Affäre mit dem sexy Feind

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Die geheime Affäre mit dem smarten Anwalt Graham Newport ist das Erotischste, was Eve Winchester jemals erlebt hat! Sinnliche Verlockungen, hemmungslose Liebesspiele - aber keine gemeinsame Zukunft, schließlich trennt ihre beiden Familien seit Jahren eine erbitterte Feindschaft, die ganz Chicago in Atem hält. Aber wenn Eve mit Graham im Bett ist, verschwinden alle Konflikte, dann zählt nur ihre heiße Leidenschaft. Bis etwas geschieht, das die zärtlichsten Gefühle der Welt auf den Plan ruft …


  • Erscheinungstag 04.10.2017
  • Bandnummer 1997
  • ISBN / Artikelnummer 9783733723934
  • Seitenanzahl 144
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. KAPITEL

Nicht noch einmal! Das kann nicht wahr sein!

Fassungslos betrachtete Eve Winchester den Schwangerschaftstest. Die zwei rosa Striche schienen sie höhnisch anzulachen. Sie musste sich am Waschbecken abstützen.

Die Laken im Schlafzimmer raschelten. Durch den Türspalt konnte sie Graham Newport in ihrem Bett sehen.

Sie hatte keine Ahnung, was sie jetzt machen sollte. Für gewöhnlich hatte sie immer einen Plan, aber jetzt fühlte sie sich verloren.

Der Grund war Graham. Was würde er tun? Wie würde er reagieren? Wie würden ihre verfeindeten Familien mit dieser schockierenden Nachricht umgehen?

Die Newports und die Winchesters lieferten Chicago seit geraumer Zeit eine dramatische Nachricht nach der anderen. Anfang des Jahres war es darum gegangen, wer der Vater der drei Newport-Brüder war. Graham und sein Zwillingsbruder Brooks wussten es immer noch nicht, da ihr DNA-Test nichts ergeben hatte, aber ihr jüngerer Bruder Carson hatte jetzt Gewissheit, wer sein Vater war: Sutton Winchester. Eves Vater.

Ja, sie befanden sich alle gerade in einem emotionalen Ausnahmezustand, und diese ungeplante Schwangerschaft konnte das Feuer noch weiter anheizen.

Mit zitternden Händen schob Eve den Test zurück in die Schachtel und ließ sie in einem Fach unter dem Waschbecken verschwinden. Vorsichtig warf sie einen Blick durch den Türspalt und sah, dass Graham noch schlief. Er hatte ein Bein über die Decke geworfen und einen Arm zur Seite ausgestreckt. Eve schloss die Augen und atmete tief durch. Nachdem der Vaterschaftstest ergeben hatte, dass sie nicht miteinander verwandt waren, hatten sie der Anziehung nachgegeben, gegen die sie sich so lange gewehrt hatten.

Sie hatten sich bemüht, ihre Affäre geheim zu halten, aber als ihre Gefühle füreinander sich nicht mehr verbergen ließen, hatten sie beide von ihren Geschwistern Gegenwind bekommen.

Aber gut, sie konnten sich um Diskretion bemühen und ihre Familien im Dunkeln lassen, oder?

Während der vergangenen sechs Wochen hatte das geklappt. Aber jetzt? Mit einem Baby? Es war die zweite Schwangerschaft für Eve – und das unter wesentlich beängstigenderen Umständen als beim ersten Mal. Diesmal wusste sie, welche Schrecken sie erwarten konnten. Sie hatte es schon einmal durchgemacht, und nicht alle Narben waren verheilt. Wie konnte das Schicksal so grausam sein?

Eve ließ eine Hand über ihren Bauch gleiten. So sehr sie sich auch darauf freute, die Firma ihres Vaters zu übernehmen, wichtiger war ihr, diesem unschuldigen Kind das Gefühl zu geben, geliebt und behütet zu sein. Es sollte kein Opfer im Krieg der Familien werden.

Falls sie es denn wirklich austragen konnte.

