Was verschweigst du, Lauren?

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Endlich wieder daheim in Winding River! Die Schauspielerin Lauren Winters freut sich, bei ihren Freundinnen unerkannt Urlaub machen zu können. Auch Wade ahnt nicht, wem er sein Herz geschenkt hat. Immer wieder will Lauren ihm gestehen, wie berühmt sie ist - traut sich aber nicht. Ein gravierender Fehler!
  • Erscheinungstag 11.08.2018
  • ISBN / Artikelnummer 9783733758981
  • Seitenanzahl 130
  • E-Book Format ePub
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Leseprobe

1. KAPITEL

Lauren Winters stand auf der Hintertreppe der Blackhawk-Ranch, die zu ihrem zweiten Zuhause geworden war, atmete die milde Frühlingsluft ein und schaute zum Sternenhimmel hinauf. Dies war der einzige Ort, an dem sie so etwas wie inneren Frieden empfand. Während der letzten Monate hatte sie herausgefunden, was sie wirklich wollte. Jetzt brauchte sie diese Erkenntnisse nur noch in Einklang bringen mit dem Leben, das sie führte.

Wie jede Woche hatten ihre Freundinnen sich versammelt, dieses Mal an Karens Küchentisch.

„Ich sage euch, Lauren ist nicht glücklich. Wir müssen etwas tun“, erklärte die Gastgeberin zum wiederholten Mal.

Seufzend klopfte Lauren an die Tür und trat ein. „Redet ihr schon wieder hinter meinem Rücken über mich?“, fragte sie mit gespielter Unbeschwertheit und setzte sich. „Oder wusstet ihr, dass ich draußen stand?“

„Das würde ich dir auch ins Gesicht sagen“, erwiderte Karen. „Und ich habe das oft genug getan, obwohl selbst ich es nicht mehr hören kann.“

„Dann lass es doch einfach“, entgegnete Lauren schärfer als beabsichtigt. Ihre Freundinnen meinten es gut, aber der Druck war wenig hilfreich. Wenn sie aus Los Angeles nach Winding River zurückkehrte und auf ihre Filmkarriere verzichtete, dann wollte sie es tun, weil es ihre freie Entscheidung war, nicht weil jemand sie dazu drängte.

„Das werde ich nicht, weil du nicht glücklich bist“, beharrte Karen. „Und ich verstehe nicht, warum du nichts dagegen unternimmst.“

Über ihren Kaffeebecher hinweg sah Emma Lauren an. „Hat Karen recht? Seit Monaten redest du nun schon davon, wieder herzuziehen. Warum tust du es nicht einfach?“

„Du bist doch sowieso fast immer hier“, warf Cassie ein. „Warum machst du es dann nicht offiziell?“

Eine nach der anderen waren Laurens Freundinnen in ihre Heimatstadt zurückgekehrt. Emma hatte ihre Anwaltskanzlei von Denver nach Winding River verlegt. Gina wollte das italienische Restaurant ihres Freundes Tony übernehmen. Cassie hatte Cole geheiratet und führte mit ihm eine glückliche Ehe. Genau wie Karen mit Grady. Die anderen vier der fünf Unzertrennlichen waren hier glücklich. Sie hatten etwas gefunden, was sie lange vermisst hatten, und Lauren beneidete sie darum.

Aber was, wenn es ihr nicht so erging? Wenn sie sich falsche Hoffnungen machte? Wenn der Wechsel aus dem Trubel von Hollywood in eine beschauliche Kleinstadt in Wyoming einfach zu drastisch war? Wenn sie alles aufgab, nur um dann festzustellen, dass sie sich hier ebenso elend fühlte? Wenn das Problem nichts mit ihrem Beruf zu tun hatte, sondern in ihr lag?

„Sprich mit uns“, bat Gina. „Warum zögerst du noch?“

„Es wäre ein gewaltiger Schritt.“

Emma nickte. „Stimmt, aber wo liegt das Risiko? Geld kann es nicht sein. Du musst doch inzwischen genug verdient haben, um nie wieder arbeiten zu müssen.“

„Das ist wahr“, bestätigte Lauren.

