Werde meine Königin

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Für standesgemäße Bräute interessiert sich Prinz Kamal nicht, solange er endlose Lust mit der Krankenschwester Ali erleben kann. Aber die will nicht seine Geliebte auf Zeit sein ...
  • Erscheinungstag 06.09.2015
  • ISBN / Artikelnummer 9783733742836
  • Seitenanzahl 128
  • E-Book Format ePub
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Leseprobe

1. KAPITEL

Es war mindestens genauso leicht, einen reichen Mann zu lieben wie einen armen. Wenn man auf der Suche nach Liebe war.

Was bei Ali Matlock ganz sicher nicht zutraf. Zumindest nicht im Moment. Sie hatte beschlossen, sich eine Auszeit von der Liebe zu nehmen und sich stattdessen auf ihre Karriere zu konzentrieren. Dafür war sie von Texas aus um den halben Globus gereist, um sich das Jobangebot ihres Lebens nicht entgehen zu lassen. Sie arbeitete in einem Krankenhaus, das von einem Scheich erbaut worden war, der definitiv in die Kategorie reicher Mann fiel. Und sie selbst verdiente hier das Dreifache dessen, was sie in den USA als Krankenschwester bekommen hätte. Das Allerbeste war jedoch, dass die Stelle die Chance auf echte Abenteuer bot, denn es hatte sie schließlich in das magische, mysteriöse, märchenhafte El Zafir verschlagen.

Während sie eine Liste an Arzneimitteln und anderen medizinischen Produkten durchging, die auf der Geburtsstation vorhanden sein mussten, hörte sie, wie sich die Türen des Aufzugs im dritten Stock öffneten. Sheik Kamal Hassan, Kronprinz des Landes, trat heraus. In seinem eleganten Designeranzug sah er einfach umwerfend aus. Ohne ihn vermutlich auch.

Nicht, dass sie das jemals würde beurteilen können. Obwohl er sie vor fünf Monaten in dem in Mondlicht getauchten Palastgarten geküsst hatte. Die Vergangenheit hatte sie jedoch gelehrt, vorsichtig zu sein, wenn es um Männer ging – und ganz besonders bei einem Scheich, der eine Frau küsste, die so gut wie verlobt war.

Er unterhielt sich kurz mit einem Handwerker, der die letzten Abschlussarbeiten an dem erst kürzlich fertig gestellten Krankenhaus verrichtete, und gab Ali somit die Möglichkeit, ihn zu mustern. Jedes einzelne schwarz gelockte Haar lag perfekt, ebenso schwarze Augen funkelten in einem atemberaubend attraktiven Gesicht mit aristokratischer Nase, hohen Wangenknochen, sinnlichem Mund und olivfarbener Haut. Der Prinz war mindestens ein Meter neunzig groß.

Ali hatte im Januar seine Tante, Prinzessin Farrah Hassan, kennen gelernt, als diese Sam Prescott, einen reichen texanischen Geschäftsmann und Freund der Familie, besucht hatte. Während ihres Aufenthalts hatte Farrah Atembeschwerden bekommen. In der Notaufnahme des Krankenhauses, in dem Ali arbeitete, waren sich die beiden Frauen zum ersten Mal begegnet. Die Schmerzen hatten sich als harmlos erwiesen, dennoch hatte Farrah als Dank darauf bestanden, dass Ali im März eine Einladung nach El Zafir akzeptierte, um über eine mögliche Stelle in dem Krankenhaus, das ihr Neffe baute, zu sprechen.

Obwohl sie damals sowohl von dem Jobangebot als auch von El Zafir begeistert gewesen war, hatte sie abgelehnt. Denn zu diesem Zeitpunkt war Ali verliebt gewesen. Vergangenheit. Abgeschlossen. Vorbei. Jetzt interessierte sie sich ausschließlich für ihre Karriere. Und bei Gott, wenn sie keine Liebe haben konnte, dann würde sie zumindest Abenteuer erleben. War es nicht praktisch, dass sie in El Zafir beides kombinieren konnte? Karriere und Abenteuer natürlich.

