Verführt von einem Playboy

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Als Bridget bei einem Unwetter von der Straße abkommt, wird sie von einem geheimnisvollen Fremden gerettet - und verführt. Alles scheint wie ein Traum. Bis Bridget kurz darauf entdecken muss: Sie ist schwanger! Und der Fremde ist Adam Beaumont, ein berüchtigter Playboy!
  • Erscheinungstag 19.03.2020
  • ISBN / Artikelnummer 9783733716202
  • Seitenanzahl 160
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. KAPITEL

Es war eine schauderhafte Nacht im Gold Coast Hinterland.

Zunächst hatte nichts darauf hingedeutet, auch wenn starke Sommergewitter in dieser Gegend keine Seltenheit waren. Aber die Heftigkeit dieses Sturmes hatte sogar die Meteorologen überrascht. Es regnete in Strömen, und Windböen schüttelten Bridget Tully-Smiths Wagen. Die schmale Straße, die sich in engen Kurven durch das Numinbah-Tal wand, verschwand immer wieder in regelmäßigen Abständen – im Rhythmus der Scheibenwischer, die sich vor- und zurückbewegten, hin und her …

Bridget hatte eine Freundin besucht, die eine Farm betrieb und – faszinierend! – Lamas züchtete. Es war ein wirklich nettes Wochenende gewesen. Ihre Freundin war mit einem Mann verheiratet, der sie anbetete, hatte ein niedliches Baby … und das Numinbah-Tal war einfach wunderschön.

Die Fahrt zurück zur Gold Coast hätte nicht länger als eine Stunde dauern sollen, doch in dem jäh einsetzenden heftigen Gewitter war Bridget falsch abgebogen und hatte sich verfahren. Jetzt befand sie sich auf einer Nebenstraße, eigentlich kaum mehr als ein Pfad, und der Regen wurde immer schlimmer, so als hätte der Himmel seine Schleusen für die Sintflut geöffnet.

Als sie um die nächste Kurve fuhr, tauchte plötzlich eine kleine Brücke vor ihr auf – oder zumindest das, was von der Konstruktion übrig geblieben war. Jetzt lag da nur ein reißender Fluss vor ihr, der mitten über die Straße rauschte. Bridget trat auf die Bremse. Die Bremsen blockierten, der Wagen schlingerte gefährlich, drehte sich um die eigene Achse – und schon fühlte Bridget die Strömung an der Karosserie zerren.

Wahrscheinlich hatte sie noch nie im Leben so schnell reagiert wie in diesem Moment. Sie sprang aus dem Wagen, dessen Heck sich in der Strömung drehte, und kämpfte sich zu der höher gelegenen Böschung zurück. An einen jungen Gummibaum geklammert, sah sie mit ungläubigem Entsetzen zu, wie ihr Wagen sich in den Fluten drehte und flussabwärts schaukelte, die noch brennenden Scheinwerfer als gespenstische Lichtkegel in der Szenerie.

„Ich fasse es nicht“, wisperte sie erschüttert. Dann hörte sie einen anderen Wagen aus der entgegengesetzten Richtung näher kommen, und ihre Anspannung wuchs. Wer immer es war, er fuhr schnell. Kannte der Fahrer die Straße vielleicht? Hoffte er darauf, dass Geschwindigkeit ihn über die überschwemmte Brücke bringen würde? Verließ derjenige sich vielleicht auf seinen schweren Geländewagen? Natürlich kannte sie die Antworten nicht, wusste nur eines – sie musste den anderen warnen.

Bridget ließ den Gummibaum los und rannte in die Mitte der Straße, sprang auf und ab und schwenkte die Arme. Sie betete, dass die rot-weiße Bluse, die sie trug, aus dem trüben Dunkel herausstechen würde – ihre dreiviertellangen Khakishorts, über und über mit Schlamm bedeckt, würden es ganz bestimmt nicht tun.

