Baccara Collection Band 441

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LÜGEN, SEX UND LIEBESSCHWÜRE von TAWNY WEBER
Gabriel Black steckt in der Klemme: Der bekannte Hochstapler muss mit der FBI-Agentin Danita Cruz zusammenarbeiten, wenn er nicht verhaftet werden will! Doch vielleicht kann er sich ja die Zeit versüßen, indem er Danita ein paar leidenschaftliche Küsse stiehlt …

VERFÜHRUNG À LA HOLLYWOOD von SHERELLE GREEN
Für ein TV-Special am Valentinstag wird Nicole als Make-up-Artist gebucht. Nur zu gerne arbeitet sie mit Kendrick Burrstone zusammen, dem attraktiven Regisseur! Seine heißen Blicke sprechen Bände – aber warum weist er all ihre Flirtversuche so eiskalt ab?

HEISSE NÄCHTE MIT DEM UNWIDERSTEHLICHEN COWBOY von DEBBI RAWLINS
Ist das wirklich die Frau, die er sucht? Tucker will Gerechtigkeit, doch die süße Annie kann unmöglich die Verbrecherin sein, die seiner Familie Unrecht getan hat. Je mehr Zeit er mit ihr verbringt, desto schwieriger wird es, ihrem Charme zu widerstehen …


  • Erscheinungstag 25.01.2022
  • Bandnummer 441
  • ISBN / Artikelnummer 9783751508254
  • Seitenanzahl 384
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Tawny Weber, Sherelle Green, Debbi Rawlins

BACCARA COLLECTION BAND 441

TAWNY WEBER

Lügen, Sex und Liebesschwüre

FBI-Agentin Danita Cruz ermittelt undercover, um dem Hochstapler Gabriel Black auf die Schliche zu kommen. Dabei schreckt sie nicht davor zurück, alle ihre verfügbaren Mittel einzusetzen. Mit Gabriel zu flirten, ist herrlich aufregend! Kann sie ihre Gefühle beherrschen – oder ist das Verlangen nach dem Bad Boy zu stark?

SHERELLE GREEN

Verführung à la Hollywood

Für seinen Erfolg als Regisseur hat Kendrick Burrstone hart gearbeitet, und nichts ist ihm so wichtig wie sein professioneller Ruf. An seinem Set gilt: Beim Dreh wird nicht geflirtet, und zwischen Kollegen läuft nichts! Doch er hat nicht mit Nicole gerechnet. Die betörende Visagistin stellt seine Prinzipien auf eine ernste Probe …

DEBBI RAWLINS

Heiße Nächte mit dem unwiderstehlichen Cowboy

Seit Jahren steckt Annie all ihre Arbeit in ihre Ranch, wo sie misshandelten Tieren Zuflucht bietet. Gerade, als ihr Projekt richtig erfolgreich wird, taucht Tucker in ihrem Leben auf. Zu dem heißen Rancher fühlt sie sich sofort unwiderstehlich hingezogen, und offensichtlich erwidert er diese Gefühle. Warum nur bleibt Tucker dann weiter auf Abstand?

PROLOG

„Du pokerst ziemlich hoch. Wenn du nicht aufpasst, verlierst du alles, wofür du gearbeitet hast, einschließlich deiner Freiheit.“

Nachdenklich lehnte Tobias Black sich in seinem Ledersessel zurück und schaute aus dem Fenster auf sein Reich – die kleine Stadt Black Oak. Dann seufzte er und blickte zu seinem Freisprechtelefon.

„Manche Dinge sind das Risiko wert, mein Freund. Meine Familie zurückzubekommen gehört dazu.“

„Hast du jemals daran gedacht, deinen Sohn anzurufen und ihn zu bitten, nach Hause zu kommen und dir zu helfen?“ Die Verzweiflung in der Stimme war deutlich hörbar. „Es wird wegen mehrerer krimineller Aktivitäten gegen dich ermittelt. Der Mann, der vor nicht einmal drei Wochen in deinem Motorradladen angegriffen wurde, beschuldigt dich nicht nur der Tat, sondern auch, der Anführer eines neuen Verbrecherrings zu sein, der gerade in Nordkalifornien entsteht. Und anstatt dich darauf zu konzentrieren, deinen Namen reinzuwaschen, planst du, deinen eigenen Sohn zu betrügen.“

„Nicht betrügen“, korrigierte ihn Tobias. „Ich mache keine Betrügereien mehr, schon vergessen? Ich habe mich gebessert und alles zurückerstattet, was ich über die Jahre gestohlen habe.“

„Das ändert nichts daran, dass du verurteilt wirst, wenn du deine Unschuld nicht beweisen kannst. Ist es das Risiko wert, ein so riskantes Spiel zu spielen?“

Tobias dachte über die Frage nach. Vor zwei Monaten hatte er die Karten ausgeteilt und haushoch gewonnen. Er hatte nicht nur erreicht, dass sein ältester Sohn Caleb nach Hause gekommen war, der Junge war jetzt auch noch Sheriff der Stadt und würde bald heiraten.

Vor einem Monat, als er auf die Entschlossenheit seiner Tochter Maya zählte, ihn vor sich selbst zu retten, hatte er das nächste Blatt ausgespielt. Auch diese Runde hatte er gewonnen. Aber nur knapp, denn Maya hatte ihren eigenen FBI-Agenten mit nach Hause gebracht. Das Spiel war eine Weile lang brenzlig gewesen, aber hatte nur die Freude am Gewinnen gesteigert. Und Gewinnen bedeutete in dem Fall, dass Maya zurück in die Stadt zog und verlobt war.

Jetzt musste Tobias sich um Gabriel kümmern.

Von seinen drei Kindern war Gabriel derjenige, der Tobias am ähnlichsten war. Das würde die größte Herausforderung werden. Tobias spürte, wie sich sein Magen zusammenzog. Nervös? Er hatte einmal einen ehemaligen US-Präsidenten dazu gebracht, eine betrügerische Wohltätigkeitsorganisation zu unterstützen, und hatte dabei nur Schadenfreue empfunden. Aber in dieser letzten Phase seiner Familie gegenüberzutreten, war herausfordernd.

„Es ist das Risiko wert“, wiederholte er. „Selbst wenn ich ihn anflehen würde, Gabriel käme nicht nach Hause. Dies ist die einzige Möglichkeit, ihn hierher zu bekommen. Wir brauchen jemanden innerhalb des Systems. Jemanden mit einem Ruf, der die Kriminellen davon überzeugt, dass er einer von ihnen ist. Wichtiger noch, jemand, der ein persönliches Interesse daran hat, meinen Namen reinzuwaschen.“

„Und du glaubst wirklich, dass diese Kriminellen, die sich in der Stadt treffen, ihn in ihren Kreis aufnehmen werden?“

„Dank Calebs Recherchen kennen wir die Namen von dreien der Verbrecherbosse. Ich habe Vorkehrungen mit jemandem getroffen, dessen Computerkenntnissen ich vertraue.“

Dieser Jemand war seine Tochter, die erstaunliche Hacking-Fähigkeiten besaß. Er atmete tief durch. Er war von der Sache überzeugt. Er musste es sein. Seine Freiheit, seine Familie, sein Leben hingen davon ab. Aber es war das Schwierigste, was er je in seinem Leben getan hatte.

„Dieser Jemand hat die E-Mails von ihnen gehackt, sodass jeder von ihnen denkt, der andere würde Gabriel als letztes Mitglied vorschlagen. Sie haben den Köder geschluckt, und die Einladung wurde von demjenigen ausgesprochen, der hinter der ganzen Sache steckt.“

Noch während er die Worte sagte, lief ihm ein kalter Schauer über den Rücken. Es war eine Sache, ein betrügerisches Spiel im Detail zu planen oder das Spiel in Gang zu setzen. Aber seinen Sohn nach Hause zu holen, bedeutete in seinem Fall, ihn einer Bande von skrupellosen Kriminellen auszuliefern. Das Risiko war groß. Sowohl für ihn als auch für seinen Sohn.

„Schön, schön. Wie üblich hast du ein kompliziertes Netz gesponnen, das zweifellos zu den gewünschten Ergebnissen führen wird.“ Der andere Mann seufzte und fügte dann, obwohl er genau wusste, dass er ignoriert werden würde, hinzu: „Aber deinen eigenen Sohn verhaften zu lassen, um ihn nach Hause zu holen, könnte zu weit gehen, alter Freund.“

1. KAPITEL

Gabriel Black lehnte sich an die Bar aus Teakholz und lächelte zufrieden. Vor ihm stand ein Glas mit feinstem altem Scotch. Er trug einen Armani-Anzug, dazu ein Seidenhemd und Schuhe von Ferragamo. In seiner Tasche befand sich der Schüssel zu mehreren Millionen in Internetaktien.

Nicht schlecht für einen Donnerstagabend.

Er war der geborene Spieler und hatte ein Talent zum Gewinnen. Und er hatte das Gefühl, der Gewinn heute Abend würde ein großer sein.

„Spendierst du mir einen Drink?“

Gabriel warf der Rothaarigen mit Schmollmund und verlockenden Kurven einen langen Blick zu. Mit einem Fingerschnipsen wies er den Barkeeper an, ihr zu servieren, was immer sie trinken wollte. Als Moe ihr ein Glas Champagner hinstellte, lächelte Gabriel charmant und deutete mit einem Kopfnicken auf die Männer, die gerade zur Tür hereinkamen.

„Ich muss mich noch um ein paar Dinge kümmern“, sagte er zu der Rothaarigen in dem trägerlosen Glitzerkleid. Er beugte sich vor und fuhr mit dem Zeigefinger über ihre nackte Schulter. „Genieß den Champagner, halt meinen Platz warm, und wenn ich fertig bin, trinken wir den Rest der Flasche auf meinem Zimmer.“

„Ich freue mich darauf“, schnurrte sie und berührte mit der Zungenspitze die Champagnerflöte, bevor sie auf den mit Samt bezogenen Barhocker rutschte.

Für eine Sekunde war Gabriel abgelenkt. Er nahm ihr das Glas ab, drehte es, um von der gleichen Stelle zu trinken, an der ihre Lippen roten Lippenstift hinterlassen hatten. Der perlende Champagner prickelte auf seiner Zunge. Genauso explosiv stellte er sich den Sex später vor.

„Süffig“, murmelte er und reichte ihr das Glas zurück.

Er zwinkerte ihr noch einmal zu, dann drehte er sich um und blickte durch den Raum. Seine Zielpersonen hatten sich an einem Tisch in der Ecke niedergelassen.

