Wie widersteht man einem Milliardär?

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Eine Verwechslung in der Klinik sorgt für schreckliches Chaos in Claires Leben: Der Vater ihrer kleinen Tochter ist nicht ihr verstorbener Ehemann. Sondern der arrogante Milliardär Luca Moretti - dessen Rechtsanwalt knallhart verhandelt: Einen Monat lang muss Claire mit Luca ein Strandhaus teilen, damit er seine Tochter kennenlernt. Und dabei lässt Luca keine Gelegenheit aus, heiß mit Claire zu flirten! Weil auch er von einer Familie träumt? Oder setzt er auf seine männliche Anziehungskraft als Teil eines intriganten Plans?


  • Erscheinungstag 14.10.2019
  • Bandnummer 4
  • ISBN / Artikelnummer 9783733727710
  • Seitenanzahl 130
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. KAPITEL

„Egal, was kommt, Stuart. Ich werde nicht zulassen, dass mir ein wildfremder Mensch einfach mein Kind wegnimmt.“

Stuart Ewing, Claire Douglas’ Anwalt, tätschelte seiner Mandantin beruhigend die Hand. Seine fürsorgliche Art stand in krassem Gegensatz zu seinem aggressiven Auftreten vor Gericht. Doch obwohl Claire bereits viel Zeit und Geld in Stuart investiert hatte, wurde sie immer wieder von Panikattacken gebeutelt.

„Wir finden einen Weg, Claire. Aber ich muss sicher sein können, dass du da drin die Nerven behältst. Lass dich nicht von deinen Gefühlen überwältigen.“

Sie warf ihm einen verzweifelten Blick zu. Es gehörte nicht zu ihren Stärken, ihre Emotionen zu beherrschen. In den vergangenen zwei Jahren hatte sie ein Wechselbad der Gefühlen durchlebt. Begonnen hatte alles mit ihrem positiven Schwangerschaftstest am Ende einer langen Reihe von erfolglosen Befruchtungsversuchen. Damals war ihre Euphorie buchstäblich grenzenlos gewesen.

Der Unfalltod ihres Mannes, als sie im fünften Monat gewesen war, hatte den absoluten Tiefpunkt markiert – insbesondere wegen der schmerzlichen Entdeckungen, die sie im Anschluss daran hatte verkraften müssen. Erst durch die Geburt ihrer Tochter hatte sie wieder Licht am Ende des Tunnels gesehen und die Kraft gefunden, ihr Leben zu meistern und positiv zu denken.

Doch dann war das Unfassbare passiert. Durch einen Fehler in der Kinderwunschklinik war ihr ganzes Dasein umgekrempelt worden. Sie hatte zwar keine materiellen Sorgen mehr, aber dennoch lief ihre kleine Familie Gefahr auseinanderzubrechen.

„Mrs. Douglas? Mr. Ewing? Man erwartet Sie bereits.“ Der Bedienstete am Empfang deutete in Richtung der doppelflügeligen Eichentür, die in den Konferenzraum führte.

Sie vermutete, dass dort der Mann auf sie wartete, der es auf ihr Kind abgesehen hatte. Gemeinsam mit einem Anwalt, den er für seine Hilfe bezahlte. Ihr wurde übel, und sie hatte Angst, ihr Frühstück, das sie am Morgen mühsam hinuntergezwungen hatte, nicht bei sich behalten zu können.

„Komm, Claire“, sagte Stuart und erhob sich. „Alles wird gut. Du wirst deine Tochter behalten können.“

Sie nickte und versuchte, sich ruhig und selbstsicher zu geben, obwohl ihr ganz und gar nicht danach zumute war. Niemand ahnte, wie die Sache ausgehen würde. Hinter dieser Tür wartete der Staranwalt Edmund Harding, dessen Nummer im Handy jedes New Yorker Millionärs gespeichert war. Harding genoss einen derart guten Ruf und hatte so viel Einfluss, dass er wahrscheinlich jedes Gericht dazu bringen konnte, das zu tun, was er wollte.

