Der Lord aus meinen sinnlichen Träumen

– oder –

Im Abonnement bestellen
 

Rückgabe möglich

Bis zu 14 Tage

Sicherheit

durch SSL-/TLS-Verschlüsselung

Die junge Lady Charlene Blanchard kann ihr Glück kaum fassen: Ausgerechnet sie wird von einem vermögenden Duke umworben! Die Heirat mit ihm wäre ihre Rettung aus bitterer Armut. Ihre sorgenfreie Zukunft als Duchess gerät jedoch in Gefahr, als der attraktive Jack Whitridge in London auftaucht. Der verwegene Lord kennt Charlenes dunkelstes Geheimnis und könnte sie jederzeit verraten. Trotzdem weckt seine Nähe auch ein ungeahnt sinnliches Verlangen in der hübschen Waise. Will Jack wirklich nur den Duke vor einem Fehler bewahren? Oder hat er ganz andere, leidenschaftliche Gründe, warum er alles daransetzt, Charlenes Hochzeit zu verhindern?


  • Erscheinungstag 13.07.2018
  • Bandnummer 105
  • ISBN / Artikelnummer 9783733779825
  • Seitenanzahl 400
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

GAVIN WHITRIDGE,

5. DUKE OF BAYNTON,

BITTET UM DIE EHRE IHRER ANWESENHEIT

AUF EINEM BALL

AM MITTWOCH, DEM 5. FEBRUAR 1812.

DER TANZ BEGINNT UM 22.00 UHR.

EIN KALTES ABENDESSEN WIRD SERVIERT.

U.A.W. G. MENHEIM HOUSE

DRACHEN

London, 1801

Charlenes Vater war nur selten zu Hause, daher stellte sein Versprechen, den ganzen Abend mit ihr zu verbringen, ein ganz besonderes Vergnügen für sie dar. Sie und ihre Eltern hatten zusammen zu Abend gegessen, und ihre Mutter war sogar so verschwenderisch gewesen, dem Vater zu erlauben, gegen die feuchte Kälte Feuer im Wohnzimmerkamin zu machen.

Angekuschelt an ihren Vater, der auf ein paar Kissen vor dem Kamin auf dem Boden lag, verhielt sich die Achtjährige so still wie möglich, damit ihr auch nicht ein Wort von der Geschichte entging, die er ihr erzählte. Sie las gern Bücher und mochte die Geschichten ihrer Mutter, aber am meisten liebte sie die ihres Vaters. Sie handelten von Abenteuern und manchmal auch Magie; Elfen, Feen und böse Geister wie Banshees und „kleine Teufel“ kamen darin vor.

An diesem Abend erzählte er von einem edlen Prinzen, der den Drachen tötete, der zuvor das Königreich einer schönen Prinzessin in Angst und Schrecken versetzt hatte. Am Ende heirateten die beiden, und das ganze Königreich kam zu ihrer Hochzeit und tanzte.

„So wie bei eurer Hochzeit?“, fragte Charlene.

„Oh nein, dieses Fest war viel prunkvoller als unseres damals. Wir wohnten ja nur in einem Dorf“, antwortete er.

„Warum hat die Prinzessin den Drachen denn nicht getötet, Papa?“

Ihre Mutter lachte, und es klang verbittert. „Ja, Dearne, warum muss es immer ein Prinz sein, der am Ende siegreich ist?“

„Weil, mein Liebling, es nun mal so ist auf der Welt.“ Er ahmte den Tonfall ihrer Mutter nach, und Charlene bereute bereits, die Frage gestellt zu haben. „Männer töten Drachen.“

„Und wenn sie es nicht tun, Dearne?“, beharrte ihre Mutter und beugte sich in dem Sessel vor, in dem sie mit einer Decke über den Beinen saß. „Was ist, wenn sie es nicht schaffen oder sie sich weigern, den Drachen zu töten, der uns von innen auffrisst? Was wird dann aus der Prinzessin?“

Zorn lag in der Luft, so gefährlich wie ein Drache, der ein ganzes Dorf verschlingen konnte. Charlene klammerte sich an die Jacke ihres Vaters.

Er legte seine Hand auf ihre, und seine Wärme tröstete sie. „Beruhige dich, Julie“, sagte er zu ihrer Mutter. „Du machst unsere süße Charlene ganz traurig.“ Er küsste sie auf die Stirn, und Charlene entspannte sich wieder in seiner sicheren Umarmung.

„Ich möchte nur, dass du mein Prinz bist, Dearne.“

„Und das bin ich auch, Julie. Ich versuche es jedenfalls.“

Ihre Mutter öffnete den Mund, als wollte sie noch etwas sagen, aber dann wandte sie den Blick ab und runzelte bedrückt die Stirn.

„Ich möchte dich heiraten, Papa“, meldete Charlene sich zu Wort, ängstlich auf Frieden bedacht. Dann würde ihr Vater immer bei ihnen sein und nicht tagelang, ja manchmal sogar wochenlang verschwinden. Charlene wollte keine Streitereien mehr, die ihre Mutter zum Weinen brachten.

Ihrem Vater gefiel ihre Bemerkung. Er lachte und zupfte sanft an ihrem Zopf. „Du kannst mich nicht heiraten, Schätzchen.“

„Wen soll ich denn dann heiraten?“ Die Frage war ihr plötzlich sehr wichtig.

Er beugte sich zu ihr und flüsterte ihr den Rat ins Ohr, den sie nie mehr vergessen sollte. „Heirate den Mann, der einen Drachen für dich tötet, mein Kleines. Das ist der Mann, dem du vertrauen kannst, und gib dich niemals mit weniger zufrieden.“

„In London gibt es keine Drachen, Papa.“

„Doch, aber man erkennt sie nicht sofort auf den ersten Blick. Sie lauern uns ganz unversehens auf …“ Er verstummte, und sein Schweigen war schwer von Traurigkeit. Charlene wusste, dass das ihre Schuld war.

Sie hätte gar nicht erst mit dem Gerede von Drachen anfangen dürfen. Jeder wusste schließlich, dass Drachen böse waren und dass das Böse im Unglück gedieh. Das hatte ihr ihre Mutter gesagt.

Charlene wollte um eine weitere Geschichte bitten, die den Kummer aus dem Zimmer verbannen würde, aber es war zu spät.

Ihr Vater zog sanft den Arm unter ihrem Kopf weg und stand auf. „Ich muss ausgehen. Warte nicht auf mich“, sagte er zu ihrer Mutter.

Diese nickte nur, sich damit abfindend, wütend.

Charlene wollte sich nicht damit abfinden. Sie sprang auf, und Tränen stiegen ihr in die Augen. „Nein, Papa, geh nicht. Bleib. Ich stelle auch keine Fragen mehr. Bleib einfach bei Mutter und mir.“

Er hob ihr Kinn an, damit sie ihn ansah. „Tränen, Charley? Tränen sind nie eine Lösung.“ Er wischte ihr mit dem Daumen die Tränen von den Wangen. Er war ein schöner Mann; von ihm hatte sie das weißblonde Haar und die blauen Augen geerbt. „Und ich möchte, dass du Fragen stellst, das liebe ich ja so an dir. Jetzt sei brav und kümmere dich um deine Mutter. Ich muss einen Drachen töten.“ Er strich ihr über den Kopf und verließ das Zimmer wie schon so viele Male zuvor, doch in dieser Nacht war alles anders.

