Ein sündhaft verführerischer Cowboy

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Schmale Hüften, breite Schultern und geheimnisvolle grüne Augen – was für ein sündhaft verführerischer Cowboy! Der vermögende Rancher Brett Harston raubt Sarabeth einfach den Atem. Dabei ist sie eigentlich nach Texas zurückgekehrt, um ihre Kinder wiederzusehen, die ihr bösartiger Ex-Mann ihr entfremdet hat. Aber die erotische Anziehungskraft zwischen ihr und Brett ist unbezähmbar. Als er sie mitten auf der Hauptstraße von Royal küsst, droht prompt ein Kleinstadt-Skandal, der ihre Pläne gefährdet…


  • Erscheinungstag 07.06.2022
  • Bandnummer 2241
  • ISBN / Artikelnummer 9783751509060
  • Seitenanzahl 144
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. KAPITEL

Der getürmte Bräutigam kehrt zurück.

Brett Harston war nervös, als er durch das Tor zur Heritage Ranch fuhr, die Hände locker auf dem Lenkrad des brandneuen Ford-150 Limited, den er auf dem Rückweg von den Kaimaninseln in Dallas abgeholt hatte. Das Beste daran, reich zu sein, war, sich Privatjets, abgelegene Strandhäuser und auch einmal spontan einen Truck leisten zu können.

Nicht, dass er eine Belohnung für den Mist verdient hätte, den er im letzten Monat gebaut hatte.

Er rieb sich den Nacken, bevor er den Knopf betätigte, um das Fenster herunterzulassen. Milde texanische Luft strömte in den Wagen. Brett atmete tief durch, und seine Anspannung legte sich ein wenig.

Endlich war er zu Hause, an dem Ort, nach dem er sich vierzehn Tage lang gesehnt hatte.

Er war so lange weggeblieben, um Lexi etwas Freiraum zu lassen, und hatte gehofft, dass das Gerede, weil er am Tag ihrer geplanten Hochzeit abgehauen war, inzwischen verstummt war. Ihm selbst war egal, was die Royal Reporters – sein Spitzname für die drei größten Klatschtanten der Stadt – zu sagen hatten. Schließlich waren die Harstons bereits Lieblingsthema der Gerüchteküche von Royal, solange er zurückdenken konnte. Aber soweit er wusste, stand Lexi Alderidge zum ersten Mal im Fokus der Spekulationen.

In der an einem Privatstrand gelegenen Luxushütte, die er eigentlich für ihre Hochzeitsreise gebucht hatte, hatte er viel Zeit gehabt, um darüber nachzudenken, warum er fast den Bund fürs Leben geschlossen hätte.

Alles war so schnell gegangen, als seine erste Liebe – eine der wenigen Personen, die in ihm schon immer mehr als den Sohn einer Säuferin gesehen hatten – wieder in sein Leben getreten war. Sofort war ihre intensive Affäre aus Teenagerzeiten wieder aufgeflammt.

Zuneigung, Erinnerungen und Begehren hatten ihn schier um den Verstand gebracht. Er hatte ignoriert, dass Lexi gerade eine Scheidung hinter sich hatte und sich erst einmal davon erholen musste. Nach ein paar Wochen voll spektakulärem Sex hatte Lexi vorgeschlagen zu heiraten. Noch halb im Schlaf hatte er gemurmelt, dass sie das irgendwann in ferner Zukunft tun würden.

Dabei hatte er allerdings nicht mit dem Organisationstalent der Alderidge-Frauen gerechnet. Bevor er auch nur Zeit gehabt hatte, sich den Schlaf aus den Augen zu reiben, hatten Lexi und ihre Mutter Violet schon in ganz Royal die Nachricht von ihrer Verlobung herausposaunt. Sie waren entschlossen gewesen, zu beweisen, dass sie binnen zwei Monaten eine umwerfende Hochzeit auf die Beine stellen konnten.

