Luxussuite für zwei

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An den schönsten Orten der Welt können die anspruchsvolle Aysha und der reiche Carlo wohnen, den größten Luxus genießen, sich jeden Tag ihrer Lust hingeben - aber manchmal ist Aysha verzweifelt. Denn noch immer nicht hat Carlo die Worte gesprochen, nach denen sie sich so sehnt: "Ich liebe dich …"
  • Erscheinungstag 30.06.2018
  • ISBN / Artikelnummer 9783733757625
  • Seitenanzahl 130
  • E-Book Format ePub
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Leseprobe

1. KAPITEL

„Gute Nacht, cara. Du wirst doch wohl bei Carlo übernachten, stimmt’s?“

Sehr geschickt, dachte Aysha. Es versetzte sie immer wieder in Erstaunen, dass ihre Mutter einen Befehl in Form einer Anregung vorbringen und diese als Frage formulieren konnte.

Als hätte Aysha eine Wahl. Ihr Leben war von klein auf inszeniert gewesen. Die exklusivsten Privatschulen, zusätzlicher Privatunterricht, Ferien im Ausland, Wintersportorte, Ballett, Reitschule, Sprachen … Sie sprach fließend Italienisch und Französisch.

Aysha Benini war so geworden, wie ihre Eltern es sich vorgestellt hatten. Das Produkt ihrer Erziehung. Der sichtbare Beweis des Reichtums und der gesellschaftlichen Stellung der Familie.

Das Image musste um jeden Preis aufrechterhalten werden.

Aysha hatte sogar einen Beruf gewählt, der zum Gesamtbild passte. Sie war Innenausstatterin.

„Schatz?“

Sie ging zu ihrer Mutter und küsste sie flüchtig auf die Wange. „Wahrscheinlich.“

Teresa Benini zog die Augenbrauen hoch. „Dein Vater und ich erwarten dich nicht zurück.“

Damit war die Sache erledigt. Aysha kontrollierte ihre Handtasche, nahm die Autoschlüssel heraus und ging zur Tür. „Bis bald.“

„Amüsier dich gut.“

Was verstand ihre Mutter unter „sich gut amüsieren“? Ein vorzügliches Essen in einem Schickeriarestaurant mit Carlo Santangelo und danach eine lange Liebesnacht in Carlos Bett?

Aysha stieg in ihren schwarzen Sportwagen, ließ den Motor an, fuhr die Auffahrt hinunter und öffnete mit der Fernbedienung die Tore, dann bog sie auf die ruhige, von Bäumen gesäumte Straße ein. Kurz darauf kam sie auf die Hauptverkehrsstraße, die vom Vorort Vaucluse in die Innenstadt führte.

Der mit Diamanten besetzte Goldring mit dem prächtigen Solitär funkelte in der Sonne. Hervorragend gearbeitet und horrend teuer, war der Verlobungsring an ihrer linken Hand das passende Symbol der geplanten ehelichen Verbindung zwischen Giuseppe Beninis Tochter und Luigi Santangelos Sohn.

„Benini-Santangelo“. Zwei neunzehnjährige Männer, Nachbarn in einer norditalienischen Stadt, waren nach Sydney ausgewandert, wo jeder einen Job angenommen und sieben Tage die Woche gearbeitet hatte. Sie hatten jeden Cent gespart und eine Zementfabrik gegründet, als sie Mitte zwanzig gewesen waren.

Vierzig Jahre später war „Benini-Santangelo“ ein bedeutendes Bauunternehmen mit einer ungeheuer großen Werkanlage und einer ganzen Flotte von Betonmischmaschinen.

Giuseppe und Luigi hatten geeignete Frauen geheiratet und bedauerlicherweise nur jeweils ein Kind bekommen. Sie wohnten in schönen, vornehmen Häusern, fuhren teure Autos und hatten Aysha und Carlo die beste Ausbildung zukommen lassen, die für Geld zu haben war.

So lange, wie Aysha zurückdenken konnte, verkehrten die Beninis und Santangelos privat und gesellschaftlich miteinander. Es war mehr als Freundschaft. Sie waren fast wie eine Familie.

Die New South Head Road schlängelte sich zur Rose Bay hinunter, und Aysha nahm sich einen Moment Zeit, um die Aussicht zu bewundern.