Claire streifte sich ihre Tasche über die Schulter, ballte ihre zitternden Hände zu Fäusten, um sie unter Kontrolle zu bekommen, und folgte Stuart in den Konferenzsaal.

Der Raum spiegelte Eleganz und Autorität wider. Dieser Eindruck wurde von dem großen, rechteckigen Glastisch, der den Saal optisch in zwei Bereiche aufteilte, noch verstärkt. Dadurch sollte zweifellos verdeutlicht werden, dass es immer zwei verfeindete Lager gab: das richtige und das falsche.

Claire ließ den Blick zu den raumhohen Fenstern zu ihrer Linken wandern und bemerkte dort einen Mann, der mit dem Rücken zu ihr stand und auf den Central Park hinabschaute. Außer den Konturen seiner breiten Schultern und schmalen Hüften konnte sie nicht viel von ihm erkennen. Der Mann war groß und hielt die Arme vor der Brust verschränkt. Spontan empfand sie seine Aura als überwältigend und energiegeladen.

„Mrs. Douglas, Mr. Ewing, bitte setzen Sie sich doch“, vernahm sie eine Stimme.

Sie drehte sich zu der Person um, die gesprochen hatte, und entdeckte einen weiteren Mann am anderen Ende des Raums. Eilig stapelte er seine Unterlagen, um sie anschließend hinüber zum Konferenztisch zu tragen. Seine pflichtbewusste Ausstrahlung überzeugte sie in der Annahme, dass sie den berühmt-berüchtigten Edmund Harding vor sich hatte. Und dann konnte es sich bei dem Mann am Fenster nur um eine bestimmte Person handeln …

„Luca, wir wären dann so weit“, sagte Edmund.

Nachdem Claire sich gesetzt hatte, drehte sich der Mann am Fenster endlich um, und sie war froh, bereits Platz genommen zu haben. Sein Gesicht mit dem markanten Kiefer und den hohen Wangen glich einem Meisterwerk römischer Bildhauerei. Dunkle Brauen beschatteten ein durchdringend blickendes Augenpaar.

Er musterte sie für einen kurzen Moment, ehe er den Blick wie gelangweilt von ihr abwandte und lässig zum Konferenztisch trat, um sich neben seinen Anwalt zu setzen.

Das sollte der Vater ihres Kindes sein?

Sie konnte es kaum glauben. Allerdings hatte die Kleine ihre dunklen Locken und den olivfarbenen Teint definitiv nicht von ihr geerbt.

„Kann Ihnen mein Assistent noch etwas bringen, ehe wir starten? Wasser? Kaffee?“, fragte Edmund.

„Kaffee, schwarz“, verlangte der Mann ihr gegenüber herrisch. Er schien genau der Typ Mensch zu sein, der es gewohnt war, stets zu bekommen, was er wollte.

Doch dieses Mal würde es anders laufen. Claire war wild entschlossen, zu verhindern, dass er seine Besitzansprüche auf ihre Tochter durchsetzte. Er kannte Eva nicht einmal. Wieso also kam er überhaupt dazu, das Sorgerecht für sie einzufordern?

Ein Assistent brachte Luca das Gewünschte.

„Danke, dass Sie heute hierhergekommen sind“, fing Edmund an, nachdem die Tür wieder verschlossen war. „Wir haben um eine persönliche Unterredung gebeten, weil unsere bisherigen Kontakte nicht zielführend waren. Es ist Mr. Moretti sehr ernst mit seinem Antrag auf das gemeinsame Sorgerecht.“

Formulare vorgelegt zu bekommen, in denen eine gänzlich unbekannte Person das Sorgerecht für ihre Tochter verlangte, hatte Claire beinahe umgehauen. Als sie von der Verwechslung in der Kinderwunschklinik erfuhr, hatte sie gehofft, dass der biologische Vater kein Interesse an Eva haben würde. Doch schon bald musste sie einsehen, dass sie sich getäuscht hatte.