Allerdings konnte sie das beunruhigende Gefühl nicht loswerden, dass die Schlüsselfigur ihrer Abenteuer nur wenige Schritte entfernt von ihr stand. Wegen dieses Kusses? Sie hatte Schmetterlinge im Bauch, wenn sie daran dachte, wie sich seine Lippen auf ihren angefühlt hatten. Doch sie würde jede Wette eingehen, dass der Scheich seitdem nicht einen Gedanken an sie verschwendet hatte. Dennoch blieb die Frage – warum hatte er sie überhaupt geküsst?

Jetzt beendete er sein Gespräch und sah zu ihr herüber. „Hallo.“

„Euer Hoheit“, grüßte sie, während sie den Kugelschreiber in ihren Händen so fest umklammerte, dass ihre Knöchel weiß wurden.

Er schlenderte zu ihr hinüber und ließ sie dabei nicht aus den Augen. Der Duft seines After Shaves drang über den kleinen Medikamentenwagen hinweg, der sie von ihm und der Hitze seines Körpers trennte. Alis Hände wurden feucht.

„Es ist schön, Sie wiederzusehen, Alexandrite.“

Sie zuckte innerlich zusammen. „Vielen Dank. Erinnern Sie mich bitte daran, niemals zu vergessen, dass Sie sich auch unbedeutende Details merken, wie zum Beispiel einen Namen, mit dem wirklich niemand gestraft sein sollte.“

„Ganz im Gegenteil. Ihr Name ist sehr hübsch. Ein Edelstein, richtig?“

Sie nickte. „Ali ist aber viel einfacher.“

„Ich finde Ali wiederum sehr kompliziert.“ Er sah ihr einen Moment lang tief in die Augen und ließ seinen Blick dann über die Gänge der Geburtsstation schweifen. „Was halten Sie hiervon?“

„Von dem Krankenhaus? In einem Wort? Fantastisch.“

An ihrem ersten Arbeitstag hatte sie Zeit gehabt, das gesamte Gebäude mit all seinen Stationen zu besichtigen. Sie rief sich das Eingangsfoyer mit seinen Marmorsäulen und – treppen vor Augen, den Empfang und die Information mit ihren Kirschholzmöbeln. Im Erdgeschoss befanden sich die Notaufnahme, Labors und die Röntgenräume. Darüber waren Verwaltungsbüros untergebracht und ein weiteres Stockwerk höher Patientenzimmer und eine Intensivstation, die mit den modernsten Geräten ausgestattet war, die man für Geld kaufen konnte. Insgesamt war das Ganze ein Hightechwunder, das aus sieben Stockwerken bestand.

„Ein gutes Wort. Sehr passend“, entgegnete er lächelnd. Stolz zeigte sich in seinen Zügen, als er seinen Blick erneut umherschweifen ließ.

Die königliche Familie von El Zafir war unsagbar reich – zumindest hatte Ali so etwas gehört. Die luxuriöse Ausstattung des Krankenhauses hätte sie vielleicht gestört, wenn die Gerüchte nicht auch besagt hätten, dass der Kronprinz entschlossen war, El Zafir auf ein Niveau mit westlicher Technologie und Forschung zu bringen, damit sein Volk ein exzellentes Gesundheitswesen in Anspruch nehmen konnte. Das Ganze grenzte allerdings schon fast an Obsession, und Ali fragte sich warum.

Bei ihrem ersten Besuch in El Zafir hatte sie sich ausführlich mit Prinzessin Farrah darüber unterhalten, doch sie hatte ihr keine Gründe für die Besessenheit ihres Neffen genannt. Nachdem seine Tante gescheitert war, hatte er es selbst versucht, Ali dazu zu überreden, das Jobangebot anzunehmen, doch auch ihm gegenüber war sie hart geblieben. Damals.

