Verlieb dich nie in einen Herzensbrecher!

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Für Daisy ist es die große Liebe - für den faszinierenden Playboy Alex Antonides nur eine kurze Affäre. Nach einem unvergesslichen Liebeswochenende, an dem Daisy schon von Heirat träumt, bleibt sie mit gebrochenem Herzen zurück. Erst Jahre später steht Alex plötzlich wieder vor ihr - mit dem verführerischsten Lächeln der Welt. Und obwohl Daisy weiß, dass es für sie und ihn niemals eine gemeinsame Zukunft geben kann, sehnt sie sich plötzlich mehr denn je nach seinen Küssen. Doch sie darf sich nicht erlauben, schwach zu werden. Denn Alex hat eine ungeheure Bitte an sie …


  • Erscheinungstag 05.06.2017
  • ISBN / Artikelnummer 9783733776350
  • Seitenanzahl 130
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. KAPITEL

Stirnrunzelnd betrachtete Alexandros Antonides die zerknitterte Quittung mit dem Namen, der Adresse und einer Telefonnummer auf der Rückseite. Nicht zum ersten Mal fragte er sich, weshalb er den Zettel überhaupt aufbewahrte. Was um alles in der Welt sollte er mit einer Heiratsvermittlerin?

Er schaute aus dem Taxifenster auf den Freitagnachmittagsverkehr, dann warf er einen Blick auf die Armbanduhr. Halb vier, und sie steckten immer noch im Zentrum Manhattans. Das Intelligenteste wäre, den Chauffeur anzuweisen, nach Brooklyn zu seiner Wohnung zu fahren.

Aber dann ließ er es doch bleiben. Stattdessen lehnte er sich zurück und glättete erneut das Stückchen Papier in seiner Hand. Daisy Connolly …

Sein Cousin Lukas hatte Namen und Anschrift für ihn notiert, als sie sich letzten Monat bei einem Familientreffen gesehen hatten. „Ruf sie an. Ich bin sicher, sie findet die richtige Frau für dich.“

„Wie kommst du darauf?“ Wohl kaum aus eigener Erfahrung, dachte er bei sich. Soviel er wusste, war Lukas weder verlobt noch verheiratet.

„Weil ihr das schon mehrmals gelungen ist. Sie muss einen sechsten Sinn haben, wenn es darum geht, den richtigen Partner zu finden. Und getäuscht hat sie sich noch nie. An deiner Stelle würde ich es mit ihr versuchen. Es sei denn …“, er zwinkerte, „… du willst gar nicht heiraten. Könnte ja sein, dass du Angst vor der eigenen Courage hast. Was meint ihr?“, fragte er an seine Brüder gewandt.

Elias und P. J. grinsten vielsagend.

Worauf Alex alle drei mit einem vernichtenden Blick bedachte. „Schön. Sollte ich mit meiner Weisheit am Ende sein, schaue ich bei deiner Bekannten vorbei, Lukas.“

„Wie viele Anwärterinnen hast du denn bisher unter die Lupe genommen?“

„Fünf.“

„Fünf! Und das in knapp einem Jahr?“

Alex schwieg. Die letzte, eine gewisse Imogen, wäre ideal gewesen. Sie war attraktiv und intelligent und ebenso wenig wie er an einer Liebesheirat interessiert. Zumindest hatte sie das behauptet – und sich dann prompt in einen Kerl verliebt, der ihr das Blaue vom Himmel versprach. „Sei nicht böse, Alex, aber er ist der Mann meiner Träume, wir heiraten in einem Monat.“ Und das war das Ende von Imogen. Nun, seinen Segen hatte sie.

„Mir scheint, das bist du schon“, meinte Lukas nachdenklich.

Was bin ich schon?“

„Mit deiner Weisheit am Ende.“

Achselzuckend wandte er sich ab. Er wollte nicht die perfekte Ehefrau, lediglich eine geeignete Gefährtin. Er war fünfunddreißig – nach Ansicht der Familie im richtigen Heiratsalter.

Denn die Männer seiner Familie heirateten durchweg, kein Antonides blieb ledig. Sie genossen ihre Freiheit in vollen Zügen, aber früher oder später landete jeder vor dem Traualtar. Es war Tradition.

