Wiedersehen mit dem Bad Boy

– oder –

 

Rückgabe möglich

Bis zu 14 Tage

Sicherheit

durch SSL-/TLS-Verschlüsselung

Hat Asher Edmond wirklich Millionen aus dem Budget des Gourmet-Festivals in Royal, Texas unterschlagen? Entschlossen zahlt die schöne Privatdetektivin Lani Li die Kaution für den inhaftierten Bad Boy – ihren sexy Ex! Nicht aus Mitleid, sondern weil Asher ihr hoffentlich verrät, wo er das Geld versteckt hat. Aber er beteuert seine Unschuld. Und während sie gemeinsam der Wahrheit auf die Spur kommen wollen, erkennt Lani: Asher mag kein Verbrecher sein. Doch es ist seine Schuld, dass zwischen ihnen das Verlangen erneut verhängnisvoll aufflammt …


  • Erscheinungstag 25.10.2022
  • Bandnummer 2261
  • ISBN / Artikelnummer 9783751509268
  • Seitenanzahl 144
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. KAPITEL

Asher Davidson Edmond lag auf der harten Pritsche in der Polizeizelle und hatte sich den Arm über die Augen gelegt, um die grauen Betonwände und die schmutzige Decke auszublenden. Wie, zum Teufel, war er hier gelandet? Halt: Er wusste, wie. Mit einer Polizeieskorte auf dem Rücksitz eines Streifenwagens. Aber die Kette von Ereignissen, durch die er in diese missliche Lage geraten war, hatte ihn kalt erwischt.

Obwohl er mit seinen einunddreißig Jahren schon einige Risiken eingegangen war, hätte er nie damit gerechnet, für etwas, das er nicht getan hatte, hinter Gittern zu landen. Denn er hatte eindeutig kein Geld vom Festivalkonto unterschlagen. In seiner Jugend hatte er vielleicht ein paar Gesetze großzügig ausgelegt, aber das war Kleinkram gewesen. Aus Geldgier zu stehlen war das Letzte, was er tun würde.

„He, reicher Junge.“

Die spöttische Stimme gehörte dem vierschrötigen Polizisten, der ihn nach seiner Vorführung vor dem Haftrichter wieder in die feuchtkalte, fensterlose Zelle geführt hatte. Asher knirschte mit den Zähnen. Anscheinend war er mit Deputy Vestas kleiner Schwester zur Highschool gegangen und nicht nett zu ihr gewesen. Was das betraf, musste er sich auf Vestas Wort verlassen, denn er erinnerte sich nicht gut an seine Teenagerjahre. Er hatte die Schwester wohl ausgelacht, als sie ihn gefragt hatte, ob er mit ihr auf den Abschlussball gehen wollte … Das war nicht gerade einer seiner rühmlichsten Momente gewesen.

„Ja?“, antwortete er gelangweilt, ohne sich zu rühren. Er unterdrückte seine Nervosität und legte so viel Sarkasmus in das eine Wort, wie er nur konnte. Dabei war ihm klar, dass er sich keinen Gefallen damit tat, sich wie ein Arschloch zu benehmen. Aber nichts würde etwas an Vestas Vorurteilen gegen ihn ändern, und nachdem er schon jahrelang mit der Missbilligung seines Adoptivvaters hatte leben müssen, reagierte er instinktiv mürrisch.

„Du hast Besuch.“

Hoffnung keimte in Asher auf.

Glaubten Ross und Gina jetzt doch an seine Unschuld, nachdem sie gestern der Anhörung wegen seiner Kaution ferngeblieben waren? Es hatte ihn verletzt, dass seine Geschwister ihn im Stich gelassen hatten. Dass sein Adoptivvater nicht aufgetaucht war, hatte ihn dagegen überhaupt nicht gewundert. Er rechnete auch jetzt nicht damit, dass Rusty Edmond erschienen war, um ihn zu besuchen – es sei denn, er wollte seinem Bedauern darüber Ausdruck verleihen, dass er den Sohn seiner zweiten Frau an Kindes statt angenommen hatte.

