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Am Pool ihres Chefs stehen Erdbeeren und Champagner bereit. Er hat an alles gedacht … Aber die hübsche Cory ist entschlossen, standhaft zu bleiben. So umwerfend Max Hunter auch ist, Cory ahnt, was er will: nur ein kleines Abenteuer. Dabei träumt sie von der wahren Liebe!
  • Erscheinungstag 02.07.2021
  • ISBN / Artikelnummer 9783751501484
  • Seitenanzahl 146
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. KAPITEL

„Nach London? Oh Cory, bitte tu das nicht! Ich bin sicher, dass du auch hier Karriere machen kannst.“

Cory Masters blickte ihren guten Freund Leslie Batley-Thomas an, den sie schon ihr ganzes Leben kannte – und ebenso lange liebte. Sie konnte ihm unmöglich sagen, dass sie das verschlafene kleine Städtchen im grünen Norden Yorkshires seinetwegen verlassen und gegen die Anonymität der Großstadt eintauschen wollte.

Obwohl ihr nach Weinen zumute war, lächelte Cory strahlend. Ihre smaragdgrünen Augen mit den violetten Sprenkeln verrieten nichts von ihrem Schmerz. „Ich kann es nicht mehr rückgängig machen, Leslie.“ Sie strich sich eine Strähne des seidigen dunkelbraunen Haars aus dem Gesicht. „Vor einer Woche fand das Bewerbungsgespräch statt, und ich hätte nie gedacht, dass ich mich gegen die anderen Bewerberinnen durchsetzen würde. Aber heute Morgen habe ich von Mr. Hunters Sekretärin die Zusage bekommen, und in vier Wochen fange ich an. Sie wird mich einarbeiten und mir alles zeigen, bevor sie Ende Mai mit ihrem Mann in die USA geht.“

„Aber warum hast du mir nie gesagt, dass du dir eine neue Herausforderung wünschst?“, fragte Leslie. Sein jungenhaftes Gesicht sah verletzt aus, und er runzelte die Stirn. „Außerdem verlässt Carole sich fest darauf, dass du ihr bei den Hochzeitsvorbereitungen hilfst – sie ist eben nicht besonders praktisch veranlagt“, fügte er nachsichtig hinzu. „Immerhin bist du ihre Brautjungfer!“

„Ich weiß.“ Wieder rang sie sich ein Lächeln ab. Sie würde die Brautjungfer der wunderschönen jungen Frau sein, die vor Kurzem in Corys kleinen Heimatort gezogen war und in die Leslie sich auf den ersten Blick verliebt hatte. Carole James hatte blonde Locken, tiefblaue Augen und eine perfekte Figur mit endlos langen Beinen. Und sie ist nicht nur bildhübsch, sondern auch nett, dachte Cory wehmütig. Ein wenig unbeholfen vielleicht und sicher keine Intelligenzbestie, aber sehr sympathisch.

„Ich werde wie versprochen Caroles Brautjungfer sein“, versuchte sie Leslie zu beschwichtigen. „Die meisten Vorbereitungen können schon erledigt werden, bevor ich nach London gehe, und der Termin für die Trauung steht auch bereits fest. Du hast doch alles mit deinem Onkel besprochen, nicht wahr?“ Leslies Onkel war der Vikar des kleinen Städtchens. „Außerdem kann ich im September noch einmal vor der Trauung nach Hause kommen, falls Carole bei den letzten Vorbereitungen noch meine Hilfe benötigt“, sagte sie abschließend.

„Natürlich tut sie das“, erwiderte Leslie vorwurfsvoll.

Vor Ärger vergaß Cory einen Moment lang ihren Schmerz. Wie konnte er nur so unsensibel sein? Seit ihrer Kindergartenzeit hatten sie und Leslie praktisch Tür an Tür gewohnt und waren immer unzertrennlich gewesen. Sie gehörte fast mit zu seiner Familie und er zu ihrer. Und sogar als sie nach der Schule an unterschiedlichen Universitäten studiert und andere Leute kennengelernt hatten, war niemand ihnen je so nah und vertraut gewesen, wie sie es einander waren.