Winston Alderidge hatte von Anfang an Zweifel an der Heirat geäußert. Lexis Dad war arrogant und hielt Brett trotz seines Reichtums nicht für geeignet, sein kleines Mädchen vor den Altar zu führen. Winston gegenüber fühlte er sich immer noch wie der arme Junge, der jede freie Minute für Tweed Huggins arbeitete und sich unbedingt beweisen wollte, auch wenn er mittlerweile einer der reichsten Landbesitzer der ganzen Gegend war. Als Rancher und Pferdezüchter genoss er weithin Respekt. Aber für manche Leute würde er immer ein Emporkömmling bleiben.

Lange Rede, kurzer Sinn: Die Kombination aus dem Wiedersehen mit seiner ersten Liebe und der Hoffnung, endlich dazuzugehören, wenn er in eine der angesehensten Familien von Royal einheiratete, war stärker gewesen als sein Bauchgefühl, dass es vielleicht ein Fehler war, Lexis Mann zu werden.

Zum Glück war er aufgewacht, bevor es zu spät gewesen war.

Er bereute nicht, dass er die Hochzeit hatte platzen lassen, aber es tat ihm leid, dass er Lexi verletzt und in Verlegenheit gebracht hatte. Er hatte sie angerufen, um sich zu entschuldigen, aber Lexi hatte nicht abgenommen. In ein paar Tagen würde er es noch einmal versuchen.

Brett war nicht stolz auf sich, und mit seinen achtunddreißig Jahren schämte er sich dafür, dass er die Verlobung nicht früher gelöst hatte. Aber das ließ sich jetzt nicht mehr ändern. Er hatte schon seinen Anwalt kontaktiert, um Lexi und den Alderidges sämtliche Unkosten für die geplante Hochzeit zu erstatten. Er hoffte, dass Lexi ihm irgendwann verzeihen würde, zumal die Royal Reporters nur so lange über die geplatzte Hochzeit tratschen würden, bis sich etwas Interessanteres ereignete.

Er bog nach rechts auf die Straße zu seinem Haus ab. Aus dem Augenwinkel erhaschte er einen Blick auf eine dunkle Schirmmütze und blonde Haare, die zu einem kurzen Pferdeschwanz gebunden waren.

Brett bremste und beobachtete, wie die Tochter seines Vorarbeiters, ein Teenager, die Straße entlang zum Ranchhaus joggte. Stacy, die sehr sportlich war, ging oft auf dem Ranchgelände laufen.

Als sie nicht langsamer wurde, erkannte er, dass sie Earpads trug und das Motorengeräusch seines Trucks nicht gehört hatte. Er warf einen Blick auf das Armaturenbrett, um zu sehen, wie spät es war, und vergewisserte sich dann auf seiner Armbanduhr, dass er sich nicht irrte. Es war wirklich zwanzig vor zwölf. Warum, zum Teufel, war Stacy nicht in der Schule?

Brett fuhr langsam auf sie zu. „Warum bist du nicht in der Schule?“, fragte er, verärgert über sich selbst – und über sie, weil sie schwänzte.

Die Joggerin schob den Schirm ihrer Mütze hoch und drehte sich um. Doch statt in braune blickte er in blaue Augen.

Ihm wurde der Mund trocken.

Ein heißes Prickeln lief ihm über den Rücken, als er sich zwang, sich von diesen umwerfenden Augen loszureißen, die von langen, dichten Wimpern gesäumt waren. Stattdessen betrachtete er die hohen Wangenknochen der Frau und blieb dann an ihrem breiten, sinnlichen Mund hängen.

Es war lange her, aber Brett erkannte sie sofort. Sarabeth Edmond trug ein türkis-schwarz gemustertes Sportshirt, eine dazu passende Yogahose und teure Laufschuhe. Die enge Funktionskleidung betonte ihren immer noch gertenschlanken, durchtrainierten Körper.

Mein Gott, ist sie sexy.

Sogar verdammt sexy.

„Hallo.“

Es war nur eine normale Begrüßung, aber ihre rauchige, tiefe Stimme jagte ihm noch einen Schauer über den Rücken. Er wollte sie seinen Namen flüstern hören, wenn sie ihre langen Beine um seine Hüften schlang und er in sie eindrang …

Brett seufzte und ärgerte sich über seine Reaktion auf diese bildschöne Frau. Immerhin hatte er seine Verlobte vor gerade mal zwei Wochen gewissermaßen vorm Altar stehen lassen. Er hatte kein Recht, irgendjemanden zu begehren, schon gar nicht Rusty Edmonds Ex-Frau.