Früher hatte er geglaubt, dass er mit dieser Tradition brechen würde. Er mochte Frauen und sah nicht ein, weshalb er sich auf eine beschränken sollte.

Doch seit einiger Zeit stellte er fest, dass das Jagdfieber von einst nachgelassen hatte. Immer öfter kam er zu dem Schluss, dass sich der ganze Aufwand nicht lohnte. Statt sich wie früher die Nächte um die Ohren zu schlagen, verbrachte er seine Abende jetzt lieber am Zeichenbrett, um Wohnhäuser oder futuristische Gebäude zu entwerfen.

Sex war kein Problem, denn Gelegenheiten für One-Night-Stands gab es mehr als genug. Aber auch die hatten nicht mehr den gleichen Reiz wie früher. Wie jeder Antonides erkannte Alex, dass im Leben eines Mannes der Moment kommt, alte Gewohnheiten abzulegen und erwachsen zu werden. Mit anderen Worten, in den Ehestand zu treten.

Für ihn war dieser Moment jetzt gekommen. Was fehlte, war die passende Gefährtin für eine unkomplizierte Lebensgemeinschaft ohne tiefschürfende Gefühle und ohne Kinder. Eine Frau, die ihre eigenen beruflichen Ziele verfolgte und ihn bei gesellschaftlichen Anlässen begleitete; mit der er Tisch und Bett teilte, wenn sie nicht gerade beruflich unterwegs waren. Da sich seine Junggesellenwohnung über den Büroräumen seiner Firma für ein Zusammenleben kaum eignete, war er bereit, seiner Zukünftigen ein eigenes Apartment zu kaufen. Wie groß und in welcher Gegend, darüber konnte sie selbst entscheiden, er war ein entgegenkommender Mensch.

Offenbar nicht entgegenkommend genug, denn bis jetzt war die Suche erfolglos geblieben. Woran es lag, war ihm ein Rätsel. Er stellte weiß Gott keine übertriebenen Ansprüche.

Die drei letzten Damen – Karrierefrauen um die Dreißig mit einem ebenso hektischen Lebensstil wie seinem – waren vielversprechend gewesen. Alle drei hätten eine ideale Gefährtin abgeben können. Hätten.

Wie sich herausstellte, dachten sowohl die Rechtsanwältin wie auch die Zahnärztin und die Börsenmaklerin im Grunde nur daran, die Karriere an den Nagel zu hängen und Kinder zu bekommen.

So kann man sich täuschen, ging es Alex jetzt durch den Kopf, während er erneut auf den Namen auf dem Zettel starrte. Daisy …

War es Zufall oder Vorsehung?

Vor fünf Jahren hatte es in seinem Leben eine Daisy gegeben. Honigblond, mit tiefblauen Augen. Er erinnerte sich an eine samtweiche Stimme und ein melodisches Lachen, leise Seufzer und heiße Küsse. Jene Daisy hatte ihn heiraten wollen – würde diese Daisy womöglich die geeignete Frau für ihn finden?

Weshalb scheute er eigentlich vor der Idee zurück, eine Heiratsvermittlerin einzuschalten? Im Grunde war das nichts anderes als Delegieren; Aufgaben, für die er selbst keine Zeit fand, anderen zu übertragen. In seinem Architekturbüro machte er das tagtäglich.

Miss oder Mrs Connolly würde Kontakte herstellen und eine Vorauswahl treffen, nach den Kriterien, die er aufstellte. Das war nicht nur effizient, es ersparte ihm unangenehme Überraschungen wie die der letzten Wochen. Selbstredend blieb die endgültige Entscheidung ihm überlassen.

Lukas hatte recht: Daisy Connolly war die beste Lösung – warum hatte er sie nicht schon längst konsultiert? Vermutlich lag es an seinem chronischen Zeitmangel.

Zwanzig Minuten später hielt das Taxi an der gewünschten Adresse. Er zahlte und stieg aus. Einen Termin hatte er nicht vereinbart, und so hoffte er, dass er nicht umsonst gekommen war.

