Baccara Herzensbrecher Band 7

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AUF DEM SCHLOSS DES PLAYBOYS von KATHRYN JENSEN

Christopher Smythe bringt die junge Reiseleiterin Jennifer fast um den Verstand. Auch wenn der sexy Schlossbesitzer im Ruf eines notorischen Playboys steht, kann sie seinen erregenden Küssen nicht lange widerstehen - und hofft bald auf mehr als eine Affäre. Vergeblich?

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Jasons Auftrag ist klar: Er soll die schöne Meredith davon abbringen, weiterhin einem kriminellen Mitglied des Texas Cattleman’s Clubs nachzustellen. Und Jason weiß nur einen Weg, wie er sie stoppen kann: Er wird Meredith einfach für sich gewinnen …

DIE NANNY UND IHR PLAYBOY-BOSS von ROBYN GRADY

Die Frauen in Hollywood liegen Dex Hunter zu Füßen. Aber der Filmboss hat nur Augen für die umwerfende Shelby Scott, die neue Nanny seines kleinen Halbbruders. Doch egal, wie sinnlich Dex sie umwirbt: Shelby sagt ihm glasklar, dass sie eins bestimmt nicht will: einen Playboy wie ihn!


  • Erscheinungstag 25.09.2020
  • Bandnummer 7
  • ISBN / Artikelnummer 9783733726553
  • Seitenanzahl 448
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Kathryn Jensen, Sara Orwig, Robyn Grady

BACCARA HERZENSBRECHER BAND 7

1. KAPITEL

Irgendwie war sein Leben aus dem Ruder gelaufen. Und sosehr sich der junge Earl of Winchester auch bemühte, er bekam es einfach nicht wieder in den Griff.

Sein Lieblingszimmer lag ganz oben im nördlichen Turm der Burg. Es war seine Zuflucht und der Ort, an dem er in Ruhe nachdenken konnte. Als sie noch Kinder waren, hatten seine Brüder und er hier gespielt. Später, als er etwas älter war, hatte er hier Bücher über kühne Ritter, schreckliche Schlachten und schöne, aber verzweifelte Prinzessinnen gelesen. In seinen Träumen hatte er stets gesiegt.

Heutzutage begann er jedoch unweigerlich zu grübeln, sobald er Zeit innerhalb der dicken Granitwände verbrachte. Dunkle Gedanken wirbelten in seinem Kopf herum wie die Nebel um Loch Kerr, den tiefen See nahe der Burg, und seine ohnehin schlechte Stimmung wurde noch düsterer. Tag für Tag wuchsen seine Hilflosigkeit und seine Wut, bis er gefährlich nahe daran war, auf alles loszugehen, was ihm in die Quere kam.

Christopher Smythe, Earl of Winchester, trat auf den Balkon und starrte zornig auf das purpurrote Heidekraut hinunter, das seine Burg umgab. Etwa fünfhundert Kilometer weiter südlich lag London. Dort verbrachten seine Freunde gerade ein paar gesellige Tage, ehe sie im August an die Côte d’Azur weiterziehen würden. Seine Freunde waren eine willkommene Ablenkung, wenn sie ihn auf der Burg besuchten, aber sie verschwanden immer viel zu schnell wieder nach London oder zu einer Fuchsjagd, zu einem Polospiel oder einer Party. Wenn Christopher dann allein war, blieb ihm keine andere Wahl, als sich wieder mit seiner Wut zu beschäftigen. Denn er war außerstande, sich seinen größten Wunsch zu erfüllen.

Er umklammerte die steinerne Balustrade mit festem Griff und fluchte laut. Statt sich besser zu fühlen, nachdem er seinem Ärger Luft gemacht hatte, empfand er jedoch etwas anderes: eine Art Vorahnung, dass sein Leben noch komplizierter werden würde. Was sollte das nun wieder bedeuten?

In diesem Moment sah er, wie sich etwas auf der schmalen, mit Kies aufgeschütteten Auffahrt bewegte, die von der Hauptstraße den Hügel hinauf zur Burg führte. Es schien ein Kleinbus zu sein, rot, kompakt und staubig. Seine Haushälterin besaß kein Auto, und der Verwalter hatte heute frei. Der Stallmeister und seine Gehilfen kümmerten sich gerade um die Pferde. Den Steinmetz und seine Leute erwartete er in den nächsten Tagen nicht. Tatsächlich kannte er niemanden, der einen solchen Wagen fuhr.

Während das rote Vehikel näher rumpelte und dabei Staub und Kies aufwirbelte, fiel Christophers Blick auf ein leuchtend buntes Schild auf einer Seite des Wagens: Murphy’s weltweite Traumtouren. Touristen, die sich verfahren haben, dachte Christopher grimmig. Es blieb ihm wohl nichts anderes übrig, als hinunterzugehen und ihnen den Weg zur Schnellstraße zu zeigen.

Verärgert, weil er sein Grübeln unterbrechen musste – oder vielleicht auch, weil die Unterbrechung kurz und langweilig sein würde –, eilte er die Stufen vom Turm zum nächsten Treppenabsatz hinunter. In großen Schritten, immer zwei elfenbeinfarbene Marmorstufen auf einmal, lief er die nächste Treppenflucht hinab bis in die große Halle im Erdgeschoss. Christopher riss die schwere Eichentür auf und ging hinaus, wo eine junge Frau gerade vom Fahrersitz des Busses kletterte und ihre Passagiere fröhlich winkend aufforderte, seinen Besitz zu betreten.

Das ging zu weit.

„Was, verdammt noch mal, erlauben Sie sich?“ Er lief auf sie zu und spürte, wie ihm das Blut ins Gesicht stieg.

Sie drehte sich um und starrte ihn überrascht an. Ihre Augen hatten die Farbe junger Blätter. Frisch, grün, unschuldig. Doch als sie sein mürrisches Gesicht sah, verdunkelte sich ihr Blick. „Wie bitte?“

„Haben Sie das Schild nicht gesehen?“

„Welches Schild?“ Ihre Stimme klang herausfordernd. Das überraschte ihn. Normalerweise reichte ein Blick von ihm, um Eindringlinge zu vertreiben.

„Das, auf dem Privatbesitz steht“, knurrte er. „Betreten verboten.“

Sie blinzelte ihn an, knabberte an ihrer Unterlippe und seufzte. „Nun, ich glaube, ich habe angenommen, dass wir keine …“ Sie spähte in ihre Handtasche und begann, darin zu kramen. „Hier, bitte.“ Sie schwenkte ein Blatt Papier vor seinem Gesicht. „Wir haben für elf Uhr gebucht.“

„Gebucht?“ Er schnappte sich das Blatt und entfaltete es.

Es schien eine Buchungsbestätigung für Bremerley Castle zu sein. Er wollte ihr gerade sagen, dass Bremerley Castle zwanzig Kilometer weiter nördlich lag, als ihm die erwartungsvollen Blicke ihrer Gäste auffielen und die Sorge in den grünen Augen der jungen Frau.

Sein Ärger verflog, seine Stirn glättete sich, und die Anspannung wich aus seinen Schultern. Er brachte es nicht fertig, ihr in Gegenwart der anderen zu sagen, dass sie sich verfahren hatte.

Abgesehen davon sah sie fantastisch aus, wie sie da vor ihm stand, sich mit der Zunge über die Oberlippe fuhr und ihn mit diesen schönen hellgrünen Augen ansah.

„Ich würde mich freuen, Sie herumzuführen“, brummte er schließlich und war ein bisschen erstaunt über sich selbst.

Ihr Gesichtsausdruck hellte sich sofort auf. „Oh, schön. Sie müssen der Verwalter sein. Wohnt Lord MacKinney zu dieser Jahreszeit hier?“

Das Spielchen gefiel ihm so sehr, dass es sogar ein Lächeln auf seine Lippen zauberte. Was sprach dagegen, so zu tun, als sei er jemand anderes? Und wenn er damit dieser verirrten, aber schönen jungen Amerikanerin aus der Patsche helfen konnte – umso besser. „Manchmal“, sagte er. „Wenn er nicht gerade Polo spielt oder in London ins Theater geht. Heute ist er nicht da.“

Sie zwinkerte ihm verschwörerisch zu. „Sie sind sicher froh, dass er aus dem Weg ist.“

Er beugte sich zu ihr hinab und roch den schwachen Vanilleduft ihres Parfums. „Der Lord kann eine ziemliche Plage sein.“

„Nun, dann freut es mich, dass er nicht da ist.“ Sie drehte sich um und bewunderte die vor ihr aufragenden Festungsmauern mit großen Augen und kindlicher Freude. „Können Sie uns die Zimmer zeigen, die für die Öffentlichkeit zugänglich sind?“

Die Linie ihres Halses zog seine Aufmerksamkeit auf sich, und Christopher stellte sich unwillkürlich vor, wie seine Lippen daran entlangglitten. Die junge Frau war klein und blond und reichte ihm selbst in ihren High Heels nur bis zur Schulter. Während sie das Gebäude musterte, das seiner Familie seit fast dreihundert Jahren gehörte, spielte sie mit den Quasten an ihrer Tasche. Sie runzelte kurz die Stirn, als ihr der rechte Flügel der Burg, die Ruine, auffiel.

Kluge Frau, dachte Christopher. Sie merkte wohl gerade, dass etwas nicht stimmte. Bremerley war vollständig restauriert. Wenn sie eine sachverständige Führerin war, würde sie das wissen. Er fragte sich, wie lange sie wohl brauchen würde, um ihren Fehler zu bemerken.

In der Zwischenzeit freute er sich über ihr Interesse an seinem Erbe. Normalerweise schickten er oder sein Verwalter alle Touristen, die auf der A7 die falsche Abfahrt nahmen und hier landeten, sofort wieder weg. Aber dieser Frau zuzusehen war einfach verdammt fesselnd.

„Wie heißen Sie?“, fragte er und zeigte einladend zu den Eingangsstufen hin.

Sie ging los, gefolgt von zehn Reisenden, die sich schon angeregt miteinander unterhielten und sich interessiert umschauten. „Jennifer Murphy, und Sie?“

„Christopher.“

„Christopher“, wiederholte sie nachdenklich und stieg die Granittreppe empor, deren Stufen in der Mitte vom jahrhundertelangen Gebrauch ausgetreten waren. „Ist das ein schottischer Name? Ich dachte, er sei englisch.“

„Ich bin in Sussex geboren, aber hier in der Gegend und in London aufgewachsen.“

„Wie aufregend!“

„Manchmal“, bekannte er. Er hatte sich niemals Gedanken über das nächste Essen machen müssen, und es war immer genug Geld dagewesen, mit dem er tun konnte, was ihm gerade einfiel. Sein Vater, der Earl of Sussex, war zwar mit seiner Zuneigung sparsam umgegangen, doch er hatte Christopher und seine beiden Brüder immer gut versorgt – auch mit Titeln. Alle drei konnten sie sich nach dem Gesetz Earl nennen, obwohl ihre Titel weniger bedeutend waren als der ihres Vaters. Der Familie gehörte eine ganze Sammlung von Adelsbezeichnungen, die ihre Vorfahren in den vergangenen Jahrhunderten angehäuft hatten.

„Und Sie? Sie sind offensichtlich Amerikanerin. Aus welchem Teil der Staaten kommen Sie?“

„Ich bin in Baltimore aufgewachsen und habe dort auch immer gelebt. Meiner Mutter und mir gehört ein Reiseunternehmen. Wir haben uns auf Touren durch Europa spezialisiert.“

„Und sie leiten jede Reise persönlich?“

Sie lächelte. „Nein, nicht jede. Aber die meisten. Meine Mutter wacht lieber über das Büro. Und weil ich Geschichte studiert habe, kann ich auch die Führungen leiten, die wir unseren Kunden anbieten.“

Sieh mal einer an! Sie war also nicht nur hübsch, sondern auch klug. Es juckte Christopher, mehr über sie herauszufinden. Doch nun standen sie in der Mitte der Haupthalle, und die Reisegruppe wurde unruhig.

