Verlobt mit einem Millionär?

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"Wach auf, Cynthia!" Langsam öffnet sie die Augen. An ihrem Krankenhausbett sitzt ein fantastisch aussehender Mann, der sie besorgt anschaut. Er behauptet, ihr Verlobter zu sein: Sie, verlobt mit Medienmogul Will Taylor? Warum kann sie sich an nichts erinnern - nicht mal an die letzten Moment vor dem Flugzeugabsturz und auch nicht an ihren eigenen Namen, der ihr seltsam fremd vorkommt? Aber zumindest weckt Wills Kuss in ihr Wärme, Zuversicht - und Verlangen. Ja, er spricht eindeutig die Sprache der Liebe! Bis Cynthias Erinnerung schlagartig zurückkehrt ...


  • Erscheinungstag 23.09.2019
  • Bandnummer 1
  • ISBN / Artikelnummer 9783733727475
  • Seitenanzahl 130
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

PROLOG

„Diese Fluglinie nehme ich nie wieder, das schwöre ich Ihnen! Teuer und inkompetent! Eine Unverschämtheit!“

Die Stimme der aufgebrachten Passagierin war das Erste, was Adrienne hörte, als sie ins Flugzeug stieg. Heute haben anscheinend alle schlechte Laune, dachte sie. Wobei ich für mein Stimmungstief niemand anderen verantwortlich machen kann. Ich kehre als Versagerin nach Hause zurück, und das ist ganz allein meine Schuld.

Ihre Tante hatte es ihr von Anfang an gesagt: Es sei eine dumme und geradezu verantwortungslose Idee, mit dem Geld aus der Lebensversicherung ihres Vaters eine Modedesignfirma in Manhattan aufbauen zu wollen. „In spätestens einem Jahr bist du pleite und kommst nach Milwaukee zurückgekrochen“, hatte sie ihr prophezeit.

Immerhin hatte Adrienne fast drei Jahre durchgehalten. Sie war nicht ganz erfolglos gewesen, hatte auch ein paar Stammkunden gewonnen, aber letzten Endes hatten sie die Kosten aufgefressen. Alles in New York City war teuer, und der große Durchbruch, den sie gebraucht hätte, war ihr verwehrt geblieben.

Adrienne blickte auf ihre Bordkarte. Platz 14 B. Als sie sich der Reihe näherte, musste sie zu ihrem Leidwesen feststellen, dass ausgerechnet die Frau, die sich eben so aufgeregt hatte, ihre Sitznachbarin war. Inzwischen schien sie sich zwar etwas beruhigt zu haben, aber besonders zufrieden sah sie immer noch nicht aus. Adrienne verstaute ihre Tasche in der Gepäckablage und setzte sich auf ihren Platz, wobei sie jeden Blickkontakt mit der Frau vermied.

„Ich glaub’s einfach nicht! Da werfen die mich für eine Reisegruppe von japanischen Geschäftsleuten aus der ersten Klasse und quetschen mich in so einen miesen Fenstersitz. Ich kann kaum meine Arme bewegen.“

Oje, das könnten die längsten zwei Stunden meines Lebens werden, dachte Adrienne verzweifelt. „Würden Sie vielleicht gerne die Plätze tauschen?“, fragte sie hilfsbereit. Etwas Freundlichkeit wirkte ja manchmal Wunder.

Und so war es tatsächlich auch in diesem Fall. „Oh, das ist wirklich nett von Ihnen“, erwiderte die Frau und strahlte. Sie sieht gut aus, dachte Adrienne. Schöne Augen, volle Lippen, perfekte Zähne. Ihre Gesichtszüge erinnern mich sogar ein bisschen an meine Mutter. Wenn ich eine attraktive ältere Schwester hätte, würde sie wahrscheinlich so aussehen.

Modegeschmack hatte die Fremde obendrein. Sie trug nur das Beste vom Besten und Teuerste vom Teuersten.