Es war Asher noch immer ein Rätsel, warum Rusty ihn überhaupt adoptiert hatte, wenn er ihn doch nie wirklich als seinen Sohn akzeptiert hatte. Oder tat er das vielleicht doch? Schließlich zeigte er auch seinen beiden leiblichen Kindern gegenüber wenig Zuneigung. Da er Ross ständig kritisierte und Ginas Talente ignorierte, hatte keins der Edmond-Kinder ein gutes Verhältnis zu ihm.

Das hatte Asher allerdings nicht davon abgehalten, während seiner Teenagerjahre um Rustys Liebe zu buhlen. Als er gescheitert war, hatte er begonnen, sich auszutoben und gegen ihn zu rebellieren. Wenn er seinem Adoptivvater schon nichts recht machen konnte, dann würde er sich seiner Verachtung wenigstens als würdig erweisen.

Doch so schwierig sein Verhältnis zu Rusty auch war, seinen Stiefgeschwistern stand er so nahe, als wären sie blutsverwandt. Ross war zwölf gewesen, Gina zehn, als Asher als Fünfzehnjähriger bei ihnen eingezogen war. Er hatte gern den großen Bruder für die beiden gespielt, und alle drei waren schnell zu einer eingeschworenen Gemeinschaft geworden. Die drei Jahre, die Rusty mit Ashers Mutter verheiratet gewesen war, hatten die Geschwister geprägt, und sie hatten einander auch weiter nahegestanden, als Rusty und Stephanie sich scheiden ließen und Asher aufs College gegangen war.

Darum war das Schweigen der Edmond-Geschwister auch so unheilverkündend. Seit der Anhörung tröstete Asher sich mit der Vermutung, dass Rusty Ross und Gina davon abgehalten hatte, vor Gericht zu erscheinen, um seinem Adoptivsohn eine Lektion zu erteilen. Aber je länger er nichts von seinen Geschwistern hörte, desto größer wurde seine Sorge, dass sie ihn tatsächlich für schuldig hielten.

Allmählich machte sich Panik in ihm breit. Bei der Anhörung hatte er erfahren, dass die Anklagen gegen ihn schlimmer waren als zunächst vermutet. Es ging nicht nur um den Diebstahl des Geldes. Das hätte vor Ort geklärt werden können. Aber da das Geld per Überweisung von dem Bankkonto verschwunden war, waren auch die Bundesbehörden involviert. Selbst wenn Rusty gewollt hätte, dass die Anklage fallen gelassen wurde, hätte er seine Beziehungen nicht spielen lassen können.

Asher saß wirklich in der Klemme.

Weil seine Konten eingefroren waren, konnte er seine Kaution nicht bezahlen. Natürlich hatte er gehofft, dass seine Familie ihm helfen würde. Aber je mehr Stunden vergingen, desto stärker wuchs seine Verzweiflung. Jetzt allerdings hoffte er, dass er sich umsonst Sorgen gemacht hatte. Seine Geschwister hatten offensichtlich doch beschlossen, ihm zu helfen.

„Fünf Minuten“, erklärte Deputy Vesta knapp.

Asher setzte sich auf und blinzelte in der plötzlichen Helligkeit. Als seine Augen sich an das Licht gewöhnt hatten, konzentrierte er sich auf die Person, die hinter den Gitterstäben stand: weder sein hochgewachsener Bruder noch seine stilsichere Schwester, sondern eine zierliche Frau in eng anliegender Jeans und hochhackigen Stiefeln. Ihr langes schwarzes Haar trug sie im Nacken zu einem ordentlichen Zopf gebunden. Wahrscheinlich eine Bundesbeamtin, die ihn verhören sollte.

Aber dann trat sie näher an die Gitterstäbe heran, und er sah ihr Gesicht.

Lani Li?“

Er bekam kaum Luft, weil die Überraschung ihn wie ein Schlag in die Magengrube traf. Dann riss er sich zusammen und sprang auf, hin- und hergerissen zwischen Freude und Verwirrung. Hatte sie von seiner Notlage gehört und war hergeeilt, um ihm zu helfen? Sein Herz pochte dumpf gegen seine Rippen, während er sich sagte, dass er unglaubliches Glück hatte.