Die Straße mit den drei- und vierstöckigen braunen Sandsteinhäusern machte einen ruhigen und gepflegten Eindruck. Jetzt, Anfang Oktober, leuchtete das Laub an den Bäumen entlang der Bürgersteige in den verschiedensten Schattierungen von Gold und Orange. Es war ein schönes Bild, an dem sich der Architekt in ihm erfreute.

Als er vor drei Jahren den Sitz seiner Firma von Europa nach New York verlegte, hatte er sich auf der Suche nach einer Wohnung für ein Apartment im zwanzigsten Stock eines Wolkenkratzers entschieden. Von dort bot sich ihm ein beeindruckender Ausblick auf die Stadt. Gleichzeitig fühle er sich von den Geschehnissen um ihn her ausgeschlossen.

Ein Jahr später erteilte ihm ein Kunde den Auftrag, in Brooklyn ein Bürogebäude aus der Vorkriegszeit abzureißen, um es durch ein modernes Hochhaus zu ersetzen. Alex begutachtete das altmodische Haus und wusste sofort, dass er gefunden hatte, wonach er suchte – eine anspruchsvolle Aufgabe und eine Wohngegend nach seinem Geschmack. Er fand ein anderes Grundstück für das Hochhaus, dann erwarb und sanierte er das alte Gebäude. Jetzt beherbergte es die Geschäftsräume seiner Firma und im dritten Stock sein Apartment. Er fühlte sich nicht länger isoliert, er war, wo er sein wollte.

Daisy Connollys Straße besaß ein ähnliches Flair. Nicht weit entfernt von ihrem Haus befand sich ein Waschsalon, gegenüber ein kleines Restaurant. Auf einem unbebauten Grundstück zwischen zwei Häusern lag ein Kinderspielplatz mit Kletterstangen und einer Rutschbahn. An dem danebenstehenden Wohnhaus hing ein diskretes Messingschild mit den Sprechstundenzeiten eines Chiropraktikers.

Offerierten Heiratsvermittler ihre Dienste auch mithilfe eines Firmenschilds? Er warf einen Blick auf die Fassade von Ms Connollys Haus und atmete insgeheim auf. Kein Schild! Abgesehen von der helleren Farbe unterschied es sich in nichts von seinen Nachbarn. Altmodische weiße Spitzenvorhänge zierten die Fenster im Erdgeschoss, wo sich vermutlich ihre Büroräume befanden. Der erste Eindruck war positiv.

Alex rückte die Krawatte zurecht, stieg die Stufen zum Eingang hinauf und betrat ein winziges Foyer. Auf dem Briefkasten mit der Hausnummer eins las er den Namen Daisy Connolly. Resolut drückte er auf den Klingelknopf daneben.

Eine halbe Minute blieb alles still. Ungeduldig verlagerte er das Gewicht. Hatte er seine kostbare Zeit doch verschwendet?

Er war im Begriff zu gehen, als er Geräusche im Flur vernahm. Dann wurde die Tür von innen aufgemacht, und eine junge Frau erschien in der Öffnung, ein Lächeln auf den Lippen. „Hi, Phil …“ Im nächsten Moment wurde sie kreideweiß.

„Alex!“

Honigblondes Haar. Tiefblaue Augen. Die Erinnerung an heiße Küsse …

„Daisy?“

Er kann es nicht sein! Ich sehe Gespenster!

Und doch war er es, daran bestand kein Zweifel. Hochgewachsen, athletisch, umwerfend wie eh und je. Es war keine Einbildung.

Warum, oh warum hatte sie nicht aus dem Fenster geschaut, bevor sie die Tür geöffnet hatte? Ganz einfach – nie wäre ihr in den Sinn gekommen, dass er jemals wieder auftauchen könnte.

Sie hatte Phil erwartet – Philip Cannavarro. Er hatte sich telefonisch angekündigt, um die Fotos abzuholen, die sie letzten Monat von ihm, Lottie und ihren drei Kindern im Park gemacht hatte. Als es klingelte, war sie mit dem Album zur Tür geeilt.

Jetzt entglitt es ihren gefühllosen Fingern, während sie Alex fassungslos anstarrte. Auch er rührte sich nicht. Ganz offensichtlich war er ebenso überrascht wie sie.