Und in der Sekunde war die Rothaarige wieder aus seinem Kopf verschwunden. Eine von Gabriels Stärken war seine Fähigkeit, alles zu ignorieren, was zwischen ihm und seinem Ziel stand. So sehr er Frauen auch verehrte, sie hatten ihren Platz. In seinem Bett, gegen die Wand gedrückt, auf seinem nackten Körper liegend. Das alles waren gute Orte. Aber keine Frau hatte ihn je von der Arbeit abgelenkt.

Schließlich war der Job das Wichtigste im Leben.

Eine Kleinigkeit, die er von seinem alten Herrn gelernt hatte. Gabriel bewunderte die Fähigkeiten seines alten Herrn. Aber er selbst war noch besser.

Doch er würde mit der Schadenfreude bis später warten. Bis er diese Gentlemen um eine nette Million erleichtert hatte.

„Meine Herren“, grüßte er, als er an den Tisch kam. Er nickte jedem der Männer zu und zog einen Stuhl heran.

„Mr. Lane“, grüßte der erste Mann und nutzte Gabriels falsche Identität.

„Schön, dass es mit dem Treffen geklappt hat“, sagte der Zweite, ein Buchhaltertyp.

„Ich weiß es zu schätzen, dass Sie einem Treffen hier in der Hotelbar zugestimmt haben“, sagte Gabriel. „Ich muss kurzfristig nach Europa. Wenn wir es heute Abend nicht geschafft hätten, hätte das Treffen warten müssen, bis ich in zwei Wochen zurück bin. Das Warten hätte mir natürlich nichts ausgemacht. Dieser Deal kann nur besser werden. Aber ihr seid nette Kerle, und ich verzögere nur ungern Ihren Einstieg.“

„Ich habe mir Ihren Prospekt und die Verkaufsbedingungen angesehen“, begann der Buchhaltertyp. Dann weiteten sich seine Augen, und er schien den Faden zu verlieren. Gabriel folgte seinem Blick und verschluckte sich fast an seiner Zunge.

Hallo, Baby.

Alles um ihn herum verblasste. Der Deal war eine ferne Erinnerung.

Er sah nur noch die Blondine.

Sie war die Fantasie eines jeden Mannes. Große Locken umrahmten ein sexy Gesicht. Die funkelnden tiefblauen Augen, die langen Wimpern und das verwischte Make-up verliehen ihr das Aussehen einer Frau, die gerade heißen Sex gehabt hatte und einen sehr befriedigten, vor Erschöpfung lächelnden Mann in einem zerwühlten Bett zurückgelassen hatte.

Die Locken umspielten Schultern, die bis auf Glitzer und dünne schwarze Träger nackt waren. Gabriel starrte auf diese Träger, und sein Mund wurde trocken. Ihre Brüste waren perfekt. Schwarzer Stoff, so glitzernd wie ihre Haut, umschloss die runden Kugeln wie die Hände eines Lovers. Sein Blick fiel auf ihre Taille, die schmal genug war, um sie mit beiden Händen umfassen zu können. Schwarzes Leder umhüllte ihre Hüften und lenkte den Blick auf unfassbar lange, herrliche Beine. Sein wandernder Blick ruhte schließlich auf ihren Füßen, die in heißen High Heels mit einer frechen Schleife an der Ferse steckten.

Er richtete seinen Blick wieder auf ihr Gesicht.

Ihr Mund war feucht und glänzend, die Unterlippe voll und verführerisch. Ein winziges Grübchen wurde sichtbar, als sie Gabriel einen einladenden Blick zuwarf.

Als ihr Begleiter, ein Kerl, der für Gabriel nur ein verschwommener Fleck war, ihren Stuhl herauszog, ließ sie sich in einer geschmeidigen Bewegung darauf sinken. Immer noch Blickkontakt mit Gabriel haltend, zwinkerte sie ihm zu und warf ihm einen Kuss zu.

Gabriels Körper reagierte sofort. Seine Muskeln spannten sich an, sein Magen krampfte sich erwartungsvoll zusammen. Er wollte sie berühren, mit den Fingern über die seidige nackte Haut streichen. Würde sie erbeben? Wenn er sie gegen die Wand drückte, würde sie diese langen Beine um seine Taille schlingen und sich festklammern?

Anders als die Rothaarige war dies keine Frau, die man aus dem Gedächtnis strich.

Sie war ungemein sexy, mit einer gefährlich süßen Seite, und hatte einen Körper, der Männer um den Verstand brachte.

Und sie war mit einem anderen zusammen.

Nicht, dass es ihn interessierte. Gabriel bekam immer, was er haben wollte.

Und er wollte sie.

Die Frage war nur, wie lange es dauern würde, bis er sie hatte.

Jemand räusperte sich. „Mr. Lane?“

Er beobachtete, wie die Blondine dem Kellner für das Glas Wasser mit Eis dankte. Sie hob es an die Lippen und begegnete wieder Gabriels Blick.

Er wurde hart.

Sie senkte das Glas. Den Blick immer noch auf ihn gerichtet, leckte sie einen glitzernden Tropfen Wasser von ihrer Unterlippe. Weich und rosa. Er stellte sich vor, wie ihre Zunge andere Dinge leckte.

Fast hätte er gestöhnt.

„Mr. Lane?“

Scheiße. Er war hier, um einen Job zu erledigen. Heiße Spiele mussten warten.

Gabriel riss sich vom Anblick der hinreißenden Blondine los und konzentrierte sich auf die Männer vor ihm. Er konnte die sexy Frau immer noch aus den Augenwinkeln sehen, während er dem Buchhaltertypen zuhörte, der seine Bedenken bezüglich des Deals darlegte. Jerry, seine eigentliche Zielperson, blickte entweder über Gabriels Schulter oder nickte abwesend zu den Worten seines Kumpels.

Gabriel versuchte, sich auf das Spiel zu konzentrieren und ignorierte das Aufblitzen von Farbe und Licht im Augenwinkel. Dann zuckte Jerry zusammen, ein geschockter Ausdruck zog über sein unattraktives Gesicht.

Gabriel drehte den Kopf gerade noch rechtzeitig, um zu sehen, wie Blondies Date sie an den Haaren packte.

„Was zum …“

Gabriel war schon halbwegs aufgesprungen, als der Kerl sie an sich zog und küsste. Es schien ihr zu gefallen. Keine Abwehr, kein Zeichen, dass sie in Schwierigkeiten steckte. Als der Typ sich zurückzog, sagte sie etwas zu ihm und tätschelte seine Brust. Das Lächeln, das sie ihm schenkte, war strahlend und süß.

Gabriel war hin- und hergerissen zwischen seiner Erregung und dem Drang, die Frau retten zu wollen. Er ballte die Fäuste und holte tief Luft.

Er musste sich konzentrieren, verdammt. Seine Priorität war das Spiel. Das Geld.

Niemals eine Frau.

„Ich verstehe Ihre Bedenken“, sagte er zu den Männern, wobei er sich auf Jerry konzentrierte. Er erläuterte, warum ihre Denkweise falsch war und warum sein Angebot die großartigste Sache seit dem Internetporno war. Es dauerte nur ein paar Sekunden, bis beide Männer breit grinsend nickten und Jerry zur Unterschrift bereit war.

Gabriel bot Jerry mit einem charmanten Lächeln seinen Stift an und spürte förmlich, wie eine Million Dollar in seine Tasche glitt.

Dann hörte er plötzlich ein lautes Krachen, Glas fiel klirrend zu Boden, ein gedämpfter Schmerzensschrei und das Geräusch einer schallenden Ohrfeige ertönten. Im Raum wurde es für den Bruchteil einer Sekunde still, dann ertönten Protestrufe.

Wütend sprang Gabriel auf. Bevor er jedoch einen Schritt machen konnte, schüttelte die Blondine schnell und besorgt den Kopf. Sie sah erschrocken aus, ihre Wange war glühend rot von der Hand des Arschlochs.

Halt dich raus, flehten ihre blauen Augen.

Gabriel setzte sich gezwungenermaßen wieder.

Er beobachtete, wie eine Hilfskraft herbeieilte, um die Glasscherben aufzufegen. Zwei Kellner huschten umher, der eine kam an den Tisch gerannt, der andere lief vermutlich zum Manager.

Lass es gut sein, Black. Es wurde sich darum gekümmert. Kein Grund für ihn, sich einzumischen. Oder schlimmer noch, den Deal zu vermasseln.

Er sah, wie die Blondine dem besorgten Kellner versicherte, dass sie okay war. Ihr Date, das Arschloch, starrte den Kerl nur an, die Hand um ihren schlanken Arm gekrallt.

Nein. Er konnte es nicht ignorieren. Gabriel stand auf, den Blick auf den Kerl gerichtet, der die hübsche Blondine schikanierte.

Die wachsamen Rattenaugen des Mannes begegneten kurz Gabriels Blick, dann griff er wieder in die Locken der Blondine und riss daran. „Ich bezahle dich für den Spaß, also will ich auch Spaß haben. Du machst es mir, Mädchen. Hier. Jetzt“, knurrte er.

Sie stieß einen leisen Schrei aus, ihre Alabasterwangen waren vor Scham gerötet. Sie blickte nicht mehr zu Gabriel. Stattdessen flüsterte sie etwas und versuchte, sich loszureißen. „Keine Party, keine Bezahlung“, sagte der Mann laut.

Sie war ein Escort-Girl?

Egal.

Die Wut trieb ihn vorwärts. Bevor sie wieder aufschreien konnte, hatte Gabriel eine Hand um den Hals des Kerls gelegt.

„Oh, nein“, stöhnte die Blondine. „Bitte nicht.“

Die Faust bereits geballt, machte Gabriel den Fehler, sie anzusehen. Die großen blauen Augen, so sexy und angsterfüllt, flehten ihn förmlich an. „Bitte. Lassen Sie ihn los.“

Er wollte dem Mann ins Gesicht schlagen. Er wollte ihn dafür bezahlen lassen, dass er ihr wehgetan und sie gedemütigt hatte. Doch er schüttelte ihn nur kurz, bevor er ihn losließ.

„Raus.“

Der Mistkerl warf der Blondine einen Blick zu, dann öffnete er den Mund, als wollte er etwas sagen. Gabriel ballte die Faust. Der Typ rannte weg.

„Ich muss …“ Sie presste die Hand an die glänzenden Lippen, als wollte sie ein Schluchzen zurückhalten, dann sprang sie auf und rannte ebenfalls hinaus.

Hin- und hergerissen zwischen Ehrgeiz und dem verzweifelten Bedürfnis zu beschützen, hätte Gabriel vor Frust schreien können. Aber er hatte wirklich keine Wahl. Er folgte ihr und erwischte sie direkt vor dem Hotel, in der Nähe des Eingangs zum Garten.

„Bleiben Sie stehen“, rief er. Wie zum Teufel konnte sie sich auf diesen hohen Absätzen so schnell bewegen? Gabriel griff nach ihrem Arm.

