Mein geliebter Prinz

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Eine Scheinehe mit Prinz Kaliq ... In seinem orientalischen Luxusloft fühlt sich alles irgendwie echt an! Molly will Kaliq erst abblitzen lassen, doch dafür ist es eigentlich zu gut ...
  • Erscheinungstag 06.09.2015
  • ISBN / Artikelnummer 9783733742874
  • Seitenanzahl 128
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. KAPITEL

Molly Larkin blieb mit dem Aktenstapel in der Hand in der Türöffnung stehen. Ihr Herz klopfte wie wild, als sie den Blick auf ihren Chef richtete – Scheich Kaliq bin Shalik. Allerdings nutzte er seinen Titel in den USA selten.

Sie hatte einen Kloß im Hals. Solange sie sich nicht bewegte, würde er ihre Anwesenheit nicht bemerken. Er besaß die Fähigkeit, sich so konzentriert einer Aufgabe zu widmen, dass er alles andere vergaß.

Sie schaute ihn gern an, wie jetzt, als sein dunkler Kopf mit dem dichten Haar ziemlich zerzaust wirkte. Er hatte edel geschnittene Gesichtszüge und einen sinnlichen Mund. Als hochgewachsener Mann von gut einem Meter fünfundachtzig überragte er sie fast um Haupteslänge. Seine Bewegungen waren geschmeidig und wachsam, so als säße er auf einem Vollbluthengst, der jederzeit ausbrechen könnte, statt an einem Schreibtisch in einem Hochhaus von Manhattan.

Die Zeit verging, während Molly versuchte, sich sein vertrautes Gesicht noch einmal einzuprägen. Seit fünf Jahren arbeitete sie jetzt schon für ihn, aber in zwei Wochen würde alles vorbei sein. Einen Augenblick lang zögerte sie erneut. Es war einfach nicht fair!

Kaliq runzelte die Stirn, was bedeutete, dass ihm die Zahlen, die er vor sich liegen hatte, nicht gefielen. Sie überlegte, was er da wohl studierte. Er war ein ziemlich gerissener Geschäftsmann, das hatte sie in all den Jahren mitbekommen. Und sein geschicktes Verhandeln hatte ihm zu seinem märchenhaften Aufstieg innerhalb der Reedereibranche verholfen. Sein Titel und seine weltweiten Beziehungen hatten ihm dabei natürlich auch nicht geschadet.

Nach langen Besprechungen legte er am Nachmittag oft die Krawatte ab, zog sein Jackett aus und setzte sich hemdsärmelig an den Schreibtisch. Trotz seiner hohen Herkunft war er erstaunlich unkonventionell.

Dass er fantastisch aussah, musste Molly zugeben. Alle Sekretärinnen der Firma himmelten ihn an. Doch sie hatte stets eine klare Distanz zu ihrem Chef bewahrt, denn sie hielt nichts von einem Verhältnis im Büro.

Und nach dem Fiasko mit Chad hatte sie sich geschworen, sich nicht so schnell wieder mit einem Mann einzulassen. Wenn das Vertrauen erst einmal zerstört war, war es nur schwer wieder aufzubauen. Vor allem war sie wütend auf sich selbst, dass sie ihren Freund nicht schneller durchschaut hatte. Es würde lange dauern, bevor sie wieder jemandem trauen könnte.

Es war spät. Der Rest der Belegschaft war schon ins Wochenende gegangen. Auch Molly würde nach Hause aufbrechen, nachdem sie Kaliq die Unterlagen ausgehändigt hatte. Sie erlaubte sich das Vergnügen, ihn noch ein wenig zu betrachten.

Wie würde er wohl ihre Kündigung aufnehmen? Es war nicht vorherzusehen, wie er reagieren würde. Er war eine seltsame Mischung aus westlicher Erziehung und nahöstlicher Tradition. In ihrer Firma ging es förmlicher zu als in anderen Unternehmen, der Stil war geprägt durch den Chef, der alles ziemlich distanziert anging. Molly fragte sich, ob er außerhalb des Geschäfts ein wenig lockerer war. Aber sie würde das wohl nie herausfinden.

Sie schaute aus den großen Fenstern auf die hell erleuchteten Wolkenkratzer. Sie hatte diese Aussicht in den vergangenen fünf Jahren sehr genossen. Sie würde das alles sehr vermissen.