An diesem schönen Spätsommerabend ähnelte das Meer einem Saphir und verschmolz am Horizont mit einem wolkenlosen Himmel. Von erstklassigen Grundstücken hatte man einen herrlichen Blick auf die großen und kleinen Buchten, in denen Segelboote vor Anker lagen. Die Hochhäuser des Geschäftsviertels aus Beton, Glas und Stahl bildeten einen prächtigen Hintergrund für das Opera House und die Harbour Bridge.

Der Verkehr wurde stärker, als sich Aysha der Innenstadt näherte, und an den großen Straßenkreuzungen kam es unvermeidlich zu Verzögerungen. Erst um kurz vor sieben stieg Aysha vor dem Hotel aus dem Auto. Ein Hausdiener fuhr es in die Tiefgarage.

Sie hätte sich von Carlo abholen lassen können. Oder sie hätte zumindest zu ihm nach Hause fahren sollen. Das wäre praktischer gewesen. Vernünftiger.

Nur dass sie an diesem Abend nicht vernünftig war.

Sie betrat die Hotelhalle und nickte dem Portier zu, dann ging sie zur Sitzecke links vom Eingang. Sofort stand ein Mann auf und kam ihr entgegen.

Carlo Santangelo.

Allein schon sein Anblick ließ Ayshas Herz schneller schlagen, und sie hielt den Atem an. Carlo war Ende dreißig, einen Meter siebenundachtzig groß, breitschultrig, muskulös und durchtrainiert. Er hatte markante Gesichtszüge, ein energisches Kinn und einen sinnlichen Mund. Das dichte dunkelbraune Haar war gut geschnitten und gepflegt. Seine Augen waren unglaublich dunkel, fast schwarz.

Aysha hatte ihn noch nie die Beherrschung verlieren sehen, aber er konnte zweifellos wütend werden. Dann presste er die Lippen zusammen, seine Augen funkelten wie Obsidian, und seine Stimme wurde eiskalt.

„Hallo, Aysha.“ Er küsste sie flüchtig auf den Mund, zögerte und küsste sie noch einmal, bevor er aufblickte und ihre Hände nahm.

Lieber Himmel, der Mann war einfach umwerfend! Der Duft seines dezenten Aftershaves stieg ihr in die Nase, und ihr Herz hämmerte so heftig, dass sie einen Moment lang glaubte, es wäre tatsächlich zu hören. Fühlte er sich ebenso stark zu ihr hingezogen wie sie zu ihm?

Wohl kaum. Sie war sich darüber im Klaren, welcher Platz in seinem Leben ihr zukam. Bianca war Carlos erste Liebe gewesen. Er hatte die schöne junge Frau vor zehn Jahren geheiratet und nur wenige Wochen nach der Hochzeitsreise durch einen Autounfall verloren. Aysha hatte bei der Hochzeit heimlich und bei Biancas Beerdigung offen geweint.

Carlo hatte sich in die Arbeit gestürzt und sich einen Namen als Geschäftsmann gemacht. Er hatte den Ruf, ein strategisch hervorragender Verhandlungspartner zu sein.

Er hatte viele Freundinnen gehabt und genommen, was sie ihm anboten, ohne jemals daran zu denken, die schöne Bianca durch eine von ihnen zu ersetzen.

Im vergangenen Jahr hatte er seine Aufmerksamkeit auf Aysha gerichtet und die herzliche, freundschaftliche Beziehung zwischen ihnen zu einer sehr viel engeren, intimeren vertieft.

Aysha war von seinem Heiratsantrag völlig überwältigt gewesen, denn sie liebte Carlo schon lange. Sie hatte als Teenager für ihn geschwärmt und konnte genau sagen, wann daraus Liebe geworden war.

Eine einseitige Liebe. Aysha machte sich keine Illusionen. Die Ehe würde den Konzern „Benini-Santangelo“ stärken und sicherstellen, dass er in der nächsten Generation fortbestand.

„Hungrig?“, fragte Carlo.

Aysha lächelte. „Ich komme fast um vor Hunger.“

„Dann lass uns essen gehen.“ Carlo legte ihr den Arm um die Taille und führte Aysha zu den Fahrstühlen.

Sie reichte ihm gerade bis zur Schulter, und ihre schlanke Figur ließ sie zerbrechlich wirken, aber dieser Eindruck stand in Gegensatz zu ihrer Fitness und Willensstärke.

Aus ihr hätte eine schreckliche Frau werden können, dachte Carlo, während er auf den Rufknopf drückte. Ihre nachsichtige und überaus fürsorgliche Mutter hatte sie maßlos verwöhnt. Trotzdem war Aysha keineswegs arrogant, ohne übersteigertes Selbstwertgefühl. Sie war eine warmherzige, intelligente, geistreiche und sehr attraktive junge Frau, und wenn sie lächelte, war sie eine Schönheit.