Doch sie konnte das Unglück nicht verhindern. Vermutlich hätte nichts die Katastrophe aufhalten können, dachte sie später. Der Wagen kam mit viel zu hohem Tempo heran. Und sobald er auf die Wassermassen stieß, die über die Brücke strömten, geschah mit dem Wagen das Gleiche, was auch ihr passiert war: Das Heck schlingerte, drehte sich, und dann trieb der Wagen auch schon im Fluss. Bridget schlug entsetzt die Hände vor den Mund, als sie die Gesichter von Kindern an die Scheiben gepresst sah und die erschreckten Schreie hörte. Dann schaukelte auch dieser Wagen flussabwärts und war nicht mehr zu sehen.

Bridget schluchzte auf und zwang sich, ihre Möglichkeiten zu überdenken – welche beklagenswert wenige waren. Eigentlich hatte sie gar keine, wie sie sich elend eingestand, außer zu Fuß dem Fluss zu folgen, bis sie irgendwo auf ihr Auto stieß. Doch jetzt tauchte hinter ihr ein Wagen auf, der rechtzeitig abbremste. Der Fahrer musste also die überflutete Brücke kennen.

„Dem Himmel sei Dank“, rief sie, als sie auf den Wagen zuhastete.

Ein Mann stieg aus. Er war groß, trug Jeans und Stiefel und eine Regenjacke. „Was, zum Teufel, tun Sie bei diesem Wetter hier draußen?“

Bridget versuchte, eine vernünftige Erklärung abzugeben, doch alles, was sie hervorbrachte, war ein geschluchztes, überdrehtes Gestammel. „Da saßen Kinder in dem Auto! Sie haben doch keine Chance gegen eine Strömung, die sogar ein Auto wegschwemmt. Haben Sie ein Handy? Meines liegt in meinem Wagen. Wir müssen Hilfe rufen …“

Er schüttelte den Kopf.

„Welcher Mensch besitzt denn heutzutage kein Handy?“, entfuhr es Bridget. Inzwischen fühlte sie sich wirklich am Ende ihrer Kräfte.

„Ich habe ein Handy dabei. Aber bei diesem Gewitter ist kein Signal zu bekommen.“

„Dann …“, sie wischte sich den Regen aus den Augen, „… fahre ich mit Ihrem Wagen zurück und hole Hilfe, während Sie versuchen, hier etwas zu tun.“

Wieder nur ein Kopfschütteln.

Sie stieß einen frustrierten Schrei aus. „Wiegeln Sie nicht alle meine Vorschläge einfach ab! Warum nicht?“

„Weil Sie nicht durchkommen“, sagte er nüchtern. „Ungefähr zwei Kilometer weiter oben auf der Straße hat es einen Erdrutsch gegeben. Ich hatte die Stelle gerade passiert, als es geschah.“ Er öffnete die Heckklappe seines ganz offensichtlich schon älteren Range Rovers und holte ein aufgerolltes Seil, ein Buschmesser, eine Axt und eine wasserdichte Taschenlampe hervor. „Ich gehe nachsehen, ob ich etwas tun kann.“

„Gott sei Dank! Ich komme mit.“

„Nein, Sie bleiben hier.“ Ungeduldig drehte er sich zu ihr um. „Ich muss nicht auch noch auf ein zu kurz geratenes hysterisches Mädchen aufpassen, das ist das Letzte, das ich dabei gebrauchen kann. Außerdem habe ich nur eine Regenjacke, und die trage ich bereits.“

„Meinen Sie wirklich, ich könnte noch nasser werden?“, konterte sie sofort. „Und nur, um das klarzustellen …“ Bridget richtete sich zu ihrer vollen Größe von einem Meter sechzig auf. „Ich bin weder zu kurz geraten noch hysterisch. Also, lassen Sie uns gehen!“

Vielleicht war die Rettungsmission ja von Anfang an zum Scheitern verurteilt, auch wenn sie ihr Bestes gaben. Doch sich an der Böschung des reißenden Flusses entlangzuhangeln, sich durch Gestrüpp zu kämpfen und den heftigen Böen standzuhalten kostete nicht nur wertvolle Zeit, es war auch mehr als anstrengend. Es dauerte nicht lange, bevor Bridget jeden einzelnen Muskel in ihrem Körper spürte – und noch immer keine Spur von dem Wagen oder seinen Insassen.

