Julia Extra Band 594

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EINE WEIHNACHTSBRAUT FÜR DEN SCHEICH von CAROL MARINELLI

In diesem Jahr meidet Flo jeden Mistelzweig. Sie hat genug Frösche geküsst! Aber dann trifft sie in einer noblen Londoner Bar den atemberaubenden Scheich Hazin. Gegen jede Vernunft erliegt sie seinem Sex-Appeal und lässt sich zu einer Nacht der Lust verführen …

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  • Erscheinungstag 10.11.2026
  • Bandnummer 594
  • ISBN / Artikelnummer 9783751541541
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Carol Marinelli, Rebecca Hunter, Hana Sheik, Bella Mason

JULIA EXTRA BAND 594

Carol Marinelli

1. KAPITEL

Ich schwöre, dass ich mich bessern werde.

Florence Andrews lag auf ihrer Seite des Bettes im Arm eines Mannes und gab sich selbst das Versprechen, dass sie, falls eine höhere Macht die Fehler der vergangenen Nacht ungeschehen machen könnte, für den Rest ihres Lebens ein besserer Mensch sein würde.

„Guten Morgen“, murmelte er verschlafen. Sie spürte seine harte Erregung an ihrem Oberschenkel. Sie erwiderte nichts und gab vor, noch zu schlafen. Von ihrer zierlichen Figur, den langen blonden Haaren und den kobaltblauen Augen fühlte sich meistens ein ganz besonderer Schlag Mann angezogen, wie sie festgestellt hatte. Einer, der mit M anfing und mit L endete.

Mistkerl.

Von dem letzten Mann, mit dem sie zusammen gewesen war, hatte sie fast schon Empfehlungsschreiben gefordert, bevor sie überhaupt eingewilligt hatte, sich mit ihm zu treffen. Doch auch er hatte sich als echter Fehlgriff erwiesen. Allein bei der Erinnerung an den neuerlichen Reinfall kniff Flo die Augen vor Scham noch fester zu. Sie hatte allen Männern abgeschworen, und so war es lange her gewesen, dass sie mit jemandem ausgegangen war.

Nicht dass sie und Hazin wirklich ausgegangen wären. Es war nicht einmal ein Date gewesen.

Langsam schlug sie die Augen auf. Der Blick auf das herbstliche London war noch genauso überwältigend wie am Abend vorher. Big Ben teilte ihr mit, dass es kurz nach acht war. Von der hochgelegenen Präsidentensuite sah das Londoner Panorama aus wie ein Schwarz-Weiß-Foto – bis auf den Regen, der gegen die bodentiefen Fenster trommelte.

Flo wusste, dass sie dieses Mal zu hoch gepokert hatte, denn Scheich Hazin al-Razim, Prinz von Zayrinia, war nicht mit Empfehlungsschreiben ausgestattet, sondern mit Warnhinweisen. Seinen Titel kannte sie nicht etwa, weil er ihn ihr verraten hatte, sondern wegen ihrer Freundin.

Na ja, eigentlich hatte sie schon gewusst, wer er war, bevor Maggie etwas mit seinem Bruder angefangen hatte. Das Internet war voll von Skandalbildern mit Hazin. Sein attraktives Gesicht und sein nackter Oberkörper an irgendeinem Strand waren regelmäßig in den Klatschblättern zu sehen, die Mütter auf der Entbindungsstation lasen, auf der Flo als Hebamme arbeitete. Sein Ruf war verheerend. Hazin war vollkommen unverbesserlich, durch und durch hemmungslos. Trotzdem beteten die Menschen ihn an.

Und in der vergangenen Nacht hatte er sich als der fantastischste Liebhaber ihres Lebens erwiesen.

Er musste wieder eingeschlafen sein, denn sein Arm lag jetzt schwer auf ihrem Bauch, und sein Atem ging gleichmäßig. Das verschaffte ihr eine kleine Pause. Wie lange der Frieden andauern würde, wusste sie allerdings nicht.

Sollte sie ihm sagen, dass sie wusste, wer er war, und ihr Treffen nicht zufällig erfolgt war? Würden sie sich überhaupt unterhalten, wenn es zwischen ihnen außer Sex doch nichts gegeben hatte? Wie war sie nur in diesen Schlamassel geraten? Flo hatte doch nur ihrer Freundin helfen wollen!

Eigentlich hatte Flo nicht vorgehabt, abends auszugehen. Maggie hatte ihr eine Nachricht geschrieben und sie gebeten, in das Café zu kommen, in dem sie arbeitete. Flos Freundin hatte gerade eine Weltreise als Backpackerin hinter sich und ein Souvenir mitgebracht: Sie war im sechsten Monat schwanger. Von niemand Geringerem als Scheich Ilyas al-Razim, Kronprinz von Zayrinia.

„Ich muss es ihm sagen“, erklärte Maggie beim Mittagessen. „Ich weiß nur nicht, wie.“

Flo war sich persönlich nicht sicher, dass Maggie den Vater wirklich informieren musste. Natürlich war sie prinzipiell dafür, dass beide Elternteile Verantwortung für ein Kind übernahmen. Aber der Vater von Maggies Baby war ein zukünftiger König!

Das Kind sollte kurz nach Weihnachten zur Welt kommen, und Maggie wusste seit einigen Tagen, dass sie einen Sohn erwartete. Flo überlegte, was dieser Umstand wohl für die gesamte Situation bedeuten mochte. Aber es war nicht an ihr, Entscheidungen zu treffen, und so erzählte sie Maggie, was sie wusste.

„Sein Bruder ist heute Abend im Dion’s.“

„Woher weißt du das?“

„Weil er jeden Freitag dorthin geht. Hazin ist der Grund, warum die Bar auf einmal so beliebt ist.“

Das Dion’s gehörte zu einem überaus vornehmen Hotel und war früher ein ruhiger Ort gewesen, an dem man sich vor dem Theaterbesuch zum Essen und Trinken traf. Es war eine altmodische Bar im Stil der fünfziger Jahre, die plötzlich sehr in Mode gekommen war und vor der die Menschen Schlange standen, um hineinzugelangen.

„Du könntest heute Abend hingehen und Hazin sagen, dass du mit seinem Bruder sprechen musst.“

„Einfach hineinspazieren und ihm auf die Schulter tippen?“ Maggie verdrehte die Augen.

„Unterhalte dich mit ihm.“ Flo zuckte die Achseln. „Flirte ein bisschen …“

„Ich bin im sechsten Monat schwanger. Von seinem Bruder!“

„Ah, ich weiß, was du meinst.“

„Und ich bezweifle, dass Hazin besonders erfreut wäre, mich zu sehen. Ich habe ihm richtig Ärger gemacht. Bestimmt glaubt er, dass ich in den Plan, ihm eine Falle zu stellen, verwickelt war.“

Ohne dass sie es wusste, hatte man Maggie benutzt, um Hazin hereinzulegen und den Palast zu erpressen. So war sie in seiner Kabine an Bord der königlichen Jacht gelandet, in der man Kameras versteckt hatte. Doch wer auch immer davon ausgegangen war, Maggie würde ihr Bikinioberteil vor Hazin fallen lassen, kannte sie nicht. Sie und Hazin hatten sich nur unterhalten. Was der Palast zum damaligen Zeitpunkt nicht gewusst hatte.

Ilyas hatte Maggie entführt, um herauszufinden, was auf der Jacht passiert war. Ja, entführt, wie Flo ihrer Freundin ins Gedächtnis rief. „Was meiner Meinung nach bedeutet, dass du ihm gegenüber zu gar nichts verpflichtet bist.“

„Ich möchte es ihm aber sagen, Flo. Ich weiß, dass du nach meinen Erzählungen einen schrecklichen Eindruck von ihm haben musst, aber Ilyas war wirklich lieb zu mir.“

Das musste er wohl gewesen sein, denn Maggie vertraute nur wenigen Menschen. Flo dachte kurz nach. Sie wollte nicht ins Dion’s, denn dort hatte sie ihren Ex-Freund kennengelernt, und er ging manchmal noch dorthin. Davon allerdings wusste Maggie nichts. Seit sie aus Zayrinia zurück war, hatte sie genug eigene Sorgen, da wollte Flo sie nicht noch mit ihren Problemen belasten. Auch wenn das nicht der einzige Grund war.

