Die Cinderella-Maskerade

– oder –

 

Rückgabe möglich

Bis zu 14 Tage

Sicherheit

durch SSL-/TLS-Verschlüsselung

Auf einem Maskenball wagt die unscheinbare Zanai das Undenkbare: Unerkannt küsst sie den umwerfend attraktiven Jayden Lattimore mitten auf der Tanzfläche. Kurze Zeit später taucht Jayden von ihrer Tür auf und behauptet, sie nicht vergessen zu können. Dabei hat er sie früher nie beachtet! Kann sie ihm wirklich glauben?


  • Erscheinungstag 30.07.2026
  • ISBN / Artikelnummer 9783751542869
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

LaQuette

Die Cinderella-Maskerade

1. KAPITEL

„Vergiss es!“ Zanai James sah ihre beste Freundin Morgan Grandin empört an, erntete aber nur ein Lächeln. Dies verriet, dass Morgan ihre Einwände nicht ernst nahm. Das tat sie eigentlich nie.

Sie befanden sich in Zanais Boutique The Rancher’s Daughter. Morgan kam um den Verkaufstresen herum. „Komm schon, Zanai. Wir reden von der Party des Jahres. Jeder, der wichtig ist, ist dabei. Die Leute ordern ihre Kostüme für den Maskenball schon fast ein Jahr im Voraus. Du hast dich jahrelang davor gedrückt. Es wird endlich Zeit, dass du aufhörst, dich zu verstecken.“

Etwas verlegen, weil die Freundin sie mit der Wahrheit konfrontierte, blickte Zanai auf ihre Mary-Jane-Schuhe herab – mit den niedrigen Absätzen und den Riemen waren sie der Inbegriff eines schicken, aber soliden Schuhwerks.

„Morgan, es ist ja nett, dass du dir solche Gedanken um mich machst, aber es ist vergebliche Liebesmüh. Ich passe nicht zu solchen Veranstaltungen. Bücher, Wissenschaft und Forschung – das ist meine Welt. Small Talk und Flirten ist nichts für mich. Meine Güte, ich kann nicht einmal anständig mit den Wimpern klimpern. Wenn ich es versuche, sieht es aus, als hätte ich einen Anfall.“

„Zanai …“ Morgan legte ihr die Hände auf die Schultern. „Du siehst gut aus, und du bist nicht auf den Kopf gefallen. Die Menschen werden dich lieben, wenn du ihnen nur eine Chance gibst, dich kennenzulernen.“

Zanai schüttelte den Kopf. „Alle finden mich einfach nur langweilig.“

„Hey, du wagst es, deiner besten Freundin zu widersprechen. Du bist nicht langweilig.“

„Ich habe nicht behauptet, langweilig zu sein. Ich habe nur gesagt, dass die Leute mich so sehen.“

Als Morgans emporgezogene Braue verriet, dass sie den Unterschied nicht begriff, setzte Zanai hinzu: „Morgan, ich will mich nicht kleinmachen. Es gefällt mir, ein Nerd zu sein. Ich empfinde es sogar als eine Art Auszeichnung. Aber ich weiß nun einmal, dass andere Menschen das nicht so sehen. Also halte ich mich von ihnen fern und bleibe bei meinen Büchern.“

Morgan lächelte bedrückt. Zanai wusste, dass ihre Freundin kein Mitleid mit ihr hatte. Sie fand es einfach nicht gut, wenn ein Mensch so viel Zeit allein verbrachte.

„Zanai, du hast deiner Tante versprochen, dich nicht hinter deiner Arbeit zu verkriechen und dir von diesem Rudel Wölfe, das sich deine Familie nennt, nicht das Leben vermiesen zu lassen.“

Gefühle der Schuld und der Trauer durchliefen Zanai, als sie an die Frau dachte, die ihr nach dem frühen Tod ihrer Mutter so viel Liebe geschenkt hatte. Déjà war die Schwester ihrer Mutter gewesen. Sie wurde zum einzigen Lichtblick in Zanais freudlosem Leben. Nun hatte sie auch diese Tante Anfang des Jahres verloren, und Zanai fragte sich, ob sie diesen Verlust je würde verwinden können.