„Und es gefällt dir nicht, auf Schritt und Tritt erkannt und um Autogramme gebeten zu werden“, meinte Cassie. „Das wirst du sicher nicht vermissen, oder?“

„Ganz sicher nicht.“ Lauren hasste es, ständig von Reportern verfolgt zu werden und in den Klatschspalten über sich zu lesen.

„Ist es die Schauspielerei?“, fragte Karen. „Ich hatte immer das Gefühl, dass du sie nicht besonders ernst nimmst, auch wenn du sehr gut bist. Irre ich mich da? Glaubst du, dein Beruf wird dir fehlen?“

Lauren schüttelte den Kopf. „Das Schauspielen macht mir Spaß, aber es bedeutet mir nicht wirklich etwas.“

„Was ist mit all den tollen Männern?“, fragte Gina lächelnd. „Glaub mir, wie würden deine spannenden Insider-Geschichten vermissen, aber ich verzichte gern darauf, wenn ich dich dafür hier habe.“

„Nein, die Männer sind es absolut nicht. Ich habe keinen einzigen getroffen, der sich selbst nicht viel zu wichtig genommen hätte.“

„Was ist es dann?“, wollte Emma wissen. „Nenn uns einen Grund, warum eine Rückkehr nach Winding River nicht das Beste für dich wäre.“

„Ich glaube, es geht Lauren wie uns anderen auch. Sie muss erst jemanden finden, der es wert ist, mit ihm ein neues Leben zu beginnen“, bemerkte Cassie.

Karen drückte Laurens Hand. „Gib dir einen Ruck. Du kannst so lange bei Grady und mir auf der Ranch wohnen, wie du willst. Er würde sich sehr über deine Hilfe freuen. Der neue Cowboy, den er letzte Woche eingestellt hat, ist fantastisch, aber Grady meint, dass niemand so gut mit Pferden umgehen kann wie du.“

„Wirklich?“, fragte Lauren, und die Aussicht auf einen richtigen Job, noch dazu eine Arbeit mit Pferden, verursachte ihr ein leichtes Kribbeln im Bauch. „Das hat Grady gesagt?“

„Allerdings. Und wenn es um Pferde geht, wirft mein Mann nicht gerade mit Komplimenten um sich. Er würde dich sofort anheuern.“

Lauren winkte ab. „Euer Geld will ich nicht. Ich muss nur das Gefühl haben, gebraucht zu werden.“

„Das würdest du“, versicherte Karen.

„Klingt optimal“, meldete Emma sich wieder zu Wort. „Soll ich einen Vertrag aufsetzen?“

Sie griff nach ihrem Notizblock, doch Karen runzelte die Stirn. „Leg den weg. Wir brauchen keinen Vertrag.“

„Natürlich nicht“, pflichtete Lauren ihr bei. „Außerdem wird es nur ein Probelauf. Wenn es nicht klappt, hat niemand etwas verloren. Ich arbeitete mit den Pferden und bekomme dafür Kost und Logis. Klingt fair, finde ich.“

Karen strahlte sie an. „Abgemacht?“

Lauren überlegte kurz. Das hier war der Grund, warum sie den Vertrag für einen neuen Film, den ihr Agent ihr vorgelegt hatte, noch nicht unterschrieben hatte. Irgendwie hatte sie wohl gespürt, dass sich ihr etwas Besseres bieten würde.

„Abgemacht“, sagte sie. „Ich komme zurück, sobald ich in Los Angeles alles geklärt habe. Aber ich werde nicht für immer bei euch wohnen. Sobald feststeht, dass es funktioniert, suche ich mir etwas Eigenes.“

Ihre Freundinnen umringten sie jubelnd, und zum ersten Mal seit Jahren hatte Lauren das Gefühl, genau dort zu sein, wo sie hingehörte, und genau das zu tun, was ihr am meisten lag.

Wade Owens warf einen Blick auf die Frau, die durch den Zaun des Korrals schlüpfte, und ihm blieb fast das Herz stehen. Er redete sich ein, dass es nicht an ihrem perfekten Po lag. Und auch nicht an dem rotbraunen Haar, das im Sonnenschein zu leuchten schien. Nein, es lag allein daran, dass sie sich einem Hengst näherte, der auf Fremde ziemlich unfreundlich reagierte. Was das zarte Geschöpf offenbar für ein kleines Abenteuer hielt, das konnte ein verdammt böses Ende nehmen.