Fast wurde Adrienne ein wenig eifersüchtig. Irgendwie wäre es passender gewesen, wenn diese Frau – und nicht Adrienne – die einzige Tochter der wunderschönen und legendären Miriam Lockhart gewesen wäre. Die Modeleidenschaft und das Designertalent ihrer Mutter hatte sie zwar geerbt, aber rein äußerlich kam sie mehr nach ihrem Vater, vor allem, was das widerspenstige Haar und die wenig ebenmäßigen Zähne anging. Für eine teure Behandlung beim Kieferorthopäden hatte ihr leider bisher immer das Geld gefehlt.

Adrienne löste ihren Gurt und trat auf den Gang, damit sie die Plätze tauschen konnten. Ihr machte es nichts aus, am Fenster zu sitzen, ganz im Gegenteil. So durfte sie noch einen Abschiedsblick auf New York werfen und beobachten, wie es unter ihr verschwand – genau wie ihre Träume.

„Ich heiße übrigens Cynthia Dempsey“, sagte die Frau, als sie sich auf ihren Platz setzte.

Adrienne lächelte sie freundlich an und hoffte, ihre Zähne würden dabei nicht unangenehm auffallen. „Und ich bin Adrienne Lockhart.“

„Ein schöner Name. Der hat was. Würde sich gut auf einer Plakatwand am Times Square machen.“

Oder auf dem Aufnäher eines Modelabels, dachte Adrienne. „Vielen Dank. Aber ich glaube, ich bin nicht so fürs Rampenlicht geschaffen.“

Die Frau machte es sich auf ihrem Platz bequem, und während das Flugzeug auf die Startbahn rollte, nestelte sie an ihrem Verlobungsring, der mit einem großen Diamanten verziert war. Er schien zu groß für ihre schlanken Finger zu sein.

„Oh, wollen Sie heiraten?“, fragte Adrienne.

„Ja“, erwiderte Cynthia und seufzte leise. Sie wirkte nicht besonders glücklich, eher innerlich unbeteiligt. „Im Mai heirate ich Will Taylor den Dritten. Seiner Familie gehört der Daily Observer. Die Hochzeit soll im Plaza-Hotel stattfinden.“

Geldadel vom Feinsten. Adrienne saß direkt neben der Frau, trotzdem fühlte sie sich meilenweit von ihr entfernt. Ihre Hochzeit allein würde vermutlich ein Vermögen kosten. Mode war wahrscheinlich das einzige Gesprächsthema, das sie gemeinsam hatten.

„Wer entwirft Ihr Hochzeitskleid?“, fragte Adrienne.

„Badgley Mischka.“

„Oh, die machen tolle Sachen. Als ich auf dem College war, habe ich sogar mal ein Praktikum bei denen gemacht. Mein eigenes Interesse liegt allerdings mehr bei tragbarer Alltagsmode. Für die moderne Frau, die im Berufsleben steht.“

„Ach, kommen Sie aus der Modebranche?“

Adrienne schlug die Augen nieder. „Wenn man so will … ja, gewissermaßen. Ich hatte in SoHo eine kleine Boutique mit selbst geschneiderten Sachen. Aber ich musste das Geschäft jetzt schließen.“

„Könnte es sein, dass ich Ihre Kreationen mal irgendwo gesehen habe?“

„Wohl eher nicht“, erwiderte Adrienne und zeigte auf ihre Bluse in Grau und Pink mit dem ungewöhnlich bestickten Kragen. „Und weil ich das Geschäft geschlossen habe, ist das wohl Ihre letzte Chance, eine Bluse im Adrienne-Lockhart-Design zu sehen.“

„Schade eigentlich“, erwiderte Cynthia stirnrunzelnd. „Das Teil gefällt mir richtig gut, und meine Freundinnen würden es auch mögen. Vielleicht hätten wir alle mal öfter nach Downtown gehen sollen.“

Drei Jahre lang hatte sich Adrienne abgestrampelt, um ihre Kreationen bekannter zu machen. Hatte Fotos und Arbeitsmuster an Modeschöpfer und Zeitschriften geschickt – immer in der Hoffnung, entdeckt zu werden. Doch ohne Erfolg. Und gerade jetzt, wo sie den Laden dichtgemacht hatte und nach Hause zurückkehrte, lernte sie jemanden mit Beziehungen kennen!

