Rendezvous im Casino Royal

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Seit Jahrhunderten herrscht die mächtige Dynastie der Rinaldis über ein malerisches Inselreich im Mittelmeer. Jetzt muss der betagte König abdanken. Doch wer tritt das Erbe der Rinaldis an? Intrigen, Leidenschaft und zehn unumstößliche Regeln werden für jeden Thronanwärter zu einer persönlichen Herausforderung. Die Suche beginnt ...
Mein Glücksprinz, denkt Meg, als der attraktive Casinobesitzer Luca Fierezza sie zum ersten Mal küsst. Sie träumt von einer gemeinsamen Zukunft mit ihm - vielleicht sogar als seine Prinzessin! Denn Luca ist der Nächste in der Thronfolge von San Rinaldi. Doch als aus dem Juweliergeschäft des Casinos wertvoller Schmuck der Königsfamilie entwendet wird, dreht sich das Glücksrad für Meg plötzlich in die falsche Richtung ...
Der dritte Teil der großen Königssaga!
  • Erscheinungstag 12.10.2016
  • ISBN / Artikelnummer 9783733769758
  • Seitenanzahl 144
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

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Königliche Gesetze des Hauses Rinaldi

I .

Der Herrscher von San Rinaldi gilt seinem Volk als Vorbild und bürgt für tugendhaftes Verhalten . Wer die Monarchie durch unmoralisches Verhalten in Verruf bringt, ist von der Thronfolge ausgeschlossen .

II.

Kein Mitglied der Königsfamilie darf ohne Zustimmung des Regenten heiraten.

III.

Jede Eheschließung, die den Interessen von San Rinaldi entgegen steht, ist verboten. Jeder Verstoß gegen diese Vorschrift führt zum unmittelbaren Ausschluss aus der Thronfolge sowie zur Aberkennung sämtlicher Ehren und Privilegien.

IV.

Kein Herrscher von San Rinaldi darf eine geschiedene Frau heiraten.

V.

Zwischen blutsverwandten Mitgliedern des Königshauses darf keine Ehe geschlossen werden.

VI.

Der Unterricht aller Familienmitglieder wird durch den König geregelt. Die Eltern haben für die Umsetzung der Anweisungen zu sorgen.

VII.

Kein Mitglied des Königshauses darf sich verschulden.

VIII.

Kein Mitglied der Königsfamilie darf ohne Einwilligung des Königs finanzielle Zuwendungen oder Erbschaften annehmen.

IX.

Der Herrscher von San Rinaldi muss sein Leben seinem Land widmen und darf daher während seiner Regentschaft keinen eigenen Beruf ausüben.

X.

Die Mitglieder des Königshauses müssen ihren Wohnsitz auf San Rinaldi haben. Im Einzelfall kann der König gestatten, dass ein Familienmitglied in ein anderes Land zieht. Der Herrscher selbst muss jedoch im Palast auf San Rinaldi leben.

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Das Königshaus Rinaldi

Eine der reichsten königlichen Familien der Welt – vereint durch Blut und Leidenschaft, zerrissen durch Verrat und Begierde, unterworfen den strengen Regeln der Rinaldis

Aus blauen Fluten, umweht vom Duft der Zitronen- und Orangenbäumen, ragt majestätisch eine Insel empor: San Rinaldi, die Perle des Mittelmeers. Gesegnet mit einzigartig schöner Natur, üppiger Vegetation und reichen Ernten, wird das idyllische Eiland seit vielen Jahren von König Giorgio aus dem Geschlecht der Fierezzas beherrscht. Schon seit dem Mittelalter lenkt seine Familie die Geschicke der Insel, machte sie zu einem florierenden Handelsplatz und gelangte so zu unermesslichem Reichtum – Reichtum, der zu allen Zeiten zu Neid, Intrigen, Verrat und Auseinandersetzungen führte.

Auseinandersetzungen und Probleme stehen auch König Giorgio ins Haus. Besorgt beobachtet man im Palast von San Rinaldi, dass es dem neunzigjährigen Monarchen gesundheitlich immer schlechter geht.

Doch wer soll nach dem tragischen Tod der beiden Kronprinzen das Erbe der Rinaldis antreten?