Aber seine Euphorie verflog, als er das Funkeln in ihren braunen Augen sah. Ihre Wangen waren leicht gerötet – Flecken auf ihrer ansonsten makellos blassen Haut. Sie hatte die sinnlichen Lippen zu einer flachen Linie zusammengepresst, die ihre Verachtung zum Ausdruck brachte. Zwischen ihren Augenbrauen hatte sich eine tiefe Falte gebildet. Zu sagen, dass sie nicht gerade erfreut wirkte, war noch untertrieben. Abgesehen von seinem verzweifelten Bedürfnis, gerettet zu werden, wurde er trotzdem von sengend heißen Erinnerungen überflutet.

Bis sie das Wort ergriff …

„Asher.“ Ihr Ton war geschäftsmäßig.

„Was für eine Überraschung“, murmelte er und ging auf sie zu, angezogen wie eine Biene vom Nektar.

Ihr Duft stieg ihm schon in die Nase, bevor er die Hände um die Gitterstäbe legte und sich vorbeugte. Sie roch nach Vanille und würzigem Zimt. Köstliche, sinnliche Süße, die ihm das Wasser im Munde zusammenlaufen ließ. Er erinnerte sich daran, wie er die Nase in ihrem Haar vergraben und ihren einzigartigen Duft eingesogen hatte. Wie sie geschmeckt hatte, als sie am Flussufer miteinander geschlafen hatten: nach Leidenschaft und Sonnenschein. Unter ihren Körpern hatten sie Kiefernnadeln zerdrückt, deren frischer Geruch ebenfalls aufgestiegen war. Sie jetzt wieder zu riechen verlangsamte seinen Herzschlag und beruhigte ihn.

„Wie lange ist das her?“, überlegte er laut. „Fünf Jahre?“

Sie nickte knapp. „Ungefähr.“

„Lange Zeit.“

„Ja.“ Lani kniff die Augen zusammen und musterte ihn von oben bis unten. „Du siehst furchtbar aus.“

„Na ja“, erwiderte er schulterzuckend, während sein Gehirn immer noch zu verarbeiten versuchte, dass sie tatsächlich vor ihm stand. „Ich bin seit anderthalb Tagen hier eingesperrt …“

Er brach ab und ließ den Blick über sie schweifen, hinab an den Knöpfen der weißen Bluse, die sie unter dem marineblauen Blazer trug, über die Wölbung ihrer straffen Brüste und ihren flachen Bauch bis zum Bund ihrer dunklen Jeans. Er kannte diesen Körper, betete ihn förmlich an. Kurven an den richtigen Stellen. Trainierte Muskeln unter weicher Haut. Er hatte Stunden damit verbracht, mit Lippen und Händen jeden Zentimeter davon zu erkunden und herauszufinden, was Lani zum Erschauern, Stöhnen und Wimmern brachte.

„Du bist genauso hübsch wie damals“, sagte er und erinnerte sich, wie er sie einmal in ihren perfekten Po gekniffen hatte. Damals hatte sie überrascht gequietscht. „Na, was führt dich her?“ Die Frage klang beiläufig, so als wären sie einander bei einem Barbecue über den Weg gelaufen, statt sich durch Gitterstäbe miteinander zu unterhalten. Er zog einen Mundwinkel nach oben und warf ihr einen sinnlichen Blick zu. „Du bist der letzte Mensch, den ich hier zu sehen erwartet habe.“

„Ich bearbeite einen Fall“, erklärte sie.

„Faszinierend. Erzählst du mir davon?“

„Ich ermittle im Diebstahl der Festivalgelder.“

„Was meinst du, wer es war?“, fragte er.

Ungläubig sah sie ihn an. „Du natürlich.“

„Also bist du auch auf den Asher-ist-ein-Dieb-Zug aufgesprungen.“ Er nickte. Ihre Antwort überraschte ihn nicht. „Ich dachte, du hältst mich vielleicht für unschuldig.“

Seufzend stemmte sie die Hand in die Hüfte. Der Blazer verrutschte und offenbarte ein leeres Holster an ihrem Gürtel. Er starrte es an. Begehren erfasste ihn, doch die Erregung, die ihn durchlief, war nicht nur sexueller Natur. Schon als Kind hatte Asher immer für das nächste Abenteuer gelebt und war als junger Erwachsener keiner Gefahr aus dem Weg gegangen. Der Gedanke, dass Lani eine Schusswaffe trug, törnte ihn in mehr als in einer Hinsicht an. Seine Haut prickelte, und es juckte ihm in den Fingern, sie zu berühren.