„Ladies und Gentlemen, wir starten in wenigen Sekunden.“

Adrienne lehnte sich zurück und kniff angespannt die Augen zusammen. Sie hasste das Fliegen. Besonders die Starts und Landungen machten ihr schwer zu schaffen. Jedes Mal rief sie sich ins Gedächtnis, dass Taxifahren viel gefährlicher war als Fliegen – doch es nützte nichts.

Die Motoren röhrten auf. Adrienne öffnete ihre Augen und sah, wie Cynthia nervös an ihrem Verlobungsring nestelte. Auch sie flog offenbar ungern.

Als das Flugzeug abhob, ging ein Rütteln durch die Maschine. Cynthias Ellenbogen rutschte von der Armlehne, und in diesem Moment flog ihr der Ring vom Finger. Er landete auf dem Boden und rollte zwischen die Sitzreihen.

„Verflixt“, schimpfte Cynthia und sah sich Hilfe suchend um. Dass das ausgerechnet jetzt passieren musste!

Adrienne wollte gerade etwas Beruhigendes sagen, als ein lauter Knall ertönte. Das gesamte Flugzeug bebte. Voller Panik sah Adrienne aus dem Fenster. Die Maschine war ja nach dem Start noch nicht besonders hoch gekommen – und jetzt schien sie schon wieder abwärts zu rauschen!

Voller Panik krallte sie sich an der Armlehne fest und schloss einen Moment lang die Augen. Angstvolle Schreie ertönten. Mit zitternder Stimme kündigte der Pilot über den Bordlautsprecher eine Notlandung an. Adrienne wünschte, sie hätte der Sicherheitsunterweisung der Stewardess besser zugehört, statt sich mit Cynthia zu unterhalten. Gute Kontakte würden ihr nichts mehr nützen, wenn sie tot war.

Zum Glück konnte sie sich noch von früher einigermaßen daran erinnern, was in so einer Situation zu tun war. Sie beugte sich nach vorne, positionierte ihren Kopf zwischen den Knien und umschlang die Beine mit den Armen. Wieder ertönte ein Knall, diesmal noch lauter als zuvor, die Lichter im Passagierraum erloschen, das Flugzeug schlingerte.

Jetzt half nur noch Beten …

1. KAPITEL

Vier Wochen später

„Cynthia?“

Wie durch dichten Nebel drang die Stimme zu ihr. Eigentlich wollte sie nur schlafen, wieder in das wohlige Nirgendwo sinken, wo nichts schmerzte. Doch die Stimme ertönte erneut, fordernder, drängender.

„Cynthia! Will ist hier.“

Sie kämpfte gegen die bleierne Müdigkeit an. Irgendwie war es komisch zu hören, wie jemand sie mit diesem Namen ansprach. Ungewohnt und fremdartig.

„Vielleicht sollte ich lieber später noch mal wiederkommen. Sie braucht ihre Ruhe.“ Die tiefe Männerstimme hatte wie immer eine belebende Wirkung auf sie. Ihr Körper reagierte, wurde wacher.

„Nein, nein, sie dämmert ja nur ein wenig vor sich hin. Die Ärzte sagen, es tut ihr gut, wenn sie sich ein bisschen mehr bewegt und Gespräche führt.“

„Was soll das bringen? Sie erkennt uns ja doch nicht.“

„Aber sie sagen, ihre Erinnerungen könnten jederzeit zurückkommen“, widersprach die Frau etwas verärgert. „Wenn wir mit ihr reden, helfen wir ihr am meisten. Ich weiß, es ist schwierig, aber wir müssen uns Mühe geben. Cynthia, meine Liebe, bitte wach auf.“

