Vier mächtige Griechen - Wenn die Leidenschaft den Stolz besiegt! (2 Miniserien)

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LIEBESSCHWÜRE AUF UMWEGEN
von TARA PAMMI

Magische Küsse und sinnliche Leidenschaft? Obwohl die schöne Leah mit dem atemberaubend attraktiven Milliardär Stavros Sporades verheiratet ist, kann davon nicht die Rede sein. Denn ihre Ehe existiert nur auf dem Papier! Vor fünf Jahren sollte der Deal das leichtsinnige Partygirl vor Mitgiftjägern schützen, doch heute will Leah nur noch ihre Freiheit! Zu ihrer Überraschung willigt der unnahbare Tycoon in die Scheidung ein. Unter einer Bedingung, die für Leah unmöglich zu erfüllen ist! Aber warum weckt sein Vorschlag in ihr plötzlich dieses unbezähmbare Verlangen?

VERHEERENDE SEHNSUCHT IN DEINEN ARMEN
von TARA PAMMI

Er soll 100.000 Dollar für Jasmines Unschuld bieten, um sie aus einem Nachtclub freizukaufen? Kein Problem! Denn für die Schwester seines Freundes zahlt der griechische Tycoon Dimitri Karegas jede Summe, das ist er ihrem toten Bruder schuldig. Aber sich deshalb nehmen, was ihm zusteht? Dafür ist der atemberaubende Playboy viel zu stolz - auch wenn aus dem frechen Mädchen von damals eine hinreißende Schönheit geworden ist! Erst als Jasmine ihn feurig küsst und mit ihrer Leidenschaft eine verheerende Sehnsucht in ihm weckt, gerät sein eiserner Vorsatz ins Wanken …

DIE FALSCHE BRAUT DES MILLIONÄRS
von JENNIFER FAYE

Ein Luxus-Resort am Mittelmeer. Küsse bei Mondschein am Strand. Ein Mann zum Verlieben. Stopp! Die Verlobung mit sexy Hoteltycoon Cristo Kiriakas ist nur ein Deal, das hat Kyra so gewollt … Aber warum träumt sie in seinen Armen plötzlich von etwas ganz anderem?

HEIRATSANTRAG AUF HAWAII
von JENNIFER FAYE

Erst nach Hawaii, dann in die Karibik … Der begehrte griechische Junggeselle Nikolaos Stravos nimmt Sofia mit an die schönsten Orte der Welt. Doch traurig muss sie erkennen: Ihr Traummann handelt nur aus Pflichtgefühl, weil sie nach einem One-Night-Stand sein Kind unter dem Herzen trägt!

  • Erscheinungstag 21.10.2021
  • ISBN / Artikelnummer 9783751513159
  • Seitenanzahl 574
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Cover

Tara Pammi, Jennifer Faye

Vier mächtige Griechen - Wenn die Leidenschaft den Stolz besiegt! (2 Miniserien)

IMPRESSUM

JULIA erscheint in der HarperCollins Germany GmbH

Cora-Logo Redaktion und Verlag:
Postfach 301161, 20304 Hamburg
Telefon: +49(0) 40/6 36 64 20-0
Fax: +49(0) 711/72 52-399
E-Mail: kundenservice@cora.de

© 2015 by Tara Pammi
Originaltitel: „Claimed for His Duty“
erschienen bei: Mills & Boon Ltd., London
in der Reihe: MODERN ROMANCE
Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

© Deutsche Erstausgabe in der Reihe JULIA
Band 2243 - 2016 by HarperCollins Germany GmbH, Hamburg
Übersetzung: Julia Hummelt

Abbildungen: Harlequin Books S.A., alle Rechte vorbehalten

Veröffentlicht im ePub Format in 08/2016 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 9783733706906

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.
CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:
BACCARA, BIANCA, ROMANA, HISTORICAL, MYSTERY, TIFFANY

 

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1. KAPITEL

Leah Huntington spürte, wie ihre Knie nachgaben. Sie ließ sich auf den Plastikstuhl hinter ihrem kleinen Schreibtisch fallen. Der rote Stempel mit dem Schriftzug ‚ABGELEHNT‘ auf dem Antragsformular verschwamm vor ihren Augen. Schmerzhaft krampfte sich ihr Herz zusammen, als sie mit zitternden Fingern durch die Skizzen auf dem Zeichenbrett blätterte. Leahs Traum, ihre eigenen Kreationen Gestalt annehmen zu sehen, hatte sich gerade in Luft aufgelöst.

Schweiß rann ihr über den Rücken, während das Surren des Ventilators an ihren Nerven zerrte. Stöhnend rieb sie mit der Hand über ihren verspannten Nacken und schloss die Augen.

Mrs. DuPont, die Einkaufsleiterin einer Modekette, hatte Leah nur zwei Monate gegeben, um ihre erste Kollektion zusammenzustellen, und alles, was sie bis jetzt hatte, waren ein paar grobe Skizzen. Und da sie alles allein machen musste, zählte jede Minute.

Sie musste Stoffe und tausend andere Dinge kaufen. Aber ohne Geld? Sie besaß nichts. Und die Bank hatte ihren Kreditantrag abgelehnt.

Leah holte tief Luft und griff nach dem Telefon. Mit wild klopfendem Herzen wählte sie die Nummer des Bankangestellten, mit dem sie erst vor zwei Tagen gesprochen hatte. Sie ahnte längst, wer hinter den Problemen mit ihrem Kredit steckte. Ihr Magen schien sich umzudrehen, als sie hörte, wie der Bankangestellte am anderen Ende der Leitung verlegen hüstelte. Seine Antwort war kurz und knapp, so als hätte er ihren Anruf erwartet und seine Erklärung einstudiert.

Sie konnten den Treuhandfonds als Sicherheit zur Genehmigung ihres Kredits nicht anerkennen, weil – Leah entging der ehrfürchtige Unterton in der Stimme des Angestellten nicht, als er den Namen aussprach – der Treuhänder, der ihren Fonds verwaltete, die Verwendung des Treuhandfonds – ihres Treuhandfonds! – als Sicherheit abgelehnt hatte.

Stavros.

Wütend schleuderte Leah das Handy durch das Zimmer. Sie zitterte am ganzen Körper, sprang auf und stieß den Stuhl zur Seite.

Wie lange wollte er sie noch bestrafen? Und wie lange würde sie das noch zulassen?

In ihren Augen brannten Tränen. Sie bückte sich, um das Telefon aufzuheben, und tippte eine neue Nummer ein. Ihre Kehle war wie zugeschnürt, sie würde kaum ein Wort herausbekommen. Doch sie wollte eine Erklärung. Sie wollte …

Eigentlich hatte das alles keinen Sinn. Seine Sekretärin würde ihr höflich, aber bestimmt mitteilen, dass er gerade nicht verfügbar war. So wie sonst auch. Seit einem Jahr versuchte sie immer wieder, ihn zu erreichen. Ohne Erfolg. Sie lebten beide in Athen, doch es fühlte sich an, als lägen Kontinente zwischen ihnen.

Frustriert biss sie sich auf die Unterlippe, ihre Nägel gruben sich in die Innenfläche ihrer Hände. Wie von ganz weit her drang ein Schluchzen an ihr Ohr. Es war ihr eigenes. Eine ohnmächtige Wut machte sich in ihr breit.

Sie musste das hier alles beenden. Sich aus dieser Abhängigkeit von ihm befreien. Er kontrollierte jeden ihrer Schritte, während er selbst sein Leben unbehelligt in vollen Zügen genoss.

Fünf Jahre eines sterilen Lebens. Fünf Jahre als seine Gefangene. Vor lauter Schuldgefühlen und Angst hatte sie es akzeptiert. Sich nicht dagegen gewehrt.

Während sie sich die Tränen von den Wangen wischte, suchte sie nach dem Beitrag des Klatschmagazins, das sie an diesem Morgen auf ihrem Laptop bewusst weggeklickt hatte.

Stavros’ Geschäftspartner und zweiter Patensohn ihres Großvaters, Dimitri Karegas, gab eine Party auf seiner Yacht.

Stavros und Dimitri waren aus dem gleichen Holz geschnitzt – atemberaubend attraktiv und höchst erfolgreich. Sie hatten ihre Imperien mit Hilfe von Leahs Großvaters Giannis aus dem Nichts aufgebaut und sahen sich selbst als Halbgötter an. Ihr Wort war Gesetz für die Normalsterblichen um sie herum.

Stavros hatte eine heftige Abneigung gegen Partys, was Leah nie hatte verstehen können. Aber Dimitri würde da sein. Das reichte.

Sie musste nur dafür sorgen, dass der Playboy sie an Bord seines neuesten Spielzeugs bemerkte. Das könnte schwierig werden. Stets war er von einem Schwarm hübscher Frauen umringt.

Ihr Magen krampfte sich zusammen, als sie die Schlafzimmertür aufstieß und auf ihren Schrank zuging. Ihr war, als liefe sie freiwillig in ihr eigenes Verderben.

Aber Stavros hatte ihr keine Wahl gelassen. Es gab keinen anderen Weg, um ihn auf sich aufmerksam zu machen.

Nervös griff sie an den baumwollenen Blusen und Röcken vorbei in den hinteren Teil des Schranks und zog ein goldfarbenes Seidenkleid heraus. Es war das einzige Designerkleid, das sie besaß. Ihre Finger zitterten, als sie es vor dem Spiegel an ihren Körper hielt und erschrocken feststellte, dass das Kleid mehr enthüllen als verdecken würde. Ihr Rücken würde ganz frei sein, also würde sie auf einen BH verzichten müssen.

Noch vor fünf Jahren hatte sie nicht einmal mit der Wimper gezuckt, als sie in diesem Kleid ausgegangen war, gemeinsam mit Alex und Calista. Und damals hatte sie noch zehn Kilo mehr auf den Rippen gehabt.

Der Gedanke daran, wie sie ausgesehen haben musste, ließ sie unwillkürlich schmunzeln.

Eigentlich war es auch nicht wichtig, sich darüber Gedanken zu machen, was sie heute Abend tragen sollte. Sie hatte andere Probleme. Sie musste aus diesem Leben raus, das ihr die Luft nahm. Schon lange fühlte sie sich, als würde sie von den Wänden ihres kleinen Apartments erdrückt, als rückten diese immer näher …

Ihre Handflächen waren feucht vor Nervosität, als sie das Kleid überzog. Nur knapp bedeckte es ihren Po.

Es war das provokanteste Kleid, das sie besaß, und doch beeindruckte es durch seine schillernde Eleganz, die nur aus der Hand eines Designers stammen konnte. Sie hatte es in der Nacht getragen, als Stavros ihr Schicksal bestimmt hatte. Wenigstens hatte sie so ein wenig Aufmerksamkeit bekommen an der Seite des Mannes, der dann zu ihrem Gefängniswärter geworden war.

Jeder Muskel in ihr war zum Zerreißen gespannt. Ihr Mund war trocken, und nackte Angst machte sich in ihr breit, als sie ins Badezimmer ging, um sich ein wenig Wasser ins Gesicht zu spritzen.

Er würde explodieren. Er würde sie noch mehr verachten, wenn das überhaupt möglich war. Doch sie konnte das hier nicht länger ertragen. Diese Isolation hier war nicht mehr auszuhalten.

So konnte es nicht weitergehen. Sie musste es tun, auch wenn sie einen hohen Preis dafür zahlen würde.

Als das Taxi hielt, grub Leah krampfhaft die Finger in das weiche Leder des Rücksitzes, fast so, als umklammerte sie eine Rettungsleine. Der Fahrer warf ihr neugierige Blicke durch den Rückspiegel zu. Doch noch konnte sie sich nicht aufraffen auszusteigen.

Mit einem tiefen Atemzug wandte sie den Kopf und blickte durch die schmutzigen Scheiben des Wagens hinaus auf den geschäftigen Hafen. Die unzähligen weißen Yachten leuchteten golden im Licht der untergehenden Sonne. Eine Yacht stach aus der Masse heraus. Sie war um einiges größer und wirkte schon aus der Ferne noch viel exklusiver als die übrigen Schiffe.

Seufzend kramte Leah in ihrer Handtasche nach ihrer Geldbörse und reichte dem Fahrer einige Scheine. Jetzt gab es kein Zurück mehr.

Mit hoch erhobenem Kopf schritt sie auf die von zwei breitschultrigen Sicherheitsmännern bewachte Planke zu, die von der Yacht auf den Anleger führte. Der Gesichtsausdruck der Männer blieb regungslos. Bis auf das kurze Aufblitzen in ihren Augen.

Sie hatten sie erkannt. Leah nickte unmerklich. Die Geste kostete sie Überwindung.

Ja, sie hatte die letzten fünf Jahre damit verbracht, in einem mäßig erfolgreichen Modehaus zu arbeiten, fern vom Rampenlicht. Weggesperrt in ihre eigene kleine Welt, wo niemand sie finden konnte. Wo sie tun und lassen konnte, was sie wollte, solange sie sich nur an die Regeln hielt.

Sie schlief, sie stand auf, ging zur Arbeit und dann wieder in ihr Apartment, aß zu Abend und fiel wieder ins Bett. Alles unter strengster Beobachtung durch Stavros’ persönlichen Wachhund Mrs. Kovlakis, ihre Haushälterin. Dieser Frau entging nichts. Sie stellte sicher, dass Leah für keine weiteren aufsehenerregenden Skandale sorgte. Das bedeutete jedoch nicht, dass die Öffentlichkeit vergessen hatte, was sie getan hatte. Oder womit Stavros sie bestraft hatte.

Gerade diese Leute hier, von denen sie wusste, dass sie geradezu an Stavros’ Lippen hingen, sobald er sprach. Es fühlte sich an wie eine Ewigkeit, doch es waren nur wenige Sekunden, bis einer der Sicherheitsmänner ihr die Hand reichte, um ihr über die Planke auf das Deck zu helfen. Mittlerweile war Leah, als ob ihr Magen Purzelbäume schlug, so nervös war sie.