In dieser Nacht vernichtete der Drache den Prinzen.

1. KAPITEL

21. Januar 1812

Lady Charlene Blanchard wusste nicht, warum sie plötzlich an den letzten Abend mit ihrem Vater denken musste. Vielleicht, weil der heutige ein genauso trüber, bedeckter Tag gewesen war wie jener, an dem man seine Leiche aus der Themse gezogen hatte.

Vielleicht aber auch, weil sie jetzt ihre eigenen Drachen tötete.

Als Junge verkleidet, mit Knickerbockern, Strümpfen und Schnallenschuhen – ohne Schnallen –, stand sie in den länger werdenden Schatten in der Threadneedle Street. Die Rundungen ihres neunzehnjährigen Körpers verbarg sie unter einem weiten Hemd und einer sogar noch weiteren Jacke. Den Zopf hatte sie sich um den Kopf gewunden und unter einem breitkrempigen Hut von der Machart versteckt, wie ihn Stallburschen trugen.

Interessiert beobachtete sie, was sich vor der Bank of England abspielte. Drei Männer waren eben aus der Bank gekommen. Sie hatte sie vorher hineingehen sehen und so nahe bei ihnen gestanden, dass sie ihr Gespräch hatte hören können. Es waren Amerikaner.

Lady Charlene lächelte. Amerikaner oder andere Ausländer waren immer ein gutes Ziel, sie kannten die Sitten der Stadt nicht. Ihr Blick fiel auf den schweren braunen Geldbeutel aus Leder, den der jüngste von ihnen nun in die Luft warf und sorglos wieder auffing. Er sah seine Freunde grinsend an. „Ich habe vor, London ausgiebig zu genießen.“

„Mit Wein und Gesang?“, schlug der Älteste spöttisch vor. Er trug eine Zopfperücke und hatte einen Gehstock aus Ebenholz mit silbernem Knauf bei sich. Er war etwas größer als Charlene, hielt die Schultern gestrafft und den Kopf erhoben. Seine Miene wirkte gelangweilt, betont noch durch die Hakennase und die schmalen Lippen. Seine Kleidung war elegant bis ins letzte Detail.

„Nein, mit Frauen!“, jubelte der Junge. Er hatte ein offenes, gut aussehendes Gesicht; der Typ Mann, der für gewöhnlich jung heiratete und jede Menge Kinder in die Welt setzte.

Hätte Charlene Frauenkleidung getragen, wäre er bestimmt derjenige gewesen, der sie angeschmachtet hätte, da war sie sich ganz sicher. In ihrer Aufmachung jedoch entging sie seiner Aufmerksamkeit. Sie war einer von Tausenden Straßenjungen, die sich in London herumtrieben. Die drei Männer beachteten sie gar nicht, als sie näher herankam, um sich den Geldbeutel anzusehen.

Ihr Zielobjekt bestätigte ihre Vermutung. „Ich heirate in drei Monaten“, teilte er seinen Gefährten mit. „Da will ich mich vorher noch einmal richtig austoben!“ Wieder warf er den Geldbeutel in die Luft, aber der größte seiner Begleiter streckte den Arm aus und schnappte ihn sich.

Eine schnelle Bewegung, eine souveräne.

Dieser Mann war nicht dumm.

Er war um die dreißig, groß und breitschultrig und hatte überlanges dunkles Haar und ein markantes Kinn. Offensichtlich war er der Anführer der drei. Er strahlte eine gewisse Präsenz aus, etwas Entschlossenes. Auch seine Stimme klang auffallend; ihre Tiefe hob ihn deutlich von den anderen ab.

Genau wie Charlene trug er einen weit ins Gesicht gezogenen, breitkrempigen Hut. Sie versteckte darunter die Fülle ihres weißblonden Haars und die langen dunklen Frauenwimpern. Sie fragte sich, was er wohl zu verbergen hatte.

„Wir sind nicht hier, um deinen kleinen Freund zu unterhalten“, sagte er jetzt und gab seinem Gefährten den Geldbeutel zurück. „Oder damit du dir die Franzosenkrankheit holst.“

„Du kannst mich mal, Whitridge“, lautete die Antwort. Der Jüngere steckte den Geldbeutel in die tiefe Tasche seines Mantels. Auf der linken Seite. Und er knöpfte sie auch nicht zu. „Ich kann selbst auf mich aufpassen. Das Erste, was ich gleich tun werde, ist, so viel Abstand wie möglich zwischen dich und mich zu bringen. Sieben Wochen auf einem Schiff und ständig deiner Kritik ausgesetzt, mehr kann ich nicht ertragen. Ich brauche mindestens sieben Wochen Abstand von dir.“

„Wir sind hier im Die…“

„Ich weiß, ich weiß, im Dienst für unser Land. Du bist wirklich ein Tugendbold, Whitridge. Nicht wahr, Lawrence?“

Lawrence hatte gerade ein Gähnen unterdrückt. „Das sind Männer meist, die Verantwortung tragen. Ich ziehe mich jetzt zurück. Ich möchte ein gutes Abendessen und ein Bett, das nicht schwankt, wahrscheinlich genau das Gegenteil von dem, wonach du dich sehnst, Matthew. Bis morgen, Freunde.“ Er wartete erst gar keine Antwort ab und ging mit raschen Schritten und den Gehstock schwingend davon.

„Lawrence hat recht. Ich mache mich allein auf den Weg“, sagte Matthew. Ohne Whitridge um Erlaubnis bittend anzusehen, stürzte er sich in den dichten Nachmittagsverkehr.

Charley ging ihm nach, dem Mann mit dem Geldbeutel. In ihrer Verkleidung fühlte sie sich sicher. Seit zwei Monaten verkleidete sie sich nun schon als Junge und genoss die damit einhergehende Freiheit. Bis jetzt war noch niemanden aufgefallen, dass sie eine Frau war, was bewies, dass ihre Tante Sarah nicht die einzige Schauspielerin in der Familie war.

Auch war sie durchaus stolz auf ihr neu entdecktes Talent.

Charley, Lady Charlene Blanchard, war eine Taschendiebin, und zwar eine gute.

Die Idee, sich ein wenig im Taschendiebstahl zu versuchen, stammte von Lady Baldwin. Ihre Ladyschaft war eine häufige Besucherin im Haus in der Mulberry Street, wo Charley mit ihrer Tante Sarah Pettijohn lebte. Bevor sie Lord Baldwin geheiratet hatte und in die höhere Gesellschaft aufgestiegen war, war Lady Baldwin wie Sarah Schauspielerin und offenbar auch etwas kriminell gewesen.