Wade rannte los, wurde jedoch augenblicklich wieder langsamer, um das Pferd nicht zu erschrecken. Midnight tänzelte schon nervös und rollte mit den Augen, als die Frau auf ihn zukam. Wade hörte sie etwas murmeln. Es war zu leise, um es zu verstehen, aber ihre Stimme klang sanft und beruhigend. Das war nicht schlecht, aber trotzdem würde er sie sich vorknöpfen – vorausgesetzt, er bekam sie heil wieder aus dem Korral heraus.

Wo zum Teufel steckten Grady und Karen? Warum hatten sie dieser Frau gestattet, sich allein auf der Ranch herumzutreiben? Vielleicht wussten sie auch gar nicht, dass sie hier war. Ja, das musste es sein. Den beiden war nämlich klar, wie gefährlich Midnight sein konnte.

Die kräftigen Muskeln des Hengstes spannten sich, als die Fremde eine Hand an seinen Hals legte. Er scharrte mit einem Vorderhuf, ergriff jedoch nicht die Flucht. Leise murmelnd griff die Frau in ihre Hosentasche, holte ein Stück Zucker heraus und hielt es ihm auf der Handfläche hin. Midnight schnupperte daran und nahm es sich so vorsichtig, als hätte er nicht mal im Traum daran gedacht auszuschlagen.

Wade spürte, wie seine Anspannung sich legte. Offenbar wusste sie, wie man Midnights Herz eroberte. Das Pferd ging auf jeden los, der ihn reiten wollte, hatte jedoch eine Schwäche für Leckereien – Zucker, Äpfel, Karotten, was auch immer. Schon versuchte das Tier, die Nase in ihre Tasche zu stecken.

Ihr Lachen war eine Überraschung. Es klang fröhlich und unbeschwert, während der Hengst sie unsanft bedrängte und sie fast auf ihrem äußerst attraktiven Po gelandet wäre.

„Oh, nein. Mehr gibt es heute nicht“, erklärte sie und strich ihm über den Hals.

Plötzlich verspürte Wade eine eigenartige Sehnsucht. Er stellte sich vor, wie ihre schmalen Hände sich an seiner Haut anfühlen würden. Die Vorstellung wurde so verlockend, dass er sie mit einem leisen Fluch wieder verdrängte. Ein Mann, der auf ein Pferd eifersüchtig war, musste einem geradezu leidtun.

Nach ein paar Minuten löste die Frau sich von Midnight und kroch wieder durch den Zaun. Sie sah sehr zufrieden aus – bis Wade den Hut abnahm und sie ihn bemerkte.

„Hallo“, grüßte sie mit einem strahlenden Lächeln, wurde jedoch wieder ernst, als er es nicht erwiderte.

„Was haben Sie sich dabei gedacht?“, fragte er mit finsterem Gesicht.

Ohne mit der Wimper zu zucken, hielt sie seinem strengen Blick stand. „Wonach hat es denn ausgesehen, Cowboy?“

Er nahm kein Blatt vor den Mund. „Es sah verdammt danach aus, als wollten Sie sich umbringen und dabei einen prächtigen Hengst ruinieren. Bevor Sie das nächste Mal einen Korral betreten, fragen Sie gefälligst um Erlaubnis. Das hier ist kein Streichelzoo, und diese Pferde sind keine Kuscheltiere.“

Wade sah sofort, dass sie keine Angst vor ihm hatte – im Gegenteil. Sie machte erst einen, dann einen zweiten Schritt auf ihn zu, bis sie direkt vor ihm stand. Ein blumiger Duft ging von ihr aus, ihre Augen funkelten, und ihre Hände hatte sie in die Hüften gestemmt Dass sie ihm gerade bis zum Kinn reichte, schien ihr nichts auszumachen. Wade schluckte.