Während sie auf ihren hohen Absätzen die ersten unsicheren Schritte machte, vergaß sie für einige Momente sogar, warum sie überhaupt hier war. Die Party war in vollem Gange. Kellner in eleganten Uniformen eilten mit Tabletts umher und boten den Gästen Champagner an. Auf dem oberen Deck bewegten sich sichtlich angeheiterte Tänzer mit ekstatischen Bewegungen im Takt der Musik.

Es schien, als stimmte es, was sie über Dimitris berühmt-berüchtigte Partys gehört und gelesen hatte. Was sie hier sah, war all das, was Stavros verabscheute. Er würde nicht hier sein. So viel war klar. Aber sie musste dafür sorgen, dass man sie wahrnahm. Also würde sie Dimitris Aufmerksamkeit erregen müssen, auch wenn er mit seiner neuesten Eroberung noch so beschäftigt war.

Mit dem ersten Lächeln dieses Tages im Gesicht schritt sie auf die glitzernde gläserne Bar zu, die sie bereits auf Bildern in den Hochglanzmagazinen bewundert hatte, ließ sich auf einen der Barhocker sinken und bestellte einen Cocktail. Erst einmal wollte sie so schnell wie möglich betrunken werden.

Stavros Sporades runzelte die Stirn, als sein Handy zum zehnten Mal in den letzten fünf Minuten klingelte. Seufzend nahm er den Anruf entgegen und warf Helene ein entschuldigendes Lächeln zu. Es ärgerte ihn, ihr gemeinsames Dinner unterbrechen zu müssen. Zum ersten Mal seit einem Monat verbrachte er einen entspannten Abend. Normalerweise verteidigte er seine begrenzte Freizeit ebenso, wie er sonst seiner Arbeit Priorität einräumte. Dieser Anrufer jedoch war wirklich hartnäckig.

Dimitris Stimme drang an sein Ohr. „Sie ist hier“, sagte er bloß, nachdem Stavros sich gemeldet hatte. „Auf meiner Yacht.“

Geschockt ließ Stavros sich gegen die Stuhllehne zurücksinken. Es gab nur eine Frau, wegen der Dimitri ihn benachrichtigen würde.

Leah.

Das Blut pochte ihm in den Adern. „Bist du sicher, dass sie es ist?“

Aus dem Handy drang Dimitris spöttisches Lachen. „Ich musste zwei Mal hinschauen, aber ja, sie ist es. Und sie ist betrunken und tanzt.“

Betrunken und tanzt

Statt Leahs Gesicht sah er das seiner Schwester Calista vor sich. Starr und blass im Angesicht ihres Todes. Er hatte sich so sehr bemüht, den frühen Tod seiner kleinen Schwester irgendwie zu verarbeiten. Doch die Gefühle von Wut und Hilflosigkeit waren noch immer so frisch und lähmend wie damals.

Mit versteinertem Gesicht ließ Stavros sein Handy wie in Zeitlupe wieder in der Hosentasche verschwinden. Dann entschuldigte er sich bei Helene, stand auf und verließ das Restaurant auf der Dachterrasse.

Es geht ihr sehr gut, Mr. Sporades, hatte Mrs. Kovlakis mit ihrer nasalen Stimme bei seinem letzten wöchentlichen Anruf über Leah gesagt. Sie mögen es kaum glauben, aber sie wirkt wie ein ganz anderer Mensch.

Hatte die ältere Frau ihm bloß das gesagt, was er hören wollte?

Innerhalb weniger Minuten hatte sein Pilot den Helikopter auf Dimitris Luxusyacht gelandet. Mit verärgertem Gesichtsausdruck öffnete Stavros die Tür und stieg auf den kleinen provisorischen Landeplatz. „Wo ist sie?“, knurrte er, als er Dimitri sah.

Dimitri bemühte sich, ruhig zu bleiben, wenngleich seine Augen trügerisch funkelten. Er deutete auf die Tanzfläche auf dem unteren Deck. „Ich hätte das Sicherheitspersonal einschalten können, aber ich glaube, das hätte die Situation nur verschlimmert.“

Stavros nickte und vermied es, seinem ältesten Freund in die Augen zu blicken. Er wollte es vermeiden, dass dieser sah, wie aufgewühlt er tatsächlich war. Immerhin konnte er froh sein, dass sie offenbar nur betrunken war und keine Drogen genommen hatte.

Christos, er wollte sie einfach nicht sehen. Leah, die Frau, die er nur aus einem einzigen Grund geheiratet hatte. Nämlich, um sie zu bestrafen.

Selbst in dem Zustand, in dem sie sich nach drei hochprozentigen Cocktails befand, wusste Leah sofort, dass Stavros die Bar betreten hatte.

Sie spürte es. Die Härchen in ihrem Nacken stellten sich auf, ihre Knie drohten, unter ihr nachzugeben. Trotz der lauen Meeresbrise machte sich eine unerträgliche Kälte in ihrem Körper breit. Stirnrunzelnd versuchte sie, den Nebel in ihrem Kopf zu vertreiben und schüttelte sich leicht, ehe sie sich umsah.

In der glitzernden Bar aus Glas sah sie hundert Mal das Spiegelbild von Stavros. Sein markantes schmales Gesicht mit der leichten Hakennase, die ihm diesen typisch arroganten Ausdruck verlieh. Der entschlossene Zug um seinen Mund, der sie sofort an jenen strafenden Kuss erinnerte, und die dunklen Augen mit den langen Wimpern …

Der Hass in seinen Augen, als ihre Blicke sich trafen, ließ ihr das Blut in den Adern gefrieren. Fast wäre sie auf der Tanzfläche gestolpert. Unkontrolliert begann sie zu zittern in den Armen des jungen Mannes, mit dem sie die letzten fünfzehn Minuten getanzt hatte.

Glücklicherweise sah sie so verschwommen, dass sie kaum das Gesicht ihres Verehrers erkannte. Sie wollte sich morgen an kein einziges Detail dieser Nacht erinnern. Wie betäubt zwang sie sich, die Füße weiter zum Rhythmus des Hip-Hop-Sounds zu bewegen. Seine Hände glitten über ihre Hüften. Sie spürte, wie er zögerte, ehe er sie an sich zog.

Eigenartigerweise hatten seine Berührungen etwas Tröstliches. Gleichzeitig musste sie daran denken, wie armselig ihr Leben geworden war, wenn sie durch die Nähe eines betrunkenen Fremden schon einen Anflug von Geborgenheit fühlte.

Ihr war, als braute sich allein durch Stavros’ Anwesenheit ein Sturm um sie herum zusammen. Ein Großteil der Tänzer wich zurück, machte ihm den Weg frei. Man hatte ihn erkannt. Die Atmosphäre veränderte sich mit einem Schlag.

Leah rang nach Luft. Sie gab dem jungen Mann einen Kuss auf die Wange und flüsterte ihm eine Entschuldigung ins Ohr. Hätte er gewusst, wer sie war, hätte er es nicht gewagt, sie um einen Tanz zu bitten. Ganz im Gegenteil, er hätte sich gehütet, sie überhaupt anzusehen. So wie die anderen männlichen Gäste, die offenbar realisiert hatten, dass sie Leah Huntington Sporades war. Ehefrau und Eigentum von Stavros Sporades.

Man wusste, was mit Alex passiert war. Ihrem einzigen Freund, der sich nicht von ihr abgewandt hatte. Nur er allein hatte versucht, nach Calistas Tod und ihrer Heirat Kontakt zu Leah aufzunehmen. Er war im Gefängnis gelandet. Aufgrund irgendwelcher an den Haaren herbeigezogener Anschuldigungen, die Stavros und Dimitri sich hatten einfallen lassen.

Eine Hand legte sich um ihre Taille, dann ging ein harter Ruck durch ihren Körper, der ihr für einen kurzen Augenblick den Atem nahm. Im nächsten Moment spürte sie, wie sie gegen einen harten, muskulösen Körper gepresst wurde und erschrak, als ihr bewusst wurde, dass es Stavros war.

Mit der anderen Hand hatte er ihren Arm gegriffen. So fest, dass es fast wehtat. Er zwang sie, sich zu ihm herumzudrehen. Die Wärme, die sein Körper abstrahlte, traf sie wie eine mächtige Welle.

Leah blinzelte und wagte es kaum, zu ihm aufzusehen. Als ihre Blicke sich für eine Sekunde trafen, schrak sie zurück und wandte den Kopf.

Feigling, sagte eine spöttische Stimme in ihrem Inneren, doch es war ihr egal. Die betäubende Wirkung des Alkohols sorgte dafür, dass sie nicht einmal protestierte, als er sie packte und über seine Schulter schwang.

Ihre Welt stand Kopf – im wahrsten Sinne des Wortes. Zu ihrem Unmut rann ihr auch noch eine Träne über die Wange. Aber sie hatte genau das getan, was sie sich vorgenommen hatte.

Sie hatte alles gegeben, um sich in Szene zu setzen, und jetzt hatte sie endlich Stavros’ ganze Aufmerksamkeit.

Das verräterisch zufriedene Blitzen in seinen Augen war ihr zuvor nicht entgangen. Trotz ihres trunkenen Zustands. Es machte ihr Angst. Und weil sie nichts dagegen tun konnte, schloss sie die Augen und ließ sich fallen in den wattigen Nebel in ihrem Kopf.

Leah keuchte und japste. Um sie herum war eiskaltes Wasser, und sie hatte keine Ahnung, wie sie hier gelandet war. Verzweifelt versuchte sie, sich aufzurichten, doch sie wusste nicht, wo sie sich festhalten sollte. Ihr Atem ging immer schneller, und sie zitterte in ihrem dünnen goldenen Kleid, das sich komplett mit Wasser vollgesogen hatte.

Egal wohin sie griff, überall waren glatte Oberflächen, an denen sie immer wieder abrutschte. Stöhnend rieb sie sich das Wasser aus den Augen und blinzelte. Ihre schwarze Mascara lief ihr in kleinen dunklen Bächen über die Wangen und tropfte ihr auf die Finger, doch sie bemerkte es kaum.

Sie saß in einer marmornen Badewanne. Und sie musste sich gar nicht umdrehen, sie wusste, Stavros war da und beobachtete sie mit teuflischer Freude. Seine kleine Strafe für sie war ihm gelungen.

Heiße Wut stieg bei diesem Gedanken in Leah auf, sodass sie für eine Sekunde die Kälte völlig vergaß. Dabei wollte sie eigentlich nichts lieber, als die Augen schließen und sich in der Wanne zusammenrollen wie ein kleines Kind. Kraftlos ließ sie sich gegen den Wannenrand sinken. Ihr war, als hätte sie keine Kontrolle über ihre Muskeln mehr.

„Komm raus!“ Sein leiser Befehl ließ sie aufschrecken, als hätte man ihr eine Ohrfeige verpasst. Nur zu gern hätte sie das Fegefeuer, das sie erwartete, einfach verdrängt. Und den Mann, der sie für den Rest ihres Lebens bestrafen wollte, gänzlich aus ihrem Gedächtnis gestrichen.

Selbst nach all den Jahren hatte sie noch immer nicht die Kraft, Stavros in die Augen zu sehen … Aber sie würde jetzt nicht in Selbstmitleid versinken. Nicht nach den Anstrengungen, die sie heute unternommen hatte, bloß, um mit ihm reden zu können.

Also klammerte sie sich an den Badewannenrand und zog sich hoch, bis sie stand. Es dauerte ein paar Sekunden, bis ihre Beine nicht mehr zitterten und das elegante Badezimmer aufhörte, vor ihren Augen zu schwanken.

Das helle Licht des Kristallleuchters über ihr ließ sie kurz die Augen zusammenkneifen. Dann sah sie sich um und nahm den dunklen Eichenfußboden und das blaue Wasser des Meeres hinter dem großen Bullauge wahr.

Von der lauten Partymusik auf dem Deck war hier unten im Bauch der Yacht nichts zu hören. Ganz im Gegenteil, es war verdächtig ruhig.

Das Wasser tropfte von ihrem Körper auf den Holzboden unter ihr, nachdem sie aus der Wanne gestiegen war. Sie fröstelte.

Wie aus dem Nirgendwo flog ihr ein Handtuch entgegen. „Bedeck dich.“

Dankbar rieb sie sich mit dem Handtuch trocken und verbarg für einige Augenblicke ihr Gesicht in dem weichen Frottee, um sich zu wappnen für das, was sie als Nächstes erwartete. Der verächtliche Tonfall in seiner Stimme traf sie mehr, als sie sich eingestehen mochte.

Am liebsten hätte sie sich hinter dem Handtuch versteckt, stattdessen richtete sie sich auf und warf das Handtuch zurück in seine Richtung. „Das brauche ich nicht, ich trage ein Kleid“, erklärte sie knapp. „Es ist deine Schuld, wenn es mich jetzt mehr entblößt als bedeckt.“

Sie sah, wie er sich verspannte, als das Handtuch gegen seine Schulter flog und auf dem Boden landete. Seine Verärgerung war nicht zu übersehen, und sie machte ihr Angst.

„Ich merke schon, du weißt immer noch nicht, was gut für dich ist, Leah.“

Betont gleichgültig griff sie in ihr Haar, um es über der Wanne auszuwringen. Innerlich rang sie noch immer um Fassung. Ihre Reaktion auf diesen Mann war einfach zu beängstigend.

„Lieber fang ich mir eine Lungenentzündung ein und sterbe, als mich von dir retten zu lassen.“

Ehe sie sich versah, hatte er einen schnellen Schritt auf sie zu gemacht und griff nach ihr. Sofort kamen all die verwirrenden, unangenehmen Gefühle in ihr hoch, gegen die sie die letzten Jahre angekämpft hatte.

Der Leuchter an der Decke ließ seine markanten Gesichtszüge bedrohlicher erscheinen. Ihr Anblick war beinahe überwältigend. Es waren vor allem seine dunkelbraunen Augen, die ihr die Luft zum Atmen nahmen.

Calista.

Calista hatte die gleichen Augen gehabt wie er. Mit dem Unterschied, dass Stavros’ Schwester immer freundlich geschaut und viel gelächelt hatte. In Scharen waren ihr die Männer nachgelaufen, und sie hatte sie nur zu gern zappeln lassen wie eine Spinne ihre Beute im Netz.

