Unerwartete Babys - unerwartetes Glück (6-teilige Serie)

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TANZ AUF DEN KLIPPEN

  • Erscheinungstag 19.03.2020
  • ISBN / Artikelnummer 9783733716264
  • Seitenanzahl 960
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Cover

Maggie Cox, Melanie Milburne, Sarah Morgan, Annie West, Lindsay Armstrong, Jennie Lucas

Unerwartete Babys - unerwartetes Glück (6-teilige Serie)

IMPRESSUM

Tanz auf den Klippen erscheint in der HarperCollins Germany GmbH

Cora-Logo Redaktion und Verlag:
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Fax: +49(0) 711/72 52-399
E-Mail: kundenservice@cora.de

© 2006 by Maggie Cox
Originaltitel: „The Pregnancy Secret“
erschienen bei: Mills & Boon Ltd., London
Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

© Deutsche Erstausgabe in der Reihe JULIA EXTRA
Band 269 - 2007 by CORA Verlag GmbH & Co. KG, Hamburg
Übersetzung: Karin Seemann

Umschlagsmotive: ViDI Studio / Shutterstock

Veröffentlicht im ePub Format in 03/2020 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 9783733716165

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.
CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:
BACCARA, BIANCA, JULIA, ROMANA, HISTORICAL, TIFFANY

 

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1. KAPITEL

Den ganzen Tag hatte Caroline das Gefühl, das Meer würde sie rufen. Deshalb schloss sie den Laden pünktlich um halb sechs, schwang sich auf das Fahrrad und fuhr so schnell zum Strand, als würde sie verfolgt. Dort angekommen, sprang sie vom Rad und lief ans Wasser. Die frische Luft atmete sie so begierig ein, dass man beinahe hätte glauben können, sie hätte die letzten Stunden in einem stickigen düsteren Verlies verbracht.

Es war ganz egal, wie ein Tag verlief: Sobald sie am Strand war, schien die Welt wieder in Ordnung. Sie liebte das Meer und konnte sich nicht vorstellen, woanders zu leben.

Caroline wusste selbst nicht, warum sie schon am Morgen beim Aufstehen so nervös gewesen war. Ihre Unruhe hatte bis in die Abendstunden angehalten. Es gab jedoch keine vernünftige Erklärung dafür, dass sie sich nicht hatte konzentrieren können. Mit den Kunden, die in ihren kleinen Laden für Künstlerbedarf und Kunstgewerbe kamen, hatte sie sich kaum unterhalten. Das war recht ungewöhnlich.

Auch wenn keine Kunden im Laden waren, gab es genug für sie zu tun. Aber Caroline hatte sich zu nichts aufraffen können. Stattdessen hatte sie immer wieder sehnsüchtig auf die Uhr geblickt. Am liebsten hätte sie das Geschäft schon früher geschlossen, um sich zu ihrer Lieblingsbucht zu flüchten oder sich mit Malen abzureagieren. Aber das hatte sie natürlich nicht getan.

Während sie jetzt die schaumgekrönten Wellen betrachtete, die sich an den Felsen brachen, war sie bestürzt über den Schmerz, der in ihr aufstieg. Ehrlicherweise gestand sie sich sogleich ein, dass sie ihn den ganzen Tag gespürt, ihn jedoch immer wieder verdrängt hatte. Jetzt konnte sie ihn nicht länger ignorieren. Schon seit siebzehn Jahren war ihr dieser Schmerz sehr vertraut, sie war nur zuweilen erstaunt darüber, dass er immer noch so heftig war und sie derart aus dem seelischen Gleichgewicht brachte.

Aber Caroline wollte sich nicht mit der Vergangenheit auseinandersetzen, sondern die Empfindungen, die den Schmerz auslösten, so schnell wie möglich verbannen. Die kleine geschützte Bucht mit dem Sandstrand war ihre ganz private Oase des Friedens und der Ruhe. Hier konnte sie sich entspannen und die traurigen Gedanken vergessen. Es war sowieso sinnlos, zu intensiv über das, was vor so vielen Jahren geschehen war, nachzudenken.

Hier zu stehen, hinaus aufs Meer zu blicken und die frische Luft tief einzuatmen, half ihr immer, sich zu beruhigen und ihre innere Ausgewogenheit wiederzugewinnen. Diese Methode hatte sich bewährt, wenn Caroline vor lauter Verzweiflung nicht mehr ein noch aus wusste. So würde es auch heute sein, davon war sie überzeugt.

Seit genau siebzehn Jahren war Jack nicht mehr in der kleinen Stadt am Meer gewesen. Jetzt stellte er fest, dass sich der Ort, der ihn nachts bis in die Träume verfolgte, kaum verändert hatte. Der Sommer war längst vorbei, und der Herbst neigte sich dem Ende zu. Dennoch hatte Jack damit gerechnet, Horden lärmender Urlauber zu begegnen. Doch glücklicherweise erwiesen sich seine Befürchtungen als unbegründet. Die Stadt war vom Tourismus verschont geblieben und kam ihm immer noch so ruhig und ziemlich nichtssagend vor wie damals; sie hatte sich kaum verändert. Einen Bevölkerungszuwachs hatte es offenbar auch nicht gegeben.

Wäre es mir lieber, wenn sich hier viel verändert hätte? fragte er sich wehmütig. Zumindest wären dann die Erinnerungen, die er am liebsten ganz und für immer ausgelöscht hätte, nicht schlagartig wieder erwacht. Die Reihenhäuser mit Blick auf das Meer wirkten noch genauso grau und abweisend wie vor siebzehn Jahren. Und in der Straße, die in die Sackgasse führte, in der er mit seiner Mutter gelebt hatte, schien ebenfalls die Zeit stehen geblieben zu sein. Plötzlich kehrte die mühsam verdrängte Vergangenheit schmerzlich zurück.

Vor allem an ein Ereignis erinnerte er sich klar und deutlich: die erste Begegnung mit Caroline Tremayne. Sie war mit ihren Freundinnen von der Schule nach Hause gegangen, und er war auf den ersten Blick von ihrem Lächeln, ihrem schönen Gesicht, dem langen, gelockten, blonden Haar und den wunderschönsten Beinen, die er jemals gesehen hatte, fasziniert gewesen. Sekundenlang hatte er sich wie verzaubert gefühlt. Später hatte sein Herz beim Anblick einer schönen jungen Frau nie wieder so heftig geklopft wie in diesem Moment.

Es regnete, und Jack schob die Hände tiefer in die Taschen seines Regenmantels. Wahrscheinlich hatte Caroline die Stadt, in der er aufgewachsen war, längst verlassen. Sie war damals als Sechzehnjährige gerade erst hierher gezogen. Vermutlich hatte sie schließlich zur Freude ihres Vaters, der im Ort eine Praxis als Allgemeinmediziner aufgemacht hatte, einen jungen ehrgeizigen Arzt geheiratet und lebte jetzt in einem vornehmen Londoner Stadtviertel.

Er fragte sich, ob sie Kunst studiert hatte, wie es ihr Plan gewesen war. Vielleicht war sie auch damit zufrieden, Hausfrau und Mutter zu sein, während ihr Mann sich auf seine Karriere konzentrierte.

Zornig fuhr er sich mit der Hand durch das nasse dunkle Haar und verlangsamte den Schritt. Er ärgerte sich darüber, dass er es immer noch unerträglich fand, sich Caroline mit einem anderen Mann vorzustellen. Als erfolgreicher Unternehmer traf er jeden Tag schwerwiegende und weitreichende Entscheidungen. Das war für ihn ein Kinderspiel im Vergleich zu seinen bisher vergeblichen Versuchen, die quälenden und beunruhigenden Erinnerungen an Caroline Tremayne auszulöschen. Sie hatte es nicht verdient, dass er auch nur einen einzigen Gedanken an sie verschwendete, das war die nackte harte Wahrheit. Nach allem, was sie ihm vor siebzehn Jahren angetan hatte, konnte er keiner Frau mehr vertrauen.

Jack zwang sich, die bitteren Gefühle zu verdrängen und sich darauf zu konzentrieren, was er hier erledigen wollte. Entschlossen ging er auf das verfallene viktorianische Haus zu, in dem er aufgewachsen war und das jetzt ihm gehörte.

Caroline hatte gehofft, sich am Meer entspannen und neue Kraft schöpfen zu können, aber der plötzlich einsetzende Regen machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Während sie mit dem Fahrrad nach Hause fuhr, wehte ihr der Wind den Regen ins Gesicht. Dummerweise hatte sie das Regencape vergessen, und die sportliche Jacke, die sie heute anhatte, bot keinen Schutz gegen dieses Wetter.

Als ihr ein Auto mit viel zu hoher Geschwindigkeit entgegenkam, stieg sie vorsichtshalber vom Rad und wich auf den Gehweg aus. Da sie sowieso bald zu Hause war, beschloss sie, zu Fuß weiterzugehen und das Fahrrad zu schieben. Mit gesenktem Kopf kämpfte sie gegen den Wind und den Regen an. Deshalb bemerkte sie den Mann, der ihr entgegenkam und tief in Gedanken versunken war, erst, als sie mit ihm zusammenstieß.

Er schreckte auf, zog die Hände aus den Taschen und bemühte sich, das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Als sie ihn dann auch noch mit dem Vorderrad am Schienbein traf, fluchte er laut. Caroline entschuldigte sich und sah ihn reumütig an.

Doch als sie seinem Blick begegnete, war sie überrascht und schockiert. Dieses tiefe intensive Blau hatte sie nie vergessen, es gab nur einen Mann, der solche Augen hatte.

„Jack?“, stieß sie hervor. Ihre Kehle fühlte sich plötzlich wie zugeschnürt an.

„Caroline.“ Er straffte seine Schultern und sah sie kühl und gleichgültig an.

Sie war schmerzlich berührt und hätte weinen können über die Feindseligkeit, die sein Blick verriet. Sie biss sich auf die Lippe. Am liebsten wäre sie auf ihr Fahrrad gestiegen und rasch weitergefahren. Aber sie konnte sich nicht rühren und stand wie erstarrt da.

„Du hast dich kaum verändert“, stellte er hart fest.

Jacks Gedanken wirbelten durcheinander. Wohnte Caroline etwa immer noch hier? Das war kaum vorstellbar. Wenn er geahnt oder vermutet hätte, ausgerechnet ihr zu begegnen, wäre er niemals hergekommen. Und er hätte auch das Haus, in dem er aufgewachsen war, nicht gekauft. Oder vielleicht doch?

Zunächst hatte er Caroline leidenschaftlich geliebt, später hatte er sie genauso leidenschaftlich gehasst. Jetzt empfand er nur noch Verachtung für sie. Aber er gestand sich ein, dass sie immer noch so hinreißend schön war wie damals.

Mit der feinen Haut, den braunen Augen und den verführerischen Lippen wirkte sie ganz bezaubernd. Und genau wie damals schien sie auch jetzt noch Macht über ihn zu haben, denn gegen seinen Willen konnte er dem Wunsch, sie zu küssen, kaum widerstehen.

„Was machst du hier?“, fragte sie schließlich, während sie den Fahrradlenker mit beiden Händen so fest umklammerte, dass ihre Knöchel weiß hervortraten.

„Das geht niemanden etwas an.“

„Entschuldige, ich …“

„Hast du etwa vergessen, dass ich kein Freund von Small Talk bin?“ Spöttisch zog er eine Augenbraue hoch.

Caroline errötete und blickte ihn schweigend an.

Er verzog zufrieden die Lippen und schien sich über ihr Unbehagen zu freuen. „Nun, es hat sich nichts geändert.“ Dann schob er die Hände tief in die Taschen seines Regenmantels und ging weiter. „Auf Wiedersehen, Caroline.“

„Ist Dr. Brandon fertig für heute?“

„Ja, der letzte Patient ist gerade weg, Miss Tremayne. Gehen Sie doch einfach hinein“, forderte die Arzthelferin sie freundlich auf.

Ohne zu zögern, eilte Caroline an ihr vorbei, klopfte kurz an die Tür des Behandlungsraums und öffnete sie, nachdem Nicholas „Herein!“ gerufen hatte.

Er war der beste Freund ihres Vaters bis zu dessen Tod, und jetzt war er ihr ein enger Vertrauter. Beim Anblick seines liebenswürdigen und warmen Gesichtsausdrucks konnte sie nur mühsam die Tränen zurückhalten. Die Begegnung mit Jack Fitzgerald hatte sie aufgewühlt und verwirrt.

„Hallo, Caroline.“ Nicholas ging um den riesigen Schreibtisch aus Eiche herum, umarmte Caroline zur Begrüßung und küsste sie auf die Wange. „Was für eine angenehme Überraschung. Ich habe gerade an dich gedacht.“

„Hast du einen Brandy für mich oder dergleichen? Als Medizin sozusagen.“ Sie rang sich ein Lächeln ab.

Nicholas betrachtete sie besorgt und runzelte die Stirn. „Was ist passiert? Du bist völlig durchnässt und zitterst. Setz dich, und erzähl mir, was los ist.“ Er drückte sie auf den Stuhl, auf dem sonst seine Patienten saßen. Dann holte er eine Flasche Whisky aus dem Schrank. „Einen Brandy kann ich dir leider nicht anbieten, aber ein Whisky ist genauso gut.“ Er schenkte ihr ein Glas ein und reichte es ihr. Nachdenklich beobachtete er sie, während sie einige Schlucke trank.

„Dein merkwürdiges Verhalten beunruhigt mich, Caroline“, erklärte er und drückte ihr kurz die Schulter.

Der Whisky brannte ihr wie Feuer in der Kehle, doch wenige Sekunden später setzte die wohltuende Wirkung ein, die sie sich erhofft hatte. Der Schmerz über die unerwartete zufällige Begegnung mit Jack ließ etwas nach.

Sie sah Nicholas an und versuchte, ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. „Du denkst wahrscheinlich, ich sei völlig durchgedreht. Entschuldige bitte, dass ich unangemeldet hereingeschneit bin.“

„Caroline, was ist los? Wir kennen uns schon so lange und sind gute Freunde. Und daran hat auch Megs Tod im letzten Jahr nichts geändert. Wenn du irgendwelche Probleme hast, kannst du jederzeit mit mir darüber reden. Ich bin für dich da, das weißt du doch.“

Ja, das wusste sie natürlich. Seit dem Tod ihres Vaters war Nicholas Brandon eine wichtige Bezugsperson für sie. Die Freundschaft mit ihm und seiner Frau Meg hatte Caroline ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit gegeben, das sie so lange vermisst hatte. Als ihr Vater gestorben war, hatte sie erkannt, wie sehr sie sich nach der Zuneigung sehnte, die er ihr nicht hatte geben können. Und ihre Mutter natürlich auch nicht, denn sie war schon lange tot. Nicholas und seine Frau hatten Caroline sehr in ihrem Entschluss bestärkt, wieder in ihr früheres Zuhause zurückzukehren. Jack Fitzgerald wurde jedoch nie erwähnt. Sie hatte nicht mit ihnen darüber geredet, dass sie sich als Sechzehnjährige hoffnungslos in ihn verliebt hatte und ihm überallhin gefolgt wäre, wenn er es gewollt hätte.

Aber das war nicht der Fall gewesen. Er war damals von der Idee besessen, mehr aus seinem Leben zu machen als seine Eltern und es zu etwas zu bringen. Nach den Ereignissen, die sein und Carolines Leben für immer verändert hatten, war er nach Amerika gegangen, um dort sein Glück zu finden. Weshalb war er jetzt zurückgekommen?

Bei ihrer letzten Zusammenkunft damals hatte er sie zutiefst verletzt. Er erklärte, er würde nie wieder nach England zurückkehren und hasse sie für alles, was sie ihm angetan hatte. Sie hatte ihm jedes Wort geglaubt und war überzeugt gewesen, dass es nie wieder zu einer Versöhnung kommen würde. Die heutige Begegnung hatte ihr bewiesen, dass er seine Einstellung zu ihr nicht geändert hatte.

„Das weiß ich zu schätzen, Nicholas. Aber ich habe eigentlich gar keine Probleme. Ich bin nur etwas schockiert, das ist alles“, erwiderte sie, ohne ihn anzusehen.

„Warum bist du schockiert?“

„Jemand aus der Vergangenheit ist mir über den Weg gelaufen.“ Ich habe ihn einmal so sehr geliebt, dass ich mich Tag und Nacht nach ihm gesehnt habe, fügte sie insgeheim hinzu.

„Handelt es sich dabei vielleicht um einen ehemaligen Freund?“ Nicholas setzte sich auf die Schreibtischkante. „Du bist sehr aufgewühlt, Liebes. Offenbar hat dieser Mensch dir einmal viel bedeutet.“

„Er war nicht mein Freund.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Jedenfalls nicht … offiziell.“

Sie hatte die Beziehung mit Jack geheim halten müssen, weil ihr Vater mit der Freundschaft nicht einverstanden gewesen war und ihr den Umgang mit Jack verboten hatte. Er kam nicht aus ihren Kreisen, er war der Sohn eines Alkoholikers, und ihr Vater erwartete von ihr als seiner einzigen Tochter, dass sie in ihrem Umgang wählerischer war.

Drei Monate später, sie war gerade siebzehn geworden, stellte sie fest, dass sie schwanger war. Sie musste mit ihrem Vater reden und zugeben, dass sie Jack heimlich getroffen hatte.

Da Jack vorhatte, den Ort zu verlassen und in einer Großstadt Karriere zu machen, wie er es ausdrückte, wollte Caroline ihm nicht im Weg stehen. Außerdem betonte er immer wieder, er würde sich von nichts und niemandem aufhalten lassen. Sie wusste, wie schwierig sein Leben war, und wünschte sich für ihn und seine Zukunft nur das Allerbeste. Deshalb hatte sie dem Druck ihres Vaters nachgegeben, der vor Zorn gewütet und getobt hatte, und die Schwangerschaft abbrechen lassen.

Als sie es Jack erzählte, schlug seine Liebe zu ihr in Hass um. Er hatte ihr versichert, er würde ihr niemals verzeihen, und erklärte, er wolle sie nie wiedersehen.

Heute hatten sie sich nach siebzehn Jahren wiedergesehen, doch verziehen hatte er ihr nicht.

„Geht es um Jack Fitzgerald?“

Caroline sah Nicholas entsetzt an und wurde blass. „Du weißt von ihm?“

„Dein Vater war mein bester Freund, Liebes. Natürlich weiß ich, dass du in den Jungen sehr verliebt warst.“

Der „Junge“ war damals schon zwanzig gewesen, und jetzt war er siebenunddreißig, drei Jahre älter als Caroline. Er war noch genauso attraktiv, trotz der Falten auf seiner Stirn und des bitteren Zuges um seine Lippen. Allzu gut erinnerte sie sich daran, wie leidenschaftlich und sinnlich er sie damals geküsst hatte, und sie stöhnte laut auf.

„Weißt du etwa alles?“

„Ja, ich weiß von der Schwangerschaft und der Abtreibung“, antwortete Nicholas.

Caroline war froh, dass in seiner Stimme weder Vorwurf noch Missbilligung schwang. Er schwieg eine Zeit lang, sodass sie ihren Gedanken nachhängen konnte, ehe er ruhig fortfuhr: „Dein Vater hielt es für das Beste, dass du das Kind nicht bekamst – und er hatte recht. Du warst erst siebzehn, Caroline, und hattest deine ganze Zukunft noch vor dir. Du solltest studieren und dich zunächst auf deine Karriere konzentrieren. Ihm war klar, dass ein Junge wie Jack Fitzgerald niemals zu dir gestanden hätte. Du wärst eine alleinerziehende Mutter gewesen, während deine Freundinnen das Leben genießen und Spaß haben konnten. Dein Vater hat dich sehr geliebt, das musst du mir glauben.“

„Hat er das?“ Caroline blickte ihn mit Tränen in den Augen an. „Hätte er mich wirklich geliebt, hätte er mir damals niemals eine Abtreibung zugemutet, sondern zu mir gehalten und mir geholfen, als ich feststellte, dass ich schwanger war. Doch er hat mich verurteilt und dafür gesorgt, dass der Mann, den ich geliebt habe, mich für immer verachtet.“

„Er hat versucht, es wiedergutzumachen, indem er dir das Haus und genug Geld vererbt hat, um ein eigenes Geschäft zu eröffnen“, wandte Nicholas ruhig, aber bestimmt ein. Seine Loyalität ihrem Vater gegenüber war durch nichts zu erschüttern.