„Was machen Sie auf meinem Land?“, fragte Brett und bemerkte selbst, dass er unhöflich klang.

Sarabeth zog eine ihrer perfekt gezupften Augenbrauen hoch. „Ich habe das Cottage von Ihnen gemietet. Die Maklerin hat mir gesagt, Sie wären nicht da und ich könnte gern jedes Pferd bis auf den Hengst reiten. Da habe ich natürlich gedacht, es sei kein Problem, hier joggen zu gehen.“

Natürlich war es das nicht. Er war bloß ein Idiot.

Brett rieb sich das Kinn. Erst jetzt fiel ihm wieder ein, dass seine Maklerin ihm gemailt hatte, dass das Gästecottage für drei Monate vermietet war. Aber er konnte sich nicht erinnern, ob sie ihm mitgeteilt hatte, wer die Mieterin war, oder ob er das in all der Aufregung überlesen hatte.

Er öffnete die Autotür, stieg aus dem Wagen und bemerkte sofort, dass Sarabeth größer war, als er gedacht hatte – wahrscheinlich etwa eins fünfundsiebzig. Trotzdem war er um die fünfzehn Zentimeter größer als sie und hatte weitaus mehr Muskeln.

„Hat die Maklerin sich geirrt?“, fuhr Sarabeth fort. „Wenn ja, entschuldige ich mich hiermit.“

Ihr Ton war eisig. Brett seufzte und streckte die Hand aus. „Nein, ich bin derjenige, der sich entschuldigen muss. Willkommen auf der Heritage Ranch. Ich bin Brett Harston.“

„Sarabeth.“ Sie legte ihre Hand in seine, und sofort begann seine Haut dort, wo ihre Handflächen sich berührten, zu prickeln.

Na toll. Jetzt war er auch noch scharf auf die einzige andere Person, deren Rückkehr in die Stadt genauso eifrig durchgehechelt werden würde wie seine.

„Tut mir leid, dass ich Sie gefragt habe, warum Sie nicht in der Schule sind. Ich dachte, Sie wären Stacy, die Tochter meines Vorarbeiters.“

Endlich erreichte Sarabeths Lächeln ihre Augen. Brett stützte sich mit einer Hand auf der Motorhaube seines Trucks ab. Ach du Scheiße … Was für ein Lächeln! Es war wunderschön. Jede Faser seines Körpers reagierte darauf.

Gern hätte er gewusst, ob ihre vollen Lippen genauso gut schmeckten, wie sie aussahen.

„Bitte entschuldigen Sie sich nicht dafür, mich für einen Teenager gehalten zu haben. Das ist mir schon lange nicht mehr passiert.“

Das glaubte er nicht. Zwar wusste er, dass Sarabeth zehn Jahre älter war als er, aber sie sah viel jünger aus. Wahrscheinlich wegen ihrer tollen Figur und ihrer unglaublich glatten olivbraunen Haut.

So ein Körper und ein Gesicht wie ihres schienen irgendwie nicht zu altern.

Sarabeth entzog ihm die Hand und lehnte sich mit der Hüfte an seinen Truck. „Na, wie war die Hochzeitsreise? Und wo ist Ihre Braut?“

Brett zuckte innerlich zusammen. Jetzt ging es also ans Erklären. „Tja. Ich habe sie sitzen gelassen. Tut mir leid. Ich habe die Hochzeit am Abend vorher abgesagt, beim Probedinner. Es überrascht mich, dass Sie nichts davon gehört haben.“

Sie machte große Augen. „Ich bin erst gestern in Royal angekommen.“ Sie schenkte ihm ein mitfühlendes Lächeln. „Die alten Klatschtanten wissen sicher gar nicht, worüber sie sich zuerst das Maul zerreißen sollen: Ihre abgesagte Hochzeit oder die Tatsache, dass ich wieder in Royal bin und für Aufruhr sorgen könnte.“

Brett steckte die Hände in die Jeanstaschen und neigte den Kopf zur Seite. „Haben Sie das denn vor?“

Ihre unglaublichen blauen Augen funkelten amüsiert, aber darunter meinte er, einen Anflug von Furcht zu erkennen.