Maggie und Flo standen sich sehr nahe, und normalerweise hätte sie ihr alles erzählt, aber die Trennung letztes Jahr zu Weihnachten, als Maggie gerade auf Weltreise gewesen war, hatte Flo zutiefst verletzt. Sie schämte sich noch immer ganz furchtbar dafür. Nein, heute wollte sie definitiv nicht ins Dion’s. Genau genommen war Flo seit dem letzten Weihnachtsfest nicht mehr ausgegangen.

Und Weihnachten dieses Jahres sollte Maggies Kind zur Welt kommen.

Flo sah ihre Freundin an, die keinerlei Familie hatte, schwanger war und Angst hatte. Sie setzte ein Lächeln auf. Das konnte sie sehr gut, genau wie ihre Gedanken für sich behalten. „Ich könnte nach meiner Schicht mit dir ins Dion’s gehen.“

Und so wurde es beschlossen.

„Ich muss los.“ Flo sah auf die Uhr. „Sonst komme ich zu spät.“

Sie verspätete sich oft, wenn auch nicht im Job. Es war eher andersherum – sie arbeitete häufig länger und verspätete sich im Privatleben. Sie hatte herausgefunden, dass Männer das gar nicht mochten. Jedenfalls die nicht, die sie kennenlernte.

Ihre Schicht war gut gewesen. Sie arbeitete als Hebamme im Primary Hospital in London. Es war ein modernes, geschäftiges Krankenhaus, doch so sehr Flo es auch liebte, wünschte sie sich, mehr Zeit für die einzelnen Frauen zu haben.

Eigentlich hatte sie im Kreißsaal arbeiten sollen, doch dann war sie für die Station eingeteilt worden. Dort lag auch eine Frau, die gestern ihr Kind bekommen hatte. Es war eine schwierige Geburt gewesen, die mit einem Notkaiserschnitt geendet hatte. Und jetzt, am Ende ihrer Schicht, besuchte Flo die Frau und ihre kleine Tochter. Sie unterhielten sich, bis es an der Tür klopfte und Flos Vorgesetzte eintrat.

„Flo, es ist Zeit für die Übergabe.“

Es war erst kurz nach neun, und zum ersten Mal seit Langem schien es, als könnte Flo pünktlich gehen. Und das tat sie auch.

Sie eilte nach Hause und duschte kurz. Sie war es gewohnt, sich innerhalb kürzester Zeit zum Ausgehen fertig zu machen. Wenigstens früher einmal, als sie sich noch verabredet hatte.

Nicht alle Männer waren schlecht – das war ihr bewusst. Ihre Eltern hatten gerade ihren dreißigsten Hochzeitstag gefeiert, und auch ihre Schwestern und Brüder waren glücklich verheiratet. Auf der Entbindungsstation begegnete sie zudem regelmäßig Männern, die ihre Partnerinnen liebevoll unterstützten, und sie arbeitete außerdem in einem tollen Team. Ja, sie wusste, dass es gute Männer gab. Aber Flo hatte auch die anderen kennengelernt.

Sie schlüpfte in ein durchschimmerndes, graues Kleid und zog High Heels an. Die Haare steckte sie hoch. Dann schminkte sie sich die Augen und trug einen dezenten Lippenstift auf. Doch als sie gerade Ohrringe aussuchen wollte, hielt sie mit der Hand über der Schmuckschatulle inne.

Die Schatulle war das Sinnbild ihres katastrophalen Liebeslebens. Flo wusste, dass sie zu leicht auf Glitzerkram hereinfiel. Sie hatte geglaubt, dass teure Geschenke auch tiefer gehende Gefühle bedeuteten. Heute wusste sie, wie sehr sie sich geirrt hatte. Und so verzichtete sie auf Schmuck und lief zur U-Bahn. Unterwegs schrieb sie Maggie eine kurze Nachricht.

Zehn Minuten.

Es würden eher zwanzig werden, aber Flo wusste, dass Maggie schrecklich nervös sein und jeden Vorwand nutzen würde, um einfach zu gehen. Die Situation, in der Maggie sich befand, machte Flo große Sorgen. Maggie war im Heim aufgewachsen und hatte keine Familie, bei der sie Rat suchen konnte. Als Hebamme hatte Flo Erfahrung mit alleinstehenden Müttern, die ganz allein mit allen möglichen Schwierigkeiten fertigwerden mussten. Allerdings hatte sie keine besondere Ausbildung darin, was man einer Frau riet, die von einem künftigen König schwanger war.

Himmel! Sie rannte die Rolltreppe hoch und verließ die U-Bahn-Station. Auf der Straße angelangt, war sie leicht außer Atem.

Als sie die Schlange vor der Bar sah, fragte sie sich, ob sie heute überhaupt hineingelangen würde. Sie wusste, wie exklusiv es dort zuging.

„Flo!“

Marcus, der Türsteher, rief ihren Namen. Auf dem Weg zu ihm setzte sie ihr gewinnendstes Lächeln auf, erfreut darüber, dass er sich an sie erinnerte. „Ich warte noch auf eine Freundin.“

„Na ja, könnte sein, dass du sehr lange wartest, wenn du nicht jetzt reingehst. Ich muss gleich drinnen die Security machen, dann steht hier jemand anderes.“

Flo sah sich um, doch Maggie war nirgends zu sehen.

„Hinterlasse den Namen deiner Freundin doch an der Rezeption.“ Marcus hob die Samtkordel hoch und ließ Flo eintreten. „Du musst dein Handy abgeben“, warnte er sie. „Schreibe ihr lieber jetzt.“

„Wieso muss ich mein Telefon abgeben?“

„Befehl von ganz oben.“

Aha, also musste Hazin hier sein. Sie nahm an, dass seine Eskapaden einmal zu oft fotografiert worden waren und das Management keinen weiteren Ärger bekommen wollte. Flo schrieb Maggie eine kurze Nachricht, hinterließ deren Namen an der Rezeption und begab sich ins Innere der Bar.

Die Einrichtung war wunderschön. Es gab diskrete Nischen, in denen die Gäste zu Abend aßen, einen Tresen aus glänzendem Walnussholz und vereinzelte Tische, an denen die Gäste Cocktails und andere Getränke zu sich nehmen konnten. Und es wimmelte von reichen, schönen Menschen.

Früher hatte Flo sich davon beeindrucken lassen. Heute vermittelte es ihr nur noch ein schales Gefühl. Damals hatte sie sich von dieser Welt leicht in den Bann ziehen lassen und in ihrer Unschuld geglaubt, die Männer wollten sie tatsächlich kennenlernen, dabei hatten sie nur erwartet, dass Flo sich still an ihrer Seite hielt und nicht zu viele Fragen stellte.

Ja, es hatte sie verletzt. Sehr sogar.

Sie vertrieb diese Gedanken und bahnte sich einen Weg zur Bar. Ein Pärchen sah aus, als würde es von seinem Tisch aufstehen, und kurz war Flo hin- und hergerissen, ob sie den Tisch übernehmen oder erst etwas zu trinken bestellen sollte.

Dann sah sie ihn. Scheich Prinz Hazin al-Razim.

Er trug einen Anzug, der genauso schwarz und gut geschnitten war wie sein Haar. Er hatte die Krawatte gelockert und sah so umwerfend gut aus, dass Flo wie angewurzelt stehen blieb.

Wie zu Teufel soll man so jemanden lässig ansprechen, dachte sie, während sie sich an ihren Tipp für Maggie erinnerte. Mit diesem Mann hatte Maggie also zwei Stunden in einer Schiffskabine verbracht? Wäre Flo mit ihm allein auf einer Jacht gewesen, hätten sie sich nicht nur unterhalten …

Hazin war absolut atemberaubend.

