Baccara Exklusiv Band 278

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HEISSE KÜSSE ZUM WEIHNACHTSFEST von CHARLENE SANDS

Milliardär Jared Stone liebt die Gefahr. Als er einen Unfall hat, rettet Bella ihm das Leben - was für ein Glück! Er bietet ihr eine Anstellung auf seiner Ranch an und schätzt bald nicht nur ihre Qualitäten als Köchin. Aber Bella verbirgt ein Geheimnis …

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AlsNatalie ihren Jugendschwarm Colin wiedertrifft, knistert es heftig zwischen ihnen. Sie sollen gemeinsam eine Hochzeit planen - und dabei würde sich Natalie so gerne seinen Küssen hingeben! Aber Colin will heiraten und eine Familie gründen. Und dazu ist Natalie nicht bereit ...

WORKAHOLICS KÜSST MAN NICHT von BEVARLY, ELIZABETH

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  • Erscheinungstag 14.11.2026
  • Bandnummer 278
  • ISBN / Artikelnummer 9783751538008
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Charlene Sands, Andrea Laurence, Elizabeth Bevarly

BACCARA EXKLUSIV BAND 278

Charlene Sands

1. KAPITEL

Francesca Isabella Forte versteckte sich. Nicht vor einem Stalker oder einem Verflossenen. Vor ihrem Vater. Bei ihrem letzten Streit war er so wütend geworden, dass er sie verstoßen hatte. Mehr noch, er hatte gedroht, ihr das Sorgerecht für ihr Kind entziehen zu lassen. Nur weil sie weder den Mann, den ihr Vater für sie ausgesucht hatte, heiraten noch das Forte-Foods-Imperium leiten wollte.

Also hatte sie ihre Sachen zusammengepackt und war von San Francisco nach Dallas gezogen. Hier benutzte sie die Kurzversion ihres zweiten Vornamens Bella und ihren Ehenamen Reid und war für alle nichts weiter als eine junge, arbeitslose Witwe. Amelia Gray, ihre beste Freundin aus Collegezeiten, hatte sie bei sich aufgenommen, ohne Fragen zu stellen.

Jetzt fuhr Bella in ihrem gemieteten Ford Focus die Interstate entlang und stellte fest, wie sehr sich die flache texanische Landschaft von ihrer hügeligen Heimat unterschied.

Bella fühlte sich frei.

„Hey, Bella“, sagte Amy. „Was hat Cinderella gesagt, als ihre Fotos nicht erschienen sind?“

„Ach, irgendwann werden die Abzüge schon kommen.“

Sie kicherten, und dann legte Bella einen Finger an die Lippen. Sie wollte ihre fast zweijährige Tochter Sienna nicht wecken – die Liebe ihres Lebens, die in ihrem Autositz hinter Bella schlief.

Jeder sagte, Sienna sei mit ihrem glänzenden Haar, das sich an den Spitzen lockte, und den schönen grünen Augen eine exakte Kopie ihrer Mutter. Bella sog diese Komplimente regelrecht in sich auf, sagte aber immer, Sienna sei auch intelligent und gutherzig und habe diese Charakterzüge von ihrem Vater geerbt.

Sienna war das Beste, was Paul und sie zustande gebracht hatten.

Deshalb war sie so fassungslos gewesen, als ihr Vater damit gedroht hatte, ihr das Sorgerecht entziehen zu lassen. Marco Forte behauptete, sie sei als Mutter unfähig und könne nicht für ihr Kind sorgen, weil sie nach dem Tod ihres Mannes einen Nervenzusammenbruch gehabt hatte.

Marco hatte Geld und Einfluss genug, um durchzusetzen, dass sie das Sorgerecht verlor. Aber wenn er Bella nicht fand, konnte er den Prozess nicht anstoßen. Niemals würde ihr Vater ihr Kind in die Hände bekommen. Nie!

Sie befanden sich fünfzehn Kilometer außerhalb von Dallas. Die Straße war dunkel und das Licht ihrer Frontscheinwerfer die einzige Beleuchtung, während sie zu Amys brandneuer Eigentumswohnung fuhren. Doch dann fiel Bella eine Rauchwolke neben der Straße auf. Da brannte ein Auto. „Oh, nein!“

Sofort trat sie auf die Bremse.

„Was ist?“, fragte Amy und sah von ihrem Handy auf. „Oh, wow! Du glaubst, da sitzt jemand drin?“

Bella erstarrte. Sie erinnerte sich jäh an den Hubschrauberabsturz ihres Mannes. Paul war auch in so einem Feuer gestorben. Sie hatte ihren Ehemann verloren und Sienna ihren Vater. Es war ein Jahr her, und sie konnte noch immer nicht glauben, dass er tot war.

Es tut mir so leid, Paul!

Knackende Geräusche, die aus der Richtung des brennenden Wagens kamen, holten sie in die Gegenwart zurück. Für Selbstmitleid war jetzt nicht der richtige Zeitpunkt. Sie musste etwas tun. Sie konnte nicht nur hier sitzen.

„Amy, pass auf Sienna auf! Ich gehe mal nachsehen. Im Auto könnte noch jemand sein.“

Amy blinzelte, als dächte sie über etwas nach. „Ich gehe.“

„Nein, ich muss das selbst machen.“ Sie konnte es nicht erklären, aber irgendetwas zwang sie dazu. Etwas sagte ihr, sie müsse zum Wagen gehen und nachsehen, ob jemand darin war. „Bitte, pass auf mein Kind auf!“

„Okay, aber sei vorsichtig! Um Sienna musst du dir keine Sorgen machen!“

„Ich werde vorsichtig sein.“ Sie konnte kaum glauben, dass das hier geschah. Aber sie musste gehen. Sie konnte sich nicht zurücklehnen und auf Hilfe warten.

Sie war die Hilfe.

Wenn jemand Paul rechtzeitig erreicht hätte, hätte er möglicherweise überlebt und Siennas erste Schritte sehen und ihre ersten Worte hören können.

Bella rannte, so schnell sie konnte. Das Auto musste bei hoher Geschwindigkeit von der Straße abgekommen sein. Als sie es erreichte, war sie außer Atem. Der Wagen lag auf dem Dach, und am Steuer saß jemand. Ein Mann. Er bewegte sich nicht.

Sie sandte ein Stoßgebet zum Himmel. Sie brauchte Hilfe. „Amy, ruf die 911 an“, schrie sie.

„Okay“, rief Amy zurück.

Das Feuer hatte die Vordersitze noch nicht erreicht, bisher brannte nur der Motor. War sie verrückt zu glauben, dass sie den Mann herausziehen konnte? Vielleicht, aber sie musste es versuchen. Der Rauch war dick, brannte ihr in der Nase und in den Augen. Sie wischte sich über die Augen, nahm den tiefsten Atemzug ihres Lebens und packte den Türgriff.

Aber egal, wie fest sie auch zog, die Tür ließ sich nicht öffnen. Das Fenster einzuschlagen, war eine Möglichkeit. Sie wand sich aus ihrer Kapuzenjacke und wickelte sie um ihre Hand. Sie hatte das oft in Filmen gesehen und hoffte, es würde auch im richtigen Leben funktionieren. Dann presste sie die Augen zusammen und schlug mit aller Kraft mit der Faust gegen das Fenster. Es splitterte. Ihre Hand tat wahnsinnig weh. Damit würde sie sich später befassen.

Sie zwängte ihren Oberkörper durchs Fenster, suchte hektisch nach dem Verschluss des Sicherheitsgurts, fand und öffnete ihn. Der Mann fiel auf sie. Gott, war er schwer! Zu spät realisierte sie, dass der Sicherheitsgurt ihn davor bewahrt hatte, zusammenzusacken, und jetzt erdrückte er sie mit seinem Gewicht regelrecht. Sie keuchte laut auf, als sie ihn bei den Armen griff und mit einem Ruck aus dem Fenster zog.

Wonder Woman wäre stolz auf sie.

Das Gesicht des Mannes war blutig und zerschrammt. Trotzdem sah sie, dass er gut aussehend und jung war. Er war etwa in dem Alter, in dem Paul bei seinem Tod gewesen war.