„Finden Sie nicht, dass der Antrag vorschnell gestellt wurde?“, konterte Stuart. „Er hat das Kind noch nie gesehen, glaubt aber, das gemeinsame Sorgerecht beanspruchen zu können.“

„Mr. Moretti wollte seine Tochter schon vor Wochen treffen, aber Ihre Klientin hat auf unsere Anfragen schlicht nicht reagiert. Wir hatten keine andere Wahl, als ein Mittel anzuwenden, das Mrs. Douglas nicht einfach ignorieren konnte.“

Die beiden Juristen fuhren fort, sich zu streiten, aber Claires Aufmerksamkeit richtete sich auf ihr Gegenüber. Während sein Anwalt die Angelegenheit regelte, hatte es sich Luca Moretti in seinem Stuhl bequem gemacht und beobachtete sie unverblümt. Mit seinen dunklen Augen schien er jeden Zentimeter ihrer Erscheinung zu verschlingen. Sie versuchte angestrengt, ruhig zu bleiben, denn sie wollte ihm keine Schwäche offenbaren.

Stattdessen setzte sie alles daran, ihn ebenfalls gründlich unter die Lupe zu nehmen. Es war ein Leichtes, Eva in ihm wiederzuerkennen. Als man sie ihr im Kreißsaal in die Arme gelegt hatte, war Claire wie gebannt gewesen vom Anblick ihrer dunklen Locken. Sie selbst hatte dunkelblondes, ihr Mann Jeff hellbraunes Haar. Keiner von ihnen hatte einen olivfarbenen Teint, geschweige denn ein Grübchen am Kinn, so wie Eva.

Doch in dem Moment, als sie in die grauen Augen ihrer neugeborenen Tochter sah, fiel alle Verwirrung und Skepsis von ihr ab. Sie verlor augenblicklich ihr Herz an Eva, und damit warf sie auch jeden Zweifel über Bord, denn das Kind war perfekt und sie selbst am Ziel ihrer Wünsche.

Bedenken stellten sich erst wieder ein, als sich die Kinderwunschklinik drei Monate später bei ihr meldete. Man wollte sie darüber informieren, dass das zuletzt abgegebene Sperma in Kürze vernichtet würde, falls sie keinen Bedarf mehr dafür hätte. Der Anruf verwirrte sie, denn sie hatte angenommen, dass das Material bei Evas Zeugung restlos verbraucht worden war. Die Nachricht hatte alle Alarmglocken in ihr schrillen lassen, und kurz darauf war die Wahrheit ans Licht gekommen. Auf dem Formular hatte zwar Jeffs Nummer gestanden. Eingesetzt hatten die Ärzte jedoch die Probe eines anderen Mannes, genauer gesagt die von Luca Moretti.

Der Gedanke daran ließ sie erschaudern. Der Mann hatte sie niemals angefasst, und doch hatten sie ein gemeinsames Kind. Was tat jemand wie Luca Moretti überhaupt in einem Fertilitätslabor? Finanzierte er sich etwa sein Studium, indem er Samen spendete? Jede Einzelheit seines Äußeren, angefangen von seinen markanten Gesichtszügen bis hin zu seinen breiten Schultern, verkörperte einen Typ Mann, mit dem sie noch nie zu tun gehabt hatte. Sie war sicher, dass er in der Lage war, durch puren Blickkontakt die Eierstöcke einer Frau in Fahrt zu bringen.

Und doch war er ein Kunde gewesen.

Als die Nachricht von der Verwechslung durchsickerte, setzte Luca seinen Anwalt auf die Klinik an, woraufhin die Ärzte ihn händeringend baten, den Rechtsweg und einen rufschädigenden Skandal zu vermeiden.

Claires Leben hatte sich damals schlagartig verändert. Man bot ihr so viel Geld, dass sie niemals mehr hätte arbeiten gehen müssen.