„Manchmal muss ein Mädchen eben für sein Überleben sorgen“, hatte sie Charley anvertraut. „Sarah ist zu stolz für so etwas, aber du verstehst, wie es auf der Welt zugeht.“

Das tat Charley allerdings. Die Tochter des berüchtigten Lord Dearne wusste sehr gut, wie unsicher das Leben sein konnte. Vor sechs Monaten hatte ihr Onkel Davies aufgehört, das monatliche Geld zu schicken, das er für Charleys Unterhalt zugesagt hatte. Obwohl Sarah in mehreren Funktionen am Haymarket-Theater arbeitete – Bühnenrollen, Kostümschneiderei, ja sogar das Schreiben von Stücken, für die der Theaterdirektor dann die Lorbeeren einheimste –, war das Geld knapp, und Charley hatte deswegen ein schlechtes Gewissen. Ihre Tante hätte allein ein sehr gutes Leben führen können, wenn sie Charley nicht bei sich aufgenommen hätte.

„Wir nehmen nur denen ein wenig weg, die es sich leisten können“, hatte Lady Baldwin vorgeschlagen. „Eine Wiederherstellung des Gleichgewichts, sozusagen.“

Die Idee hatte Charley gefallen. Da hatte es Menschen gegeben, die die Schwächen ihres Vaters ausgenutzt und ihm alles gestohlen hatten, was er besaß. Jetzt konnte Charley es ihnen mit gleicher Münze heimzahlen.

„Du hast geschickte Hände und einen scharfen Verstand. Wenn wir beide uns zusammentun, sind unsere Mieten bezahlt“, hatte Lady Baldwin prophezeit.

Natürlich hatte Charley einige Zeit gebraucht, um die Kunst des Taschendiebstahls zu erlernen. Zum Glück war Lady Baldwin eine gute Lehrerin, und schon bald hatten sich erste Erfolge eingestellt. Mit der Behauptung, das Geld stamme von Onkel Davies, hatte sie Sarah genug geben können, um den Vermieter zufriedenzustellen.

Diesen Monat war sie ein wenig knapp bei Kasse. Der dicke Geldbeutel, den Matthew in seinen offenen Mantel gesteckt hatte, würde das Geld für die Miete und vielleicht noch etwas mehr sichern.

Matthew war ziemlich großspurig. Er wandte sich jetzt den Hafenkais und dem Trubel zu, der dort immer herrschte. Das war das Londoner Leben in seiner rauesten Form, und Matthew fügte sich gut ein. Er gaffte jeden Busen an, an dem er vorbeikam, drängelte sich mit den Schultern durch Menschentrauben, die sich vor den Pubs eingefunden hatten, und benahm sich ganz allgemein so, als gehörte die Straße ihm.

Charley blieb in seiner Nähe, ohne seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Sie schob sich an denen vorbei, die Matthew angerempelt hatte. Sie vertraute fest auf ihre Verkleidung, und nur wenige nahmen von ihr Notiz.

„Warte, bis dein Ziel gründlich abgelenkt ist“, empfahl Lady Baldwin immer. „Dann kannst du ihm den Geldbeutel entwenden, ohne dass er es bemerkt. Die Geheimnisse eines guten Taschendiebs sind Geduld und der richtige Augenblick.“

Der richtige Augenblick kam für Matthew, als eine Schankhure aus dem dunklen Eingang zu ihrem Etablissement trat. Sie sah ziemlich schlampig aus, nur aus Busen und sehr viel Kinn bestehend, hatte aber diese dunklen Schlehenaugen, die Männer Charleys Beobachtungen nach anziehend fanden. Ihr Blick fiel auf Matthew. Ein Zucken mit der Schulter, und ihre Bluse rutschte auf der einen Seite nach unten, sodass der Großteil einer Brust mitsamt der großen braunen Brustwarze enthüllt wurde.

Der Amerikaner blieb wie angewurzelt stehen. Die Frau grinste und nickte ihm zu, er solle ihr folgen.

Zur gleichen Zeit versuchte eine Frau, die in jeder Hand ein kopfloses flatterndes Huhn hielt, sich zwischen Matthew und der begehrten Brust hindurchzudrängen.

Eine bessere Ablenkung konnte es gar nicht geben.

Charley trat hinter ihn, sodass er gegen sie prallte, als er der Frau mit den Hühnern Platz machte. Mit einer Hand stieß sie ihn von sich, während sie mit der anderen in seine Manteltasche fasste. Ihre Finger schlossen sich um den Geldbeutel, und sie zog ihn heraus, ohne dass Matthew etwas davon mitbekam. Jetzt nur schnell nach Hause, und …

„Haltet den Dieb!“

Bei diesen Worten erstarrten alle auf der Straße – selbst die Hure, die kopflosen Hühner und ganz sicher Matthew.

Charley jedoch nicht.

Sie erkannte die tiefe Stimme wieder. Sie brauchte sich nicht umzudrehen, sie wusste auch so, dass Whitridge ihren Diebstahl beobachtet hatte. Also rannte sie los, und die Angst verlieh ihr Flügel.

Für seine Größe war Whitridge ziemlich schnell, er war ihr buchstäblich dicht auf den Fersen. Sie konnte seinen Atem hören.

Geschickt wich sie den Fußgängern auf der belebten Straße aus, während Whitridge die Leute einfach überrannte, was ihm einige unflätige Zurufe einbrachte. Immer wieder befahl er, den „Jungen aufzuhalten“, aber zum Glück wollte wohl niemand in die Sache verwickelt werden. Sie gingen ihm aus dem Weg, Charley allerdings auch.

Matthew hatte inzwischen festgestellt, dass er bestohlen worden war. Er brüllte vor Zorn, war aber ein ganzes Stück von Whitridge und Charley entfernt.

Sie bog um eine Ecke und rannte in eine Gasse. Im Vorbeilaufen packte sie eine Regentonne und stieß sie Whitridge in den Weg. Man hörte den Aufprall von Holz auf Stein, einen Schmerzenslaut und eine Reihe herzhafter Flüche.

Charley schmunzelte über ihren Erfolg, gönnte sich aber keinen Blick zurück. Stattdessen flüchtete sie in eine belebtere Straße und hoffte, dass sie ihn abgeschüttelt hatte. Das war nicht der Fall. Sie konnte seine Gegenwart förmlich spüren. Die Regentonne hatte ihn zwar etwas aufgehalten, aber nicht ausgebremst.

Auf der Straße wimmelte es von Kutschen, Karren, Sänften und sogar Hundewagen. Sie schlug Haken um sie herum, und ihr schmerzte die Brust vom schnellen Rennen. Mit ihren Ledersohlen rutschte sie auf den Pflastersteinen immer wieder aus. Es war ihr gelungen, den Geldbeutel in ihre Jacke zu schieben, da sie beide Hände frei haben musste; einmal, um das Gleichgewicht zu halten, und zum anderen, um zu verhindern, dass ihr der Hut von Kopf flog. Das wäre die absolute Katastrophe gewesen.

Sie näherte sich allmählich ihrem Zuhause, der Sicherheit. Schon bald waren sie in ihrer Nachbarschaft, wo man sie erkennen konnte. Einen Moment lang erwog sie, in die entgegengesetzte Richtung zu laufen, aber sie brachte es nicht über sich. Sie sehnte sich nach dem sicheren Hafen ihres Schlafzimmers, wo sie ihre Röcke anziehen und sich wieder in die verwandeln konnte, die sie eigentlich war.

Doch zuerst musste sie Whitridge entkommen. Der Mann war ein Bluthund.