„Meine Tante hat mich erst heute Morgen darüber informiert, dass Sie angekommen sind.“ Sein dunkler Blick richtete sich nun ausschließlich auf sie.

„Vor einer Woche“, bestätigte sie.

„Sie haben die leitende Oberschwester bereits kennen gelernt?“, fragte er mit einem leichten Stirnrunzeln.

Ali nickte. „Ich mag sie sehr.“

„Es tut mir leid, dass wir jemand anderen für die Position einstellen mussten, die ursprünglich Ihnen angeboten worden war. Aber als Sie mir einen Korb gegeben haben …“

„Ich bin mehr als glücklich, dass es immer noch unbesetzte Stellen gab, Euer Hoheit. Die Position als Oberschwester der Geburtsstation ist eine fantastische Chance.“

„Sie sind nicht enttäuscht, dass Sie Ihrem Lebenslauf keine bedeutendere Stellung hinzufügen können? Wenn ich mich recht erinnere, dann fanden Sie doch gerade das verlockend.“ Ein Funkeln hatte sich in seine Augen geschlichen.

Ihr Puls machte einen kurzen Aussetzer, denn er deutete an, dass sie ihn nicht verlockend genug gefunden hatte.

Sie schob die Hände in die Taschen des weißen Kittels, den sie über der grünen Krankenhauskleidung trug. „Um ehrlich zu sein, war ich ein wenig nervös, was diesen Job angeht.“

„Das verstehe ich nicht. Ihre Referenzen sind beeindruckend. Sie haben einen Masterabschluss als Krankenschwester, richtig?“

Wieder war sie überrascht, an was er sich alles erinnerte. „Ja. Eine fünfjährige Ausbildung. Aber ein Abschluss ist kein Ersatz für Erfahrung. Sobald ich an die Spitze komme, brauche ich beides.“

„Sobald?“ Er wirkte amüsiert. „Kennen Sie die Zukunft so genau?“

Sie zuckte mit den Schultern. „Ich habe studiert und hart gearbeitet. Ich bin gut, in dem was ich tue. Prinzessin Farrah hat darauf gepocht, dass ich jetzt schon so weit sei. Ich hoffe und glaube auch, dass sie recht hat. Aber ich denke, dass sie mir das Angebot gemacht hat, weil es schwer ist, qualifiziertes Personal zu finden, das bereit ist, um die halbe Welt zu reisen.“

„Sie haben vollkommen recht. Es ist nicht einfach, Leute zu finden, die bereit sind, ihr ganzes Leben umzukrempeln. Ich stehe in Ihrer Schuld.“

Sie hatte nicht viel zurücklassen müssen, und seit dem Tod ihrer Mutter vor einem Jahr auch keine Familie mehr. Außer einem Vater, der sie nicht vermissen würde, weil er ihr schon vor langer Zeit den Rücken gekehrt hatte.

„Ich freue mich auf all die Herausforderungen, die mit diesem Job verbunden sind.“

„Meine Tante hat vollstes Vertrauen, dass Sie jede Situation meistern werden.“

„Prinzessin Farrah ist zu freundlich.“

„Und offensichtlich überzeugender als ich. Schließlich hat sie Sie letzten Endes dazu gebracht, doch nach El Zafir zu kommen.“

Ali spielte fahrig mit dem Kugelschreiber in ihrer Hand. „Um genau zu sein, so habe ich meine Meinung geändert, was den Job anging. Ich habe sie vor einigen Wochen kontaktiert, um zu erfahren, ob es noch offene Stellen gibt. Sie hat mir freundlicherweise diese Position angeboten.“

„Ihr Verlobter muss Sie vermissen …“

Sie blickte zu ihm auf und erkannte seinen interessierten Gesichtsausdruck. Du meine Güte, der Mann würde einmal ein König sein. Hatte er nichts Wichtigeres zu tun, als sich an Dinge zu erinnern, die sie vor einem halben Jahr gesagt hatte? Als sie damals aus El Zafir zurückgekehrt war, hatte sie leider feststellen müssen, dass sie und Turner Stevens, Dr. med., sich nicht auf derselben Wellenlänge befunden hatten, was Heiratsabsichten anging.

