Die prickelnde Rache des Milliardärs

– oder –

Im Abonnement bestellen
 

Rückgabe möglich

Bis zu 14 Tage

Sicherheit

durch SSL-/TLS-Verschlüsselung

Jetzt hat Gage die schöne Fallon Stewart endlich in der Hand! Damals war seine Mutter Haushälterin bei den reichen Stewarts, bis sie gefeuert wurde und sie beide auf der Straße landeten. Inzwischen hat sich das Blatt gewendet. Gage ist Selfmade-Milliardär - und Fallon steht vor dem Ruin. Das ist die Gelegenheit für seinen süßen Racheplan: Er wird ihr Familienunternehmen mit seinem Geld retten - wenn sie ihn heiratet! Dann wird er herausfinden, ob die erotische Anziehung zwischen ihnen immer noch so stark ist wie in ihrer Jugend …


  • Erscheinungstag 23.06.2020
  • Bandnummer 2139
  • ISBN / Artikelnummer 9783733726249
  • Seitenanzahl 144
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

PROLOG

Ihre Hand zitterte vor Wut, als Fallon Stewart den Hörer auflegte. Sie stand auf, ging durch ihr stilvoll eingerichtetes Büro im Stadtzentrum von Austin und blickte aus dem Fenster. Auch wenn sie Verständnis für ihren älteren Bruder Ayden hatte, so war sie doch verärgert darüber, dass er sich nach Jamaika aus dem Staub gemacht hatte und sie in ihrer verzweifelten Lage im Stich ließ.

Stewart Technologies stand kurz vor dem Konkurs. Obwohl Fallon als CEO der Firma ihr Bestes gegeben und bis zum Umfallen gearbeitet hatte, befand sie sich dennoch auf einem sinkenden Schiff.

Vor einem Monat hatte sie Ayden, das schwarze Schaf der Familie Stewart, um Hilfe gebeten – doch er hatte abgelehnt. Er sah keinen Sinn darin, die Firma ihres Vaters zu retten. Eines Vaters, der Ayden nie als seinen Sohn anerkannt hatte. Und auch Fallons jüngerer Bruder Dane, ein berühmter und gut verdienender Schauspieler, hatte kein Interesse daran gehabt, sein Geld in die Firma zu investieren.

Was sollte sie nur tun?

„Lass die Firma doch einfach pleitegehen“, sagte Shana, mit der Fallon sich eine Stunde später in ihrer Lieblings-Cocktailbar traf. Shana Wilson war Fallons Lieblingscousine mütterlicherseits. Nora, ihre Mutter, hatte zwar etwas dagegen, dass die beiden sich trafen, weil sie sich am liebsten von ihren ländlichen Wurzeln losgesagt hätte, aber Fallon war das egal. Shana war laut und direkt, aber sie war bodenständig.

Fallon starrte Shana fassungslos an. Nach all der harten Arbeit, die sie in Stewart Technologies gesteckt hatte? Sie hatte das Geschäft von der Pike auf gelernt und sich langsam hochgearbeitet, bis sie endlich in die Geschäftsführung berufen worden war. Und das sollte sie alles aufgeben? „Bist du verrückt?“

Shana kicherte. „Jetzt krieg mal keinen Herzinfarkt. Es war doch nur ein Vorschlag. Ich mag es überhaupt nicht, wenn du so gestresst bist.“

Fallon seufzte laut. „Tut mir leid, Shana. Es macht im Augenblick bestimmt keinen Spaß, mit mir abzuhängen.“

Shana hatte sich für den Abend schick gemacht. Sie trug ein glitzerndes ärmelloses Top, einen Minirock, Riemchensandalen und große goldene Creolen. Ihre Extensions hingen in Ringellocken bis auf ihre Schultern herab. Shana war offensichtlich auf der Jagd nach mehr als einem Martini, und normalerweise machte es Fallon nichts aus, ihre Kopilotin zu sein, aber jetzt gerade war sie sauer.