Verzweifelt stand Caroline auf und stellte das Glas auf den Schreibtisch. Dann warf sie mit einer Kopfbewegung die lange, gelockte, blonde Mähne zurück und entgegnete: „Er hat mich nur selten spüren lassen, dass er mich liebt. Glaubst du wirklich, das Haus und das Geld könnten mich für die Zuneigung, die mir gefehlt hat, entschädigen oder mich vergessen lassen, dass ich mein Kind und Jack verloren habe?“

Als Nicholas schwieg, senkte sie traurig den Kopf. „Ich sollte jetzt nach Hause gehen und hätte nicht herkommen und dich nicht mit meinen Problemen belasten dürfen.“

„Es ist keine Belastung für mich, Caroline. Du weißt doch, ich würde alles tun, um dir zu helfen.“ Er nahm ihre Hand und drückte sie liebevoll. „Aber egal weshalb Jack Fitzgerald zurückgekommen ist, es ist meiner Meinung nach das Beste, du hältst dich von ihm fern.“

Sie zog sogleich die Hand zurück, drehte sich um und ging zur Tür. „Du meinst es gut, Nicholas, das ist mir klar. Aber du hättest dir den Rat sparen können. Jack Fitzgerald würde sich nie wieder mit mir einlassen, denn er verachtet mich immer noch genauso sehr wie damals. Das hat er mir heute deutlich zu verstehen gegeben.“

2. KAPITEL

Nach der Besprechung mit dem Bauunternehmer, den er mit der Renovierung beauftragt hatte, verließ Jack das Haus, in dem er aufgewachsen war, und ging zu seinem Wagen. Dann fuhr er ziellos an der Küste entlang, ohne auf die Umgebung zu achten.

Caroline nach siebzehn Jahren wiederzusehen hatte ihn zutiefst aufgewühlt. Nachdem er eine Stunde umhergefahren war, hielt er am Straßenrand an, stellte das Radio ab und starrte frustriert ins Leere.

Sie hat kein Recht, so verdammt strahlend zu wirken und so schön zu sein, dass es mir fast das Herz zerreißt, dachte er zornig. Was für eine Ironie, dass das Schicksal es offenbar gut mit ihr gemeint hatte. Lebte sie vielleicht in einer glücklichen Ehe und wurde von ihrem Mann geliebt und angebetet? Sah sie deshalb so blendend aus? Den Gedanken fand Jack unerträglich. Damals hätte er alles für sie getan. Er war so sehr in die schöne Caroline mit dem gelockten blonden Haar und den braunen Augen verliebt gewesen, dass ihn ihr Verrat an den Rand der Verzweiflung gebracht hatte. Damals war etwas in ihm zerbrochen.

Seitdem hatte er mehrere Affären und Beziehungen gehabt. Aber keine andere Frau hatte er so sehr geliebt wie Caroline. Nach der Scheidung von Anna vor einem Jahr lebte er wieder allein.

Schließlich atmete er tief durch, um sich zu beruhigen. Wie so oft seit seinem Herzanfall, klopfte auch jetzt sein Herz wieder viel zu unregelmäßig. Es störte ihn, und er ärgerte sich über sich selbst.

Die wunderschöne Landschaft um ihn herum hätte ihn ablenken und ihm helfen können, sein seelisches Gleichgewicht wiederzufinden. Doch er nahm seine Umgebung kaum wahr. Er wusste, auch wenn er noch so lange im Auto sitzen blieb, das quälende Gefühl der inneren Leere würde sich nicht auflösen.

Er war zurückgekommen, um den Leuten zu zeigen, dass er trotz seiner schwierigen Kindheit und Jugend so erfolgreich war wie kaum ein anderer Mensch. Alle hier waren überzeugt gewesen, er würde so enden wie sein Vater. Aber jetzt war er Multimillionär und ein überaus angesehener Unternehmer. Er besaß mehrere Firmen und hatte in der Geschäftswelt einen guten Ruf. Man schätzte ihn wegen seiner Integrität und seiner Menschlichkeit, und man bewunderte ihn wegen seiner Disziplin und seines Ehrgeizes. Von allen Seiten wurde ihm Anerkennung zuteil, und vor einem Jahr war er in New York zum Unternehmer des Jahres gewählt worden.

Die Schande darüber, dass sein alkoholsüchtiger Vater die Familie verlassen hatte und seine Mutter von Medikamenten abhängig geworden war, die ihr der Arzt verschrieben hatte, damit sie das ganze Elend, in dem sie leben musste, besser ertragen konnte, hatten ihn in seiner Kindheit und Jugend nie losgelassen. Doch sein Erfolg und seine glänzende Karriere hätten die Erniedrigungen der Vergangenheit wettmachen sollen. Die Begegnung mit Caroline heute hatte Jack jedoch daran erinnert, dass er für sie nicht gut genug gewesen war. Lieber hatte sie ihr Kind abtreiben lassen, als es gemeinsam mit ihm großzuziehen. Das trübte seine Freude darüber gewaltig, nach Hause zu kommen und allen beweisen zu können, wie sehr sie sich in ihm getäuscht hatten. Das erhoffte Triumphgefühl wollte sich nicht einstellen.

Aber er hatte zu lange auf diesen Tag hingearbeitet und empfand tiefe Genugtuung darüber, dass er das Haus hatte kaufen können. Es hatte einmal seinen Eltern gehört, doch weil sie die Raten für die Hypothek nicht mehr hatten bezahlen können, war es versteigert worden. Die Stadtverwaltung hatte Jack und seiner Mutter eine ziemlich schäbige Wohnung am Stadtrand zugewiesen. Dort waren sie nie glücklich geworden, hatten sich sehr geschämt, und die schwierige Situation hatte zweifellos dazu beigetragen, dass seine Mutter viel zu früh gestorben war. Jetzt gehörte das Haus ihm. Er wollte es von Grund auf renovieren lassen. Es sollte das exklusivste Gebäude weit und breit werden und alle anderen Häuser in den Schatten stellen. Nur so konnten die Erinnerungen an die damals erlittene Schmach ausgelöscht werden und in Vergessenheit geraten. Leider hatte seine Mutter nicht lange genug gelebt, um sich mit ihm freuen zu können.

Als er vor sechs Monaten nach seinem Herzanfall im Krankenhaus gelegen hatte, war der Plan in ihm gereift. Doch wie sollte er damit umgehen, dass die Frau, die ihm vor siebzehn Jahren das Herz gebrochen hatte, noch hier in der Stadt oder in der näheren Umgebung wohnte? Damit hatte er nicht gerechnet, und es machte die Sache komplizierter.

„Verdammt!“, stieß er zornig hervor. Dann startete er den Motor und fuhr mit überhöhter Geschwindigkeit weiter, so als könnte er dadurch seiner eigenen Vergangenheit entfliehen.

„Ich habe mir vorgestellt, eine Collage aus Schmetterlingen …“

„Entschuldige, was hast du gesagt?“ Schuldbewusst strich sich Caroline das Haar aus dem Gesicht und zwang sich, ihre Aufmerksamkeit auf den Teenager vor ihr zu konzentrieren. Sadie Martin, ein scheues unsicheres Mädchen, kam regelmäßig in den Laden. Caroline hatte sie in der Schule kennengelernt, an der sie einmal in der Woche Kunstunterricht erteilte.

„Ich wollte eine Collage aus Schmetterlingen machen. Ich finde sie so schön und habe mir einige Bücher darüber ausgeliehen.“ Sadie errötete und seufzte so wehmütig, als wäre ihr Wunsch, etwas Schönes zu kreieren, unerfüllbar.

Caroline hatte Verständnis für das Mädchen, denn sie wusste, was es bedeutete, Träume zu haben, die nicht in Erfüllung gehen konnten. Sie hatte damals davon geträumt, mit Jack für immer zusammen zu sein, doch daraus war nichts geworden. Jetzt war Jack zurückgekommen, und sie fing schon wieder an zu träumen. Nur war dieses Mal von Anfang an klar, dass es kein Happy End geben konnte. Er empfand nichts mehr für sie, das war völlig klar. Es war ihm sogar schwergefallen, sie anzusehen und kurz mit ihr zu reden.

Den ganzen Morgen hatte Caroline darüber nachgedacht, warum er wieder hier war. Wollte er länger hierbleiben? Und würde er sie jedes Mal, wenn sie sich zufällig begegneten, ignorieren? Es ließ sich kaum vermeiden, dass sie sich ab und zu über den Weg liefen. Aber es wäre schrecklich, wenn er sie noch einmal so verächtlich behandelte.

Sie verdrängte die bedrückenden Gedanken und lächelte Sadie freundlich an. „Es ist eine gute Idee, Bücher über Schmetterlinge zu lesen. Du kannst dir aber auch entsprechende Fotos aus Zeitschriften ausschneiden. Ich habe noch einen ganzen Stapel davon zu Hause und bringe sie dir am Freitag mit in den Unterricht, wenn du möchtest.“

Sadie lächelte erfreut. „Würden Sie das tun? Das wäre fein. Meine Mutter liest keine Zeitschriften, und ich habe kein Geld, mir selbst welche zu kaufen.“

„Im Hinterzimmer meines Ladens habe ich auch noch eine Menge Material, das ich nicht mehr brauche. Du kannst es haben, wenn du willst. Es reicht für einige wunderschöne Collagen“, schlug Caroline vor.

„Das ist sehr nett von Ihnen, Miss Tremayne.“

„Du sollst mich Caroline nennen.“

„Okay. Dann bis Freitag in der Schule.“

„Ja.“ Caroline strich dem Mädchen eine Strähne des kastanienbraunen Haares aus dem ernsten Gesicht. „Wenn du jemanden zum Reden brauchst, ich bin für dich da.“ Sie wusste natürlich, dass eine zu freundschaftliche private Beziehung zwischen Lehrern und Schülern nicht gern gesehen wurde. Doch Caroline hatte nie vergessen, wie einsam und verlassen sie sich als Kind und Teenager gefühlt hatte. Außer ihrem Vater hatte sie niemanden gehabt. Sie war davon überzeugt, dass jeder manchmal einen Menschen brauchte, mit dem er reden konnte und der ihm half. Sadie Martin strahlte jedenfalls etwas aus, was an Carolines Herz rührte.

„Danke.“

Als Sadie weg war, dachte Caroline darüber nach, wie schwierig es war, einer Sechzehnjährigen zu mehr Selbstbewusstsein zu verhelfen. Es ist ja sogar für mich mit meinen vierunddreißig Jahren nicht immer leicht, selbstbewusst aufzutreten, gestand sie sich ein.

Jack wanderte ziellos umher, um sich mit seiner Heimatstadt wieder vertraut zu machen. Als er die Hauptstraße verließ und durch die schmalen Seitengassen ging, entdeckte er plötzlich das Schild „Carolines Paintbox“ über einem Laden. Sein Puls beschleunigte sich, und er wusste instinktiv, dass die Besitzerin des Geschäfts die Frau war, die seit siebzehn Jahren in seinen Träumen herumspukte. Er blickte durch das Schaufenster und sah, dass Caroline gerade eine Kundin bediente.

Ehe ihm bewusst wurde, was er tat, hatte Jack schon die Tür geöffnet und den Laden mit den vielen Bildern, der großen Auswahl an Farben, Buntstiften, Leinwänden und anderem Zubehör für Künstler betreten.

Nachdem die Kundin, eine elegante Frau mittleren Alters, bezahlt hatte, verließ sie den Laden und warf Jack im Vorbeigehen ein Lächeln und einen bewundernden Blick zu. Doch beides prallte an ihm ab, er nahm es kaum wahr. Seine ganze Aufmerksamkeit galt Caroline, die ihm den Rücken zukehrte.

„Moment, ich bin gleich so weit“, sagte sie und räumte einige Bogen Papier weg. Schließlich drehte sie sich lächelnd um, aber sogleich erstarrten ihre Gesichtszüge.

„Bist du gekommen, um mich noch mehr zu beleidigen und zu verletzen?“, fragte sie steif und verschränkte die Arme.

„Ich bin zufällig vorbeigekommen und habe das Schild gesehen. Ich wollte mich nur vergewissern, dass es dein Geschäft ist“, antwortete er, ohne sie anzublicken. Stattdessen betrachtete er interessiert das reichhaltige Angebot. Hier gab es alles, was sich Maler und andere Künstler für ihre Arbeit nur wünschen konnten. War das alles, was sie aus ihrer Begeisterung für Kunst und ihrem Talent gemacht hatte? Irgendwie kam es ihm nicht richtig vor. Er konnte sich noch gut daran erinnern, dass sie unbedingt Künstlerin hatte werden wollen. Nie hatte sie vorgehabt, anderen Leuten Zubehör für ihre Hobbys zu verkaufen.

Sie hatte so viele Ideen und Träume gehabt, was sie nach dem Kunststudium machen wollte. Ihr hatte vorgeschwebt, sich in einem herrlichen Atelier mit Blick auf einen der Londoner Parks zu wunderschönen Bildern inspirieren zu lassen, die sie in Galerien ausstellen wollte. Sie hatte gehofft, viele ihrer Arbeiten zu verkaufen und sich einen Namen zu machen.

Jack war fest davon überzeugt gewesen, sie würde ihre Ziele erreichen. Ihre hinreißende Schönheit und ihre Lebensfreude hatten ihn zutiefst beeindruckt. Seine Mutter hatte ihn jedoch immer gewarnt, Caroline würde ihm das Herz brechen. Leider hatte sie recht gehabt.

„Nimm dir ruhig Zeit, und schau dir alles an“, forderte sie ihn spöttisch auf. „Aber mich musst du entschuldigen, ich habe zu arbeiten.“

„Hast du die Bilder selbst gemalt, die hier hängen?“, fragte er ungerührt. Mit einer Kopfbewegung wies er auf die Gemälde hinter ihm.

Sie hob den Kopf, und in ihren dunklen Augen blitzte es so ärgerlich auf, als hätte er sie mit der Frage beleidigt. Sie sieht so verdammt gut aus, dass ich, wenn ich Maler wäre, nicht wüsste, aus welcher Perspektive ich sie zeichnen sollte, dachte Jack. Hitze breitete sich in ihm aus, und er war überrascht über sein plötzliches heftiges Verlangen.

„Nein. Die Bilder, die ich male, sind unverkäuflich und nur für mich bestimmt.“

„Warum das denn?“ Jack sah sie mit seinen klaren blauen Augen betont gleichgültig an.

„Weil ich dann malen kann, was ich will. Die Bilder brauchen nur mir selbst zu gefallen. Ich male zu meinem eigenen Vergnügen und weil ich mich dabei entspannen kann. Die Meinung anderer interessiert mich nicht.“

„Du wolltest dir als Künstlerin einen Namen machen.“

„Es reicht mir, den Laden zu haben und zu unterrichten.“

Er spürte ihre innere Abwehr. Immerhin malte sie immer noch, wenn auch nur für sich selbst. Und das war offenbar nicht das Einzige, was sie machte. Was damals geschehen war, schien ihr kaum etwas von ihrer Energie und ihrer Lebensfreude geraubt zu haben. Seltsamerweise störte ihn dieser Gedanke.

„Was unterrichtest du denn?“, fragte er nach kurzem Zögern.

„Kunst. Willst du noch mehr wissen? Ich habe viel zu tun.“ Ihre Stimme klang kühl.

Er runzelte die Stirn. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass du noch hier lebst“, wechselte er das Thema.

„Eine Zeit lang habe ich in London gelebt. Aber dann ist mein Vater gestorben und hat mir das Haus hinterlassen. Als ich herkam, um alles zu regeln, habe ich beschlossen, hierzubleiben. Ich liebe das Meer, das war schon immer so.“ Eigentlich wollte sie ihm gar nicht so viel erzählen, doch die Worte sprudelten wie von selbst über ihre Lippen. Sie war viel zu aufgeregt, was auch kein Wunder war, denn schließlich hatte sie diesen Mann eine halbe Ewigkeit nicht gesehen. Jetzt stand er vor ihr und wirkte in dem teuren Outfit erschreckend reif und anziehend. Er hatte nicht mehr viel Ähnlichkeit mit dem schlanken jungen Mann, in den sie sich damals verliebt hatte und der von dem brennenden Wunsch erfüllt gewesen war, den schwierigen Verhältnissen, in denen er aufgewachsen war, zu entkommen und reich und erfolgreich zu werden. Während sie ihn aufmerksam ansah, gestand sie sich ein, dass er noch besser aussah als zuvor. Sein attraktives Äußeres und seine faszinierende Ausstrahlung konnten ihr immer noch gefährlich werden, sonst wäre sie nicht so nervös und würde sich auch nicht vor Sehnsucht nach ihm verzehren.

„Gibt es in deinem Leben auch einen Ehemann?“, fragte Jack mit gleichgültiger Miene, so als interessierte ihn die Antwort eigentlich gar nicht.

Ob er wohl verheiratet ist? Aber wenn, warum ist er dann zurückgekommen und quält mich? schoss es ihr durch den Kopf.

„Nein. Und was ist mit dir? Hast du geheiratet?“, fragte sie zurück, um ihre Neugier zu befriedigen.

„Ich bin geschieden. Offenbar waren wir beide, du und ich, nicht erfolgreich, was eine dauerhafte Partnerschaft angeht“, erwiderte er und fügte zynisch hinzu: „Das überrascht mich nicht.“

Ihr Magen verkrampfte sich, so elend und unglücklich fühlte sie sich. „Warum tust du das, Jack? Du hast mich doch schon daran erinnert, dass du Small Talk hasst. Es war wirklich nicht nötig, zu mir zu kommen und die Vergangenheit heraufzubeschwören. Wir sollten sie ruhen lassen.“

Seine Miene verfinsterte sich, und Caroline glaubte, seine Verbitterung körperlich zu spüren. Offenbar bereute er, dass er sich entschlossen hatte, mit ihr zu reden. Zweifellos hatte er sie nie vermisst.

Jack zuckte mit den Schultern und ging zur Tür. Dann drehte er sich noch einmal zu Caroline um und sah sie spöttisch an. „Dein Vater ist gestorben? Entschuldige, aber es widerstrebt mir, dir mein Beileid auszusprechen und so zu tun, als wäre ich betroffen“, erklärte er und verschwand.

Als Caroline später das alte viktorianische Haus betrat, das ihr Vater ihr hinterlassen hatte und in das sie vor fünf Jahren wieder eingezogen war, wollte sich die Freude, die sie normalerweise beim Heimkehren empfand, nicht einstellen. Während sie die Eingangshalle mit dem Marmorfußboden und dem antiken Schrank durchquerte, hatte sie plötzlich das Gefühl, es sei nicht ihr Zuhause. Jacks sarkastische und abfällige Bemerkung beim Verlassen des Geschäfts beschäftigte sie immer noch.

Natürlich konnte sie ihm nicht verübeln, dass er über den Tod ihres Vaters nicht betroffen war. Charles Tremayne hatte Jack vom ersten Moment an abgelehnt. Er hatte den jungen Mann für hinterhältig und berechnend gehalten. Außerdem hatte er ihm unterstellt, sich nur für Caroline zu interessieren, weil sie die Tochter eines Arztes war und Jack sich dadurch eine bessere gesellschaftliche Stellung erhoffte.

Caroline hatte sich wegen des Snobismus und der Voreingenommenheit ihres Vaters sehr geschämt. Sie hatten natürlich in besseren Verhältnissen gelebt als Jack und seine Mutter, doch deshalb hatten sie nicht das Recht, sich überlegen zu fühlen und sich für etwas Besseres zu halten. Caroline war vom ersten Tag an aufgefallen, wie intelligent und fleißig Jack war. Auf Außenstehende wirkte er vielleicht etwas arrogant und abweisend, doch ihr gegenüber hatte er sich so liebevoll und zärtlich gezeigt, dass sie oft zu Tränen gerührt war. Ihr Vater hatte ihr seine Zuneigung nie zeigen können, sodass Jacks Liebe ihr wie ein wunderbares Geschenk vorgekommen war.

Sie seufzte unglücklich und ging in die Küche. Die Gedanken an die Vergangenheit ließen sie nicht los, während sie sich das Abendessen zubereitete. Und als sie sich wenig später in das große Esszimmer setzte, betrachtete sie die dunkelgrünen Vorhänge an den hohen Fenstern und fragte sich, warum sie auch nach fünf Jahren noch in diesem Haus wohnte. Und warum wies sie jeden Mann, der sich für sie interessierte, zurück, so als hätte sie es nicht verdient, glücklich zu sein und geliebt zu werden? Natürlich kannte sie den Grund.