„Also bist du doch noch Special Agent geworden“, sagte er, ließ den Blick an ihrem Oberkörper hinaufwandern und hielt kurz inne, um die verlockenden Kurven ihrer Brüste zu bewundern, bevor er in ihre feindselig zusammengeniffenen Augen sah. „Für wen arbeitest du? Das FBI?“

Ihre dunklen Wimpern flatterten. „Nein. Ich bin Privatdetektivin.“

„Was du nicht sagst.“ Das machte ihn neugierig.

Als sie sich vor fünf Jahren kennengelernt hatten, war Lani kurz davor gewesen, ihr Aufbaustudium in Strafrecht zu beginnen. Sie hatte einen Collegeabschluss in Soziologie gehabt und leidenschaftlich darum gekämpft, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, weil sie jede Art von Ungerechtigkeit hasste. Damals war sie überzeugt gewesen, dass eine Karriere beim FBI ihr die Chance bieten würde, etwas zu verändern.

„Wenn du mich hier rausholst“, fuhr er fort, „kannst du gern so viele private Ermittlungen anstellen, wie du willst.“

Schon bevor ihre Augen vor Empörung aufblitzten, bereute er den Flirtversuch. Sie war der einzige Mensch, der ihn besuchen kam, und er behandelte sie wie ein beliebiges Mädchen, das er in einer Bar aufzureißen versuchte, nicht wie den Hauptgewinn, den er sich hatte entgehen lassen.

Sie schürzte ihre vollen, ungeschminkten Lippen und seufzte gereizt. Als hätten sie sich erst gestern und nicht vor fünf Jahren zuletzt geküsst, erinnerte er sich noch genau, dass ihr Pflegestift nach Erdbeeren schmeckte. Dass ihr langes seidiges Haar seine Handrücken gekitzelt hatte, wenn er sie an sich gezogen hatte. Von ihrem ersten Kuss bis zu ihrer herzzerreißenden letzten Umarmung hatte er einfach nicht genug von ihr bekommen können.

„Du bist immer noch der gleiche verzogene Student wie damals, oder?“ Ihre Worte kühlten seine Libido ab wie ein Schwall eisiges Wasser.

„Nein. Bin ich nicht.“

Die Anschuldigung tat noch genauso weh wie vor fünf Jahren. Als sie sich kennengelernt hatten, hatte sie als Kellnerin auf Appaloosa Island in der Trinity Bay vor der Küste von Texas gearbeitet. Er hatte dort vor seiner Saison als Profi-Polospieler, die sich dann als die letzte erwiesen hatte, herumgegammelt. Fasziniert von ihrem brillanten Verstand, ihrem atemberaubenden Körper und ihrem schönen Gesicht hatte er darauf geachtet, immer in ihrem Abschnitt des Restaurants zu sitzen.

Zu seinem Leidwesen hatte er sie aber offenbar völlig kaltgelassen. Unbeeindruckt von den gewaltigen Trinkgeldern, die er ihr gegeben hatte, hatte sie ihn als träge und wenig zielstrebig eingestuft und ihn einen „verzogenen Studenten“ genannt, obwohl er das College schon fünf Jahre zuvor abgeschlossen hatte.

„Inzwischen bin ich stellvertretender Geschäftsführer im Edmont-Unternehmen.“ Er warf sich in die Brust und fragte sich, ob er ihr weismachen konnte, dass er jetzt seriös und erfolgreich war, statt von einer Polosaison zur nächsten durch die Welt zu jetten.

Er gab sich selbstbewusst, aber in Wahrheit war er alles andere als zufrieden mit seinem Job. Er hasste die langweiligen Details, die seine Aufmerksamkeit verlangten, und strengte sich kaum an, sein Team zu führen. Seit zwei Jahren war er jetzt bei der Firma, und das auch nur, weil Rusty ihn unter Druck gesetzt hatte.

„Aber du bist kaum im Büro“, sagte sie. Ihre skeptische Miene zeigte, dass sie schon eine Menge über ihn gehört hatte.