Er hatte sein Telefon natürlich nicht abgeben müssen. Gerade warf er einen Blick darauf, und Flo wusste, dass er sich zum Gehen bereit machte.

Hazin wollte hier weg.

Eigentlich war er vor einer Stunde hier mit seinem älteren Bruder verabredet gewesen. Worauf er sich nicht unbedingt gefreut hatte, denn er hatte keine Lust auf einen weiteren Vortrag zu seinem Lebensstil. Aber Ilyas hatte auf einem Treffen bestanden. Und sich dann nicht einmal die Mühe gemacht, in der Bar aufzutauchen.

Sie standen sich nicht besonders nahe. Genau genommen waren sie dank ihrer Erziehung sogar wie Fremde. Schon im Kindesalter waren sie getrennt worden, und als Hazin noch ein kleiner Junge gewesen war, hatte man ihn auf eine Schule in London geschickt.

In ihrer Beziehung trug Hazin den Anzug und Ilyas den Hermelinumhang. Denn Ilyas würde eines Tages der König sein.

Aus diesem Titel machte Hazin sich nichts, und er tat alles, um nicht nach Hause zurückkehren zu müssen, denn dort gab es kein warmes Willkommen, sondern nur die ewig gleichen Vorwürfe wegen seines Verhaltens. Außerdem hasste er, wie sein Vater das Land regierte, denn als König war er genauso wie als Vater – ohne jede Empathie, dafür aber voller Verachtung für all jene, für die er die Verantwortung trug.

In Hazins Augen war Ilyas genauso distanziert und kalt wie sein Vater. Auch hatte Ilyas ihm keine Nachricht geschickt, die seine Verspätung erklärt hätte. Hazin nahm den Blick vom Telefon und ließ ihn durch den Raum schweifen. Er hatte genug vom Dion’s und den hohlen, angemalten Menschen dort.

Doch dann sah er sie.

Oder vielmehr hörte er den Barkeeper über etwas lachen, das sie gesagt hatte, und sah genauer hin. Sie hatte einen Wein und ein Mineralwasser bestellt und sah sich um, während sie auf ihre Getränke wartete.

Bis ihr Blick aus kobaltblauen Augen ihn traf.

„Hi“, sagte sie.

Er nickte leicht. Ihre Forschheit sagte ihm nicht besonders zu. Sie sah umwerfend aus, das ja, aber Hazin war es leid, von fremden Frauen angemacht zu werden. Es passierte zu oft und hatte seinen Reiz schon lange eingebüßt.

Jetzt sagte sie: „Ich warte auf eine Freundin.“

Da es ihn nichts anging, schwieg er.

„Sie hat sich verspätet“, fügte sie hinzu.

Hazin lächelte schmal. „Und ich gehe gerade.“

Er hatte keine Lust, ihr Gesellschaft zu leisten. Auch nicht darauf, nur wegen seines royalen Titels angesprochen zu werden oder auf den bedeutungslosen Sex, der anschließend folgen würde. Dieser Tage musste er sie sogar zuerst nach Handys abtasten.

Dann aber sah er, wie sie ein Gähnen unterdrückte. Keine Reaktion auf ihn, wie Hazin sie gewohnt war. Üblicherweise hingen die Frauen an seinen Lippen.

„Entschuldigung“, sagte sie. „Ich komme gerade von der Arbeit …“

„Was machst du denn?“

„Ich bin Hebamme.“

Er musste so entsetzt ausgesehen haben, dass sie lachte.

Langsam wurde Hazin neugierig. „Ich habe dich hier noch nie gesehen.“ Denn daran würde er sich erinnern. Weil sie nicht nur attraktiv war, sondern auch lebhaft und anders als die anderen Menschen hier.

„Früher war ich oft hier, doch das habe ich mir abgewöhnt.“ Sie nahm einen Schluck Wein.

„Warum?“

„Verrate ich nicht“, erwiderte sie lächelnd.

Beeil dich, Maggie, dachte Flo, denn Hazin war göttlich.

Jetzt, da er sich mit ihr unterhielt, konnte sie ihn sich genauer ansehen. Er hatte rauchblaue Augen und karamellfarbene Haut. Sein schön geschwungener Mund musste dringend geküsst werden.

Ich hätte öfter ausgehen sollen, dachte Flo. Sie fühlte sich wie eine Klosterschülerin auf Freigang.

„Möchtest du dich an einen Tisch setzen?“, fragte er höflich.

Das wäre eigentlich perfekt, dachte sie. Denn das hieße, dass er nicht gehen würde und Maggie sie wie zwei vernünftige Erwachsene bei einem Gespräch vorfinden würde. Dabei wollte Flo gar nicht vernünftig sein. Zwischen ihnen funkte es gerade gewaltig, und stärker, als sie es jemals erlebt hatte.

„Ich bezweifle, dass einer frei ist.“

Er wandte sich ab und sprach mit dem Barkeeper. „Erledigt.“

Doch sie bekamen keinen Tisch. Hazin und sein Glas Wasser waren eine ganze samtverzierte Nische wert. Und er selbst war so breitschultrig, dass die Menge vor ihm sich wie das Rote Meer teilte.

„Nach dir“, sagte er. Sie ließ sich auf der mit Samt bezogenen Bank nieder und atmete erleichtert auf, als er sich ihr gegenüber statt neben sie setzte. „Ich heiße Hazin.“

Ihr fiel auf, dass er keinen Titel nannte. Aber den brauchte dieser Mann auch nicht, der ihr die Knie dermaßen weich werden ließ.

Wenn sie schon länger nicht im Dion’s gewesen war, wusste sie vielleicht nicht, wer er war. Eine erfrischende Vorstellung, einen Abend einmal ohne diese drückende Last auszukommen, fand Hazin.

„Und du?“

„Flo. Florence.“

„Wie diese alte Krankenschwester?“

„Florence Nightingale? Na ja, zu ihrer Zeit war sie nicht unbedingt alt“, korrigierte sie ihn. „Aber vielleicht wolltest du ja sagen: ‚diese Krankenschwester aus alten Zeiten‘.“

„Stimmt.“

Sie lächelte.

Hazin verfügte über eine gute Schulbildung, aber Englisch war eine Zweitsprache für ihn, und manchmal machte er Fehler. Aber egal, die Feinheiten einer Fremdsprache rückten in Gegenwart einer solchen Schönheit eindeutig in den Hintergrund. Ihm gefiel die Art, wie sie ihn mit einem Lächeln im Gesicht berichtigt hatte, denn er war in einem Umfeld aufgewachsen, in dem etwas anderes als Perfektion nicht toleriert wurde.

Ja, er war wild, aber ob es um einen Rechtschreibfehler auf der Geburtstagskarte für seinen Vater ging, eine heiße Affäre oder um seinen Status als Zweitgeborener, das Urteil war immer dasselbe: nicht gut genug.

Und so versuchte er überhaupt nicht mehr, sich Mühe zu geben, sondern enttäuschte mit Wonne jeden. Seine Sünden würden ihm ohnehin nie vergeben werden, weshalb Hazin schon vor langer Zeit aufgehört hatte, für sie um Entschuldigung zu bitten. Einen Unterschied hatte das nie gemacht. Jetzt aber wollte er mehr über Flo erfahren.

„Wieso hast du aufgehört, hierherzukommen?“

„Weil die Leute hier furchtbar oberflächlich sind.“

„Das stimmt.“

„Und mein Ex-Freund ist hier Stammgast.“

„Hattest du gehofft, ihn zu treffen?“

„Um Himmels willen, nein! Ich meide nicht nur das Dion’s, sondern gehe insgesamt nicht mehr wirklich aus.“

„Wie lange schon?“

„Das ganze letzte Jahr.“

„Warum?“

„Ich will mit Männern nichts mehr zu tun haben.“

Er sah Flo an und fragte sich, was wohl passiert war, dass eine solche Schönheit sich versteckte. „Und wieso?“

„Darüber möchte ich nicht sprechen. Das tue ich nie.“

„Heißt das, du willst mit gar keinem Mann mehr zu tun haben?“

Sie zögerte und sah ihn an. Dann sagte sie: „Ich glaube schon.“

„Ist das nicht ein bisschen extrem? Sich so zu verstecken …“

„Vielleicht. Vermutlich schon.“

„Möchtest du noch etwas trinken?“, fragte er.