Dann rutschte sie auch noch aus und verfing sich in einem alten Stück Stacheldraht, und sosehr sie sich auch bemühte, der Draht wollte ihre Hose einfach nicht freigeben.

„Ziehen Sie sie aus!“, schrie der Mann laut hinter ihr und leuchtete wedelnd mit der Taschenlampe.

Bridget blickte über die Schulter zurück und wäre vor Schreck fast gestorben. Da rollte eine gelbe Welle auf sie zu! Sie verschwendete keine Sekunde, wand sich irgendwie aus der Hose, doch das schlammige Wasser hatte sie bereits erfasst und hätte sie mitgerissen, wenn ihr Begleiter ihr nicht im letzten Moment das Seil um die Hüften geschlungen und sie vor Schlimmerem bewahrt hätte.

„Sie haben mir das Leben gerettet. Danke“, sagte sie atemlos.

Er erwiderte nichts darauf. „Wir müssen höher hinauf. Gehen Sie weiter“, war das Einzige, was er sagte.

Also ging Bridget weiter. Sie kletterte und strauchelte, ihre Lungen schmerzten, bevor er endlich das Kommando zum Halt gab.

„Hier.“ Er leuchtete mit der Taschenlampe in ein dunkles Loch. „Sieht aus wie eine Höhle.“

Es war tatsächlich eine Höhle – Felswände, ein harter staubiger Boden und ein Überhang, auf dem Gras und Büsche wuchsen. Bridget ließ sich erschöpft auf den Boden fallen.

„Sieht aus, als müssten die Retter gerettet werden“, meinte sie ironisch, als sie endlich wieder Luft schöpfen konnte.

„Kommt öfter vor.“ Er positionierte die brennende Taschenlampe auf einem Felsvorsprung.

Bridget setzte sich auf und schaute sich um. Sie hielt nicht viel von engen Räumen, aber das, was da draußen vorging, hielt ihre Klaustrophobie im Zaum. Dafür fiel ihr jetzt auf, in welchem Zustand sie sich befand. Sie blickte starr auf ihre nackten Beine, ihre Bluse war zerrissen und zeigte viel von der pinkfarbenen Spitze ihres BHs – zumindest was davon übrig geblieben und nicht zerrissen oder schlammverschmiert war.

Sie wand sich verlegen, doch da begann ihr Begleiter auch schon, sich zu entkleiden. Verdattert und unfähig, sich zu rühren, schaute sie ihm zu, wie er erst seine Jacke und dann sein Hemd auszog und somit breite Schultern und eine muskulöse Brust offenbarte. Unfreiwillig entfuhr ihr ein kleiner Laut der Bewunderung.

„Ich heiße übrigens Adam“, meinte er sachlich. „Warum ziehen Sie nicht Ihre Bluse aus und mein Hemd an? Es ist relativ trocken. Ich drehe mich so lange um.“ Er warf ihr sein Hemd zu und hielt sich an sein Wort.

Bridget befühlte das Hemd. Er hatte recht, es war wirklich fast trocken, und so spürte sie noch seine Wärme und einen wunderbar männlichen Duft. Es würde besser als das Paradies sein – nicht nur, weil sie damit ihre Blöße bedecken konnte, denn inzwischen fror sie auch ganz erbärmlich.