„Jetzt hören Sie mir mal zu“, begann sie und stieß mit einem makellos manikürten Finger gegen seine Brust. „Ich war in dem Korral, weil Grady und Karen mich gebeten haben, mir Midnight anzusehen. Soweit ich weiß, ist dies ihre Ranch. Reicht Ihnen das als Erlaubnis, Cowboy?“

Wade musterte sie skeptisch. „Die beiden haben Sie gebeten, zu dem Hengst zu gehen? In seinen Korral? Warum denn das?“

„Vielleicht, weil ich mit Pferden umgehe, seit ich laufen kann. Vielleicht, weil ich sie, im Unterschied zu anderen Leuten, nie zu etwas zwinge, wozu sie noch nicht bereit sind. Vielleicht, weil die Aufgabe, das Vertrauen dieses misshandelten Hengstes zu erwerben, eine Aufgabe ist, von der der Trainer, den sie angeheuert haben, keinen blassen Schimmer hat.“ Sie lächelte. „Das sind Sie, vermute ich.“

Wade hatte nicht vor, sich mit dieser Frau auf eine Diskussion einzulassen. Stattdessen würde er sich mit Grady Blackhawk ausführlich darüber unterhalten, wer für die Pferde auf dieser Ranch zuständig war.

Er starrte in ihre hinreißenden blaugrünen Augen. „Bis Grady es anders bestimmt, wird niemand sich Midnight ohne meine Erlaubnis nähern. Wenn ich Sie wieder bei ihm erwische, werde ich Sie persönlich hinausbefördern.“

„Ach ja?“, erwiderte Lauren unbeeindruckt.

Wade setzte den Hut wieder auf. „Stellen Sie mich auf die Probe.“

Sie wirbelte herum und murmelte etwas, was sich verdächtig nach „Vielleicht werde ich das“ anhörte.

Möglicherweise war er verrückt, aber irgendwie hatte er das Gefühl, dass es ihr nicht mehr nur um das Pferd ging. Wade war nicht sicher, worauf sie hinauswollte, aber sein Körper schien eine ziemlich konkrete Vorstellung zu haben. Das Verlangen nach dieser Frau kam schlagartig, und er ahnte, dass es sich nicht so schnell legen würde.

Was fiel diesem ungehobelten Kerl ein? Lauren knallte die Küchentür hinter sich zu, ging zur Spüle und spritzte sich kaltes Wasser in ihr glühendes Gesicht.

„Wie ich sehe, bist du Wade Owens begegnet“, meinte Karen belustigt.

„Ist der Mann hier wichtig, oder kann ich ihn umbringen?“, fragte Lauren wütend.

„Oh, warte noch eine Weile, ja? Er kennt sich mit Pferden aus. Ihr beide habt viel gemeinsam.“

„Das bezweifle ich“, entgegnete Lauren. „Arroganz und Frechheit sind Eigenschaften, auf die ich keinerlei Wert lege.“

„Ich könnte mir vorstellen, dass er das anders sieht.“

Lauren runzelte die Stirn, protestierte jedoch nicht. Kaum jemand kannte sie besser als Karen.

„Das hier ist aufregender als die romantischen Komödien, in denen du die Hauptrolle gespielt hast“, fuhr ihre Freundin lächelnd fort. „Du hast einen roten Kopf, und Wade hat in den letzten paar Minuten mehr gesagt als während eines ganzen Abendessens.“

„Soll das etwa heißen, er ist sonst eher ruhig und beherrscht?“, fragte Lauren ungläubig.

„Bisher ja“, bestätigte Karen. „Offenbar bist du ihm unter die Haut gegangen.“

„Nur, weil ich es gewagt habe, eins seiner geliebten Pferde zu streicheln. Das hat sein Ego wohl nicht verkraftet.“

„Es freut mich, dass du nichts verlernt zu haben scheinst“, meinte Karen. „Jedenfalls nicht im Umgang mit Pferden. Bei Männern bin ich mir da nicht so sicher. Normalerweise ist dein Charme unwiderstehlich.“

„Ich werde meinen Charme doch nicht an einen Kerl wie diesen Wade verschwenden.“ Sie kniff die Augen zusammen. „Oder doch? Willst du etwa andeuten, dass ich mit ihm zusammenarbeiten soll?“

„Es würde Sinn machen. Er ist nun mal der Pferdetrainer. Und Grady meint, er ist gut. Warum hat er dich so aus der Fassung gebracht?“

„Hat er nicht“, protestierte Lauren, obwohl sie zugeben musste, dass er bei ihr ein ziemlich beunruhigendes Herzklopfen ausgelöst hatte.