Wie jedes Mal, wenn sie an Calista und die schicksalsträchtige Nacht dachte, bildete sich ein harter Knoten in ihrem Magen, gegen den sie nicht ankämpfen konnte.

Doch da war noch ein anderes Gefühl, das er in ihr geweckt hatte. Und es wurde immer klarer, je näher er ihr kam. Die langen schwarzen Wimpern ließen seine funkelnden Augen in seinem Gesicht wie eine Oase inmitten der Wüste erscheinen. Verheißungsvoll und verführerisch.

Sein Duft war fremd und doch betörend.

Leah rang nach Luft. Innerlich begann sie zu zittern, und sie wusste, es hatte diesmal nichts mit ihrem nassen Kleid zu tun.

„Stavros, ich …“

Lange schlanke Finger glitten über ihren Hals und durch ihr Haar und zwangen sie, ihn anzusehen.

Er betrachtete sie, als sähe er sie zum ersten Mal. Als wollte er sich jedes einzelne Detail in ihrem Gesicht einprägen. Seine Berührungen brannten wie Feuer auf ihrer Haut. Es war lange her, dass jemand sie berührt hatte …

Und doch wollte sie nichts lieber, als sich seinen Liebkosungen hingeben. Sich an ihn lehnen und die Augen schließen … Es irritierte sie, dass ihr plötzlich so unglaublich heiß war.

Dann wurde ihr klar, was er tat.

Er prüfte, ob ihre Pupillen erweitert waren. Um herauszufinden, ob sie Drogen genommen hatte.

„Ich habe nichts genommen, Stavros“, flüsterte sie und erschrak selbst über ihren flehenden Unterton, den sie nicht beabsichtigt hatte. Es war sein misstrauischer Gesichtsausdruck, der sie dazu gebracht hatte, sich verteidigen zu wollen.

Als er nicht antwortete, griff sie nach seinen Handgelenken. Jeder einzelne Nerv in ihrem Körper war gespannt, als sie die kleinen Härchen auf seiner Haut berührte, seine Wärme spürte. Es war elektrisierend.

„Ich erinnere mich noch gut daran, dass Du das schon einmal gesagt hast …“ Er klang, als sei er ganz weit weg. An einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit.

Nur widerwillig ließ sie ihn los. Zu gern hätte sie seine warme Haut noch ein wenig länger gespürt, auch wenn sie das nur ungern zugeben wollte. Erst recht nicht vor ihm. „Ich sage die Wahrheit, Stavros.“

Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie Drogen angerührt, wollte sie schreien. So wie in der Nacht als Calista gestorben war. Doch er hatte ihre tränenerstickten Worte nicht einmal richtig wahrgenommen.

Sein Mund verzog sich zu einem kalten Lächeln. „Du veräppelst deinen Sicherheitsdienst, lügst Mrs. Kovlakis an, tauchst hier auf Dimitris Yacht auf und betrinkst dich … Tut mir leid, ich glaube dir kein einziges Wort!“

Wie freundlich er wieder zu ihr war. Sie kannte nichts anderes von ihm.

Entweder du heiratest mich, oder du gehst ins Gefängnis, Leah. Du hast die Wahl.

„Immerhin habe ich deine Aufmerksamkeit bekommen, oder nicht?“, entgegnete sie und bemerkte zu spät, dass sie sich verraten hatte.

2. KAPITEL

„Was?“

Stavros lockerte seinen Griff um Leahs Nacken und hatte sichtlich Schwierigkeiten, sich wieder unter Kontrolle zu bringen. Gleichzeitig nagten die Schuldgefühle an ihm, und ein dumpfer Schmerz breitete sich in ihm aus. Ein Blick auf Leah reichte aus, und er fühlte sich hilflos und traurig.

Unwillkürlich trat er einen Schritt zurück, als der zarte Duft ihrer Haut an seine Nase drang. Erleichtert, sich endlich aus dem Griff ihrer kalten Finger winden zu können.

Es brachte ihn völlig aus dem Gleichgewicht, dass er zum ersten Mal in seinem Erwachsenenleben seine normalerweise so gefasste Haltung verloren hatte. Seinen so scharfsinnigen Verstand, für den er in Geschäftskreisen Athens bekannt war. Er fühlte sich schwach in der Gegenwart dieser jungen Frau, und das gefiel ihm überhaupt nicht.

„Was hast du gerade gesagt?“

Abschätzig sah sie ihn an. „Es ging mir nur um dich, Stavros. Nur für dich habe ich diese Show hier abgezogen. Hättest du auch nur auf einen meiner Anrufe reagiert oder auf eine meiner unzähligen E-Mails geantwortet, dann wäre das hier alles nicht nötig gewesen. Aber so musste ich mich leider auf dein Niveau begeben. Anders kommt man ja nicht an dich ran.“

„Mein Niveau?“ Er merkte selbst, wie albern er klang. Als könnte er gar nicht mehr klar denken. Irgendwo in der Gegend um sein Herz herum vernahm er ein leichtes Ziehen. Einen Anflug von Sehnsucht. Sein Blick glitt über ihren Körper mit einer Gier, die ihn selbst überraschte. Ihr goldenes Seidenkleid hatte fast die Farbe ihrer natürlich gebräunten Haut. Und es spannte sich verlockend über ihren Brüsten, klebte wie eine zweite Haut an ihrer Taille und zauberte ein Bildnis von fast gänzlicher Nacktheit. Es war ein Anblick, der ihm fast den Verstand raubte.

„Ja, genau dieses Verhalten hast du doch von mir erwartet, oder nicht? Und jetzt stehst du hier vor mir – das erste Mal in fünf Jahren – und schaust mich an wie verhext.“

Verhext. So lächerlich das auch klang, es war der einzig vernünftige Grund dafür, warum er sich so überrumpelt und benommen fühlte.

Ihr langes braunes Haar klebte ihr am Kopf, und die Wassertropfen rannen über ihr Gesicht. Ungeduldig strich sie mit den Fingern durch das Haar und rubbelte es, sodass die Tropfen in alle Richtungen flogen. Jede ihrer Bewegungen war von anmutiger Eleganz. Er wusste, sie spielte nicht. Sie versuchte nicht, ihn zu beeindrucken.

Und er war so grob zu ihr gewesen. So blind vor Wut und Angst zugleich. Jedes Mal, wenn er aus dem Gleichgewicht geriet, ging sein Temperament mit ihm durch. Das hatte seine Schwester jedenfalls immer gesagt. „Wie du aussiehst … Was ist nur mit dir passiert?“, entfuhr es ihm, nachdem er sie von Kopf bis Fuß gemustert hatte.

Leah verzog keine Miene. Doch er sah das kurze Zucken ihrer Augenlider. Ihr ovales Gesicht war so schmal, die hohen Wangenknochen stießen hervor, und ihre haselnussbraunen Augen erschienen wie trübe und finstere Höhlen. Auch ihre Arme waren sehr zart.

Eine Hand in die Hüfte gestemmt, warf sie sich herausfordernd in Pose. Ein verlockender Anblick. Der nasse Stoff, der hauteng an ihrem Körper klebte, tat sein Übriges. „Wie? Mein schlanker Körper gefällt dir nicht? Deine Gefängnisstrafe hatte zumindest einen Vorteil, Stavros. Ich habe so viel Gewicht verloren, dass sogar die Models, die unsere Mode vorführen, mich nach Diättipps fragen. Und Marco erzählt mir die ganze Zeit, ich wäre ein Naturtalent. Er will unbedingt einen Fotoshoot mit mir machen …“

Es war ihr Tonfall, der Stavros aus ihrem Bann riss. Sie manipulierte ihn. So wie sie es schon immer getan hatte. Sie berührte etwas in ihm und verzauberte ihn damit, sodass er sich wehrlos und ausgeliefert fühlte. Er wusste es, und doch konnte er sie nicht davon abhalten.

Leah war nichts weiter als eine verwöhnte egoistische Göre, die den Menschen um sich herum Schaden zufügte. Das war sein erster Eindruck von ihr gewesen. Und nur, weil sie jetzt anders aussah – schlanker, attraktiver – bedeutete das nicht, dass sie sich geändert hatte. Ganz im Gegenteil, jetzt hatte sie ein weiteres Ass im Ärmel … Er musste dringend dafür sorgen, dass sie sich etwas überzog.

Energisch griff er nach ihrem Handgelenk und lockerte seinen Griff, als ihm klar wurde, wie zerbrechlich sie war. Dann zog er sie mit sich in Dimitris Schlafzimmer.

„Wow!“

Ihr unschuldiger Ausruf brachte sein Blut erneut in Wallung.

Vor dem begehbaren Kleiderschrank hielt er inne. Der Anblick ihres ausgestreckten Körpers auf Dimitris riesigem Bett löste einen Reflex in ihm aus, den er schnell wieder unterdrückte.

Christos, irgendetwas stimmte nicht mit ihm.

Mehrere Sekunden lang starrte er wie blind auf den Stapel säuberlich gefalteter Hemden vor ihm im Regal und hatte ganz vergessen, was er hier eigentlich wollte.

„Dimitri weiß, wie man es sich gut gehen lässt, nicht wahr?“

Fluchend griff er wahllos nach einem Hemd und warf es ihr zu. Ihre langen wohldefinierten Beine, an den Knöcheln umwickelt von den schwarzen Lederriemchen ihrer Stilettos, schimmerten auf dem satten Rotton des Bettlakens.

„Moment, verstehe ich das richtig? Du hast dich also angezogen wie eine Hure, dich besinnungslos betrunken und dann auf diesen Typen gestürzt, nur um meine Aufmerksamkeit zu erregen? Oder hast du dein neues abstinentes Leben einfach nur satt gehabt?“

Das Hemd kam zusammengeknüllt zu ihm zurückgeflogen und ging haarscharf an seinem Kopf vorbei. Stavros zuckte kaum mit der Wimper und betrachtete ihre weit aufgerissenen Augen in dem ovalen Gesicht.

„Ich habe ein ganzes Jahr lang versucht, mit dir Kontakt aufzunehmen. Leider hast du dich nicht dazu herabgelassen, mit mir zu sprechen. Darum war ich gezwungen, drastischere Maßnahmen zu ergreifen“, verteidigte sie sich. „Ich habe fünf Jahre keinen Tropfen Alkohol getrunken, und ich hatte auch gar nicht vor, wieder damit anzufangen.“

Trotz aller Selbstdisziplin schaffte er es wie schon zu früheren Zeiten nicht, den Blick von ihr abzuwenden. Wie ein Süchtiger verschlang er jedes kleine Detail an ihr mit seinen Blicken.

Ihre Brüste hoben und senkten sich mit jedem ihrer heftigen Atemzüge. Er sah, dass sie keinen BH unter dem dünnen Stoff des Kleids trug, denn ihre Brustwarzen wölbten sich unübersehbar hervor. Sie sah aus wie der lebendig gewordene Traum eines jeden Mannes. Auch er selbst konnte sich ihrer Wirkung nicht entziehen.

Doch das durfte er nicht zulassen. Denn das hier war Leah. Eine lästige Verpflichtung für ihn und ständige Erinnerung an sein eigenes Versagen. Er hatte absolut kein Interesse an ihr. Er gewährte ihr Schutz, aber mehr nicht.

Es war sein unnachgiebiger Wille gewesen, der ihn dazu gebracht hatte, die Frau zu heiraten, die für den Tod seiner Schwester verantwortlich war. Und damit waren jegliche weiteren Gedanken tabu.

„Willst du damit sagen, dass ich dich dazu gebracht habe, wieder mit dem Trinken anzufangen?“ Als sie schwieg, holte er tief Luft. Es konnte doch nicht sein, dass sie ihn mit jeder ihrer Aussagen zur Weißglut trieb. „Ich deute dein Schweigen als Zustimmung“, fuhr er fort. „Gewohnheiten abzulegen ist nicht einfach. Aber bestimmt ist es noch viel schwieriger für dich, damit aufzuhören, immer einen Schuldigen zu suchen, um nicht über deine eigenen Schwächen nachdenken zu müssen.“

Leah verzog den Mund und wandte den Blick ab.

Und Stavros hasste das Gefühl der grimmigen Genugtuung, das ihn erfüllte, wenn er Leahs blasses Gesicht sah. Es war der Grund, warum er es die ganze Zeit über vermieden hatte, ihr zu begegnen. Mit ihrer schieren Anwesenheit schaffte sie es, ihn in ein rasendes Ungeheuer zu verwandeln.

„Ehrlich gesagt, habe ich diesen ganzen Aufwand hier nicht betrieben, um mit dir über meine vermeintlichen Fehler zu diskutieren.“ Ihren flapsigen Tonfall, den sie jetzt angeschlagen hatte, kannte er nur zu gut. Ihre pinken Lippen wirkten mehr als einladend. Als wären sie nur zum Küssen gemacht.

Fasziniert betrachtete er sie, während die üblichen Schuld- und Wutgefühle, die er sonst in ihrer Nähe verspürte, nach und nach von etwas anderem abgelöst wurden. Etwas viel Gefährlicherem.

Irritiert strich er sich mit der Hand durchs Haar und fragte sich, was da vor sich ging. „Du hast jetzt meine volle Aufmerksamkeit, Leah. Also sag mir, was willst du von mir?“

„Du hast der ganzen Welt bewiesen, was für ein ehrenwerter Mann du bist, indem du die verrufene Katrakis-Erbin geheiratet hast. Du hast Giannis dein Wort gegeben und es gehalten. Und mich fünf Jahre lang für meine Verfehlungen bestraft … Jetzt bitte ich dich, mich gehen zu lassen, Stavros.“

Es imponierte ihm, dass sie seinem Blick standhielt. In ihren Augen sah er einen Ausdruck von tiefer Entschlossenheit. Nur das wilde Pochen an ihrem Hals verriet, wie nervös sie war.

Ihm war, als beobachtete er einen Vulkan, der kurz vor dem Ausbruch stand.