„Ich war mit dem Festival Soiree on the Bay beschäftigt.“ Das war jedoch übertrieben. In Wirklichkeit hatte er wenig mit der Organisation des luxuriösen Musik- und Gourmetfestivals zu tun.

„Und genau das hat dich hinter Gitter gebracht“, meinte sie trocken.

So gern Asher auch widersprechen wollte: Was konnte er schon sagen? Die Stahlstäbe, die zwischen ihm und der Freiheit standen, sagten alles. Außerdem würde nichts, was er getan hatte, seit sich ihre Wege getrennt hatten, Lanis hohen Ansprüchen genügen. Sie war eine der zielstrebigsten und tüchtigsten Personen, die er kannte. Von Anfang an hatte sie klargestellt, dass sein mangelnder Ehrgeiz sie frustrierte. In jeder Hinsicht, auf die es ankam, waren sie wie Feuer und Wasser. Trotzdem begehrte er sie noch genauso wie vor fünf Jahren.

Damals hatte ihn zuerst nur ihr Aussehen in Versuchung geführt, aber was ihn trotz einer Abfuhr nach der anderen wirklich in Flammen gesetzt hatte, waren ihr Mut, ihre unverwüstliche Charakterstärke und ihre Tatkraft.

Außerdem liebte er Herausforderungen.

Ihre Reserviertheit hatte ihn nur umso mehr in seiner Entschlossenheit bestärkt, die Frau hinter der abweisenden Fassade kennenzulernen. Aber so befriedigend die Jagd auch gewesen war: Lani zu kriegen hatte seine kühnsten Träume noch weit übertroffen. Nachdem er mit ihr im Bett gelandet war, hatte er nicht sofort an die nächste Eroberung gedacht. Sie hatte ihn glücklicher gemacht als jede andere Frau zuvor, und ihre heiße Affäre hatte große Wirkung auf ihn gehabt.

Während dieser seligen Sommermonate hatte er sich verändert. Er hatte aufgehört, sich nur um sich selbst zu scheren und sich von einem Abenteuer ins nächste zu stürzen. Plötzlich war ihm klar geworden, dass die Hoffnungen und Wünsche anderer genauso wichtig wie seine eigenen waren.

Aber ihre Beziehung war nicht von Dauer gewesen, und kaum dass er Lani verloren hatte, war er wieder zu dem rastlosen, unzuverlässigen „verwöhnten“ Typen geworden. Seitdem hatte er sich oft gefragt, was passiert wäre, wenn er ein besserer Mann gewesen wäre.

Jetzt zog Lani eine schmale schwarze Augenbraue hoch und schüttelte den Kopf. „Hast du eine Ahnung, wie tief du in der Patsche sitzt?“

„Ja“, grummelte er. Wieder stieg Panik in ihm auf. Wenn er Lani doch nur auf seine Seite ziehen könnte. „Aber das alles ist nur ein großes Missverständnis.“

„Ach wirklich?“, konterte sie. „Die Indizien gegen dich sind äußerst belastend. Vom Festivalkonto fehlen Millionen, und hinter all den Überweisungen scheinst du zu stecken.“

„Ich habe keinen einzigen Cent gestohlen, das schwöre ich dir.“

Seit Tagen schon beteuerte er, dass er keine Ahnung hatte, wohin das Geld verschwunden war, doch niemand glaubte ihm. Weder seine Familie noch die Polizei.

„Ich habe mit den Ermittlern gesprochen“, fuhr Lani fort. „Es waren unter anderem Zahlungen an einen Technikbetrieb und ein Musikunternehmen. Auf den ersten Blick wirken die Überweisungen nicht verdächtig, aber die Firmen existieren gar nicht. Das Geld ist so schnell wieder von den Konten abgebucht worden, wie es dort eingegangen war.“

Das waren mehr Informationen, als er bisher bekommen hatte. Scheinfirmen mit echten Bankkonten. So etwas erforderte Berechnung und Raffinesse. Wenn etwas für Ashers Unschuld sprach, dann genau das. Seine organisatorischen Fähigkeiten waren eher unterentwickelt, das konnte sein ganzes Team im Edmond-Unternehmen bestätigen.