Nachdem Jack damals von der Abtreibung erfahren hatte, war er mehr als wütend auf Caroline gewesen. Seine harten Worte verletzten sie zutiefst, und sie hatte sogar befürchtet, sie würde nie darüber hinwegkommen. Er hatte es geschafft, dass sie sich wie eine Mörderin vorkam, und so getan, als hätte sie ihr Kind abgetrieben, weil es ihr lästig gewesen war. Wie verzweifelt sie über die Forderung ihres Vaters war, die Schwangerschaft abzubrechen, und wie schuldig sie sich gefühlt hatte, war Jack verborgen geblieben. Genauso wenig ahnte er, wie zornig ihr Vater gewesen war, als er herausgefunden hatte, dass sie schwanger war, und wie übel er sie beschimpft hatte, weil sie mit Jack geschlafen hatte. Solche Erfahrungen gingen nicht spurlos an einem Menschen vorüber. Caroline fand es beinahe unmöglich, sich selbst zu verzeihen, was sie getan hatte. Und weil sie die Schuldgefühle nicht loswurde, konnte eine Beziehung mit einem anderen Mann nicht funktionieren.

„Oh Jack“, sagte sie laut vor sich hin. Sie legte die Gabel auf den Teller, ohne das Essen angerührt zu haben. „Warum bist du zurückgekommen? Ich bin nicht die berühmte Künstlerin, die ich damals werden wollte, aber ich war bisher zufrieden mit meinem Leben. Warum bist du wieder da und verdirbst mir alles? Ich hatte gehofft, dich irgendwann doch noch ganz vergessen zu können.“

3. KAPITEL

Nach dem Gespräch mit dem Architekten, der den Umbau des Hauses und die Renovierungsarbeiten überwachte, verließ Jack das Hotel, in dem er abgestiegen war. Er trug einen hochwertigen schwarzen Jogginganzug und wollte einen langen Spaziergang am Meer machen. In Manhattan war er regelmäßig gejoggt. Doch nach seinem Herzanfall hatten ihm die Ärzte geraten, kürzerzutreten und sich nicht zu überanstrengen.

Es war außergewöhnlich kühl an diesem Herbstmorgen, und der Wind wehte ihm ins Gesicht. Jack dachte über die Bemerkung nach, die er gemacht hatte, ehe er gestern Carolines Laden verließ. Es war dumm und kindisch, so auf die Nachricht vom Tod ihres Vaters zu reagieren, und Jack war verärgert über sich selbst. Auch wenn Charles Tremayne ihn abgelehnt, schlecht behandelt und für den letzten Abschaum gehalten hatte, Caroline hatte ihren Vater zweifellos geliebt und vermisste ihn vermutlich sehr.

Jack überlegte ernsthaft, ob er sich bei ihr entschuldigen sollte. Nein, das war keine gute Idee. Es wäre besser, die Sache auf sich beruhen zu lassen und ihr aus dem Weg zu gehen. Aber was Caroline betraf, hatte er noch nie auf die Stimme der Vernunft hören wollen. Sonst hätte er natürlich dafür gesorgt, dass sie nicht schon mit siebzehn schwanger wurde. Allzu gut erinnerte er sich daran, wie sehr er sie geliebt und wie sehr er sie vom ersten Augenblick an begehrt hatte. Er hatte nicht wahrhaben wollen, dass sie für ihn eigentlich unerreichbar war. Als sie ihn mit ihren dunklen Augen bei der ersten Begegnung so sehnsüchtig angeblickt hatte, war er verloren gewesen.

Er beschleunigte den Schritt, achtete jedoch genau darauf, dass er sein Herz nicht zu sehr belastete. Der Herzanfall war beunruhigend und beängstigend gewesen, aber glücklicherweise nicht lebensbedrohlich. Jack spürte, dass es ihm jeden Tag besser ging und er sich wieder mehr zumuten konnte. Aber ihm war auch klar, dass er sich ab und zu Ruhe gönnen und ausspannen musste.

„Sie sind keine Maschine, Jack, und können nicht sieben Tage in der Woche bis spät in die Nacht durcharbeiten. Früher oder später müssen Sie den Preis dafür bezahlen, dass Sie nachts nur zwei bis drei Stunden schlafen“, hatte der Arzt ihn gewarnt.

Natürlich hatte er recht. Aber nachdem die Probleme in Jacks Ehe angefangen hatten und Anna sich anderweitig Trost suchte, hatte Jack sich in die Arbeit geflüchtet, ohne Rücksicht auf seine Gesundheit zu nehmen. Denn in dem luxuriösen Penthouse, das er nach seiner Heirat mit Anna gekauft hatte, erinnerten ihn die leeren Räume allzu sehr daran, dass er hinsichtlich seiner Ehe versagt hatte. Deshalb hatte er sich so selten wie möglich darin aufgehalten.

Er blieb stehen und wischte sich die feuchte Stirn ab. Dann kreisten seine Gedanken wieder um Caroline. Sollte er sich vielleicht doch bei ihr für sein grobes Benehmen entschuldigen? Auch wenn sie damals sein Kind nicht hatte haben wollen und er ihr nie verzeihen würde, was sie getan hatte, konnte er sie anständig behandeln. Sie bedeutete ihm nichts mehr. Was schadete es schon, wenn er zu ihr in den Laden ging und sie für seine ungehörige Bemerkung um Verzeihung bat?

Caroline stand auf der Leiter im Hinterzimmer ihres Ladens und suchte im obersten Regal des Warenlagers nach den Sachen, die sie Sadie versprochen hatte. Da sie nicht schwindelfrei war, seufzte sie erleichtert, als sie alles gefunden hatte. Sie konnte es kaum erwarten, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben, und presste den großen Karton fest an sich, ehe sie hinunterstieg.

Plötzlich verfehlte sie eine Stufe, verlor das Gleichgewicht und stürzte rückwärts von der Leiter. Sie landete auf dem Po und schrie auf, während der Karton sich öffnete und alles herausfiel. Caroline stöhnte auf vor Schmerzen.

In dem Moment hörte sie jemanden in das Geschäft kommen. Was für ein gutes Timing, dachte sie spöttisch und stand mühsam auf.

Als sie in den Laden humpelte, strich sie sich das zerzauste Haar aus dem Gesicht – und blieb verblüfft stehen.

„Was ist passiert? Was hast du gemacht?“, fragte Jack und runzelte die Stirn.

Es ist nicht fair, dass ausgerechnet er unmittelbar nach diesem Missgeschick auftaucht, schoss es ihr durch den Kopf. Sie fühlte sich viel zu verletzlich, und sie sah bestimmt fürchterlich aus. Außerdem trug sie an diesem Tag alte Jeans und eine weite bedruckte Bluse, in der sie nicht besonders vorteilhaft wirkte. Aber sie war bequem, und Caroline fühlte sich darin wohl. Sie hatte dieses Outfit nur deshalb an, weil sie heute das Hinterzimmer aufräumen wollte.

Sie wollte jetzt allein sein, um sich erst einmal zu beruhigen. Und sie konnte auch darauf verzichten, von Jack verächtlich gemustert zu werden. Er war sowieso der Überzeugung, sie verdiene es nicht, dass er überhaupt ein Wort mit ihr redete.

„Es ist alles in Ordnung. Ich bin von der Leiter gefallen, das ist alles“, erwiderte sie und befürchtete, die Beine würden gleich unter ihr nachgeben.

„Du bist von der Leiter gefallen?“, wiederholte er. Dann ging er kurz entschlossen auf sie zu und packte sie an den Schultern, während er sie durchdringend ansah. „Bist du verletzt? Du scheinst unter Schock zu stehen. Was, zum Teufel, hast du dir dabei gedacht, auf die Leiter zu steigen, obwohl du ganz allein im Laden bist?“

Caroline war überrascht über die Frage und verzog spöttisch die Lippen. „Wie bitte? Seit wann muss jemand im Raum sein, wenn ich auf eine Leiter steige? Findest du das nicht etwas übertrieben?“

„Den Spott kannst du dir sparen“, antwortete er vorwurfsvoll. „Setz dich erst einmal hin. Hast du ein Beruhigungsmittel da?“

Ein doppelter Wodka würde mir jetzt guttun, dachte sie, während Jack sie zu dem Korbsessel führte und sie sanft hineindrückte. Seine Hände auf ihren Schultern fühlten sich herrlich warm an, und ihr wurde ganz schwindlig. Prompt geriet sie in Panik und konnte die Tränen kaum zurückhalten. Es irritierte sie, dass Jack sich um sie kümmerte und besorgt um sie war. Doch schließlich zog er die Hände zurück, verschränkte die Arme und sah Caroline durchdringend an.

Mit den dunklen Bartschatten auf seinem Kinn wirkt er seltsam gefährlich und unberechenbar, überlegte sie und zuckte insgeheim zusammen.

„Ich habe dich gefragt, ob du ein Beruhigungsmittel da hast“, wiederholte er.

Sie schüttelte den Kopf. „Ich nehme Medikamente nur, wenn es unbedingt sein muss. Aber ich habe immer Notfalltropfen in meiner Handtasche.“

„Notfalltropfen?“

„Ja, das ist ein pflanzliches Mittel. Es wirkt gut bei Aufregung und dergleichen.“ Ihr Magen verkrampfte sich, als Jack sie skeptisch musterte.

„Obwohl dein Vater Arzt war, ziehst du Naturheilmittel, deren Wirkung zweifelhaft ist, herkömmlichen Medikamenten vor?“

„Du weißt genau, dass ich mir erlaube, eine eigene Meinung zu haben und das zu tun, was ich für richtig halte.“ Noch ehe sie die Worte ausgesprochen hatte, erinnerte sie sich schmerzlich daran, dass sie dem Druck ihres Vaters nachgegeben und eine Abtreibung hatte vornehmen lassen. Natürlich hatte sie protestiert und ihm erklärt, dass sie das Kind behalten wolle und Jack liebe, doch ihr Vater hatte ihre Einwände nicht gelten lassen.

Sie schluckte und versuchte, ihren Kummer und den Schmerz über den Verlust ihres Kindes zu verdrängen. Jack sollte sie allein lassen, und zwar sofort. Weshalb war er eigentlich gekommen? Hatte er nichts Besseres zu tun, als die Frau zu besuchen, die er zutiefst verachtete?

Es beunruhigte Jack sehr, Caroline so verletzlich zu sehen. Er wäre besser damit zurechtgekommen, wenn sie ihn gleichgültig behandelt oder ihn aufgefordert hätte, sich zum Teufel zu scheren. Doch ihr gequälter Blick machte ihn tief betroffen.

Dass er nach allem, was sie ihm angetan hatte, immer noch das Gefühl hatte, sie beschützen zu müssen, überraschte ihn. Sei vernünftig, verlass den Laden, und halte dich von dieser Frau fern, befahl er sich. Ihre engen verwaschenen Jeans betonten ihre Figur, die noch immer so perfekt war wie damals. Doch nur weil Caroline sehnsüchtige Fantasien in ihm auslöste, durfte er nicht länger bei ihr bleiben als unbedingt nötig. Es reichte, dass er sich einmal die Finger verbrannt hatte.

„Du brauchst etwas Stärkeres als diese Tropfen. Hast du denn für Notfälle nichts anderes da?“, fragte er ungeduldig. Er ärgerte sich über sich selbst. Warum konnte Caroline ihn immer noch aus der Fassung bringen?

„Doch, ich habe einen Erste-Hilfe-Kasten, aber der enthält nur Verbandszeug und solche Sachen. Vergiss es. Mir geht es wirklich gut.“

„Du hättest dir alle Knochen brechen können.“ Die innere Anspannung war zu groß, irgendwie musste Jack sich Luft machen. Er warf Caroline einen zornigen Blick zu.

Sie sah ihn schockiert an. „Das hätte dir so gepasst, stimmt’s? Entschuldige, dass ich dich enttäuscht habe“, entgegnete sie sarkastisch. Ihre Stimme klang jedoch etwas unsicher.

„Ich gebe zu, ich habe mir eine Zeit lang gewünscht, dass du leidest, nach allem, was du mir angetan hast. Aber ich möchte natürlich nicht, dass du dich ernsthaft verletzt“, erklärte er.

Die Ernsthaftigkeit und Qual in seiner Stimme ließen sie aufhorchen.

„Erst hattest du mir erzählt, du seist schwanger“, fuhr er leise fort, „und wenig später erfahre ich von dir, dass du eine Abtreibung hast machen lassen. Ich konnte es nicht glauben und wäre beinahe verrückt geworden, Caroline.“

Vor lauter Schmerz presste sie die Nägel fest in ihre Handflächen, so als wollte sie sich körperlich bestrafen. Am liebsten hätte sie Jack anvertraut, dass ihr Vater sie zu der Abtreibung gezwungen hatte. Doch was hatte sie davon? Wahrscheinlich würde er ihren Vater dann noch mehr verachten. Außerdem konnte er ihr dann vorwerfen, sich nicht durchgesetzt zu haben.

Sie atmete tief ein. „Du hattest sowieso vor wegzugehen. Ich wusste, wie sehr du dir gewünscht hast, dir in der Großstadt eine sichere Existenz aufzubauen. Vergiss nicht, ich war erst siebzehn, Jack.“ Plötzlich stiegen sämtliche Emotionen in ihr auf, die sie all die Jahre verdrängt hatte, um nicht den Verstand zu verlieren. Doch sie flüsterte nur: „Ich hatte Angst.“

„Du hättest mit mir über alles reden müssen, statt mich vor vollendete Tatsachen zu stellen.“ Er stand kurz davor, ihr an den Kopf zu werfen, sie hätte ihr gemeinsames Kind getötet. Aber er beherrschte sich, obwohl es ihm schwerfiel. Zorn und Schmerz drohten ihn zu überwältigen. Sicher, sie war erst siebzehn gewesen, und vielleicht hatte sie wirklich Angst gehabt. Dennoch fühlte er sich von ihr verraten und betrogen, weil sie nicht mit ihm gesprochen und ihn um Hilfe gebeten hatte.

Es stimmte: Er hatte die kleine Stadt, in der er aufgewachsen war, unbedingt verlassen wollen. Als Caroline ihm erzählt hatte, sie sei schwanger, war er schockiert gewesen. Doch wenn sie mit ihm über alles geredet und nicht diese eigenmächtige Entscheidung getroffen hätte, wäre er natürlich bei ihr geblieben. Er hatte sowieso vorgehabt, mit ihr zusammenzuleben, sobald er genug Geld verdiente und sie die Ausbildung beendet hatte. Darüber hatten sie sich oft genug unterhalten. Sie hatte gewusst, was er für sie empfand und dass er es ernst meinte.

„Können wir das Gespräch beenden? Ich möchte nicht mehr über die Vergangenheit reden. Außerdem muss ich weiterarbeiten. Auch wenn es so wirkt, als hätte ich keine Sorgen, solltest du nicht vorschnell urteilen und glauben, mein Leben sei leicht gewesen, nachdem du mich verlassen hast.“ Entschlossen stand Caroline auf, obwohl ihr schwindelig und übel war. Sie konnte sich gut vorstellen, was Jack damals empfunden hatte, und sie hasste sich dafür, dass sie ihn so sehr verletzt hatte. Ich wollte, ich könnte die Abtreibung ungeschehen machen, aber das ist leider unmöglich, dachte sie. Kein Zweifel, Jack war auch nach all den Jahren nicht bereit, ihr zu verzeihen.

Der Schmerz darüber kam ihr vor wie eine offene Wunde, die nicht heilen wollte. Doch damit musste sie leben.

„Warum bist du überhaupt in den Laden gekommen, Jack? Es gibt hier nichts, was dich interessieren könnte.“

Das stimmt, ich will nichts mehr von Caroline Tremayne, sagte er sich und erinnerte sich wieder daran, weshalb er hier war.

„Diese Bemerkung gestern im Zusammenhang mit deinem Vater war völlig unnötig. Es tut mir leid.“

„Du wolltest dich entschuldigen?“ Verblüfft sah sie ihn an.

„Woran ist er gestorben?“

„An einem Gehirnschlag.“

„Hat er leiden müssen?“, fragte er.

Sie zögerte mit der Antwort. Ihm war sogleich klar, dass sie befürchtete, er wolle schon wieder eine boshafte Bemerkung machen. Verdammt, ihm konnte egal sein, was sie dachte. Er brauchte nur das Gespräch zu beenden und den Laden so schnell wie möglich zu verlassen. Es hatte keinen Sinn, die für sie beide quälende Unterhaltung noch länger fortzusetzen.

Caroline strich sich das zerzauste Haar aus dem Gesicht und blickte Jack an. „Glücklicherweise ist alles sehr schnell gegangen. Nicholas, ein Freund der Familie und Arzt wie mein Vater, hat mir versichert, er hätte nicht lange leiden müssen.“

„Gut.“ Jack drehte sich um und ging zur Tür. Doch plötzlich blieb er stehen und redete sich ein, er wolle sich nur vergewissern, ob wirklich alles in Ordnung war mit ihr. Dass sie immer noch dieselbe gefährliche Anziehungskraft auf ihn ausübte wie vor siebzehn Jahren, versuchte er zu verdrängen. „Du solltest dich gründlich untersuchen lassen. Durch den Sturz von der Leiter kannst du dir innere Verletzungen zugezogen haben“, fügte er rau und besorgt hinzu.

Sie räusperte sich. „Glaub mir, es geht mir gut. Ich brauche mich nicht untersuchen zu lassen. Ich bin ziemlich gelenkig und habe Knochen wie aus Gummi. Weißt du das nicht?“, versuchte sie zu scherzen.

„Gut für dich“, antwortete er mit undefinierbarer Miene und eilte hinaus.

„Glücklicherweise hast du dir nichts gebrochen, aber du hättest gleich nach dem Sturz kommen müssen. Du hast dir heftige Prellungen zugezogen, die du noch einige Tage spüren wirst.“ Nicholas ging um den Schreibtisch herum auf Caroline zu, die gerade ihre Jacke anzog. „Ich lade dich zum Abendessen ein. Du siehst aus, als könntest du eine Aufmunterung gebrauchen.“ Er blickte sie besorgt und belustigt zugleich an und streichelte ihr die Wange.

Da ihr eigener Arzt im Urlaub war, hatte Caroline sich von Nicholas untersuchen lassen, obwohl es ihr irgendwie unangenehm war. Doch als ihr am Morgen die Hüfte wehtat, hatte sie Jacks Rat, zum Arzt zu gehen, befolgt. Viel schlimmer als der körperliche Schmerz war jedoch für sie, dass Jack ihr die Abtreibung immer noch nicht verziehen hatte. In der Nacht hatte sie lange wach gelegen und sich von ganzem Herzen gewünscht, sie hätte sich gegen ihren dominanten Vater durchgesetzt und das Kind bekommen.

Das Wiedersehen mit Jack nach so vielen Jahren hatte ihr den mühsam gefundenen inneren Frieden geraubt. Er war offensichtlich beruflich sehr erfolgreich, denn seine Kleidung war elegant und von bester Qualität. Außerdem trat er so sicher und selbstbewusst auf wie jemand, der auf der Leiter des Erfolgs ganz oben stand. Doch in seinem Blick lag so etwas wie Kummer oder Trostlosigkeit. Trotz allem, was er erreicht hatte, schien er seine tiefe Traurigkeit nicht überwinden zu können.

„Zum Abendessen?“, wiederholte sie zögernd und verdrängte die Gedanken an Jack.

„Ja. Ich hole dich um acht ab. Versuch, nicht ganz so unglücklich auszusehen, Liebes. Wegen einiger Prellungen geht doch die Welt nicht unter.“

Caroline rang sich ein Lächeln ab und nickte. „Ich weiß. Aber ich ärgere mich über meine eigene Dummheit. Vielen Dank für die Einladung, Nicholas. Ich nehme sie gern an.“

„Kommst du etwa immer noch nicht damit zurecht, dass Jack Fitzgerald wieder da ist?“ Nicholas konnte sein Missfallen nicht verbergen und ging zu seinem Platz zurück.

Obwohl ihre Gedanken seit Jacks Rückkehr vor drei Tagen nur noch um diesen Mann kreisten, behauptete sie: „Natürlich komme ich damit zurecht! Ich bin längst über die ganze Sache hinweg. Es war ein Schock, ihn nach so vielen Jahren wiederzusehen, das ist alles. Wie gesagt, ich bin darüber hinweg. Dann bis heute Abend.“

Was bin ich doch für eine Lügnerin, dachte Caroline beim Hinausgehen und seufzte.

4. KAPITEL

Nicholas führte Caroline in ein bekanntes und beliebtes Restaurant in einem eleganten Hotel im viktorianischen Stil. Es war modernisiert worden, hatte einen guten Ruf, und die Leute kamen von weit her, um dort zu essen. Caroline war öfter nachmittags zum Kaffeetrinken hier gewesen. Die Atmosphäre gefiel ihr, und sie liebte es, in dem hübschen Raum zu sitzen, dessen Ausstattung noch an den Glanz und die Pracht einer längst vergangenen Zeit erinnerte.