„Meinst du, diese Aktion hier überzeugt mich, dass du wieder sauber bist? Wenn ich dich jetzt gehen lasse, dann bist du in wenigen Wochen wieder da, wo du mal warst. Partys. Drogen. Alkohol. Das darf ich nicht zulassen.“

Aus Leahs Gesicht entwich jegliche Farbe. „Du hast mich von der ganzen Welt abgeschnitten. Ich durfte meine Freunde nicht sehen, deine Wachmänner haben mich Tag und Nacht nicht aus den Augen gelassen.“ Verärgert rang sie nach Luft. „Und dann hast du meine E-Mails ignoriert, und deine Sekretärin hasst mich, weil ich immer wieder versucht habe, dich zu erreichen. Du … du kannst mich nicht einfach einsperren, so als wäre ich dein Besitz! Was hätte ich denn tun sollen, damit ich endlich mit dir reden kann?“

„Man hat immer eine Wahl. Traurigerweise hast du nie gelernt, die richtige Wahl zu treffen.“

„Ich hab jetzt keine Lust, über die Vergangenheit zu reden.“ Denn dann würde sie sich wieder in das Häufchen Elend verwandeln, das sie während der ersten Monate nach Calistas Tod gewesen war.

„Das müssen wir auch nicht.“ Sie sah, wie sich sein Kiefer anspannte. „Aber möchtest du mich gar nichts fragen?“

Sie schüttelte den Kopf. „Ich muss noch alles Mögliche für meine Kollektion organisieren. Die Zeit läuft mir davon. Ich warte noch auf einen Anruf von der Bank wegen der Genehmigung …“

Sie brach ab, als er langsam auf sie zuging. Sein Blick sprach Bände. Hastig sprang sie vom Bett auf.

„Wir haben uns fünf Jahre nicht gesehen, Leah. Und du hast keine Frage an mich?“

„Was für eine Frage?“, presste sie hervor, eingeschüchtert durch seine bedrohliche Haltung.

Mit einer schnellen Bewegung griff er sie und zog sie zu sich heran, sodass sie gegen seinen muskulösen Körper taumelte und erschrocken aufschrie. Die Wut in seinem Blick ließ seine Augen funkeln wie dunkles Gold. „Wie es deinem Großvater geht, verdammt noch mal! Wie kann man nur so undankbar sein?“

Als sie nach Atem rang, verstärkte er seinen Griff, bis es schmerzte.

„Ist es wirklich zu viel erwartet, dass du dich ein wenig sorgst um den Mann, der nach dem Tod deiner Eltern alles für dich getan hat?“

Energisch stieß Leah ihn zurück und war gleichzeitig entsetzt, wie leicht er es schaffte, sie zu verunsichern. Allein seine Präsenz überwältigte sie, seine Berührungen noch mehr, so unschuldig sie auch sein mochten.

„Ich bin kein kleines Kind mehr, also hör auf, so mit mir zu reden!“, fuhr sie ihn an. „Ich weiß, wie es Giannis geht, weil ich täglich mit seiner Krankenschwester telefoniere.“

Sofort bereute sie ihre Worte, als sie den ungläubigen Ausdruck in seinen Augen sah. Seufzend wandte sie sich um, um sich aus dem winzigen Kühlschrank in der Ecke eine Flasche Wasser zu nehmen. Sie brauchte Zeit, um sich wieder zu sammeln. Gierig trank sie die Flasche in mehreren Zügen aus, sodass ihre Kehle von der kalten Flüssigkeit brannte.

Und doch spürte sie die Hitze in ihrem Körper, während Stavros sie von der anderen Seite des Raums argwöhnisch beobachtete. Die Spannung in der Luft war fast greifbar.

Stavros hatte nichts als Zerstörung in ihr Leben gebracht. Warum verstand ihr Körper das nicht?

„Du hast ihn nicht ein einziges Mal besucht in fünf Jahren.“

Ihr Herz krampfte sich zusammen bei dem Gedanken, Giannis zu sehen. Wie sehr sie sich danach sehnte, sein freundliches Lächeln zu sehen. Giannis war ein so starker Mann, doch vor fünf Jahren hatte er einen Herzinfarkt und eine schwere Bypass-Operation überstanden. Es würde ihn nur unnötig aufregen, wenn sie ihn besuchte.

„Meine Beziehung zu Giannis geht dich nichts an.“

Ein leichtes Lächeln glitt über sein Gesicht. „Ich denke doch.“

„Es reicht mir, Stavros“, entgegnete sie unwirsch. „Ich habe mir fünf Jahre lang mein Leben von dir diktieren lassen. Bis hin zu dem Essen, das ich aß, der Kleidung, die ich trug, den Leuten, mit denen ich redete. Was auch immer du meintest, an mir verbessern zu müssen, es ist jetzt repariert. Ich will das Leben führen, das ich mir ausgesucht habe. Ich will Karriere machen …“ Ihre Kehle zog sich zusammen, Tränen drohten, ihr über die Wangen zu laufen. „Was brauchst du denn noch, bis du endlich überzeugt bist, dass ich sehr wohl in der Lage bin, mein eigenes Leben zu führen?“

„Jedenfalls keinen Anruf von Dimitri, bei dem er mir mitteilt, dass du betrunken mit irgendeinem fremden Typen rummachst.“

„Ich habe dir bereits erklärt, warum ich das gemacht habe“, verteidigte sie sich.

„Und ich habe mit einem Freund von mir gesprochen. Philip ist Anwalt.“ Bewusst trat sie einen Schritt zurück, um Distanz zu ihm zu schaffen, damit sie nicht wieder anfing, sich von seiner Nähe durcheinander bringen zu lassen. „Ich kenne meine Rechte jetzt sehr genau, Stavros. Es gibt unzählige Gründe, die das Gericht akzeptieren würde, wenn ich die Scheidung einreiche.“

„Du willst die Scheidung?“

„Ja, ich will die Scheidung. Ich will dich nie wieder sehen. Und ich bin mir sicher, das ist genau das, was du auch willst. Also gib uns beiden das, was wir uns so sehnlichst wünschen.“

Ein spöttisches Lächeln umspielte seinen Mund, während sein Blick kalt blieb. Wieder hatte Leah dieses Gefühl, dass er etwas vor ihr verbarg. Dass er nicht wollte, dass sie sein wahres Ich kennenlernte. „Natürlich hast du Rechte, Leah. Aber dieser Prozess könnte Jahre dauern, wenn ich nicht zustimme.“

Leahs Hände begannen, unkontrolliert zu zittern. Am liebsten hätte sie laut geschrien. Hinter ihren Lidern brannten heiße Tränen. „Willst du mich für den Rest meines Lebens dafür bestrafen, was mit Calista passiert ist? Glaub mir, ich wünschte, ich wäre in dieser Nacht gestorben, nicht sie!“

Sie hatte in ihrem ganzen Leben noch nie Drogen angerührt. Aber sie hatte – ohne es zu wissen – dazu beigetragen, dass Calista genau das selbst tun konnte, in jener verhängnisvollen Nacht. Und diese Schuld verfolgte sie bis in ihre tiefsten Träume.

Zum ersten Mal an diesem Abend, vielleicht auch zum ersten Mal überhaupt, wirkte er so geschockt, dass Leah am liebsten gejubelt hätte. Wäre da nicht das ungute Gefühl in ihrem Bauch gewesen.

Langsam entspannten sich seine Gesichtszüge wieder. „Ich habe mir nie gewünscht, dass du stattdessen in dieser Nacht gestorben wärst, Leah.“

Sie glaubte ihm nicht. Sie wollte ihm nicht glauben. Aber sie wusste, Stavros war immer ehrlich. Seine Moral und seine Prinzipientreue hatten sie immer beeindruckt. Niemand konnte ihm in dieser Hinsicht das Wasser reichen. Weder Dimitri, noch Calista. Und auch nicht sie selbst.

Aber Stavros zu hassen war immer einfacher gewesen, als sich mit all dem Leid und all der Angst in ihr auseinanderzusetzen. Obendrein hatte er ihr ausreichend Gründe gegeben, ihn zu hassen. Aber sie würde ihm jetzt nicht die Genugtuung darüber gönnen, dass er mit seiner Meinung über sie recht hatte.

Stattdessen holte sie tief Luft und erinnerte sich wieder daran, warum sie eigentlich hier war. Es würde ihr so helfen, wenn Stavros ihren Treuhandfonds freigab. Aber sie war darauf vorbereitet, dass es nicht so einfach würde.

Jeder andere Mann hätte die Frau, von der er annahm, dass sie für den Tod seiner Schwester verantwortlich war, auf den Mond geschossen. Oder zumindest nie wieder ein Wort mit ihr gewechselt.

Stavros hingegen hatte sie nur Stunden, nachdem sie Calista beerdigt hatten, zu seiner Ehefrau gemacht.

Eigentlich war die Scheidung ihr egal. Ihre lächerliche Ehe, die im Grunde gar keine war, interessierte sie überhaupt nicht. Aber sie wollte ihrem Leben einen Sinn geben und erfolgreich sein mit dem, was sie schon immer am liebsten getan hatte. Nämlich Kleider entwerfen.

„Was muss ich tun, damit du das Geld freigibst?“

„Bist du bereit, alles zu tun, worum ich dich bitte?“

Sein scheinheiliger Tonfall ließ sie direkt wieder in Panik geraten. „Mein Privatleben geht dich nichts an. Du hältst mich wie eine Gefangene. Aber ich habe trotzdem Freunde, die mir etwas bedeuten. Wenn du von mir verlangst, den Kontakt mit ihnen abzubrechen, dann werde ich mich weigern.“

Als Stavros ein paar Schritte auf sie zu machte, kämpfte Leah gegen den automatischen Impuls an, vor ihm zurückzuweichen.

Mit seiner lässigen Arroganz und dem Aussehen eines griechischen Gotts hatte Stavros ihr schon immer das Gefühl vermittelt, ein hässliches Entlein zu sein. Unbedeutend inmitten der feinen Gesellschaft, in der sich ihr Großvater bewegte.

Ihre Angst wurde mit einem Mal von einer unwillkommenen Lust abgelöst. Die leichten Bartstoppeln an seinem Kinn, das markant maskulin geschnittene Gesicht, der perfekt geschwungene Mund …

Der Kragen seines Hemds stand ein wenig offen, sodass sie seine olivfarbene Haut sehen konnte. Mit angehaltenem Atem begegnete sie seinem Blick.

Jeder Nerv in ihrem Körper stand unter Hochspannung, als er näher kam. Mit dreiundreißig Jahren war er genau zehn Jahre älter als sie. Warum hatte er nicht mittlerweile einen Bauchansatz oder Geheimratsecken? Konnte ihr das Schicksal denn nicht wenigstens in dieser Hinsicht ein wenig zur Seite stehen?

Es wäre weitaus leichter, mit ihm umzugehen, wäre er nicht ganz so attraktiv.

„Wenn du fünf Jahre gewartet hast, warum willst du die Scheidung jetzt so plötzlich? Ist dieser Philip etwa mehr als nur dein Anwalt?“

„Philip ist nur ein Freund“, erklärte sie. „Du willst also dein albernes Spiel mit mir noch weiterspielen, verstehe ich das richtig?“

Stavros beobachtete sie fasziniert, wie sie die Augen schloss und tief Luft holte.

Als sein Blick über ihren zierlichen Körper glitt, fühlte er sich auf einmal furchtbar schäbig. Er hatte sie nicht ein Mal gesehen in den fünf Jahren. Nicht einmal angerufen. Er hatte sich voll und ganz darauf verlassen, dass Mrs. Kovlakis schon für sie sorgte.

Er hätte ihren Anblick nach Calistas Tod einfach nicht ertragen.

Theos, er war so unfassbar wütend auf sie gewesen …

Natürlich hatte er ihr keine Steine in den Weg legen wollen, als sie die Ausbildung in dem Modehaus machen wollte. Aber seine Verpflichtung hatte er auch nicht wirklich erfüllt. Sie durch die Heirat vor all den geldgierigen Verehrern zu schützen, die ständig wie die Hyänen um sie herumgeschlichen waren, hatte nur ein erster Schritt sein können. Er hatte Giannis versprochen, sie vor ihrem eigenen zerstörerischen Lebensstil zu schützen.

Schmerz und Wut hatten ihn abgelenkt. Es war einfach gewesen, ihre Präsenz in seinem Leben aus der Ferne zu tolerieren. Auf diese Weise hatte er es fast geschafft zu vergessen, dass sie überhaupt existierte. Dennoch hatte er die Kontrolle über sie. Es geschah alles nur zu ihrem Besten.

Doch nun musste er sich eingestehen, dass sie recht hatte. Er hatte ihre gemeinsame Zukunft als Ehepaar lange genug verdrängt und verflucht.

„Ich habe im Modehaus jetzt alles gelernt, was es zu lernen gibt. Außerdem habe ich jede Menge wichtige Kontakte gesammelt, darum möchte ich jetzt gehen.“

Ihre Worte versetzten ihn sofort in Alarmbereitschaft. Er hatte einen Fehler gemacht. Er hatte sie zu lange allein gelassen, und sie hatte die Zeit genutzt und setzte zum Gegenschlag an.

