Zum 50-Jahre-Jubiläum: 5 glamouröse Millionäre

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Seit 50 Jahren steht Julia für Liebesromane der Extraklasse: starke, mächtige Männer, hinreißende Frauen, zärtliche Romantik und prickelnde Leidenschaft an glamourösen Schauplätzen – Happy End garantiert! Der CORA Verlag möchte dieses Jubiläum gebührend feiern – feiern Sie mit!
Dieses Jubiläums-eBundle enthält die schönsten Millionär-Romane aus der Reihe Julia:

DIE GELIEBTE DES GRIECHISCHEN MILLIONÄRS von LYNNE GRAHAM

Susie Marshall kann es kaum glauben: Der neue Besitzer der Firma, in der sie arbeitet, ist ausgerechnet ihr ehemaliger Lover Leos Kiriakos! Jetzt muss sie wieder aufs Engste mit dem dynamischen und überaus attraktiven Geschäftsmann zusammenarbeiten. Das allein wäre schon schlimm genug. Dass Leo nichts von ihrem gemeinsamen Sohn weiß, macht die Situation nur noch unerträglicher …

SKANDAL UM DEN GRIECHISCHEN MILLIONÄR von TARA PAMMI
"Du bist Vater!" Der Millionär Leandro Conti traut seinen Ohren nicht. Obwohl er die schöne Alexis sieben Jahre nicht gesehen hat, erkennt er sie sofort: Die eine Nacht mit ihr ist unvergesslich. Und nun ihre schockierende Enthüllung, ausgerechnet am Abend seiner Verlobung, die er aus Geschäftsgründen eingehen wollte. Ein Skandal – aber es kommt noch schlimmer: Alexis verweigert ihm jeden Kontakt mit seiner Tochter. Doch da hat sie die Rechnung ohne seinen stählernen Willen gemacht. Er will seine Erbin kennenlernen - das Kind der Liebe …

GEFÄHRLICHES SPIEL MIT DEM ITALIENISCHEN MILLIONÄR von CLARE CONNELLY
Zwei Wochen in seinem Bett! Das ist die Bedingung, die der millionenschwere Business-Tycoon Cesare Durante stellt, damit er Jemimas Familie vor dem Ruin rettet. Dass sie einwilligt, liegt nicht nur an Jemimas Familiensinn – Cesare weckt ein nie gekanntes Begehren in ihr. In den Armen des sexy Italieners erlebt sie ein Feuerwerk leidenschaftlicher Gefühle. Doch was wird am Ende der zwei Wochen sein? Denn plötzlich kann Jemima sich ein Leben ohne Cesare nicht mehr vorstellen. Denkt er genauso – oder ist alles nur ein Spiel für ihn?

IM SCHLOSS DES MILLIONÄRS von MELANIE MILBURNE
Vier Wochen in einem Château! Lilys neuer Job als Physiotherapeutin ist ein Traum – wäre da nicht ihr Patient, der arrogante Playboy Raoul. Gerade noch hasst sie ihn, dann wieder begehrt sie ihn heiß …

DIE EISPRINZESSIN UND DER MILLIONÄR von LINDSAY ARMSTRONG
Sie ist gar nicht so kühl, wie sie im Büro tut. Bewundernd lässt Cameron seine Blicke über die graziöse Erscheinung seiner Assistentin Liz gleiten, die kurzfristig als seine weibliche Begleitung bei einem Gala-Empfang eingesprungen ist. Und sie wirkt bezaubernd in dem Partydress ... Aber es ist nicht nur ihr neues Äußeres, was den australischen Millionär fasziniert. Er will die gefühlvolle Frau hinter der Fassade der Eisprinzessin entdecken. Wird es ihm bei einem Aufenthalt auf seinem Landsitz in den Bergen gelingen? Als die Sonne untergegangen ist, küsst er Liz zärtlich …


  • Erscheinungstag 06.04.2023
  • ISBN / Artikelnummer 9783751522168
  • Seitenanzahl 800
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

LYNNE GRAHAM

Die Geliebte des griechischen Millionärs

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Produktion:

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Grafik:

Deborah Kuschel (Art Director), Birgit Tonn, Marina Grothues (Foto)

CORA Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

ROMANA, BIANCA, BACCARA, TIFFANY, MYSTERY, MYLADY, HISTORICAL

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PROLOG

Susie Marshall glaubt sich vom Pech verfolgt, als sie erfährt, wer der neue Inhaber von Devlin Systems, der Firma, in der sie am Empfang arbeitet, ist: Leos Kiriakos, der Mann, mit dem sie eine leidenschaftliche Affäre hatte. Nun soll sie wieder eng mit dem dynamischen, gut aussehenden Millionär zusammenarbeiten. Wie aber wird Leos sich verhalten, wenn er von der Existenz seines Sohnes erfährt?

1. KAPITEL

Alle leitenden Angestellten waren im Foyer versammelt, als die Stretchlimousine vorfuhr. Es herrschte angespannte Stille. In wenigen Sekunden würde Leos Kiriakos, der neue Besitzer von Devlin Systems, ihnen gegenüberstehen. Der Ruf, unbarmherzig und skrupellos zu sein, war dem griechischen Multimillionär bereits vorausgeeilt. Man rechnete am Ende des Monats mit einer Flut von Entlassungsschreiben.

Susie Marshall blickte wie gebannt auf den Eingang. Sie war bleich und angespannt. Gleich würde sie ihn wiedersehen, nach vierzehn endlos langen Monaten.

Ihre Kollegin Jayne, eine schwatzhafte Blondine, flüsterte: „Ich wette, er ist nicht halb so attraktiv wie auf den Fotos in den Zeitungen.“

Susie atmete zitternd ein. Nervös presste sie die Hände aneinander. Seit Leos Kiriakos Devlin Systems seiner weltweit agierenden Unternehmensgruppe hinzugefügt hatte, gab es in der Firma kein anderes Gesprächsthema mehr. Verzweifelt grübelte sie darüber nach, wie sie eine Begegnung mit ihm vermeiden könnte, obwohl es kaum eine Möglichkeit dafür gab, da ihr Arbeitsplatz der Empfangstresen war. Angesichts dieser Tatsache lagen ihre Nerven blank.

„Wahrscheinlich ist unser Leos klein und dicklich und genauso sexy wie ein altes Paar Socken“, prophezeite Jayne düster.

Der Mann, der in diesem Augenblick die Halle betrat, strafte ihre Worte Lügen. Hochgewachsen, mit breiten Schultern und schmalen Hüften wirkte Leos Kiriakos wie ein Athlet. Seine Erscheinung erregte Aufsehen, angefangen von seinem markanten Gesicht bis hin zu seinen handgefertigten Schuhen.

„Ich bin gestorben und im Himmel wieder aufgewacht“, stöhnte Jayne, während die leitenden Angestellten, eifrig darauf bedacht, einen guten Eindruck zu machen, sich um ihren neuen Chef scharten.

Susie war unfähig, den Blick von seinem stolzen, wie immer leicht gebräunten Gesicht abzuwenden. Sehnsucht stieg in ihr auf, als die Erinnerung an ihre letzte gemeinsame Nacht zurückkehrte.

Leos schien sehr beschäftigt. Diese Gelegenheit wollte sie nutzen, um sich davonzustehlen und im Aufenthaltsraum abzuwarten, bis die Begrüßungszeremonie vorüber war.

„Susie?“

Erschrocken blieb sie stehen. Deutlich klang Überraschung in Leos‘ sonorer Stimme mit. Als sie sich langsam zu ihm umdrehte, traten die ihn umgebenden Männer ein wenig beiseite.

Susies Herz schlug so heftig, dass sie fürchtete, ohnmächtig zu werden. Der Blick aus seinen braunen Augen zog sie magisch an.

Leos, der unbewusst auf sie zugegangen war, blieb nun stehen. Herrisch winkte er sie zu sich heran.

Die Aufmerksamkeit aller konzentrierte sich nun auf Leos und Susie. Man konnte eine Stecknadel zu Boden fallen hören, so still war es geworden.

„In welchem Bereich bist du tätig?“ Leos‘ Züge wirkten angespannt, und sein Blick war kalt wie Eis.