„Es ist unfair, meine verstorbene Tante zu benutzen, um mich zu manipulieren. Ich fange an zu begreifen, wieso du dich ständig mit Ryan streitest. Du kannst einfach nicht nachgeben.“

„Ich will dich nicht manipulieren, sondern dich nur ermutigen“, korrigierte Morgan sie. „Und Ryan ist ja nun wirklich das Letzte. Er ist ein dickschädeliger Neandertaler, den ich …“

Zanai konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Morgan war hier nicht die Einzige, die wusste, wie sie ihre beste Freundin aufmuntern konnte …

Normalerweise war Morgan ein reiner Sonnenschein und immer gut gelaunt. Allein die Erwähnung von Ryan Carter genügte allerdings, um sie aus dem Tritt zu bringen. Natürlich würde Morgan es nie zugeben, aber Zanai vermutete, dass ihre heftige Reaktion auf den Mann eher etwas damit zu tun hatte, dass sie sich zu ihm hingezogen fühlte.

„Es geht im Moment nicht um Ryan oder darum, wie schrecklich er ist. Wir reden davon, was für ein wunderbarer Mensch du bist und dass du endlich einmal leben solltest.“

„Ich weiß.“ Mit einem abgrundtiefen Seufzer ließ Zanai sich auf das Sofa im Ankleidebereich sinken. „Ich weiß einfach nicht, wie man das macht. Ich war schon immer eine Außenseiterin. Während die anderen Mädchen sich Gedanken darüber machten, wie sie zu präsentablen Damen der Gesellschaft werden konnten, habe ich die Nase immer nur in meine Bücher gesteckt. Ich weiß nicht, wie man sich bei solchen Gesellschaften benimmt oder was man dabei anzieht. Ich gehöre einfach nicht dazu.“

Morgan setzte sich neben sie und legte ihr den Arm um die Schultern. „Dafür, dass du deine Nase in die Bücher gesteckt hast, bist du nun eine angesehene Kinderpsychologin. Die gute Nachricht ist: Du hast Geld genug, um jemanden dafür zu bezahlen, sich um dein Haar und das Make-up zu kümmern. Und wozu habe ich schließlich diese Boutique? Ich habe die besten Beziehungen, um dir auch die schicksten Modellkleider zu besorgen. Wenn du versprichst, mir freie Hand zu lassen, dann sorge ich dafür, dass du die Königin des Balls wirst.“

Zanai blieb skeptisch. Morgan strahlte diese ganz besondere Entschlossenheit aus, die Zanai schon mehr als einmal in Schwierigkeiten gebracht hatte.

Sie schloss die Augen und nahm all ihre Kraft zusammen, um Nein zu sagen. Als sie sie wieder öffnete, sah sie, dass Morgan förmlich strahlte vor Begeisterung. Wenn sie aussah wie ein Kind unter dem Weihnachtsbaum, dann konnte Zanai ihr einfach nichts abschlagen.

„Also gut. Tu, was du nicht lassen kannst.“

Drei Tage später. Die Boutique war geschlossen. Zanai stand vor dem Spiegel und betrachtete sich mit fassungslosem Staunen.

„Wie um alles in der Welt hast du das in der kurzen Zeit geschafft, Morgan?“

Ihre Freundin musterte sie mit unverhohlenem Stolz. „Ich habe dir doch gesagt, dass ich dich zur Königin des Balls mache.“

Zanai erkannte sich kaum wieder. Sie steckte in einem trägerlosen Abendkleid. Der tiefe Ausschnitt betonte ihren wohlgeformten Körper, insbesondere die schmale Taille. Der bodenlange Rock bestand aus mehreren Lagen Chiffon, die in perfekten Falten fielen. Das Kleid war atemberaubend, aber es war die leuchtend rote Farbe, die Zanai den Atem verschlug.

„Morgan, das bin doch nicht ich!“

Ihre Freundin klatschte begeistert in die Hände. „Es ist ein Maskenball, Dummchen. Du sollst ja gar nicht als du selbst gehen. Ich hole noch schnell die Accessoires, und dann können wir los.“

Minuten später reichte sie Zanai eine kleine Silberclutch und legte ihr ein passendes Cape um die Schultern. Obwohl das Cape nur aus reinem Chiffon bestand, fühlte Zanai sich damit gleich etwas bedeckter. Ihre Freundin wusste doch immer genau, was sie brauchte.

Morgan strich Zanais lange dunkle Locken über eine Schulter, bevor sie ihr eine glitzernde kleine Krone auf das Haar drückte und ihr eine rote Maske vor das Gesicht schob.

Zanai musste zugeben, dass der Effekt einfach umwerfend war. Sie sah wirklich so aus, als gehörte sie auf den Ball. Nun musste sie nur noch den Mund halten, und im renommierten Texas Cattleman’s Club erkannte vielleicht niemand die Außenseiterin in ihr.