Dieses Mal war es Charlene, die fluchte. Sie flüchtete sich in eine weitere Gasse, die gerade so breit war wie ihre Schultern. Hier konnte der riesige Whitridge ihr gewiss nicht folgen – und sie hatte recht.

Vergeblich versuchte er sich in den schmalen Zwischenraum zwischen den Häusern zu zwängen. Sie eilte weiter und kämpfte gegen das beklemmende Gefühl an, die Häuserwände kämen immer näher, um sie zu erdrücken. Was sich am anderen Ende der Gasse befand, wusste sie nicht, aber es war ihr auch gleichgültig. In zehn Minuten war sie zu Hause.

Zu Hause, zu Hause, zu Hause.

Die Gasse mündete in eine ihr unbekannte Straße, aber Charley ahnte, dass sie nun nur noch wenige Häuserblocks von ihrem eigenen entfernt war. Diese Straße war deutlich leerer als die anderen.

Charleys Herz klopfte rasend schnell, das Blut dröhnte ihr in den Ohren. Sie rang nach Luft, zwang sich aber weiterzugehen und so zu tun, als wäre sie vollkommen gelassen. Ihre Verkleidung war intakt, der Hut saß fest auf ihrem Kopf. Niemand warf ihr seltsame Blicke zu, und ein untersetzter Mann mit einer dicken Aktentasche rempelte sie so unsanft an, wie das unter Männern oft üblich war.

Endlich gestattete sie sich ein Lächeln.

Sie hatte es geschafft. Der Geldbeutel wog schwer in ihrer Jacke. Er gehörte jetzt ihr.

An der nächsten Kreuzung erkannte Charley, wo sie war. Ja, jetzt war es nur noch ein kurzer Weg bis nach Hause. Sie konnte es kaum erwarten …

Ein hochgewachsener, widerwärtiger Mensch stellte sich ihr in den Weg, als hätte er gewusst, dass sie hier entlangkommen würde. Whitridge.

Während der Verfolgungsjagd hatte er seinen Hut verloren, und sie konnte jetzt seine Augen sehen. Sie waren blau und funkelten wie Glas vor Zorn. Seine Hände waren zu Fäusten geballt.

Charlene wirbelte herum und nahm wieder die Beine in die Hand, dieses Mal von bloßer Angst erfüllt. Sie stieß eine Orangenverkäuferin und ihren Kunden zur Seite und hätte beinahe ein Kind umgerannt, das einen Korb mit Eiern trug. Whitridge brüllte den Leuten nicht mehr zu, sie sollten sie aufhalten; er wollte sie selbst einfangen.

Wenn sie nicht so verblüfft über sein plötzliches Auftauchen und seine hartnäckige Entschlossenheit gewesen wäre, hätte Charley wahrscheinlich besser aufgepasst, wo sie hinlief. Stattdessen beging sie einen verhängnisvollen Fehler. Sie bog in eine andere Gasse ein und merkte zu spät, dass es eine Sackgasse war. Schlimmer noch, sie konnte nicht mehr umkehren, ohne ihrem Verfolger direkt in die Arme zu laufen.

Die steinerne Rückfassade eines Gebäudes ragte vor ihr auf, und sie tastete die kalte Mauer ab, als könnte sich dort ein Geheimausgang, ein Fenster, ein Spalt befinden …

Starke Hände griffen nach ihrem Arm. Whitridge zerrte sie zu sich herum und drückte sie gegen die Wand. „Her mit dem Geldbeutel“, befahl er.

Charley konnte nicht sprechen, sie hatte Mühe zu atmen. Er packte sie bei den Schultern und schüttelte sie. Der Hut flog ihr vom Kopf. Der lange blonde Zopf, hell wie ein Mondstrahl, fiel ihr über die Schultern, und Haarnadeln regneten zu Boden.

2. KAPITEL

Was zum …?“ Der Zorn in seinen Augen verwandelte sich erst in Verwirrung, dann in Erschrecken. Whitridges Blick fiel auf ihre Brust, als suchte er Bestätigung für das Unerwartete. Gleichzeitig lockerte er seinen Griff um ihre Schultern.

Das nutzte Charlene aus. Sie durfte einfach nicht erwischt werden. Sie ballte die Hand zur Faust und rammte sie ihm mit aller Kraft, die ihr die Angst verlieh, in den Magen.

Nun ja, sie hatte auf den Magen gezielt. In Wirklichkeit traf sie ihn an einer Stelle, die eine vornehme Dame in der Öffentlichkeit niemals berührt hätte. Seine Reaktion übertraf ihre kühnsten Erwartungen. Er ließ sie los und krümmte sich aufstöhnend vor Schmerzen.

Charley war entsetzt. Wer wusste schon, dass Männer in diesem intimen Bereich so verwundbar waren? Diesen Trick würde sie sich merken.

Sie hob blitzschnell ihren Hut vom Boden auf und stellte ihren Jackenkragen hoch, um ihren Zopf zu verbergen. Whitridge folgte ihr nicht, konnte ihr nicht folgen, und sie sah sich unwillkürlich nach ihm um, in der Hoffnung, ihn nicht tödlich verletzt zu haben. Er lehnte mit dem Rücken an der Mauer, und für den Bruchteil einer Sekunde trafen sich ihre Blicke. Er war wütend.

„Es tut mir leid. Wirklich.“ Doch Whitridge schien nicht in der Stimmung für eine Entschuldigung zu sein, also rannte sie aus der Sackgasse wieder hinaus auf die Straße. Schon bald musste sie feststellen, dass sie ein neues Problem hatte.

Auf dem Weg zur Mulberry Street schlossen erst ein ungefähr zehn Jahre alter Junge, dann ein weiterer zu ihr auf und gingen neben ihr her. Kurz darauf folgte ein dritter, älterer Junge, dicht hinter ihnen.

Das waren echte Straßenjungen, mit engelsgleichen, wenn auch schmutzigen Gesichtern; Halbstarke, die London unsicher machten als Bande, die sich die Sieben nannte, nach der Anzahl ihrer Mitglieder. Sie waren weitaus bessere Taschendiebe als sie.

Sie versuchte sie zu ignorieren und einfach weiterzugehen, bis zum hinteren Gartentor ihres Zuhauses, bis sie in Sicherheit war. Doch das ließen sie nicht zu. Nach wenigen Minuten stellte der Junge zu ihrer Rechten, den sie Pinky nannten, sich ihr in den Weg.

„Was ist?“, fuhr sie ihn gereizt an. Das war besser, als ihre Angst zu zeigen.

„Leo will Sie sprechen“, sagte Pinky feierlich.

„Sag ihm, ich rede später mit ihm. Wir machen einen Termin aus“, erwiderte sie gespielt heiter.

„Leo will jetzt mit Ihnen sprechen“, beharrte der Junge hinter ihr. Er hieß Danny, und über ihn hatte sie Leo kennengelernt. Er war so groß wie sie und viel stärker. „Je eher Sie zu ihm gehen, desto schneller haben Sie es hinter sich, Mylady“, fügte Danny hinzu.

Natürlich wussten sie, wer sie war. Die Sieben wussten alles, was sich rund um die Mulberry Street ereignete. Übertrieben ungeduldig nickte sie. „Dann lasst uns gehen.“ Sie hatte keinen Zweifel, was Leo von ihr wollte, und ihr war klar, dass sie diesem Gespräch nicht ausweichen konnte.

