Reich & Schön - Best of Julia 2022

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Mit diesem eBundle präsentieren wir Ihnen die schönsten und erfolgreichsten Julia-Romane aus 2022 - romantisch, aufregend und extravagant. Die kleine Auszeit vom Alltag für die selbstbewusste Frau … Happy End garantiert!

DIE FALSCHE BRAUT DES FEURIGEN SCHEICHS von LYNNE GRAHAM
„Ich soll Sie heiraten, Hoheit?“ Fassungslos hört die junge Tatiana, was Scheich Saif von ihr verlangt. Eigentlich war ihre Cousine mit ihm verlobt, die aber mit einem anderen durchgebrannt ist. Und weil Saifs Volk auf die nächste Königin wartet und die Behandlung ihrer schwerkranken Mutter viel Geld kostet, gibt Tati dem Herrscher von Alharia zögernd ihr Jawort. Diesem Wüstenprinzen, dessen feurige Blicke zwar sein Misstrauen verraten – aber auch beängstigend viel Verlangen nach ihr, seiner falschen, unschuldigen Braut!

DIE STÜRMISCHE LEIDENSCHAFT DES GRIECHISCHEN TYCOONS von JULIA JAMES
Seine tiefe Stimme verführt sie, sein Blick weckt in ihr pures Begehren! Nach einer Party lässt sich die schüchterne Alys mit dem atemberaubenden Nikos Drakis auf ein erotisches Abenteuer ein! Nur eine einzige Nacht lang will sie in seinen Armen alle Sorgen vergessen. Doch ihre Affäre hat süße Folgen, und Alys hat keine andere Wahl, als den Milliardär um Hilfe zu bitten! Fassungslos muss sie sich seinen Vorwurf anhören, es nur auf sein Geld abgesehen zu haben! Aber warum will der unnahbare Grieche trotzdem, dass sie ihn in seine Sommervilla begleitet?

NUR EINE EINZIGE PERFEKTE NACHT MIT DIR?
„Du raubst mir den Atem!“ Takis Samaras’ Stimme klingt rau, als er Lissa am Pool seines luxuriösen Penthouses an sich zieht. Noch nie hat eine Frau ihn so erregt wie das betörende Model. Nur eine einzige, perfekte Nacht will er mit ihr verbringen und Stunden purer Ekstase erleben. Zu mehr ist der griechische Playboy-Millionär nicht bereit. Er hat geschworen, sich nie zu binden. Als Takis Monate später erfährt, dass ihre Begegnung nicht ohne Folgen geblieben ist, drängt er Lissa dennoch zur Ehe. Aus Pflichtgefühl, nicht aus Liebe …


  • Erscheinungstag 12.01.2023
  • ISBN / Artikelnummer 9783751521192
  • Seitenanzahl 373
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

IMPRESSUM

JULIA erscheint in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH, Hamburg

Cora-Logo Redaktion und Verlag:
Postfach 301161, 20304 Hamburg
Telefon: +49(0) 40/6 36 64 20-0
Fax: +49(0) 711/72 52-399
E-Mail: kundenservice@cora.de
Geschäftsführung: Katja Berger, Jürgen Welte
Leitung: Miran Bilic (v. i. S. d. P.)
Produktion: Christina Seeger
Grafik: Deborah Kuschel (Art Director), Birgit Tonn,
Marina Grothues (Foto)

© 2021 by Lynne Graham
Originaltitel: „Cinderella’s Desert Baby Bombshell“
erschienen bei: Mills & Boon Ltd., London
in der Reihe: MODERN ROMANCE
Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

© Deutsche Erstausgabe in der Reihe JULIA , Band 2531 2/2022
Übersetzung: Juliane Zaubitzer

Abbildungen: Harlequin Books S.A., alle Rechte vorbehalten

Veröffentlicht im ePub Format in 2/2022 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

E-Book-Produktion: GGP Media GmbH , Pößneck

ISBN 9783751509480

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.
CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:
BACCARA, BIANCA, ROMANA, HISTORICAL, TIFFANY

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1. KAPITEL

Prinz Saif Basara, Thronfolger des Königreichs Alharia, runzelte die Stirn, als Dalil Khouri, der Chefberater seines Vaters, an sein Büro klopfte und mit dem bedeutungsschwangeren Gebaren eines Mannes eintrat, der wichtige Informationen überbrachte.

Was die exzentrischen Vorschriften und Ansichten seines Vaters betraf, gab es nichts, was Saif in den vergangenen Jahren noch nicht gehört hatte. Er war inzwischen dreißig Jahre alt, und die Höflinge im inneren Kreis seines Vaters spielten routinemäßig ein doppeltes Spiel, indem sie den mittelalterlichen Machtsprüchen seines Vaters mit falscher Demut zustimmten und sich hinterher bei Saif darüber beklagten.

Der Emir von Alharia war fünfundachtzig Jahre alt und erschreckend realitätsfern.

Natürlich hatte Saifs Vater Feroz den Thron noch in einem anderen Zeitalter bestiegen, als das von Krisen erschütterte Land dankbar war für einen starken Monarchen. Dann wurde Öl entdeckt. In der Folge waren die Kassen von Alharia übergelaufen, und jahrzehntelang waren alle glücklich und zufrieden gewesen. Zu Feroz’ Pech war jedoch bei seinem Volk trotz des Überflusses irgendwann das Verlangen nach Demokratie erwacht, ebenso wie der Wunsch, die strengen kulturellen Regeln dem modernen Leben anzupassen. Doch der Emir widersetzte sich stur jeder Art von Wandel.

„Sie sollen verheiratet werden!“, verkündete Dalil mit so viel Pathos, dass Saif fast gelacht hätte, bevor er begriff, dass der alte Mann es todernst meinte.

Verheiratet? Saif versteifte sich. Ihm war sehr wohl bewusst, dass er es allein der Frauenfeindlichkeit seines Vaters verdankte, immer noch Single zu sein – im Gegensatz zu den meisten anderen Söhnen in seiner Position. Nach vier gescheiterten Ehen in Folge hatte Feroz das Vertrauen in Frauen verloren. Seine letzte Ehefrau, Saifs Mutter, hatte ihm von allen die tiefste Wunde zugefügt. Dass sie eine arabische Prinzessin mit tadelloser Herkunft war, hatte sie nicht davon abgehalten, mit einem anderen Mann durchzubrennen. Dass sie diesen Mann dann auch noch geheiratet hatte, gemeinsam mit ihm über ein anderes kleines Land herrschte und die Boulevardpresse voller Fotos war, die ihre Schönheit feierten, hatte noch mehr Salz in die Wunde gestreut.

„Und die Braut ist keine gute Wahl, fürchte ich“, fügte Dalil bedauernd hinzu, während er sich mit einem makellosen Taschentuch den Schweiß von der Stirn tupfte. „Der Emir hat alle respektablen Angebote aus Alharia und von unseren Nachbarn zurückgewiesen und eine Ausländerin gewählt.“

„Eine Ausländerin“, wiederholte Saif verwundert. „Wie ist das möglich?“

„Diese Frau ist die Enkelin von Rodney Hamilton, dem verstorbenen englischen Freund Ihres Vaters.“

Als junger Mann hatte der Emir eine militärische Ausbildung in Sandhurst genossen, wo er sich mit einem britischen Offizier angefreundet hatte. Jahrelang hatten die beiden Männer sich Briefe geschrieben, und einmal hatte es auch einen Besuch gegeben. Saif erinnerte sich dunkel an ein weinerliches kleines Mädchen mit blonden Zöpfen. Seine zukünftige Braut? War das möglich?

Dalil zog sein Handy hervor, das er sorgfältig vor dem Emir versteckt hielt, weil dieser Handys verabscheute. Er überflog einige Fotos und reichte es Saif mit den Worten: „Wenigstens ist sie eine Schönheit.“

Saif entging nicht, dass der Berater seines Vaters stillschweigend voraussetzte, dass er sich in die arrangierte Ehe mit einer Fremden fügen würde. Er schluckte schwer. Unbeeindruckt betrachtete er das Foto der lächelnden, schlanken Blondine im Abendkleid. Sie wirkte frivol und völlig ungeeignet für das Leben, das er führte. „Was weißt du über Sie?“, wollte er wissen.

„Tatiana Hamilton ist ein extravagantes Partygirl … nicht gerade die Art Frau, die man sich wünschen würde, aber früher oder später …“ Dalil zögerte, weil er nicht aussprechen wollte, dass die Tage des Emirs aufgrund seines Gesundheitszustands gezählt waren. „Früher oder später können Sie sich ja wieder scheiden lassen.“

„Und wenn ich mich weigere?“, warf Saif ein.

„Das können Sie nicht tun … Es würde Ihren Vater umbringen, wenn er sich jetzt aufregt!“, protestierte Dalil bestürzt. „Verzeihen Sie meine Offenheit, aber diese Schuld wollen Sie nicht auf sich laden.“

Saif atmete tief durch, als er begriff, dass er in der Falle saß. Er schluckte seinen Frust mit der Leichtigkeit eines Mannes hinunter, der es gewohnt war, dass andere für ihn die Entscheidungen trafen. Man hatte ihn zu einem pflichtbewussten Sohn erzogen, und es war eine große Herausforderung, dieses Muster gerade jetzt zu durchbrechen, wo sein Vater schwach und gesundheitlich angeschlagen war. Er wusste, dass er seinem traditionsbewussten Vater sehr wehtun würde, wenn er sich ihm widersetzte – selbst wenn arrangierte Ehen in Alharia seit Jahrzehnten aus der Mode waren. Ihm war auch bewusst, wie viel er seinem Vater schuldete, der ihm Vater und Mutter zugleich gewesen war.

Also würde er eine Fremde heiraten.

„Warum sollte ein verwöhntes englisches It-Girl mich überhaupt heiraten wollen?“, fragte er unvermittelt. „Wegen des Titels? Das kann ich mir nicht vorstellen.“

Dalils faltiges Gesicht verzog sich angewidert. „Wegen des Geldes, Königliche Hoheit. Wegen der großzügigen Mitgift, die Ihr Vater bereit ist, der Familie zu zahlen“, erklärte er. „Diese Hochzeit macht sie reich, und deshalb sollten Sie sich auch so schnell wie möglich wieder scheiden lassen.“

Saif war entsetzt. Diese Information warf ein denkbar schlechtes Licht auf seine zukünftige Braut und erfüllte ihn mit Abscheu. Es würde ihm mehr als schwerfallen, sich mit so einer prinzipienlosen Frau zu arrangieren …

„George hat mir einen Heiratsantrag gemacht!“, jubilierte Ana und kam aus dem Bad getänzelt, wo sie gerade mit ihrem Ex-Freund telefoniert hatte. „Ist das nicht typisch Mann? Ich musste erst nach Alharia kommen und kurz davor sein, einen anderen zu heiraten, um George so weit zu bekommen!“

„Na ja, es ist ein bisschen dumm von ihm, dass er so lange gewartet hat“, meinte Tati mit der ihr eigenen Nüchternheit und musterte ihre Cousine mit ihren mitfühlenden blauen Augen. „Ich meine, jetzt sind wir im Königspalast und du bist einem anderen versprochen. Die Vorbereitungen für die Hochzeit beginnen in weniger als einer Stunde.“

„Oh, ich werde die blöde Hochzeit doch nicht durchziehen – nicht, wenn George will, dass ich ihn stattdessen heirate!“, erklärte Ana strahlend und im Brustton der Überzeugung. „George hat mir schon einen Rückflug gebucht. Er holt mich am Flughafen ab, und dann fliegen wir weg und heiraten irgendwo am Strand.“

„Aber deine Eltern … das Geld.“

„Warum sollte ich irgendeinen reichen Prinzen heiraten, nur weil mein Vater bis zum Hals in Schulden steckt?“, unterbrach Ana sie mit unverhohlener Verbitterung.