Jayden Lattimore nippte an seinem Glas Champagner, während er sich an die Bar lehnte und den Blick über die Menschen im Saal gleiten ließ. Es sah ganz so aus, als wären die oberen Kreise von Royal bei diesem jährlich stattfindenden Ball wieder vollständig vertreten.

Auch wenn die meisten ihr Gesicht wenigstens teilweise hinter Masken verborgen hatten, erkannte Jayden fast jeden. Gelangweilt sah er sich um, ob es nicht doch irgendetwas von Interesse für ihn gab, bevor er seinen Abgang machen konnte.

Da er aus einer der reichsten Familien von Royal kam, hatte er seine Pflicht allein schon durch sein Erscheinen erfüllt. Er hatte nicht die Absicht, sich hier den ganzen Abend um die Ohren zu schlagen bei diesem albernen Versteckspiel für Erwachsene.

Er wollte noch einen Schluck trinken, als eine Erscheinung ihn jäh innehalten ließ. In der Tür war eine wahre Königin in leuchtendem Rot erschienen. Er wusste nicht, ob sie absichtlich stehen blieb, um einen dramatischen Effekt zu erzielen, oder ob sie sich einfach nur orientieren musste. Wie auch immer – die elegante und gleichzeitig sexy Königin, die sie alle mit ihrer Gegenwart beehrte, zog viele Blicke auf sich.

Jayden wollte gerade zu ihr hinübergehen, als sie den Saal betrat und in seine Richtung kam.

Das war ihm nur recht so. Normalerweise war es nicht seine Art, einer Frau nachzulaufen. Das hatte er als Mitglied des alten Geldadels der Stadt und bei seinem guten Aussehen auch gar nicht nötig. Die Frauen liefen ihm nach, nicht umgekehrt.

Die Frau, die mehr oder weniger direkt auf ihn zukam, schien von einer geheimnisvollen Aura umgeben zu sein, die Jayden so sehr faszinierte, dass sein Interesse an einem Gespräch mit ihr über die gewohnt flüchtige Neugier hinausging, mit der er Frauen gemeinhin begegnete.

„Auch auf die Gefahr hin, klischeehaft zu wirken: Darf ich Ihnen einen Drink holen?“

Die maskierte Königin sah ihn mit sinnlichen, dunkelbraunen Augen an. Ihm war, als hätte ihn ein Schlag direkt auf die Brust getroffen. Er musste sich förmlich zwingen, nicht nach Luft zu schnappen.

„Nein, danke.“ Ihre Antwort kam rasch, während sie sich an die Bar lehnte und den Blick durch den Raum schweifen ließ. „Ich warte auf jemanden.“

Jayden war enttäuscht. Natürlich war diese bezaubernde Frau nicht allein!

„Meine Freundin wurde in der Lobby aufgehalten. Sie kommt gleich nach.“

Er spürte förmlich, wie ein strahlendes Lächeln über seine Züge glitt. Sie war mit einer Freundin gekommen! Das änderte doch alles, oder?

„Sieht doch ganz so aus, als sei die Verspätung Ihrer Freundin mein Glück. Es ist mir eine Freude, ein paar Momente allein mit der schönsten Frau des Abends zu verbringen.“

Er erwartete das übliche leichte Senken des Kopfes, mit dem die Frauen seiner Kreise auf ein solches Kompliment reagiert hätten. Geheuchelte Bescheidenheit wurde ihnen schon von Kindesbeinen an eingetrichtert. Diese Frau reagierte jedoch anders als erwartet. Sie starrte ihn fragend an, als versuchte sie, herauszufinden, was in ihm vorging.

„Vielen Dank für das Kompliment. Mein Gesicht ist halb hinter einer Maske verborgen – wie wollen Sie wissen, ob ich schön bin oder nicht?“

Ihre Direktheit amüsierte ihn. Ganz offensichtlich kannte sie die üblichen Verhaltenscodes nicht.

