Büro aus mit ihr reden.“

Lance nickte. Es passte ihm ganz und gar nicht in den Kram, dass Lexi diesen besonderen Augenblick mit Kate störte, aber er konnte sie nicht noch einmal vertrösten. „Wir sind noch nicht miteinander fertig“, sagte er zu Kate.

„Natürlich nicht“, erwiderte sie und setzte sich. „Wir müssen noch die nächsten zwei Wochen überstehen.“

„Kommen Sie in mein Büro, wenn ich das Telefonat beendet habe“, ordnete er an. Unbestreitbar herrschte eine starke Anziehungskraft zwischen ihnen beiden. Allerdings hatte er nicht den blassesten Schimmer, wie er mit dieser neuen Kate umgehen sollte – eine Kate, die ihm widersprach und nicht mehr alles tat, was er von ihr verlangte.

„Klar, mache ich. Sie sollten jetzt besser ans Telefon gehen, wenn Sie Ihre Verlobte nicht warten lassen wollen.“

Er machte auf dem Absatz kehrt und ging zu seinem Schreibtisch, um es sich in dem Ledersessel gemütlich zu machen. Danach griff er nach dem Hörer und schaltete die Leitung frei, in der Lexi wartete.

„Hallo Lexi“, begrüßte er die Frau am anderen Ende.

„Hallo Lance. Du hast heute Morgen sicher sehr viel um die Ohren, aber ich wollte mich kurz für die Einladung zur Party am vierten Juli bedanken. Da ich ja Gastgeberin bin, wollte ich fragen, ob ich noch was tun kann?“

Lance hatte bisher überhaupt noch nicht daran gedacht, dass Lexi als seine Verlobte tatsächlich so etwas wie die Gastgeberin war. „Meine Sekretärin kümmert sich bereits um alles.“

„Dann rufe ich sie mal an und frage, ob ich ihr bei irgendwas helfen kann. Wenn unsere Ehe funktionieren soll, sollte ich am besten sofort über alles, was bei Brody Oil and Gas vor sich geht, Bescheid wissen“, erklärte seine Verlobte.

„Warum das denn?“, fragte Lance.

„Weil es der Ort ist, an dem du den ganzen Tag verbringen wirst“, erwiderte sie. „Ich weiß genau, was eine gute Ehefrau ausmacht. Deine Partnerin muss verstehen, wie die Firma läuft und um was es geht.“

Damit hatte sie ganz sicher recht, aber trotzdem wollte Lance Lexi nicht hier haben. Besorgt bemerkte er, dass er sich eher Kate als seine Partnerin bei Brody Oil and Gas vorstellte. Warum hatte er seine Gefühle für Kate erst jetzt erkannt? Daran war jetzt nichts mehr zu ändern, aber in Zukunft wollte er, dass die Dinge zwischen ihnen anders liefen. Aber wie sollte das gehen? Kate würde bald nicht mehr für ihn arbeiten, und er war mit Lexi verlobt. Wollte er, dass seine Beziehung zu Lexi funktionierte? Und falls sie das tat, was war dann mit Kate?

Mitch und Lance waren sich einig, dass die Verbindung zu den Cavanaughs von großem Nutzen für sie war. In Lance’ Leben hatte die Firma bisher immer den größten Platz eingenommen. Er wusste genau, was er tun musste und wie er sich zu verhalten hatte. Das war die Gelegenheit zu beweisen, dass er nicht so ein Mistkerl wie sein Vater war.

Er wollte unbedingt ein besserer Mensch sein. Ein Mann, der Kate nicht küsste, wenn er gar nicht sicher sein konnte, was aus ihnen würde. Ein Mann, der im Sinne des Versprechens handelte, das er Lexi gegeben hatte. Ein Mann, der stolz auf sich sein konnte.

„Du brauchst wirklich nichts für die Feier vorbereiten“, sagte er. „Wir reden am besten, wenn du hier bist, Kate – meine Sekretärin – hat gekündigt und bleibt nur noch zwei Wochen. Wenn du dich wirklich hier einbringen willst, dann sprich doch am vierten Juli während der Feier mit Kate über unsere Events.“

„Es ist mir ernst, Lance. Ich will, dass unsere Ehe funktioniert.“

Die Ernsthaftigkeit, mit der Lexi das sagte, beschämte Lance. Immerhin hatte er um ihre Hand angehalten, und es war jetzt an der Zeit, sich dazu zu bekennen.

„Bis morgen dann“, erwiderte er.

„Ich freu mich schon. Mitch hat in den höchsten Tönen von euren Partys zum Unabhängigkeitstag geschwärmt.“

„Ja, sie sind eine gute Gelegenheit, uns bei unseren Angestellten zu bedanken. Als wir die Firma wiederaufgebaut haben, war uns wichtig, dass unsere Angestellten sich immer wie ein wichtiger Teil von Brody Oil and Gas fühlen, damit wir gemeinsam etwas erreichen können.“

„Wenn man sieht, wie viel Erfolg ihr habt, scheint mir das die richtige Firmenphilosophie zu sein“, lobte Lexi.

Das sah er zwar ähnlich, aber sie zahlten auch einen ziemlich hohen Preis dafür, dass es so gut lief. Mitch war genauso ehrgeizig und von der Arbeit besessen wie Lance. Und diese Ehe war keine wirkliche Ehe – lediglich eine geschäftliche Übereinkunft. Lexi war für die Brüder nur eine weitere Station auf dem Weg nach oben. Wollte er wirklich so ein Leben führen, besonders jetzt, wo er eine Frau wie Kate entdeckt hatte? Was sollte er bloß machen?

Kate konnte einfach nicht glauben, dass sie den Kopf verloren und zugelassen hatte, dass Lance sie küsste. Es war wundervoll gewesen und unglaublich – aber auch vollkommen dumm. Eigentlich hatte sie die zwei Wochen dafür nutzen wollen, Lance endgültig zu einem Kapitel ihrer Vergangenheit werden zu lassen.

Ihr Ziel, das Beste aus ihrem Äußeren herauszuholen, hatte sie zweifellos erreicht. Sie war damit so erfolgreich gewesen, dass Lance sie anfänglich noch nicht einmal erkannt hatte.

Das Traurige daran war, dass sie eigentlich nichts weiter getan hatte, als sich hübsch anzuziehen. Unglaublich, was für einen Unterschied ein neues Outfit ausmachen konnte. Ihre Mutter hatte immer wieder gepredigt, dass Kleider Leute machten – dabei hatte sie sonst mit ihren anderen Behauptungen eher selten recht gehabt.

Das rote Lämpchen an ihrem Telefon zeigte ihr, dass Lance immer noch mit Lexi Cavanaugh sprach. Obwohl sie so gut wie gar nichts über diese Frau wusste, schuldete Kate ihr großen Dank. Ohne Lexis Verlobung mit Lance hätte Kate ihr unvorteilhaftes Äußeres nicht verändert und wäre weiterhin auf dem besten Wege gewesen, als einsame alte Jungfer zu enden.

Als sie ein bewundernder Pfiff aus ihren Gedanken riss, sah sie auf. Eben betrat Marcus Wall das Büro. Er war einer der Geologen, die für Brody Oil and Gas arbeiteten und die Standorte für die den höchsten Gewinn versprechenden Ölbohrstellen erkundeten – und er machte seinen Job sehr gut. „Verflixt, Kate, Sie sehen toll aus heute!“, sagte Marcus.

„Danke“, erwiderte sie lächelnd.

„Mir ist vorher gar nicht aufgefallen, was für schöne Augen Sie haben“, setzte er hinzu und stützte sich auf ihrem Schreibtisch ab. Er hatte Kate bisher kaum beachtet, wenn er in ihrem Büro war.

Anstatt sich geschmeichelt zu fühlen, war ihr plötzlich unbehaglich zumute. Sie wollte nicht die Aufmerksamkeit aller Männer auf sich ziehen. Sie hatte sich die Aufmerksamkeit eines bestimmten Mannes gewünscht, und jetzt, da sie die hatte, wollte sie, dass das auch so blieb.

Jetzt, da ihr auffiel, wie wenig ihr Komplimente anderer Männer bedeuteten, wurde ihr klar, dass ihr Plan zum Scheitern verurteilt war. Sie hatte nur noch Augen für Lance.

„Kate?“

„Hm?“

„Steckt ein Mann hinter Ihrer Verwandlung?“, fragte Marcus kopfschüttelnd.

„Wie kommen Sie darauf?“

„Ich kenne die Frauen“, erwiderte er schulterzuckend.

„Ach wirklich?“

„Ja, ich habe drei Schwestern. Ich bin sozusagen von Wölfen großgezogen worden“, erklärte der Geologe.

„Es ist aber nicht besonders schmeichelhaft, Frauen mit Wölfen zu vergleichen.“

„Kann schon sein. Aber ich habe gelernt, dass es immer einen Grund gibt, wenn sich eine Frau so herausputzt.“

„Vielleicht wollte ich mich ja nur verändern?“, erwiderte sie und war überrascht, dass Marcus ihr gerade dabei half, sich selbst zu verstehen. Ihre Veränderung wirkte tatsächlich ein wenig wie eine Maske.

Als Lance sie geküsst und in seinen Armen gehalten hatte, war sie sich wie eine Königin vorgekommen. Aber jetzt fühlte sie sich wieder wie die alte Kate, genauso, wie all die Jahre, in denen Lance sie wie ein lieb gewordenes Haustier behandelt hatte.

„Wie auch immer, der neue Look steht Ihnen ausgezeichnet. Übrigens, ist der große Häuptling zu sprechen?“

Kate sah auf das Telefon und stellte fest, dass Lance nicht mehr telefonierte. Zum Glück! Es war wirklich höchste Zeit, dass Marcus endlich wieder ging. Inbrünstig hoffte sie, nicht den ganzen Tag von irgendwelchen Männern belagert zu werden, die ihr Komplimente machten.

„Ja, er ist da“, antwortete sie.

Bevor er gehen konnte, sagte sie noch: „Danke, Marcus.“

„Wofür?“

„Dafür, dass Sie so sind, wie Sie sind.“

„Ich kann noch viel mehr sein, wenn Sie mich lassen“, erwiderte er.

„Für ein paar Wochen, oder?“, fragte sie lächelnd, denn sie wusste, dass Marcus der richtige Mann für eine Affäre war, nicht aber für mehr. Außerdem wollte sie kein Verhältnis mit einem Mitarbeiter von Lance haben, wenn sie Brody Oil and Gas tatsächlich verließ.

Dieser Plan, der nach zwei Gläsern Wein sehr raffiniert geklungen hatte, wirkte nun ein wenig … nun ja, dumm. Sie musste ihren Job machen und eine Nachfolgerin für ihre Position finden und Brody Oil and Gas so schnell wie möglich verlassen, bevor sie sich selbst noch mehr quälte.

„Auf keinen Fall für länger. Ich bin halt kein Mann für ewig.“

„Marcus, Sie wollten mich sprechen?“ Lance war von ihnen beiden unbemerkt in Kates Büro gekommen.

„Ja, Chef. Es gibt gute Neuigkeiten wegen der neuen Schürfrechte, die wir vor Kurzem erworben haben.“

„Gott sei Dank, das wollte ich von Ihnen hören“, erwiderte Lance. „Gehen Sie doch schon mal in mein Büro, ich muss noch mal kurz mit Kate sprechen.“

Bevor Marcus ging, zwinkerte er Kate zu, und Lance schloss die Verbindungstür zwischen den beiden Räumen.