Während er über seine Schwächen nachdachte, ruhte Lanis Blick auf seinem Gesicht. Ihre Miene war ernst und erwartungsvoll zugleich. „Niemand weiß, wo das Geld jetzt ist.“

„Ich doch auch nicht.“

Unbeeindruckt musterte sie ihn weiter. „Auf den Malediven gibt es ein Haus, das auf deinen Namen eingetragen ist.“

„Das gehört mir nicht.“ Wut stieg in ihm auf. Woher kamen all diese belastenden Indizien? Wenn die Spur des Geldes zu ihm führte, war es kein Wunder, dass niemand an seine Unschuld glaubte. „Ich weiß nicht mal, wo die Malediven liegen.“

„Die Malediven sind ein Inselstaat vor der indischen Küste.“ Sie machte eine Kunstpause. „Vor allem haben sie kein Auslieferungsabkommen mit den USA.“

„Das soll wohl heißen, dass ich vorhatte, das Geld zu nehmen und mich damit abzusetzen.“ Als er ihren sichtlichen Abscheu bemerkte, zuckte er fast zusammen. Verdammt. So schlimm es auch gewesen war, die Enttäuschung in den Gesichtern seiner Familie zu sehen, als man ihn in Handschellen am Arbeitsplatz abgeführt hatte, Lanis Verachtung traf ihn noch tiefer. Er würde es nie zugeben, aber früher hatte er davon geträumt, ihr Held zu sein. Offenbar hatte sein Bedürfnis, von ihr bewundert zu werden, in keinster Weise abgenommen.

„Ich habe dir doch schon gesagt, dass ich das Geld nicht gestohlen habe.“ Nachdrücklich schüttelte er den Kopf. „Ich war es nicht. Warum glaubt mir das niemand?“

Lani musterte Asher verärgert und konnte nicht fassen, dass sie noch vor fünf Minuten beim Gedanken daran, ihn wiederzusehen, Schmetterlinge im Bauch gehabt hatte. Sie sperrte sich mit aller Macht gegen die Verlockung seines umwerfend guten Aussehens. Mit seinen breiten Schultern wirkte er überwältigend maskulin. Sie verfluchte den Teil von ihr, der sich an die Lust erinnerte, die er ihr geschenkt hatte, wenn er in sie eingedrungen war, und an das friedliche Gefühl danach, wenn sie sich an seine breite, warme Brust gekuschelt hatte. Die Mischung aus atemberaubendem Sex und zärtlicher Romanze war entwaffnend gewesen.

Die vergangenen fünf Jahre hatte sie damit verbracht, neue Schutzmauern um sich herum zu errichten. Aber sie hatte Asher Edmonds Charisma schon immer unterschätzt. Ihre Kehle schnürte sich zu. Leider war sie immer noch äußerst empfänglich für seine unglaublich männliche Ausstrahlung. Wenigstens hatte sie sich nicht anmerken lassen, dass ihr Herz einen Sprung gemacht hatte, als sie den ersten Blick auf ihn erhascht hatte. Auch nicht, dass sie von dem Termin mit ihrem Klienten, dem berühmten Musiker Kingston Blue, direkt zu dieser Gefängniszelle in Royal, Texas, gerast war, atemlos und freudig erregt, weil dieser neue Fall sie wieder in Ashers Nähe führen würde. Beim letzten Mal hätte er fast ihr Leben ruiniert. Sie durfte ihm auf keinen Fall wieder verfallen.

Da sie erkannte, dass sie mit den Zähnen knirschte, löste sie mühsam die Kiefer voneinander. „Wenn du es nicht warst, wer dann?“

„Keine Ahnung.“

Sein Leugnen überraschte sie nicht. Angesichts der Tragweite der Anklage wäre es dumm von ihm gewesen, ein Fehlverhalten einzuräumen. Zumindest solange sein Anwalt keine Strafmilderung ausgehandelt hatte – als Gegenleistung dafür, dass Asher mit den Ermittlungsbehörden kooperierte.

„Es wäre gut für dich, das Geld zurückzugeben.“ Sie machte eine Kunstpause. „Dabei könnte ich dir helfen.“ Kingston Blue wollte Antworten, und sie war entschlossen, sie zu finden.

„Wenn du glaubst, dass ich auch nur die leiseste Ahnung habe, wo das Geld ist, muss ich dich enttäuschen.“

„Was dich angeht, bin ich Enttäuschungen ja gewohnt“, gab sie scharf zurück.