„Wow!“ Er lachte, bevor er noch einen Schluck von seinem Champagner nahm. „Sie reden nicht lange um den heißen Brei herum, was?“

Sie strich sich eine Strähne hinter das Ohr, sodass die mit Diamanten besetzten Ohrringe hin- und herschwangen. Dann neigte sie den Kopf ein wenig zur Seite und sah zu ihm auf. „Es tut mir leid. Ich wollte Sie nicht kränken. Small Talk ist nicht meine Stärke.“

Er machte eine wegwerfende Handbewegung. „Sie müssen sich nicht entschuldigen. Es ist ziemlich erfrischend, wenn eine Frau so offen ist. Die Chancen sind ausgewogener, wenn ich weiß, was sie denkt.“ Er reichte ihr seine Hand und hoffte inständig, dass sie sie nahm. Als sie es tat, war ihm, als brannte sich etwas Unerklärliches, aber sehr Starkes durch seinen Körper.

„Ich bin Jayden Lattimore – auch bekannt als das Phantom.“

„Das habe ich mir schon gedacht bei der weißen Maske, die Ihr halbes Gesicht bedeckt.“

Er zuckte die Schultern. „Wenn man diese Bälle jedes Jahr mitmacht, fällt einem irgendwann nichts Neues mehr ein. Ein Klassiker lässt sich leicht bewerkstelligen und wird in diesen exklusiven Kreisen immer akzeptiert.“

Er hatte ihre Hand nicht losgelassen und registrierte bewusst, dass sie ihre nicht zurückzog.

„Und Sie sind?“

Sie formte mit ihren Lippen ein perfektes O, das ihn spontan an vollkommen andere Umstände denken ließ, in denen er sich diese Lippen gewünscht hätte …

„Es ist ein Maskenball, und ich dachte, es ginge gerade darum, seine Identität zu verbergen.“

Jayden konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Wer auch immer sich hinter dieser Maske verbarg, hatte einen schnellen Verstand und eine scharfe Zunge. Zwei Merkmale, die ihm plötzlich sehr zusagten.

„Seien Sie doch nicht so, Darlin’! Wie sollen wir uns besser kennenlernen, wenn Sie mir nicht sagen, wer Sie sind? Ich nehme jedes Jahr an dieser Party teil, und ich weiß, dass ich Sie hier im Texas Cattleman’s Club noch nie gesehen habe. Verzeihen Sie mir also, wenn ich so eingenommen bin von Ihrer atemberaubenden Schönheit, dass ich unbedingt Ihren Namen erfahren möchte.“

Sie sah kurz zur Seite. Als ihre Blicke sich wieder trafen, sah er in ihrem ein Lachen blitzen, das seinen Puls prompt schneller gehen ließ.

„Würde ich es Ihnen sagen, würde ich mich um das Vergnügen bringen zu sehen, wie Sie versuchen, herauszufinden, wer ich bin. Ich weiß nicht, ob ich darauf verzichten möchte, nur um Ihre Neugier zu befriedigen.“

„Vertrauen Sie mir, meine Königin – es ist nicht meine Neugier, die befriedigt werden möchte.“

Er wartete einen Moment, um zu sehen, wie sie auf seine Worte reagierte. Es war nicht seine Absicht, sie zu provozieren. Na ja, gut, er wollte sie provozieren, aber er wollte sie nicht verletzen. Seine Sorge, sie könnte ihm die Worte übelgenommen haben, verschwand, als er ihr Lächeln sah.

„Im Ernst“, fuhr er fort. „Ich würde wirklich gern herausfinden, wer sich hinter der hübschen Maske verbirgt.“

„Wieso?“

Er kniff die Augen zusammen, während er nachdachte. Sie sah hinreißend aus in diesem leuchtenden Rot. Die Art, wie das eng anliegende Oberteil ihre kleinen Brüste betonte, spielte sicher eine Rolle dabei, dass er sie gern näher kennenlernen wollte. Aber es war mehr als das. Die Art, wie sie ihn ansah, verriet ihm, dass sie keine der üblichen Frauen aus den höheren Kreisen war, die hier verkehrten. Sie strahlte etwas anderes aus, das ihn unwiderstehlich anzog.

„Ich möchte wissen, wer Sie sind, damit ich weiß, wie ich Sie anreden darf, wenn wir später gemeinsam gehen und etwas Zeit miteinander verbringen.“

„Ist das nicht etwas anmaßend?“

Er zuckte die Schultern. „Zuversichtlich, würde ich sagen. Sie sind nun schon ein paar Minuten hier und haben noch nicht versucht, mir zu entkommen. Wäre ich Ihnen auf die Nerven gegangen, hätten Sie mit Sicherheit eine Möglichkeit gefunden, die Flucht zu ergreifen. Nebenbei gesagt: ich laufe den Frauen nicht nach. Wenn eine Frau mir sagt, dass sie nicht interessiert ist, suche ich mir eine andere. Sollten Sie also nicht interessiert sein, müssen Sie es nur sagen.“

So, er hatte ihr den Fehdehandschuh zugeworfen. Nun lag die Entscheidung bei ihr. Dabei hoffte er allerdings inständig, dass ihre Interessen seinen glichen.