Also zerrte sie sich Bluse und BH vom Leib und schlüpfte in das Männerhemd. Es war viel zu groß für sie, aber das half umso mehr, weil es mehr von ihr bedeckte. „Danke. Was ist mit Ihnen? Ich bin immerhin wieder einigermaßen anständig angezogen.“

Er zog seine Regenjacke über und drehte sich zu ihr um. „Ich bin in Ordnung.“ Er setzte sich. „Keine Lust, die Höflichkeit zu erwidern? Ich meine, wollen Sie sich nicht vorstellen?“

„Oh ja, natürlich. Ich bin Bridget Smith.“ Häufig nutzte sie nur die zweite Hälfte ihres bekannten Doppelnamens. „Oh nein!“ Ihre Augen wurden trübe. Zum ersten Mal seit dem Unfall mit den Kindern dachte sie an den eigenen Verlust. „Mein Auto!“

„Das wird man schon finden, da bin ich sicher. Spätestens dann, wenn das Wasser wieder abläuft. Wie es aussehen wird, kann ich allerdings nicht sagen.“

„Meinen Sie? Mein ganzes Leben liegt in meinem Wagen.“ Nun klang sie doch ein wenig hysterisch, und er schaute auch prompt mit fragend hochgezogenen Augenbrauen zu ihr hin. „Mein Handy, meine Kreditkarten, mein Führerschein, meine Krankenversicherungskarte … mal ganz abgesehen von dem Wagen selbst.“ Hilflos verfiel sie in Schweigen.

„Diese Dinge lassen sich alle ersetzen, und die Kreditkarten kann man mit einem Anruf sperren.“

Das schien sie nicht zu beruhigen, sie blickte weiter düster vor sich hin.

„Ich vermute, es ist Miss Smith?“, fragte er.

„Nicht unbedingt.“ Mit ihren Gedanken war sie noch immer bei ihrem Auto.

„Sie tragen keinen Ehering.“

Bridget zögerte. Sie lenkte ihre Gedanken von dem Chaos, das ihr bevorstand, wenn sie ihren Wagen nicht zurückbekam, zu dem Mann, mit dem sie hier in der kleinen Höhle gefangen saß. Dann griff sie sich in den Hemdausschnitt und zog eine goldene Kette hervor, an der ein schlichter goldener Reif baumelte.

„Ich verstehe“, kam es von ihm. „Warum tragen Sie ihn nicht am Finger?“

Bridget blinzelte. Wie war dieser Mann einzuschätzen? Sicherlich gut aussehend, mit einer großartigen Figur … Trotzdem. Tatsache blieb, sie kannte ihn nicht. Und man konnte nie vorsichtig genug sein, nicht wahr? Deshalb konnte es auch nicht schaden, irgendwo im Hintergrund einen angeblichen Ehemann warten zu haben. „Ich habe abgenommen, und der Ring ist zu groß.“ Zumindest der zweite Teil war nicht gelogen.

„Wie ist er denn so? Mr Smith?“

Machte er nur Small Talk? Um sie von den traumatischen Geschehnissen abzulenken? Oder glaubte er ihr etwa nicht?

„Sehr nett“, behauptete sie, und dann setzte ihre Fantasie ein. Dass es so prompt und verlässlich geschah, zauberte ein Lächeln auf ihre Lippen. „Er ist groß, sogar noch ein Stückchen größer als Sie. Ein wahrhaft Respekt gebietender Mann.“ Woher war diese Beschreibung denn gekommen? Aus einem Regency-Roman? Sie spann den Faden weiter. „Und er betet mich an.“

„Natürlich.“ Ein Lächeln blitzte kurz in den rauchblauen Augen auf. Nur fühlte Bridget sich plötzlich irgendwie unwohl. Er fuhr fort: „Heißt das, dass er zu Hause auf Sie wartet?“

„Ja, auf jeden Fall“, log sie fröhlich.

„Das ist sehr beruhigend zu wissen. Das heißt, wenn Sie nicht nach Hause kommen und sich auch nicht melden, wird er wohl die Polizei alarmieren, die dann wiederum die Rettungswacht einschaltet, wenn klar wird, dass Sie bei diesem Wetter unterwegs sind.“

„Ah.“ Rote Flecken leuchteten durch den Schmutz auf Bridgets Wangen. „Nun, ich … ich habe das mehr allgemein gemeint. Im Moment ist er nicht zu Hause. Er ist auf Geschäftsreise.“

Adam musterte sie. Das kurze Haar schimmerte wie dunkles Kupfer, und selbst der Gewaltmarsch durch das raue Terrain hatte das Leuchten ihrer grünen Augen nicht löschen können. Er verkniff sich ein Grinsen. Es waren nicht nur leuchtend grüne Augen, es waren auch Augen, in denen sich jedes Gefühl ablesen ließ. Er war sich ziemlich sicher, dass sie log, was Mr Smith anbetraf. Nun, wenn sie einen Ehemann erfand, dann stellte sich die Frage nach dem Warum.