Nicht dass sie jemals ausdrücklich über ihre Beziehung gesprochen hatten, aber das war auch nicht nötig gewesen. Cory hatte gewusst, was sie einander bedeuteten. Oder zumindest habe ich immer geglaubt, es zu wissen, dachte sie bitter.

„Leslie, ich weiß, dass Carole keine Familie hat, aber deine Eltern werden ihr sicher mit Rat und Tat zur Seite stehen.“ Sie bemühte sich, ruhig und gelassen zu klingen. „Die Festhalle ist bereits reserviert, und deine Mutter hat auch schon einen Catering-Service beauftragt. Du brauchst dir also wirklich keine Gedanken zu machen.“

„Aber Carole braucht doch deine moralische Unterstützung …“

„Dafür hat sie ja immerhin auch noch dich“, unterbrach Cory ihn. Langsam war sie mit ihrer Geduld am Ende. Corys Mutter hatte leuchtend rotes Haar, und außer dem rötlichen Schimmer im dunkelbraunen Haar hatte sie ihrer Tochter auch das aufbrausende Temperament vererbt.

„Du bist also fest entschlossen, nach London zu gehen?“, fragte Leslie nach einer bedeutungsschweren Pause und presste die Lippen zusammen.

„Ja“, erwiderte sie fest. Am liebsten wäre sie sofort abgereist. Während der letzten Monate hatte sie mit ansehen müssen, wie Leslie die blonde Schönheit angebetet und sich ihr praktisch zu Füßen geworfen hatte. Und die Verlobungsfeier, die in der letzten Woche stattgefunden hatte, war die reinste Tortur für Cory gewesen. Bis zum Hochzeitstermin Mitte September waren es noch mehr als sechs Monate, und sie würde es nicht ertragen können, die ganze Zeit in Thirsk zu verbringen. Aus irgendeinem Grund schien Carole sie zu ihrer besten Freundin erkoren zu haben.

„Dann gibt es wohl nichts weiter dazu zu sagen“, bemerkte Leslie steif, fuhr jedoch fort: „Ich verstehe einfach nicht, warum du mit dem Jobwechsel nicht noch einige Monate warten und noch eine Zeit lang bei Stanley & Thornton’s arbeiten kannst. Du hast gesagt, dass du eine Veränderung brauchst, was in deinem Alter ja verständlich ist“, Cory hätte ihn am liebsten erwürgt, „aber sechs Monate mehr oder weniger hätten doch wirklich keinen Unterschied gemacht.“

„Vielleicht hatte ich ja angesichts meines hohen Alters das Gefühl, dass mir die Zeit wegläuft“, entgegnete sie wütend, während Leslie zur Tür ging. Carole war gerade zwanzig Jahre alt und damit vier Jahre jünger, worauf sie bereits mehrere Male mit unschuldiger Engelsmiene hingewiesen hatte. Cory hatte sich jedes Mal uralt gefühlt. „Vielleicht hatte ich ja das Gefühl, etwas aus meinem Leben machen zu müssen, bevor es zu spät ist.“ Noch während sie es aussprach, wurde ihr klar, wie Recht sie damit hatte. Sie hätte Yorkshire schon vor mehreren Jahren verlassen sollen.

Leslie stürmte aus dem geschmackvoll in Rosétönen gehaltenen Wohnzimmer, und einen Moment später hörte sie die Haustür ins Schloss fallen. Cory atmete tief ein, hob trotzig das Kinn und bemühte sich, die aufsteigenden Tränen zurückzuhalten.

Keine Tränen mehr! Sie versuchte, sich zu beruhigen, und wartete, bis ihr Herz wieder langsamer schlug. In den vergangenen Monaten hatte sie mehr als genug geweint. In vier Wochen würde sie Thirsk endlich verlassen, und selbst wenn sie die Stelle als Chefsekretärin des Inhabers von „Hunter Operations“ nicht würde behalten können – sie hatte weder Leslie noch ihren Eltern gesagt, dass sie vorerst nur auf Probe eingestellt worden war –, würde sie auf keinen Fall wieder zurückkehren.