Bei diesen unverblümten Worten zuckte Tati zusammen. „Na ja, ich war auch der Meinung, du solltest es nicht tun, aber du hast dich einverstanden erklärt. Wenn du jetzt einen Rückzieher machst, wird das für uns alle zum Albtraum. Dein Vater wird toben!“

„Ja, und darum wirst du mir helfen, Zeit zu gewinnen, damit ich aus diesem elenden Land wieder rauskomme“, erklärte ihre Cousine, ohne zu zögern.

„Ich? Wie soll ich dir denn helfen?“, fragte Tati verwundert, denn sie war das schwächste Mitglied der Familie Hamilton, die sprichwörtliche mittellose Verwandte, die von Anas Eltern wie eine Bedienstete behandelt wurde.

„Weil du diese albernen Hochzeitsvorbereitungen über dich ergehen lassen und so tun wirst, als wärst du ich. Dann wird niemand bemerken, dass die Braut verschwunden ist, bis es zu spät ist. Ich meine, in einem so rückschrittlichen Land versuchen die sonst vielleicht noch, mich am Flughafen aufzuhalten! Ich wette, es gilt als schweres Verbrechen, den Thronfolger vor dem Altar sitzen zu lassen!“, rief Ana und verdrehte melodramatisch ihre großen braunen Augen. „Glücklicherweise hat mich bis jetzt noch niemand von der Familie des Bräutigams gesehen, und Mum hält sich aus diesen arabischen Hochzeitsritualen raus, daher werden meine Eltern es erst in letzter Sekunde bemerken, und bis dahin sitze ich längst im Flugzeug!“

Tati atmete scharf ein, nachdem Ana ihre selbstbewusste kleine Ansprache beendet hatte. „Bist du sicher, dass du nicht nur kalte Füße bekommst?“

„Du weißt, dass ich George liebe, und zwar schon immer “, erwiderte ihre Cousine mit Nachdruck. „Hast du nicht zugehört, Tati? George hat mir endlich einen Heiratsantrag gemacht, und ich werde zu ihm nach Hause zurückkehren!“

Tati widerstand dem Impuls, ihre Cousine daran zu erinnern, in wie viele andere Männer sie in den vergangenen Jahren schon unsterblich verliebt gewesen war. Anas Gefühle waren unbeständig. Erst vor einem Monat hatte sie noch behauptet, sich auf ihre Hochzeit in Alharia zu freuen. Damals war Ana bei der Aussicht darauf, nie wieder Geldsorgen zu haben, genauso glücklich gewesen wie ihre Eltern. Aber das interessierte sie jetzt natürlich nicht mehr, denn auch George Davis-Appleton war ein sehr wohlhabender Mann.

„Ich kann dich verstehen“, seufzte Tati. „Aber ich möchte nicht darin verwickelt werden. Deine Eltern werden toben.“

„Sei nicht so eine Spielverderberin, Tati! Du gehörst doch zur Familie“, erklärte Ana, unempfindlich für die niedere Stellung ihrer Cousine in diesem erlauchten Kreis. „Mum und Dad kommen schon über die Enttäuschung hinweg. Dann müssen sie eben bei der Bank einen Kredit beantragen.“

„Dein Vater hat doch erzählt, dass sein Antrag abgelehnt wurde“, erinnerte Tati sie behutsam.

„Oh, wenn nur Granny Milly noch leben würde … Sie hätte uns geholfen!“, jammerte Ana. „Aber das ist nicht mein Problem … sondern Dads.“

Tati sagte nichts, dachte jedoch im Stillen, dass ihre verstorbene, heißgeliebte Großmutter wenig Verständnis für den extravaganten Lebensstil ihres Sohnes Rupert gezeigt hatte. Milly Tatiana Hamilton, nach der beide Mädchen benannt worden waren, hatte das eigentliche Vermögen der Familie jahrelang kontrolliert. Tati war überrascht gewesen, dass ihr Onkel schon wieder Schulden hatte, weil sie davon ausgegangen war, dass er nach dem Tod seiner Mutter eine stattliche Summe geerbt hatte.

„Leider ist sie tot.“ Tati seufzte schwer.

Natürlich erwähnte sie nicht, dass sie ein eigennütziges Interesse daran hatte, dass ihre Tante und ihr Onkel liquide waren, da es Ana gegenüber unfair gewesen wäre. Sie konnte kaum von ihrer Cousine erwarten, die Hochzeit nur Tati zuliebe durchzuziehen. Jedenfalls schien Ana nicht zu wissen, dass ihr Vater die Versorgung seiner Schwester Mariana im Pflegeheim zahlte. Tatis Mutter Mariana lebte seit Tatis Jugend dort – seit sie an einer frühen Form von Demenz erkrankt war.

„Also, machst du es?“, fragte ihre schöne Cousine.

Tati zuckte zusammen, weil sie wusste, dass sie es sich nicht leisten konnte, ihre Tante und ihren Onkel gegen sich aufzubringen, weil sie sonst möglicherweise die Zahlungen für ihre Mutter einstellten. Gleichzeitig war Ana für sie wie eine Schwester. Ana war mit ihren fast zweiundzwanzig Jahren nur zwei Jahre älter als Tati. Die beiden waren auf dem gleichen Landsitz aufgewachsen und hatten dieselben Schulen besucht. Obwohl sie komplett verschieden waren, liebte Tati ihre Cousine. Ana konnte verwöhnt und egoistisch sein, aber Tati war es gewohnt, auf Ana aufzupassen, als wäre sie die kleine, wehrlose Schwester, denn Ana war nicht gerade das hellste Licht im Hafen.

Für die bodenständige Tati war die Idee, einen unbekannten ausländischen Prinzen zu heiraten, um eine fette Mitgift einzustreichen, von Anfang an grotesk gewesen. Ihre Cousine hätte sich sofort weigern sollen, Prinz Saif zu heiraten, denn Ana war alles andere als selbstlos. Doch anfangs hatte sie sich in der Rolle der Heldin gefallen, die sich für ihre Familie aufopferte. Außerdem hatte die verlockende Aussicht auf Reichtum und Status ihr Ego gestreichelt, das nach Georges Absage an eine gemeinsame Zukunft einen Kratzer abbekommen hatte. Nun holte die Realität sie ein, und sie wollte schnellstmöglich das Weite suchen.

Für den Bruchteil einer Sekunde empfand Tati Mitleid mit dem Bräutigam, wer auch immer er war, denn in den sozialen Medien existierte er nicht. Alharia schien in allem Jahrzehnte hinterherzuhinken – so viel hatte Tati nach der Fahrt durch die endlose Wüste zu dem einsamen, vornehmlich viktorianisch eingerichteten Palast begriffen.

„So viel Geld, aber keine Ahnung, wie oder wofür sie es ausgeben sollen“ , hatte ihre Tante Elizabeth nach ihrer Ankunft beklagt. Und sie hatte recht: Das Königshaus Basara bestand aus Ölmilliardären, aber von diesem Reichtum war wenig zu sehen.

Ana hatte jemanden kennengelernt, der geschworen hatte, Prinz Saif sei „atemberaubend gut aussehend“, aber sogar Ana zweifelte an der Wahrheit dieser Information. Selbst wenn der arme Kerl hässlich wie die Nacht war, für junge reiche Männer mit Titel fand man meistens ein schmeichelhaftes Adjektiv.

Tati wusste aus eigener Erfahrung, wie die Welt funktionierte, denn oft genug wurde sie neben ihrer viel hübscheren und dünneren Cousine als graue Maus wahrgenommen. Als uneheliches Kind war sie das schwarze Schaf der Familie. Dem Rest der Welt wäre das wahrscheinlich egal gewesen, doch die versnobten Hamiltons schämten sich für sie.

Beide Mädchen waren blond, aber Tati hatte blaue Augen, Ana braune. Ana war groß und schlank. Dafür hatte Tati schöne Haut, volles gesundes Haar und weibliche Kurven. Nicht, dass sie je etwas an ihrem Körper gefunden hatte, schon gar nicht, nachdem ihr erster richtiger Freund sich auf den ersten Blick in ihre Cousine verliebt hatte, obwohl Ana nicht das geringste Interesse an ihm gezeigt hatte.

„Hast du dir überlegt, wie du zum Flughafen kommen willst?“, fragte Tati ihre Cousine.

„Alles schon arrangiert“, erwiderte Ana selbstzufrieden. „Man muss nicht die Sprache verstehen, um sich zu verständigen. Ich habe ein paar Scheine gezückt und auf einen Wagen gezeigt. Er wartet schon unten auf mich.“

„Oh …“, flüsterte Tati bestürzt, als sie sah, wie Ana ihre Sachen zusammensuchte und wieder in den Koffer stopfte. „Es ist dir also ernst?“

„Natürlich ist es mir ernst.“

„Glaubst du nicht, es wäre besser, deinen Eltern die Wahrheit zu sagen?“, fragte Tati hoffnungsvoll.

„Machst du Witze?“, rief Ana. „Hast du eine Ahnung, was für ein Drama sie veranstalten würden?“

Tati nickte, denn natürlich wusste sie das.

„Das tu ich mir nicht an!“, erklärte Ana. „Also … Niemand darf merken, dass du nicht die Braut bist … Das ist alles, worum ich dich bitte, Tati, sonst nichts. Na, komm schon. Gib mir einen Kuss, und wünsch mir Glück!“

Tati stand zögernd auf und umarmte sie, denn sie wusste, wie dickköpfig Ana war und dass höchstens eine Atombombe sie von einem Plan abbringen konnte, den sie einmal gefasst hatte. „Werde glücklich, Ana“, sagte sie mit feuchten Augen und einem Gefühl der Beklemmung, das sich nicht abschütteln ließ.

Tati hasste es, wenn andere wütend wurden und sich anschrien, und sie wusste, dass es eine Riesenszene geben würde, sobald ihre Tante und ihr Onkel mitbekamen, dass ihre Tochter fort war. Sie würden ihr die Schuld geben, weil sie ihnen nicht Bescheid gesagt hatte. Gleichzeitig verstand sie die Bedenken ihrer Cousine. Anas Eltern hatten sich so auf diese Hochzeit versteift, dass sie ihre Tochter möglicherweise zur Rückkehr in den Palast zwingen würden. Wie konnte sie Ana dieser Gefahr aussetzen? Schließlich sollte niemand gezwungen werden, jemanden zu heiraten, den er nicht heiraten wollte.

Ana verabschiedete sich mit bewundernswerter Selbstverständlichkeit. Sie ließ sich sogar von einem unbedarften Bediensteten das Gepäck tragen, der keine Ahnung hatte, dass er der Braut des Prinzen zur Flucht verhalf. Tati saß auf dem Rand eines Stuhls in der Ecke des Zimmers und geriet allein bei der Vorstellung in Panik, sich vor den Leuten als ihre Cousine und zukünftige Braut auszugeben. Betrug war eigentlich ein absolutes Tabu für Tati, deren leiblicher Vater wegen Finanzbetrugs ins Gefängnis gewandert war. Ihre Mutter hatte sich entsetzlich für den Charakter ihres Mannes geschämt und ihre Tochter zu Anstand und kompromissloser Ehrlichkeit erzogen.