Angst durchzuckte sie. Die Angst, es Graham zu sagen, aber weitaus größer noch war die Angst, auch dieses Kind zu verlieren. Es würde sie umbringen, noch einmal einen solchen Schmerz durchleiden zu müssen. Davon abgesehen lag ihr Vater im Sterben. Wie viel Schmerz konnte eine Frau ertragen?

Graham bewegte sich. Eve wusste, sie konnte sich nicht ewig im Bad verstecken. Graham war spät am Abend zu ihr gekommen, und sie waren sehr schnell im Bett gelandet – wie eigentlich immer. Kein zärtliches Liebesgeflüster, keine romantischen Spaziergänge. Pure Leidenschaft. Der Streit zwischen den Winchesters und den Newports spielte keine Rolle in ihrer Affäre.

Leider würden diese Welten jetzt aufeinanderprallen, und das auf eine Weise, wie sie es niemals erwartet hätte.

Eve atmete tief durch und kehrte ins Schlafzimmer zurück. Auch wenn ihre ganze Welt im Moment auf dem Kopf stand, hatte sie dennoch Verpflichtungen. Elite Industries forderte, dass sie jederzeit ihr Bestes gab. Der Mann in ihrem Bett würde gehen müssen, weil sie in Kürze ein Meeting hatte und sich darauf vorbereiten musste. Außerdem brauchte sie etwas Zeit allein, um ihre Situation zu überdenken.

Als Eve an das Bett trat, schlug Graham die Augen auf. Diese durchdringenden blauen Augen, deren Blick eine so unglaubliche Wirkung auf ihren Körper haben konnte. Nur ein Blick, nur eine kleine Berührung, und der Mann hatte sie in seinen Bann geschlagen. Er hatte eine Wirkung, wie sie sie noch bei keinem anderen Mann erlebt hatte.

Mit einem schiefen Lächeln schlug er die Decke zurück, eine stumme Einladung. Er musste kein Wort verlieren, um sie genau dorthin zu bekommen, wo er sie haben wollte.

Sie waren unausgesprochen zu der Übereinkunft gelangt, dass es zwischen ihnen ausschließlich um Sex gehen sollte. Keiner von ihnen wollte mehr, weil sie beide mit ihrem Job verheiratet waren. Doch das Ausmaß ihrer Leidenschaft füreinander war jenseits von Gut und Böse. Eine richtige Beziehung hätte nicht so schnell so intensiv werden können. Aber nun standen sie im Begriff, eine richtige Beziehung ganz anderer Art einzugehen.

Eve schüttelte den Kopf. „So gern ich deine Einladung auch annehmen würde, aber ich muss arbeiten.“

Graham zog eine Augenbraue hoch. „Am Sonntagmorgen? Ich kann dich jeden Gedanken an Arbeit vergessen lassen.“

Graham Newport konnte mit seinem Charme jeden um den Finger wickeln, deswegen war er einer der erfolgreichsten Anwälte Chicagos. Mit gerade einmal zweiunddreißig Jahren war er bereits gleichberechtigter Partner der Kanzlei Mayer, Mayer & Newport. Und nicht nur sein Charme hatte ihn in diese angesehene Position gebracht, sondern auch seine Beharrlichkeit und seine Intelligenz.

„Vielleicht“, stimmte sie zu und bemühte sich, so beiläufig wie möglich zu klingen, obwohl das Ergebnis des Schwangerschaftstests sie innerlich in Aufruhr versetzte. „Aber ich habe später eine Konferenzschaltung mit einer Firma aus Australien. Bei ihnen ist es Montagmorgen.“

Graham setzte sich auf. Die Decke rutschte bis zu seinen Hüften herunter und entblößte einen Oberkörper, der jeden Bildhauer in Verzückung versetzt hätte. Er fuhr sich mit der Hand durch das zerzauste Haar und seufzte. „Ich hasse es, wenn du so verantwortungsvoll bist.“

Eve musste sich zusammenreißen. Wenn er sie für verantwortungsvoll hielt, würde er sich wundern, wenn er von ihrer Schwangerschaft erfuhr. Aber das musste im Moment warten. Zuerst einmal musste sie selbst mit diesem Schock fertig werden und sichergehen, dass alles in Ordnung war. Gut, bei ihrer ersten Schwangerschaft hatte lange Zeit auch alles normal ausgesehen – und ganz plötzlich dann nicht mehr.