Aber dieser Mann würde nicht sterben. Nicht heute. Nicht, wenn sie es verhindern konnte.

Die Hitze war inzwischen unerträglich. Sie musste ihn vom Feuer wegschaffen. Das Auto konnte jeden Moment explodieren. Sie packte den Mann und zerrte ihn in Richtung Straße, fiel dabei mehrere Male hin und holte sich Schrammen an Händen und Beinen. Schließlich war sie in sicherer Entfernung von dem brennenden Wagen. Sie sah rasch zum Auto; das Feuer bewegte sich jetzt in Richtung Tank. Sie hielt den Atem an und betete. Und dann: Eine ohrenbetäubende Explosion. Die Druckwelle war so stark, als würde eine Rakete starten. Benommen setzte sie sich und sah zu, wie das Auto in Flammen aufging.

„Oh, Gott!“, rief Amy. „Geht es dir gut, Bella?“

„Ich bin nicht verletzt! Aber er!“, schrie sie zurück.

„Der Krankenwagen ist unterwegs!“ Amy blieb beim Wagen. Mit etwas Glück schlief Sienna immer noch. Die Kleine hatte einen festen Schlaf.

Bella nahm sich zusammen und betrachtete den Mann, den sie aus den Flammen gezogen hatte. Ohne sie wäre er im Feuer umgekommen. Sie begann unkontrolliert zu zittern.

Aus der Ferne hörte sie das schwache Geräusch von Sirenen. Ihre Schultern entspannten sich vor Erleichterung. Aber es gab noch etwas zu tun. Sie konnte nicht warten. Jede Sekunde zählte.

Sie kniete sich neben ihn und prüfte, ob er noch atmete.

Ich kenne mich mit Erster Hilfe aus, und ich kann etwas tun.

Ätzender Rußgestank brannte in Jared Stones Nase. Es fühlte sich an, als stünde ein Sattelschlepper auf seiner Brust und mache ihm das Atmen schwer. Sein Kopf hämmerte. Alles tat ihm weh. Er konnte die Augen nicht öffnen. Er schlingerte durch ein leeres, schwarzes Loch. Was, verdammt noch mal, war mit ihm passiert?

Das Letzte, woran er sich erinnerte, war, dass er den Highway entlanggefahren war und …

Er versuchte, sich zu konzentrieren. Sein Handy klingelte, das Klingeln dröhnte Jared in den Ohren. Das Geräusch zerrte an seinen Nerven, und dann begriff er: Es war überhaupt nicht sein Handy. Er kämpfte darum, die Augen zu öffnen, verlor die Schlacht aber. Seine Lider flatterten zwar, blieben aber geschlossen.

Und dann legte sich eine zarte Hand auf seine. Weich und sanft. Die Berührung tröstete ihn auf unerklärliche Weise. Seine Haut reagierte sofort darauf. Das Leben kehrte zurück. Helligkeit strömte dorthin, wo vorher nur Dunkelheit geherrscht hatte.

„Es kommt alles wieder in Ordnung.“ Die helle, engelsgleiche Stimme einer Frau. Der Klang war so einprägsam wie die Hand, die immer noch seine hielt. Jede Bewegung tat weh, und seine Augen wollten sich noch immer nicht öffnen. Aber die sanfte Stimme verlieh ihm Hoffnung. Er glaubte ihr. Diese ruhige Stimme würde ihn ins Leben zurückholen.

„Sie hatten einen Unfall. Ich bin im Krankenwagen mitgefahren und habe Sie begleitet. Jetzt sind Sie im Krankenhaus. Man kümmert sich gut um Sie.“

Dass ein Engel neben ihm saß, erleichterte ihn. Wer war sie? Er hatte keine Ahnung. Aber offenbar war sie an der Unfallstelle gewesen. Er wünschte, er könnte sich erinnern, was passiert war. Das unaufhörliche Piepen klang ihm weiter in den Ohren. Jetzt wusste er, dass er an einen Monitor angeschlossen war und dass dieses Piepen Atem und Herzschlag und all die anderen lebenswichtigen Dinge bedeutete.

Nachdem ihn ein wilder Hengst auf der Ranch abgeworfen hatte, war Jared schon einmal an so ein Gerät angeschlossen worden. Sein Vater hatte gesagt, Jared solle dem Pferd nicht zu nahe kommen. Aber er hatte gemeint, sein alter Herr sei überfürsorglich. Und so hatte er sich mit zwölf auf den Hengst gesetzt – und verloren. Hatte sich fast das Genick gebrochen bei dem Versuch, Balboa zu zähmen.

Am Tag danach hatte sein Vater Balboa verkauft.

Das hatte fast mehr geschmerzt als die Verletzungen.

Jetzt versuchte Jared zu nicken, um der Frau mit der melodiösen Stimme zu signalisieren, dass er sie hörte. Sofort wurde ihm schwindelig.

„Machen Sie sich keine Sorgen!“, sagte sie sanft. „Ich bleibe so lange bei Ihnen, wie Sie mich brauchen. Sie haben großes Glück gehabt.“

Das Gefühl hatte er nicht. Jede seiner Bewegungen schmerzte. Aber er klammerte sich an die Worte des Engels.

Ich habe Glück gehabt.

Ich habe Glück gehabt.

Ich habe Glück gehabt.

Bella öffnete die Augen, als schwache Sonnenstrahlen ins Krankenzimmer drangen. Sie hatte am vergangenen Abend darum gebeten, bei dem Patienten bleiben zu dürfen. Das Personal war nachsichtig gewesen, weil sie das Leben des Mannes gerettet hatte. Irgendwann war sie auf ihrem Stuhl eingeschlafen. Sie streckte sich, stand auf, fuhr sich mit der Hand durchs lange Haar und hielt inne, als ein dicker Verband ihre Bewegung stoppte. Ihre rechte Hand, mit der sie das Autofenster eingeschlagen hatte, war bis über das Handgelenk bandagiert. Der Verband reichte auch ein gutes Stück über den Arm. Sie hatte schon fast vergessen, dass sie das Fenster eingeschlagen hatte, um den Mann in Sicherheit zu bringen.

Unter dem Verband war sicher alles grün und blau. Sie bewegte die Finger und spürte, wie das Blut dorthin zurückfloss. Aber sie war sicher, dass ihre Fingerknöchel nie wieder die alten werden würden. Es war ein geringer Preis. Die Pflegerinnen hatten einen Riesenaufstand gemacht und hatten ihre Hand unbedingt röntgen wollen. Wie sich herausstellte, hatte nicht nur der Patient dort im Bett Glück gehabt. Ihre Hand war nicht gebrochen. Halleluja!

Sie griff nach ihrem Handy und las Amys Nachricht:

Sienna schläft fest. Sei unbesorgt!

Ihre Tochter war in guten Händen. Amy liebte sie innig, und Sienna war regelrecht verknallt in die beste Freundin ihrer Mutter.

Bella betrachtete den Mann, der still in seinem Bett lag. Seine Stirn und beide Arme waren verbunden. Sie hatte etwas von gebrochenen Rippen aufgeschnappt. Innere Verletzungen hatten die Ärzte nicht gefunden. Er würde den Unfall ohne bleibende Schäden überstehen. Und die Krankenschwester hatte Bella gesagt, ihr Eingreifen habe ihm das Leben gerettet.

Der Mann sah gut aus – fast zu gut. Die dunklen Prellungen beeinträchtigten den Eindruck nicht. Sein Kiefer war kräftig und kantig und mit einem dunkelblonden Dreitagebart bedeckt. Der Mann war groß und schlank, hatte aber muskulöse Arme.

Jetzt bewegte er sich und öffnete die Augen. Augen, die intensiv, fesselnd und blau wie der Ozean waren. Augen, die völlig verwirrt dreinblickten.

„Hallo“, flüsterte sie. „Ich freue mich, dass Sie wach sind.“

„Sie sind ein Engel“, sagte er mit schwacher, kaum hörbarer Stimme.