Sie lächelte müde. Kaliq würde ihre Sentimentalität vermutlich nicht gutheißen. Er war ein kühl handelnder Geschäftsmann, der die gleiche Professionalität von seiner persönlichen Assistentin erwartete.

Und wäre sie nicht so eine vertrauensvolle Närrin gewesen, hätte sie sich diese Katastrophe ersparen können. Aber jetzt war es leider zu spät.

„Ich habe die gewünschte Analyse und auch die McCaffrey-Akte herausgesucht.“ Molly betrat entschlossen den Raum und beendete abrupt ihre Tagträumereien. „Elise hat die Briefe getippt. Wenn du sie jetzt unterschreibst, gehen sie nachher in die Post.“ Elise Templer war seine langjährige Sekretärin.

Molly legte den Aktenstapel auf seinem Schreibtisch ab und deponierte ihr Kündigungsschreiben im Umschlag ganz oben. Sie wusste nicht, wie er reagieren würde, und hoffte nur, dass sie die Kontrolle über sich behielte, bis sie sich wieder zurückziehen konnte. Es fiel ihr nämlich verdammt schwer, ihren Job aufzugeben.

Er nickte und schaute sie mit seinen dunklen Augen an. „Du hast meine Gedanken bezüglich McCaffrey erraten. Die neuesten Zahlen von Hank kamen mir doch etwas merkwürdig vor. Ich hatte vor, sie mit den früheren Berichten zu vergleichen. Danke, dass du die Akte gleich mitgebracht hast.“

Sie nickte zufrieden. Sie waren ein gut eingespieltes Team. Irgendwie wusste sie einfach im Voraus, was er als Nächstes tun wollte. Zuerst hatten sie amüsiert über diesen Gleichklang des Denkens gelacht, doch im Lauf der Jahre hatten sie es als etwas Gegebenes hingenommen, dass sie in Bezug auf die Arbeit perfekt harmonierten. Sie kannte das Reedereigeschäft inzwischen fast genauso gut wie er, und ihre Vorschläge und Gedanken ähnelten seinen erstaunlich.

„Ist das Geschäft so erfolgversprechend wie erwartet?“, erkundigte sich Molly und nahm zögernd auf der vordersten Kante des Besucherstuhls Platz. Sie ließ sich nicht anmerken, unter welcher Anspannung sie stand. Er würde ihren Brief schon irgendwann wahrnehmen. Sie atmete tief durch, versuchte sich innerlich auf das vorzubereiten, was jetzt kommen mochte. Doch das beruhigte sie nicht.

Kaliq legte seinen Füller auf den Tisch und lehnte sich in seinem Schreibtischsessel zurück. „Ja. Obwohl die Gewinnerwartung sich nicht so rasant nach oben entwickelt wie erwartet.“

Er warf einen kurzen Blick auf den Aktenstapel, irgendetwas schien ihn zu beschäftigen.

Molly wartete geduldig. Sie würde nicht noch einmal auf die Uhr schauen. Das brachte nichts.

Schließlich nahm er sich die Unterschriftenmappe, überflog die Briefe und unterzeichnete sie. Erst dann griff er nach dem Briefumschlag, auf dem ihr Absender vermerkt war. Mit einem Stirnrunzeln öffnete er ihn und zog das Schreiben heraus.

Molly beobachtete ihn angestrengt und sagte sich immer wieder, dass sie nicht in Tränen ausbrechen durfte. Sie hatte die Entscheidung nach langen Überlegungen getroffen und musste dazu stehen.

Sie verdankte Kaliq sehr viel. Durch die Zusammenarbeit mit ihm hatte sie viel gelernt. Er war es auch gewesen, der sie dazu ermutigt hatte, Abendkurse zu belegen, damit sie ihren Hochschulabschluss als Betriebswirtin nachmachen konnte. Und er hatte auch dafür gesorgt, dass sie sich ein umfassendes Wissen über das internationale Reedereigeschäft aneignete. Ohne ihn und seine Einblicke in die komplexen Kostenstrukturen und Regeln des internationalen Handels wäre sie nicht so weit gekommen. Er hatte dafür gesorgt, dass sie innerhalb der Firma von einer Art besserer Sekretärin zu seiner persönlichen Assistentin aufgestiegen war. Ihr Job war aufregend und spannend, und sie würde die Zusammenarbeit mit ihm sehr vermissen. Wie sie überhaupt New York sehr vermissen würde.

Aber sie sollte nicht jammern. Dafür war es zu spät. Viele Monate zu spät.