Sie war der Bande bei ihrer ersten Diebestour in die Quere gekommen. Offenbar hatten die Kriminellen London unter sich aufgeteilt. Charley war in das Revier der Sieben geraten, die kleinere Verbrechen begingen. Die Sieben waren eigentlich Kinder. Leo war mit kaum sechzehn der Älteste und somit kein Kind mehr, aber die anderen waren alle um die acht Jahre alt. Sie alle hatten eins gemeinsam, das Leben hatte sie hart werden lassen.

Die Jungen führten sie in eine weitere schmale Gasse, ähnlich der, durch die sie vor Whitridge geflüchtet war. Man musste seitlich gehen, damit man hindurchkam. Die Gasse mündete in einen großen Innenhof, der von Gebäuden umstanden war. Holzkisten, Fässer und Paletten waren an der gegenüberliegenden Hausmauer so aufgestellt worden, dass sie wie kleine Zimmer wirkten. Als die Gruppe nun den Hof betrat, krochen Jungen aus ihren Verstecken. Drei Augenpaare verfolgten feierlich, wie Charley auf die größte Kiste zuging. Eine Decke, die als Vorhang diente, wurde angehoben, und Leo kam zum Vorschein.

Er war spindeldürr und trug das, was einmal das grüne Samtjackett eines vornehmen Gentlemans gewesen war. Um den Hals hatte er ein schwarzes Halstuch geknotet, und auf dem Kopf trug er eine Art Dreispitz, sodass er Charley an einen sehr jungen, etwas verschlagen wirkenden Napoleon erinnerte. Gern hatte er eine Reitgerte bei sich, und Charley war schon Zeuge geworden, wie er die kleineren Jungen damit züchtigte. Auch jetzt hatte er die Gerte in der Hand.

Seine Stimme klang immer sehr sanft, trotzdem hatte Charley das Gefühl, dass er ihr etwas antun könnte. Bisher hatte er sie gut, beinahe respektvoll behandelt, und sie hoffte, dass das so blieb.

„Lady Charlene“, sagte er und verneigte sich spöttisch wie ein Höfling.

„Was willst du, Leo?“ Sie nutzte die Gelegenheit, ihren Zopf wieder unter ihren Hut zu stecken.

„Außer dem Geld, das Sie mir schulden, weil Sie letzten Monat im Revier der Sieben gearbeitet haben? Eine Guinee, Mylady, ein fairer Preis, und doch haben Sie ihn noch nicht gezahlt. Heute aber haben Sie mir zusätzliche Kosten verursacht. Sie haben die Grenze übertreten und sind in einem anderen Revier unterwegs gewesen. Sie fordern Tribut von mir, sie wollen vier Guineen.“

„Vier Guineen? Für nichts?“, protestierte sie.

„Sie behaupten, Sie wären erfolgreich gewesen.“

„Ich wünschte, es wäre so.“ Sie fragte sich, ob Lügen auch dann Sünde war, wenn man einen Kriminellen belog. Sie brauchte das Geld in dem Geldbeutel. „Ich dachte schon, ich hätte einen fetten Fisch an der Angel, aber diese flatternden Hühner, die die Frau dabeihatte, waren mir im Weg. Ich habe danebengegriffen und den Geldbeutel nicht erwischt.“

„Warum hat der Mann Sie dann einen Dieb genannt?“

„Weil er dachte, ich hätte das Geld gestohlen, aber das habe ich nicht. Als er seinen Irrtum bemerkt hat, ließ er mich gehen. Pinky kann bestätigen, dass ich die Wahrheit sage, wenn er gesehen hat, wie ich in diese Gasse verfolgt wurde, sie dann aber seelenruhig wieder verlassen habe.“

Leo betrachtete sie eine Weile, und sie konnte nicht sagen, ob er ihr glaubte. Eines wusste sie – wenn er den Geldbeutel in die Finger bekäme, würde er sich das ganze Geld nehmen. Sie hatte nicht vor, es kampflos herzugeben.

Plötzlich wandte er sich um und ging zurück zu seinem Versteck. „Also gut. Ich will einen Fünfer von Ihnen, zusammen mit dem, was Sie mir ohnehin schon schulden.“ Sie erwartete, dass er ihr eine Frist nannte, aber das tat er nicht. Stattdessen drehte er sich an der „Tür“ zu seiner Behausung noch einmal zu ihr um. „Sie verschulden sich ziemlich leicht. Scheint in Ihrer Familie zu liegen. Ein paar von den Oberen kannten Ihren Vater sehr gut.“ Sie wusste, mit den „Oberen“ meinte er die eine Stufe höher gestellten Gauner. Er hatte fest vor, irgendwann einer von ihnen zu sein. „Sie waren dabei, als man ihn aus der Themse gezogen hat. So ein Pech.“ In seiner Stimme schwang kein Mitgefühl mit. „Seien Sie vorsichtig, Mylady. Sehr vorsichtig.“ Er ließ seine Worte kurz wirken, ehe er hinzufügte: „Sie können gehen.“

Das brauchte er ihr nicht zweimal zu sagen. Charley wich zurück und behielt dabei alle sieben von ihnen fest im Auge. Sie versuchte, einen ruhigen Eindruck zu erwecken, aber innerlich zitterte sie. Wollte Leo damit andeuten, dass ihr Vater Kriminellen in London Geld geschuldet hatte? Dass sein Tod vielleicht gar kein Selbstmord, sondern Mord gewesen war? Dass ihr auch so etwas zustoßen konnte?

Sie wollte nicht darüber nachdenken. Sie zwängte sich durch die Gasse, und sobald sie wieder auf der Straße war, rannte sie nach Hause in die Mulberry Street. Auf einmal war sie sich gar nicht mehr so sicher, ob es ein Glück war, dass sie den Geldbeutel immer noch bei sich hatte.

Am hinteren Gartentor sah sie sich noch einmal um, ob ihr auch niemand gefolgt war, dann lief sie auf dem Pfad zu der Tür, hinter der die Küche lag.

Die Mulberry Street war eine unansehnliche, aber doch anständige Wohngegend. Außer dem Keller und dem Erdgeschoss hatte das Haus noch zwei weitere Stockwerke. Es gab drei Schlafzimmer, ein Wohnzimmer, ein Esszimmer und die Küche. Der Eingangsbereich war kaum mehr als ein Flur mit einer Treppe, über die man nach oben gelangte. Eine zweite Treppe führte von der Küche aus hinter einer Tür nach oben. Die Zimmer im Erdgeschoss waren alle miteinander verbunden, und im Großen und Ganzen war es ein sehr gemütliches Zuhause.

Charley war wohl noch nie so froh gewesen, wieder hier zu sein. Sie zog den Geldbeutel aus ihrer Jacke, legte ihn auf den Küchentisch und stützte sich einen Moment lang erleichtert auf die Tischplatte. Sie hatte es geschafft. Sie hatte ihre Beute behalten …

Draußen auf dem Flur wurden Schritte laut. „Charley?“, rief ihre Tante Sarah.