In all den Zukunftsplänen, die Cory seit ihrer Kindheit geschmiedet hatte, hatte der große, gut aussehende Mann im Mittelpunkt gestanden, der gerade so aufgebracht aus dem Haus gerauscht war. Jetzt würde sie ganz von vorn damit beginnen müssen, ihr weiteres Leben zu planen. All ihre Träume von einem glücklichen, harmonischen Familienleben mit Leslie waren zerstört. Aber Cory beschloss, sich zusammenzunehmen, denn sie hatte in letzter Zeit genug Tränen wegen Dingen vergossen, die sich nicht ändern ließen. Sie wollte nicht den Respekt vor sich selbst verlieren.

Sie richtete sich auf und hob das Kinn. Übertriebenes Selbstmitleid lag ihr nicht. Sie war jung und intelligent, und ihr Leben würde auch ohne Leslie Batley-Thomas weitergehen – mochte sie ihn auch noch so sehr lieben. Nein! An Leslie wollte sie jetzt nicht denken. Er war zwar ein großartiger, attraktiver Mann, aber er war bereits vergeben, und damit würde sie sich endgültig abfinden müssen.

„Cory, ich freue mich, Sie wiederzusehen. Bitte nennen Sie mich doch Gillian.“

Es war ein kalter Aprilmorgen vier Wochen später. Cory war am vergangenen Freitag in ihr kleines, aber gemütliches Einzimmer-Apartment gezogen. Als sie an ihrem ersten Arbeitstag das beeindruckend große und vornehme Gebäude von Hunter Operations betrat, war sie nervös und angespannt. Sie musste an das kleine Büro von Stanley & Thornton’s denken. Doch Gillians warmes Lächeln half ihr, die aufkommende Panik zu überwinden.

„Hallo, Gillian“, erwiderte sie und wunderte sich, dass ihre Stimme so normal klang. „Ich freue mich auch, Sie zu sehen. Wie geht es Ihnen?“

„Ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht, und bin einem Nervenzusammenbruch nahe. Aber davon abgesehen, geht es mir ausgezeichnet“, antwortete Gillian strahlend. Sie war so nett gewesen, Cory in der Empfangshalle abzuholen. Gemeinsam gingen sie zum Fahrstuhl. Gillian drückte auf einen der Knöpfe und fragte Cory: „Sie können es sicher kaum erwarten, Max endlich kennenzulernen. Schließlich ist es sehr ungewöhnlich, dass man seinem zukünftigen Chef erst am ersten Arbeitstag vorgestellt wird, nicht wahr?“

„Das stimmt“, erwiderte Cory schwach. Denselben Gedanken hatte sie auch schon gehabt.

„Er ist gerade von einer furchtbar anstrengenden Reise in den Fernen Osten zurückgekommen, die aber sehr erfolgreich verlaufen ist. Sie werden sicher gut mit ihm auskommen, Cory. Er ist ein ganz außergewöhnlicher Chef. Wenn mein Mann Colin nicht so eine fantastische Stelle in den USA gefunden hätte, hätte ich sicher niemals freiwillig bei Hunter Operations gekündigt – besonders, nachdem ich fünfzehn Jahre lang für Max gearbeitet habe. Aber Colin muss so bald wie möglich in die USA. Sie wissen ja, wie diese großen Konzerne funktionieren“, fügte sie fröhlich hinzu.

Cory wusste es nicht, behielt das aber lieber für sich.

Gillian erzählte immer noch unbekümmert weiter, als sich die Fahrstuhltüren öffneten. Ehrfurchtsvoll betrachtete Cory den dicken cremefarbenen Teppich und die elfenbeinfarbenen Leinentapeten. Plötzlich hörte sie eine wütende Männerstimme rufen: „Gillian? Wo, zum Donnerwetter, ist das Fax von Katchui?“

Cory blickte den großen Mann an, der im Türrahmen stand und diesen fast auszufüllen schien. Doch Max Hunter schenkte ihr keinerlei Beachtung. Gillian, die sich offenbar durch nichts aus der Ruhe bringen ließ, gab ihr ein Zeichen, in ihrem Büro gegenüber zu warten. Dann ging sie auf Max Hunter zu und erwiderte gelassen: „Das Fax liegt bereits seit drei Tagen auf Ihrem Schreibtisch, aber vermutlich haben Sie es unter lauter anderen Papieren vergraben.“ Sie verschwand in seinem Büro, aber erst eine Weile später schaffte Cory es, sich in Bewegung zu setzen und in Gillians Büro zu gehen, in dem sie bald arbeiten würde. Allerdings kamen ihr, nachdem sie den furchterregenden Max Hunter kennengelernt hatte, ernsthafte Zweifel, ob diese Stelle wirklich das Richtige für sie war.