„Was, um alles in der Welt, bedeutet das?“ Er schaute sie aus zusammengekniffenen Augen an.

Sie räusperte sich. „Das ist meine Kündigung.“
 Er schaute sie einen Augenblick lang intensiv an, dann warf er den Brief auf den Schreibtisch und erhob sich. Molly beobachtete, wie er zum Fenster schritt und hinab auf die Straße starrte. Er hatte eine Schulter gegen die hohe Glasscheibe gelehnt und steckte die Hände in die Hosentaschen.

Er schaute sie einfach an, ohne etwas zu sagen. Das Schweigen dehnte sich in die Länge, wurde immer unangenehmer. Molly beobachtete ihn genau, nahm seinen maßgeschneiderten Anzug wahr, der wie immer perfekt saß, sein markantes Gesicht.

Sie überlegte, ob sie etwas sagen sollte, ob sie ihm die Erklärung für die Kündigung liefern sollte, obwohl sie gerade durch ihren Rückzug Klatsch vermeiden wollte. Denn binnen kürzester Zeit würde sich in der Firma herumsprechen, dass sie schwanger war.

Und dass der Vater ihres Kindes sie hatte sitzen lassen. Auch wenn natürlich niemand herausfinden konnte, wer das war. Weitgehend hatte sie die Beziehung zu Chad geheim halten können, sie mochte Bürotratsch nicht.

Natürlich wollte sie erst recht nicht, dass man sie bemitleidete. Daher hatte sie beschlossen, von sich aus zu kündigen und an das andere Ende des Landes zu ziehen. Noch war ihr von der Schwangerschaft nichts anzusehen, sie war erst im vierten Monat. Doch lange würde es nicht mehr dauern, bis ihr Körperumfang zu Spekulationen Anlass geben würde.

Molly wusste, dass Kaliq eine Erklärung verlangen würde. Sie rutschte etwas vor in ihrem Sitz, um sich die Mappe mit den unterschriebenen Briefen zu nehmen. Schnell faltete sie die Schreiben und stecke sie in Briefumschläge.

Sie schaute kurz auf ihre Uhr, es war bereits nach sieben.

„Brauchst du noch irgendetwas?“ Sie hatte es eilig, von hier zu verschwinden. Eigentlich wollte sie ja gar nicht aus New York wegziehen, dachte aber, sie hätte keine Alternative.

„Du könntest mir erst einmal diesen Brief erklären.“

„Ich gehe weg aus New York.“

„Und wohin willst du?“

„Ich dachte an Kalifornien.“

„Warum?“ Er drehte sich um und starrte sie überrascht an. „Weil du mit einem Mann zusammenziehen willst?“

Ihre Wangen röteten sich. „Nein. Es gibt keinen Mann.“ Zumindest gab es jetzt keinen mehr. Und so schnell würde sie sich auch nicht mehr auf einen Mann einlassen können. Sie war eine solche Närrin gewesen.

„Warum dann? Ich weiß, dass deine Eltern tot sind. Hast du sonst irgendwelche Verwandten an der Westküste? Was, zum Teufel, willst du ausgerechnet in Kalifornien?“ Kaliq klang wütend.

Molly sah ihn erschreckt an. Das war völlig untypisch für ihn.

Sie hatte ihn immer für seine Gelassenheit bewundert und versucht, ihm nachzueifern. Um die perfekte Assistentin für ihn zu sein.

Schuldete sie ihm wirklich eine Erklärung? Es war ihr unangenehm, dass er sie vermutlich für eine Närrin halten würde. Insgesamt hatte er sowieso keine besonders gute Meinung von Frauen. Soviel sie wusste, hatte das mit seiner Frau zu tun. Seiner Exfrau, um genau zu sein.

Als Molly angefangen hatte, für ihn zu arbeiten, war Kaliq noch mit dem bekannten Supermodel aus England verheiratet. Sabrina war eine wunderschöne, elegante Frau gewesen, hatte sich jedoch als äußerst geldgierig und untreu erwiesen. Und Kaliq hatte sich schließlich vor drei Jahren von ihr scheiden lassen.

Danach hatte er sich nie wieder wirklich auf eine Frau eingelassen, soviel sie wusste, sondern hatte sich nur mit Frauen amüsiert, wie er das nannte. Und mit so mancher Bemerkung hatte er ihr zu verstehen gegeben, dass er nicht viel von dem sogenannten schwachen Geschlecht hielt.