„Da bist du ja!“

Jaydens Aufmerksamkeit wurde jäh gestört. Er spürte, wie ihm die Hand der roten Königin entglitt und ihn mit einem merkwürdigen Gefühl des Verlustes zurückließ, das er nicht verstand.

Er schüttelte den Kopf, bevor er die Frau betrachtete, die neben ihnen aufgetaucht war. Obwohl ihr Gesicht von einer Halbmaske aus Spitze bedeckt war und das rote Haar unter einer hellblonden Perücke verschwand, erkannte er Morgan Grandin sofort. Sie war die Schwester seines besten Freundes, und sie hatten als Kinder so viel Zeit zusammen verbracht, dass er sie überall und unter allen Umständen erkannt hätte.

Er sah über Morgans Schulter hinweg und entdeckte Vic, der ihr auf den Fersen folgte.

„Zwei der Grandins – und wie immer mit perfektem Timing.“ Jayden hoffte, dass seine Worte so sarkastisch klangen, wie sie gemeint waren.

„Jayden, kann ich dich eine Minute sprechen?“

Offenbar hatte Vic seinen genervten Unterton nicht bemerkt.

„Ich bin gerade beschäftigt, Vic. Wir können später reden.“

Sein Freund legte ihm eine Hand auf die Schulter und lenkte ihn zur Seite.

„Es ist wichtig, Jay. Es dauert nur ein paar Minuten.“

Jayden warf Vic einen scharfen Blick zu, bevor er sich wieder der Königin in Rot zuwandte. Bedauernd musste er sehen, dass die geheimnisvolle Schöne mit Morgan zusammen verschwand.

„Du hast mir gerade eine Chance vermasselt, mein Freund.“

„In dem Kleid findest du sie leicht wieder, wenn wir fertig sind.“ Als Jayden aufstöhnte, hob Victor beschwichtigend eine Hand. „Hör mir einfach nur zu, dann kannst du gleich wieder zu deiner Angebeteten, und ich kann zurück zu Aubrey.“

Jayden beobachtete den Funken der Freude im Blick seines Freundes, als er seine Verlobte erwähnte. Wer konnte ihm schon böse sein, wenn er so verdammt glücklich war?

„Dann sag, was du zu sagen hast, damit ich weiter das tun kann, wobei du mich gestört hast.“

„Da hat aber jemand schlechte Laune!“ Vic zog erstaunt eine Braue hoch.

Jayden bemerkte etwas Rotes aus den Augenwinkeln, und er sah rasch hinüber. War es die Frau, die ihn so fasziniert hatte – und die ihn immer noch faszinierte?

Sie war es nicht. Es enttäuschte ihn mehr als erwartet. Sie hatten kaum mehr als fünf Minuten miteinander verbracht, da sollte es ihm wirklich einerlei sein. Diese Einsicht schien jedoch noch nicht bis zu seinem Verstand vorgedrungen zu sein, denn er ertappte sich dabei, dass er den Blick an Vic vorbei durch den Saal schweifen ließ – immer auf der Suche nach der Unbekannten.

„Ich sehe schon, deine Gedanken sind woanders.“ Als Jayden darauf nichts sagte, grinste Vic breit. Er kannte seinen Freund lange genug, um auch ohne Worte zu wissen, was in ihm vorging.

„Ich verstehe ja, was mit dir los ist, aber du musst mir jetzt wirklich zuhören. Ich brauche deine Hilfe.“

„Wobei?“

„Ich glaube, mir ist da ein Weg eingefallen, wie wir Ryan und Morgan zusammenbringen könnten.“

„Ryan und Morgan? Wirklich?“

Ryan war ein guter Freund von Jayden. Er wusste, Ryan war ein anständiger Kerl, aber er hatte sehr festgefahrene Ansichten und eine ausgesprochen dominante Persönlichkeit. Jayden war sich nicht sicher, ob es eine so gute Idee war, Ryan ausgerechnet mit Morgan zusammenzubringen, die ihrerseits sehr selbstbewusst war.