„Nein.“ Sie sah auf sein leeres Glas. „Aber soll ich dir einen Drink besorgen?“

„Ich trinke keinen Alkohol. Ich kann das Wasser deiner Freundin trinken. Sieht nicht aus, als würde sie noch auftauchen.“

Sie schaute sich in der Bar um und wirkte verunsichert. Plötzlich erblasste sie.

„Alles in Ordnung?“ Normalerweise ließ Hazins Publikum sich nicht von ihm ablenken.

„Mein Ex ist hier.“

Als sie noch bleicher wurde, erkannte er, dass der Mann, der sich ihrem Tisch näherte, ihr furchtbar wehgetan haben musste. Und er wusste auch, warum. Hazin kam regelmäßig hierher und hatte beobachtet, wie dieser Mistkerl an einem Abend eine Frau abschleppte und am nächsten mit seiner Gattin zum Essen hierherkam.

Hazin mochte selber ein wildes Leben führen, doch er war einmal verheiratet gewesen und hatte sein Ehegelübde sehr ernst genommen. Und als er Flos angstvollem Schweigen jetzt entnahm, dass sie nicht in der Lage war, sich ihrem Ex zu stellen, übernahm er diese Aufgabe mehr als gern.

„Flo ist beschäftigt“, erklärte er unwirsch. „Lassen Sie uns bitte allein.“

„Warten Sie mal …“, setzte der Mann an, doch da erhob Hazin sich.

„Ich habe Sie höflich gebeten.“ Hazin hatte große Lust auf einen Kampf, machte aber dann doch mit einer Kopfbewegung Marcus, den Security-Mann, auf sich aufmerksam.

„Ich möchte mit Flo sprechen“, beharrte Flos Ex.

„Das werden Sie aber nicht. Weil Sie von jetzt an Hausverbot im Dion’s haben.“

Unter lautem Protest wurde Flos Ex-Freund von Marcus hinausgeführt, und Hazin setzte sich wieder. „Der wird dir keinen Ärger mehr machen. Jedenfalls nicht, wenn du hier bist.“

Der dunkle Schatten war aus dem Raum verschwunden. Flo hatte das Gefühl, dass hier soeben eine Art Vergeltung vorgenommen worden war. Sie betrachtete Hazin, ohne den Versuch, es zu verbergen.

Er tat dasselbe mit ihr. Sie war es gewöhnt, dass Männer ihren ganzen Körper begutachteten, er jedoch wandte seine Augen nicht von ihrem Gesicht ab. Trotzdem war der Blick nicht jugendfrei. Seine Augen folgten dem Schwung ihrer Lippen so gründlich, dass sie Mühe hatte, nicht mit der Zunge darüber zu fahren. Es fühlte sich an, als würde er jede ihrer Wimpern einzeln in Augenschein nehmen. Innerlich betete sie, dass er ihrem Blick endlich direkt begegnete. Als er es tat, traf Feuer auf Feuer.

Sie stellte sich seine Knie unter dem Tisch vor, links und rechts von ihren, spürte deren Wärme und sehnte sich nach seiner Berührung.

„Ich glaube, ich sollte jetzt gehen“, brachte sie hervor, denn Maggie würde sicher nicht mehr auftauchen.

„Ich kann kein Wort verstehen.“

Lügner, dachte sie und sah ihm in die Augen. Hier in der Nische konnte man die Musik aus der Bar kaum hören. Sie hätte ihre Worte ein bisschen lauter wiederholen können, ihre Handtasche nehmen und gehen. Oder sie beugte sich zu seinen unwiderstehlichen Lippen vor und sagte es noch einmal leise. Oder sie machte etwas Kompliziertes ganz einfach.

Sie entschied sich für Letzteres. „Dann setz dich zu mir.“

Nein, sie wollte kein weiteres Getränk oder ein Gespräch. Sie wollte Hazin küssen.

2. KAPITEL

Es war, als würde in einem Flugzeug plötzlich der Druck abfallen. Noch bevor Hazin neben ihr Platz genommen hatte, griff Flo nach seiner Krawatte und zog ihn zu sich. Die Anziehungskraft zwischen ihnen war so unmittelbar und groß, dass der erste Körperkontakt eine echte Erleichterung war. Hazin senkte den Kopf und bedeckte ihren Mund mit seinen warmen Lippen. Weich und sinnlich küsste er sie, während er sich neben sie auf die Bank setzte.

Einen solchen Kuss hatte Flo noch nie erlebt. Er sandte ein Beben nach dem anderen durch sie hindurch. Die Erleichterung währte nur kurz, denn sie musste unbedingt seine Zunge spüren. Doch Hazin ließ sie warten. Er hielt sie an den Oberarmen fest, obwohl sie nichts mehr wollte, als sich an ihn zu schmiegen. Noch immer verweigerte er ihr seine Zunge, es gab nur die Berührung seiner Lippen und atemloses Verlangen hinter dem, was von außen wie ein züchtiger Kuss aussehen musste. Dann löste er sich von ihr, und sie spürte seine raue Wange an ihrem Ohr. Sein Atem war warm, als er leise sagte: „Ich will dich so sehr.“

Seine Stimme klang so lustvoll, als würden sie schon Sex haben. Ihr Unterleib reagierte entsprechend, und um ihre Willenskraft war es geschehen. Flo schloss die Augen und betete um einen Funken Vernunft. Vergeblich.

„Geh mit mir ins Bett“, sagte sie stattdessen.

Sobald wir draußen an der frischen Luft sind, werde ich wieder über gesunden Menschenverstand verfügen, redete sie sich ein, als sie aufstanden.

Er nahm ihre Hand und führte sie durch die Bar. Aber nicht nach draußen. Nicht an die frische Luft. Es gab kein Taxi, in dem sie wieder zu sich kommen könnte. Sie standen in einem Aufzug.

Er drückte auf einen Knopf und begann, mit einem Finger ihre Brustspitzen zu streicheln. Gebannt sah sie ihm dabei zu. War es ihr selbst auferlegter Männerentzug, der dafür sorgte, dass sie jetzt so erregt war? Nein, bestimmt nicht, denn so hatte sie sich noch nie im Leben gefühlt. So sehr hatte sie noch nie jemand angeturnt. Als er seine Hand wegzog, nahm sie sie und küsste sie voller Hingabe. Er stöhnte und sagte etwas auf Arabisch.

Als die Aufzugtür sich öffnete, ließ Flo seine Hand los. Einen Moment lang standen sie sich stumm gegenüber. Sie brauchte dringend seinen Mund. Doch er lächelte sie nur an, drehte sich langsam um und ging den langen Flur entlang, als hätte er alle Zeit der Welt.

Für ein Hotel gibt es hier auffällig wenige Türen, dachte Flo benommen. Als sie schließlich doch eine erreichten, öffnete er sie.

Nachdem sie eingetreten waren, erkannte Flo, dass seine Suite die ganze Etage einnahm – deshalb nur eine Tür. Vor ihnen glitzerten die Lichter von London in einer regnerischen Nacht. Flo konnte die Houses of Parliament sehen und Big Ben, dessen Uhr Mitternacht anzeigte. Doch die Wahrzeichen dieser Stadt, die sie so liebte und die ihr so vertraut waren, hatten sich für sie verändert: Wie sollte sie sie jemals wieder ansehen, ohne daran zu denken, wie Hazin jetzt von hinten an sie herantrat?