Das Restaurant im obersten Stock bot eine herrliche Aussicht auf die Stadt und den Hafen. Es war teuer, exklusiv und Carlos und Ayshas Lieblingsrestaurant, weil der Küchenchef ein wahrer Künstler war, der es mit Können und Begabung schon in mehreren europäischen Ländern zu Ruhm und Reichtum gebracht hatte.

Die Fahrstuhltüren glitten auf, und Aysha ging vor Carlo in die Kabine. Während sie nach oben fuhren, stand sie schweigend neben ihm.

„So schlimm?“

Aysha warf Carlo einen Blick zu und sah sein wissendes Lächeln. Er hatte ihr Schweigen richtig gedeutet und einem grässlichen Tag zugeschrieben. Sie wusste nicht, ob sie amüsiert oder resigniert sein sollte. War sie so leicht zu durchschauen? Das glaubte sie eigentlich nicht. Die meisten Leute konnten ihr ganz gewiss nicht ansehen, was sie dachte oder fühlte. Aber bei Carlo war das etwas anderes, und sie hatte schon vor langer Zeit akzeptiert, dass es ihr selten gelang, irgendetwas vor ihm zu verheimlichen.

„Womit soll ich anfangen?“ Aysha hob die Hand und zählte an den Fingern ab: „Ein wütender Kunde. Ein noch wütenderer Abteilungsleiter. Ein importierter Stoff, der durch einen Hafenarbeiterstreik hängen geblieben ist. Oder eine mörderische Anprobe.“ Aysha verdrehte die Augen. „Such dir etwas aus.“

Der Fahrstuhl hielt, und sie gingen ins Foyer des Restaurants.

„Signor Santangelo, Signorina Benini. Willkommen.“ Als hoch geschätzte Stammgäste wurden sie vom Maître d’ hôtel übertrieben freundlich und ehrerbietig begrüßt. Er empfahl ihnen nicht einmal einen Tisch, sondern führte sie sofort zu dem am Fenster, der ihnen am liebsten war.

Es hat gewisse Vorteile, einen hohen gesellschaftlichen Rang einzunehmen, dachte Aysha. Tadelloser Service war einem sicher.

Sobald sie saßen, kam der Weinkellner. Aysha ließ Carlo den Weißwein auswählen. „Und Mineralwasser, bitte“, sagte sie.

Carlo lehnte sich zurück und betrachtete sie aufmerksam. „Wie geht es Teresa?“

„Das ist eine Suggestivfrage“, erwiderte Aysha. „Könntest du vielleicht etwas konkreter sein?“

„Sie macht dich wahnsinnig.“ Carlo lächelte ironisch.

„Du bist gut. Sehr gut“, lobte Aysha genauso spöttisch.

Er zog die Augenbrauen hoch. „Soll ich mich um die Note ‚ausgezeichnet‘ bemühen und die aktuelle Krise erraten? Oder erzählst du mir, was los ist?“

„Das Brautkleid.“ Ayshas Anspannung kehrte zurück, als sie daran dachte, was sich am Nachmittag abgespielt hatte. Sie erinnerte sich nur allzu deutlich an Teresas beharrliche Kritik und die verhaltene Höflichkeit der Schneiderin. Verdammt! Es hätte doch ganz einfach sein sollen. Sie hatten sich über den Stil und das Material geeinigt. Das Kleid saß perfekt. Trotzdem hatte Teresa es nicht auf sich beruhen lassen können.

„Was für Probleme habt ihr damit?“ Carlo zweifelte nicht daran, dass die meisten Teresas eigene waren.

„Der Schneiderin gefällt es nicht, dass sich meine Mutter immer wieder in ihre Arbeit einmischt.“ Einen Moment lang hatte Aysha Gewissensbisse, denn was Teresa bisher vorgeschlagen hatte, war vernünftig gewesen, und das Kleid war ein Traum aus Seide, Satin und Spitze.

„Ich verstehe.“

„Nein, tust du nicht.“ Aysha schwieg, während der Weinkellner die Flasche brachte, Carlo probieren ließ, ihnen einschenkte und sich zurückzog.