Es kostete sie einige Überwindung, die Augen zu öffnen, und es dauerte einen Augenblick, bis sie alles wieder deutlich sah. Die Deckenbeleuchtung im Krankenzimmer. Das Gesicht der älteren Frau über ihr. Wer war sie noch gleich? Angestrengt dachte sie nach. Man hatte ihr gesagt, sie sei ihre Mutter, Pauline Dempsey. Was für ein beunruhigendes Gefühl, wenn man nicht einmal die eigene Mutter wiedererkannte, die Frau, die einem das Leben geschenkt hatte! Es war schon beängstigend, unter Amnesie zu leiden …

„Will ist hier, Liebling.“

Pauline betätigte einen Knopf, und leise brummend fuhr das Kopfende des Bettes hoch.

Jetzt konnte sie Will besser sehen. Er saß am Fußende. Und er war ihr Verlobter, hatte man ihr gesagt. Irgendwie konnte sie das kaum glauben, wenn sie diesen attraktiven, gut gekleideten Mann sah. Er trug sein brünettes Haar kurz, seine Gesichtszüge waren ebenmäßig und wirkten fast aristokratisch. Er hatte blaue Augen, aber sie hätte nicht sagen können, welcher Blauton es war. Sie vermied es, ihn länger als nötig anzusehen. Irgendwie empfand sie das nicht gerade als angenehm. Vielleicht, weil sie in seinen Blicken tiefere Gefühle vermisste. Oder weil er sie stets so überaus skeptisch musterte.

Ihr Gehirn war wie leergepustet, sie wusste so gut wie nichts, aber eines war ihr in den vergangenen Wochen bewusst geworden: Ihr Verlobter schien sie kein bisschen zu mögen. Stets hielt er sich im Hintergrund. Und wenn er nicht gerade heimlich über ihr Verhalten den Kopf schüttelte, schienen sie und ihr Zustand ihm völlig egal zu sein.

Dieser Gedanke machte sie so traurig, dass sie am liebsten geweint hätte. Aber das wagte sie nicht, denn wenn sie sich erregte, kamen sofort die Krankenschwestern herbeigeeilt und gaben ihr etwas zur Beruhigung. Und dann fühlte sie sich immer wie betäubt.

Statt Wills Augen fixierte sie jetzt lieber seine Kleidung. Das tat sie überhaupt gerne – genau studieren, wie die Menschen, die sie besuchten, sich kleideten. Will trug einen Anzug, wie gewöhnlich. Einen dunkelblauen Zweireiher, dazu ein blaues Hemd und eine Krawatte mit Diamantmuster. Will war Herausgeber einer Zeitung und konnte sie nur während der Mittagspause oder nach Feierabend besuchen – wenn er nicht gerade ein Meeting hatte. Und er hatte jede Menge Meetings. Zumindest behauptete er das.

„Hallo, Will“, brachte sie mühsam hervor. Das Sprechen fiel ihr immer noch schwer. Sie war mehrfach am Gesicht operiert worden, durch das Unglück hatte sie unter anderem alle ihre Vorderzähne verloren. Man hatte ihr neue implantiert, aber die fühlten sich fremd in ihrem Mund an. Auch klang sie sicher merkwürdig, weil durch den Qualm und die Hitze im Flugzeug ihre Stimmbänder in Mitleidenschaft gezogen worden waren.

„Dann lasse ich euch beiden Hübschen mal einen Augenblick allein“, sagte Pauline. „Soll ich dir nachher einen Kaffee aus der Cafeteria mitbringen, Will?“

„Danke für das Angebot, aber nein, danke.“

Ihre Mutter verließ das geräumige Krankenzimmer, das speziell für VIP-Patienten reserviert war. Cynthia durfte hier sein, weil ihre Familie dem Krankenhaus vor ein paar Jahren eine überaus großzügige Spende hatte zukommen lassen. Das hatte man ihr jedenfalls erzählt.