„Stimmt, macht es nicht“, sagte Shana und nippte an ihrem Cocktail, „aber genau deswegen habe ich dich ja gefragt, ob wir heute ausgehen wollen. Du machst nichts anderes mehr als zu arbeiten, und dann fährst du nach Hause in dieses Mausoleum. Du bist viel zu verkrampft.“ Shana sah sich um und musterte die Männer in der Bar. „Vielleicht wärst du entspannter, wenn du einen Mann kennenlernen und ein bisschen Spaß haben würdest. Und ich glaube, ich weiß auch schon, wer dafür infrage kommt und gleichzeitig gut für eure Zahlungsfähigkeit wäre.“

Fallon rutschte auf ihrem Platz nach vorn. Auch wenn sie ihre Cousine mochte: Shana arbeitete als Friseurin in einem angesagten Salon, was wusste sie schon von Finanzfragen? „Ach ja? Und wer sollte das sein?“

„Gage Campbell. Klingelt da was?“

Fallons Herz machte einen Hüpfer, als sie diesen Namen hörte. „G…age?“

„Ja, erinnerst du dich noch an ihn? Der Typ, auf den du früher scharf gewesen bist?“

Wie könnte ich ihn vergessen? Sie hatte sich ihm an den Hals geworfen und damit eine Kette von Ereignissen in Gang gesetzt, die sie mit ihren gerade einmal sechzehn Jahren unmöglich hatte voraussehen können. „Natürlich erinnere ich mich. Was ist mit ihm?“

„Im Salon habe ich gehört, dass er wieder in der Stadt ist“, entgegnete Shana. „Ich hatte ein paar Kundinnen, die erzählt haben, dass sie mit ihm ausgegangen sind. Er hat einen erfolgreichen Investmentfonds gegründet und ist eine ziemlich gute Partie. Ganz abgesehen davon, dass er immer noch genau so sexy aussieht wie früher.“

Niemals würde Fallon den Tag vergessen, an dem sie Gage das erste Mal gesehen hatte. Sie war gerade acht Jahre alt gewesen und auf ihrem Pony herumgeritten, als Gage und seine Mutter Grace sich mit Nora zusammen das Anwesen angesehen hatten. Fallon hatte angegeben, sodass das Pony nervös geworden war und sie abgeworfen hatte. Wenn Gage nicht so schnell reagiert und sie aufgefangen hätte, hätte Fallon sich mit Sicherheit alle Knochen gebrochen. Dann hatte er sie mit seinen wunderbaren, bernsteinfarbenen Augen angesehen, und Fallon hatte sich Hals über Kopf in den Zwölfjährigen verliebt.

Fallon blinzelte und bemerkte, dass ihre Cousine immer noch redete. „Wenn man seinen derzeitigen Damenbekanntschaften glauben darf, weiß er auch im Bett, was er tut.“

Fallon wurde rot.

„Oh Gott.“ Shana verdrehte die Augen. „Wir müssen dich wirklich dringend verkuppeln, wenn du dabei schon rot wirst. Vielleicht kann Gage dir auch mit Stewart Technologies helfen. Ich habe gehört, er soll ein ziemliches Finanzgenie sein.“

„Kann schon sein, aber Gage würde nicht einmal den kleinen Finger krumm machen, um mir zu helfen“, erwiderte Fallon. Warum sollte er auch? Sie hatte schließlich sein Leben zerstört.

1. KAPITEL

Zwei Wochen später

„Die Firma steckt in ernsten Schwierigkeiten“, erzählte Fallon ihren Eltern am Sonntag beim Abendessen.

Seitdem sie sich neulich in der Bar mit Shana getroffen hatte, musste sie ständig daran denken, was sie Gage Campbell damals angetan hatte.

Fallon hatte den hasserfüllten Blick nie vergessen können, mit dem Gage sie angesehen hatte, kurz bevor ihr Vater damals die Tür des Landhauses geschlossen hatte. Sie hatte nie erfahren, was aus Gage und seiner Mutter geworden war, nachdem sie das Haus der Stewarts hatten verlassen müssen. Sie hatte es auch nicht wissen wollen. Sie hatte ein so schlechtes Gewissen gehabt, dass sie sich nicht einmal quergestellt hatte, als ihre Eltern sie im letzten Highschool-Jahr auf ein Mädcheninternat geschickt hatten, damit sie ihre Zeit nicht mit den „falschen Leuten“ verbrachte.