Sie lächelte und schüttelte den Kopf. „Ich bin kein Engel. Ich bin höchst real. Und ich freue mich, dass es Ihnen besser geht.“

„Bin mir da nicht sicher“, flüsterte er. „Fühlt sich an, als hätte mich ein Bus überfahren.“

„Nun, ich habe keinen Bus gesehen. Aber so etwas in der Art muss es gewesen sein.“

„Was ist passiert?“

„Ich weiß es nicht“, sagte sie. „Ich bin die Interstate entlanggefahren und sah, wie Ihr Wagen brannte, ein bisschen …“

„Jared, um Gottes willen! Du hast uns zu Tode erschreckt!“ Ein blonder Mann stiefelte ins Zimmer, der offensichtlich mit dem Patienten verwandt war. Bisher hatte sie seinen Namen nicht gewusst. Das Krankenhaus hielt solche Informationen vor Fremden zurück.

Jared? Das war ein guter Name für einen starken Mann. Er passte zu ihm.

Der Mann ging direkt zu Jared. „Hey, Bruder.“

„Ja, hey, Bruder!“

Der Mann betrachtete die Verbände und schüttelte mit feuchten Augen den Kopf. Es war eine berührende Szene, und Bella fühlte sich plötzlich wie ein Eindringling. Sie wollte gehen. Jareds Bruder konnte sich jetzt um Jared kümmern. „Tut mir leid, dass ich nicht früher gekommen bin. Die Behörden hatten Probleme, mich zu finden. Aber, Mensch, du bist gestern fast gestorben. Du hast ja keine Ahnung, wie nah du dran warst, den Löffel abzugeben.“ Er hielt inne, als müsse er seine Gefühle ordnen. „Hast du starke Schmerzen?“

Jared nickte.

„Du hast zwei gebrochene Rippen und einige Prellungen. Aber ehrlich, wenn diese junge Frau nicht gewesen wäre, wärst du nicht hier.“ Er wandte sich zu Bella um und streckte die Hand aus. „Ich bin Cooper Stone, Jareds Bruder.“

„Ich heiße Bella.“

„Ich habe gehört, Sie haben meinen Bruder aus dem Wagen gezogen und gerettet.“

Sie nickte.

„Und der Wagen hat schon gebrannt?“

Sie nickte wieder.

„Danke. Sie sind sehr mutig“, sagte er. Wieder wurden seine Augen feucht. „Und Sie haben sich dabei verletzt.“ Er schaute auf den Verband an ihrer rechten Hand.

„Das ist nichts. Nur Kratzer.“

„Sie haben das gemacht?“ Jared klang ungläubig. „Sie haben mich aus dem Auto gezogen?“

Sie verstand seine Überraschung. Sie war etwas über einen Meter fünfundsechzig groß und trug Kleidergröße vierunddreißig. „Wie?“, murmelte er.

Sie zuckte die Achseln. Sie wollte nichts von Paul erzählen. „Eiweiß. Täglich.“

Cooper lächelte.

Jared versuchte, ebenfalls zu lächeln, was offenbar schmerzhaft war. „Danke!“, brachte er heraus.

„Ich sage den Krankenschwestern, dass du wach bist“, sagte Cooper. „Entschuldige mich einen Moment.“

Bella wartete, bis er das Zimmer verlassen hatte, und ging dann zu Jared. Er sah sie an. Sein Blick sandte Schauer über ihren Rücken. Doch sie achtete nicht weiter darauf, weil das Band zwischen ihm und ihr jetzt zerschnitten werden würde. Er brauchte sie nicht mehr.

Sie legte vorsichtig die Hand auf seine und schenkte ihm ein Lächeln. „Ich bin froh, dass ich helfen konnte. Aber jetzt, wo Ihr Bruder da ist, weiß ich Sie in guten Händen.“

„Sie sind hier geblieben, weil ich allein war.“ Es war eine Feststellung, keine Frage.

„Ja, und um sicherzugehen, dass Sie überleben.“

„Habe ich. Ihretwegen.“ Müde drückte er ihre Hand. Seine Augen schlossen sich.

„Ich gehe jetzt. Machen Sie es gut, Jared!“

Sie war nicht sicher, ob er sie noch hörte. Sie verließ das Krankenzimmer. Draußen bemerkte sie Cooper, der mit einer Krankenschwester sprach.

Als sie aus dem Fenster blickte, fiel ihr der Wagen eines texanischen Fernsehsenders auf. Es wäre nicht gut, noch hier zu sein, wenn die Journalisten ihre Interviews führten. Sie durfte nicht erkannt werden. Sie schlüpfte an Cooper vorbei und verließ das Krankenhaus.

2. KAPITEL

Sienna saß in Amys Wohnzimmer und stapelte Bauklötze. „Ich baue eine Burg“, verkündete sie.

„Sie ist schön“, sagte Bella. Das Bauwerk neigte sich weit nach links und als Sienna den letzten Stein daraufsetzte, stürzte das Ganze zusammen.

Sienna kicherte, und Bella lachte mit.

„Noch mal machen, Mami.“ Siennas grüne Augen sahen sie bittend an.

„Okay, Süße. Wir machen es noch mal.“

Bella setzte sich neben ihre Tochter auf den Boden und half ihr, die Steine einzusammeln.

Amy kam aus ihrem Zimmer und ließ sich aufs Sofa fallen. Mit ihren weißen Möbeln und den schönen Schieferböden hatte ihre Wohnung Klasse. Seit ihren Tagen in Berkeley hatte Amy hart gearbeitet und war eine erfolgreiche Grundstücksmaklerin geworden. Bellas kleine Wohnung passte zwei Mal in die von Amy. Trotzdem fand Bella es nicht schlimm, ausschließlich von Pauls Rente zu leben.

„Kein Glück beim Vorstellungsgespräch gehabt. Tut mir leid“, sagte Bella zu Amy, nahm sich ein paar Klötze und begann zu bauen. „Ich werde nicht die neue Sous-Chefin im ‚Onion Slice‘.“

„Hast du gemacht, was ich dir gesagt habe?“

Sie schüttelte den Kopf. „Nein, ich habe meine Schrammen nicht mit Make-up verdeckt. Es hätte sowieso nicht funktioniert.“

„Ich wette, du hast ihnen nicht die Wahrheit gesagt, nämlich, dass du dir die Verletzungen vor zwei Tagen zugezogen hast, als du einem Mann das Leben gerettet hast.“

„Das Thema wurde nicht angesprochen.“

„Du bist einfach zu bescheiden.“

„Ich sehe nicht ein, was der Unfall mit meinen kulinarischen Talenten zu tun haben soll. Falls sie glauben, ich sei nicht für den Job qualifiziert, finde ich etwas anderes. Morgen habe ich noch ein Vorstellungsgespräch.“ Sie legte einen pinkfarbenen Block auf den lavendelfarbenen von Sienna.

„Gut für dich! Weihnachten steht vor der Tür. In den Restaurants geht es lebhafter zu als sonst. Du wirst etwas finden. Aber du weißt ja, dass du so lange hierbleiben kannst, wie du willst.“

„Das weiß ich. Du bist wunderbar gewesen. Aber ich brauche einen Job! Ich muss wieder auf eigenen Füße stehen.“ Was sie wirklich wollte, war, ein eigenes Restaurant zu eröffnen. Sie arbeitete schon eine Weile auf dieses Ziel hin. Jetzt musste der Traum fürs Erste warten.

„Hast du etwas Neues von deinem Vater gehört?“

„Nein. Gott sei Dank nicht! Ich habe keine Nachsendeadresse hinterlassen und eine neue Handynummer. Er ist ein störrischer, alter Esel. Und Yvonne grinst wahrscheinlich von einem Ohr zum anderen, weil wir aus Marcos Leben verschwunden sind.“

„Die böse Stiefmutter.“

„Ja, wohl kaum eine Mutter. Sie ist erst achtunddreißig, zehn Jahre älter als ich. Bei dem Gedanken, dass diese Frau meine Tochter aufziehen könnte, wird mir schlecht.“

„Dein Vater würde dir Sienna niemals wegnehmen“, sagte Amy. „Er droht dir nur, Bella.“

„Da bin ich mir nicht sicher. Er war ziemlich schnell dabei, mir vorzuwerfen, dass ich nach Pauls Tod einen Nervenzusammenbruch gehabt hätte.“

„Du hast getrauert. Das heißt noch lange nicht, dass du psychisch instabil bist“, sagte Amy.