Und es war herrlich gewesen, ihrem Temperament freien Lauf zu lassen. Seit zehn Jahren hatte sie es gezügelt, um nicht als launische Hollywood-Diva zu gelten. Und auch in ihren Ehen hatte sie sich ungewohnt zurückhaltend gezeigt, was nur bewies, dass die Beziehungen von Anfang an zum Scheitern verurteilt waren. Sie seufzte schwer.

„Warum seufzt du?“, fragte Karen.

„Ich dachte nur gerade daran, wie viel von meinem Leben ich verschwendet habe.“

„Unsinn. Du hast etwas erreicht, von dem die meisten Schauspielerinnen nur träumen können.“

„Aber ich wollte nie Schauspielerin werden. Sicher, ich wollte in Los Angeles leben, aber ich wäre auch als Buchhalterin in einem der Hollywood-Studios zufrieden gewesen. Wenn dieser Produzent seinerzeit mich nicht zum Vorsprechen aufgefordert hätte, als wir das Budget für seinen nächsten Film durchgingen, wäre ich heute noch Buchhalterin.“

„Bereust du, dass du es zu so viel Geld und Ruhm gebracht hast?“

„Nein, natürlich nicht. Die letzten zehn Jahre waren aufregend, und ich weiß, wie viel Glück ich hatte. Aber irgendetwas hat mir immer gefehlt. Deshalb bin ich jetzt hier. Um genau das endlich zu finden.“

Es war das erste Mal, dass Lauren diese Gedanken offen aussprach. Zu ihrer Erleichterung lachte Karen nicht. Im Gegenteil, sie schien darüber nachzudenken.

„Liebe?“, fragte sie sanft. „Ist es das, wonach du suchst?“

„Könnte sein“, gab Lauren zu.

„Kinder?“

Darüber hatte sie sich noch keine Gedanken gemacht, aber ja, auch das gehörte dazu. Sie wollte ein Baby in den Armen halten und ein Kinderzimmer einrichten. Bisher war ihr nicht bewusst gewesen, dass ihre biologische Uhr so laut tickte.

„Vielleicht brauche ich ja nur eine gesunde Portion Realität. Gute Freunde. Harte körperliche Arbeit. Einen schönen Sonnenuntergang.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Ich wünschte, ich könnte mir darüber klar werden.“

„Ein Mann wie Wade Owens könnte dir dabei helfen“, meinte Karen.

Lauren dachte an den Cowboy mit dem markanten Kinn, den kühlen Augen und den schrägen Mundwinkeln. Nun, er hatte auch breite Schultern, schmale Hüften und kräftige Muskeln. Na und? Sie schüttelte den Kopf. „Dazu müsste er sich erst ändern.“

Karen lachte. „He, ich habe eure kleine Szene beobachtet. Vermutlich würde er genau dasselbe über dich sagen.“ Sie wurde wieder ernst. „Hast du dich vorgestellt? Oder hat er dich erkannt?“

Erst jetzt ging Lauren auf, dass es Wade offenbar gar nicht interessiert hatte, wer sie war. Irgendwie gefiel ihr das.

„Wenn ja, war er nicht besonders beeindruckt“, meinte Lauren. „Er war einfach nur stinksauer, dass ich mich in seine Arbeit eingemischt habe.“

„Vielleicht solltest du es dabei belassen“, schlug die Rancherin vor. „Dann kann er dich so kennenlernen, wie du bist. Ohne all den Glanz und Glamour von Hollywood. Es ist nicht leicht, einen Mann zu finden, der das ausblenden kann. Wäre das nicht mal eine angenehme Abwechslung?“

„Das ist wahr“, gestand Karen. „Aber ich bin hier, um mich selbst zu finden, nicht einen Mann.“

„Warum sollte nicht beides möglich sein?“

„Vielleicht schon, aber ich glaube kaum, dass dein Freund Wade als Kandidat zur Verfügung steht“, erwiderte sie skeptisch und verstand nicht, warum sie dabei einen Anflug von Enttäuschung verspürte. Es konnte ihr doch egal sein, ob ein arroganter, von sich selbst eingenommener Pferdetrainer sich für sie interessierte oder nicht.