Obwohl Graham und sie eine rein körperliche Beziehung führten, hatte er ein Recht, von der Schwangerschaft zu erfahren. Aber bevor sie nicht beim Arzt gewesen war, wollte sie es für sich behalten. Unter gar keinen Umständen wollte sie einem anderen Menschen die entsetzliche Leere und den überwältigenden Schmerz zumuten, der mit dem Verlust eines Kindes einherging.

„Ist alles in Ordnung?“

Eve kehrte mit einem Ruck zurück in die Wirklichkeit. Graham musterte sie fragend. Sie setzte ein Lächeln auf und nickte. „Wie sollte es nicht, nach der Nacht?“

Reiß dich zusammen, Eve!

Graham warf die Decke beiseite und spazierte durch das Zimmer, um seine Sachen einzusammeln. Der Mann ging völlig entspannt mit seiner Nacktheit um, und ebenso entspannt genoss sie seinen Anblick.

Eve strich die Laken und die Kissen auf dem Bett glatt. Sie musste sich auf etwas anderes konzentrieren als auf den sexy Mann in ihrem Schlafzimmer und das ungeborene Kind, das sie gezeugt hatten.

Graham würde wissen wollen, wie das hatte passieren können. Sie hatte ihm gesagt, sie nehme die Pille, und das war auch richtig. Aber sie hatte das Präparat gewechselt, und das unmittelbar vor der Spendengala für das Kinderkrankenhaus – vor ihrer ersten gemeinsamen Nacht.

Graham zog sie in seine starken Arme. Automatisch ließ sie sich an seine muskulöse Brust sinken. Ihr Körper reagierte augenblicklich auf seine Berührungen, und als er eine Spur zarter Küsse über ihren Hals zog, stöhnte sie leise und bog den Kopf zur Seite. Sie besaß wirklich keinerlei Widerstandskraft, wenn es um Graham und Sex ging.

„Vielleicht könnte ich dir helfen, dich auf das Meeting vorzubereiten“, murmelte er an ihrem Ohr. „Am besten kann ich unter der Dusche nachdenken …“

Hätte Graham sie wirklich gekannt, hätte er gewusst, dass sie sich nicht mehr vorbereiten musste. Er hätte gewusst, dass sie alle Notizen und Argumente parat hatte, um die potenziellen Geschäftspartner von ihren Ideen zu überzeugen. Das bewies nur einmal mehr, dass sie sich außerhalb des Schlafzimmers kaum kannten.

Mit einem raschen Griff löste Graham den Knoten ihres Bademantels. Eve hielt seine Hände fest. „Du kannst vielleicht unter der Dusche denken, ich leider nicht.“

Graham knabberte verspielt an ihrem Ohrläppchen, gab sie dann jedoch frei. „Du schmeichelst mir immer wieder.“

Als ob sein Ego weitere Schmeicheleien gebraucht hätte!

Eve fuhr fort, das Bett zu machen, während Graham sich auf den Sessel in der Ecke setzte und in seine Kleidung schlüpfte. Der Mann war nackt absolut scharf, aber im Maßanzug nicht minder. Jedes Mal, wenn er nach der Arbeit bei ihr auftauchte, kam es ihr so vor, als sei er direkt einem der angesagten Männermagazine entsprungen. Dabei brachte er es fertig, zerstrubbeltes Haar zu haben und gleichzeitig ganz wie der erfolgreiche Anwalt zu wirken.

Es war sein Blick. Sie kannte keinen anderen Mann, der sie derart verführerisch ansehen konnte. Er legte den Kopf leicht auf die Seite wie George Clooney und schaute sie dann durch diese dichten Wimpern an. Ja, die blauen Augen hatten sie zuerst in ihren Bann geschlagen – und alles andere hatte das Paket dann komplett gemacht.