„Was gibt’s?“, erkundigte Kate sich. Sie versuchte, dabei gelassen und überlegen zu klingen, was aber schwierig war, wenn man sich wie eine Zwölfjährige vorkam. Wie hatte sie nur zulassen können, dass dieser Mann so einen großen Einfluss auf sie hatte?

„Ich wollte mich für mein Verhalten von vorhin bei Ihnen entschuldigen.“

„Das haben wir doch schon geklärt“, meinte Kate. Das Letzte, was sie wollte, war, den Kuss noch einmal zu thematisieren. Für sie war es ein wundervolles Erlebnis gewesen, das sie sich vorher unzählige Male in ihrer Fantasie ausgemalt hatte.

„Ich kann Ihnen nicht sagen, warum das mit uns beiden passiert, Kate, aber ich werde es auf keinen Fall ignorieren. Sie sind …“

„Sie brauchen nichts weiter zu sagen. Sie sind verlobt, und ich werde bald nicht mehr hier arbeiten“, unterbrach sie ihn.

„Warum haben Sie denn nun gekündigt?“ Lance ließ nicht locker.

Kate sah zu ihm auf und überlegte für einen winzigen Moment, ob sie ihm die Wahrheit sagen sollte. Doch es schien kein guter Gedanke zu sein, ihm ihre Liebe zu gestehen und ihm zu beichten, dass es ihr das Herz brechen würde, wenn er wirklich eine andere Frau heiratete.

„Ich habe gekündigt, weil ich nicht mehr länger für Sie arbeiten kann.“ Das war so nah an der Wahrheit, wie sie es wagen konnte, ohne zu viel zu verraten. Glücklicherweise schien er ihr diese etwas lahme Ausrede abzunehmen.

Den Rest des Tages verbrachte sie damit, ihre Arbeit zu erledigen. Dabei entging ihr nicht, dass alle Männer im Büro sie plötzlich als begehrenswerte Frau wahrnahmen und nicht mehr als das graue Mäuschen, als das sie sie noch gestern gesehen hatten. Eigentlich hätte ihr das Mut machen müssen – Hoffnung darauf, bald einen anderen Mann zu treffen, in den sie sich verlieben konnte. Stattdessen wurde sie aber noch trauriger, denn der einzige Mann, der ihr wirklich etwas bedeutete, war weiterhin unerreichbar für sie – auch wenn er sie geküsst hatte.

Das Barbecue anlässlich des Unabhängigkeitstags fand bei Lance zu Hause in Somerset statt. Auf seinem Grundstück gab es neben einem idyllisch gelegenen See auch ein Beachvolleyballfeld. Seit dem College war Lance ein begeisterter Beachvolleyballspieler. Ein Highlight der Party würde sicher wieder das jährliche Turnier sein, in dem die Manager gegen die Arbeiter antraten.

Seit der Morgendämmerung war der Partyservice mit dem Zubereiten der Speisen beschäftigt, und die Luft war erfüllt von einem verlockenden Duft, der allen das Wasser im Munde zusammenlaufen ließ. Im Zelt neben dem der Caterer wurde Musik gespielt, und alles war in Rot, Weiß und Blau dekoriert.

Lance entdeckte Kate sofort, als er das Partygelände betrat. „Einen schönen Vierten Juli, Kate.“

„Danke, Ihnen auch. Wo werde ich hier gebraucht?“

„Mitch verspätet sich, also wäre es toll, wenn Sie mir hier dabei helfen, die Namensschildchen auszuteilen und die Leute zu begrüßen.“

Schon bei der ersten Party, die sie hier abgehalten hatten, hatten sie jeden Gast persönlich begrüßt. Lance, Mitch und Kate. Das war das erste Mal gewesen, wo sie Kate wirklich gebraucht hatten. Seitdem war es zu einer schönenTradition geworden, jedem Gast sein Namensschildchen anzustecken, wenn er ankam.

„Ich kann immer noch nicht glauben, dass Sie das dieses Jahr zum letzten Mal machen“, sagte er.

Er hatte es aufgegeben, sie davon überzeugen zu wollen, nicht zu gehen. Sie hatte deutlich gemacht, dass sie ihre Meinung nicht ändern würde. Und angesichts der Tatsache, dass er Lexi ein guter und loyaler Verlobter sein wollte, sollte er besser damit aufhören, die Frau zum Bleiben zu bewegen, von der er nachts träumte.

„Das kann ich auch noch nicht so richtig, Sie alle werden mir sehr fehlen. Nächstes Jahr um diese Zeit haben Sie dann eine andere Gastgeberin“, bemerkte Kate.

„Ja, bestimmt. Lexi kann es kaum erwarten, mit Ihnen über die Veranstaltungsorganisation zu sprechen, damit sie weiß, was alles dazugehört.“

Kate passte das zwar gar nicht, sie nickte aber tapfer. „Ich werde sie zu unserem Abschlusstreffen mit dem Team nach der Veranstaltung einladen. Da kann sie gleich alle kennenlernen.“

„Vielen Dank. Bleiben Sie heute Nacht in Somerset?“

„Ich weiß noch nicht. Meine Eltern sind in San Francisco, um meinen Bruder und seine Familie zu besuchen.“

„Sie sehen Ihre Eltern nicht besonders häufig, oder?“

„Wir haben kein sehr enges Verhältnis“, erwiderte sie. „Sie sind mit ihrem Leben beschäftigt und ich mit meiner Arbeit. Aber wenn ich sie mehr brauchen würde, wären sie für mich da.“

Die schlechten Erfahrungen, die er mit seinen eigenen Eltern gemacht hatte, hatten Lance gelehrt, dass er nur auf die Menschen zählen konnte, die er sich selbst aussuchte. Dazu zählten sein Bruder und Darius und die anderen Männer, die gemeinsam mit ihm in den Texas Cattleman’s Club eingeführt worden waren.

Am Tag zuvor hatte er mit Darius über das Feuer gesprochen. Bisher hatte die Untersuchung aber keine neuen Erkenntnisse hervorgebracht.

„Ich hoffe, Mitch kommt rechtzeitig zur jährlichen Preisvergabe“, sagte Kate.

„Keine Sorge, das wird er sicher nicht verpassen. Werden Sie dieses Jahr in meinem Volleyballteam mitspielen?“

„Ach, ich weiß nicht …“ Kate zögerte.

„Jedes Jahr haben Sie versprochen, das nächste Mal dabei zu sein. Aber da das jetzt Ihr letztes Jahr in der Firma ist …“ Lance beendete den Satz nicht.

„Was hätten Sie schon davon, wenn ich in Ihrem Team wäre?“, fragte sie. „Ich bin nicht besonders sportlich.“

„Es geht doch nur um den Spaß. Kommen Sie schon, Kate.“ Er wollte so viel wie möglich vom Tag mit ihr gemeinsam verbringen. Zumindest, bis Lexi hier eintraf. Er musste sich geradezu zwingen, an seine Verlobte zu denken, denn Kate war im Moment alles, was er im Kopf hatte.

„Okay, ich spiele mit, aber nur, wenn Mitch rechtzeitig da ist, um die Begrüßung hier zu übernehmen“, willigte Kate ein.

„Er ist bestimmt rechtzeitig hier“, versprach Lance. „Was ist dieses Mal eigentlich in den Präsenttüten?“

„Das T-Shirt und ein paar andere kleine Geschenke von der Firma. Und wir haben Wasserpistolen für die Kinder.“

„Warum nur für die Kinder?“, wollte Lance mit einem breiten Lächeln wissen.

„Weil Sie und Mitch es vergangenes Jahr damit ziemlich übertrieben haben.“

„Sind Sie immer noch sauer, weil wir Sie ins Kreuzfeuer genommen haben?“, fragte Lance unschuldig.

„Ach was, natürlich nicht“, erwiderte sie.

Nur zu deutlich erinnerte er sich daran, wie sich Kates labberiges, nasses T-Shirt an ihren Körper geschmiegt und ihre Brüste betont hatte. Irgendwie war ihm da schon aufgefallen, dass mehr hinter seiner unscheinbaren Sekretärin steckte. Damals hatte sie allerdings so niedergeschlagen ausgesehen, dass er schließlich sein eigenes Shirt ausgezogen und ihr angeboten hatte. Sie hatte es angenommen und ein paar Minuten später die Party verlassen.

„Worüber denken Sie nach?“, erkundigte sie sich.

„Darüber, wie Sie letztes Jahr in dem nassen T-Shirt ausgesehen haben.“

Ihre Wangen röteten sich. „Hören Sie damit auf. Sie sollten besser nicht an solche Dinge denken. Sie haben selbst gesagt, dass Sie keine weitere Versuchung mehr wollen.“

„Das war anscheinend keine meiner weisesten Entscheidungen, Kate.“

„Warum denn nicht?“

Rasch sah er sich um. Weil es immer noch sehr früh war, war außer den Leuten vom Partyservice, die alles aufbauten, und ihnen beiden noch keiner weiter da. Als er sicher sein konnte, dass niemand sie beobachtete, berührte er ihre Wange und blickte tief in ihre braunen Augen.

„Ich kann meine Gefühle für Sie nicht unterdrücken“, gestand er.

„Bitte, tun Sie das nicht.“ Sie biss sich auf die Unterlippe.

„Was soll ich nicht? Sie begehren?“

Sie trat rasch ein wenig zurück. „Sagen Sie nicht so was, denn sonst glaube ich Ihnen noch und mache wieder etwas Unüberlegtes, Sie küssen zum Beispiel. Dann ändern Sie wieder Ihre Meinung und ich komme mir wie ein dummes Mädchen vor.“

„Sie brauchen sich nicht dumm vorkommen“, sagte Lance und beugte sich herab, um sie zu küssen. Das hatte er schon die ganze Zeit über machen wollen, seitdem er gesehen hatte, wie Marcus im Büro mit Kate geflirtet hatte.

Er wollte Kate beweisen, dass er der einzige Mann war, den sie wirklich küssen wollte. Als er jetzt ihre Lippen auf seinen spürte, fühlte es sich so richtig an, und ihm wurde klar, dass er sich mehr nach ihr verzehrt hatte, als er bereit gewesen war zuzugeben. Lexi hin oder her, er musste einfach seinem Herzen folgen.

5. KAPITEL

Als Mitch endlich auf die Party kam, sah er wie ein durch und durch erfolgreicher Geschäftsmann aus. Ein Teil von Lance beneidete seinen jüngeren Bruder zwar, gleichzeitig fühlte er sich mit Kate an seiner Seite großartig.

„Ihr zwei seht ja sehr zufrieden aus“, bemerkte Mitch. „Ist es Lance jetzt doch gelungen, Sie zum Bleiben zu überreden, Kate?“

Als Kate ihren Kopf schüttelte, wurde Lance bewusst, dass es noch ein langer Weg für ihn werden würde, bis er sein Katie-Girl wieder endgültig zurückhatte.

„Lass uns in mein Büro ins Haus gehen und Darius anrufen“, schlug Lance seinem Bruder vor.