„Ich arbeite am Empfang“, gab Susie kaum hörbar zurück.

Mit einem knappen Nicken entließ er sie. Leos wandte sich von ihr ab - zum zweiten Mal in ihrem Leben.

2. KAPITEL

Susie betrachtete ihre vom Weinen geschwollenen Augen in dem Spiegel über ihrem Toilettentisch. Während der letzten Nacht hatte sie nicht eine Stunde geschlafen.

Ein kläglicher Schrei ließ sie herumwirbeln. Ihr kleiner Sohn umklammerte frustriert die Stäbe seines Kinderbettchens, weil seine Spielzeugschlüssel heruntergefallen waren und er sie allein nicht erreichen konnte. Schnell eilte sie zu ihm. Sein Gesichtchen leuchtete auf, als er sein Lieblingsspielzeug wieder fest in der kleinen Hand hielt. Unwillkürlich musste Susie lächeln.

Ben war sechs Monate alt - ein süßes Baby mit seidigen dunklen Locken, großen braunen Augen und entzückenden Grübchen. Auch wenn seine Züge noch rundlich und wenig ausgeprägt waren, konnte man schon eine erstaunliche Ähnlichkeit mit seinem Vater entdecken. Darüber war Susie allerdings nicht sehr glücklich.

Leos‘ gestriges Verhalten verletzte sie sehr, zeigte es doch deutlich, wie feindselig er ihr gegenüberstand. Aber schließlich waren sie auch nicht im Guten auseinandergegangen; und immer wenn sie ihren Sohn, den sie über alles liebte, betrachtete, stieg der Schmerz über die Trennung von Leos wieder in ihr auf.

Das Leben als alleinerziehende Mutter war nicht einfach. Ihr Bruder David, der zurzeit im Ausland arbeitete, erlaubte ihr, kostenfrei in seinem Apartment zu wohnen. Ohne seine Großzügigkeit müssten Ben und sie Sozialhilfe beantragen. Die Gebühr für die firmeneigene Kindertagesstätte verschlang bereits einen Teil ihres Gehaltes. Der Rest würde niemals ausreichen, um Miete und Lebenshaltungskosten in London zu bezahlen.

Auf dem Weg zur Arbeit dachte Susie mit Unbehagen über die Reaktion ihrer Kollegin Jayne nach, die ihr kurzes Gespräch mit Leos genauestens beobachtet hatte. „Du bist ja eine Heimlichtuerin“, hatte sie schnippisch bemerkt, nachdem die Aufregung über die Ankunft des neuen Chefs sich ein wenig gelegt hatte. „Warum hast du mir nicht erzählt, dass du Leos Kiriakos persönlich kennst?“

Notgedrungen gab Susie einen Teil der Wahrheit preis. Obwohl sie über eine abgeschlossene kaufmännische Ausbildung verfügte, war sie in einer Zeitarbeitsfirma beschäftigt gewesen, als sie ihn zum ersten Mal traf. Während er sich geschäftlich in London aufhielt, erkrankten zwei seiner Angestellten an Grippe. Susie war hocherfreut über die Gelegenheit, für den einflussreichen Geschäftsmann tätig zu sein, innerlich aber zitterte sie vor Nervosität, denn er war bekannt dafür, hohe Ansprüche an seine Mitarbeiter zu stellen. Dann jedoch verliebte sie sich augenblicklich in sein atemberaubendes Lächeln. Von einer Sekunde zur anderen verwandelte sich Leos in ihren Augen von dem einschüchternden und mächtigen Industriemagnaten, den sie mit ihrer Tüchtigkeit beeindrucken wollte, in den Mann ihrer Träume.

Als Leos sie zum Abendessen einlud, hatte sie hocherfreut zugestimmt. Sechs Wochen voller Leidenschaft und Glück waren ihnen vergönnt gewesen, dann plötzlich hatte sich das Blatt aber gewendet …

Schnell betrat Susie die Firma, um Ben in der Kindertagesstätte abzugeben. Wie immer fiel es ihr schwer, ihn dort zurückzulassen. Wie jede andere in der Firma beschäftigte Mutter, die die Einrichtung nutzte, fragte sie sich, ob Leos Kiriakos diesen Luxus wohl beibehielt.

Als sie sich schließlich am Empfangstresen einfand, schob Jayne ihr ein Blatt Papier zu. „Es sieht so aus, als wärst du auf dem Weg nach oben …“

Susie zog die Stirn kraus. „Was ist das?“

„Die Personalabteilung hat es heruntergeschickt. Leos Kiriakos möchte dich morgen Nachmittag sehen.“ Jayne bemühte sich nicht, ihren Neid zu verbergen. „Du musst ja gewaltigen Eindruck auf ihn gemacht haben, als du das letzte Mal für ihn tätig warst!“

3. KAPITEL

Am nächsten Tag ging Susie um zehn Minuten vor drei Uhr den Flur der Chefetage entlang. Sie trug einen dunkelgrünen Hosenanzug. Ihre rotgoldenen Locken hatte sie zurückgekämmt und mit einer Spange gebändigt. Auf diese Weise kamen ihre smaragdgrünen Augen noch besser zur Geltung. Selbst ihre Blässe wirkte vorteilhaft, denn sie hob die Feinheit ihrer Gesichtszüge hervor.

Inzwischen lagen zwei schlaflose Nächte hinter ihr. Sie konnte nicht aufhören, darüber nachzugrübeln, ob Leos inzwischen herausgefunden hatte, dass sie Mutter eines sechs Monate alten Jungen war. Niemals konnte sie seinen zornigen Kommentar vergessen, als die Geliebte eines Freundes schwanger wurde. Laut Leos saß dieser arme Mann nun für mindestens zwanzig Jahre in der Falle einer raffinierten Frau, die sich auf diese Weise ein sorgloses Leben schaffen wollte.

Hatte Leos inzwischen Einblick in ihre Personalakte genommen? Dann wusste er mit Sicherheit, dass sie acht Monate nach ihrer Trennung Mutter eines frühzeitig geborenen Jungen geworden war. Regelrecht krank vor innerer Anspannung klopfte sie schließlich an die Bürotür des neuen Direktors.

Leos telefonierte. Ein aufmerksamer Ausdruck lag auf seinem scharf geschnittenen Gesicht. Mit einer Hand deutete er auf den vor seinem Schreibtisch stehenden Stuhl, um sich dann wieder auf das Gespräch zu konzentrieren.

Susie nahm Platz. Verzweifelt bemühte sie sich, ihre Hände ruhig zu halten und sich daran zu erinnern, was sie sonst noch über Körpersprache wusste. Leos kannte sich bestimmt damit aus!

Sein Anblick schmerzte sie noch immer. Ohne ein Wort hatte er sie damals einfach durch eine andere Frau ersetzt. Allerdings musste sie ihm gerechterweise mildernde Umstände für sein Verhalten einräumen. Wie auch immer, es blieb ihr nichts anderes übrig, als endlich über ihre Affäre mit Leos Kiriakos hinwegzukommen.

„Tut mir leid.“ Er schob das Telefon zur Seite und sprang energiegeladen auf. „Hör auf, mich wie eine verängstigte kleine Maus anzusehen, Susie. Ich habe dich nicht hergebeten, um dich zu entlassen oder anderweitig zu bestrafen. Ob du es glaubst oder nicht, ich kann es ertragen, von einer Frau verlassen zu werden, ohne mich wie ein Neandertaler zu benehmen!“

War das der gleiche Mann, der ihr vor vierzehn Monaten grimmig am Telefon versichert hatte, dass keine Frau ihn jemals ungestraft fallen ließ? Susie konnte sich dem Blick aus seinen goldbraunen Augen nicht entziehen. Sie war wie gebannt, ihr Herz hämmerte, und ihr Kopf war wie leer gefegt. Der Klang seiner Stimme und sein leichter Akzent riefen die Erinnerung an eine wundervolle Zeit in ihr wach.