König Giorgio muss seine Wahl treffen unter den Prinzen und Prinzessinnen der Dynastie. Kein leichtes Unterfangen! Denn wer den Thron von San Rinaldi besteigen und über das blühende Inselreich herrschen will, muss sich entscheiden, ob er sich den strengen Gesetzen des Hauses Rinaldi unterwirft – oder der Stimme seines Herzens folgt und statt der Krone die Liebe wählt ...

1. KAPITEL

„Sieht er denn gut aus?“

Meg biss die Zähne zusammen, um keine unbeherrschte Antwort zu geben. Jasmine wiederholte diese Frage nun schon zum hundertsten Mal. Dabei lief das Schiff gerade in den Hafen von San Rinaldi ein. Und diese Insel gehörte eindeutig zu den schönsten, die Meg je gesehen hatte.

In Australien wirkte alles vergleichsweise neu. Deshalb beeindruckten Orte mit einer jahrhundertealten Geschichte Meg ganz besonders. Auf ihren Reisen durch Europa hatte sie gar nicht genug von den vielen antiken Bauwerken bekommen können. Außerdem las sie gern Berichte und Erzählungen über längst vergangene Zeiten. San Rinaldi bot das alles im Überfluss. Aber dafür fehlte Jasmine offenbar der Sinn.

Auf dieser Mittelmeerinsel atmete förmlich jeder Stein und jedes Gebäude Geschichte. Jedenfalls stand das in dem Reiseführer, den Meg während der Überfahrt regelrecht verschlungen hatte. In fast vergessenen Epochen wurzelten die Kämpfe und Intrigen, die bis in die Gegenwart hineinspielten.

Unmittelbar vor San Rinaldi hatten sie die kleine Insel Mont Avellana passiert, die noch im letzten Jahrhundert unter der Herrschaft des Königs von San Rinaldi gestanden hatte.

Fasziniert genoss Meg den Anblick, der sich ihr jetzt bot.

Zu beiden Seiten der Hauptstadt erstreckten sich endlose Sandstrände. Dahinter erhoben sich üppig bewachsene Hügel, deren dichte Wälder, Weingärten und Obstplantagen an kunstvoll gewobene Teppiche erinnerten. Noch höher ragten nur die vulkanischen Berggipfel in den tiefblauen Himmel.

Ganz besonders jedoch fesselte Meg das burgartige Schloss auf einem Felsen oberhalb des Hafens. Hoch über allem thronte es wie ein Wächter, der das Meer mit seinen drohenden Gefahren beobachtete.

„Sieh nur, das ist der Königspalast“, erklärte Meg ihrer Freundin und warf einen Blick auf die Karte. „Und da drüben rechts gibt es ein römisches Amphitheater.“

Jasmine warf einen Blick über Megs Schulter, um die Symbole auf der Landkarte zu erkennen.

„Die haben hier sogar ein Kasino“, stellte sie aufgeregt fest. „Und auch ein Luxushotel mit Wellness-Anlage!“

„Das können wir uns garantiert nicht leisten“, wandte Meg lächelnd ein. „Wir sind nur einfache Rucksacktouristinnen.“

„Dann müssen wir uns eben jemanden suchen, der es sich leisten kann“, entgegnete Jasmine und kam unvermeidlich wieder auf ihr Lieblingsthema zu sprechen. „Was für ein Arzt ist er eigentlich?“

„Alex ist Chirurg“, erwiderte Meg und seufzte, weil ihre Freundin sich herzlich wenig für die Umgebung interessierte. Doch sogleich bereute sie ihre ehrliche Antwort. An Jasmines glänzenden Augen las sie ab, was sie dachte: ein reicher Chirurg.

Nun, sollte Jasmine ruhig träumen. Meg kannte ihren Bruder sehr gut, und Alex interessierte sich überhaupt nicht für Geld. Er würde Jasmine schnell durchschauen und sie in die Schranken weisen.

Meg hätte gern dieselbe Menschenkenntnis besessen. Als sie sich kennengelernt hatten, war Meg sehr froh über die Gesellschaft gewesen. Doch in letzter Zeit gingen ihr gerade jene Eigenschaften auf die Nerven, die sie anfangs an Jasmine bewundert hatte. Jasmines impulsive Art, ihre Sorglosigkeit und Besessenheit von Männern ärgerten sie allmählich ernsthaft. Inzwischen war Meg fest entschlossen, die Freundschaft ein wenig einschlafen zu lassen. Wenn nötig würde Meg auch allein weiterreisen.