„Ich habe auch einen Fall, an dem ich noch arbeiten muss.“ Er rollte die Ärmel seines Hemdes hoch. „Ich will mich später mit Brooks treffen. Aber es braucht nur ein Wort von dir, und ich sage ihm ab.“

Lachend schüttelte Eve den Kopf. „Wir haben beide ein Meeting. Und falls unsere Familien merken, dass wir immer zur selben Zeit fehlen, gibt es einen Aufstand.“

Wortlos zog er sie in seine Arme und küsste sie. Aber konnte etwas derart Atemberaubendes überhaupt noch unter die Bezeichnung Kuss fallen? Ein Kuss von Graham war wie ein Event. Etwas, worauf sie sich vorbereiten sollte, aber wie konnte sie sich auf diese Woge von Lust und Leidenschaft vorbereiten, die sie bei seinen Berührungen jedes Mal wieder mitriss?

Er ließ die Hände über ihren Rücken gleiten. „Ich komme heute Abend zurück“, raunte er ihr verheißungsvoll zu.

Nachdem er gegangen war, starrte Eve versonnen auf das frisch gemachte Bett und versuchte sich vorzustellen, wie diese ungeplante Schwangerschaft in ihr durchgeplantes Leben passen sollte. Die zweite große Frage war: Wie würde Graham darauf reagieren, dass er Vater wurde?

„Sutton wird nicht gewinnen“, erklärte Brooks grimmig. „Und wenn es das Letzte ist, was ich tue, ich werde diesen Bastard an den Pranger stellen.“

Graham rieb sich den Nasenrücken und atmete tief durch. Sutton Lazarus Winchester war ihnen schon immer ein Dorn im Auge gewesen. Sein Immobilienunternehmen Elite Industries war der härteste Mitbewerber der Newport Corporation. Seit seine Brüder und er herausgefunden hatten, dass Sutton vor Jahren eine Affäre mit ihrer Mutter Cynthia Newport gehabt hatte, war die Situation noch unerträglicher geworden.

Ihre Mutter hatte in einem Café gearbeitet und dort Sutton Winchester kennengelernt. Es endete damit, dass sie für ihn arbeitete. Oder besser gesagt, dass sie eine Affäre mit ihm hatte, und daraus war ihr Halbbruder Carson hervorgegangen.

Die Geschichte war das reinste Chaos. Aber nachdem die DNA-Tests jetzt amtlich waren, stand zumindest fest, dass Sutton nicht auch der Vater von Graham und Brooks war. Und Graham und Eve hatten sich in ihre Affäre geworfen.

Die Frau hatte eine fatale Wirkung auf Graham. Er konnte es kaum erwarten, sie wieder in seinen Armen zu halten und sie seinen Namen stöhnen zu hören, wenn er sich in ihrem kurvigen Körper verlor.

„Hörst du überhaupt zu?“

Graham seufzte. Halb hörte er zu, halb fantasierte er über neue Wege, Eve um den Verstand zu bringen.

„Ich höre zu“, versicherte er seinem Bruder. „Und ich stimme dir zu: Carson hat einen Erbanspruch, wenn Sutton stirbt. Schließlich ist Sutton auch sein Vater. Es wäre unfair, wenn das Vermögen allein unter den Töchtern aufgeteilt würde.“

Suttons Töchter hatten sich ebenfalls in den Kampf gestürzt. Nora, Grace und Eve Winchester waren nicht sonderlich erbaut von ihrem neuen Bruder, aber ganz gleich, wie sie dazu standen: Das Ergebnis des DNA-Tests war eindeutig.

Graham hasste es, dass er und seine Brüder jetzt gegen Eve und ihre Schwestern vor Gericht ziehen sollten. Aber es war nur gerecht, dass Carson nach Suttons Tod seinen fairen Anteil bekam. Es wäre im besten Interesse der Winchesters, sich nicht dagegen zu sträuben, weil Graham entschlossen war, den Prozess zu gewinnen.