„Hat es etwas mit deiner Arbeit hier zu tun?“

Sie schüttelte den Kopf. „Ich glaube, es ist Zeit für eine Veränderung. Ich muss weg aus New York.“ Sie rieb die Handflächen gegeneinander und versuchte, ruhig zu bleiben.

„Warum? Ist dir New York zu teuer? Brauchst du mehr Geld?“

Molly warf ihm einen fast beleidigten Blick zu. „Nein. Wenn dem so wäre, würde ich dir einfach all meine Aktivitäten des vergangenen Jahres auflisten und für sich sprechen lassen.“

Angesichts ihres Temperamentsausbruchs konnte er ein Lächeln nicht unterdrücken. „So aufmüpfig kenne ich dich ja gar nicht. Ich hoffe, ich habe dich immer wissen lassen, wie sehr ich deine Arbeit schätze, Molly.“

Ein Gefühl der Wärme durchflutete sie. Sie lächelte ihn erfreut an. Natürlich hatte er sich hin und wieder bedankt, aber so deutlich ausgesprochen hatte er es noch nie. Aber dazu waren sie vermutlich immer zu sehr beschäftigt gewesen.

„Allerdings ist der Zeitpunkt für deine Kündigung nicht gerade günstig. Eigentlich ist er sogar katastrophal.“

„Da kann ich nichts machen. Ich reiche formell meine Kündigung ein, daran ist nicht zu rütteln. Ich höre in zwei Wochen auf zu arbeiten.“

„Hast du schon einen neuen Job?“

„Noch nicht. Ich gehe erst einmal nach Kalifornien, dann sehe ich weiter.“

Er erhob sich und baute sich vor ihr auf. „Ich will jetzt wissen, was wirklich los ist. Du ziehst ans andere Ende des Landes, ohne Job, ohne Familie. Was soll das Ganze? Ich finde, du schuldest mir eine Erklärung.“

Gab es überhaupt etwas, was sie irgendeinem Mann schuldete? Molly spielte mit ihren Fingern und überlegte, ob sie ihm die tatsächliche Situation offenbaren sollte. Sie wünschte sich nichts sehnlicher, als dass ihr Leben so weitergehen könnte wie bisher.

„Ich bin schwanger“, platzte sie heraus.

Er antwortete nicht, sondern schaute sie intensiv an.

„Lebt der Vater nicht in New York?“, wollte er dann wissen.

„Oh, doch“, erklärte sie bitter.

„Warum willst du dann weg?“

„Weil er verheiratet ist. Diese Kleinigkeit hat er mir nämlich vorenthalten. Ich will diesen Menschen nie mehr wiedersehen. Ich habe beschlossen, mir ein neues Leben aufzubauen, so weit weg von New York wie möglich.“ Sie presste den Mund zu einem schmalen Strich zusammen.

„Ist das nicht ein wenig drastisch? Hier hast du deine Freunde, deinen Job. In Kalifornien kennst du niemanden.“

„Ich komme zurecht. Ich habe Geld gespart, und außerdem finde ich schnell wieder eine Arbeit.“

„Aber du kannst ihm doch auch so aus dem Weg gehen. New York ist groß.“

„Ich weiß nicht. Das Leben in der Stadt ist für Kinder nicht ideal. In Kalifornien würde ich in einem schönen Küstenort wohnen, wo es gute Schulen gibt, und außerdem könnte ich mir ein kleines Haus am Meer leisten.“

„Du willst das Kind auf jeden Fall behalten?“

Molly nickte. Trotz ihrer Wut auf Chad freute sie sich auf das Baby; eine Veränderung ihrer Lebenssituation mochte sich auf Dauer gesehen sogar positiv auswirken. Sie hatte keine Familie mehr. Wenn das Kind da war, würde sie endlich nicht mehr allein sein.

„Wer ist der Vater?“

„Irgendein Typ.“

„Ich vermute, dieser Chad, der hier mehrfach angerufen hat, oder? Weiß jemand von deiner Beziehung zu ihm?“

Molly war verwundert, dass er das bemerkt hatte. „Ich mochte ihn einmal sehr gern. Aber er hat mich schrecklich hintergangen. Hat mir vorgelogen, wie sehr er mich liebt und dass ich alles für ihn bin! Ich hätte nicht auf ihn hereinfallen dürfen!“