Was machte sie denn hier? Sie war schon vor Stunden zum Theater gegangen und hätte erst spät am Abend zurückkehren sollen. Charley hätte das Haus niemals verlassen, wenn sie geahnt hätte, dass Sarah um diese Uhrzeit zurückkommen würde – schließlich sollte ihre Tante sie nicht dabei erwischen, dass sie Knickerbocker trug.

Sarah mochte ein frei denkender Mensch sein, aber für sie wäre eindeutig eine Grenze überschritten gewesen, wenn ihre Nichte als Junge oder gar Taschendieb durch London streifte.

Charley vergaß den Geldbeutel auf dem Tisch und eilte zu der Küchentür, hinter der sich die Treppe befand. Sie hatte die Tür gerade hinter sich geschlossen, da hörte sie, wie Sarah in der Küche nach ihr rief.

So schnell und leise wie möglich huschte Charley die Treppe hinauf. Ihr Schlafzimmer verbarg sich hinter der ersten Tür rechts. Sie rannte hinein und schloss die Tür hinter sich. Hastig streifte sie die Jacke ab, zerrte das Hemd aus dem Hosenbund und wollte gleichzeitig ihre Schuhe abschütteln, was aber in keinem Fall zum Erfolg führte. Das Hemd nahm ihr die Sicht, und sie fiel aufs Bett. Sie streifte sich das Hemd über den Kopf und warf es hinter ihr Bett, gefolgt von den Schuhen, ehe sie sich mit den Knöpfen der Knickerbocker abmühte und …

Es klopfte an der Tür. „Charley? Bist du in deinem Zimmer?“

Ihr blieb keine Zeit mehr, sich vollständig umzuziehen, Sarah konnte man nicht entkommen. Ihre Tante war bekannt für ihre Hartnäckigkeit.

Mit beiden Händen die lose auf ihren Hüften sitzenden Knickerbocker festhaltend, öffnete sie die Tür einen kleinen Spalt.

Sarah Pettijohn war vierunddreißig, hatte einen makellosen Teint und dunkelrotes Haar, das sie zu einem schweren Knoten gesteckt im Nacken trug. Sie war einfach der wunderbarste, klügste Mensch, den Charley kannte.

Nach dem Tod von Charleys Mutter Julie war Sarah in ihr Leben getreten und hatte sie gerettet, als sich sonst niemand auf der Welt für das Schicksal der Zwölfjährigen zu interessieren schien. Sarah hatte ihr bewiesen, dass dem nicht so war.

Es war nicht einfach für Sarah gewesen, sie bei sich aufzunehmen. Sarah war tatsächlich Julies Halbschwester, außerhalb des Ehebetts gezeugt, sozusagen. Vor langer Zeit, noch bevor Charleys Erinnerungen einsetzten, hatte Julie darauf bestanden, dass Dearne sie ihre Halbschwester bei sich aufnehmen ließ. Damals war Sarah selbst erst dreizehn gewesen.

„Eine Hand wäscht die andere“, pflegte Sarah gern zu sagen. „Als ich gehört habe, dass man dich diesem schrecklichen Mann Davies anvertraut hat, nur aus dem Grund, weil man ihn für deinen einzigen Verwandten hielt, war mir klar, dass ich dir unbedingt helfen musste. Er hat einen fürchterlichen Ruf in London, vor allem im Bezug auf junge Mädchen.“

Charley war sich nicht sicher gewesen, was ihre Tante damit meinte, aber sie wusste, sie fühlte sich eindeutig nicht wohl bei ihrem Onkel und konnte seine Frau nicht ausstehen. Tante May beklagte sich ständig, wie teuer es sei, Charley mit durchzufüttern, obwohl diese versuchte, nur ganz wenig zu essen, um ihr eine Freude zu machen.

Damals hatte Charley Angst vor allem gehabt. Beide Eltern zu verlieren war unendlich schmerzvoll für sie gewesen, und sie war vollkommen mittellos zurückgeblieben. Sarah hatte ihr immer wieder Mut gemacht. „Deine Wahrheit ist das, was du von dir selbst hältst“, hatte sie immer wieder gesagt, bis sich die Worte ganz tief in Charleys Seele eingeprägt hatten.

Unter Sarahs Fittichen war Charley aufgeblüht. Ihre Tante glaubte fest daran, dass eine Frau sich Wissen aneignen sollte. Sie interessierte sich leidenschaftlich für alle Aspekte des Lebens, vor allem für das Theater. Ihr einziges Ziel war, dass eines Tages ihre Stücke unter ihrem Namen auf einer Londoner Bühne oder auch anderswo aufgeführt wurden. „Ich weiß, dass es dazu kommen wird“, sagte sie immer, „ich darf nur niemals aufgeben.“

Charley bewunderte ihre Tante so sehr, dass sie einmal selbst versucht hatte, ein Stück zu schreiben, doch dann hatte sie das Interesse daran verloren. Das Schreiben war harte Arbeit, und sie hatte nichts, worüber sie schreiben konnte. Stattdessen hatte sie sich damit zufriedengegeben, sich um das Haus zu kümmern, nun ja, zumindest bis sie das Abenteuer des Taschendiebstahls für sich entdeckt hatte – und da war irgendetwas mit Charley geschehen. Sie wusste nicht genau, was sie vom Leben erwartete, aber sie merkte, dass es ihr großen Spaß machte, für die Beschaffung ihres Lebensunterhalts ihren scharfen Verstand zu benutzen – außer wenn ihre Tante vor der Tür stand und möglicherweise herausfinden konnte, welchen Unfug sie angestellt hatte. Trotz ihres eigenen abenteuerlichen Lebens konnte Sarah ein richtiger Moralapostel sein. Taschendiebstahl würde sie ganz sicher nicht billigen.

„Ja?“, sagte Charley jetzt und rieb sich die Augen, als wäre sie gerade erst aufgewacht. Natürlich musste sie dazu die Knickerbocker loslassen, und sie fielen zu Boden. Zum Glück bemerkte Sarah es nicht, sie war ganz auf Charley konzentriert.

„Ist alles in Ordnung mit dir?“, erkundigte sie sich.

„Natürlich, warum fragst du?“

„Ich habe nach dir gerufen und sogar noch vor wenigen Minuten an deine Tür geklopft.“

„Ach, vielleicht bin ich davon wach geworden. Ich habe ein Schläfchen gemacht.“

„Das machst du doch sonst nie!“

„Heute schon. Übrigens, warum bist du überhaupt hier? Müsstest du nicht im Theater sein?“

Sarah ging dankbar auf das neue Thema ein. „Eigentlich ja, aber dann kam Lady Baldwin mit so guten Neuigkeiten zu mir, dass ich Coleman sagte, ich müsse unbedingt nach Hause gehen. Ich war heute Abend ohnehin nur Zweitbesetzung und Melissa schon eingetroffen, daher wusste ich, ich würde nicht gebraucht werden. Nun ja, er hätte immer irgendeine Beschäftigung für mich gefunden – du kennst ihn ja –, aber heute hat er mir freigegeben.“

Ihre Tante verpasste niemals eine Vorstellung, selbst wenn sie hinter den Kulissen bleiben musste, und Charley wurde neugierig. „Was für Neuigkeiten hatte Lady Baldwin denn?“