„Wie sich herausstellte, Euer Hoheit …“

„Nennen Sie mich Kamal.“

Sie blinzelte. „Das scheint mir nicht passend zu sein.“

„Privat ist es vollkommen angemessen. Und wenn ich es wünsche, wird es auch so sein.“

„Kamal“, wiederholte sie leise und fragte sich, ob er immer alles bekam, was er sich wünschte. Wenn ja, musste es sehr angenehm sein, ein Kronprinz zu sein. Denn wenn er sich darum bemühen sollte, wie ein ganz gewöhnlicher Mann zu wirken, so funktionierte das nicht. Es würde immer eine Kluft geben zwischen ihm und jemandem wie ihr.

„Wie sich herausstellte …“

„Was?“, hakte er nach.

Sie seufzte. „Die Neuigkeit von meiner Verlobung war etwas übertrieben.“

„Oh?“

„Ich habe Ihr Angebot abgelehnt, weil ich davon ausging, dass der Mann, mit dem ich seit einiger Zeit zusammen war, mir einen Antrag machen würde.“

„Und hat er das getan?“

Wut und Schmerz vermischten sich mit Scham. Sie dachte kurz daran, mit einer flapsigen Bemerkung darüber hinwegzugehen, entschied sich dann jedoch dagegen. Einen zukünftigen König zu belügen, war kein weiser Schritt.

„Ja, er hat einen Antrag gemacht. Nur nicht mir.“

Seine schwarzen Augen funkelten voller Befriedigung – zumindest schien es Ali so, und sie stand kurz davor, ihm zu sagen, dass er sich zum Teufel scheren solle.

„Also ist die Dummheit dieses Mistkerls ein Gewinn für El Zafir?“

Andererseits wusste er wirklich mit Worten umzugehen. „Wie nett von Ihnen.“

„Wie sich herausstellt“, imitierte er sie, „kenne ich Sie eben doch ganz gut.“

„Wie schön, dass Ihnen nur ein gemeinsamer Abend ausreicht, sich ein Urteil über mich zu bilden.“

Die Worte kamen schärfer heraus, als sie beabsichtigt hatte. Es war nicht fair und nicht gerade klug, ihre Frustration an dem Kronprinzen einer ölreichen, aufstrebenden Nation abzureagieren.

„Also, was führt Sie heute hierher?“, fragte sie, indem sie versuchte, das Thema zu wechseln. Es war zwar nicht ganz so durchsichtig wie „schönes Wetter heute“, aber nahe dran.

Kamal hob sein Kinn und verengte die Augen. „Ich bin jeden Tag hier.“

Warum hatte sie ihn dann zuvor noch nicht gesehen? Vielleicht weil seine Tante ihm erst heute von ihrer Ankunft erzählt hatte? Eine leichte Röte überzog ihre Wangen. Ihre Vorstellung von Abenteuer bestand darin, in fremde Länder zu reisen. Es schloss nicht ein, sich in einen Mann zu vergucken, der Frauen küsste, die er für verlobt hielt. Dafür war sie zu klug. Ein gebranntes Kind scheute das Feuer.

„Ich verstehe.“ Sie hob die Liste von dem Medikamentenwagen. „Es war nett, Sie wiederzusehen, Kamal. Wenn Sie mich jetzt entschuldigen würden, ich habe noch eine Menge Arbeit zu erledigen.“

Er nickte. „Ich werde mein Bestes geben, um Ihren Aufenthalt in El Zafir zu genau dem zu machen, was Sie sich erhofft haben.“

„Vielen Dank.“

Während Ali ihm nachsah, konnte sie nicht anders: Sie wünschte sich, seine Schultern wären nicht ganz so breit und seine Hüften nicht ganz so schmal. Denn ob reicher Mann, armer Mann, Bettler oder Dieb – es spielte keine Rolle. Einen Mann zu lieben, war gefährlich. Punkt.