Er wollte sie gerade darum bitten, ihren Kunden zu sagen, dass sie nicht die Gemälde berühren sollten, die er erst kürzlich aus einem Lagerraum geholt hatte, um sie aufzuhängen. Da fiel ihm auf, dass sie seine Kleidung musterte und dabei leicht die Stirn runzelte. „Ist alles in Ordnung?“

„Ich habe mich gerade gefragt, was Verwalter wohl heutzutage verdienen.“ Sie tippte auf das Revers seines Lieblingsblazers aus Kaschmir.

Sie schaltete offenbar schnell. Christopher hätte beinahe laut aufgelacht.

Eigentlich hatte er heute nach Edinburgh zu seinem Anwalt fahren wollen. Auf diese Weise verkehrten er und sein Vater neuerdings miteinander. Der alte Earl missbilligte den Lebensstil seines jüngsten Sohnes, über den die britischen Paparazzi ausführlich berichteten. Sein Vater hielt ihn für einen Playboy mit einer Schwäche für schnelle Polopferde und rassige Frauen. Als Christopher ihn vor einem Jahr gebeten hatte, ihm Donan Castle als Teil seines Erbes zu überlassen, hatte sein Vater wohl in der Hoffnung zugestimmt, dass sich Christopher im Norden niederlassen und eine Braut finden würde. Doch nun lebte er schon seit neun Monaten auf Donan, und die zukünftige Ehefrau ließ immer noch auf sich warten.

In Wirklichkeit, wusste Christopher, hatte er nur eine einzige Schwäche. Doch die würde er so lange geheim halten, bis er von seinem Versprechen entbunden wurde. Er hoffte inständig, dass dieser Tag nahe war.

Christopher zwang sich, zu lächeln. „Die Jacke ist ein Geschenk meines Arbeitgebers.“

Jennifer musterte ihn noch einen Moment lang mit zusammengekniffenen Augen. Er wünschte, er könnte ihre Gedanken lesen, doch plötzlich drehte sie sich um, klatschte in die Hände und begann ihrer Reisegruppe etwas über mittelalterliche Architektur zu erzählen. Er hörte ihr zu, eher vom Klang ihrer Stimme als vom Inhalt ihrer Worte begeistert. Ihre Stimme klang sanft und süß und erinnerte ihn an seine Kindheit, als ihm ein Kindermädchen, an dessen Namen er sich nicht mehr erinnerte, Geschichten über eine Zeit vorgelesen hatte, als Ehre noch alles gewesen war.

Er versuchte sich vorzustellen, wie Jennifer wohl im Kleid einer Edelfrau aus dem fünfzehnten Jahrhundert aussehen würde. Heute trug sie einen einfachen Jeansrock und ein pinkfarbenes Baumwolltop. Damals wäre es ein bodenlanges Kleid aus flämischem Damast gewesen, und in ihr langes flachsfarbenes Haar wären Bänder und Edelsteine eingeflochten gewesen. Damals hätte ein Mann seine Frau wegschließen können, um sie vor begehrlichen Blicken und den Übergriffen anderer Männer zu bewahren …

Wie war er nur auf diese Idee gekommen? Christopher versuchte, die Gästegruppe im Auge zu behalten. Trotzdem beschäftigte ihn seine Fantasie weiter. Er stellte sich vor, wie er mit Lady Jennifer allein war und sie berühren konnte, wann immer ihm danach war. Sein Körper reagierte sofort. Er versuchte sich daran zu erinnern, wie wütend er eben noch gewesen war, als sie ihren Wagen vor seiner Eingangstür geparkt hatte. Doch es nützte nichts.

„Kommen Sie?“

Erschrocken sah Christopher hoch, aufgeschreckt von Jennifers Stimme, die plötzlich weiter entfernt zu sein schien. Er drehte sich um und sah, dass sie auf die Tür zusteuerte, die in seine Bibliothek führte. „Wir haben es eilig“, rief sie ihm zu. „Wir müssen zum Mittagessen in einem Pub südlich von Edinburgh sein. Und …“, sie warf ihm einen wissenden Blick über die Schulter zu, „… die Aufzeichnungen, die ich über die Innenausstattung von Bremerley gemacht habe, scheinen nicht mit der Realität übereinzustimmen.“

Jetzt musste er doch lachen. Sie war wirklich eine kluge Frau.

Er beeilte sich, sie einzuholen, hörte ihrem weiteren Vortrag aufmerksam zu und war überrascht, wie viel sie über die Geschichte der Borders wusste, der Region im Süden Schottlands, die an England grenzte. Dort hatten die Kämpfe zwischen England und Schottland nicht nur Hunderte von Jahren angedauert, sie waren auch besonders heftig gewesen. Donan Castle war ein wichtiger Teil der Verteidigungslinie gewesen. Die Burg hatte Dutzende Male den Besitzer gewechselt.

Christopher lauschte Jennifers Ausführungen so konzentriert, dass ihm der Mann zunächst nicht auffiel, der sich von der Gruppe entfernte, um sich ein Paar Duellpistolen anzusehen, die an der Wand hingen.

Aus dem Augenwinkel sah Christopher, wie eine Hand nach den Waffen fasste. Bevor er es sich versah, schrie er: „Nicht!“

Alle starrten ihn an. Jennifer legte den Kopf schief und betrachtete ihn triumphierend.

Mit drei Schritten hatte Christopher den Mann erreicht und schob dessen Hand von den Pistolen weg. „Der Earl mag es nicht, wenn man seine Sachen berührt“, sagte er und versuchte, ruhig zu klingen.

„Entschuldigung, ich wollte nichts beschädigen“, wandte der Tourist ein.

„Das ist ein fabelhafter Grundsatz, den Sie immer befolgen sollten, wenn Sie ein Museum oder ein Gebäude von historischem Rang besuchen“, sagte Jennifer fröhlich. „Viele Dinge, die Sie dort sehen, sind unersetzbar. Lassen Sie uns nun weitergehen.“ Sie warf Christopher im Vorbeigehen einen schelmischen Blick zu. „Ich bin sicher, dass es hier noch mehr Interessantes zu entdecken gibt.“

Als sie den ersten Stock besichtigt hatten, war sich Christopher sicher, dass Jennifer nicht nur wusste, dass sie sich nicht auf Bremerley befand, sondern auch ahnte, dass er nicht der war, der er zu sein vorgab. Immer, wenn die Gruppe einen Raum betrat, spürte er Jennifers Blick auf sich ruhen. Und immer wieder erwischte er sich dabei, wie er sich zwischen die Touristen und seine liebsten Besitztümer stellte, als schirme er sie vor unbeholfenen Händen ab.

Zum Schluss – als sie sich alle in einem Kreis in der Haupthalle versammelten – wandte sich Jennifer direkt an ihn. „Dürfen wir die Räume ganz oben auch besichtigen?“

Christopher erstarrte bei der Vorstellung, dass Fremde durch seine Privatzimmer laufen könnten. „Ich … nun … Wissen Sie, die oberen Räume werden gerade renoviert.“ Das stimmte zwar, aber er hätte sie ihnen trotzdem zeigen können. Alle, außer dem Turmzimmer. Das gehörte ihm allein.

Zwei Frauen seufzten bedauernd.

„Nun, dann sind wir fertig!“, verkündete Jennifer. „Vielen Dank, Christopher, dass Sie den Gastgeber gespielt haben. Wir haben uns sehr gefreut, die Burg besichtigen zu dürfen.“

„Kein Problem.“ In seinen Ohren klang seine Stimme ungewohnt entspannt und freundlich. Wie lange war es her, dass er sich so gelassen gefühlt hatte?

Bevor er es herausgefunden hatte, trieb Jennifer ihre Schützlinge zur Eingangstür und erläuterte die Pläne für den Nachmittag.

Christopher folgte ihr auf den Fersen. Er fühlte sich ein bisschen schuldig, weil er sie an der Nase herumgeführt hatte. Es spielte keine Rolle, dass er sie nie wiedersehen würde, dachte er, während die Gruppe in den Wagen stieg. Ihm gefiel nur der Gedanke nicht, sie in dem Glauben wegfahren zu lassen, dass er sie mit Absicht hereingelegt hatte, wo er ihr doch nur hatte helfen wollen. Aber natürlich hatte er sich auch ein bisschen Spaß und Ablenkung versprochen.

„Warten Sie!“, rief er, gerade als sie in den roten Bus einsteigen wollte. Er griff nach ihrer Hand, zog sie einen Schritt vom Wagen weg und schloss die Tür, damit niemand sie hörte. „Wie haben Sie es herausgekriegt?“, fragte er leise.

„Verwalter sind normalerweise gegenüber ihren Arbeitgebern sehr loyal“, stellte Jennifer fest. „Aber kein Angestellter war bisher je so stolz auf das Haus seines Chefs wie Sie. Ich habe gedacht, Sie würden Mr. Pegorski erwürgen, als er die Pistole berührt hat.“ Sie sah ihn anklagend an. „Das hier ist nicht Bremerley. Kein einziges Architekturmerkmal kommt in meinen Aufzeichnungen vor. Und Sie sind kein Verwalter. Wo bin ich also, und wer sind Sie?“

„Dies hier ist Donan Castle. Sie haben die falsche Abfahrt genommen. Ich bin Christopher Smythe, Earl of Winchester.“

Sie musterte ihn, und nach einem Moment nickte sie. „Ich habe von Ihnen gehört oder irgendwo Fotos von Ihnen gesehen. Ich glaube, in einem Magazin. Eins von diesen Gesellschaftsblättern, an einem Londoner Kiosk.“

Er hob ungerührt eine Braue. „Glauben Sie nicht alles, was Sie lesen.“ Dass sie sein Ruf weder beeindruckte noch beunruhigte, machte ihn neugierig. Er hob ihre Hand an seine Lippen und küsste sie. Sie roch nach Vanille. Dann ließ er sie zögernd los.

„Der Earl of Winchester“, wiederholte sie nachdenklich.

„Ein ziemlich unbedeutender Titel. Am Hof kennen sie mich kaum.“

Sie sah ihn zweifelnd unter hellen Wimpern an. „Stimmt. Sie sind nur ein Durchschnittsbürger.“

Er schüttelte den Kopf und lächelte. Ein richtiges Lächeln – zum ersten Mal seit Ewigkeiten. Aus irgendeinem Grund gefiel es ihm, dass sie ihn offenbar für attraktiv hielt. Er hatte sich inzwischen angewöhnt, die bewundernden Blicke von Frauen zu ignorieren. Doch in der Vergangenheit hatte er oft genug nur auf die Bedürfnisse seines Körpers gehört, wie er sich eingestehen musste.

„Sie sind kein besonders guter Lügner“, sagte Jennifer gerade. „Und Sie sehen nicht wie ein Dienstbote aus. Ich nehme an, dass Sie niemanden lange hinters Licht führen können.“

Er mochte ihre Ehrlichkeit. „Die Unfähigkeit, jemanden zu betrügen, kann eine gute Charaktereigenschaft sein. Wie lange bleiben Sie noch in Schottland?“, fragte er spontan.

„Einen Tag.“

„Und dann?“

„Dann sind wir zwei Tage lang in London. Danach schicke ich meine Kunden zurück in die Staaten. Ich habe vor, noch ein paar Tage dranzuhängen.“

„Wenig Zeit. Schade“, murmelte er, als sie die Wagentür öffnete. Er spürte eine unwillkommene Hitze, ein Gefühl der Erregung … und entschied sich, es nicht weiter zu beachten. Jennifer Murphy würde nur kurz auf dieser Seite des Atlantiks sein. Ihr Zuhause und ihre Zukunft lagen in den USA, während sein Platz in Großbritannien war und blieb – aus Gründen, über die er jetzt nicht nachdenken wollte.