Als Rucksacktouristin Europa zu entdecken, bedeutete für sie das Abenteuer schlechthin. Ansonsten beherrschte Routine ihren Alltag. Das half Meg, über die Erinnerungen an ihre schwere Jugend hinwegzukommen.

Doch nun wollte sie endlich einmal richtig leben. Sie war jetzt kein Kind mehr, sondern fünfundzwanzig. Höchste Zeit also, um die schmerzhafte Vergangenheit endlich loszulassen und die Welt zu genießen, die ihr früher leer und grausam erschienen war. Die Reise durch Europa war der letzte Schritt in dieser Entwicklung, zu der sie sich ganz bewusst entschlossen hatte.

Der ungeregelte Tagesablauf einer Rucksacktouristin hatte Meg anfangs vor Schwierigkeiten gestellt. Doch sie lernte, sich nach und nach zu entspannen und die innere Verkrampfung zu lockern, die sie ihr ganzes Leben begleitet hatte.

Das Schiff erreichte den Kai. Tief einatmend ging Meg über den Landungssteg. Die Augen geschlossen, wandte sie das Gesicht der Sonne zu. In diesem Moment wusste sie mit letzter Sicherheit, dass diese Reise genau das Richtige für sie war. Meg konnte es kaum erwarten, ihrem Bruder zu erzählen, wie viel sie bereits geschafft hatte.

„Wo ist er denn?“, fragte Jasmine hoffnungsvoll und ließ auf der Suche nach dem attraktiven Chirurgen den Blick über die wartenden Menschen schweifen. „Sieht er wie du aus?“

„Nicht im Geringsten“, erwiderte Meg lachend, verzichtete jedoch auf eine Erklärung. Alex hatte dunkles Haar, sie dagegen blondes. Seine Augen glänzten dunkel, ihre waren blau. Natürlich sahen sie sich nicht ähnlich, weil sie beide adoptiert worden waren. Alex als Kleinkind, sie selbst war dagegen schon zwölf Jahre alt gewesen. Doch trotz aller Unterschiede und der völlig anderen Herkunft standen sie einander so nahe, wie es Geschwister nur konnten.

„Weiß er denn, mit welchem Schiff du kommst?“, drängte Jasmine.

Meg zuckte die Schultern. „Ich habe ihm schon vor einiger Zeit eine E-Mail mit allen Einzelheiten geschickt.“

„Und hat er sie auch bekommen?“

„Bestimmt“, versicherte Meg, war sich ihrer Sache jedoch nicht mehr ganz so sicher. „Er sollte eigentlich hier sein.“

„Sieht nicht danach aus“, stellte Jasmine fest. Die Menschen am Pier hatten die von ihnen erwarteten Passagiere bereits begrüßt, die Menge löste sich nun auf. „Vielleicht konnte er nicht aus dem Krankenhaus weg.“

„Kann sein“, erwiderte Meg ohne rechte Überzeugung. Unpünktlichkeit sah Alex nicht ähnlich. Wäre er verhindert, hätte er sicher jemanden zum Hafen geschickt. „Ich habe meine E-Mails allerdings schon länger nicht mehr abgerufen, weil ich kein Internetcafe gefunden habe“, räumte sie ein.

„Was machen wir jetzt?“ Jasmine musterte die Anzeigetafel neben dem Landungssteg. „Wir brauchen Geld. In der Jugendherberge auf Sizilien haben sie gesagt, dass auf San Rinaldi ständig Saisonarbeiter gesucht werden. Hier sind kaum freie Stellen ausgeschrieben. Ich meine, natürlich bin ich sowieso nicht wild auf Obstpflücken.“

„Was hast du dagegen einzuwenden?“, entgegnete Meg. „Du brauchst schließlich einen Job.“ Jasmine hatte nur noch ein paar Euro in der Tasche, die sie sich von Meg geliehen hatte. Sie hingegen hatte ihre Finanzen sorgfältig geplant. Deshalb konnte sie nicht mehr hören, wie Jasmine versicherte, alles zurückzuzahlen – sobald sie Arbeit gefunden hätte.