Während Tati noch mit sich haderte, klopfte jemand an die Tür und trat ein. Eine junge Frau mit einem strahlenden Lächeln, die sie freundlich auf Englisch begrüßte. „Tatiana? Ich bin Daliya, die Cousine des Prinzen. Ich studiere in England, und man hat mich gebeten, deine Dolmetscherin zu sein.“

„Alle nennen mich Tati“, erwiderte sie und dachte, wie albern es war, dass sie nicht einmal lügen musste, weil sie und ihre Cousine wegen der Dickköpfigkeit ihrer Mutter beide Tatiana Hamilton hießen. Tatis Mutter und Onkel hatten sich als Geschwister nie verstanden. Als Marianas Bruder Rupert sein Kind nach seiner Mutter benannt hatte, sah Mariana nicht ein, warum ihm allein dieses Privileg zustehen sollte. Aber natürlich hatte ihre Mutter damals nicht voraussehen können, dass die beiden Mädchen im selben Haus aufwachsen würden.

„Du wunderst dich sicher, wie viel Wert wir hier auf die Vorbereitung der Braut legen“, mutmaßte Daliya. „Lass es mich erklären. Das ist nicht typisch für Hochzeiten in Alharia, und schon lange nicht mehr üblich. Aber dies ist immerhin eine königliche Hochzeit. Alle Frauen, die dich heute begleiten, betrachten das als große Ehre. Die meisten gehören der älteren Generation an, und auf diese Weise demonstrieren sie ihren Respekt, ihre Loyalität und ihre Liebe zur Familie Basara und zum Thron.“

„Ich fühle mich geehrt“, presste Tati hervor, weil es sie schmerzte, bei so einem feierlichen Anlass die Hochstaplerin zu spielen. Die Erklärung des hübschen Mädchens beschämte sie zutiefst. Wenigstens wollte sie respektvoll und höflich sein, bis der gefürchtete Augenblick kam und die Leute begriffen, dass sie nicht die richtige Tatiana Hamilton war. Bei dem Gedanken daran schauderte sie.

„Dennoch wird es für dich sicher ungewohnt sein, und möglicherweise sind dir einige der Bräuche sogar unangenehm“, gab Daliya zu bedenken und musterte Tati mit ihren klugen braunen Augen. „Du bist sehr blass. Geht es dir gut? Ist es die Hitze?“

„Oh, das sind nur die Nerven!“, erwiderte Tati mit zittriger Stimme, während die junge Frau sie aus dem Zimmer und einen Korridor entlangführte. „Ich bin bei bester Gesundheit.“

Daliya lachte. „Die alten Damen, die sich um deine Fruchtbarkeit sorgen, werden sehr erfreut sein, das zu hören.“

„Meine F … f … fruchtbarkeit?“, stammelte Tati verständnislos.

„Selbstverständlich. Eines Tages wirst du Königin, und man hofft natürlich, dass du für den nächsten Thronfolger sorgst.“ Daliya runzelte überrascht die Stirn, als Tati bei dieser Antwort ins Stolpern geriet.

Für den Bruchteil einer Sekunde war Tati kurz davor zu enthüllen, dass sie nicht die richtige Tatiana war, weil es sich so falsch anfühlte, die Menschen bei so einem bedeutungsvollen Anlass hinters Licht zu führen. Doch schon betraten sie einen sehr großen Saal voller älterer Frauen, von denen manche traditionelle Gewänder trugen. Die meisten jedoch waren westlich gekleidet wie die junge Frau neben ihr.

Als sie bemerkte, dass alle Aufmerksamkeit auf sie gerichtet war – ein gänzlich ungewohntes Gefühl –, errötete Tati, so wie früher, wenn ihre Mitschülerinnen sie wegen ihrer Secondhand-Schuluniform und der ausgelatschten Schuhe gehänselt hatten. Die Großzügigkeit ihres Onkels, der ihr Schuldgeld zahlte, hatte nicht für solche Extras gereicht, und warum auch? Sofort tadelte sie sich im Stillen für diesen Moment der Undankbarkeit. Tati hatte ihre Mutter geliebt, aber manchmal hatte sie sich auch für sie geschämt. Mariana Hamilton hatte nie auf eigenen Beinen gestanden und nur gearbeitet, wenn sie gerade Lust dazu hatte. Tatis Mutter hatte sich darauf verlassen, dass andere ihre Rechnungen bezahlten, und Tati war im Gegenzug umso stolzer und unabhängiger. Jedenfalls so stolz und unabhängig, wie man sein konnte, wenn man gezwungen war, bei Onkel und Tante zu wohnen und nach deren Pfeife zu tanzen.

All diese Gedanken schossen ihr durch den Kopf, während sie überschlug, wie lange sie die zukünftige Braut spielen musste, bis Ana in Sicherheit war. Nur so überstand sie das furchtbare Baderitual. Kräuter und Öle wurden in ein dampfendes Bad gerührt, dann wurde sie in ein sittsames Tuch gehüllt, als würde sie einem mittelalterlichen Kloster beitreten, und ins Wasser gesetzt, um ihr Haar zu waschen. Daliya erleichterte ihr die Prozedur, indem sie ihr die Ursprünge der jeweiligen Rituale erklärte und gelegentlich einen diskreten Scherz einwarf.

„Du verstehst Spaß“, flüsterte Daliya anerkennend. „Das ist eine gute Eigenschaft für ein Mitglied der königlichen Familie. Ich glaube, die Frauen waren besorgt, dass du dir ihre Aufmerksamkeiten nicht gefallen lassen würdest.“

Tati gelang es, trotz ihres Unbehagens zu lächeln, denn sie wusste ganz sicher, dass niemand Ana dazu bekommen hätte, sich in ein Laken zu hüllen und in ein stinkendes Kräuterbad zu steigen. Ana hätte sich eiskalt geweigert, schon aus Sorge um ihre Frisur. Doch für Tati, die so etwas nicht kannte, weil ihr magerer Hungerlohn für Kleidung und kleine Geschenke für ihre Mutter draufging, war dieses Ritual auch etwas Besonderes.

„Du bist sehr tapfer“, sagt Daliya, während Tatis Haar ausgekämmt wurde.

„Warum sagst du das?“

„Du heiratest einen Mann, den du noch nie gesehen hast, mit dem du noch nie gesprochen hast … oder hast du dich heimlich mit dem Prinzen getroffen?“, fragte sie mit unverhohlener Neugier.

„Nein, habe ich nicht. Ist das hier nicht so Brauch?“

Da lachte Daliya laut. „Nein, schon seit Generationen nicht mehr. Wir gehen aus, wir daten. Natürlich alles sehr diskret. Nur der Emir folgt noch den alten kulturellen Traditionen, aber du musst dir keine Sorgen machen, dass der Prinz eine Enttäuschung ist. Hätte er schon früher heiraten wollen, hätten die Frauen sich um ihn gerissen.“

„Ja, er ist bestimmt ein guter Fang“, meinte Tati höflich.

„Saif ist ein sehr nachdenklicher, ernster Mensch“, murmelte Daliya leise. „Er wird in unserem Land sehr bewundert.“

Tati musste sich auf die Zunge beißen, um keine neugierigen Fragen zu stellen. Es ging sie nichts an. Die Hamiltons wussten so gut wie nichts über den Kronprinzen, weil es sie nicht interessierte. Die Mitgift war so ziemlich alles, was ihre Verwandten lockte, und Tati schämte sich für sie.

Inzwischen war es Daliya gelungen, die anderen Frauen davon zu überzeugen, dass die Kosmetikerin sich fürs Waxing allein mit Tati ins große Bad mit der Behandlungsliege zurückziehen durfte. Dafür war ihr Tati unendlich dankbar. Als sie feststellte, dass erst eine Stunde der Brautvorbereitung verstrichen war, seufzte sie schwer, denn ihre Cousine würde wesentlich länger brauchen, um Alharia zu verlassen. Ihr schlechtes Gewissen wurde immer größer.

Nach dem Waxing folgte eine Massage mit Duftölen. Ihre Nägel wurden lackiert, Hennamuster auf ihre Hände gezeichnet. Innerlich erschöpft schlief Tati dabei ein, und als Daliya sie sanft weckte, setzte sie sich auf und bekam sofort ein kaltes Getränk und einen leckeren Snack serviert, während die Frauen um sie herum eine Melodie summten. Ihre Uhr war verschwunden, und sie hatte keine Ahnung, wie spät es war. Daliya erklärte, sie müsse kurz weg, komme aber bald zurück.

Diese Information stürzte Tati in ein noch tieferes Dilemma. Eigentlich hatte sie geplant, Daliya über ihre wahre Identität aufzuklären und darüber, dass die echte Braut geflohen war. Doch da sie die Einzige war, die der englischen Sprache mächtig war, würde man ihr vielleicht die Schuld daran geben, nicht früher bemerkt zu haben, dass die Braut nicht die war, für die sie sich ausgab. Schweren Herzens beschloss Tati, auf einen weniger persönlichen, offizielleren Überbringer der schlechten Nachricht zu warten, bevor sie mit der Wahrheit herausrückte.

Eine Frau trug ein langes Seidenunterkleid herein, offenbar war es Zeit fürs Ankleiden. Tati würde sich sehr bald zu erkennen geben müssen. Bei dem Gedanken wurde ihr schlecht. Doch ich will wenigstens angezogen sein, überlegte sie, während sie schweigend dastand und wie eine ägyptische Mumie in Schichten von Tuniken und Petticoats eingepackt wurde. Als Daliya endlich zurückkam, war Tati kurz davor, an ihren Nägeln zu kauen. Allerdings wagte sie es nicht, weil sie niemanden kränken wollte. Was albern war, wenn man bedachte, wie gekränkt alle sein würden, wenn sie die schreckliche Wahrheit erfuhren.

„Es ist Zeit“, informierte Daliya sie aufgekratzt.

Tati fürchtete, sich übergeben zu müssen, so übel war ihr inzwischen, und Daliyas Rückkehr machte es nicht besser, weil sie das Mädchen nicht in die Sache hineinziehen wollte. Eigentlich hätten ihre Tante und ihr Onkel als Erste erfahren müssen, dass ihre Tochter die Flucht ergriffen hatte. Da sie bei der, wie Ana es naserümpfend genannt hatte, sehr privaten Zeremonie dabei waren, würde sie Anas Eltern schon bald gegenüberstehen.

Eine Schar schnatternder Frauen begleitete sie durch den Palast, steinerne Treppen hinunter, durch Innenhöfe, endlose Gänge und Korridore, bis sie schließlich eine große, mit Silber und Juwelen verzierte Flügeltür erreichten, die zwei große, bewaffnete Männer in traditionellen Gewändern bewachten.

„Wir müssen dich hier verlassen, aber wir sehen uns bald wieder“, erklärte Daliya lächelnd. Und nachdem sie ein paar kurze Worte mit den Wachen gewechselt hatte, öffneten diese eilig die Tür.

2. KAPITEL

Nur eine Handvoll Leute erwartete die Ankunft der Braut in dem prächtigen, vergoldeten Saal, der von Säulen und Torbögen gesäumt war. Ein majestätischer älterer Mann stand neben einer anderen, größeren Gestalt, deren Gesichtszüge im Schatten des Torbogens lagen, unter dem er stand. Neben einem Tisch standen zwei weitere ältere Männer, und auf der anderen Seite des Saals Rupert und Elizabeth Hamilton, Tatis Onkel und Tante, die in ihrer westlichen Kleidung völlig fehl am Platz wirkten.

Rupert Hamilton runzelte die Stirn, als er Tati erkannte, und kam auf sie zu. „Du hast bei der Zeremonie nichts zu suchen. Wo ist Ana?“

Tatis Mund war plötzlich sehr trocken. „Verschwunden“, krächzte sie.