„Also …“, begann er, musste sich aber räuspern, bevor er fortfahren konnte. „Auf Wiedersehen, Jennifer aus Baltimore.“ Er reichte ihr die Hand, half ihr auf den Fahrersitz, wandte sich dann jedoch sofort zu den Ställen um und marschierte entschlossen davon. Was er jetzt brauchte, war ein fordernder Ausritt. Auch wenn es nicht ganz die körperliche Betätigung war, die er sich gerade wünschte.

Aber was blieb ihm übrig?

Jennifer schaute in den Rückspiegel. In den Sekunden, die der Wagen brauchte, um die erste Kurve zu erreichen, beobachtete sie Christopher Smythe, der mit langen Schritten um eine Ecke bog und dann aus ihrem Blickfeld verschwand. Ihre Hände auf dem Lenkrad waren feucht; ihr Nacken prickelte. Sie spürte immer noch die Berührung seiner Lippen auf ihrer Hand. Verdammter Kerl!

Ja, er war eingebildet. Ja, er war zu gut aussehend und zu reich. Aber seinetwegen hatte auch keiner ihrer Kunden bemerkt, dass sie sich auf dem Weg von London nach Edinburgh verfahren und einen echten Earl in seinem Heim gestört hatte. Dafür war sie ihm zu Dank verpflichtet.

Wie konnte das nur passieren? Sie verfuhr sich sonst nie! Wenn sie eine Reise leitete, erledigte sie ihre Hausarbeiten gründlich: Sie legte die Strecke fest, überprüfte sie mehrfach und plante genau, was sie über Geschichte und Architektur erzählen wollte.

Sie ärgerte sich so sehr über sich selbst, dass sie Christopher nicht böse war, dass er sie hereingelegt hatte. Immerhin hatte sein Verhalten es ihr ermöglicht, das Gesicht zu wahren. Sie sollte sich eigentlich dafür bedanken. Vielleicht mit einem kurzen Brief … Oder sie könnte auch einfach ein Exemplar des Magazins zerreißen, das so peinliche Dinge über ihn geschrieben hatte.

Ohne es zu wollen, dachte Jennifer später am Nachmittag in Edinburgh immer wieder an Christopher. Wiederholt fielen ihr seine faszinierenden, unglaublich blauen Augen ein. Während sie die Ruinen von Holyrood Abbey und den angrenzenden Park besichtigten, hatte sie seinen sexy klingenden britischen Akzent in den Ohren. Sie musste an die jungenhaften dunklen Locken denken, die ihm ständig in die Stirn gefallen waren, und wie er ihr zugezwinkert hatte, nachdem sie ihn bei seiner kleinen Lüge erwischt hatte.

Und dann war da noch diese Sache mit dem Handkuss. Hatte er beabsichtigt, dass seine Geste bei ihr dieses erregende Kribbeln auslöste? Wahrscheinlich. Christopher Smythe war mit Sicherheit daran gewöhnt – und offenbar sehr erfahren darin –, bei Frauen solche Gefühle auszulösen. Wahrscheinlich machte er das automatisch. Sie konnte sich gut vorstellen, wie er die Hand einer achtzigjährigen Herzogin küsste und sich dann einfach umdrehte, während die Frau vor Verzückung in Ohnmacht fiel. Nichts Besonderes für einen attraktiven Earl.

Während Jennifers Verstand ihr sagte, dass die Empfindungen, die er in ihr ausgelöst hatte, nichts bedeuteten, war ihr Körper anderer Ansicht.

Und doch würde es dein Leben nur unnötig kompliziert machen.

Sie war für ihre eigene und die finanzielle Sicherheit ihrer Mutter verantwortlich. Das war das Wichtigste für sie, und es bedeutete, so viel wie möglich zu arbeiten, um die letzten Schulden abzubezahlen, die ihnen ihr Vater hinterlassen hatte, bevor sich ihre Mutter endlich von diesem Schurken hatte scheiden lassen. Es wäre schön, wenn es einen Mann in ihrem Leben gäbe, keine Frage, dachte Jennifer. Aber keiner der Männer, die sie bisher kennengelernt hatte, konnte ihr die Sicherheit geben, die sie brauchte.

Jennifer musste an ihren Vater denken – und dann wieder an Christopher. Der einzige Männertyp, der noch schlimmer war als ein Frauenheld mit einem Hang zum Wetten, war ein Playboy, der sein Geld für teure Kleidung, Autos und Partys aus dem Fenster warf. Außerdem lebte Christopher auf einem anderen Kontinent. Sie musste sich nur all die Wochen vorstellen, in denen sie getrennt sein würden. In denen sie sich fragen würde, ob er gerade sein letztes Geld für ein Polopferd ausgab oder mit anderen Frauen schlief. Selbst wenn er ihr treu wäre, blieben noch die Kosten für Ferngespräche und Flüge.

Sich in einen so anziehenden und charmanten Typen wie den Earl of Winchester zu verlieben, der in einer waschechten Burg lebte, seine Zeit beim Polo verbrachte und Frauen den Kopf verdrehte, wäre der größte Fehler, den sie jemals machen könnte.

Hör sofort auf damit, befahl sich Jennifer. Warum, um Himmels willen, dachte sie all das überhaupt? Sie hatte genau neunzig Minuten in der Gesellschaft von Christopher Smythe verbracht. Sie wusste so gut wie gar nichts über diesen Mann, und doch träumte sie von einer Beziehung mit ihm. Sie war wohl total verrückt geworden!

Am Ende des Tages, nachdem sie sich vergewissert hatte, dass alle ihre Kunden satt und sicher in ihren Zimmern im Caledonian Hotel in der Princes Street untergebracht waren, nahm sie ihre Stadtpläne und Broschüren und ging damit ins Pub des Hotels, wo sie eine ruhige Ecke fand. Auf dieser Reise würde es keine weiteren Fehler geben! Sie entfaltete den Stadtplan von Edinburgh.

„Gute Idee“, stellte jemand ganz in der Nähe fest.

Jennifer sah erschrocken auf. „Was machen Sie denn hier?“ Sie lächelte Christopher zu, freute sich einerseits unglaublich, ihn wiederzusehen, und hörte andererseits ihre innere Stimme flüstern: Was fällt dir ein?

„Geschäfte“, sagte er rasch. „Brauchen Sie Unterstützung mit diesen Plänen?“

Sie lachte. „Ich schätze, das kann nicht schaden, obwohl wir morgen die meiste Zeit zu Fuß unterwegs sein werden. Ich habe keine Ahnung, wie das heute passieren konnte. Ich verfahre mich nie, ehrlich. Falls meine Mutter je davon erfährt, bekommt sie einen Anfall.“

„Dann sollten wir es ihr nicht sagen.“ Christopher zwinkerte ihr zu und zog sich einen Stuhl heran. Über den Tisch gebeugt, musterte er einen der Stadtpläne, in dem sie die Schnellstraßen orange hervorgehoben hatte.

„Heißt Ihre Burg wirklich Donan?“, fragte Jennifer. Ihr war aufgefallen, dass er den Namen der Burg wie ein Schotte ausgesprochen hatte: Dun-in. „Ich konnte sie nicht in den offiziellen Listen der historischen Sehenswürdigkeiten finden.“

„Der Name stammt aus dem Gälischen und war ursprünglich ein Clan-Name. Ich konnte die Burg wegen der Bedingungen, die daran geknüpft sind, bisher nicht eintragen lassen.“ Christopher zeigte auf die Straßenkarte. „Hier ist heute etwas schiefgegangen. Sie hätten auf der A7 die Abfahrt hinter dem See nehmen müssen.“

„Ich weiß. Ich habe es beim Mittagessen gesehen. Übrigens schulde ich Ihnen etwas dafür, dass Sie mich nicht verraten haben. Die meisten aus der Reisegruppe sind sehr nett, aber eines der Paare ist etwas speziell.“

In ihrer Gruppe gab es vier Paare. Drei davon waren verheiratet und im Seniorenalter. Das vierte Paar war in den Dreißigern, die restlichen Reisenden waren ein Mann in den Vierzigern, der sich für die Geschichte seiner Familie interessierte, und eine etwa fünfzigjährige Frau, die die Gruppenreise einfach genoss.

Er runzelte die Stirn. „Wieso speziell?“

„Sie sind immer unzufrieden oder tun wenigstens so. Ich habe den Eindruck, sie bereiten sich jetzt schon darauf vor, später ihr Geld zurückzufordern. Wir garantieren Zufriedenheit bei all unseren Touren.“

„Ein kleiner Ausrutscher wie heute sollte doch niemandem die Reise vermiesen.“

Jennifer zuckte die Achseln. „Sie würden staunen. Manche Leute buchen eine Reise und wissen genau, dass sie die Hälfte der Kosten zurückerstattet bekommen, wenn sie nur laut genug stöhnen. Es ist eine Art Betrug. Aber manchmal ist es besser, sie damit davonkommen zu lassen, vor allem, wenn man eine kleine Firma wie unsere führt. Man muss den Verlust einfach hinnehmen.“

Christopher schüttelte den Kopf.

Jennifer betrachtete ihn aufmerksam. Hier im Pub wirkten seine blauen Augen dunkler. Ihr fiel eine ernsthafte Seite an ihm auf, die sie in Donan nicht bemerkt hatte. Er hatte die Angewohnheit, seinen Kiefer anzuspannen, wenn ihm etwas missfiel, wie etwa die Gemeinheit von reisenden Schwindlern oder gedankenlose Gäste, die seine Schätze berührten.

„Sie sind nicht zufällig hier im Hotel, oder?“, fragte sie.

Er schaute von seinem Whiskyglas auf. Es war halb leer, und sie nahm plötzlich an, dass – egal, welche Geschäfte ihn nach Edinburgh geführt hatten – er hier auf sie gewartet hatte. Der Gedanke sandte einen warmen Schauder durch ihren Körper.

„Wie haben Sie mich gefunden?“, fragte sie.

„Das war nicht schwer. Auf dem Beifahrersitz Ihres Wagens lag eine Broschüre vom Caledonian Hotel. Wenn ich Sie hier im Pub nicht angetroffen hätte, hätte ich Sie auf Ihrem Zimmer angerufen.“

Wieder verspürte Jennifer dieses erregende Kribbeln. „Und gibt es einen besonderen Grund, weshalb Sie mich zu suchen?“

Er sah sie einige Zeit an, bevor er antwortete. „Ich schätze, ich wollte nicht, dass unsere Tour schon zu Ende ist.“

„Sie haben gesagt, alle anderen Räume in der Burg seien tabu.“

Langsam entspannten sich seine Mundwinkel, und er lächelte. „Nicht bei diesem Teil der Tour.“

Jennifer fühlte, wie sich ihre Wangen röteten. Die Art, wie Christopher sie ansah, kam ihr auf eine erregende Weise gefährlich vor. Aber das hing sicher nur damit zusammen, dass sie so weit weg von zu Hause war, sozusagen auf fremdem Territorium … und ganz allein. Sie war es nicht gewöhnt, Anträge – oder was immer das hier sein sollte – von Adeligen zu hören, denen eine Burg gehörte. Welche Frau war das schon?