„Was, jetzt gleich?“

„Ja, ich hatte heute noch keine Gelegenheit, mit ihm zu reden, und die Presse ruft ständig an, um das Neueste zu erfahren.“

„Senator Cavanaugh erwartet auch ein paar Antworten. Und bis er die nicht hat, wird er uns weder mit seinem Namen noch mit seinem Geld unterstützen – gleichgültig, wie gut die Beziehung zwischen dir und Lexi läuft“, erklärte Mitch.

Oft bewunderte Lance seinen jüngeren Bruder im Stillen. Er sah ihrem Vater überhaupt nicht ähnlich, war aber vom gleichen Schlag wie ihr alter Herr, genauso unerbittlich, wenn es um Geschäfte ging. Und auch im Umgang mit Politikern war Mitch außerordentlich clever. Lance hingegen fühlte sich wohler mit den Arbeitern und Angestellten seiner Firma.

„Was siehst du mich so an?“, wollte Mitch wissen.

„Ich frage mich nur, wer dir den letzten Schliff verpasst hat, um das aus dir zu machen, was du jetzt bist.“

„Mom, schätze ich“, meinte Mitch achselzuckend.

„Wahrscheinlich hast du recht. Ich vergesse sie immer wieder“, entgegnete Lance. Alicia Brody hatte ihr Bestes gegeben. Doch als sie die Brutalität ihres Mannes nicht mehr ertragen konnte, hatte sie ihn schließlich doch verlassen. Lance hatte schon früh das Gefühl des Verlustes, das ihr Weggehen in ihm hervorgerufen hatte, tief in sich vergraben, sodass es kaum noch an die Oberfläche kam.

„Warum sie mich zurückgelassen hat, ist ja klar“, bemerkte Lance, als sie ins Haus gingen. „Ich sehe aus wie Dads verfluchter Doppelgänger. Aber was ist mit dir? Warum hat sie dich nicht mitgenommen?“

Während sie zur Bar im Wohnzimmer gingen, rieb Mitch sich den Nacken. „Vermutlich wollte sie nicht, dass einer von uns beiden alleine bleibt. Wahrscheinlich hat sie geahnt, dass du ohne mich aufgeschmissen wärst.“

Der Gedanke gefiel Lance ganz und gar nicht. Er hatte immer gedacht, dass er der Beschützer war, derjenige, der auf Mitch aufgepasst hatte. „Meinst du wirklich?“

„Verflucht, ich weiß es nicht. Ich bin nun mal keine Frau, und ich werde Frauen wohl auch nie verstehen“, murrte Mitch.

Lance lachte. Im Moment hatte er selbst genug Probleme mit Frauen. Die Verlobung hatte sein Leben keineswegs so unkompliziert werden lassen, wie er es sich vorgestellt hatte. Obwohl er wusste, dass es seine Aufgabe war, Lexi ein guter Ehemann zu sein, ahnte er, dass er Kate nicht so einfach vergessen könnte.

„Wo wir gerade von Frauen reden, ich habe Lexi übrigens eine Halskette gekauft. Glaubst du, sie gehört zu den Frauen, die ihr Geschenk gerne in der Öffentlichkeit überreicht bekommen?“, fragte Lance.

Mitch schenkte zwei Fingerbreit Whisky in ein Longdrinkglas und leerte es in einem Zug. „Nein“, erwiderte er.

„Ich war mir nicht sicher. Dann gebe ich es ihr, wenn sie später ins Haus kommt. Ich freue mich, dass sie heute da ist.“

„Ihr Dad hat sie darum gebeten. Ich schätze, er will herausbekommen, was hinter unserer Glitzerfassade steckt, die ich in Washington immer präsentiere“, erwiderte Mitch.

„Cavanaugh weiß, wer wir sind – Texaner, wie er. Und das sollte er nicht vergessen.“

Mitch schenkte seinem Bruder ebenfalls Whisky ein und reichte ihm das Glas. „Auf die Jungs aus Texas.“

Lance stieß mit ihm an und trank. Er genoss das leichte Brennen, das sich dabei in seinem Hals ausbreitete.

Draußen begann die Band zu spielen.

„Lass uns die Sache mit Darius schnell hinter uns bringen, damit wir wieder auf die Party können“, schlug er vor.

Lance ging durch den Flur voran in sein Arbeitszimmer, das mit dunkelbraunen Ledermöbeln geschmackvoll eingerichtet war. Lance hatte sehr genaue Vorstellungen davon gehabt, wie der Raum aussehen sollte, deshalb hatte er die Einrichtung selbst ausgesucht.

An der Wand hingen eine Schwarz-Weiß-Fotografie von Remington und ein Gemälde, das Mitch und ihn zeigte, als sie ihre erste ergiebige Ölquelle ausfindig gemacht hatten. Old Tilly, wie sie die Quelle scherzhaft genannt hatten, war im Hintergrund des Bildes zu sehen.

„Kannst du dich noch an diesen Tag erinnern?“, fragte Mitch, während er sich das Bild ansah.

„Natürlich. Ich denke sehr oft daran zurück. Damals habe ich gewusst, dass du und ich es schaffen würden.“

„Ich habe das schon immer gewusst“, entgegnete Mitch. „Keiner von uns beiden ist der Typ, der einfach aufgibt.“

Inzwischen hatte Lance Darius’ Nummer gewählt. Bereits nach dem zweiten Klingeln war seine Stimme über die Lautsprecher zu hören.

„Hier spricht Darius.“

„Hallo Darius. Wir sind’s, Lance und Mitch.“

„Einen schönen Unabhängigkeitstag wünsch ich euch. Ihr ruft wahrscheinlich wegen der Ermittlungen in der Brandsache an“, vermutete Darius.

Lance’ bester Freund kam nicht nur schnell auf den Punkt, man konnte sich auch hundertprozentig auf ihn verlassen.

„Du hast es erfasst“, bestätigte Lance.

„Ich fürchte, ich habe nicht viel Neues zu berichten. Man geht immer noch von Brandstiftung aus, und mittlerweile hat man den Brandherd gefunden. Allerdings weiß man immer noch nicht, was für ein Brandbeschleuniger verwendet wurde. Wenn sie das rausgefunden haben, können sie nachforschen, wo er gekauft worden sein könnte.“

„Was schätzt du, wie lange wird das dauern?“, erkundigte Lance sich.

„Schwer zu sagen. Aber ich stehe täglich mit denen in Kontakt, und ihr könnt mir glauben, dass sie echt hart daran arbeiten, den Fall aufzuklären.“

Danach gab Darius ihnen noch einige weitere Informationen, und nachdem er und Lance sich auf ein paar Drinks später in der Woche verabredet hatten, beendeten sie das Gespräch.

„Bist du nächste Woche hier in Houston?“, fragte Lance seinen Bruder.

„Wenn es mir gelingt, bis dahin Senator Cavanaugh wieder auf unsere Seite zu bringen, dann ja. Falls nicht, fliege ich nach Washington. Wir dürfen jetzt auf keinen Fall nachlassen.“

Lance nickte zustimmend. „Danke, dass du dich darum kümmerst.“

„Es ist ja auch meine Firma, und ich will genau wie du, dass wir die Probleme schnell überwinden“, entgegnete Mitch.

Als ihr Vater gestorben war, hatten die Brüder sich vorgenommen, dass die Firma immer an erster Stelle kommen und eines Tages die produktivste Ölgesellschaft der Welt werden sollte.

Seitdem hatte Brody Oil and Gas einige Hochs und Tiefs zu bewältigen gehabt, zu denen unter anderem Hurrikane und streikende Arbeiter ihren Beitrag geleistet hatten. Doch gemeinsam hatten Lance und sein Bruder alle Schwierigkeiten gemeistert, die sich ihnen in den Weg gestellt hatten. Diese Geschichte mit der Brandstiftung war lediglich eine weitere Komplikation – nichts, mit dem sie nicht fertig werden würden.

Kate versuchte, nicht an den Kuss zu denken, den Lance ihr vorhin am Empfangstisch gegeben hatte. Mit gesenktem Kopf stand sie im Sand und versuchte, Beachvolleyball zu spielen.

Lance war mit dem Aufschlag dran und machte seine Sache außerordentlich gut – so wie er in fast allem, was er tat, außerordentlich gut war. Er war für den Sport wie gemacht. Zwar waren alle Männer, die für Brody Oil and Gas arbeiteten, in guter körperlicher Verfassung, aber keiner sah in Kates Augen durchtrainierter aus als Lance. Noch sehr gut konnte sie sich an vergangenes Jahr erinnern, als er sein T-Shirt ausgezogen hatte, um es ihr zu geben.

Er wirkte wie ein drahtiger und agiler Boxer aus der Profiliga, und Kate hatte gehört, dass sein Vater tatsächlich gerne mit seinem Sohn gekämpft hatte.

„Kate!“

Als sie sich zum Netz umdrehte, sah sie den Ball auf sich zufliegen und hob rasch die Hände – weniger, um den Ball anzunehmen, als vielmehr, um ihren Kopf zu schützen. Mann, wie sie diese Art von Spielen hasste!

Der Ball prallte an ihr ab und wäre beinahe im Sand gelandet, wäre Marcus nicht blitzschnell zur Seite gesprungen, um den Ball gerade noch so nach oben zu schlagen. Gekonnt nahm ihre Kollegin Joan ihn an und schmetterte ihn kraftvoll über das Netz.

Kate beschloss, dass es für sie allmählich an der Zeit war, aus dem Spiel auszusteigen. „Ich gehe mal besser raus“, rief sie.

Keiner schien etwas dagegen zu haben, was Kate nur recht war, und so setzte sie sich an die Seitenlinie, von wo aus sie den Rest des Spiels beobachtete. Dabei unterhielt sie sich mit Familienangehörigen von langjährigen Mitarbeitern.

Viele Leute machten Kate Komplimente wegen ihres veränderten Äußeren, und sie bedankte sich bei allen. Mittlerweile hatte sie sich an ihr neues Aussehen gewöhnt und hatte nicht mehr den Eindruck, im Spiegel eine Fremde zu sehen.

Als Lance’ Team nach dem Spiel siegreich vom Platz ging, reichte Kate Lance eine Wasserflasche. Freudig umarmte er sie. „Wir haben gewonnen“, sagte er begeistert.

„Wie immer“, bemerkte sie lächelnd. Wenn sie bei Lance zu Hause waren, fühlte sie sich nie wie seine Sekretärin. Dieses Gefühl würde sie vermissen, wenn sie erst einmal nicht mehr für ihn arbeitete.

„Ja, gewinnen kann ich am besten.“

„Wie wahr“, erwiderte sie. Davon fühlte sich sich ganz besonders angezogen: Er hatte stets eine positive Grundeinstellung und verfolgte ein Ziel hartnäckig, bis er erreicht hatte, was er sich vorgenommen hatte.

„Begleiten Sie mich doch zum Haus“, schlug er vor.

„Warum?“

„Weil ich mit Ihnen reden möchte. Haben Sie an das Feuerwerk gedacht?“

„Ja“, erwiderte sie. „Alles ist genauso wie im vergangenen Jahr. Die Band weiß, wann sie anfangen soll und der DJ weiß auch Bescheid.“

Viele der Partygäste, an denen sie auf dem Weg zum Haus vorbeikamen, wollten mit Lance sprechen, sodass sie immer wieder anhielten, um ein wenig zu plaudern. Plötzlich entdeckte Kate Mitch, der mit Lexi Cavanaugh am Empfangstisch stand.