„Obsternte? Grässlich!“ Jasmine schüttelte sich. Eine Sekunde später strahlte sie aber wieder, riss einen Zettel von der Anschlagtafel und steckte ihn ein. „Das ist schon eher was für mich. Im Kasino suchen sie noch Hilfskräfte und bieten sogar eine Unterkunft an. Sieh nur, dort drüben steht schon der Bus vom Kasino!“

Meg sah, wie einige Urlauber, die eindeutig keine Rucksacktouristen waren, in das Luxusgefährt stiegen. „Der ist nur für die Gäste.“

„Na und?“, meinte Jasmine unbekümmert und winkte dem Busfahrer zu, damit er wartete. Während sie loslief, zog sie ihren Rucksack hinter sich her. „Komm schon!“

Lächelnd schüttelte Meg den Kopf. Jasmine war wie eine Katze, die stets auf den Beinen landete.

„Nein, lieber nicht. Ich will ganz sicher nicht in einem Kasino arbeiten – mit dem ganzen Lärm, dem hektischen Betrieb und …“

„… und mit den vielen reichen Männern“, fügte Jasmine hinzu und entlockte ihrer Freundin ein Lachen. „Los doch, Meg! Du solltest für einige Zeit ausnahmsweise nicht nach innerer Ruhe suchen, sondern dir etwas Spaß gönnen. Wir können uns ein Zimmer teilen.“

„Das ist wirklich nichts für mich.“ Sie strich sich durchs blonde Haar, das sich vom Salzwasser spröde anfühlte, und hätte beinahe eingelenkt. Was sollte sie tun? Alex war nicht gekommen, sie sehnte sich nach einem genussvollen Schaumbad. Sogar das einfachste Hotelzimmer war bestimmt besser als eine Jugendherberge. Trotzdem zog Meg noch einmal die Karte zu Rate.

„Ich lasse mich lieber zuerst im Krankenhaus blicken“, erklärte sie entschieden. „Bis dorthin ist es nicht weit. Vielleicht hat Alex wirklich nur viel zu tun und ist nicht rechtzeitig weggekommen. Aber du solltest dich beeilen, sonst verpasst du noch den Bus.“

„Na schön“, erwiderte Jasmine. „Wenn es mit deinem Bruder nicht klappt, weißt du, wo du mich findest.“

„Sicher.“ Meg beobachtete amüsiert, wie ihre Freundin in den Bus stieg, und winkte. Aus tiefster Seele wünschte sie sich, wenigstens für kurze Zeit so glücklich und sorglos wie Jasmine zu sein, sich zu entspannen und mehr Selbstbewusstsein zu entwickeln. Im Gegensatz zu Jasmine, der es offenbar in die Wiege gelegt worden war, fiel es ihr sehr schwer. Aus Erfahrung wusste Meg, dass sie sich auf nichts und niemanden verlassen konnte.

Sie sah dem Bus nach, bis er die Hafenmole verlassen hatte. Eine schwer zu beschreibende Sehnsucht ergriff Meg. Sie brauchte jetzt dringend jemanden, dem sie nichts vormachen musste. Alex kannte sie und wusste, dass diese scheinbar tolle und unbeschwerte Reise in Wahrheit für sie die reinste Qual bedeutete.

Wo zum Teufel steckte er? Falls sich an seinen Plänen etwas geändert hatte, wäre er doch bestimmt mit ihr in Verbindung getreten. Aber wie?

Sie wehrte sich gegen die aufkeimende Panik. Seit fast zwei Wochen hatte Meg keinen Computer mehr eingeschaltet, weil sie sich völlig auf die Reise konzentrieren wollte. Und das hatte sie sich nun eingehandelt!

Da bereits alle wartenden Taxis losgefahren waren, machte Meg sich zu Fuß auf den Weg zum Allgemeinen Krankenhaus. Alex hatte geschrieben, dass er dort arbeitete. Es war nicht weit, aber wegen der sengenden Sonne und des schweren Rucksacks kam ihr die Strecke endlos vor.

Liebend gern hätte sie die schmalen Gassen der Altstadt mit den hübschen kleinen Läden erkundet. Weil die Tragriemen schwer auf ihre Schultern drückten und sie eine Unterkunft für die Nacht brauchte, verzichtete Meg vorerst auf dieses Vergnügen. Darum blieb sie nur bei einem der zahlreichen Straßencafes stehen und bestellte einen Espresso.