Aber dann hatte Luca ihr seine Anwälte auf den Hals gehetzt. Doch Eva war ihr Kind, und sie hatte nicht vor, klein beizugeben, auch wenn der Prozess all ihre Ersparnisse aufbrauchen würde. Es war schon belastend genug, mit Evas Abstammung väterlicherseits klarzukommen. Zusätzlich machten Claire noch ihre Wut und das Chaos nach Jeffs Tod zu schaffen. Wie sollte sie Jeffs Eltern nur erklären, dass Eva nicht ihre biologische Enkelin war? Sie hatte wirklich schon genug Probleme. Da brauchte sie nicht auch noch Luca, der aus dem Nichts aufgetaucht war, um Ansprüche auf ihr Kind zu erheben.

„Es muss doch möglich sein, sich gütlich zu einigen.“ Stuarts Worte rissen sie aus ihren Gedanken.

„Mein Mandant wird keine Übereinkunft akzeptieren, die ihm den Umgang mit seinem Kind untersagt.“

Mein Kind“, warf Claire entschlossen ein. Sie bemerkte, dass Stuart seine Hand auf ihre legte, um sie zu beschwichtigen. Doch das war zwecklos.

„Eva ist meine Tochter. Ich werde sie nicht einfach einem Wildfremden geben. Ich weiß nichts über diesen Mann. Wer sagt mir, dass er kein Perverser oder gar Serienmörder ist? Würden Sie Ihr Kind einem Unbekannten überlassen, Mr. Harding?“

Edmund war offensichtlich beeindruckt von ihrem Kommentar, aber sein Sitznachbar stieß unvermittelt ein hämisches Lachen aus.

Es war das erste Geräusch, das er von sich gab, seit er einen Kaffee verlangt hatte. Als sie in seine Richtung sah, nahm sie bei ihm so etwas wie Interesse an ihrer Person wahr – und ein amüsiertes Lächeln. Er beobachtete sie nicht nur, sondern schien mittlerweile geradezu fasziniert von ihr zu sein.

„Ich darf Ihnen versichern, dass mein Mandant kein Krimineller ist, Mrs. Douglas. Er leitet die größte italienische Restaurantkette des Landes: Moretti’s Trattoria.“

Claire wich Lucas stechenden Blicken aus. Sie fühlte sich bedrängt, aber jetzt war nicht der Zeitpunkt für faule Kompromisse. Er war also ein Restaurantmogul – schön für ihn. Aber was hatte das mit seinem Charakter zu tun? Sein Erfolg machte noch lange keinen Heiligen aus ihm.

„Sie wollen also behaupten, dass reiche Geschäftsleute keine Verbrecher sein können? Ich würde sagen, sie haben lediglich die besseren Anwälte.“

„Mein Mandant ist zur Kooperation bereit, um Ihre Bedenken auszuräumen, Mrs. Douglas. Wir sind keine Teufel in Menschengestalt. Wir wollen lediglich Mr. Morettis Recht durchsetzen, an Evas Leben teilzuhaben. Sie können ihn natürlich gern überprüfen lassen, aber Sie werden nichts Fragwürdiges finden. In diesem Fall müssen Sie ihm gestatten, Eva zu sehen.“

„Und wenn Mrs. Douglas nicht kooperiert?“, fragte Stuart.

Claire hielt den Atem an, so sehr war sie auf die Antwort gespannt.

„Dann“, erklärte Edmund, „sind wir mit unserer Geduld am Ende. Ich werde mit sofortiger Wirkung auf einstweiligen Umgang klagen und das Gericht darüber entscheiden lassen. Sie können sicher sein, dass der Richter meinem Mandanten sogar mehr Zeit mit seiner Tochter zusprechen wird, als wir ursprünglich verlangt haben. Sie haben die Wahl, Mrs. Douglas.“

Das also war Claire Douglas. Luca musste eingestehen, jemand anderen erwartet zu haben. Seit er von der Verwechslung erfahren hatte, war ihm ihr Name bereits unzählige Male in diversen Schriftstücken begegnet.