„Ich benötige für die nächsten Wochen eine Privatsekretärin.“ Geschmeidig wie ein Panther ging Leos zu der Fensterfront mit den getönten Scheiben hinüber. „Du bist klug und arbeitest schnell. Vor allem wirst du mir nicht mit dummen, unnötigen Fragen auf die Nerven gehen. Wenn ich hier alles geregelt habe, erhältst du eine Anstellung als Assistentin der Geschäftsleitung.“

Seine Worte machten Susies Verwirrung nur noch größer. Offensichtlich hatte sie sein Verhalten bei seiner Ankunft in der Firma überbewertet und seine Überraschung, sie hier anzutreffen, mit Feindseligkeit verwechselt. „Privatsekretärin?“

Leos nannte ihr ein Gehalt, dessen Höhe sie schwindelig machte. Dann sah er ungeduldig auf seine goldene Armbanduhr. „Wenn du an der Stellung interessiert bist, kannst du gleich morgen anfangen. Wir werden dann detailliert über die Art deiner Aufgaben sprechen. Heute bin ich zu beschäftigt dafür.“

„Ich nehme den Job an“, bestätigte sie mit schwacher Stimme, obwohl seine Gleichgütigkeit, was ihr früheres Verhältnis zueinander betraf, sie sehr verletzte.

4. KAPITEL

Leos leitete eine Vorstandssitzung, als Susie eintraf. Nervös richtete sie sich in dem kleinen Büro, das man ihr zugewiesen hatte, ein. Schließlich wurde sie telefonisch in das Konferenzzimmer gerufen. Bei ihrem Eintreten erhob Leos sich unverzüglich. Natürlich eiferten die männlichen Angestellten ihm nach, was ein lautes Stühlerücken auslöste.

„Miss Marshall hat nicht nur eine kaufmännische Ausbildung, sie spricht auch fließend Französisch und Spanisch“, verkündete Leos, ohne zu beachten, dass er Susie mit dieser Einführung aus der Fassung brachte. „Warum hat man sie am Empfang eingesetzt?“

Dem bestürzt aussehenden Personalchef fiel keine passende Antwort ein.

„Ein Unternehmen, das seine Mitarbeiter nicht entsprechend ihren Fähigkeiten einsetzt, wird über kurz oder lang Probleme bekommen“, fuhr Leos fort. „Außerdem befindet sich in dieser Firma nicht eine einzige Frau in der Chefetage! Für einen Konzern dieser Größenordnung ist das heutzutage nahezu undenkbar!“ Mit diesem Gedankenanstoß schloss Leos die Sitzung.

Plötzlich begriff Susie, warum er sie befördert hatte! Nicht persönliche Gründe gaben den Ausschlag. Leos benutzte sie, um seinen Mitarbeitern deutlich zu machen, wie seine Vorstellung von Gleichberechtigung aussah. Diese Erkenntnis löste eine Mischung von Gefühlen in ihr aus, die von widerstrebender Bewunderung über Schmerz bis zu einer gewissen Verstimmung reichte.

Leos, der in seinem maßgeschneiderten grauen Anzug einfach umwerfend aussah, führte sie in sein Büro. „Im vergangenen Monat ist es Devlin Systems gerade noch gelungen, zwei Fälle von sexueller Diskriminierung außergerichtlich beizulegen. Ein drittes Mal darf uns so etwas nicht passieren!“

„Ich dachte, du hältst nichts von berufstätigen Frauen …“

Leos hob die Augenbrauen. „Du warst die erste berufstätige Frau, für die ich mich privat interessierte, und meistens warst du nicht verfügbar, wenn ich dich brauchte! Außerdem haben meine persönlichen Bedürfnisse nichts mit meiner Einstellung als Geschäftsmann zu tun!“

Diese grobe Klarstellung ließ Susie erröten. Warum konnte sie diese vertraulichen Kommentare nicht unterlassen? Sie hatte nur drei Tage lang für Leos gearbeitet, bevor sie ihre leidenschaftliche Affäre begannen und ihr von ihrer Agentur eine Stelle bei einer anderen Firma zugewiesen wurde.

„Ich habe eine lange Aufgabenliste für dich“, fuhr Leos ungerührt fort.

Wie konnte er nur so unsensibel sein? Sein Verhalten zeigte ihr deutlich, dass sie für ihn nur eine von vielen war. Mühsam gelang es Susie, die Tränen zurückzuhalten.

Er reichte ihr ein Tonband. „Es ist alles hier drauf. Als Erstes verschicke bitte die Einladungen für die Dinnerparty. Dann ist ein Abstecher in die Bond Street nötig, um ein Armband für Brigitte zu kaufen.“

Das war zu viel für Susie! Außer sich vor Schmerz und Zorn funkelte sie Leos an. „Du mutest mir zu, Schmuck für deine derzeitige Geliebte zu besorgen?“ In einer heftigen Bewegung warf sie ihm das Tonband vor die Füße. „Für dich mögen solche Dinge zu den Pflichten einer Privatsekretärin gehören. Ich nenne es Schikane und billige Rache! Fahr zur Hölle, Leos!“

Ungläubig ließ er ihren Ausbruch über sich ergehen.

„Ich hasse dich! Mich mit dir einzulassen war der größte Fehler meines Lebens!“ Mit dieser bitteren Aussage stürmte Susie aus seinem Büro.

5. KAPITEL

Eine Stunde später dachte Susie mit Schrecken darüber nach, was sie getan hatte. Sie befand sich in der Kindertagesstätte und kuschelte mit ihrem Sohn, dessen Wohlbefinden und Sicherheit von ihrem beruflichen Erfolg abhingen. Wie konnte sie sich nur so gehen lassen? Nun musste sie wohl oder übel um Bens willen bei Leos zu Kreuze kriechen!

Kurz darauf klopfte sie mit zitternder Hand an seine Bürotür. Noch ein tiefer Atemzug, und sie stand ihm erneut gegenüber.

Mit unbeweglicher Miene betrachtete er sie.

„Ich muss mich bei dir entschuldigen“, begann Susie mit unsicherer Stimme. „Ich weiß nicht, was über mich gekommen ist.“

„Ich kann es dir sagen“, bemerkte er.

„Natürlich werde ich allen Pflichten nachkommen, die mein Job mit sich bringt“, erklärte sie schnell, um Leos daran zu hindern, ihr seine Vermutung zu unterbreiten.

„Wirst du auch Geschenke für meine Freundin besorgen?“, erkundigte er sich mit viel zu sanfter Stimme.

Stumm knetete Susie ihre Hände. Sie brachte es nicht über sich, eine zustimmende Antwort zu geben.

„Ich habe dich nie so temperamentvoll erlebt, als wir noch zusammen waren.“ Der Blick aus Leos‘ braunen Augen lähmte sie. „Du warst vorhin richtig hysterisch!“

„Und beleidigend. Es tut mir leid“, brachte sie mühsam hervor. „Es wird nicht wieder geschehen.“

„Brigitte ist die Frau meines Bruders. Ihr Geburtstag ist der Anlass für meine Dinnerparty …“ Genüsslich sah Leos zu, wie flammende Röte Susies Wangen überzog.

Aber ihre Erleichterung überwog ihre Verlegenheit bei Weitem. Sie sah Leos an. Ein zärtliches Lächeln umspielte seinen sinnlichen Mund. In diesem Moment brach Susies innerer Schutzwall in sich zusammen, und all die süßen Erinnerungen an ihre gemeinsame Zeit stiegen in ihr auf: Leos‘ leidenschaftliche Küsse, die sie völlig die Kontrolle über sich verlieren ließen. Sie sah sich in seinen Armen erzittern und vor Leidenschaft vergehen.

Plötzlich aber fiel ihr wieder die zornige, nur spärlich bekleidete Blondine ein, die sie damals in Leos‘ Apartment angetroffen hatte. Es war sicherlich ein Fehler gewesen, die Wohnung ohne Ankündigung zu betreten, aber immerhin hatte Leos ihr die Schlüssel gegeben, und sie wollte ihn überraschen. Er war schon weg, aber seine Gespielin ließ sich mit dem Ankleiden sehr viel Zeit. Diese demütigende Erinnerung wirkte wie eine kalte Dusche auf Susie.

„Susie?“ Leos‘ Stimme klang rau, so als könne er ihre Gedanken erraten.