Die Frau war wunderschön, wirkte sehr vornehm und schien alles zu sein, was Kate ihrer Meinung nach nicht war. Sie würde die ideale Partnerin für Lance sein. Als Tochter eines Senators war sie daran gewöhnt, gesellschaftliche Kontakte zu knüpfen und sich in der Gesellschaft nützlich zu machen. Brody Oil and Gas suchte immer nach Möglichkeiten, sich bei den Gemeinden zu revanchieren, in denen ihre Raffinerien standen. Lexi würde sicher alles tun, was von ihr erwartet wurde.

„Trinken Sie ein Bier mit mir?“

Kate sah zu Marcus, der ihr ein Budweiser hinhielt. Lächelnd nahm sie es an. „Danke, dass Sie mich vorhin vor dem Ball gerettet haben“, sagte sie.

„Gern geschehen. Sie haben so ausgesehen, als wäre es nicht unbedingt Ihr Spiel.“

Sie zuckte mit den Schultern. „Ich habe gedacht, ich sollte es wenigstens einmal versuchen, bevor ich die Firma verlasse.“

„Ach, dann stimmt es also, was man so munkelt“, meinte Marcus und nahm einen kräftigen Schluck aus seiner Bierflasche.

Zweifellos war er ein attraktiver Mann, dachte sie. Er war groß, mindestens einen Meter neunzig, und sein roter Bart war sehr gepflegt. Das Haar trug er auf dem Kopf etwas länger, im Nacken allerdings modisch kurz geschnitten.

„Ja, es stimmt“, erwiderte sie und trank ein wenig Bier.

„Ich glaube, ich spreche für alle, wenn ich sage, dass wir Sie vermissen werden.“

„Das bezweifle ich. Jemand anders wird in Lance’ Büro sitzen und für euch Typen alles organisieren.“

„Aber dieser jemand ist nicht Sie“, beharrte Marcus.

„Ach, kommen Sie. Sie haben mich ja gar nicht beachtet, bevor ich mein Image gewechselt habe“, sagte sie und betrachtete ihn genauer. Auch wenn Marcus sicher sehr attraktiv war, Lance konnte er nicht das Wasser reichen.

„Ja, das stimmt. Trotzdem heißt das nicht, dass ich jetzt lüge.“

„Darf ich Sie was fragen?“

„Nur zu“, erwiderte Marcus.

„Warum bin ich vorher irgendwie unsichtbar gewesen?“, wollte Kate wissen. „Es lag doch sicher an mehr als nur an den labbrigen Pullovern und der Brille, oder?“

Marcus nahm einen weiteren Schluck von seinem Budweiser. „Ja, es ist mehr als das gewesen. Ich schätze, es war Ihre Einstellung. Sie waren ja nicht wirklich unsichtbar, sondern eher wie das Mädchen von nebenan, verstehen Sie? Mehr ein guter Kumpel und weniger eine Frau, für die sich ein Mann interessieren könnte.“

„Und jetzt ist das anders?“, wollte Kate wissen.

„Für mich schon.“

Kate nickte verstehend und wich seinem Blick aus.

„Ich bin also nicht der Mann, für den Sie sich so grundlegend verändert haben, richtig?“

„Verstehen Sie mich nicht falsch“, sagte sie kopfschüttelnd. „Sie sind attraktiv, aber kein Mann für mich.“

Er warf den Kopf in den Nacken und lachte herzhaft. „Meine Güte, es gibt tatsächlich Gerechtigkeit im Universum. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie oft ich genau das Gleiche in meinem Leben schon selbst gesagt habe.“

Jetzt musste Kate lachen, und sie gab Marcus einen flüchtigen Kuss auf die Wange. Dann drehte sie sich schwungvoll um, um zu gehen – und prallte gegen Lance, der genau hinter ihr stand.

Lance nahm Kate beim Arm und führte sie fort von Marcus. Nie zuvor war er so aufgebracht gewesen. Er sollte der einzige Mann sein, der Kate zum Lachen brachte – nicht Marcus.

„Geht es Ihnen gut?“, erkundigte Kate sich.

„Ich … nein, es geht mir nicht gut. Ich mag es nicht, wenn Sie mit Marcus flirten.“

„Es geht Sie überhaupt nichts an, mit wem ich flirte!“, sagte Kate erbost.

Es geht mich sehr wohl etwas an. Und zwar aus dem einfachen Grund, weil du mir gehörst, dachte er, aber wusste, dass es nicht stimmte, denn er hatte seinen Ring einer anderen Frau gegeben. Einer Frau, die er niemals heiraten können würde, wie ihm auf einmal klar wurde. Lexi war nicht das, was er von einer Frau erwartete. Sie weckte keinerlei Leidenschaft in ihm. Allerdings konnte Leidenschaft auch zu Eifersucht führen, und Lance konnte es sich nicht leisten, die Kontrolle über sich zu verlieren und wie sein Vater zu werden. Vielleicht war das die einzig richtige Lösung. Wahrscheinlich war Kate mit einem Typen wie Marcus besser dran, und Lance würde eine Frau heiraten, die ihn so kaltließ, dass er sich nicht zu unüberlegten Gefühlsausbrüchen hinreißen lassen würde.

„Verdammt. Ich weiß, ich habe kein Recht, das zu sagen, aber ich begehre Sie, Kate, und ich glaube, Sie fühlen genauso wie ich“, stieß er hervor.

Zwar errötete sie, versuchte aber nicht, sich aus seinem Griff zu befreien. „Ja, ich fühle genauso – schon seit einer sehr, sehr langen Zeit.“

„Gut.“

„Gut?“, wiederholte sie. „Das klingt etwas arrogant, finden Sie nicht?“

„Ja, es ist gut“, bekräftigte Lance. In den vergangenen Tagen hatte er sehr viel über Kate nachgedacht. „Wenn so starke Gefühle nicht auf Gegenseitigkeit beruhen, gibt es nur Probleme.“

„Ich weiß“, sagte Kate und dachte an die vergangenen fünf Jahre, in denen es ihr genauso gegangen war.

„Gott sei Dank“, erwiderte er und küsste sie. „Kommen Sie mit ins Haus, während ich eine Dusche nehme und mir etwas anderes anziehe.“

„Soll ich etwa mit Ihnen unter die Dusche kommen?“, fragte sie erstaunt.

„Wären Sie denn daran interessiert?“, fragte er mit hochgezogenen Augenbrauen.

Sie errötete und lächelte ihn verlegen an. „Vielleicht.“

Gerade als er ihre Hand in seine genommen hatte, um sie zum Haus zu führen, sah er ein paar Sanitäter über den Rasen laufen. Er ließ ihre Hand los und sie eilten zum Cateringzelt.

„Ich muss wissen, was da los ist“, sagte er.

„Ja, sicher“, stimmte Kate ihm zu und lief hinter ihm her.

Auf einer Bank zwischen zwei Sanitätern saß Lexi, deren Gesicht errötet war und überhitzt wirkte.

„Was ist passiert?“, fragte Lance.

„Erschöpfung wegen der Hitze, soweit ich das schon sagen kann“, erwiderte einer der Sanitäter.

„Geht es dir gut?“, wandte Lance sich an Lexi.

Ihr war die ganze Sache offenbar peinlich, und sie nickte verlegen. „Ich hätte wohl mehr Wasser trinken sollen.“

„Schon gut. Muss sie in die Notfallaufnahme?“, fragte Lance den Sanitäter.

„Nein, es reicht völlig, wenn sie sich in einem kühlen Raum aufhält und ihrem Körper ein wenig Erholung von der Sonne gönnt.“

„Dann lass uns ins Haus gehen“, schlug Lance vor.

Kate trat neben ihn, und der Ausdruck auf ihrem Gesicht verriet Lance, dass es allerhöchste Zeit war, die Sache mit Lexi zu beenden. Aber nicht jetzt und vor allem nicht auf diese Weise.

Er half seiner Verlobten auf die Beine, und Lexi lehnte sich hilfesuchend gegen ihn. Lance sah über sie hinweg zu Kate, die nur den Kopf schüttelte und fortging.

Es blieb ihm nichts anderes übrig, als sie gehen zu lassen. Er konnte ja kaum Kate hinterhergehen, wenn Lexi seine Hilfe brauchte.

Schließlich hatte er seine Verlobte zur Couch ins Wohnzimmer gebracht, wo sie es sich bequem machte.

„Vielen Dank, Lance.“

„Wofür?“, wollte er wissen und ihm fiel auf, wie wenig er von Lexi wusste. Sie war betörend schön, aber bisher hatte er mit ihr nur während einiger Dinnerpartys gesprochen.

„Dafür, dass du dich gerade jetzt um mich kümmerst. Es tut mir leid, die Sache ist mir wahnsinnig unangenehm.“

„Keine Ursache“, erwiderte Lance schulterzuckend. „Ich ziehe mich jetzt um. Kommst du ohne mich klar?“

Wortlos nickte sie.

„Ich habe eine Art Butler hier – sein Name ist Paul. Er ist zwar nicht gerade der ideale Gesellschafter, aber ich werde ihn bitten, nach dir zu sehen, wenn du es wünschst.“

„Nein“, entgegnete sie kopfschüttelnd. „Das brauchst du nicht, bitte. Ich möchte nur ruhig hier sitzen.“

„Bist du wirklich sicher?“

„Ja.“

Lance ließ sie alleine und ging die Treppen zu seiner Suite hinauf. Auf dem Weg dorthin rief er Mitch auf dem Handy an, weil er seinen Bruder draußen in der Menge der Partygäste nirgendwo gesehen hatte.

„Ja, Brody“, meldete Mitch sich.

„Ich bin’s, Lance. Könntest du vielleicht ins Haus kommen? Lexi hatte einen Schwächeanfall wegen der Hitze. Ich brauche aber jetzt unbedingt eine Dusche und will sie nicht zu lange alleine lassen.“

„Geht es ihr denn wieder gut?“

„Sie ist ein bisschen blass um die Nase und noch ziemlich schwach, aber ansonsten okay“, antwortete Lance.

„Sollen wir nicht besser einen Arzt rufen?“

„Nein, die Sanitäter haben sie schon untersucht. Wo bist du denn gewesen?“

Mitch ignorierte die Frage und sagte stattdessen: „Ich bin gleich da.“

„Gut. Ich bin oben. Sie sagt, sie braucht niemanden, aber ich möchte sie ungern alleine lassen, wenn es ihr nicht gut geht.“

„Ganz deiner Meinung. Ich habe ein Auge auf sie.“

Nachdem Lance aufgelegt hatte, duschte er rasch und zog sich frische Sachen an. Dabei dachte er an die beiden Frauen, die jetzt in seinem Leben eine Rolle spielten. Auch wenn Lexi nicht die Frau war, die er begehrte – in jedem Fall schuldete er ihr Respekt – und die Wahrheit.

Er machte sich auf den Weg nach unten – fest dazu entschlossen, sich mit Lexi auszusprechen. Er konnte sie einfach nicht heiraten – zumindest nicht, solange er diese Gefühle für Kate hegte.

Kate war die Frau, die er zum Leben brauchte, und er zweifelte nicht einen Moment daran, dass sie die Einzige für ihn war. Er musste einfach immerzu an sie denken.