Nicht, dass sich ihre Wege kreuzen würden. Er regierte ein Land. Sie war angestellt worden, um die Geburtsstation seines Krankenhauses zu leiten. Und wenn das noch nicht genug war – nichts deutete bisher darauf hin, dass ihr Abenteuer in einem fremden Land einen Flirt mit einem gut aussehenden Prinzen einschließen würde.

Ali Matlock lenkte ihn ab.

Der Beweis dafür war die Tatsache, dass sein Meeting länger gedauert hatte, als üblicherweise der Fall war. Und die Schuld daran lag allein bei ihr. Der Finanz- und der Bildungsminister hatten einige Informationen zwei- oder dreimal wiederholen müssen, weil seine Gedanken immer wieder zu der attraktiven Amerikanerin geschweift waren und seine Konzentration gestört hatten. Das war eine Schwäche, die er mit aller Macht ausmerzen würde.

Kamal schaute auf seine Uhr, während er den Büroflügel des Palastes verließ und sich den Wohnräumen seiner Familie näherte. Zweifellos hatte er die Vorsorgeuntersuchung seiner Schwester Johara bereits verpasst. Seine Schwester war im achten Monat schwanger – ein unglückliches Resultat ihrer jugendlichen Rebellion. Nach der ersten wütenden Konfrontation hatte der König seine einzige Tochter vollkommen ignoriert. Und was den Vater des Babys anbelangte, so hatte der Mistkerl die Unverschämtheit besessen, sich bei einem Motorradunfall töten zu lassen, bevor Kamal ihn mit seinen Fäusten bearbeiten und dann die Reste von ihm zwingen konnte, seine Schwester zu heiraten. Stattdessen hatte Kamal Johara das Versprechen gegeben, dass er für sie da sein würde. Immer.

Vor der Suite seiner Schwester angekommen, klopfte er an die Tür und trat ein. Langsam folgte er dem Klang mehrerer weiblicher Stimmen. Farrah saß zusammen mit seinen beiden Schwägerinnen Penny und Crystal auf dem halbrunden Sofa, das den Raum beherrschte.

„War der Arzt hier?“, fragte er seine Tante.

Sie blickte zu ihm auf, während sie eine zierliche Teetasse in der Hand hielt. Sie war eine elegante, sehr attraktive Frau in den Fünfzigern, die gut und gerne zwanzig Jahre jünger aussah. „Ja.“

„Er ist schon wieder weg“, erklärte Penny ihm. „Er hat sich dafür entschuldigt, dass er nicht auf dich warten konnte, aber er musste zurück ins Krankenhaus.“

Die zierliche blonde, blauäugige Amerikanerin hatte das Herz seines jüngsten Bruders im Sturm erobert, als sie als seine Assistentin eingestellt worden war. Rafiq, der Charmeur in der Familie, war von ihr bezaubert worden, und die beiden hatten rasch geheiratet. Obwohl ihre schlanke Figur es noch nicht verriet, erwarteten die zwei noch in diesem Jahr ihr erstes Kind.

„Ich wurde aufgehalten“, entschuldigte er sich.

„Aber sicher doch“, meinte Crystal mit einem Funkeln in ihren haselnussbraunen Augen. „Ich glaube, dir wäre jede Ausrede recht, um dich vor solchen Frauengeschichten zu drücken.“

„Frauengeschichten?“, fragte er verwundert.

„Du weißt schon.“ Crystals Grinsen verriet, dass sie ihn ködern wollte. „Pränatale Untersuchungen, Babys, geschwollene Knöchel, Geburtsschmerz.“

„Ah“, erwiderte er mit einem kleinen Lächeln.