„Gehen? Wohin willst du gehen?“

„Am liebsten nach New York City. Aber es …“

„New York, ja? Dann weiß ich ja schon, wo du mal enden wirst, nach allem, was ich mittlerweile über dich weiß.“

„Es wird ein Neuanfang sein“, fuhr sie unbeirrt fort und fixierte ihn mit ihrem Blick. „Ich habe einige gute Kontakte hier knüpfen können. Boutiquebesitzer, Einzelhändler, Models, denen meine Arbeiten gefallen. Die Modebranche ist sehr schnelllebig. Darum muss ich den Zeitpunkt nutzen, ehe die paar Leute, denen meine Designs gefallen, mich wieder vergessen haben.“

„Und was wäre dein nächster Schritt?“

Verwundert beobachtete er, wie sie sich aufrichtete, von einer unerwarteten Energie erfasst. „Ich werde meine Chance nutzen und versuchen, mich selbstständig zu machen. Erst einmal mit individuellen Bestellungen. Jetzt gerade hat eine Frau Interesse, die als Einkäuferin für einen kleinen Modehändler in London tätig ist.“

„Du lehnst dich ziemlich weit aus dem Fenster, finde ich. Gerade in deinem Bereich ist freiberufliche Arbeit ein riskantes Unterfangen. Meinst du nicht, es ist sicherer, beim Modehaus zu bleiben?“

„Ich designe schon fast mein ganzes Leben lang Kleidung, Stavros. Und ich habe jetzt sieben Jahre in diesem Bereich gearbeitet, aber abgesehen von einigen Ideen, die ich zu den Kreationen von Senior-Designern beisteuern durfte, habe ich in diesem Unternehmen keine weiteren Karrierechancen.“

„Aber du weißt doch gar nicht, wie man selbst ein Unternehmen führt.“

„Das wusstet ihr beide doch auch nicht, als Giannis euch hierher geholt hat. Du bist auf irgendeiner Farm aufgewachsen, und Dimitri … Was war er noch mal? Drogendealer oder Zuhälter? Ich vergesse es immer. Auf jeden Fall hattet ihr keine Ahnung und habt es trotzdem geschafft, euch hochzuarbeiten.“

Sein Schweigen raubte ihr fast den letzten Nerv, seine Blicke sprachen Bände.

„Ich muss es einfach probieren. Und dafür brauche ich Geld.“

Stavros lächelte zynisch, und Leah hätte ihm am liebsten eine Ohrfeige verpasst. Aber sie durfte jetzt keinen Fehler machen, sonst würde er nie wieder auf sie hören.

„Ich verstehe. Darum geht es dir also. Du willst Geld.“

„Ja, Geld“, wiederholte sie, wobei sie seinen sarkastischen Tonfall nachahmte. Für ihn war es schließlich leicht, auf sie herabzublicken, wo er doch in Geld schwamm. „Das Geld, das mir mein Vater hinterlassen hat. Mein Erbe. Das übrigens nichts mit dir oder Giannis oder mit dem Erbe der Katrakis-Dynastie zu tun hat.“

„In Ordnung.“

War das alles gewesen? So leicht lenkte er ein? Erleichtert stieß Leah die Luft aus. Vorfreude machte sich in ihr breit. Sie würde sofort die Textilfirma anrufen, wenn sie hier raus war. Dann würde sie die Stoffe bestellen, jemanden einstellen, der ihr beim Nähen half und noch ein paar weitere wichtige Dinge besorgen …

„Zeig mir deinen Geschäftsplan“, sprach er weiter. „Wenn er solide ist und ich mit allem einverstanden bin, dann werde ich selber in dein Unternehmen investieren.“

Sein Tonfall sagte ihr, dass er sie nicht ernst nahm, was Leah verletzte und ihre Wut auf ihn erneut aufflammen ließ. Am liebsten hätte sie die teure Porzellanvase auf dem Tischchen neben ihr auf dem Boden zerschmettert. Oder laut geschrien. Oder …

„Ich will deine Investition gar nicht, ich will überhaupt nichts von dir. Ich will nur mein eigenes Geld. Damit ich das machen kann, was ich schon immer machen wollte. Etwas, worin ich völlig aufgehe. Verstehst du das?“

„Mir wird gerade klar, dass ich dir meine Absichten viel früher hätte erklären sollen. Du hast recht, ich hätte das hier alles nicht so lange laufen lassen dürfen. Aber jetzt, wo du hier bist, werde ich das sofort ändern.“

Das Herz schlug Leah fast bis zum Hals. Was immer er ihr damit sagen wollte, es war sicher nicht das, was sie hören wollte. „Was meinst du damit?“

„Als ich Giannis mein Wort gegeben habe, dass ich dich beschützen würde – auch vor dir selbst – hab ich nicht an einen vorübergehenden Zeitraum gedacht, sondern bis dass der Tod uns scheidet. Also lass uns noch einmal zwei Dinge klarstellen.“

Seine Gesichtszüge wirkten wie erstarrt, ohne jegliche Emotionen. „Dieser Freund da von dir, der Anwalt … Er soll sich besser vorsehen und die Finger von meiner Frau lassen. Außerdem wirst du ab jetzt bei mir wohnen.“

„Was? Warum?“

„Weil es an der Zeit ist, dass wir unser gemeinsames Leben beginnen. Und um deine Karriere anzukurbeln, werden wir ein großes Designerhaus in London, Mailand oder Paris beauftragen, für dich eine Modekollektion auf den Markt zu bringen. Als meiner Frau soll es dir an nichts mangeln.“

3. KAPITEL

Eine Kollektion über eines der besten Modehäuser der Welt herausbringen? An nichts mangeln? Ehefrau?

Warum sprach Stavros plötzlich von ihr als seiner Ehefrau?

Es musste ein Scherz sein. Aber er hatte sich ja immer einen Spaß daraus gemacht, sie lächerlich zu machen.

Du darfst diesen jungen Mann nicht mehr treffen, Leah …

Keine weiteren Reisen nach New York …

Giannis erlaubt dir zu viele finanzielle Freiheiten, das ist jetzt vorbei …

Leah begegnete seinem Blick und erstarrte. Stavros Sporades machte keine leichtfertigen Versprechungen. Er war ein Mann, der zu seinem Wort stand. Immer.

Plötzliche Angst erfasste sie, sodass ihre Knie fast unter ihr nachgaben.

Instinktiv machte er einen Schritt auf sie zu, doch Leah protestierte. „Komm mir nicht zu nahe“, flüsterte sie erstickt.

Er würde ihr nie vergeben, dass Calista gestorben war. Und auch sich selbst nicht. Leah war sich sicher, er würde sie beide bis an ihr Lebensende bestrafen.

Und allein die Vorstellung, seine Ehefrau zu sein …

Seltsamerweise erfüllte der Gedanke sie mit einer inneren Ruhe statt mit rasendem Zorn. „Ich will nur, dass du weißt, dass ich deine Forderungen dieses Mal nicht stillschweigend hinnehmen werde“, fügte sie hinzu. „Ich werde die Scheidung einreichen, Stavros.“

Ein Schatten ging über sein ansonsten unbewegtes Gesicht. Er wirkte unbesiegbar, so wie er dort vor ihr stand. Und bedrohlich. Es wäre ein Leichtes für ihn, sie zu vernichten.

„Anwälte und Gerichtsverfahren kosten viel Geld.“

Sein herablassender Tonfall reizte sie bis aufs Blut. „Mir ist kein Preis zu hoch, und wenn ich mich selbst verkaufen muss. Bis zum Ende der Woche werde ich aus dieser Wohnung ausziehen und meine Kündigung beim Modehaus einreichen. Und sobald ich von diesem Boot hier runter bin, werde ich Philip anrufen und ihn über meine Pläne informieren.“

Sie setzte dazu an, an ihm vorbei zur Tür zu gehen, da trat er ihr in den Weg. „Ich bin nicht dein Feind, Leah.“

Ihre Gedanken rasten. Sie war kurz davor, in Panik auszubrechen. „Nein? Ich hoffe für dich, du überlegst es dir niemals anders. Wenn deine Schlägertypen mich auch nur anrühren, dann erzähle ich der Presse, wie du mich die letzten fünf Jahre behandelt hast. Ich werde ihnen sagen, dass ich nichts weiter war als eine Gefangene. Sicher brennen sie darauf zu erfahren, dass der heilige Stavros Sporades nichts weiter als ein Sadist ist.“

„Es ist mir egal, was die Presse von mir hält.“

Leah schluckte und versuchte, die aufsteigende Übelkeit zu unterdrücken. „Natürlich werden sie dann auch die ganze Story mit Calista ausgraben.“

Voller Verachtung erwiderte er ihren herausfordernden Blick. Im Grunde verachtete Leah sich selbst für das Schauspiel, das sie ihm bot. Dennoch interessierte es sie im Grunde nicht, was er in diesem Moment von ihr dachte.

Endlich einmal konnte seine Meinung ihr nichts anhaben, so unfair und verdreht sie auch sein mochte.

„Wenn Giannis davon erfährt …“ Aufgebracht ballte er die Hände zu Fäusten. In seinem Gesicht zuckte es. „Giannis hat dich so sehr geliebt, er wird am Boden zerstört sein, wenn er mitbekommt, wie der Name Katrakis durch den Dreck gezogen wird. Du wirst ihn mit deiner halsbrecherischen Aktion noch umbringen. Und meine Großeltern … sie ertragen es nicht mehr, immer wieder mit Calistas Tod konfrontiert zu werden.“

„Aber du weißt doch, dass es mir egal ist, ob ich andere Menschen verletze, oder etwa nicht?“, bluffte sie und schluckte hart.

Jedes Mal, wenn sie an ihrem Großvater dachte, überkam sie ein Gefühl von Ohnmacht. Es tat ihr weh zu wissen, dass er in der Nähe lebte und dass sie ihn doch nicht sehen konnte.

Trotzdem hatte sie keine andere Möglichkeit, als Stavros auf diese Art unter Druck zu setzen, so leid es ihr auch tat. Sie zwang sich zu einem Lächeln, das mehr einer Grimasse ähnelte. „Wenn du nicht willst, dass ich die Namen Sporades und Katrakis beschmutze, dann wirst du wohl zustimmen müssen.“

Mit gesenktem Kopf lief sie zur Tür, um sich dort noch einmal nach ihm umzudrehen. Zum ersten Mal seit Langem hatte sie wirklich Angst, denn sie hatte ihre Beziehung mit dem Menschen aufs Spiel gesetzt, den sie über alles liebte. Sie würde es niemals über sich bringen, ihren Großvater zu verletzen. Allein über ihn zu sprechen tat ihr weh. Aber sie musste dafür sorgen, dass Stavros sie ernst nahm. „Du wirst dieses Geld freigeben müssen und mich dann mein Leben leben lassen. Das Leben, das ich mir ausgesucht habe.“

„Ich dachte eigentlich, ich wüsste, wie egoistisch du bist, aber du übertriffst dich immer wieder selbst“, entgegnete er kühl.

Die Resignation in seiner Stimme frustrierte sie. Dass er ihrem Bluff nun glaubte, erleichterte sie keineswegs. Es verdeutlichte ihr umso mehr, wie ein gemeinsames Leben mit ihm aussehen würde.

„Siehst du. Du wirst wahrscheinlich noch dankbar sein, wenn ich aus deinem Leben verschwunden bin.“

Ohne seine Antwort abzuwarten, rauschte sie an ihm vorbei durch die Korridore im Bauch der Yacht und zurück hinauf auf das Deck. Oben angelangt, ließ sie sich für einen Augenblick auf den Holzboden sinken, um ihren zittrigen Knien eine Auszeit zu gönnen und sich wieder zu sammeln. Ihr Puls raste noch immer.

Die Vorstellung, dass Stavros noch immer nicht glaubte, dass sie ihre Drohungen wahr machen könnte, machte ihr mehr Angst, als sie sich eingestehen mochte.

Als sie Schritte hörte, stellten sich ihre Nackenhärchen auf. Es hatte gerade noch gefehlt, dass Stavros sie hier wie ein Häufchen Elend sitzen sah … Er wüsste sofort, dass sie ihm bloß etwas vorgespielt hatte.

Erleichtert registrierte sie, dass es Dimitri war, der aus seinen grauen Augen besorgt zu ihr herabschaute. „Hallo Leah.“ Er streckte ihr die Hand entgegen, um ihr aufzuhelfen.

Dankbar griff Leah nach seiner kräftigen Hand und war froh darüber, dass sie bei ihm nicht in dieses unkontrollierte Zittern ausbrach so wie bei Stavros’ Berührungen.

Eigentlich fühlte sie gar nichts außer einer angenehmen Freude, ein vertrautes Gesicht zu sehen.

Warum war es dann mit Stavros so kompliziert? Und warum hatte sie in Stavros’ Anwesenheit immer das Gefühl, etwas Besonderes darstellen zu müssen?

„Ich frage lieber nicht, was zwischen euch vorgefallen ist“, murmelte Dimitri und ließ seinen Blick prüfend über ihr Gesicht gleiten.

Verglichen mit Stavros’ verletzender Geringschätzung war Dimitri mit seiner humorvollen Art unglaublich wohltuend, wenngleich sie sich fragte, inwieweit sein Mitgefühl in diesem Moment nur gespielt war.

„Komm, ich bring dich nach Hause“, erklärte er nun. „Stavros wird es mir danken, wenn ich seine kostbare Ehefrau davor bewahre, wegen allzu freizügiger Bekleidung verhaftet zu werden.“

„Dann hätte er mich nicht in diese monströs große Wanne in deinem Bad tauchen sollen“, verteidigte sie sich und versuchte etwas verlegen, ihren großen Ausschnitt mit den Armen zu verdecken. Es irritierte sie, als Stavros’ Ehefrau bezeichnet zu werden.

Sein Lachen sagte ihr, dass Dimitri viel mehr wusste, als er zugab. So verschieden die beiden auch waren, seine Freundschaft zu Stavros war durch nichts zu erschüttern. Ihre Liebe zu Giannis verband sie.

„Ich habe euer Gespräch mitgehört, Leah.“

„Dann bist du ja doch so unverfroren, wie alle behaupten.“

Unbeeindruckt erwiderte er ihren vorwurfsvollen Blick. „Ich habe die Party sofort beendet und meine Gäste nach Hause geschickt, aber ich habe mir Sorgen gemacht, dass ihr euch noch etwas antun würdet. Darum bin ich hiergeblieben“, erklärte er.

Jedes Mal, wenn sie Giannis mit Dimitri oder Stavros zusammen gesehen hatte, hatte sich ihr Herz zusammengekrampft vor Trauer darüber, dass sie so etwas niemals mit ihrem Großvater erleben konnte. Und es war ihre eigene Entscheidung, die dazu geführt hatte.