„Er weiß von dem Baby und hat dich dennoch im Stich gelassen?“

„Nein, und er soll es auch nie erfahren“, erklärte Molly tapfer. „Ich weiß selbst, dass ich eine Idiotin war und glaubte, dass er mich liebt. Aber von hier wegzugehen ist wirklich das Beste für mich und das Kind.“ Sie erhob sich und ging zur Tür. „Ich habe gern mit dir zusammengearbeitet, Kaliq. Ich bin dir sehr dankbar für das, was ich hier alles lernen konnte.“

Kaliq sah hinter Molly her. Sie sah perfekt gestylt aus wie immer, hatte das lange kastanienbraune Haar im Nacken zu einem Knoten zusammengebunden. Oft trug sie Kostüme in Grau oder Dunkelblau. Heute umspielte ein schwarzer Rock sanft ihre wohlgeformten Beine. Und auch die gut sitzende Jacke betonte ihre weibliche Figur. Sie sah gut aus, besaß einen scharfen Verstand und ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein.

Vor allem schätzte er jedoch ihr Geschick in geschäftlichen Dingen. Er hatte sich an ihr kluges Urteilsvermögen gewöhnt.

Er seufzte. Ihre Kündigung war schon der zweite harte Schlag, den er an diesem Tag zu verkraften hatte.

In all den Jahren ihrer Zusammenarbeit hatte er Molly als selbstverständlich hingenommen. Sie war unschätzbar wichtig für ihn und für die Firma. Er hatte sogar gehofft, dass sie die Geschäfte in seiner Abwesenheit eine Zeit lang würde aufrechterhalten können.

Er schaute auf die Unterlagen vor sich und runzelte die Stirn. Er hatte noch etwas Zeit, zumindest eine Woche.

Frustriert lehnte er sich zurück und dachte über Molly nach. Er hatte eine große Familie, ganz anders als Molly. Und er würde alles für sie tun.

Und er fragte sich, was er tun konnte, um Molly zu halten. Sie war für ihn fast unverzichtbar. Sie kannte die Strukturen der Firma bestens, es würde Jahre dauern, wieder jemanden aufzubauen, wenn er überhaupt das Glück hatte, noch einmal eine so fähige Assistentin zu finden. Welche Möglichkeit gab es, sie zum Bleiben zu überreden? Denn ihre Kündigung würde er nicht so einfach akzeptieren.

Und er musste auch noch ein anderes Problem binnen Kürze lösen. Sein Visum war abgelaufen, und nicht einmal die Rechtsabteilung der Firma hatte daran gedacht, es rechtzeitig verlängern zu lassen. Dass es solche Formalien auch in Zeiten des weltweiten Handels überhaupt noch gab, war mehr als lästig.

Er seufzte. Normalerweise wäre das alles kein Problem, er würde nach Manasia reisen und von dort aus ein neues Visum beantragen. Nur waren die Verhandlungen mit der Hafenarbeitergewerkschaft an einem kritischen Punkt. Der neue Vertrag, der für die Zukunft der Firma so überaus wichtig war, war noch nicht in trockenen Tüchern, wie man so schön sagte. Es gab noch wesentliche, fast unüberbrückbare Gegensätze zwischen ihm als Vertreter der Reederei und der Gewerkschaftsführung. Außerdem hatte er eine kleine inländische Reederei gekauft, und die musste in den Mutterkonzern integriert werden. Dafür benötigte er Zeit, und zwar mehr als eine Woche. Würde er zurück nach Manasia gehen, würde das sicherlich vier Wochen oder sogar noch mehr Zeit in Anspruch nehmen, das konnte er sich in der aktuellen Situation nicht leisten.

Er hörte ein Geräusch von draußen. Molly. Da kam ihm eine Idee.

Schnell eilte er hinüber in ihr Büro.

Sie war gerade dabei, die Akten wegzuschließen.

„Brauchst du mich noch für etwas?“, wollte sie wissen.

„Komm bitte einen Augenblick zu mir. Ich habe vielleicht eine Lösung für unsere Probleme – deine und meine.“

Er ging ihr voraus und nahm am Besprechungstisch Platz. „Gestern erhielt ich eine Benachrichtigung von der Einwanderungsbehörde, dass mein Visum seit einiger Zeit abgelaufen sei. Phil Mannering aus der Rechtsabteilung hat es anscheinend versäumt, es rechtzeitig verlängern zu lassen. Ich habe die Aufforderung erhalten, das Land binnen einer Woche zu verlassen.“

Molly schaute ihn aus großen Augen an. „Können die so etwas einfach machen? Dir gehört doch diese Firma hier, oder? Kannst du nicht eine Verlängerung bekommen?“