Beschämt wandte sie den Blick ab. „Arbeite ich noch für dich?“

„Das Tonband befindet sich in deinem Büro, ebenso ein Adressbuch. Da ist auch noch jede Menge Korrespondenz, um die du dich kümmern musst. Ich bin bis Montag nicht zu erreichen.“

6. KAPITEL

Beinahe eine Woche war inzwischen vergangen, und Leos wusste immer noch nichts von ihrem Sohn. Aus welchem Grund sollte er es auch herausfinden? Nur noch kurze Zeit würde er mit der Neuorganisation von Devlin Systems beschäftigt sein und dann von hier fortgehen.

Gestern hatte Susie sich immer wieder das letzte von Leos besprochene Tonband angehört, nur um seiner Stimme mit dem charmanten Akzent zu lauschen. Vor Kurzem erst hatte er ein Haus in London gekauft, wo auch die Dinnerparty stattfinden sollte, deren Planung zu ihren Aufgaben zählte. Der Partyservice war schon gebucht, und sie musste sich nur noch um einige Details kümmern. Wehmütig erinnerte sie sich an Leos‘ überaus tüchtigen griechischen Butler Stamatis, der sonst für diese Dinge zuständig war. Wieder einmal wanderten ihre Gedanken, wie so oft in den letzten Tagen, in die Vergangenheit.

Sie hatte sich sofort in Leos Kiriakos verliebt und ließ sich sehr schnell von ihm verführen, obwohl er der erste Mann in ihrem Leben war. Dass er als Frauenheld bekannt war, interessierte sie damals nicht. Leos sah umwerfend aus, stammte aus reichem Haus und war mit seinen 29 Jahren überaus erfolgreich. Immer wieder warf Susie sich vor, nicht unschuldig daran zu sein, dass er sich schließlich von ihr abgewandt hatte.

Nachdem sie einige Wochen wie im Rausch mit Leos verbracht hatte, starb ihre Mutter. Leos unterstützte sie auf jede nur erdenkliche Weise, aber Susie versank immer mehr in ihrer Trauer. Welcher Mann sah sich gern nach so kurzer Zeit mit solchen Problemen konfrontiert? Irgendwann hatte Leos genug von ihr, brachte es aber nicht über das Herz, ihr in ihrem deprimierten Zustand die Wahrheit zu sagen. Wahrscheinlich hoffte er, sie würde von selbst darauf kommen.

Die Erkenntnis zählt zu den bittersten meines Lebens, ging es Susie, die ihre Mittagspause wie immer mit Ben verbrachte, durch den Kopf. Mit Tränen in den Augen dachte sie an die demütigende Begegnung mit ihrer Nachfolgerin zurück. Noch am gleichen Tag hatte sie ihre Beziehung zu Leos telefonisch beendet. In dem bemitleidenswerten Versuch, sich nicht noch weiter zu erniedrigen, erwähnte sie nicht den Grund für ihren plötzlichen Entschluss.

Am späten Nachmittag betrat eine lebhafte, elegant gekleidete brünette Frau Susies Büro. „Mein Name ist Alisha James. Richten Sie Leos bitte aus, dass ich mir das Wochenende freihalten konnte.“ Ein sinnliches Lächeln umspielte ihre vollen Lippen. „Außerdem habe ich himmlische Ideen, sein Schlafzimmer betreffend!“

Susie bemühte sich, weiterhin ein freundliches Gesicht zu machen, obwohl ihr eine zarte Röte in die Wangen stieg. „Es tut mir leid, aber ich weiß nicht, wo Mr. Kiriakos sich aufhält. Ich werde seinen Auftragsdienst kontaktieren, um Ihre Nachricht zu übermitteln, und mich bemühen, seinen Aufenthaltsort herauszufinden.“

Alisha stieß ein heiseres Lachen aus. „Das ist unnötig. Leos weiß, wo er mich findet. Und wagen Sie es nicht, den Wortlaut meiner Botschaft zu verändern!“

Nachdem die Brünette gegangen war, wählte Susie voller Kummer und Zorn die Nummer des telefonischen Auftragsdienstes. Sie wiederholte Alishas eindeutige Einladung wortgetreu, um dann aus einer Eingebung heraus mit gekünstelter Fröhlichkeit hinzuzufügen: „Ich wünsche dir ein wundervolles Wochenende!“

7. KAPITEL

Das ganze Wochenende über stellte Susie sich vor, was Leos und Alisha James wohl gerade taten. Nachts fand sie kaum Schlaf, weil das Wiedersehen mit Leos ihre Gefühle dermaßen durcheinanderbrachte. Dabei war sie zornig auf sich selbst: Zahllose Frauen lebten mit einem gebrochenen Herzen, und sie hatte das große Glück, von Leos einen tollen Job bekommen zu haben. Der Sprung auf der Karriereleiter war das Einzige, was zählte.

Zu ihrer großen Überraschung erwartete Leos sie schon, als sie ihr Büro betrat. In seinem dunkelgrauen Anzug wirkte er wie immer beeindruckend. Aber der düstere Blick aus seinen braunen Augen ließ nichts Gutes ahnen.

„Stimmt etwas nicht?“

Thee mou … Du hast Glück, dass ich zwei Tage lang Zeit hatte, mich ein wenig zu beruhigen.“ Zornig presste er die Lippen zusammen. „Wie kannst du es wagen, mir eine solche Nachricht übermitteln zu lassen? Dieser Blödsinn, den Alisha von sich gegeben hat, gekrönt von deinem schnippischen Kommentar!“

Leos mochte es nicht, eine eindeutige Einladung von Dritten übermittelt zu bekommen, so viel verstand Susie. Was aber falsch daran sein sollte, ihm ein tolles Wochenende zu wünschen, war ihr überhaupt nicht klar.

„Ich verstehe nicht, was du meinst.“

„Nein?“ Spöttisch sah er sie an. „Glaubst du wirklich, dass ich nicht erkenne, wie eifersüchtig du bist?“

Heftige Röte schoss ihr ins Gesicht. Entweder glaubte Leos, sie sei krankhaft besitzergreifend oder immer noch in ihn verliebt. Vielleicht wäre es ihr schon längst gelungen, mit der Vergangenheit abzuschließen, wenn er ihr damals nicht so wehgetan hätte oder wenn sie nicht die Mutter seines Sohnes wäre. Ben jedoch erinnerte sie jeden Tag aufs Neue an ihre verlorene Liebe.

Von einer Sekunde zur anderen änderte Leos seine angriffslustige Haltung. Er nahm ihre Hand, ohne zu bemerken, wie sehr er Susie damit durcheinanderbrachte.

„Susie, ich wollte nicht so heftig sein. Es tut mir leid.“

Sie betrachtete die kräftige gebräunte Hand, die ihre Finger zart umschloss. Es ist beinahe wie früher, dachte sie unwillkürlich. „Schon gut“, erwiderte sie leise.

„Lass uns zusammen zu Mittag essen und in Ruhe über alles sprechen“, schlug Leos vor.

Sie konnte die Wärme seines Körpers spüren, so nah war sie ihm. Susie zitterte, hin und her gerissen zwischen Groll und Verlangen. Wie gern würde sie ein freundschaftliches Verhältnis zu Leos pflegen, aber zu diesem Kraftakt war sie, anscheinend im Gegensatz zu ihm, nicht fähig.

„Wir sind doch keine Feinde“, fuhr Leos fort.

Waren sie das nicht? Einen Augenblick lang war Susie versucht, ihm zu erklären, wie es wirklich in ihr aussah. Er hatte sie mit einer anderen Frau betrogen! Heute konnte sie die Gründe dafür verstehen, ihm seinen Betrug aber immer noch nicht verzeihen.

„Es tut mir leid.“ Susie befreite sich aus seinem Griff und trat sicherheitshalber einen Schritt zurück, um nicht doch noch die Kontrolle über sich zu verlieren. „Es wäre mir lieber, wenn wir unsere Begegnungen auf eine rein geschäftliche Basis reduzieren.“

Stumm sah Leos sie an. Als die Stille schier endlos wurde, senkte er den Kopf und ging hinaus.