Bella seufzte. „So geht es uns besser. Ein neuer Anfang. Wenigstens muss ich mir keinen Kopf darüber machen, dass mein Vater meine Verlobung mit einem Mann, den ich kaum kenne, bekannt machen lässt. Das war der Gipfel!“

„Das war ziemlich fies“, sagte Amy und hielt die Dallas Tribune hoch. „Aber du hast es schon wieder in die Zeitung geschafft, Bella.“

Amy gab Bella die Zeitung. Zuerst fiel ihr das Foto des Unfalls auf. Es zeigte die Reste eines roten Lamborghinis und daneben ein Bild von Jared Stone. Sie überflog den Artikel und erfuhr dabei, dass das Opfer ein Unternehmer und Ranch-Besitzer war, der einige Meilen außerhalb der Stadt auf der Stone Ridge Ranch wohnte. Jared Stone besaß verschiedene Holdings und Firmen in Dallas und um die Stadt herum und teilte sich das Ranch-Geschäft mit seinem Bruder Cooper. Der Artikel deutete an, dass Jared Stone ein privilegiertes Leben führte und die Gefahr liebte sowie schnelle Autos, Motorräder und Rennyachten.

„Scheint so, als habe dieser Kerl eine Sehnsucht nach Geschwindigkeit“, sagte Amy grinsend.

„Tja nun … Hoffentlich hat er seine Lektion gelernt. Wenn ich daran denke, was hätte passieren können, wird mir ganz anders.“

„Du wirst in dem Artikel jedenfalls nicht namentlich erwähnt. Du bist nur die mutige, geheimnisvolle Frau, die sein Leben gerettet hat.“

„Ja, ich habe es geschafft, aus dem Krankenhaus zu verschwinden, bevor die Journalisten da waren.“ Sie legte den letzten Klotz auf die Burg, und dieses Mal brach sie nicht zusammen. „Du hast es geschafft!“, rief sie und drückte ihr Kind an die Brust. Sienna wuchs viel zu schnell. Sie brauchte ein Zuhause mit einem Hund oder einer Katze oder einem Goldfisch und einen Garten.

Aber fürs Erste würden sie in Dallas bleiben.

Jared lehnte sich gegen Cooper, der ihn gerade ins Haus brachte. Nach zwei Tagen im Krankenhaus hatte er sich geweigert, einen Rollstuhl zu benutzen. Er würde es aus eigener Kraft ins Haus schaffen – mit ein bisschen Hilfe von Coop.

„Mensch, ich wünschte wirklich, du wärst zu mir gezogen“, sagte Coop jetzt schon zum zehnten Mal. „Lauren ist eine großartige Krankenschwester.“

„Deine Angetraute ist nicht nur das, sondern auch schwanger und braucht nicht auch noch mich vor den Füßen. Außerdem habe ich es hier bequemer.“ Das Letzte, was er wollte, war, den beiden Flitterwöchnern eine Last zu sein.

Jareds Zuhause war die Stone Ridge Ranch, eine gute halbe Meile von Coopers Haus entfernt. Sie teilten die Ställe und Weiden und kamen gut miteinander zurecht. Sie waren Brüder und Geschäftspartner und brauchten beide Raum für sich. „Du bist ja kaum in der Lage zu laufen. Marie kann dir zwar im Haus helfen, aber sie wird zu alt, um sich um alles zu kümmern. Es ist nicht besonders anständig ihr gegenüber.“

„Hör auf, dich mit mir zu streiten, Coop! Mit diesen gebrochenen Rippen ist es schon schwer genug zu atmen.“

„In Ordnung. Aber nimm Rücksicht auf Marie!“

Ihre Haushälterin kümmerte sich um beide Häuser. Jareds Verletzungen würden es schwer für sie machen, ihre Aufgaben zu erfüllen. „Mach dir keinen Kopf. Ich werde Marie nicht überstrapazieren. Ich denke mir was aus.“

Sie verließen die Diele, und Jared zeigte in Richtung Wohnzimmer. „Hilf mir einfach nur in den Sessel.“

Sein lederner Lieblingssessel stand vor dem hinteren Fenster, wo Jared auf ein riesiges Stück Land schauen konnte, das er seinen „Garten“ nannte. Sein Zuhause war in vielerlei Hinsicht modern. Aber diesen Raum mit seinen Teppichen auf dem Hartholzboden und dem riesigen Fernseher benutzte er besonders häufig. Hier konnte er sich entspannen, ohne sich Gedanken über irgendwas zu machen.

Mit Coopers Hilfe ließ sich Jared langsam im Sessel nieder. In seiner Brust spürte er ein heftiges Stechen. „Mir geht’s gut“, sagte er atemlos.

Cooper verzog das Gesicht.

„Wenn du das machst, siehst du wie Dad aus“, flüsterte Jared.

„Und du siehst wie ein Mann aus, der Schmerzen hat.“

„Gut beobachtet. Setz dich einen Moment hin!“

Copper nahm auf einem Ledersofa gegenüber von Jared Platz.

„Erzähl mir was von der Frau!“ Der Engel, dessen Stimme ihn beruhigt hatte. Der Engel, der sein Leben riskiert hatte, um seins zu retten.

Cooper wusste sofort, wen Jared meinte. „Die Krankenschwestern haben gesagt, sie heiße Bella Reid. Sie ist mit ihrer Freundin die Interstate entlanggefahren und sah, dass dein Wagen Feuer gefangen hatte. Ihre Freundin hat einen Kranwagen alarmiert, und Bella ist zu dir gerannt, um dich rauszuziehen, bevor … Na, du weißt schon.“

Jared nickte leicht. „Ich muss dauernd daran denken.“

„Hast du Albträume?“

Jared blinzelte. „Nein, ich kann mich nicht an den Unfall erinnern. Nur daran, dass Bella da war, meine Hand hielt und die richtigen Dinge sagte, um mich zu beruhigen. Ich muss mich noch einmal bei ihr bedanken. Sehen, wie es ihr geht.“

„Ich weiß nicht, wo sie wohnt. Sie ist verschwunden. Vielleicht solltest du es einfach auf sich beruhen lassen.“

„Nein“, sagte Jared bestimmt. „Ich muss sie sehen, Coop. Mein Gott, die Frau hat mir das Leben gerettet. Ich muss mit ihr reden. Deine Frau ist doch Krankenschwester. Wenn sie zufällig einen Blick auf Bella Reids Krankenakte werfen könnte …“

„Ich werde Lauren nicht darum bitten.“

„Musst du auch nicht. Ich mache es. Sie schuldet mir einen Gefallen.“

„Paul, was soll ich machen?“, murmelte Bella leise und starrte das Telefon in ihrer Hand an. Gerade hatte der Beaumont Club angerufen und ihr mitgeteilt, dass der Job, um den sich Bella beworben hatte, bereits besetzt war.

Immer, wenn sie Hilfe brauchte, sprach sie mit ihrem Mann. Ihr gefiel der Gedanke, dass er ihr zuhörte und irgendwie sah, wie sehr sie sich anstrengte.

Langsam verflüchtigte sich ihr Traum, für ein namhaftes Restaurant als Küchenchefin zu arbeiten. Gestern hatte sie eine Anzeige gesehen, in der ein Zahnarzt eine Rezeptionistin suchte. Vielleicht sollte sie sich dort bewerben …

Es klingelte. Sie drückte den Knopf der Gegensprechanlage. „Ja?“

„Hier ist Cooper Stone. Ich möchte mit Bella Reid sprechen.“

„Hier ist Bella.“

„Kann ich nach oben kommen?“

„Ja.“

„Danke.“

Nur wenige Minuten später bot sie Cooper Stone einen Platz auf dem Sofa in Amys Wohnzimmer an.