„Nein. Ich bin nur hier, um mein Verhältnis zu meinem Sohn zu kitten und meinen Enkel kennenzulernen.“

Sarabeths Sohn Ross hatte vor Kurzem erfahren, dass er Vater war, und war jetzt bis über beide Ohren verliebt in die Mutter seines Kindes. Charlotte war Chefköchin im Sheen, einem der besten Restaurants von Royal. Brett gönnte es ihm. Er selbst hatte nie Liebe und Zuneigung erfahren, und wenn sie ihm auf einem Silbertablett serviert wurden, konnte er nicht einmal zugreifen.

Lexi hat mich nicht geliebt und ich sie auch nicht. Wir haben beide nach etwas gesucht, das nicht da war.

„Sie können gern etwas Skandalöses tun, damit ich nicht länger im Rampenlicht stehe“, schlug Brett vor.

Von Sarabeths Lachen bekam er Schmetterlinge im Bauch. „Ach nein. Ich verhalte mich lieber unauffällig.“

Brett nickte. „Das will ich eigentlich auch immer, aber ich war schon oft Stadtgespräch.“

Sie sah ihm weiter in die Augen, und er merkte ihr ihre Neugier an. Aber dankenswerterweise ging sie nicht durch die Tür, die er so töricht aufgestoßen hatte. Er fragte sich, ob sie sich an das erinnerte, was man über seine Mom und ihn erzählt hatte. Allerdings bezweifelte er es. Als sie noch in Royal gelebt hatte, war sie wahrscheinlich vollauf mit Rusty und ihren beiden kleinen Kindern beschäftigt gewesen.

Brett hörte ein vertrautes, aufgeregtes Wiehern. Als er sich umdrehte, sah er Bella, eine seiner Lieblingsstuten, am Zaun der Koppel stehen.

Er ging zum Zaun und strich ihr über die Nüstern. „Ja, ja, du hast mir auch gefehlt.“ Er lachte, als sie an seinen Taschen schnupperte, um nach Karotten zu suchen, und dann sanft den Kopf an seiner Wange rieb. „Du kannst es einfach nicht lassen, mit mir zu flirten. Dabei weißt du doch, dass es nur abends Karotten zu naschen gibt.“

Brett lehnte seine Stirn an Bellas Hals und schloss die Augen. Mit Tieren war alles viel einfacher als mit Menschen. Sie waren unkompliziert und spielten keine Spielchen. Er mochte weder Hinterhältigkeit noch Unaufrichtigkeit. Normalerweise war er selbst brutal ehrlich.

Aber in letzter Zeit nicht. Jedenfalls nicht Lexi gegenüber, und dafür schämte er sich. Die Rechnungen für die ausgefallene Hochzeit konnte er problemlos bezahlen, aber Lexis Demütigung konnte er nicht ungeschehen machen, indem er einen Scheck schrieb.

Er erinnerte sich, dass er beim Probedinner abseits gestanden hatte, einsam und allein. Nein. Er hatte Lexi nicht wehtun wollen. Aber umgeben von all den Gästen war ihm klar geworden, dass das, was er für Lexi empfand, komplex und verwirrend war. Seine Gefühle für sie waren von seinem kindlichen Wunsch beeinflusst, nicht mehr der Junge zu sein, der nie mitspielen durfte.

Heute gehörte ihm eins der erfolgreichsten Unternehmen in Royal. Lexi zu heiraten hätte seine gesellschaftliche Stellung abgesichert, und er hätte endlich dazugehört.

Aber dafür hätte er seine Seele verkaufen müssen.

Er hatte in den sauren Apfel gebissen, Lexi beiseitegenommen und ihr gesagt, dass er sie nicht liebte und wusste, dass auch sie ihn nicht liebte. Jedenfalls nicht so, wie zwei Menschen, die heiraten wollten, einander lieben mussten. Sie hatte geweint, und er war gegangen, hatte sie allein gelassen, obwohl sie verwirrt, schockiert und vor allem völlig überrumpelt gewesen war.