Während sie trank, fiel ihr auf, dass sich die Stadt offenbar auf ein Fest vorbereitete. Geschäftsleute schmückten ihre Läden mit Girlanden, die Bewohner der umliegenden Gebäude hängten Lichterketten und Transparente auf. Aufgeregt unterhielten sich die Leute in ihrer klangvollen Muttersprache. Kleine Kinder liefen fröhlich umher.

„Gibt es bald ein Fest?“, fragte sie den Kellner, der sie schon vor dem Bestellen in ihrer Muttersprache angesprochen hatte. Daraufhin hatte Meg erzählt, dass sie aus Australien stamme.

„Das große Fest von San Rinaldi“, erwiderte der junge Mann. „Es beginnt morgen, und wir feiern die Schätze, die uns die fruchtbare Erde unserer Insel schenkt.“

„Findet es in der Hauptstadt statt?“, erkundigte Meg sich.

Lachend schüttelte der Kellner den Kopf.

„Nein, auf der ganzen Insel. Sie müssen unbedingt mitmachen“, drängte er. „Bestimmt bleiben Sie eine Weile hier. Jeder will bei uns bleiben, weil es so schön ist.“

Das konnte sie sich gut vorstellen, auch wenn sie noch nicht viel gesehen hatte. Meg bedankte sich freundlich und setzte mit neuer Energie den Weg zum Krankenhaus fort. Hoffentlich war Alex dort. Sie hatte keine Ahnung, was sie sonst machen sollte.

„Dr. Alex Hunter!“, wiederholte Meg zum zehnten Mal und hatte Mühe, nicht zu schreien.

Die Frau am Empfangsschalter des Krankenhauses nickte nur abermals und gab etwas in ihren Computer ein. „Si, Alessandro Fierezza. Er nicht hier. Ich ihn nicht finden. Sie gehen zu Palazzo.“

Meg fasste sich an den Kopf und seufzte verzweifelt, während die Frau eine Kollegin zu Hilfe rief. Leider stellte sich heraus, dass die Fremdsprachenkenntnisse der Kollegin noch schlechter waren. Die beiden unterhielten sich rasend schnell auf Italienisch, der Landessprache des Inselreichs. Dabei fielen immer wieder die Namen Alex und Alessandro. Was jetzt?

„Ihr Bruder hat Heirat.“

„Nein, nein, mein Bruder ist nicht verheiratet, nicht einmal verlobt“, beteuerte Meg. Sie gab jede Hoffnung auf, während die beiden Frauen auf sie einredeten.

„Matrimonio!“, erklärte die Angestellte hinter dem Schalter schließlich energisch und nickte. „Ihr Bruder Alessandro.“

„Alex“, verbesserte sie, doch es half nichts.

Dann sagte die Frau noch drei Worte, die Megs Hoffnungen endgültig zerstörten.

„Ihr Bruder fort.“

Das erklärte, weshalb Alex nicht im Hafen gewartet hatte. Alle Pläne für die nächsten zwei Wochen waren somit geplatzt.

2. KAPITEL

In einem Punkt hatte Jasmine eindeutig richtiggelegen. Es gab tatsächlich Arbeit im Kasino. Jede Menge sogar!

Meg säuberte schnell und gewissenhaft die Berge von Geschirr. Dabei versuchte sie, den Lärm des Hochbetriebs in der Großküche auszublenden. Laut riefen die Köche einander Befehle zu. Die Kellner trugen Platten mit kunstvoll arrangierten Gerichten hinaus, kamen kurz darauf zurück und stapelten die leeren Teller für Meg übereinander.

Gegen harte Arbeit hatte sie nichts einzuwenden. Sie war sogar bereit gewesen, die Schinderei der Obsternte auf sich zu nehmen. Jetzt fühlte sie sich aber wie eingesperrt in der Küche. Megs Gesicht glühte vor Hitze, und ihr blondes Haar war feucht vom Schweiß. So hatte sie sich ganz sicher nicht den Aufenthalt auf San Rinaldi vorgestellt.

Nach dem erfolglosen Gespräch im Krankenhaus hatte sie Jasmine aufgespürt und sich um einen Job beworben. Prompt händigte der Manager ihr den Dienstplan aus. Ihre Schicht ging täglich von sechs Uhr am Nachmittag bis zehn, die Bezahlung erfolgte am Ende jeder Schicht in bar. Damit blieb Meg der ganze Tag, um San Rinaldi zu erforschen. Sie verdiente gut, viel besser als bei der Obsternte. Mit Sparsamkeit und vielleicht einigen Extraschichten könnte Meg sich einen Tag in dem luxuriösen Wellness-Hotel gönnen.