„Was verstehe ich nicht, cara?“, fragte Carlo gelassen. „Dass Teresa die typische italienische Mutter ist und ihrer Tochter eine wunderschöne Hochzeit wünscht? Natürlich will sie den perfekten Schauplatz, das beste Essen und den besten Wein. Die schönste Torte. Die größten Limousinen. Und das Kleid muss sensationell sein.“

„Du hast die Blumen vergessen“, erinnerte Aysha ihn sanft. „Der Blumenhändler ist am Ende seiner Kräfte. Der Mann vom Partyservice ist kurz davor, die Annahme des Auftrags zurückzunehmen. Er sagt, sein Tiramisu sei eine Kunstform, und er werde keinesfalls das Rezept meiner Großmutter verwenden.“

Carlo lächelte humorvoll. „Teresa ist eine großartige Köchin.“

Teresa war in allem großartig und erwartete von anderen, dass sie ebenso großartig waren. Das Problem war, dass Teresa Benini es zwar genoss, die Besten beschäftigen zu können, die für Geld zu haben waren, ihren Fähigkeiten dann jedoch nicht traute. Jede kleine Einzelheit musste sie selbst kontrollieren, damit sie ganz sicher sein konnte, dass alles ihren unmöglich hohen Anforderungen entsprach.

Hausangestellte zu halten war schon immer schwierig gewesen. Sie wechselten beunruhigend schnell, weil Teresa nicht einmal die unwichtigsten Aufgaben delegieren wollte.

Der Ober kam mit den Speisekarten an den Tisch, und da er neu und noch sehr jung war, hörten Aysha und Carlo aufmerksam zu, während er ihnen alle Gerichte erklärte und einige taktvoll empfahl. Dann schrieb er eifrig ihre Bestellung auf und entfernte sich mit gebührender Ehrerbietung.

Aysha trank einen Schluck Mineralwasser. Sie blickte Carlo über den Rand des Glases hinweg an. „Würdest du ernsthaft erwägen durchzubrennen?“

„Warum willst du dir unbedingt Teresas Zorn zuziehen, indem du das gesellschaftliche Ereignis des Jahres zum Scheitern bringst?“

„Es würde niemals gehen. Trotzdem bin ich in Versuchung, Werbung für geistige Gesundheit zu machen und den Zorn hinzunehmen.“

Carlos Augen funkelten spöttisch.

Der Ober brachte die Vorspeisen, Minestrone und Linguini mit Meeresfrüchtesoße.

„Zwei Wochen, cara“, sagte Carlo.

Eine Ewigkeit. Aysha war nicht davon überzeugt, sie heil zu überstehen.

Sie hätte ausziehen und sich eine Wohnung nehmen sollen. Sie hatte es vorgehabt. Teresa hatte den Gedanken als lächerlich abgetan. Schließlich habe sie einen Flügel des Hauses ganz für sich, mit Salon, Fitnessraum und Sauna. Aysha musste zugeben, dass sie im Grunde kommen und gehen konnte, wie sie wollte. Sie hatte ihr eigenes Auto und sogar ihre eigene Garage.

Aysha kostete ihre Pasta. Ambrosia. Die Soße war perfekt.

„Gut?“

Aysha wickelte geschickt eine Portion Nudeln auf und hielt Carlo die Gabel hin. „Probier mal.“ Sie hatte nichts Intimes im Sinn gehabt, und ihre Augen wurden groß, als Carlo die Hand auf ihre legte, die Gabel führte und Aysha unverwandt anblickte, während er sich die Pasta in den Mund schob.

Carlo musste sich nicht einmal bemühen. Seine Nähe ließ ihr Herz sofort schneller schlagen.

Lächelnd hielt er ihr einen Löffel Minestrone hin. „Möchtest du meine Vorspeise probieren?“

Aysha kostete und lehnte einen weiteren Löffel Suppe ab. War Carlo klar, wie schwer es ihr in Momenten wie diesem fiel, kühl und gelassen zu bleiben?

„Morgen Abend haben wir eine Probe in der Kirche.“

„Halb sieben.“ Beide Elternpaare. Braut und Bräutigam. Die Brautjungfern und Freunde des Bräutigams. Die Blumen streuenden Mädchen und Pagen und deren Eltern. „Danach gemeinsames Essen der Hochzeitsgruppe.“ Aysha hatte plötzlich keinen Appetit mehr. Am Tag danach war die Brautparty. Nicht gerade eine zwanglose Angelegenheit mit Champagner und Kanapees. Auf der Gästeliste standen fünfzig Frauen. Teresa hatte bei einem Partyservice ein Menü bestellt und einen Zauberkünstler engagiert.

Aysha selbst hatte den Stress noch verschlimmert, indem sie darauf bestanden hatte, erst vierzehn Tage vor der Hochzeit ihren sechswöchigen Urlaub anzutreten.