Sie trug ihr elegantes blaues Seidenkleid, das ihre herrliche Figur betonte. Außerdem hatte sie etwas Make-up aufgetragen und hoffte, man würde ihr nicht mehr ansehen, wie aufgewühlt sie war. Nicholas erklärte, sie sehe sehr gut aus, und das Kompliment stärkte ihr Selbstbewusstsein. Nach der Begegnung mit Jack am Tag zuvor war sie froh über Nicholas’ aufmunternde Worte.

„Möchtest du Wein trinken, Liebes?“ Nicholas ließ die Weinkarte, die er in der Hand hielt, sinken und blickte Caroline lächelnd an.

„Gern. Ich überlasse dir die Wahl.“ Sie wusste, dass er diese Antwort erwartete. Nicholas Brandon war ein Kavalier der alten Schule. Sein perfektes Benehmen war gepaart mit einer gehörigen Portion Chauvinismus. Das lag natürlich an seinem Elternhaus und seiner Erziehung, und Caroline nahm es ihm nicht übel. Doch dass ihr Vater sich sehr ähnlich verhalten hatte, war ihr gewaltig gegen den Strich gegangen.

Unglücklich studierte sie die Speisekarte. Bei der Erinnerung an ihren Vater traten ihr Tränen in die Augen, und sie hatte Mühe, sie zurückzuhalten. Um sich abzulenken, hob sie den Kopf und sah sich in dem großen Raum um. Plötzlich entdeckte sie Jack. Er saß ganz allein an einem Tisch am Fenster, vor ihm stand eine Tasse Kaffee, die er nicht anrührte. Er schien nichts wahrzunehmen um sich herum und ganz in Gedanken versunken zu sein.

Vor lauter Entsetzen glitt Caroline die Speisekarte aus der Hand. Als sie danach greifen wollte, stieß sie zu allem Überfluss das leere Weinglas vom Tisch. Es landete auf dem dicken Teppich und zerbrach glücklicherweise nicht. Automatisch bückte sie sich und hob es mit zitternden Fingern auf. Niemals hätte sie damit gerechnet, Jack hier zu begegnen.

In dem Moment bemerkte er die schöne Blondine in dem blauen Seidenkleid, die das Glas vom Boden aufhob. Als sie aufblickte, erkannte er Caroline, und sein Körper verkrampfte sich augenblicklich.

In den letzten Stunden hatte er immer wieder an sie denken müssen. Jetzt hatte er das Gefühl, dass sie kraft seiner Gedanken auf wundersame Weise hier erschienen war, und er war völlig verblüfft. Erst nach einem kurzen Moment bemerkte er, dass sie nicht allein war. Ihr Begleiter war zweifellos viel älter als sie, Jack schätzte ihn auf Ende fünfzig. War er etwa ihr Freund?

Eifersucht stieg in ihm auf. Der Mann hätte ihr Vater sein können. Jack passte das besitzergreifende Verhalten des Mannes ganz und gar nicht, der sich zu Caroline hinüberbeugte und ihr die Hand drückte, nachdem sie das Glas hingestellt hatte. Ehe ihm bewusst wurde, was er tat, war Jack schon aufgestanden und hatte den Raum durchquert. An dem Tisch der beiden blieb er stehen.

„Hallo, Caroline“, sagte er, ohne ihren Begleiter zu beachten.

Sie errötete. Bei unserer allerersten Begegnung hat sie genauso reagiert, dachte Jack. Er hatte sie angesprochen, nach ihrem Namen gefragt und ihr gesagt, sie sei das schönste Mädchen, das er je gesehen hatte. Dass sie errötete, fand er ganz bezaubernd, und es war um ihn geschehen. Brennende verzehrende Sehnsucht hatte ihn damals erfasst, und ihm war sogleich klar gewesen, dass er Caroline nie würde vergessen können. Er hatte sich nicht getäuscht.

„Hallo, Jack“, erwiderte sie und wandte den Blick ab. Jack hatte das Gefühl, dass sie ihren Begleiter wie um Entschuldigung bittend ansah, und das machte ihn rasend.

Sofort stiegen die Erinnerungen daran auf, wie herablassend und verächtlich ihr Vater ihn behandelt hatte, so als wäre er ein kleines Nichts.

„Willst du mich deinem Freund nicht vorstellen?“, fragte er. An die Möglichkeit, dass sie mit diesem Mann wirklich liiert war, wollte er nicht glauben. Es war ein schrecklicher Gedanke.

„Natürlich.“ Ihr Versuch, ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern, misslang. „Das ist Dr. Nicholas Brandon, ein guter Freund meines Vaters.“

Jack spürte gleich, dass der Mann ihn nicht ausstehen konnte, und musste lächeln. Er war froh, dass Caroline ihn als Freund ihres Vaters und nicht als ihren eigenen vorgestellt hatte.

„Nicholas, das ist Jack Fitzgerald.“

„Ah ja.“

Obwohl er aufstand und Jack nach kurzem Zögern die Hand schüttelte, war Caroline klar, dass er Jack ablehnte. Offenbar hatte Nicholas sich von ihrem Vater beeinflussen lassen, und sie wurde zornig. Nicholas hatte kein Recht, Jack unhöflich und respektlos zu behandeln. Schließlich kannte er ihn gar nicht.

„Es freut mich, Sie kennenzulernen“, sagte Jack betont freundlich. Sein leichter Akzent verriet, dass er sich lange in Amerika aufgehalten hatte. „Du siehst wunderschön aus“, wandte er sich wieder an Caroline. „Gibt es einen Grund zum Feiern?“

„Nein“, mischte sich Nicholas ärgerlich ein und warf Caroline einen vorwurfsvollen Blick zu. Er schien es für eine Zumutung zu halten, dass sie ihm ihren Exfreund vorstellte. „Ein Essen unter guten Freunden. Wenn Sie uns jetzt entschuldigen würden …“

Caroline konnte kaum glauben, dass Nicholas Jack so schroff abfertigte. Das wollte sie nicht hinnehmen, es war unanständig und unfair, egal wie schäbig Jack sich ihr gegenüber verhielt.

„Hast du schon gegessen, Jack? Setz dich doch zu uns, wenn du möchtest“, forderte sie ihn mutig auf.

Jack war überrascht. Ohne ihren Begleiter zu beachten, ließ er den Blick langsam über Carolines Gesicht, ihre Schultern und ihren Körper gleiten. Unter dem feinen Material ihres Kleides zeichneten sich ihre Brüste deutlich ab, und schon wieder stieg bei ihrem Anblick heftiges Verlangen in ihm auf.

Kein Wunder, dass Nicholas Brandon sie für sich allein haben will, dachte er. Vielleicht war Caroline wirklich überzeugt, eine rein freundschaftliche Beziehung mit dem Arzt zu haben. Aber Jack war sofort aufgefallen, dass dieser Mann sie genauso heftig begehrte wie er selbst. Jack wollte sie unbedingt wieder in seinem Bett haben, wenigstens ein einziges Mal, das war ihm schlagartig klar geworden. Nach all den Jahren und nach allem, was sie ihm angetan hatte, war das vielleicht eine große Dummheit. Darüber wollte er jedoch nicht nachdenken.

„Nein, vielen Dank“, antwortete er und lächelte, als er den erleichterten Blick ihres Begleiters bemerkte. „Ich trinke meinen Kaffee aus, dann gehe ich auf mein Zimmer. Ich muss noch arbeiten. Vielleicht ein andermal. Wir laufen uns bestimmt wieder über den Weg.“

„Du wohnst hier im Hotel?“ Caroline war überrascht.

„Ja. Übrigens, was machen die Prellungen und die blauen Flecke von gestern?“, fragte er, um Nicholas Brandon zu ärgern.

„Sie wissen, dass Caroline von der Leiter gefallen ist?“, reagierte der Arzt prompt mit vorwurfsvoller Miene.

„Es war gerade passiert, als ich den Laden betrat. Sie war immer schon ein kleiner Unglücksrabe. Stimmt’s, Caroline?“ Jack gab seiner Stimme absichtlich einen rauen und seltsam intimen Klang und schaute Caroline so vielsagend in die Augen, dass es sie heiß überlief.

Auch damals hatte er es verstanden, ihr mit einem einzigen liebevollen Blick das Gefühl zu geben, sie körperlich zu begehren. Aber warum sah er sie jetzt wieder so an? Er verachtete sie doch, wie er ihr deutlich zu verstehen gegeben hatte.

Trotz ihrer Verwirrung konnte sie den Blick nicht von ihm abwenden. Kurz entschlossen küsste Jack sie auf die Wange, um ihren Begleiter zu provozieren. Der Duft seines Aftershaves erregte all ihre Sinne, und sie spürte einen wohligen Schauer.

„War ich das wirklich?“, erwiderte sie nervös. Es war ihr peinlich, an ihre Ungeschicklichkeit erinnert zu werden. Außerdem konnte sie kaum glauben, dass Jack sie geküsst hatte. Siebzehn Jahre, die ihr wie eine Ewigkeit vorkamen, hatte sie seine Berührungen und Zärtlichkeiten vermisst. Und nachdem sie jetzt seine Lippen auf ihrer Haut gespürt hatte, sehnte sie sich verzweifelt nach mehr. Sie empfand tiefe Freude, obwohl sie wusste, dass ihr Verlangen unerfüllt bleiben würde.

„Okay, ich lasse euch allein“, erklärte er und blickte Caroline noch einmal so herausfordernd und bedeutungsvoll an, dass es ihr den Atem raubte. Er schien mit seinem Blick anzudeuten, dass er sich etwas Schöneres vorstellen konnte, als den Abend allein in seinem Hotelzimmer zu verbringen.

Als er weg war, überlegte Caroline, ob er die Bemerkung, sie würden sich bestimmt wieder über den Weg laufen, ernst gemeint hatte. Oder hatte er nur Nicholas ärgern wollen? Jack fand ihn offenbar sehr unsympathisch, das hatte sie gespürt. Lag es daran, dass Nicholas ein Freund ihres Vaters gewesen war? Jack musste davon ausgehen, dass die beiden Männer damals über ihn geredet hatten, und das störte ihn natürlich. Nicholas hatte jedenfalls keinen Hehl aus seiner Abneigung, seinen Vorurteilen und seiner Verachtung gegenüber Jack gemacht.

„Du solltest dich von dem Mann fernhalten, Caroline. Das ist für dich das Beste“, stellte Nicholas missmutig fest. „Ich kann mich auf meine Menschenkenntnis verlassen und täusche mich selten. Ich traue ihm nicht, er würde dir nur Ärger bringen.“

Am liebsten hätte sie ihm heftig widersprochen, denn ihre Sehnsucht nach Jack war wieder genauso stark wie damals. Sie schwieg jedoch, weil Nicholas wahrscheinlich recht hatte. Vielleicht verfolgte Jack seine eigenen Pläne. Möglicherweise wollte er sich für das rächen, was sie ihm angetan hatte.

Da ihr der Appetit vergangen war, stocherte sie lustlos im Essen, bis es endlich Zeit war zu gehen.

Am nächsten Tag, einem Freitag, verließ Caroline nach dem Unterricht eilig die Schule, um Sadie Martin einzuholen. Das Mädchen war sehr zerstreut und unaufmerksam gewesen, hatte die ganze Zeit seltsam verträumt dagesessen. Das hatte Caroline beunruhigt, und sie wollte wissen, was los war.

Zwar hatte Caroline genug mit ihren eigenen Gedanken zu tun, doch sie verbat sich das Grübeln über Jack und lächelte Sadie strahlend an, als sie schließlich auf einer Höhe mit ihr war. „Hallo! Du hast es heute so eilig. Hast du etwas Bestimmtes vor?“

Sadie errötete und senkte schuldbewusst den Kopf.

„Ist alles in Ordnung, Sadie?“, fragte Caroline.

Sadie wartete, bis ihre Klassenkameradinnen verschwunden waren. Dann blieb sie stehen. „Ja, es ist alles in Ordnung, wirklich“, antwortete sie.

Dass sie ihre Aussage bekräftigte, war für Caroline sehr aufschlussreich, und sie kniff besorgt die Augen zusammen. „Möchtest du reden? Wir können in den Park gehen, ich habe Zeit.“

„Ja, gern. Vielen Dank.“ Überrascht und dankbar zugleich blickte Sadie sie an und bestätigte Caroline damit indirekt, dass sie das Richtige tat.

Sie setzten sich auf eine Bank im Schatten einer Eiche, die langsam ihr goldenes Herbstlaub verlor.

„Ich habe einen Jungen kennengelernt. Ich … mag ihn sehr“, begann Sadie schließlich.

Überrascht und zutiefst beunruhigt sah Caroline sie an. Mit so etwas hatte sie nicht gerechnet und war sekundenlang sprachlos. Dann räusperte sie sich und atmete tief ein. Sadie ist sechzehn, genauso alt wie ich war, als ich mich in Jack verliebt habe, überlegte sie. „Wann und wo habt ihr euch denn kennengelernt?“

Wieder errötete Sadie. „Ich kenne ihn schon einen Monat. Er heißt Ben und studiert Kunst hier am College. Die ältere Schwester meiner Freundin ist eine Kommilitonin von ihm. Sie hat uns Eintrittskarten zu einer Tanzveranstaltung der Studenten geschenkt. Und da sind Ben und ich uns begegnet.“

„Dann ist er einige Jahre älter als du“, stellte Caroline fest.

„Ja, aber nur drei. Das ist kein großer Altersunterschied, oder?“

„Nein.“ Caroline fuhr sich mit den Fingern durch die blonde Mähne. „Das ist es nicht. Jetzt weiß ich wenigstens, warum du in der letzten Zeit so zerstreut warst. Hast du ihn schon deinen Eltern vorgestellt?“

„Ja. Ich würde mich niemals hinter ihrem Rücken mit ihm treffen. Außerdem bin ich sonst nur selten ausgegangen, doch seitdem ich ihn kenne, gehe ich sehr oft weg. Sie hätten Verdacht geschöpft, wenn ich es ihnen verschwiegen hätte. Mein Vater mag ihn sehr, und meine Mutter gewöhnt sich langsam an den Gedanken, dass ich einen Freund habe, glaube ich.“ Sadie zuckte verlegen mit den Schultern. „Sie macht sich immer zu viele Sorgen. Wahrscheinlich befürchtet sie, ich könnte in Schwierigkeiten geraten.“

„In was für Schwierigkeiten?“ Noch ehe sie die Frage ausgesprochen hatte, wusste Caroline, dass Sadie eine ungewollte Schwangerschaft meinte. Oh nein, die Geschichte darf sich nicht wiederholen, dachte sie besorgt. Sadie hatte eine glückliche Zukunft verdient. Es sollte ihr erspart bleiben, dass die Romanze zerbrach oder der Mann, in den sie verliebt war, sie zurückwies, ehe sie überhaupt erwachsen geworden war. Aber das Mädchen hatte Eltern, die es liebten und die vermutlich zu ihm halten würden, falls etwas schiefging. Für mich war die Situation damals wesentlich schwieriger, gestand sich Caroline ein.

„Sie befürchtet, ich könne schwanger werden.“ Sadie verzog die Lippen. „Doch ich bin vernünftiger, als meine Eltern glauben, auch wenn ich noch sehr jung bin. Ben und ich sind gerade erst dabei, uns richtig kennenzulernen. Wir haben noch nicht zusammen geschlafen. Wenn es so weit ist, gehe ich zum Arzt und lasse mir ein Verhütungsmittel verschreiben. Ich will nichts riskieren und uns beiden nicht die Zukunft verbauen.“

„Das klingt wirklich sehr vernünftig, Sadie.“ Caroline schluckte und rang sich ein Lächeln ab. Sie wünschte, sie und Jack hätten damals auch so vernünftig gehandelt. Aber sie waren Sklaven ihrer Leidenschaft gewesen, sie hatten nicht genug voneinander bekommen und sich nicht beherrschen können. Ihr Magen verkrampfte sich bei den bittersüßen Erinnerungen. „Manchmal geraten die Dinge jedoch trotz aller guten Vorsätze außer Kontrolle. Du weißt, dass eure Soziologielehrerin Glynis Hopkins Teenager in Beziehungsfragen berät, oder? Rede doch einmal mit ihr. Sie ist sehr nett, und alles, was du mit ihr besprichst, behandelt sie streng vertraulich, das kann ich dir versichern.“

Sadie strahlte übers ganze Gesicht. „Danke. Ich bin so froh, dass ich mit Ihnen reden kann. Sie verstehen mich, das wusste ich.“

Caroline drückte dem Mädchen die Hand. „Als deine Lehrerin und deine Freundin wünsche ich mir sehr, dass du glücklich bist“, erwiderte sie sanft.

Später am Abend war Caroline nervös und angespannt und ihre Gedanken kreisten immer wieder um Jack. Normalerweise zog es sie ans Meer, wenn sie unruhig und aufgewühlt war. Aber heute Abend brachte sie nicht die Energie auf, an dem einsamen Strand entlangzuwandern. Stattdessen beschloss sie, mit dem Auto ziellos durch die Gegend zu fahren. Sie setzte sich in ihren Wagen und gönnte unterwegs den Wellen, die ans Ufer schlugen, keinen Blick.

Als Caroline nach Hause zurückkehrte, wurde es schon dunkel. Sie stellte den Wagen in der Einfahrt ab und stieg aus. Vielleicht friert es heute Nacht, es ist ziemlich kalt, überlegte sie, während sie ihre Handtasche vom Beifahrersitz nahm und das Auto abschloss. Dann ging sie müde zur Haustür.

„Bleibst du immer so lange in der Schule nach dem Unterricht?“

Beim Klang der ihr so vertrauten Stimme wirbelte sie schockiert herum. Jack stand hinter ihr und blickte sie mit diesen unglaublich blauen Augen durchdringend an.

„Jack, was machst du denn hier? Woher wusstest du, dass ich heute unterrichtet habe?“ Sie bekam weiche Knie. Wie gebannt betrachtete sie sein Gesicht und die kleine Narbe über der Lippe. Er hatte ihr erzählt, dass er sich mit sechzehn mit einem anderen Jungen geprügelt hatte, der ihn dabei mit einem Messer verletzte. Am Ende war Jack jedoch der Stärkere gewesen, und der andere Junge hatte ihn danach nie mehr belästigt. Das glaubte Caroline ihm unbesehen. Er war ein energiegeladener Mensch und zugleich gefährlich und unberechenbar. Zweifellos hatte der Junge ihn damals völlig unterschätzt.

„Ich habe deine Nachbarin gefragt. Sie war sehr hilfsbereit.“ Sein Lächeln wirkte nicht warm und herzlich, sondern eher überlegen und zufrieden, so als wäre ihm klar, dass er Caroline da hatte, wo er sie haben wollte. Und damit hatte er recht. Sie wusste, dass sie ihm nicht widerstehen konnte.

Ihre Nachbarin Nicolette war eine attraktive Frau. Sie war Anfang vierzig, geschieden und auf der Suche nach einem dritten Ehemann. Deshalb studierte sie die Heirats- und Kontaktanzeigen in der Lokalzeitung immer sehr genau. Caroline konnte sich gut vorstellen, dass sie Jack bereitwillig alles erzählt hatte, was er wissen wollte. Doch obwohl Caroline sich durch seine Gegenwart ganz überwältigt fühlte, war sie an diesem Abend nicht bereit, über die Vergangenheit zu reden, falls er das vorhatte. Das war ihr zu gefährlich, denn sie war ihm nicht gewachsen.

Caroline presste ihre Handtasche an sich und runzelte die Stirn. „Was willst du, Jack? Fass dich bitte kurz, ich friere in dem kalten Wind“, erklärte sie kühl.

„Warum bittest du mich nicht ins Haus?“ Er sah sie erwartungsvoll an. Dann hob er die Hand und strich sich das Haar aus der Stirn.

Während Caroline ihn resigniert ansah, triumphierte er insgeheim. Sekundenlang hatte er geglaubt, sie würde Nein sagen. Doch die knisternde Spannung zwischen ihnen war mit den Händen zu greifen, und er verstand es glänzend, Caroline zu manipulieren. Ihm war nicht entgangen, wie nervös sie in seiner Gegenwart war, und das nutzte er schamlos aus.

„Okay, du kannst mit hereinkommen, aber nur für einen Moment.“

Im Haus war es wunderbar warm. Es wirkte einladend, und der Duft von Carolines Parfüms hing in der Luft. Von so einem Zuhause hatte Jack als Kind und Jugendlicher geträumt. Es strahlte Beständigkeit und Behaglichkeit aus. Er folgte Caroline in die Eingangshalle und beobachtete sie dabei, wie sie die warme Jacke aufhängte und das wunderschöne blonde gelockte Haar aus dem Rollkragen des grünen Pullovers hervorzog. Es fiel ihr über den Rücken, und Jack musste sich sehr beherrschen, ihr nicht mit den Händen durch die Locken zu fahren und einige Strähnen besitzergreifend um seine Finger zu wickeln.