Beschwingt stürzte sie sich auf das schmutzige Geschirr.

Die letzte Stunde des Arbeitstages versüßte sie sich mit Tagträumen. Seufzend malte Meg sich aus, wie sie mit dem berühmten vulkanischen Schlamm von San Rinaldi behandelt und einen Tag lang rundherum verwöhnt wurde.

„Schneller, schneller!“, drängte ihre Kollegin Antonietta entschieden, aber freundlich. Sie spülte und stellte das Geschirr zum Trocknen auf, das Meg vorher gründlich gereinigt hatte. „Alles muss weg sein, wenn die Nächsten kommen, sonst …“

Antonietta verstummte. Auch die anderen schwiegen plötzlich, als einige Männer in dunklen Anzügen eintraten.

Der Chefkoch straffte die Schultern und ging auf den Mann zu, der die Gruppe anführte. Dieser Mann hatte zwar noch kein Wort gesagt, doch Meg erkannte sofort, dass er den Ton angab. Der Schwarzhaarige war wesentlich größer als die anderen. Nicht nur deshalb stach er hervor. Er besaß eine starke Ausstrahlung und Autorität, überall hätte er die Aufmerksamkeit auf sich gezogen, nicht nur hier in der Küche.

„Wer ist das?“, flüsterte Meg ihrer Kollegin zu, während der Mann langsam die Runde machte und mit jedem Einzelnen einige Worte wechselte. Dabei schien seinen dunkelbraunen Augen nicht die geringste Kleinigkeit zu entgehen.

„Das ist der Boss“, erwiderte Antonietta leise. „Ihm gehört das Kasino. Ein Prinz.“

Meg fand es absolut verständlich, dass ein dermaßen beeindruckender Mann einer einfachen Frau wie Antonietta wie ein richtiger Prinz vorkam. Die schmeichelnde Beschreibung passte durchaus.

Am anderen Ende der Küche angelangt, unterhielt er sich mit den Angestellten. Meg erkannte, dass er sich als Eigentümer nicht nur kurz zeigen wollte, sondern tatsächlich aufmerksam zuhörte. Außerdem gab er einiges an seine Begleiter weiter, die sich eilig jedes Wort notierten.

„Er kommt oft“, erklärte Antonietta. „Will sicher sein, dass alles gut ist. Siehst du, Mario erzählt ihm von den Shrimps. Zu wenige in den letzten Tagen.“

„Was hat er damit zu tun?“, fragte sie. Weil Antonietta nur die Stirn runzelte, drückte sie sich anders aus. „Ist das nicht ein Problem der Küche?“

„Alles sein Problem“, versicherte Antonietta geradezu stolz. „Das Kasino ideal für Spielen und Arbeit. Luca sorgt dafür. Ich schon hier gearbeitet unter vier Besitzern, aber er ist der Beste. Los, arbeite“, drängte sie. „Er kommt her.“ Meg widmete sich erneut dem Geschirr, spürte jedoch die Spannung in der Luft, während der Mann sich näherte.

„Antonietta.“ Er sprach die ältere Mitarbeiterin freundlich beim Vornamen an. „Come sta?“

„Molto bene, grazie“, erwiderte Antonietta, ohne die Arbeit zu unterbrechen. Den Kopf hielt sie dabei leicht gesenkt, offenbar ein Zeichen von Respekt, auch wenn der Chef sich persönlich nach ihrem Befinden erkundigte.

Meg blickte kurz zu ihm und nickte höflich. Er erwiderte die Geste, während sie nach dem nächsten Teller griff. Sie rechnete damit, dass er einfach weiterging. Eine unwichtige Küchenhelferin, noch dazu eine Aushilfskraft wie sie, verdiente sicher nicht die gleiche Begrüßung wie Antonietta.

Der eindrucksvolle Mann blieb jedoch stehen. Meg spürte seine Nähe und seinen forschenden Blick, während er ihre Kollegin etwas in ihrer Muttersprache fragte.

Antonietta stellte Meg vor. Als er noch etwas fragte, wandte Meg sich ihm zu.