„Und, wie fühlst du dich heute, Cynthia?“

Die Frage war gar nicht so leicht zu beantworten. Ihr Gesicht pochte noch, und der gebrochene Arm juckte unter dem Gips, aber insgesamt ging es ihr gar nicht mal so schlecht. Wenn sie bedachte, wie schlimm die Schmerzen gewesen waren, als sie zum ersten Mal hier im Krankenhaus erwacht war … Alles, wirklich alles hatte ihr wehgetan. Ihr Gesicht war so stark angeschwollen gewesen, dass sie kaum die Augen hatte öffnen können. Ja, sie hatte in den vergangenen Wochen schon einiges erreicht. „Ach, eigentlich fühle ich mich ganz gut. Und wie geht’s dir?“

Will runzelte die Stirn und zwang sich zu einem Lächeln. „Mir geht’s prima. Viel zu tun, wie immer.“

„Du siehst aber ganz schön erschöpft aus.“ Das tat er wirklich. Sie wusste ja nicht, wie er sonst so aussah, aber seine Augenränder schienen mit jedem Besuch bei ihr dunkler und tiefer zu werden. „Kannst du nachts gut schlafen?“

Er dachte einen Augenblick nach, dann zuckte er mit den Schultern. „Nicht so sehr. Es war ein ziemlich stressiger Monat.“

„Vielleicht brauchst du mal eine Dröhnung von dem Zeug hier“, sagte sie und wies mit einem Kopfnicken auf die Infusions­flasche, die über einen Schlauch mit ihrem Arm verbunden war. „Wenn man das in den Adern hat, schläft man sechzehn Stunden durch wie ein Baby, ob man will oder nicht.“

Will schmunzelte, und diesmal wirkte es echt. Das freute sie. Ich würde ihn auch gerne mal lachen hören, ging es ihr durch den Kopf. Sein Lachen klingt bestimmt sexy.

Insgesamt strahlte er eine Sinnlichkeit aus, die selbstbewusst wirkte, und nicht einmal durch die sterile Krankenhausatmosphäre gedämpft wurde.

„Eine ordentliche Ladung Infusionslösung, hört sich verlockend an.“ Er blickte zu Boden und schien sich unwohl zu fühlen.

Sie wusste nie, was sie zu ihm sagen sollte. Sie bekam ja recht häufig Besuch, von Freunden und Verwandten, von lauter Menschen, an die sie sich beim besten Willen nicht erinnern konnte. Aber keine Gespräche waren so anstrengend, so beklemmend und peinlich wie die mit Will.

Sie hatte gehofft, es würde sich im Laufe der Zeit bessern, doch das war nicht der Fall. Je netter sie zu ihm war, desto mehr schien er sich zurückzuziehen – gerade so, als könnte er es gar nicht fassen, dass sie freundlich zu ihm war.

„Ich habe etwas für dich“, sagte er plötzlich.

Überrascht richtete sie sich im Bett auf. „Oh, wirklich?“

Am Anfang hatte sie all die Geschenke, Blumensträuße und Luftballons kaum zählen können. Sie waren nicht nur von Bekannten gekommen, sondern sogar von wildfremden Menschen, die Berichte über das Flugzeugunglück im Fernsehen gesehen hatten. Sie war eine von nur drei Personen, welche die Katastrophe überlebt hatten.

Will griff in seine Hosentasche und zog eine kleine Schmuckschatulle hervor. „Die Fluggesellschaft hat mich angerufen. Man hat unter all den Trümmern noch etwas gefunden, was man dir zuordnen konnte.“

Er öffnete das Kästchen. Ein Ring mit einem riesigen Diamanten lag darin. Halb wollte sie glauben, dass es sich nur um Modeschmuck handelte, aber sie hatte ja gesehen, was ihre Verwandtschaft so an Ringen und Ketten trug, und daher wusste sie, dass er echt sein musste.

„Der ist wunderschön“, stellte sie fest.