„Was wir zu bereden haben, geht dich nichts an, Dimitri.“

Sie war im Begriff zu gehen, da griff er nach ihrem Arm und zwang sie, sich wieder zu ihm umzudrehen. „Du spielst ein gefährliches Spiel mit Giannis’ Leben, Leah. Und das alles nur, um Stavros zu ärgern. Das ist nicht lustig.“

Leah war frustriert. Irgendwie durchschaute dieser Mann sie immer. „Ich will einfach nur meine Freiheit, Dimitri, und mein eigenes Leben leben. Das Leben, das ich mir selbst aussuche. Das kann doch nicht so schwer zu verstehen sein, oder?“ Sie wählte ihre Worte ganz bewusst, denn sie erinnerte sich an das, was Calista ihr damals über Dimitris Leben erzählt hatte, bevor Giannis ihn in London von der Straße geholt hatte.

„Dann versuche, das auf einem anderen Weg zu erreichen. Du musst endlich diese verfahrene Situation zwischen euch beiden beenden.“

„Aber wie denn?“, flüsterte sie mit brüchiger Stimme. „Er hat mir doch keine Wahl gelassen. Als wir unten waren“, sie deutete auf das verdächtig ruhige Unterdeck, „habe ich geblufft. Aber jetzt weiß ich nicht mehr, ob ich diese Sache durchziehen kann.“

„Ihr beide werdet euch noch gegenseitig zugrunde richten.“

„Ich werde Stavros garantiert nicht zugrunde richten. Alle Macht liegt in seiner Hand, Dimitri, wie immer.“ Und das Schlimmste daran war, dass sie ihm diese Macht mit ihrem unverantwortlichen Verhalten überhaupt erst verliehen hatte.

„Wenn Stavros wirklich dein Freund ist und dir Giannis Gesundheit am Herzen liegt, dann überzeuge Stavros, dass ich seinen Schutz nicht mehr brauche. Bitte, Dimitri!“

Zwei Tage später powerten sich Stavros und Dimitri im Boxring des exklusiven Fitnessstudios aus, das Dimitri sich direkt neben seinem Apartment in Athen hatte einrichten lassen.

Es war eine Gewohnheit, die sie schon seit Jahren pflegten. Immer dann, wenn ihre Streits zu eskalieren drohten.

Heute war Stavros derjenige, der sich abreagieren musste. Während der letzten zwei Tage war er furchtbar unproduktiv bei der Arbeit gewesen und hatte es immer noch nicht geschafft, die Begegnung mit Leah zu verarbeiten.

Aber du weißt doch, dass es mir egal ist, ob ich andere Menschen verletze, oder etwa nicht?

Ihre Worte gingen ihm nicht aus dem Kopf. Noch immer hatte er ihre funkelnden Augen und den verheißungsvollen Körper vor Augen. Ihren Schmollmund. Und wie sie da vor ihm gestanden hatte, mit einer Hand in der Hüfte. Ihr dunkelbraunes feuchtes Haar, das in wilden Locken ihr Gesicht umrahmte. Christos, er konnte es immer noch nicht glauben, dass dieses bezaubernde Wesen wirklich Leah gewesen ist.

Leah, die zusammengezuckt war, als er sie bloß versehentlich berührt hatte. Als hätte sie einen Stromschlag bekommen …

Leah, die ihn selbst mit sechzehn schon auf die Palme gebracht hatte mit ihren Äußerungen …

Leah, die ihn selbst jetzt, wo sie gar nicht da war, in Rage brachte …

Nein!

Einem plötzlichen Impuls der Wut folgend, machte Stavros einen Schritt nach vorn und traf mit seiner Rechten schwungvoll Dimitris Kiefer. Das zischende Geräusch seines Ausatmens, gefolgt von einem Schwall an Schimpfwörtern, hallte durch die Stille des leeren Raumes.

In Dimitris Augen spiegelte sich der Schock über Stavros’ unerwartete Heftigkeit.

„Ding dong“, murmelte er schließlich. „Der Punkt geht an Leah Huntington Sporades.“

Stavros Gesichtszüge wurden hart, und er warf Dimitri einen verächtlichen Blick zu.

Während Dimitri seinen Kiefer mit einer Hand massierte, griff er mit der anderen nach einer Flasche Wasser. „In all den Jahren, die wir uns kennen, bist du noch nie so auf mich losgegangen. Es kann ja nur an ihr liegen.“

Stavros wusste, er konnte Dimitri nichts vormachen. Und er wollte nicht ausgerechnet mit ihm über Leah sprechen. Dimitris Kiefer war mittlerweile dunkelblau angelaufen, und Stavros triumphierte heimlich. „Ich würde etwas Eis drauf tun.“

„Du hast es zu weit getrieben, Stavros.“

Stavros wusste genau, was sein Freund meinte. „Misch dich nicht in unsere Angelegenheiten ein, Dimitri.“

Als er sich abwenden wollte, versperrte Dimitri ihm den Weg. „Giannis hat dich um etwas gebeten, und du hast es völlig übertrieben mit der Erfüllung seines Wunsches.“

Giannis, dem Stavros und Dimitri ihre ganze Welt verdankten, hatte sie nur um eine einzige Sache gebeten. Damals, als er sie von der Straße aufgelesen hatte als dumme kleine Jungen.

Und Stavros hatte kläglich darin versagt, seinem Retter die Ehre zu erweisen.

„Giannis hat dich gebeten, sie zu beschützen“, sprach Dimitri weiter, während Stavros zuhörte. „Aber was ich da vor zwei Tagen mitbekommen habe … Ganz ehrlich, er hätte Leah besser mir anvertrauen sollen. Ich hätte sie gleich am ersten Tag verführt und dafür gesorgt, dass sie sich in mich verliebt und sie dann nach einer Woche wieder fallengelassen. Dann hätte sie ihre Lektion schon gelernt.“

Unbewusst ballte Stavros die Hände zu Fäusten. Er konnte die Vorstellung nicht ertragen, wie Dimitri Leah erst verführte und dann wegstieß. „Sie ist aber keines von deinen Partyhäschen, Dimitri. Sie ist … Leah.“

Sein Atem ging schwer, und ihm entging nicht, wie Dimitri ihn aus halb geschlossenen Augen beobachtete. Sie wussten beide, was er hatte sagen wollen.

Sie ist meine Frau.

Seit wann war er so besitzergreifend, was sie anging? Er hatte sie doch immer als Last empfunden. Auf einmal schaffte sie es, ihn so aus dem Gleichgewicht zu bringen.

„Dass ich das noch einmal erleben würde, wie Stavros Sporades die Kontrolle über sich verliert. Sie ist aber auch wirklich zum Anbeißen. Ein Traum von einem Körper. Sie hat dich doch nie wirklich kaltgelassen“, sinnierte Dimitri. Dann runzelte er die Stirn. „Aber jetzt hat sie eine andere Waffe, die sie gegen dich einsetzen kann.“

Es reicht, Dimitri! Ich mische mich auch nicht in dein Leben ein, geschweige denn, dass ich darüber urteilen würde.“

„Leah ist aber nicht irgendeine Frau“, widersprach Dimitri. „Wenn du jetzt nur aus einer plötzlichen Zuneigung ihr gegenüber …“

„Manchmal weiß ich nicht, ob du mein Freund oder mein Feind bist“, unterbrach Stavros ihn.

Dimitri zuckte nicht mit der Wimper. „Du bist ein Ehrenmann, Stavros. Bis ich dich getroffen habe, wusste ich nicht einmal, was das ist. Aber Leahs Drohung betrifft Giannis, und deswegen musst du so schnell wie möglich eine Entscheidung treffen.“

„Ich habe bereits eine Entscheidung getroffen. Vor fünf Jahren.“

„Warum hast du sie dann in fremde Obhut gegeben und auf Abstand gehalten? Entweder behandelst du sie wie eine Ehefrau, oder du musst dich von ihr trennen.“

Eine Kälte machte sich in seinem Körper breit, und er fröstelte, obwohl er kurz zuvor noch geschwitzt hatte. Seufzend sah er Dimitri an. „Was, wenn sie sich nicht verändert hat? Wenn sie immer noch …“

„Gib ihr doch eine Chance, Stavros“, unterbrach Dimitri ihn. „Dann weißt du endlich, woran du bist.“ Mit diesen Worten wandte er sich um und ging zur Tür.

Vor fünf Jahren hatte er sich von seinem Zorn und seiner Trauer ablenken lassen. Jetzt war die Intensität seines Verlangens nach ihr eine Schwäche, mit der er nicht umzugehen wusste. Stöhnend rieb er sich den Schweiß von der Stirn und sah sich im Spiegel an.

Sein ganzes Leben lang hatte er sich immer nur von seinen Pflichten leiten lassen. Von seinem Verantwortungsgefühl.

Daran würde nichts und niemand etwas ändern. Auch seine unverschämt egozentrische Frau nicht.

4. KAPITEL

Der kleine Balkon bot eine atemberaubende Aussicht auf die unzähligen Lichter des nächtlichen Athens.

Leah genoss den Moment der Ruhe. Gerade war sie eine Stunde gelaufen. Laufen verschaffte ihr immer einen klaren Kopf. Fast immer. Denn sie wollte noch immer am liebsten weglaufen und nie mehr zurückblicken.

Es war Viertel nach fünf, und die Restaurants und Bars füllten sich langsam mit Einheimischen und Touristen. Gelächter drang zu ihr herauf. Es war ein Abend wie jeder andere. Normalerweise zauberte ihr der Blick auf die Stadt ein Lächeln ins Gesicht nach einem langen einsamen Tag. Heute jedoch half er ihr nicht. Sie machte sich Sorgen.

Seufzend ging sie zurück in die Wohnung. Die strahlend weißen Wände bedrückten sie mit einem Mal. Sie hatte sich damals beim Einzug geweigert, Bilder aufzuhängen oder die Wohnung etwas gemütlicher einzurichten. Schließlich wollte sie gar nicht hier sein.

Warum war sie nicht schon viel früher von hier weggelaufen? Warum war sie aus dieser lächerlichen Vereinbarung mit Stavros, die er Ehe nannte, nicht ausgebrochen?

War es die Angst vor der Unabhängigkeit? Nahm sie Stavros’ Bestrafung in Kauf, nur damit sie nicht auf sich allein gestellt war?

Leah würde sich nie verzeihen, dass sie in Calistas Tod verstrickt gewesen war. Sie hatte ihr geholfen, Stavros gegenüber vieles in ihrem Leben zu verschleiern, was dieser ablehnte. Aber sie hatte nicht gewusst, dass Calista Drogen genommen hatte. Erst als es zu spät war, hatte sie es erfahren. Als Calista gestorben war.

Tief in Gedanken versunken, ging sie zu ihrem Schrank und reckte sich, um eine Reisetasche vom Regal zu zerren, die sie bereits so lange nicht benutzt hatte, dass sie von einer dicken Staubschicht bedeckt war. Dann griff sie nach einigen Kleidungsstücken und stopfte sie achtlos hinein.

Zwei Tage waren seit dem Gespräch mit Stavros vergangen. Sie hatte Philips Rat befolgt, nichts zu überstürzen. Eigentlich hatte sie erwartet, dass Stavros sie kontaktieren würde, um sie einzuschüchtern. Die letzten Nächte hatte sie kaum geschlafen vor Nervosität.

Sie fragte sich, ob Stavros ihren Köder schlucken würde. Wenn es geklappt hatte, würde sie bald ihren Job kündigen und aus dieser Wohnung ausziehen.

Gerade als sie nach ihrem Handy griff, summte es, und der Name Stavros erschien auf dem Display. Vor Aufregung ließ sie es fast fallen und starrte wie hypnotisiert auf die blinkende Anzeige.

Bitte komm in zehn Minuten runter zum Café. Ich habe ein Angebot für dich.

Ein Angebot? War sie endlich zu ihm durchgedrungen?

Ich schreie, wenn ich deine Sicherheitsjungs sehe.

Mit angehaltenem Atem wartete sie seine Antwort ab.

Dramatisiere doch nicht wieder, Leah. Komm runter, oder ich komme zu dir rauf.

Die Vorstellung, dass Stavros in ihre Privatsphäre eindringen würde, wenngleich diese Wohnung mehr einem Gefängnis glich, ließ ihre Finger nur so über die Tastatur fliegen.

Okay, ich komme.

Hoffnungsvoller als seit Monaten lief sie ins Bad, als das Handy in ihrer Hand erneut summte.

Leah … Vergiss nicht, dich diesmal etwas angemessener anzuziehen.

An die Badezimmerwand gelehnt, zog sie eine Grimasse in Richtung des Handys. In dem kleinen stillen Raum schien es ihr, als könnte sie ihren eigenen wilden Herzschlag hören.

Stavros war hier, weil er auf ihren Bluff reingefallen war. Sie durfte nicht zulassen, dass er die Gesprächsführung übernahm. Sie musste ihre Maske wahren, auch wenn das bedeutete, dass sie mehr und mehr in die Rolle dieser egoistischen Person schlüpfte, die er immer gehasst hatte.

In zehn Minuten. In zehn Minuten, hatte er gesagt.

Als er sie endlich die Straße überqueren und auf das Café zugehen sah, war bereits eine gute halbe Stunde vergangen. Wie es sich für Leah gehörte, hatte sie natürlich auch den Inhalt seiner letzten Nachricht ignoriert.

Die pfirsichfarbene Seidenbluse schmiegte sich eng an ihren Körper und betonte ihre Brüste. Als ein Windstoß durch die Straßen fegte, sah er, wie sie fröstelte und nach den Zipfeln ihrer dünnen Strickjacke fasste.

Hitze durchströmte seinen Körper, und er versuchte sein Bestes, das sündige Gefühl zu verdrängen.

Die kurzen Shorts lenkten den Blick auf ihre langen wohlgeformten Beine. Das wellige braune Haar hatte sie zu einem kecken Pferdeschwanz zurückgebunden, der mit jedem ihrer federnden Schritte wippte, als sie in ihren kniehohen Lederstiefeln auf das Café zu marschierte. Ihm entging nicht, wie mehrere Männer in seiner Nähe die Köpfe wandten.

Sie lief mit der inneren Anmut eines Athleten. Durch und durch selbstbewusst. Eine Frau, die sich in ihrer eigenen Haut wohlfühlte. Nichts an ihr erinnerte ihn an die Leah, die er geheiratet hatte. Und das lag nicht daran, dass sie zu ihrer vollen Schönheit erblüht war. Es war ein Feuer, das in ihm entfacht wurde, jedes Mal, wenn er sie ansah.