„Hi“, sagte er und nahm seinen schwarzen Cowboyhut ab, sobald er sich gesetzt hatte. Bella mochte das an den Texanern. Sie trugen Hüte, wie andere Leute Schuhe trugen. Und sie setzten sie nur ab, wenn es unbedingt notwendig schien.

„Hallo Cooper.“ Sie setzte sich auch. „Ich muss gestehen, ich bin ein bisschen geschockt, dass Sie hier sind. Wie haben Sie mich gefunden?“

„Es ist nichts Schlimmes. Es ist nur so, dass mein Bruder …“

„Was ist mit Ihrem Bruder?“ Es war irgendwie eigenartig, wie verbunden sie sich mit dem Menschen fühlte, dessen Leben sie gerettet hatte. Sie hatte nur wenige Stunden mit ihm verbracht, dennoch tauchten Tag und Nacht Bilder dieses Abends vor ihrem inneren Auge auf.

„Es geht ihm den Umständen entsprechend gut“, sagte Jareds Bruder. „Er ist jung und stark und wird wieder gesund werden.“

„Das sind gute Neuigkeiten. Und warum sind Sie dann hier?“

„Es ist nur so …“ Cooper rieb sich übers Kinn. „Er scheint Sie nicht aus dem Kopf zu bekommen. Er war nicht bei klarem Bewusstsein in der ersten Nacht im Krankenhaus und kann sich kaum an Sie erinnern. Und … nun ja … Ich glaube, er muss sich persönlich bei Ihnen bedanken. Es ist wichtig für ihn.“

„Ich verstehe. Aber das ist nicht nötig.“

„Für ihn schon“, sagte Cooper ernst. „Glauben Sie mir! Wenn es anders wäre, wäre ich nicht hier.“

„Sie haben mir noch nicht gesagt, wie Sie mich gefunden haben.“

Copper seufzte tief. „Meine Frau ist Krankenschwester.“

Mehr musste er nicht sagen. Sie sollte sauer sein, war es aber nicht. Cooper war wegen seines Bruders da, der vor einigen Tagen hätte sterben können.

„Ich hoffe, Sie fahren zur Ranch, um meinen Bruder zu treffen. Ich kann Sie fahren oder auch einen Wagen schicken.“

Plötzlich trottete Sienna ins Zimmer. Sie rieb sich die Augen.

„Hallo, Kleines! Hast du gut geschlafen?“

Ihr Kind beäugte den Fremden misstrauisch und machte einen großen Bogen um ihn, um zu ihrer Mutter zu gelangen. Bella kannte den Blick: Ihre Tochter war im Umgang mit Fremden schüchtern. Bella gefiel das. Sie hob Sienna hoch, und sofort vergrub die Kleine ihr Gesicht an Bellas Brust. „Tut mir leid. Sie ist ein bisschen schüchtern.“

„Sie ist wunderbar“, sagte Cooper. „Lauren, meine Frau, ist schwanger. Unser Kind kommt im Frühjahr.“

Lauren, die Frau, die sich die Unterlagen angesehen hatte. „Glückwunsch! Ist es Ihr erstes Kind?“

Er nickte. „Ja, unser erstes. Und was ist mit Ihnen? Haben Sie noch mehr Kinder?“

„Nein, mein Mann ist im vergangenen Jahr gestorben. Es gibt nur uns zwei.“

„Tut mir leid, das zu hören. Muss hart sein als alleinerziehende Mutter.“

„Ist es. Aber ich habe großartige Freunde, die mir helfen. Amy, die in der Nacht des Unfalls bei mir war, lässt uns hier wohnen, bis ich eine Arbeit gefunden habe.“

„Das ist also nicht Ihre Wohnung?“

„Wir wohnen hier nur vorübergehend.“

Er musterte sie, als dächte er nach. „Welche Art Arbeit?“

Ich bin die verstoßene Erbin von Forte Foods. „Ich bin Köchin. Eigentlich Küchenchefin. Aber ich würde auch irgendwo in der Küche arbeiten, wenn ich damit meine Rechnungen bezahlen kann.“ Mehr würde sie dazu nicht sagen.

„Mami, ich bin hungrig.“

„Okay, Süße. Ich mache dir etwas zu essen.“

Copper erhob sich und nahm seinen Hut.

Sie zeigte auf Sienna. „Jetzt sehen Sie, warum ich heute nicht zu Ihrer Ranch kommen kann.“

„Das sehe ich. Aber denken Sie bitte drüber nach. Und bringen Sie die Kleine mit. Wir wohnen auf der Stone Ridge Ranch. Hier ist die Visitenkarte meines Bruders. Adresse und Telefonnummer stehen drauf.“ Cooper gab ihr die Karte. „Und danke, dass Sie nicht ausgerastet sind. Es ging gegen Laurens Sinn für Anstand. Aber sie war auch der Meinung, dass Sie zu sehen für Jared die einzige Möglichkeit ist, psychisch über den Unfall hinwegzukommen.“

„Das übt ziemlichen Druck auf mich aus.“

Cooper machte ein unschuldiges Gesicht. „Und? Funktioniert es?“

„Vielleicht.“

Du musst hinfahren. Ich weiß, du willst es unbedingt. Fahr hin und befriedige deine Neugier, Bella! Triff dich mit dem Mann, dessen Leben du gerettet hast!

Amys Worte klangen ihr in den Ohren, als sie auf der Schwelle von Jared Stones Haus stand. Die Luft war kühl, und sie drückte ihre Tochter noch fester an sich. Die Tür, an die sie eben geklopft hatte, war mit einem Gebinde aus Pinienzapfen geschmückt und erinnerte sie daran, dass Weihnachten nur noch wenige Wochen entfernt war.

Seltsam, es schien ihr nicht wie Weihnachten. Als Paul noch lebte, war diese Zeit immer ein Vergnügen gewesen. Die vier Weihnachten, die sie miteinander verbracht hatten, waren die schönsten gewesen, die sie erlebt hatte. Jetzt war Weihnachten etwas, was sie überstehen musste.

Sienna betrachtete die Dekorationen mit großen Augen. Sie zeigte auf eine altmodische Kutsche im vorderen Garten. Der Boden der Kutsche war mit blühenden Weihnachtssternen gefüllt. „Will fahren, Mami.“

„Süße, ich glaube nicht, dass die Kutsche funktioniert.“

„Warum?“

„Sie ist alt.“

„Ist schön“, sagte Sienna, die immer noch von der Kutsche fasziniert war.

„Ja, die Blumen sind hübsch.“

Und das war Jared Stones Haus auch. Modern mit einem rustikalen Flair.

Als sie an den Ställen und Scheunen vorbeigekommen waren, hatte sie sich gut vorstellen können, dass Jared hier lebte. Es passte. Und gleichzeitig war es auch ein seltsamer Gedanke, weil sie den Mann gar nicht kannte.

Die Tür wurde geöffnet, und eine Frau in den Sechzigern begrüßte sie. „Sie müssen Bella Reid sein. Kommen Sie herein! Wir haben Sie erwartet. Ich bin Marie, Mr. Stones Haushälterin.“

„Hallo, Marie! Schön, Sie kennenzulernen.“

„Und wer ist der kleine Schatz?“

„Meine Tochter Sienna.“

„Sie ist ein hübsches Kind.“ Marie verschwendete keine Zeit. „Bitte, kommen Sie herein! Jared wartet auf Sie. Er freut sich, dass Sie vorbeikommen.“ Maries Zuneigung war unverkennbar. „Und ich freue mich, Sie kennenzulernen. Sie haben ihm das Leben gerettet. Die ganze Familie steht in Ihrer Schuld.“

Drinnen blieb Marie vor einer geschlossenen Tür stehen und umarmte Bella und Sienna. „Danke!“ Dann ließ sie sie rasch los. „Kümmern Sie sich nicht um mich! Ich bin eine alberne Frau“, sagte sie und wischte sich eine Träne aus dem Auge. „Aber ich musste es einfach tun.“

„Es ist okay“, sagte Bella. „Jared steht Ihnen offenbar nahe.“

„Seit seiner Kindheit.“

„Marie?“, rief eine männliche Stimme ungeduldig.