Ihr Herz klopfte zum Zerspringen. Schnell bückte sie sich, um die verstreuten Bilder einzusammeln. Was wollte er hier? Warum stand er nach fünf Jahren plötzlich vor ihrer Tür?

Aus den Augenwinkeln sah sie, dass er neben ihr kauerte und beim Einsammeln mithalf.

„Rühr sie nicht an! Das erledige ich selbst.“ Sie versuchte, ihm die Fotos zu entreißen, doch er zog die Hand zurück. „Nein.“

Daisy zuckte zusammen. Ein einziges Wort, das gleiche wie damals. Im gleichen Ton, mit derselben Bestimmtheit. Vor fünf Jahren hatte er mit dieser einen Silbe ihre Welt zum Einsturz gebracht.

Dennoch rieselte ihr beim Klang seiner Stimme ein Schauer über den Rücken. Der samtige Bariton mit dem leichten Akzent hatte sie damals sofort verzaubert. Es war Liebe auf den ersten Blick gewesen, und sie, naiv und verblendet, hatte geglaubt, dass es auf Gegenseitigkeit beruhte.

Sie griff nach dem letzten Foto und stand auf. „Was willst du?“, fragte sie schroff.

Alex erhob sich ebenfalls. Immer noch fassungslos, schüttelte er den Kopf. „Bist du es wirklich?“ Er schnitt eine Grimasse. „Natürlich bist du es, das sehe ich, nur … Connolly?“

Daisy hob das Kinn. „So heiße ich. Warum?“

Bevor er antworten konnte, eilte jemand die Stufen herauf und betrat das Foyer. „Phil!“, rief sie aufatmend „Komm rein.“ Sie zog die Haustür weiter auf.

Alex drehte sich um und starrte den Fremden an. „Wer ist das?“

Erstaunt sah Phil von ihm zu Daisy – weder sein schroffer Ton noch Daisys Erleichterung entging ihm. „Entschuldige, wenn ich störe, ich wollte nur …

„Natürlich störst du nicht“, fiel sie ihm ins Wort. „Als es klingelte, dachte ich, du bist es, nicht …“ Sie verstummte und schaute auf die Fotos in ihrer Hand. „Das Album ist mir versehentlich aus der Hand gerutscht, und dabei sind die Bilder rausgefallen. Aber das bringe ich wieder in Ordnung. Es … es tut mir leid.“

„Mach dir keine Sorgen, Daisy. Lottie und ich können das auch.“ Er streckte die Hand danach aus.

Sie schüttelte den Kopf. „Das kommt überhaupt nicht infrage.“ Phil und Lottie waren alte Freunde, das erste Paar, das sie erfolgreich zusammengeführt hatte. „Morgen bin ich beschäftigt, aber übermorgen nehme ich es mir vor, das verspreche ich.“

„Es macht uns wirklich nichts aus.“ Phil zögerte. „Du kennst Lottie, sie kann es kaum erwarten, die Fotos zu sehen und …“

„Hier.“ Daisy drückte ihm die Bilder ohne das Album in die Hand. „Sag ihr, die sind nur vorübergehend. Ich drucke sie neu aus, damit ihr ein einwandfreies Album bekommt. Ich schicke es euch nach Hause, per Eilbote. Sag Lotti, sie hat es spätestens in zwei Tagen. Sag ihr …“ Sie brach ab, um nicht noch länger zu schwafeln.

„Na gut, wie du möchtest.“ Er steckte die Bilder in seine Aktentasche. „Ist alles in Ordnung, Daisy?“

„Natürlich.“ Sie zwang sich zu einem Lächeln. Phil und Lottie sagten immer, dass nichts sie aus der Ruhe bringen konnte, und meistens stimmte das auch. Jetzt war sie jedoch alles andere als ruhig, wofür sie sich bei Alex bedanken konnte. Seine Wirkung auf sie war anscheinend noch die gleiche.

„Daisy fehlt nichts, sie hatte nur eine kleine Überraschung“, hörte sie Alex jetzt an Phil gewandt sagen. Dabei legte er ihr einen Arm um die Schultern.

Sie zuckte zusammen, als hätte er sie mit einem glühenden Eisen berührt – viel zu gut erinnerte sie sich an seine Umarmungen. Steif wie ein Brett verharrte sie, denn wegstoßen konnte sie ihn kaum: Was würde Phil sich dabei denken?