Die Antwort war offensichtlich: Vertraue nie einem Fremden. Bridget Smith war also ein vorsichtiges Mädchen. Gut, wenn sie sich dann sicherer fühlte, würde er das Spiel eben mitmachen.

„Moment!“ Der schuldige Ausdruck auf ihrer Miene verschwand. „Die Freunde, bei denen ich das Wochenende verbracht habe … die werden sich wahrscheinlich Sorgen machen und versuchen, mich anzurufen. Vielleicht alarmieren sie die Polizei, wenn sie mich nicht erreichen.“

„Auch gut.“ Er stand auf. „Ich gehe draußen nachsehen, ob sich etwas geändert hat. Wenn das Wasser noch immer steigt, sollten wir umziehen.“ Wenig später kam Adam in die Höhle zurück. „Es steigt zwar noch, aber nur langsam. Das bedeutet hoffentlich, dass das Wasser bald zurückgeht. Ich denke, wir können vorerst durchatmen.“

Bridgets Seufzer der Erleichterung folgte ein dumpfes Rumpeln. Nur Momente später wurde ihnen klar, dass ein Baum oberhalb der Höhle entwurzelt worden und direkt vor den Eingang gefallen war.

Mit weit aufgerissenen Augen drehte Bridget sich zu Adam um. „Wir sitzen in der Falle!“

„Ich in der Falle? Niemals, Mrs Smith.“

„Aber Sie haben nicht mehr als ein Messer und eine kleine Axt bei sich!“

„Sie würden sich wundern, was ich damit alles machen kann.“

„Sind Sie etwa Holzfäller? Wie die Männer, die man in diesen Fernsehdokumentationen sieht?“

Seltsamerweise schien ihn diese Frage zu überraschen. „Sehe ich aus wie ein Holzfäller?“, fragte er amüsiert.

„Nein, nicht wirklich. Sie sehen eher aus wie … nun, Sie könnten eigentlich alles sein. Oh, ich will Sie nicht beleidigen.“ Bridget lächelte verkrampft. „Ich denke, ich sollte besser einfach den Mund halten.“

„Gute Idee. Wir sollten unsere Kräfte sparen. Wer weiß, was noch auf uns zukommt. Aber meinetwegen brauchen Sie sich wirklich keine Sorgen zu machen. Und Mr Smith auch nicht.“

Sie schaute ihn skeptisch an, so als ahnte sie, dass er sie aufzog, doch sie sagte nichts und verschränkte nur würdevoll die Hände im Schoß.

Fast hätte er gelacht. Wenn ihm nicht genau bewusst gewesen wäre, dass sie tatsächlich in der Falle saßen.

Eine Stunde später waren sie wieder frei. Mit einer Kombination aus reiner Kraft und geschickten Axtschlägen, mithilfe des mitgebrachten Seils und mehrerer Steine rollte der Baumstamm schließlich zur Seite.

Bridget jubelte laut auf. „Sie sind erstaunlich! Ich weiß nicht, wie Sie das geschafft haben.“

„Hebelwirkung“, erwiderte Adam knapp.

„Dann werde ich sofort alles über Hebelwirkung lernen. Man weiß nie, wann man es wieder gebrauchen kann. Oh …!“

Adam hatte den Strahl der Taschenlampe auf den offenen Höhlenausgang gerichtet, und was da draußen zu sehen war, wirkte keineswegs beruhigend.