„Verschwunden?“ , donnerte ihr Onkel. „Wie kann meine Tochter verschwunden sein? Verschwunden wohin?“

Saif beobachtete die Szene aus dem Hintergrund und fragte sich, was da vor sich ging. Offenbar war die Braut eingetroffen, doch ihr Vater war verärgert. Das Wort verschwunden sagte unter den gegebenen Umständen alles. Wer um Himmels willen war diese Frau, die sich als seine Braut verkleidet hatte? Vor Erleichterung hätte Saif fast laut gelacht. Offenbar setzte sich das schlechte Händchen der Familie Basara für Ehefrauen in seiner Generation fort. Er spürte, wie sein Vater neben ihm ungeduldig wurde, und übersetzte ihm das entscheidende Wort.

„Die Braut ist verschwunden“, murmelte er. „Das ist eine andere Frau.“

„Sie sitzt im Flugzeug nach Hause“, erklärte Tati eilig. „Sie hat es sich anders überlegt.“

„Du Miststück! Du hast ihr geholfen wegzulaufen!“, zeterte ihre Tante und hob die Hände, als wollte sie Tati ohrfeigen.

„Nein … keine Gewalt in Gegenwart des Emirs“, unterbrach sie eine tiefe, männliche Stimme mit Akzent.

Erschrocken sah Tati den sehr großen, jungen Mann an, der trotz Größe und Statur so schnell und lautlos neben ihr aufgetaucht war, dass sie ihn nicht bemerkt hatte. Er hatte die Hand ihrer Tante in der Luft abgefangen, bevor sie Tatis Gesicht erreichte. Nun senkte er sie mit offensichtlicher Verachtung für so ein Benehmen. Tatis erster Gedanke war, dass Ana toben würde, wenn sie jemals ein Foto des Bräutigams zu sehen bekam, den sie verschmäht hatte. Denn es gab wenige Frauen, die einen attraktiven Mann mehr zu schätzen wussten als ihre Cousine.

Der große, gut gebaute Mann in traditioneller Tunika, brauner Seidenhose und Stiefeln sah atemberaubend gut aus. Er hatte widerspenstiges schwarzes Haar, stechend grüne Augen und lange Wimpern unter prächtigen tiefschwarzen Brauen. Seine Haut hatte die Farbe von Milchkaffee, sein Gesicht markante Züge mit einer geraden Nase und einem breiten, sinnlichen Mund. Er sah so gut aus, dass es Tati die Sprache verschlug und sie ihn einfach nur anstarrte, als wäre er ein Alien, der gerade aus seinem Raumschiff gestiegen war.

„Sei still, Elizabeth!“, blaffte Rupert Hamilton, um seine pöbelnde Frau zum Schweigen zu bringen. „Wie lange ist es her, dass Ana den Palast verlassen hat?“

„Ein paar Stunden“, gestand Tati widerstrebend.

Der ältere Mann auf der anderen Seite des Saals setzte zu einer Schimpfkanonade in seiner Sprache an. Saif warf einen belustigten Blick auf die Braut, die keine Braut war. Das Gefühl von wiedergewonnener Freiheit und Erleichterung durchströmte ihn. Sie war winzig, hatte große blaue Augen und eine weizenblonde Mähne, die ihr fast bis zur Taille reichte … falls sie eine hatte. Die Frauen hatten der falschen Braut so viel angezogen, dass sie einem wandelnden Kleiderhaufen glich. Möglicherweise war sie pummelig, vielleicht aber auch spindeldürr … doch ihm konnte das ja egal sein.

„Und wer bist du?“, fragte er mit – wie er fand – verständlicher Neugier.

„Anas Cousine Tati.“

„Und das ist die Kurzform für …“

„Tatiana.“

„So wie die verschwundene Braut?“ Sein Mund zuckte amüsiert. „Herrscht in eurer Familie ein Mangel an Namen?“, fragte er unbekümmert, offenbar unberührt von der vorherrschenden Empörung.

Eine Hand packte ihren Ellbogen und zog sie von dem Prinzen fort. „Ich muss kurz mit dir reden“, schnaubte ihr Onkel verärgert. „Offenbar hast du es darauf angelegt, den Platz deiner Cousine einzunehmen. Darum hast du ihr doch geholfen, oder? Die Versuchung war zu groß für dich. Der Gedanke an die Kleider, den Schmuck … der reiche Lebensstil, von dem du immer geträumt hast, all das kann jetzt dir gehören!“

„Nicht so laut“, flehte Tati, denn der Prinz stand nur wenige Meter von ihnen entfernt.

Sie war bestürzt über die Anschuldigungen ihres Onkels, sie habe von vornherein geplant, an die Stelle ihrer Cousine zu treten, womit er stillschweigend implizierte, sie wäre schon immer neidisch auf Ana gewesen. „Selbstverständlich will ich nicht an Anas Stelle treten“, erklärte sie gekränkt. „Du bist aufgebracht …“

Dalil Khouri versuchte, dem erbosten Emir zu erklären, dass die Braut nicht die richtige war, obwohl es sich ebenfalls um eine Enkelin seines verstorbenen Freundes handelte.

„Nun, dann setzt die Zeremonie fort!“, befahl der alte Mann ungeduldig.

Saif, der schockiert über die groben Anschuldigungen des Onkels gegen seine Nichte war, unternahm einen Versuch, seinem aufgebrachten Vater gut zuzureden. Doch dass die Braut seinen geliebten, einzigen Sohn sitzen gelassen hatte, war zu viel der Demütigung für den Emir, deckte sich dieser Schlag doch mit seinen eigenen unglücklichen Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht. „Ich werde nicht zulassen, dass mein Sohn keine Braut bekommt, obwohl das ganze Land weiß, dass er heute verheiratet wird“, erklärte er seinem Berater mit mühsam unterdrücktem Zorn. „Das ist eine Beleidigung, die wir nicht hinnehmen können. Das andere Mädchen tut es auch.“

Saif zog die Augenbrauen hoch, und als er Dalils flehendem Blick begegnete, hätte er fast die Augen verdreht.

„Das andere Mädchen tut es auch?“ Warum gingen sie nicht gleich in der Hauptstadt Tijar auf die Straße und nahmen die erstbeste Frau, die ihnen über den Weg lief? Normalerweise hatte Saif seine Gefühle gut im Griff, doch jetzt brannte lodernder Zorn in ihm. Wenn die Braut sich nicht traute, dann auf Nimmerwiedersehen, denn er war genauso wenig scharf auf diese Ehe wie sie. Leider sah sein Vater die Sache nicht so locker. Für ihn war es ein Gesichtsverlust, eine Brüskierung des Throns von Alharia.

Dalil warf einen bedauernden Blick in Saifs Richtung und durchquerte den Saal, um mit dem Engländer zu reden. Saif wollte versuchen, seinen Vater zur Vernunft zu bringen, da bemerkte er, dass der Emir schwankte. Er rief nach Hilfe, während er den beängstigend blassen alten Mann stützte. Eine Wache eilte mit einem Stuhl herbei.

„Es geht mir gut … Alles in Ordnung“, presste der Emir zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.

„Erlaube mir, Dr. Abaza zu rufen“, drängte Saif.

„Nicht nötig!“, blaffte der Emir.

Dalil kehrte zurück. „Ist es Ihr Wunsch, dass die Zeremonie fortgesetzt wird?“, fragte er seinen Herrscher, während Saif voller Abscheu an die geldgierige junge Frau dachte, mit der er gestraft wurde.

„Warum sollte ich sonst hier sein?“, erwiderte der Emir mit neu aufflammender Wut.

Auf der anderen Seite des Saals bedrängte Rupert Hamilton seine Nichte. „Der Emir will seinen Sohn unbedingt unter die Haube bringen.“

„Warum? Was stimmt nicht mit ihm?“, fragte Tati und verzog das Gesicht.

„Nun, du solltest froh sein, dass alles, was auf den Dokumenten geändert werden muss, dein Geburtsdatum ist“, erwiderte ihr Onkel, als wäre sein Vorschlag einleuchtend. „Du wirst ihn an Anas Stelle heiraten.“

Ungläubig starrte Tatiana ihn an. „Aber ich bin nicht bereit, ihn zu heiraten!“, zischte sie.

Rupert Hamilton lächelte sie herausfordernd an. „Was du nicht sagst“, erwiderte er, offenbar nicht überzeugt.

„Ich habe mir das hier nicht ausgesucht“, flüsterte Tati verzweifelt.

Ihr Onkel zuckte mit den Schultern. „Dann betrachte es als längst fällige Rückzahlung für die Großzügigkeit meiner Familie gegenüber dir und deiner faulen, nichtsnutzigen Mutter“, erwiderte er eisig. „Du stehst in unserer Schuld, Tati. Du hast in deinem ganzen Leben nicht einen Happen zu essen bekommen, den nicht meine Familie bezahlt hat. Und jetzt saugt deine Mutter unsere Ersparnisse auf wie ein Blutegel. All die Jahre in diesem überteuerten Pflegeheim …“

„Sie kann doch nichts dafür!“, rief Tati mit erstickter Stimme, erschüttert von seiner Herzlosigkeit. Offenbar nahm er es ihrer Mutter übel, dass sie noch nicht an der Krankheit gestorben war, die ihr schon das Gedächtnis, die körperliche Gesundheit und die Lebensfreude geraubt hatte.

„Wenn du willst, dass sie dort bleibt, wirst du den Prinzen heiraten“, erklärte ihr Onkel kaltschnäuzig.

„Das ist eine furchtbare Drohung“, entgegnete Tati mit bebender Stimme.

„Du hast deine Wahl getroffen. Aus welchem Grund auch immer du Ana geholfen hast, uns hängen zu lassen … Jetzt musst du dafür bezahlen!“, konterte ihr Onkel verbittert.

Für den Bruchteil einer Sekunde verharrte Tati reglos und starrte in die Luft. Doch sie wusste, dass sie keine Wahl hatte. Die Mutter, die sie in ihrer Kindheit geliebt und die für sie gesorgt hatte, verdiente es, für den Rest ihres Lebens in guten Händen zu sein. Für Demenzpatienten bedeutete jede Veränderung ihrer Gewohnheiten unendliche Qualen. Wenn man Mariana Hamilton in ein anderes Heim verlegte, würde der Verfall vermutlich noch schneller voranschreiten. Tati mochte ihren Onkel weder, noch respektierte sie ihn, doch sie war bereit einzuräumen, dass er die Mitgift auch deshalb brauchte, um weiterhin für das Heim ihrer Mutter aufzukommen. Er hatte ihre Mutter einen Blutegel genannt und sah seine Nichte offenbar in demselben Licht. Das tat weh, denn sie hatte die vergangenen sechs Jahre für ihre Verwandten geputzt, gekocht und ihnen jeden Wunsch erfüllt, so gut sie konnte, um sich erkenntlich zu zeigen. Obwohl sie noch zur Schule gegangen war, hatte die Arbeit jede freie Stunde aufgefressen, und nach der sechsten Klasse war sie zu einem Vollzeitjob geworden.

„Ich mach’s“, hauchte sie tonlos. „Mir bleibt keine Wahl.“

„Gut.“ Ihr Onkel straffte die Schultern, ging zum Tisch und nickte dem Emir zu. „Also, bringen wir es hinter uns.“

Benommen folgte Tati ihrem Onkel durch den Saal. Der Prinz näherte sich dem Tisch, hielt jedoch Abstand, was ihr nur recht war, denn sie fragte sich, was mit ihm nicht stimmte, dass sein Vater ihn so dringend unter die Haube bringen wollte. Vielleicht war er ein Lüstling und die Ehe sollte ihn respektabler wirken lassen.