Ging es ihr wirklich nur um ihre Karriere, wie sie behauptete? Oder war es tatsächlich ein Mann? Allein die Überlegung versetzte ihn in Alarmbereitschaft.

Der letzte Mann, dem Leah nah gewesen war, war Alex Ralston. Ein ziemlicher Versager, der mittlerweile wegen Drogenhandels im Gefängnis saß.

„Wann lernst du nur endlich, dass es dich bloß in Schwierigkeiten bringt, wenn du nicht auf mich hörst, Leah?“, zog er sie auf, als sie neben ihm am Tisch Platz nahm.

Mit einer anzüglichen Geste schlug sie die Beine übereinander und verzog ihren mit pinkem Lipgloss geschminkten Mund zu einem süßen Lächeln. „Und wann lernst du endlich, dass du nicht über mich bestimmen kannst, Stavros?“

Leah musste alle Willenskraft aufbringen, damit er ihr nicht ansehen konnte, wie nervös sie war.

Während er dem Kellner winkte, schenkte er ihr ein strahlendes Lächeln.

Sie lächelte zurück und warf einen Blick in die Karte.

„Ich hab Hunger, Stavros. Es kommt so selten vor, dass ich außer Haus esse, darum werde ich das jetzt genießen und so tun, als ob dir meine Gesellschaft gefällt, wenn dir das nichts ausmacht, ja?“

Nachdem sie die Bestellung aufgegeben hatte, winkte er ab. „Ich esse nichts“, murmelte er ein wenig fahrig.

„Ich weiß. Es ist ja auch Freitagabend. Sicher gehst du nachher mit Helene Petrou essen, deiner ehemaligen Geliebten und … nun besten Freundin.“

Stavros stieß einen leisen Fluch aus. Mit einer eleganten Bewegung beugte er sich vor und musterte sie prüfend. „Woher weißt du davon?“

„Philip hat so seine Quellen.“

„Dein kleiner Anwaltsfreund hat dir also geraten, das ganz nebenbei in unser Gespräch mit einfließen zu lassen, ja?“

„Eigentlich war es genau andersherum“, erklärte sie. Ihre nächsten Worte fielen ihr sichtlich schwer. „Ich will keinen Streit mit dir, Stavros. Ich wollte es nur ansprechen, weil ich … nun ja, etwas geschockt war, ihren Namen nach so vielen Jahren zu hören. Dass du sie wieder regelmäßig triffst.“

„Du bist geschockt, dass ich mit einer Frau in Kontakt bleibe, die ich bewundere?“ Er wählte seine Worte bewusst sorgfältig.

Leah schaffte es nicht, ihn anzusehen, und nickte bloß. Die leichte Röte in ihrem Gesicht ließ ihn aufmerksam werden.

„Ich weiß noch, wie Calista von euch erzählte. Dass ihr wie füreinander gemacht seid“, murmelte sie, den Blick in die Ferne gerichtet.

Der Ausdruck in ihren Augen erstaunte ihn. Er sah Schmerz und Sehnsucht zugleich. Vermisste sie Calista so sehr?

„Leah?“

Sie zwinkerte und verzog den Mund. Dennoch bemerkte er, wie schwer ihr die nächsten Worte fielen. „Du wärst frei. Um mit ihr zusammen zu sein.“

„Du willst, dass ich mit Helene zusammenkomme?“, fragte er sichtlich erstaunt.

„Ja.“ Verlegen nahm sie einen Schluck Wasser und sah ihn endlich an. „Natürlich würde ich es vorziehen, wenn du ebenso unglücklich wärst wie ich. Aber wenn dein Glück der Preis für meine Freiheit ist, dann soll es so sein.“

„Das ist sehr großherzig von dir, Leah.“ Langsam glitt ihr Gespräch ins Absurde ab. „Es wundert mich, dass du dich überhaupt noch an sie erinnerst.“

Seine Ironie prallte an ihr ab. „Ihren Lebenslauf vergisst man nicht so leicht. Geschäftsfrau, Mode-Ikone, Fotomodell. Jemand, der die unerreichbaren Standards eines Stavros Sporades erfüllte.“

Ihre zynischen Worte irritierten ihn. „Du scheinst dir ja bereits eine Meinung über sie gebildet zu haben.“

„Klar. Früher hat sie mich fasziniert.“ Wieder errötete sie und sah schnell aus dem Fenster, um es zu verbergen. „Ich fand es immer bewundernswert, wie erfolgreich sie schon in so jungen Jahren war.“

Stavros runzelte die Stirn. Er spürte, dass sie eigentlich etwas ganz anderes sagen wollte. Insgeheim musste er zugeben, dass sie ziemlich gewitzt war.

Und sie war stark. Sie hatte ihren Vater mit 15 Jahren unerwartet bei einem Autounfall verloren und war gezwungen gewesen, sich in Giannis’ unbekannter Welt zurechtzufinden. Aber sie hatte nie Schwäche gezeigt.

Ihre Selbstsucht, die er so ablehnte, verlieh ihr gleichzeitig eine enorme Stärke. An ihre wirklichen Gefühle ließ sie niemanden heran. Sie verschleierte sie.

„Hast du all das Essen bestellt, um den Kellner glücklich zu machen?“

„Also bitte, Stavros, wo sind deine Manieren?“

„Die lösen sich gewöhnlich in Luft auf, wenn ich mit dir zu tun habe“, spottete er.

„Ich war heute Nachmittag laufen, daher mein Appetit.“

Stavros nickte. Man sah ihrem durchtrainierten Körper an, dass sie Sport trieb. „Wie sieht es aus mit deinen Plänen? Du wolltest doch Wohnung und Job kündigen und dann deinen kleinen Anwaltsfreund auf mich loslassen?“

Er bemerkte, wie sie für einen Augenblick innehielt, ehe sie ihn ansah. „Ich … Philip hat mir geraten, nichts zu überstürzen.“

„Und du hörst auf ihn.“ Was bedeutete, dass sie ihm vertraute. Und das wiederum hieß, dass Stavros alles über ihn herausfinden musste.

Der Kellner brachte das Essen, und Leah griff nach ihrer Gabel. Ein verzückter Ausdruck entfuhr ihr, der mehrere Männer an den Nachbartischen dazu brachte, interessiert zu ihr herüberzuschauen.

Leah sah von ihrem Teller auf und errötete. „Wie lautet denn dein Angebot?“

„Ich möchte dir einen Kompromiss vorschlagen.“

„Deine Vorschläge sind doch nie Kompromisse. Es geht immer nach deinem Willen. Von deinen Versprechungen lasse ich mich nicht mehr täuschen. Mir fällt da noch jemand ein, bei dem du es genauso gemacht hast …“

Das plötzliche Aufblitzen in seinen Augen verunsicherte Leah, sodass sie ihm nicht mehr in die Augen schauen konnte.

„Wer denn?“

Auf einmal schmeckten ihre Shrimps wie Sägespäne. Angestrengt schluckte sie und spülte schnell mit einem Schluck Wasser nach. „Na, Calista natürlich. Egal, was sie vorhatte, du hast es verboten.“

So wie damals, als Calista Kunst studieren wollte in Paris. Und als sie mit Leah nach New York reisen wollte. Und als sie in dem Nachtclub arbeiten wollte, in dem ihr Freund angestellt war.

Calista war jedes Mal durchgedreht, wenn er ihr wieder einmal etwas verboten hatte. Die Erinnerung an ihre Freundin erschütterte Leah.

„Was denkst du gerade? Du siehst traurig aus, Leah.“

Leah wollte nicht mit ihm über Calista sprechen. Aber sie spürte seine Anteilnahme und Neugier. Es schien ihm nicht egal zu sein, dass sie traurig war. Vielleicht gab es bei Stavros doch mehr als nur Verbote und Verantwortung zu entdecken?

Er war gerade einmal Mitte zwanzig gewesen, als sie nach Athen kam. Doch bereits damals hatte er sich fast rührend um sie alle gekümmert, wenngleich er immer streng gewesen war.

Zum ersten Mal überhaupt fragte sie sich, was ihn eigentlich dazu antrieb.

„Warum willst du wissen, warum ich traurig bin?“

Ihr entging nicht, wie er nach Worten suchte. „Ich … Ich habe es nie verstanden, warum sie lieber auf dich gehört hat als auf mich. Obwohl ich ihr alles gegeben habe, was sie sich nur wünschen konnte …“ Leah war berührt, als sie sah, wie er schluckte. Ihr wurde klar, wie sehr ihn die Vergangenheit in ihren Fängen hielt. „Ich habe versagt. Ich hätte sie beschützen müssen.“

Sein verzweifelter Blick weckte Bilder und Erinnerungen in Leah. Ihre Schultern zuckten verdächtig. „Ich weiß nicht …“

„Ich erwarte auch gar nicht, dass du die Antwort weißt. Du warst ja diejenige, die sie zu den Drogen verleitet hat.“

Abrupt sah sie auf und begegnete seinem vernichtenden Blick. Es wirkte, als sei ihm erst jetzt klar geworden, mit wem er da eigentlich redete.

„Nein, das habe ich nicht“, flüsterte sie, obwohl sie wusste, dass er ihr nicht glaubte. Zumindest war ihre Trauer um Calista etwas, das sie beide verband. Nachdem sie sich wieder gesammelt hatte, sah sie zu ihm auf. „Sag mir, was ich tun muss.“

Lange betrachtete er sie bloß. Mit jeder Sekunde, die verstrich, zog sich Leahs Magen mehr zusammen. „Leb drei Monate mit mir und zeig mir, dass ich dir vertrauen kann.“

„Nein!“ Laut klirrend ließ sie das Besteck auf den Tisch fallen.

„Anders kann ich dich leider nicht freigeben.“

„Und was erwartest du in diesen drei Monaten von mir?“

„Überzeug mich davon, dass du es mit deiner Karriere im Modedesign ernst meinst und dein Erbe nicht für irgendeine unsinnige Geschäftsidee verschwendest.“

„Du scheinst mir ja nicht besonders viel zuzutrauen.“

Sein Gesichtsausdruck blieb ernst. „Ich möchte dir nur eine Chance geben. Du hast die Wahl. Wenn du versagst, bleibt unsere Ehe bestehen, und du wirst, solange wir leben, meine Frau sein.“

Ein nervöses Zittern ging durch ihren Körper. Das fröhliche Stimmengemurmel der Cafégäste wurde zu einem entfernten Hintergrundrauschen. Zwischen ihnen baute sich eine Spannung auf, die sich mit jedem Atemzug zu steigern schien.

Leah wehrte sich mit aller Macht dagegen, von diesem seltsamen Sog davongetragen zu werden. Sie musste ihren Verstand wieder einschalten. Stavros traf sich jeden Tag mit seiner Geliebten. Er stand nicht auf sie. Und sie nicht auf ihn.

Diese Spannung zwischen ihnen war nichts weiter als ein Ausdruck ihrer Feindseligkeit, die nun schon so viele Jahre zwischen ihnen schwelte. All der unterdrückte Hass, der nie ein Ventil gefunden hatte. Der Kampf gegen das unvermeidliche Schicksal, der sich nun auf andere Art entlud. Wenn man nur fest genug daran glaubte, dann stimmte es vielleicht.

Denn anders wollte sie nicht von Stavros denken. Auch wenn sie als Teenager heimlich von ihm geschwärmt hatte. Solche Gefühle und Gedanken waren ihr jetzt nur im Weg.

Durch pure Willenskraft zwang sie sich zur Vernunft und konzentrierte sich auf die Tatsache, dass er ihr eine Chance bieten wollte. Dass Giannis mit diesem kleinen Handel rein gar nichts zu tun hatte, war ein positiver Nebeneffekt.

„Wenn ich also unter Beweis stelle, wie brav und fügsam und ohne jegliche Persönlichkeit ich bin, dann habe ich deinen Test bestanden?“

Stavros kniff die Augen zusammen, und Leah sprach hastig weiter. Ihre Sticheleien waren jetzt das einzige Mittel, Kontrolle über ihn auszuüben. „Ich mache mir nur ein wenig Sorgen, dass du mich dann vielleicht nicht mehr aufgeben willst.“

Sein Lachen dröhnte durch das ganze Café. Es war ein Geräusch, das Leah nur wenige Male von ihm gehört hatte, und es überraschte sie. Es machte ihn fast sympathisch. Vor allem stand es ihm gut. Es machte ihn noch attraktiver.

Das fiel offenbar nicht nur Leah auf. Denn die Dame am Nebentisch blickte fasziniert zu ihm herüber und verschlang ihn geradezu mit ihren Blicken. Noch immer lachend strich er sich eine Locke seines glänzenden schwarzen Haares aus der Stirn.

Und der goldene Ring an seinem Finger glänzte im Schein der Lampe.

Der Anblick traf Leah mitten ins Herz.

Der Ehering … Er trug seinen Ehering?

Den Ring, den sie ihm unter bitteren Tränen an den Finger gesteckt hatte. Der Ring, der ihn an sie band, im heiligen Bund der Ehe, und doch nichts weiter war als eine Fessel …

Warum trug er den verdammten Ring? Hatte er ihn an dem Tag auf Dimitris Yacht auch schon getragen? Trug er ihn womöglich immer, seit fünf Jahren?

Ein Schauder lief ihr über den Rücken.

Auch die Dame neben ihnen schien den Ring bemerkt zu haben, denn nun fiel ihr Blick auf Leah. Und Leah ahnte, dass sie einzuschätzen versuchte, in welcher Beziehung sie zu Stavros stand.

In gar keiner, erinnerte Leah sich selbst. Dass er den Ring trug, war sicher nichts weiter als eine Erinnerung an seine Pflicht Giannis gegenüber.

Ob er ihn trug, wenn er seine Herzensdame Helene liebte? Wie es sich wohl anfühlte, die Frau zu sein, die er respektierte und verehrte? War seine Leidenschaft ebenso intensiv wie sein Verantwortungsgefühl?