„Richtig, oh“, stimmte er grimmig zu. „Das Wasser steigt noch immer. Wir müssen hier raus. Binden Sie sich das Seil um die Hüfte, so verlieren wir uns nicht. Ich gehe vor. Sind Sie bereit?“

Sie nickte.

Es war die reine Folter. Das Terrain oberhalb der Höhle stieg steil an und war mit Felsbrocken übersät, zudem rutschte man ständig auf dem durchtränkten Boden aus. Bridget stolperte hinter Adam her, bis sie Seitenstechen bekam. Einmal fiel sie hin und wäre ohne das Seil unaufhaltsam den Hügel hinuntergerutscht.

Sie gingen auf gleicher Höhe, als Bridget aus dem Augenwinkel eine Bewegung erhaschte – ein Stein hing wankend über einen Vorsprung und stürzte ab. Mit einem schrillen Aufschrei warf sie sich gegen Adam und riss ihn mit sich zu Boden. Der Felsbrocken schlug nicht weit entfernt von ihnen auf und polterte den Hang hinunter.

Endlich gelangten sie auf ein mit Gras bewachsenes Plateau. Ganz hinten war im Lichtkegel der Taschenlampe ein Schuppen zu erkennen.

„Dem Himmel sei Dank.“ Bridget sank auf die Knie, sie war völlig erschöpft. „Nur eine Minute“, versicherte sie ihrem Begleiter, „dann kann ich weitergehen …“

„Hier, halten Sie das.“ Adam reichte ihr die Taschenlampe.

Da sie nicht einmal mehr klar denken konnte, sondern nur noch tat, was man ihr sagte, nahm sie die Lampe gehorsam an … und war völlig unvorbereitet, als er sie auf seine Arme hob.

„Was … was machen Sie denn da?“, stammelte sie.

„Halten Sie den Mund, Mrs Smith. Sie sind es, die erstaunlich ist, und höchstwahrscheinlich haben Sie mir das Leben gerettet. Das ist das Wenigste, was ich für Sie tun kann.“

Bridget leuchtete ihm den Weg mit der Lampe und entspannte sich, ohne sich dessen bewusst zu sein. Sie fühlte sich erstaunlich sicher auf seinen Armen, und außerdem zweifelte sie ernsthaft daran, dass sie die Hütte noch auf eigenen Beinen erreicht hätte.

„Verschlossen“, brummte er, als er erst Bridget auf die Füße stellte und dann an der Tür rüttelte. „Aber in einer Nacht wie dieser haben sie wohl Verständnis …“ Sprach’s – und schlug mit der Axt das Vorhängeschloss ab. „Nach Ihnen, Madam“, lud er Bridget mit einem schwachen Lächeln ein.

Bridget wankte in die Hütte und stieß einen erleichterten Laut aus. Sicher, die Hütte war alt und wirkte auch nicht sehr solide, aber da gab es Strohballen und Paraffinlampen und einen Wasserkessel und einen Ofen, dessen Kamin zum Dach hinausging. Zaumzeug und Sättel hingen ordentlich sortiert an den Wänden, in einem alten Regal standen Becher und eine blitzsaubere Teedose. Und vor dem Ofen lagen Holzscheite und Papier zum Anzünden.

„Na, wenn das kein Glück ist.“ Adam musste gegen das Trommeln des Regens auf dem Blechdach anschreien. „Unter den gegebenen Umständen könnte man das hier als das Numinbah Hilton bezeichnen.“

Bridget kicherte leise, wurde aber schnell wieder ernst. „Die Kinder …“

Er schaute ebenfalls ernst. „Wir haben unser Bestes getan. Es grenzt an ein Wunder, dass wir nicht ertrunken sind. Und die Kinder werden es schon irgendwie schaffen. Sie müssen sich an diesem Gedanken festhalten.“

„Ich dachte nur … es muss doch bestimmt eine Straße hierher geben. Vielleicht können wir so Hilfe holen.“