Jennifer senkte den Blick und bemerkte, dass Christopher seine Hand auf ihre gelegt hatte. Verzweifelt bemühte sie sich, ihr Hirn dazu zu bringen, etwas Witziges, Beiläufiges zu produzieren, das einen Earl beeindrucken konnte. Aber ihr Kopf war leer. Eine Sekunde später nahmen ihre Gehirnwindungen endlich wieder Fahrt auf und spuckten eine beunruhigende Frage aus: Hatte er eigentlich eine Freundin? Ein Foto in dem Londoner Magazin hatte ihn mit einer langbeinigen Schönen gezeigt. Ob seine Begleiterin mehr als eine simple Verabredung gewesen war?

„Bedeutet Ihr Schweigen, dass die Tour jetzt doch vorbei ist?“, fragte er schließlich.

Sie lächelte und entschloss sich für eine diplomatische Antwort. „Falls Sie jemals nach Maryland kommen, dann schauen Sie doch bei uns in Baltimore vorbei. Ich werde Ihnen gerne alle Sehenswürdigkeiten zeigen.“

„Das sind aber nicht die Sehenswürdigkeiten, die ich mir gerne anschauen würde.“

Seine Augen. Es war unmöglich, seinen Augen zu entgehen. Sie zogen sie magisch an. Sie versuchte ihre Hand wegzuziehen, doch er schloss seine Finger nur fester darum. Das Herz schlug ihr bis zum Halse.

Christopher lehnte sich über den Tisch und sah ihr tief in die Augen. „Wie wäre es, wenn Sie heute Abend mit mir essen gehen?“

„Ich habe schon gegessen.“ Die Worte purzelten aus ihrem Mund, bevor sie noch recht darüber nachdenken konnte.

„Wir könnten irgendwo einen Nachtisch essen und Kaffee trinken“, schlug er vor.

Jennifer starrte auf seine Hand, die immer noch besitzergreifend auf ihrer lag. Sie glaubte genau zu wissen, was hinter seinen Worten steckte, was ziemlich erschreckend war, wo sie sich doch erst so kurze Zeit kannten. Aber sein Tonfall und seine Körpersprache gaben ihr zu verstehen, dass er ein Nein nicht hinnehmen würde. Und wenn das schon für eine einfache Einladung zum Essen galt, wie groß war dann wohl seine Bereitschaft ihre Wünsche zu respektieren, wenn es um Wichtigeres ging? Sie sollte am besten sofort ein anderes Thema ansprechen.

Sie sah sich in dem holzgetäfelten Raum um. Bronzene Wandleuchter warfen goldenes Licht auf wunderbar gealterte Lederbänke, die Gäste unterhielten sich in gedämpftem Ton. Alles wirkte sehr männlich, sehr britisch und sehr adelig. Christopher passte hervorragend hierher. Doch ihr war gerade nur wichtig, dass sie hier sicher war.

„Ich muss morgen sehr früh aufstehen“, sagte sie. „Warum bleiben wir nicht hier und unterhalten uns ein bisschen.“

Er schien weder erfreut noch verärgert zu sein. „Gut. Was möchten Sie trinken?“

„Einen weißen Zinfandel, bitte.“

Seine Hand bewegte sich kaum, und schon war der Kellner da. Kurz darauf stand ein Glas Wein vor ihr. Jennifer nahm ein paar vorsichtige Schlucke.

Christopher lehnte sich in seinem Stuhl zurück und betrachtete sie über sein Whiskyglas hinweg. „Warum Baltimore? Warum leben Sie dort und nicht in einer aufregenderen Stadt?“

„Ich wohne dort, weil ich in Baltimore zu Hause bin“, sagte Jennifer schlicht. Dann fragte sie ihrerseits: „Warum leben Sie in Schottland, wo Sie doch Engländer sind?“

Ihre Frage schien ihn unangenehm zu berühren, denn seine Kiefermuskeln spannten sich an. „Ich wohne in Schottland, weil ich es mag“, erwiderte er schroff.

Unzufrieden mit seiner Entgegnung, setzte sie ihr Weinglas ab. „Das ist keine Antwort auf meine Frage. Sie haben doch sicher noch mehr gute Gründe.“

„Manchmal tun wir einfach Dinge, weil uns keine andere Wahl bleibt.“

„Es gibt immer eine andere Wahl.“

„Nicht immer“, sagte er kurz. Dann – als fände er, er sei allzu schroff gewesen – nahm er wieder ihre Hand und rieb mit dem Daumen sanft über ihren Handrücken. „Das Leben hält manchmal Überraschungen bereit“, erklärte er vage.

Jennifer fand, dass die in der Luft liegende Spannung einen Themenwechsel verlangte. Sie stellte die erste Frage, die ihr in den Sinn kam. „Wo gehen Sie in London am liebsten essen?“

Das Thema schien ihm zu gefallen. Als er sprach, klang seine Stimme weniger angespannt. Sie beobachtete, wie sein Daumen weiter kleine warme Kreise auf ihrem Handrücken zog, fasziniert nicht nur von der Bewegung an sich, sondern auch von seiner Berührung.

Im Spiegel, der an der Wand neben ihrem Tisch hing, erhaschte sie einen Blick auf ihn. Diesen Mann quält etwas, dachte sie bei sich. Doch wie war das möglich? Er hatte mit Sicherheit viel Geld, viele Freunde, so viele Möglichkeiten …

Als sie sich wieder zu ihm hindrehte, betrachtete er sie aufmerksam und schwieg.

„Wie bitte?“, fragte sie.

„Sie sind so hübsch und so amerikanisch.“

Sie wusste nicht, wie sie auf das Kompliment reagieren sollte – oder war es eine raffinierte Stichelei gewesen? Sie trank noch einen Schluck Wein und beschloss, nur auf den zweiten Teil seiner Bemerkung einzugehen. „Was soll das heißen, so amerikanisch?“

„Sie strahlen so eine optimistische Haltung aus. Wer wagt, gewinnt und so weiter.“ Er wirkte plötzlich traurig. Jennifer wusste nicht, ob Bedauern oder Groll in seinen Augen lagen. Als er sie wieder ansah, wurde sein Blick wärmer. „Es macht sicher Spaß, mit Ihnen Zeit zu verbringen, Jennifer. Sie würden mich zum Lachen bringen, und ich würde sie so lange necken, bis sie rot werden, überall.“ Er warf einen vielsagenden Blick auf ihre Bluse.

Sie war so schockiert, dass sie nicht antworten konnte. Doch sein Blick erzeugte ein heißes Gefühl in ihrem Bauch. Sie mochte das. Sie mochte all diese Gefühle, die er in ihr auslöste, auch wenn es riskant war. Daher hielt sie seinen Blick fest, als er ihr wieder ins Gesicht sah.

„Es tut mir leid“, flüsterte sie. „Ich würde Sie auch gerne näher kennenlernen. Aber solange ich in England bin, bin ich sehr beschäftigt. Und ich muss morgen früh aufstehen.“

„Ja“, sagte er. Wie konnte ein einziges kleines Wort nur so wehmütig klingen? „Trinken wir auf verpasste Chancen.“

2. KAPITEL

Am nächsten Morgen beschloss Jennifer, in ihrem Hotelzimmer zu frühstücken. Sie fand, dass der Zimmerservice ein Luxus war, den sie sich hin und wieder leisten konnte. Sie brauchte Zeit, ein Telefon und keinerlei Unterbrechungen, um ihre Pläne für die restlichen Tage der Reise fertigzustellen. Als das Tablett mit dem Frühstück kam, klingelte gleichzeitig das Telefon. Sie gab dem Kellner ein Trinkgeld und flitzte durchs Zimmer, um den Hörer abzunehmen.

„Guten Morgen! Ich hatte gehofft, Sie noch zu erwischen, bevor Sie losgehen.“

„Christopher?“ Ihr Herz raste beim Klang seiner Stimme. Sie wand die Schnur des Telefons um ihre Finger. Die ganze Nacht lang hatte sie wach gelegen und sich gefragt, ob es richtig gewesen war, ihn abzuweisen.

„Haben Sie gut geschlafen?“

„Oh ja“, log sie energisch. „Wie war die Rückfahrt nach Donan bei dem Wetter?“ Um zehn Uhr, kurz, nachdem er gegangen war, hatte es angefangen zu schütten.

„Ich bin in der Stadt geblieben und habe bei einem Freund übernachtet.“

Sie fragte sich, welches Geschlecht dieser Freund wohl haben mochte, sagte sich aber, dass sie das nichts anging. Ein Mann wie der Earl hatte sicher in fast jeder europäischen Stadt Verbindungen. Einige davon hatten vermutlich mit attraktiven, wohlhabenden Frauen zu tun. Gut für ihn.

„Meine Geschäfte halten mich länger in Edinburgh fest als geplant“, fuhr er fort. „Aber vor heute Nachmittag kann ich wenig tun. Ich habe mich gefragt, ob Sie etwas dagegen hätten, wenn ich bei Ihnen vorbeischaue. Ich könnte mich nützlich machen, zum Beispiel den Wagen fahren oder Ihnen und der Reisegruppe etwas über Edinburgh erzählen, während wir durch die Stadt laufen.“

„Das wäre nett“, antwortete Jennifer so ruhig wie möglich, während ihr Herz offenbar gerade versuchte, ihr ein Loch in die Brust zu hämmern.

„Das heißt nicht, dass Sie in Donan keinen guten Job gemacht haben.“ Seine Stimme klang jetzt leiser und intimer. „Für jemanden, der so jung ist wie Sie, sind sie ausgesprochen scharfsinnig.“

Jennifer schaute auf ihre Finger. Sie spielte immer noch mit der Telefonschnur. Bestimmt hatte sie sich die Veränderung in seinem Tonfall nur eingebildet. „Ich weiß das meiste nur aus Büchern“, sagte sie. „Um ein Land richtig zu verstehen, muss man dort leben. Diese Erfahrung haben Sie mir voraus.“

Einen Moment lang schwiegen sie beide. Dann räusperte er sich. „Wann sollen wir uns treffen?“, fragte er.

„Um neun Uhr vor dem Hotel. Wenn Sie möchten, können Sie schon jemanden vom Hotel bitten, unseren Wagen nach vorn bringen zu lassen.“

„Das mach ich, lassie“, sagte er mit einem übertrieben starken schottischen Akzent. Jennifer lachte leise, auch weil er sie lassie genannt hatte, das schottische Kosewort für Mädchen. Doch als sie den Hörer auflegte, zitterten ihre Hände, und ihr Nacken fühlte sich schweißnass an. Warum hatte Christopher nur eine so starke Wirkung auf sie?

Sie hatte schon eine Menge interessanter Männer getroffen, aber sie war nicht der Typ Frau, der sich nur wegen einer Berührung oder des Anblicks unglaublich blauer Augen spontan verliebte. Sorgte sie sich vielleicht wegen Christophers dunkler Seite? Nein, sagte sie sich. Christopher schien ein Mann mit Prinzipien zu sein. Falls er wirklich gefährlich wäre, hätten sich die Klatschblätter sehr viel schonungsloser über seinen extravaganten Lebensstil ausgelassen.

Er flirtete zwar mit ihr, aber sie war sich sicher, dass er nie versuchen würde, sie zu etwas zu zwingen. Aber vielleicht gehörte er zu der Sorte Mann, die zum Zeitvertreib Touristinnen verführte? Solchen Typen war sie schon begegnet.

Nein, beschloss sie, Christopher Smythe war anders. Die Frage war nur, was ihn so anders machte und was er von ihr wollte.

Trotz ihrer Grübeleien über den Earl of Winchester hatte Jennifer um neun Uhr ihr Programm für den Tag fertiggestellt. Sie sammelte Stadtpläne und Unterlagen ein, die sie vorbereitet hatte, und rief jeden ihrer Kunden auf seinem Zimmer an, um sicherzustellen, dass alle pünktlich waren. Christopher hatte Wort gehalten: Er wartete schon neben dem Leihwagen, als Jennifer und der größte Teil ihrer Reisegruppe nach draußen traten.