„Ich kümmere mich um sie, keine Angst.“, versicherte Alex. Gleichzeitig drängte er Daisys Bekannten unmerklich etwas näher zum Ausgang. Phil verstand – niemand konnte sagen, dass er begriffsstutzig war.

„Dann mache ich mich jetzt auf den Weg“, meinte er nur. „Ich sage Lottie wegen des Albums Bescheid, Daisy. Bis demnächst.“ Er nickte kurz und ging.

Als die Tür ins Schloss fiel, schüttelte Daisy Alex’ Arm ab und entfernte sich ein paar Schritte. „Was willst du von mir, Alex?“, fragte sie schroff, während sie die Arme vor der Brust verschränkte.

Ein Lächeln umspielte seinen Mund. „Ich bin auf der Suche nach einer Ehefrau.“

Wie bitte? Sprachlos starrte sie ihn an.

Alex schmunzelte. „Das sollte kein Heiratsantrag sein, Daisy.“

„Da…das ist mir klar.“ Sie presste die Lippen zusammen. Wären seine Worte nicht so schmerzhaft, hätte sie laut gelacht. Stattdessen erwiderte sie: „Dann wünsche ich dir viel Erfolg.“

Alex versteifte sich unmerklich. „Ich kann mir denken, dass es dich überrascht, aber …“ Er sprach den Satz nicht zu Ende.

Daisy drehte den Kopf zur Seite. Sie wusste, worauf er anspielte, aber bevor sie ihm die Genugtuung gab, darauf einzugehen, biss sie sich lieber auf die Zunge. So selbstquälerisch war sie denn doch nicht.

Sie und Alex hatten sich vor fünf Jahren auf einer Hochzeit kennengelernt, bei der sie eine der Brautjungfern war und er Trauzeuge des Bräutigams. Ihre Blicke trafen sich, der Funke sprang über, und von da an hatten sie und er nur noch Augen für den anderen. Sie tanzten, sie flirteten, sie lachten … Die gegenseitige Anziehungskraft war stärker als der stärkste Magnet gewesen.

Das also ist sie, die große Liebe, hatte Daisy fasziniert gedacht. Nicht eine Minute hatte sie daran gezweifelt, dass Alex und sie füreinander bestimmt waren. Sie hatte nie so recht daran glauben wollen, obwohl ihre Eltern das beste Beispiel waren, dass es sie gab. Mehr als einmal hatte ihre Mutter beschrieben, wie es ist, wenn man dem Mann fürs Leben begegnet: „Man spürt es sofort, man weiß es einfach“, versicherte sie.

Und genau so war es ihr ergangen. Tief innen wusste sie, dass es für sie keinen anderen geben konnte als ihn. Und nicht eine Sekunde zweifelte sie daran, dass er für sie das Gleiche empfand.

Natürlich sagte sie das nicht laut – sie kannten sich schließlich erst wenige Stunden. Doch das hinderte sie nicht daran, die ganze Zeit auf Wolke sieben zu schweben; zu wünschen, der Nachmittag würde nie enden. Als Alex später fragte, ob er sie nach Hause bringen könne, stimmte sie glücklich zu: Es war nur ein weiterer Beweis, dass seine und ihre Gefühle identisch waren.

Auf dem Heimweg in der U-Bahn erzählte er ihr, dass er als Architekt für einen multinationalen Konzern arbeitete, demnächst aber selbst ein Architektenbüro eröffnen wollte, um eigene Ideen umzusetzen. Seine Augen leuchteten, als er beschrieb, wie er Modernes mit Überliefertem, Schönheit mit Zweckmäßigkeit kombinieren würde. „Nicht nur Menschen, auch Gebäude haben eine Seele. Zumindest sollten sie das“, schloss er.