„Es hat etwas mit dir zu tun.“ Sarahs grüne Augen leuchteten vor Aufregung. „Sie ist unten, sie soll es dir selbst erzählen. Auf jeden Fall ist das deine Chance, Charley. Endlich hast du die Gelegenheit, den Platz in der Gesellschaft einzunehmen, der dir zusteht.“

„Wie meinst du das?“

„Komm nach unten und finde es heraus. Ich bin so gespannt auf dein Gesicht, wenn du hörst, worum es sich handelt.“ Sie wollte gehen, drehte sich dann aber noch einmal zu Charley um. Sie hob die Hand, um Charley den Geldbeutel zu zeigen. „Übrigens, den habe ich auf dem Küchentisch gefunden. Ist der von Davies?“

Charley hätte weinen können. Das Geld befand sich nun in der Hand ihrer Tante, es gab keine Möglichkeiten, jetzt noch die fünf Guineen davon abzuzweigen. Sarah führte genau Buch über die Ausgaben. „Hm, ja. Ein Bediensteter hat ihn abgegeben.“

„Als ich heute Nachmittag das erste Mal in die Küche gegangen bin, habe ich ihn gar nicht bemerkt“, meinte Sarah verwirrt.

„Vielleicht hast du ihn übersehen?“

Ihre Tante zuckte mit den Schultern. „Möglich. Ich bin so aufgeregt wegen Lady Baldwins Neuigkeiten, dass sich mir der Kopf dreht. Ich hätte ihn tatsächlich übersehen können. Dem Himmel sei Dank, dass er da ist, und es fühlt sich so an, als entschädigte Davies uns für das, was er uns nicht geschickt hat.“

„Hast du schon nachgesehen, wie viel Geld darin ist?“

„Ich zähle es nach, während du dich anziehst. Beeil dich und komm zu uns nach unten.“ Sarah ging den Flur entlang zur Haupttreppe.

Charley schloss die Tür und lehnte sich dagegen. Sie ärgerte sich maßlos über sich selbst. Warum hatte sie den Geldbeutel nicht mit nach oben genommen?

Vielleicht ergab sich eine Gelegenheit, sich die fünf Guineen heimlich zu nehmen. Es bestand allerdings auch Hoffnung, denn Leo hatte sie nicht zum Zahlen gedrängt. Es war fast, als wollte er, dass ihre Schulden anwuchsen. War das bei ihrem Vater auch so gewesen?

Sie stieg aus den Knickerbockern, ehe sie noch darüber stolpern konnte. Dann rollte sie die Wollstrümpfe nach unten und verstaute alles, einschließlich der Schuhe, ganz hinten in ihrem Kleiderschrank. Hastig schlüpfte sie in das blaue Tageskleid, das sie getragen hatte, ehe sie auf ihren Diebeszug gegangen war. Ihr Zopf hatte sich halb aufgelöst, daher bürstete sie ihn aus und band ihr Haar zu einem schlichten Pferdeschwanz, ehe sie nach unten ging.

Sarah und Lady Baldwin saßen im Empfangssalon, wie die Familie das Wohnzimmer nannte. Ihre Ladyschaft hatte auf dem Sofa Platz genommen, während Sarah in einem der Sessel vor dem kalten Kamin saß. Das Zimmer war so klein, dass Sarah und Charley mit Decken und warmer Kleidung warm genug war und sie kein teures Holz zu verheizen brauchten.

Lady Baldwin war beinahe genauso groß wie breit; eine kräftige Frau, die bunte Muster liebte und zu einem Stil kombinierte, der zu ihr passte. Auch hatte sie eine Vorliebe für ausladende Hüte mit langen Federn daran. Fast alles an ihr sprach von längst vergangenen Zeiten. Sie puderte immer noch ihr Haar und malte sich das Gesicht an.

Sie war Julies Patentante gewesen und auch diejenige, die Sarah aufgespürt und sie auf Charleys Not mit ihrem Onkel Davies angesprochen hatte. „Ich würde dich ja selbst aufnehmen“, hatte Lady Baldwin Charley erklärt, „aber du kennst ja meine Situation.“

Der verstorbene Lord Baldwin war einer der meistgeachteten Ratgeber des Königs gewesen, mittlerweile jedoch erinnerten sich nur noch wenige an ihn. Er hatte seine Witwe in keinen guten Verhältnissen zurückgelassen. Sein Erbe sprach kaum mit ihr, und ihre Tochter hielt sie einfach nur für peinlich. Sie lebte bei dieser Tochter, ihrem mürrischen Schwiegersohn und sechs rauflustigen Kindern, eine wirklich unangenehme Situation.

„Ihr wäre es am liebsten, wenn ich einfach sterben würde“, hatte Lady Baldwin schon häufig seufzend zu Charley gesagt. „Aber den Gefallen tue ich ihr nicht. Ich frage mich oft, ob ich wohl beim Theater hätte bleiben sollen, anstatt mit Bertie durchzubrennen. Wo wäre meine hochmütige Tochter dann jetzt wohl?“

Ihre Ladyschaft verbrachte gern die Abende im Haus in der Mulberry Street, und Sarah und Charley hielten immer ein Gästezimmer für sie bereit.

Sarah füllte das Glas, das Lady Baldwin ihr hinhielt, wieder mit Ratafia auf; noch so etwas, das in dem kleinen Haus immer für Lady Baldwin vorrätig war.

„Charlene, mein Mädchen, komm, gib mir einen Kuss!“, rief Lady Baldwin ihr zur Begrüßung entgegen.

Charley ging pflichtschuldigst zu ihr und küsste sie auf die Wange. „Sarah sagt, Sie hätten eine Überraschung für mich?“ Während sie sprach, sah sie aus dem Augenwinkel, wie Sarah den Geldbeutel aufschnürte.

„Nicht einfach nur eine Überraschung“, erwiderte Lady Baldwin, „sondern eine Chance!“

Genau bei diesen Worten leerte Sarah den Beutel in ihrem Schoß aus, und Charley war abgelenkt. Es war weitaus mehr Geld, als für die ausstehende Miete nötig war. Von dieser Summe konnten sie eine ziemlich lange Zeit gut auskommen. Es mussten an die fünfzig Guineen sein; kein Wunder, dass der Beutel so schwer gewesen war.

Sarah war genauso überrascht wie Charley. Sie zählte die Münzen ab, ehe sie sie wieder in den Beutel legte. „Ich kann es kaum glauben. Der alte Wüstling hat seine Schulden beglichen.“

„Und das gerade noch rechtzeitig“, stellte Lady Baldwin fest. „Wir werden dieses Geld gebrauchen können.“

„Das ist wahr“, stimmte Sarah zu.