Sie zwang sich, ehrlich zu sein. Er war der aufregendste Mann, dem sie seit Jahren begegnet war. Und er war so verdammt kantig und rau, dass all die gelackten, durchgestylten Typen, die sie kannte, neben ihm verblassten.

So lebendig wie jetzt hatte sie sich schon ewig nicht mehr gefühlt. Sie hatte vor allem gehofft, dass das Leben in Winding River ihr ein wenig Frieden bringen würde. Vielleicht würde es ihr ab jetzt aber sogar Spaß machen.

„Gibt es Probleme?“, fragte Grady Blackhawk, denn als er den Stall betrat, hörte er, dass Wade eine ganze Reihe saftiger Flüche ausstieß.

„Sag dieser Person, sie soll sich verdammt noch mal von meinen Pferden fern halten“, knurrte Wade.

Grady musste grinsen. „Du bist mit Lauren aneinander geraten, was?“

„Ist das ihr Name?“ Stirnrunzelnd drehte Wade sich zu seinem Chef um. „Das ist nicht lustig. Du hättest sie sehen sollen. Marschiert in den Korral, als wäre Midnight ein verschmustes Pony.“

„So?“

„Du weißt, wozu der Hengst fähig ist. Ich will mir gar nicht ausmalen, was alles hätte passieren können.“

„Aber es ist nichts passiert, oder?“, erwiderte Grady. „Wade, Lauren kennt sich mit Pferden aus. Karen hat mir erzählt, dass sie praktisch als Baby reiten gelernt hat. Ich habe sie in Aktion gesehen.“

„Oh, das kann ich mir vorstellen“, versetzte Wade heftig. „Sie ist kein übler Anblick, was?“

„Ich rede von ihren Fähigkeiten. Sie kann so gut mit Pferden umgehen wie du. Gib ihr eine Chance.“

Der Pferdetrainer seufzte. „Ist das eine Anweisung, Grady? Bitte erzähl mir nicht, dass du sie eingestellt hast.“

„Ohne mit dir zu reden? Natürlich nicht“, versicherte der Rancher, wirkte jedoch ein wenig schuldbewusst.

„Was zum Teufel hatte sie dann hier draußen zu suchen?“

„Wie gesagt, sie kennt sich mit Pferden aus. Außerdem ist sie eine von Karens besten Freundinnen. Sie braucht etwas zu tun, solange sie hier ist. Wir haben sie gebeten, beim Training zu helfen und mit Midnight und den anderen Pferden zu arbeiten, bei denen die üblichen Techniken nicht wirken. Sie wird auf dich hören. Das werde ich ihr zu verstehen geben. Dein Job ist sicher.“

„Um meinen Job mache ich mir keine Sorgen“, gab Wade zurück. „Sondern um ihren zarten Hals. Die Frau hat mehr Mut als Verstand. Midnight hätte sie wie einen Käfer zertreten können. Du weißt ja, wie der Hengst ist.“

„Ich habe mit Lauren über ihn gesprochen, bevor sie zu ihm gegangen ist. Sie hat schon mit misshandelten Tieren gearbeitet. Sie wusste, was sie tat“, versuchte Grady, seinen aufgebrachten Pferdetrainer zu besänftigen.

„Sah aber nicht so aus“, empörte Wade sich.

„Sie ist heil herausgekommen“, erinnerte Grady ihn sanft. „Und Midnight ist auch nichts passiert, richtig?“

„Beim nächsten Mal hat sie vielleicht nicht so viel Glück. Einem Pferd ist egal, wie hübsch sie ist. Wenn es schlechte Laune hat, bricht es erst ihr das Genick und dann sich selbst ein Bein.“

Grady schüttelte den Kopf. „Was stört dich so an Lauren? Dass sie mit Pferden umgehen kann oder dass sie in Jeans großartig aussieht?“

Wade beschloss, kein Öl mehr aufs Feuer zu gießen. Außerdem hatte Grady nicht ganz unrecht. Dass Lauren sich weder von Midnight noch von ihm einschüchtern ließ, imponierte ihm. Und was ihren Po anging … Na ja, es wäre unsinnig, sich etwas vorzumachen.