„Sie sind da, Jared.“ Marie zeigte auf die Tür. „Am besten gehen Sie rein. Ich habe einen Krug Limonade und einen Teller mit Keksen auf den Tisch gestellt. Ich hoffe, du magst Schokoplätzchen“, sagte sie zu Sienna, die bei der Erwähnung von Keksen strahlte. „Falls Sie noch etwas brauchen, sagen Sie einfach Bescheid.“

Langsam ging Marie davon, und Bella bemerkte, dass die Frau das Gesicht verzog und sich an den Rücken griff.

Etwas beklommen betrat sie das Zimmer und entdeckte einen großen Mann, der sich langsam und vorsichtig aus seinem Sessel erhob. Sein entschlossenes Gesicht konnte nicht verbergen, dass ihm die Bewegung wehtat. „Bella Reid?“

„Hallo, Jared! Bitte setzen Sie sich“, sagte sie leise.

Sein Gesicht wurde weich, als sie das sagte. Er trug bequeme Kleidung, eine schwarze Jogginghose und ein T-Shirt, auf das die Worte Stone Corp über den Umriss eines zerklüfteten Berggipfels gedruckt waren. Sein Firmenlogo, nahm sie an.

„Nach Ihnen“, sagte er. Texanische Höflichkeit, über die sie nicht diskutieren würde. Sie nahm Platz und zog ihre Tochter auf den Schoß.

„Danke, dass Sie gekommen sind“, sagte er. Seine Stimme war tief und klang sehr viel bestimmter als im Krankenhaus. Er zuckte zusammen, als er sich niederließ. Über seiner linken Augenbraue klebte ein Pflaster, rötliche Kratzer schauten unter den dunkelblonden Bartstoppeln hervor. Sein ziemlich langes Haar fiel natürlich, im Stil von Brad Pitt. Seine Augen waren von einem tiefen Blau, aufmerksam und hypnotisierend – die Art Augen, von denen man sich kaum abwenden konnte. „Ist das Ihr Kind?“

„Ja, das ist Sienna.“ Ihre Tochter sah Jared nicht an. Aber das war okay. Sie würde sie nicht zwingen. „Sie hat gerade eine besonders anhängliche Phase.“

Jared lächelte. Sein Gesicht hellte sich auf, und sie sah nun unter dem Schmerz den Mann. „Wie alt ist sie?“

„Zweiundzwanzig Monate.“

„Sie sieht wie Sie aus. Und das ist ein Kompliment.“

„Danke! Wie fühlen Sie sich, Jared?“

„Ich atme und lebe und komme zurecht. Wahrscheinlich muss ich ein paar Wochen kürzer treten.“

„Sie sehen viel besser aus als beim letzten Mal.“

„Davon gehe ich aus.“ Wieder lächelte er. „Ich wollte mich richtig bei Ihnen bedanken. Nein, das stimmt nicht ganz. Ich muss Ihnen danken. Dass Sie mich aus dem Auto gezogen und in Sicherheit gebracht haben, hat mir das Leben gerettet. Ich kann Ihnen nicht genug danken. Ich weiß nicht, ob ich das je zurückzahlen kann.“

„Himmel, das müssen Sie nicht!“, sagte sie in einem Atemzug. „Ich bin froh, dass wir zu diesem Zeitpunkt auf der Straße waren.“

„Ich ebenfalls. Für mich war es ein Glückstag. Ich erinnere mich nicht daran, was an diesem Abend geschehen ist. Nur an eine sanfte Hand, die sich auf meine legt und mich tröstet. Und dann haben Sie gesprochen, und der Klang Ihrer Stimme war wie Balsam, der Ruf eines Engels, der mir versicherte, dass alles wieder in Ordnung kommen würde.“

Er atmete ein und verzog das Gesicht vor Schmerzen.

„Tut das Reden weh?“

„Nein, nur das Atmen“, sagte er augenzwinkernd.

„Das tut mir leid.“

„Muss es nicht. Ich bin Texaner. Sie wissen, wie wir sind.“

Sie lächelte.

„Cooper hat mir etwas über Sie erzählt. Sie sind Witwe. Ihr Verlust tut mir leid, Bella.“ Seine Stimme klang respektvoll, was seine Worte weniger neugierig klingen ließ und keine alte Wunden aufriss.

„Danke! Es war ein wenig hart. Aber Sienna und ich kommen zurecht.“

„Das ist gut. Soweit ich das verstanden habe, sind Sie arbeitslos. Freiwillig?“

„Um Gottes willen, nein! Ich habe mich vorgestellt, aber …“ Sie unterbrach sich. „Es ist nicht wichtig.“

„Ich glaube, doch.“

Sie sah ihn an. „Wirklich?“

„Natürlich.“ Sein Blick schweifte zu Sienna, die langsam zutraulicher wurde.

„Sie schulden mir nichts, Jared. Wirklich nicht.“ Gott, wenn er ihr einen Scheck ausstellte, wäre ihr das entsetzlich peinlich.

„Nun, Ich glaube, Sie können mir helfen und ich Ihnen.“

„Wie?“

„Sie haben Marie kennengelernt. Sie wird älter, und meine körperliche Verfassung verlangt ihr einiges ab. Jahrelang hat sie ihre Arbeitszeit zwischen meinem Haus und dem von Cooper geteilt. Jetzt, glaube ich, überfordern sie ihre vielen Aufgaben.“

„Was kann ich tun?“

„Wenn ich es richtig verstehe, sind Sie gut in der Küche, und der Zufall will es, dass ich eine Köchin suche.“

Sie schnappte überrascht nach Luft. „Sie brauchen eine Köchin?“

„Ja, ich denke schon lange daran. Marie arbeitet zu viel. Sie könnte eine Pause brauchen, und … nun ja, ich biete Ihnen den Job an.“

„Als Köchin.“

„Ja.“

„Aber Sie wissen ja nicht einmal, ob ich qualifiziert dafür bin.“

„Sie können mir einen Lebenslauf schicken, wenn Sie wollen. Aber ich brauche keinen. Ich gehe davon aus, dass Ihre Kochkünste auf dem neuesten Stand sind.“

„Ach ja? Und woher wollen Sie das wissen?“

„Weil ich schon ahne, welche Art Mensch Sie sind. Außerdem bin ich nicht wählerisch. Machen Sie einen Burger mit Fritten, und ich bin glücklich.“

Sie lachte. „Das werde ich mir merken.“

„Also nehmen Sie den Job an?“

„Das habe ich nicht gesagt. Es gibt einiges zu bedenken.“

„Sie brauchen einen Job und ich eine Köchin. Was gibt es da zu überlegen?“

„Sie vergessen, dass Sie meilenweit von Dallas entfernt wohnen. Eine Lösung für einen Babysitter zu finden, wäre schwierig. Ich möchte Sienna nicht zu lange allein lassen.“

„Das ist das Schöne an einem großen Ranch-Haus.“ Er breitete die Arme aus. „Sie können Ihren eigenen Flügel haben, zwei Zimmer für Sie und Sienna oben. Ich wohne hauptsächlich hier unten. Und jetzt sowieso, weil die Treppe für mich quasi unüberwindbar ist. Sie hätten so viel Privatsphäre, wie Sie wollen.“

„Um Gottes willen, Jared! Sie wollen, dass wir hier einziehen? Ich meine, das ist großzügig. Aber ich kann …“

„Sagen Sie nicht, dass Sie nicht können. Denken Sie darüber nach! Sie hätten einen Job, bei dem Sie Sienna überhaupt nicht allein lassen müssten. Sie hätte einen Garten zum Spielen und genug Platz, um nach Herzenslust herumzutoben. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin Ihnen dankbar, weil Sie mir das Leben gerettet haben. Aber ich brauche hier wirklich Hilfe. Mein Lösung ist für alle gut.“

Er besaß ein gutes Herz. Aber ihr Stolz kam dennoch ihrem gesunden Menschenverstand in die Quere.