Um Himmels willen, er erwartete doch hoffentlich keine echte Ehe, oder? Mit Sex und Kindern? Ana hatte nicht viel mit Tati über diese Ehe gesprochen, weil sie die letzten Jahre in London gelebt hatte. Und wenn ihre Cousine nach Hause aufs Land gekommen war, hatte sie oft Freunde mitgebracht, und Tati hatte nicht stören wollen. Ana hatte einmal gemeint, Tati könne nicht putzen und kochen und sich gleichzeitig unter ihre Gäste mischen, das wäre seltsam. Tati atmete tief ein und aus, um dem Schmerz der Zurückweisung zu begegnen, den diese Erinnerung weckte. Tja, vermutlich würde es eine Weile dauern, bis sie wieder für ihre Verwandten kochen und putzen musste … wenn überhaupt. Plötzlich überfiel sie ihre größte Furcht, und sie zog am Ärmel des Prinzen, um seine Aufmerksamkeit zu bekommen.

„Ich muss regelmäßig nach Hause fliegen, um meine Mutter zu besuchen“, erklärte sie besorgt. „Ist mir das gestattet?“

Auch wenn ich für dich bezahle, gehörst du mir nicht, und ich lege auch keinen Wert darauf, dass du rund um die Uhr an meinem Rockzipfel hängst, hätte Saif fast geantwortet, doch er verkniff sich seine Offenheit.

„Natürlich“, beruhigte er sie, während seine ganze Aufmerksamkeit auf seinen Vater gerichtet war, der jetzt wieder wohlauf schien, da alle taten, was er wollte. Saif verachtete sich selbst dafür, dass er solche Gedanken hatte.

Doch nie hatte Saif es mehr gehasst, dass der Gesundheitszustand seines Vaters sein Leben diktierte, sosehr er ihn auch liebte. Ohne seine Angst, dass der Emir einen zweiten Herzinfarkt erleiden könnte, hätte Saif sich wohl geweigert, eine Fremde zu heiraten. Unter den gegebenen Umständen wagte er jedoch nicht, sich zu widersetzen. Nur, was sollte ein weltgewandtes, englisches It-Girl in Alharia mit sich anfangen?

Warum hatte sein Vater eine so ungeeignete Ehefrau für ihn ausgesucht? Saif hob das Kinn, während er über die Frage nachdachte und der Trauredner seinen Text aufsagte. Er würde Lehrer für seine Braut engagieren, damit sie ihre Sprache, Kultur und Geschichte lernte. Wenn sie unbedingt seine Frau werden wollte, wenn ihr Reichtum und Status so wichtig waren, musste sie lernen, sich einzufügen, anstatt zu erwarten, dass sich alle nach ihr richteten. Wenn er schon mit einer Ehefrau gestraft war, die er weder mochte noch respektierte, würde er ihr nicht auch noch erlauben, ihn in Verlegenheit zu bringen.

„Unterschreib“, forderte er sie auf, nachdem er seinen Namen unter den Ehevertrag gesetzt hatte, und reichte ihr den Stift.

Tatis Hände waren feucht, als sie ihre Unterschrift an die vorgesehene Stelle setzte. „Das war’s? Ich meine, wann findet die Zeremonie statt?“

„Das war die Zeremonie“, erklärte Saif grimmig. „Entschuldige mich.“

Das war alles? Das war die Eheschließung gewesen? Ohne dass sie sich berührten, geschweige denn sprachen? Tati war erschüttert und bestürzt, dass er sofort verschwand.

„Bist du jetzt glücklich?“, fragte der Prinz seinen Vater.

„Sehr“, bestätigte der Emir und nickte anerkennend. „Und ich hoffe, du wirst es auch sein.“

„Darf ich fragen, warum du das von mir verlangt hast?“

Sein alter Vater betrachtete ihn stirnrunzelnd. „Damit du nicht allein bist, mein Sohn. Ich bin krank. Wenn ich nicht mehr da bin, wen hast du dann noch? Ich könnte den Gedanken, dass du ganz allein bist, nicht ertragen.“

Saif schluckte den unerwarteten Kloß in seinem Hals hinunter, fassungslos über diese einfache Erklärung und die starken Gefühle, die sie bei ihm auslöste, weil er sich eingestehen musste, dass er die Absichten seines Vaters falsch eingeschätzt hatte. „Aber warum eine Engländerin?“

„Ich hatte kein Glück mit meinen Frauen, obwohl sie alle als perfekte Partie galten. Gleich und gleich hat für mich nicht funktioniert. Es ist meine Hoffnung, dass deine quirlige, ungezwungene Braut einen positiven Einfluss auf dich hat. Du bist ein sehr ernster junger Mann, und ich dachte, sie könnte dir dabei helfen, ein bisschen Spaß zu haben.“

„Spaß.“ Saif flüsterte fast, weil er nicht glauben konnte, dass dieses Wort seinem sittenstrengen Vater über die Lippen gekommen war.

„Und dir Gesellschaft leisten. Sie ist wie du verwestlicht und weltgewandt – im Gegensatz zu mir. Ihr habt sicher viele Gemeinsamkeiten.“

Saif war kurz davor, laut zu stöhnen.

Die folgenden Stunden erlebte Tati wie durch einen Nebel. Männer und Frauen waren bei den Feierlichkeiten getrennt, doch Daliya war sehr darauf bedacht, ihr zu versichern, dass diese Sitte nur im Palast des Emirs herrschte und weder der Prinz noch sonst jemand sie praktizierte.

„Der Emir ist so alt wie mein Urgroßvater“, erklärte Daliya entschuldigend.

Während sich die ganze Aufmerksamkeit der Frauen auf Tati richtete, beobachtete diese ihre Tante Elizabeth Hamilton, die aß und trank, ohne ihre Nichte zu beachten. Das war selbst für Tati, die sich selten über etwas aufregte, zu viel. Sie war es gewohnt, über unhöfliches Benehmen hinwegzusehen, aber dass ihre Tante sie ignorierte, obwohl ihre Hochzeit mit Prinz Saif ihren Verwandten viel Geld bescherte, hinterließ einen bitteren Geschmack in ihrem Mund.

Sie dachte an all die Demütigungen, die sie im Lauf der Jahre über sich hatte ergehen lassen müssen, und kochte innerlich, war aber zu geübt darin, ihren Groll zu unterdrücken, ihre Verbitterung darüber, dass sie wieder einmal der Sündenbock war.

„Es ist Zeit zu gehen“, informierte Daliya sie leise. „Sie haben kaum etwas gegessen, Hoheit.“

Hoheit, dachte Tati ungläubig, als sie aus dem Saal geführt wurde, durch endlose Korridore und Treppen hinauf in ein riesiges Schlafzimmer, wo das Dienstmädchen sie erwartete, das schon bei ihrer Ankunft ihre Koffer ausgepackt hatte. Daliya und das Dienstmädchen halfen ihr, die Kleiderschichten aus Tuniken und Petticoats abzulegen, bis nur noch eine letzte übrig war, eine Art Unterwäsche, und sie endlich das Gefühl hatte, wieder atmen zu können.

„Wo geht es als Nächstes hin?“, fragte sie Daliya.

„Nach Paris“, informierte Daliya sie mit einem sehnsüchtigen Lächeln. „Auf Hochzeitsreise.“

Na toll, dachte Tati, während sie in ihrer spärlichen Garderobe nach etwas kramte, das sie auf der Reise anziehen konnte. Sie zog eine Leggings und ein weites Oberteil hervor, womit Daliya offensichtlich nicht glücklich war.

„Ich besitze nicht viel Kleidung“, murmelte Tati, und zum ersten Mal war ihr diese Tatsache peinlich. Natürlich hatte sie ein Kleid eingepackt, für den Fall, dass sie zum Hochzeitsempfang eingeladen wurde, doch das hautenge Glitzerkleid, das ursprünglich Ana gehört hatte, eignete sich kaum zum Reisen.

„Schon gut, Eure Hoheit. Es ist nur vernünftig, in bequemen Sachen zu reisen“, versicherte ihr Daliya.

Als Tati sich gerade umziehen wollte, klopfte es an der Tür. Ohne eine Antwort abzuwarten, trat Prinz Saif ein – mit blitzenden grünen Augen. Er schien sofort den ganzen Raum einzunehmen, sodass ihre beiden Begleiterinnen sich hastig für ihre Anwesenheit entschuldigten und das Weite suchten.

Mein Ehemann, dachte Tati konsterniert. Der Fremde, den ich geheiratet habe.

„Endlich allein“, bemerkte Prinz Saif knapp.

Seine Braut trug nichts als ein Seidenunterkleid. Sie besaß also doch eine Taille, und zwar eine sehr schmale. Und Kurven, eindeutig verlockende Kurven, musste Saif widerstrebend zugeben, fest entschlossen, der Braut, die ihm aufgezwungen worden war, nichts Gutes abzugewinnen. Obwohl er nicht anders konnte, als das weizenblonde Haar zu bewundern, das ihr wellig über den Rücken fiel. Der dünne Stoff des Kleidchens konnte auch ihre festen Brüste oder die sehr weibliche Rundung ihres knackigen Pos nicht verhüllen. Unwillkürlich wurde er hart – die ganz natürliche Reaktion eines Mannes, der aufgrund der Umstände in Alharia kein Liebesleben hatte. Saif biss die Zähne zusammen, um seine Erregung zu unterdrücken. Nur wenn er auf Reisen war, konnte er seinem sexuellen Appetit nachgeben, und für einen jungen Mann war diese auferlegte Zurückhaltung naturgegeben nicht leicht.

Im Moment hätte wohl jede halbwegs hübsche Frau diese Wirkung auf ihn gehabt, allerdings war Tatiana seine Frau, was den Unterschied machte. Er fragte sich, warum er diesen Aspekt nicht schon früher bedacht hatte. Was das anging, konnte er auf jeden Fall eine Ehefrau gebrauchen. Noch dazu war die Ersatzbraut viel mehr nach seinem Geschmack als die ursprüngliche. Im Gegensatz zu ihrer Cousine hatte diese keine aufgespritzten Lippen wie ein Kugelfisch, sondern einen natürlichen Schmollmund. Trotz einer Handvoll Sommersprossen und Himmelfahrtsnase hatte sie ein außerordentlich hübsches, herzförmiges Gesicht und stiefmütterchenblaue Augen.

Als Tati Saifs Blick erwiderte, verschlug es ihr fast den Atem. „Warum starrst du mich so an?“, fragte sie mit pochendem Herzen.

„Was glaubst du? Was glaubst du, wie oft ich eine Frau heirate, der ich erst am selben Tag begegnet bin und die es nur auf mein Geld abgesehen hat?“, entgegnete er eisig, und seine grünen Augen funkelten feindselig. „Und es widert mich an, mit einer Frau verheiratet zu sein, die bereit ist, sich zu verkaufen.“

Tati, die diese Attacke wie aus dem Nichts traf, wankte zurück, tief getroffen von seiner Verachtung. Eine ungeahnte Wut packte sie.