Er öffnete den Reißverschluss ihres Kleides, und es glitt zu Boden. Sie drehte den Kopf zu ihm um, denn sie sehnte sich nach seiner Berührung, glaubte aber, leise Zweifel auf seiner Seite zu spüren. „Küss mich“, sagte sie.

„Natürlich.“

Doch noch immer verweigerte er ihr seinen Mund, küsste stattdessen ihre Schulter, während er ihr den BH auszog.

„Hazin …“

„Meintest du, ich soll dich hier küssen?“ Er stellte sich vor sie, um ihre Brüste mit den Lippen zu verwöhnen, zärtlich, langsam und lustvoll. Sie erkannte, dass er die Zweifel absichtlich gesät hatte. Jetzt fühlte es sich unwiderstehlich an, als er ihren flachen Bauch küsste.

Er zog ihr das Höschen aus und küsste ihre Waden, während er ihr die High Heels von den Füßen streifte. „Setz dich“, wies er sie an.

„Wohin?“

„Wo du willst.“

Blinzelnd vor Verwirrung sah Flo sich in ihrer luxuriösen Umgebung um. Sie konnte sich nicht entscheiden. Während er noch immer angezogen war, stand sie nackt vor ihm und zitterte vor Erregung.

„Wie wäre es damit?“ Er zeigte auf einen der Holzstühle mit hoher Rückenlehne an dem großen, polierten Esstisch.

„Sieht nicht besonders bequem aus.“

„Arme Flo“, kommentierte er, während er einen Stuhl herbeiholte.

Das Holz war kalt und hart unter ihrem Po, und sie war sich noch nicht sicher, ob dieses Spiel ihr gefiel, doch sie machte willig mit. Denn noch immer war Hazim vollständig gekleidet – er hatte nicht einmal das Jackett ausgezogen, nur seine Krawatte hatte er noch weiter gelockert.

Er kniete sich vor sie und spreizte ihre Beine.

„Hazin …“ Flo war das alles ein bisschen zu technisch. Sie wollte keine Blumen, aber Himmel, ein Kuss wäre schon schön gewesen.

Und dann küsste er sie.

Aber … dort. Und wenn er das tat, konnte er gern so technisch sein, wie er wollte. Er nahm ihre Beine und legte sie auf seine Schultern, sodass sie weiter vorn auf der Stuhlkante zu sitzen kam. Seine Zunge war beharrlich, und Hazin stöhnte vor Lust. Es war so intensiv, dass Flo gegen Tränen ankämpfen musste. Ihre Oberschenkel zitterten, doch Hazin hielt sie fest. Sie ließ den Stuhl los und grub die Finger in seine Haare. Die Bewegungen seiner Zunge wurden schneller, und sie versuchte, den Po anzuheben, als sie sich dem Gipfel der Lust näherte, doch er hielt sie dort, wo sie war, bis sie zu unfassbarer Ekstase fand.

Dann stand er auf, hob sie in die Arme und tat das, worum sie ihn gebeten hatte. Er ging mit ihr ins Bett. Aber bevor er sich zu ihr legte, sah sie zu, wie er sich auszog. Er schlüpfte aus den Schuhen und aus der Hose.

Sie wollte seine muskulösen Arme unter dem weißen Hemd spüren, doch diesen Genuss verweigerte er ihr. Atemlos sah sie ihn an. Liebe Güte, er war so einzigartig! Schlank und groß und absolut ungeniert. Er lächelte sie an. Es war ein selbstbewusstes Lächeln, und sie erwiderte es, denn sie beide genossen, was sie sahen.

Er nahm ein Kondom aus dem Nachttisch. Sie griff danach, doch er stupste ihre Hand fort. Wieder konnte sie ihm nur zusehen. Als er zu ihr ins Bett kam, brannte sie lichterloh. Und dann endlich, endlich, küsste er sie.

Er drehte Flo auf den Rücken und gab ihr alles, was er ihr bisher verweigert hatte. Seine Zunge war forschend, sein Mund ungeduldig und rau. Endlich konnte sie seine athletischen Arme berühren und seine Haut, die sich wie Satin anfühlte. Sie vereinten sich, und sie schrie leise auf, denn er war kein zurückhaltender Liebhaber. Aber seine beherrschte Kraft war genau die richtige Art Härte, und er schien instinktiv zu wissen, was sie sich wünschte. Obwohl er Arabisch sprach, glaubte sie, jedes Wort verstehen zu können. Denn zusammen waren sie unaufhaltsam und unglaublich gut.

„Hazin“, flehte sie. Sie konnte nicht mehr. Und dann, als es fast vorbei war, erwiderte er ihren Kuss zärtlich und langsam. Mit all der Romantik, die sie beide geleugnet hatten. Es war, als würde Flo im falschen Traum aufwachen, denn es fühlte sich beinahe angsteinflößend an, ihn sowohl so zärtlich als auch so ungeduldig und leidenschaftlich zu erleben. Und ihm eine andere Seite ihrer selbst zu zeigen.

Als Flo die Augen aufschlug, begegneten sich ihre Blicke, und einen Moment lang herrschte zwischen ihnen absolute Verbundenheit. Sie lockerte die Beine, die sie um ihn geschlossen hatte, und er bewegte sich langsam in ihr. So liebevoll und intim, dass sie seinen Hals küsste und daran saugte, seine salzige Haut schmeckte, während er sie in eine Sphäre führte, in der sie noch nie gewesen war. Es war wie ein Neuanfang. Als hätte sie schließlich doch in den richtigen Traum gefunden. Hazin rief ihren Namen aus, und schließlich fanden sie beide Erlösung.

Sein Gewicht auf ihr fühlte sich absolut notwendig und vollkommen richtig an. Sie konnte einfach daliegen, ohne nachdenken zu müssen, und ihrer beider Befriedigung genießen. Es gab kein unbehagliches Schweigen, nur zarte Küsse und seine warme Umarmung.

„Ich bin froh, dass du heute hier bist“, sagte Hazin.

Und das war Flo auch.

Selbstverständlich erwachte Flo voller Reue. Bitte, flehte sie höhere Mächte an, macht diesen Fehler ungeschehen, und ich werde ein besserer Mensch.

Dann spürte sie seine Zunge und seinen warmen Atem im Nacken und die leichte Berührung seiner Finger auf ihrem Bauch. Das Geräusch, das entstand, als er eine Kondompackung aufriss, setzte sie in Brand. Morgen, schwor sie sich, als er anfing, sie zu lieben. Ab morgen würde sie sich bessern!

3. KAPITEL

Hazin kam frisch geduscht aus dem Badezimmer. „Möchtest du frühstücken?“

„Sehr gerne“, antwortete Flo.

Er griff nach dem Telefon am Bett und bestellte Frühstück für zwei Personen.

Sie wusste einfach nicht, wie sie ihm sagen sollte, dass sie wusste, wer er war, und wünschte, sie hätte es schon gestern hinter sich gebracht. Sie beobachtete ihn, während er sich abtrocknete. Auf der Brust und am Hals konnte man sehen, wo sie ihn gestern intensiv geküsst hatte. Seine Muskeln waren deutlich definiert, und er war erregt. Er sah sie an.

„Habe ich eine Stelle ausgelassen?“ Hazin hielt ihr das Handtuch hin. Sie wollte es nehmen, seine feucht glänzende Haut abtrocknen und sie mit ihrem Mund wieder zum Glänzen bringen. Sie waren sich in ihrem Verlangen und ihrer Leidenschaft so ähnlich, und sie hatte eine solche Lust auf ihn … aber erst mal musste sie einiges klären.