Sein Enthusiasmus war so ansteckend gewesen, dass auch sie ihm ihre Zukunftspläne anvertraute. Sie war Praktikantin bei einem renommierten Modefotografen, Finn MacCauley. „Er ist fantastisch, und ich lerne unheimlich viel bei ihm. Aber mein Traum ist, Menschen zu fotografieren. Keine Models, ganz normale Leute. Daheim, bei der Arbeit, beim Sport. Kinder mit ihren Eltern … In der Richtung etwa. Dich würde ich auch gern fotografieren.“

„Wann immer du möchtest.“

Später, auf dem Bürgersteig, war er stehen geblieben, hatte ihre Hand in seine genommen und Daisy sanft geküsst. Es war kein leidenschaftlicher Kuss gewesen, mehr ein Versprechen auf das, was folgen würde. Ihre Erfahrung mit dem männlichen Geschlecht war begrenzt. Genau genommen hatte sie bisher nur ein Mal Sex gehabt, und den Wunsch nach mehr hatte das Erlebnis nicht geweckt. Aber mit den Empfindungen, die Alex in ihr weckte, hatte es nicht die geringste Ähnlichkeit. Plötzlich konnte sie es kaum noch erwarten, mit ihm allein zu sein.

Dennoch verspürte sie zunächst eine gewisse Scheu, als sie ihr kleines Apartment in Soho betraten. Um ihre Befangenheit zu überspielen, zückte sie die Kamera. „Darf ich?“, fragte sie.

Alex sah ihr tief in die Augen. „Nur zu“, erwiderte er mit einem Anflug von Spott. „Wenn dir danach der Sinn steht …“

Und obwohl ihnen beiden der Sinn nach anderen Dingen stand, ließ er sie eine Weile gewähren. Für Daisy war es wie Vorspiel, erotisch und erregend. Das Blut rauschte in ihren Adern, während sie ihn fotografierte, von vorn, im Profil, im Sitzen, im Stehen … Bis er ihr schließlich den Apparat aus der Hand nahm, um sie an sich zu ziehen. Ungeduldig schlüpfte er aus dem Jackett und warf es aufs Sofa. Sie knöpfte sein Hemd auf, während er den Reißverschluss in ihrem Rücken herunterzog. Doch bevor er ihr das Kleid abstreifte, griff er selbst nach der Kamera. Dann stellte er den Selbstauslöser ein, zog sie in die Arme und küsste sie.

Die Erinnerung an das Bild verfolgte sie heute noch.

Damals verschwendete sie keinen Gedanken daran. Innerhalb von Sekunden entledigten sie sich der restlichen Kleidung, und dann waren sie endlich, wo sie beide sein wollten – in ihrem Bett.

Er liebkoste sie, bis ihr fast die Sinne schwanden. Jeden Zentimeter ihres Körpers erforschte er, mit den Händen, den Lippen, der Zungenspitze, bis sie vor Wonne stöhnte. Befangenheit oder Hemmungen existierten nicht mehr, leidenschaftlich erwiderte sie seine Zärtlichkeiten. Was sie empfand, war unbeschreiblich. Und als sie gemeinsam den Gipfel der Ekstase erreichten und sie danach erschöpft in seinen Armen ruhte, eine Wange an seine Brust geschmiegt, wusste Daisy, dass Alex in jeder Hinsicht der Richtige war.

Eng umschlungen sprachen sie stundenlang über alles, was sie bewegte; erzählten sich gegenseitig aus ihrem Leben. Sie berichtete von ihrer ersten Kamera, einem Geschenk ihres Großvaters an ihrem siebten Geburtstag, er von seiner ersten Bergbesteigung und seinem Gefühl, auf dem Gipfel der Welt zu stehen. Sie sprach von ihrem Vater, den sie vor sechs Monaten verloren hatte und immer noch schmerzhaft vermisste, er von seinem Bruder, der mit dreizehn an Leukämie starb, als er selbst neun Jahre alt war. Sie trösteten sich gegenseitig, liebkosten und küssten sich, dann liebten sie sich aufs Neue.

Die Stunden verflogen, eine zauberhafter als die andere. Daisy dachte an die Jahre, die vor ihnen lagen, die Kinder, die sie haben würden … Das Leben mit dem Mann ihrer Träume erschien ihr wie ein langer goldener Pfad.