„Musst du immer so theatralisch sein?“, fragte Nora Stewart und sah ihre Tochter über den Tisch hinweg an. Obwohl sie nur zu dritt waren, hatte ihre Mutter darauf bestanden, dass im Esszimmer gegessen wurde.

Ihre Mutter war das Sinnbild der Kultiviertheit. Sie trug eine cremefarbene Stoffhose und ein dazu passendes Twinset. Ihr glattes, kastanienbraunes Haar trug sie in einem schicken kinnlangen Bob, und sie war perfekt geschminkt. Seitdem sie Henry Stewart geheiratet hatte und mit Fallon schwanger gewesen war, hatte Nora nicht mehr gearbeitet.

„Ich bin überhaupt nicht theatralisch“, erwiderte Fallon. „Wir verlieren Kapital, und das muss aufhören.“

„Und wessen Schuld ist das?“, wollte Henry wissen. „Du bist doch seit zwei Jahren Geschäftsführerin.“

Als sie dreißig geworden war, hatte Fallon geglaubt, dass sie endlich ganz oben auf der Karriereleiter angekommen wäre, nur um dann festzustellen, dass sie auf Sand gebaut hatte. Stewart Technologies war bis zum Anschlag mit Fremdkapital belastet – und das nur, weil ihr Vater ein so schlechtes Urteilsvermögen besaß und ihre Mutter das Geld mit vollen Händen ausgab.

„Meine nicht“, sagte Fallon entrüstet. „Stewart Technologies hatte schon Schwierigkeiten, bevor ich Geschäftsführerin geworden bin.“

„Aber jetzt hast du die Leitung, und es ist deine Aufgabe, alles in Ordnung zu bringen“, antwortete ihr Vater. „Es wird Zeit, dass du zeigst, was du kannst, und aufhörst, mit allen Problemen zu mir zu kommen.“

Fallon war wütend. Sie war hergekommen, um mit ihren Eltern reinen Tisch zu machen, aber die beiden waren nicht mehr ganz bei Trost. Sie weigerten sich einfach, sich mit dem Unausweichlichen abzufinden: dass ihnen das Geld ausging und sie ihren gewohnten Lebensstil nicht länger halten konnten.

„Ich habe in den letzten zehn Jahren bewiesen, dass ich alles für die Firma tun würde. Aber wenn ich nicht auf eure Unterstützung zählen kann, ist es besser, wenn ich gehe.“ Sie stand auf und machte sich auf den Weg zur Tür.

„Setz dich hin, Fallon.“ Ihr Vater fixierte sie mit seinem Blick, sodass Fallon stehen blieb und zum Tisch zurückging.

„Ja, Vater?“ Fallon drehte sich um und sah ihren Vater zum ersten Mal an diesem Abend richtig an. Sie sah mehr Grau in seinem vormals schwarzen Haar, und er hatte zusätzliche Falten bekommen. Das Leben war offenbar nicht so leicht, wie ihre Mutter es gern darstellte.

„Tut mir leid, wenn ich zu schroff gewesen bin“, sagte Henry. „Ich weiß, dass du dein Bestes tust.“

„Was aber nicht reicht“, stellte Fallon fest. „Verstehst du das? Wir verlieren vielleicht alles.“

„Steht es wirklich so schlimm, wie du sagst?“, erwiderte Henry.

„Allerdings. Mir gehen die Ideen aus“, sagte Fallon. „Ich habe sogar schon Ayden um Geld gebeten.“

Ihr Vater riss die Augen auf. „Warum um alles in der Welt tust du so etwas? Er gehört nicht zu dieser Familie. Was hat er gesagt?“

Machte Henry sich Sorgen, dass Ayden ihr erzählt hatte, dass Henry seine damalige Frau mit ihrer Mutter betrogen hatte? „Ich wusste keinen anderen Ausweg. Aber ich bin nicht dazu gekommen, ihm irgendetwas zu erzählen, weil er sofort gesagt hat, dass er keine Lust hat, unsere Firma zu retten.“ Sie verschwieg ihm, dass Ayden es sich anders überlegt hatte und vor ein paar Tagen bei ihr gewesen war.