Sie drehte sich zu ihm um und ahnte natürlich nicht, was in ihm vorging. „Möchtest du einen Tee oder etwas anderes?“

Zu gern hätte er sie geneckt und gefragt, was sie mit „etwas anderes“ meinte. Doch als er ihr schönes Gesicht und ihre arglose Miene betrachtete, erinnerte er sich plötzlich daran, wie glühend und innig er sie geliebt hatte – und dass sie seine Liebe mit einer einzigen unverzeihlichen Handlung zerstört hatte.

„Jack?“

Ich hätte nicht herkommen dürfen, schoss es ihm durch den Kopf. Doch er hatte der Versuchung nicht widerstehen können, Caroline aufzusuchen. Er spielte ein gefährliches Spiel, das nur in einer Katastrophe enden konnte. Andererseits konnte ihm nichts mehr passieren, denn er hatte vor langer Zeit schon alles verloren, was ihm wirklich wichtig gewesen war.

„Ich nehme gern eine Tasse Tee“, antwortete er, ohne zu lächeln.

Caroline ahnte, dass ihn die Vergangenheit genauso beschäftigte wie sie, und dass das, was damals geschehen war, immer zwischen ihnen stehen würde. Deprimiert wandte sie sich ab. „Hoffentlich hast du nichts dagegen, ihn in der Küche zu trinken“, sagte sie betont munter und ging vor ihm her durch die große Eingangshalle.

5. KAPITEL

„Du bist bestimmt nicht ohne Grund hier, Jack. Warum kommst du nicht zur Sache?“

Sie saßen am Küchentisch, und Caroline umfasste die Tasse mit dem heißen Tee. Sie wollte endlich wissen, was Jack vorhatte. Siebzehn Jahre lang hatte sie sich mit ihren Schuldgefühlen herumgequält und war nicht fähig gewesen, sich auf eine neue Beziehung einzulassen. Jedes Mal, wenn sie jemanden kennenlernte, der ihr gefiel und der sich für sie interessierte, hatten die schrecklichen Schuldgefühle und ihre Ängste schon nach kurzer Zeit jede Hoffnung auf eine dauerhafte Beziehung zerstört. Und dann war alles zu Ende, ehe es richtig angefangen hatte.

Eigentlich habe ich mich lange genug mit Selbstvorwürfen und meinem Schmerz gequält, dachte sie. Sie sehnte sich danach, jemanden lieben zu können, ohne Angst davor haben zu müssen, ein ähnlich traumatisches Ende dieser Liebe erleben zu müssen wie damals. Aber Jacks verächtlicher Blick sagte ihr, dass er der Meinung war, sie hätte noch längst nicht genug gelitten.

„Wohnst du allein hier?“, fragte er, ohne auf ihre Aufforderung einzugehen.

„Ja.“

„Ich habe damals oft überlegt, wie das Haus von innen aussieht.“ Er blickte sich in der gemütlichen Küche um. „Dein Vater hatte dir ja verboten, mich mitzubringen.“

Nur ungern wurde sie an das Verhalten ihres Vaters erinnert und senkte den Kopf.

„Hast du keinen Partner?“

„Nein“, erwiderte sie knapp und ohne weitere Erklärung. Die wäre sowieso sinnlos, denn Jack zog seine eigenen Schlüsse daraus, dass sie Single war. Seine abfälligen Bemerkungen wollte sie sich nicht anhören.

„Dann seid ihr kein Paar, dein Arzt und du?“ Er verzog leicht verächtlich die Lippen.

Plötzlich wurde sie zornig. Was bildete er sich eigentlich ein? Er hatte ihr unsäglichen Kummer und Schmerz bereitet, ohne jemals darüber nachzudenken, dass er für die Ereignisse von damals mitverantwortlich war.

„Das geht dich nichts an. Außerdem interessiert es dich vermutlich gar nicht, mit wem ich zusammen bin. Du bist aus einem ganz bestimmten Grund gekommen, das ist mir völlig klar. Wenn du mir sagen willst, was du von mir hältst, dann spar dir die Mühe. Deine Meinung hast du mir schon klar und deutlich zu verstehen gegeben. Wir waren beide damals noch sehr jung. Seitdem ist viel Zeit vergangen, und du hast offenbar alles erreicht, was du dir vorgenommen hattest. Deshalb verstehe ich nicht, weshalb du zurückgekommen bist und in alten Wunden bohrst.“

Sie schob ihre Teetasse heftig weg und stand auf. Dann verschränkte sie die Arme, ging zum Fenster und blickte unglücklich in die Dunkelheit hinaus. Als sie hörte, dass Jack auch aufstand und sich hinter sie stellte, verkrampfte sie sich.

„Woher willst du wissen, dass ich alles erreicht habe, was ich wollte, Caroline?“ Seine Stimme klang rau und vorwurfsvoll.

Caroline wagte kaum zu atmen, sie spürte seine Wut. Die Atmosphäre war zum Zerreißen gespannt.

„Dein Aussehen und dein Auftreten verraten, dass du sehr erfolgreich bist, Jack. Ich wollte dich nicht …“

„Du glaubst also, ich sei jetzt sehr reich und nicht mehr der arme Junge aus dem sozialen Getto. Das meinst du mit erfolgreich, oder?“

Sie drehte sich zu ihm um und war beim Anblick seiner verzweifelten und aufgewühlten Miene bestürzt.

„Ich weiß zu wenig über dich, um mir ein Urteil bilden zu können, Jack“, antwortete sie. Der leicht erdige Duft seiner teuren Lederjacke und seine Nähe hatten eine verheerende Wirkung auf Carolines sowieso schon verwirrte Sinne. Überlaut hörte sie das monotone Ticken der Küchenuhr und versuchte, sich darauf zu konzentrieren.

Als Jack ihr die Hände auf die Arme legte, stöhnte sie vor Überraschung leise auf. Dann beugte er sich zu ihr hinunter und verschloss ihre Lippen mit einem wilden, heißen und zornigen Kuss. Caroline war schockiert, als ihr bewusst wurde, dass Schmerz und Freude genauso nahe beieinanderlagen wie Liebe und Hass.

Ihr Herz klopfte zum Zerspringen, und sie kam sich in Jacks Armen hilflos und willenlos vor. Doch dann kam sie zur Besinnung. Jacks Küsse wurden gefährlicher, leidenschaftlicher, und er presste Caroline so fest an seinen durchtrainierten muskulösen Körper, dass nichts mehr zwischen sie gepasst hätte.

Sie wollte sich aus der Umarmung lösen, zugleich wünschte sie sich jedoch mehr, viel mehr, egal welche Konsequenzen das hätte. Schließlich legte sie Jack die Hände auf die Brust und schob ihn von sich.

„Nein!“, rief sie aus.

Jack ließ sie los und lächelte spöttisch. Während Caroline versuchte, sich aus seinem Bann zu lösen, traten ihr vor Zorn und Empörung Tränen in die Augen. Es war erschreckend, wie stark und tückisch die gegenseitige Anziehungskraft immer noch war.

„Was, zum Teufel, hast du dir dabei gedacht?“, fuhr sie ihn an und ging zur Tür. „Verlass bitte mein Haus, und komm nie wieder. Hast du mich verstanden? Du sollst gehen, und zwar sofort!“

„Du glaubst immer noch, du seist zu gut für mich, oder?“ Er verzog die Lippen und sah Caroline kalt an.

Sie konnte nicht glauben, dass er so eine Äußerung überhaupt über die Lippen brachte. Nie hatte sie das Gefühl gehabt, er sei nicht gut genug für sie. Und sie hatte ihn auch nie so behandelt. Es war unfair, dass er von ihrem Vater auf sie schloss. Seine Wut auf Charles Tremayne machte ihn offenbar blind für die Wahrheit.

„Ich habe mich nie für zu gut für dich gehalten. Du verdrehst die Wahrheit absichtlich, damit du deinen ganzen Zorn auf meinen Vater an mir auslassen kannst.“ Sie öffnete die Tür. „Ich habe dich nur aus Höflichkeit hereingebeten. Aber es wäre besser gewesen, ich hätte dich vor der Tür stehen lassen. Es war ein langer Tag für mich, ich möchte jetzt allein sein. Geh bitte, Jack.“

Als er ihre weichen verführerischen Lippen geküsst hatte, war sein leidenschaftliches, heißes und sehnsüchtiges Verlangen nach dieser Frau von Neuem und mit verheerender Macht entflammt. Es erschreckte und irritierte ihn so sehr, dass er unschlüssig war, was er als Nächstes tun sollte. Doch dann erinnerte er sich daran, wie rücksichtslos sie damals alles zerstört hatte, was sie verband, und sein Hass war wieder stärker als jedes andere Gefühl.

„Keine Angst, Caroline, ich verschwinde.“ Er durchquerte den Raum und konnte der Versuchung nicht widerstehen, vor ihr stehen zu bleiben. Betont langsam ließ er den Blick über ihre geröteten Wangen gleiten. „So ganz allein zu leben muss für dich ziemlich schwierig sein. Ich nehme an, du hattest lange keinen Mann mehr, Süße. Dein überheblicher Freund, dieser Arzt, küsst dich bestimmt nicht so, dass es diese ungezügelten Gefühle bei dir auslöst wie unser Kuss gerade eben. Habe ich recht?“

Als sie schwieg und ihn nur verletzt und empört ansah, bevor sie sich abwandte, lachte er leise auf.

„Mach dir nichts daraus. Ich bin mir ganz sicher, dass wir uns bald wiedersehen.“

„Warum sollten wir das? Ich dachte, du wolltest mir nach Möglichkeit aus dem Weg gehen.“

„Nein, das habe ich nicht vor. Wenn ich dir meinen Anblick erspare, vergisst du vielleicht, wie glücklich wir einmal waren.“

„Du bist grausam.“

„Ja, damit ich nicht vergesse, was du mir angetan hast.“ Er lächelte ironisch.

Als er sich umdrehte und hinausgehen wollte, sagte Caroline nach kurzem Zögern: „Du hast mir immer noch nicht verraten, was du eigentlich wolltest.“

Er zuckte mit den Schultern. „Ich habe das Haus gekauft, das einmal meinen Eltern gehört hat und damals versteigert wurde. Das weißt du noch, nehme ich an.“

„Ja.“ Sie erinnerte sich daran, wie zornig er gewesen war, als er ihr erzählte, was geschehen war. In seinen Augen hatten sogar Tränen gestanden. Da hatte er seinen Plan entwickelt, diesen Ort zu verlassen, sich anderswo einen Namen zu machen und ein Vermögen zu erwerben. Dann wollte er zurückkommen, und seine Mutter sollte wieder mit hoch erhobenem Kopf durch diese spießige Stadt, wie er es nannte, gehen können.

„Was willst du damit? Willst du darin wohnen?“ Bei dem Gedanken geriet sie in Panik. Sie wollte nicht im selben Ort leben wie Jack Fitzgerald, lieber würde sie die Stadt verlassen und vielleicht ins Ausland gehen.

Jack betrachtete sie mit spöttischer Miene. „Warte ab. Eines Tages wirst du es wissen, Caroline.“

Als Jack in die Hotelsuite zurückkehrte, musste er sich erst einmal beruhigen. Die Begegnung mit Caroline hatte ihn vollkommen aufgewühlt. Nur ungern erinnerte er sich an die Panik und die Angst in ihren Augen.

Er wollte kein Mitleid mit ihr haben, und er wollte vergessen, dass sie in seinen Armen gebebt hatte, als er sie küsste. Er war halb wahnsinnig gewesen vor Verlangen und hatte sie wahrscheinlich zutiefst erschreckt. Aber sie war so schön, dass er ihr nicht widerstehen konnte, und ihr dezenter Duft war viel zu verführerisch. Sie war jetzt eine reife Frau, kein junges unschuldiges Mädchen mehr – und sogar noch anziehender als jemals zuvor.

Ihren Duft glaubte er immer noch wahrzunehmen, und er atmete tief ein. Warum musste ihm so etwas nach all den Jahren passieren, obwohl er sich so sehr bemüht hatte, sie zu vergessen? Er war ein erfolgreicher wohlhabender Geschäftsmann, er konnte tun und lassen, was er wollte, und er konnte beinahe jede Frau haben. Doch er sehnte sich nur nach Caroline Tremayne, es war wie eine Sucht, von der er nicht geheilt werden konnte. Aber es würde sein ganzes Leben durcheinanderbringen, wenn er sich nicht von ihr fernhielt.

Er zog die Lederjacke aus, setzte sich auf das Bett und öffnete ungeduldig die obersten Knöpfe seines schwarzen Seidenhemds, so als wäre es ihm zu eng. Dann saß er lange Zeit da und blickte ins Leere. Dass er sein Herz schonen und sich nicht zu sehr aufregen sollte, war ihm momentan egal.

Warum ist sie nicht verheiratet? überlegte er gereizt und ärgerte sich fürchterlich darüber, dass er keine Erklärung fand. Sie lebte noch nicht einmal mit einem Mann zusammen und hatte offenbar keine feste Beziehung. Warum nicht? Vielleicht war sie einmal verheiratet gewesen und jetzt geschieden. Das war jedoch nicht wichtig. Die Tatsache, dass sie frei und ungebunden war, regte seine Fantasie viel zu sehr an. Und das war gefährlich.

Es wäre für uns beide viel einfacher und besser, wenn sie mit einem anderen Mann zusammen wäre, sagte er sich. Treue war wichtig für Jack. Auch als Anna ihn betrogen hatte, war er nie mit einer anderen Frau zusammen gewesen. Wenn Caroline verheiratet wäre, würde er einen Bogen um sie machen. Er würde niemals versuchen, sie dazu zu überreden, ihren Mann zu betrügen, egal wie sehr er sich danach sehnte, sie wieder in seinem Bett zu haben. Seine Mutter hatte sehr darunter gelitten, dass sein Vater ein Schürzenjäger war. Er hatte sie nach Strich und Faden belogen und betrogen. Schon damals hatte seine Mutter zu Tabletten gegriffen, um ihren Kummer und Schmerz zu vergessen und sich zu betäuben, und war später schließlich davon abhängig geworden. Doch bereits damals, als kleiner Junge, hatte Jack die Zusammenhänge begriffen.

„Um Himmels willen, warum muss ich die Vergangenheit immer wieder heraufbeschwören?“, fragte er sich laut. Er stand auf, durchquerte den Raum und schob den Samtvorhang zurück. Dann blickte er hinaus auf die ruhige und menschenleere Straße unter ihm. Die Stille wurde nur von dem Rauschen der Brandung in der Ferne durchbrochen. Warum hatte er unbedingt zurückkommen wollen? Hier fand er nicht das, was er suchte. Niemand freute sich über seine Rückkehr – außer dem Verkäufer des Hauses. Denn weil Jack es unbedingt hatte haben wollen, hatte er einen viel zu hohen Preis dafür bezahlt.

Nein, nach Hause zu kommen war ganz anders, als er es sich vorgestellt hatte. Sobald die Umbauten und die Renovierung beendet waren, würde er den Ort wieder verlassen. Er würde zurückkehren in das Leben, in dem er sich den Erfolg und Respekt erarbeitet hatte, nach dem er sich als junger Mann so sehr gesehnt hatte. Darauf musste er sich konzentrieren und aufhören, sich von den Gedanken an das, was er nicht haben konnte, verrückt machen zu lassen. Caroline Tremayne würde ihm keine Träne nachweinen, dessen war er sich sicher.

Als Caroline durch die Sackgasse ging, in der Jack und seine Mutter damals gewohnt hatten, kam sie sich vor wie ein ungezogenes Kind, das etwas Verbotenes tat. Schuldbewusst blickte sie sich immer wieder nach allen Seiten um, so als befürchtete sie, Jack könne jeden Moment auf der Bildfläche erscheinen und sie fragen, was sie hier wolle. Doch das wusste sie selbst nicht genau. Aber sie war neugierig geworden, nachdem Jack ihr erzählt hatte, das alte Haus würde renoviert. Statt ihr Geschäft zu öffnen, schlich sie hier herum wie ein Privatdetektiv, der Beweise für die Untreue eines Ehepartners liefern sollte.

Sie legte die kalten Finger auf die Lippen und hatte das Gefühl, Jacks heißen Kuss immer noch zu spüren. Er hatte in der vergangenen Nacht ihre Träume beherrscht. Obwohl sie wusste, dass Jack sie nur hatte bestrafen wollen für das, was in der Vergangenheit geschehen war, hatten sich die erotischen Fantasien nicht zu Albträumen entwickelt, wie man es eigentlich hätte erwarten können. Sie hatte sich unruhig im Bett herumgewälzt und das Gefühl gehabt, nach Jacks Kuss nie wieder Ruhe und Frieden zu finden.

Die Arbeiten an dem viktorianischen Haus waren schon in vollem Gange, wie sie sah. Mehrere Arbeiter liefen umher, und ihr fiel der gut gekleidete Mann auf, der mit dem Rücken zu ihr stand und einen gelben Schutzhelm trug. Zusammen mit einem anderen Mann in Jeans und Pullover studierte er die Umbaupläne.

Es war Jack offenbar sehr ernst mit dem Versprechen, das er sich vor so vielen Jahren gegeben hatte, bemerkte Caroline erstaunt. Er war erfolgreich, hatte sich ein Vermögen erarbeitet und war nach Hause gekommen, um das alte Haus zu kaufen, in dem er und seine Mutter gelebt hatten.

Caroline erinnerte sich daran, wie verzweifelt er darüber gewesen war, in Armut leben zu müssen. Aber schon damals hatte sie nicht bezweifelt, dass er seine Ziele erreichen würde. Er war eisern entschlossen gewesen, sich gegen alle Widerstände durchzusetzen und den Weg nach oben konsequent zu gehen. Dass seine Mutter nicht mehr lebte und sich über den Erfolg ihres Sohnes freuen konnte, war tragisch und sehr schade.

Doch warum hatte er das Haus gekauft? Warum ließ er es renovieren? Soweit sie wusste, hatte er hier keine Verwandten mehr. Und seine Erinnerungen an die kleine Stadt waren bestimmt nicht die besten. Weshalb also hatte er sich auf die Sache eingelassen?

Ihr war klar, dass ihre Neugier nicht befriedigt werden würde, dazu war das Verhältnis zwischen Jack und ihr zu gespannt. Sie drehte sich um und ging zurück. Ich lebe so weiter wie bisher und genieße meinen eigenen Erfolg, dachte sie. Jack hielt sie wahrscheinlich für eine Versagerin, weil sie keine Karriere als Künstlerin gemacht hatte. Und dass sie ein Geschäft eröffnet hatte und Kunstunterricht erteilte, war seiner Meinung nach sicher ein schlechter Kompromiss. Doch Caroline wusste es besser. Sie hatte alles, was sie wollte. Sie konnte ihrem Hobby nachgehen und malen, ohne damit ihren Lebensunterhalt verdienen zu müssen. Durch die Arbeit in ihrem Laden und den Unterricht konnte sie anderen helfen, kreativ zu sein und die eigenen Talente zu entfalten.

Sie brauchte sich weder zu schämen noch irgendetwas zu bereuen. Und ihrem Exfreund, der sie so feindselig behandelte, durfte sie nicht erlauben, ihr das Leben schwer zu machen. Dass sie beruflich einen anderen Weg gegangen war, als sie damals vorgehabt hatte, war allein ihre Sache.

Als Jack aus dem Garten kam, der teilweise den spektakulären Veränderungen zum Opfer fiel, die der Umbau mit sich brachte, blieb er unvermittelt stehen, denn er hatte Caroline entdeckt. Sie ging in die entgegengesetzte Richtung. Sein Herzschlag beschleunigte sich, und ohne nachzudenken nahm er den Schutzhelm ab, den der Vorarbeiter ihm gegeben hatte, warf ihn auf einen Haufen Bauschutt und lief hinter ihr her.

„Wolltest du zu mir?“, fragte er und blieb vor ihr stehen.

Sie steckte die Hände in die Taschen ihres Regenmantels und sah Jack verblüfft an. Mit den golden schimmernden Locken, die ihr über die Schultern fielen, und der perfekten Figur zog sie natürlich die Blicke der Bauarbeiter auf sich, die prompt anfingen zu pfeifen.

Jack drehte sich stirnrunzelnd um, und sogleich verstummten die Pfiffe.