Ihr zukünftiger Chef war sehr groß – über einen Meter neunzig – und hatte auffallend breite Schultern. Er war noch nicht alt. Gillian hatte ihr erzählt, dass sein Vater, der Hunter Operations in den späten Fünfzigerjahren gegründet hatte, vor fünfzehn Jahren gestorben war, sodass sein Sohn schon mit dreiundzwanzig das Unternehmen geerbt und die Geschäftsleitung übernommen hatte. Auf sie hatte der Mann mit den strengen Gesichtszügen und den silbergrauen Strähnen im schwarzen Haar jedoch etwas älter gewirkt als achtunddreißig. Und sein Verhalten … Cory atmete tief ein, als sie sich in einen der gepolsterten Sessel in Gillians geräumigem Büro sinken ließ. Das also war der „außergewöhnliche Chef“, von dem Gillian während des Vorstellungsgesprächs so geschwärmt hatte.

„Alles wieder im Lot.“ Gillian lächelte strahlend, als sie zur Tür hereinkam, die ihr Büro mit dem ihres Chefs verband. „Er telefonierte gerade mit Mr. Katchui, als er das Fax suchte, und Max hasst es, wenn er nicht alles hundertprozentig unter Kontrolle hat – typisch Mann.“

Cory nickte nur und strich sich den engen Rock ihres marineblauen Kostüms glatt, das sie ein Vermögen gekostet hatte. Dann räusperte sie sich und wollte Gillian eine besonders kluge Frage stellen, als diese ihr zuvorkam und eindringlich sagte: „Machen Sie sich keine Gedanken wegen Max Verhalten, Cory. Eigentlich ist er ein großartiger Mensch, und ich bin immer gut mit ihm ausgekommen.“

„Wirklich?“ Cory brauchte alle Ermunterung, die sie bekommen konnte.

„Aber sicher.“ Gillian nickte. „Es dauert eine Weile, bis man sich an seine Art gewöhnt hat. Max weiß sehr genau, was er will, und noch genauer, was er nicht will. Unprofessionelles Verhalten ist ihm ein Gräuel.“ Das war wohl als Aufmunterung gemeint, und Cory rang sich ein Lächeln ab.

„Er stellt sehr hohe Ansprüche an sich und andere“, fuhr Gillian fort.

Das wurde ja immer schöner!

„Ich habe zehn Bewerbungsgespräche für ihn geführt. Ich kenne Max inzwischen sehr gut, und Sie waren die Einzige, die seinen Ansprüchen genügen kann. Einige der Kandidatinnen passten ganz einfach nicht ins Unternehmen, und zweien sah man sofort an, dass sie sich in nicht allzu ferner Zeit ein Baby wünschten. Sie kamen natürlich überhaupt nicht infrage. Max hasst es, sich ständig an neue Sekretärinnen gewöhnen zu müssen. Er mag auch keine Frauen, die sich die ganze Zeit die Fingernägel lackieren, und natürlich erwartet er hundertprozentige Einsatzbereitschaft, erstklassige Arbeit und absolute Diskretion“, fügte sie gelassen hinzu.

„Natürlich.“ Cory schluckte. Eigentlich sollte ich mich geschmeichelt fühlen, dass sie ausgerechnet mich ausgewählt hat, ermahnte sie sich. Doch es fiel ihr schwer. „Jetzt weiß ich also, was Mr. Hunter nicht schätzt“, wandte sie sich betont gelassen an Gillian. „Können Sie mir auch sagen, was er schätzt?“

Der Klang der tiefen, kühlen Stimme ließ beide herumfahren. „Im Wesentlichen fünf Dinge: Intelligenz, Rückgrat, Stil, Courage und …“ Er machte eine Pause.