„Ich soll sie also mit den Pferden tun lassen, wozu sie gerade Lust hat?“, fragte Wade, und die Resignation in seiner Stimme war nicht zu überhören. Er wollte genau wissen, was sein Chef von ihm erwartete und wer verantwortlich war, wenn jemand Schaden nahm.

„Solange sie sich nicht umbringt, ja“, bestätigte Grady.

Wade zuckte mit den Schultern. „Okay. Es ist deine Ranch. Und deine Versicherung.“

„Und dein Ruf“, fügte der Rancher mit Unschuldsmiene hinzu.

„Was soll das heißen?“

„Jeder weiß, dass du auf dieser Ranch für die Pferde zuständig bist. Es ist dein Ruf, der leiden wird, wenn Lauren bei der Arbeit etwas zustößt.“

Na, super, dachte Wade. Sein Vorgesetzter hatte ihm gerade eine hübsche kleine Falle gestellt.

„Ich habe vorhin mit Wade gesprochen“, sagte Grady, als er sich zu Karen und Lauren an den Tisch setzte.

„So?“ Lauren konnte sich nur zu gut vorstellen, was Wade ihm über ihre Begegnung erzählt hatte. Aber Grady wirkte nicht besonders aufgebracht, also war der Mann vielleicht schlau genug gewesen, seine abfälligen Kommentare für sich zu behalten.

„Er weiß jetzt, dass du ihm bei den Pferden helfen wirst.“

„Und wie denkt er darüber?“, fragte Lauren.

Der Rancher lächelte. „Was erwartest du? Er hat ein paar Bedenken, will jedoch erst mal abwarten.“

„Wie edel von ihm.“ Lauren schob ihren Teller zur Seite. „Vielleicht ist das hier doch keine so gute Idee. Du zahlst ihm gutes Geld dafür, dass er deine Pferde trainiert, und ich bin sicher, dass er das nicht schlecht macht. Ich will euch keine Probleme machen. Niemand weiß, ob ich überhaupt etwas erreichen kann. Vielleicht sollte ich mich zurückziehen und die Arbeit den Experten überlassen.“

Karen warf ihrem Mann einen warnenden Blick zu. „Lauren, du machst keine Probleme. Und wenn Wade eins hat, muss er eben damit fertig werden. Richtig, Grady?“

„Natürlich“, bestätigte er und tastete unter dem Tisch dorthin, wo Karens Tritt ihn am Bein getroffen hatte. „Ich habe gehört, dass du zu Midnight in den Korral gegangen bist und es überlebt hast. Bisher hat der Hengst noch niemanden an sich herangelassen, nicht mal Wade.“

Laurens Miene erhellte sich. „Wirklich nicht?“

„Der Hengst spielt verrückt, sobald Wade ihm zu nahe kommt“, berichtete Grady. „Angesichts dessen, was er durchgemacht hat, hätte ich ihn vermutlich nicht kaufen sollen. Aber ich fand die Vorstellung furchtbar, dass er eingeschläfert werden soll, weil keiner ihn haben will. Was kann das Pferd dafür, dass sein letzter Halter ein mieser Kerl war?“

„Da hast du recht“, pflichtete Lauren ihm bei. „Er ist ein prächtiges Tier. Es wird eine Weile dauern, aber ich garantiere dir, es lohnt sich, Zeit und Energie in ihn zu investieren.“

Grady wechselte einen Blick mit seiner Frau. „Willst du Midnight zu deinem ganz besonderen Schützling machen, Lauren?“

Die Schauspielerin nickte. Genau das hatte sie vor. Nicht nur, weil sie den Freiheitsdrang des Hengstes bewunderte, sondern auch, weil sie auf die Weise diesem eingebildeten Owen Wade beweisen konnte, dass sie besser war als er.

„Weil du an Midnight glaubst? Oder weil du Wade eins auswischen willst?“, fragte Grady.

„Spielt das eine Rolle?“, entgegnete Lauren. „Du bekommst doch auf jeden Fall, was du willst.“

Karens Mann schmunzelte. „Das hier wird spannender als jeder Western im Fernsehen.“

Lauren hob ihr Glas Eistee. „Ich freue mich, euch frisch Verheirateten ein wenig Abwechslung bieten zu können.“

„Oh, ich könnte mir wesentlich aufregendere Dinge vorstellen, als zuzusehen, wie du Wade Owens eine Lektion erteilst, die er so schnell nicht vergessen wird“, entgegnete Karen und sah ihren Mann an.