Andererseits tat es ihr gut, sich nicht ständig nur mit den Hochzeitsvorbereitungen zu beschäftigen. Die Arbeit lenkte sie ab. Und wenig Zeit zu haben bedeutete, dass das gespannte Verhältnis zu ihrer Mutter nicht noch schlechter werden konnte. Aber bis zum Urlaub hatte sie eben nur die Stunden früh morgens und abends, um für die von Carlo gebaute atemberaubende Villa am Hafen Teppiche, Vorhänge und Möbel auszusuchen und die Arbeiten im Haus zu beaufsichtigen.

„Ich würde allzu gern wissen, woran du gerade denkst.“

Aysha sah Carlo an. „An das Haus. Es passt alles sehr gut zusammen.“

„Du bist damit zufrieden?“

„Natürlich!“ Der moderne Bau bestand aus fünf unabhängigen Flügeln, die in einem zentralen Hof zusammenliefen. Aysha stellte sich die großen, lichtdurchfluteten Räume vor, die Galerie, das kleine Kino und das Spielzimmer. In einem eingelassenen Bereich befanden sich das Schwimmbad, die Sauna und ein Whirlpool.

Das Haus war ein Schaukasten. Aysha hatte vor, ein Heim daraus zu machen.

Der Weinkellner kam an den Tisch und schenkte ihnen nach. Ihm folgte der junge Ober, der ihre Teller abräumte und den Hauptgang servierte.

Carlo aß mit dem Genuss eines Mannes, der sich vernünftig ernährte, aber gutes Essen schätzte.

Er war kultiviert, dynamisch und hatte eine sinnliche Ausstrahlung, von der die Frauen wie magisch angezogen wurden. Männer beneideten ihn um seine Skrupellosigkeit und seinen Charme und wussten, dass die Kombination das Geheimnis seines Erfolges war – beruflich und privat.

Aysha kannte jede seiner Eigenschaften und fragte sich, ob sie ihn würde halten können.

„Möchten Sie ein Dessert, Miss Benini?“, fragte der junge Ober.

Sein Wunsch zu gefallen war fast peinlich. Aysha lächelte ihn freundlich an. „Nein, danke. Ich begnüge mich mit Kaffee.“

„Du hast eine Eroberung gemacht“, spottete Carlo, als der Ober davonging.

Ayshas Augen funkelten vor Übermut. „Du sagst die nettesten Dinge.“

„Du meinst, ich sollte mich eifersüchtig zeigen?“

Nur, wenn du es bist, dachte sie. Und da das unwahrscheinlich war, war es einfach, das Spiel fortzusetzen. „Er ist jung und sieht gut aus. Ich halte ihn für einen Studenten, der sich seine Ausbildung finanziert, indem er abends arbeitet. Wenn ich recht habe, würde das bedeuten, dass er Potenzial hat.“ Sie lächelte Carlo strahlend an. „Glaubst du, er würde sein Zimmer im Studentenwohnheim aufgeben, seine Vespa verkaufen und sich als mein junger Liebhaber aushalten lassen?“

Carlo lachte leise. „Ich glaube, ich sollte dich nach Hause bringen.“

„Ich bin mit meinem eigenen Auto gekommen, erinnerst du dich?“

„Ein Versuch, deine Unabhängigkeit zu demonstrieren? Oder ein Anzeichen dafür, dass du heute Nacht nicht das Bett mit mir teilen willst?“

„Teresa ist der Meinung, deine Bedürfnisse zu befriedigen sollte Vorrang für mich haben“, erwiderte Aysha humorvoll.

„Und Teresa weiß es am besten?“, fragte Carlo sanft.

Aysha ließ sich keinen Moment lang täuschen. „Meine Mutter hält viel davon, alle Operationsbasen zu sichern.“

Carlo blickte sie unverwandt an, und Aysha hätte schwören können, dass er ihre Gedanken lesen konnte.

„Wie du?“

Sie wurde ernst. „Ich habe keinen versteckten Plan.“ Wusste Carlo, dass sie ihn liebte? Ihn schon so lange liebte, wie sie zurückdenken konnte? Hoffentlich nicht, denn es würde ihm einen unrechtmäßig erlangten Vorteil gewähren.

„Trink deinen Kaffee aus“, befahl Carlo freundlich. Er hob die Hand, und der Ober brachte die Rechnung.