Henry seufzte. „Das ist auch gut so. Wir brauchen ihn nicht. Und es hat ja schließlich seinen Grund, dass ich dich zur Geschäftsführerin gemacht habe.“

„Gemacht hast?“, wiederholte Fallon. „Ich habe mir meinen Erfolg hart erarbeitet. Ich kann mich nicht erinnern, dass Dane oder Ayden Schlange gestanden hätten, um in deine Fußstapfen zu treten.“

„Pass mal auf, junge Dame …“

„Du brauchst mir keine Predigt zu halten, Vater“, unterbrach Fallon ihn. „Ich bin das einzige von deinen Kindern, das sich überhaupt für Stewart Technologies interessiert, also würde ich sagen, dass du aufhörst, mir Steine in den Weg zu legen und Mutter klarmachst, dass wir nur einen Schritt von der Pleite entfernt sind.“

Fallon sprang auf und verließ ohne ein weiteres Wort den Raum. Ihr Vater blieb vor Schreck über ihre Unverschämtheit mit offenem Mund sitzen. Fallon ging schnell zur Tür und machte sich auf den Weg zu ihrem eigenen Haus.

Als sie das Haupthaus verlassen hatte, spürte sie als Erstes die kalte Abendluft. Vor ein paar Wochen hatten die Bäume angefangen, Laub zu verlieren, das unter ihren Füßen raschelte. Der Herbst war gekommen. Fallon knipste zu Hause das Licht an und lehnte sich von innen an die Haustür.

Schon vor langer Zeit hatte ihre Mutter das Landhaus renovieren lassen, nachdem die Campbells ausgezogen waren. Jetzt hatte es eine offene Küche aus Edelstahl, die in den Wohnbereich überging, ein Schlafzimmer mit eigenem Bad und dazu noch ein Gästezimmer mit Toilette. Mehr brauchte Fallon nicht, und außerdem konnte sie hier in der Nähe ihrer Stute Lady sein.

Fallon streifte ihre Stiefel ab und ließ sich auf das weiche Ledersofa fallen. Sie lehnte sich zurück und dachte über das Wochenende nach. Wieder einmal hatte sie die Bücher durchgeblättert und nach möglichen Einsparungen gesucht, um die Firma liquide zu halten, aber es hatte alles keinen Sinn. Sie waren auf dem absteigenden Ast.

Und das Gespräch heute Abend war ein totaler Fehlschlag gewesen. Ihre Eltern weigerten sich einfach, sich mit der Realität auseinanderzusetzen: Sie waren pleite.

Am Freitag hatte sie den einzigen Lichtblick erlebt, als Ayden zu ihr ins Büro gekommen war. Er hatte erschöpft und müde ausgesehen und Ringe unter den Augen gehabt, aber sie hatten offen miteinander geredet. Sie war zu hart zu ihm gewesen, weil er sie jahrelang als Feindin betrachtet hatte. Sie und Dane waren die Auserwählten gewesen, die Kinder, zu denen Henry Stewart sich bekannte, während Ayden und seine Mutter in Armut leben mussten.

Fallon war klar, dass sie das Leben geführt hatte, das ihm vorenthalten worden war: die Häuser, Autos, Reisen, schicken Klamotten und guten Schulen. Er hatte ihr zugehört, als sie ihm erklärt hatte, dass ihr Leben auch nicht einfach gewesen war, weil ihre Mutter sich nie für sie interessiert und ihr Vater sie ständig unter Druck gesetzt hatte. Und dann hatte Ayden gesagt, dass es ihm leidgetan hätte, dass er ihre Anrufe ignoriert und ihre Bitte um ein Darlehen abgelehnt hatte. Er wollte von vorn anfangen, versuchen, eine Familie zu werden, wollte ihr und Dane ein Bruder sein.