„Wenn ich es mir recht überlege, ich auch“, erwiderte er, bevor er aufstand, nach Karens Hand griff und sie aus dem Raum zog.

„Ich räume den Tisch ab“, rief Lauren ihnen lächelnd nach.

Doch dann seufzte sie, denn sie konnte nichts gegen den Neid tun, der sich in ihr regte. Sie war zwei Mal verheiratet gewesen, aber nie war sie so verliebt gewesen, nie hatte ein einziger Blick auf ihren Ehemann gereicht, sie alles andere vergessen zu lassen. Vielleicht hatte sie zu viele Jahre damit verbracht, vor der Kamera Gefühle vorzutäuschen, um überhaupt noch zu erkennen, wann sie wirklich echt waren.

Sie leerte ihren Teller und stöhnte auf, als ihr bewusst wurde, wie viel sie gegessen hatte. Es war mehr, als sie bei Dreharbeiten an zwei kompletten Tagen zu sich nahm. Wenn sie so weitermachte, würde sie täglich drei Stunden Sport machen müssen, um nicht noch mehr zuzunehmen. Ihre Jeans kniffen jetzt schon an den Hüften, dabei war sie noch keine vierundzwanzig Stunden hier.

Und wenn schon!

Schockiert starrte Lauren dorthin, wo vor einer halben Stunde eine große Lasagne gestanden hatte. Zum ersten Mal seit zehn Jahren war es ihr gleichgültig, wie viel sie wog. Und welche Kleidergröße sie trug. Endlich hatte sie diese unnatürliche Selbstdisziplin abgeschüttelt, mit der sie lebte, seit sie auf der Kinoleinwand zu sehen war.

„Oh je“, murmelte sie und griff trotzig nach dem letzten Stück Knoblauchbrot. Obwohl es längst nicht mehr ofenwarm war, schmeckte es himmlisch.

Als es an der Hintertür klopfte, wischte sie sich hastig die Krümel aus den Mundwinkeln.

„Was sehe ich denn da? Lässt du dir etwa das Essen schmecken, das ich gestern zur Feier deiner Rückkehr vorbeigebracht habe?“, fragte Gina Petrillo lächelnd.

„Ja“, gestand Lauren. „Und weißt du was? Es ist himmlisch!“

„Höre ich da so etwas wie eine Rebellion heraus?“

„Genau“, bestätigte Lauren unumwunden und warf einen neugierigen Blick auf die Schachtel in Ginas Hand. „Hast du auch noch Nachtisch mitgebracht?“

„Käsekuchen. Ich habe mit Tiramisu-Geschmack experimentiert. Rafe musste heute Morgen nach New York fliegen, also brauche ich ein anderes Versuchskaninchen.“

„Du hast eins gefunden“, erklärte Lauren begeistert und sprang auf, um Teller zu holen.

„Wo sind Grady und Karen?“

Lauren sah zur Decke.

Gina grinste. „Ich weiß, was du meinst. Bin ich froh, dass Rafe und ich nicht so sind.“

Lauren lachte. „Nur, weil er so oft unterwegs ist. Warte nur, bis er seine Kanzlei nach Winding River verlegt und sich mit Emma zusammentut. Die ist so fleißig, dass die beiden jeden Tag um vier Feierabend machen können. Bald wird es dir so ergehen wie Karen.“

„Neidisch?“

Obwohl die Frage scherzhaft gemeint war, nahm Lauren sie ernst. „Ja“, gab sie offen zu.

Autor

Sherryl Woods

Über 110 Romane wurden seit 1982 von Sherryl Woods veröffentlicht. Ihre ersten Liebesromane kamen unter den Pseudonymen Alexandra Kirk und Suzanne Sherrill auf den Markt, erst seit 1985 schreibt sie unter ihrem richtigen Namen Sherryl Woods. Neben Liebesromanen gibt es auch zwei Krimiserien über die fiktiven Personen Molly DeWitt sowie...

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