Geld, das Charley verdient hatte. Sie versuchte, sich einen Reim auf das Gespräch zu machen. „Entschuldigung, Lady Baldwin, was sagten Sie eben?“

„Ich sagte, dass du die Chance des Jahrhunderts hast, meine junge Freundin. Was hältst du davon, eine Duchess zu werden?“

„Oh ja, gern, danke“, erwiderte Charley nüchtern und griff nach der Flasche Ratafia, um sich selbst etwas von dem Likör in eins von den Gläsern einzuschenken, die Sarah auf einem Tablett bereitgestellt hatte. „Das heißt, wenn es einen Duke gibt, der eine Braut ohne Mitgift haben will. Existiert ein solcher Mann überhaupt?“

„Oh ja.“ Lady Baldwin hielt eine Karte mit Goldrand hoch, auf der etwas mit eleganter Handschrift geschrieben stand. „Der Duke of Baynton sucht eine Ehefrau. Er ist reich genug für sieben Bräute ohne Mitgift, und ich glaube, du hast gute Chancen, dass er auf dich aufmerksam wird. Das ist deine Einladung zu seinem Ball, mir höchstpersönlich ausgehändigt von seiner Großtante.“ Sie warf die Einladung auf das Tablett mit den Gläsern, als spielte sie eine Trumpfkarte aus.

Charley betrachtete das edle Papier und fing zu lachen an. „Der Gedanke, ich könnte auf einen Ball gehen …“ Sie schüttelte den Kopf bei dieser absurden Vorstellung. „Oder gar einen Duke heiraten! Ich bin ja noch nicht einmal in die Gesellschaft eingeführt worden, niemand kennt mich dort. Und ich bin arm.“

Und du bist ungewöhnlich schön“, konterte Lady Baldwin. „Das Gesicht einer Frau ist ihr Vermögen.“

„Nicht in der wirklichen Welt“, widersprach Charley.

„Für mich war es das wohl“, zwitscherte Lady Baldwin.

„Ich hatte dieselben Zweifel, Charley“, meldete Sarah sich zu Wort. „Aber lass Lady Baldwin ausreden. Das ist wirklich deine Chance, deinen Platz in der Gesellschaft einzunehmen; der Platz, der dir zusteht.“

Charley hätte ihr sagen können, dass ihr richtiger Platz hier war, umgeben von Menschen, die sie liebten. Und doch … „Warum glauben Sie also, ich könnte eine Duchess werden?“, wandte sie sich an Lady Baldwin. „Ich habe vom Duke of Baynton gehört. Er ist einer der bedeutendsten Männer in England. Er könnte jede Frau heiraten.“

„Das könnte er, aber er wünscht sich etwas Besonderes – wie dich“, erklärte Lady Baldwin genüsslich. „Er braucht keine Mitgift, er hat mehr Geld, als er ausgeben kann. Was er will …“, sie hob eine grün behandschuhte Hand, um seine Erwartungen an den Fingern abzuzählen, „… sind gute Abstammung, gute Manieren, gute Abstammung, Schönheit und gute Abstammung. Ich weiß das aus bester Quelle. Ich stehe seiner Großtante nahe. Dame Imogen ist sehr pedantisch, und sie sucht verzweifelt die ‚richtige‘ Frau für ihn.“

„Und ‚richtig‘ bedeutet, von guter Abstammung zu sein?“, fragte Charley wenig überzeugt.

„Das muss so sein“, entgegnete Lady Baldwin. „Er ist seinem Titel und seinen Nachkommen gegenüber verpflichtet, eine Frau aus einer guten Familie zu wählen. Dearne hatte seine Fehler, aber sein Stammbaum war tadellos, genau wie der deiner Mutter. In der Tat, als ich dich Dame Imogen vorgeschlagen habe, wurde sie ganz aufgeregt. Sie bestand darauf, dich zu sehen. Sie ist einverstanden, sogar sehr.“ Lady Baldwin tippte vielsagend auf die Einladungskarte.

„Wann hat sie mich denn gesehen?“

„Vor drei Tagen, als du und ich im Park spazieren gegangen sind. Sie saß in einer Sänfte, wahrscheinlich ist dir das gar nicht aufgefallen.“

„Weil es so kalt war“, sagte Charley zu Sarah. „Ich hatte mich schon gewundert, dass Lady Baldwin mit mir spazieren gehen wollte. Mir ist beinahe die Nase abgefroren.“

„Und wenn, dann war es für eine gute Sache“, winkte Lady Baldwin ab. „Sie fand dich ganz reizend. Du hast sie an deinen Vater erinnert. Offenbar hatte sie ihn recht gern.“

Charley wusste nicht, was sie davon halten sollte.

Sarah merkte ihr ihre Verwirrung an. „Was ist schon dabei, auf einen Ball zu gehen? Du hast dir wenigstens einen in deinem Leben verdient.“

„Wirst du mitkommen?“, fragte Charley.

„Das wäre nicht sehr klug“, wandte Sarah ein. „Schauspielerinnen sind in Ballsälen nicht willkommen. Aber Lady Baldwin wird dich als Anstandsdame begleiten.“

„Aber Lady Baldwin war auch Schauspielerin!“

„Die durch ihre Heirat ehrbar geworden ist“, erinnerte Sarah sie.

„Außerdem gehört ihr, du und Sarah, zu den ganz wenigen Menschen, die wirklich alles über mich wissen“, sagte Lady Baldwin. „Dame Imogen ist so rigide in ihren Ansichten. Wenn sie von meiner Vergangenheit wüsste, würde sie sich augenblicklich von mir distanzieren. Andererseits, nun bin ich schon so alt, wen kümmert’s?“ Sie schenkte sich ein weiteres Glas Ratafia ein. Die Flasche war bald leer.

„Du gehst also hin, Charley?“, fragte Sarah.

„Ist es denn so wichtig für dich?“

Sarahs Blick wurde weich. „Ja, das ist es. Du bist für ein besseres Leben geschaffen. Ich möchte dich gern gut abgesichert sehen.“

„Aber was ist mit dir?“

„Wenn du die Duchess des reichsten Mannes von London bist, kannst du dich sehr gut um Sarah kümmern … und um mich.“ Lady Baldwin hob das Glas bei diesem Gedanken. „Du wärst so reich, dass du Sarahs Stücke aufführen lassen könntest. Baynton könnte sogar das ganze Theater kaufen. Oder selbst eins bauen!“ Sie war ganz begeistert von der Idee.

„Wir werden dir ein passendes Kleid kaufen müssen, und vielleicht noch ein paar andere Kleidungsstücke.“ Sarah liebte es, Pläne zu schmieden. „Das Geld dafür haben wir ja jetzt.“ Sie zeigte auf den Geldbeutel.

„Neue Kleider sind ein Muss“, stellte Lady Baldwin fest und betrachtete Charley kritisch. „Auch werden wir eine Kutsche leihen müssen. Und habt ihr schon einmal daran gedacht, eine Bedienstete einzustellen? Das Haus ist vorzeigbar, aber eine Bedienstete muss sein, wenn der Duke seine Aufwartung macht.“

„Ich kann die Bedienstete spielen“, schlug Sarah vor. „Ich trage ein Kostüm aus dem Theater, und wir lassen Baynton in dem Glauben, dass Charley mit Ihnen zusammenlebt.“

„Ja, das geht.“

Autor

Cathy Maxwell

Cathy Maxwell beschäftigt sich am liebsten mit der Frage, wie und warum Menschen sich verlieben. Obwohl sie bereits über 35 Romane veröffentlicht hat, bleibt die Liebe für sie weiterhin eines der größten Mysterien! Um weiter zu diesem Thema zu forschen, verlässt sie gerne ihr gemütliches Zuhause in Texas und...

Mehr erfahren