Zu Anfang hatte er Crystals Haarfarbe für nicht definierbar gehalten, doch so wie sie es jetzt trug, lang und offen, schimmerten rötliche Strähnen in dem Kastanienbraun. Sie war als Kindermädchen für die fünfjährigen Zwillinge seines Bruders Fariq engagiert worden, und die beiden hatten sich prompt ineinander verliebt. Wenn man Crystals sanfte Kurven betrachtete, käme man ebenso wenig wie bei Penny auf die Idee, dass sie noch vor Ende des Jahres Fariqs drittes Kind auf die Welt bringen würde.

Für einen kurzen Moment stieg Neid in Kamal auf. Seine Brüder waren nur an zweiter und dritter Stelle in der Thronfolge. Sie konnten es sich erlauben, sich zu verlieben. Er nicht. Er hatte nicht vor, sich durch irgendwelche Schwächen von seiner Verantwortung für sein Land und sein Volk ablenken zu lassen. Für ihn bedeutete die Ehe eine reine Pflichterfüllung. Liebe spielte dabei keine Rolle.

„Wo ist Johara?“, wollte er wissen, während er sich suchend nach ihr umschaute.

„Nebenan“, antwortete Farrah und deutete mit dem Kinn in Richtung des Schlafzimmers seiner Schwester.

Durch die Tür hörte er den gedämpften Klang einer weiblichen Stimme. Er schaute seine Tante an und fragte: „Was hat der Arzt gesagt?“

„Er möchte sie bis zur Geburt einmal die Woche sehen.“

„Warum?“

„Das ist während des letzten Schwangerschaftsmonats so üblich.“ Allerdings runzelte die Prinzessin sorgenvoll die Stirn. „Eine Sache ist bedenklich – ihr Blutdruck ist etwas zu hoch. Im Moment glaubt er noch nicht, dass es deshalb Komplikationen geben könnte, aber wir sollen ihn ansprechen, wenn wir Fragen oder Ängste haben.“

Kamal nickte grimmig. Schwangerschaft und Geburt waren Bestandteile des Kreislaufs von Leben und Tod. Das Natürlichste der Welt. Solange es keine Probleme gab. Er hatte zusehen müssen, wie Joharas Mutter bei der Geburt ihres zweiten Kindes starb. Jetzt schob er diese düsteren Gedanken jedoch konsequent beiseite und blickte die drei Frauen auf dem Sofa an – zwei von ihnen waren von einem eindeutigen Strahlen umgeben.

„Darf ich fragen, was eure Untersuchungen ergeben haben?“

„Alles in Ordnung“, sagte Penny. „Meine morgendliche Übelkeit ist vorbei, und uns beiden geht es gut.“

„Mir auch“, fügte Crystal hinzu. „Der einzige Haken ist, dass ich die Desserts reduzieren und stattdessen mehr Proteine zu mir nehmen muss. Das wird verdammt hart werden, wenn du meine Ausdrucksweise entschuldigst.“

„Natürlich, bei einer schönen Frau jeder Zeit.“

Sie grinste. „Kamal du bist ein Schmeichler, genau wie dein Bruder. Obwohl Fariq diese Eigenschaft zu Beginn gar nicht gezeigt hat.“

Penny lachte. „Das war, bevor er deine Verkleidung durchschaut hatte.“

Eine interessante Zeit, wie Kamal sich erinnerte. Seine Tante hatte eine exklusive Agentur in New York aufgesucht, um eine Nanny für die Kinder seines Bruders zu engagieren, und zwar eine möglichst unscheinbare Frau, die keine unnötige Aufmerksamkeit auf sich ziehen und den Palastfrieden nicht stören würde. Zurückgekommen war sie dann mit zwei neuen Angestellten, die seine Brüder bezaubert hatten. Jetzt bemerkte er, dass seine Tante auch Ali Matlock eingestellt hatte und fragte sich, ob er beunruhigt sein sollte. Er entschied sich dagegen. Die Frau musste er noch kennen lernen, die ihn erfolgreich von seinen Pflichten abbringen würde. Ali war lediglich eine Ablenkung; mehr würde er nicht zulassen.