Der Sonntag dämmerte bereits, als sie endlich einschliefen. Als Daisy endlich die Augen aufschlug und auf die Uhr schaute, war es fast zehn. Halb zugedeckt lag Alex fest schlafend neben ihr. Sie betrachtete das zerzauste schwarze Haar, die markanten Züge, die muskulöse Brust. Wie schön er war! Stundenlang könnte sie ihn so betrachten. Sie dachte an die Liebkosungen, mit denen sie sich gegenseitig verwöhnt hatten, an die Momente höchster Glückseligkeit, und war versucht, ihn mit einem Kuss zu wecken.

Später, dachte sie, nach dem Frühstück.

Vorsichtig, um seinen Schlaf nicht zu stören, stand sie auf. Sie hatten noch den halben Sonntag vor sich – am frühen Abend ging, wie er ihr mitgeteilt hatte, sein Flug nach Paris, wo er den nächsten Monat verbringen würde. Vier Wochen ohne ihn … Die Vorstellung allein war abscheulich, doch sie tröstete sich mit dem Gedanken an seine Rückkehr. Vielleicht könnte sie vorher noch für ein Wochenende nach Paris fliegen. Das wollte sie sowieso schon lange, sie war noch nie dort gewesen.

Während sie in der Küche das Frühstück zubereitete – Eier mit Speck und Toast – sah sie sich und ihn bereits am linken Seine-Ufer entlang spazieren oder auf den Champs-Élysées, in einem Straßencafé bei einem Espresso …

Zwei starke Arme schlangen sich um sie, und sie fühlte seinen warmen Atem im Nacken. „Guten Morgen“, murmelte er verschlafen.

„Guten Morgen.“ Lächelnd drehte sich zu ihm. „Ausgeschlafen?“

„Mmm …“ Er gab ihr einen langen sinnlichen Kuss, dann murmelte er: „Komm zu Bett, das Frühstück kann warten.“

Sie lachte, dann löste sie sich widerstrebend aus der Umarmung. „Später. Erst wird gegessen.“

Danach verbrachten sie mehrere sehr angenehme Stunden.

Endlich setzte er sich auf und schwang die Beine aus dem Bett. „Jetzt brauche ich dringend eine Dusche.“ Er legte den Kopf zur Seite und grinste. „Willst du mir nicht Gesellschaft leisten?“

„Mit dem größten Vergnügen.“

Die nächsten dreißig Minuten wurden für Daisy eine Lektion in Erotik, die alles übertraf, was sie je darüber gelesen oder gehört hatte. Sie endete erst, als der Warmwasserbehälter leer war.

Beim Ankleiden im Schlafzimmer warf Alex einen bedauernden Blick auf das zerwühlte Bett. „Schade, aber wenn ich den Flug nicht verpassen will, muss ich mich beeilen.“

Daisy schlüpfte in Jeans und Pullover „Ich bringe dich zum Flughafen.“

„Wozu? Bisher habe ich den Weg noch immer allein gefunden.“

„Das bezweifle ich nicht, aber jetzt bist du nicht mehr allein.“ Sie lächelte verführerisch.

Während der Taxifahrt küsste er sie, bis ihr der Atem verging. Und wenn schon, dachte sie, zum Luftholen habe ich einen ganzen Monat lang Zeit.

Spielerisch biss sie ihn ins Ohrläppchen. „Du fehlst mir jetzt schon“, flüsterte sie. „Ist es nicht wundervoll, dass wir uns gefunden haben? Ich wollte nie so recht daran glauben, aber du hast mich überzeugt.“

„Woran wolltest du nicht glauben?“

„An die große Liebe.“ Sie gab ihm einen Kuss auf die Wange, dann seufzte sie leise. „Ich hoffe nur, dass uns mehr Jahre beschieden sind als Mom und Dad.“

Alex drehte sich zu ihr. Ein merkwürdig wachsamer Ausdruck erschien ihn seinen Augen. „Wovon redest du?“

„Von meinen Eltern. Bei ihnen war es genauso. Als sie sich begegneten, wussten sie sofort, dass sie zusammengehören.“ Sie schwieg. „Sechsundzwanzig Jahre waren ihnen vergönnt statt der fünfzig oder sechzig, die es hätten sein sollen.“

Alex rührte sich nicht.

„Stimmt etwas nicht?“, fragte sie.