„Wenn es abgelaufen ist, anscheinend nicht, das ist das Problem. Man muss den Visumantrag vom Heimatland aus stellen. In meinem Fall also Manasia.“

„Und wie lange dauert das?“

„Das dauert Wochen. Und es gibt die von den USA bestimmte Quote zu beachten. Ich hatte mein Visum jetzt so lange, dass ich schon gar nicht mehr weiß, was da alles zu beantragen ist. Es war auf jeden Fall sehr kompliziert beim ersten Mal.“

„Und wenn du Roeuk fragst? Er müsste doch beste Beziehungen nach Washington haben.“ Kaliqs Cousin, Scheich Roeuk bin Shalik, der Thronfolger von Manasia, verbrachte jedes Jahr einige Wochen in Washington, wo seine Frau ein Haus besaß.

„Ich habe ihn natürlich gleich angerufen. Er schaut sich die Sache an. Aber auch er kann nicht zaubern. Und seinen Vater, den Herrscher, kann man damit nicht belästigen. Ich habe ein massives Zeitproblem.“

Molly versuchte zu überlegen, welche Möglichkeiten es gab, aber mit der Einwanderungsbehörde hatte sie bisher nie zu tun gehabt. Es hörte sich auf jeden Fall sehr kompliziert an.

„Ich kann dir momentan leider auch nicht helfen“, gestand sie.

„Ich glaube, ich habe die perfekte Lösung gefunden“, verkündete er triumphierend und strahlte über das ganze Gesicht, so als habe er gerade einen großen Coup gelandet. „Heirate mich.“

„Wie bitte?“ Molly glaubte, sich verhört zu haben. Sie sah ihn völlig verwirrt an.

„Zumindest solltest du darüber nachdenken, bevor du mein Angebot einfach so verwirfst“, erklärte er ernst. „Ich habe das jetzt natürlich noch nicht in allen Einzelheiten durchdacht, aber ich denke, es könnte funktionieren. Du könntest allen anderen gegenüber einen Vater präsentieren, Chad würde nie etwas herausfinden. Und ich könnte dich während der Schwangerschaft unterstützen. Wir bleiben natürlich eine gewisse Anstandszeit verheiratet, auch nachdem ich diese Greencard bekommen habe, damit jeder es für eine Liebesheirat hält.“

Sie schüttelte den Kopf, konnte seine Worte einfach nicht fassen.

„Wir schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe. Du bleibst hier in New York, und ich bin das Problem mit meinem Visum ein für alle Male los.“

„Und was ist, wenn das Baby geboren ist und du das Visum hast?“

„Wir lassen uns in aller Stille scheiden. Ich werde dich auch finanziell für deine Hilfe entschädigen.“

„Ich brauche kein Geld von dir“, sagte sie heftig. Glaubte er etwa, er könne sich einfach so eine Frau kaufen?

„Gut, dann lege ich eben etwas Geld für dein Kind an.“

„Das wird niemals funktionieren.“ Die Idee kam ihr wirklich völlig absurd vor. Sie war überhaupt nicht so wie die Frauen, mit denen Kaliq sich normalerweise umgab, Models und Frauen aus dem Jetset. Es musste doch mehr als genug Frauen geben, die Schlange standen, um ihn an Heim und Herd zu binden.

„Warum ausgerechnet ich?“

„In Manasia sind arrangierte Ehen noch üblich. Hier macht man immer dieses Theater um die große Liebe. Aber eine Ehe mit gleichen Interessen funktioniert vielleicht besser, weil sie auf Achtung basiert. Wir wären ja auch nur auf dem Papier verheiratet, Molly. Bei dir kann ich mir sicher sein, dass es später keine Komplikationen gibt. Und sieh es einmal praktisch. Du könntest als meine Assistentin weiterarbeiten, bis das Baby da ist. Und auch nach der Scheidung wärst du finanziell abgesichert. Dass ich dich natürlich auch dann als Mitarbeiterin behalte, ist ja selbstverständlich.“

Autor

Barbara McMahon
Barbara McMahon wuchs in einer Kleinstadt in Virginia auf. Ihr großer Traum war es, zu reisen und die Welt kennenzulernen. Nach ihrem College-Abschluss wurde sie zunächst Stewardess und verbrachte einige Jahre damit, die exotischsten Länder zu erforschen. Um sich später möglichst genau an diese Reisen erinnern zu können, schreib Barbara...
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