Einen Moment lang sah er betroffen drein, und Lani wünschte, sie hätte ihre Zunge im Zaum gehalten.

„Ich meine ja nur …“ In der Asche ihrer kurzen, aber romantischen Affäre herumzustochern war garantiert nicht die richtige Methode, sein Vertrauen zu gewinnen. „Hör zu. Ich bin hier, um meinen Job zu machen, nicht als deine Freundin. Wir hatten in dem Sommer viel Spaß, aber lass uns nicht so tun, als hätten wir geplant, uns wiederzusehen.“

Asher zuckte zusammen. „Es tut mir leid, wie die Sache damals ausgegangen ist.“

Lani musterte ihn, um festzustellen, ob er wirklich Reue empfand oder ihr nur wieder Honig ums Maul schmierte. Noch einmal täuschst du mich nicht.

„Denk nicht mehr daran.“ Grimmig presste sie die Lippen aufeinander. Er hatte ohnehin schon eine zu hohe Meinung von sich selbst. Da durfte sie sich auf keinen Fall anmerken lassen, dass die Trennung ihr damals so zu schaffen gemacht hatte. „Ich tue es auch nicht.“

In der Vergangenheit hatten alle sie vor ihm gewarnt. Sie hätte darauf hören sollen. Ihr Bauchgefühl hatte ihr geraten, ihm aus dem Weg zu gehen. Besonders nachdem ihre Eltern ihr mitgeteilt hatten, dass sie nichts von der Beziehung hielten, weil Lani überlegt hatte, ob sie vor ihrem Master ein Sabbatjahr einlegen und die Zeit mit Asher verbringen sollte. Es war dumm von ihr gewesen, zu glauben, dass er es ernst mit ihr meinte.

„Ich weiß, dass ich damals ziemlich dämlich war“, sagte er, als hätte sie die Affäre nicht gerade als unbedeutend abgetan. „Aber ich habe mich geändert.“

Sein Ruf sagte etwas ganz anderes. Er hatte ein äußerst aktives Liebesleben und ging mit Frauenherzen nicht besser um als mit dem Bankkonto des Festivals. Alle Social-Media-Posts über ihn verdienten den Hashtag Herzensbrecher.

„Wenn ich bedenke, dass du gerade hinter Gittern sitzt, fällt es mir schwer, das zu glauben.“

„Wie gesagt, ich war es nicht.“ Ein Muskel zuckte an seinem Kiefer. „Jemand hat mir die Schuld in die Schuhe geschoben.“

Lass dich nicht von ihm einwickeln. Lani stählte sich gegen den gequälten Ausdruck seiner braunen Augen, aber sie konnte nichts dagegen ausrichten, dass sie heftiges Herzklopfen bekam.

Damals hätte er sie beinah dazu überredet, ihre Träume aufzugeben, um mit ihm zusammen zu sein. Noch so ein Fehlurteil konnte sie sich nicht leisten.

„Hast du Indizien dafür? Oder eine Theorie, wer dahinterstecken könnte?“ Als sie sah, dass er frustriert die Lippen zusammenpresste, nickte sie. „Das habe ich mir gedacht.“

Sie starrten einander an, und Lani wusste nicht, ob sie wollte, dass er unschuldig war, oder nicht. Um seinetwillen hoffte der Teil von ihr, der ihn früher geliebt hatte, dass er es nicht gewesen war, aber ihr gebrochenes Herz wollte ihn als Schurken sehen. Seit sie sich getrennt hatten, redete sie sich ein, dass sie ohne ihn besser dran war. Wenn sie aufhörte, daran zu glauben, war Kummer vorprogrammiert.