Er beeilte sich, weil er es kaum noch erwarten konnte, mit seinem Bruder und Lexi zu sprechen. Mitch hatte ihm in der Zwischenzeit eine Textnachricht geschickt und mitgeteilt, dass er Lexi ins Hotel bringen würde.

Jetzt, da er eine Entscheidung zwischen Lexi und Kate getroffen hatte, fühlte Lance sich wesentlich besser. Er mochte die Art, wie sich seine unscheinbare Sekretärin verändert hatte, und heute war ihm bewusst geworden, dass er sie auf gar keinen Fall einfach so fortgehen lassen würde – komme, was wolle.

6. KAPITEL

Lexi Cavanaugh war wirklich eine hinreißend schöne Frau. Der Umstand, dass sie seine Verlobte war, hätte Lance zu einem sehr glücklichen Mann machen müssen. Aber eigentlich war sie eine vollkommen Fremde für ihn, und er fühlte sich in ihrer Gegenwart immer etwas unbehaglich. Ganz anders erging es ihm da allerdings mit Kate.

Kate. Er hatte für sich bereits beschlossen, seine Verlobung mit Lexi aufzulösen, aber er musste vorsichtig sein. Er konnte die Sache aber nicht einfach so beenden, da er auf Lexi und die einflussreichen Beziehungen des Senators angewiesen war.

Als er die letzten Treppenstufen hinunterging, hörte er, wie Mitch und Lexi mit erhobenen Stimmen miteinander sprachen. „Ist alles in Ordnung?“, fragte Lance.

Sein Bruder und seine Verlobte standen einander gegenüber. Die Tochter des Senators hatte ihre Hände zusammengeballt und Tränen in den Augen.

„Lexi, was ist hier los?“, wollte Lance wissen.

„Nichts“, erwiderte sie.

„Mitch?“, wandte er sich an seinen Bruder.

„Wir haben nur über eine Veranstaltung gesprochen, an der wir beide in Washington teilgenommen haben“, entgegnete der.

Lance nickte. „Ich bin froh, dass es dir wieder besser geht, Lexi. Ich möchte den Augenblick nutzen und dich in unserer Familie willkommen heißen. Mitch kennst du ja bereits – und das war’s auch schon. Wir sind nur eine kleine Familie.“

„Mir ist aufgefallen, dass dein Bruder alles für dich tun würde“, gab Lexi zurück und erntete dafür einen bösen Blick von Mitch.

„Und ich für ihn“, bekräftigte Lance.

Er holte aus einer Kommode ein sorgfältig eingepacktes Päckchen, das mit dem Emblem seines Stammjuweliers und einer schlichten weißen Schleife versehen war und hielt es Lexi lächelnd hin.

Allerdings schien sie ihm im Augenblick keine Aufmerksamkeit zu schenken.

„Möchtest du dich vielleicht setzen?“, fragte Lance.

„Nein, ich muss nach Hause“, erwiderte sie.

„Dann werde ich dich fahren“, bestimmte Lance.

Sie schüttelte den Kopf und sah dann auf das Päckchen in seinen Händen. „Ist das für mich?“

„Ja“, bestätigte er und gab es ihr.

Als sie es annahm, fiel ihm auf, dass ihre Nägel lang und sorgfältig manikürt waren. Und zum ersten Mal versuchte er sich vorzustellen, wie es wohl wäre, Lexi mit nach oben in sein Bett zu nehmen. Es konnte es nicht. Die einzige Frau, die er sich in seinem Bett vorstellen konnte, blieb Kate.

Kates langes braunes Haar auf seinem Kopfkissen. Kates hübsche braune Augen, mit denen sie ihn ansah … Kate war eindeutig die Frau, die er begehrte.

Lexi setzte sich, um das Geschenk auszupacken. Lance sah ihr dabei zu, während er sich fragte, ob er dabei war, einen großen Fehler zu begehen, wenn er sie heiratete.

Schließlich sah sie von der ungeöffneten Schachtel in ihren Händen auf. „Warum schenkst du mir eigentlich etwas?“, wollte sie wissen.

„Um dir dafür zu danken, dass du eingewilligt hast, meine Frau zu werden.“

Mit gesenktem Kopf öffnete sie das Schächtelchen und schnappte nach Luft,was Lance für ein gutes Zeichen hielt.

Verstohlen warf er seinem Bruder einen Blick zu, der seinerseits zu Lexi sah … auf eine Weise, die Lance daran erinnerte, wie er selbst Kate ansah. Verdammt, konnte es sein, dass Mitch in Lexi verliebt war?

„Hilfst du mir, sie anzulegen?“, fragte Lexi.

Lance machte einen Schritt auf sie zu, als er bemerkte, dass sein Bruder das Gleiche tat.

Mitch zuckte mit den Schultern. „Ist mir schon in Fleisch und Blut übergegangen, für dich einzuspringen.“

„Danke, Mitch. Ich wüsste nicht, was ich ohne deine Hilfe getan hätte.“

Lexi stand auf und nahm ihr Haar im Nacken zusammen, sodass Lance die Diamantkette um ihren Hals legen konnte.

„Ja, danke, Mitch, dass du deinen Bruder so gut vertreten hast“, sagte Lexi.

„Kein Problem, ich bin es gewohnt, mit schwierigen Erbinnen umzugehen.“

„Tatsächlich?“, fragte Lexi nach.

„Ja, unsere Mutter war schließlich auch eine.“

„Mom war vielleicht wirklich schwierig, aber Lexi ist überhaupt nicht wie sie“, widersprach Lance, der die ganze Unterhaltung ein wenig merkwürdig fand.

„Ja, natürlich nicht“, räumte Mitch ein, als sein Handy klingelte und er sich entschuldigte, bevor er das Gespräch annahm.

Zum ersten Mal, seitdem Lexi eingewilligt hatte, ihn zu heiraten, war Lance mit ihr alleine. Das war die Gelegenheit, herausfinden, ob sie beide eine Chance hatten. Also legte er seine Hände auf ihre Schultern und zog sie in seine Arme.

Sie sah zu ihm auf. Da war keine Leidenschaft in ihren Augen, eher … nein, er konnte nicht sagen, was sie im Augenblick fühlte.

Er presste seine Lippen auf ihre, doch ihr Mund war trocken und die Art, wie sie seinen Kuss erwiderte, ziemlich unaufregend.

Es sah ganz danach aus, als würde das eine ziemlich leidenschaftslose Ehe werden. Es war offensichtlich, dass Lexi sich nicht von ihm angezogen fühlte – genauso wenig, wie er von ihr.

„Vielen Dank für das Geschenk. Es ist sehr hübsch“, sagte sie schließlich.

„Es ist mir eine Freude“, entgegnete er.

Jemand hupte draußen, und Lexi warf einen Blick auf ihre Armbanduhr. „Das ist wohl mein Taxi.“

„Ich hätte dich aber auch gefahren“, beteuerte Lance.

„Ich will niemandem zur Last fallen. Danke für die Einladung zur Party. Es war sehr interessant zu sehen, was hinter eurer Firmenphilosophie steckt.“

„Gern geschehen. Kate hat gesagt, dass sie dich zum Meeting mit dem Team, das die Veranstaltungen plant, einlädt. Dann kannst du alle Beteiligten kennenlernen und sehen, wie so was bei uns organisiert wird.“

„Das hört sich großartig an, ich freue mich schon auf ihren Anruf.“ Sie plauderten die ganze Zeit, bis sie den Wagen erreichten und Lance die Tür für sie öffnete, damit sie einsteigen konnte.

Sie lächelte ihm noch einmal zu, als sie sich von ihm verabschiedete, und nachdem er die Tür geschlossen hatte, stand er noch eine Weile da und sah dem fortfahrenden Wagen nach.

Schließlich rieb er sich den Nacken. Er hatte das Gefühl, dass eine Hochzeit mit Lexi ein Fehler sein würde. Und das, obwohl er doch so stolz darauf war, immer alles richtig zu machen. Wäre es vielleicht besser gewesen, die Verlobung sofort aufzulösen? Das hätte nicht funktioniert. Lexi wirkte so verletzlich. Er musste unbedingt mit Mitch über dessen Gefühle für sie reden.

Zwischen seinem Bruder und Lexi war irgendetwas, und er hatte keine Ahnung, was das war. Doch darum würde er sich später kümmern. Im Augenblick hatte er einige Aufgaben als Gastgeber dieser Party – und genau die würde er jetzt erfüllen. Nachdem er Kate gefunden hatte.

Er musste sie unbedingt sehen und mit ihr reden. Während all der Zeit bei Brody Oil and Gas hatte er sich immer auf sie verlassen können, und er brauchte sie jetzt einfach an seiner Seite.

Kate war erleichtert, als die Sonne endlich unterging. Bald würde das traditionelle Feuerwerk starten. Das war schon immer der Teil der Party gewesen, auf den sie sich am meisten freute. Die meiste Zeit des Nachmittags und des Abends hatte sie versucht, Lance aus dem Weg zu gehen.

Irgendwie kam sie sich … albern vor. Eigentlich hatte sie ja vorgehabt, über Lance hinwegzukommen, und nicht, sich täglich noch mehr in ihn zu verlieben.

Es war verrückt, aber es hatte sie berührt, als sie Lance dabei beobachtet hatte, wie er sich um Lexi gekümmert hatte. Unter der harten Schale steckte eben ein weicher Kern. Lance’ Freunde konnten sich immer auf ihn verlassen.

Und so hatte er auch Lexi behandelt: Wie einen Freund und nicht wie die Frau, die er heiraten würde. So war er auch zu ihr gewesen, als sie noch für ihn gearbeitet hatte.

Was Kate brauchte, war ein neuer Job in einer anderen Stadt, aber sie konnte sich wirklich nicht vorstellen, irgendwo anders als im Süden von Texas zu leben. In dieser Beziehung war sie ganz anders als ihre Freunde von der Highschool, die es kaum hatten erwarten können, von hier fortzugehen.

Kate liebte das warme Klima, das in Houston herrschte. Großstadtflair und weite, unberührte Landschaft lagen hier dicht beieinander.

Als ein paar Kinder mit Wunderkerzen umherliefen, fühlte Kate einen Kloß im Hals. Schon immer hatte sie eine eigene Familie haben wollen, aber es hatte nie danach ausgesehen, dass dieser Traum von ihr in Erfüllung gehen würde. Auch jetzt schien sie kein Stück näher an diesem Ziel zu sein, einen Ehemann und Kinder zu haben, als in den ganzen Jahren zuvor.

„Hi Süße!“, hörte sie plötzlich Beccas Stimme.

„Becca! Toll, dass du es doch noch geschafft hast. Danke!“ Kate umarmte ihre Freundin. Gemeinsam gingen sie den von Fackeln beleuchteten Pfad entlang, der zu der Stelle führte, wo sich alle versammelten, um das Feuerwerk zu genießen.