Er hatte keine klare Vorstellung von der jungen Witwe gehabt. Aber attraktiv, blond und schlank waren keinesfalls die Attribute gewesen, die er ihr zugeschrieben hätte. Es hatte ihn allergrößte Mühe gekostet, Haltung zu bewahren, als er sie soeben zum ersten Mal gesehen hatte.

Ihr grauer Hosenanzug umspielte jede einzelne ihrer aufregenden Kurven und passte farblich perfekt zu ihren Augen. Das honigblonde Haar war im Nacken zu einem stilvollen Knoten geschlungen.

Er verspürte den Impuls, ihr die Frisur zu lösen, um den Anblick ihrer wallenden Mähne auf ihren Schultern zu genießen.

Je länger er sie betrachtete, desto neugieriger wurde er auf sie.

Weshalb war sie so früh Witwe geworden? Benahm sie sich immer so reserviert, oder hatte das mit ihrer Abneigung ihm gegenüber zu tun? Am liebsten hätte er ihr die Zornesfalte zwischen den Augenbrauen weggestreichelt.

Kam ihre Tochter mehr nach ihm oder nach ihr? Möglicherweise hatte sie Claires makellosen Teint oder ihre Stupsnase geerbt. Bekam die Kleine wie ihre Mutter rote Ohren, wenn sie sich aufregte? Claire hatte ihn mit ihrer feurigen Rede in den Bann geschlagen. Es steckte ohne Zweifel mehr Temperament in ihr, als ihr biederer Aufzug vermuten ließ.

„Dürfen die das?“ Verwirrt wandte Claire sich an ihren Anwalt. Die Vorstellung, dass er Zugriff auf ihr Kind bekommen sollte, schien sie in hellen Aufruhr zu versetzen.

Ihr gemeinsames Kind.

Die Tatsache, dass er ein Kind mit einer Frau hatte, die ihm nie zuvor begegnet war, erschien ihm völlig abwegig. Er hatte bislang nicht im Leisesten daran gedacht, eine eigene Familie zu gründen.

Sein Sperma hatte er nur einfrieren lassen, um seinen Ärzten und seiner Mutter einen Gefallen zu tun. Er hatte nicht einmal vorgehabt, es eines Tages zu nutzen.

Doch jetzt, da sein Kind existierte, konnte er nicht einfach verleugnen, was geschehen war. Eva würde mit hoher Wahrscheinlichkeit sein einziges Kind bleiben, und er hatte bereits mehrere Monate ihrer Entwicklung verpasst. So konnte es nicht weitergehen.

„Ja, und wir werden unser Recht mit Sicherheit wahrnehmen.“ Erstmals ergriff Luca das Wort. „Keiner von uns hat Schuld an der vertrackten Situation. Aber das ändert nichts an den Fakten. Laut des mir vorliegenden Vaterschaftsgutachtens ist Eva meine Tochter. Im ganzen Staat New York gibt es nicht einen Richter, der meine Klage auf einstweiligen Umgang ablehnen würde, während wir auf den endgültigen Prozess warten. Man wird genau festlegen, wann, wo und wie oft Sie mir Eva überlassen müssen.“

Wie vom Donner gerührt, hing Claire an seinen Lippen.

„Aber sie ist doch noch ein Baby, erst ein halbes Jahr alt. Wollen Sie mir Eva wirklich entreißen, nur um sie an eine Nanny weiterzureichen?“

Angesichts dieser schnöden Unterstellung lachte Luca trocken auf.

„Wieso sind Sie so sicher, dass ich ihr eine Nanny besorgt habe?“

„Weil Sie ein reicher, unverheirateter Geschäftsmann sind. Es fällt Ihnen bestimmt leichter, ein Unternehmen zu leiten, als Windeln zu wechseln. Ich wette, Sie haben keine Ahnung davon, wie man ein Kind aufzieht, geschweige denn die Zeit dazu.“

Ungläubig schüttelte er den Kopf und beugte sich vor.