„Hazin“, setzte sie an, nahm ihm das Handtuch nicht ab und schluckte stattdessen nervös, während er sich unbeeindruckt weiter abtrocknete. „Als ich gestern ins Dion’s gegangen bin, hatte ich gehofft … Ich wusste, dass du da sein würdest.“

Er hielt in der Bewegung inne. „Und das heißt?“ Dann lachte er verächtlich auf. „Du weißt, wer ich bin.“

„Ja, aber …“

„Hast du mich fotografiert?“

„Hazin!“

„Oder willst du deine Story jetzt verkaufen?“

„Hör mir doch bitte zu …“

„Nein, du hörst mir zu!“ Er fing an, sich anzuziehen. „Mach, was du willst. Mir ist es egal.“

„Ich bin eine Freundin von Maggie.“

„Von wem?“

„Die Frau, die auf der Jacht war …“

„Die, die mich erpressen wollte?“

„Nein.“ Flo kniete sich auf das Bett, schüttelte den Kopf und zog die Decke um sich, um ihre Blöße zu bedecken. Denn plötzlich war alles anders. Verschwunden waren die Intimität, das Vertrauen, das Lachen.

„Hazin …“ Sie atmete tief durch, wusste aber nicht, was sie sagen sollte. Maggie musste einen Grund gehabt haben, gestern Abend nicht aufzutauchen. Vielleicht hatte sie es sich anders überlegt und wollte doch nicht, dass Ilyas erfuhr, dass sie von ihm schwanger war. Und jetzt war ganz sicher nicht der richtige Zeitpunkt, es Hazin zu sagen.

„Raus hier“, durchschnitt seine Stimme die Stille wie ein Peitschenhieb.

„Hazin, was letzte Nacht passiert ist, hatte nichts mit Maggie zu tun. Ich bin nicht in die Bar gegangen, um mit dir zu schlafen.“

Er sammelte ihre Kleidungsstücke ein, die er ihr gestern so lustvoll ausgezogen hatte, und warf sie aufs Bett. „Raus“, wiederholte er. Dann schien er es sich anders zu überlegen. „Nein. Ich gehe! Und ich möchte, dass du verschwunden bist, wenn ich wiederkomme. Falls nicht, rufe ich die Security.“

Er nahm Brieftasche und Telefon, schob die Schlüssel in die Hosentasche und drehte sich noch mal zu ihr um: „Aber warte wenigstens auf das Frühstück. Du hast es dir redlich verdient“, schnaubte er.

Draußen trat Hazin wütend gegen den Bordstein.

Es war ein grauer, kalter und nasser Tag. Unter der Dusche hatte er noch gedacht, dass es schön war, Flo da zu haben. Sie hatte ihn zum Lachen gebracht, und das schafften nur wenige. Und im Bett hatte er eine Verbundenheit mit ihr verspürt, wie er sie mit keinem anderen Menschen je erlebt hatte. Normalerweise lud er seine Bettgefährtinnen auch nicht zum Frühstück ein, um sie ja nicht dazu zu ermutigen, länger zu bleiben. Doch bei Flo war es anders gewesen.

Und dann dieser Verrat.

Sein Telefon klingelte zum wiederholten Mal. Flo konnte es nicht sein, denn sie hatten keine Nummern ausgetauscht. Er sah nach, wer es war.

Ilyas. Er war hartnäckig und Hazin genau in der richtigen Stimmung, sich mit ihm zu streiten. „Wo zum Teufel warst du gestern Abend?“, blaffte er statt einer Begrüßung ins Telefon.

„Wir müssen reden.“

„Wärst du aufgetaucht, hätten wir das gestern tun können.“

„Hazin, es ist wirklich wichtig.“

Sie trafen sich in einem Café und tranken starken Kaffee. Hazin spürte den Blick seines Bruders auf den Knutschfleck an seinem Hals, den Flo hinterlassen hatte. „Ich brauche keinen Vortrag von dir.“

„Ich bin auch nicht hier, um dir einen zu halten“, erwiderte Ilyas.

„Du musst mich auch nicht daran erinnern, dass ich die Jachten und Jets nicht mehr benutzen darf. Ich kann mir meine eigenen leisten.“

Hazin war schließlich nicht faul. Nach Petras Tod war er zurück nach England gegangen, um zu studieren, wie es immer sein Ziel gewesen war. Doch er hatte sich nicht auf sein Studium konzentrieren können und stattdessen angefangen, sich im Immobiliensektor umzusehen. Und es hatte funktioniert. Er brauchte keine royalen Privilegien, um zu überleben. Er war erst ohne sie richtig aufgeblüht. Ja, er hatte einen günstigen Start ins Leben gehabt, aber auch ein gutes Auge. Selbst wenn er als Bettler zur Welt gekommen wäre, hätte er es weit gebracht. Das wussten seine Eltern, und sie hassten es.

„Hazin“, sagte Ilyas, „ich habe dir bereits gesagt, dass ich nicht hier bin, um dir Vorträge zu halten. Ich muss dir etwas sehr Wichtiges sagen. Gestern habe ich im Beisein der Palastältesten mit Vater gesprochen und ihm gesagt, dass die Dinge sich ändern werden …“

„Das werden sie nicht. Nicht, solange er König ist.“

„Ich habe ihm mitgeteilt, dass ohne meine Zustimmung keine Beschlüsse mehr gefasst werden und dass die Macht auf mich übertragen wird.“

Jetzt sah Hazin auf. „Darauf wird er sich niemals einlassen.“

„Er musste einwilligen. Ich habe ihm klargemacht, dass ich mich andernfalls direkt an das Volk wenden würde. Hätte ich deine Unterstützung?“

„Die brauchst du doch gar nicht.“

„Ich hätte sie aber gerne.“

Hazin sah seinen Bruder an. Er war wie ein Fremder. Hazin wollte wirklich glauben, dass Veränderungen möglich wären, konnte es sich aber nicht vorstellen. Doch er vertraute instinktiv darauf, dass Ilyas ein guter König sein und die Dinge verbessern würde. Woher dieses Vertrauen stammte, konnte er allerdings nicht sagen, da sie sich kaum kannten.

„Du hast meine Unterstützung.“

„Ich möchte dich an meiner Seite haben.“

„Oh nein.“ Hazin schüttelte den Kopf. Er würde seinem Bruder helfen, aber bestimmt nicht nach Hause zurückkehren.

„Hazin, er hat so viel Schaden angerichtet! Wenn das alles wieder gerichtet werden soll, bedeutet es eine Menge Arbeit, um das Vertrauen der Menschen zu gewinnen. Deine Rückkehr nach Zayrinia würde Bände sprechen.“

„Du erwartest von mir, mein Leben auf den Kopf zu stellen, weil sich vielleicht etwas ändern könnte?“

„Es wird sich ändern! Und ich muss dir noch etwas sagen: Ich werde in zwei Wochen heiraten.“

„So viel zum Thema Veränderung.“ Hazin zuckte die Achseln und trank von seinem Kaffee. Ilyas hatte sich immer geweigert zu heiraten und behauptet, der Harem würde ihm mehr als genügen. „Du bist einfach vor ihm eingeknickt!“

Ilyas’ Weigerung zu heiraten hatte ihren Vater in Rage versetzt. Er hatte unbedingt eine Braut für seinen Sohn aussuchen und eine königliche Hochzeit feiern wollen.

Als er achtzehn gewesen war, hatte Hazin seinen Schulabschluss gemacht. Er hatte hart für die Prüfungen gearbeitet und herausragende Noten erzielt. Sein Vater hatte sie nicht einmal kommentiert. Anstatt in England zu studieren, wie es Hazins Traum gewesen war, hatte er endlich etwas gefunden, womit er seinen Vater, den König, beglücken konnte.

Es würde eine königliche Hochzeit geben. Nämlich Hazins. Als seine Braut war Petra ausgewählt worden, aber sie lernten sich erst am Tag der Vermählung kennen. Beide waren sie achtzehn Jahre alt gewesen, und Hazin erinnerte sich noch sehr genau daran, wie sie vor der jubelnden Menschenmenge auf dem Balkon standen und er sich fragte, was zum Teufel er eigentlich getan hatte.