„Das hätte ich mir um nichts in der Welt entgehen lassen. Es tut mir nur leid, dass ich erst so spät hier aufkreuze.“

„Kein Problem“, versicherte Kate. „Wahrscheinlich geht Lance nachher in den Texas Cattleman’s Club zur Afterparty, und ich wollte …“

„Eine Freundin?“, vervollständigte Becca Kates Satz. „Ich habe schon verstanden. Wie ist es denn heute gelaufen?“

„Eigentlich gut, glaube ich jedenfalls. Ich habe Lance geküsst, und es war …“

„Was?“

„Es war genauso, wie ich es mir immer vorgestellt habe. Aber dann hatte Lexi einen Schwächeanfall, und er musste sich um sie kümmern.“

Becca schob ihren Arm unter Kates. „Und? Geht es ihr gut?“

„Ja, sie ist okay. Aber das hat mir gezeigt, dass ich keine Affäre mit Lance haben will. Ich möchte eine ganz normale Beziehung mit ihm, die wir nicht vor der Öffentlichkeit verstecken müssen. Auf so ein Versteckspiel hab ich keine Lust.“

„Das ist die richtige Einstellung. Ich glaube nämlich nicht, dass es dir besonders liegen würde, eine Geliebte zu sein“, meinte Becca.

„Würde es dir denn liegen?“

„Um Gottes willen, nein.“

Die beiden Frauen lachten.

„Gibt es vielleicht noch einen anderen Mann, für den du dich interessierst?“, erkundigte Becca sich.

„Nein, aber ich glaube, dass Marcus mich mag.“

Wieder lachte Becca, und zum ersten Mal an diesem Tag entspannte Kate sich und fühlte sich geborgen in der Gesellschaft ihrer Freundin. Becca liebte Kate, wie sie war – gleichgültig, ob sie dick war oder hässliche Kleidung trug; das spielte für Becca keine Rolle.

„Das überrascht mich nicht, du bist schließlich eine sehr attraktive Frau.“

„Ja, genau. Du bist meine Freundin und musst so was sagen“, entgegnete Kate. „Nur eine Sache war echt seltsam: Lance war total aufgebracht, als ich mit Marcus geflirtet habe.“

„Zu schade“, meinte Becca sarkastisch. „Lance Brody hatte seine Chance bei dir. Aber er hat die Gelegenheit ungenutzt verstreichen lassen.“

„Vielleicht bedaure ich das ja, Becca“, sagte eine männliche Stimme hinter ihnen.

„Schön“, erwiderte Becca. „Es wurde auch langsam Zeit, dass Sie das einsehen, Lance.“

Kate drehte sich um und spürte, wie sie vor Verlegenheit rot anlief. Lance hatte sich, ohne dass sie es gemerkt hatte, zu ihnen gesellt.

„Ja, Sie haben recht“, sagte er.

Er begleitete die beiden Frauen zur Tanzfläche neben der Stelle, wo das große Barbecue stattfand. Sie unterhielten sich eine Weile, während die Band spielte. Schließlich ging Becca tanzen, und Kate warf Lance einen verstohlenen Blick zu. Zu gerne hätte sie jetzt auch mit ihm getanzt, aber das war sicher keine gute Idee, nicht, solange Lance und Lexi verlobt waren.

„Ich möchte Ihnen etwas zeigen“, sagte Lance und führte sie ein Stück vom geselligen Treiben fort. „Es ist der perfekte Ort, um das Feuerwerk zu bewundern.“

„Und wo soll das sein?“

„In meinen Armen.“

„Sagen Sie nichts, was Sie nicht meinen, Lance.“

„Ich meine es wirklich.“

„Und was ist mit Lexi? Wie geht es ihr überhaupt?“, wollte Kate wissen. Sie hatte die Tochter des Senators zwar nur flüchtig kennengelernt, wünschte ihr aber trotz der verzwickten Situation nichts Böses.

„Es geht ihr gut. Sie ist wieder in ihrem Hotel, um sich ein wenig auszuruhen.“

„Schön, dass es ihr wieder besser geht“, sagte Kate. „Lance … Ich kann das nicht: Mit einem Mann eine Affäre haben, der einer anderen Frau gehört.“

Lance umfasste zärtlich ihr Gesicht. „Heute ist mir bewusst geworden, wie sehr ich Sie brauche, Kate. Es tut mir so unendlich leid, dass ich nicht früher aufgewacht bin und bemerkt habe, was für eine unglaubliche Frau Sie sind.“

Die Versuchung war groß, ihm einfach zu glauben, doch Kate musste vorsichtig sein. „Und wann haben Sie ihre Meinung geändert?“

„Als ich gesehen habe, was für einen aufregenden Körper Sie haben.“

„Das ist aber nicht gerade sehr schmeichelhaft.“

„Doch, das ist es. Und es ist die Wahrheit. Ich werde Sie nicht anlügen und Ihnen erzählen, irgendwelche tiefschürfenden Einsichten in meine Gefühle gewonnen zu haben, als Sie gekündigt haben. Vielmehr habe ich erkannt, dass Sie alles haben, was ich mir immer von einer Frau gewünscht habe.“

„Lance …“, begann sie.

„Was? Soll ich lieber lügen? Sie wissen doch, dass ich nicht der Typ Mann bin, der so was macht. Ich bin aber auch nicht der Typ Mann, der sich etwas entgehen lässt, was er wirklich will. Und ich will Sie, Kate.“

Die schnörkellose Art, wie er seinen Gefühlen Ausdruck verlieh, ließ Kate weich werden. Es fühlte sich einfach wundervoll an, dass er nach all den Jahren der unerwiderten Liebe auch endlich so für sie empfand wie sie für ihn.

Er zog sie in seine Arme, um sie zu küssen. Es wurde ein sehr leidenschaftlicher Kuss. Kate versuchte nicht daran zu denken, dass sie sich Lance eigentlich aus dem Kopf schlagen wollte.

Doch gleichzeitig wusste sie, dass sie sich etwas vormachte, wenn sie wirklich glaubte, sie könnte ihn jetzt noch einfach gehen lassen. Sie wollte Lance Brody, und jetzt, da sie in seinen Armen lag, würde sie es auskosten und endlich erfahren, wie es war, von ihm begehrt zu werden.

Das war es, was sie sich schon seit ihrem ersten Tag bei Brody Oil and Gas gewünscht hatte. Sie schlang die Arme um seinen Nacken, stellte sich auf die Zehenspitzen und schmiegte sich an ihn.

Ihre Zungen berührten sich, und sie strich durch sein Haar, als sich in ihr plötzlich vor Aufregung alles zusammenzog.

Sie lag wirklich in Lance’ Armen!

Lance hatte eigentlich nicht vorgehabt, Kate zu verführen. Er wollte sie küssen, weil es eine Sünde gewesen wäre, es nicht zu tun. Heute war schließlich der Vierte Juli und er ein heißblütiger Texaner, der auf die harte Tour gelernt hatte, dass man für das, was man haben wollte, kämpfen musste.

Und Kate Thornton wollte er wirklich unbedingt. Als hinter ihnen feierliche Musik einsetzte und das Feuerwerk begann, hob er Kate auf seine Arme und trug sie auf das Haus zu. Kate lehnte ihren Kopf an seine Schulter und hielt sich an ihm fest. Er hatte gewusst, dass die Anziehungskraft zwischen ihnen beiden gegenseitig war, aber bis zu diesem Augenblick war ihm nicht bewusst gewesen, wie viel ihm das bedeutete.

Er musste unbedingt wissen, wie es mit ihr im Bett war. Wollte erfahren, ob die Frau, die sich in seinem Arbeitsleben unentbehrlich gemacht hatte, genauso wichtig für sein Privatleben werden würde. Er war sich fast sicher, dass es so sein würde.

„Du siehst irgendwie grimmig aus“, bemerkte sie.

„Wirklich?“

Sie nickte. „Bist du sicher, dass du das tun willst?“

„Absolut, ja, das bin ich“, entgegnete er, während er Kate die Treppe zum Schlafzimmer hochtrug.

„Ich bin es aber nicht“, sagte sie.

Etwas in ihrer Stimme ließ ihn innehalten. Auf keinen Fall wollte er sich ihr aufdrängen. Die Leidenschaft zwischen ihnen musste auch von ihr ausgehen. Mittlerweile kannte er Kate gut genug, um zu wissen, dass sie noch immer Selbstzweifel hatte.

Er wollte ihr zeigen, dass er sie liebte, wie sie war … na ja, dass er ihren Körper liebte, wie er war, verbesserte er sich selbst.

„Ich will dich zu nichts drängen, Kate“, versicherte er ihr und setzte sie ab. Gemeinsam gingen sie auf seinen Balkon, von wo aus man einen fantastischen Blick auf das Feuerwerk hatte. „Wie wär’s mit einem Drink? Vielleicht ein Red Hot?“, erkundigte er sich.

„Nein danke.“ Sie schüttelte den Kopf. „Ich hatte im letzten Jahr einen und bin immer noch ein bisschen betrunken davon.“

Lance lachte. Mittlerweile war er selbst ein wenig nervös geworden. In den Vorstandsetagen und auf Ölfeldern kannte er sich aus, aber Frauen – zumindest die eine, die ihm wirklich etwas bedeutete – waren eine ganz andere Sache. Und Kate war auf dem besten Wege, die Frau zu werden, die ihm sehr viel bedeutete.

„Dann vielleicht Champagner?“, schlug er vor.

„Danke, ich brauche im Moment nichts.“

„Immer noch nervös?“

„Ein wenig. Weißt du, ich habe mir schon so oft vorgestellt, hier mit dir zu sein … so, wie wir es jetzt sind … ich weiß schon gar nicht mehr, wie oft.“

„Ist es so, wie du es dir vorgestellt hast?“

Als sie den Kopf schüttelte, umspielten ihre langen, seidigen Locken ihren Hals.

„Was kann ich tun, damit es so wird, wie du es dir vorgestellt hast?“, fragte er, bevor er sich neben sie setzte und den Arm um sie legte. Sie kam ihm plötzlich wie ein kleiner, hilfloser Vogel vor. Zärtlich drückte er sie an sich. „Warum hast du eigentlich so viel abgenommen?“

Schulterzuckend wandte sie den Blick ab.

„Entschuldige, war diese Frage zu persönlich?“, erkundigte er sich.

Sie nickte und sah ihn dann mit ihren schokoladenbraunen Augen an. „Ich musste es einfach tun. Es war ungesund, und außerdem wollte ich endlich nicht mehr unsichtbar sein.“

„Du bist aber nicht vollkommen unsichtbar gewesen“, versicherte er ihr.

„Oh, doch, das bin ich. Oder hättest du mich vielleicht früher hierher eingeladen?“ Sie ging zum Geländer und lehnte sich mit dem Rücken dagegen, sodass sie Lance weiterhin ansah.

„Ist es sehr schlimm für dich, dass ich es nicht gemacht habe?“, fragte Lance.