„Wie kannst du es wagen, über mich zu richten?“, konterte sie aufgebracht. „Ich habe mich nicht verkauft, dein Geld interessiert mich nicht.“

Obwohl es ihn gegen seinen Willen amüsierte, wie sie die Schultern durchstreckte, als könnte sie allein durch Willenskraft ein paar Zentimeter an Größe gewinnen, musterte er sie kalt. „So wie ich es sehe …“

„Ja, du mit deiner sexistischen Überheblichkeit!“, unterbrach Tati ihn zornentbrannt. „Du weißt nicht, wovon du redest, denn du weißt rein gar nichts über mich.“

„So wie du nichts über mich weißt. Du hast mich einzig wegen des Geldes geheiratet … oder geht es dir um den Titel?“

„Warum zur Hölle sollte ich eine Prinzessin sein wollen? Und wenn du so verdammt wählerisch bist, warum hast du dich dann überhaupt bereit erklärt, eine völlig Fremde zu heiraten?“

„Das ist meine Privatangelegenheit“, erklärte Saif mit königlicher Zurückhaltung, die irritierenderweise einschüchternd war.

Tati lief vor Wut rot an. „Tja, dann sind meine Gründe auch privat!“, blaffte sie zurück. „Ich muss mich nicht vor dir rechtfertigen, und ich werde es auch gar nicht erst versuchen. Es ist mir egal, wenn du mich für geldgierig hältst, aber ich werde weder mich noch meinen Körper verkaufen! Eher können Schweine fliegen, als dass ich mit dir ins Bett gehe.“

Saif war außer sich. Noch nie war jemand ihm gegenüber so unverschämt gewesen. Ihr wenig entgegenkommendes Verhalten war ein echter Schock für ihn. Irgendwie hatte er erwartet, dass sie sich schämen würde, wenn er sie konfrontierte, anstatt trotzig zu reagieren. „Wenn diese Ehe nicht vollzogen wird, ist sie keine Ehe und wird annulliert“, informierte er sie.

„Soll das eine Drohung sein?“, schrie Tati und erkannte sich selbst kaum wieder in der Wut, die sie gepackt hatte. Sie war genug herumgeschubst worden. Sie hatte genug davon, dass sie gezwungen wurde, Dinge zu tun, die sie nicht tun wollte. Erst von Ana, die nicht wagte, ihren Eltern die Stirn zu bieten, dann von ihrem Onkel. Und jetzt sah es so aus, als würde der Prinz, ihr Ehemann , dasselbe versuchen. Aber das würde sie nicht zulassen! Sie hatte genug von Leuten, die sie herumkommandierten und niemals Danke sagten, die ihre Loyalität und ihre Dankbarkeit als selbstverständlich hinnahmen und sich für etwas Besseres hielten, während sie Tati erpressten und einschüchterten!

Saif erstarrte. Der große Mann ragte über ihr auf wie ein Gebäude. „Nein, das ist es nicht. Ich bedrohe keine Frauen. Ich habe nur gesagt, was Sache ist.“

„Okay …“ Tati rang um Fassung, dabei hätte sie am liebsten hysterisch geweint und weiter rumgeschrien. Doch so bin ich nicht, und so war ich nie, ermahnte sie sich. Sie war immer die Ruhige, Besonnene. Das Gegenteil von Ana, die jedes Mal ausrastete, wenn sie ihren Willen nicht bekam, und tagelang schmollte. Doch es war ein anstrengender Tag für Tati gewesen, und er war noch nicht vorbei. Ihr fehlte einfach die Kraft, auch noch Saifs Feindseligkeit wegzustecken.

„Ich hasse dich“, sagte sie wahrheitsgemäß, weil kein Mann, der sich dafür entschieden hatte, sie zu heiraten, das Recht hatte, ihr zu sagen, dass sie ihn anwiderte. Er war hübsch anzusehen, doch er hatte keine Manieren, keinen Anstand und keinen Gerechtigkeitssinn. Wenn er ihr vorwarf, ihn geheiratet zu haben, konnte sie ihm ebenso gut vorwerfen, sie geheiratet zu haben. „Du bist nur einer mehr, der versucht, mich zum Sündenbock für seine schlechten Entscheidungen zu machen!“

3. KAPITEL

Bräutigam und Braut speisten an gegenüberliegenden Enden der Kabine.

Tati bewunderte heimlich das helle, glatte Leder und die glänzende Holzausstattung des Privatjets und bemühte sich, nicht beeindruckt zu sein. Außerdem waren eine Menge Flugbegleiter an Bord. Der moderne Luxus des Jets hatte absolut nichts mit der viktorianischen Pracht des Palasts gemein. Ihr wurde ein Stapel Hochglanzmagazine gebracht. Sie wurde von vorn bis hinten bedient, und das Essen war köstlich. Erst als es serviert wurde, bemerkte sie, dass sie am Verhungern war, weil sie praktisch den ganzen Tag nichts gegessen hatte.

Die Sorgen, die ihr den Appetit geraubt hatten, waren verschwunden, doch die Wut war geblieben. Bei der Erinnerung daran, dass Prinz Saif sie schamlos und geldgierig genannt hatte, begann ihr Gesicht aufs Neue zu brennen. Doch war das nicht genau die Art Frau, die er verdiente? Schließlich hatte er nie auch nur das geringste Interesse an seiner Braut gezeigt. Er hatte sich vor der Hochzeit nicht einmal die Mühe gemacht, ein Treffen oder auch nur ein Telefonat mit ihrer Cousine zu arrangieren. Wenn ihm der Charakter seiner Frau nicht zusagte, war er selbst schuld! Voller Abneigung spähte Tati ans andere Ende der Kabine, wo ihr Mann an seinem Laptop arbeitete und einmal mehr Gleichgültigkeit der Frau gegenüber demonstrierte, die er geheiratet hatte. Es tat ihr kein bisschen leid, dass sie ihm gesagt hatte, sie würde ihn hassen!

Aber ach, er war wirklich ein Augenschmaus, wie ihre Mutter es ausgedrückt hätte. Das schwarze Haar fiel ihm in die Stirn und umrahmte sein männliches Profil. Die lächerlich langen, tiefschwarzen Wimpern waren sogar aus dieser Entfernung zu erkennen, ebenso wie der sinnlich geschwungene Mund und der dunkle Bartstoppelschatten auf seinem Kinn. Es war nicht leicht, einen so gut aussehenden Mann zu ignorieren, schon gar nicht, wenn man ihn gerade geheiratet hatte – auch wenn die Ehe auf gar keinen Fall jemals vollzogen würde.

Nachdem der Jet gelandet war, unterdrückte Tati ein Gähnen. Zu erschöpft zum Reden stieg sie aus dem Flugzeug in die bereitstehende Limousine. Auch der Prinz schwieg. Wahrscheinlich ärgert er sich über die Zumutung, dass man ihn mit einer geldgierigen Ausländerin verheiratet hat, dachte sie. Sie war davon ausgegangen, dass sie in einem Hotel absteigen würden, daher war sie überrascht, als die Limousine in einem wohlhabenden Viertel vor einer großen, dreistöckigen Villa hielt. Ein kleiner Mann in elegantem Jackett führte sie in eine große, prächtige Eingangshalle mit einem Kronleuchter, der aussah, als wäre er aus antikem venezianischem Glas. Das wusste Tati nur, weil ihre Tante Elizabeth eine Kopie besaß, die sie als echt ausgab, um Gäste zu beeindrucken. Saif richtete sich auf fließendem Französisch an den Mann.

„Möchtest du noch eine Kleinigkeit essen?“, fragte er sie anschließend höflich.

„Nein, danke. Ich möchte am liebsten eine Woche durchschlafen.“ Sie errötete, als ihr wieder einfiel, dass dies ihre Hochzeitsnacht war.

„Wir werden uns heute Nacht ein Bett teilen müssen“, informierte Saif sie gedämpft. „Man hat uns erst morgen erwartet, und das Personal ist noch nicht vollständig. Es ist nur ein Schlafzimmer vorbereitet. Marcel entschuldigt sich im Voraus für alle Unannehmlichkeiten, die uns dadurch entstehen.“

Bei der Aussicht, das Bett mit dem Prinzen teilen zu müssen, hätte Tati fast laut gestöhnt. Doch sie war zu müde, um mit ihm zu streiten. Sie konnte sich auch nicht vorstellen, dass er irgendetwas versuchen würde. Zwar hätte sie sich das Bett auch selbst beziehen können, doch sie war in diesem Haus nur zu Gast und wollte niemandem auf die Füße treten. „Ich bin zu müde, um mich darüber aufzuregen.“

Es verstand sich von selbst, dass sie so einen Luxus nicht gewohnt war. Fosters Manor, das Anwesen ihrer Tante und ihres Onkels, war ein hübscher edwardianischer Landsitz, aber das Haus war nicht besonders groß und ein wenig heruntergekommen. Als ihre Großmutter noch lebte, war es immer gut instandgehalten worden, doch ihr Onkel hatte fast das ganze Personal entlassen.

„Es war ein langer Tag“, brummte Saif erleichtert, weil Tati keine Szene machte.

Andererseits ist es auch kein Wunder, dass sie aufgebracht war, nachdem ich ihr die Meinung gegeigt habe, gestand er sich widerstrebend ein. Er war äußerst taktlos gewesen, als er ihr die Wahrheit ins Gesicht geschleudert hatte. Es wäre vernünftiger gewesen, seinen Ärger hinunterzuschlucken, denn er war so lange in dieser Ehe gefangen, bis genug Zeit verstrichen war, um die Scheidung einzureichen. Andererseits konnte er die Ehe tatsächlich annullieren lassen. Doch das würde seinen Vater zu sehr aufregen, der sich für das ganze Desaster verantwortlich fühlen würde, weil er auf der Hochzeit mit der falschen Braut bestanden hatte.

Er fragte sich, ob die kleine Blondine neben ihm und deren flüchtige Cousine die ganze Sache von Anfang an so geplant hatten. Schließlich hatte auch ihr Onkel diesen Verdacht geäußert. Und wer kannte ihren Charakter besser als ihre eigene Familie? Außerdem wusste jeder, der seinen Vater kannte, dass der Emir alles tun würde, um zu verhindern, dass sein einziger Sohn und Erbe vor dem sprichwörtlichen Altar sitzen gelassen wurde. Der Emir verabscheute Skandale, und er war sehr stolz und empfindlich, wenn es um einen öffentlichen Gesichtsverlust des Thrones ging. Konnte es wirklich ein Zufall sein, dass die eigentliche Braut in letzter Minute verschwunden war und ihr Double im traditionellen Gewand der Braut sofort bereitgestanden hatte? Er brauchte Antworten, denn er wollte genau wissen, womit er es zu tun hatte. Wie berechnend war seine Ehefrau? Wie gierig? Konnte er das Problem verkleinern, indem er sie mit Geld überhäufte? Das war ein schrecklicher Gedanke, aber er war dazu bereit, wenn er so seine Ruhe bekam.

Am Ende der Treppe öffnete Marcel die Tür zu einem prächtigen Schlafzimmer. Gegen seinen Willen fand Saif die opulente Ausstattung amüsant und dachte liebevoll, dass sein Halbbruder Angelino Diamandis wusste, wie man dem Luxus frönte. Er hatte hart daran gearbeitet, die Ressentiments gegenüber seiner Mutter hinter sich zu lassen, und vor einiger Zeit Kontakt zu seinem jüngeren Halbbruder aufgenommen. Ein Lächeln huschte über seine finsteren Gesichtszüge. Wenn er ehrlich war, beneidete er seinen Bruder Angel manchmal um seine Freiheit und Unabhängigkeit, gleichzeitig war er nicht bereit, sich von seinem Vater loszusagen und den Thron aufzugeben, um sich von allen Zwängen zu befreien.

„Gehört dieses Haus dir?“, fragte Tati neben ihm im Plauderton, als wären sie es gewohnt, Small Talk zu machen.