„Und?“ Nur unter Schwierigkeiten brachte sie die Frage heraus. Max Hunters Erscheinung überwältigte sie, doch sie wollte es sich nicht anmerken lassen. Er besaß, wie sie bereits festgestellt hatte, strenge Gesichtszüge und sah auffallend gut aus: sonnengebräunte Haut, markante Wangenknochen und volle Lippen. Doch das Auffälligste waren seine Augen – goldbraun, mit dichten tiefschwarzen Wimpern, die sehr durchdringend blickten.

Noch nie hatte Cory solche außergewöhnlichen Augen gesehen. Sie machten Max, gemeinsam mit seiner Größe und seinem muskulösen Körper, unglaublich attraktiv. Sie konnte nicht glauben, dass dies ihr Chef sein sollte.

„Und Schönheit“, fügte er trocken hinzu. Mit seinen bernsteinfarbenen Augen musterte er sie blitzschnell von Kopf bis Fuß, dann lächelte er und trat auf sie zu, um ihr die Hand zu schütteln.

Schnell sprang Cory auf. Ihre schmalen Finger verschwanden gänzlich in seiner großen Hand, doch ihr Händedruck war fest, und sie brachte sogar ein Lächeln zustande. Die letzte Bemerkung war sicher nicht ernst gemeint gewesen. Denn Gillian war zwar immer sowohl elegant als auch teuer gekleidet und perfekt geschminkt, doch als hübsch konnte man die unscheinbare, mütterlich wirkende Frau mit dem runden Gesicht wohl kaum bezeichnen.

„Sie sind laut Gillian die perfekte Besetzung für diese Stelle“, bemerkte er nachdenklich. Seine Stimme war tief und rau, und er hatte einen leichten Akzent, den Cory nicht zuordnen konnte. Ihr lief ein Schauer über den Rücken.

„Mein Name ist Cory Masters.“ Sie hatte ihre Hand so bald wie möglich zurückgezogen, denn die Berührung seiner warmen Haut machte sie noch nervöser. „Ich freue mich, Sie kennenzulernen, Mr. Hunter.“

„Gleichfalls“, erwiderte er gelassen. „Aber nennen Sie mich doch bitte Max.“

Max. Wie, um alles in der Welt, soll ich es nur fertigbringen, meinen Chef mit Vornamen anzusprechen? dachte Cory hilflos.

„Max steht für Maximilian“, fügte er ruhig hinzu, nur sein Blick ließ erahnen, dass er bemerkt hatte, wie schnell sie die Hand zurückgezogen hatte. „Mein Vater behauptete immer, dass er mich nach dem Roboter Maximilian in einem seiner Lieblingsfilme benannt hat: Das schwarze Loch.“ Cory hatte noch nie davon gehört, doch sie nickte. „Aber in Wirklichkeit hatte er den Namen wegen des römischen Kaisers Maximilian ausgewählt. Er kommt aus dem Lateinischen und bedeutet der Größte.“ Er betrachtete sie prüfend, und um seinen Mund zuckte es.

Ob Roboter oder römischer Kaiser, der Name passt perfekt zu ihm, dachte Cory nervös. Er war mit Abstand der atemberaubendste Mann, dem sie je begegnet war, und sie hatte eine Stelle als seine Sekretärin und persönliche Assistentin angenommen. Sie musste völlig verrückt sein!

„Gillian sagte, sie würde Ihnen während der kommenden Wochen alles Wichtige zeigen und erklären“, fuhr er fort. „Im folgenden Monat werden Sie ihr dann zur Hand gehen und in der Woche darauf hoffentlich bereits in der Lage sein, selbstständig zu arbeiten. Fragen Sie Gillian von mir aus ruhig Löcher in den Bauch, wenn Sie etwas Wichtiges wissen müssen, aber belästigen Sie mich nicht damit. Ich weiß nicht, wie die Organisation dieses Büros funktioniert, und ich will es auch gar nicht wissen. Dafür ist meine Sekretärin zuständig, und dafür bezahle ich sie. Ich erwarte, dass Sie mir innerhalb von fünf Sekunden jede Information geben können, die ich brauche. Ausreden lasse ich nicht gelten. Habe ich mich klar ausgedrückt?“

„Absolut klar.“ Cory hielt sich kerzengerade, und bevor sie nachdenken konnte, erwiderte sie freundlich und gelassen: „Ich habe bereits gemerkt, dass Sie von Ihrer Sekretärin erwarten, dass Sie in allen Einzelheiten weiß, was sich auf Ihrem Schreibtisch befindet.“

Max antwortete nicht sofort, und mit seinem scharfen Verstand schien er zu analysieren, was genau sie mit dieser Bemerkung gemeint hatte.