Dieser Erbstreit war ein weiterer Grund, wieso Eve und er ihre Affäre geheim halten mussten. Und wieso es beim Sex bleiben musste. Keine großen Gefühle, keine längerfristigen Verpflichtungen.

Anfangs hatten sie ihre Gefühle füreinander nicht sonderlich versteckt, doch sie hatten bald herausgefunden, dass es besser war, diskret damit umzugehen. Sie kamen überein, dass es niemanden außer sie selbst etwas anging, und beschlossen, sich auf das Schlafzimmer zu beschränken und die Probleme ihrer Familien zu ignorieren.

Sie mieden jedes Gespräch über Testamente und Suttons Gesundheit. Nur so konnte ihre Affäre funktionieren. Graham hatte nicht die Absicht, daran in absehbarer Zeit etwas zu ändern. Unter gar keinen Umständen würde er auf Sex mit einer Frau verzichten, die ebenso leidenschaftlich war wie er selbst.

„Du musst Eve gerichtlich vorladen lassen.“

Die kalten Worte rissen ihn aus seinen Gedanken. Graham setzte sich auf. „Wie bitte?“

„Ich habe mir doch gedacht, dass du nicht zuhörst“, knurrte Brooks. „Sie und ihre Schwestern müssen sich vor Gericht über Suttons Vermögensverhältnisse äußern. Du musst die Vorladungen persönlich überbringen.“

So viel also zu seinem Versuch, die Familienprobleme aus seiner Beziehung zu Eve herauszuhalten. Verdammt! Graham stimmte zu, dass Carson einen Erbanspruch hatte, aber er wollte Eve deswegen nicht vor Gericht zerren. Nicht, dass er nicht gewinnen würde. Das war nie ein Thema gewesen. Wenn Graham Newport vor Gericht ging, dann um zu gewinnen. Immer. Aber mit Eve …

Er atmete tief durch. Das würde die ganze Chemie zwischen ihnen zerstören.

Natürlich wollte er keine langfristige, ernste Beziehung mit ihr anfangen, aber er wollte diese atemberaubende kleine Affäre auch nicht früher als unbedingt nötig beenden. Er musste zugeben, dass die ganze Geheimniskrämerei durchaus auch ihren Reiz hatte.

„Wann ist denn der Gerichtstermin?“, erkundigte er sich.

Brooks stützte die Ellbogen auf den Schreibtisch. „In zwei Wochen. Ich würde ihn gern noch vorziehen lassen, da es mit Suttons Gesundheit bergab zu gehen scheint. Ich möchte kein Risiko eingehen.“

Sutton ging es nicht gut. Der Mann lag im Sterben. Graham konnte kein Bedauern für ihn aufbringen. Das mochte kalt und herzlos erscheinen, aber es war angemessen für einen Mann, der derart skrupellos und hinterhältig war. Sutton Winchester hatte Grahams Mutter ausgenutzt, ob sie es nun zugegeben hatte oder nicht. Er hatte sie geschwängert, wenn auch ohne etwas davon gewusst zu haben, und hatte sie einfach abgehakt, als sein Interesse an ihr erloschen war. Letztlich war ihm seine Ehefrau wichtiger gewesen, die aus den ersten Kreisen Chicagos stammte. Es erschien wie ausgleichende Gerechtigkeit, dass sie ihn später verlassen hatte.

Cynthia war vor nicht langer Zeit gestorben. Dadurch war die Vaterschaftsfrage überhaupt erst wieder aufgekommen. Der Schmerz über ihren Verlust war noch sehr frisch. Graham wandte sich Brooks zu. Es war nur zu leicht, sich von der Leere in seinem Herzen überwältigen zu lassen.

„Was hat Roman Slater herausgefunden?“

Der Privatdetektiv, den Brooks engagiert hatte, um die Abstammung der Zwillinge zu klären, arbeitete intensiv an dem Fall, hatte aber noch keinen Namen für sie. Sie hatten nie erfahren, wer ihr Vater war, und für kurze Zeit hatten sie befürchtet, es könne Sutton sein. Nachdem sie nun wussten, dass er nur Carsons Vater war, waren sie auf Blut aus. Sie wollten Sutton Winchester dort treffen, wo es ihn am meisten schmerzte. Da der Mann kein Herz hatte, wollten sie an sein Vermögen, in Carsons Namen. Und das würde natürlich auch Suttons Töchter treffen.