„Wie Sie selbst bereits eingeräumt haben, kennen Sie mich überhaupt nicht, tesorina. Deshalb rate ich Ihnen davon ab, mir irgendetwas zu unterstellen. Doch selbst wenn ich eine Kinderfrau hätte, würde das nichts an der Tatsache ändern, dass Eva auch meine Tochter ist. Ich werde mein Recht, sie zu sehen, durchsetzen, ganz egal, wem ich sie anschließend übergebe. Unabhängig davon, ob Sie mein Verhalten gutheißen oder nicht: Was ich mit ihr mache, wenn sie bei mir ist, geht Sie schlichtweg nichts an.“

Claires Blick verfinsterte sich. Sie hasste es, in die Enge getrieben zu werden. Und er tat das offensichtlich mit dem größten Vergnügen.

Zum einen weil es Luca gefiel, sie auf die Palme zu bringen. Andererseits weil er nur auf diese Weise zu ihr vordringen konnte. Keiner von ihnen hatte dieses Chaos herbeigewünscht, aber Claire musste begreifen, dass sie nicht allein das Sagen hatte. Um die Lage zu verbessern, mussten sie kooperieren.

Er hatte es anfangs auf die nette Art versucht und höflich um einen Besuchstermin gebeten. Das war glatt ignoriert worden. Nach mehreren Anfragen ohne Reaktion hatte er den Druck erhöht. Falls sie sich weiterhin stur stellte, würde er mit härteren Bandagen kämpfen und sie aus dem Feld räumen wie einen unliebsamen Konkurrenten.

„Entweder arbeiten wir auf anständige Weise zusammen, oder aber Edmund sorgt dafür, dass Sie massive Schwierigkeiten bekommen. Wie gesagt, die Entscheidung liegt bei Ihnen.“

„Meine Entscheidung? Wohl kaum.“ Sie stieß einen verächtlichen Laut aus und verschränkte trotzig die Arme vor der Brust.

Durch diese Bewegung hob sich ihre üppige Oberweite und gewährte ihm einen großzügigen Blick auf ihr Dekolleté, das wie ihre Wangen in zartes Rosa getaucht war. Er fragte sich, wie weit hinab sich ihre Zornesröte wohl noch ausgebreitet haben mochte.

„Mr. Moretti?“

Er riss sich von ihrem Ausschnitt los und schaute in ihr skeptisches Gesicht. „Verzeihung. Wie bitte?“

„Ich sagte, Sie lassen mir keinen Handlungsspielraum. Sie hören mir ja nicht einmal zu. Wie sollen wir uns einigen, wenn Sie nicht zuhören?“

Luca verdrängte den peinlichen Zwischenfall und setzte wieder seine gewohnt selbstsichere Miene auf. Es war ihm vorher noch nie passiert, dass er während einer geschäftlichen Unterredung den Faden verloren hatte, und schon gar nicht wegen einer hübschen Frau.

Er räusperte sich. „Und wie sollen wir verhandeln, wenn Sie auf Ihrer Position beharren? Sie weigern sich, irgendetwas zu akzeptieren, was Ihren Vorstellungen zuwiderläuft.“

„Das ist nicht …“, setzte sie an.

„Claire.“ Ihr Anwalt unterbrach sie in barschem Flüsterton. „Wir sollten ihr Angebot dringend überdenken.“

„Das kommt für mich nicht infrage. Die ganze Angelegenheit ist absolut lächerlich. Für uns ist die Sache erledigt“, sagte sie und erhob sich von ihrem Stuhl.

„Bestens.“ Sichtlich zufrieden lehnte Luca sich zurück. Es war an der Zeit, die Daumenschrauben anzuziehen. „Ich schätze, Orange wird Ihnen sehr gut stehen.“

„Orange?“, fragte sie verwundert.

„Die Farbe der Häftlingskleidung. Wenn der Richter das Umgangsrecht anordnet und Sie sich weigern, wandern Sie dafür ins Gefängnis. Das käme mir sehr gelegen, denn dann fällt das alleinige Sorgerecht für Eva an mich.“

„Setz dich, Claire“, sagte Stuart.