„Natürlich. Aber nicht aus dem Grund, den du jetzt vielleicht annimmst. Es ist schade, dass ich so viele Jahre meines Lebens vergeudet habe.“

„Aber du bist doch nicht alt, Kate.“

„Alt genug. Und nur durch deine Verlobung mit einer anderen Frau bin ich aus meiner Starre erwacht.“

„Meine Verlobung?“

„Ich habe dir doch gesagt, dass ich seit Langem in dich verliebt bin.“

„Das tut mir leid, Katie-Girl. Meine Verlobung hatte wirklich nur rein politische Gründe.“

„Wirklich? Was ist mit Lexi? Weiß sie das? Empfindest du denn gar nichts für sie?“

Auch Lance stand jetzt auf. „Sie weiß, dass unsere Verlobung für unsere beiden Familien von Vorteil ist. Und um ehrlich zu sein, heute Abend ist mir klar geworden, dass ich diese Verlobung lösen muss.“

„Warum?“

Obwohl Lance eigentlich kein Mann war, der gerne über seine Gefühle sprach, wusste er, dass er dieses Mal nicht schweigen durfte. „Es kommt mir irgendwie nicht richtig vor, sie zu heiraten.“

Langsam ging er zu Kate und blieb nur wenige Zentimeter vor ihr stehen. „Willst du denn gar nicht wissen, warum?“

Kate sah zu ihm auf. Wie hatte er bloß diese wundervollen Augen so lange übersehen können?

„Warum?“, fragte sie atemlos.

„Ich kann sie nicht heiraten, weil du mir einfach nicht aus dem Sinn gehst.“

„Du … ist das dein Ernst?“

„So ernst ist es mir noch nie mit irgendwas gewesen, Baby. Und ich werde dich nicht gehen lassen, bevor wir eine Lösung gefunden haben.“

7. KAPITEL

Kate war einfach überwältigt von Lance. Sie legte ihre Hände auf seine Brust und beugte sich vor, um seine Lippen zärtlich mit ihrer Zunge zu berühren. Als sie den Mund leicht öffnete, konnte sie seinen Atem deutlich spüren. Mit geschlossenen Augen rieb sie ihre Lippen sacht an seinen.

Diesen Augenblick wollte sie genießen und zu einem der Momente machen, an die sie sich bis zum Ende ihres Lebens erinnern würde.

Wenn sie in der vergangenen Woche etwas gelernt hatte, dann wohl, wie viel ihr Lance bedeutete. Auch, wenn ihr Glück voraussichtlich nicht für immer währen würde.

Aber in diesem Augenblick war sie unendlich glücklich, und dieses Gück wollte sie genießen. Sie hielt sich an seinen Oberarmen fest und berührte mit ihrer Zunge sanft seine. Er schmeckte nach dem Bier, das er vorhin getrunken hatte. Daneben hatte er aber auch seinen eigenen Geschmack, der ihr allmählich immer vertrauter wurde.

Behutsam erwiderte er ihren Kuss. Dabei spürte sie, wie er mit seiner Hand langsam über ihren Bauch nach oben strich. Mit der anderen streichelte er ihr Haar.

Immer intensiver wurde der Kuss. Von ihren Lippen bis in ihren Nacken breitete sich in Kate ein erregendes Kribbeln aus. Sie merkte, wie sich ihre Brüste anspannten, und schmiegte sich noch dichter an Lance, sodass ihre erregten Brustknospen gegen seinen Oberkörper drückten.

Unwillkürlich stöhnte sie auf. Weil ihr das unangenehm war, zog sie sich schnell wieder zurück.

Doch er hielt sie fest. „Was ist, Honey?“

Was war nur in sie gefahren, dass sie wirklich glaubte, mit so einem großartigen Mann zusammen sein zu können? Sie schüttelte den Kopf. Hatte sie etwa vergessen, dass ihre Veränderung nur ihr Äußeres betraf? Sie war doch immer noch Kate Thornton!

Aber das hier war Lance Brody, und der bekam immer, was er wollte. Sanft aber bestimmt zog er sie wieder an sich. Dabei blieb ihr nicht verborgen, wie erregt er war.

Als sie aufsah, blickte sie direkt in seine Augen, und mit einem Mal wurde ihr klar, dass ihr das nicht reichte. Sie wollte alles von ihm sehen, sie wollte ihn ganz und gar fühlen.

Wenn sie jetzt einen Rückzieher machte, wäre ihre ganze Verwandlung wirklich nur eine Fassade gewesen, die sie vor ihrem alten, faden Leben errichtet hatte. Aber sie hatte sich verändert.

Mit diesem neuen Mut umfasste sie Lance’ Gesicht und zog es an ihres heran. „Du küsst verteufelt gut“, meinte sie.

Lächelnd erwiderte er ihren Blick, und das allein brachte ihren Puls zum Rasen. „Und das ist erst der Anfang.“

Anstatt sich weiter über die Zukunft Sorgen zu machen, beschloss Kate, zu entspannen und den Augenblick in vollen Zügen zu genießen. Sie begehrte Lance. Er begehrte sie. Gemeinsam würden sie aus diesem Abend eine wunderschöne Erinnerung machen.

Erneut küsste Lance sie und hob sie dann auf seine Arme. Es war ein großartiges Gefühl. Die meiste Zeit ihres Lebens hatte sie zu viel gewogen, und Lance war der erste Mann, der sie einfach so hochhob, seitdem sie eine erwachsene Frau war. Sie kam sich plötzlich so wunderschön vor wie all diese verführerischen Frauen in den Kinofilmen, die ständig von starken Helden herumgetragen wurden.

Lance ging mit ihr in sein Schlafzimmers, wo er sie absetzte und sie unter leidenschaftlichen Küssen langsam entkleidete. Unwillkürlich verschränkte sie die Arme über der Brust, denn obwohl sie abgenommen hatte, glaubte sie immer noch, dass ihr Körper nicht schön genug war, um von einem Mann begehrt zu werden. Verstohlen sah sie auf die leichten Dehnungsstreifen an ihren Brüsten und ihren Bauch, der wohl nie vollkommen flach werden würde.

„Was tust du da?“, fragte Lance verwirrt.

„Ich sehe nackt nicht gerade schön aus“, sagte sie leise.

Kopfschüttelnd zog er ihre Hände von ihren Brüsten fort und streckte ihre Arme aus, sodass Kate sich vollkommen entblößt vorkam. Zu entblößt. Das war einfach alles zu viel für sie.

Als sie sich gerade abwenden wollte, schloss er sie erneut in die Arme und zog sie dicht an sich. „Kate, fühlst du denn nicht, was du mit mir machst?“ Mit diesen Worten nahm er ihre Hand und legte sie auf seine Hose. Kate begann unwillkürlich, ihn dort zu streicheln, und Lance widmete sich hingebungsvoll ihren Brüsten. Langsam verwöhnte und liebkoste er sie, jedoch ohne ihre festen Brustspitzen zu berühren. Sie biss sich auf die Lippe, weil sie es kaum noch erwarten konnte, dass Lance sie dort berührte.

„Katie?“

„Hm?“

„Ich finde deinen Körper total heiß und sexy“, sagte er und strich endlich über ihre Brustwarzen, und das wonnevolle Gefühl, das sie daraufhin durchströmte, vertrieb ihre Selbstzweifel. Als er daraufhin begann, an ihren Brustspitzen zu saugen, zog sie ihn näher an sich.

„Lance, zieh dein Hemd aus“, flüsterte sie und überraschte sich selbst mit ihrer Bitte. Doch Kate hatte sich vorgenommen, jede Sekunde mit Lance zu genießen, also gehörte das dazu.

„Zieh du es für mich aus“, entgegnete er heiser.

Mit einer schnellen Bewegung zog sie ihm das Hemd über den Kopf. Er warf es zur Seite, und Kate konnte der Versuchung nicht widerstehen, berührte seine muskulöse Brust und folgte mit den Fingern der Linie feiner Härchen. Am Bund seiner Jeans hielt sie inne.

„Du gefällst mir so, oben ohne“, sagte sie.

„Wirklich?“

„Ja.“ Plötzlich kam sie sich noch verletzlicher vor. Sie hatte nicht vorgehabt, sich Lance gegenüber so sehr zu öffnen. Aber sie konnte einfach nicht anders, wenn dieser Mann sie ansah.

Bevor sie weiter darüber nachdenken konnte, hatte Lance sich schon zu ihrem Hals gebeugt und küsste und liebkoste sie leidenschaftlich.

Er hielt nur kurz inne, um sie aufs Bett zu heben. Dann setzte er sein erregendes Zungenspiel fort und glitt dabei immer tiefer, bis zu ihren Brüsten. Ganz behutsam reizte er mit seinen Zähnen ihre empfindliche Haut. Kate erschauerte und rang nach Atem. Mit einer Hand streichelte er ihre andere Brust, und wieder presste sie sich voller Verlangen gegen Lance’ muskulösen Körper.

Mit vor Aufregung zitternden Fingern versuchte sie, seine Hose zu öffnen. Sie wollte ihn jetzt unbedingt ganz nackt sehen – doch so würde das nicht klappen, wie sie schnell feststellte. Wieder kam – für sie vollkommen überraschend – die schamlose Frau in ihr durch, von deren Existenz sie bis vor Kurzem keine Ahnung gehabt hatte.

„Zieh deine Jeans aus“, flüsterte sie erregt.

Bereitwillig stand er auf und folgte ihrer Aufforderung. Als er sich der Sachen entledigt hatte, kam er wieder zum Bett und beugte sich über Kate. Sie umfasste ihn und führte ihn dichter an sich heran, während sie voller Verlangen die Beine immer weiter spreizte. „Komm, ich will dich spüren.“

Nachdem er ein Kondom vom Nachttisch genommen und es übergestreift hatte, beugte er sich wieder über sie. Mit dem Oberkörper rieb er über ihre von seiner Zunge feuchten Brustwarzen, was Kates Erregung noch steigerte.

Sie legte beide Hände auf seinen Po, als er vorsichtig in sie drang. Dabei trafen sich ihre Blicke – und dabei hatte sie das Gefühl, dass sie sich nicht nur in die Augen sahen. Es war mehr so, als ob sich ihre Seelen begegnen würden. Im Rausch ihrer Empfindungen fühlte es sich auf einmal an, als würde sich ihr Körper immer fester an Lance schmiegen, und Kate erreichte sehr schnell den Höhepunkt. Lance umfasste ihre Hüfte und drang wieder in sie ein, bevor er ihr, laut ihren Namen stöhnend, auf den Gipfel folgte.

Erschöpft lag sie danach in Lance’ Armen und kuschelte sich an seine Seite, während sie seinem beruhigenden Herzschlag lauschte. Mit geschlossenen Augen atmete sie tief aus und schmiegte sich noch enger an den Mann, den sie schon seit Langem so sehr begehrt und geliebt hatte. Genau in diesem Moment hatte sie alles, wonach sie sich jemals gesehnt hatte. Ihre Träume waren endlich wahr geworden.

Lance erwachte mit einem sehr angenehmen Gefühl der Erregung und seinen Händen auf Kates Brüsten. Diese Frau fühlte sich so wahnsinnig gut an. Er rieb sich an ihrem Rücken und schmiegte seinen Kopf an ihren Hals. Schläfrig bewegte sie sich in seiner Umarmung und erwiderte seine Liebkosungen mit offensichtlichem Wohlbehagen.

Zärtlich knabberte er an ihrem Hals und bewunderte Kates Anblick im Schein der Morgensonne. Kate war einfach wundervoll. Zwar wusste er, dass sie anders darüber dachte, aber als den Körper betrachtete, den er in seinen Armen hielt, wusste er, dass er nie zuvor eine schönere Frau gesehen hatte.

Sanft reizte er ihre Brustspitzen, bis sie ihre Augen halb öffnete und leise stöhnte, wie sie es letzte Nacht getan hatte, als sie sich so leidenschaftlich geliebt hatten. Er drehte sich ein wenig, sodass sie spüren musste, wie erregt er war. Es war eine ganze Weile her, dass eine Frau bei ihm übernachtet hatte, aber es fühlte sich vollkommen richtig für ihn an, dass Kate jetzt bei ihm war.