„Oh, das ist der attraktive junge Verwalter aus der Burg!“, flötete eine der Frauen.

„Ich finde, er sieht dem jungen Lord ausgesprochen ähnlich, den wir in der Zeitung in der Lobby gesehen haben“, äußerte sich eine andere Frau.

„Ich frage mich, warum er uns nach Edinburgh gefolgt ist“, meinte Mr. Pegorski, wackelte mit den Augenbrauen und schaute bedeutungsvoll in Jennifers Richtung.

Sie gab vor, weder etwas zu hören noch zu sehen. „Ich bitte um Ihre Aufmerksamkeit! Das ist Christopher Smythe, den wir gestern ja schon kennengelernt haben. Er hat sich einverstanden erklärt, uns heute die Stadt zu zeigen.“

Jennifer spürte den Hormonspiegel der Frauen ansteigen, als sie Christopher beäugten. Als die restlichen Mitglieder der Gruppe zu ihnen stießen, bestiegen alle den Wagen und brachen auf.

Während Christopher das Auto durch die Straßen steuerte, hatte Jennifer Gelegenheit, sein Profil zu betrachten. Es war elegant und trotzdem männlich, fand sie. Er hatte maskuline Gesichtszüge; die dunklen Wimpern ließen seine blauen Augen noch stärker leuchten. Dicht am Haaransatz verlief eine blasse Narbe. Ob er sich beim Polospielen verletzt hatte? Der Artikel, den sie gelesen hatte, erwähnte seine Aggressivität bei diesem Spiel. Sie wusste nicht viel über Polo, nur dass der Sport Stärke und Mut erforderte. Sein glänzendes Haar war dunkelbraun, fast schwarz.

Sie mochte die Art, wie er redete, diese Mischung aus trockenem Humor und hellwacher Intelligenz. Seinen englischen Akzent fand sie unwiderstehlich. Aber hinter dieser Fassade verbarg sich noch etwas anderes. Enttäuschung vielleicht oder Traurigkeit. Sie konnte es nicht recht fassen.

„Lebt Ihre Familie hier?“, fragte sie ihn.

Die Frage schien ihm nicht zu gefallen. Er sah sie nicht an, sondern schaute weiter auf die Straße. „Mein Vater lebt in Sussex. Ich habe zwei Brüder.“ Die Sätze klangen abgehackt.

Ich wette, sie sehen beide genauso gut aus wie du, dachte Jennifer. Ob sie auch so verschlossen und kurz angebunden waren?

„Und leben Ihre Brüder auch in Sussex?“, fragte sie weiter.

„In Sussex? Mit meinem Vater?“ Christopher lachte gezwungen. „Mein Vater ist nicht gerade die Art Mann, der seine Familie bei sich wissen will. Sobald wir alt genug waren und kein Kindermädchen mehr brauchten, hat er uns ins Internat gesteckt. Keiner von uns ist außerhalb der Schulferien zurückgekehrt.“

„Wie alt waren Sie denn, als Sie ins Internat mussten?“

„Sechs.“

„Sechs Jahre alt?“ Sie wusste zwar, dass es in der englischen Oberklasse üblich war, seine Kinder in Internaten erziehen zu lassen, aber ein Sechsjähriger schien ihr fast noch ein Kleinkind zu sein. „Hat Ihre Mutter sich dem nicht widersetzt?“

Christopher verzog den Mund. Offenbar hatte sie etwas Falsches gesagt. Doch bevor sie sich entschuldigen konnte, sprach er in diesem trockenen, kühlen Ton weiter, von dem sie inzwischen annahm, dass er dahinter seine Gefühle versteckte. „Offensichtlich hatte das Wohlergehen ihrer Söhne keinen Vorrang für sie. Sie hat meinen Vater und uns Kinder verlassen, bevor ich ein Jahr alt war.“

„Das tut mir leid“, flüsterte Jennifer. Die Vorstellung von einer Frau, die ihre drei kleinen Söhne und ihren Ehemann einfach zurückließ, schockierte sie.

„Das ist schon okay. Ich kann mich nicht an sie erinnern.“ Christophers Worte klangen so eisig, dass sie die Kälte fast spüren konnte. Sein Schmerz war ihm anzusehen, auch wenn er ihn leugnete. Jennifer wusste nicht, was sie sagen sollte, um ihn zu trösten, doch sie nahm an, dass es besser war, ihn reden zu lassen. Vielleicht vergab sie sonst die einzige Chance, ihn zu verstehen. Aus irgendwelchen Gründen schien ihr das immens wichtig zu sein.

„Haben Sie und Ihre Brüder ein enges Verhältnis?“, fragte sie hastig.

Christopher brauchte einen Moment, um sich zu sammeln. „Nicht in der Art, wie Sie es vielleicht erwarten. Thomas, mein ältester Bruder, ist Berater des Fürsten von Danubia. Er lebt und arbeitet dort und ist nur selten in England. Er hat kürzlich eine Amerikanerin geheiratet, die eine ganze Schar Kinder im Gepäck hatte.“

Christopher lachte liebevoll. „Thomas hat nun alle Hände voll zu tun. Aber er scheint glücklich zu sein. Der mittlere Bruder heißt Matthew. Ich glaube, ihn hat das Verschwinden unserer Mutter am härtesten getroffen. Er war damals drei Jahre alt und schwört, dass er sich lebhaft an sie erinnern kann. Mit einundzwanzig hat er seine Erbschaft genommen und ist nach Amerika gegangen. Seitdem arbeitet er dort im Importgeschäft.“

Jennifer wartete darauf, dass Christopher mehr erzählte. Etwas in der zögernden Art, in der er sprach, sagte ihr, dass er nicht daran gewöhnt war, über seine Familie zu reden. Als er nicht von allein fortfuhr, fasste sie nach. „Besuchen Sie Ihre Brüder oft?“

„Ich habe hier Verpflichtungen“, antwortete er und warf ihr aus dem Augenwinkel einen Blick zu.

Das war’s also. Er beendete die Unterhaltung.

„Ich verstehe“, murmelte sie. Aber sie verstand es nicht, nicht wirklich. Gab es etwas Wichtigeres als die Familie?

Danubia, dachte sie, während ihre Kunden hinten im Wagen fröhlich miteinander plauderten. War das nicht ein kleines Land in den Alpen von der Größe Monacos? Für jemanden wie Christopher konnte es doch nicht schwer sein, kurz hinüberzufliegen, um seinen Bruder zu treffen. In die Staaten zu reisen war natürlich ein bisschen komplizierter. Dennoch würden seine Geschäfte, die ihn an Schottland banden, es ihm sicher erlauben, seinen Bruder in den USA ab und zu zu sehen.

„Was haben Sie für den Rest des Tages vor?“, fragte Christopher nach einem langen Schweigen.

„Edinburgh Castle natürlich, Queen Marys Badehaus und die Royal Mile für den Einkaufsbummel und einen Blick auf die historischen Häuser.“

Er schaute zum Himmel. „Das Wetter sollte sich so lange halten.“

Sie nickte und lächelte dann spontan.

„Was ist los?“, fragte er und warf ihr einen neugierigen Blick zu, während er die Straßenseite wechselte, um einen Lastwagen zu passieren.

„Die schottische Queen Mary. Sie badete in Weißwein und Ziegenmilch, heißt es. Ich habe keine Ahnung, ob diese Mischung wirklich gut für die Haut ist.“

„Ich bringe den Wein und die Milch mit, und Sie probieren es einfach aus.“ Christopher hob eine Augenbraue. „Ich werde dann das Urteil fällen.“

Jennifer lachte. So etwas würde sie ihm zutrauen. Er würde wahrscheinlich darauf bestehen, jeden Zentimeter ihres Körpers zu inspizieren. Allerdings standen die Chancen, dass sie es zulassen würde, schlecht für ihn.

Bei ihrem nächsten Stopp begleitete Christopher ihre Gruppe zum Holyrood Palace und zum Badehaus, das der Größe nach wohl eher ein Taubenschlag gewesen war. Danach bat er Jennifer, ihn bei seinem Wagen abzusetzen. Er würde nach dem Abendessen wieder zu ihnen stoßen.

Jennifer sah ihm nach, als er in seinem flaschengrünen Jaguar davonfuhr. Sie schwor sich, dass sie heute Abend mehr über ihn herausfinden würde. Obwohl es eigentlich nur eine weitere Sache gab, die sie noch wissen wollte …

Bisher war sie vorsichtig gewesen. Sie hatte nichts Falsches getan. Sie hatten nur geredet und ein bisschen geflirtet – wie es viele Leute machten, vor allem, wenn einer von beiden im Urlaub war. Eine angeregte Unterhaltung, harmlose Spaziergänge, neugierige Blicke, ein paar Berührungen … Das war alles gewesen.

Aber sie wusste, dass er mehr wollte. Und um ehrlich zu sein, wollte sie das auch. Sie wollte, dass er mit dem Daumen wieder diese kleinen Kreise auf ihrem Handrücken zog. Sie wollte, dass er sie dort berührte, wo seine Augen hängen geblieben waren, als sie über die Badegewohnheiten von Queen Mary gesprochen hatten.

Sie wollte all das. Dabei war ihr klar, dass sie nur noch wenige gemeinsame Tage hatten. Aber zuerst musste sie wissen, ob es eine andere Frau in seinem Leben gab.

Als Christopher seinen Jaguar aus der Stadt lenkte, schweiften seine Gedanken von einer Frau zur anderen. Lisa war der wichtigste Mensch in seinem Leben. Seit er vor acht Jahren erfahren hatte, dass er Vater werden würde, kam Lisa für ihn an erster Stelle. Aber sie gehörte nicht richtig zu ihm.

Als ihm die Frau, mit der er eine kurze Affäre gehabt hatte, eröffnete, sie sei schwanger, hatte Christopher zuerst schockiert und beunruhigt reagiert. Er hatte ihr angeboten, sie zu heiraten, hatte jedoch entdecken müssen, dass sie an einer Ehe mit ihm nicht interessiert war. Zwar hatte sein Stolz darunter gelitten, doch er war auch erleichtert gewesen. Er liebte sie nicht, und auch sie gestand ihm ganz offen, dass sie nichts für ihn empfand.

„Eine Heirat“, hatte sie kühl gesagt, „wäre einfach nur dumm. Ich habe meinem Verlobten, Sir Isaac, schon von der Schwangerschaft erzählt. Es ist okay für ihn. Wirklich. Jedenfalls solange die Öffentlichkeit glaubt, das Kind sei von ihm.“

Zuerst war es auch für Christopher okay gewesen. Er war aus dem Schneider gewesen. Aber nach Lisas Geburt hatte er es nicht geschafft, dem Krankenhaus fernzubleiben. Und in dem Augenblick, in dem er ihr kleines rosafarbenes Gesicht und die kristallblauen Augen gesehen hatte, war es um ihn geschehen. Seit diesem Tag hatte er alles getan, um seine kleine Tochter zu sehen und sie zu beschützen, ohne dabei sein Versprechen zu brechen.

Er galt als Freund der Familie. Seit sie zu sprechen anfing, nannte Lisa ihn Onkel Chris. Wenn er Glück hatte, brachte das Kindermädchen Lisa bei abendlichen Gesellschaften ihrer Eltern noch einmal herunter, damit die Kleine die Gäste begrüßen konnte. Über die Jahre war Lisa von einem zarten Baby zu einem intelligenten Kind herangewachsen. Christopher wurde es nie müde, mit ihr zu reden und sich mit ihr zu beschäftigen. Und sie schien sich immer zu freuen, wenn er zu Besuch kam.