Halb Royal war Zeuge der Katastrophe geworden, die eigentlich ihr Probedinner hätte sein sollen.

Mein Gott, ich bin so ein Bastard.

Er spürte eine Berührung an seinem Bizeps und hörte ein leises, feminines Seufzen. „Es geht Ihnen gerade richtig schlecht, oder?“

Brett öffnete die Augen, sah, dass Sarabeth neben ihm stand, und brachte ein Lächeln zustande. Ihre Augen verrieten keine Ablehnung, sondern Mitgefühl. Nicht, dass ihre Meinung eine große Rolle spielte. Sie konnte auch nicht schlechter von ihm denken als er von sich selbst.

„Warum sind Sie weggelaufen?“, fragte sie sanft.

Selbst wenn er es gewohnt gewesen wäre, anderen seine Handlungsweise zu erklären – und das war er nicht –, hätte er nicht gewusst, ob seine Begründung sinnvoll klingen würde. Wie sollte er erläutern, dass er einfach die unumstößliche Wahrheit erkannt hatte, dass Lexi und er nicht füreinander bestimmt waren?

Außerdem glaubte er nicht, dass er je ein guter Ehemann sein würde. Er war zu verschlossen und eigenbrötlerisch, um der ideale Partner für eine Frau zu sein.

Sanft tätschelte sie ihm die Schulter. „Sie müssen mir nicht unbedingt antworten.“

Das hatte er auch nicht vor. Seine weiche, emotionale Seite zeigte er nie, vor allem keiner wunderschönen Fremden, die ihn derart tiefgründig anblickte.

„Aber darf ich eins sagen? Es geht vorbei, vertrauen Sie mir. Das tut es immer.“ Ihr Lächeln war sanft und verständnisvoll. Brett fühlte sich, als könnte er sich in diesem Lächeln verlieren.

Sarabeth wandte sich ab und ging zurück zur Straße. Dort angekommen, zog sie ihre Mütze wieder in die Stirn und hob zwei Finger an den Schirm, als würde sie zum Abschied salutieren.

Dann lief sie los, geschmeidig und elegant.

Sie war eine faszinierende Frau.

Verdammt.

Sarabeth rannte in hohem Tempo, bis sie das Cottage erreichte, das sie gemietet hatte. Vor den Stufen, die zur Veranda führten, bremste sie scharf ab, stützte die Hände auf die Oberschenkel und schnappte nach Luft.

Zum einen, weil sie so schnell gelaufen war. Aber vor allem hatten ihr die Begegnung mit Brett Harston und der Blick in seine geheimnisvollen grünen Augen den Atem verschlagen. Ganz zu schweigen von seinen dunklen Wimpern, seinen dichten Bartstoppeln und seinem markanten Kinn. Seine Haare, die unter dem schwarzen Stetson hervorgelugt hatten, waren dunkelbraun.

Und sein Körper … Mein Gott, dieser Körper. Lange Beine, schmale Hüften, ein muskulöser Brustkorb und unglaublich breite Schultern. Er war ein Mann in den besten Jahren, fit und kraftstrotzend.

Sarabeth richtete sich auf. Ihr war ein bisschen schwindlig. Sie setzte sich auf die dritte Stufe und streckte die Beine aus. Bretts flacher Bauch und das, was sich unter dem weichen Denimstoff seiner Jeans abgezeichnet hatte, gingen ihr nicht aus dem Kopf.

Junge, Junge. Es war lange her, dass sie an den Teil eines Mannes auch nur gedacht hatte.

Ihr waren schon viele Cowboys begegnet, aber Brett Harston war eine Klasse für sich. Unglaublich sexy. Plötzlich kam ihr der Spruch „Schone das Pferd, reite den Cowboy“ gar nicht mehr so dumm vor.

Nicht, dass sie ihn oder sonst einen texanischen Cowboy wirklich reiten würde.

Sie lehnte sich zurück, stützte sich auf die Ellbogen und reckte das Gesicht in die Sonne. Noch immer konnte sie nicht recht glauben, dass sie nach zwanzig Jahren zurück in Royal war. Sie wünschte, sie hätte behaupten können, dass sie sich freute.