Allerdings wurde von ihm erwartet, dass er einen Erben zeugte. Bald. Die Anspielungen seines Vaters und auch seiner Tante wurden immer deutlicher.

In diesem Moment drang weibliches Gelächter an sein Ohr. Seine hochschwangere Schwester trat in den Raum. Und hinter ihr erschien seine eigene, unwillkommene Ablenkung. Ali Matlock.

„Kamal!“ Johara stürzte in seine Arme.

Er beugte sich zu ihr hinunter und küsste sie auf beide Wangen. „Wie geht es dir, meine Kleine?“

„Ich bin nicht mehr so klein.“ Sie legte die Hände auf ihren Bauch. „Hat Tante Farrah dir erzählt, was der Arzt gesagt hat? Mein Blutdruck?“, fragte sie mit ängstlichem Gesicht.

„Ja, ich weiß Bescheid.“ Er schaute zu Ali hinüber.

Sie trug immer noch die Krankenhauskleidung, die er auch schon bei ihrer ersten Begegnung an diesem Tag an ihr gesehen hatte. Weißer Kittel über grünen Hosen. Sie war für ihre Arbeit vollkommen angemessen gekleidet, doch irgendwie reizte ihn das, was er nicht sehen konnte, noch mehr. Ihr kastanienbraunes Haar war hochgesteckt, aber einige, widerspenstige Locken hatten sich selbstständig gemacht und umspielten ihr Gesicht. Große braune Augen mit goldenen und grünen Sprenkeln blickten ihn an.

Vor fast einem halben Jahr hatte er sie in einem Ballkleid gesehen. Seitdem hatte er oft an sie gedacht und verstand nicht warum. Sie war eine Frau wie jede andere. Warum hatte er sie dann nicht einfach vergessen können?

„Und so treffen wir uns schon wieder“, meinte er.

„Allerdings. Da ich für die Geburtsstation verantwortlich bin, hielt Dr. McCullough es für angebracht, dass ich ihm heute attestiere. Er ist schon zum Krankenhaus zurückgekehrt, aber da ich schon Feierabend habe, hat Prinzessin Johara darauf bestanden, dass ich nach dem Hausbesuch noch bleibe.“ Sie schaute sich in der Suite um. „Und was für ein Haus“, lachte sie.

„Als ich das erste Mal den Palast sah“, sagte Penny, „hätte ich am liebsten Brotkrumen gestreut, damit ich meinen Weg auch ja zurückfinde.“

„Mir ging es genauso“, stimmte Crystal zu. „Aber glaubt mir, all das Laufen ist gut für die Taille einer Frau.“

„Es sei denn, du bist so rund wie eine Melone“, widersprach Johara.

„Solange es keine Komplikationen gibt, tut Ihnen das Laufen in Ihrem Zustand gut. Oder sollte ich sagen, in Ihrer aller Zustand.“ Ali grinste die drei Frauen an. „Ein Palast voller schwangerer Prinzessinnen.“

Alle lachten, einschließlich Kamal.

Dann stand Penny auf. „Ich habe jetzt einen Termin mit dem Bildungsminister. Bitte sag mir, dass er gute Neuigkeiten für mich hat“, wandte sie sich mit einem Blick an ihren Schwager.

Autor

Teresa Southwick
Teresa Southwick hat mehr als 40 Liebesromane geschrieben. Wie beliebt ihre Bücher sind, lässt sich an der Liste ihrer Auszeichnungen ablesen. So war sie z.B. zwei Mal für den Romantic Times Reviewer’s Choice Award nominiert, bevor sie ihn 2006 mit ihrem Titel „In Good Company“ gewann. 2003 war die Autorin...
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