8. KAPITEL

Verschlafen streckte Susie ihre Hand aus. Eigenartigerweise spürte sie Fell und Leder unter ihren Fingern. Verwirrt öffnete sie die Augen. Sie befand sich in Leos‘ Büro!

Gelassen kam er auf sie zu.

Schnell setzte Susie sich auf, wobei sie sich in der Felldecke verhedderte, mit der sie zugedeckt war. „Was um alles in der Welt …?“

Leos lächelte sie an. „Ich fand dich vor der Mittagspause schlafend an deinem Schreibtisch. Alle Versuche, dich zu wecken, schlugen fehl.“

„Du hättest mich schütteln sollen!“ Susie befreite sich von der Decke und stand auf, um nach ihren Schuhen zu suchen. Als sie sich bückte, fielen ihr die rotgoldenen Locken vors Gesicht. „Warum hast du mich in dein Büro gebracht?“

„Wo sonst hättest du in Ruhe schlafen können?“

„Du hast mich hereingetragen. Hat dich jemand dabei beobachtet?“, erkundigte Susie sich aufgeregt.

„Keine Sorge. Ich habe dich heimlich hereingeschmuggelt.“ Sein Lächeln ließ ihr Herz schneller schlagen. „Susie, du hast heute Morgen abgespannt gewirkt.“

„Das ist halb so schlimm.“ Verzweifelt versuchte sie, ihre Locken mit den Fingern zu entwirren. „Ich sehe bestimmt schrecklich aus.“

„Ich mag es, wenn du dein Haar offen trägst - so wie früher.“ Leos kam näher. „Es sieht so natürlich aus.“

Susies Mund fühlte sich trocken an. Die Luft schien vor erotischer Spannung zu vibrieren. Sie wollte weglaufen, war aber unfähig, sich von der Stelle zu bewegen. Immer noch ein wenig schlaftrunken, fühlte sie sich nicht in der Lage, Leos Anziehungskraft zu widerstehen. Im Stillen sehnte sie sich so sehr nach seiner Umarmung!

Zärtlich legte er die Hände auf ihre Schultern. „Ich möchte meine Mitarbeiterin nicht sexuell belästigen. Wenn du es vorziehst, kannst du gehen.“

Susie brachte kein Wort heraus.

„Wenn du aber bleibst, gibt es kein Zurück“, warnte Leos sie mit vor Erregung heiserer Stimme.

Es war wie ein Traum. Ein Traum, aus dem sie niemals wieder erwachen wollte. Sanft zog er sie näher zu sich heran. Ihr Verstand warnte sie, jetzt keine Dummheit zu begehen.

„Nur ein einziger Kuss“, flüsterte sie.

Leos streichelte ihre schimmernden Locken. „Handelst du mit mir oder mit dir selbst?“ Statt ihre Antwort abzuwarten, küsste er sie. Zunächst sanft, dann immer leidenschaftlicher.

Nun wehrte Susie sich nicht mehr, sondern erwiderte seine Zärtlichkeiten voller Hingabe. Wie lange hatte sie sich danach gesehnt! Sie vergrub ihre Finger in Leos‘ dichtem schwarzem Haar, umfasste sein Gesicht mit beiden Händen und hielt ihn so fest, als wollte sie ihn nie wieder loslassen.

Schließlich schob er sie ein wenig von sich weg. „Es ist beinahe sechs Uhr. Hast du Lust, mit mir zu Abend zu essen? Wir können reden und …“

„Beinah sechs Uhr?“ Mit einer heftigen Bewegung befreite Susie sich aus seinen Armen und lief zur Tür. Die Kindertagesstätte schloss um fünf Uhr dreißig, und sie war viel zu spät dran, um Ben abzuholen!

9. KAPITEL

Susie hatte Ben gerade ins Bett gebracht, als es klingelte. Durch den Spion erkannte sie Leos. Natürlich forderte er eine Erklärung für ihr seltsames Verhalten. Einfach so aus seinem Büro zu stürmen war eine noch größere Dummheit, als sich von ihm küssen zu lassen. Ben schlief normalerweise sehr schnell ein, sie konnte also das Risiko eingehen und Leos in die Wohnung lassen, ohne Gefahr zu laufen, dass er hinter ihr Geheimnis kam!

„Warum bist du wie eine Furie aus meinem Büro gestürmt?“, wollte Leos wissen. Er klang ziemlich ungehalten.

Susie führte ihn ins Wohnzimmer. „Ich weiß nicht so recht. Vielleicht war es Bedauern oder Verlegenheit“, versuchte sie ihre Reaktion ziemlich vage zu erklären.

„Für beides besteht kein Grund.“ Sanft drehte er sie zu sich herum, um ihr tief in die Augen zu sehen. „Ich möchte, dass wir von vorn anfangen, Susie.“

Damit hatte sie nicht gerechnet.

Mit dem Zeigefinger zog Leos die Linien ihres Mundes nach. „Warum bist du so überrascht? Du solltest wissen, wie ernst ich es meine.“

„Wirklich?“ Die Frage rutschte ihr einfach so heraus. Susie wandte sich von ihm ab. Ihr Körper sehnte sich nach Leos‘ Berührungen, aber in ihrem Kopf herrschte ein wüstes Durcheinander. „Weiß Alisha Jones, dass du hier bist?“

Leos stöhnte auf. „Wohin ich gehe und was ich tue, hat absolut nichts mit meiner Innenarchitektin zu tun!“

„Deiner was?“

„Ich habe Alishas Firma mit der Einrichtung meines Hauses beauftragt.“

Die aufreizende Brünette hätte die geschäftliche Beziehung zu Leos sicherlich gern auf anderer Ebene fortgesetzt, aber Susie hatte sich wieder einmal in ihm getäuscht.

„Du hast dich erneut geirrt.“ Ihre Bestürzung schien ihn zu amüsieren. „Aber das ist egal. Die einzige Frau, die mich interessiert, bist du.“

Susie lachte freudlos. „Das hast du mir schon einmal erzählt.“

„Ich verstehe deine Verbitterung nicht, schließlich hast du mich verlassen“, wunderte sich Leos. Sein Lächeln war wie fortgewischt. „Meine Gefühle haben dich damals auch nicht gekümmert. Hätte ich dir etwa nachlaufen sollen?“

„Nein …“

„Du hast eine schlimme Zeit durchlebt, nachdem deine Mutter gestorben war, aber das war doch kein Grund, alles, was uns verband, einfach so wegzuwerfen. Dafür schuldest du mir eine Erklärung.“

Susie sah ihn ungläubig an. Leos klang so aufrichtig. Anscheinend wusste er immer noch nicht, dass sie ihn beinahe auf frischer Tat bei seinem Betrug ertappt hätte.

„Warum tust du mir das an?“ Angriffslustig sah sie ihn an. „Du bist sicherlich nicht unschuldig am Scheitern unserer Beziehung. Oder glaubst du, ich hätte es nicht herausgefunden?“

„Was herausgefunden?“, wollte Leos ehrlich überrascht wissen.

„Dass du mich mit einer anderen Frau betrogen hast!“

Leos erstarrte. „Das ist eine Lüge!“

„Ich habe in deinem Apartment eine blonde Frau in Spitzenunterwäsche angetroffen, und sie kam geradewegs aus deinem Schlafzimmer!“

Plötzlich schien er den Zusammenhang herzustellen. In griechischer Sprache schimpfend, stürmte er hinaus. „Wenn ich noch länger bleibe, werde ich sicherlich etwas sagen, das ich ein Leben lang bedauere“, war das Letzte, was sie von ihm hörte, bevor die Wohnungstür hinter ihm ins Schloss fiel.

10. KAPITEL

Leos rief Susie am nächsten Morgen im Büro an. „Ich komme heute erst später in die Firma. Bitte nimm dir für Mittwochabend nichts vor.“

„Warum?“

„Dann findet die Dinnerparty statt. Du wirst als Gastgeberin fungieren“, informierte Leos sie. „Du hast keine Wahl, Susie. Ich erwarte, dass du meinen Anweisungen Folge leistest.“

„Mir wäre es lieber …“

„Wenn du eine Beziehung auf ausschließlich geschäftlicher Ebene wünschst, solltest du dir endlich angewöhnen, mich als deinen Chef zu betrachten!“

Das war deutlich! Ihre Augen füllten sich mit Tränen. Sie liebte Leos immer noch, deshalb war es so schwer, mit ihm zusammenzuarbeiten. Und nun wollte er ihrer Beziehung eine zweite Chance geben! Es war mehr, als sie ertragen konnte.