Sie riss sich los, sah ihn aber an. „Nicht.“ Tränen strömten über ihre Wangen. Es grenzte schon fast an ein Wunder, dass ihr Make-up dabei nicht verschmierte.

„Sie hätten mir nicht folgen sollen“, murmelte sie und wischte sich übers Gesicht. Ihr Blick huschte von links nach rechts, bevor sie seinem kurz begegnete.

Aus der Nähe war sie noch verführerischer. Ihr Haar schimmerte golden im Licht der Straßenlaterne. Trotz ihres sexy Outfits und ihres wilden Aussehens wirkte sie zart, fast zerbrechlich.

Und trotzdem war sie gleichzeitig so verdammt sexy, dass er sie schmecken und fühlen wollte. Ihre schimmernden, sinnlichen Lippen. Diese Haut, so seidig und verlockend. Aber vor allem wollte er ihre Kurven erkunden, die in diesem Hauch von schwarzem Nichts steckten.

„Ich rette keine Frauen und lasse sie dann weinend weglaufen“, erklärte Gabriel charmant lächelnd.

„Warum?“ Sie trat einen Schritt zurück und hielt ihre Hände schützend über ihre Brüste. „Was wollen Sie?“

„Nichts“, versicherte er ihr.

Skepsis zeichnete sich auf ihrem Gesicht ab. Dann warf sie sich unvermittelt in seine Arme.

„Oh, Sweetheart, nicht weinen“, murmelte Gabriel. Er legte den Arm um ihre schmale Schulter und zog sie an sich.

Ihr Körper passte sich perfekt an seinen an. So zierlich sie war, sie war groß genug, um ihre Wange an seinen Hals zu drücken. Ihr Körper zitterte, als sie sich schluchzend an ihn drückte.

Frau in Nöten, rief er sich in Erinnerung, als das Blut heiß durch seine Adern schoss. Man hatte ihm in seinem Leben schon vieles nachgesagt, aber ein Mann, der misshandelte, verletzliche Frauen ausnutzte, war er nicht.

Dann strich sie mit dem Fuß über seine Wade, und Gabriels Verstand setzte aus. Das Blut schoss in seine Lenden und versetzte seinen Körper in einen Zustand höchster Erregung.

„Ich brauchte das Geld“, schniefte sie. „Ich kann meine Miete sonst nicht bezahlen. Ich bin schon zwei Wochen im Rückstand.“

Gabriel griff in seine Tasche und holte vier Hunderter aus seinem Portemonnaie. „Hier. Das wird Ihren Verlust decken. Jetzt lassen Sie uns reingehen. Ich lade Sie auf einen Drink ein und hole Ihnen dann ein Taxi.“

Sie stieß einen tiefen Atemzug aus. Ihre wunderbaren Brüste drückten dabei an seinen Oberkörper.

„Danke.“ Sie warf ihm einen Blick zu, der irgendwo zwischen Dankbarkeit und purer Verführung lag. „Aber ich kann Ihr Geld nicht annehmen. Nicht, wenn ich mich bei Ihnen nicht bedanken darf. Richtig.“

Bevor er etwas sagen konnte, ließ sie ihre flache Hand über seine Brust wandern. Leicht, aber durch die Stoffschichten hindurch spürbar. Ein warmes Prickeln jagte über seine Haut.

Sie schmiegte sich enger an ihn und fachte seine Erregung weiter an.

Dann fanden sich ihre Lippen zu einem Kuss. Zuerst war es nur der Hauch einer Berührung. Einmal, zweimal.

So süß.

Sie neigte den Kopf zur Seite. Ihre Lippen passten perfekt zusammen. Zu perfekt für sein Empfinden. Er wollte zurückweichen. Doch in dem Moment strich sie mit der Zunge über seine Lippen, und was von seinem Verstand noch geblieben war, ging in Flammen auf.

Der Kuss wurde wild. Die Zungen spielten miteinander. Keine sanfte Zärtlichkeit – ein heftiges Duell um Kontrolle. Heiß, intensiv.

Bevor Gabriel den Kuss weiter intensivieren konnte, bevor es noch wilder und heißer wurde, zog sie sich zurück. Ihre Augen waren riesig. Leidenschaft und etwas, das aussah wie eine Mischung aus Angst und Horror funkelte in der Tiefe.

„Das war nur ein Vorgeschmack auf mein Dankeschön“, schnurrte sie.

„Ich freue mich auf mehr“, murmelte er und senkte den Kopf, um sie wieder zu küssen.

„Hände auf den Kopf“, brüllte eine Stimme hinter Gabriel.

„Lassen Sie die Frau los, Mister“, ertönte die Stimme wieder. Dann packte ihn jemand.

„Was zum Teufel …“

Das Klappern von Handschellen erfüllte die Luft, kurz bevor das Metall gegen Gabriels Handgelenk klatschte.

„Ich verhafte Sie wegen Anstiftung zur Prostitution.“

„Wollen Sie mich verarschen?“ Gabriel versuchte, seinen Arm loszureißen. Doch selbst mit seinen einen Meter neunzig war er dem Gorilla mit der Dienstmarke nicht gewachsen.

Sein Blick fiel auf die Blondine.

In ihren Augen schimmerten keine Tränen mehr, auch keine Leidenschaft.

Nein, sie sah einfach nur zufrieden aus.

„Wir wissen beide, dass Sie nichts gegen mich in der Hand haben. Was soll das Ganze also?“, fragte Gabriel in einem gelangweilten Tonfall und lehnte sich zurück.

Trotz seines großspurigen Tons verspürte Gabriel einen Hauch von Sorge. Doch er verdrängte das Gefühl. Sein Auswies wies ihn als Gavin Lane aus. Und den belastenden Papierkram hatte er, anders als geplant, bei Jerry im Hotel zurückgelassen. Sie hatten also nichts gegen ihn in der Hand.

Trotzdem, die Art wie der andere Mann – war er ein Cop? – ihn ignorierte, wurde langsam ärgerlich.

„Ich habe der Kleinen kein Geld für Sex angeboten. Also, warum tun wir uns beide nicht einen Gefallen und machen Schluss für heute.“

Der Mann antwortete nicht. Er blätterte weiter durch eine dicke Akte.

Gabriel wurde langsam ernsthaft wütend. „Also?“

Endlich reagierte der Mann. „Ich bin Hunter“, stellte er sich vor. Bei dem Namen läuteten bei Gabriel einige Alarmglocken.

Es hatte mal einen Kerl namens Hunter gegeben, der einen großen Teil seiner FBI-Karriere damit verbracht hatte, Gabriels alten Herrn zu jagen. Gabriel kniff die Augen zusammen und musterte den Mann vor sich. Nein, er war zu jung, der Name musste rein zufällig sein.

Gabriel lehnte sich wieder zurück und sagte überheblich lächelnd: „Freut mich, Sie kennenzulernen, Hunter. Vielleicht könnten Sie mir jetzt erklären, was hier eigentlich los ist.“

Hunter lehnte sich mit einem nachdenklichen Blick in seinem Stuhl zurück. Aber er sagte kein Wort.

Das musste er auch nicht. Seine Körpersprache, sein Gesichtsausdruck, die Atmosphäre, alles deutete auf Ärger hin.

Hinter ihm ging eine Tür auf. Parfum kitzelte Gabriels Sinne. Etwas Frisches, Leichtes. Sein Körper reagierte sofort.

Dann kam sie um seinen Stuhl herum und stellte sich neben Hunters Schreibtisch. Die Schultern zurück, die Arme locker an den Seiten, stand sie eindeutig stramm.

Scheiße.

Statt wilder Mähne trug sie ihr blondes Haar zu einem ordentlichen Pferdeschwanz gebunden, und ihre verführerischen Brüste waren jetzt von einer frisch gebügelten weißen Bluse mit breitem Kragen sittsam verdeckt. Dazu ein grauer, knielanger Rock und ein Paar spitze schwarze Schuhe.

Trotzdem fand er sie komischerweise genauso heiß wie zuvor, als sie so aufgebrezelt gewesen war.

„Ich glaube, Sie haben Special Agent Danita Cruz bereits kennengelernt“, sagte Hunter.

Special Agent?

Seine Nackenhaare stellten sich auf. Das, und das warnende Summen in seinem Kopf sagten ihm, dass das Spiel gerade eine schlimme Wendung genommen hatte.

Vielleicht würde er sich nicht so einfach aus allem herauswinden können, wie er gedacht hatte.

Dann sagte Hunter: „Danita, das ist Gabriel Black.“

Er schenkte Gabriel ein selbstgefälliges Lächeln und lehnte sich in seinem Stuhl zurück, bevor er hinzufügte: „Er wird uns helfen, den Black Oak Fall zu schließen.“

2. KAPITEL

Danita Cruz hatte ein Hauptziel in ihrem Leben.

Sie wollte beweisen, dass sie nicht das wertlose Stück Dreck war, als das sie in ihren jungen Jahre so oft bezeichnet worden war.

Sie war bei einer Mutter aufgewachsen, die als größte Säuferin im Wohnwagenpark galt. Wenn Mom nicht besoffen gewesen war, hatte sie im Kleinen mit Drogen gedealt und Diebesgut verschoben. Danita hätte es vermutlich nie geschafft, diesen Sumpf zu verlassen, wenn Hunter nicht gewesen wäre. Sie war gerade erst fünfzehn gewesen, als er ihre Mutter wegen ihrer Beteiligung bei einem Autodiebstahl verhaftet hatte. Damals hatte er sie ermutigt, von einem Leben jenseits ihrer unglücklichen Kindheit zu träumen. Er war Freund, Mentor und nörgelnder großer Bruder in einer Person geworden.

Ihm verdankte sie alles.

Sie hatte hart daran gearbeitet, um dorthin zu kommen, wo sie mittlerweile beim FBI war. Sie hatte geschuftet, um das College zu schaffen und alle Spuren ihrer Vergangenheit zu beseitigen und um sich ein Leben aufzubauen, auf das sie stolz sein konnte. So hatte sie sich mit der Zeit den Ruf einer klugen, ausgebufften und verlässlichen Agentin erworben.

Sie blickte durch den Raum. Und nun warf ihr dieser Kriminelle, dieser hinterhältige Betrüger, einen verachtenden Blick zu. Als wäre sie ein Stück Dreck.

Vor zwei Stunden hatte er sie noch angesehen, als wäre sie seine wahr gewordene Fantasie. Seine Augen hatten vor Wertschätzung geglüht. Jetzt sah sie nur eiskalte Verachtung.

Sie ignorierte es und studierte das Gesicht, das sie oft auf Fahndungsfotos gesehen hatte. Elegante Züge, hohe Wangenknochen und ein Schlafzimmerblick, der ihr Inneres zum Schmelzen brachte.