Fallon war überglücklich gewesen. Und dann hatte Ayden ihre Hand genommen und zu ihrem großen Erstaunen angeboten, ihr – nicht der Firma – ein persönliches Darlehen zu geben. Es musste ein großes Opfer für ihn sein, ihr dieses Angebot zu machen. Und nach allem, was er durchgemacht hatte, erlaubte ihr Stolz es nicht, dieses Angebot anzunehmen. Sie konnte Aydens schwer verdientes Geld nicht annehmen, Geld, das er vielleicht irgendwann für seine eigene Zukunft brauchte.

Er hatte genickt und ihr ihren Stolz gelassen. Und sie hatten vereinbart, dass sie kleine Schritte als neue Familie miteinander gehen wollten. Fallon konnte es kaum erwarten, Dane davon zu erzählen. Sie hoffte, dass er genauso froh darüber war wie sie, wenn sie wieder Kontakt mit ihrem großen Bruder hatten.

„Herzlich willkommen zurück in Austin, alter Freund“, sagte Theo Robinson zu Gage Campbell, als sie sich zum Mittagessen im Country-Klub trafen. Sie saßen draußen auf der Terrasse, tranken Brandy und schwelgten in Erinnerungen.

„Es ist schön, wieder hier zu sein“, sagte Gage. Und das war es auch. Nachdem er seinen Abschluss an der University of Texas in Austin gemacht hatte, war er erst nach New York und dann ins Ausland gegangen, um sein Vermögen aufzubauen. Inzwischen war er als erfolgreicher Mann in seine Heimatstadt zurückgekehrt, um eine Familie zu gründen und sich um seine Mutter zu kümmern. Sie hatte sich vor einigen Jahren zur Ruhe gesetzt, war aktiv und bereiste nun mit ihren Freunden die ganze Welt. Das hatte sie sich nach all der harten Arbeit verdient, mit der sie dafür gesorgt hatte, dass sie beide eine Zukunft hatten.

„Was hast du eigentlich vor, jetzt, wo du wieder hier bist?“, wollte Theo wissen.

Gage lehnte sich zurück und sah seinen Freund an. „Sesshaft werden, ein schönes Haus finden und eine Frau, mit der ich eine Familie gründen kann.“

„Oh, wirklich?“ Theo zog eine Augenbraue hoch. „Seit wann das denn? Ich dachte immer, du bist überzeugter Junggeselle.“

„Das war einmal. Verdammt, eigentlich bin ich das immer noch“, antwortete Gage. „Ich genieße das Leben, bis ich Mrs. Campbell gefunden habe.“

„Nehmt euch in Acht, Frauen von Austin!“ Theo lachte und trank einen Schluck Brandy.

„Es gibt nur eine einzige Frau, die Angst vor mir haben muss“, sagte Gage ernst.

„Lass mich raten. Fallon Stewart? Wobei ich erwartet habe, du hättest nach all der Zeit und bei deinem Erfolg die Fehler vergessen, die ein unerfahrenes junges Mädchen einmal gemacht hat.“

„Sie war immerhin erfahren genug, um halb nackt bei mir zu Hause aufzukreuzen“, erwiderte Gage.

„Sie war sechzehn und verknallt in dich“, sagte Theo. „Als ihre Eltern sie dann erwischt haben, hat sie Angst bekommen und gelogen.“

„Ihre Lügen haben meine Mutter um ihren Job gebracht. Und ohne ein Arbeitszeugnis von den Stewarts hat sie zunächst keine Arbeit mehr gefunden. Sie hat Monate gebraucht, um sich finanziell davon zu erholen.“

„Aber sie hat sich erholt und du auch. Ich meine, guck dich doch mal an.“ Theo zeigte mit dem Finger auf ihn. „Du bist der Zauberer der Wall Street. Ich würde sagen, du kommst ziemlich gut zurecht.“

„Das habe ich nicht den Stewarts zu verdanken.“

Theo seufzte. „Dann freut es dich vielleicht zu hören, dass Stewart Technologies Gerüchten zufolge total verschuldet ist. Keine Bank gibt der Firma mehr ein Darlehen, und sie wissen nicht, wie es weitergehen soll.“

„Geschieht Henry ganz recht“, gab Gage zurück. „Ich dachte eigentlich, er hätte seine fünf Sinne beisammen. Früher war er sogar ein Vorbild für mich, ich habe ihn bewundert.“

„Henry Stewart schmeißt den Laden nicht mehr.“

Gages Magen verkrampfte sich. Theo brauchte seine nächsten Worte gar nicht zu sagen; er wusste schon Bescheid. „Fallon führt die Geschäfte.“

„Sie hat überall versucht, an Geld zu kommen, aber bislang ohne Erfolg.“

„Ist das so?“ Gage rieb sich das Kinn. Fallon Stewart hatte einen Dämpfer bekommen und musste sozusagen auf der Straße um Almosen betteln. Wenn das nicht ausgleichende Gerechtigkeit war, was dann?

„Vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt, sich einzukaufen und die Scherben aufzusammeln“, stellte Theo fest. „Denk mal drüber nach.“

Nach dem Mittagessen verabschiedeten sich die beiden Männer voneinander, aber Gage kehrte nicht vor dem späten Abend ins Austonian zurück, ein Appartmenthaus mit allen modernen Annehmlichkeiten, die er für sein Junggesellenleben brauchte.

Er ging zum Barschrank, öffnete den Schwenker mit dem Brandy und schenkte sich ein Glas ein. Er ließ den Alkohol im Glas kreisen und trank dann einen großen Schluck. Als Nächstes schob er die Glastür beiseite, sodass sich sein Wohnzimmer zur großzügigen Dachterrasse mit Panoramablick hin öffnete.

Die Lichter von Austin funkelten in der Ferne, aber Gage nahm sie kaum wahr. Er sah nur den hübschen Teenager in seiner Erinnerung vor sich auf seinem Bett liegen, in der erotischsten Unterwäsche, die er je gesehen hatte. Gage biss die Zähne zusammen und zwang sich, an diese Nacht zu denken. Er war nicht nur wütend gewesen, als er Fallon in seinem Bett vorgefunden hatte. Er war fasziniert gewesen.

Fallon besaß damals alles, was er nicht hatte. Sie war verwöhnt, reich und privilegiert. Sie hatte mehr Geld, als sie ausgeben konnte, Ponys und Autos, während er zwei Jobs gleichzeitig hatte. Er hatte die verschämten Blicke bemerkt, die Fallon ihm zugeworfen hatte, wenn sie glaubte, dass er nicht hinsah, aber sie war erst sechzehn gewesen. Minderjährig.

Wenn ihre Eltern später gekommen wären, wäre er am Ende vielleicht sogar in Handschellen abgeführt worden. Stattdessen hatte man ihn und seine Mutter vor die Tür gesetzt.

Aber jetzt war alles anders. Er hielt alle Trümpfe in der Hand, während Fallon ganz unten angekommen war. Gage genoss den Gedanken, dass das Blatt sich gewendet hatte.

Als Fallon am nächsten Morgen in ihr Büro von Stewart Technologies kam, fühlte sie sich nicht ganz wohl in ihrer Haut. Sie hatte nicht gut geschlafen. Ausgerechnet jetzt war ihr klar geworden, dass sie überhaupt kein Liebesleben hatte. Sie versuchte, sich dennoch auf den Tag zu konzentrieren, der vor ihr lag.

Sie musste zu mehreren Besprechungen, eine davon war eine Verhandlung über den Verkauf von einem der Nanotechnologie-Patente, die die Firma seit langer Zeit besaß. Fallon wollte nicht verkaufen – das Patent war eine der herausragenden Leistungen ihres Vaters –, aber sie hatte keine andere Wahl. Mit dem Kapital, das sie dafür bekommen würde, konnte sie sich die Bank vom Hals halten und dafür sorgen, dass Tausende von Mitarbeitern ihre Jobs behielten.

Der Vormittag verging wie im Flug, und Fallon machte nur eine kurze Pause, um den Salat zu essen, den ihre Assistentin Chelsea ihr aus dem Café im Erdgeschoss geholt hatte. Sie brütete gerade über den Finanzunterlagen, als es an der Tür klopfte. „Jetzt nicht, Chelsea, ich stecke mitten in einer Sache“, sagte sie, ohne aufzusehen.