Ilyas holte ihn in die Gegenwart zurück. „Erinnerst du dich an Maggie?“

Als er den Namen zum zweiten Mal am selben Tag hörte, furchte Hazin die Stirn. „Was ist mit ihr?“

„Ich habe sie gestern gebeten, meine Frau zu werden.“

Plötzlich fühlte Hazin sich, als wäre er ertappt worden. Dabei war zwischen Maggie und ihm nichts passiert. Ihm war eine Falle gestellt worden samt versteckten Kameras, die einen Skandal festhalten sollten.

Doch es gab keinen. Trotzdem hatte Hazin darum gebeten, dass der Palast die Geldforderung erfüllte, und zwar wegen des Gesprächs, das zwischen Maggie und ihm stattgefunden hatte. Glücklicherweise waren keine Mikrofone installiert worden, und nur Maggie wusste, was er gesagt hatte. Er war sehr offen gewesen – zu offen womöglich –, hatte sich aber sicher gefühlt, weil er davon ausgegangen war, dass sie sich nie wiedersehen würden.

Und jetzt würde sie seinen Bruder heiraten! Ob sie Ilyas erzählt hatte, was er gesagt hatte?

„Maggie ist schwanger“, ließ Ilyas ihn wissen. „Das Baby kommt in drei Monaten zur Welt.“

„Dann warst du die ganze Zeit, als du mir vorgeworfen hast, was Maggie und ich nie getan haben …“

„Hazin“, fiel Ilyas ihm ins Wort. „Ich habe Maggie in die Wüste bringen lassen, weil ich gedacht hatte, sie würde dich erpressen. Das hat sie aber nicht. Wir haben uns ineinander verliebt.“

Das brachte Hazin schließlich zum Schweigen, weil es etwas war, das er aus dem Mund seines Bruders nie zu hören erwartet hätte. Ilyas war ihm immer kalt und distanziert erschienen, doch jetzt saß er hier in diesem Café und erzählte Hazin, dass es im Palast Veränderungen geben würde und er sich verliebt hatte.

Und, ja, Maggie hatte verraten, worüber sie sich unterhalten hatten.

„Maggie hat mir erzählt, du hättest auf der Jacht gesagt, dass du hoffst, enterbt zu werden?“

„Sie hätte nichts davon weitergeben dürfen, da es in einem sehr privaten Gespräch geäußert wurde!“

„Es bleibt zwischen uns. Die Palastältesten werden nie davon erfahren. Außerdem habe ich es so verstanden, dass du an Petras Todestag keine Rede halten willst.“

„Maggie war aber in Plauderlaune“, schnaubte Hazin wütend. Er hatte das Gefühl, dass seine allerpersönlichsten Gedanken von einem Fremden begutachtet wurden.

„Ich musste es ihr förmlich aus der Nase ziehen. Und ich weiß, dass es schwer für dich sein muss“, versuchte Ilyas es. „Petra fehlt dir bestimmt und …“

Er wusste gar nichts! Dass Ilyas, der sonst immer so distanziert war, auf einmal Nähe aufbauen wollte, kam bei Hazin nicht gut an. „Wir reden nicht miteinander, Ilyas. Das haben wir nie getan, außer wenn du mir gesagt hast, dass ich mich mehr anstrengen soll. Du weißt überhaupt nichts über mein Leben. Und doch sitzt du zehn Jahre nach Petras Tod hier und tust so, als wüsstest du, wie ich empfinde?“ Hazin schüttelte den Kopf. „Zu spät.“

„Nein, ich möchte …“

„Du kannst möchten, so viel du willst. Aber ich habe keine Lust, nach Hause zurückzukehren. Schon gar nicht für eine Hochzeit.“

Die letzte Hochzeit, an der er teilgenommen hatte, war seine eigene gewesen.

Alle glaubten, dass er seit Petras Tod krank vor Trauer war und sich deshalb so wild aufführte. Sie kannten ihn nicht, und jetzt war es zu spät.

„Warum bist du zu unserer Verabredung gestern nicht gekommen?“, fragte er.

„Ich bin zu Maggie gefahren. Eigentlich war sie gerade auf dem Weg zu dir ins Dion’s, um dich zu bitten, mir zu sagen, dass ich mich bei ihr melden soll.“

Hazin presste die Finger an die Stirn und schloss die Augen. Jetzt begriff er, was geschehen war, und sah vor sich, wie er Flos Kleidung aufs Bett warf und sie förmlich aus dem Zimmer schmiss.

Er musste zurück ins Hotel und es ihr irgendwie erklären. Da blieb keine Zeit für seinen Bruder und dessen Versuche, sich näherzukommen.

„Viel Spaß bei der Hochzeit“, sagte er und stand auf.

Ilyas versuchte gar nicht erst, ihn zum Bleiben zu bewegen. Sie standen sich vielleicht nicht nahe, aber vermutlich wusste er, dass sein jüngerer Bruder Zeit brauchte, über alles nachzudenken. Und das würde Hazin auch tun. Jetzt aber musste er woandershin.

Er eilte zum Hotel zurück und nahm den Aufzug zu seiner Suite. Zu spät. Flo war nicht mehr da. Er hatte sich auch nicht wirklich vorstellen können, sie hier vorzufinden, wie sie sich über das Frühstück hermachte, das unberührt auf dem Esstisch stand.

Er ging ins Schlafzimmer. Das Handtuch lag noch immer dort, wo er es fallengelassen hatte, daneben ein zweites. Sie musste geduscht haben und dann gegangen sein. Er ging zurück zum Frühstückstisch und bekam ein schlechtes Gewissen, als er die Taschentücher am Fenster sah. Flo hatte geweint.

Hazin war es gewöhnt, sich in voller Absicht wie ein Mistkerl zu verhalten. Heute jedoch hatte er es aus Versehen getan.

4. KAPITEL

Wenn es je einen wirklich schmachvollen Abgang gegeben hatte, so war es dieser. Nicht nur trug Flo ganz offensichtlich noch ihr Ausgeh-Outfit von gestern Abend, sie musste auch zurück in die Bar, um ihr Handy abzuholen.

Als sie auf die Straße trat, regnete es. Natürlich.

Auf ihren hohen Absätzen machte sie sich auf den Weg zur U-Bahn. Was hatte sie sich gestern Abend nur gedacht? Gar nichts – sie hatte nur in diese rauchblauen Augen gesehen und vergessen, warum sie überhaupt im Dion’s war.

Wie sollte sie Maggie nur sagen, welchen Schlamassel sie angerichtet hatte? Und wo zum Teufel steckte Maggie überhaupt? Sie schaltete ihr Handy ein, las ihre Nachrichten und musste trotz ihrer Misere lächeln. Ilyas hatte Maggie einen Heiratsantrag gemacht. Und jetzt wollte sie, dass Flo direkt zu ihr kam!

Zuerst aber ging Flo nach Hause in ihre winzige Wohnung und zog sich um. Dann legte sie etwas Make-up auf, um die Rötung an ihrem Kinn zu überdecken. Ihre Lippen waren noch immer leicht geschwollen von Hazins leidenschaftlichen Küssen.

Am liebsten wäre sie wieder in Tränen ausgebrochen, doch das half auch nicht. Stattdessen machte sie sich auf den Weg zu ihrer Freundin. Unterwegs kaufte sie einen Strauß Blumen.

„Was ist passiert?“, fragte sie, als sie sich gegenübersaßen, und schob ihre eigene Frustration beiseite, um die wunderbaren Neuigkeiten mit ihrer Freundin zu feiern.