„Ich weiß nicht.“

„Versuchen Sie es einfach, Bella!“ Seine Stimme drang in sie ein. So tief, so ernst. Er wollte ihr wirklich helfen, und sie wusste das zu schätzen. „Wenn es nicht funktioniert, ist das nicht schlimm. Es bleibt Ihnen überlassen.“

Er bot ihr mehr an, als sie erhofft hatte: eine Anstellung, ein Zuhause und die Möglichkeit, bei Sienna bleiben zu können. Den Job anzunehmen, würde ihr Zeit verschaffen, ihr Leben zu ordnen und Pläne zu machen. „Lassen Sie es mich mit meiner besten Freundin besprechen. Ich brauche ein bisschen Zeit.“

„Abgemacht“, sagte er und schaute dann ihre Tochter an. „Möchtest du einen Keks, Sienna? Du kannst so viele haben, wie deine Mami erlaubt.“

Sienna sah ihn an und lächelte.

„Einen“, sagte Bella.

„Wie ich gesagt habe“, sagte er, „du kannst einen Keks haben. Und ich wette, Mami spendiert dir auch Limonade.“

Sienna kicherte und nickte dem Mann zu, der sich in seinem Sessel kaum rühren konnte.

Sein Jobangebot schien aufrichtig zu sein.

Konnte sie es akzeptieren? Konnte Sie ihm ihre wirkliche Identität verheimlichen? Vielleicht war aber die eigentliche Frage, ob sie es sich leisten konnte, den Job nicht anzunehmen.

Später an diesem Abend warf sich Amy aufs Sofa neben Bella und drückte ihr ein Glas Pino Grigio in die Hand. „Hier, nimm und trink, so viel du willst! Wo der herkommt, gibt es noch reichlich davon.“

Bella starrte auf die Weinflasche vor ihr. Wahrscheinlich musste sie sie leer trinken, um eine Entscheidung fällen zu können.

Amy zog die Beine unter sich. „Nicht, dass ich versuche, dich loszuwerden, Bella. Aber ehrlich, der Mann bietet dir eine einmalige Chance. Warum nicht annehmen?“

„Weil er in mir eine arme Witwe sieht, eine alleinerziehende Mutter. Er bietet mir den Job aus Mitleid an.“

„Das bist du ja auch – und mehr als das.“

Bella sah ihre Freundin erstaunt an.

„Ich meine damit, dass er in dir auch die mutige Person sieht, die sein Leben gerettet hat. Es ist nicht nur Mitleid. Wenn er schon jemanden einstellen muss – und du hast selbst gesagt, dass seine Haushälterin so wirkte, als könnte sie Hilfe brauchen –, warum soll er dann nicht dich anstellen? Ich möchte wetten, dass er lieber jemanden nimmt, dem er trauen kann, als eine Fremde.“

„Ich bin eine Fremde. Er wollte nicht mal meinen Lebenslauf sehen.“

„Gut für dich. Was würdest du reinschreiben? Frühere Erbin von Forte Foods?“

„Du weißt, dass ich eine Kochschule besucht habe. Auch wenn ich sie nicht beendet habe, habe ich doch eine Menge gelernt. Und was ich nicht gelernt habe, habe ich mir selbst beigebracht. Ich habe mein ganzes Leben in der Lebensmittelindustrie zugebracht.“

Amy lächelte. „Siehst du, passt doch! Du bist für den Job qualifiziert. Meine Güte, er ist ein allein lebender Mensch. Du könntest mit geschlossenen Augen für ihn kochen.“

„Ich müsste auf seine Ranch ziehen. Und ihn die ganze Zeit hintergehen. Soll ich das wirklich machen?“

„Du musst es wegen Sienna tun. Das ist ein verdammt guter Grund.“

„Ich weiß nicht.“

„Sienna könnte frei herumlaufen. Sie hätte Vieh und Pferde um sich. Vielleicht Hunde oder Katzen. Und was glaubst du, wie lange dein Vater braucht, um mich zu finden, wenn er wirklich will? Er weiß, dass wir befreundet sind. Wenn er hierherkommt, hast du Pech gehabt. Aber so …“

Amys Argumente waren stichhaltig.

„Okay, ich werde es machen. Ich rufe Jared Stone morgen an.“

3. KAPITEL

An einem Samstagmorgen, drei Tage nach ihrem Treffen mit Jared Stone, folgte Bella einer gutmütigen Marie zu ihren Zimmern auf Stone Ridge. Die Frau schien wirklich froh zu sein, Bella hier zu haben. „Ich bleibe heute, um Ihnen zu helfen, sich einzurichten“, sagte sie mit einem Lächeln. „Wenn Sie etwas brauchen oder Fragen haben, fragen Sie. Mr. Stone ist unten im Arbeitszimmer. Er möchte unbedingt wieder arbeiten. Wenn Sie mich fragen, ist es noch zu früh. Er hat gesagt, wenn Sie so weit sind, möchte er Sie gern sehen.“

„Danke, Marie! Ich gehe gleich runter. Wie Sie sehen, muss ich nicht viel auspacken.“

Maries Blick wurde weich, als sie die wenigen Kartons und Koffer ansah.

Um Himmels willen, sie wollte der Frau keinen falschen Eindruck vermitteln. Sie sollte nicht glauben, dass das alles war, was Bella besaß. Zu spät. Marie wandte ihre Aufmerksamkeit Sienna zu. „Wie geht es der kleinen Prinzessin heute?“

„Sienna, sag Marie guten Tag.“

Sienna wackelte schüchtern mit den Fingern.

„Sie wird auf der Ranch Spaß haben. Für ein kleines Kind gibt es hier eine Menge zu sehen. Sie beide werden Leben in die Bude bringen.“

„Vielleicht mehr, als Ihnen lieb ist.“

„Unsinn! Kinder machen nur Freude“, erwiderte Marie und ging.

Mit Sienna auf der Hüfte, sah sich Bella im ersten Stock um. Zwei miteinander verbundene Schlafzimmer und ein Badezimmer waren ihr neues Zuhause. Die Zimmer waren hübsch und in hellem Blau und Lavendel gestrichen. Sie war sich sicher, dass bisher noch niemand seinen Fuß in diese makellosen Gästezimmer gesetzt hatte.

Bella ging zum Fenster und blickte in einen blühenden Garten. Es gab einen Swimmingpool mit einer Rutsche und einem Wasserfall. Man konnte sich vorstellen, wie einladend es dort an einem glühend heißen Tag war.

„Komm, Sienna! Es wird Zeit, auszupacken!“

Eine Viertelstunde später hingen ihre Kleider im Schrank, und die Waschsachen standen im Badezimmer.

Es war seltsam, mit einem Fremden unter einem Dach zu wohnen, auch wenn Amy Jared Stone gegoogelt und herausgefunden hatte, dass er ein erfolgreicher Rancher, ein cleverer Geschäftsmann und angehender Unternehmer war, der nicht nur der Kommune großzügig Geld spendete.

Mit Sienna auf dem Arm ging sie nach unten und suchte das Arbeitszimmer. Das Haus war zwar ausgedehnt, aber man fand sich leicht darin zurecht. Sienna plapperte vor sich hin und wollte selbst laufen, während Bella den Flur entlangging. Sie setzte Sienna ab. „Und los!“, sagte Bella. „Aber fass bitte nichts an!“ Sie klopfte an eine geschlossene Tür.

„Kommen Sie herein!“ Jareds Stimme klang tief und einladend.

Sie öffnete die Tür und fand Jared an seinem Schreibtisch. Er schloss gerade seinen Laptop. In sein Gesicht war die Farbe zurückgekehrt, die Verbände waren weg, und die Kratzer in seinem Gesicht schienen gut zu verheilen. Er trug ein schwarzes Hemd und Jeans und sah viel besser aus als vor drei Tagen.

Er sah gut aus, keine Frage. Er hatte jetzt eine gesündere Ausstrahlung, seine Augen wirkten tiefer, blauer, faszinierender.