„Komm schon, Jayden, es ist doch offensichtlich, dass die beiden auf einander stehen. Und wenn meine Schwester schon mit jemandem zusammen sein soll, dann möchte ich doch, dass es ein Mann ist, der sie auch wirklich mag.“

Jayden stimmte ihm zu. Er liebte Morgan wie eine Schwester, und Ryan war sein Freund. Obwohl Jayden wusste, dass Vic nur das Beste für seine Schwester wollte, hatte er doch Zweifel an seinen Motiven.

„Er mag sie, ja, aber ich habe den Eindruck, dass du die beiden in erster Linie deswegen zusammenbringen willst, weil du so glücklich mit Aubrey bist. Nun willst du dasselbe für alle anderen, die um dich herum sind.“

Vic widersprach ihm nicht und redete einfach weiter, als hätte er Jaydens Einwand gar nicht gehört.

„Sie streiten sich wie die Kesselflicker.“ Das stimmte. Morgan und Ryan waren noch keine zwei Sekunden zusammen, und schon flogen die Fetzen. Es war unterhaltsam mitzuerleben, aber auch etwas ermüdend. „Ich bin diese ewigen Streitereien leid. Und was ist so schlimm daran, wenn ich möchte, dass alle so glücklich sind wie ich?“

„Nichts“, erwiderte Jayden. „Es ist alles in Ordnung, solange du deine Kuppeleien auf deine Schwester konzentrierst und mein Liebesleben in Ruhe lässt. Ich habe nicht die Absicht, der Nächste auf deiner Liste zu sein.“ Jayden hoffte, damit alles klargestellt zu haben. Er wollte das Thema jetzt schnell beenden, damit er sich wieder um die schöne Unbekannte kümmern konnte. „Was hast du denn vor, Vic?“

„Ich schicke Morgan eine Nachricht, von der sie annehmen muss, dass sie für Ryan gedacht war. Wenn sie dann antwortet, bitte ich sie, die Nachricht zu vergessen, weil sie nicht für sie bestimmt war. Natürlich wird sie wissen wollen, was dahintersteckt. Sobald sie in Hörweite ist, unterhalten wir uns darüber, wie sehr Ryan auf sie steht.“

Jayden tippte nachdenklich seinen Finger an das Glas. „Glaubst du wirklich, dass das funktioniert?“

„Bestimmt.“ Vic gab Jayden keine Chance für weitere Bedenken. Er zog sein Smartphone aus der Tasche und gab rasch einen Text ein.

Jayden warf einen Blick über Vics Schulter und sah, wie Morgan zurück zur Bar kam, diesmal ohne die Königin in Rot. Er unterdrückte ein enttäuschtes Seufzen.

Er konnte sich einreden, es wäre reine Neugier, die sein Interesse an der Unbekannten geweckt hatte, aber er wusste, es war mehr. In ihrem Blick hatte er etwas erkannt, das ihn zutiefst berührte. Er wusste, er würde nicht eher Ruhe finden, bis er herausgefunden hatte, was es war, das diese Frau für ihn so anziehend machte.

„Also gut. Sie ist fast da“, sagte Jayden rasch. „Wir wollen es hinter uns bringen, damit ich mich wieder um meine eigenen Angelegenheiten kümmern kann.“

„Um die Frau in Rot?“

Sein Freund hatte wirklich eine Art, ihm auf die Nerven zu gehen!

„Willst du nun meine Hilfe oder nicht?“

Vic hob die Hände in einer Geste der Resignation. Zufrieden darüber, dass das Thema endlich abgehakt war, leerte Jayden in einem Zug sein Glas.

„Gut. Dann wollen wir es hinter uns bringen, bevor Aubrey dich sucht.“

Vic wartete, bis er sicher sein konnte, dass Morgan sie hörte.

„Es ist eine solche Schande, dass Ryan Morgan seine wahren Gefühle nie gestehen würde. Es ist ja offensichtlich, dass er auf sie steht, und wenn sie einmal wirklich darauf achten würde, würde sie es auch begreifen.“

Autor

Gefahren

  • Dieses Produkt enthält keine bekannten Gefahren.

Kontakt zum Herausgeber für weitere Informationen zur Barrierefreiheit

  • Weitere Informationen zur Barrierefreiheit unserer Produkte erhalten Sie unter info@cora.de.

Navigation

  • Dieses E-Book enthält ein Inhaltsverzeichnis mit Hyperlinks, um die Navigation zu allen Abschnitten und Kapiteln innerhalb dieses E-Books zu erleichtern.