Will zog die Stirn in Falten. Ihre Reaktion schien ihn zu befremden. „Cynthia … das ist dein Verlobungsring.“

Fast hätte sie gelacht, aber dann sah sie seinen todernsten Gesichtsausdruck. Es erschien ihr unvorstellbar, etwas derart Kostbares zu besitzen. „Mein Verlobungsring …?“ Sie sah zu, wie Will das teure Stück auf den Ringfinger ihrer linken Hand steckte. Er saß ein wenig eng, aber die Finger waren auch noch angeschwollen.

Je länger sie den Ring an ihrer Hand betrachtete, desto bekannter schien er ihr vorzukommen. „Ich habe tatsächlich das Gefühl, dass ich ihn schon mal gesehen habe“, sagte sie stolz. Die Ärzte hatten sie ermutigt, jedes Mal zu berichten, wenn ihr etwas bekannt vorkam.

„Das ist schön. Ich habe ihn reinigen und durchchecken lassen, ob auch nichts locker ist. Es wundert mich nicht, dass er dir bei dem Unglück vom Finger gerutscht ist – nachdem du für die Hochzeit so streng Diät gehalten hast.“

„Und jetzt ist er zu eng, und ich sehe aus wie die Verliererin eines Boxkampfes“, beklagte sie sich.

„Mach dir keine Sorgen, wir haben jede Menge Zeit“, beruhigte er sie. „Es ist ja erst Oktober. Bis zum Mai ist es noch lange hin. Bis dahin bist du garantiert wie neu.“

„Hochzeit im Mai … im Plaza-Hotel“, murmelte sie. Sie wusste nicht, warum, aber daran erinnerte sie sich.

„Siehst du, dein Gedächtnis kommt allmählich zurück“, sagte er lächelnd. Es war ein mechanisches Lächeln, das seine Augen nicht erreichte. Er erhob sich und steckte die leere Schmuckschatulle wieder in die Tasche. „Ich treffe mich heute Abend mit Alex zum Essen, deshalb muss ich langsam los.“

Sie erinnerte sich an Alex, weil er ihr in der Vorwoche einen Krankenbesuch abgestattet hatte. Er war ein alter Schulfreund von Will – und ein Charmeur. Obwohl sie im Krankenbett ziemlich ramponiert aussah, hatte er ihr geschmeichelt, wie schön sie sei, und dass er sie sofort heiraten würde, wenn sie nicht Wills Verlobte wäre. Natürlich war das nur dummes Gerede, aber sie wusste es trotzdem zu schätzen. „Dann wünsche ich euch beiden viel Spaß und guten Appetit. Bei uns hier im Krankenhaus gibt’s heute Abend Gummiadler mit Reis, glaube ich.“

Will lächelte. „Bis morgen dann.“ Er ergriff ihre Hand und tätschelte sie.

Kaum hatte er sie berührt, durchrieselte es sie wohlig. Die dumpfen Schmerzen, die sie trotz der Medikamente spürte, waren sie weggeblasen. Unwillkürlich griff sie nach seiner Hand, um die Verbindung nicht abreißen zu lassen.

Ja, seine Berührungen waren wirksamer als Morphium – oder was auch immer man ihr in die Adern träufelte. Das hatte sie schon gemerkt, als er ihr zum ersten Mal ganz behutsam den Handrücken geküsst hatte. Auch wenn sie sich nicht an ihn erinnern konnte … Bei jedem Körperkontakt, und war er auch noch so flüchtig, spürte sie eine große beruhigende Vertrautheit.

Umso mehr betrübte es sie, dass er sie – geplante Heirat hin oder her – gar nicht wirklich zu mögen schien.

Überrascht blickte Will erst auf seine Hand, dann auf sie. Hatte er die Berührung als ebenso überwältigend empfunden? Fast erschrocken zog er den Arm zurück und stand auf.

„Gute Nacht, Cynthia“, sagte er noch. Dann ging er.

Nun lag sie allein in ihrem tristen Krankenzimmer. Und fühlte sich entsetzlich einsam und verlassen.

Alex saß Will gegenüber und nippte still an seinem Drink. Das gesamte Essen über hatte er noch nicht viel gesagt, aber genau das mochte Will ja an dieser Freundschaft – dass sie auch mal gemeinsam schweigen konnten. Obendrein verstand Alex, dass es für Will eine schwere Zeit war.