„Setz dich, Danita“, forderte Hunter sie auf.

Sie wollte sich nicht setzen. Sie wollte gar nicht mehr hier sein. Aber aus dem Zimmer zu rennen, weg von diesen goldenen Augen, die sie durchbohrten, wäre feige. Genau wie einen Befehl zu ignorieren, egal, wie höflich er ausgesprochen worden war.

Also setzte sie sich. Entschlossen straffte sie die Schultern und versuchte, sich auf Hunter und den Fall zu konzentrieren und das heiße Verlangen zu ignorieren, das dieser andere Mann in ihr weckte.

„Sie fragen sich sicher, warum wir uns so viel Mühe gegeben haben, Sie hierher zu holen“, sagte Hunter gerade. „Und Sie denken vermutlich, dass diese Anklage wegen Anstiftung zum Sex ausgemachter Blödsinn ist, aus dem man leicht herauskommt.“

„Beides richtig“, erwiderte Black amüsiert. Aber Danita sah die Wut, die sich unter der glatten Oberfläche verbarg. „Es ist offensichtlich, dass Sie etwas von mir wollen. Und Sie wollen es so sehr, dass Sie Blondie als Köder geschickt haben.“

„Mein Name ist Danita“, fuhr sie ihn an. „Oder besser noch, Special Agent Cruz.“

„Baby, für mich wirst du immer Blondie sein, die heiße Blondine mit dem aufregenden Körper.“

Danita funkelte ihn wütend an. Eine freche Erwiderung lag ihr auf der Zunge, doch sie beherrschte sich.

Was kümmerte es sie, was Gabriel Black von ihr dachte? Der Mann war ein Verbrecher, verdammt noch mal.

Mit diesem Gedanken im Hinterkopf, lehnte sie sich zurück und warf ihm einen verachtenden Blick zu.

„Ich möchte Ihnen einen Deal anbieten“, setzte Hunter das Gespräch fort.

„Warum?“

„Teils, weil ich glaube, dass Sie mir bei einem kleinen Projekt helfen können“, antwortete Hunter. Dann zuckte er mit den Schultern und zeigte den Anflug eines Lächelns. „Und teils, weil wir einen gemeinsamen … Freund haben, der es zu schätzen wüsste, wenn ich Ihnen aus der Patsche helfe.“

Danita zog verwirrt die Stirn kraus. Was war hier eigentlich los?

Auch wenn sie befreundet waren, Hunter war ihr Chef. Und er leitete sein Einsatzteam nach dem Grundsatz „Kenntnis nur, wenn nötig“. Deshalb hatte Danita heute Nachmittag, als sie gebrieft wurde, nur den Namen ihres Opfers und den Arbeitstitel „Black Oak“ erfahren. Sie hatte angenommen, dass Hunter den Mann benutzen wollte, um dessen Vater auffliegen zu lassen.

Ihr Blick ging zwischen beiden Männern hin und her, während sie versuchte, diese Veränderung zu begreifen. Denn es hörte sich für sie ganz und gar nicht nach einer Falle an. Da ging irgendetwas anderes vor sich.

„Hier der Vorschlag. Wir haben Sie wegen einer geringfügigen Sache am Haken. Für Sie ist es nur eine Unannehmlichkeit.“ Hunter hielt lange genug inne, dass der andere Mann nicken konnte. Danita merkte, dass Black nicht mehr hochmütig dreinblickte. Er hatte die Augen argwöhnisch zusammengekniffen, die Stirn gerunzelt und klopfte mit den Fingern irritiert aufs Knie. Ein kluger Mann.

„Unannehmlichkeiten sind allerdings eine heikle Sache“, fuhr Hunter fort. „Manchmal sind sie leicht zu beseitigen. Manchmal wird aber auch etwas Größeres daraus. Etwas Längerfristiges. Fünf bis sieben Jahre etwa.“

Das Klopfen hörte auf. Black lehnte sich vor, beide Hände flach auf die Schenkel gelegt. „Sie haben nichts in der Hand, wofür ich fünf bis sieben Jahre bekommen würde.“

„Doch. Diese Dokumente, die Sie im Hotel gelassen haben, zusammen mit dem Vertrag, den der Gentleman begeistert unterschrieben hat, bringen mindestens so viel.“

„Okay, damit haben Sie genug, dass ich Ihnen meine Aufmerksamkeit schenke. Aber nicht meine Kooperation.“ Black lehnte sich zurück und wartete.

„Oh, ich habe noch mehr.“

„Erzählen Sie.“

„Tobias, Caleb und Maya.“ Hunter zählte die Namen auf wie ein Mann, der genau wusste, dass er gerade ein Gewinnerblatt spielte.

Gabriels fassungslosem Gesicht nach zu urteilen, waren diese Namen der Jackpot. Ein Jackpot, den er nicht erwartet hatte – und den er nicht verlieren wollte.

„Sie haben nichts gegen sie in der Hand“, sagte er.

„Ich habe einen Zeugen, der bereit ist, über Tobias Blacks Rolle im Handel mit illegalen Waffen und Drogen auszusagen. Das FBI hat einen soliden Fall zusammengestellt, und wir machen auch ohne Ihre Mitarbeit weiter.“

Blacks Kiefer arbeitete. Dieselben Augen, die sie zuvor so zärtlich angesehen hatten, wurden zu wütenden Schlitzen. Schließlich zog er eine Augenbraue hoch und fragte: „Was hat das mit Caleb und Maya zu tun?“

Danita wartete gespannt auf Hunters Antwort. Statt etwas zu sagen, nahm er eine Akte von seinem Tisch und reichte sie dem Mann, der ihm gegenübersaß. Black nahm sie und las.

Der Mann war gut. Verdammt gut. Sein Gesichtsausdruck änderte sich nicht. Scheinbar gelangweilt sah er ihren Chef an. Trotzdem konnte Danita erkennen, dass die Akte ihn in Panik versetzte.

„Sie haben also ein paar alte Unbesonnenheiten ausgegraben, die mein Bruder und meine Schwester begangen haben. Die beiden waren damals noch minderjährig. Glauben Sie wirklich, dass sie nach all dieser Zeit einen Nachweis ihrer Schuld bringen können? Und wäre es von Bedeutung? Ich glaube nicht.“

„Nein. Sie haben recht. Man kann sie vermutlich nicht für etwas verurteilen, was zehn Jahre her ist“, überlegte Hunter. „Aber Ihr Bruder ist in der Strafverfolgung tätig. Ein paar Worte an der richtigen Stelle, und mit seiner Karriere könnte es bergabgehen.“

Wut blitzte in Gabriels Augen auf, was Danita verriet, dass Hunter einen Volltreffer gelandet hatte.

„Dann ist da noch Ihre Schwester. Gegen sie liegt tatsächlich etwas vor.“ Ausdruckslos reichte Hunter ihm eine zweite Akte.

Gabriel nahm sie mit ernstem Gesicht entgegen. Danita konnte fast hören, wie er die Zähne zusammenbiss, als er die Seiten las.

„Wie Sie sehen können, haben wir genug, um den Fall gegen Ihre Schwester wieder aufzunehmen“, erklärte Hunter leise. „Ob es zu einer Verurteilung kommen würde, ist fraglich. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ihr der Prozess Spaß machen würde.“

Gabriel sah aus, als würde er Hunter am liebsten an die Gurgel gehen. Dann, als hätte er einen Schalter umgelegt, war alles weg. Die Wut in seinen Augen, der Hauch von Frust. Selbst die Anspannung schien von ihm abzufallen. Er lehnte sich zurück und zuckte gelangweilt mit den Schultern.

„In die Falle locken und erpressen“, überlegte Gabriel. „Ein interessanter Spielplan.“

„Ich habe gehört, dass in Black Oak in zwei Wochen eine große Feier geplant ist“, war alles, was Hunter sagte. Aber sein Lächeln war pure Genugtuung. „Wissen Sie es nicht? Ihr Bruder heiratet. Am Valentinstag, um genau zu sein. Eine Woche lang Partys, Proben, Spaß. Ich wette, Ihre Familie würde sich freuen, wenn Sie dabei wären.“

Seinem geschockten Gesichtsausdruck nach zu urteilen, hatte Gabriel es nicht gewusst.

Danita fragte sich, wo genau sie in dieses kleine Spiel passte. Als könnte er ihre Gedanken lesen, warf Hunter ihr einen Blick zu.

„Ihr beide werdet unter dem Vorwand, an den Hochzeitsfeierlichkeiten Ihres Bruders teilzunehmen, nach Black Oak fahren“, informierte er Gabriel. „Es wurden bereits Vorkehrungen getroffen, dass ihr an einem dort stattfindenden Verbrechertreffen teilnehmt. Ihr werdet dort Informationen sammeln und beobachten. Nichts unternehmen. Nach zwei Wochen ist euer Job erledigt.“

„Dafür brauche ich Blondie nicht.“

„Sie wird Ihre Tarngeschichte festigen, dafür sorgen, dass Sie nicht aus der Reihe tanzen, und übernehmen, sobald sie dank Ihnen den Fuß in der Tür hat.“

„Welche Tarngeschichte? Und warum sollte ich sie brauchen?“ Sein Blick war wie flüssiges Gold, als er sie ansah. Danita wurde es heiß.

„Sie gehen als ein Mann rein, der das Spiel spielt“, sagte Hunter. „Ihr Ruf ist bereits etabliert, Ihre Fähigkeiten sind bekannt. Im Grunde gehen Sie als Sie selbst hinein. Sie werden eine kleine Gruppe von Männern treffen, deren Fokus darauf liegt, die Macht auszubauen. Die Informationen deuten auf einen noch unbekannten Anführer hin, der alle Fäden in der Hand hält. Dieser Mann soll Tobias Black sein. Sie kennen ihn, seinen Stil und seine Methoden gut genug, um zu erkennen, ob das stimmt oder nicht.“

„Vergessen Sie es.“ Gabriel knallte die Akten auf den Tisch. „Ich werde nicht meinen eigenen Vater hinter Gitter bringen. Auf keinen Fall. Eher gehe ich ins Gefängnis.“

„Warum nehmen Sie dies nicht als Chance, seine Unschuld zu beweisen? Bevor jemand anderes ihn ins Gefängnis bringt?“

Die Worte und der freundliche Ton ließen Gabriel innehalten. Er sah Hunter prüfend an.

Das tat auch Danita. Sie war verblüfft. Hunter war normalerweise professionell, oft schroff. Aber bei diesem Mann, diesem Betrüger, war er fast schon freundlich.

„Sie müssen nur Ihre Heimatstadt besuchen, Sie selbst sein und Informationen sammeln. Rein und raus, ohne viel Aufhebens.“

„Und Blondie?“

„Man munkelt, die Männer bringen Damen zur Unterhaltung mit. Professionelle. Danita geht im Grunde als Ihre bezahlte Begleiterin mit.“

„Meine eigene Nutte“, sagte Gabriel mit einem spöttischen Lächeln.