„Nein. Ich wollte nur …“, begann sie. Es war sinnlos, sie konnte sich nicht unbefangen und natürlich geben, wenn Jack ihr in die Augen blickte. Offenbar erinnerte er sich genauso deutlich an den heißen Kuss wie sie. Sie wollte an Jack vorbeigehen, aber er hielt sie am Ärmel des Mantels fest.

„Du wolltest dir das Haus anschauen, oder?“

Caroline drehte sich um und betrachtete den Bau noch einmal flüchtig. Es war ihr peinlich, dass er sie durchschaut hatte. Ihr Interesse an seinem Projekt ließ ihn vielleicht glauben, sie empfände immer noch etwas für ihn.

Dieser Gedanke war erschreckend. Sie kannte Jack gut genug. Es war auf jeden Fall besser, ihm aus dem Weg zu gehen, statt sich in seine Nähe zu begeben. Hatten sie sich nicht gegenseitig nicht schon genug verletzt?

„Es war ein schönes altes Gebäude“, erklärte sie und errötete unter seinem durchdringenden Blick.

„Das stimmt, aber es war auch ziemlich verfallen. Damals war kein Geld da, um es instand zu setzen“, entgegnete er.

„Jetzt wirst du es renovieren und in neuem Glanz erstrahlen lassen.“ Sie wollte lächeln, überlegte es sich jedoch anders. „Ich habe keine Zeit, ich war auf dem Weg ins Geschäft und muss mich beeilen“, erklärte sie und zuckte wie um Entschuldigung bittend mit den Schultern.

Ihre Lippen sind viel zu verführerisch, dachte er, während heißes Verlangen seinen Körper durchfloss. Zu gern hätte er gewusst, weshalb sie sich ausgerechnet an diesem Morgen das Haus hatte ansehen wollen. Nur aus Neugier? Eins war ihm jedenfalls klar: Sie war der gegenseitigen Anziehungskraft genauso hilflos ausgeliefert wie er.

Ein Gefühl tiefer Zufriedenheit breitete sich in ihm aus. Aber er gestand sich auch ein, dass diese Anziehungskraft zu Problemen führen würde, wenn er nicht aufpasste.

6. KAPITEL

„Machst du mittags eine Pause?“, hörte Jack sich zu seiner eigenen Überraschung fragen.

Caroline atmete tief durch, ehe sie erwiderte: „Ja, wenn ich Zeit dazu habe. Warum fragst du?“

Ja, warum? überlegte er. Was dachte er sich dabei, sie unbedingt wiedersehen zu wollen? Wie konnte er nur so dumm sein? Er verstand sich selbst nicht und rieb sich das Kinn. Das, was er da machte, war viel zu gefährlich. Er würde sich nur gehörig die Finger verbrennen.

„Darauf fällt mir keine Antwort ein. Dir vielleicht?“

Sie sah ihm in die Augen und fühlte sich auf einmal wie verzaubert. Die Zeit schien stillzustehen. „Nein, mir auch nicht“, brachte sie schließlich heraus.

„Dann bin ich um eins bei dir im Laden. Okay?“

Es überlief sie heiß, und sie erbebte innerlich. „Ja, das passt mir gut.“

„Bis dann.“ Rasch drehte er sich um und eilte davon, ehe einer von ihnen zur Besinnung kommen und es sich anders überlegen konnte.

Später am Vormittag rief Nicholas an und erklärte, er wollte am Abend bei ihr vorbeikommen, um etwas Wichtiges mit ihr zu besprechen. Da Caroline befürchtete, er wolle sie wieder vor Jack warnen, sah sie dem Gespräch mit gemischten Gefühlen entgegen.

Aber sie erklärte sich einverstanden und versuchte dann, sich auf die Arbeit zu konzentrieren. Solange sie Kunden bediente, konnte sie die Gedanken an Jack verdrängen, doch sobald sie wieder allein war, kreisten sie erneut um ihn und sein Versprechen, in der Mittagspause vorbeizukommen.

Der Laden war leer, und das Schild an der Tür besagte, dass wegen Mittagspause geschlossen war. Jack zögerte sekundenlang. Hatte Caroline ihn versetzt und war allein essen gegangen? Das würde das Problem lösen, schoss es ihm durch den Kopf. Es war der reine Wahnsinn, was er da machte. Einer von ihnen musste der Sache einen Riegel vorschieben, ehe es zu spät war.

Er wusste jedoch genau, dass die Grenze bereits überschritten war. In dem Moment, als sie sich nach so langer Zeit wiedergesehen hatten, war ihm klar gewesen, dass er Caroline niemals würde widerstehen können. Er war von ihr noch genauso fasziniert wie vor siebzehn Jahren. Aber diese Faszination brachte ihnen beiden vermutlich nur noch mehr Kummer und Schmerz.

Schließlich drückte er auf die Klingel neben der Tür.

„Ich komme“, ertönte sogleich Carolines Stimme.

Jack war enttäuscht und erleichtert zugleich, als sie die Tür aufschloss.

Während sie ihn an sich vorbeigehen ließ, überlegte sie besorgt, ob sie zu schnell auf sein Läuten reagiert hatte. Sie wollte nicht den Eindruck erwecken, sich auf seinen Besuch zu freuen. Jack beobachtete sie aufmerksam und verzog leicht spöttisch die Lippen, als sie die Tür hinter ihm abschloss.

„Wenn ich nicht abschließe, können wir nicht in Ruhe essen“, erklärte sie nervös und bemühte sich, ihre Stimme munter und unbekümmert klingen zu lassen.

Sie war froh, dass sie die anthrazitgraue Strickjacke zu dem schwarzen T-Shirt und den Jeans angezogen hatte. Dieser Mann, der sie so ungeniert musterte und sie in tiefste Verwirrung stürzte, sollte nicht auf die Idee kommen, sie wolle besonders attraktiv wirken und längst erloschene Gefühle in ihm wachrufen. Sie wollte nur mit ihm zusammen die Sandwiches essen, die sie gekauft hatte, einen Tee trinken und sich über neutrale Themen unterhalten. Nach einer Stunde würde sie das Geschäft wieder öffnen, und er würde sich verabschieden.

Doch als sie ihm in die faszinierend blauen Augen sah, kam sie sich wie verzaubert vor und gestand sich ein, dass ihre Gefühle füreinander keinesfalls erloschen waren. Sie schienen unter der Oberfläche zu schwelen und nur darauf zu warten, von Neuem entflammt zu werden. Ich muss verrückt sein zu glauben, wir könnten wie alte Freunde zusammen einen harmlosen kleinen Mittagsimbiss einnehmen, sagte sie sich. So harmlos war das Ganze keineswegs. In Jack Fitzgeralds Gegenwart konnte sie sich bestimmt nicht entspannen. Er hatte kaum noch Ähnlichkeit mit dem wilden leidenschaftlichen jungen Mann von damals, der ihr seine geheimsten Wünsche und Träume anvertraut hatte und in den sie sich vor langer Zeit verliebt hatte. Nein, er war einfach umwerfend attraktiv und ungemein beeindruckend, und das machte die Sache umso gefährlicher.

„Wir setzen uns ins Hinterzimmer, wenn du nichts dagegen hast“, schlug sie vor und ging an ihm vorbei. „Dort esse ich mittags immer. Ich habe den Wasserkocher angestellt und …“

Weiter kam sie nicht, denn Jack ergriff ihren Arm, zog sie an sich und küsste sie stürmisch auf die Lippen. Als sie sich verblüfft von ihm löste, legte er ihr die Hände auf die Schultern. Während er den Blick über ihren Körper gleiten ließ, breitete sich heißes Verlangen in ihr aus. Am liebsten hätte sie jede Vorsicht vergessen und gegen alle Vernunft ihrer Sehnsucht nachgegeben.

„Wieso hast du immer noch so viel Macht über mich, Caroline?“, fragte er rau.

Sie war erstaunt über seine Äußerung. Wie kam er dazu zu glauben, sie hätte Macht über ihn? Das war geradezu lächerlich. Er war wütend auf sie, weil sie die Schwangerschaft hatte abbrechen lassen, statt das Kind zu bekommen. Tiefer Zorn schlug manchmal in leidenschaftliches Verlangen um, das war alles. Seine Einstellung ihr gegenüber hatte sich nicht geändert, er war auch jetzt noch nicht bereit, ihr zu verzeihen. Hatte sie so wenig Selbstachtung, dass sie sich von ihm derart respektlos behandeln ließ?

„Ich habe keine Macht über dich, Jack. Das bildest du dir nur ein. Ich habe dich nicht gebeten zurückzukommen, und ich habe auch nie versucht, Verbindung mit dir aufzunehmen. Kannst du dir vorstellen, wie unangenehm es für mich ist, dass du hier hereinkommst und mich so küsst, als wäre ich dir etwas schuldig? Am besten gehst du gleich wieder. Das gemeinsame Mittagessen war keine gute Idee.“

Insgeheim gab er ihr recht. Dennoch rührte er sich nicht von der Stelle und ließ die Hände besitzergreifend auf Carolines Schultern liegen. Regungslos stand er da, als warte er auf eine Eingebung, wie er sich gegen die magische Anziehungskraft, die von dieser Frau ausging, wehren könnte. Es stimmte, er hatte wirklich das Gefühl, sie sei ihm etwas schuldig. Sie hatte ihr gemeinsames Kind abgetrieben, ohne mit ihm vorher darüber zu reden. Offenbar war sie der Meinung, er hätte dabei kein Mitspracherecht gehabt. Ihr Vater war sowieso überzeugt gewesen, dass Jack aufgrund seiner Herkunft derartige Rechte nicht zustünden. Allein diese Tatsache hatte seine bitteren Gefühle Caroline gegenüber trotz seines glänzenden beruflichen Erfolgs nie erlöschen lassen.

Er zog die Hände zurück und atmete tief ein. Es war viel geschehen in all den Jahren, nachdem er Caroline verlassen hatte. Er war in die USA gegangen, hatte sich mit eisernem Willen sein Studium selbst verdient, die Anfangsschwierigkeiten überwunden und sich hochgearbeitet, bis er dort angekommen war, wo er jetzt stand: ganz oben. Nie wieder würde er arm sein, und kein Mensch würde ihn jemals wieder vor die Tür setzen, weil er sich für etwas Besseres hielt als Jack.

Die Bewunderung der Leute, mit denen er geschäftlich zu tun hatte, war ihm sicher. Selbst seine größten Konkurrenten zollten ihm Respekt dafür, wie er einen Erfolg nach dem anderen für sich verbuchte. Außerdem besaß er mehrere Luxuswohnungen in New York, Kalifornien, Connecticut und sogar Paris. Im Herzen dieser wunderschönen Stadt hatte er sich vor Kurzem ein Penthouse gekauft.

Natürlich hatte es auch einige Frauen in seinem Leben gegeben. Er war mit Models, Schauspielerinnen und anderen Frauen ausgegangen, die genauso ehrgeizige Ziele hatten wie er. Insgesamt hatte er sich ganz gut amüsiert und tollen Sex gehabt. Doch für keine hatte er so viel empfunden wie für Caroline, noch nicht einmal für Anna, die schöne russische Ballerina. Vor drei Jahren hatten sie geheiratet, obwohl sie sich erst kurze Zeit kannten. Er hatte sie nicht geliebt, ihr aber dennoch Treue geschworen. Als er herausfand, dass sie eine Affäre mit dem Innenarchitekten hatte, dem er den Auftrag erteilt hatte, sein Apartment in Manhattan umzugestalten, war Jack enttäuscht gewesen. Doch ihr Verrat hatte ihn nicht allzu sehr berührt. Ihm war klar, dass er in gewisser Weise selbst für das Scheitern seiner Ehe verantwortlich war: Er arbeitete zu viel und war nur selten zu Hause. Wahrscheinlich würde das keine Frau lange aushalten.

Und dann hatte er den Herzanfall gehabt. Automatisch legte er die Hand auf die Brust und wünschte, er könne die Angst loswerden, die ihn immer wieder erfasste. Als ihm auffiel, wie besorgt Caroline die Augenbrauen zusammenzog, ließ er die Hand rasch sinken und zuckte mit den Schultern.

„Warum hast du nie geheiratet?“, fragte er.

„Mir war nicht bewusst, dass man als Frau unbedingt verheiratet sein muss“, erwiderte sie kühl.

„Dein Vater war sicher sehr enttäuscht darüber, dass er keinen ehrgeizigen und einflussreichen Schwiegersohn in die Arme schließen konnte“, ließ er nicht locker.

Ihr entging nicht, wie verbittert seine Stimme klang. „Hast du mich das nur deshalb gefragt, um wieder eine boshafte Anspielung auf meinen Vater zu machen? Was hast du davon, Jack? Er lebt doch gar nicht mehr.“ Aufgebracht drehte sie sich um, ging zur Tür und schloss sie auf. Dann strich sie sich eine Strähne des blonden Haares aus dem Gesicht.

Irgendwie wirkt sie viel zu verletzlich, dachte Jack und machte keinerlei Anstalten zu gehen. Er überlegte, ob er ihr die Frage, die ihn schon so lange beschäftigte und in seelische Abgründe gestürzt hatte, stellen sollte. Ja, er musste es tun, auch wenn er sich später dafür verachtete.

„Hat dir die Abtreibung das Leben erleichtert?“

Caroline schluckte. Mit Tränen in den Augen sagte sie ruhig und würdevoll: „Geh bitte.“

Jetzt verachtete er sich wirklich, er kam sich gemein und niederträchtig vor. Carolines Blick verriet ihren Schmerz und Kummer. Er sah sie reumütig, sehnsüchtig und ärgerlich zugleich an. Dann nickte er und eilte an ihr vorbei aus dem Laden.

„Was hast du an der Lippe?“ Nicholas legte Caroline die Hand unter das Kinn und betrachtete die geschwollene Lippe besorgt und mit professionellem Interesse.

„Keine Ahnung. Vielleicht habe ich mich gebissen. Es ist doch nicht wichtig.“ Sie löste sich aus seinem Griff und lächelte entschuldigend, wie um ihre ungeduldige Antwort abzuschwächen. Sie war selbst schockiert gewesen, als sie entdeckt hatte, was Jack mit seinem ungestümen Kuss angerichtet hatte. Nicholas brauchte jedoch nicht zu wissen, was geschehen war. Er hatte sie vor Jack gewarnt und ihr geraten, ihn nicht mehr zu treffen, was sie natürlich ignoriert hatte. Und prompt war sie wieder verletzt worden.

Wie konnte Jack glauben, ihr Leben sei leichter gewesen, weil sie ihr Kind nicht bekommen hatte? Jedes Mal, wenn sie an seine gemeine und grausame Frage dachte, kamen ihr die Tränen. Heute Abend wollte sie jedoch nicht über Jack Fitzgerald reden, denn das würde sie noch mehr deprimieren. Sie hoffte sehr, auch für Nicholas sei Jack kein Thema.

Caroline versuchte, die traurigen Erinnerungen abzuschütteln. „Trinkst du ein Glas Wein?“ Sie durchquerte den Raum und nahm die Flasche Rotwein in die Hand, die sie mit zwei Gläsern auf den Couchtisch gestellt hatte.

Während Nicholas sich in den bequemen Sessel am Kamin setzte, lächelte er sie freundlich an. „Ja, gern, Liebes. Vielen Dank.“

Wie er so dasitzt in dem Lieblingssessel meines Vaters, erweckt er den Anschein, als hätte er ein Anrecht darauf, dachte sie leicht verstimmt. Zum ersten Mal wünschte sie, er würde nicht so tun, als wäre er hier zu Hause. Wahrscheinlich reagierte sie nur deshalb so seltsam, weil sie nach der Begegnung mit Jack noch sehr unglücklich und gereizt war. Das versuchte sie sich zumindest einzureden. Sie verdrängte das leichte Unbehagen, das sie empfand, und schenkte den Wein ein.

Nachdem sie Nicholas ein Glas gereicht hatte, ließ sie sich in den Sessel ihm gegenüber sinken und trank einen Schluck. Sogleich breitete sich wohlige Wärme in ihrem Körper aus, und Caroline begann sich zu entspannen.

„Worüber willst du mit mir reden?“, fragte sie und beugte sich vor.

Nicholas trank ebenfalls einen Schluck Wein und blickte sie dann lächelnd an. „Ich will nicht lange um die Sache herumreden und möchte mit dir etwas besprechen, worüber ich schon länger nachdenke.“ Er lehnte sich zurück und seufzte.

„Um was geht es?“

„Es ist eine sehr persönliche Sache“, antwortete er. Als sie schwieg, runzelte er die Stirn. „Soll ich weiterreden?“

Caroline wollte Nein sagen, denn sie war müde und erschöpft. Allzu gern hätte sie sich entschuldigt und erklärt, sie habe Kopfschmerzen und fühle sich nicht in der Lage, den Abend mit ihm zu verbringen. Aber das verbot schon allein der Anstand. Außerdem war er ein guter Freund ihres Vaters gewesen, und sie schätzte ihn als väterlichen Vertrauten.

„Natürlich, sprich weiter.“

„Wir kennen uns schon sehr lange, stimmt’s?“ Er klopfte mit den Fingern an das Glas, das er in der Hand hielt. Doch als es ihm bewusst wurde, hörte er sogleich damit auf.

Caroline nickte und spürte, wie angespannt er war. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund war sie alarmiert.

„Es war ein harter Schlag, Meg nach so vielen Jahren zu verlieren. Es fällt mir immer noch schwer, darüber zu reden. Mir ist jedoch klar geworden, dass ich nicht allein sein kann, Caroline. Nach einem langen Arbeitstag brauche ich jemanden, der für mich da ist, so wie Meg. Ein Mann gewöhnt sich daran, von seiner Frau umsorgt zu werden. Auch wenn ich jetzt riskiere, mich lächerlich zu machen, ich habe mich entschlossen, nicht mehr länger allein zu leben.“

7. KAPITEL

Das darf nicht wahr sein, Nicholas wird mir doch hoffentlich keinen Heiratsantrag machen, schoss es Caroline durch den Kopf. Sie richtete sich auf und blickte ihn abweisend an. Vielleicht ließ er dann das Thema fallen, das ihm offenbar peinlich war. Ihr war es jedoch noch viel unangenehmer. Der Gedanke, Nicholas zu heiraten, war völlig absurd.

„Ich finde, wir sollten uns verloben und später heiraten. Bist du damit einverstanden, Caroline?“, fuhr er unbeirrt fort.

Sie stand auf. „Meinst du das ernst, Nicholas?“, fragte sie und versuchte, ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern.

„Oh ja, sehr ernst sogar.“

„Aber es kommt … sehr überraschend. Ich bin schockiert.“

„Hoffentlich ist es eine angenehme Überraschung für dich. Oder vielleicht doch nicht?“ Er blieb sitzen, obwohl sie vermutet hatte, er würde auch aufstehen. Offenbar glaubte er, aufgrund seines Alters, seiner Erfahrung und seines Berufs hätte er das Recht, sich ihr gegenüber kleinere Unhöflichkeiten zu erlauben.

Caroline versuchte sich vorzustellen, mit diesem Mann, in dem sie nie etwas anderes als einen guten Freund der Familie gesehen hatte, verheiratet zu sein. Wenn sie ihn liebte, wäre ihr der Altersunterschied egal. Doch einen Mann, für den sie nichts als freundschaftliche Zuneigung empfand, konnte sie nicht heiraten, auch wenn sie sich noch so einsam und allein fühlte. Nicholas liebte sie auch nicht, er wollte sie nur heiraten, um die Lücke zu füllen, die der Tod seiner Frau hinterlassen hatte. Vielleicht hatte er sie wirklich gern, aber er wollte in Wahrheit nur eine Haushälterin haben, die für ihn kochte und sein Heim in Ordnung hielt, und eine Gesellschafterin, die da war, wenn er abends nach Hause kam, und ihm zuhörte.

Bei der Vorstellung, mit ihm zu schlafen, schauderte ihr vor Unbehagen. Wie sollte sie mit einem Mann, den sie weder liebte noch begehrte, eine intime eheliche Beziehung führen können? Hinzu kam, dass sie gerade erst dem Mann, dem sie vor langer Zeit ihr Herz geschenkt hatte, wiederbegegnet war.

Plötzlich erinnerte sie sich daran, wie verbittert und dennoch voller Verlangen Jack sie heute geküsst hatte. Der Gedanke regte ihre Fantasie an. Caroline war geradezu bestürzt über ihre heftige Reaktion. Sie ärgerte sich darüber, dass ihr dieser leidenschaftliche Kuss nach Jacks grausamer und zutiefst verletzender Frage überhaupt in Erinnerung geblieben war.