„Da haben Sie absolut recht“, erwiderte er betont ruhig. Doch er hatte die Augen leicht zusammengekniffen, und Cory wusste, dass er ihre ironische Anspielung auf das verschwundene Fax verstanden hatte.

Er nickte kurz, ging hinaus und schloss die Verbindungstür hinter sich. Hätte sie doch nur den Mund gehalten! Mit solchen Bemerkungen würde sie sich nur selbst schaden. Das aufbrausende Temperament hatte Cory von ihrer impulsiven rothaarigen Mutter geerbt. Ein wenig mehr von der Gelassenheit ihres Vaters würde ihr nicht schaden.

„Gut“, Gillian klang unbeteiligt, „zuerst sollten Sie sich mit allen Unternehmen vertraut machen, die zum Hunter-Operations-Konzern gehören. Hier ist eine Aufstellung mit den wichtigsten Zahlen und zumeist vertraulichen Informationen. Außerdem habe ich eine Liste der wichtigsten Personen erstellt, mit denen Sie zu tun haben werden. Es sind sowohl Mitarbeiter von Hunter Operations als auch von anderen Unternehmen, mit ihren Eigenarten und wunden Punkten, um Ihnen den Umgang ein wenig zu erleichtern. Bitte vernichten Sie diese Liste, sobald Sie alles im Kopf haben, sonst werde ich womöglich noch wegen Rufmordes angezeigt!“

„Ja, selbstverständlich – und vielen Dank!“ Gillians Lächeln war herzlich und ansteckend. Cory fühlte sich schon ein wenig besser, doch ihre Hände zitterten, als sie sich setzte. Max Hunter ist sicher froh darüber, dass ich erst eine Probezeit durchlaufen muss, dachte sie ironisch und strich sich eine dunkle Strähne ihres glänzenden Haars aus dem Gesicht, die sich aus dem französischen Zopf gelöst hatte. Und sie konnte es ihm nicht einmal verdenken. Aber wenn er sich nach der Probezeit dagegen entscheiden sollte, ihr ein festes Arbeitsverhältnis anzubieten, würde es auf keinen Fall an mangelnder Einsatzbereitschaft oder schlechter Arbeit liegen.

Cory hörte gerade einer hochinteressanten und nicht gerade schmeichelhaften Beschreibung von Max Hunters derzeit größtem Konkurrenten zu, als der Summer von Gillians Telefon ertönte. „Ja, Max?“ Nach einer kurzen Pause fügte sie erstaunt hinzu: „Ja, von mir aus sehr gern, ich werde Cory fragen.“

Cory blickte auf, doch Gillians Miene verriet nicht, worüber sie gerade mit Max gesprochen hatte.

„Max lässt fragen, ob Sie heute Mittag schon etwas vorhaben. Er hat vorgeschlagen, dass wir gemeinsam zum Lunch ins Montgomery’s gehen könnten, um Ihren Einstand bei Hunter Operations zu feiern. Ich habe nichts anderes vor, wie sieht es mit Ihnen aus?“

„Montgomery’s?“ Cory war erst vor einer Woche nach London gezogen und hatte den Namen noch nie gehört. Doch Gillians Tonfall ließ sie erahnen, dass es sich nicht um ein Fast-Food-Restaurant handelte. „Ja, ich komme sehr gern mit“, erwiderte sie schwach. Nachdem Gillian Max ausgerichtet hatte, dass sie beide mitkommen würden, fragte Cory: „Um was handelt es sich beim Montgomery’s, Gillian?“

„Es ist ein ‚In-Restaurant‘“, erwiderte Gillian vorsichtig. „Ein sehr … gutes übrigens. Ich war ein oder zwei Mal dort, das Essen ist ausgezeichnet“, fuhr sie betont gelassen fort, doch Cory war klar, was sie damit meinte.