„Was?“ Danita vergaß ihre Professionalität und sprang auf. „Das ist eine schlechte Idee, Hunter. Ich bin nicht die Richtige für den Job.“ Nicht, weil sie ihn nicht bewältigen könnte. Zum Teufel, das war genau ihr Ding. Aber Gabriel Black? Mit ihm konnte sie nicht umgehen.

„Ich brauche jemanden, dem ich vertrauen kann“, sagte Hunter. „Jemanden, der seinen Verstand und seinen Instinkt einsetzt und gleichzeitig die Regeln befolgt. Du bist die Beste, Danita. Ich vertraue darauf, dass du diesen Job nach meinen Vorgaben erledigst.“

Sie schloss die Augen und wünschte, sie könnte die Verpflichtung einfach ablehnen. „Was ist das vorrangige Ziel?“, fragte sie schließlich ruhig.

„Gabriel am Leben zu erhalten.“

Das ließ den gut aussehenden Mann aufspringen.

„Wie bitte?“, protestierte er. „Hey, niemand hat etwas von Risiken gesagt. Ich denke, ich gehe lieber das Risiko ein, wegen dieser angeblichen Anstiftung zur Prostitution verhaftet zu werden.“

Hunter lächelte. „Danita ist gut. Sie sind sicher.“

„Mir ist klar, dass Sie meinen, Sie hätten mich in der Hand, aber bleiben wir mal in der Realität“, sagte Black. „Immerhin steht offenbar mein Leben auf dem Spiel. Wenn ich mitspiele, verlange ich eine Partnerin, die in der Lage ist, auf meinen Arsch aufzupassen.“

Er warf Danita einen langen, sinnlichen Blick zu. Ein Blick, bei dem ihr der Atem stockte und ihre Brustwarzen zu pochen begannen. Sie hasste diesen Blick. Und sie hasste es noch mehr, dass sie darauf reagierte. Auf ihn. Auf einen Kriminellen.

„Nichts gegen die hübsche Puppe hier, aber abgesehen davon, dass sie eine verdammt gute Nutte abgibt, wüsste ich nicht, wie sie mir helfen kann.“

Danita kniff die Augen zusammen, ballte die Fäuste. Dann sah sie einen Hauch von Humor in seinem hypnotischen Blick.

Er genoss das hier.

Den ganzen Prozess. Die Verhaftung, die Herausforderung, die Vorstellung, sein Leben zu riskieren. Es war alles ein Spiel für ihn.

Und sie spielte ihm direkt in die Hände.

Sie holte einmal tief Luft, um sich zu sammeln und ihre Fassung wiederzuerlangen.

Nach einem kurzen, um Erlaubnis bittenden Blick zu Hunter neigte Danita den Kopf und schenkte Black ein eisiges Lächeln. „Ich bin eine von der Regierung beauftragte Ermittlerin, Mr. Black. Und ich bin nicht nur in der Lage, auf Ihren – wie sagten Sie so schön? – Arsch aufzupassen. Ich bin die Beste für diesen Job. Besonders wegen meines Talents, eine Nutte zu spielen, wie Sie es so charmant ausgedrückt haben.“

Ob sie für seine Sicherheit sorgen wollte, war eine andere Sache.

Als spürte er Danitas Zweifel, reichte Hunter ihr eine dritte Akte. Danita schlug sie auf.

Namen von einigen der größten Verbrecherbosse in Kalifornien sprangen ihr ins Auge. Eine Liste von illegalen Aktivitäten, die vermutlich von Black Oak aus gesteuert wurden. Die Skizze eines weitverzweigten kriminellen Netzes, mit dem sie es zu tun haben würden. Es gab Notizen, nicht nur von Hunter, sondern auch von seinem Vater. Ein Ermittler, der auch nach fünf Jahren im Ruhestand noch großen Respekt genoss. Das war ein karrierefördernder Fall.

„Bist du dabei?“, murmelte Hunter. „Es ist deine Entscheidung.“

„Ihre?“, protestierte Black. „Ich dachte, Sie sind verantwortlich für dieses kleine Spiel.“

„Jetzt nicht mehr, Gabriel Darling“, schnurrte sie. „Jetzt nimmst du Befehle von mir entgegen.“

Je näher sie Black Oak kamen, desto mehr Wut verspürte Gabriel im Bauch. Er ballte die Fäuste, um seinen Frust zu zügeln.

„Warum fahren Sie eigentlich? Ich bin derjenige, der sich hier auskennt“, schnauzte er Danita an, die eine schnittige schwarze Corvette fuhr wie eine Frau, die es gewohnt war, mächtige Männer zu befehligen.

„Weil es mein Wagen ist“, sagte sie mit einem herablassenden Schulterzucken. „Keine Sorge. Die bösen Jungs werden Sie nicht für ein Weichei halten, weil Sie Ihre Freundin fahren lassen. Sie müssen nur so tun, als würden Sie mit Ihrem Handy spielen und behaupten, Sie hätten Geschäftliches zu erledigen.“

„Das ist totaler Schwachsinn“, fauchte er. Schwachsinn, den er ignorieren würde, wäre da nicht diese verdammte Akte. Hunter hatte in dieser Akte eine beachtliche Zusammenstellung von Anschuldigungen, die er gegen Gabriels Vater vorzubringen bereit war. Anklagen, die die Familie demütigen, die Hochzeit seines Bruders ruinieren und das Herz seiner Schwester brechen würden.

„Hunter mag glauben, dass Sie damit umgehen können“, sagte die Blondine. Der schnelle Blick, den sie ihm zuwarf, sagte, dass sie nichts dergleichen glaubte. „Aber um Ihre charmante Terminologie zu verwenden, es ist mein Arsch, der hier an vorderster Front steht. Wenn Sie nicht Ihren Mann stehen und das Spiel spielen können – und spielen, um zu gewinnen –, dann lassen Sie es mich bitte wissen. Ich nehme lieber einen Klaps auf die Finger und einen Eintrag in meiner Akte in Kauf als eine Kugel wegen Ihnen.“

Gabriel verdrehte die Augen.

„Ich bezweifle ernsthaft, dass es zu einer Schießerei kommen wird.“ Er war sicher, dass die ganze Sache ein großer Schwindel war, völlig übertrieben, nur um ihn dazu zu bringen, bei diesem kleinen FBI-Spiel mitzumachen.

Er merkte kaum, dass sie den Highway verließ und eine ruhige, friedliche Straße hinunter zum Black Oak Manor fuhr. Sein Blick ruhte auf Danita. Er versuchte, ihre Gedanken zu lesen.

„Wir sollten sicher sein. Wir sammeln nur Informationen, fassen keine heißen Eisen an. Unsere Quellen besagen, dass das Treffen auf diesem Landgut stattfindet“, sagte Danita, als sie parkte und den Motor abstellte.

Sie warf ihm einen Blick zu. „Trotzdem, seien Sie vorsichtig. Es steht viel auf dem Spiel. Fünf wichtige Verbrecherbosse sind hier, und alle haben das Ziel, die Zügel dieser kleinen Allianz in die Hand zu nehmen. Es wurden Vorkehrungen getroffen, damit Ihr Name auf die Gästeliste gesetzt wurde, aber Sie werden sie trotzdem davon überzeugen müssen, dass Sie etwas zu bieten haben. Ansonsten schmeißen die Jungs Sie raus. Oder Schlimmeres.“

Gabriel schaute gelangweilt aus dem Fenster auf das Landgut. Etwas heruntergekommen, aber größtenteils hatte es sich nicht verändert. Da Black Oak nur zwei Meilen entfernt lag, hatte er das malerische viktorianische Gebäude schon oft gesehen.

„Hören Sie überhaupt zu?“ Danita stieß ihn unsanft an.

„Baby, das Lied wird langsam alt. Ihr Kumpel Hunter hat es vorhin gesungen, und Sie summen denselben Refrain. Große, furchterregende Verbrecher übernehmen Black Oak. Waffen und Drogen und der Verdacht auf Geldwäsche. Sie treffen sich, um ihre Zukunft zu planen, und Sie sind hier, um die Party zu stören.“

„Und Sie denken immer noch, dass das übertrieben ist?“ Sie drehte sich zu ihm und warf ihm einen langen Blick zu. Wie in der Nacht zuvor waren diese großen blauen Augen so geschminkt, dass der Blick lasziv wirkte. Ihre Lippen leuchteten knallrot. Und ihr Outfit? Gabriel hätte sich fast an seiner Zunge verschluckt, als sie ihn heute Morgen aus seiner behelfsweisen Arrestzelle – wie er das billige Hotelzimmer nannte, in das Hunter ihn eingesperrt hatte – herausließ.

Der herrliche Körper steckte in Jeans, die ihre Kurven betonten. Ein enger roter Kaschmirpullover schmiegte sich über Brüste, von denen er eine schlaflose Nacht lang fantasiert hatte. Dazu die Lockenpracht und sexy High Heels, und sie war der Inbegriff einer Partymaus mit Geschmack für das Teure.

„Tatsächlich halte ich das für Unsinn.“ Er versuchte, sich auf das Gespräch zu konzentrieren, statt darauf, welchen Teil ihres Körpers er zuerst schmecken wollte. „Aber ihr habt mich in der Hand, mir bleibt nichts anderes übrig, als mitzuspielen. Also lassen Sie uns reingehen und meine Verbindungen nutzen, damit wir ein Zimmer bekommen und diese Kerle ausspionieren können.“

„Einfach so? Sie glauben, Sie spazieren da einfach rein, lächeln charmant und bekommen ein Zimmer, und dann ist alles erledigt? Als wäre das nichts?“

„Baby, ich bin sicher, es ist nichts. Wenn es ein wirkliches Problem gäbe, hätte ich davon gehört. Sie behaupten, dass mein Vater für versuchten Mord, illegalen Waffenbesitz und Drogenhandel den Kopf hinhalten soll. Ich sage, das wird er nicht.“

Sein Grinsen war eher verrucht als charmant, als er sich über die Konsole lehnte und mit dem Daumen über ihre verführerisch volle Unterlippe strich. Sie sah zum Anbeißen aus.

Wer hätte gedacht, dass zickig so süß sein konnte?

Bevor er etwas Dummes tun konnte – oder noch Dümmeres, denn genau dieser Mund hatte ihn überhaupt erst in diesen Schlamassel gebracht –, wich Gabriel zurück.

„Bringen wir es hinter uns“, sagte er kühl. Er wollte es erledigt haben. Wenn möglich, bevor er jemanden aus seiner Familie sehen musste.