„Ich … weiß, wie sehr du Meg geliebt hast und wie viel sie dir bedeutet hat“, erwiderte sie schließlich. „Deshalb fühle ich mich sehr geschmeichelt, dass du mich bittest, dich zu heiraten, Nicholas.“ Sie verschränkte die Arme. Sie wollte ihn nicht verletzen, und er sollte auch nicht bereuen, sie gefragt zu haben. Denn auf seine Freundschaft wollte sie eigentlich nicht verzichten. Aber sie musste ihm klarmachen, dass eine intime Beziehung mit ihm für sie nicht infrage kam. „Ich möchte jedoch lieber weiterhin mit dir befreundet sein. Falls die Ehe scheitern würde, wäre auch die Freundschaft zerstört. Das wäre schade.“

Jetzt stand auch Nicholas auf. Er nahm ihre Hände und streichelte sie mit den Daumen. Obwohl er Caroline zärtlich und liebevoll ansah, empfand sie nichts für ihn. Mit Jacks heißen glühenden Blicken waren Nicholas’ Bemühungen sowieso nicht zu vergleichen.

„Warum nimmst du an, es würde unsere Freundschaft zerstören, wenn wir uns verloben und heiraten?“ Er ließ die eine Hand los und strich ihr eine golden schimmernde Strähne aus der Stirn. „Aus anfänglicher Freundschaft entwickeln sich oft die besten Ehen. So war es auch bei Meg und mir, wir waren zuerst nur befreundet. Zwischen dir und mir besteht eine starke Bindung. Ich bewundere dich und mag dich sehr. Es gibt keine andere Frau, mit der ich lieber verheiratet sein möchte, Caroline. Denk wenigstens darüber nach. Tust du mir den Gefallen? Ich habe sowieso nicht damit gerechnet, dass du dich sofort entscheidest. Nimm dir so viel Zeit, wie du brauchst.“

„Es tut mir leid, Nicholas, aber ich brauche nicht darüber nachzudenken. Mir ist bewusst, wie schwer es dir gefallen sein muss, dein Anliegen zur Sprache zu bringen. Deinen Heiratsantrag betrachte ich als Kompliment. Doch ich kann ihn nicht annehmen.“ Sie löste sich aus seinem Griff, durchquerte den Raum und blieb an der angelehnten Tür stehen. Es behagte ihr gar nicht, dass die Atmosphäre zwischen ihnen durch sein Verhalten plötzlich seltsam persönlich wurde. Das passte nicht zu der platonischen Freundschaft, die sie jahrelang verbunden hatte. „Möchtest du einen Tee?“

Nicholas war sichtlich verblüfft. Er schüttelte den Kopf. „Nein, vielen Dank. Im Moment möchte ich bestimmt keinen Tee. Ich versichere dir, ich wollte dich nicht beleidigen, Caroline.“

Sie wünschte, er würde sie allein lassen, und befürchtete, vor lauter Anspannung jeden Augenblick in die Luft zu gehen. Ihre Welt schien aus den Fugen zu geraten, und sie wusste nicht, wie sie damit umgehen sollte. Ich will Nicholas nicht heiraten, er war der beste Freund meines Vaters. Nie wieder wollte sie mit irgendeinem Mann zusammen sein, egal aus welchen Gründen. Und sie wollte auch nicht noch einmal siebzehn Jahre an gebrochenem Herzen leiden und sich mit Schuldgefühlen herumquälen wegen eines Mannes wie Jack, der ihr weder zutraute noch das Recht zugestand, zutiefst verletzt zu sein, sondern davon überzeugt war, nur ihm habe das Schicksal übel mitgespielt.

„Du hast mich nicht beleidigt, Nicholas. Ich möchte jedoch nicht mehr über das Thema reden. Es tut mir leid, aber ich möchte jetzt allein sein. Bitte, versteh mich.“

Zerstreut zog er das konservative Jackett aus Tweed gerade, während er auf Caroline zuging. Man merkte ihm an, wie irritiert er über ihre Antwort war, mit der er offenbar nicht gerechnet hatte.

„Es würde mir nicht im Traum einfallen, länger hierzubleiben, als dir recht ist, Caroline. Am besten lassen wir die Sache vorerst auf sich beruhen, und ich rufe dich in einigen Tagen an. Bist du damit einverstanden?“

Sie brachte es nicht über sich, ihn anzusehen, und nickte nur.

Um Abstand zu gewinnen und alles, was geschehen war, zu verarbeiten, wollte Jack einige Tage in London verbringen. Er nahm sich in einem kleinen, aber exklusiven Hotel in Chelsea, das seinem amerikanischen Freund gehörte, ein Zimmer. Nachdem er eingecheckt hatte, rief Jack die Schwester dieses Freundes an, mit der er kurze Zeit zusammen gewesen war, ehe er Anna kennengelernt hatte. Amanda Morton lebte jetzt in London und arbeitete für eine Versicherungsgesellschaft.

Als Frau von Welt war ihr klar, dass er die Beziehung nicht neu aufleben lassen wollte, sondern nur an weiblicher Gesellschaft interessiert war. Sie hatten sich im Guten getrennt und waren Freunde geblieben. Jack hatte ihr versprochen, er würde sie anrufen und sich mit ihr treffen, falls er einmal in London sei.

Und das hatte er getan. Sie saßen in der Bar eines bekannten Luxushotels. Amanda presste ihren Oberschenkel fest an seinen und plauderte lebhaft und unbefangen über Belanglosigkeiten. Und Jack fiel wieder ein, dass man sich über tiefgründigere Themen mit ihr nicht unterhalten konnte. Das war auch einer der Gründe, warum er damals die Beziehung beendet hatte. Amanda sah heute Abend zweifellos sehr gut aus mit der perfekten Frisur, der guten Figur und dem strahlenden Lächeln. Doch er musste immer wieder an Caroline mit dem gelockten blonden Haar und den wunderschönen braunen Augen denken. Ihren traurigen Blick konnte er nicht vergessen, und ihm war völlig klar, dass er sie zutiefst verletzt hatte.

Er wollte einen Schluck Whisky trinken, überlegte es sich jedoch anders und stellte das Glas wieder hin. Er hatte einen Entschluss gefasst, über den er selbst überrascht war, und bezahlte die Getränke.

Amanda warf ihm einen verführerischen Blick zu. „Was ist los, Liebling? Gefällt es dir hier nicht? Wir können woanders hingehen, wenn du möchtest.“

„Es tut mir leid, Amanda, ich muss mich verabschieden.“

„Was soll das heißen?“ Bestürzt sah sie ihn an, während er aufstand. Er wirkte zerstreut, und obwohl Amanda keineswegs feinfühlig war, begriff sie, dass er ihr nicht so aufmerksam zugehört hatte, wie sie es sich gewünscht hatte. „Wir sind doch gerade erst gekommen. Ich weiß, du bist nicht an einer Beziehung mit mir interessiert, Jack, aber ich habe gehofft, wir würden die Nacht zusammen verbringen.“

Was habe ich mir dabei gedacht, mit ihr auszugehen? überlegte er. Warum hatte er eine Frau angerufen, für die er sich schon damals nur mäßig interessiert hatte? Wie hatte er erwarten können, sie könne ihn auf andere Gedanken bringen und von Caroline ablenken? Seit er ihren traurigen betroffenen Blick verschuldet hatte, waren seine Gefühle in Aufruhr. Der Wunsch, sie zu sehen, wurde immer heftiger, er konnte ihn nicht mehr ignorieren. Selbst wenn er nach Alaska fliegen würde, er würde keine Ruhe und keinen inneren Frieden finden. Er musste sofort zu ihr fahren. Es war ihm völlig egal, dass er selbst nicht wusste, was er sich davon versprach. Wahrscheinlich wäre er, wenn er mit ihr geredet hatte, noch aufgewühlter als jetzt. Aber auch das war ihm egal. Er musste zurückfahren und sie sehen.

„Es tut mir leid, Amanda.“ Er ließ seinen ganzen Charme spielen und lächelte Amanda strahlend an, während sie aufstand und sich verführerisch an ihn lehnte. Ihr Parfüm war etwas zu aufdringlich. Warum begreifen so viele Frauen einfach nicht, dass sie mit etwas mehr Zurückhaltung mehr erreichen, egal ob sie viel Geld haben oder nicht? überlegte er. Klasse konnte man nicht kaufen, man hatte sie, oder man hatte sie nicht.

Sogleich dachte er wieder an Caroline und gestand sich ein, dass sie eine Klasse für sich war. Das war sie schon mit siebzehn gewesen. Es hatte nichts damit zu tun, dass sie zu der oberen Gesellschaftsschicht gehörte. Ihre Anmut, Schönheit und Unschuld hatten Jack, wenn er mit ihr zusammen war, das Gefühl gegeben, etwas Besonderes zu sein, obwohl er das seiner Meinung nach gar nicht war.

„Ich möchte dich nicht beleidigen, doch es war falsch, dich anzurufen. Ich kann mich nicht auf die Unterhaltung mit dir konzentrieren. Zu viele andere Dinge, die ich dringend erledigen muss, gehen mir im Kopf herum. Verzeihst du mir?“

„Das kommt darauf an, um was für Dinge es sich handelt, Jack.“ Amanda wickelte sich seine Krawatte um den Finger und zog leicht daran. „Wenn es um deine Arbeit geht, kann ich gut verstehen, warum du so zerstreut bist. Für mich ist die Karriere ja auch wichtiger als alles andere. Aber wenn du wegen einer anderen Frau so zerstreut bist, bin ich vielleicht ein ganz klein wenig verärgert.“

Jacks Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt. Er zog ihr die Krawatte vom Finger und küsste Amanda flüchtig auf die Stirn. „Ich werde nicht vergessen, dass ich dir ein Abendessen schulde“, erklärte er, ehe er sich umdrehte und verschwand.

Er nahm sich vor, ihr am nächsten Tag einen großen Blumenstrauß zu schicken, um sie ein klein wenig dafür zu entschädigen, dass er ihr den Abend verdorben hatte. Als er einen Blick über die Schulter warf, lächelte er amüsiert. Amanda stand an der Bar und unterhielt sich angeregt mit dem jungen attraktiven spanischen Barkeeper.

Nachdem Nicholas gegangen war, fuhr Caroline ans Meer und lief in Wind und Regen zu der kleinen Bucht. Sie war ganz allein unterwegs, niemand sonst kam auf die Idee, in der Dunkelheit und im strömenden Regen am Strand entlangzuwandern – und so ließ sie ihren Tränen freien Lauf.

Nach Nicholas’ überraschendem und unwillkommenem Heiratsantrag war ihr klar geworden, dass ihr ganzes Leben seit Tagen in Aufruhr geraten war. Irgendwie spürte sie, dass nichts so bleiben würde, wie es war. Sogar die guten Erinnerungen an Jack wurden durch die Emotionen, die seine Rückkehr in ihr auslösten, getrübt. Sie war so verzweifelt, dass sie hemmungslos weinte. Nachdem ihr Vater sie gezwungen hatte, ihr Kind abtreiben zu lassen, war sie fast außer sich gewesen vor Kummer und Schmerz. Und dann hatte auch noch Jack, der Mann, den sie grenzenlos liebte, sie verlassen. Er würde nie verstehen, warum sie keine andere Wahl gehabt hatte, und er würde ihr auch nie verzeihen.

Als sie schließlich nach Hause zurückkam, war sie völlig durchnässt und zitterte vor Kälte. Rasch lief sie nach oben, zog die nassen Sachen aus und den warmen Morgenmantel an, ehe sie sich ein heißes Bad einlaufen ließ. Eine halbe Stunde später saß sie im Morgenmantel vor dem Kamin im Sessel und trank einen Becher heiße Milch. Zu ihrer Erleichterung hatte sich ihre Stimmung etwas aufgehellt. Die Wärme, die das im Kamin brennende Feuer verbreitete, und ihr gemütliches Zuhause linderten den Schmerz ein wenig.

Während sie in das Feuer blickte, kam sie zu dem Schluss, dass sie lernen musste, sich zu verzeihen, was damals geschehen war. Und sie musste auch Jack verzeihen, dass er ihr an allem die Schuld gab und ihr die heftigsten Vorwürfe machte. Anders konnte sie die Vergangenheit nicht bewältigen und sich nicht auf die Gegenwart und eine glücklichere Zukunft konzentrieren. Vielleicht sollte sie doch versuchen, sich als Malerin und Künstlerin ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Es war noch nicht zu spät. Nebenher konnte sie weiterhin Kunstunterricht erteilen und talentierte junge Menschen wie Sadie Martin fördern und unterstützen.

Wenn Nicholas ihr jetzt die Freundschaft aufkündigte, wäre das auch keine Katastrophe. Sie hatte andere Freundinnen und Freunde, auf die sie sich verlassen konnte, und sie würde neue finden. Aber ihr war klar, dass sie an sich selbst arbeiten musste, wenn sie wirklich glücklich sein wollte. Sie durfte sich nicht auf die Hilfe anderer verlassen, sonst würde sie immer in einer Form von Abhängigkeit stehen. Sie nahm sich fest vor, mit Jack über den Entschluss, den sie gefasst hatte, zu reden, falls sie ihn jemals wiedersah. Sollte er ihr doch weiterhin Vorwürfe machen und ihr ein schlechtes Gewissen einreden, sie war nicht mehr bereit, sich mit Schuldgefühlen herumzuplagen oder sich von ihm quälen zu lassen. Sie würde so leben, wie es ihr gefiel, und niemandem erlauben, sich einzumischen oder ihr Selbstbewusstsein zu untergraben.

Nachdem sie die heiße Milch getrunken hatte, stellte sie den Becher auf den Couchtisch und kuschelte sich in den Sessel. Und dann schlief sie innerhalb weniger Minuten ein.

Plötzlich schreckte sie aus ihren Träumen auf. Es hatte an der Haustür geklingelt. Caroline richtete sich auf und blickte auf die Uhr auf dem Kaminsims. Es war beinahe halb zwei und bestimmt nicht der richtige Zeitpunkt für einen Besuch.

Sie wartete ab, ob es noch einmal klingelte. Vielleicht hatte sich jemand im Haus geirrt und den Fehler bemerkt. Aber sie hatte kein Glück. Als der Besucher wieder klingelte, stand Caroline langsam auf. Ihr schauderte vor Angst.

Ihr Blick fiel auf den Schürhaken neben dem Kamin. Sie überlegte, ob sie ihn mitnehmen solle. Aber sie weigerte sich zu glauben, sie sei in ihrem eigenen Haus nicht mehr sicher, und ging mutig zur Tür.

Durch die farbige Glasscheibe sah sie eine männliche Gestalt und atmete erleichtert auf. Es musste Nicholas sein. Wahrscheinlich war er zu einem Patienten gerufen worden und hatte auf der Rückfahrt das Licht in ihrem Wohnzimmer entdeckt. Sie hoffte, er würde ihr nicht übel nehmen, dass sie seinen Heiratsantrag abgelehnt hatte, und schloss die Tür auf.

„Jack!“ Beim Anblick ihres Exfreunds fingen ihre Beine an zu zittern. Ungläubig sah sie ihn an, während er mit den Schultern zuckte. Sein vom Regen nasses Haar glänzte im Licht, das aus dem Haus nach draußen fiel. „Was ist los? Ist etwas passiert?“ Obwohl sie schockiert war und sich sein Auftauchen nicht erklären konnte, schöpfte sie neue Hoffnung.

„Ich musste dich sehen. Mir ist klar, es ist schon sehr spät. Kann ich trotzdem hereinkommen?“

Sekundenlang gewann ihre Vernunft die Oberhand, und Caroline wollte Nein sagen. Dieser Mann hatte ihr das Herz gebrochen. Ihn hereinzubitten würde bedeuten, alles noch schlimmer zu machen und erneut alte Wunden aufzureißen. Allein bei seinem Anblick war ihr die Kehle wie zugeschnürt vor Schmerz.

Da sie jedoch kein Wort herausbrachte, konnte sie auch nicht protestieren, als er an ihr vorbei ins Haus eilte, den Regenmantel auszog und an die Garderobe hängte. Dann kam er auf sie zu. Sie erbebte unter seinem durchdringenden rätselhaften Blick. Ohne ein Wort zu sagen, umfasste er ihr Gesicht. Seine vom Regen feuchten Hände fühlten sich kühl an auf ihrer Haut. Die Berührung wirkte so sanft und zärtlich, dass es Caroline den Atem raubte. Wie gebannt blickte sie ihn an. Seine beeindruckenden Gesichtszüge und das energische Kinn verrieten, was für einen starken Willen er hatte. Jack lebte nach seinen eigenen Regeln und Vorstellungen, auf andere nahm er nur wenig Rücksicht. Wären wir immer noch zusammen, wenn ich nicht schwanger geworden wäre oder wenn mein Vater mich nicht zu der Abtreibung gezwungen hätte? überlegte sie. Das war durchaus möglich, denn sie war geradezu verrückt nach Jack gewesen und wäre ihm zweifellos überallhin gefolgt, wenn er sie darum gebeten hätte. Doch das hatte er nicht getan.

Ihr war klar, wie gefährlich diese Gedanken waren. Sie hatte keine Ahnung, warum Jack mitten in der Nacht bei ihr auftauchte. Eins wusste sie jedoch genau: Nie wieder würde sie zulassen, dass er sie kleinmachte und ihr ein schlechtes Gewissen einredete.

Sie löste sich aus seinem Griff und befeuchtete die trockenen Lippen, während Jack sie immer noch ansah. „Was willst du, Jack?“

„Ist das nicht offensichtlich?“

„Nein, dann hätte ich dich bestimmt nicht gefragt.“

„Ich will dich“, antwortete er mit ernster Miene.

Hitze durchströmte Caroline, und ihre Haut begann zu kribbeln. Jacks Worte klangen viel zu verführerisch und wie ein Versprechen.

„Wenn das ein Scherz sein soll, dann ist es ein schlechter“, entgegnete sie heiser. Sie hatte das Gefühl zu träumen. „Am besten fährst du gleich wieder ins Hotel zurück.“

„Und wenn ich das nicht will?“, fragte er. Obwohl er spürte, wie beunruhigt sie war, kam er noch näher. „Vielleicht wünschst du dir ganz tief in deinem Inneren ja doch, dass ich hierbleibe.“

8. KAPITEL

„Du machst dir Illusionen, Jack!“, fuhr Caroline ihn an. In ihren Augen blitzte es empört auf. Er beachtete ihren Protest jedoch nicht, sondern ließ die Hand zärtlich unter ihr zerzaustes Haar gleiten und streichelte ihren Nacken, während er den Kopf senkte, bis seine Lippen ihren gefährlich nahe waren. „Ich will wirklich nicht, dass du hierbleibst“, bekräftigte sie. „Geh bitte. Glaubst du etwa, es macht mir Spaß, von dir beleidigt zu werden? Bei unserer letzten Begegnung hast du mir unmissverständlich klargemacht, was du von mir hältst. Damit hast du mich zutiefst verletzt. Was uns damals verbunden hat, ist schon lange vorbei, Jack. Warum willst du das nicht akzeptieren? Vergiss mich und verschwinde!“

Sie hat recht, ich sollte gehen und sie endlich vergessen, das wäre für uns beide besser und würde uns neuen Kummer und Schmerz ersparen, sagte er sich. Aber er wusste auch, dass es sinnlos war zu versuchen, sein immer heftiger werdendes Verlangen zu unterdrücken. Er konnte Caroline nicht vergessen, er war von ihr gefesselt, und er begehrte sie viel zu sehr.

In dem gedämpften Licht, das aus dem Wohnzimmer in die Eingangshalle fiel, sah Caroline aus wie eine Märchenprinzessin. Sie war ungemein schön, ihr Blick wirkte sanft und verträumt, obwohl sie zornig zu sein schien. Und ihr golden schimmerndes Haar, das ihm über die Hand fiel, war so weich wie Seide. Wie oft habe ich in all den Jahren davon geträumt, sie so zu berühren, schoss es ihm durch den Kopf. Doch wenn er sich seinen Gedanken an Caroline hingegeben hatte, war er am Ende immer in Zorn geraten, weil sie ihn hintergangen und das Kind abtreiben lassen hatte. Dann hatte er sie gehasst, und der Wunsch, sie wieder in den Armen zu halten, war verflogen.

Momentan waren seine Gefühle für sie von Hass jedoch weit entfernt. Stattdessen wurde der Wunsch, sie wieder so intim zu besitzen wie damals, übermächtig. Er fühlte sich wie verzaubert und konnte seine glühende Begierde kaum beherrschen.