Aber auch wenn ihr Vermieter eine Augenweide war, tat sie das nicht.

Als sie Royal damals mit einem Scheck, ihrem Auto und ihrer Kleidung verlassen hatte, hatte sie sich geschworen, nie zurückzukehren. Sie mochte es nicht, Versprechen zu brechen, noch nicht einmal sich selbst gegenüber. Aber für ihre Kinder hätte sie es auch mit dem Teufel persönlich aufgenommen, und sie wollte sich unbedingt mit ihrem Sohn Ross versöhnen.

Sie würde Rusty nie verzeihen, dass er ihr ihre Kinder entfremdet hatte, nachdem sie ihn verlassen hatte. Er hatte ihr die Schuld an der Scheidung gegeben, den beiden eingeredet, dass sie nicht mehr ihre Mutter sein wollte, und es ihr erschwert, sich mit ihnen zu treffen. Ständig hatte sie um einen Platz im Leben ihrer Kinder kämpfen müssen und oft verloren. Das hatte ihr mehr als einmal das Herz gebrochen. Manchmal war sie nahe daran gewesen, Gina und Ross zu sagen, dass Rusty sie oft betrogen und beschimpft hatte. Aber sie hatte sich nicht so kindisch wie er verhalten wollen.

Zum Glück war Gina im Teenageralter selbst dahintergekommen, dass ihr Vater nicht die Wahrheit gesagt hatte. Seitdem hatte Sarabeth ein gutes Verhältnis zu ihrer Tochter. Mit Ross war es allerdings schwieriger gewesen.

Erst seit Kurzem war er wieder bereit, mit ihr zu sprechen. Und diese Gelegenheit würde sie sich nicht entgehen lassen. Außerdem wollte sie Zeit mit ihrem Enkel Ben verbringen.

Mit achtundvierzig schon Großmutter … Sie lächelte.

Ihre Kinder und Ben waren der einzige Grund dafür, warum sie wieder in dieser gottverlassenen Stadt war. Eigentlich wäre es ihr lieber, so weit wie möglich von ihrem Ex-Mann Rusty Edmond entfernt zu sein.

Er kann dir nicht mehr wehtun. Du bist jetzt älter und weiser. Außerdem hast du jetzt mehr als damals, als du die Elegance Ranch verlassen hast.

Es war seltsam, aber zugleich auch wunderbar, dass sie die Frau, die sie gewesen war, als sie kurz nach ihrem achtzehnten Geburtstag Rusty Edmond geheiratet hatte, selbst nicht wiedererkannte. Damals war sie ängstlich und unsicher gewesen und hatte nach Bestätigung gesucht.

Mittlerweile war sie mit sich selbst im Reinen. Sie konnte in den Spiegel sehen und lächeln. Klar, sie war nicht perfekt, aber auch nicht das Häufchen Elend, das sie gewesen war, als sie sich endlich aus ihrer Ehe befreit hatte.

Gott sei Dank war sie nun wesentlich reifer, hatte eine bessere Menschenkenntnis und war klüger, was die Liebe anging. Ihr war klar, dass es keine Märchenprinzen gab. Nach mehreren enttäuschenden Beziehungen war sie überzeugt, dass ihr Glück von keinem Mann abhing. Die große Liebe war ein Mythos.

Sie hatte sehr lange gebraucht und viele Tränen vergossen, bis sie zu dieser Erkenntnis gelangt war.

Aber es hatte sich gelohnt. Sie war stark, zupackend und emotional wie finanziell unabhängig. Nach allem, was sie durchgemacht hatte, konnte sie ihrem untreuen, intriganten Ex-Mann und dem Klatsch über ihre Rückkehr nach Royal erhobenen Hauptes entgegentreten.

Sie zog ihr Handy aus der Tasche, die sie sich an den Oberarm geschnallt hatte, und checkte ihre Fitness-App. Auf der Ranch zu joggen war nach den Straßen von L. A. und der Tretmühle im Fitnessstudio eine nette Abwechslung.

Sie war süchtig nach Sport. Im Teenageralter hatte sie ihrer Mutter Betty nur durch das Laufen für eine Weile entkommen können. Die hatte sie nämlich von einem Schönheitswettbewerb zum nächsten geschleppt. Betty war besessen davon gewesen, aber Sarabeth hatte diese Welt gehasst.