Er hatte diese Stadt vor acht Jahren nach einem hässlichen Streit mit seinem Vater verlassen, fest entschlossen zu beweisen, dass er besser war als der alte Mann. Caleb hatte ihn einen sturen Arsch genannt. Maya hatte ihm gesagt, er solle nicht größenwahnsinnig werden.

Und jetzt war er zurück. Als Versager. Wie toll. Ich werde mir etwas einfallen lassen, wie ich mich bei Danita bedanken kann, dachte er, bevor er ihr einen bösen Blick zuwarf und den Weg hinaufstürmte.

Ihm war schleierhaft, wie sie in diesen Stöckelschuhen mit ihm mithalten konnte, aber Danita war um den Wagen herum und hatte seine Hand genommen, bevor er die Hälfte des Weges zum Landgut geschafft hatte. „Und ab jetzt kein Sie mehr“, bläute sie ihm ein.

Sie schafften es keinen Meter durch die breiten Türen, als ein Schlägertyp sie stoppte. Der in einen schlecht sitzenden Anzug und hässliche Schuhe gekleidete Mann mit einem noch hässlicheren Gesichtsausdruck war noch größer als Gabriel mit seinen einen Meter neunzig.

„Das Landgut ist geschlossen“, knurrte der Kerl.

„Wo ist Ham?“ Gabriel ignorierte den Mann und wandte sich stattdessen an den anderen, der genauso hässlich war, aber einen besseren Anzug trug. „Ich bin ein alter Freund und habe die Einladung, jederzeit hier zu übernachten.“

„Dieses Wochenende ist nichts frei. Privatveranstaltung“, sagte der Größere. Er trat zwei Schritte vor und packte Gabriel am Bizeps, wobei seine billige Jacke verrutschte. Der Mann trug eine Waffe. Eine große, hässliche Waffe, die aussah, als würde ein Schuss daraus ein ebenso großes, hässliches Loch bei jemandem verursachen.

Scheiße.

Alles in ihm schrie Weglaufen, aber Gabriel zwang sich zu einem Grinsen, als wäre es etwas Alltägliches, mit einer Waffe bedroht zu werden.

„Gentlemen“, sagte er mit einem charmanten Lächeln, das seine Wut verbarg. „Ich bin Gabriel Black. Ich bin wegen des Treffens hier.“ Er wartete einen Moment, beobachtete, wie die beiden Männer Blicke austauschten. Mit pochendem Herzen begann Gabriel das Spiel. Er nahm Danitas Hand und zog sie an sich.

„Ich habe es so verstanden, dass wir zu unserer Unterhaltung jemanden mitbringen können.“ Gabriel wandte seinen Blick nicht von dem Mann mit der Waffe.

Der Mann beäugte Danita gierig.

„Steht sie auch anderen zur Verfügung?“, fragte der Typ grinsend.

„Für den Moment ist sie ausschließlich für mich da.“

„Und später?“

„Ich glaube nicht, dass Sie sie sich leisten können“, sagte Gabriel mit einem Achselzucken. „Und jetzt checken Sie die Gästeliste oder holen Sie sich die Bestätigung von Ham, und geben Sie mir meinen Zimmerschlüssel. Ich muss noch ein paar Dinge erledigen, bevor wir anfangen.“

„Sie sind ziemlich von sich eingenommen“, sagte der Schlägertyp, dem offensichtlich nicht gefiel, Befehle von Gabriel entgegenzunehmen. Der Mann war eindeutig loyal dem gegenüber, der hier das Sagen hatte.

Aber wer genau war das?

Es wurde Zeit, das Spiel in Gang zu bringen, damit er es herausfinden konnte.

„Passen Sie bloß auf“, warnte Gabriel. „Bevor das Wochenende vorbei ist, bin ich Ihr Boss.“

3. KAPITEL

Danita atmete erst wieder ruhig, als sich die Hotelzimmertür hinter dem Trottel schloss, den Gabriel mit seinem Charme dazu gebracht hatte, ihr Gepäck zu tragen. Sie hatte schon Schießereien und Geiselnahmen mitgemacht, ohne ins Schwitzen zu kommen. Aber mit einem eingebildeten Kerl wie Gabriel durch die Eingangstür eines malerischen Landguts zu kommen, vorbei an zwei bewaffneten Schlägertypen? Das hatte ihr tatsächlich den Schweiß auf die Stirn getrieben.

Sie taxierte schnell den Raum, als Gabriel ihre Taschen neben den Schrank stellte. Ein Bett. Sie wusste, dass es ein notwendiger Teil ihrer Tarnung war. Aber, oh Mann, das würde heikel werden.

„Wenn das nicht das schönste Zimmer ist, das ich je gesehen habe. Und so teuer, Gabriel. Ich liebe teure Dinge“, sagte Danita mit heiserer Stimme. Sie tippte mit einem Finger an ihr Ohr, um ihm zu signalisieren, dass sie belauscht werden könnten. „Ich kann es nicht erwarten, dir zu zeigen, wie sehr ich es mag.“

Er zog eine Grimasse, dann lehnte er die Schulter gegen die Wand neben der Tür, rollte mit den Augen und sagte: „Blondie, du zeigst mir, wie sehr es dir gefällt, und ich kaufe dir einen Glitzerfummel, bevor das Wochenende vorbei ist.“

Clever. Danita unterdrückte ein Grinsen. Er war nicht nur ein gut aussehender Lügner. Er war ein schlauer, gut aussehender Lügner. Wer hätte das gedacht?

„Was braucht es, damit du mir zwei Fummel kaufst?“ Während sie fragte, öffnete sie vorsichtig das Futter ihrer Tasche, um ihm eine Auswahl an elektronischem Spielzeug zu zeigen. Sie wählte einen Stab in der Größe eines Kugelschreibers.

„Wie wäre es mit einer heißen Nummer auf diesem breiten Bett, gefolgt von einer noch heißeren unter der Dusche?“

Das Bild war leicht vorstellbar. Sie beide, nackt auf dem Bett, wie sie sich auf der Decke wälzten. Die Körper feucht und heiß. Die Begierde war wie eine Welle. Sie traf sie hart und schnell und zog ihr fast den Boden unter den Füßen weg. Da sie sich verraten würde, wenn sie das Fenster öffnete und die kalte Luft hereinließ, atmete sie einmal tief durch und konzentrierte sich auf ihren Job.

Wie eine Handysüchtige auf der Suche nach Empfang suchte sie mit dem winzigen Stab das Zimmer ab. Erst als sie den Nachttisch erreichte, blinkte das Licht an der Spitze des Stabs rot auf. Mit einem warnenden Blick auf Gabriel ging sie in die Hocke und strich mit dem Finger über die Seiten und die Rückseite des Möbelstücks. Darunter fand sie es. Eine winzige Wanze. Sie hielt den Stab darauf und drückte einen Knopf. Das rote Licht wurde grün.

Deaktiviert.

Sie fand noch zwei weitere Wanzen. Eine im Telefon. Die andere ekelhafterweise im Bad, direkt hinter dem Toilettendeckel. Sie deaktivierte beide.

Gabriel, der immer noch scheinbar gelangweilt an der Wand lehnte, zog eine Augenbraue hoch.

Sie schüttelte den Kopf. Sie hatte volles Vertrauen, dass das FBI den Kriminellen, die an diesem Wochenende zu der Party kamen, technisch ein paar Schritte voraus war. Aber es schadete nicht, vorsichtig zu sein.

Also zog sie ein kleines Gerät heraus, das wie ein MP3-Player aussah, und legte es auf die Kommode. Sie drückte eine Taste an dem Gerät. Das Licht leuchtete eine Sekunde lang weiß auf, dann erlosch es. Ein Summen erfüllte den Raum, dann war es still.

„Weißes Rauschen“, erklärte sie. „Falls es weitere Wanzen gibt, werden sie gestört. Die einzige Möglichkeit, um uns jetzt noch zu belauschen, ist, wenn sie im Nebenzimmer mit einem Trinkglas an der Wand stehen.“

„Hast du keine Angst, dass sie sauer sind, weil du ihr Spielzeug kaputt gemacht hast?“

„Ich habe es nicht kaputt gemacht. Ich habe es deaktiviert.“ Sie dachte an den Schlägertypen und zuckte mit den Schultern. „Sie werden verärgert sein, aber vermutlich nicht überrascht. Kriminelle sind notorisch misstrauisch.“

„Was du nicht sagst.“

„Du bist doch genauso.“

„Du hast keine Ahnung, was für ein Mann ich bin.“

„Ein Unikat, da bin ich mir sicher“, erwiderte sie. Sie war jedoch so nett sich abzuwenden, bevor sie die Augen verdrehte. Um sich zu beschäftigen, zog sie einen winzigen Sender und eine Videokamera von der Größe einer Sicherheitsnadel aus einem weiteren Fach ihrer Handtasche.

„Nicht ganz.“ Er ließ sich aufs Bett fallen und schleuderte seine Schuhe weg. „Ich komme ganz nach meinem Vater“, sagte er. „Nicht nur äußerlich. Auch was die Persönlichkeit betrifft. Talent. Fähigkeiten. Ich bin durch und durch der Sohn meines Vaters. Aber das weißt du bereits, oder?“

Danita hielt kurz damit inne, mit ihrem Finger oben am Türrahmen der Badezimmertür entlangzufahren, und starrte ihn an. „Du klingst, als wärst du stolz darauf.“

„Natürlich bin ich das.“

„Dein Vater ist ein bekannter Krimineller. Seine Akte beim FBI ist so dick, dass sie eine eigene Schublade braucht. Es heißt, dass er in Betrügereien auf fünf Kontinenten verwickelt war, dass er bei drei großen Kunstdiebstählen seine Hand im Spiel hatte, und dass er einem Idioten sogar die Golden Gate Bridge verkauft hat.“

Während sie sprach, schüttelte sie ungläubig den Kopf. Es war schwer zu glauben, dass jemand all dessen und noch vieler Dinge mehr verdächtigt wurde und dennoch niemals hatte verhaftet werden können. Sie warf Gabriel einen verblüfften Blick zu. „Und du bist stolz auf diese Ähnlichkeiten?“

„Der Mann ist der beste, den es gibt. Warum sollte ich nicht stolz sein?“

„Warum seid ihr dann keine Partner? Warum hattet ihr in den letzten acht Jahren keinen Kontakt?“

Seine Augen verengten sich wütend, was sie überraschte. Dann blinzelte er, und die Wut war verschwunden. Aber es überraschte Danita nicht, dass er das Thema wechselte.

„Ich gehe runter“, sagte er.