„Ich verstehe.“ Cory verließ der Mut. Männer wie Max Hunter luden ihre Sekretärinnen sicher häufig in derart vornehme Lokalitäten ein, aber sie war bei Weitem nicht so weltgewandt und erfahren wie Gillian. Sollte das Essen ein Test sein?

Während sie sich eine überwältigende Fülle neuer Informationen einzuprägen versuchte, verging der Vormittag wie im Flug. Kurz vor zwölf Uhr ging sie in den kleinen in Rosa und Weiß gehaltenen Waschraum, der zu ihrem zukünftigen Büro gehörte, um sich etwas frisch zu machen.

„Was, um alles in der Welt, tust du hier, Cory?“, fragte sie ihr Spiegelbild. Die elegante Frisur, das dezente, aber perfekte Make-up, das teure Kostüm und die italienischen Pumps – das war doch nicht sie, Cory Masters. Sie kam sich völlig fehl am Platz vor und bereute bereits, dass sie sich überhaupt um die Stelle beworben hatte. Aus smaragdgrünen, ängstlichen Augen blickte ihr Spiegelbild sie an. Cory schluckte und bemerkte, dass ihre Handflächen vor Nervosität feucht waren. Sie atmete tief ein und versuchte, sich zu beruhigen.

Dann ließ sie kaltes Wasser über ihre Handgelenke laufen und frischte rasch ihr Make-up auf. Reiß dich zusammen, ermahnte sie sich. Schließlich musste sie die Miete bezahlen, und obwohl es lediglich ein Einzimmer-Apartment in einem alten Haus in Chiswick war, kostete es ein kleines Vermögen. Sie brauchte jeden Penny ihres Gehalts. Allerdings würde es sich nach der Probezeit verdoppeln, sodass sie dann sehr gut verdiente. Sicher hätte sie auch eine billigere Wohnung finden können, aber sie hatte sich nun einmal auf den ersten Blick in das liebevoll restaurierte viktorianische Haus verliebt, und von ihrem im Obergeschoss gelegenen Apartment aus hatte sie einen fantastischen Blick.

„Cory?“, rief Gillian fragend. Cory atmete noch einmal tief ein und strich sich den Leinenblazer und die jadegrüne Bluse glatt, bevor sie hinausging.

Die beiden Frauen hatten sich gerade die Mäntel angezogen, als die Tür zu Max’ Büro aufging und er hinaustrat. Seine Bewegungen waren geschmeidig wie die einer Raubkatze und hatten eine ähnlich Furcht erregende Wirkung. Max machte sich nicht die Mühe, sie mit einem freundlichen Wort zu begrüßen. Er forderte sie lediglich mit einer lässigen Handbewegung auf, ihm zu folgen. Seine Miene war undurchdringlich. Genau in diesem Moment klingelte Gillians Telefon.

„Lassen Sie es klingeln.“ Das war eindeutig ein Befehl, und Gillian nickte. Doch als Max die Tür hinter ihnen geschlossen hatte, sprang der Anrufbeantworter an, und eine Männerstimme fragte: „Gill? Bitte geh ans Telefon, wenn du da bist, es ist wichtig!“

„Das ist Colin“, murmelte Gillian und lief wieder hinein. Max lehnte sich gegen die Wand und betrachtete Cory. Sie wollte sich ihre Nervosität nicht anmerken lassen und hielt seinem Blick stand.

„Wie war Ihr erster Tag bisher?“, fragte er rau, und ihr lief ein Schauer über den Rücken.

„Gut.“ Zur Bekräftigung nickte Cory. Insgeheim hoffte sie, dass er sich ihre hochroten Wangen damit erklären würde, dass es im Büro sehr warm war. Meine Nervosität ist einfach lächerlich, dachte Cory und überlegte fieberhaft, was sie nur sagen könnte. In nicht allzu ferner Zeit würde sie täglich von neun Uhr bis um fünf – oder sogar bis um sechs oder sieben – für diesen Mann arbeiten, aber wenn sie so weitermachte, würde sie mit Sicherheit nicht einmal eine Woche durchhalten.