„Ich weiß, dass alles, was wir einmal hatten, vorbei ist“, erwiderte er rau und sah ihr in die Augen. „Aber wenn ich dich nun bitte, eine einzige Nacht mit mir zu verbringen, was dann, Caroline? Würdest du mich in den Regen hinausschicken, obwohl ich dich unbedingt in den Armen halten möchte? Ich brauche dich mehr als alles andere auf der Welt.“

Das ist unfair. Er weiß genau, wie er mich behandeln muss, um sein Ziel zu erreichen, und das nutzt er schamlos aus, überlegte sie. Schon damals, als sie ihm im Beisein ihrer Freundinnen zum ersten Mal begegnet war, hatte er sie mit seinem Blick gefesselt. Er hatte sie langsam und ungeniert gemustert, und sie hatte die Macht gespürt, die er über sie hatte. Jetzt erging es ihr wieder genauso, und sie war von seiner sinnlichen Ausstrahlung fasziniert. Mit seinen Worten, die so verführerisch klangen, weckte er ihre Sehnsucht. Schließlich musste sie sich eingestehen, dass sie zu schwach war, um ihm zu widerstehen.

Plötzlich zog er sie an sich und nahm ihre Lippen stürmisch in Besitz. Caroline wurde schwindelig, und sie bekam weiche Knie. Sengende Hitze durchströmte ihren Körper, und Jacks dezenter Duft schien ihre Sinne zu verwirren. Sie hörte sich selbst verräterisch stöhnen vor lauter Sehnsucht, während er ihren Mund mit der Zunge erforschte und ihre dabei verführerisch liebkoste. Mit der Hand fuhr er ihr durch das gelockte Haar, und er presste sich mit den Hüften fest an sie. Carolines Verlangen wuchs ins Unerträgliche, und ihre Freude darüber, dass sie einander von Neuem entdeckten, war grenzenlos.

„Jack …“, flüsterte sie sehnsüchtig. Sie hatte so viel verloren, ihr Kind und diesen Mann, wie konnte sie sich da die Chance entgehen lassen, wieder mit ihm zusammen zu sein, und sei es nur für kurze Zeit? Sie begehrte ihn so sehr, dass es für sie völlig undenkbar war, ihn noch einmal aufzufordern zu gehen. Er sollte bei ihr bleiben.

„Enttäusch mich bitte nicht“, sagte er. Sein warmer Atem streifte ihre Wange. „Erklär jetzt bitte nicht, du hättest es dir anders überlegt. Ich begehre dich so sehr, dass ich am ganzen Körper zittere. Spürst du es?“ Seine Stimme klang leicht belustigt, doch die Unsicherheit und die Verzweiflung, die darin mitschwangen, waren nicht zu überhören.

Energisch löste sie sich aus seiner Umarmung, strich sich eine Locke aus dem Gesicht und blickte nervös zur offenen Tür des Wohnzimmers. „Das Feuer im Kamin glimmt zwar noch, aber wir sollten uns darum kümmern, sonst erlischt es.“ Dasselbe gilt für unsere Beziehung, fügte sie insgeheim hinzu.

Lange sah er sie aufmerksam und durchdringend an, sodass sie schon befürchtete, er hätte es sich anders überlegt und wolle nicht mit ihr schlafen. Beunruhigt wandte sie sich ab. Doch als er ihr den Arm um die Taille legte und Caroline an sich zog, atmete sie innerlich erleichtert auf. Sein verführerisches Lächeln erinnerte sie an den unbekümmerten jungen Mann, der er damals gewesen war. Trotz der Warnungen und Drohungen ihres Vaters hatte er hartnäckig versucht, sie für sich zu gewinnen. Caroline trauerte der Zeit ihrer unschuldigen Leidenschaft, die sie auf so grausame Art verloren hatten, immer noch nach.

Nachdem Jack das Feuer wieder zum Flackern gebracht hatte, zog er Caroline mit auf den Teppich vor dem Kamin. Dann streifte er seinen Pullover ab und legte ihn in einer zärtlichen Geste unter Caroline, ehe er den Gürtel ihres Morgenmantels öffnete, den sie fest um ihre schmale Taille gebunden hatte.

Sie erbebte, als er ihre Haut berührte, und glaubte, unter seinem Blick dahinzuschmelzen. Bewundernd betrachtete sie seine muskulösen Arme, die durch das eng anliegende T-Shirt noch betont wurden. Als sie die Tätowierung auf seinem linken Arm entdeckte, war sie irritiert. Diesen Raben hatte er sich offenbar nach der Trennung eintätowieren lassen. Er hatte eine Bedeutung, dessen war sie sich sicher, denn Jack tat nie etwas ohne Grund. Er war geradezu erschreckend rätselhaft, geheimnisvoll und unberechenbar. Immer hatte sie das Gefühl gehabt, er wisse mehr über das Leben und die inneren Zusammenhänge als alle anderen. Und das war mit ein Motiv, warum sie sich so sehr zu ihm hingezogen gefühlt hatte.

„Den brauchen wir nicht, oder?“ Er streifte ihr den Morgenmantel ab. Dann betrachtete er ihre schmalen Schultern, die vollen Brüste und die aufgerichteten Brustspitzen, die sich unter dem feinen Material des Nachthemds mit den schmalen Trägern abzeichneten. Mit dem zerzausten Haar, das ihr golden schimmernd über den Rücken fiel, sah sie atemberaubend verführerisch aus.

Plötzlich erinnerte er sich daran, was er empfunden hatte, als sie sich zum allerersten Mal geliebt hatten. Ihre makellose Schönheit hatte ihn mit einer beinahe andächtigen Ehrfurcht erfüllt.

Sie hatten sich in einem einfachen Hotel außerhalb der Stadt getroffen, wo niemand sie kannte. Er hatte es kaum erwarten können, sie so zu sehen, wie er es sich schon bei der ersten Begegnung gewünscht hatte, und ihr beim Ausziehen geholfen. Sie war das bezauberndste Mädchen, das er jemals kennengelernt hatte. Und sie hatte mit ihm zusammen sein wollen statt mit einem der jungen Männer aus ihren Kreisen, den ihr Vater für sie ausgesucht hatte. Dass sie sich ausgerechnet ihm hingeben wollte und er ihr erster Liebhaber sein würde, hatte ihn über sich hinauswachsen lassen. Und wenn es nach ihm gegangen wäre, dann wäre er ihr einziger Liebhaber geblieben.

Leider war es anders gekommen, und das machte ihm das Herz schwer. Dass sie sich einem anderen genauso hingegeben hatte wie ihm, war eine unerträgliche Vorstellung. Caroline gehörte zu ihm, kein anderer Mann hatte das Recht, sie zu berühren.

Nagende Eifersucht quälte ihn plötzlich, und das machte ihn nachdenklich. Er konnte sich nicht länger einreden, seine Gefühle für Caroline wären in den vielen Jahren der Trennung abgeflaut.

„Was bedeutet der Rabe?“ Mit einem scheuen Lächeln berührte sie die Tätowierung.

Sanft ergriff er ihr Handgelenk und erwiderte ihr Lächeln. „Die Indianer haben dem Raben die Kraft zugeschrieben, in eine andere Gestalt zu schlüpfen und sich auf verschiedenen Ebenen zu bewegen. Außerdem versinnbildlicht er die dunkleren Seiten der Seele.“

Als ein Schatten über sein Gesicht flog, wusste sie, dass er vertraut war mit der dunkleren Seite seiner Seele. Sie erbebte, als er ihre Hand hob und sie sanft küsste. Caroline wünschte, sie könnte ihm klarmachen, wie sehr sie alles, was schließlich zu der Trennung geführt hatte, bereute. Jack trug ihr immer noch nach, dass sie das Kind abgetrieben hatte, und der Schmerz saß tief in seiner Seele. Auf einmal wurde ihr Wunsch übermächtig, ihm ihren tiefen Kummer darüber, dass ihre Liebe zerbrochen war, zu zeigen. Das änderte natürlich nichts an ihrem Entschluss, ihm zu erklären, dass sie nicht länger bereit war, die ganze Schuld auf sich zu nehmen und sich von seiner feindseligen Haltung in irgendeiner Weise beeinflussen zu lassen.

„Damit kenne ich mich auch aus, Jack“, flüsterte sie. „Ich habe die dunklere Seite meiner Seele erforscht und einiges entdeckt, was mir nicht gefiel. Aber wir müssen lernen zu verzeihen, nicht nur anderen, sondern auch uns selbst. Erst dann können wir uns weiterentwickeln und etwas aus unserem Leben machen. Es tut mir unendlich leid, was mit uns geschehen ist. Wenn ich das Rad der Zeit zurückdrehen könnte, würde ich es sofort tun und alles anders machen.“

Lernen zu verzeihen? Er wusste nicht, ob er das jemals konnte. Nach allem, was Caroline ihm angetan hatte, wollte er nie wieder ein Kind zeugen. Seine Befürchtung, es könne sich alles wiederholen, war zu groß gewesen. Dennoch hatte er sich tief in seinem Inneren immer danach gesehnt, Vater zu sein. Aus welchem anderen Grund hatte er sonst so hart gearbeitet und seine ehrgeizigen Ziele konsequent verfolgt? Ein eigenes Kind würde ihn wahrscheinlich die Verletzungen, die er in seiner schwierigen Kindheit und durch das katastrophale Familienleben erlitten hatte, vergessen lassen.

„Du bist noch schöner geworden“, wechselte er absichtlich das Thema. Zu schmerzlich waren die Erinnerungen. Er küsste Caroline zärtlich. Ihre verführerischen Lippen entfachten sein Verlangen aufs Neue.

Caroline war etwas enttäuscht darüber, dass er nicht auf ihre Bemerkung, man müsse lernen zu verzeihen, eingehen wollte. Dennoch freute sie sich über das Kompliment und schmiegte sich bereitwillig in Jacks Arme. Seine Nähe löste eine brennende Sehnsucht und immer stärkeres Verlangen in ihr aus.

Jacks Küsse wurden inniger und leidenschaftlicher. Ihr Leben lang würde Caroline sich an die Lust, die Freude und all die tiefen Emotionen, die er in ihr weckte, erinnern.

Sie sah ihm dabei zu, wie er sich auszog. Sein muskulöser Körper wirkte perfekt. Der Jack, den sie als Teenager geliebt hatte, war zu einem beeindruckenden Mann gereift. Als er sich über sie beugte, bemerkte sie die Narbe auf seiner Brust und war bestürzt.

Jack konnte die Verwirrung und Angst in ihren Augen lesen, doch er wollte jetzt nicht über seine Krankheit sprechen und senkte den Kopf, um Caroline zu küssen.

„Was ist passiert? Woher stammt die Narbe?“, fragte sie jedoch und entzog sich ihm.

Im Schein des flackernden Feuers bemerkte er ihre besorgte Miene und fluchte insgeheim. „Glaub mir, das ist jetzt wirklich nicht wichtig“, antwortete er und versuchte erneut, sie zu küssen.

Caroline legte ihm die Finger auf die Lippen. „Das stimmt nicht. Erzähl mir, was passiert ist“, forderte sie ihn liebevoll auf.

Er seufzte frustriert, und seine Miene verfinsterte sich. Mit Caroline über seinen Herzanfall zu reden, wäre das Eingeständnis, dass er nicht ganz so erfolgreich war, wie er sein wollte. Immer hatte er sich bemüht, in bester körperlicher Verfassung zu bleiben. Wenn er zugab, dass er verletzlich war, würde er sich wieder so fühlen wie damals als junger Mann, als ihr Vater ihn verachtet hatte und alle ihn für einen Versager hielten.

„Hast du etwas dagegen, dass wir jetzt nicht über meine körperlichen Defekte reden?“ Seine Stimme klang leicht verbittert.

Überraschung und Schmerz spiegelten sich in Carolines Gesicht. „Eine Narbe ist doch kein Defekt“, entgegnete sie sanft und ballte die Hände zu Fäusten, um der Versuchung zu widerstehen, die Narbe mit den Fingern zu berühren. Weshalb reagierte er so empfindlich? Und weshalb wollte er nicht darüber sprechen? Natürlich wollte sie wissen, was passiert war. Der Gedanke, er sei ernsthaft krank gewesen, beunruhigte sie sehr. Aber im Moment wünschte sie sich vor allem, ihn trösten zu können und ihm das zu geben, was er haben wollte.

In dem erfolgreichen und vermögenden Geschäftsmann steckte offenbar noch immer etwas von dem zornigen jungen Mann, in den Caroline sich vor so langer Zeit verliebt hatte. Das spürte sie deutlich.

„Übrigens … du siehst fantastisch aus“, sagte sie, um ihn aufzumuntern.

„Heißt das, dir gefällt, was du siehst, mein Liebling?“ Ein Lächeln erhellte sein Gesicht. Er ließ die Hand über ihr nacktes Bein, ihre Hüfte und ihren Po gleiten.

Erregende Schauer liefen ihr über den Rücken. Sie umfasste Jacks Kopf und zog ihn zu sich hinunter. Dann küssten sie sich stürmisch und leidenschaftlich, und die Welt verschwand aus ihrem Bewusstsein. Hemmungslos gaben sie sich ihren Gefühlen hin.

Ungeduldig streifte Jack ihr schließlich die schmalen Träger über die Schultern und schob das Oberteil des Nachthemds bis zur Taille hinunter, ehe er ihre aufgerichteten Brustspitzen mit den Lippen liebkoste. Allzu lange hatte er davon geträumt, Caroline so intim zu berühren, und endlich konnte er es tun. Nur weil er bei ihr hatte sein wollen, war er noch in der Nacht aus London zurückgekommen und wie ein Wahnsinniger über die Autobahn gerast.

Als er mit der Zunge über ihre zarte Haut fuhr, konnte er sein Verlangen kaum noch beherrschen und stöhnte auf. Sanft zog er ihr Nachthemd beiseite, um ihren nackten Körper bewundernd zu betrachten. Dann ließ er zielstrebig die Hand zwischen ihre Oberschenkel gleiten und schob sie auseinander.

Sinnliche Lust durchflutete Caroline, und ihre Augen schlossen sich wie von selbst, während Jack mit den Fingern ihren Körper intim erforschte. Endlich wurde ihr sehnlichster Wunsch, sich noch einmal von seinen Zärtlichkeiten verzaubern zu lassen, erfüllt. Doch als er mit dem Finger tiefer in sie eindrang, verkrampfte sie sich plötzlich.

Jack ahnte natürlich nicht, dass sie mit keinem anderen Mann so zusammen gewesen war wie mit ihm. Er war der einzige Mann, mit dem sie geschlafen hatte. Obwohl der Arzt ihr nach der Abtreibung versichert hatte, es sei alles in Ordnung, war sie unsicher. Konnte sie den Sex überhaupt noch genießen? Würde es ihr irgendwelche Probleme bereiten?

Ihre Befürchtungen hatten zweifellos mit den Schuldgefühlen zu tun, die sie in all den Jahren nie losgeworden war. Vielleicht war das mit ein Grund, warum sie sich nie erlaubt hatte, mit einem anderen intim zu werden. Es gab nur einen einzigen Mann in ihrem Leben, den sie jemals geliebt hatte. Aber Jack liebte sie nicht mehr, auch wenn er jetzt bei ihr war und mit ihr schlafen wollte.

„Was hast du?“ Behutsam zog er die Hand zurück und berührte ihr Gesicht. „Ist alles in Ordnung?“

Es gelang ihr nicht, ihre Unsicherheit zu verbergen. Sie kam sich dumm und albern vor und sah ihn an. „Es ist schon so lange her, dass ich mit …“ Sie verstummte, ihre Kehle war plötzlich wie zugeschnürt.

„Ich weiß, wie lange es her ist, Caroline, genau siebzehn Jahre.“ Er betrachtete sie aufmerksam. Doch ehe sie erleichtert aufatmen und ihm sagen konnte, wie sehr sie sich über sein Verständnis freute, fuhr er fort: „Aber du hast sicher in der langen Zeit viele Erfahrungen gesammelt.“ Verachtung schwang in seiner Stimme mit, sosehr er sich auch bemühte, sie neutral klingen zu lassen. Es war zum Verrücktwerden, dass seine Sehnsucht, Caroline wieder in den Armen zu halten, stärker war als jedes andere Gefühl. Und es machte ihn wütend, ausgerechnet jetzt daran erinnert zu werden, dass sie nach der Trennung andere Liebhaber gehabt hatte. Eigentlich war es ganz normal, dass sie mit anderen Männern zusammen gewesen war, denn sie war ungemein attraktiv, frei und ungebunden. Frustriert sah er sie an und spürte, wie beunruhigt sie war. Doch es berührte ihn nicht.

„Meinst du, ich hätte andere Liebhaber gehabt? Vermutlich fällt es dir schwer, es zu glauben, Jack, aber ich habe nie mit einem anderen Mann geschlafen.“ In der darauffolgenden Stille hörte sie das Knistern des Feuers im Kamin.

Ungläubig kniff er die Augen zusammen. „Warum willst du mir weismachen, du hättest nach mir mit keinem anderen Mann Sex gehabt?“, fragte er schließlich.

Sie wurde ganz blass und war zutiefst verletzt darüber, dass er ihre damalige unschuldige Liebe allein auf den Sex reduzierte. Rasch zog sie das Nachthemd wieder über die Hüften und richtete sich auf. Dann fuhr sie sich mit den Fingern durch das zerzauste Haar und zog auch die Träger wieder über die Schultern. „Ich will dir nichts weismachen, Jack. Es ist die Wahrheit, ich habe nie mit einem anderen Mann geschlafen.“

„Das glaube ich dir nicht.“

Sie zuckte mit den Schultern. „Ich habe keinen Grund, dich zu belügen.“ Ihre Lippen zitterten leicht.

„Wenn es wirklich wahr ist, Caroline, möchte ich wissen, warum du nach unserer Trennung mit keinem anderen Mann zusammen warst.“ Er zog die Augenbrauen zusammen und blickte Caroline an, als wäre sie eine Fremde.

„Natürlich hatte ich Freunde, aber ich wollte mit keinem anderen Mann schlafen. Ist das ein Verbrechen?“ Über die Wendung, die ihr Zusammensein plötzlich nahm, war sie entsetzt. Unglücklich legte sie die Arme um sich und wünschte, sie wäre nicht so angespannt gewesen. Wenn sie nicht auf einmal so viel Angst gehabt hätte, Jacks Wünschen nicht zu genügen, wäre sicher alles anders gekommen.

Doch weshalb sollte sie sich Vorwürfe machen? Sie konnte nichts dafür, dass sie so reagiert hatte. Ihre Sehnsucht danach, von Jack geliebt zu werden, war unermesslich. Aber gleichzeitig hatte sie langsam die Befürchtung, dass ihre kurze Wiedervereinigung von Anfang an zum Scheitern verurteilt war.

Jack wusste nicht, ob er ihr glauben sollte oder nicht und seufzte schwer. „Weshalb hast du vorhin gezögert? Etwa deshalb, weil du …?“

„Wie du schon erwähnt hast, Jack“, unterbrach sie ihn und sprach genauso gleichgültig wie er. „Siebzehn Jahre sind eine lange Zeit. Ist es da ein Wunder, dass ich etwas angespannt war?“ Plötzlich konnte sie sich nicht mehr beherrschen und brach in Tränen aus.

9. KAPITEL

Schockiert betrachtete Jack ihre unglückliche Miene. War er wirklich der einzige Mann, mit dem sie geschlafen hatte? Schließlich nahm er sie in die Arme und drückte ihren Kopf sanft an seine Schulter, wie um sie zu beschützen.

Als Caroline ihm damals erzählt hatte, sie hätte das Kind abtreiben lassen, war sie auch zusammengebrochen. Er war jedoch so empört und außer sich gewesen, dass ihre Tränen ihn nicht berührt hatten. Doch jetzt, da er sie mehr als jemals zuvor begehrte, durchbrach ihre Trauer zu seiner Überraschung die Mauer, die er um sich errichtet hatte. Ihr Kummer und Schmerz machten ihn betroffen. Emotionen, die er für immer hatte vergessen wollen und tief in seinem Inneren verschlossen hatte, brachen plötzlich hervor, und er war zutiefst erschüttert.

„Caroline … bitte, weine nicht.“ Er nahm ihren verführerischen Duft wahr und küsste sie zärtlich aufs Haar. Hilflos fühlte er sich ihr und seinen Gefühlen für sie ausgeliefert. Er fühlte sich wieder völlig in ihren Bann gezogen.

Vielleicht war es ein Fehler, dass ich sie damals verlassen habe, schoss es ihm durch den Kopf. Dieser Gedanke irritierte ihn, und er wollte ihn lieber nicht weiter vertiefen. Stattdessen rückte er etwas von Caroline ab, damit er ihr Gesicht sehen konnte. Er ergriff ihren Arm und strich sanft über ihre Haut.

„Erklär mir bitte, warum es für dich nie einen anderen Mann gegeben hat“, bat er sie ruhig.

Autor

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