Ihre harte Fassade bröckelte, als sie zurück in ihren Sessel sank. Endlich hatte sie begriffen. Eine junge Mutter hinter Gitter zu bringen war das Letzte, was Luca wollte, aber im Notfall würde er es tun. Er war nicht der Typ Mann, der bluffte.

Claire seufzte und faltete ihr manikürten Hände vor sich auf dem Glastisch.

„Ich bezweifle lediglich, dass Sie wissen, was Sie von mir fordern. Haben Sie Neffen oder Nichten, Mr. Moretti?“

Er entstammte einer großen italienischen Familie, hatte fünf Geschwister und ein Dutzend Neffen und Nichten. Das jüngste Kind, Nico, war erst wenige Wochen alt. „Ja, natürlich.“

„Und was würden Sie empfinden, wenn Ihre Schwester in meiner Lage wäre? Frisch verwitwet und mit der Erkenntnis konfrontiert, dass ihr Mann nicht der Vater ihres Kindes ist? Und man würde sie zwingen, es einem Wildfremden zu überlassen, aus Gründen, die sie nicht beeinflussen kann?“

Die Vorstellung ließ ihn erschaudern. Er führte die Firma gemeinsam mit seinen Brüdern. Um sein Unternehmen und seine Familie drehte sich alles in seinem Leben. Deswegen war ihm Eva ja so wichtig. Egal, wie es dazu gekommen war: Sie gehörte zur Familie. Aber die Vorstellung, Nico einem Unbekannten zu überlassen, war unerträglich, selbst wenn derjenige das Recht dazu hätte. Vielleicht musste er seine Taktik in Bezug auf Claire ändern, denn sie würde ihren Standpunkt verständlicherweise nicht so einfach aufgeben.

„Ich kann nachvollziehen, wie belastend die Situation für Sie sein muss. Aber glauben Sie mir, Mrs. Douglas, ich beabsichtige keinesfalls, Ihnen Ihr Kind zu entreißen. Allerdings steht für mich unumstößlich fest, dass ich meine Tochter regelmäßig sehen und für sie da sein will. Ihre Bedenken ließen sich bestimmt ausräumen, wenn wir im Vorfeld Zeit zu dritt miteinander verbringen könnten. Dann hätten Sie die Möglichkeit, mich in der Vaterrolle zu erleben, um selbst zu sehen, dass ich Eva gut behandle.“

Claire beruhigte sich allmählich.

„Wollen Sie, dass wir uns zum Spielen verabreden? Ich respektiere Ihren Vorschlag, aber es wird sehr lange dauern, bis ich mich mit den Gegebenheiten arrangiert habe, wenn wir nur einmal die Woche für ein paar Stunden zusammen sind. Was könnte ich beim Spazierengehen schon über Sie erfahren?“

„So habe ich es tatsächlich nicht gemeint“, antwortete Luca. „Sie haben recht. Wir werden uns mehr Zeit nehmen müssen.“

„Was schlagen Sie also vor, Mr. Moretti?“, schaltete Stuart sich erneut ein.

„Ich finde, Mrs. Douglas und ich sollten für eine Weile aus dem Job aussteigen, um uns in der Zwischenzeit besser kennenzulernen.“

„Indem wir es uns in Ihrer Penthouse-Wohnung gemütlich machen?“, fragte Claire zynisch.

Er zuckte die Schultern. Über die Einzelheiten hatte er sich noch keine Gedanken gemacht. „Warum eigentlich nicht?“

„Ich ziehe ein neutrales Terrain vor, Mr. Moretti. Ich würde mich in Ihrem Heim nicht wohlfühlen, und vermutlich wären Sie Ihrerseits nicht von dem Chaos begeistert, das ein Baby mitsamt der nötigen Ausstattung in Ihrer schicken Wohnung anrichten würde. Sie wiederum hätten bestimmt keine Lust darauf, uns in Brooklyn zu besuchen.“

„Na gut. Was halten Sie davon, gemeinsam in Urlaub zu fahren? Zum Beispiel in ein Ferienhaus am Meer?“