Ihr Herz raste. Sie würde jetzt bei ihm wohnen, in diesem Haus, und das seltsame Gefühl, das sie schon einmal empfunden hatte, kehrte mit voller Wucht zurück. Das hier war jetzt ihr neuer Alltag.

Er wollte aufstehen, doch sie gab ihm zu verstehen, es zu lassen. Er tat es trotzdem. Er musste fast einen Meter neunzig groß sein. „Willkommen auf Stone Ridge!“

„Setzen Sie sich bitte, Mr. Stone! Wenn Sie jedes Mal aufstehen, wenn ich das Zimmer betrete, wird Ihnen ganz schwindelig werden.“

Er lachte und griff sich dann an die gebrochenen Rippen. Das mussten die schmerzhaftesten seiner Verletzungen sein. „Ich lasse es, wenn Sie mich ab jetzt Jared nennen.“

„Okay, Jared!“

„Bitte, setzen Sie sich!“

Das tat sie. Sienna stand neben Bellas Stuhl und sah sich interessiert um. Am meisten schienen sie zwei Päckchen zu interessieren, die mit Luftballons dekoriert waren und in Geschenkpapier eingewickelt auf dem Boden neben dem Schreibtisch standen.

„Hallo, Sienna“, sagte er. „Ich hoffe, es gefällt dir hier.“

Sienna sah Jared kurz an, vergaß die Pakete, kletterte auf Bellas Schoß und hielt sich an deren Hals fest. „Sie wird ihre Scheu ablegen. Es ist alles neu für sie“, sagte Bella.

„Das kann ich mir vorstellen“, erwiderte er.

„Geht es Ihnen besser?“

Er nickte. „Es geht jeden Tag ein bisschen leichter. In einigen Wochen sollte ich wieder bei hundert Prozent sein.“ Er unterbrach sich, als flöße ihm das Gespräch über seine Verletzungen Unbehagen ein. „Ich hoffe, Sie mögen Ihre Zimmer. Wenn es etwas gibt, was Sie ändern wollen, müssen Sie es mich nur wissen lassen.“

„Danke! Das ist sehr großzügig. Die Zimmer sind hübsch, und wir kommen gut damit zurecht.“

„Gut zu hören. Marie wird heute hierbleiben, um Ihnen die Küche und den Rest des Grundstücks zu zeigen. Zögern Sie nicht, alles auf der Ranch zu nutzen, einschließlich der Pferde, wenn Sie gerne reiten.“

„Ich werde mit Sicherheit fragen“, sagte sie.

Jared lächelte. Er schrieb etwas auf einen Zettel und schob ihn zu ihr rüber. „Das ist Ihr Anfangsgehalt. Ich glaube, es entspricht etwa dem, was zurzeit gezahlt wird.“

Sie schaute die Zahl an und stellte erleichtert fest, dass er ihr nicht zu viel zahlte. „Ja, das ist perfekt.“ Dafür, dass sie dazu Essen und Unterkunft erhielt, war es eine angemessene Summe. Wenn die Summe auch nur ein wenig höher gewesen wäre, hätte sie das Gefühl gehabt, es stehe ihr nicht zu. Das Gehalt, das er ihr anbot, erlaubte ihr einen gewissen Stolz. Und Jared Stone schien das wahrzunehmen. „Danke!“

„Ich erwarte nicht von Ihnen, dass Sie jeden Tag arbeiten. Sonntags und montags können Sie frei haben, wenn Ihnen das passt.“

„Das ist okay. Ich habe auch ein paar Fragen – wenn Sie nichts dagegen haben.“

„Ich habe überhaupt nichts dagegen.“

Sie setzte sich etwas gerader hin. „Wenn ich für Sie koche, würde ich gerne wissen, wie Sie sich im Hinblick auf Essen sehen.“

„Wie ich mich sehe?“

„Ja. Wie sieht Ihre kulinarische Landschaft aus?“

„Können Sie das übersetzen?“

Sie hielt ein Grinsen zurück. „Okay. Ist Ihr Geschmack konservativ, traditionell, abenteuerlich, exotisch, wählerisch?“

„Definitiv abenteuerlich. Es gibt nichts, was ich nicht probieren würde. Abgesehen von Leber. Keine Leber, bitte.“ Er verzog das Gesicht wie ein kleiner Junge. Sie lachte.

„Keine Leber. Kapiert. Scharf?“

„Ja, aber nicht immer.“

„Trinken Sie Alkohol?“

„Scheint die Sonne?“, gab er zurück.

Sie lachte. „Okay, verstanden.“

Er war der Traum jedes Kochs. Er probierte gern Neues und aß fast alles. Sie würde das bald austesten.

Der gesunde Schimmer auf seinem Gesicht begann zu schwinden. Wie lange hatte er gearbeitet? Sie kannte Müdigkeit. Als alleinerziehende Mutter hatte sie so manche Nacht nicht geschlafen. Und selbst wenn sie ein Nickerchen machen konnte, war es nie für lange. Das hatte nichts mit Sienna zu tun. Sie litt an Schlaflosigkeit, das war vererbt. Danke, Marco!

Zu spät senkte sie den Blick. Sie hatte Jared angestarrt. Und er hatte zurückgestarrt.

„Wenn das alles ist …“

„Da ist noch etwas“, sagte er.

Vorsichtig stand er auf. Stehend wirkte er wie ein Mann, der Aufmerksamkeit für sich beanspruchte. „Ich habe etwas für Sie. Ein Willkommensgeschenk.“

„Das hätten Sie nicht tun müssen.“ Sie meinte, was sie sagte. Wie seltsam war denn das? Was konnte er für sie beide haben?

„Würden Sie das für Sienna zuerst öffnen? Es ist in der großen Schachtel.“

Er ging zu den beiden Schachteln neben seinem Schreibtisch. „Sienna, hier ist ein Geschenk für dich. Willst du deiner Mutter helfen, es auszupacken?“

Die Augen ihrer Tochter wurden groß, und sie kletterte von Bellas Schoß, nahm ihre Hand und zog sie zu der eingewickelten Schachtel.

„Bis Weihnachten sind es noch ein paar Wochen“, sagte sie zu Jared.

Er lächelte nur.

Sienna packte das Papier, und Bella half ihr, bis die Verpackung entfernt war. Als die Schachtel offen war, erklärte Jared: „Es muss noch fertig montiert werden.“

Sienna warf einen Blick auf ihr Geschenk und schlug wie ein kleiner Vogel mit den Armen. „Rad! Rad!“

„Das sehe ich“, sagte Bella.

Das Dreirad war pink und bis auf einen Griff, mit dem man es von hinten schieben und lenken konnte, montiert. Sienna fand die Klingel und bimmelte mindestens eine halbe Minute, bevor Bella Siennas Hand beiseiteschob. „Sienna, magst du das Dreirad?“

Sie nickte. „Ja, Mami.“

„Kannst du Danke sagen?“

„Danke“, sagte sie ohne Zögern. Ihr Blick war noch immer auf das neue Dreirad gerichtet.

Jared lächelte breit. „Bitte! Jetzt kannst du stilvoll auf der Ranch herumfahren.“

„Das ist sehr großzügig von Ihnen“, sagte Bella.

„Es gibt auch einen Helm für sie. Meine Schwäge...

Autor

Andrea Laurence
Bereits im Alter von zehn Jahren begann Andrea Laurence damit, Geschichten zu schreiben – damals noch in ihrem Kinderzimmer, wo sie an einer alten Schreibmaschine saß. Sie hat immer davon geträumt, ihre Romane eines Tages in der Hand halten zu können, und sie arbeitete jahrelang hart, bis sich ihr Traum...
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Elizabeth Bevarly

Elizabeth Bevarly stammt aus Louisville, Kentucky, und machte dort auch an der Universität 1983 mit summa cum laude ihren Abschluss in Englisch. Obwohl sie niemals etwas anderes als Romanschriftstellerin werden wollte, jobbte sie in Kinos, Restaurants, Boutiquen und Kaufhäusern, bis ihre Karriere als Autorin so richtig in Schwung kam. Sie...

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