Er schluckte ein paarmal – noch heute erinnerte sie sich an das Auf und Ab des Adamsapfels. „Du … du sprichst von Heirat, habe ich recht?“

Sie nickte. „Natürlich. Wovon sonst?“

Er holte tief Atem, dann brachte er mit einem einzigen Wort ihre Welt zum Einsturz. „Nein.“ Als er ihr Gesicht sah, fügte er hinzu: „Ich spreche von mir, nicht von dir.“

Verständnislos sah sie ihn an. Seine Züge glichen einer Maske, sie erkannte ihn kaum wieder. „Wa…was soll das heißen?“, stammelte sie.

„Es heißt, dass ich nicht vorhabe, jemals zu heiraten.“

„Aber …“

„Nein.“ Es klang wie ein Peitschenknall. „Weder Kinder noch Ehe … Jemanden lieben und dann verlieren – nie wieder!“

„Du … du meinst, weil dein Bruder …“ Daisy verstand nicht, wie er so denken konnte. Bis zu Dads Tod waren ihre Eltern so glücklich miteinander gewesen, wie man sich nur wünschen konnte. Noch heute versicherte ihre Mutter, dass das gemeinsame Glück sie für all das Leid während seiner langen Krankheit und nach seinem viel zu frühen Hinscheiden mehr als entschädigte. Sie nahm es in Kauf für das, was sie miteinander geteilt hatten.

Sie versuchte, Alex begreiflich zu machen, dass Liebe und Verlust manchmal Hand in Hand gingen, doch er hörte nicht zu.

„Es steht dir frei, so zu denken. Was mich betrifft, ich gehe dieses Risiko nicht ein“, entgegnete er.

„Und … und gestern Nacht? Heute Morgen … Bedeutet das nichts?“ Sie wusste, sie klammerte sich an Strohhalme, doch das war ihr gleichgültig.

„Du warst fantastisch.“ Er sah sie an, dann wandte er sich ab.

Der Rest der Fahrt verlief schweigend. Die Hände zu Fäusten geballt, schaute Alex beharrlich aus dem Fenster, während Daisy fieberhaft überlegte, wie sie ihn doch noch überzeugen könnte, sich selbst und ihr eine Chance zu geben.

„V…vielleicht ging alles zu schnell“, sagte sie zögernd, als das Taxi am Flughafen anhielt. „Wenn du zurückkommst …“

„Nein.“ Er drehte sich zu ihr. „Ich komme nicht zurück, Daisy. Du und ich, wir wollen nicht das Gleiche.“

Und so hatte es geendet. Er war aus dem Taxi gestiegen und in die Flughafenhalle gegangen, ohne sich noch einmal umzudrehen. Danach hatte sie nichts mehr von ihm gehört oder gesehen. Bis vor einer halben Stunde …

Verstohlen musterte sie ihn. Er sah noch genauso umwerfend aus wie damals – breitschultrig, schmalhüftig, athletisch. Das schwarze Haar war ein wenig kürzer geschnitten, aber genauso dicht wie früher; der Kontrast zwischen den hellgrünen Augen und dem gebräunten Teint so außergewöhnlich wie eh und je. Er trug einen tadellos sitzenden dunkelgrauen Anzug mit einem hellblauen Hemd und einer Seidenkrawatte, deren Knoten etwas gelockert war. So, wie er vor ihr stand, war Alexandros Antonides der Inbegriff des erfolgreichen jungen Geschäftsmanns. Um den wohlgeformten Mund spielte das gleiche sinnliche Lächeln wie früher.

„Warum bist du hier?“, fragte sie erneut.

„Lukas hat mich hergeschickt.“

„Lukas?“ Sein Cousin war ihr offizieller Begleiter gewesen auf jener schicksalhaften Hochzeitsfeier.

Alex zog den Zettel aus der Jackentasche und hielt ihn ihr hin. „Er meint, ich sollte mich mal mit seiner guten Bekannten, der Heiratsvermittlerin Daisy Connolly, unterhalten.“

Sie betrachtete das zerknitterte Stückchen Papier mit ihrem Namen, der Adresse und der Telefonnummer. „Ich dachte, du wolltest nie heiraten.“

Nachlässig hob er die Schultern. „Ich habe meine Meinung geändert, aber nicht meine Einstellung.“

Daisy schwieg.

Autor

Anne Mc Allister
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