Ein Neuanfang mit ihm stand unter einem denkbar schlechten Stern. Leos hatte keine Ahnung von der Existenz seines Sohnes. Sie hatten sich getrennt, bevor sie von ihrer Schwangerschaft erfuhr. Das Schlimmste war, dass sie zweimal vergessen hatte, die Pille zu nehmen, weil der Kummer um den Verlust ihrer Mutter sie so sehr in Anspruch genommen hatte. Kurz darauf hatte Leos sie zu einem romantischen Wochenende in Paris eingeladen, um sie ein wenig aufzumuntern. Zwar war ihm das nicht gelungen, aber sie hatte die Nacht in seinen Armen verbracht. Ben wurde zweifellos in Paris gezeugt.

Während ihrer Mittagspause ging Susie mit ihrem Sohn einkaufen. Es war wie immer anstrengend, sich mit dem Kinderwagen durch die Menschenmenge zu kämpfen, aber Ben liebte diese kleinen Ausflüge.

Als sie ihn wieder in die Kindertagesstätte zurückbringen wollte, traf sie unglücklicherweise Leos vor den Fahrstühlen. Es blieb ihr nichts anderes übrig, als mit einem knappen Gruß an ihm vorüberzugehen, wobei ihr sein erstaunter Blick nicht entging.

Er zögerte, dann kam er auf Susie zu. „Woher hast du das Baby?“

„Aus der Kindertagesstätte.“

„Welcher Kindertagesstätte?“

„Devlin Systems bietet seinen Mitarbeitern den Luxus einer solchen Einrichtung.“

„Tatsächlich? Darüber hat mich niemand informiert“, wunderte sich Leos.

„Sie grenzt an die Cafeteria. Wahrscheinlich dachten die Verantwortlichen, du interessierst dich nicht für solche Dinge“, erklärte Susie mit zitternder Stimme.

„Wem gehört dieses Baby?“

Sie schwieg, bis die Stille beinahe unerträglich wurde. „Es ist mein Sohn“, flüsterte Susie schließlich.

Leos brauchte eine Weile, um die Neuigkeit zu verarbeiten. Dann verdüsterte heftiger Zorn seinen Blick. „Danke für die Information!“

Ohne ein weiteres Wort drehte er sich um und verschwand in einem der Aufzüge.

11. KAPITEL

Das Telefon klingelte, als Susie ihr Büro betrat. Es war Leos.

„Komm bitte zu mir herüber!“

Sie atmete tief durch. Nun war der Zeitpunkt gekommen, ihm die Wahrheit zu sagen. Wie würde Leos reagieren, wenn er erfuhr, dass er der Vater ihres Kindes war?

Mit einem Glas in der Hand stand er am Fenster, als sie in sein Büro kam. Grimmig sah er sie an. „Warum hast du mir nichts von deinem Kind erzählt? Habe ich nicht das Recht, es zu erfahren?“

„Leos, lass mich erklären …“

„Du erlaubst mir, dich zu küssen, und ich mache mir Hoffnungen auf eine Zukunft mit dir!“ Hastig trank er einen Schluck Whisky.

„Ich kann verstehen, dass du überrascht bist.“

„Ich laufe dir nach wie ein verliebter Teenager, und du lässt mich seelenruhig gewähren. Wie konntest du nur!“ Er war außer sich vor Zorn. „Nie wäre ich auf die Idee gekommen, dass du ein Kind hast. Schließlich haben wir uns erst vor etwas mehr als einem Jahr getrennt!“

Susie war wie erstarrt. „Es war dumm, zu glauben, ich könne Bens Existenz vor dir verheimlichen!“

„Die ganze Zeit über dachte ich, du hast Schluss gemacht, weil du dir nicht zugestehen wolltest, mit mir glücklich zu sein, während du um deine Mutter trauerst! Dabei hast du jemand anderen kennengelernt! Die älteste Geschichte der Welt, nur habe ich die Wahrheit nicht erkannt“, grollte er.

„Ich habe jemand anderen kennengelernt?“, wiederholte Susie, ohne den Sinn seiner Worte sofort zu begreifen.

„Den Vater deines Kindes. Wo ist er? Da du in der Wohnung deines Bruders lebst, hat er dich wahrscheinlich sitzen lassen.“

Endlich verstand Susie. Leos glaubte, sie habe sich mit einem anderen Mann eingelassen! Nun war es an ihr, wütend zu sein.

„Du denkst, ich …“

„Verschone mich mit den schmutzigen Details!“ Leos füllte sein Glas erneut. „Eigentlich weiß ich gar nicht, warum ich mit dir reden wollte. Was gibt es noch zu sagen?“

„Du hast schon genug gesagt“, fauchte sie, tief verletzt von seiner Fehleinschätzung.

Leos betrachtete sie mit einem unergründlichen Blick. „Du hast dich davor gefürchtet, mir von deinem Kind zu erzählen, gib es zu!“

„Ich weigere mich, diese Unterhaltung weiterzuführen!“

„Du hast meine Erlaubnis, dich zu entfernen!“

Susie zitterte am ganzen Körper, als sie zur Tür ging.

„Willst du mir ein schlechtes Gewissen einreden? Thee mou , dein Schweigen ist unverzeihlich. Du hast mich getäuscht!“

„So wie du mich! Warum sollten mich heute deine Gefühle interessieren?“ Mit einem heftigen Knall flog die Tür hinter Susie ins Schloss.

12. KAPITEL

Gerade als Susie am nächsten Morgen von ihrem Computerbildschirm aufsah, kam Leos herein. Immer wieder hatte sie sich während der letzten, wieder einmal schlaflosen Nacht gesagt, dass sie ihre Liebe zu ihm begraben müsse. Wie konnte er nur annehmen, sie habe ein Kind mit einem anderen Mann?

Seine Unterstellungen mochten sie noch so sehr kränken, ihr Herz schlug trotzdem schneller, wenn er wie jetzt vor ihr stand. Selbst in seinem geschäftsmäßigen Anzug wirkte er leicht verwegen und unglaublich männlich. Außerdem strahlte er ein leichtes Unbehagen aus. Sollte ihm der gestrige Streit etwa leidtun?

„Hast du mir etwas zu sagen?“, unterbrach Susie schließlich die sich zwischen ihnen ausbreitende Stille.

„Ich vermute, ein feinfühliger Mann hätte dein Baby sofort auf den Arm genommen und gesagt: ‚Dies ist das niedlichste Kind, das ich je gesehen habe‘!“

„Hast du Ben überhaupt angeschaut?“

„Ich wollte ihn nicht ansehen!“ Eine Sekunde später hob Leos entschuldigend die Hände. „Tut mir leid. Vergiss den letzten Satz.“

„Du magst keine Kinder, oder?“ Susie wandte sich wieder ihrem Computer zu.

„Kein Kommentar. Ich bin gekommen, um dich zu bitten, dir ein Kleid für die Dinnerparty zu kaufen.“ Mit diesen Worten zog er eine goldene Kreditkarte aus seiner Brieftasche und legte sie auf ihren Schreibtisch. Dann nannte er ihr Namen und Adresse eines exklusiven Abendmodengeschäfts. Auf Susies abwehrende Geste hin setzte er hinzu: „Das ist eine rein geschäftliche Ausgabe!“

„Und eine geschäftliche Anweisung?“

„Ja“, bestätigte Leos ohne Zögern. „Das äußere Erscheinungsbild ist in meinen Kreisen sehr wichtig, und ich möchte nicht, dass man auf dich herabsieht.“

„Ich bin doch nur deine Angestellte, Leos.“

„Für wie lange noch?“

Erschrocken sah Susie ihn an. „Drohst du mir?“

„Du solltest mich besser kennen. Die Wahrheit ist, dass ich mich nach dir sehne, und ich weiß, du sehnst dich nach mir.“

„Hast du dich auch nach der Blonden gesehnt?“, entfuhr es ihr bissig.