„Haben Sie eine Ahnung, wo wir hier sind?“

„Nun, nein, aber …“

„Ich auch nicht“, fiel er ihr ins Wort. „Wir haben bessere Chancen bei Tageslicht. Vielleicht findet uns sogar ein Hubschrauber, nach einem solchen Sturm ist die Rettungswacht garantiert unterwegs. Hören Sie, nur für den Fall, dass zu dieser Hütte und der Weide vielleicht auch ein Haus gehört … ich werde mich draußen ein wenig umsehen. Und Sie …“ Er musterte sie von Kopf bis Fuß. „Sind Sie verletzt? Knochenbrüche, Zerrungen, Verrenkungen?“

„Nein, ich glaube nicht. Nur Kratzer, blaue Flecke und Abschürfungen.“

„Gut. Dann befehle ich Ihnen jetzt – ja, das ist ein Befehl, und Sie können mir Vorhaltungen machen, soviel Sie wollen –, sorgen Sie erst einmal für sich. Da draußen gibt es einen Wassertank, der überfließt. Stellen Sie sich darunter, und waschen Sie sich den Schlamm und das Blut ab. Das wird Ihnen und Ihren blauen Flecken guttun. Aber zuerst mache ich Feuer.“

„Ich habe doch nichts Trockenes zum Anziehen“, erwiderte Bridget trotzig.

„Da ist genug.“ Er zeigte auf die Stange, über der die Pferdedecken hingen. „Wickeln Sie sich in eine davon ein.“

Erst zündete Adam noch den Ofen und drei Öllampen an.

„Passen Sie auf sich auf“, murmelte Bridget. „Ich bin nicht unbedingt wild darauf, allein hier festzusitzen.“ Sie schnitt eine Grimasse. „Das klingt schrecklich! Ich möchte wirklich nicht, dass Ihnen etwas zustößt.“

Adam musste sich ein Lächeln verkneifen. „Das ist nett von Ihnen.“ Sacht strich er mit einer Fingerspitze über ihre Wange. „Und Sie passen auch auf sich auf, ja?“

Sie sah ihm nach, wie er zur Hütte hinausging und in der Dunkelheit verschwand, und sie musste sich auf die Zunge beißen, um ihm nicht nachzurufen und ihn aufzuhalten. Also lenkte sie ihre Gedanken auf seinen Vorschlag – seinen Befehl! – zurück und sah an sich herab. Der Schlamm saß überall, das viel zu große Hemd war steif davon geworden, und ihre bloßen Beine waren nahezu schwarz. Mit anderen Worten, es war eine gute Idee, sich zu waschen. Wenn sie doch nur etwas zum Anziehen hätte …

Jemand musste ihr Flehen erhört haben. In einer Ecke der Hütte stand ein Bett, und unter den Kissen fand sie nicht nur einen sauberen Flanellpyjama mit Teddybärmuster, sondern auch saubere Männerarbeitshosen und ein weißes T-Shirt.

„Oh, ihr seid ja wahre Prachtstücke!“, entfuhr es Bridget unwillkürlich. „Jetzt muss ich wenigstens nicht in einer Pferdedecke gerettet werden. Und mein Begleiter kann sich ebenfalls sauber und trocken präsentieren. Also dann, Mrs Smith, ab unter die Dusche!“

Damit marschierte sie entschlossen zur Hütte hinaus.

Es war eine ganz neue Erfahrung, mitten in der Nacht unter einem überlaufenden Wassertank mit Regenwasser zu duschen.

Bridget hatte eine der Öllampen mitgenommen und sogar einen Haken gefunden, an dem sie sie aufhängen konnte. In dem schwachen Lichtschein erkannte sie einen riesigen Gummibaum und die Ruinen eines Steingebäudes.

Autor

Lindsay Armstrong

Lindsay Armstrong wurde in Südafrika geboren, und bis heute fasziniert sie der Kontinent sehr. Schon als kleines Mädchen wusste sie, was sie später machen wollte: Sie war entschlossen, Schriftstellerin zu werden, viel zu reisen und als Wildhüterin zu arbeiten.

Letzteres ist ihr zwar nicht gelungen, aber noch immer ist sie...

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