Bei ihrem Vorstellungsgespräch im Februar war sie so ruhig und gelassen gewesen. Zwei Tage zuvor hatte Leslies und Caroles Verlobungsfeier stattgefunden. Cory war so voller Schmerz und Verzweiflung gewesen und hatte Gillians nicht enden wollende Fragen und Tests gleichmütig und ruhig überstanden. Das Schlimmste, was passieren konnte, war bereits geschehen: Leslie würde eine andere Frau heiraten. Was hatte es da schon geändert, ob ihre Bewerbung erfolgreich verlaufen würde oder nicht? Dieser Gedanke hatte sie erfüllt, bis – ja, bis sie an diesem Morgen um genau neun Uhr in zwei goldbraune Augen geblickt hatte, die zu dem unbewegtesten Gesicht gehörten, das sie je gesehen hatte. Allerdings war es, wie sie sich widerstrebend eingestehen musste, auch mit Abstand das attraktivste.

„Gut?“ Er betonte das Wort und zog spöttisch die Brauen hoch. „Könnten Sie sich etwas genauer ausdrücken?“

Nein, das beabsichtigte sie nicht, und ebenso wenig würde sie sich von seiner herablassenden Frage aus der Reserve locken lassen. Merkwürdigerweise kamen ihr zwei der von Max so geschätzten Eigenschaften zu Hilfe: Rückgrat und Courage. Statt kühl und ironisch, wie sie ihm am liebsten geantwortet hätte, erwiderte Cory zurückhaltend und höflich: „Es wäre wohl anmaßend, mir jetzt, nach nur drei Stunden, schon ein Urteil zu erlauben. Aber Gillian war besonders nett und hilfsbereit.“

„Das ist sie immer“, bemerkte Max warm. Die offensichtliche Zuneigung ließ seine Stimme noch verführerischer klingen. „Sie ist eine wirklich außergewöhnliche Sekretärin.“

„Genau das sagte sie über …“ Cory unterbrach sich. Sie war sich ganz und gar nicht sicher, ob es Gillian recht wäre, wenn sie deren Bemerkung über ihren Chef wiederholte. Doch es war bereits zu spät.

„Über wen?“, fragte Max, doch er kannte die Antwort bereits.

„Über Sie“, musste Cory wohl oder übel gestehen. „Sie sagte, Sie seien ein außergewöhnlicher Chef.“

„Und Sie bezweifeln das?“

Cory fühlte sich überrumpelt. Sie blickte ihn ratlos mit ihren smaragdgrünen Augen an. Sie hatte die Lippen leicht geöffnet, während sie überlegte, was sie darauf antworten sollte.

Max Hunter schien sehr amüsiert zu sein. Lässig lehnte er sich zurück. „Ja oder nein?“, fragte er leicht spöttisch.

Cory musste an Mr. Stanley denken. Zwischen ihrem alten und ihrem neuen Chef lagen Welten. Dem kleinen, stämmigen Mr. Stanley mit seiner gründlichen, aber auch pedantischen Arbeitsweise wäre es nie eingefallen, sich auf diese Art mit seiner Angestellten zu unterhalten. Aber noch war sie nicht Max Hunters Sekretärin, und vielleicht hatte er bereits beschlossen, dass sie es auch nie werden würde. Cory war sich nicht sicher, ob sie selbst es wollte. Insgeheim musste sie Gillian recht geben: Max Hunter war wirklich ein außergewöhnlicher Chef.

Endlich fiel ihr eine passende Antwort ein. „Ich bin mir sicher, Gillian hat völlig recht mit der Einschätzung, dass Sie einzigartig sind, Mr. Hunter“, sagte sie unschuldig.

„Max“, korrigierte er sie. „Ich musste mir schon weniger diplomatisch ausgedrückte Beleidigungen anhören. Ich hoffe, Sie arbeiten ebenso gut, wie Sie schlagfertige Antworten geben.“

Autor

Helen Brooks

Bereits seit über 20 Jahren veröffentlicht die britische Autorin unter dem Pseudonym Helen Brooks Liebesromane, unter ihrem richtigen Namen Rita Bradshaw schreibt sie seit 1998 historische Romane. Weit über 40 Bücher sowie einige andere Werke sind bisher unter dem Namen Helen Brooks erschienen, von Rita Bradshaw gibt es 14 Romane....

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