„Hast du nicht einmal Zeit für einen alten Freund?“

Fallons Herzschlag beschleunigte sich, und sie schloss die Augen. Dann lehnte sie sich in ihrem lederbezogenen Chefsessel zurück. Das kann nicht sein! Vielleicht bildete sie es sich ein, beschwor die Vergangenheit herauf. Sie atmete tief ein und warf einen verstohlenen Blick auf den Mann, der in der Tür zu ihrem Büro stand.

Es war kein anderer als Gage Campbell. Beruhige dich. Lass ihn nicht spüren, wie sehr er dich durcheinanderbringt.

Also ging sie in die Offensive. „Was zur Hölle willst du denn hier?“

2. KAPITEL

„Ich freu mich auch, dich zu sehen, Fallon.“ Gage schloss die Tür hinter sich und kam mit langen Schritten auf ihren Schreibtisch zu.

Fallons Blut rauschte, als sie ihn ansah. Gage Campbell hatte die Zeit nicht geschadet. Er trug sein Haar kurz geschnitten. Mit seiner warmen, karamellfarbenen Haut, den vollen Lippen und den bernsteinfarbenen Augen, die von dichten schwarzen Wimpern umrahmt wurden, war er nicht zu übersehen.

Er roch nach Geld in seinem teuren Outfit und sah aus wie dazu geboren, diesen maßgeschneiderten dreiteiligen Anzug mit polierten Designerschuhen zu tragen. Fallon wusste, dass das nicht immer so gewesen war. Der Gage von damals hatte sich in verwaschenen Jeans und Shirt am wohlsten gefühlt. Der Mann, der jetzt vor ihr stand, wirkte selbstbewusst und sicher.

„Habe ich die Prüfung bestanden?“, fragte Gage, nachdem sie lange geschwiegen und ihn gemustert hatte.

Fallon wurde rot, weil er sie dabei erwischt hatte, wie sie ihn offen angestarrt hatte. Gage ließ sie nicht aus den Augen. „Entschuldigung. Ich war nur überrascht, dich nach all der Zeit wiederzusehen.“

„Kann ich mir vorstellen“, erwiderte Gage, öffnete einige Knöpfe an seinem Sakko und setzte sich ihr gegenüber. „Wie lange ist das jetzt her, sechzehn Jahre? Du bist erwachsen geworden.“ Er senkte den Blick und nutzte die Gelegenheit, sie von oben bis unten anzusehen.

Fallon trug ihr normales Arbeitsoutfit. Sie hatte ihr lockiges Haar mit dem Glätteisen gebändigt und trug ein schlichtes Make-up: schwarzen Eyeliner, Mascara, Rouge und Lippenstift. Sie brauchte sich nicht stark zu schminken, weil sie die glatte, kaffeebraune Haut ihrer Mutter geerbt hatte. Sie war zwar keine Modeexpertin wie Nora, aber Fallon sah trotzdem immer schick aus. Heute trug sie eine Leinenhose mit einem ärmellosen Seidentop. Sie fragte sich, was Gage wohl von ihr hielt.

„Oh, ja, du bist auf jeden Fall reifer geworden, seitdem wir uns das letzte Mal gesehen haben.“

Der hinterhältige Kerl starrte ihr direkt auf die Brüste, und sie konnte spüren, wie ihre Brustspitzen sich verhärteten. Sofort stand sie auf. „Was kann ich für dich tun, Gage? Du bist doch nicht hergekommen, um in Erinnerungen zu schwelgen?“

Er kniff die Augen zusammen. Offensichtlich hatte sie einen Nerv getroffen. „Das wäre sicherlich für keinen von uns beiden schön, oder?“

Fallon wurde rot. Sie hatte sich nie verziehen, dass seine Mutter ihretwegen ihren Job verloren hatte. „Gage, es …“

Er unterbrach sie. „Ich bin hergekommen, weil Stewart Technologies in finanziellen Schwierigkeiten steckt, und ich dachte, ich kann euch vielleicht helfen.“

Sie runzelte die Stirn. „Und warum, wenn ich fragen darf?“

„Redet man so mit einem möglichen Geldgeber? Oder braucht ihr kein frisches Kapital, um die Firma deines Vaters zu retten?“

„Es ist jetzt meine Firma.“

Er neigte den Kopf. „Ich dachte, dass wir das vielleicht bei einem Abendessen besprechen könnten. Ich habe den ganzen Tag viel zu tun, ich habe es kaum geschafft, herzukommen.“

„Abendessen?“, presste sie zwischen den Zähnen hervor und sah ihn dabei erstaunt an.