„Was willst du unten?“

„Frische Luft schnappen.“ Er zog seine Schule wieder an und schenkte ihr ein Lächeln, das teils charmant, teils verzweifelt war. „Wozu die Sorge? Du hast den Autoschlüssel hier, ich kann also nicht wegfahren.“

Danita sah ihn lange an, bevor sie langsam nickte. „Dieser Obertrottel hat gesagt, dass deine Kollegen alle unterwegs sind, aber nur für den Fall, versuche nicht, mit jemandem zu reden.“

„Falls jemand es wagt, mehr als Hallo zu sagen, werde ich ihn abwimmeln. Ich werde ihm sagen, dass ich es eilig habe, wieder nach oben zu kommen, um mit dir eine heiße Nummer zu schieben.“

Dann war er weg.

Gabriel erfreute sich an dem starken Motor der Corvette, als er die ruhige Landstraße entlangfuhr.

Es war albern, enttäuscht zu sein, aber er musste zugeben, dass er sich ein wenig im Stich gelassen fühlte. Er hatte einfach das Zimmer verlassen und Blondie ohne jede Anstrengung abserviert. Man sollte glaube, dass eine von der Regierung ausgebildete Agentin schlauer war. Der Wagen war vom Fenster aus zu sehen, und doch hatte sie es nicht bemerkt, wie er ihn kurz geschlossen hatte. Oder sie hatte es bemerkt und wollte die Tarnung nicht dadurch auffliegen lassen, dass sie ihm wie eine Besessene hinterherjagte.

Er grinste bei der Vorstellung und fragte sich, wie lange sie darauf warten würde, dass er zurückkehrte, bevor sie nachsah. Dann zuckte er mit den Achseln. Es spielte keine Rolle. Sie war hübsch und alles andere als langweilig. Dennoch war sie nicht so ganz sein Typ.

Obwohl er gern wüsste, wie eine so unentspannte Frau dazu kam, ein Flittchen zu spielen. Und sie spielte die Rolle verdammt gut. Diese großen blauen Augen, diese vollen, glänzenden Lippen und dieser erotische Körper konnten einen Mann ins Schwitzen bringen. Und die ganze Zeit über vermittelte sie den Eindruck, dass sie jeden Penny wert war, den sie sich aus der Brieftasche eines Mannes holte.

Die Erinnerung an ihren Kuss schoss ihm wie ein Blitz durch den Kopf – und durch seinen Körper wie ein tobendes Gewitter. Wahnsinn, die Frau konnte küssen! Allein bei dem Gedanken daran wurde ihm heiß, und sein Körper reagierte.

Das ist das Letzte, was ich gebrauchen kann, dachte er, als er vom Highway auf die Main Street abbog und das Tempo verlangsamte.

Zehn Minuten und eine kurze sentimentale Fahrt durch die Stadt später, parkte er das „entliehene“ Auto auf einem zentralen Platz. Seufzend blickte er sich um.

Verdammt, er hatte ganz vergessen, wie schön Black Oak war.

Kopfsteinpflaster und Backsteingebäude. Antike Laternenpfähle und mit Blumen bepflanzte Kästen. Mitten auf dem Platz stand eine Statue des Stadtgründers, Gabriels Ur-Ur-Großvater Andrew Black. Schmiedeeiserne Bänke umgaben den Platz, und zu Ehren der Jahreszeit zierten Valentinsherzen die Fahnen, die an verschiedenen Gebäuden wehten.

Ein Klopfen schreckte ihn auf und riss ihn aus seinen Gedanken. Sein Blick fiel in den Seitenspiegel. Ein breites Grinsen zog über sein Gesicht, als er aus dem Wagen sprang.

„Sieh an“, sagte er und legte den Arm über die Autotür. „Wen haben wir denn hier? Du schleichst immer noch herum und tust, als wärst du ein schlimmer Junge?“, fragte Gabriel und versuchte, beim Anblick seines Bruders nicht zu grinsen. Gott, es war fast fünf Jahre her, seit er Caleb gesehen hatte, und das war ein kurzes, zufälliges Treffen gewesen, als sein Bruder undercover ermittelt hatte.

„Ich habe die Drogenvollzugsbehörde verlassen“, sagte Caleb und lehnte sich gegen die Corvette. Er verschränkte die Arme vor der Brust und forderte seinen jüngeren Bruder mit einem kaum merklichen Kopfnicken auf, über seine Schulter zu blicken.

Gabriel sah an seinem Bruder vorbei zu dem Polizeiwagen, der hinter der Corvette stand.

„Sag, dass es nicht so ist“, murmelte er. „Du versuchst, uns zur Strecke zu bringen, nicht wahr? Hasst du Dad so sehr?“

„Dad hat immer gesagt, jeder muss seinen eigenen Weg gehen“, sagte Caleb mit einem Schulterzucken.

„Er hat aber sicher nicht gewollt, dass diese Wege den seinen abschneiden.“

„Er kann auf sich selbst aufpassen.“

Gabriel betrachtete seinen Bruder. Caleb hatte schon immer einen sehr konkreten Sinn für Richtig und Falsch gehabt. Welchen Weg würde Caleb wählen angesichts der Probleme, die Hunter ihrem Vater voraussagte? Den, der die Familie verteidigte, egal wie die Beweise aussahen? Oder den, der die Zellentür hinter ihm schloss?

„Vielleicht kann Dad auf sich selbst aufpassen.“ Gabriel nickte langsam. „Aber er hat eine Schwachstelle. Seine Kinder.“

Die Warnung schwebte einen Moment zwischen ihnen. Dann zuckte Caleb mit den Schultern. „Du nimmst einen Mann, den du seit fast zehn Jahren nicht gesehen hast, ziemlich in Schutz.“

„Ich habe mir geschworen, nicht zurückzukommen, bis ich meinen Standpunkt klargemacht habe“, murmelte Gabriel.

„Das haben wir alle, und wir haben es alle vermasselt.“

„Wir alle? Maya ist auch hier?“ Als er realisierte, dass immer mehr auf dem Spiel stand, kehrte die Anspannung in Gabriels Schultern zurück. Sicher, Hunter hatte gedroht, dass sein Vater, sein Bruder und seine Schwester Ärger bekommen würden. Aber ihm war nicht klar gewesen, dass sich alle hier in Black Oak aufhielten und damit leichte Ziele für Hunter und den FBI waren.

„Maya ist wegen der Hochzeit in der Stadt.“

„Ich kann nicht glauben, dass du wirklich heiratest. Und dann noch am Valentinstag.“

„Pandora ist es wert.“

„Pandora?“, fragte Gabriel nach.

„Pandora Easton.“ Caleb deutete mit dem Kopf auf eins der Geschäfte, Moonspun Dreams, auf der anderen Straßenseite.

Geschockt sah Gabriel seinen Bruder an. „Die Tochter dieser Esoterik-Queen?“

„Genau. Das ist Pandora. Du wirst sie mögen. Heute Abend gibt es eine Party im Laden. Irgendetwas zur Begrüßung des Frühlings oder …“ Er zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht. Wie auch immer, du musst unbedingt kommen. Pandora kennenlernen. Maya sehen. Dich um Dad kümmern.“

„Wie du selbst gesagt hast, habe ich Dad schon lange nicht mehr gesehen. Aus gutem Grund, die Sache zwischen uns war ziemlich hässlich. Ich glaube nicht, dass du eure Party mit unserem Wiedersehen ruinieren willst.“

„Pandora ist an schlechtes Benehmen gewöhnt“, war alles, was Caleb sagte.

Gabriel kämpfte mit sich. Ein Teil von ihm, der Teil, der die Familie wie verrückt vermisst hatte, wollte gehen. Wollte nichts lieber als entspannen, alle Spielchen vergessen und einfach nur für ein paar Stunden er selbst sein. Aber es stand zu viel auf dem Spiel.

Bevor er entscheiden konnte, welche Richtung er einschlagen sollte, spürte er Hitze hinter sich. Wie die Sonne, die die Wolken durchbrach und seinen Rücken wärmte.

„Da bist du ja, Süßer“, säuselte eine heisere Stimme direkt hinter Gabriel. „Ich dachte schon, du willst dich ohne mich amüsieren.“

Gabriel erstarrte und biss die Zähne so fest zusammen, dass er sich wunderte, dass keiner abbrach.

Er hatte ihr keine Sekunde etwas vorgemacht, oder?

Als er sich langsam umdrehte, bemerkte er den triumphierenden Blick in ihren großen blauen Augen und den leicht spöttischen Zug um ihre schimmernden Lippen. Und ihm wurde klar, dass er, statt ihr etwas vorzumachen, ihr direkt in die Karten gespielt hatte.

„Ich habe dich vermisst.“ Sie presste ihren Körper andeutungsweise an seine Seite und tippte ihm mit einem rotlackierten Fingernagel ans Kinn. Sie spielte ihre Rolle perfekt. „Du schlimmer Junge, bist einfach so ohne mich weggegangen.“

„Vielleicht kannst du mir später den Hintern versohlen“, schlug er trocken vor.

Einen Moment wirkte sie amüsiert, ihre Augen glänzten, ihre Lippen zuckten. Dann strich sie mit den Nägeln über seine Brust. Die zarte Berührung versetzte all seine Sinne in Alarmbereitschaft. Verdammt, sie war gut.

So gut, dass Gabriel Probleme hatte, der Verlockung ihres Körpers zu widerstehen, als sie sich an ihn schmiegte. Dank ihrer hohen Absätze war ihr Mund in Kussnähe. Ihr Blick mahnte ihn jedoch, Abstand zu halten.

„Willst du mir nicht deine Freundin vorstellen?“, drängte Caleb. Gabriel sah, dass die Augen seines Bruders teuflisch funkelten. Vielleicht hatte er die Familie doch nicht so sehr vermisst, wie er anfangs gedacht hatte.

Gabriel biss die Zähne zusammen, nicht sicher, über wen er sich mehr ärgerte. Danita, weil sie so verführerisch agierte und ihn dazu drängte, ihre Rolle als seine Gefährtin öffentlich zu zementieren. Oder Caleb, weil der es so sehr genoss.

Blondies Gesichtsausdruck nach zu urteilen, eine Mischung aus Triumph und absoluter Zuversicht, glaubte sie, diese Runde gewonnen zu haben.

Was bedeutete, dass sie meinte, er hätte verloren. Doch das würde nicht passieren.

Gabriel zog Danita an sich. Ihre Augen weiteten sich, und er wusste, dass sie gern protestiert hätte, was sie aber natürlich nicht konnte.

Er hatte nicht vorgehabt, noch weiterzugehen. Aber als sich ihr kurviger Körper eng an seinen schmiegte, konnte er nicht widerstehen. Ihre Blicke trafen sich, und Gabriel senkte den Mund auf ihren. Es war nur ein sanftes Streifen ihre Lippen. Einmal, dann noch einmal.