„Das war’s dann wohl. Es gibt nichts, was ich sagen könnte, um dich zu überzeugen.“ Er klang so niedergeschlagen, dass Lanis Herz sich vor Mitgefühl zusammenzog. „Trotzdem war es schön, mal wieder mit dir zu plaudern. Viel Glück mit deinen Ermittlungen.“

Scheiße. Sie hatte ihn vor den Kopf gestoßen, ohne auch nur das Geringste zu erfahren. „Wenn du unschuldig bist, brauchst du … Hilfe.“ Sie brachte es nicht über sich, meine Hilfe zu sagen. Um sich zu sammeln, holte sie tief Luft und versuchte es noch einmal. „Mein Klient will, dass ich das Geld finde …“

„Hat mein Vater dich engagiert?“ Hoffnungsvoll sah Asher sie an. „Er war damals sehr beeindruckt von dir. Sein einziger Kritikpunkt war, dass eine Frau mit deiner Intelligenz und deinem Ehrgeiz ihre Zeit mit mir verschwendet.“

„Mein Klient möchte anonym bleiben.“

Das stimmte nicht. Kingston Blue hatte ihr keine entsprechenden Anweisungen erteilt, aber sie stellte hier die Fragen. Der Musiker hatte bei Soiree on the Bay auftreten wollen. Daher hatte ihn die Unterschlagung eine Menge Geld gekostet. Im Gegensatz zu anderen Beteiligten an dem abgesagten Festival war Kingston Blue zwar nicht in finanzielle Schwierigkeiten geraten, aber er war ein knallharter Geschäftsmann, der sich nicht gern betrügen ließ.

Sie war überrascht gewesen, von solch einem hochkarätigen Klienten wie Kingston Blue auf den Fall angesetzt zu werden. Aber ihr war rasch klar geworden, dass der Sänger seine Hausaufgaben gemacht hatte und alles über ihre Verbindung zu Asher Edmond wusste.

Sie hatte Kingston vorgewarnt, dass ihre Vorurteile Asher gegenüber sich auf ihre Arbeit auswirken könnten, aber er war überzeugt, dass ihre Vertrautheit mit der Familie sie zu der perfekten Person machte, um gegen die Edmonds zu ermitteln und das Geld zu finden. Außerdem war der exorbitante Vorschuss, den er ihr angeboten hatte, einfach zu verlockend gewesen. Und obendrein würde dieser Fall, wenn sie ihn löste, ihre Detektei zur begehrtesten in ganz Dallas machen.

Aber zuerst musste sie das Geld finden, das Asher gestohlen hatte, und dazu brauchte sie seine Hilfe.

„Okay, ich verstehe.“ Er fuhr sich durchs Haar. „Aber wenn du meinen Dad triffst, sag ihm, dass ich meine Lektion gelernt habe. Es wäre toll, wenn er jetzt meine Kaution zahlen könnte.“ 

Lani sah keinen Grund, Ashers Fehlannahme, dass sein Vater sie engagiert hatte, zu korrigieren. Umso besser, wenn er glaubte, dass Rusty wollte, dass er sich kooperativ verhielt!

„Dann stelle ich mal fest, was ich darüber herausfinden kann“, sagte sie und konnte es plötzlich kaum noch erwarten zu gehen.

Unverwandt sah Asher sie an. Sein Blick wurde mit jeder Sekunde intensiver. Hitze flammte unter ihrer Haut auf, aber zugleich sah sie in seiner Miene Sehnsucht und Erleichterung. Er glaubte – und das vielleicht zum ersten Mal seit seiner Verhaftung –, dass jemand bereit war, sich für ihn einzusetzen.

„Danke.“

„Nein. Dank mir nicht.“ Sie musste das Geld finden, und er würde ihr dabei helfen. „Ich versuche nur, meinen Fall zu lösen. Das ist alles. Interpretier da nicht mehr rein.“

„Wie du willst.“ Seine ebenmäßigen weißen Zähne blitzten auf, als er sie erleichtert anlächelte. „Und, Lani …“

Sie hasste die Art, wie sich ihr Herz zusammenzog. Die Erinnerung an ihre gemeinsame Vergangenheit stellte eine stärkere Versuchung dar, als sie erwartet hatte. Aber sie durfte sich nicht von ihrer Sehnsucht nach ihm in die Falle locken lassen. Er war damals schon schlecht für sie gewesen.

„Ja?“ Sie ging zum Ausgang und wartete auf das Summen, das anzeigte, dass die Tür aufgeschlossen war, machte aber den Fehler, sich nach Asher umzusehen.

Autor

Cat Schield
Mehr erfahren

Entdecken Sie weitere Bände der Serie

Texas Cattleman's Club: Heir Apparent