Will hatte Alex zum Essen eingeladen, weil er den Rat von jemandem brauchte, der ihm nicht nach dem Mund redete. Die meisten Menschen sagten ihm nur, was er hören wollte. Alex hingegen war einer der wenigen aus Wills Bekanntenkreis, der noch mehr Geld hatte als er selbst, und sich ihm gegenüber deshalb ganz unbefangen benahm. Weil er so ein berüchtigter Playboy war, hätte Will sich normalerweise nicht für einen Rat in Liebesdingen an ihn gewandt – aber immerhin würde er schonungslos offen sein, was Cynthia anging.

Ja, Wills Beziehung zu Cynthia war mehr als kompliziert. Vor ein paar Wochen hatte er noch gedacht, schlimmer könnte es gar nicht mehr werden. Und jetzt …

„Wie geht es Cynthia?“, fragte Alex schließlich.

„Schon viel besser. Die Wunden und Verletzungen heilen gut. Allerdings erinnert sie sich immer noch an nichts.“

„Auch nicht an euren großen Krach?“

„Vor allem nicht an den großen Krach“, antwortete Will seufzend.

Bevor Cynthia nach Chicago aufgebrochen war, hatte Will sie mit Beweisen konfrontiert, dass sie ihn betrogen hatte – und die Verlobung gelöst. Sie hatte gemeint, sie beide sollten alles in Ruhe durchsprechen, wenn sie zurück war, aber daran hatte er kein Interesse gehabt. Für ihn war die Sache erledigt gewesen.

Doch dann, während er gerade in einer Besprechung mit seinem Makler gewesen war, hatte ihn der Anruf erreicht, dass das Flugzeug mit Cynthia an Bord abgestürzt war. Als sich herausgestellt hatte, dass sie nicht mehr wusste, wer sie war, hatte er sich entsetzlich ratlos gefühlt. Die Trennung aufrechtzuerhalten, das wäre ihm in dieser Situation grausam und unmenschlich vorgekommen. Nein, er musste ihr zur Seite stehen, bis sie wieder auf den Beinen war – aber dann würde er sie verlassen, wie ursprünglich geplant.

So hatte er es bis vor Kurzem jedenfalls vorgehabt. Doch jetzt … jetzt war er verwirrt. Deshalb hatte er Alex zum Essen eingeladen. Der sollte ihm helfen, die Situation einzuschätzen, bevor er vielleicht etwas Falsches tat.

„Hast du ihr das mit der Trennung denn noch nicht gesagt? Oder vielmehr – noch mal gesagt?“

„Nein, habe ich nicht. Ich wollte damit warten, bis sie aus dem Krankenhaus entlassen wird. In ihrem Zimmer sind wir nur selten allein, und ich will nicht, dass ihre Eltern sich da einmischen. Außerdem habe ich es noch nicht übers Herz gebracht.“

„Dann ist sie also noch nicht wieder das eiskalte Biest, das wir alle so lieben und schätzen?“

Will schüttelte den Kopf. Wenn es so wäre – das würde ihm vieles leichter machen. Dann könnte er sie nach ihrer Genesung ohne jegliches Schuldgefühl verlassen. Aber seit dem Unglück war sie irgendwie … eine ganz andere Frau.

Im Stillen hatte er stets damit gerechnet, dass sie sich wie die alte Cynthia verhalten würde, dass sie schimpfen und meckern und das Krankenhauspersonal herumscheuchen würde. Aber keine Spur davon! Ursprünglich hatte er sie nur aus Pflichtgefühl besucht, doch allmählich freute er sich geradezu darauf, täglich ein bisschen mehr. „Es ist, als ob Aliens sie entführt und gegen eine andere Person ausgetauscht hätten.“

„Ja, ich muss auch sagen, als ich sie letztens besucht habe, war sie recht angenehm“, berichtete Alex. „Freundlich und kein bisschen bissig.“