Carlo unterschrieb und gab ein großzügiges Trinkgeld, dann lehnte er sich zurück und sah Aysha forschend an. Sie war nervös, verbarg es jedoch gut. „Haben wir am nächsten Wochenende irgendetwas vor?“

„Meine Mutter hat bis zur Hochzeit für jeden Tag etwas geplant“, erwiderte Aysha zynisch.

„Lass Teresa ihren Terminkalender überarbeiten.“

Aysha blickte Carlo interessiert an. „Und wenn sie nicht will?“

„Sag ihr, ich hätte dich mit Flugtickets und einer Zimmerreservierung für ein Wochenende an der Gold Coast überrascht.“

„Hast du?“

Carlo lächelte. „Ich mache den Anruf, sobald wir in der Wohnung sind.“

„Mein Ritter in glänzender Rüstung!“ Aysha lachte fröhlich.

Er nickte belustigt. „Rettung, wenn auch nur vorübergehend.“ Er stand auf und hielt ihr die Hand hin. „Du kannst mir später danken.“

Sie gingen zum Empfang, wo sich sofort der Maître d’hôtel um sie bemühte. „Ich werde veranlassen, dass Ihre Autos zum Vordereingang gebracht werden.“

Als sie nach unten kamen, standen beide Wagen bereit. Carlo wartete, bis Aysha eingestiegen war, bevor er zum Mercedes ging. Nur einen Moment später fuhr er los und fädelte sich in den Verkehr ein.

Aysha hielt sich dicht hinter Carlo, während sie durch die Innenstadt Richtung Osten nach Rose Bay zu seinem Penthouse fuhren.

In der Tiefgarage des Apartmenthauses parkte Aysha direkt neben seinem privaten Parkplatz. Sie stiegen aus und gingen zu den Aufzügen.

Wir brauchen kein Haus, dachte sie, als sie die elegante Eingangshalle des Penthouse betrat. Im Wohnzimmer waren die Vorhänge nicht zugezogen. Der Blick auf den Hafen war großartig. Aysha sah aus dem bis zum Boden reichenden Fenster, das eine ganze Wand einnahm. Wohngebäude, Straßenlaternen und bunte Neonlichter wetteiferten mit Bürotürmen aus Beton und Stahl und einem indigoblauen Himmel.

Carlo nahm das Telefon und buchte den Flug und das Hotelzimmer für das nächste Wochenende, dann kam er zu Aysha und stellte sich hinter sie.

„Wir hätten nach der Hochzeit ohne Weiteres hier wohnen können“, sagte sie.

„Ja.“ Er legte ihr die Arme um die Taille und zog Aysha an sich.

Sie spürte seinen Mund auf ihrem Hals und erschauerte. Fast hätte sie die Augen geschlossen und sich einfach vorgemacht, dass Carlo es aus Liebe und nicht nur aus Verlangen tat.

Er liebkoste mit den Lippen und der Zunge ihren schnell schlagenden Puls, und Aysha unterdrückte ein Stöhnen. Als er eine Hand zu ihrer Brust gleiten ließ und ihr die andere auf den Bauch legte, wollte sie ihn drängen, das Tempo zu beschleunigen. Er sollte sie ausziehen, und sie sehnte sich danach, ihn zu entkleiden.

Carlo war immer so beherrscht. Sogar im Bett verlor er niemals völlig die Kontrolle.

Ich akzeptiere Bianca als einen wichtigen Teil deiner Vergangenheit, aber ich bin deine Zukunft! wollte sie manchmal schreien. Doch sie tat es niemals. Vielleicht weil sie Angst vor seiner Reaktion hatte.

Jetzt drehte sich Aysha in seinen Armen um und küsste ihn leidenschaftlich auf den Mund.

Carlo verstand, wie groß ihr Verlangen war. Er hob sie hoch und trug sie ins Schlafzimmer.

Sie knöpfte sein Hemd auf und öffnete die Gürtelschnalle. Während sie seine Brustwarzen reizte, befreite er Aysha geschickt von ihren Sachen und streifte seine Schuhe ab.

„Warte“, sagte er rau, nachdem er Hose und Slip ausgezogen hatte.

Autor

Helen Bianchin
Helen Bianchin wurde in Neuseeland geboren und wuchs dort als Einzelkind auf. Sie hatte eine äußerst lebhafte Fantasie und liebte schon damals Bücher über alles. Als Teenager begann sie zu schreiben, doch sie vernachlässigte ihr Hobby, als sie als Sekretärin in einer kleinen Kanzlei arbeitete.

Als sie 21 war, setzten...
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