Graham ignorierte die Schuldgefühle, die in ihm aufzusteigen drohten. Beruf und Sex waren zwei Bereiche, in denen Emotionen nichts zu suchen hatten.

„Ich warte noch auf seinen Bericht. Er scheint ziemlich sicher zu sein, noch weitere uneheliche Kinder von Sutton gefunden zu haben. Falls das der Fall ist, werde ich auch das gegen ihn verwenden.“

Graham unterdrückte einen Fluch, während sein Blick durch die deckenhohen Fenster auf die Skyline von Chicago fiel. Er liebte die Stadt. Liebte es, hier zu leben und zu arbeiten.

„Falls er zu viele findet, werden sie alle einen Anteil von Suttons Vermögen wollen.“

Graham fuhr sich mit der Hand durchs Haar. Vielleicht sollte er doch zum Friseur gehen. Nein. Er mochte es, wenn Eve mit den Strähnen spielte, während …

Verdammt! Er war hier mit Brooks. Wie sollte er sich konzentrieren, wenn Eve sich immer wieder in seine Gedanken stahl?

„Daran habe ich auch schon gedacht“, bemerkte Brooks. „Das ist ein weiterer Grund, wieso ich die Sache zu Ende bringen möchte, bevor Sutton stirbt. Diese Vorladungen müssen also sofort übergeben werden, sobald du sie ausgestellt hast.“

Graham nickte. Es mochte ihm widerstreben, Privates und Berufliches zu vermischen, aber es gab keine andere Möglichkeit. Er wusste, dass Brooks für gewöhnlich nicht so hart war. Aber im Moment war er einfach nur wütend. Wütend und voller Schmerz. Einerseits über den Tod ihrer Mutter, andererseits darüber, dass Sutton nicht über das sprach, was er wusste. Graham teilte diese Gefühle, die irgendwie ein Ventil brauchten.

Sutton war ein Mann, der es verdient hatte, vernichtet zu werden. Und wenn Eve und ihre Schwestern ihnen dabei in die Quere kamen …

Sie täten gut daran, zu kooperieren, weil Graham entschlossen war, den Prozess für Carson zu gewinnen.

Familie war schließlich alles.

2. KAPITEL

Zwei Tage waren vergangen seit Eves Schwangerschaftstest. Vor zwei Stunden hatte der Arzt die Schwangerschaft bestätigt. Alles sah gut aus. Eve riss sich zusammen, bis sie wieder in ihrem Wagen saß. In der Stille der Tiefgarage weinte sie um das unschuldige Leben, das da in ihr wuchs, und hoffte, die Kraft zu haben, es auszutragen.

Nur weil sie Kinder bisher nicht in ihrer Lebensplanung vorgesehen hatte, hieß das nicht, dass sie dieses Baby nicht wollte. Vor Jahren war sie naiv und unvorbereitet gewesen auf das, was das Leben ihr geschenkt hatte. Jetzt war sie bereit, alles zu tun, damit es diesem Kind gut ging. Schon gleich nach dem Test hatte sie begonnen, Vitamine einzunehmen. Jetzt konnte sie sich nur entspannen und irgendwie versuchen, ein stressfreies Leben zu führen – sofern das möglich war bei ihren Plänen für einen internationalen Ausbau der Firma.

Als Geschäftsführerin von Elite Industries lag ihr daran, das Unternehmen wachsen zu sehen. Ihr Vater hatte eine gute Grundlage gelegt, aber sie wollte mehr. Sie wollte sich selbst und ihrem kranken Vater beweisen, dass sie die Firma noch weiter nach vorn bringen konnte. Sie wollte, dass er stolz auf sie war, bevor er für immer ging.