Er legte den Kopf zur Seite und wartete darauf, dass sie etwas sagte. „Das ist eine Mahlzeit, die die meisten Menschen nach dem Mittagessen einnehmen. Oder willst du nicht mit dem Sohn einer früheren Haushälterin gesehen werden?“

Fallon sah ihm direkt in die Augen und erwiderte kühl: „Ich bin doch kein Snob.“

„Nein?“

„Das klingt überrascht.“

„Wenn ich mich recht erinnere, hättest du dich früher nie mit mir sehen lassen, außer in den Ställen oder wenn wir alleine gewesen sind.“

„Das ist nicht wahr.“ Sie spürte, wie ihr bei dieser Erinnerung die Röte in die Wangen stieg. „Ich wollte nicht, dass uns jemand sieht. Wenn meine Mutter davon erfahren hätte, hätte sie es mir verboten.“ Fallon ließ den Kopf hängen. Sie war zu verliebt in Gage gewesen, um sich darum zu kümmern, zu welcher Schicht er gehörte. Wenn sie sich mit ihm zum Abendessen traf, konnte sie ihm zeigen, dass er sich in ihr getäuscht hatte und dass sie einander ebenbürtig waren. Außerdem erfuhr sie dann vielleicht, was er wirklich von ihr wollte.

Es vergingen einige Sekunden, und als sie den Blick hob, sah sie, dass er sich vorgebeugt hatte.

„Soll ich dich abholen?“

Fallon schüttelte den Kopf. „Nein, nicht nötig. Wir können uns treffen, wo du willst.“

„Du willst immer noch nicht mit mir gesehen werden, was?“ Gage richtete sich zu seiner vollen Größe auf, stand auf und knöpfte sein Sakko wieder zu. Er lachte finster und machte sich auf den Weg zur Tür. „Wir treffen uns um sieben im Driskill Grill.“

Und schon war er weg. Fallon starrte ihm hinterher. Was hat er nur vor?

Wut beschleunigte Gages Schritt, als er sich auf den Weg zum Fahrstuhl machte. Er warf Fallon einen Rettungsring zu – und sie wollte nicht einmal zulassen, dass er sie zum Abendessen abholte! Er hatte erwartet, eine verwöhnte und selbstsüchtige Frau anzutreffen, war aber stattdessen auf eine umwerfende, unerschütterliche Eiskönigin gestoßen. Fallon Stewart war ganz anders als der Teenager, als den er sie in Erinnerung hatte. Und es ärgerte ihn, dass er sie immer noch so … so verdammt attraktiv fand.

Als er sie eben zum ersten Mal gesehen hatte, hatte das Blut in seinen Adern gekocht, und er hatte Schmetterlinge im Bauch. Er wollte sie anfassen. Er wollte ihre sinnlichen, rosa geschminkten Lippen an seine drücken und sich in ihr verlieren. Doch Fallon hatte den Blick gesenkt und so getan, als hätte er überhaupt keine Wirkung auf sie.

Gage war sich aber trotzdem sicher, dass er ein Funkeln in ihren Augen bemerkt hatte, als sie ihn von oben bis unten angesehen hatte. Jetzt waren sie beide erwachsen, und es wurde Zeit, dass sie zu Ende brachten, was sie vor sechzehn Jahren begonnen hatten.

Autor

Yahrah St John

Yahrah St. John hat bereits dreißig Bücher geschrieben. Wenn sie nicht gerade zu Hause an einer ihrer feurigen Liebesgeschichten mit unwiderstehlichen Helden und temperamentvollen Heldinnen arbeitet und sie mit einem Schuss Familientragödie würzt, kocht sie gern aufwändige kulinarische Leckereien oder reist auf der Suche nach neuen Abenteuern um die Welt....

Mehr erfahren