„Nein, es gehört meinem …“ Saif zögerte, dann schluckte er den Satz hinunter, weil er nicht wusste, ob er ihr vertrauen konnte. Diese Information durfte nicht an die falschen Leute geraten. „Es gehört einem Verwandten von mir. Er hat es mir angeboten, weil er nicht zur Hochzeit kommen konnte.“ Jedenfalls nicht in seiner offiziellen Funktion, dachte Saif mit einem selbstzufriedenen Lächeln, denn es war ihm gelungen, am selben Nachmittag eine Stunde mit seinem Bruder zu verbringen. „Ich ziehe es der Anonymität eines Hotels vor.“

„Es ist fantastisch … jedenfalls das, was ich bisher gesehen habe“, korrigierte Tati sich verlegen, während sie an ihm vorbeiging, um ihren Kosmetikbeutel und ihr Nachthemd aus dem Koffer zu nehmen, den bereits ein Dienstmädchen auspackte, während ein anderes sich um Saifs Gepäck kümmerte.

Saif starrte wie gebannt auf ihre Kurven, ihre vollen Brüste, das seidige blonde Haar, das ihr herzförmiges Gesicht umrahmte, und die großen blauen Augen, die seinem Blick auswichen. Das gefiel ihm nicht. Er fragte sich, was sie dachte … was sie plante. Je mehr er darüber nachdachte, wie schnell sie den Platz ihrer Cousine eingenommen hatte, desto misstrauischer wurde er, während sein unterschwelliges Verlangen ihn gleichzeitig in eine gefährliche Richtung zu ziehen drohte. Möglicherweise war eine Annullierung doch das Beste, wenn er seinem Vater die Idee verkaufen konnte, ohne ihn damit zu sehr zu schockieren. In der Zwischenzeit musste er unbedingt die Finger von seiner Braut lassen.

Durch eine offene Tür sah Tati ein Badezimmer und flüchtete sich in die vermeintliche Sicherheit. Eigentlich brauchte sie kein Bad, doch sie ließ sich trotzdem eins ein, um so viel Zeit wie möglich für sich allein zu haben. Sie schminkte sich ab und putzte sich die Zähne, bevor sie sich in das warme, duftende Wasser legte und versuchte, sich zu entspannen. Doch wie sollte das gehen, solange Saif da draußen war? Ana hätte ihn inzwischen längst um den Finger gewickelt. Männer liebten ihre Cousine, ihr Aussehen, ihr Lächeln, ihre kokette Art. Dieses Leichte, Mädchenhafte, Flirtige ging Tati völlig ab. Sie war nüchtern, pragmatisch, geradeheraus. Das Leben hatte sie dazu gemacht, hatte sie gezwungen, die Vernünftige zu sein. Sie liebte ihre Mutter, hatte aber schon in sehr jungen Jahren gelernt, dass sie es war, die auf ihre Mutter aufpassen musste, und nicht umgekehrt.

Mariana hatte keine hohen Ansprüche an die Männer in ihrem Leben und eine ganze Palette ungeeigneter Freunde gehabt, darunter Alkoholiker, Schläger und notorische Fremdgeher. Nachdem Dave, Tatis erster richtiger Freund, ihr den Laufpass gegeben hatte, um sich an Ana ranzumachen, hatte Tati das Kapitel Männer für sich abgeschlossen. Zu viel Drama. Ein- oder zweimal hatte sie sich gewünscht, sie hätte etwas mehr Erfahrung aus der Beziehung mitgenommen und wenigstens mit Dave geschlafen, denn mitunter fühlte sie sich als Jungfrau in dieser Welt fehl am Platz. Doch dafür war die Anziehungskraft einfach nicht stark genug gewesen, und als er den Reizen ihrer Cousine verfiel, war sie froh, dass sie keinen Sex gehabt hatten.

Als Tati eine Stunde später aus dem Bad kam, blickte Saif von seinem Laptop auf, lässig gekleidet in Jeans und schwarzem Hemd. Seine Braut trug nichts Aufreizendes. Ihn zu verführen, war also offensichtlich nicht Teil ihres Plans. Saif wollte sich erleichtert fühlen, fragte sich jedoch, warum zum Teufel die rosa-weißen Shorts mit kleinen Hasen drauf und ein schlichtes weißes Hemdchen so verlockend auf ihn wirkten. Wahrscheinlich lag es an ihrer Figur, irgendeine mathematische Formel weiblicher Proportionen, die den Durchschnittsmann am meisten ansprach und die sie erfüllte.

Offenbar war auch er ein Durchschnittsmann, denn sein Blick blieb an ihren weichen, festen Brüsten hängen, dem Schatten des Tals dazwischen, ihrer schmalen Taille und der hübschen Rundung ihres kecken Pos, den die knappen Shorts betonten. In seinen Lenden begann es zu pulsieren, und er wandte sich mit einem unterdrückten Fluch wieder seiner Arbeit zu.

„Woran arbeitest du?“, fragte Tati, um die angespannte Stille zu brechen, verunsichert von Saifs taxierendem Blick.

„Ich überprüfe ein paar Zahlen. Ich kümmere mich um die Investitionen von Alharia“, murmelte Saif knapp.

Warum hatte er sie so abschätzend angesehen? Sie hätte vermutlich ein Nachthemd tragen sollen, doch sie hatte keines eingepackt. Es hatte sich erst in letzter Minute entschieden, dass sie mit nach Alharia kommen sollte, und Anas Eltern hatten lautstark über die zusätzlichen Kosten lamentiert. Ana jedoch hatte darauf bestanden, dass sie Tatis Beistand brauchte, um die Hochzeit durchzuziehen, und so hatte Tati in aller Eile ihren Koffer gepackt und diverse Dinge vergessen.

„Ist das Bad jetzt frei?“, fragte Saif, ohne sich noch einmal umzudrehen.

Tati erstarrte und schämte sich, weil sie in ihrer Gedankenlosigkeit das Bad blockiert hatte. „Tut mir leid, ich hätte daran denken sollen, dass du auch ins Bad willst.“

„Es gibt in diesem Haus wahrscheinlich ein Dutzend Badezimmer. Wäre es so dringend gewesen, hätte ich leicht ein anderes gefunden.“

Sie nickte schweigend. „Gute Nacht“, sagte sie mit gedämpfter Stimme und schlüpfte unter die Decke.

Seltsames kleines Wesen, dachte Saif, als er sah, wie Tati sich in einer Ecke einrollte, sodass nur noch ihr blonder Schopf zu sehen war. Hätte er nicht gewusst, was er über sie wusste, hätte er sie für schüchtern gehalten. Er unterdrückte ein Lachen über diesen verrückten Gedanken, klappte den Laptop zu und begann, sich auszuziehen.

Tati spähte zwischen ihren Haaren hindurch und sah seine Jeans zu Boden fallen. Er streckte sich in einer geschmeidigen Bewegung, und für einen Moment stand er einfach da, nackt bis auf eine Boxershorts, jeder Muskel seines Körpers angespannt. Und es waren viele Muskeln, die durch seine kaffeebraune, glänzende Haut noch betont wurden. Tati starrte ihn an und fühlte sich an den Charity-Kalender mit halb nackten Männern erinnert, den ihre Mutter einmal aufgehängt hatte. Mariana hatte ihrer Tochter vorgeworfen, prüde zu sein, weil sie davon peinlich berührt gewesen war.

Doch es war peinlich gewesen, das Ding in der Küche hängen zu haben, vor allem nachdem Ana es gesehen und allen in der Schule davon erzählt hatte. Wochenlang musste Tati die Hänseleien über sich ergehen lassen. Verglichen mit Ana und ihrer Mutter war sie tatsächlich prüde, doch wie sie aus deren Erfahrungen mit Männern wusste, führte ein experimentierfreudigerer Umgang mit Sex und Männern nur zu Liebeskummer und Enttäuschungen.

Während sie heimlich beobachtete, wie Saif sich streckte und seine Bauch- und Rückenmuskeln sich spannten, erinnerte Tati sich selbst daran, dass es nur ein Körper war, wenn auch ein besonders gesegneter. Aber dennoch nur ein Körper, eine Anordnung von Knochen, Fleisch und Muskeln, die jeder Mensch hatte. Doch dieser vernünftige Gedankengang änderte nichts daran, dass sie den Blick nicht abwenden konnte und ein heißes prickelndes Gefühl zwischen den Beinen verspürte. Sie starrte ihn an, weil er schön war. Ihr war nicht bewusst gewesen, dass ein Mann auf diese Weise schön sein konnte. Ach, wirklich, Tati, spottete sie innerlich. Hätte ihr die Sache mit Adam und Eva in der Bibel nicht eine Warnung sein sollen? Mit Wangen so glühend, dass man Spiegeleier darauf hätte braten können, drehte sie sich auf die andere Seite, vergrub das Gesicht in den kühlen Kissen und versuchte das Geräusch des laufenden Wassers aus der Dusche auszublenden.

Saif war es nicht gewohnt, das Bett zu teilen, und jede Bewegung seiner Braut störte ihn, erinnerte ihn an ihre Nähe. Er konnte sie nicht ignorieren, den Zauber ihrer samtigen Augen nicht vergessen, ihrer blassen, schlanken Schenkel und herrlich vollen Brüste. Er nahm es ihr persönlich übel, dass sie ihn so aus dem Konzept brachte. Doch während er wach dalag, fiel ihm plötzlich ein, wie er sie loswerden konnte …

Tati erwachte früh am Morgen, weil ihr kalt war. Als sie sich umdrehte, entdeckte sie den Grund dafür: Jemand hatte ihr die Decke gestohlen. Kaum fiel ihr wieder ein, mit wem sie das Bett teilte, packte sie die Decke mit beiden Händen und zog ihre Hälfte energisch zurück. Saif setzte sich erschrocken auf und machte Licht.

„Mir war kalt“, erklärte Tati knapp, kuschelte sich in den Zipfel der Decke, den sie zurückerobert hatte, und drehte ihm den Rücken zu.

Saif dachte zufrieden an den Braut-freien Tag, der vor ihm lag, und ließ sich in die Kissen zurücksinken. Selbst in die Bettdecke gekuschelt brachte sie es fertig, unverschämt verführerisch auszusehen. Wie schaffte sie es, dass er sie so begehrte? Er dachte an all die Möglichkeiten, wie er ohne die Hilfe der Bettdecke dafür sorgen könnte, dass seiner Braut warm wurde. Allein bei der Vorstellung, der er sich allerdings mit der Intensität des wahren Genussmenschen hingab, wurde er steinhart. Als es draußen dämmerte, gab er die Hoffnung auf Schlaf endgültig auf und stand auf, um weiterzuarbeiten.

Tati wurde vom Dienstmädchen geweckt, das das Frühstück brachte. Sie setzte sich auf, während die Vorhänge aufgezogen wurden, und bemerkte, dass sie allein im Bett war. Sie strich sich das Haar aus der Stirn, als sie das angebotene Tablett entgegennahm, stellte es jedoch gleich wieder beiseite, nachdem das Dienstmädchen fort war, um sich im Bad frisch zu machen, bevor sie frühstückte.

Während sie sich den Tee und ein buttriges, fluffiges Croissant schmecken ließ, kam der Prinz ins Zimmer. Saif wirkte sehr distinguiert in seinem dunklen, maßgeschneiderten Anzug und sah umwerfend aus. Unwillkürlich bekam sie einen trockenen Mund und Schmetterlinge im Bauch. Der teure Stoff betonte seine breiten Schultern, seine schmalen Hüften und die langen, starken Beine. Er war gut gebaut und außerdem aufreizend ruhig und beherrscht, wogegen sie das Gefühl hatte, als würde ihr ganzes Leben völlig aus dem Ruder laufen.