„Niemals.“

Nun hatte er seinen grausamen Betrug endlich eingestanden. „Man kann die Uhr nicht zurückdrehen, Leos. Wie sollte ich dir jemals wieder vertrauen?“

„Es ist an dir, mich um Verzeihung zu bitten. Bald wirst du es einsehen“, murmelte Leos. Dann drehte er sich um und ging hinaus.

Warum sollte sie ihn um Verzeihung bitten? Um nichts in der Welt, nicht einmal für einen Neuanfang mit dem Mann, den sie immer noch liebte.

Aber es war an der Zeit, Leos die Wahrheit über Ben zu sagen. Er hatte ein Recht darauf, zu erfahren, dass er Vater eines wunderbaren Sohnes war. Irgendwann würde auch Ben sie nach seinem Vater fragen. Es war unmöglich, ihr Geheimnis länger für sich zu behalten.

13. KAPITEL

„Es kursieren die wildesten Gerüchte über den Chef und dich!“ Jayne musterte Susie neugierig, bevor ihr Blick an der Kleiderschachtel des exklusiven Designerladens hängen blieb, die neben dem Schreibtisch stand.

„Wirklich?“ Susies Gleichgültigkeit war nur gespielt. Ihre momentane Situation war auch ohne die Geschwätzigkeit ihrer Kollegen schwierig genug.

„Leos Kiriakos wird bald von hier fortgehen, du aber bleibst in der Firma!“

„Was wird denn erzählt?“

Jayne genoss ihren Auftritt. „Nun, zum Beispiel, dass der Chef und du am Montag beinahe den ganzen Nachmittag in seinem Büro verbracht habt - und das bei geschlossener Tür! Außerdem munkelt man über Ben. Du weißt schon, er hat diese wunderschöne leicht gebräunte Haut …“

„Sprich nicht weiter“, unterbrach Susie ihre Kollegin. Sie verbarg das Gesicht in den Händen. All diese Gerüchte entsprachen der Wahrheit!

„In der Chefetage hält man dich für eine Spionin, die Leos Kiriakos unverzüglich über alles Bericht erstatten wird, was in der Firma vor sich geht, wenn er nicht mehr ständig vor Ort ist.“

Diese Neuigkeiten überforderten Susie endgültig. Gleich nachdem Jayne sich verabschiedet hatte, rief sie Leos an.

„Wir müssen uns unterhalten, Leos. Aber ich möchte nicht in dein Büro kommen.“

„Warum nicht?“

„Ich glaube, unser Verhalten lässt die Gerüchteküche gewaltig brodeln!“

„Das Geschwätz irgendwelcher Leute interessiert mich nicht. Und du solltest dich auch nicht darum kümmern!“ Das klang sehr männlich und äußerst überlegen.

„Wir müssen über Ben sprechen.“

„Nein, dazu bin ich noch nicht bereit, und ich bin nicht sicher, ob ich es jemals sein werde!“

„Du verstehst mich nicht!“

„Doch, sehr gut sogar. Ich kann dich nur zusammen mit deinem Kind bekommen. Vielleicht bin ich nicht sehr empfindsam, aber ich bin nicht dumm“, stellte Leos klar. „Um sieben Uhr schicke ich dir einen Wagen, der dich zu meinem Haus bringen wird.“

Mit diesen Worten beendete er das Gespräch. Susie stöhnte leise. Leos war überzeugt davon, sie zurückzugewinnen. Was machte ihn nur so sicher. Waren ihre Gefühle für ihn denn so offensichtlich?

Kurze Zeit später erwärmte Susie in der kleinen Küche der Kindertagesstätte das Mittagessen für Ben, als sie plötzlich Leos entdeckte, der in ein Gespräch mit der Leiterin dieser Einrichtung vertieft war. Mit einem erwartungsvollen Lächeln sah er sich in dem Raum um. Schließlich stellte er seiner Gesprächspartnerin eine Frage und stand kurz darauf vor Bens Bettchen. Aufmerksam betrachtete er das Baby, dann verließ er mit undurchdringlicher Miene und ziemlich blass die Kita.

14. KAPITEL

Hatte Leos herausgefunden, dass Ben sein Sohn war? Dieser Gedanke ging Susie nicht mehr aus dem Kopf. Er hatte die Firma verlassen und war bisher noch nicht wieder aufgetaucht.

Abends um sieben Uhr wartete wie verabredet eine Limousine vor Susies Haustür. In dem schmal geschnittenen mitternachtsblauen Kleid hätte sie sich wie eine Prinzessin fühlen können, wären nicht ihre Nerven bis zum Zerreißen angespannt gewesen!

Leos begrüßte Susie in der prächtigen Empfangshalle seines neuen Hauses. In seinem weißen Dinnerjackett sah er einfach großartig aus. Sein Blick wanderte voller Anerkennung über Susies elegante Gestalt, bevor er ihr verkündete: „Ich möchte dich mit meinem Bruder und seiner Frau bekannt machen, bevor die anderen Gäste eintreffen.“

Viel lieber würde sie jetzt einen Augenblick ungestört mit Leos verbringen, um ihm endlich die Wahrheit über Ben zu sagen. Aber es schien weder der richtige Ort noch die richtige Zeit für ein solches Geständnis zu sein. Wie konnte sie nur glauben, allein der Anblick seines Sohnes hätte Leos auf die richtige Spur gebracht?

Sacht legte Leos ihr die Hand auf den Rücken. „Du erinnerst dich sicherlich an die blonde Frau, die letztes Jahr aus meinem Schlafzimmer kam und dich ziemlich in Aufregung versetzt hat?“

Susie rührte sich nicht von der Stelle. „Ja.“

„Brigitte war damals gerade nach einer Fehlgeburt aus der Klinik entlassen worden. Ich zog in dieser Zeit in ein Hotel, um ihr und meinem Bruder mein Apartment zu überlassen, bis sie wieder nach Hause flogen“, erklärte Leos. „Ich vermute, Petros stand gerade unter der Dusche, als du hereinkamst.“

„Willst du damit sagen, dass …“

Inzwischen waren sie im Salon angekommen, wo die blonde Frau, deren Anblick sie damals so sehr schockiert hatte, neben Petros Kiriakos stand, den Susie von einem Foto her kannte. Sie war also wirklich Leos‘ Schwägerin!

Mit einem schuldbewussten Lächeln kam sie nun auf Susie zu, ihr beide Hände entgegenstreckend. „Ich möchte mich für mein schlechtes Benehmen damals entschuldigen, Susie. Nicht einmal Petros habe ich von unserer Begegnung erzählt, geschweige denn jemand anderem. Natürlich war mir nicht klar, was ich damit ausgelöst habe. Mir ging es zu der Zeit nicht gut, weil ich gerade unser Kind verloren hatte. Und als Sie einfach so hereinkamen, habe ich überreagiert. Bitte verzeihen Sie mir!“

„Es ist schon in Ordnung, Brigitte. Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie Sie sich damals gefühlt haben.“ Susie kam die Situation unwirklich vor. Schließlich überreichte sie Leos‘ Schwägerin ihr Geschenk mit einem, wie sie hoffte, aufmunternden Lächeln. „Alles Gute zum Geburtstag, Brigitte.“

Die allmählich eintreffenden Gäste stellten eine willkommene Ablenkung für Susie dar, aber um nichts in der Welt mochte sie Leos in die Augen sehen. Völlig zu Unrecht hatte sie ihn der Untreue beschuldigt. Ein Fehler, den sie sicherlich nie wiedergutmachen konnte!

15. KAPITEL

Es war kurz nach Mitternacht, als Susie ihre Babysitterin hinausbegleitete. Als die ersten Gäste sich verabschiedeten, war sie heimlich gegangen und mit einem Taxi nach Hause gefahren.

„Ich bedauere sehr, dich so falsch eingeschätzt zu haben“, hatte sie vorher etwas hölzern zu Leos gesagt.