„Luca, das erscheint mir keine gute Idee …“

Sie fuhr Edmund ins Wort. „Ich höre Ihnen zu, Mr. Moretti. Sie machen uns da einen interessanten Vorschlag, aber über welchen Zeitraum reden wir hier?“

Falls die Sache wirklich funktionieren sollte, durfte er nicht knausern. Sie hatte recht: Nur ein paar Stunden nebenbei würden nicht zum Ziel führen. Er wollte die Mutter seiner Tochter genauer kennenlernen, eine Beziehung zu Eva aufbauen und Claire seine Fähigkeiten als treusorgender Vater beweisen. Das brauchte Zeit.

„Ich denke, ein Monat müsste ausreichen.“

2. KAPITEL

„Ein Monat?“ Claire war verblüfft. „Mr. Moretti …“

„Bitte nennen Sie mich Luca“, sagte er mit einem entwaffnenden Lächeln, das ihren Puls rasen ließ. Und da er obendrein blendend aussah, lief sie ernsthaft Gefahr, zu vergessen, dass er ihr Feind war und kein potenzieller Liebhaber. Beinahe wünschte sie sich, er würde wieder zu seiner kalten, geschäftsmäßigen Attitüde zurückkehren.

„Hören Sie, ich arbeite als Kuratorin im Museum für Europäische Kunst. Ich kann nicht einfach einen Monat aussteigen, schon gar nicht ohne Vorankündigung.“

„Glauben Sie etwa, mir fällt es leicht, die Verantwortung für meine Firma so lange aus der Hand zu geben? Es handelt sich hier für uns beide um einen Härtetest, der aber nötig ist, um die Sache voranzutreiben. Wir brauchen gemeinsame Zeit zu dritt, und das an einem anderen Ort, um uns in Ruhe aneinander zu gewöhnen. Finden Sie nicht, dass Evas Wohlergehen den Aufwand rechtfertigt?“

Na prima. Nun stand er als der Gute da und sie als die Unvernunft in Person, die sich weigerte, alles Menschenmögliche für ihr Kind zu tun. „Natürlich ist sie es wert. Meine Tochter bedeutet mir alles.“

„Also, wo liegt dann das Problem? Soweit ich weiß, haben wir in sechs Wochen den Termin beim Familiengericht. Nach einem gemeinsamen Monat können wir vielleicht schon eine für alle akzeptable Vereinbarung treffen und sie dem Richter präsentieren.“

Claire spürte, wie Stuart ihr unter dem Tisch ans Bein stieß. Sie brauchte ihn nicht anzusehen, um zu wissen, dass er Lucas Vorschlag begrüßte. Kein Anwalt wünschte sich Edmund Harding als Prozessgegner. Dem Richter eine einträchtige Lösung vorschlagen zu können würde die Angelegenheit für alle Beteiligten wesentlich vereinfachen.

Dieses Argument überzeugte Claire schließlich. Ihr Boss wäre nicht begeistert, aber er würde sie verstehen, denn er wusste, was sie die letzten beiden Jahre durchgemacht hatte. Der Mutterschaftsurlaub von sechs Wochen war keine wirkliche Pause gewesen – eher der Einstieg ins harte Dasein einer Alleinerziehenden.

„Okay. Wenn Sie im Gegenzug die Klage auf einstweiligen Umgang unterlassen, stimme ich Ihrem Vorschlag zu“, sagte sie.

Luca nickte bedächtig und gab seinem Anwalt ein Zeichen. „Gut. Ich kümmere mich um die Unterkunft.“

Autor

Andrea Laurence
Bereits im Alter von zehn Jahren begann Andrea Laurence damit, Geschichten zu schreiben – damals noch in ihrem Kinderzimmer, wo sie an einer alten Schreibmaschine saß. Sie hat immer davon geträumt, ihre Romane eines Tages in der Hand halten zu können, und sie arbeitete jahrelang hart, bis sich ihr Traum...
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