Als Rusty Edmond – älter als sie, charmant, reich und weltmännisch – ihr ermöglicht hatte, durch eine Ehe mit ihm diesem Leben zu entfliehen, war sie begeistert darauf eingegangen. Betty war enttäuscht gewesen, dass ihre Tochter nie Miss America geworden war. Aber dass ihr einziges Kind stattdessen einen reichen Rancher geheiratet hatte, war ein großartiger Trostpreis gewesen.

Als Sarabeth sich hatte scheiden lassen, war Betty am Boden zerstört gewesen. Bis zu ihrem Tod hatte sie ihrer Tochter dafür Vorwürfe gemacht.

Gereizt stand Sarabeth auf. Es war eine Weile her, dass sie zuletzt an ihre Mom, ihre Ehe und ihre Vergangenheit als Schönheitskönigin gedacht hatte. Verdammt. Sie war erst seit einem Tag wieder in Royal, und schon brachen schmerzliche Erinnerungen über sie herein.

Es machte viel mehr Spaß, an ihren Vermieter zu denken, den sie zum Anbeißen fand.

2. KAPITEL

Am nächsten Tag hörte Sarabeth Hufschläge hinter sich. Sie hob den Kopf, den sie aufs Lenkrad gelegt hatte, und warf einen Blick in den Rückspiegel. Als sie zwei Reiter in ihre Richtung traben sah, fluchte sie leise.

Obwohl sein Gesicht im Schatten der Krempe seines Stetson lag, erkannte sie den Jüngeren der beiden sofort. Brett Harston. Wieder bewunderte sie die breiten Schultern und die muskulösen Oberschenkel des Ranchers. Er hatte keine Mühe, den kraftvollen schwarzen Hengst zu lenken.

Er ist immer noch sündhaft sexy. Verdammt.

Vor Begehren bekam sie eine Gänsehaut. Ihre Brüste kribbelten, und ihre Brustwarzen richteten sich auf. Ihr wurde heiß zwischen den Beinen. Sie rutschte auf dem Fahrersitz hin und her. Warum hat er nur eine solche Wirkung auf mich?

Es war lange her, dass sie zuletzt Sex gehabt hatte, aber das hier war doch lächerlich. In ihren bisherigen Beziehungen hatte sie erst sexuelles Begehren empfunden, nachdem sie sich emotional auf einen Mann eingelassen hatte. Ihre spontane Reaktion auf Brett verwirrte sie. Was war hier los? Warum fragte sie sich ständig, wie er wohl nackt aussah? Oder wie es war, im Sonnenschein mit ihm zu schlafen, vielleicht in dem Whirlpool, den sie von ihrem Schlafzimmer im Cottage aus sehen konnte?

Sie benahm sich, als wollte sie eine heiße Affäre mit ihm haben. Aber das war verrückt. Sarabeth ließ die Stirn wieder aufs Steuerrad sinken und stöhnte. Warum dachte sie überhaupt daran?

Selbst wenn er sie attraktiv fand, was angesichts des Altersunterschieds keine Selbstverständlichkeit war, hatte Brett gerade eine gescheiterte Beziehung hinter sich. Er hatte Lexi Alderidge einen Tag vor ihrer geplanten Hochzeit verlassen. Gina hatte sie auf den neuesten Stand gebracht, als sie gestern Abend vorbeigeschaut hatte. Bestimmt war das Letzte, woran er dachte, mit einer Fremden ins Bett zu gehen.

Aber Männer tickten anders als Frauen. Vielleicht war ein One-Night-Stand ja doch genau das, was Brett brauchte, um über seine gescheiterte Beziehung hinwegzukommen. Aber ganz bestimmt nicht mit Rusty Edmonds Ex-Frau, Gesprächsthema Nummer zwei in Royal.

Sarabeth schlug mit der Hand aufs Lenkrad, verärgert, dass sie einfach nicht aufhören konnte, an ihn zu denken.