Als sie alt genug war, um zur Schule zu gehen, hatte er angeboten, das Schulgeld zu zahlen. Ihre Mutter musste sich nur für eine Schule entscheiden. Zu seiner Bestürzung wählte sie nicht eines der besseren Institute in London, sondern ihre eigene ehemalige Schule in Südschottland. Weit weg von London, wo Christopher bis dahin gewohnt hatte.

Fest entschlossen, den Kontakt zu Lisa nicht zu verlieren, hatte er sich in den Schulausschuss der St. James Mädchenschule wählen lassen. Er hatte im vergangenen Jahr an allen wichtigen Ereignissen dort teilgenommen und schaute bei der Schule vorbei, wann immer seine Zeit es ihm erlaubte. Er sprach jeden an, den er kannte, als es um die Anwerbung von Spenden für einen Umbau der Schule ging, und verfolgte stolz Lisas schulische Leistungen.

Inzwischen wartete Christopher ungeduldig auf den Tag, an dem Sandra – wie sie es versprochen hatte – ihrer Tochter eröffnen würde, wer ihr leiblicher Vater war. „Ich warte so lange, bis sie alt genug ist, um es zu verstehen. Für ein junges Mädchen ist es ein kompliziertes Thema“, sagte Lisas Mutter jedes Mal, wenn er sie darauf ansprach.

Er fragte sich manchmal, ob sie Lisa jemals sagen würde, wer er war. Dann verspürte er abwechselnd Angst und hilflose Wut, aber ihm waren die Hände gebunden. Von ihm wurde erwartet, dass er schwieg.

Er wusste, dass es falsch war, ohne die Zustimmung ihrer Mutter etwas zu unternehmen. Immerhin kannte Sandra ihre Tochter besser als irgendjemand sonst. Was, wenn er es Lisa erzählte und sie ihm nicht glaubte? Ihre herzliche Beziehung wäre zerstört. Schlimmer noch, sie könnte das Gefühl haben, dass er sie jahrelang betrogen hatte, indem er vorgab, ein Onkel zu sein, während er in Wirklichkeit ihr Vater war.

Also wartete er weiter auf den Tag, an dem er seine Tochter umarmen und ihr sagen konnte, wie sehr er sie liebte und immer geliebt hatte.

Als er nun bei der Schule ankam, stellte sich heraus, dass Lisa mit ihrer Klasse auf einem Tagesausflug war und er sie nicht sehen konnte. Enttäuscht nahm er einige Kopien von Verträgen für den Schulanbau aus dem Verwaltungsbüro mit und fuhr dann in die Stadt zurück. Er wollte sich die Verträge noch einmal ansehen, bevor sich der Ausschuss wieder traf. Sein Bedürfnis, das kleine Mädchen zu beschützen, das die Wahrheit vielleicht nie erfahren würde, war stärker denn je.

„Es war toll auf der Royal Mile!“, rief Jennifer, als sie Christopher vor dem Caledonian Hotel warten sah. „Ich habe mir jede Menge Andenken gekauft, dabei tue ich das sonst nie, wenn ich eine Tour leite.“

Seit er St. James verlassen hatte, war Christopher so bedrückt gewesen, dass er schon gefürchtet hatte, immer noch schlechter Stimmung zu sein, wenn er Jennifer wiedersah. Doch der Anblick ihres strahlenden Gesichts und ihrer blitzenden Augen wirkte Wunder. In ihrer Gegenwart hörte er auf, unablässig über seine Probleme nachzudenken.

„Das freut mich“, sagte er. Doch ihre glühenden Wangen interessierten ihn mehr als ihre Einkaufstrophäen. Ihm schoss ein faszinierender Gedanke durch den Kopf. Wie weit erstreckte sich wohl dieses Glühen? Ihr Hals war ganz rosig vor Aufregung. Ob ihre Brüste wohl auch erröteten?

Er spürte, wie sein Körper sofort auf die Vorstellung reagierte, ermahnte sich aber, sich zusammenzureißen. Er mochte Jennifer; sie erregte ihn. Aber dabei musste es bleiben. Als er noch jünger gewesen war, hatte er mühelos Mädchen kennengelernt und – wenn sie wollten – mit ihnen geschlafen. Die kühlen Amerikanerinnen hatte sein englischer Akzent angezogen wie Motten das Licht. Und wenn er nebenbei seinen Titel erwähnte, gab es für die meisten Mädchen kein Halten mehr.

Aber seitdem Lisa auf die Welt gekommen war, nahm er Sex wesentlich ernster. Seine Affären wurden nicht nur seltener, er ging auch vorsichtiger und wählerischer vor. Er war nicht der Typ Mann, der Nachkommen zeugte und sie dann zurückließ. Er fühlte sich für Lisa verantwortlich.

Außerdem hatten sich seine Gefühle gegenüber Frauen ganz allgemein geändert. Wenn sie es ihm so einfach machten und sich dann dem Nächsten zuwandten, wollte er keine tieferen Gefühle für sie entwickeln. Es ging einfach um Selbstschutz.

Doch Jennifer war unbeschreiblich begehrenswert. Er musste vorsichtig sein, nahm Christopher sich vor, sehr vorsichtig.

Nachdem sie den nachmittäglichen Teil ihrer Tour absolviert hatte, war Jennifers Reisegruppe ins Hotel zurückgekehrt, um etwas Herzhaftes zu essen. Für diejenigen, die nicht genug bekommen konnten, hatte Jennifer Ausflüge für den frühen Abend arrangiert. Andere erwogen, ins Theater zu gehen oder sich zum Kartenspielen in der Lounge zu treffen.

„Sieht aus, als hätten Sie ein bisschen Zeit“, sagte Christopher, nachdem Jennifer ihren Kunden einen schönen Abend gewünscht hatte.

„Schon“, sagte sie. „Aber ich muss mich bei meiner Mutter melden und für London packen.“

„Ich verstehe.“ Morgen würde sie also wirklich fort sein. Christopher seufzte lautlos. In der kurzen Zeit, die sie miteinander verbracht hatten, hatte sie ihm gutgetan. Wenn er mit ihr zusammen war, schienen seine Gedanken leichter und der Tag heller zu sein. Er beschäftigte sich weniger mit seinen Fehlern. Aber vielleicht war das auch nur romantischer Quatsch, und er wollte einfach nur mit ihr schlafen. Eine hinreichende Dosis Lust lenkte jeden Mann von seinen Problemen ab.

„Danke für alles“, murmelte sie und legte ihre Hand auf seinen Arm, was ihn ihren Duft noch stärker wahrnehmen ließ.

Sie war ihm so nahe. Er könnte ganz leicht einen Arm um ihre Taille schlingen und sie an sich ziehen. Direkt hier in der Lobby. Warum eigentlich nicht?

„Alle haben versichert“, fuhr sie fort, „wie schön es war, dass Sie uns heute herumgeführt haben.“

Irgendwie schaffte er es, die richtigen Worte herauszupressen und dabei sogar zu lächeln. „Es hat keine Mühe gemacht. Ich hatte selbst Spaß daran.“

Sie schaute anerkennend zu ihm hoch, und er dachte, dass er grüne Augen noch nie so sehr gemocht hatte wie jetzt in diesem Moment.

„Wegen gestern …“, begann sie. „Ich habe das mit der Einladung ernst gemeint. Wenn Sie in die Staaten und in die Nähe von Baltimore kommen …“

„Das ist sehr unwahrscheinlich“, unterbrach er sie. „Aber Sie können mir einen Gefallen tun.“ Er hatte nicht über seine Worte nachgedacht. Sie waren einfach aus seinem Mund gekommen, ohne dass er es hätte verhindern können.

„Natürlich“, sagte sie. „Worum geht’s?“

„Gestern Abend wollten Sie nicht mit mir essen. Wie steht es mit heute Abend?“

Sie sah nachdenklich aus. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich das tun sollte.“

„Warum denn nicht? Sie haben heute Abend frei. Und essen müssen Sie auch. Ich kenne alle guten Restaurants in Edinburgh.“

„Aber …“

„Sie fahren morgen. Und es geht ja nur um einen Abend.“ Begierde war tatsächlich ein wahrer Überredungskünstler. Sag nicht Nein, bettelte eine Stimme in seinem Inneren. „Ich bin ganz harmlos“, fügte er hinzu und lächelte sie strahlend an.

Sie lachte laut heraus. „Da bin ich mir nicht so sicher.“ Doch sie zögerte immer noch. „Hören Sie, ich weiß nicht, wie ich es besser formulieren soll, aber … Sind Sie in irgendeiner Form gebunden?“

Jetzt musste er lachen. „Sie wollen wissen, ob ich verheiratet bin? Oh Gott, nein!“

„Ich meinte, ob Sie sich mit jemandem treffen.“

„Nein. Obwohl ich die Telefonnummern einiger Damen besitze, die mich freundlicherweise hier und da zu Gesellschaften begleiten. Möchten Sie Referenzen von ihnen?“

Jennifer verdrehte die Augen. „Es tut mir leid. Es ist nur, Sie haben nie erwähnt, ob …“ Sie wirkte plötzlich aufgeregt. „Okay. Ich esse mit Ihnen. Und Sie suchen ein gutes Restaurant aus.“

„Ich kenne den perfekten Ort für uns“, sagte er.

Zwei Stunden später, als Christopher von der A7 abbog und seinen Jaguar auf eine ungepflasterte Straße lenkte, die genauso aussah wie die nach Donan, war Jennifer sicher, dass sie einen Fehler begangen hatte. „Ich dachte, wir fahren zu Ihrem Lieblingsrestaurant.“

„Wenn ich richtig gut essen will, dann gehe ich nicht ins Restaurant.“

„Sie können kochen?“, fragte sie.

„Nein“, gestand er. „Aber ich habe eine wunderbare Köchin. Als ich von den Besitztümern meiner Familie etwas als Teil meines Erbes wählen konnte, habe ich mich für Donan entschieden. Die eine Hälfte der Burg war wie heute eine Ruine, die andere war seit Jahren unbewohnt und musste dringend restauriert werden. Aber ich wollte die Burg unbedingt, und die Clarks, die in Sussex schon für meinen Vater arbeiteten, haben Verwandte in der Gegend und waren bereit, mit mir hierherzuziehen.“

„Sie haben großes Glück, dass Sie Ihre Geschäfte an einem Ort wie diesem führen können.“

„Ja“, sagte er nur.

Den Weg zum Esszimmer kannte sie bereits, und so wandte sie sich dorthin, als sie durch die große Halle gingen.

Christopher berührte sie am Arm. „Warten Sie einen Augenblick. Ich will nachschauen, wann Mrs. Clark das Essen fertig hat.“

Jennifer trat in einen der Nebenräume und betrachtete die dunkel getäfelten Wände und die eindrucksvollen Gemälde. Als sie mit ihrer Reisegruppe hier gewesen war, hatte Christopher sie auf Alexander Nasmyths Landschaftsgemälde aufmerksam gemacht. Das nebelverhangene Gewässer im Zentrum des Ölbildes sah aus wie Loch Kerr. Außerdem hingen hier zwei ältere Porträts im Stile John Wrights. Jennifer kannte sich mit der Malerei des siebzehnten Jahrhunderts zwar nicht besonders gut aus, vermutete aber, dass die Bilder ein Vermögen wert sein mussten.

Sie folgte einem schmalen Korridor, wo sie Bilder einer ihrer Lieblingsmalerinnen – Anne MacBeth – entdeckte. Anne war Mitglied einer Künstlergruppe gewesen, der sogenannten Glasgow Girls, die Ende des neunzehnten und zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts die Kunstwelt durch ihre experimentelle Malerei beeindruckt hatten, als sie Jugendstil und keltische Einflüsse kombinierten. Jennifer war begeistert.