Sie war extrem angespannt, und ihre Finger schlossen sich fest um die Porzellantasse. Zum ersten Mal kam ihr in den Sinn, dass sie etwas übersehen hatte. Saif hatte erwartet, ihre glamouröse, sexy Cousine zu heiraten und hatte stattdessen ihr unscheinbares, langweiliges Double bekommen. Natürlich war er enttäuscht. Natürlich war er sauer. Kein Mann würde mich meiner Cousine vorziehen, dachte sie geknickt.

„Ich suche mir für heute Nacht ein anderes Zimmer“, erklärte sie steif und meinte es als eine Art Friedensangebot nach dem Krieg um die Decke.

Im Sonnenlicht, das durch die Fenster fiel, leuchteten Saifs grüne Augen, die sie fixierten, wie Smaragde.

Saifs Laune erhielt einen empfindlichen Dämpfer. Obwohl er sie loswerden wollte, wurmte es ihn, dass es ihr offenbar genauso ging.

„Das wird nicht nötig sein“, entgegnete er, bevor er Zeit hatte, seine Reaktion zu hinterfragen.

„Doch, das ist es“, widersprach sie. „Ich glaube, keiner von uns hat letzte Nacht viel Schlaf bekommen.“

Saif stellte fest, dass es ihm zutiefst missfiel, von ihr gesagt zu bekommen, was nötig war. So sehr, dass ein selbstzerstörerischer Widerspruchsgeist in ihm erwachte, den er von sich bisher gar nicht kannte.

„Wir werden uns weiterhin ein Zimmer teilen“, verkündete er zu seiner eigenen Überraschung.

„Aber warum um Himmels willen sollten wir das tun?“, rief Tati ungläubig.

„Du wolltest diese Ehe … Finde dich damit ab“ , sagte er statt einer Erklärung, denn er wusste selbst nicht, was ihn ritt.

„Weißt du …“, begann Tati mit vor Empörung bebender Stimme, weil er seine Enttäuschung darüber, dass er Ana nicht bekommen hatte, an ihr ausließ … als wäre es ihre Schuld. Dachte er das? Und sollte sie inzwischen nicht wissen, was er dachte? Dass sie nicht miteinander sprachen, machte alles nur noch schlimmer. „Manchmal würde ich dir am liebsten eine Ohrfeige geben.“

„Mir ist der Hang zur Gewalt in eurer Familie schon aufgefallen, als deine Tante versucht hat, dich zu schlagen. Es gibt auf der ganzen Welt keinen Grund, warum wir uns auf dieses Niveau herablassen sollten“, erwiderte der Prinz mit Nachdruck.

Seine Gedanken schweiften abermals ab, und er fragte sich, wie sie so eine Drohung ausstoßen und gleichzeitig so unschuldig und verlockend aussehen konnte. Außerdem war es noch früh am Morgen, ihr Haar war zerzaust und sie, soweit er das sehen konnte, ungeschminkt. Ihre Porzellanhaut schien im strengen Tageslicht fast zu leuchten. Sie mochte nur ein Ersatz und alles sein, was er an der Ehefrau verachtete, die er von Anfang an nicht hatte heiraten wollen, aber eines ließ sich nicht leugnen: Sie war weitaus schöner, als er sich zunächst hatte eingestehen wollen.

„Nicht einmal Humor hast du“, stöhnte Tati frustriert.

„Ich habe dafür gesorgt, dass du dich heute nicht langweilst“, informierte Saif sie unbeeindruckt, ohne auf ihren Vorwurf einzugehen. Er konnte an der gegenwärtigen Situation tatsächlich nichts lustig finden.

„Wie wahnsinnig nett von dir“, murmelte Tati knapp und fragte sich, was wohl als Nächstes kam.

„Ich habe ein Team aus persönlichen Stilberatern zusammengestellt, die mit dir eine Tour durch die besten Geschäfte von Paris machen“, fuhr der Prinz fort.

Er schickt mich shoppen, dachte Tati erbost. Nur um mich aus dem Weg zu haben. Was macht man mit einer geldgierigen Frau, wenn man seine Ruhe haben will? Man wirft ihr Geld hinterher! Tati biss die Zähne zusammen, um sich eine sarkastische Antwort zu verkneifen. Ihr fiel ein, dass ihre Oma Milly immer gesagt hatte, mit Honig fange man mehr Fliegen als mit Essig. Ihr war fast schwindelig vor Wut, denn sie war ganz sicher kein geldgeiles Flittchen, das sich von einem Prinzen mit klingender Münze erniedrigen ließ.

„Wie wundervoll“, erwiderte sie also mit einem gleichgültigen Lächeln. „Das ist ja wie Weihnachten. Habe ich ein Budget?“

Saif interpretierte das Glitzern in ihren großen, blauen Augen als reine Habgier. „Kein Budget“, erwiderte er und ließ ein Lächeln aufblitzen.

Er gab ihr einen Freibrief zum Geldausgeben, und sie hatte nicht vor, ihn zu enttäuschen. Wenn jemand es verdiente, dass seine schlimmsten Befürchtungen sich erfüllten, dann Saif. Sie würde sich einen Spaß daraus machen, die Goldgräberin zu spielen. Er würde es noch bereuen, dass er sie in einer der teuersten Städte der Welt shoppen geschickt hatte.

Sie zog sich an. Ihr Gehirn hatte immer noch nicht ganz verarbeitet, dass der Prinz jetzt ihr Ehemann war und nicht der ihrer Cousine. Er benahm sich auch nicht gerade wie ein Ehemann. Wahrscheinlich hatte er genauso wenig heiraten wollen wie sie.

Vielleicht erklärte das, warum man ihn überhaupt verheiratet hatte … War es möglich, dass der Prinz schwul war? Und man ihn verheiratet hatte, um diese Tatsache zu vertuschen? Doch wenn das stimmte, warum hatte er dann nicht die Gelegenheit ergriffen, ein eigenes Schlafzimmer zu bekommen?

Tati runzelte die Stirn und musste sich eingestehen, dass Saif voller Widersprüche steckte. Warum bestand er auf einem gemeinsamen Schlafzimmer? Um den Schein zu wahren? Wollte er, dass ihre Ehe nach außen normal wirkte? Falls er schwul war und sein Vater das nicht akzeptieren konnte, ergab ihre verrückte Hochzeit einen Sinn. Seine Anschuldigungen nahm sie ihm deshalb aber nicht weniger übel.

Im Gegenteil, sie hasste ihn dafür. Tati war ihr ganzes Leben rumgeschubst worden, herabgesetzt von jenen, die mehr Macht hatten als sie. Ihre eigenen Verwandten hatten ihr das angetan, und bevor Mariana an Demenz erkrankt war, hatte sie ihre Tochter stets angehalten, keinen Staub aufzuwirbeln, indem sie sich wehrte. Leider hatte es Tati rein gar nichts gebracht, ihren Stolz hinunterzuschlucken und die andere Wange hinzuhalten. Tatsächlich hatte diese Haltung die Situation nur verschlimmert, in der Schule ebenso wie zu Hause. Aber dieses Mal würde sie nicht zulassen, dass man sie quälte, obwohl sie nichts falsch gemacht hatte, dass man sie beleidigte, nur weil sie arm war und weniger Möglichkeiten hatte als andere. Stolz hob sie das Kinn. Nein. Damit würde Seine königliche Hoheit, der Kronprinz von Alharia, nicht durchkommen!

Dreißig Minuten später stieg Tati in eine lange, cremefarbene Limousine mit drei sehr aufgedonnerten, mitteilsamen Frauen. Auf den ersten Blick war klar, dass Tati eine Enttäuschung war und die Frauen mehr erwartet hatten. Aber da sie vorhatte, die Anweisungen ihres Bräutigams zu befolgen und Geld auszugeben, sagte sie: „Ich brauche eine ganz neue Garderobe!“

Endlich lächelten die Frauen, offensichtlich erleichtert. Wahrscheinlich arbeiteten ihre Begleiterinnen auf Provisionsbasis, und warum sollten sie nicht auch davon profitieren, dass Tati neue Kleider brauchte. Sie brauchte alles, angefangen bei Nachtwäsche und Dessous. Soviel Wert sie auch darauf legte, stolz und unabhängig zu sein, schlecht und unpassend gekleidet wollte sie trotzdem nicht sein. Und sie hatte auch nicht vor, ihre Slips im Waschbecken zu waschen. Bei der Vorstellung, wie der Prinz wohl darauf reagieren würde, musste sie ein Kichern unterdrücken.

Der erste Halt war die Avenue Montaigne, eine von Bäumen gesäumte Straße mit Designerläden. Während Ana diese Gelegenheit in vollen Zügen genossen hätte, konzentrierte Tati sich darauf, so viel wie möglich zu kaufen, ohne auch nur einmal einen Blick auf das Preisschild zu werfen. Mit ihren Begleiterinnen zog sie von einer Boutique zur nächsten. Dann ging es weiter zum Boulevard Saint Germain, wo sie jede Menge schicker Kleider, Schuhe und Taschen fand. Schließlich gab sie der Versuchung nach und zog eins der neuen Outfits an. Sie besuchten ein angesagtes Dachterrassen-Café mit spektakulärem Blick über die Stadt und tranken Champagner. Zu essen gab es statt eines Mittagessens nur eine Handvoll Nüsse.

Nachmittags wurde sie professionell geschminkt und mit genug Kosmetikartikeln ausgestattet, um einen ganzen Straßenzug zu renovieren. Als Nächstes kam ein speziell für sie entworfenes Parfum, und sie liebte das Parfum genauso sehr wie den dazugehörigen Fachjargon. Zuletzt ließ sich überreden, auch ein neues Handy und eine neue Uhr zu kaufen.

Aber schon bald holte sie das schlechte Gewissen ein. Sie gab das Geld mit beiden Händen aus, um es Saif heimzuzahlen, weil er sie verurteilt hatte, obwohl er sie überhaupt nicht kannte und offensichtlich auch kein Interesse daran hatte, irgendetwas über sie zu erfahren. Doch auf der Rückfahrt zur Villa, als ihre aufgekratzten Begleiterinnen erneut Champagner fließen ließen, um die erfolgreiche Shoppingtour zu feiern, fragte sie sich, was es ihr eigentlich brachte, Saifs schlimmste Vorurteile zu bestätigen. Sie lehnte den Champagner höflich ab, denn ihr war nicht nach Feiern.

Was habe ich getan? Warum hatte sie sich von ihrem Frust über ihre Lage und sein Verhalten ihr gegenüber leiten lassen? Warum wollte sie ihm beweisen, dass sie genau das war, was er von ihr hielt?

Von Schuldgefühlen geplagt, sah sie zu, wie das Personal in einer Prozession durch die Eingangshalle marschierte, um die Taschen und Kartons nach oben ins Schlafzimmer zu bringen. Dort wurden ihre unzähligen Einkäufe dann ausgepackt und in die leeren Schränke und Schubladen sortiert. Sie selbst sank im Wohnzimmer auf ein opulentes Sofa, und ihr Gesicht brannte vor Scham, als sie an den Pullover dachte, den sie gleich in vier verschiedenen Farben gekauft hatte.

Autor

Lynne Graham
Lynne Graham ist eine populäre Autorin aus Nord-Irland. Seit 1987 hat sie über 60 Romances geschrieben, die auf vielen Bestseller-Listen stehen.

Bereits im Alter von 15 Jahren schrieb sie ihren ersten Liebesroman, leider wurde er abgelehnt. Nachdem sie wegen ihres Babys zu Hause blieb, begann sie erneut mit dem...
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