„Mehr hast du mir nicht zu sagen?“

Sie war viel zu durcheinander gewesen, um die richtigen Worte zu finden. Damals schienen alle Fakten zueinanderzupassen. Leos hatte nie von Liebe gesprochen und immer nur kurzfristige Verabredungen mit ihr getroffen. Susie war sich seiner einfach nicht sicher gewesen, obwohl er ihr alles bedeutete. Der Tod ihrer Mutter hatte sie dann völlig aus der Bahn geworfen.

Jemand läutete an der Haustür. Es war Leos, daran gab es keinen Zweifel. Plötzlich füllten ihre Augen sich mit Tränen. Sie liebte ihn so sehr. Warum war nur alles so verzwickt?

Leos wirkte wie ein äußerst verführerischer Pirat, so wie er vor ihrer Wohnungstür stand, mit seinem halb aufgeknöpften Hemd, seinem zerzausten schwarzen Haar und dem dunklen Bartschatten.

„Ich weiß nicht, wie ich es dir erklären soll“, begann Susie.

Leos trug ein großes Paket herein, das er achtlos auf den Boden stellte, bevor er Susie in seine Arme zog. Ohne Vorwarnung küsste er sie leidenschaftlich, immer und immer wieder, bis sie glaubte, vor Sehnsucht zu vergehen. Schließlich gab er ihren Mund frei und lächelte sie zärtlich an.

Dann führte er sie ins Wohnzimmer. Nachdem sie es sich auf dem Sofa bequem gemacht hatte, verschwand er im Flur, um ihr kurz darauf das Paket auf die Knie zu legen.

„Was ist das?“

„Es ist für Ben. Ich habe ihn gestern in der Tagesstätte gesehen.“ Verlegen zuckte Leos mit den Schultern. „Er lächelte mich so niedlich an. Ich kann nicht sagen, dass er das süßeste Baby ist, das ich jemals gesehen habe, weil er das erste ist, das ich genau in Augenschein nahm.“

Mit zitternden Händen packte Susie einen großen blauen Plüschhasen aus. Vor Rührung wurde ihr die Kehle ganz eng.

„Ich besaß als Kind einen ähnlichen Hasen“, gestand Leos.

Susie fühlte sich beschämt und schuldig zugleich. „Leos, Ben ist doch erst sechs Monate alt.“

Leos sah sie unverwandt an.

„Ben ist dein Sohn“, erklärte Susie ihm schließlich mit leiser Stimme. „Es gab keinen anderen Mann. Ich habe unser Kind während unseres Kurzurlaubes in Paris empfangen.“

Erschrocken beobachtete sie, wie sich die verschiedenartigsten Gefühle auf Leos‘ Gesicht spiegelten: zuerst Ungläubigkeit, dann Verstehen und schließlich grenzenloser Zorn.

„Das werde ich dir niemals verzeihen können“, brach es aus ihm heraus.

Susie war wie betäubt, als er aufsprang und hinausstürmte.

16. KAPITEL

Am nächsten Morgen wurde Susie gleich nach ihrem Eintreffen in der Firma in Leos‘ Büro gerufen. Hart und kalt blickte er sie an.

„Was tust du hier?“

Wie die meisten Menschen, die gerade eine Krise durchlebten, klammerte sich Susie an ihre tägliche Routine. Ohne darüber nachzudenken, hatte sie sich auf den Weg zur Arbeit gemacht.

„Glaubst du, ich möchte meinen Sohn in der Kindertagesstätte kennenlernen?“, wollte er voller Feindseligkeit wissen. „Du holst jetzt Ben und lässt dich mit ihm zu meinem Haus bringen.“

Susie wagte nicht, sich zu widersetzen. Stumm nickte sie. Wenn Leos schon bereit gewesen war, Ben als das Kind eines anderen Mannes zu akzeptieren, wie stark musste er erst jetzt für ihn empfinden? Sie konnte ihm sein rüdes Verhalten ihr gegenüber nicht verübeln.

„Weil du der Meinung warst, ich hätte mit einer anderen Frau geschlafen, wolltest du mich bestrafen, indem du mir meinen Sohn vorenthältst!“, warf er ihr bitter vor.

„Dass ich schwanger war, entdeckte ich erst nach unserer Trennung“, rechtfertigte Susie sich. „Außerdem solltest du dich mir gegenüber nicht verpflichtet fühlen, weil ich ein Kind von dir erwartete. Deine Bemerkung über die Bekannte eines deiner Freunde ist mir immer noch im Gedächtnis.“

„Versuche bitte nicht, dich auf diese Weise zu entschuldigen. Die Frau führte einen äußerst lockeren Lebenswandel, und es kamen diverse Männer als Vater infrage. Uns beide verband etwas ganz anderes - zumindest glaubte ich das!“

Es war einfach unfair! Leos sah nur seine Version der Geschichte. „Du bist ungeheuer reich, und ich wollte nicht den Eindruck erwecken, dich mit einem Kind an mich binden zu wollen, um für mein Leben ausgesorgt zu haben.“ Erschöpft schwieg sie. „Wirst du mich jetzt entlassen?“, fragte sie schließlich mit schwacher Stimme.

„Ich werde die verrückte Mutter meines Sohnes davon abhalten, ihren und auch meinen guten Ruf weiter aufs Spiel zu setzen!“

„Erst gestern hast du mir erklärt, auf solches Gerede nichts zu geben!“

„Du hättest mir gleich bei meiner Ankunft in dieser Firma sagen müssen, dass du ein Kind hast und ich der Vater bin. Ach, was sage ich, an dem Tag, an dem die Schwangerschaft festgestellt wurde, hättest du mich darüber in Kenntnis setzen sollen. Es ist nicht meine Art, eine Frau in einer solchen Situation alleinzulassen!“

„Es war aber doch in erster Linie mein Fehler.“

„Ich bin erfahren genug, um zu wissen, welche Folgen es haben kann, wenn man miteinander schläft. Manchmal haben wir über diese Dinge keine Kontrolle, auch das ist mir sehr wohl bewusst.“

Leos gab ihr keine Chance. Er verurteilte sie für ihr Handeln, das machte er ihr mit jedem Wort deutlich. Sie hatte ihn zu Unrecht beschuldigt und anschließend falsche Entscheidungen getroffen. Eine Frage blieb jedoch noch offen.

„Was hättest du gesagt, wenn ich dir vor einem Jahr gestanden hätte, schwanger zu sein?“

Sein Blick ließ sie frösteln. „Ganz einfach, ich hätte unser Schicksal akzeptiert und dich geheiratet!“

„Es ist so leicht, sich im Nachhinein perfekt und selbstgerecht zu verhalten“, entfuhr es ihr bitter.

17. KAPITEL

Ich wäre heute Leos‘ Frau, dieser Gedanke ging Susie nicht mehr aus dem Sinn. Von Liebe hatte er nicht gesprochen. Niemals wären sie miteinander glücklich geworden, und nun hatte er auch noch den Respekt vor ihr verloren.

„Er ist ein kluger kleiner Kerl.“ Leos beobachtete, wie sein Sohn vor Freude glucksend versuchte, den Plüschhasen, den sein Vater unter einem Kissen versteckt hatte, hervorzuziehen.

Steif saß Susie im Salon von Leos‘ Haus. Sie war in den Anblick ihrer beiden „Männer“ versunken. Wie erstaunlich ähnlich sie sich doch sahen mit dem dunklen Haar, der goldenen Tönung der Haut und den dunklen Augen …

Später, als Ben seinen Mittagsschlaf hielt, stellte Leos ihr unzählige Fragen über ihn. Was er gern mochte, was er aß, wie sein Schlafverhalten war, wie groß er im Vergleich mit anderen Kindern seines Alters war und ob er in seiner Entwicklung Gleichaltrigen überlegen war. Für einen Mann, der sich nie für Babys interessiert hatte, wusste Leos eine ganze Menge.

Später fand er, der mächtige Geschäftsmann, Freude daran, in seinem teuren Maßanzug mit Ben auf dem Boden herumzuk...

Autor

Lynne Graham
Lynne Graham ist eine populäre Autorin aus Nord-Irland. Seit 1987 hat sie über 60 Romances geschrieben, die auf vielen Bestseller-Listen stehen.

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