Christopher kam zurück und lächelte, als er sie vor einem anderen MacBeth-Gemälde fand. „Wir können jetzt essen.“ Er stand hinter ihr und legte seine Hände auf ihre Schultern, während sie noch einen Augenblick vor dem Bild stehen blieb.

Es fühlte sich gut an, die Wärme seiner Hände zu spüren. Jennifer schloss kurz die Augen.

„Ich hätte Ihnen sonst den Rest der Burg gezeigt“, fuhr er fort. „Aber weil das Essen fertig ist und Sie hungrig …“

„Ich falle um vor Hunger“, gestand sie. „Aber ich bin neugierig auf die oberen Räume. Ich würde sie gerne nach dem Essen sehen.“

Sie aßen Wildente mit Burgundersoße, eine überraschend köstliche Kombination. Dazu gab es einen regionalen Wein. Jennifer hatte noch nie Wild gegessen. Zu Hause kaufte sie nur im Supermarkt ein, meistens Tiefkühlkost. Hier erinnerten sie die Farben der Leckereien auf ihrem Teller an die Palette eines Malers. Sie genoss jeden Bissen.

„Ich muss Mrs. Clark sagen, dass sie eine wunderbare Köchin ist.“

„Das wird leider nicht möglich sein. Sie ist schon fort“, erklärte Christopher. „Ich habe ihr gesagt, dass ich den Abwasch erledige, wenn wir fertig sind. Es schien mir nicht besonders freundlich, sie auf uns warten zu lassen.“

Jennifer lächelte. „Nett von Ihnen.“ Sie erwischte ihn, als er ihr zuzwinkerte, und fragte sich, ob er die Köchin auch aus anderen Gründen fortgeschickt hatte. Den Angestellten freizugeben, damit der Hausherr mit seinem weiblichen Gast allein sein konnte, roch verdächtig nach einer klassischen Verführungsszene aus einem Roman. Jennifer wusste nicht genau, ob sie die Aussicht darauf nun freute oder nervös machte.

Zum Dessert gab es mit Marmelade gefüllte köstliche Kekse. Der dampfend heiße Kaffee war stark, wurde mit einer Sahnehaube serviert und enthielt einen Schuss Haselnusslikör. Nach dem Essen fühlte sich Jennifer satt und zufrieden. Sie blieben noch einen Moment sitzen und unterhielten sich, bevor sie gemeinsam das Geschirr abräumten und in eine enorme Spülmaschine aus Edelstahl einsortierten.

„Für Partys“, sagte Christopher, als ihm auffiel, wie sie das Riesending anstarrte.

„Sehr modern für eine Burg. Haben Sie oft Gäste?“

„Freunde aus London kommen häufig vorbei, um zu jagen oder sich hier einfach ein bisschen zu entspannen.“

Jennifer fragte sich, wie viele dieser Freunde wohl zur weiblichen, alleinstehenden Sorte gehörten. Dann ermahnte sie sich, dass sie keinerlei Ansprüche auf Christopher hatte. Bald würde er aus ihrem und sie aus seinem Leben verschwunden sein.

Er brachte sie ins Foyer zurück, nahm sie bei der Hand und begann, die Stufen hinaufzusteigen. „Zeit für Ihren Rundgang“, sagte er.

Ein Gefühl der Hitze stieg in Jennifer auf, als sie Hand in Hand die elegante Marmortreppe zu Christophers privaten Räumen hinaufgingen. Sie waren allein im Haus. Aus dem Esszimmer erklang klassische Musik. Die Melodie begleitete sie auf ihrem Weg die Treppe hinauf.

Als Jennifer oben ankam, war sie außer Atem.

„Entschuldigung. War ich zu schnell?“, fragte Christopher.

„Nein, überhaupt nicht.“ Sie schluckte. „Ich walke jeden Morgen, um mich fit zu halten. Das war gar nichts.“

Er sah sie stirnrunzelnd an. „Sie haben doch nicht etwa Angst vor mir, oder?“

„Vor Ihnen? Zum Teufel, nein!“, log sie fröhlich und sprach gleich weiter. „Ich bin nur aufgeregt, nehme ich an. Ich mag alte Häuser, und dies hier übertrifft jedes Gebäude in Baltimore um vierhundert Jahre!“

Er lächelte. „Gut. Dann fangen wir mit der rechten Seite an, arbeiten uns in die Halle hinunter und schauen uns dann die andere Seite an.“ Er zögerte. „Wenn Sie noch genug Energie haben, können wir auch auf den Turm klettern.“

Jennifer riss die Augen auf. „Ein richtiger Turm?“

„Oh ja“, entgegnete er. „Kommen Sie mit. Sie haben vielleicht eine Idee, was ich mit den Räumen machen kann. In den meisten davon ist noch jede Menge zu tun.“

Die raue Schönheit des alten Gemäuers verblüffte Jennifer. Obwohl die Burg modernisiert und mit Teppichen, Textilien und riesigen Gobelins dekoriert war, so dominierten doch die alten Steine. Alle Räume strahlten pure Männlichkeit aus. Jennifer stellte sich die Schlachten vor, in denen englische und schottische Lords um Donan Castle gekämpft hatten. Mal gewannen die einen, mal die anderen. Sie dachte auch an die dazugehörigen Frauen, deren Ehemänner sie liebten und beschützten, die aber vielleicht auch unter ihnen gelitten hatten.

Wie wenig sich doch im Grunde seitdem geändert hatte, überlegte Jennifer, während sie und Christopher von Zimmer zu Zimmer gingen. Männer kämpften um das, was sie erreichen oder besitzen wollten; Frauen liebten diese Männer, manche stellten vielleicht auch fest, dass sie eine schlechte Wahl getroffen hatten. Christophers Vorfahren, Engländer, waren nach Schottland gekommen, um die Burg zu erobern und sie dann gegen jeden Widerstand zu halten. Jennifer nahm an, dass auch er so war: Auch er wollte die Dinge festhalten, die er liebte. Auch er wollte in den Augen seiner Gegner stark wirken, und er würde um seinen Besitz kämpfen.

Christopher öffnete eine weitere Tür. Als sie hindurchtrat, fand Jennifer sich vor einer schmalen Holztreppe wieder, die in die Dunkelheit hinaufführte. „Was ist das?“, fragte sie.

Er schaltete eine Lampe ein, die den Schacht aus Granit, der sich über ihnen erhob, in ein gelbes Licht tauchte. „Das ist der Nordturm, der einzige, der seit der letzten Belagerung im achtzehnten Jahrhundert noch steht. Als ich ein kleiner Junge war, haben wir den Sommer oft hier verbracht. Inzwischen befinden sich hier meine privaten Zimmer.“

Christopher wirkte plötzlich glücklicher und entspannter als vorher, stellte Jennifer bei sich fest. Das hier war offenbar ein ganz besonderer Ort für ihn. Ein Rückzugsort, an dem er ganz bei sich sein konnte? Doch warum sollte ein so starker Mann wie der Earl of Winchester sich zurückziehen wollen? Worüber wollte er so ganz allein nachdenken – über die Flucht seiner Mutter? Es steckte sicher noch etwas anderes dahinter.

Dann blitzte ein anderer Gedanke in ihrem Kopf auf. Wie viele schottische Mädchen hatten Christophers Vorfahren wohl schon gebeten – oder ihnen befohlen – diese Treppe hinaufzusteigen? Ihre Nervosität kehrte zurück.

Sie spürte Christophers Hand in ihrem Rücken. Er wollte sie sanft vorwärtsschieben, aber sie schaffte es nicht über die erste Stufe hinaus.

„Haben Sie Angst vor der Höhe?“, wollte er wissen.

„Nein.“

Aber davor, mit dir da oben allein zu sein.

„Vielleicht sollten wir wieder nach unten gehen. Es ist schon spät“, murmelte sie.

„Ist etwas nicht in Ordnung, Jennifer?“ Als sie nicht sofort antwortete, betrachtete er sie nachdenklich. „Wenn ich über Sie herfallen wollte, hätte ich es schon längst getan.“

„Oh, ich habe nicht gedacht …“

„Doch, haben Sie.“ Er sah sie durchdringend an, wobei seine Augen das dunkelste Blau annahmen, das sie je gesehen hatte. Ein Blau wie der nächtliche Himmel. Sie spürte, wie ihr ein aufgeregter Schauer den Rücken hinunterlief.

„Sie haben zu viele Romane gelesen“, sagte Christopher. „Hier …“

Bevor sie sich ihm entziehen konnte, schlang er einen Arm um ihre Taille und zog sie eng an sich. Er küsste sie zuerst sanft, dann leidenschaftlicher. Sie konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen.

Es war so rasch vorbei, wie es begonnen hatte. Jennifer ließ sich gegen die Wand fallen, schnappte nach Luft, schaute zu ihm auf und fragte sich, warum sein Gesicht plötzlich unscharf war. Sie hatte das Gefühl, als hätten sich ihre Beine in Gummi verwandelt.

„Was war denn das?“, keuchte sie.

„Ich wollte beweisen, dass ich Sie küssen kann, ohne dass mich gleich die Leidenschaft überwältigt.“

„Aha.“ Was ihre eigene Leidenschaft – oder geistige Gesundheit – anbelangte, war sie sich nicht so sicher. Aber sie wusste, dass ihr Herz wie verrückt klopfte, und weiter unten im Bauch spürte sie ein seltsames Ziehen.

Meine Güte. Wie schade, dass ich nicht noch mehr solcher Küsse bekommen kann.

„Jennifer, geht es Ihnen gut?“

Sie starrte ihn an und war urplötzlich in der Stimmung, ein Risiko einzugehen. „Mir geht es gut. Aber ich finde, es ist nur gerecht, wenn ich es auch mal ausprobiere.“

Sie trat vor, hob die Arme und legte sie um seinen Nacken. Rasch zog sie ihn zu sich herab und küsste ihn auf den Mund. Und dann tat sie etwas, was sie nicht geplant hatte. Sie öffnete seufzend die Lippen.

Christopher nahm ihre Einladung an, und im nächsten Moment spürte sie seine Zunge. Er schmeckte sensationell. Nach Heidekraut, Rauch und Wein. Er schmeckte wie ein Mann, den sie berühren wollte – und der sie berühren sollte. Es war schon lange her, seit sie das letzte Mal mit jemandem zusammen gewesen war. Von ihrem letzten Freund hatte sie sich vor zwei Jahren getrennt.

Sie hatte die Berührung eines Mannes vermisst. Und ebenso die einfachen Dinge in einer Beziehung: gemeinsame Essen, Kinobesuche, Küsse in der Silvesternacht.

Und nun küsste sie Christopher Smythe, den sie nicht einmal zwei Tage lang kannte, wie sie noch nie zuvor geküsst worden war. Und es bestand nicht einmal der Hauch einer Chance auf eine feste Beziehung.

Als wäre Christopher plötzlich der gleiche Gedanke gekommen, zog er sich unvermittelt zurück.

Nein, noch nicht. Hör noch nicht auf!

Seine Arme … sein Mund … Es fühlte sich einfach zu gut an.

„Kommen Sie“, flüsterte er ihr ins Ohr. Sein Atem streifte ihre Haut, und sie musste einen Seufzer unterdrücken. Er nahm sie bei der Hand. „Sie werden die Aussicht von da oben mögen.“

Sie mochte auch die Aussicht hier unten. Mitternachtsblaue Augen, ein attraktives Gesicht und ein muskulöser Körper vor dem Hintergrund verwitterter grauer Steine. Sehr schön.

Immer noch wie betäubt, ließ sie sich von ihm die Treppe hinaufziehen. Sie spürte ihre Beine kaum und schwebte regelrecht die Stufen hinauf. Je höher sie stiegen, desto lauter pochte ihr Herz. Ihre Hände auf dem eisernen Treppengeländer fühlten sich feucht an.