„Guten Morgen.“ Er küsste sie auf den Mund und streichelte sie sanft. Kate in seinem Schlafzimmer war genau das, was er sich in diesem Augenblick wünschte.

„Guten Morgen“, erwiderte sie und hielt sich die Hand vor den Mund.

Er zog ihre Hand weg und küsste Kate ein weiteres Mal. „Du schmeckst gut heute Morgen, Honey. Und du siehst auch gut aus.“

Errötend barg sie den Kopf an seiner Brust, und er schlang die Arme um sie und wiegte sie zärtlich. Kate kam ihm sogar noch schöner vor als in der vergangenen Nacht. Ihr dunkles, dichtes Haar lag auf dem Kissen ausgebreitet, und das Make-up, das sie gestern noch getragen hatte, war verschwunden, sodass er die natürliche Schönheit ihrer Augen bewundern konnte.

„Du bist mit deinen Kontaktlinsen eingeschlafen. Musst du sie nicht rausnehmen?“, fragte er.

Sie schüttelte den Kopf. „Nein, es sind welche, die man einen ganzen Monat lang tragen kann. Es war schon schwer genug, sie das erste Mal überhaupt reinzubekommen.“

„Warum trägst du sie dann?“

„Weil die Brille ein Teil meines alten Ichs gewesen ist.“

„Das bin ich auch mal gewesen – doch das hat sich hoffentlich in der Zwischenzeit geändert, oder?“

Kate lachte. „Ich habe mich eigentlich immer nur hinter der Brille versteckt. Sie war wie ein Schutzschild für mich, aber das will ich jetzt nicht mehr.“

Er strich über ihre Schulter bis zu ihrem Rücken, was sie erzittern und ihre Brustspitzen erneut hart werden ließ. Sie war so wundervoll empfänglich für seine Berührungen, das gefiel ihm. Er drehte Kate auf den Rücken und begann, an ihren Brüsten zu lecken und zu saugen, bevor sein Atem über ihre feuchte Haut strich und er beobachtete, wie sich die Brustwarzen zusammenzogen. Vor Wonne fuhr Kate mit ihren Fingernägeln über seinen Rücken.

„Was machst du da?“, wollte sie wissen.

„Dich am Morgen lieben“, erwiderte er und zog eine Spur aus Küssen von ihren Brüsten bis zu ihrem Bauch.

„Warum?“

„Weil ich es kann“, sagte er und küsste sie leidenschaftlich, bis Kate sich genüsslich unter ihm auf dem Bett wand.

Er hielt inne, um sich dann wieder ausgiebig ihrem Körper zu widmen. Für ihre Brüste nahm er sich besonders viel Zeit. Als er an einer Brustspitze zu saugen begann, erschauerte Kate und zog seinen Kopf fest an sich. Liebevoll berührte er sie an den Stellen, wo noch schwache Spuren davon zeugten, wie viel Kate abgenommen hatten, und küsste sie. Ihm wurde mit einem Mal bewusst, wie stolz er auf Kate war. Sie hatte ihr Leben wirklich von Grund auf verändert.

Er rutschte immer tiefer, bis er zwischen ihren Oberschenkeln angekommen war und zu Kate hochsah. „Darf ich dich hier auch küssen?“

Schwer schluckte sie und schob die Hände neben ihre Hüfte. „Das hat noch nie jemand getan.“

„Wenn du es nicht magst, höre ich auf“, versicherte er ihr.

Langsam spreizte sie die Beine, was er als Zustimmung deutete. Er senkte den Kopf und berührte behutsam ihre empfindsamste Stelle, bevor er sie mit den Lippen zu verwöhnen begann. Erregt hob sie die Hüfte.

Fest zog er sie an sich, um sie noch intensiver zu liebkosen und zu schmecken. Mit den Fingern erkundete er sie und nahm ihren Duft tief in sich auf. Schließlich hob er den Kopf, um ihr Gesicht zu betrachten.

Sie hatte die Augen geschlossen und den Kopf zurückgelegt. Weil sie sich auf die Schultern stützte, fiel sein Blick sofort auf ihre wunderschönen Brüste, deren Spitzen hart waren und geradezu nach seiner Aufmerksamkeit zu rufen schienen. Im Licht der Morgensonne strahlte ihr ganzer Körper eine überwältigende erotische Anziehungskraft aus.

Als er den Kopf wieder senkte, verwöhnte er sie weiter mit Zunge, Lippen und Fingern, bis er spürte, dass sie kurz vorm Höhepunkt war, und er sicher war, dass sie sich vollends nach ihm verzehrte.

Sie umfasste seinen Kopf, als sie das Becken hob, um ihm noch näher zu kommen, doch er wich zurück, damit sie nicht zu früh bekam, wonach sie sich so sehr sehnte.

„Lance, bitte“, stieß sie heiser hervor.

Noch einmal glitt er behutsam mit der Zunge über ihre empfindsamste Stelle.

Kate schrie laut auf, als sie den Gipfel der Lust erklomm und unter dem Ansturm ihrer Gefühle erzitterte. Während die Wellen allmählich abzuebben schienen, hielt Lance sie fest im Arm, drehte sich mit ihr auf den Rücken und lächelte sie genießerisch an, als sie auf ihm lag. „Setz dich auf, Honey“, sagte er.

Mit den Händen stützte sie sich an seiner Schulter ab, warf ihm ein sinnliches Lächeln zu und setzte sich rittlings auf ihn. Endlich wurden seine geheimsten Träume wahr. Gerade noch rechtzeitig fiel ihm ein, dass er sich schützen musste.

„Warte“, flüsterte er schnell. Mit wenigen Handgriffen riss er die Verpackung auf.

„Lass mich das machen“, entgegnete Kate und streifte ihm kurz darauf das Kondom über.

Im nächsten Moment drang er in sie ein, spürte ihre feuchte Wärme und rang vor Begehren nach Atem.

„Mach mit mir, was du willst“, schlug er vor.

„Ich will alles, aber ich weiß nicht, ob ich …“

Sanft führte er sie und verlor beinah die Selbstbeherrschung, als er sah, wie lustvoll sie sich zu bewegen begann. Er zog sie an sich und konnte nur noch daran denken, ihr so nah wie möglich zu sein.

Immer drängender und von grenzenloser Begierde erfüllt, drang er in sie ein, und sie kam ihm entgegen und legte ihre Arme um seine Schultern. Seine Bewegungen wurden heftiger, und jeder seiner Muskeln war angespannt.

Er schob eine Hand zwischen ihre Körper und begann, ihre empfindsamste Stelle zu streicheln, bis er spürte, wie sie erzitterte, dem Höhepunkt unaufhaltsam entgegentrieb und ihn schließlich erreichte.

Und dann ließ auch er sich fallen und gab sich ganz den heftigen Gefühlen hin, die ihn durchströmten. Schließlich drehte er sich mit Kate um, sodass er auf ihr lag, und ließ erschöpft und glücklich den Kopf auf ihre Brust sinken.

Eine Woche später hatte Lance immer noch keine Gelegenheit gefunden, mit Lexi zu reden, die zurück nach Washington geflogen war. Aber immerhin hatte er Kate davon überzeugt, auch weiterhin seine Assistentin zu bleiben. Außerdem hatte er sie jeden Abend zum Dinner ausgeführt – und in den meisten Nächten hatten sie sich danach leidenschaftlich geliebt.

Die Ermittlungen wegen des Feuers in der Raffinerie gingen quälend langsam voran. Mitch war wieder nach Washington geflogen, und seit der Party hatte Lance nicht mehr mit ihm gesprochen. Sie waren bereit, die Arbeit in der Raffinerie wieder aufzunehmen – schließlich mussten sie das Rohöl weiterverarbeiten.

Lance wählte Darius’ Nummer.

„Hallo, hier ist Darius.“

„Darius, mein Freund, was gibt’s Neues aus der Raffinerie?“, begrüßte Lance ihn.

„Nicht viel, fürchte ich. Der Experte versucht immer noch herauszufinden, was für ein Brandbeschleuniger verwendet worden ist.“

„Kann man dem Mann trauen? Ist er auch wirklich ein Fachmann?“, wollte Lance wissen.

„Ja, ich glaube schon. Ich rufe ihn später noch mal an und melde mich bei dir, sobald ich was Neues weiß.“

„Danke, Darius. Ich bin froh, dass du dich darum kümmerst.“

„Dafür sind Freunde schließlich da, oder?“, meinte Darius.

„Da hast du recht.“

„Wo wir gerade von Freunden reden … Was habe ich da über deine Verlobung gehört?“

Lance sah durch die offene Tür zu Kates Schreibtisch. Er konnte sie nicht sehen, hörte aber, wie sie etwas in ihren Computer eingab.

„Das ist eine komplizierte Geschichte“, sagte er nur.

„Ist es das nicht immer, wenn es um Frauen geht?“, scherzte Darius.

Lance lachte. „Ja, unbedingt. Aber ich kann nicht mehr darüber sagen, bevor ich nicht mit der Lady gesprochen habe, die es ebenfalls betrifft.“

„Verstehe. Ich würde es auch nicht anders machen.“

„Danke, Darius.“

In dem Moment, als Kate das Büro betrat, legte er auf.

„Marcus will dich später kurz sprechen“, teilte sie ihm mit.

„Gibt es sonst noch was?“, fragte Lance. In der letzten Zeit hing Marcus für Lance’ Geschmack ein wenig zu oft im Büro herum, und er konnte sich denken, dass Kate der Grund dafür war.

„Das hier ist für dich mit dem Kurier gekommen. Es ist wohl dringend“, sagte sie und reichte ihm einen Briefumschlag.

Bevor sie gehen konnte, hielt er sie am Handgelenk fest. Vermutlich war in dem Umschlag das Armband, das er gestern Abend für Kate bestellt hatte. Er wollte ihr ein besonderes Geschenk machen, doch bevor er nicht mit Lexi geredet hatte, kam ein Ring nicht infrage.

Dachte er wirklich darüber nach, Kate Thornton zu heiraten?

„Kannst du bitte die Tür schließen?“, bat er sie.

„Nein, man wird über uns reden, wenn wir die Tür zumachen. Wenn ich hier bin, ist sie immer offen“, wandte Kate ein.

„Katie-Girl, was denkst du denn von mir?“

Errötend erwiderte sie seinen Blick. „Nichts.“

Als sie sich umdrehte, um wieder in ihr Büro zurückzukehren, griff er über ihren Kopf hinweg, um die Tür zuzustoßen und sie so am Gehen zu hindern.

„Dreh dich um“, forderte er sie auf.

Langsam tat sie, was er verlangte.

„Und, war das so schwer?“, fragte er.

Kopfschüttelnd sagte sie: „Du bist heute ziemlich herrisch.“

„Das magst du doch“, entgegnete er und dachte dabei an die vergangene Nacht, als sie sich geliebt hatten und sie bereitwillig seiner Aufforderung gefolgt war, sich hemmungslos gehen zu lassen.

Kate errötete, wahrscheinlich dachte sie dasselbe wie er. „Was willst du denn von mir?“

Autor

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