„Ich weiß. Ich kann’s ja selbst kaum glauben, wenn ich sie sehe. Sie fragt die Leute freundlich, wie es ihnen geht, und bedankt sich artig selbst für die kleinsten Aufmerksamkeiten. Sie zeigt so viel Herzenswärme – ganz anders als die Frau, der ich den Laufpass gegeben habe.“

Alex runzelte die Stirn. „Du schmunzelst sogar versonnen vor dich hin, wenn du über sie sprichst“, stellte er fest. „Da hat sich was verändert. Du magst sie auf einmal wirklich, was?“

„Soll das ein Verhör werden?“ Will machte eine Pause und dachte nach. „Es stimmt schon: So wohl wie jetzt habe ich mich in ihrer Nähe noch nie gefühlt. All die Jahre nicht. Aber die Ärzte sagen, dass ihr Gedächtnisverlust wahrscheinlich nur vorübergehend ist. Von einer Sekunde auf die andere könnte sie wieder die alte Cynthia sein. Und ich habe keine Lust, noch einmal Gefühle zu investieren und dann wieder vor den Kopf gestoßen zu werden.“

„Wahrscheinlich vorübergehend kann aber auch bedeuten: für immer. Mit Glück bleibt sie so.“

„Spielt keine Rolle“, erwiderte Will kopfschüttelnd. „Vielleicht weiß sie nicht mehr, was sie getan hat – aber ich weiß es. Ich könnte ihr nie wieder vertrauen, und das heißt: Die Sache ist erledigt.“

„Oder es ist eine zweite Chance für euch. Wenn sie plötzlich ein anderer Mensch ist, solltest du sie auch so behandeln. Mach ihr nicht eine Vergangenheit zum Vorwurf, an die sie sich nicht mal mehr erinnern kann. Vielleicht verpasst du sonst deine große Liebe.“

Während Alex sich seinem Steak zuwandte, dachte Will angestrengt nach. Ja, Cynthia war wirklich wie ein neuer Mensch, und schon bei der Arbeit freute er sich darauf, sie zu sehen. Und dann die Berührung heute – reine Magie! Vielleicht sprach doch einiges dafür, den Rat seines Freundes anzunehmen.

Andererseits – was wusste Alex schon? Er blieb ja nie so lange bei einer Frau, bis es Probleme gab. Nein, irgendwo in der neuen Cynthia lauerte immer noch die alte Cynthia, eine selbstverliebte, launische, untreue Frau, die keinen Cent für die Gefühle anderer gab. Er hatte die Verlobung ja nicht ohne Grund beendet. Eine Beziehung wie damals – nein, die wollte er nie wieder!

Nach Einschätzung der Ärzte würde sie schon bald das Krankenhaus verlassen können. Sicher würden ihre Eltern Pauline und George sie dann bei sich zu Hause einquartieren wollen, aber Will würde darauf bestehen, sie mit zurück ins gemeinsame Apartment zu nehmen.

Dort konnte er sich am besten um sie kümmern, und sie befand sich in ihrer gewohnten Umgebung. Und wenn diese Umgebung ihr das Gedächtnis zurückbrachte? Das würde ihm die Mühe ersparen, die Trennung ein zweites Mal aussprechen zu müssen.

„Würden Sie vielleicht gerne die Plätze tauschen?“

Diese Worte schwirrten ihr im Kopf herum, und sie wusste nicht recht, ob sie träumte oder ob es die Nebenwirkungen der Schmerzmittel waren. Alles schien durcheinander.

„Ich heiße übrigens Cynthia Dempsey.“

Autor

Andrea Laurence
Bereits im Alter von zehn Jahren begann Andrea Laurence damit, Geschichten zu schreiben – damals noch in ihrem Kinderzimmer, wo sie an einer alten Schreibmaschine saß. Sie hat immer davon geträumt, ihre Romane eines Tages in der Hand halten zu können, und sie arbeitete jahrelang hart, bis sich ihr Traum...
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