Zurück im Büro schloss Eve für einen Moment die Augen. Die Tage ihres Vaters waren gezählt, das ließ sich nicht leugnen. Wann sollte sie ihm von der neuen Generation erzählen? Würde es ihn freuen, dass der Name weiterlebte? Aber wenn sie ihm von dem Kind erzählte, musste sie auch von seinem Vater sprechen. Noch war sie nicht bereit, ihr Kind in diesen hässlichen Familienkrieg hineinzuziehen.

Sobald sie mit Graham gesprochen hatte, konnten sie gemeinsam entscheiden, wann sie es den anderen sagen wollten. Er musste es erfahren, sie wusste nur nicht, wie sie es ihm beibringen sollte. Würde er wütend sein? Würde er ihr Vorwürfe machen? Würde er sich vielleicht freuen, Vater zu werden? Wie um alles in der Welt sollten sie sich das Sorgerecht für das Kind teilen?

Fragen über Fragen schossen ihr durch den Kopf, als die Tür zu ihrem Büro aufflog. Schockiert sah Eve, wie Graham hereinkam, dicht gefolgt von ihrer Assistentin Rebecca.

„Es tut mir leid, Miss Winchester“, sagte Rebecca nervös. „Ich habe versucht, ihn aufzuhalten.“

Was machte er hier? Niemand wusste von ihrer Affäre. Sie hatten es immer vermieden, zusammen in der Öffentlichkeit gesehen zu werden. Indem er so bei ihr hereinstürmte, konnte er das ganze Kartenhaus ihrer Diskretion zum Einsturz bringen.

„Ist schon gut.“ Eve nickte ihrer Assistentin lächelnd zu. Sobald die junge Frau die Tür hinter Graham geschlossen hatte, funkelte sie ihn empört an. „Was tust du hier? Wir brauchen nun wirklich kein Gerede darüber, dass du in meinem Büro gesehen wurdest!“

Graham trat an ihren Schreibtisch und warf ihr ein Schreiben zu. Sie konnte es gerade noch auffangen, bevor es wie andere Papiere zu Boden segelte.

„Du musst aussagen.“

„Was?“ Eve sah ihn entgeistert an.

„Das ist eine Vorladung. Es betrifft das Vermögen deines Vaters und Carsons Ansprüche darauf.“

Sie spürte Zorn in sich aufsteigen. Deswegen war er gekommen? Was bildete er sich ein, ihr und ihrer Familie das anzutun?

„Wie kannst du es wagen, von mir zu verlangen, gegen meinen Vater auszusagen!“

Ein Muskel an seinem Kiefer spannte sich an – eine Angewohnheit, die ihr aufgefallen war, wenn er wütend auf sich selbst war. Worum ging es gerade? Wieso tat er das, wenn er es eigentlich nicht wollte?

„Du musst deinen Vater so sehen, wie er ist, Eve.“ Graham wich ihrem Blick nicht aus. „Carson hat ein Recht auf seinen Anteil. Außerdem hat unser Privatdetektiv noch weitere schmutzige Details über Sutton zutage gefördert.“

So gern Eve die Augen geschlossen hätte, um mit dem Schmerz fertig zu werden, es ging nicht. Ihr Vater mochte nicht beliebt sein, aber er war immer noch ihr Vater. Sie würde nicht zulassen, dass jemand Gerüchte über ihn in Umlauf brachte. Ja, er hatte zugegeben, während der Ehe mit ihrer Mutter Affären gehabt zu haben, aber das war alles Vergangenheit. Konnten Menschen sich nicht ändern? Musste er ewig für seine Sünden büßen? Er lag im Sterben. Konnten die Menschen ihn nicht einfach in Frieden gehen lassen?

Genug. Sie weigerte sich, weiter darüber nachzudenken, erst recht nicht in ihrem Büro, dem ehemaligen Büro ihres Vaters. Eve begann, die Nummer ihrer Assistentin zu wählen. Graham hielt sie davon ab, indem er ihr Handgelenk umklammerte.