„Sie arbeitet gut“, versicherte Antonietta.

Flüchtig musterte Luca sie, woraufhin Meg ihm den Rücken kehrte und den nächsten Teller ins Spülwasser tauchte. Dabei stieg ihr Hitze ins Gesicht. Mit dem warmen Wasser oder der Anstrengung hatte es nichts zu tun. Meg errötete vor Verlegenheit. Die beiden redeten einfach über sie, als wäre sie nicht vorhanden!

Diese blonde Schönheit war Luca sofort zwischen all den dunklen Typen in der Küche aufgefallen. Auch ihr schlanker Körper zog seinen Blick auf sich.

Diese Frau gehörte nicht in die Küche. Mit ihrer zarten Figur hätte sie perfekt die besten Kleider tragen können. Der Mund mit den vollen Lippen schien dazu bestimmt, die Delikatessen zu genießen, die hier hergestellt wurden. Diese Fremde war nicht dafür geschaffen, benutzte Teller zu waschen.

Die Arbeit schien ihr jedoch nichts auszumachen. Die Fremde arbeitete mit vollem Einsatz, ganz anders als viele Aushilfskräfte, die sich nur als Besucher auf der Insel aufhielten. Erst vorhin hatte Luca eine getroffen, die von sich selbst zu eingenommen war, um richtig anzupacken.

Diese Frau dagegen war wirklich zu gut für die Schmutzarbeit. Offenbar dachte diese Meg aber anders. Und jetzt wandte sie ihm auch noch den Rücken zu, als würde er sie nicht im Geringsten interessieren.

Luca spürte die Betroffenheit seiner Mitarbeiter in der Küche. Antonietta wirkte geradezu verstört. Indem Meg ihn missachtete und weiterarbeitete, verstieß sie grob gegen das Protokoll. Doch anstatt sich zu ärgern und zu verlangen, dass sie ihn gefälligst ansah, lächelte er und trat einen Schritt näher.

Sofort fiel ihm ein feiner Duft auf, der ihm direkt zu Kopf stieg. Am liebsten hätte Luca ihr die Hand auf die Schulter gelegt und Meg zu sich gedreht. Doch er widerstand der Versuchung. Das hatte bis später Zeit – und es würde ganz sicher ein Später geben.

Für ihn stand das fest. Er gehörte zu den Männern, die stets ihren Willen durchsetzten. Keine Frau konnte einer Mischung aus Reichtum, Macht und verteufelt gutem Aussehen widerstehen … zumindest nicht lange. Und Luca genoss es, Frauen für sich zu gewinnen, wenn es ihm auch nicht besonders schwerfiel. Allerdings entsprach es nicht seinem Stil, sich mit einer Hilfskraft einzulassen. Darum ließ er sich sofort eine Lösung einfallen.

„Wir brauchen Blondinen oben im Kasino“, sagte er zu der Fremden in ihrer Muttersprache. „Kommen Sie morgen zu mir. Dann sprechen wir über die Möglichkeiten und …“

„Nein danke“, fiel Meg ihm ins Wort. Weder drehte sie sich um, noch sah sie ihn an. Aber sie spülte nun schneller, so zornig war sie über die Unverschämtheit dieses Mannes.

„Ich biete Ihnen einen raschen Aufstieg an“, gab Luca zu bedenken.

„Den ich dankend ablehne“, stieß sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und griff nach dem kurzen Schlauch, mit dem sie die gröbsten Reste von den Tellern spülte. Sie hatte nicht übel Lust, den Wasserstrahl auf den Chef höchstpersönlich zu richten. Nur eine kleine Bewegung und …

Luca ließ sich nicht abweisen. „Drehen Sie sich um und sehen Sie mich an, wenn ich mit Ihnen spreche!“, verlangte er in jenem Befehlston, gegen den sich auf der Insel wohl niemand zur Wehr setzte.

Warum nicht? Meg drehte den Kopf und wollte diesem Menschen gehörig die Meinung sagen. Sollte er ruhig wissen, was sie von seinem Macho-Gehabe hielt. Hitzig wandte Meg sich ihm zu – und brachte kein Wort hervor.