Nach der Hälfte des Weges verschwand Jennifers Sorge jedoch. Warum wehrte sie sich eigentlich? Sie wollte doch, dass er sie anfasste. Sie wollte erfahren, wie es sich anfühlte, wenn seine Hände sie berührten. Alles andere schien unwichtig zu sein.

Die Treppe endete in einem runden Raum, der mit dicken roten Teppichen ausgelegt war. Die Wände waren mit mahagonifarbenem Holz getäfelt, daran drängten sich Regale mit ledergebundenen Büchern. Jennifer schaute sich um. Das Zimmer wirkte wie eine Suite in einem Luxushotel. Im Schlafbereich stand ein Bett; es gab einen Schreibtisch und eine kleine Couch. Eine geöffnete Tür führte in ein Badezimmer, das offenbar erst kürzlich mit den neuesten Einbauten umgestaltet worden war.

Hohe Fenster schauten in die Nacht hinaus. Jennifer ging zum nächstgelegenen Fenster und sah hinaus. Sie fühlte sich unglaublich lebendig und nahm alles um sich herum ganz genau wahr. Geräusche. Gerüche. Das Klopfen ihres Herzens.

Am klaren Himmel funkelten mehr Sterne, als sie in Baltimore je gesehen hatte. In einiger Entfernung bewegten sich kleine helle Punkte. Das mussten Autos auf der Landstraße sein. Noch weiter entfernt leuchteten die Lichter von Edinburgh.

„Wir sind weit genug von der Stadt und ihrer Beleuchtung entfernt, um die Sterne klar sehen zu können“, sagte Christopher leise.

„Es ist atemberaubend.“ Sie spürte, dass er hinter sie getreten war.

Er schlang seine Arme um sie und zog sie an seine Brust. Sie entzog sich ihm nicht. Ganz leicht küsste er sie auf den Kopf. „Wie finden Sie meinen Rückzugsort?“

„Es ist sehr schön.“

Und ich würde es noch schöner finden, wenn du mich noch einmal küssen würdest.

Lange standen sie nur da und blickten auf eine Welt hinaus, die Stück für Stück mit der Dunkelheit verschmolz und sie – wie es schien – allein zurückließ. Christopher war offenbar in Gedanken versunken, und das war gut so, fand Jennifer. Sie selbst war nämlich mittlerweile außerstande, überhaupt noch klar zu denken.

Schließlich durchbrach seine Stimme die Stille. „Ich fahre Sie ins Hotel zurück, wann immer Sie mögen. Ich wollte das hier nur mit Ihnen teilen.“

Sie drehte sich um und sah verdutzt und gleichzeitig enttäuscht zu ihm auf. „Sind wir nur deshalb hier hinaufgekommen? Wegen der Aussicht?“

„Wenn die Situation eine andere wäre …“ Er beendete den Satz nicht.

„Wie anders?“, fragte sie.

„Darüber kann ich nicht mit einer …“ Er seufzte und schüttelte den Kopf.

„Mit einer Fremden sprechen?“

Die Luft schien plötzlich um einige Grad abzukühlen. „Mit einer Frau sprechen, die am Ende der Woche nicht mehr da ist“, entgegnete er knapp.

„Ich verstehe.“ Jennifer wusste nicht, was sie dazu sagen sollte oder was er von ihr wollte. Sie wusste ja nicht einmal, was sie selbst wollte. Sie löste sich aus seinen Armen.

Wie hatte sie nur so dumm sein können, dachte sie. Sie sollte wirklich wissen, dass sie sich auf Reisen nicht mit Männern einlassen sollte. Zu Hause in Baltimore hätte sie sich bei einer ersten Verabredung nicht so verhalten, aber hier war sie kopfüber in eine alte Falle gestolpert: den Urlaubsflirt.

Ihr Blick fiel auf ein Foto auf einem Regal neben dem Bett. Darauf lächelte ein Kind in einer Schuluniform in die Kamera. Meinte er vielleicht dieses Mädchen, wenn er von einer Situation sprach? War sie seine Tochter? Vielleicht war er doch heimlich verheiratet oder lebte sogar mit der Mutter des Kindes zusammen.

Sie fröstelte. „Ich glaube, es ist am besten, wenn Sie mich sofort zum Hotel zurückbringen“, sagte sie.

„Sicher.“ Aber er rührte sich nicht. „Jennifer?“

„Ja.“ Als sie zögernd zu ihm aufblickte, wusste sie, dass er ihren Blick zu dem Foto hin bemerkt hatte.

„Ich habe Ihnen doch gesagt, dass es da niemanden gibt. Ich bin ungebunden.“

Sie fühlte sich erst ganz taub, dann wurde ihr heiß. „Oh.“

„Ich weiß, dass Sie gehen müssen. Ich würde Sie nur gerne ein letztes Mal küssen.“

Sie schluckte. „Besser nicht. Sie hatten vorhin recht: Wir sollten es lassen.“

„Ich weiß.“ Er zog sie in seine Arme. „Aber zur Hölle damit!“

Sie hatte nicht die Kraft, sich zu widersetzen, und sie wollte es auch nicht. Plötzlich gab es für sie nur noch ihn – seinen Körper, der sich gegen ihren presste, und seinen Mund, der ihre Lippen liebkoste. Es gab nur noch diese unglaubliche Anziehungskraft zwischen ihnen, die sie überdeutlich spürte.

Sie legte ihre Hände auf seine Brust, stellte sich auf die Zehenspitzen und küsste ihn mit all ihrer Leidenschaft. Als seine Hände ihre Brüste umfassten, ballte sie vor hilfloser Erregung die Fäuste. Die Wärme seiner Hände drang durch ihre Bluse und ihren BH; sie sehnte sich danach, diese Hände auf ihrer nackten Haut zu fühlen. Als hätte er ihre Gedanken gelesen, zog er ihr die Bluse aus dem Rock und ließ eine Hand unter den Stoff wandern. Als sich seine Handfläche um ihre Brust schloss, sah er sie fragend an.

Sie nickte.

Seine Finger glitten unter die Spitze ihres Büstenhalters, berührten ihre Brust und ihre harte Brustwarze, streichelten und rieben sie. Jennifer wimmerte leise auf, bog sich ihm entgegen und fühlte deutlich, wie erregt er war.

„Deine Haut ist wie Seide“, stöhnte er und lehnte seine Wange an ihre Stirn. Sie spürte seinen Atem heiß auf ihrer Haut. „Ich begehre dich, Jennifer. Es tut mir leid, wenn ich zu weit gegangen bin. Sag mir, dass ich aufhören soll, wenn du es nicht …“

Sie legte die Fingerspitzen auf seine Lippen und brachte ihn zum Schweigen. „Ich will dich auch“, flüsterte sie. Doch seine Zweifel ließen sie zögern.

Sie war zwar nicht so erfahren wie die meisten Frauen, doch sie wusste, dass einer kurzen, heißen Affäre unausweichlich Liebeskummer folgen würde.

„Aber wir müssen aufhören, Chris. Wir müssen einfach.“ Ihre Stimme klang energisch und vernünftig, obwohl ihr Körper laut protestierte.

Du wirst hier nicht mit irgendwelchen Männern herummachen, ermahnte sie sich sofort.

Falls es einen Mann in deinem Leben geben sollte, dann sicher keinen One-Night-Stand aus einem anderen Land.

„Können wir uns nicht setzen und … uns nur ein bisschen festhalten?“ Vielleicht würden seine Arme um ihre Taille ausreichen.

Er antwortete zuerst nicht. Schließlich spürte sie, wie er sich ein Stück zurückzog. „Wenn du möchtest.“

Sie schloss die Augen. Ohne seine Berührung war ihr auf einmal kalt. Wenn nur ihr Körper aufhören würde zu zittern, wenn sie endlich einen klaren Gedanken fassen könnte! Blöde Hormone, dachte sie.

„Komm“, sagte Christopher und reichte ihr die Hand. Er führte sie zur Chaiselongue hinüber, streckte sich auf den Polstern aus und zog sie so zu sich heran, dass sie sich gegen seine Brust lehnen konnte. In seinen Armen fühlte sie sich wie im Himmel.

„Entspann dich“, flüsterte er und berührte ihr Haar mit den Lippen. „Es ist alles gut.“

„Wir fahren bald ins Hotel zurück“, murmelte sie.

„Ja. Bald.“ Er streichelte ihre Wange, und sie fühlte seine Wärme, die sie umfing.

Jennifer seufzte und genoss einfach nur seine Nähe. Sie sehnte sich immer noch nach ihm – nach mehr. Doch das hier musste reichen.

3. KAPITEL

Als er erwachte, war Christophers erster Gedanke, dass sein Rücken wie verrückt schmerzte. Er fragte sich, ob er vielleicht beim Polospiel gestürzt war. Dann spürte er, immer noch mit geschlossenen Augen, etwas Schweres auf seiner Brust. Nicht so schwer wie ein Pferd, Gott sei Dank! Also war wohl nichts Schlimmes passiert. Dann nahm er einen schwachen Vanilleduft wahr – und erinnerte sich wieder.

Jennifer. Sie lag auf ihm.

Er öffnete die Augen. Draußen waren die ersten rosa getönten Wolken am grauen Himmel zu sehen. Es begann gerade erst zu dämmern. Er lag auf der Chaiselongue in seinem Zimmer, und Jennifer schlief friedlich gegen seine Brust geschmiegt.

Er lächelte, streckte seinen schmerzenden Rücken und versenkte seine Nase in ihren weichen blonden Haaren.

Offenbar hatte der Earl of Winchester die Nacht mit einer schönen Frau verbracht, dachte er, und sein Lächeln wurde breiter. Leider war das, was sich normalerweise mit einer solchen Aussage verband, allerdings nicht eingetreten.

Jennifer bewegte sich in seinen Armen. Automatisch hielt er sie fester, damit sie nicht von der Couch rollte. Einen Augenblick später drehte sie den Kopf und blinzelte. „Sag mir bitte, dass nichts passiert ist.“

„Ich denke, daran würde ich mich erinnern. Und ich hoffe doch sehr, dass es dir auch so gehen würde.“ Christopher schloss wieder die Augen und genoss es, sie in den Armen zu halten. Er wusste, dass es egoistisch war, doch er wollte, dass sie bei ihm blieb und heute nicht nach London weiterreiste.

Sie berührte sein Stoppelkinn. „Christopher.“

„Hm?“

„Es tut mir leid. Du musst aufstehen und mich ins Hotel zurückbringen. Und zwar jetzt.“

„Jetzt?“ Er seufzte und zog sie fester an sich, bis sie protestierte. Seine Gedanken rasten. Wie konnte er sie überzeugen, dass sie bleiben musste? Wenigstens für ein oder zwei Stunden? Sie könnten sich bei Sonnenaufgang lieben. Er würde sie erforschen, sie berühren, so, wie er es sich gestern Abend vorgestellt hatte.

„Christopher?“

Autor

Sara Orwig
Sara’s lebenslange Leidenschaft des Lesens zeigt schon ihre Garage, die nicht mit Autos sondern mit Büchern gefüllt ist. Diese Leidenschaft ging über in die Liebe zum Schreiben und mit 75 veröffentlichten Büchern die in 23 Sprachen übersetzt wurden, einem Master in Englisch, einer Tätigkeit als Lehrerin, Mutter von drei Kindern...
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Kathryn Jensen

Kathryn Jensen lebt in Maryland. Glücklicherweise genau zwischen den zwei spannenden Städten Washington, D.C. und Baltimore. Aber der Mittelatlantik war nicht immer ihr zu Hause. Zu den vielen Ländern, in denen sie gelebt hat, zählen unter anderen Italien, Texas, Connecticut und Massachusetts. Viele Länder, die sie auch bereist hat, haben...

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