„Was machst du?“

Sie sah ihn wütend an. „Ich werde die Leute vom Sicherheitsdienst bitten, dich hinauszubegleiten.“

Der Druck um ihr Handgelenk verstärkte sich, aber er tat ihr nicht weh. „Leg auf, Eve. Hör mir zwei Minuten zu, und dann gehe ich.“

Ohne den Hörer loszulassen, sah Eve ihm in die Augen. Sie fragte sich unwillkürlich, ob die Augen ihres Kindes wohl auch blau sein würden. Wie sollte sie ihm widerstehen und Nein sagen, wenn sie ihre Hormone nicht unter Kontrolle bekam?

Und wie sollte sie ihm Vorwürfe dafür machen, dass er seinem Bruder gegenüber loyal war? Trat sie nicht auch für ihren Vater ein? Sie legten beide viel Wert auf die Familie, und sie musste ihn dafür bewundern, aber dennoch konnte sie nicht zulassen, dass er sich benahm wie die Axt im Walde. Nicht, solange er sich auf ihrem Terrain befand.

Sie legte auf und verschränkte die Arme vor der Brust. „Zwei Minuten.“

Der Hauch eines Lächelns umspielte seine Lippen, die förmlich dazu einluden, geküsst zu werden.

Nein, so durfte sie im Moment nicht denken. Die Art, wie er in ihr Büro gestürmt und ihr die Vorladung buchstäblich an den Kopf geworfen hatte, hatte nichts mit dem zu tun, was sich zwischen ihnen im Schlafzimmer abspielte. In diesem Moment waren sie Feinde – und bald sollten sie Eltern sein. Wenn das kein Interessenskonflikt war!

„Carson ist auch dein Halbbruder“, begann Graham in dem leisen, tiefen Tonfall, der vor Gericht sicher Richter und Geschworene an seinen Lippen hängen ließ. „Er hat Anspruch auf seinen Anteil vom Vermögen deines Vaters.“

„Da mein Vater noch lebt, ist das zurzeit kein Thema“, hielt sie dagegen. Eve hasste es, über den Zustand ihres Vaters zu sprechen, aber die harte Wirklichkeit ließ sich nicht leugnen.

„Eve, du musst einsehen, dass wir das für Carson tun müssen. Lass dich nicht von Suttons Hass beeinflussen. Du bist zu gut dafür.“

Für einen Moment hätte Eve wegen dieser Worte dahinschmelzen mögen, aber dann wurde ihr wieder bewusst, mit wem sie es zu tun hatte. Graham war einer der erfolgreichsten Anwälte Chicagos, der vor Gericht noch jeden Streit zu seinen Gunsten entschieden hatte.

„Ich hasse Carson nicht“, sagte sie. Carson war an der ganzen Situation ebenso unschuldig wie sie und ihre Schwestern. „Ich finde einfach, es ist nicht an mir, zu entscheiden, was mit dem Besitz meines Vaters geschieht. Er hat ein Testament gemacht, Graham.“

„Es wurde verfasst, bevor er von Carsons Existenz erfahren hat.“ Graham beugte sich vor. „Egal, was du tun willst, die Vorladung gilt hiermit als zugestellt, Eve.“

Ein Teil von ihr wollte ihm dafür applaudieren, dass er für seinen Bruder einstand. Ein anderer Teil hätte die Vorladung am liebsten in Stücke gerissen und sie ihm ins Gesicht geworfen. Aber sie weigerte sich, ihren Gefühlen nachzugeben.

„Ich glaube, deine zwei Minuten sind um.“

Er hielt ihren Blick noch einen Moment gefangen, bevor er sich abwandte und das Büro verließ, wesentlich weniger dramatisch als bei seinem Hereinstürmen.

Als sich die Tür hinter ihm geschlossen hatte, ließ Eve sich wieder in ihren Sessel sinken. Mit zitternden Händen strich sie das Papier glatt und starrte auf das Datum, an dem sie vor Gericht erscheinen sollte. Was auch immer die Newport-Brüder planten, es wäre ihr lieber, sie würden sie aus dieser Sache heraushalten. Sie hatte auch so genügend Probleme.

Autor

Jules Bennett
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