„Viel! Ich wollte gerade los, um mich mit dir zu treffen, als Ilyas plötzlich vor der Tür stand. Es tut mir so leid, dass ich dich versetzt habe …“

„Schon gut. Du bist entschuldigt. Was hat er zu der Schwangerschaft gesagt?“

„Er freut sich so!“ Doch dann veränderte sich Maggies Gesichtsausdruck. „Ich weiß allerdings nicht, wie die Menschen in Zayrinia oder seine Familie reagieren. Es passiert so viel dort, Flo. Ilyas setzt seinen Vater unter Druck.“

„Was heißt das denn?“

„Ilyas wird der wahre Entscheider im Hintergrund sein. Von jetzt an dürfen keine Beschlüsse mehr ohne seine Zustimmung gefasst werden. Wenn sein Vater nicht mitmacht, will Ilyas sich an das Volk wenden.“

„Und was bedeutet das für dich?“

„Ich bin mir nicht sicher. Ich weiß, dass im Volk große Unruhe herrscht, und die Unzufriedenheit im Palast ist groß. Ilyas wünscht sich Veränderungen. Er hat auch mit seinem Bruder gesprochen, um sich dessen Unterstützung zu sichern.“

Flo hielt den Atem an. Zwar glaubte sie nicht, dass Hazin als Erstes an sie denken würde, wenn er erfuhr, dass sein Bruder den König kaltstellen wollte. Und trotzdem hoffte sie im Stillen, dass Hazin begriff, dass sie nicht ins Dion’s gegangen war, um ihn zu verführen.

Aber Maggie war noch nicht fertig. „Nach dem Gespräch mit Hazin wollte Ilyas zurück nach Zayrinia. Nachdem ich seinen Heiratsantrag angenommen habe, darf ich ihn bis zur Hochzeit nicht mehr sehen.“

„Wann wollt ihr denn heiraten?“

„In zwei Wochen.“

„Du liebe Güte!“ Flo sah ihre Freundin an. Ihre nächste Frage war vielleicht dumm, aber sie musste sie trotzdem stellen. „Wirst du dann in Zayrinia leben?“

Maggie nickte. „Wir werden uns aber trotzdem oft sehen.“

Vielleicht, aber es würde nicht dasselbe sein. Flo sah sich in dem WG-Zimmer um, in das einzuziehen sie ihrer Freundin vor nicht allzu langer Zeit geholfen hatte. Sie freute sich für Maggie, doch der Gedanke an den räumlichen Abstand machte sie traurig. Maggie war ihr eher eine Schwester als eine Freundin. Fast jeden Tag besuchte Flo sie in dem Café, in dem sie arbeitete. Sie hatte eine ganze Schublade voller Dinge für Maggies Baby. Und jetzt zogen beide weg – in nur zwei Wochen!

„Du wirst mir fehlen“, gestand Flo.

„Dafür werde ich dir keine Gelegenheit geben. Aber Flo, ich habe solche Angst, dass alles schiefgeht. Was, wenn sein Vater Ilyas’ Wahl nicht gutheißt? Ilyas weiß, dass auf der Jacht zwischen Hazin und mir nichts passiert ist, aber was, wenn seine Eltern uns nicht glauben?“

„Das wird nicht passieren“, beruhigte Flo sie und beschloss, dass jetzt kaum der richtige Zeitpunkt war, Maggie zu erzählen, dass sie gerade die Nacht mit Hazin verbracht hatte. Vielleicht würde sie es nach der Hochzeit tun. Vielleicht aber auch nicht.

„Du kommst doch zur Hochzeit, oder?“

„Natürlich.“ Vor ihrem inneren Auge sah Flo den Dienstplan. Sie hatte darum gekämpft, Weihnachten drei Wochen Urlaub zu haben. Es wäre ihr erstes komplett freies Weihnachten, seit sie im Krankenhaus angefangen hatte, doch sie würde den Urlaub auch verschieben, wenn das bedeutete, für ihre Freundin da sein zu können. „Ich rufe meine Chefin an und frage, ob ich Urlaubstage tauschen kann.“

Doch das musste sie gar nicht, wie sich herausstellte. Maggie und sie würden zwei Tage vor der Hochzeit mit Ilyas’ Privatflugzeug nach Zayrinia fliegen. Direkt nach der Feier würden Maggie und Ilyas in die Wüste fahren, sodass Flo nicht viele freie Tage brauchte. Nur ein paar Anpassungen im Dienstplan, und sie konnte ihren Urlaub immer noch an Weihnachten nehmen.

Während sie ihre Abwesenheit organisierte, hoffte sie im Stillen, dass sie Hazin auf der Hochzeit sehen würde.

Während Maggie ihr Leben neu ordnete und ihren großen Umzug plante, arbeitete Flo bis zur letzten Minute im Krankenhaus.

„Ich bin so müde“, gab sie zu, als Maggie und sie sowie ein befreundetes Paar – Paul, der Cafébesitzer, und seine Frau Kelly – sich in die weichen Ledersitze in Ilyas’ Flugzeug fallen ließen. „Aber nicht zu müde für Champagner!“

Er schmeckte köstlich. Nach dem Start servierte man ihnen auch ein üppiges Mittagessen mit Dips und einem köstlichen Kooko Sabzi – ein persisches Kräuteromelett mit Walnüssen, dekoriert mit zerriebenen Rosenblüten und Berberisblättern. Dazu gab es gesüßten Hibiskustee.

Danach zogen Paul und Kelly sich in eine Gästekabine zurück, um sich auszuruhen, während Flo und Maggie in die Royal Suite gingen.

„Himmel! Hier also werden du und Ilyas Sex haben“, bemerkte Flo. Es gab ein großes Bett mit Fellen darauf, die Beleuchtung war gedimmt. „Gehört die Suite nur Ilyas?“

„Ja.“

„Was ist mit seinen Eltern?“

„Die haben ihr eigenes Flugzeug.“

„Und der Bruder?“, fragte Flo ganz beiläufig.

„Der auch, glaube ich. Sie machen alle ihr eigenes Ding.“

Sie legten sich nebeneinander auf das Bett und unterhielten sich über das, was vor und was hinter ihnen lag. Es war schön, ein bisschen Zeit für sich zu haben, denn die vergangenen Tage waren hektisch gewesen.

„Was ist mit deinen gynäkologischen Untersuchungen?“, fragte Flo.

„Die Palastärzte werden sich um mich kümmern. Und sollten während der Wehen Probleme auftauchen, steht ein Hubschrauber bereit, der mich ins Krankenhaus fliegen wird.“ Sie musste Flos sorgenvollen Ausdruck bemerkt haben, denn Maggie fügte hinzu: „Der Flug dauert nur zehn Minuten. Bei dem zukünftigen Thronerben wird der Palast schon kein Risiko eingehen.“

„Natürlich nicht.“ Dann seufzte Flo. „Ich hätte dir so gern bei der Geburt geholfen.“

„Ich weiß. Es ist dein Job und alles, aber irgendwie hätte ich das auch komisch gefunden.“ Maggie lächelte sie an. „Ein Arzt, den ich kaum zu Gesicht bekomme, ist mir sehr recht.“

Sie beschlossen, sich ein bisschen auszuruhen, und zogen die Schlafmasken an, die für sie bereit lagen. Maggies Unwille, sich von ihr helfen zu lassen, kränkte Flo nicht. Es spielte sowieso keine Rolle, da sie so weit voneinander entfernt sein würden. Aber Maggie hatte keine eigene Familie. Sicher, jetzt gab es Ilyas, aber als Flo ihr ihre Hilfe zum ersten Mal angeboten hatte, war Maggie ganz allein gewesen. Aber wie Maggie gesagt hatte, beim Thronfolger würde man keine Risiken eingehen. Es war ohnehin eher ihre Freundin, um die sie sich Gedanke...

Autor

Rebecca Hunter
Rebecca Hunter ist eine preisgekrönte Autorin sinnlicher, emotionaler Abenteuer des Herzens. Für Harlequin Dare schreibt sie sexy Geschichten über Alphamänner und mutige Frauen mit Schauplatz Australien. Sie lebt mit ihrer Familie in der San Francisco Bay Area.
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Hana Sheik

Hana Sheik verliebt sich jedes Mal aufs Neue in ihre Protagonisten, wenn sie ihre Romances schreibt. Sie hat schon in vielen Bereichen gearbeitet – doch Liebesromanautorin zu sein, ist zweifellos der schönste Job überhaupt! Geboren in Somalia, zog sie als Kleinkind nach Kanada und lebt dort noch immer glücklich mit...

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Bella Mason
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