„Hallo.“

Als sie den Kopf hob, sah sie Bretts Gesicht nur wenige Zentimeter von ihrem entfernt auf der anderen Seite des offenen Fensters. Sie spähte an ihm vorbei und erkannte, dass sein Begleiter auf der Straße zwischen den beiden Pferden stand. „Hallo.“

„Probleme mit dem Auto?“, fragte Brett und stützte sich mit seinen starken Armen am Fensterrahmen ab. Sarabeth schüttelte den Kopf. Erneut fiel ihr auf, dass er die längsten und dichtesten Wimpern hatte, die sie je bei einem Mann gesehen hatte. Seine grünen Augen hatten goldene Sprenkel. Unter seinen leichten Bartstoppeln hatte er eine kleine Narbe an der Unterlippe.

Er roch nach Pferd und Seife, Deo und Heu … Gesund und wie ein Naturbursche. Plötzlich verspürte sie den Drang, ihn auf den starken Hals zu küssen, um seine Haut zu schmecken.

Sie wurde wohl wirklich wahnsinnig.

„Sarabeth? Ist alles in Ordnung?“

Reiß dich zusammen! Sie schluckte und nickte. „Ja, alles in Ordnung.“

Brett zog eine Augenbraue hoch. „Wirklich? Denn ich beobachte Sie jetzt schon seit fünfzehn Minuten. Sie sind durchs Tor gefahren, haben angehalten und rühren sich seitdem nicht mehr von der Stelle. Ich bin hergeritten, um festzustellen, ob ich helfen kann.“

Sarabeth rümpfte die Nase. Wie sollte sie ihm erklären, dass sie es einfach nicht über sich gebracht hatte, Richtung Stadt zu fahren? Sie hatte plötzlich Angst davor bekommen, die Main Street entlangzugehen, weil sie wusste, dass die Leute nicht vergessen hatten, wie sie Royal verlassen hatte. Alle dachten, sie hätte ihre Kinder im Stich gelassen, und verurteilten sie, weil sie nur eine Seite der Geschichte kannten.

Sie spürte, dass ihr die Tränen kamen. Schnell wandte sie den Kopf ab und suchte in ihrer Handtasche nach ihrer Sonnenbrille. Als sie nicht fündig wurde, fluchte sie leise. „Verdammt! Wo, zum Teufel, ist sie?“

„Wo ist was?“, fragte Brett. Beim Klang seiner tiefen, rauen Stimme bekam sie schon wieder eine Gänsehaut.

„Meine Sonnenbrille!“

Brett hob die Hand und berührte ihr Haar. Sekunden später hielt er ihr ihre Sonnenbrille unter die Nase.

Na toll. Jetzt hält er mich für eine verrückte Alte, die schon etwas wunderlich wird.

„Danke“, murmelte sie, nahm die Brille und ließ sie in ihren Schoß fallen. Nervös spielte sie damit herum und konnte seinen starken, sonnengebräunten Arm, seinen kräftigen Körper und seine volle Unterlippe nicht ausblenden.

„Jetzt erzählen Sie mir aber, warum Sie hier in der Einfahrt rumstehen.“

Sie hätte lügen können. Im Laufe der Jahre war sie sehr gut darin geworden, ihre Gefühle unter kühler Beherrschung zu verbergen. Aber aus irgendeinem Grund vermutete sie, dass Brett Verständnis für sie haben würde.

Sie zuckte die Schultern. „Mittlerweile weiß jeder, dass ich wieder in Royal bin. Meine Ehe und meine Scheidung sind bestimmt schon hundertmal durchgekaut worden. Rusty hat sicher auch noch Öl ins Feuer gegossen. Ich habe nur mit mir gerungen, ob ich stark genug bin, hocherhobenen Hauptes die Main Street entlangzugehen.“

„Sie sind stark genug“, versicherte Brett ihr ohne Zögern.

Autor

Joss Wood
Schon mit acht Jahren schrieb Joss Wood ihr erstes Buch und hat danach eigentlich nie mehr damit aufgehört. Der Leidenschaft, die sie verspürt, wenn sie ihre Geschichten schwarz auf weiß entstehen lässt, kommt nur ihre Liebe zum Lesen gleich. Und ihre Freude an Reisen, auf denen sie, mit dem Rucksack...
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