„Selbst wenn ich feststellen sollte, dass ich dich unwiderstehlich finde, was ich für höchst unwahrscheinlich halte …“ Seine spöttischen Worte verletzten sie mehr, als sie sich eingestehen mochte. „Ich werde die Scheidungspapiere unterzeichnen und dein Erbe freigeben. Du wirst frei sein.“

Drei Monate mit Stavros.

„Die Freiheit, mein Leben so zu leben, wie ich es möchte, ist mein Grundrecht. Ich muss nichts beweisen oder dir drohen … oder irgendwelche verachtenswerten Dinge tun.“

„Du hast also doch so etwas wie ein Gewissen?“

Leah weigerte sich, darauf zu antworten. Er hatte sie schließlich in diese unmögliche Situation gebracht. „Weißt du was, du bist hier nicht der Herrscher über mein Leben.“

„Oh doch, das bin ich. Du hast nämlich bewiesen, dass du allein nicht in der Lage bist, Verantwortung für dich zu übernehmen. Dein Lebensstil war höchst gefährlich.“ Er schwieg einige Sekunden, doch sein Blick sprach Bände. „Theos, Leah … Calista ist gestorben, und Giannis wäre ihr fast gefolgt, weil du ihn so aufgebracht hast. Wie kannst du hier ganz ruhig sitzen und dich verteidigen?“

Leahs Atem ging nur noch stoßweise, ohne es zu bemerken, umklammerte sie die Tischkante. Seine Anschuldigung war unfair. Und falsch. Dennoch weckte er Schuldgefühle in ihr.

Doch wenn sie jetzt Geschichten aus der Vergangenheit erzählte und ihm die Wahrheit sagte, dann würde sie sich vor einem Mann offenbaren, der keine Schwäche duldete. Der keine Ängste kannte.

Würde er sie auslachen oder sie bedauern?

Sie gab nach. „Also gut. Ich werde tun, was du verlangst, und damit meine Rechte zurückerkämpfen.“

Er reagierte nicht. Es überraschte ihn wohl, dass sie so schnell einlenkte. Oder sah er es als Eingeständnis ihrer Schuld?

Schweigend legte er einige Geldscheine auf den Tisch und streckte ihr die Hand entgegen. „Lass uns ein paar Sachen für dich einpacken. Meine Leute bringen dann den Rest deiner Habseligkeiten nach.“

Panik erfasste sie, und sie schüttelte den Kopf. „Nein. Ich brauche ein paar Tage Zeit. Ich kann das jetzt nicht alles in zehn Minuten zusammenpacken.“

Vor allem musste sie sich erst einmal an den Gedanken gewöhnen, von nun an mit ihm zu leben. In ihrem Kopf jagte ein Gedanke den nächsten.

Er warf einen schnellen Blick auf seine Rolex und sah sie dann wieder an. „Wir können aber zumindest schon einmal anfangen. Ich organisiere dann noch jemanden, der uns beim Packen hilft.“

„Du willst jetzt also tatsächlich mit in meine Wohnung kommen?“

„Hast du ein Problem damit?“

„Natürlich habe ich ein Problem damit“, entgegnete sie heftiger als beabsichtigt und ignorierte seine ausgestreckte Hand. „Meine Wohnung ist gar nicht aufgeräumt. Und dann wirst du wieder sagen, dass man mich wirklich nicht allein leben lassen kann.“

Jetzt lächelte er und zeigte seine perfekten weißen Zähne und das Grübchen in der Wange, das ihm einen leicht femininen Zug verlieh und ihn zugleich noch attraktiver machte.

„Was, wenn ich dir sage, dass Haushaltsführung kein Kriterium für mich ist?“

Ihre Kehle schnürte sich zu. Sie wusste nicht mehr so recht, was sie noch sagen sollte. „Ich … ich mag es nicht so gern, wenn andere meine Sachen anfassen.“

„Mir ist es auch unangenehm, dich in meinem Privathaus aufzunehmen …“

Damit stand er auf und griff nach ihrem Arm. „Ich werde auch nichts anrühren“, versprach er. „Du kannst packen und ich schaue zu, ja?“

„Du meinst, du kontrollierst mich, damit ich dir auch nicht weglaufe, oder wie?“ Mit ihrem sarkastischen Tonfall hoffte sie, ihr inneres Zittern zu überspielen.

In all den Jahren, seit sie ihn kannte, hatte er sie im Wechsel fasziniert und angewidert. Und am Ende hatte er sich zum Diktator ihres Lebens gemacht. Obwohl sie gar keine Beziehung zueinander hatten.

Wie sollte sie es nun durchstehen und drei ganze Monate mit ihm zusammenleben?

5. KAPITEL

Natürlich hatte sie gelogen.

Stavros wusste gar nicht, was ihn mehr entsetzte. Ihre Lüge oder der Anblick ihrer sterilen Wohnung.

Es schien, als hätte sie bewusst dafür gesorgt, dass sie wie in einer Gefängniszelle lebte. Die Wohnung war kaum eingerichtet. Es gab nur das Allernötigste, was man zum Leben brauchte. Die Wände waren noch immer so weiß und kahl wie damals, als er die leere Wohnung besichtigt hatte. So hatte sie also die letzten fünf Jahre gelebt. Als ob sie sich damit selbst bestrafen wollte. Aber warum hatte sie dann so wild mit ihm gestritten und ihn angefleht, sie ziehen zu lassen?

Hatte Calistas Tod ihr so viel Angst gemacht? Hatte sie sich wirklich dadurch verändert?

Im Wohnzimmer und in der kleinen Küche war alles picobello aufgeräumt. Alles schien an seinem Platz zu sein. Dennoch strahlte die Wohnung eine Kälte aus und vermittelte das Gefühl von Einsamkeit.

Leah war ein lebenslustiges und leidenschaftliches junges Mädchen, aber diese Wohnung hier erweckte den Eindruck, als lebte nur ein Schatten von ihr hier.

Nach ihrem Einzug hatte er ihr regelmäßig Päckchen geschickt, mit Kleidung und Dingen, von denen er dachte, sie könnte sie brauchen. Sogar Erinnerungsstücke ihrer Mutter hatte er geschickt. Dimitri und er hatten sie gefunden, als sie nach Giannis’ Herzinfarkt dessen ehemaliges Anwesen aufgeräumt hatten.

Aber sie hatte jedes einzelne Päckchen zurückgeschickt und sich geweigert, etwas davon anzunehmen.

Irgendwann hatte er es aufgegeben. So vollständig, dass er sogar ihre bloße Existenz ignoriert hatte.

Schwere Schuldgefühle lasteten auf ihm, als er ihr in das kleine Schlafzimmer folgte. Neben dem Bett stand ein Nachtschränkchen, auf dem eine Schachtel mit Papiertaschentüchern stand, sowie einige Stifte und Papier. Und ein winziges gerahmtes Bild ihres Vaters. Zumindest nahm er an, dass er es war. Der Mann auf dem Foto hatte die gleichen braunen Augen wie sie.

Leah reckte sich auf die Zehenspitzen, um eine Tasche aus ihrem Schrank zu ziehen, die bereits halb gepackt war. „Im Arbeitsraum sind viele Dinge, die ich unbedingt mitnehmen müsste“, erklärte sie, als sie sah, dass er unschlüssig mitten im Raum stehengeblieben war.

Er nickte, bewegte sich jedoch nicht vom Fleck. Widersprüchliche Gedanken rasten ihm durch den Kopf.

„Ich muss nicht in dein Haus ziehen, Stavros … Für diesen Test, den du dir da ausgedacht hast für mich. Ich kann das auch von hier aus machen.“

Langsam schlenderte er zum Fenster hinüber. Ihm wurde klar, dass er im Grunde ärgerlich auf sich selber war.

„Warum willst du denn nicht?“

Verständnislos sah sie ihn an. „Weil ich denke, dass es keine gute Idee ist. Du kannst mich nicht ausstehen, aus Gründen, die ich nur teilweise kenne. Und … du bist arrogant, und ich kann es dir sowieso nie recht machen, und …“

Ihre Worte waren voller Feindseligkeit. Eine Feindseligkeit, die sie sich nur für ihn bewahrte. Und doch spürte er, dass da noch etwas anderes war, das sie vor ihm zu verbergen versuchte. Eine Unsicherheit, gegen die sie mit aller Macht ankämpfte.

„Warum lehnst du deine neue Familie bloß so ab?“, entfuhr es ihm mit einem Mal.

Sie blickte auf. „Weil du mich geheiratet hast, obwohl du nicht einmal meinen Anblick ertragen kannst. Du … du hast mich vor der Presse geküsst, als ob du mir einen Stempel aufdrücken wolltest. Damit alle Welt weiß, dass ich jetzt dir gehöre. So machen sie es mit Vieh auch …“

„Aber Leah …“

„Nein, Stavros …“ Leah zitterte jetzt vor Zorn und Schmerz. „Ich war erst neunzehn! Ich hatte meine Eltern verloren und die einzige Freundin, die ich je hatte. Giannis hatte gerade den Herzinfarkt gehabt …“

„Giannis, den du seit Jahren nicht ein einziges Mal besucht hast“, fuhr er dazwischen.

Gib meine Leah nicht auf, Stavros. Bitte … sie ist sehr zerbrechlich …

Als zerbrechlich hatte er Leah nie empfunden. Vielleicht hatte er sie deshalb fünf Jahre lang so leicht ignorieren können?

Auf seinen Vorwurf ging sie nicht ein. Stattdessen schloss sie die Augen und lehnte plötzlich den Kopf an seine Brust.

Die unerwartete intime Geste brachte ihn vollkommen durcheinander. Ihre Schultern drückten gegen seinen Körper, und ihr Duft stieg ihm in die Nase. Er wollte seine Arme um sie schlingen, seinen Mund auf ihre Lippen pressen. Nur mit größter Willenskraft schob er sie von sich.

Ihr Atem ging schwer, als sie zu ihm aufsah und nach seiner Hand griff, den Blick wie gebannt auf seine Lippen gerichtet.

In ihren Augen las er so viel Sehnsucht, dass er gar nicht wusste, wie er reagieren sollte.

Leah wusste selbst nicht, was sie dazu gebracht hatte, ihm so nahezutreten. Ihre Haut prickelte. Verlegen trat sie einen Schritt zurück und holte tief Luft. „Du hast recht“, sagte sie schließlich. „Aber ich kann nichts dafür, dass du jetzt Schuldgefühle hast und mich hier rausholen willst. Damit musst du selbst fertigwerden. Dafür bin ich nicht verantwortlich.“

Es war das wohl Vernünftigste, was sie jemals zu ihm gesagt hatte. Und durch diese Worte sah er sie mit ganz neuen Augen. Leah hatte recht und er unrecht. Normalerweise war es immer andersherum gewesen. Doch was ihn noch mehr belastete, war die Tatsache, dass er seiner Pflicht nicht nachgekommen war. Dass er das Versprechen, das er Giannis gegeben hatte, nicht wirklich eingehalten hatte, so, wie dieser es gemeint hatte.

„Das stimmt.“

„Was stimmt?“

„Was du gerade sagtest“, entgegnete er und lächelte, als er bemerkte, wie neugierig sie ihn ansah. „Du hast recht. Was ich damals entschieden habe, hatte Konsequenzen, mit denen ich nicht gerechnet hatte.“

„Solche Worte aus deinem Mund? Ich muss mich verhört haben …“ Mit vor Erstaunen hochgezogenen Brauen begegnete sie seinem Blick. Und sie sah wunderschön dabei aus mit ihren leicht geöffneten Lippen. Noch immer nahm er ihren Duft wahr, der ihn betörte. Er konnte sich gerade so zurückhalten, einem dringenden Impuls folgend, über ihre rosigen Lippen zu streicheln.

Während er langsam das Zimmer verließ, fragte er sich, ob sein Verlangen nach Leah seine wahre Strafe war.

„Zeig mir dein Arbeitszimmer“, rief er ihr über die Schulter zu.

Als sie beide hineingingen, war es, als fiele ein Schleier von Leah. Der Schleier, der sie von allem anderen zu trennen schien.

Sie blühte förmlich auf, als sie ihm ihre Stoffe und Entwürfe zeigte und hier und da in dem leicht chaotisch überfüllten Raum nach etwas suchte. Mit ihrem zaghaften Lächeln im Gesicht erinnerte ihn nichts mehr an die Leah, die ihn sonst oft so hasserfüllt ansah.

Sonnenlicht durchflutete den Raum, und überall, wo er hinsah, sah er Farbe. Welch ein Kontrast zu den anderen Zimmern.

In einer Ecke standen zwei Ständer mit fast fertiggestellten Abendkleidern. In einer anderen sah er eine alte Nähmaschine auf dem Tisch stehen. Eine Wand war komplett mit Entwürfen bedeckt, die mit Bleistift gezeichnet waren, sowie mit Illustrationen und Ausschnitten aus Modemagazinen.

An einer anderen Wand hingen Unmengen von Stoffproben aus Satin, Seide und Baumwolle. Es war jedes Material darunter, das er aus seinen zehn Jahren in der Textilindustrie kannte.

Ein eigenartiges Gefühl regte sich in seiner Brust, das er nicht zu benennen vermochte.

„Für welche Entwürfe interessiert sich der Einzelhändler, von dem du gesprochen hast?“

„Ich stelle gerade eine Kollektion von Abendkleidern zusammen – Cocktailkleider, lange Roben und ein Brautkleid.“

„Das klingt nach einer Menge Arbeit für eine einzige Designerin …“

„Nicht nur Designerin, auch Schneiderin … Das hast du vergessen“, fügte sie hinzu, während sie an dem glänzenden Material eines unfertigen Kleids herumzupfte.

„Das machst du auch …?“

Autor

Jennifer Faye
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Tara Pammi

Tara schreibt sexy Romanzen mit anbetungswürdigen Helden und sexy Heldinnen. Ihre Heldinnen sind manchmal laut und rebellisch und manchmal schüchtern und nerdig, aber jede von ihnen findet ihren perfekten Helden. Denn jede Frau verdient eine Liebesgeschichte!

Tara lebt in Texas mit ihrem ganz persönlichen Helden und zwei Heldinnen in der...

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