Wäre sie wütend geblieben, hätte er es dabei belassen. Aber er sah etwas anderes in diesen großen blauen Augen. Heißes Verlangen, gepaart mit Neugier.

Er konnte nicht widerstehen.

Er vergaß, dass es ein Spiel war, bei dem es um die Kunst ging, dem anderen immer eine Nasenlänge voraus zu sein. Er vergaß, dass sie versuchte, seine Familie hereinzulegen. Er vergaß sogar, dass sein Bruder dort stand.

Er konnte nur noch an Danita denken. Mit der Zunge fuhr er über ihre volle Unterlippe, knabberte an dem süßen Fleisch als wäre sie die Antwort auf all seine Träume.

Verlangen flammte in ihren blauen Augen auf.

Aber sie spielte immer noch das Spiel. Er merkte es daran, wie sie ihren Körper hielt, an dem provokanten Winkel, der den Eindruck erweckte, dass sie sich an ihn schmiegte, während sie ihn in Wirklichkeit von sich stieß.

Er glitt mit der Fingerspitze ihr Kinn entlang, dann über die zarte Haut ihres Halses. Und erfreute sich an dem Schauer, den sie nicht zurückhalten konnte.

Er brauchte mehr, wollte sie verzweifelt dazu drängen, und so vertiefte er den Kuss. Sein Mund glitt an ihrem entlang, schmeichelnd und lockend. Nach kurzem Zögern wurden ihre Lippen weicher, und sie ließ es zu, dass er seine Zunge dazwischen gleiten ließ.

Ich ertrinke, war alles, was Gabriel denken konnte. Er ertrank in ihr. Der Gedanke erschreckte ihn. Widerstrebend zog er sich zurück und sah, wie sie die Leidenschaft mit einem Wimpernschlag wegblinzelte.

Innerhalb einer Sekunde wurde sie von heiß zu kalt. Von leidenschaftlich zu berechnend.

Gott, was für eine Frau.

Unfähig, sein Grinsen zu unterdrücken, legte Gabriel einen Arm um ihre Schulter und drehte sich so, dass sie seinen Bruder ansahen.

„Das ist Danita“, stellte Gabriel vor. „Sie ist meine Verlobte.“

4. KAPITEL

„Was zum Teufel hast du dir dabei gedacht?“, schimpfte Danita und schritt den frustrierend kurzen Weg zwischen Fenster und Badezimmer auf und ab.

Seit einer halben Stunde nörgelte sie herum. Aber bis jetzt hatte ihr Meckern bei Gabriel nichts weiter als ein Achselzucken hervorgerufen.

„Ich meine es ernst“, sagte sie. „Warum erzählst du deinem Bruder so etwas? Ist es dir egal, was hier auf dem Spiel steht?“

Endlich drehte er sich zu ihr.

„Was?“, fragte er. „Sollte ich dich meinem Bruder als meine Nutte vorstellen? Ein Luxus-Callgirl mit einer Vorliebe fürs Verbrechen?“

„Du solltest dich an unsere Abmachung halten“, fuhr sie ihn an. „Wir sind hier, um Informationen zu sammeln, nicht, um ein noch größeres Lügennetz zu spinnen.“

„Meine Familie würde nicht akzeptieren, dass ich mit einer billigen – oder in deinem Fall teuren – Nutte zu irgendeiner Familienveranstaltung komme. Und da ich hier bin, um meinen Vater zu entlasten, werde ich an vielen Familienveranstaltungen teilnehmen. Hattest du vor, so lange hier im Zimmer zu warten?“

Danita fauchte. „Es könnte unsere Tarnung ruinieren.“

„Nein. Nicht, wenn meine geschätzten Kollegen hier denken, dass ich meine Familie in Bezug auf dich anlüge, um meinem alten Herrn eine Falle zu stellen. Wenn sie glauben, dass ich ihn verarsche, dann bin ich ein sicherer Kandidat für den Vorsitz in ihrem Westküsten-Verbrecherklub.“

„Das würdest du tun? Deine Familie benutzen, um diese Kriminellen zu betrügen?“

„Du tust es auch“, bemerkte er.

Danita wollte protestieren. Sie machte nur ihren Job. Sie versuchte, einen Verbrecherring aufzulösen und vielleicht, nur vielleicht, einen berüchtigten Betrüger zu fangen.

Dass der Betrüger Gabriels Vater war, war nebensächlich.

Bevor sie entscheiden konnte, wie sie Gabriel antworten sollte, klopfte es an der Tür. Ihr Blick wurde kühl, sofort war sie konzentriert.

Sie warf Gabriel einen warnenden Blick zu und schaute noch einmal in den Spiegel. Kurz das Haar aufplustern und sich vergewissern, dass die Waffe griffbereit war, dann war sie bereit.

Mit einem weiteren warnenden Blick auf Gabriel riss sie mit einem verführerischen Lächeln die Tür auf. „Hallo“, murmelte sie.

„Zeit für das Treffen“, sagte der Schlägertyp. Er ignorierte Danita und blickte quer durch das Zimmer zu Gabriel. „Zehn Minuten. Speisesaal.“

„Wir werden da sein.“

Danita hielt den Atem an, beobachtete, wie der Mann die Stirn krauszog. Sie und Hunter hatten vorgeschlagen, dass Gabriel versuchen sollte, Danita mit zu den Treffen zu nehmen, auch wenn sie wussten, dass die Wahrscheinlichkeit gering war, dass es gelang.

„Nur Sie.“

Gabriel richtete sich zu voller Größe auf. Es war, als würde man einem Krieger dabei zusehen, wie er die Rüstung anzog. Er wurde gefährlich. Furchterregend. Danita befeuchtete die Lippen. Und er war so verdammt verführerisch.

„Wir. Sie ist Teil meines Plans.“

„Sie sind nicht hier, Ihren Plan zu präsentieren. Sie sind hier, um zuzuhören.“

„Ich habe Insiderverbindungen und Einfluss, von dem ihr nur träumen könnt.“ Gabriels Worte waren so stark, so selbstsicher, dass Danita sich fragte, was er noch in petto hatte. „Euer kleiner Klub braucht mich. Also machen wir es auf meine Art. Oder ich gehe.“

„Okay“, sagte der Typ schließlich mit einem Achselzucken. Dann warf er einen Blick auf seine Uhr und sagte: „Neun Minuten.“

Danita schloss die Tür. Sie holte tief Luft. „Was hast du vor?“

„Ich habe dir ja gesagt, dass ich sie alle betrügen werde. Ich werde sie glauben lassen, dass ich das Insiderwissen habe, um meinem alten Herrn eine Falle zu stellen. Wenn das ebenfalls ihr Ziel ist, dann werden sie gierig danach greifen. Außerdem habe ich noch ein paar weitere Ideen.“ Er zog seine Lederjacke aus und hängte sie auf.

Sie wollte nach seinen Ideen fragen. Denn sie musste wissen, was er plante.

Doch dann wanderten seine Hände zu seinen Hemdknöpfen.

Ihr Herzschlag setzte kurz aus.

Mit jedem Knopf, den er öffnete, entblößte er mehr nackte Haut. Prächtige, goldbraune Haut, bedeckt mit einem Hauch schwarzem Haar.

Ihr lief das Wasser im Mund zusammen.

Dann zog er das Hemd aus, und ihr wurde heiß bei dem Anblick. Dezente Muskeln machten seine breiten Schultern und die durchtrainierte Brust zu einem Kunstwerk. Sein Bizeps spannte sich an, als er das Hemd zusammenknüllte und in den Wäschesack warf, bevor er seinen Koffer öffnete und ein frisches schwarzes Hemd herausnahm. Als er es kurz schüttelte, um die Falten zu glätten, sah sie im Spiegel die Muskeln seines Rückens tanzen.

Sie wünschte sich verzweifelt, sie könnte die Zunge über diese Haut gleiten lassen und ihn schmecken. An ihm knabbern.

„Was machst du da?“ Sie hasste es, dass sie so atemlos klang.

„Ich mache mich für das Treffen fertig. Das äußere Erscheinungsbild ist alles, Blondie. Du solltest das wissen.“ Er warf ihr einen amüsierten Blick zu, der deutlich machte, dass er genau wusste, wie er auf sie wirkte.

„Du solltest dich auch noch ein wenig schick machen. Sexy und gleichzeitig lässig wäre gut. Denk daran, wir sind hier, um die Kontrolle zu übernehmen. Diese Jungs wollen uns einschüchtern. Also müssen wir da reingehen und reich und mächtig auftreten, ihnen klarmachen, dass sie sich glücklich schätzen könnten, uns in ihrem Klub zu haben. Am Ende werden sie diejenigen sein, die eingeschüchtert sind.“

„Indem wir uns schick anziehen?“

„Sexy und lässig“, sagte er und grinste. „Aber teuer. Ich bin ein wohlhabender Mann, denk daran.“

Mit einem Augenzwinkern ging er ins Bad und schloss die Tür hinter sich.

Danita knirschte mit den Zähnen. Sie war die verantwortliche Agentin, und er sagte ihr, was sie anziehen sollte?

Danita öffnete ihren Koffer. Sie hatte sowohl edle als auch laszive Kleidung eingepackt. Aber das konnte sie gut kombinieren.

Sie holte einen engen, schwarzen Lederrock mit hohem Schlitz heraus und wählte dazu eine schwarze blickdichte Strumpfhose und Lacklederpumps aus. Dann nahm sie eine strenge weiße Bluse in die eine Hand und einen schwarzen Kaschmirpullover in die andere und überlegte, welcher Look besser war.

„Nimm den Pullover“, sagte Gabriel, als er aus dem Bad kam. „Sieht verführerischer aus.“

Sie drehte sich zu ihm um.

Warum sah der Mann so umwerfend gut aus? Er hatte die Krawatte weggelassen, sodass der Anzug nicht formell wirkte, sondern einfach nur Macht und Einfluss ausstrahlte. Der schwarze Stoff sah teuer aus und weckte in ihr das Bedürfnis, den Mann zu berühren, ihre Hände über seine Schultern gleiten zu lassen, um den Luxus zu erspüren. Sein schwarzes Hemd war am Kragen offen und zeigte gerade genug Haut, dass sich das Bild von ihm ohne Hemd fest in ihrem Kopf verankerte.

„Beeil dich“, sagte er. „Wir kommen noch zu spät.“

Sie eilte ins Bad. In weniger als zehn Minuten würde sie den Top-Kriminellen der Westküste gegenüberstehen.

Dreißig Minuten später, auf einem gemütlichen Sessel in einer Ecke des privaten Speisesaals des Landguts sitzend, sah Danita sich gezwungen, ihre Meinung über Gabriel Black zu korrigieren. Er war nicht nur ein Betrüger. Er war der absolut beste Betrüger, den sie je getroffen hatte.

Autor

Tawny Weber
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