Er sah umwerfend gut aus. Seine überwältigende Ausstrahlung nahm Meg den Atem. Ihr kam es vor, als würde sie ungeschützt in die Sonne blicken. Es wäre nur vernünftig gewesen wegzusehen, um sich zu schützen. Doch Meg konnte es nicht. Stattdessen ließ sie den Blick über sein pechschwarzes Haar und sein verwegen geschnittenes Gesicht gleiten. Mit dem Dreitagebart ähnelte er einem südländischen Banditen – einem hinreißenden und dadurch umso gefährlicheren Banditen.

Vorsicht, höchste Gefahr!

Der Verstand warnte Meg mit der Eindringlichkeit einer Alarmsirene. Trotzdem drang es nicht durch. Der Chef fixierte Meg seinerseits. Unter dieser eingehenden Musterung wurde ihr heiß und heißer. Plötzlich fragte Meg sich sogar, wie es sich wohl anfühlte, wenn er sie berührte und seine Finger über sie streichen ließ.

„Ich arbeite lieber in der Küche“, bestärkte sie ihre Meinung. Nur hörte es sich bei Weitem nicht mehr so energisch und entschlossen an, wie es eigentlich klingen sollte.

Luca achtete gar nicht auf den Einwand. „Sie arbeiten da, wo ich Sie einteile“, entschied er gebieterisch. „Kommen Sie morgen zu mir. Sagen Sie den Mitarbeitern vom Sicherheitsdienst, wer Sie sind. Dann wird man Ihnen den Weg zeigen. Ach ja – ziehen Sie etwas Nettes an.“

Bis Luca mit seinem Begleiterstab die Küche verlassen hatte, wartete Antoinetta. „Du hast vielleicht ein Glück“, meinte sie dann strahlend. „Ab morgen wirst du oben im Kasino arbeiten!“

Statt weiterzuarbeiten, richteten alle neugierig den Blick auf Meg und warteten auf ihre Reaktion.

„Ich will aber nicht“, widersprach sie. „Und das habe ich ihm doch klar und deutlich gesagt, oder?“

Antonietta schüttelte entschieden den Kopf. „Du wirst dich danach richten, was Luca verlangt“, erklärte sie mit Nachdruck. „Du wirst zu ihm gehen, wie er dir befohlen hat.“

„Er kann befehlen, was er will“, wehrte Meg zornig ab und entledigte sich der Schürze. Die Schicht war beendet, Meg meldete sich bei der Küchenaufsicht ab und erhielt ihren Tageslohn.

Heute hatte sie zum ersten und letzten Mal in der Küche des Kasinos von San Rinaldi gearbeitet, das stand für sie fest. Wenn sie sich morgen beim Chef nicht wegen der angekündigten Beförderung meldete, würde man Meg nicht mehr beschäftigen.

Die Aussicht, wieder ohne Arbeit dazustehen, störte sie nicht am meisten. Weit mehr beschäftigte sie, wie stark dieser Mann sie beeindruckte. Und noch irritierender fand sie, dass sie tatsächlich mit dem Gedanken spielte, am nächsten Tag zu ihm zu gehen.

Völlig durcheinander floh Meg geradezu zu dem Zimmer, das man ihr zugewiesen hatte. Trotzdem konnte sie den Gefühlen nicht entkommen, die sie mit einem Mal beherrschten.

Mit einem Blick und wenigen Worten war es Luca gelungen, tief in ihr etwas zu berühren. Er hatte Gefühle geweckt, die verschüttet lagen und es bleiben sollten.

Im Nachhinein erschien es Meg, als hätte er sie in der Küche mit Blicken ausgezogen. Er hatte sie entblößt, bis sie schutzlos und verwundbar war. Dass so etwas passieren könnte, hätte sie nie geglaubt. Und doch kam es ihr vor, als hätte er sie geliebt, ohne sie überhaupt zu berühren. Verrückt, dachte Meg kopfschüttelnd.

Morgen früh wollte sie sofort ihre Sachen packen, nach Mont Avellana fahren und dort Arbeit in den Weinbergen oder den Orangenhainen suchen.

Von Jasmine hatte sie ohnehin genug. Nein, ich laufe nicht vor diesem Mann weg, redete Meg sich ein, während sie mit zittriger Hand den Schlüssel ins Schloss steckte. Vor allem will ich die Kontrolle über mein Leben behalten.

3. KAPITEL

„Jetzt komm schon, Meg“, drängte Jasmine. „Du musst locker werden. Gönn dir etwas Spaß!“

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